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Zukunftsmuseum. Eine Sammlung von Wikipedia Artikeln für einen nachhaltigen Lebensstil.

Auf über 570 Seiten wurden über 50 Wikipedia Artikel im PDF Format zusammengestellt, die nachhaltige Konzepte aus Wirtschaft, Landwirtschaft und Communitybuilding beschreiben: Impulse für einen zukunftigen nachhaltigen Lebensstil - das Thema des Zukunftsmuseums.

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ZUKUNFTSMUSEUM<br />

EINE SAMMLUNG VON WIKIPEDIA<br />

ARTIKELN FÜR EINEN NACHHALTIGEN<br />

LEBENSSTIL<br />

zusammengestellt <strong>von</strong><br />

Franz Jedlicka<br />

www.zukunftsmuseum.org


Agrarökologie<br />

Agrarökologie (seltener Agroökologie) kann als „Wissenschaft, Bewegung oder Praxis“ verstanden werden. Anfangs bezog sich<br />

Agrarökologie auf Pflanzenproduktion und -schutz, in den letzten Jahrzehnten kamen umweltbezogene, soziale, ökonomische,<br />

ethische und entwicklungsbezogene Aspekte hinzu. [1]<br />

Inhaltsverzeichnis<br />

1 Bedeutungen<br />

1.1 Agrarökologie als Wissenschaft<br />

1.2 Agrarökologie als Bewegung<br />

1.3 Agrarökologie als Praxis<br />

2 Literatur<br />

3 Siehe auch<br />

4 Einzelnachweise<br />

Bedeutungen<br />

Der Begriff Agrarökologie wurde in seiner englischen Entsprechung erstmals 1928 verwendet. Bis in die 1960er Jahre hinein war die<br />

Agrarökologie eine rein wissenschaftliche Disziplin. Dann entwickelten sich verschiedene Zweige. Aus den Umweltbewegungen der<br />

1960er Jahre, die sich gegen industrielle Landwirtschaft richteten, gingen agrarökologische Bewegungen in den 1990er Jahren<br />

hervor. Seit den 1980er Jahren entstand die Agrarökologie auch als Praxis, die häufig mit den Bewegungen verknüpft war. In den<br />

letzten 80 Jahren vergrößerte sich auch das Betrachtungsspektrum der Agrarökologie <strong>von</strong> der Feld- zur Agrarökosystemebene. [1]<br />

Heute hat Agrarökologie verschiedene wissenschaftliche Bedeutungen und wird zudem verwendet, um eine Bewegung oder eine<br />

landwirtschaftliche Praxis zu beschreiben. In verschiedenen Regionen lassen sich unterschiedliche Bedeutungsschwerpunkte des<br />

Begriffs feststellen. In Deutschland hat die Agrarökologie eine lange Tradition als wissenschaftliche Disziplin und ist nicht mit<br />

anderen Bedeutungen verknüpft. In den Vereinigten Staaten und Brasilien werden alle drei Bedeutungen unter dem Begriff<br />

verstanden, wobei die wissenschaftliche in den USA und die anderen in Brasilien dominieren. In Frankreich wurde unter<br />

Agrarökologie lange eine Praxis verstanden. [1]<br />

Für den deutschsprachigen Raum gilt zusammenfassend, dass unter Agrarökologie entweder ein Teilgebiet der Ökologie oder ein<br />

Teilgebiet der Landwirtschaft verstanden wird.<br />

... als Teilgebiet der: Ökologie Landwirtschaft<br />

... im Gegensatz zu:<br />

Wissenschaft, Bewegung<br />

oder Praxis?<br />

ausformuliert:<br />

- Stadtökologie<br />

- Humanökologie<br />

- ...<br />

Agrarökologie als<br />

Wissenschaftsdisziplin<br />

Die Ökologie <strong>von</strong><br />

Agrarökosystemen<br />

- ökologische Landwirtschaft<br />

(Bio-Landbau)<br />

- industrielle Landwirtschaft<br />

- ...<br />

Agrarökologie als soziale<br />

Bewegung<br />

und landwirtschaftliche Praxis<br />

Die agrarökologische<br />

Landwirtschaft<br />

(Landbewirtschaftungsmodell)


Agrarökologie als Wissenschaft<br />

Als Wissenschaft ist die Agrarökologie ein Teil der Ökologie oder Landschaftsökologie. Sie befasst sich mit den ökologischen<br />

Zuständen und Prozessen der Agrarökosysteme und dem Ökosystemkomplex Agrarlandschaft als Ganzes. Die Agrarökologie<br />

berücksichtigt dabei nicht nur die unmittelbar der landwirtschaftlichen Nutzung unterworfenen Ökosysteme wie Acker- und<br />

Grünland, sondern auch die damit funktional verknüpften naturnäheren Ökosysteme wie Wälder und Moore und deren mittelbare<br />

Beeinflussung durch die Landwirtschaft (z. B. über atmosphärische Stof feinträge oder laterale Stofverlagerungen).<br />

Die Agrarökologie befasst sich im Sinne wissenschaftlicher Grundlagenforschung mit den Steuergrößen der Biodiversität der<br />

Agrarökosysteme bzw. der Agrarlandschaft. Sie betrachtet unter Berücksichtigung der biotischen Hierarchie-Stufen (Gene, Arten,<br />

Populationen, Lebensgemeinschaften) einzelne Organismen, Organismengruppen oder <strong>einen</strong> möglichst großen Anteil der Gesamtheit<br />

aller Organismen und deren Wechselbeziehungen untereinander (z. B. trophische Interaktionen, Konkurrenz, wechselseitige<br />

Begünstigungen) und untersucht insbesondere die Beziehungen zwischen Standorteigenschaften, Landnutzung und Biodiversität<br />

sowie die Bedeutung räumlicher Muster und der Nutzungsdynamik <strong>für</strong> die Biodiversität. Im Sinne angewandter wissenschaftlicher<br />

Forschung zielt die Agrarökologie auf die naturschutzfachliche Bewertung agrarischer Landnutzung und die Unterstützung der<br />

Erarbeitung ökologisch nachhaltiger agrarischer Nutzungskonzepte.<br />

Die Methoden der agrarökologischen Forschung variieren mit den jeweils untersuchten Ökosystemen und Organismengruppen und<br />

zeigen mit standortkundlichen Erhebungen, Luft- und Satellitenbildinterpretationen, Anwendungen geographischer<br />

Informationssysteme und ökologischer Modellierung die Nähe zu angrenzenden Wissenschaftsdisziplinen wie der ökologischen<br />

Standortkunde und der Landschaftsökologie an.<br />

Die Agrarökologie wird an Universitäten mit unterschiedlichen inhaltlichen Schwerpunkten als Studienfach, Fachgebiet, Studiengang<br />

oder interdisziplinäres Programm gelehrt. Das Fach Agrarökologie ist dabei in unterschiedlichen Fachbereichen (z. B. Biologie,<br />

Geographie, Agrarwissenschaften) angesiedelt.<br />

Agrarökologie als Bewegung<br />

Beginnend in den 1990er Jahren in den Vereinigten Staaten und Lateinamerika wurde Agrarökologie als Eigenbezeichnung <strong>von</strong><br />

Bewegungen übernommen, um ein neuartiges Bild der Landwirtschaft und ihres Verhältnisses zur Gesellschaft auszudrücken. In<br />

Brasilien hat es die Agrarökologie als Wissenschaft nie gegeben, sie hat dort ihre Wurzeln in traditioneller Landwirtschaft. In den<br />

1970er Jahren begannen Bewegungen, die landwirtschaftlicher Modernisierung kritisch gegenüberstanden, <strong>für</strong> alternative<br />

Landwirtschaft, Familienbetriebe und Ernährungssouveränität zu werben. Ein bekannter Unterstützer dieser Bewegungen war José<br />

Lutzenberger. In den 1980er Jahren wurden diese Bewegungen formalisiert. 2001 fand das „National Meeting of Agroecology“ statt,<br />

das zum Ziel hatte, <strong>für</strong> die Agrarökologie zu werben. 2003 erkannte die brasilianische Regierung die Agrarökologie unter dem<br />

Schirm der ökologischen Landwirtschaft formal an. [1]<br />

In Deutschland ist die Agrarökologie als Bewegung mehr oder weniger nicht existent, da sich die meisten Produzenten der nichtkonventionellen<br />

Landwirtschafteher der Permakultur oder dem Bio-Landbau zugehörig fühlen.<br />

Agrarökologie als Praxis<br />

„Agrarökologische Landwirtschaft“ geht über die Standards und Anforderungen des Bio-Landbaus hinaus, der mittlerweile auch im<br />

großen Stil betrieben werden kann. Im deutschsprachigen Raum haben sich jedoch eher Begriffe wie Permakultur oder biologischdynamischer<br />

Landbau als Identität stiftende Kategorien durchgesetzt. Klare Grenzen zwischen den einzelnen Begriffen zu ziehen ist<br />

sehr schwierig. Gemeinsam haben alle diese Formen der Landwirtschaft, dass sie in klarem Kontrast (und meist auch Konflikt) zur<br />

konventionellen Landwirtschaftstehen.<br />

Literatur<br />

Konrad Martin, Joachim Sauerborn: Agrarökologie. Ulmer Verlag., Stuttgart 2006, ISBN 3-8252-2793-6.


Stephen R. Gliessman: Agroecology: The Ecology of Sustainable Food Systems. CRC Press, 2006 (zweite Auflage).<br />

ISBN 0849328454<br />

Keith Douglass Warner: Agroecology in Action: Extending Alternative Agriculture through Social Networks . The MIT<br />

Press, 2007. ISBN 0262731800<br />

Anil Shrestha, David Clements: New Dimensions In Agroecology. CRC Press, 2004. ISBN 1560221127<br />

Francis, C., Lieblein, G., Gliessman, S., Breland, T., Creamer, N., Harwood, R., Salomonsson, L., Helenius, J.,<br />

Rickerl, D., Salvador, R., Wiedenhoeft, M., Simmons, S., Allen, P., Altieri, M., et al. (2003): Agroecology: The<br />

Ecology of Food Systems. Journal of Sustainable Agriculture, Vol. 22, Nr. 3, S. 99–118.(als Word-Dokument)<br />

Siehe auch<br />

Agrarwende<br />

Einzelnachweise<br />

1. A. Wezel, S. Bellon, T. Doré, C. Francis, D. Vallod, C. David: Agroecology as a science, a movement and a practice.<br />

A review. (http://agroeco.org/socla/wp-content/uploads/2013/12/wezel-agroecology .pdf) In: Agronomy for<br />

Sustainable Development.29, 2009, S. 503, doi:10.1051/agro/2009004 (https://dx.doi.org/10.1051%2Fagro%2F200<br />

9004).<br />

Abgerufen <strong>von</strong> „https://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Agrarökologie&oldid=168851979 “<br />

Diese Seite wurde zuletzt am 6. September 2017 um 22:10 Uhr bearbeitet.<br />

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Aktive Mobilität<br />

Die Aktive Mobilität umfasst alle Fortbewegungsarten, die ganz oder teilweise auf Muskelkraft basieren. Fahrradfahren<br />

und „zu Fuß gehen“ sind dabei die prominentesten, es gehören jedoch auch Formen der Mobilität dazu, an die man nicht<br />

sofort denkt, wie Tretroller und Kickboard fahren. [1]<br />

Mit dem Begriff ‚Aktive Mobilität‘ wird Zufußgehen und Radfahren nicht weiter auf eine Weise beschrieben, was es nicht<br />

ist, nämlich ein „nicht motorisierter“ Verkehr, sondern die ‚Aktive Mobilität‘ wird gleichsam als attraktiver <strong>Lebensstil</strong><br />

propagiert. [2][3]<br />

Die ‚Aktive Mobilität‘ bringt eine Reihe <strong>von</strong> Vorteilen mit sich: sie ermöglicht effiziente Raum- & Siedlungsstrukturen<br />

und erhöht damit die Zugänglichkeit der Städte, sie ist wirtschaftlich und sicher, fördert Gesundheit & Fitness, erhöht die<br />

Lebensqualität und kann mit geringen Kosten umgesetzt werden. [3][2][4][5]<br />

Der derzeitige Stand der Wissenschaft deutet darauf hin, dass der gesundheitliche Nutzen aus der körperlichen Aktivität<br />

durch ‚Aktive Mobilität‘, die gleichzeitig damit verbundenen Risiken – insbesondere die Unfallgefahr und die Exposition gegenüber<br />

Luftschadstoffen – bei weitem aufheben. [6]<br />

Mobilitätspyramide<br />

Die Mobilitätspyramide erklärt das Zusammenspiel <strong>von</strong> Aktiver und passiver Mobilität: Oben sind die weiten<br />

Entfernungen eingetragen und unten die nahen. [5] Das Fundament der Mobilitätspyramide ist die ‚Aktive<br />

Mobilität‘, die Fortbewegung aus eigener Körperkraft. [2] Ziel im Sinne der Nachhaltigkeit ist es, den Zeitanteil<br />

der Aktiven Mobilität zu erhöhen. [5]<br />

<strong>Eine</strong> Sonderstellung in der Mobiltätspyramide nimmt das E-Bike ein. Als Mischform <strong>von</strong> Aktiver und passiver<br />

Mobilität, wird es als Spielveränderer (engl.: game changer) angesehen. Das Pedelec oder E-Bike, also das<br />

elektrisch unterstützte Fahrrad, erweitert den Raum der Möglichkeiten. Während das Fahrrad die Reichweite<br />

gegenüber dem Zufußgehen mehr als verdoppelt, verdreifacht das Pedelec noch einmal die Reichweite des<br />

Fahrrads. [2] Da<strong>von</strong> abgesehen erlaubt es müheloses Radfahren auch in hügeligem Umfeld und es ermöglicht<br />

Menschen mit eingeschränkten sportlichen Fähigkeiten weiterhin ‚aktiv‘ mobil zu bleiben.<br />

Aktive Mobilität und Stadt der Zukunft<br />

50 % aller PKW-Fahrten sind nicht länger als 5 km und lassen sich damit gut mit dem Fahrrad zurücklegen. [4] Für Städte liefert die<br />

‚Aktive Mobilität‘ <strong>einen</strong> entscheidenden Lösungsbeiträge auf dem Weg in eine postfossile Gesellschaft und ist Voraussetzungen <strong>für</strong><br />

Zero Emission Citys der Zukunft. [7][5]<br />

‚Aktive Mobilität‘ ist neben den Öffentlichen Verkehrsmitteln und dem motorisierten Individualverkehr die dritte Säule des Verkehrs.<br />

Ein mögliches Ziel ist eine gleichberechtigte Stellung der ‚Aktiven Mobilität‘ neben den beiden anderen Verkehrsträgern. [1][3][8]<br />

Zahlreiche Forschungen beschäftigen sich damit, welche äußeren und inneren Bedingungen Menschen Anreize geben, sich<br />

vorzugsweise aktiv fortzubewegen. Ein Beispiel da<strong>für</strong> ist das Forschungsfeld ‚Aktive Mobilität‘ in Österreich. [9][10]<br />

Nicht nur <strong>von</strong> den äußeren Bedingungen hängt die Verkehrsmittelwahl ab, sondern auch vom persönlichen Verhalten jedes Einzelnen.<br />

In einer Themenwoche hat die ARD Entscheidungspunkte gesammelt, an denen jeder die Wahl hat und gibt Empfehlungen:<br />

Bei Besorgungen mit dem Auto <strong>einen</strong> zentralen Parkplatz wählen und dann die verschiedenen Geschäfte zu Fuß<br />

ansteuern.


