FOCUS Magazin 48/2018

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WIRTSCHAFT

INNER CIRCLE

„Das autonome Auto kann

besser fahren als ich“

Formel-1-Weltmeister Nico Rosberg, Bahn-Chef

Richard Lutz, ZEG-Marketing-Chef Franz Tepe,

FDP-Politikerin Daniela Kluckert und die große Frage:

Welche Mobilität macht unsere Städte lebenswerter?

TEXT VON JAN GARVERT

Auto-King

Nico Rosberg, 33, begann

seine Rennfahrerkarriere mit

elf Jahren, 2016 wurde er

Formel-1-Weltmeister. Heute

investiert der verheiratete

Familienvater in Mobility-Startups

und die Formel E. Die Rennserie

wirbt für Elektromobilität

Fotos: Markus C. Hurek für FOCUS-Magazin, Jens Oellermann/HBM

N

ico Rosberg, 33, schaut

etwas irritiert, als das Publikum

plötzlich lacht. Gerade

hat der ehemalige Formel-

1-Weltmeister die Freiheitsstatue

nach Berlin verlegt.

Als er seinen Versprecher

bemerkt, muss auch er grinsen. Dabei

wollte er eigentlich nur erzählen, dass

hier ganz in der Nähe unter der Siegessäule

schon selbstfahrende Autos im

Stadtverkehr getestet würden.

Rosberg kennt sich nicht nur wegen

seiner sportlichen Karriere mit Fahrzeugen

und Mobilität aus. Er investiert seit

seinem Abschied aus der Formel 1 auch

in Start-ups der Mobilitätsbranche. Beim

FOCUS Inner Circle Mobility im „China

Club“ in Berlin diskutierte Rosberg mit

dem Vorstandschef der Deutschen Bahn,

Richard Lutz, 54, dem Marketing-Chef

der Zweirad-Einkaufs-Genossenschaft

(ZEG), Franz Tepe, 57, und der FDP-Verkehrspolitikerin

Daniela Kluckert, 37.

Kernfrage: Wie kann, wie sollte Mobilität

in Städten angesichts wachsender Einwohner-

und Autozahlen und vielerorts

drohender Fahrverbote aussehen?

Deutschland erlebt beim Verkehr

bereits „Wachstumsschmerzen“

Bahn-Chef Lutz spricht bereits von

„Wachstumsschmerzen“ aller Verkehrsträger

– egal, ob Bahn, Auto oder Fahrrad.

Es werde einfach immer enger. Schlüssel

sei deshalb der Ausbau von Kapazitäten,

aber bitte nicht wahllos, mahnt Lutz. Die

Großes Interesse Rund 150 Gäste kamen zum

FOCUS Inner Circle in den „China Club“ in Berlin

Politik müsse entscheiden, wo es langgehe.

Sonst führe auch Carsharing, in

das die Deutsche Bahn früh investiert hat,

nur zu mehr Verkehr – weil niemand auf

das eigene Auto wirklich verzichte.

Als ein Positivbeispiel hebt der Bahn-

Chef Kopenhagen hervor, „die Weltstadt

des Radverkehrs“. Dort habe man

die Menschen gefragt, wie sie sich eine

lebenswerte Stadt vorstellten. „Rausgekommen

sind Infrastrukturangebote für

das Fahrrad – mit Radschnellwegen“,

sagt Lutz. Im Ergebnis nutzen dort nun

viel mehr Leute das Rad.

Die Zukunft sei eine App, die jedem

Nutzer anzeige, wie er die einzelnen Verkehrsträger

– also Carsharing, Bus, Fahrrad

oder Bahn – optimal kombinieren

könne. „Sonst stehen wir künftig nur

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INNER CIRCLE

Auto, Fahrrad oder Öffentliche – wem gehört die Zukunft in den Städten?

noch im Stau“, warnt auch ZEG-Mann

Franz Tepe und plädiert für mehr Radverkehr

in den Städten. Lieferdienste

könnten mit Lastenrädern ihre Transporter

ersetzen. Für Autos sei in Zukunft

schlichtweg zu wenig Platz in den wachsenden

Citys – obwohl er sein Auto liebe,

wie Tepe versichert.

Für FDP-Verkehrsexpertin Daniela

Kluckert gehört das Auto dagegen auch

künftig in die Stadt. Es sei falsch, „das

Auto aus ideologischen Gründen aus

der Stadt zu drängen“. Die Menschen

müssten frei wählen können, wie sie sich

fortbewegen. „Man kann auch darüber

nachdenken, die Einfahrt in die Stadt

zu ‚bepreisen‘“, sagt Kluckert. Ein Stichwort

sei die City-Maut. Aber es müsse

immer darum gehen, Mobilität möglich

zu machen.

Der frühere Formel-1-Weltmeister Nico

Rosberg sieht vor allem im autonomen Fahren

riesige Chancen. China und die USA

seien da allerdings viel weiter als Europa.

In den USA hat er sich schon autonom

kutschieren lassen. „Die autonomen Autos

fahren jetzt schon besser als ich“, sagt er

kokettierend. Die Autos würden vor allem

zusätzliche Sicherheit bringen. Es werde

aber dauern, bis sie unseren Alltag auf

der Straßen prägen.

n

Bahn-Chef

Richard Lutz im

Gespräch mit

Burda-Vorstand

Philipp Welte,

BurdaNews-

Chef Burkhard

Graßmann und

FOCUS-Chefredakteur

Robert

Schneider (v. l.)

Alexander Gutierrez

Diaz (General Manager

Baume & Mercier)

Sport- und Eventmanager

Michael Mronz

Journalistin Frauke

Schlieckau und

Fernsehmoderatorin

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Das Video vom FOCUS Inner Circle Mobility finden Sie unter:

http://bit.do/innercirclevideo

Schauspielerin

Nadine Warmuth

und Roman Dietz

(Aptiv)

Roland Werner vom Fahrdienstvermittler

Uber

und FDP-Verkehrsexpertin

Daniela Kluckert

Nicola Brüning (BMW), Gerhard

Schulz (Verkehrsministerium),

Marten Bosselmann

(Bundesverband Paket, v. l.)

ZEG-Marketing-Chef Franz Tepe,

Anika Gaudian (WMP Eurocom) und

Tim Hosenfeldt (Schaeffler, v. l.)

Franz Tepe (ZEG), Richard Lutz (DB),

Nico Rosberg, Daniela Kluckert (FDP)

und Robert Schneider (FOCUS, v. l.)

CDU-Europaabgeordneter

Elmar Brok und Johann

Friedrich Colsman (Bundesverkehrsministerium,

l.)

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Fotos: Jens Oellermann, Benjamin Zibner/beide für HBM

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