Für regelmäßige Besorgungen keine gesonderte Fahrt unternehmen, sondern diese auf dem Arbeitsweg erledigen.<br />

Zu Fuß oder mit dem Fahrrad öfter <strong>einen</strong> Umweg machen, zum Beispiel die längere, aber schönere Route wählen.<br />

Regelmäßig die Treppe anstelle des Aufzugsoder der Rolltreppe nehmen.<br />

Wie wäre es mit der Anschafung eines Pedelecs? Gerade bei kurzen Strecken ist das Fahrrad mit elektrischer<br />

Unterstützung eine echte Alternative zum Auto. [8]<br />

Einzelnachweise<br />

1. AktMob-Camps, Fragen & Antworten (http://www.actmobcmp.org/)<br />

2. movum, Briefe zur Transformation, Die Mobilitätspyramide (http://www.movum.info/themen/mobilitaet/294-die-mobilit<br />

aetspyramide), Heft 9: Mobilität, 17. Januar 2016<br />

3. klimaretter.info, Aktive Mobilität macht Städte anziehend(http://www.klimaretter.info/mobilitaet/hintergrund/20404-akt<br />

ive-mobilitaet-macht-staedte-anziehend), 8. Februar 2016<br />

4. Bundesministerium <strong>für</strong> Verkehr, Innovation und Technologie (Österreich),‚Aktive Mobilität (http://www.bmvit.gv.at/mo<br />

bilitaet/personenmobilitaet/aktive_mobilitaet.html) , o. J.<br />

5. Evangelische Akademie Tutzing, Aktive Mobilität, ein Menschenrecht – Cycling „Made in Tutzing“ (http://web.ev-aka<br />

demie-tutzing.de/cms/fileadmin/content/Die%20Akademie/Aktuelles/pdf/Gastkolumne_Mai_2014_Neu.pdf) , <strong>von</strong><br />

Manfred Neun (Präsident European Cyclists' Federation), April 2008<br />

6. Schweizerisches Gesundheitsobservatorium, Aktive Mobilität und Gesundheit(http://www.obsan.admin.ch/sites/defa<br />

ult/files/publications/2015/obsan_dossier_47.pdf) , 2015<br />

7. oekonews.at, Städte auf dem Weg in eine emissionsfreie Zukunft (http://www.oekonews.at/index.php?mdoc_id=110<br />

3194), 2. Dezember 2015<br />

8. ARD, Themenwoche: Der mobile Mensch(http://web.ard.de/themenwoche_2011/?p=16) , Mai 2011<br />

9. Die Presse, Rad fahren bei jedem Wetter (http://diepresse.com/home/science/4915093/Rad-fahren-bei-jedem-Wette<br />

r?_vl_backlink=/home/science/index.do), 29. Januar 2016<br />

10. Bundesministerium <strong>für</strong> Verkehr, Innovation und Technologie (Österreich),FTI-politische Roadmap zur Ausrichtung<br />

der FTI Maßnahmen „Mobilität der Zukunft“ im Themenfeld „Personenmobilität innovativ gestalten“ (https://www.bmvi<br />

t.gv.at/innovation/publikationen/verkehrstechnologie/downloads/roadmap_personenmobilitaet.pdf) , April 2014<br />

Abgerufen <strong>von</strong> „https://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Aktive_Mobilität&oldid=169530443 “<br />

Diese Seite wurde zuletzt am 29. September 2017 um 12:58 Uhr bearbeitet.<br />

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Allmende<br />

Die Allmende, in der Schweiz Allmend, Allmeind oder Allmein, ist eine Form gemeinschaftlichen Eigentums.<br />

Als landwirtschaftlicher Begriff bezeichnet Allmende oder „Gemeine Mark“ Gemeinschafts- oder Genossenschaftsbesitz abseits der<br />

parzellierten (in Fluren aufgeteilten) landwirtschaftlichen Nutzfläche. [1] Allmenden sind heute noch im Alpenraum, auf der<br />

schwedischen Insel Gotland, vereinzelt im Nord- und im Südschwarzwald (Hotzenwald) und Südbayern, vor allem aber in ländlichen<br />

Gebieten der Entwicklungsländer verbreitet.<br />

Im über die Landwirtschaft hinausgehenden Sinne wird der Begriff in den Wirtschafts- und Sozialwissenschaften und den<br />

Informationswissenschaften verwendet, siehe unter anderem Allmendegut, Wissensallmende, Tragik der Allmende und Tragik der<br />

Anti-Allmende. Dabei wird oft die englischsprachige Entsprechung commons verwendet.<br />

Die Allmende ist keine Rechtsform im Sinne des deutschen Zivilrechts oder sonstigen deutschen Rechts.<br />

Inhaltsverzeichnis<br />

1 Etymologie<br />

2 Allmende als Rechtsform<br />

2.1 Formen<br />

3 Geschichte und Entwicklung<br />

4 Moderne Allmenden<br />

4.1 Alpgenossenschaften<br />

4.2 Allmendweiden<br />

5 Der Begriff der Allmende im übertragenen Sinn<br />

6 Siehe auch<br />

7 Veröffentlichungen<br />

7.1 Literatur<br />

7.2 Hörfunk<br />

8 Weblinks<br />

9 Einzelnachweise<br />

Etymologie<br />

Der Begriff entstand im Hochmittelalter als mittelhochdeutsch al(ge)meinde, almeine oder almeide Gemeindeflur oder<br />

Gemeinweide und bezeichnete ein im Besitz einer Dorfgemeinschaft befindliches Grundeigentum innerhalb einer Gemarkung. [2][3]<br />

Sprachliche Varianten sind auch Allmeind, Allmande, in Teilen Südtirols Gemoana und im nordwestlichen niederdeutschen<br />

(niedersächsischen) Sprachraum Meent, was wiederum auf den alten Begrif der Meinheit hinweist.<br />

Die englische Bezeichnung commons bezieht sich auch auf spezifische Landnutzungsrechte (Servitute), die es bestimmten Bauern,<br />

den commoners erlaubten und erlauben, auf Land in Privat-, Kron- oder Gemeineigentum zuzugreifen.<br />

Der Begriff der Trift, wie z. B. in Weidetrift, bezeichnet ein allen zugängliches Land oder <strong>einen</strong> Weg, der prinzipiell allmendhaft ist.<br />

Die Weidetrift wird beispielsweise im Alten Testament bei Ez 48,14–17 erwähnt.


Allmende als Rechtsform<br />

Die Allmende ist jener Teil des Gemeindevermögens, der nicht unmittelbar im<br />

Interesse der ganzen Gemeinde zur Bestreitung <strong>von</strong> deren Ausgaben verwendet<br />

wird, sondern an dem alle Gemeindemitglieder das Recht zur Nutzung haben. Die<br />

Allmende besteht meist aus unbeweglichem Gut wie Wegen, dem Wald, Gewässern<br />

zur Löschwasserversorgung, oder Weideland wie der Gemeindewiese, einem<br />

Hutewald oder Sömmerungsgebieten der Alpen (Alm/Alp), auf der jeder Berechtigte<br />

eine nach einem vereinbarten Schlüssel vorgegebene Anzahl <strong>von</strong> Nutztieren weiden<br />

lassen kann.<br />

Die Nutzung ist meistens auf Gemeinde- (oder Genossenschafts-) Mitglieder<br />

beschränkt oder generell öfentlich zugänglich, wie bei öffentlichen Wegen, Brunnen<br />

oder dem dörflichen Anger: Nur bei letzterem handelt es sich um Allgemeingut (im<br />

Sinne eines Gemeinguts), das k<strong>einen</strong> Eigentümer hat und wo die freie Benutzung als Grundrecht vorliegt.<br />

Daneben gibt es auch Rechte <strong>von</strong> Nutzungsberechtigten (commons sowie commoners im Englischen). Sie umfassen Rechte<br />

(Servitute) wie:<br />

das Wasserrecht,<br />

das Weiderecht,<br />

das Fischereirecht,<br />

das Recht zum Abbau <strong>von</strong> Sand oder Kies und weiteren Rohstof fen im Rahmen des Bergregals sowie das Recht<br />

zum Torfabbau,<br />

das Mastungsrecht,<br />

das Recht zur Entnahme <strong>von</strong> Bau- und Brennholz, oft auf kleinere Bäume und Fallholz begrenzt Holzrecht). (<br />

Die entsprechenden Rechte waren zumeist in Art und Menge begrenzt und wurden mit pauschalen oder quantifizierten Gebühren<br />

belegt, durften aber nicht verwehrt werden. Das Eigentum am Land verblieb beim Grundherrn.<br />

Huteeiche im Windsor Great Park<br />

Formen<br />

Die Allmende wird entweder <strong>von</strong> allen Gemeindemitgliedern oder nur <strong>von</strong> einzelnen bestimmten Berechtigten (der Realgemeinde<br />

oder Nutzungsgemeinde) benutzt:<br />

Nutzung durch alle Gemeindemitglieder: Im ersteren Fall benutzt sie entweder die ganze Gemeinde ungeteilt oder<br />

sie wird alljährlich nach Losen verliehen oder auch alljährlich unter öf fentlicher Autorität verwaltet und nur der Ertrag<br />

wird verteilt. Ein typisches Beispiel ist der Anger.<br />

Nutzung durch einzelne Berechtigte: Im letztern Fall bleibt die Allmende zwar Eigentum der Korporation, jedoch mit<br />

der Besonderheit, dass ihre Benutzung nicht allen Gemeindemitgliedern, sondern nur einer bestimmten Anzahl,<br />

meist den Besitzern bestimmter Güter (Bauernhöfe, Hofgüter, im Gegensatz zu den bloßen Katen), zusteht.<br />

Die einzelnen Nutzungsanteile (Gemeindeteile, Rechtsame, Meenten, Waren, Gewalten) sind in der Regel als Zubehörungen der<br />

betreffenden Bauerngüter zu betrachten. Diese Nutzungsrechte an den Allmenden hängen mit den Verhältnissen der alten<br />

Markgenossenschaften zusammen, welche an Wald und Wiese noch nicht ein Alleineigentum, sondern nur ein durch Hofbesitz<br />

bedingtes Miteigentum zu ideellen Teilen kannten (und kennen).<br />

Gemeinsam ist den Formen aber, dass die Rechte nie an natürliche Personen, sondern an die Gemeinde selbst oder die jeweiligen<br />

Höfe (im Sinne einer juristischen Person) gebunden sind. Die Inanspruchnahme des Anrechts erfordert also Gemeindemitgliedschaft<br />

oder den Status eines Haushaltsvorstandes.<br />

Geschichte und Entwicklung


Im frühen Mittelalter gab es praktisch in jedem Dorf eine Allmende. Sie ging auf das Gemeineigentum der alten Markgenossenschaft,<br />

die „Gemeine Mark“ zurück. Vor allem in Norddeutschland waren Allmenden <strong>für</strong> die bäuerlichen Betriebe <strong>von</strong> besonderer<br />

Bedeutung. Heiden und Niedermoore dienten zur Plaggengewinnung und -düngung um <strong>einen</strong> intensiven Anbau auf Eschländereien<br />

zu ermöglichen. Sie dienten als Weide oder der Holzgewinnung. Großflächig vorhandene Hochmoore dienten der Torfgewinnung. [4]<br />

In Spanien gab es mit fortschreitender reconquista in den Gebieten mit freien Männern neu besiedelte Kommunen, zu deren<br />

Bestellung sich die Anrainer zusammenfanden. Daraus erwuchs eine bis heute vereinzelt erhaltene Grundeigentumsstruktur<br />

bedeutender ejido-Flächen (Feld-, Flur- und Waldgemeinschaften), die <strong>von</strong> den Kommunen in gemeinsamer Regie kultiviert und<br />

genutzt wurde. In den englischsprachigen Ländern war und ist ein Großteil des Landes im Eigentum der Krone (vgl. Kronland<br />

(Kanada)). Die Commons ermöglichten den Erwerb entsprechender Nutzungsrechte.<br />

Im 15. und 16. Jahrhundert eigneten sich in Deutschland und England in vielen Fällen weltliche Herrscher die Gemeindeflächen an<br />

(Allmende-Raub), was ein wichtiger Grund <strong>für</strong> den deutschen Bauernkrieg war. [5] In der Schweiz kam infolge der<br />

Bevölkerungszunahme im 15. Jahrhundert zu ersten Allmendteilungen, und im 16. und 17. Jahrhundert gingen die Gemeinden<br />

umfassend dazu über, den Dorfgenossen Nutzungsrechte (Gerechtigkeiten oder Rechtsamen) zuzuteilen, was den Gemeindebesitz<br />

zunehmend in Sondereigentum verwandelte. [6]<br />

Zu einer noch stärkeren Verkleinerung der Allmende kam es durch Inanspruchnahme durch Markkötter, die seit Anbeginn der<br />

Neuzeit durch Allmenderodungen Landbesitz zu erringen suchten. [4] In England trieb die Enclosure-Bewegung die<br />

Kommerzialisierung der britischen Landwirtschaft voran und wurde zu einer wichtigen Bedingung <strong>für</strong> die industrielle Revolution.<br />

Der Wegfall der Allmende führte zu wirtschaftlichen Beeinträchtigungen und Verarmung <strong>von</strong> Kleinbauern. Aus der verarmten und<br />

durch das Bevölkerungswachstum zunehmenden Landbevölkerung rekrutierte sich dann die Arbeiterschaft in den schnellwachsenden<br />

nordenglischen Industriestädten.<br />

Ende des 19. Jahrhunderts wurde durch die Intensivierung der Landwirtschaft vielfach eine Teilung der Allmenden (siehe auch<br />

Markenteilung, Separation oder Verkoppelung) herbeigeführt, welche juristisch nichts anderes war als völlige Veräußerung des<br />

Eigentums der Korporation an die Gemeindeglieder und zu einer frühen Form der Flurbereinigung führte.<br />

Das ursprüngliche Rechtsgut der Allmende hat sich vereinzelt in Süddeutschland sowie in den Alpengebieten Österreichs und der<br />

Schweiz erhalten, während in den meisten Fällen die Allmende in das Eigentum der Einzelberechtigten oder der politischen<br />

Gemeinde oder in dasjenige einer besonderen Nutzungsgemeinde Real-, ( Nachbar-, Alt-, Mark-, Bürgergemeinde) übergegangen ist.<br />

Weil vielfach die überlieferten Bewirtschaftungsregeln <strong>für</strong> die Allmendeflächen nicht mit modernen landwirtschaftlichen Methoden<br />

in Einklang zu bringen waren, ging im 20. Jahrhundert die wirtschaftliche Nutzung der Allmende weitgehend zurück. Oft wurde dann<br />

auf solche Flächen z. B. <strong>für</strong> die Schafung <strong>von</strong> Neubau- oder Industriegebieten oder Sportanlagen zurückgegrif fen.<br />

Moderne Allmenden<br />

Auf der Suche nach Bewältigungsstrategien <strong>für</strong> die ökologischen Krisen des 21. Jahrhunderts rückt die Allmendbewirtschaftung<br />

wieder in den Fokus der Öffentlichkeit. Gleichzeitig werden Allmenden und Allmendegüter im Zuge der Finanzkrise zunehmend<br />

privatisiert. Michael Hudson <strong>von</strong> der University of Missouri kritisiert, dass private Finanzunternehmen sich zunehmend vom<br />

Kreditgeschäft ab- und dem Aufkauf <strong>von</strong> natürlichen Ressourcen, Infrastrukturen und Allmendegütern (z. B. Wasser, Inseln, aber<br />

auch Ausbildungseinrichtungen) in den <strong>von</strong> der Austeritätspolitik <strong>von</strong> Weltbank und IMF besonders betroffenen Staaten zuwenden,<br />

die diese zu ungünstigen Konditionen abgeben müssen. Daraus können die Finanzinvestoren hohe permanente Renten beziehen. [7]<br />

Dies kann als moderne Form des Allmende-Raubs angesehen werden.<br />

Alpgenossenschaften<br />

Im ganzen Alpen- und Voralpenraum existieren Allmenden auch heute, zum Beispiel in der Schweiz in der Allmendkorporation Reiti<br />

in Horgen am Zürichsee. Diese Allmenden sind teils privatrechtlich, teils (als Korporationsgemeinden) öffentlichrechtlich organisiert.<br />

Manche alpine Allmenden (Allmeinden) umfassen neben Alpweiden und Wäldern auch Immobilien, so etwa die<br />

Oberallmeindkorporation Schwyz. Bei Allmeinden, die Alpweiden umfassen, haben die beteiligten Landwirte das Recht, ihr Vieh


nach bestimmten Nutzungsregeln darauf weiden zu lassen. Die Nutzung wird nach Kuhrechten vergeben. Ein Kuhrecht besagt, dass<br />

der Landwirt eine Kuh darauf weiden lassen darf. Auch sind die Weide- und Triftwege, welche zu den verschiedenen<br />

Wirtschaftsflächen der Bauern führen, meist Gemeingut. Ebenso gibt es im norditalienischen Fusine noch Gemeinschaftsalmen mit<br />

Kuhrechten.<br />

Allmendweiden<br />

In Deutschland existieren solche heute (2010) zum Beispiel im südlichen Hotzenwald um die Gemeinde Ibach herum sowie in<br />

Südbayern.<br />

In Nordamerika beruht das Projekt Buffalo Commons zur Wiederverbreitung des Amerikanischen Bisons in den Great Plains auf dem<br />

Prinzip der Allmend-Bewirtschaftung.<br />

Der Begriff der Allmende im übertragenen Sinn<br />

In erweiterter Form findet der Begrif auch in den Wirtschafts- und Sozialwissenschaften und der Informatik [8] Verwendung:<br />

So werden in der Mikroökonomie allgemein bestimmte Güter als Allmendegüter bezeichnet.<br />

Als Wissensallmende, englisch commons, bezeichnet man gemeinsames Gut der modernen<br />

Informationsgesellschaft. [9]<br />

Die Tragik der Allmende (the tragedy of the commons) führt zur Übernutzung einer Ressource, wenn zu viele Eigner<br />

das (faktische) Recht haben, die Ressource zu nutzen, keine wirksamen Nutzungsregeln bestehen und keiner das<br />

(faktische) Recht hat, andere <strong>von</strong> der Nutzung auszuschließen. [10]<br />

Die Tragik der Anti-Allmende(the tragedy of the anticommons) führt zur Unternutzung einer Ressource, wenn viele<br />

Eigentümer das Recht haben, andere <strong>von</strong> der Nutzung der Ressourcen auszuschließen und keiner ein fektives ef<br />

Nutzungsprivileg hat. [11]<br />

Der englische Begriff Tragedy of the Commons wird unter anderem auf Überlegungen <strong>von</strong> William Forster Lloyd (1795–1852) zur<br />

Bevölkerungsentwicklung zurückgeführt. [12]<br />

Nach Joachim Radkau [13] steht er damit in einer ganzen Reihe <strong>von</strong> Wissenschaftlern und Agrarreformern, die seit dem 18.<br />

Jahrhundert ein angebliches Allmendeproblem diskutierten und exemplarisch <strong>für</strong> die Abschaffung <strong>von</strong> hergebrachten Formen des<br />

Gemeineigentums verwendeten. Der Mikrobiologe und Ökologe Garrett Hardin erweiterte den Begriff 1968 in einem Essay <strong>für</strong> die<br />

Zeitschrift Science, ebenfalls unter dem Titel The Tragedy of the Commons. [14] Die (deutsch) Tragik der Allmende sei nach Hardin<br />

ein unvermeidliches Schicksal der Menschheit, <strong>für</strong> das es keine technologische Lösung gebe. Hardin, der sich selbst in die Tradition<br />

Robert Malthus stellt, [15] sah den Begriff als Metapher <strong>für</strong> Überbevölkerung und forderte eine globale Geburtenkontrolle und rigide<br />

internationale Beschränkungen etwa des Fischfangs. 1994 relativierte Hardin seine Kritik der Allmende in dem Artikel The Tragedy<br />

of the Unmanaged Commons. [16]<br />

Radkau sieht bei Hardin eine deutlich veränderte Verwendung des Allmendebeispiels. [13] Hardin fordere damit nicht mehr den<br />

privaten Zugriff auf ehemals gemeinsam verwaltete Güter. Es ging umgekehrt um eine vermehrte staatliche oder internationale<br />

Regulation <strong>von</strong> Gemeingütern auf globaler Ebene (eine „Ökodiktatur“ bei Radkau [13]:S. 92 ).<br />

Auf die tatsächliche Allmendewirtschaft gehe die Modellvorstellung in beiden Ausprägungen kaum ein. Diese sei (gerade auch bei<br />

einer gewissen Überweidung) ökologisch sehr interessant und <strong>von</strong> einem großen Artenreichtum geprägt. Die Allmendewirtschaft<br />

geht mittlerweile mit wissenschaftlich begründeten Strategien nachhaltig vor. Die wahre 'Tragik der Allmende' bestand Radkau<br />

zufolge im Aufruf zu einer „ökonomischen“, sprich ungehemmten Nutzung der Allmendebestände, was in der Neuzeit auch<br />

eingetreten sei und im Sinne einer 'self fulfilling prophecy' zeitweise krisenhafte Auswirkungen hatte. [13]<br />

Moderne Formen der Allmenderegulierung, im direkten [17][18] bezogen auf die Ressource Landschaft wie im übertragenen,<br />

sozialwissenschaftlichen Sinn [19] sind mittlerweile Gegenstand <strong>von</strong> internationalen Forschungsprojekten wie auch der Untersuchung<br />

<strong>von</strong> Handlungs- und Prozessmustern etwa in der Psychologie. Elinor Ostrom erhielt gemeinsam mit Oliver E. Williamson 2009 den<br />

Wirtschaftsnobelpreis. Ostrom habe gezeigt, „wie gemeinschaftliches Eigentum <strong>von</strong> Nutzerorganisationen erfolgreich verwaltet<br />

werden kann“.


In der Entwicklungspolitik, etwa am Beispiel des landwirtschaftlichen Umbruchs in China werden unter dem Schlagwort „the<br />

tragedy of the commons revisited“ statt einer modellhaft strikten Unterscheidung zwischen privatem, staatlichem oder<br />

Gemeineigentum und einer gänzlich freien Verfügbarkeit historisch wie aktuell Übergangsformen festgestellt und ein Co-<br />

Management derselben empfohlen. [20]<br />

Siehe auch<br />

Allod, Agrargemeinschaft<br />

Commons<br />

Gemeingut<br />

Korporationsgemeinde<br />

Gesellschaftliches Eigentum<br />

Ejido<br />

Feldmark<br />

Jedermannsrecht, Markgenossenschaft, Osing (Freimarkung), Prinzip des Gemeineigentums, Privateigentum<br />

Mapuche (Allmende-Praxis)<br />

Voede<br />

Veröffentlichungen<br />

Literatur<br />

David Bollier: Think Like a Commoner. A Short Introduction to the Life of the Commons.Perseus Books, 2014, ISBN<br />

978-0-86571-768-8.<br />

David Bollier, Silke Helfrich, Heinrich-Böll-Stiftung (Hrsg.): Die Welt der Commons. Muster gemeinsamen Handelns.<br />

transcript, Bielefeld 2015, ISBN 978-3-8376-3245-3.<br />

Johannes Heimrath: Die Commonie. Versuchsanordnung <strong>für</strong> einePost-Kollaps-Gesellschaft des guten Lebens.<br />

thinkOya, Klein Jasedow 2014, ISBN 978-3-927369-73-3.<br />

Andrea Baier, Christa Müller, Karin Werner: Stadt der Commonisten: Neue urbane Räume des Do it yourself.<br />

transcript, Bielefeld 2013, ISBN 978-3-8376-2367-3.<br />

Ulrich Grober: Was allen gehört – Über die Wiederkehr der Allmende. <strong>Eine</strong> Spurensuche.In: Greenpeace Magazin.<br />

Nr. 3, 2012.<br />

Andreas Exner, Brigitte Kratzwald: Solidarische Ökonomie & Commons. Intro.Mandelbaum kritik & utopie, Wien<br />

2012, ISBN 978-3-85476-607-0.<br />

Silke Helfrich, Heinrich-Böll-Stiftung (Hrsg.): Commons. Für eine neue Politik jenseits <strong>von</strong> Markt und Staat.<br />

transcript, Bielefeld 2012, ISBN 978-3-8376-2036-8 [21]<br />

Silke Helfrich (Hrsg.), Elinor Ostrom: Was mehr wird, wenn wir teilen. Vom gesellschaftlichen Wert der Gemeingüter.<br />

oekom verlag, München 2011, ISBN 978-3-86581-251-3.<br />

Silke Helfrich (Hrsg.): Wem gehört die Welt? Zur Wiederentdeckung der Gemeingüter. 2. Auflage. oekom verlag,<br />

München 2009, ISBN 978-3-86581-133-2.<br />

Landesanstalt <strong>für</strong> Umweltschutz Baden-Württemberg (LfU) (Hrsg.): Wälder, Weiden, Moore. Naturschutz und<br />

Landnutzung im Oberen Hotzenwald(= Naturschutz-Spectrum, Themen.Band 94). Verlag Regionalkultur,<br />

Heidelberg u. a. 2004, ISBN 3-89735-268-0.<br />

Dirk Lederbogen, Gert Rosenthal, Dagmar Scholle, Jürgen Trautner, Beate Zimmermann, Giselher Kaule (Hrsg.):<br />

Allmendweiden in Südbayern: Naturschutz durch landwirtschaftliche Nutzung(= Angewandte Landschaftsökologie.<br />

H. 62). BfN-Schriften-Vertrieb im Landwirtschaftsverlag, Münster 2004, ISBN 3-7843-3734-1.<br />

Martin Leonhard, Markus Mattmüller: Allmend. In: Historisches Lexikon der Schweiz..<br />

Christian Müller, Manfred Tietzel: Allmende-Allokationen.In: Manfred Tietzel (Hrsg.): Ökonomische Theorie der<br />

Rationierung. München 1998, S. 163–201.<br />

Elinor Ostrom: Governing the Commons. The Evolution of Institutions for Collective Action.Cambridge University<br />

Press, Cambridge u. a. 1990, ISBN 0-521-40599-8.<br />

deutsch: Die Verfassung der Allmende. Jenseits <strong>von</strong> Staat und Markt (= Die Einheit der<br />

Gesellschaftswissenschaften.Band 104). Übersetzt <strong>von</strong> Ekkehard Schöller . Mohr Siebeck, Tübingen 1999, ISBN<br />

3-16-146916-X.<br />

Louis Carlen: Allmende. In: Lexikon des Mittelalters(LexMA). Band 1, Artemis & Winkler, München/Zürich 1980,<br />

ISBN 3-7608-8901-8, Sp. 439 f.


Bernd Schildt: Allmende. In: Handwörterbuch zur deutschen Rechtsgeschichte. Band 1: Aachen – Geistliche Bank.<br />

2., völlig überarbeitete und erweiterte Auflage. Schmidt, Berlin 2008, ISBN 978-3-503-07912-4, Sp. 169–180 (mit<br />

umfänglicher Bibliographie bis einschließlich 2003, Sp. 178 f.) f<br />

Theodor Felber: Die Allmenden des alten Landes Schwyz. Mit einer Kartenbeilage. In: Jahresberichte der<br />

Geographisch-Ethnographischen Gesellschaft in Zürich.Band 2, 1900/1901, ISSN 1013-8854, S. 61–84, Digitalisat.<br />

Hartmut Zückert: Allmende und Allmendaufhebung. Vergleichende Studien zum Spätmittelalter bis zu den<br />

Agrarreformen des 18./19. Jahrhunderts(= Quellen und Forschungen zur Agrargeschichte.Band 47). Lucius &<br />

Lucius, Stuttgart 2003, ISBN 3-8282-0226-8.<br />

Hörfunk<br />

Dagmar Scholle: Jenseits <strong>von</strong> Markt und Staat – Begegnungen in der Allmende.In: Das Feature. 4. September<br />

2012, 19, S. 15–19, 58.<br />

Zusammenfassung; Manuskript .txt; Audio (MP3; 20,9 MB)<br />

Weblinks<br />

Wiktionary: Allmende – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen<br />

Regierungspräsidium Baden-Württemberg, rp.baden-wuerttemberg.de: Natura 2000-Managementplan (MaP)<br />

Gletscherkessel Präg / Weidfelder im Oberen Wiesental<br />

Digital Library of the Commons (DLC), Forschungsbibliothek(Memento vom 16. Juli 2011 im Internet Archive)<br />

International Journal of the Commons<br />

MAGKS-Paper No. 24-2010 zur «Verfassung der Allmende» (PDF; 76 kB)<br />

Einzelnachweise<br />

1. Martin Born: Geographie der ländlichen Siedlungen.1977, ISBN 3-443-07104-X, S. 34.<br />

2. Nachweis in Schriftquelle des Mittelalters(http://www.rzuser.uni-heidelberg.de/~cd2/drw/e/al/lmen/allmende.htm)<br />

3. Lexikoneintrag auf wissen.de (https://web.archive.org/web/20080503102242/http://www.wissen.de/wde/generator/wi<br />

ssen/ressorts/bildung/woerterbuecher/index,page=3315086.html)(Memento vom 3. Mai 2008 im Internet Archive)<br />

4. Martin Born: Geographie der ländlichen Siedlungen.1977, ISBN 3-443-07104-X, S. 64.<br />

5. bauernkriege.de (http://www.bauernkriege.de/welser.html)<br />

6. Historisches Lexikon der Schweiz.Band I, S. 199.<br />

7. Michael Hudson: The Bubble and Beyond.Islet 2012, ISBN 978-3-9814842-0-5.<br />

8. Bernd Lutterbeck: Die Wissensgesellschaft bauen!(http://www.alfred-buellesbach.de/PDF/05_Lutterbeck_Wissensg.<br />

pdf) In: Umbruch <strong>von</strong> Regelungssystemen in der Informationsgesellschaft.Freundesgabe <strong>für</strong> Alfred Büllesbach.<br />

Johann Bizer, Bernd Lutterbeck, Jochen Rieß(Herausgeber), Stuttgart 2002 (PDF)<br />

9. James Boyle: The Public Domain. Enclosing the Commons of the Mind.(http://www.thepublicdomain.org/download/)<br />

Yale University Press, Yale 2008.<br />

10. Garrett Hardin: The Tragedy of the Commons. Hrsg.: Science. Vol. 162, Nr. 3859, 13. Dezember 1968, S.1243–<br />

1248, doi:10.1126/science.162.3859.1243(https://dx.doi.org/10.1126%2Fscience.162.3859.1243)(online (http://ww<br />

w.sciencemag.org/content/162/3859/1243.ful l) [abgerufen am 30. August 2014]).<br />

11. Michael A. Heller: The Tragedy of the Anticommons. Property inthe Transition from Marx to Markets.In: Harvard<br />

Law Review. Vol. 111 (1998), S. 622.<br />

12. William Forster Lloyd: Two Lectures on the Checks to Population.Oxford University Press, Oxford, England 1833.<br />

13. Joachim Radkau: Natur und Macht, <strong>Eine</strong> Weltgeschichte der Umwelt. C.H.Beck, 2002, ISBN 3-406-48655-X.<br />

14. Garret Hardin: The Tragedy of the Commons.In: Science. 162 (1968) S. 1243–1248.<br />

15. Garrett Hardin: The Feast of Malthus Living within limits.(http://www.thesocialcontract.com/pdf/eight-three/hardin.pd<br />

f) In: THE SOCIAL CONTRACT. Frühling 1998, S. 181–187. (PDF)<br />

16. Garrett Hardin: The Tragedy of the Unmanaged Commons.In: Trends in Ecology & Evolution.Jg. 9, Nr.5 (1994), S.<br />

199.<br />

17. Raimund Rodewald u. a.: Die Anwendung des Prinzips der <strong>nachhaltigen</strong> Entwicklung.2003.<br />

18. Vera Christine Lenhard, Raimund Rodewald:Nachhaltige Landschaftsentwicklung mit Hilfe <strong>von</strong> institutionellen<br />

Ressourcenregimen. In: GAIA – Ecological Perspectives for Science and Society . Volume 9, Number 1, März 2000,<br />

S. 50–57.<br />

19. Andreas M. Ernst, Andrea Bender, Renate Eisentraut, Stefan Seitz: Prozessmuster der Allmenderegulierung: Die<br />

Rolle <strong>von</strong> Strategien, Information und Institutionen – Abschlussbericht – April 2001.Research Reports Institute of


Psychology University of Freiburg Germany<br />

20. Tony Banks: Property Rights Reform in Rangeland China: Dilemmas On the Road to the Household Ranch. In:<br />

World development. Vol. 31, No. 12, Massey University, Palmerston North 2003, S. 2129–2142.<br />

21. Rezension: Deutschlandfunk, Sonja Ernst: Andruck. 20. August 2012, dradio.de (http://www.dradio.de/dlf/sendunge<br />

n/andruck/1844818/), 25. August 2012.<br />

Abgerufen <strong>von</strong> „https://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Allmende&oldid=171655948 “<br />

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Bildungschance<br />

Bildungschance bezeichnet die Chance <strong>von</strong> Personen oder Personengruppen am Bildungssystem teilzunehmen, Bildung zu erlangen.<br />

Für die Unterschiedlichkeit der Bildungschancen einzelner wird in westlichen Industrienationen heute insbesondere die<br />

Zugehörigkeit zu einem bestimmten sozialen Milieu verantwortlich gemacht. In anderen Staaten oder Gesellschaftssystemen kann<br />

der Hauptgrund aber auch die Zugehörigkeit zu einer Religion, Rasse oder einem Geschlecht sein.<br />

Inhaltsverzeichnis<br />

1 Herkunft und Bildungschancen<br />

2 Bundesrepublik Deutschland<br />

3 Literatur<br />

4 Siehe auch<br />

5 Quellen<br />

Herkunft und Bildungschancen<br />

Der soziale Status, also die Zugehörigkeit zu einem bestimmten sozialen Milieu, gilt als mitverantwortlich <strong>für</strong> den Bildungserfolg. In<br />

diesem Zusammenhang wird auch <strong>von</strong> schichtspezifischer Ungleichheit der Bildungschancen gesprochen. Als Gründe werden<br />

angeführt:<br />

der familiäre Hintergrund: Zwischen dem Bildungsniveau der Eltern und dem ihrer Kinder findet sich oft ein<br />

signifikanter Zusammenhang. Deren Erfahrungen und Erfolg im Bildungssystem gilt als mitverantwortlich <strong>für</strong> den<br />

Erfolg der nachfolgenden Generation. Der französische Soziologe Pierre Bourdieu prägte in diesem Zusammenhang<br />

auch den Begrif Kulturelles Kapital oder Bildungskapital.<br />

ungleiche Einkommensverteilung: Bei geringem Einkommen besteht kaum eine Möglichkeit, schulexterne Angebote<br />

wie kostenpflichtige Nachhilfe in Anspruch zu nehmen. Auf Privatschulen, die gegebenenfalls mehr individuelle<br />

Förderung bieten, kann nicht ausgewichen werden. Im Hochschulbereich können Studiengebühren zur Hürde<br />

werden.<br />

räumliche Segregation: Durch soziale Segregation, die räumliche Trennung sozialer Gruppen, trefen Kinder und<br />

Jugendliche aus sozial benachteiligten Milieus seltener auf Angehörige gehobenerer Bildungsschichten. Die Qualität<br />

einer Bildungseinrichtung kann dabei mit der sozialen Zusammensetzung der Einwohnerschaft bestimmter<br />

Stadtviertel korrelieren: Die "besseren" Schulen finden sich in "besseren" ierteln. V<br />

Bundesrepublik Deutschland<br />

In der Bundesrepublik Deutschland existiert eine statistische Bildungsbenachteiligung, die international kritisiert wird. Studien<br />

belegen eine Korrelation <strong>von</strong> Bildungschancen und sozio-ökonomischer Herkunft, v.a. aber <strong>von</strong> Bildungschancen und Geschlecht.<br />

Das Bundesministerium <strong>für</strong> Bildung schloss 2006 daraus: Es "entscheidet in keinem anderen Industriestaat die sozio-ökonomische<br />

Herkunft so sehr über den Schulerfolg und die Bildungschancen wie in Deutschland." [1]<br />

Im deutschen Bildungssystem sind bislang die formalen Voraussetzungen auf Chancengleichheit erfüllt:<br />

1. Es gibt nicht nur ein Recht auf Schulbesuch, sondern sogar Schulpflicht.<br />

2. Der Schulbesuch ist, bedingt auch durch die Lernmittelfreiheit, kostenlos.<br />

3. Das Curriculum ist an allen staatlichen Grundschulen grundsätzlich gleich.


Diese formalen Voraussetzungen <strong>für</strong> Chancengleichheit sind im konkreten Fall häufig bedroht. Beispiel da<strong>für</strong> sind:<br />

Für Migrantenkinder gilt nur bedingt die Schulpflicht.<br />

Der kostenlose Schulbesuch wird durch die Aufhebung des Zuschusses <strong>für</strong> Fahrtkosten und Bücher Nordrhein-<br />

Westfalen, so wie der Einführung <strong>von</strong> Büchergeld in Bayern und Hamburg konterkariert. Da auch die<br />

Übermittagsbetreuung kostenpflichtig ist und die Kinderarmut in Deutschlandexplosiv gewachsen ist, kann auch nur<br />

<strong>von</strong> einer kostenlosen Halbtagsschule gesprochen werden, nicht jedoch <strong>von</strong> einer kostenlosen Ganztagsschule.<br />

Nach Meinung der Be<strong>für</strong>worter <strong>von</strong> Grundschulbezirken würde durch deren 2008 erfolgte Aufhebung in Nordrhein-<br />

Westfalen ein zunehmendes soziales Auseinanderklaffen verschiedener Grundschulen in Kauf genommen, wodurch<br />

ein formal gleiches Curriculum unmöglich gemacht würde. [2] Die Grundschulbezirke und die Verpflichtung der Eltern<br />

ihre Kinder in diese Bezirke einzuschulen wurden <strong>von</strong> ihren Be<strong>für</strong>wortern seinerzeit mit der erklärten Absicht<br />

eingeführt, eine soziale Ghettoisierung der Schulen zu verhindern.<br />

<strong>Eine</strong> neue Studie weist zudem auf <strong>einen</strong> deutlichen Unterschied zwischen Land- und Stadtkindern hin. So wechseln<br />

in Schwaben (Bayern) auf dem Land nur 22 Prozent der Mädchen <strong>von</strong> der Grundschule auf das Gymnasium. In der<br />

Stadt dagegen gehen 44 Prozent der Mädchen auf die Oberschule - trotz gleicher Noten. Mögliche Gründe sind u.a.<br />

das traditionelle Rollenverständnis, weite Wege, schlechte Busverbindungen und die geringe Auswahl an<br />

Fachgymnasien. [3]<br />

Auch das Geschlecht hat <strong>einen</strong> Einfluss auf den Bildungserfolg. Laut einer vom BMBF herausgegebenen Studie<br />

erhielten Jungen im Jahr 2008 in allen Fächern auch bei gleichen Kompetenzen schlechtere Noten. Außerdem<br />

wurden Jungen auch bei gleichen Noten seltener <strong>von</strong> den Lehrkräften als <strong>für</strong> das Gymnasium geeignet angesehen<br />

als Mädchen. [4]<br />

Kinder <strong>von</strong> Eltern mit höherem Einkommen haben prinzipiell bessere Entwicklungsmöglichkeiten, da sich die finanziellen<br />

Spielräume, die <strong>für</strong> die Bildung eine Rolle spielen, deutlich unterscheiden. So stehen wohlhabenden Familien deutlich mehr<br />

bildungsfördernde Instrumente im Elternhaus zu Verfügung als ärmeren Schichten. Diese Ungleichheit setzt sich fort in der<br />

Kostenpflichtigkeit <strong>von</strong> Kindergärten und Kindertagesstätten. Gerade die Verfügbarkeit <strong>von</strong> Plätzen in Kindertagesstätten ist in<br />

Westdeutschland sehr gering, sodass auch vielen interessierten Familien diese Förder- und Betreuungsmöglichkeit nicht zur<br />

Verfügung steht.<br />

In einer Studie [5] der Konrad-Adenauer-Stiftung wird die heutigen Gesellschaft Deutschlands in drei „Lebenswelten“ getrennt. Ihr<br />

wichtigstes Unterscheidungsmerkmal ist die Sorge <strong>von</strong> Eltern um die Ausbildung ihrer Kinder in den drei sozialen Schichten:<br />

Unterschicht, Mittelschicht und Oberschicht. Eltern der Mittelschicht versuchen, ihre Kinder <strong>von</strong> Kindern der Unterschicht<br />

fernzuhalten. Abgrenzbar ist die Unterschicht <strong>von</strong> der sehr breiten Mittelschicht im Wesentlichen dadurch, das sich die Eltern in der<br />

unteren Schicht kaum um die schulischen Belange ihrer Kinder kümmern oder kümmern können. Es handelt sich hier um etwa 5 %<br />

der in einer Studie erfassten Eltern. Noch schärfer, als die Trennung zwischen Mittelschicht und Unterschicht ist die Trennung<br />

zwischen Mittelschicht und Oberschicht. Diese Trennung ist weitgehend unüberwindbar. Kinder, die in die Oberschicht eingeordnet<br />

werden können, erfahren eine <strong>von</strong> materiellen Beschränkungen weitgehend losgelöste Förderung durch ihre Eltern, Helfer und<br />

private Schulen.<br />

Internationale Vergleichsuntersuchungen wie die IGLU-Studie <strong>für</strong> Viertklässler, die PISA-Studie <strong>für</strong> 15-Jährige und der EURO-<br />

Student-Report stellen fest, dass im deutschen Bildungssystem die bestehenden Verhältnisse in einem besonderen Maß bei den<br />

kommenden Generationen aufrechterhalten werden. Dies liegt neben der verpassten frühkindlichen Förderung auch an der schwachen<br />

personellen Ausstattung der Schulen, die eine individuellere Betreuung der Kinder schwer möglich macht und so die Aufgabe der<br />

Förderung stärker in den Elternhäusern bleibt. Insbesondere Kinder aus Arbeiterfamilien haben kaum Chancen auf eine höhere<br />

Bildung. In jüngster Zeit sind deren Chancen nochmals deutlich gesunken. Während 1986 die Wahrscheinlichkeit, ein Studium zu<br />

beginnen, bei Beamtenkindern 9-mal so hoch wie bei Arbeiterkindern war, lag sie 2003 20-mal so hoch. Dazu trägt - in Kombination<br />

mit den oben genannten Ungleichheiten - vor allem die frühe Zuordnung in die Oberschultypen (Haupt- und Realschule sowie<br />

Gymnasium) bei, die hier in der Regel nach der 4. Klasse geschieht. (Ausnahmen sind Berlin und Brandenburg, die noch eine<br />

sechsjährige Grundschule haben.) Die außer- und vorschulischen Einflüsse (zum Beispiel die Erziehung in den Familien) können<br />

durch die kurze Grundschulzeit kaum ausgeglichen werden. Auch der 2. Bildungsweg, der in Deutschland breit ausgebaut ist, kann<br />

diesen Effekt kaum korrigieren.<br />

In den 1960er und 1970er Jahren gab es verstärkt Versuche, Chancengleichheit im Bildungssystem herzustellen. Ausgangspunkt war<br />

der Sputnikschock und die Feststellung, dass durch die bestehenden Verhältnisse die Fähigkeiten <strong>von</strong> vielen Menschen nicht optimal<br />

ausgenutzt werden. Ralf Dahrendorf prägte in diesem Zusammenhang das Bild des katholischen Arbeitermädchens vom Lande, deren


Bildungsbedürfnisse nicht angemessen respektiert würden und die besonders zu fördern sei. Ansätze zur Förderung dieser<br />

Bildungsreserve waren beispielsweise die Abschaffung der Studiengebühren und die Einrichtung <strong>von</strong> Lernmittelfreiheit, BAföG,<br />

Schüler-BAföG, Schulbussen, Oberstufenzentren, Gesamtschulen und Gesamthochschulen. Allerdings werden einige Maßnahmen<br />

momentan rückgängig gemacht: Sämtliche Gesamthochschulen wurden 2003 wieder geschlossen. Neben der Einrichtung <strong>von</strong><br />

Langzeitstudiengebühren wurden zwischenzeitlich in einigen Bundesländern Studiengebühren ab dem 1. Semester erhoben.<br />

Bedenklich ist auch die zunehmende Abschaffung der Lernmittelfreiheit. Ebenso wird kritisiert, dass in NRW ab 2006 Eltern die<br />

Möglichkeit haben, die Grundschulen <strong>für</strong> ihre Kinder auszusuchen (Gefahr einer verstärkten Ghettoisierung) [2]<br />

Literatur<br />

Heid, Helmut: Chancen - im Bildungs- und Beschäftigungssystem. In: Zeitschr. f. Berufs- und Wirtschaftspädagogik,<br />

87, 1991, 8, S. 667–675<br />

Holger Marcks: Soziale Ungleichheit der Bildung – Bildung der sozialen Ungleichheit. om V berauschenden Klang der<br />

Chancengleichheit, in: Sonderbeilage der "Direkten Aktion", Herbst 2005 online) (<br />

Meyer, Thomas; Vorholt, Udo: Bildungsgerechtigkeit als politische Aufgabe. Dortmunder politisch-philosophische<br />

Diskurse, Band 9. Bochum 2011. ISBN 978-3-89733-238-6<br />

Siehe auch<br />

ArbeiterKind.de<br />

Auswertung der PISA-Studien: Einfluss des sozialen Hintergrunds<br />

Bildungsparadox<br />

Bildungsbenachteiligung in der Bundesrepublik Deutschland<br />

Chance<br />

Entwicklung der Bildungsbeteiligung in der Bundesrepublik Deutschland<br />

Quellen<br />

1. Bundesministerium <strong>für</strong> Bildung und Forschung September 2006: Internationale Leistungsvergleiche im Schulbereich<br />

[1] (http://www.bmbf.de/de/6549.php)<br />

2. Umstritten: Die geplante Auflösung der Grundschulbezirke(https://web.archive.org/web/20061214135326/http://ww<br />

w.wdr.de/tv/service/familie/inhalt/20060405/b_3.phtml)(Memento vom 14. Dezember 2006 im Internet Archive)<br />

3. Max Hägler: Bayrische Landmädel immer noch Bildungsverlierer(http://www.taz.de/pt/2007/09/05/a0141.nf/text) in<br />

taz, die tageszeitung vom 5. September 2007, Seite 18<br />

4. BMBF,2008: Bildungs(miss)erfolge <strong>von</strong> Jungen und Berufswahlverhalten bei Jungen/männlichen Jugendlichen (htt<br />

p://www.bmbf.de/pub/Bildungsmisserfolg.pdf)(PDF; 645 kB) - Zitat:"Für den Übergang in weiterführenden Schulen<br />

hat die Lern-Ausgangs-Untersuchung (LAU) in Hamburg herausgefunden, dass Jungen nicht nur generell seltener<br />

eine Gymnasialempfehlung erhalten, auch bei gleichen Noten werden sie seltener <strong>von</strong> den Lehrkräften <strong>für</strong><br />

gymnasialgeeignet angesehen als Mädchen."(Seite 9) und "In allen Fächern erhalten Jungen auch bei gleichen<br />

Kompetenzen schlechtere Noten."(Seite 16) - abgerufen am 14. November 2012<br />

5. Michael Borchard, Christine Henry-Huthmacher , Tanja Merkle M.A., Carsten Wippermann: Eltern unter Druck (http://<br />

www.kas.de/wf/de/33.13023/)- Selbstverständnisse, Befindlichkeiten und Bedürfnisse <strong>von</strong> Eltern in verschiedenen<br />

Lebenswelten, Berlin, Feb. 2008, ISBN 978-3-8282-0424-9(Hrsg.: Konrad-Adenauer-Stiftung)<br />

Abgerufen <strong>von</strong> „https://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Bildungschance&oldid=165314294 “<br />

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Biodiversität<br />

Biodiversität oder biologische Vielfalt bezeichnet gemäß der<br />

UN-Biodiversitätskonvention (Convention on Biological<br />

Diversity, CBD) „die Variabilität unter lebenden Organismen<br />

jeglicher Herkunft, darunter unter anderem Land-, Meeres- und<br />

sonstige aquatische Ökosysteme und die ökologischen<br />

Komplexe, zu denen sie gehören“. Damit umfasst sie die<br />

Vielfalt innerhalb sowie zwischen Arten, darüber hinaus die<br />

Vielfalt der Ökosysteme selbst. [1][2] Nach dieser Definition<br />

besteht die Biodiversität auch aus der genetischen<br />

Vielfalt. [3][4][5] (-> Genetische bzw. Phänotypische Variation)<br />

Erhaltung und nachhaltige Nutzung der biologischen Vielfalt<br />

gelten als wichtige Grundlagen <strong>für</strong> das menschliche<br />

Wohlergehen. Als weitaus größte Gefahr <strong>für</strong> die biologische<br />

Vielfalt auf der Erde wird die Zerstörung und Zerstückelung<br />

<strong>von</strong> Lebensräumen gesehen. [6] Hinsichtlich der Frage, in<br />

welchem Maß biologische Variabilität erhalten und wie<br />

Ausstellungsvitrine zur Biodiversität im Berliner<br />

Naturkundemuseum<br />

Biodiversität parametrisiert werden könnte, besteht aufgrund <strong>von</strong> konkurrierenden Biodiversitätsauffassungen und -zielen [7] keine<br />

Einigkeit. [8]<br />

Die CBD trat am 29. Dezember 1993 in Kraft; im April 2012 wurde der Weltbiodiversitätsrat (IPBES) installiert. [9]<br />

Inhaltsverzeichnis<br />

1 Zur Entwicklung des Begriffs und seine Bedeutungsimplikationen<br />

1.1 Fachbegriff in der Biologie<br />

1.2 Begriff in der Umweltpolitik<br />

1.3 Ambivalenter Sprachgebrauch in Deutschland<br />

2 Ebenen, Maße und Indikatoren <strong>für</strong> die Biodiversität<br />

3 Biologische und kulturelle Vielfalt<br />

3.1 Traditionelle Wirtschaftsweisen und Biodiversität<br />

4 Verlust <strong>von</strong> Biodiversität<br />

5 Hotspots der Biodiversität<br />

6 Biodiversität und Funktionalität <strong>von</strong> Ökosystemen<br />

7 Ökonomische und soziale Bedeutung der Biodiversität<br />

7.1 Eigenwert und Selbstwert<br />

7.2 Versicherungshypothese und Versicherungswert<br />

7.3 Wert <strong>für</strong> Pharmazie und Welternährung<br />

7.4 Erhaltung der Gesundheit<br />

7.5 Soziale Aspekte des Biodiversitätsverlusts<br />

8 Schutz der biologischen Vielfalt<br />

8.1 Konventionen<br />

8.2 Offizielle Strategien<br />

8.2.1 Deutschland


8.2.2 Österreich<br />

8.2.3 Europäische Union<br />

8.3 Sonstiges<br />

9 Siehe auch<br />

10 Neuere Literatur<br />

11 Weblinks<br />

12 Einzelnachweise<br />

Zur Entwicklung des Begriffs und seine Bedeutungsimplikationen<br />

Fachbegriff in der Biologie<br />

Bereits seit längerem existiert der Begrif der „Diversität“ als ökologischer Fachterminus zur Beschreibung der „Verschiedenheit“ der<br />

Eigenschaften <strong>von</strong> Lebensgemeinschaften oder ökologischen Systemen (α- und γ-Diversität, siehe unten). Das bekannteste<br />

Beschreibungsmaß <strong>für</strong> die Diversität ist neben der Artenzahl (species richness) der aus der Informationstheorie abgeleitete Shannon-<br />

Wiener-Index. Er berücksichtigt sowohl die Häufigkeitsverteilung als auch den Artenreichtum. Ein weiterer verbreiteter<br />

Diversitätsindex in der Biologie ist der Simpson-Index.<br />

Die Diversität einer Lebensgemeinschaft im hier definierten Sinn ist als ökologischer Beschreibungsbegrif f zunächst nicht wertend zu<br />

verstehen. So können Diversitätsindices nicht ohne Weiteres zum Vergleich eines normativ interpretierbaren Naturschutzwerts <strong>von</strong><br />

Lebensgemeinschaften herangezogen werden.<br />

Begriff in der Umweltpolitik<br />

Biodiversität ist die Kurzform des Begriffs „biologische Vielfalt“ (engl.: biological diversity oder biodiversity). Die Bezeichnung<br />

biodiversity stammt ursprünglich aus dem wissenschaftlichen Umfeld der US-Naturschutzbewegung. Die Nutzung <strong>von</strong><br />

„Biodiversität“ auch in Forschungszusammenhängen führte zu einer gewissen Politisierung des naturwissenschaftlichen<br />

Forschungsfeldes der Naturschutzbiologie. Die Etablierung des Begriffs sollte der Durchsetzung politischer Forderungen mit<br />

sozialem, ökonomischem und wissenschaftspolitischem Hintergrund dienen. [10] Der Titel des 1986 vom Evolutionsbiologen Edward<br />

O. Wilson herausgegebenen Buches Biodiversity (engl. Ausgabe) war die erste weithin wahrgenommene Verwendung des Begriffs.<br />

Dem Buch war eine US-amerikanische Tagung zum Thema vorausgegangen.<br />

Im deutschsprachigen Raum wird „Biodiversität“ seit der Debatte um die Verabschiedung der Konvention zur Biologischen Vielfalt<br />

(CBD) 1992 auf dem Erdgipfel vermehrt eingesetzt.<br />

Ambivalenter Sprachgebrauch in Deutschland<br />

Unter Umständen wird der Begrif „Artenvielfalt“ synonym zu Biodiversität verwendet. Die in der CBD gewählte Definition umfasst<br />

darüber hinaus jedoch weitere Bedeutungen (siehe unten). Im deutschen Sprachraum gilt der Begriff allgemein als „sperrig“ und<br />

schwer in der Öffentlichkeit vermittelbar. Selbst die Bundesrepublik Deutschland, Ausrichter der 9. Vertragsstaatenkonferenz 2008,<br />

bemühte sich <strong>für</strong> die öfentliche Wahrnehmung um <strong>einen</strong> Ersatzbegri f und nannte die Veranstaltung „Naturschutzkonferenz“.<br />

Ebenen, Maße und Indikatoren <strong>für</strong> die Biodiversität<br />

Die biologische Vielfalt umfasst verschiedene Ebenen:<br />

1. genetische Diversität – einerseits die genetische Vielfalt aller Gene innerhalb einer Art (= Genetische Variabilität),<br />

andererseits die gesamte genetische Vielfalt einer Biozönose oder eines Ökosystems;<br />

2. Taxonomische Diversität – die Anzahl der verschiedenen Taxa, insbesondere der Arten, in einem Ökosystem oder<br />

aber auch in größerem Maßstab;


3. Ökosystem-Diversität – die Vielfalt an Lebensräumen und<br />

Ökosystemen;<br />

4. Funktionale Biodiversität – die Vielfalt realisierter ökologischer<br />

Funktionen und Prozesse im Ökosystem (zum Beispiel abgeschätzt<br />

anhand der Anzahl verschiedener Lebensformtypen oder ökologischer<br />

Gilden).<br />

<strong>Eine</strong> vollständige Charakterisierung der Biodiversität muss alle vier Ebenen<br />

einbeziehen.<br />

Ein Ansatz zur Messung der Artenvielfalt auch in größerem Zusammenhang als dem<br />

der einzelnen Lebensgemeinschaft stammt <strong>von</strong> Robert H. Whittaker. Nach<br />

Whittaker kann Artendiversität in Alpha-, Beta-, Gamma-, Delta- und Epsilon-<br />

Diversität eingeteilt werden. Diese Abstufungen beschreiben Diversitätsmuster in<br />

Abhängigkeit <strong>von</strong> den beobachteten Flächen in verschiedenen Maßstäben: punktuell,<br />

lokal und regional. [11][12]<br />

Globale taxonomische Diversität, hier<br />

gemessen an der Anzahl der<br />

Gattungen, im Verlauf des<br />

Phanerozoikums<br />

Die CBD hat die Entwicklung <strong>von</strong> Indikatoren (engl. indicators) <strong>für</strong> die Ermittlung der globalen Biodiversität der Biodiversity<br />

Indicators Partnership (BIP) übertragen. [13] Dabei handelt es sich aufgrund methodischer Schwierigkeiten oft nicht um Maßzahlen<br />

<strong>für</strong> die Biodiversität selbst, sondern um besser bekannte oder leichter messbare Ersatzgrößen (engl. auch proxies genannt).<br />

Solche Indikatoren sind unter anderem<br />

die Abundanz und Verbreitung <strong>von</strong> Arten,<br />

der Living Planet Index,<br />

die Waldfläche,<br />

der Umfang mariner Habitate,<br />

die Fläche geschützter Areale (Naturschutzgebiete etc.),<br />

die Wasserqualität <strong>von</strong> Meer- und Süßwasser (Eutrophierung, Verschmutzung etc.),<br />

Gesundheit und Wohlstand menschlicher Gemeinschaften, die direkt <strong>von</strong> lokalen Ökosystemen abhängig sind<br />

die Zahl der Träger <strong>von</strong> traditionellem Naturwissen unter Ureinwohnern und linguistische Diversität bei<br />

Ureinwohnern.<br />

Biologische und kulturelle Vielfalt<br />

In allen Regionen mit hoher biologischer Vielfalt leben zudem viele indigene- und lokale Gemeinschaften. Die International Society<br />

for Ethnobiology geht da<strong>von</strong> aus, dass sich 99 % der weltweit nutzbaren genetischen Ressourcen in deren Obhut befinden. Ob ein<br />

direkter Zusammenhang zwischen biologischer- und kultureller Vielfalt besteht, ist nicht nachweisbar. Die große Vielfalt indigener<br />

Kulturen und die mit Abstand größte Zahl verschiedener Sprachen ist jedoch auf fallend. [14]<br />

Traditionelle Wirtschaftsweisen und Biodiversität<br />

Demgegenüber besteht jedoch ein eindeutiger Zusammenhang in Form eines gegenseitigen Abhängigkeitsverhältnisses zwischen der<br />

natürlichen Umwelt und den traditionellen (subsistenzorientierten und nicht-industriellen) Wirtschaftsformen der lokalen Gruppen.<br />

Auf der <strong>einen</strong> Seite brauchen diese Menschen zur Ausübung ihrer Subsistenz eine große Ressourcen-Vielfalt (unter anderem in der<br />

Biodiversitätskonvention anerkannt) und auf der anderen Seite wird die örtliche Diversität durch die traditionellen Methoden<br />

vergrößert (Dies lässt sich auch historisch <strong>für</strong> die mitteleuropäischen Kulturlandschaften belegen: Das Mosaik aus extensiv genutzten<br />

landwirtschaftlichen Flächen und Wäldern war deutlich eicher r an Arten als die potentielle Klimaxvegetation). [15] Die Eingliederung<br />

lokaler Gruppen in die Marktwirtschaft erfordert die Erwirtschaftung <strong>von</strong> Überschüssen, die zumeist durch die Einführung<br />

industrieller Produktionsmittel oder die Umstellung auf wirtschaftlich lohnende Produkte erreicht werden. Dies führt in aller Regel<br />

zur Zerstörung <strong>von</strong> natürlichen Lebensräumen und damit zum Rückgang der biologischen ielfalt. V [14]:S. 47, 48<br />

Verlust <strong>von</strong> Biodiversität


Ein Team <strong>von</strong> Wissenschaftlern aus acht Ländern hat im Jahr 2000 die fünf wichtigsten Einflussgrößen identifiziert, die die Abnahme<br />

der globalen Biodiversität hauptsächlich verursachen:<br />

Veränderung in der Landnutzung: Hierzu zählen insbesondere Abholzungen <strong>von</strong> Wäldern und die Umgestaltung<br />

natürlicher Ökosysteme zu landwirtschaftlich genutzten Flächen;<br />

Klimaveränderungen, inklusive Niederschlag und Temperatur;<br />

Stickstoffbelastung <strong>von</strong> Gewässern. Hauptverantwortlich werden hier Einträge über Kunstdünger, Fäkalien und<br />

Autoabgase genannt;<br />

Einführung <strong>von</strong> Neophyten sowie<br />

die Erhöhung der Konzentration <strong>von</strong> Kohlendioxid in der Atmosphäre.<br />

Als geeignete Maßnahmen, der Abnahme der Biodiversität zu begegnen, gelten der Ersatz fossiler Brennstoffe und <strong>von</strong> Holz durch<br />

alternative Energiequellen bei möglichst geringer Ausweitung der Nutzung <strong>von</strong> Biobrennstoffen aus Feldfrüchten, eine Vergrößerung<br />

geschützter Gebiete zur Bewahrung der primären Ökosysteme, insbesondere in den tropischen Regenwäldernsowie die Erhaltung der<br />

jetzigen Diversität bei sowohl wilden als auch domestizierten Tier- und Pflanzenarten. [16]<br />

Im Zusammenhang mit der 2016er Ausgabe des Living Planet Report (‚Lebender-Planet-Report‘) konstatiert der WWF Deutschland,<br />

dass „die Kurve der weltweiten, biologischen Vielfalt […] steil nach unten“ geht: [17] bei den mittlerweile über 14.000 erfassten<br />

Wirbeltier-Populationen sei insgesamt ein Rückgang der Bestände um fast 60 % während der vergangenen 40 Jahre zu verzeichnen.<br />

Besonders stark betroffen seien die Süßwasserarten (Amphibien und Süßwasserfische), deren Bestände in diesem Zeitraum weltweit<br />

im Schnitt um 81 % geschrumpft seien. [18]<br />

Bei dem im Living Planet Report vermeldeten Rückgang „der weltweiten, biologischen Vielfalt“ handelt es sich nicht um ein<br />

Artensterben, d. h. um <strong>einen</strong> Verlust taxonomischer Diversität, sondern in erster Linie um <strong>einen</strong> Verlust genetischer Vielfalt innerhalb<br />

<strong>von</strong> Artpopulation oder deren Unterpopulationen. Dies wird auch Generosion genannt, wobei diese Bezeichnung bisweilen<br />

fälschlicherweise auch als allgemeines Synonym <strong>für</strong> den Rückgang <strong>von</strong> Biodiversität genutzt wird.<br />

Hotspots der Biodiversität<br />

Für ein geografisches Gebiet, in dem die Biodiversität besonders groß ist, hat sich<br />

der Begriff „Biodiversitäts-Hotspot“ eingebürgert. <strong>Eine</strong> wichtige Studie zur<br />

Ausweisung der Hotspots wurde im Jahr 2000 <strong>von</strong> Myers et al. (2000) vorgelegt. [19]<br />

Die Hotspots werden bei Myers et al. als Gebiete mit einer hohen Anzahl<br />

endemischer Pflanzenarten definiert, „die in diesem Gebiet bereits den<br />

überwiegenden Teil ihres ursprünglichen Lebensraums verloren haben“. Als<br />

Indikator gelten daher das Kriterium der Artenvielfalt und das der Gefährdung,<br />

abgeleitet vom Ausmaß des Lebensraumverlustes. Brooks et al. (2001) beschreiben<br />

das Ausmaß des Lebensraumverlusts und des Aussterbens <strong>von</strong> Arten in den<br />

Hotspots. [20]<br />

Fast ein Drittel der Amphibienarten<br />

gilt als vom Aussterben bedroht.<br />

Biodiversität und Funktionalität <strong>von</strong> Ökosystemen<br />

Die Bedeutung der biologischen Vielfalt <strong>für</strong> die Funktion <strong>von</strong> Ökosystemen wird seit mehreren Jahrzehnten kontrovers diskutiert.<br />

Ende der 1960er Jahre erreichten diese Diskussionen <strong>einen</strong> ersten Konsens: Diversität begünstigt Stabilität. [21][22] Dieser Konsens<br />

wurde jedoch kurze Zeit später empfindlich gestört, als Robert May anhand mathematischer Simulationen zum Ergebnis kam, dass<br />

die Artenkonstanz in zufällig zusammengesetzten artenreichen Modellökosystemen geringer ist als in artenarmen. [23] Die Konstanz<br />

der Artenzusammensetzung galt damals als wichtigster Indikator <strong>für</strong> die Stabilität eines Ökosystems. <strong>Eine</strong> intensive<br />

Neubeschäftigung mit der Diversitäts-Stabilitäts-Frage brachten die ab Mitte der 1980er Jahre veröffentlichten Ergebnisse <strong>von</strong> David<br />

Tilman. [24] Die Frage nach der Bedeutung der Biodiversität <strong>für</strong> die Funktionalität <strong>von</strong> Ökosystemen ist ein Schwerpunkt der<br />

Ökosystemforschung und Naturschutzökologie. Es gilt heutzutage hierzu folgender wissenschaftlicher Konsens: [25]<br />

Die funktionalen Eigenschaften <strong>von</strong> Arten haben <strong>einen</strong> starken Einfluss auf die Eigenschaften eines Ökosystems.<br />

Aus der relativen Häufigkeit einer Art allein lässt sich dabei nicht immer die Bedeutung dieser Art <strong>für</strong> das Ökosystem<br />

ableiten. Auch relativ seltene Arten können die Beschaf fenheit des Ökosystems stark beeinflussen.


Manche Arten, häufig handelt es sich hierbei um dominante, nehmen innerhalb der Lebensgemeinschaften eine<br />

entscheidende Rolle ein (sogenannte Schlüsselarten). Ihr Verlust führt zu drastischen Veränderungen im Hinblick auf<br />

Struktur und Funktion der Lebensgemeinschaft. [26]<br />

Die Auswirkungen <strong>von</strong> Artensterben und Veränderungen in der Artenzusammensetzung können sich hinsichtlich<br />

Beschaffenheit des Ökosystems, hinsichtlichdes Typs der Ökosysteme und des Wegs, wie sich die Veränderung in<br />

der Gemeinschaft ausdrückt, <strong>von</strong>einander unterscheiden.<br />

Manche Eigenschaften <strong>von</strong> Ökosystemen sind anfangs weniger anfällig gegenüber dem Aussterben <strong>von</strong> Arten, da<br />

mehrere Arten vielleicht eine ähnliche Funktion innerhalb eines Ökosystems erfüllen (Redundanz), einzelne Arten<br />

vielleicht relativ geringe Beiträge zur Funktionalität eines Ökosystems beitragen (Irrelevanz) oder abiotische<br />

Umweltbedingungen die Beschafenheit des Ökosystems bestimmen.<br />

Mit zunehmender räumlicher und zeitlicher Variabilität nimmt die Zahl der <strong>für</strong> die Funktion <strong>von</strong> Ökosystemen<br />

notwendigen Arten zu.<br />

Als wahrscheinlich gilt:<br />

Die Anfälligkeit einer Lebensgemeinschaft <strong>für</strong> die Etablierung <strong>von</strong> Neobiota korreliert negativ mit der Artenzahl, mit<br />

der Sättigung der Lebensgemeinschaft. Sie hängt aber auch ab <strong>von</strong> anderen Faktoren wie der Einführungsrate <strong>von</strong><br />

Diasporen (propagule pressure), Störfaktoren oder Ressourcenverfügbarkeit.<br />

Wenn vorhandene Arten unterschiedlich auf Störfaktoren reagieren, dann kann die Funktion des Ökosystems bei<br />

Störeinflüssen eher erhalten bleiben, als wenn die vorhandenen Arten ähnlich auf Störfaktoren reagieren.<br />

Ökonomische und soziale Bedeutung der Biodiversität<br />

Die CBD bejaht den Wert der biologischen Vielfalt und ihrer Komponenten im<br />

Hinblick auf ökologische, genetische, soziale, wirtschaftliche, wissenschaftliche,<br />

erzieherische, kulturelle und ästhetische Zusammenhänge sowie hinsichtlich der<br />

Erholungsfunktion und bekennt sich neben den instrumentellen Aspekten zum<br />

Eigenwert der Biodiversität. [27]<br />

Eigenwert und Selbstwert<br />

→ Hauptartikel: Naturethik#Eigener Wert der Natur<br />

Eigenwert bedeutet, dass die Biodiversität wegen des ihr <strong>von</strong> Menschen<br />

beigemessenen Wertes an sich geschätzt wird. [28] Diese Wertschätzung betrifft z. B.<br />

ihre Existenz an sich, ihre persönliche und kulturelle Bedeutung <strong>für</strong> den Einzelnen<br />

im Sinne <strong>von</strong> Erinnerungswert und Heimat, ihre besondere Eigenart oder auch die<br />

Möglichkeit, dem Individuum spezielle Erfahrungen, wie z. B. die der Wildnis, zu<br />

vermitteln. Aus Sicht des Ökosystem-Dienstleistungsansatzeswerden die Elemente,<br />

Junge Ackerbrache mit Korn- und<br />

Mohnblumen, Kornrade, Acker-<br />

Fuchsschwanzgras und Gerste. Für<br />

viele Menschen zeigt sich in solchen<br />

Bildern ein ästhetischer Eigenwert<br />

der vielfältigen Natur<br />

Strukturen, Zustände und Prozesse ökologischer Systeme, denen Eigenwerte zugeschrieben werden, meist als kulturelle Ökosystem-<br />

Dienstleistungen gefasst. [29]<br />

Vom Eigenwert abzugrenzen ist der Selbstwert der Biodiversität. Objekte mit Selbstwert besitzen <strong>einen</strong> Zweck an sich und <strong>für</strong> sich,<br />

sind nicht zu ersetzen, unterliegen generell keiner Abwägung und sind nicht monetarisierbar. Unter dem Aspekt des Selbstwertes <strong>von</strong><br />

Biodiversität sind Konzepte zu bevorzugen, die die Erhaltung der Biodiversität an sich ins Auge fassen, den Maßstab also nicht allein<br />

bei der Erhaltung ihrer Funktionen ansetzen. Ob man Biodiversität bzw. den Lebewesen, die sie ausmachen, Selbstwerte zuschreiben<br />

kann, ist umstritten. [30]<br />

Versicherungshypothese und Versicherungswert<br />

Nach der ökologischen Versicherungshypothese (Ecological Insurance Hypothesis) [31] kann erwartet werden, dass eine Erhöhung der<br />

Artenzahl (und/oder der genetischen Variabilität innerhalb der Populationen einer Art) eine stabilisierende Wirkung auf verschiedene<br />

Prozessparameter ökologischer Systeme hat. Mit Erhöhung der Artenzahl steigt die Wahrscheinlichkeit, dass mehrere Arten<br />

vorkommen, die eine sehr ähnliche ökologische Funktion ausüben können (funktionale Redundanz), sich jedoch in ihren<br />

Umwelttoleranzen unterscheiden. Damit sinkt die Wahrscheinlichkeit, dass bei Veränderungen der Umweltbedingungen alle Arten<br />

lokal aussterben, die die fragliche Funktion erfüllen können. [31][32]


<strong>Eine</strong> hohe Artenzahl ist auch eine Bedingung da<strong>für</strong>, dass in einem Ökosystem eine große Anzahl verschiedener ökologischer<br />

Funktionen übernommen werden kann (funktionale Diversität). Verändern sich die Umweltbedingungen, so kann eine zuvor wenig<br />

bedeutsame Funktion relevant werden. Wird beispielsweise ein zuvor extern reichlich mit reaktiven Stickstoffverbindungen<br />

versorgtes Ökosystem <strong>von</strong> der Stickstoffquelle abgeschnitten, steigt die Bedeutung Stickstoff-fixierender Organismen. In einem<br />

artenreichen Ökosystem ist die Wahrscheinlichkeit höher, dass bereits Arten vorhanden sind, die diese Funktion ausüben können.<br />

Ebenso wird bei artenreichen Ökosystemen angenommen, dass die Nahrungsnetzbeziehungen stabiler sind. [33]<br />

Wenn durch biologische Vielfalt – entsprechend der ökologischen Versicherungshypothese oder ähnlichen Mechanismen – eine<br />

Stabilisierung <strong>von</strong> Prozessen und Zuständen ökologischer Systeme erfolgt, kann der Biodiversität ein Versicherungswert zugeordnet<br />

werden. Dies ist zumindest immer dann der Fall, wenn <strong>von</strong> den Prozessen und Zuständen Ökosystemdienstleistungenabhängen.<br />

Durch eine hohe Biodiversität werden also Ökosystemdienstleistungen der Tendenz nach zuverlässiger nutzbar. [34]<br />

Umweltökonomisch betrachtet ist der Versicherungswert ein Optionswert angesichts einer ungewissen Zukunft, da das Ausmaß<br />

künftiger Störungen, die eine Stabilisierung erfordern, nicht bekannt ist.<br />

Es kann auf verschiedene Art und Weise versucht werden, den Versicherungswert wirtschaftswissenschaftlich abzuschätzen. Das eine<br />

Verfahren zieht die Störanfälligkeit der Prozesse und Strukturen des Ökosystems heran und ermittelt die Auswirkung da<strong>von</strong> auf die<br />

Bereitstellung <strong>von</strong> Ökosystemdienstleistungen. [35] Da der Versicherungswert hier im Wesentlichen aus dem Verhalten ökologischer<br />

Systeme bei Störungen abgeleitet wird, kann die wirtschaftliche Quantifizierung mit Schwierigkeiten verbunden sein. [36] Durch<br />

Störungen verursachte Veränderungen haben nämlich oft k<strong>einen</strong> linearen Effekt auf die Bereitstellung <strong>von</strong><br />

Ökosystemdienstleistungen. Vielmehr erfolgen starke Veränderungen häufig erst, wenn eine bestimmte Schwelle, der sogenannte<br />

„tipping point“, überschritten wird. Die Wahrscheinlichkeit, den tipping point zu überschreiten, kann als Anhaltspunkt <strong>für</strong> den<br />

ökonomischen Wert herangezogen werden. Fundierte Kenntnisse in Hinblick auf den aktuellen Zustand des Systems, auf dessen<br />

Voraussetzungen sowie auf dessen spezifische Tipping-point-Bereiche sind <strong>für</strong> die dem Versicherungswert zugrunde liegende<br />

Einschätzung erforderlich. [35] Siehe hierzu auch Stabilitätskonzepte <strong>von</strong> Ökosystemen, insbesondere das der Resilienz. [37]<br />

Ein anderes Verfahren zur wirtschaftswissenschaftlichen Quantifizierung des Versicherungswerts nimmt eine direkte Bestimmung der<br />

Zahlungsbereitschaft der Bevölkerung vor. Eingesetzt werden dabei sozialwissenschaftliche Befragungsmethoden (stated preference<br />

methods) wie die kontingente Bewertung oder das Choice Experiment. Belege da<strong>für</strong>, dass ein solcher Versicherungswert <strong>von</strong> der<br />

Bevölkerung als ökonomische Präferenz im Sinne einer Zahlungsbereitschaft anerkannt wird, liegen mittlerweile durch mehrere<br />

Untersuchungen aus Indonesien, Chile und Deutschland vor. [38][39][40] Ein weiteres Verfahren ist die Beobachtung des<br />

Entscheidungsverhaltens <strong>von</strong> Landnutzern. So konnte nachgewiesen werden, dass Bauern den Vorteil schätzen, den eine verringerte<br />

Schwankungsbreite des jährlichen Ernteertrages bei höherer Agrobiodiversität mit sich bringt: Sie bauen dann bevorzugt<br />

unterschiedliche Feldfrüchte (crop diversity) an. [41] Der agronomische Wert der crop diversity wird jedoch durch gegenläufige<br />

Spezialisierungsvorteile begrenzt. [42]<br />

Wert <strong>für</strong> Pharmazie und Welternährung<br />

Wirtschaftliche Bedeutung hat die Biodiversität außerdem als Reservoir <strong>von</strong> potenziellen Arznei-Wirkstoffen, <strong>von</strong><br />

Nahrungsmittelpflanzen und <strong>von</strong> Genen <strong>für</strong> die landwirtschaftliche Sortenzüchtung, <strong>für</strong> biotechnologische Prozesse oder <strong>für</strong><br />

bionische Entwicklungen (Optionswert).<br />

Der Nutzen <strong>von</strong> pflanzlichen Arzneimitteln ist immens: Bereits heute sind über 20.000 Arten bekannt, <strong>von</strong> denen 1.400 potentiell als<br />

Krebsmittel <strong>von</strong> Bedeutung sind. Der wirtschaftliche Gesamtwert wurde 1987 auf über 40 Milliarden US-Dollar geschätzt. Die<br />

fortschreitende Verringerung der Biodiversität veringert dieses Potential massiv. [14]<br />

95,7 % der globalen Nahrungsmittelpflanzen stammen ursprünglich aus den tropischen und subtropischen Regionen, wo die<br />

Biodiversität besonders hoch ist. Insofern ist da<strong>von</strong> auszugehen, dass hier auch zukünftig <strong>für</strong> die Welternährung wertvolle genetische<br />

Ressourcen vorkommen. Insbesondere, da die Nahrungsmittelproduktion weltweit derzeit auf nur rund 30 Arten basiert, obwohl es<br />

ca. 30.000 essbare Pflanzen gibt. Die Spezialisierung auf wenige Getreide- und Gemüsesorten ist riskant. Es reicht nicht, genetische<br />

Vielfalt nur in Samenbanken zu bewahren. Wie <strong>für</strong> die Wildpflanzen gilt auch <strong>für</strong> alle Kulturpflanzen die Regel, dass nur eine


ausreichende genetische Vielfalt langfristig vor unerwarteten Entwicklungen (wie z. B. Krankheiten oder Schädlingsbefall)<br />

schützt. [14][43] Zudem wurde festgestellt, dass eine große Vielfalt an bestäubenden Insekten die Pollenverteilung besonders effektiv<br />

gestalten und damit zu höheren und sichereren Erträgen führen (Beispiel Kürbisanbau). [44]<br />

Während sich interessierte Wissenschaftler und Firmen-Vertreter in der Vergangenheit frei an der Biodiversität fremder Länder<br />

bedienen konnten (Biopiraterie), führte die Biodiversitätskonvention Eigentumsrechte eines Staates an s<strong>einen</strong> genetischen<br />

Ressourcen ein. Über <strong>einen</strong> Access and Benefit Sharing (ABS) genannten Mechanismus wird versucht, die Nutzung der genetischen<br />

Ressourcen zu erleichtern, gleichzeitig die Quellen-Länder der Biodiversität an deren wirtschaftlicher Nutzung teilhaben zu lassen.<br />

Erhaltung der Gesundheit<br />

Der Rückgang der Artenvielfalt kann die Prävalenz <strong>von</strong> Infektionskrankheiten in einem Ökosystem erhöhen. [45] Gefördert wird die<br />

Verbreitung <strong>von</strong> Krankheitserregern wie Viren, Bakterien und auch pathogenen Pilzen. Die Gesundheit <strong>von</strong> Menschen, aber auch <strong>von</strong><br />

verbleibenden Tieren und Pflanzen, kann dadurch gefährdet werden.<br />

Soziale Aspekte des Biodiversitätsverlusts<br />

Vielfach treffen die Folgen einer abnehmenden Biodiversität als erstes die arme ländliche Bevölkerung, da sie häufig unmittelbar <strong>von</strong><br />

Ökosystemdienstleistungenabhängig ist, die wiederum auf einer vielfältigen biologischen Umwelt oder der <strong>nachhaltigen</strong> Nutzung<br />

ihrer Elemente aufbauen. Ersatz <strong>für</strong> diese Ökosystemdienstleistungen ist diesen Bevölkerungsteilen oft nicht zugänglich oder nicht<br />

erschwinglich. [46]<br />

Schutz der biologischen Vielfalt<br />

Als geeignete Maßnahmen, der Abnahme der Biodiversität zu begegnen, gelten der Ersatz fossiler Brennstoffe und <strong>von</strong> Holz durch<br />

alternative Energiequellen, eine Vergrößerung geschützter Gebiete zur Bewahrung der primären Ökosysteme, insbesondere in den<br />

tropischen Regenwäldern, sowie die Erhaltung der jetzigen Diversität in Natur und Landwirtschaft. [16]<br />

Konventionen<br />

<strong>Eine</strong> Grundlage <strong>für</strong> den Schutz der Artenvielfalt stellt die UN-Biodiversitätskonvention (Convention on Biological Diversity (CBD))<br />

dar, die 1992 auf dem „Erdgipfel“ in Rio de Janeiro <strong>von</strong> 192 Mitgliedsstaaten beschlossen und unterzeichnet wurde. Weitere<br />

internationale Abkommen zum Schutz der biologischen Vielfalt sind die Ramsar-Konvention und das Washingtoner<br />

Artenschutzabkommen (CITES). In der CBD haben sich die Mitgliedsstaaten verpflichtet, den Verlust der biologischen Vielfalt<br />

aufzuhalten. Die drei Hauptziele sind: Der Schutz der Biodiversität, ihre nachhaltige Nutzung und der gerechte Ausgleich der sich<br />

aus der Nutzung (genetischer) Ressourcen ergebenden Vorteile.<br />

Offizielle Strategien<br />

Deutschland<br />

Die Bundesregierung verabschiedete 2007 eine Nationale Strategie zur biologischen Vielfalt. Sie setzt damit <strong>einen</strong> Auftrag der CBD<br />

um. Die Strategie benennt 330 Ziele und etwa 430 Maßnahmen und soll bis zum Jahr 2020 gelten. Im Kern soll der Rückgang der<br />

biologischen Vielfalt aufgehalten werden. Über die Umsetzung der Strategie wird der Bundestag regelmäßig unterrichtet.<br />

Österreich<br />

Die Biodiversitäts-Strategie Österreich 2020+ wurde im Rahmen <strong>von</strong> ofenen thematischen Workshops in Zusammenarbeit hunderter<br />

Teilnehmer unter Leitung des Bundesministeriums <strong>für</strong> Land- und Forstwirtschaft, Umwelt und Wasserwirtschaft (BMLFUW) und des<br />

Umweltbundesamtes erarbeitet und im Dezember 2014 veröffentlicht. Die Umsetzung der Strategie und die Zielerreichung werden


durch eine extra gegründete Nationale Biodiversitätskommission begleitet. Die Biodiversitäts-Strategie beinhaltet 12 Ziele in 5<br />

Handlungsfeldern, die sich an internationalen Zielsetzungen orientieren, sowie <strong>einen</strong> umfangreichen Maßnahmenkatalog <strong>für</strong> den<br />

Erhalt der biologischen Vielfalt in Österreich. [47]<br />

Europäische Union<br />

Die Europäische Kommissionveröffentlichte am 2. Mai 2011 eine eigene Biodiversitätsstrategie, mit der sie bis 2020 den Verlust der<br />

biologischen Vielfalt stoppen will. [48] Die Strategie umfasst sechs Ziele:<br />

1. die volle Umsetzung der Richtlinie 92/43/EWG (Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie)<strong>von</strong> 1992.<br />

2. die Erhaltung und die Aufwertung der Ökosysteme.<br />

3. den Beitrag <strong>von</strong> Agrar- und Forstwirtschaft zur Erhaltung und zur Aufwertung <strong>von</strong> Ökosystemen zu vergrößern.<br />

4. die nachhaltige Nutzung <strong>von</strong> Fischbeständen zu sichern.<br />

5. die Ausbreitung <strong>von</strong> invasiven Arten zu identifizieren und zu kontrollieren.<br />

6. dazu beizutragen, den globalen Verlust der biologischen Vielfalt zu stoppen. [49]<br />

Sonstiges<br />

Die Vereinten Nationen haben den Internationalen Tag der biologischen Vielfalt seit dem Jahr 2000 auf den 22. Mai<br />

festgesetzt, den Tag der Verabschiedung der Konvention (zuvor war seit 1994 der 29. Dezember da<strong>für</strong> benannt, der<br />

Tag ihres Inkrafttretens).<br />

Das Jahr 2010 wurde <strong>von</strong> der UNO als Internationales Jahr der biologischen Vielfalt ausgerufen.<br />

Abgeleitet vom Begrif Biodiversität ist der strukturell analoge in der Verlagswirtschaft angesiedelte Begriff der<br />

Bibliodiversität.<br />

Siehe auch<br />

Anthropogenes Biom<br />

Key Biodiversity Areas<br />

Neuere Literatur<br />

Bruno Baur: Biodiversität. UTB, Bern 2010, ISBN 978-3-8252-3325-9(UTB 3325, UTB Profile).<br />

Bundesamt <strong>für</strong> Naturschutz: Daten zur Natur 2008. (Schriftenreihe zum Zustand der Natur in Deutschland sowie zu getrofenen<br />

Maßnahmen zur Erhaltung der Biodiversität), Landwirtschaftsverlag, Münster 2008, ISBN 978-3-7843-3858-3.<br />

Bundesamt <strong>für</strong> Naturschutz (Hg.), Thomas Potthast (Bearbeitung): Biodiversität – Schlüsselbegriff des<br />

Naturschutzes im 21. Jahrhundert?Bundesamt <strong>für</strong> Naturschutz, Bonn-Bad Godesberg 2007.<br />

Felix Ekardt, Bettina Hennig: Ökonomische Instrumente und Bewertungen <strong>von</strong> Biodiversität.Metropolis Verlag,<br />

Marburg 2015, ISBN 978-3-7316-1120-2.<br />

Forum Biodiversität Schweiz: Biodiversität in der Schweiz. Zustand, Erhaltung, Perspektiven. Wissenschaftliche<br />

Grundlagen <strong>für</strong> eine nationale Strategie.Haupt, Bern 2004, ISBN 3-258-06800-3.<br />

Uta Eser, Ann-Kathrin Neureuther, Albrecht Müller: Klugheit, Glück, Gerechtigkeit. Ethische Argumentationslinien in<br />

der Nationalen Strategie zur biologischen Vielfalt. Naturschutz und Biologische Vielfalt 107. Hrsg. Bundesamt <strong>für</strong><br />

Naturschutz. Bonn-Bad Godesberg 2011, ISBN 978-3-7843-4007-4.<br />

Kevin J. Gaston, John I. Spicer: Biodiversity. An Introduction. 2. Auflage, Nachdruck. Blackwell, Malden MA 2005,<br />

ISBN 1-4051-1857-1.<br />

Carsten Hobohm: Biodiversität. Quelle & Meyer, Wiebelsheim 2000, ISBN 3-8252-2162-8 (UTB 2162 Biologie,<br />

Ökologie).<br />

Peter Janich, Mathias Gutmann, K. Prieß: Biodiversität: wissenschaftliche Grundlagen und gesellschaftliche<br />

Relevanz. Springer, Berlin, 2002.<br />

Thomas E. Lovejoy, Lee Jay Hannah (Hrsg.):Climate Change and Biodiversity. Yale University Press, New Haven<br />

CT 2006, ISBN 0-300-11980-1.<br />

Josef H. Reichholf: Ende der Artenvielfalt? Gefährdung und Vernichtung der Biodiversität.Herausgegeben <strong>von</strong><br />

Klaus Wiegandt. Fischer-Taschenbuch-Verlag, Frankfurt am Main 2008, ISBN 978-3-596-17665-6(Fischer 17665).<br />

Bruno Streit: Was ist Biodiversität? Erforschung, Schutz und Wert biologischer Vielfalt. Beck, München 2007, ISBN<br />

978-3-406-53617-5.


Weblinks<br />

Wiktionary: Biodiversität – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen<br />

Commons: Biodiversität – <strong>Sammlung</strong> <strong>von</strong> Bildern, Videos und Audiodateien<br />

Website <strong>von</strong> Bioversity International<br />

Sekretariat der Vereinten Nationen zur Biodiversitätskonvention<br />

Naturschutz / Biologische Vielfalt, Bundesumweltministerium<br />

Der Wert der Vielfalt<br />

Artenvielfalt im Dossier Umwelt der bpb/Bundeszentrale <strong>für</strong> politische Bildung<br />

Biodiversität Übersichtsartikel im Lexikon der Biologie<br />

Themenportal Biodiversität, Forum Biodiversität Schweiz<br />

Einzelnachweise<br />

1. Wortlaut der CBD (deutsche Fassung). Aus bzw. nach Artikel 2 (PDF (http://www.admin.ch/ch/d/sr/i4/0.451.43.de.pd<br />

f)).<br />

2. Diese Konvention wird <strong>für</strong> <strong>einen</strong> Staat dann verbindlich, wenn sie <strong>von</strong> ihm auch ratifiziert wird.<br />

3. United Nations: Multilateral Convention on biological diversity (with annexes). Concluded at Rio de Janeiro on<br />

5 June 1992. In: United Nations Treaty Series Vol. 1760, S. 146 (Article 2. Use of Terms). (PDF (http://treaties.un.or<br />

g/doc/Publication/UNTS/Volume%201760/v1760.pdf)). Deutsche Übersetzung unter: Begriffsbestimmungen (http://w<br />

ww.admin.ch/ch/d/sr/0_451_43/a2.html), Art. 2 der SR 0.451.43 Übereinkommen über die Biologische Vielfalt. Stand<br />

vom 20. März 2007.<br />

4. Willson, E. O.: Ende der biologischen Vielfalt? Der Verlust an Arten, Genen und Lebensräumen und die Chancen <strong>für</strong><br />

eine Umkehr. Spektrum, Heidelberg, Berlin, New York, 1992, ISBN 3-89330-661-7.<br />

5. Streit, B.: Was ist Biodiversität? Erforschung, Schutz und Wert biologischer Vielfalt. Beck, München 2007.<br />

6. Thomas M. Smith, Robert L. Smith: Ökologie, Pearson Studium Verlag, ISBN 978-3-8273-7313-7, S. 818 f.<br />

7. Thomas Kirchhof, Ludwig Trepl: Vom Wert der Biodiversität. Über konkurrierende politische Theorien in der<br />

Diskussion um Biodiversität. Zeitschrift <strong>für</strong> angewandte Umweltforschung 2001/S13: S. 27–44; Uta Eser: Der Wert<br />

der Vielfalt: ‚Biodiversität‘ zwischen Wissenschaft, Politik und Ethik. In: M. Bobbert, M. Düwell, K. Jax (Hg.): Umwelt<br />

– Ethik – Recht. Francke, Tübingen, 2003: S. 160–181; Stefan Baumgärtner: Warum Messung und Bewertung<br />

biologischer Vielfalt nicht unabhängig <strong>von</strong>einander möglich sind. In: J, Weimann, A. Hofmann, S. Hofmann (Hg.):<br />

Messung und ökonomische Bewertung <strong>von</strong> Biodiversität: Mission impossible?Metropolis, Marburg: 2003: S. 43–66;<br />

Thomas Potthast: Was ist Biodiversität und warum soll sie erhalten werden? Wissenschaftstheoretische und<br />

ethische Perspektiven. In: Stiftung Natur Und Umwelt Rheinland-Pfalz (Hg.): Denkanstöße, Heft 2: Thesen zur<br />

Biodiversität. 2005: S. 18–29; Thomas Kirchhof f & Sylvia Haider: Globale Vielzahl oder lokale Vielfalt: zur kulturellen<br />

Ambivalenz <strong>von</strong> ‚Biodiversität‘. In: T. Kirchhoff, L. Trepl (Hg.): Vieldeutige Natur. Landschaft, Wildnis und Ökosystem<br />

als kulturgeschichtliche Phänomene. transcript, Bielefeld 2009: S. 315–330; Kristian Köchy: Vielfalt als Wert? Zur<br />

aktuellen Debatte um die Biodiversität. In: C. F. Gethmann (Hg.): Deutsches Jahrbuch Philosophie, Band 2:<br />

Lebenswelt und Wissenschaft. Meiner, Hamburg: S. 1227–1248.<br />

8. Peter Janich, Mathias Gutmann: Normative Grundlagen der Biodiversität . In: W. Barthlott & M. Gutmann (Hg.):<br />

Biodiversitätsforschung in Deutschland. Potentiale und Perspektiven . Europäischen Akademie, Bad Neuenahr-<br />

Ahrweiler 1998: S. 66–72.<br />

9. ipbes.net: About IPBES (http://www.ipbes.net/about-ipbes.html)<br />

10. Reinhard Piechocki: Landschaft – Heimat – Wildnis: Schutz der Natur – aber welcher und warum?Beck, München<br />

2010.<br />

11. Components of Biodiversity. (http://www.redpath-museum.mcgill.ca/Qbp/2.About%20Biodiversity/definition.htm)<br />

Quebec Biodiversity Website, Redpath Museum, McGill University, Montreal<br />

12. Michael D. Jennings: Some Scales for Describing Biodiversity. GAP Analysis Bulletin. Nr. 5, 1996 (PDF (https://pubs.<br />

usgs.gov/gap/05/report.pdf)1,4 MB, komplette Ausgabe; archivierte HTML-Version (https://web.archive.org/web/201<br />

00924160131/http://www.gap.uidaho.edu/Buletins/5/SSfDB.html) (Memento vom 24. September 2010 im Internet<br />

Archive) des Einzelartikels vom Server der Idaho State University)<br />

13. <strong>Eine</strong>n Überblick über die Indikatoren auf dem Stand des Jahres 2010 bietet 2010 Biodiversity Indicators Partnership:<br />

Biodiversity indicators and the 2010 Target: Experiences and lessons learnt from the 2010 Biodiversity Indicators<br />

Partnership. CBD Technical Series No. 53. Secretariat of the Convention on Biological Diversity, Montréal, Canada<br />

(PDF), Annex 1 (S. 75–165)<br />

14. Anja <strong>von</strong> Hahn: Traditionelles Wissen indigener und lokaler Gemeinschaften zwischen geistigen Eigentumsrechten<br />

und der public domain. Springer, Berlin 2004. S. 38, 39.<br />

15. Reinhard Piechocki: Landschaft - Heimat - Wildnis. München 2010. ISBN 978-3406541520.<br />

16. Thomas M. Smith, Robert L. Smith: Ökologie, Pearson Studium Verlag, ISBN 978-3-8273-7313-7, S. 645 ff.


17. Planet am Limit. (http://www.wwf.de/living-planet-report/)Webseite des WWF Deutschland zur Präsentation des<br />

Living Planet Report 2016, abgerufen am 16. November 2016<br />

18. WWF Deutschland: Living Planet Report 2016. Deutsche Kurzfassung.ISBN 978-3-946211-06-8(PDF (https://www.<br />

wwf.de/fileadmin/fm-wwf/Publikationen-PDF/WWF-LivingPlanetReport-2016-Kurzfassung.pdf) 4,9 MB)<br />

19. Norman Myers, Russell A. Mittermeier , Cristina G. Mittermeier, Gustavo A. B. da Fonseca & Jennifer Kent:<br />

Biodiversity hotspots for conservation priorities. Nature 403 (2000), S. 853–858 online verfügbar (http://www.cienciav<br />

iva.pt/divulgacao/cafe/World_biodiversity_hotspots.pdf) (PDF; 235 kB)<br />

20. Thomas M.Brooks et al.: Habitat loss and extinction in the hotspots of biodiversity. Conservation Biology 16 (2002),<br />

S. 909–923; online verfügbar (http://www.ask-force.org/web/biodiversity/Brooks-Biodiccenters-Loss-2002.pdf)(PDF;<br />

468 kB)<br />

21. Vgl. Ergebnisse der Brookhaven Symposia in Biology, auf denen diese Sichtweise kodifiziert wurde: Diversity and<br />

Stability in Ecological Systems. G. M. Woodwell, H. H. Smith (Hrsg.), 1969: Brookhaven Symposia in Biology No. 22,<br />

Brookhaven National Laboratory, Upton, NY.<br />

22. Siehe auch Kevin Shear McCann (2000) The diversity–stability debate. Nature 405, 228-233. doi:10.1038/35012234<br />

(https://dx.doi.org/10.1038%2F35012234).<br />

23. Robert M. May (1973): Stability and complexity in model ecosystems. Princeton Univ. Press<br />

24. Kevin Shear McCann (2000): The diversity–stability debate. Nature 405: S. 228–233. doi:10.1038/35012234 (https://<br />

dx.doi.org/10.1038%2F35012234).<br />

25. D. U. Hooper, F. S. Chapin, III, J. J. Ewel, A. Hector, P. Inchausti, S. Lavorel, J. H. Lawton, D. M. Lodge, M. Loreau,<br />

S. Naeem, B. Schmid, H. Setälä, A. J. Symstad, J. Vandermeer, D. A. Wardle (2005): Effects of Biodiversity on<br />

Ecosystem Functioning: A Consensus of Current Knowledge. Ecological Monographs 75 (1): S. 3–35. jstor.org (htt<br />

p://www.jstor.org/stable/4539083)<br />

26. Thomas M. Smith, Robert L. Smith: Ökologie, Pearson Studium Verlag, ISBN 978-3-8273-7313-7, S. 480 f.<br />

27. nach der CBD (deutsche Fassung). (PDF (http://www.admin.ch/ch/d/sr/i4/0.451.43.de.pdf))<br />

28. Etwas ausführlicher erläutert werden die Begrif fe Eigenwert und Selbstwert in: Uta Eser & Thomas Potthast:<br />

Naturschutzethik. <strong>Eine</strong> Einführung <strong>für</strong> die Praxis.Nomos Verlagsgesellschaft, Baden-Baden 1999. ISBN 3-7890-<br />

6016-X. S. 60 ff.<br />

29. Terry C. Daniel, Andreas Muhar, Arne Arnberger, Olivier Aznar, James W. Boyd, Kai M. A. Chan, Robert Costanza,<br />

Thomas Elmqvist, Courtney G. Flint, Paul H. Gobster , Adrienne Grêt-Regamey, Rebecca Lave, Susanne Muhar,<br />

Marianne Penker, Robert G. Ribe, Thomas Schauppenlehner, Thomas Sikor, Ihor Soloviy, Marja Spierenburg,<br />

Karolina Taczanowska, Jordan Tam, Andreas <strong>von</strong> der Dunk: Contributions of cultural services to the ecosystem<br />

services agenda. In: Proceedings of the National Academy of Sciences. Band 109, Nr. 23, 2012, S. 8812–8819.<br />

30. Uta Eser, Ann-Kathrin Neureuther, Hannah Seyfang, Albrecht Müller: Prudence, justice and the good life: a typology<br />

of ethical reasoning in selected European national biodiversity strategies . Bundesamt <strong>für</strong> Naturschutz, Bonn 2014,<br />

ISBN 978-3-944811-00-0(PDF (https://portals.iucn.org/library/node/44639)auf Seite der IUCN).<br />

31. Shigeo Yachi and Michel Loreau: Biodiversityand ecosystem productivity in a fluctuating environment: The<br />

insurance hypothesis. Proceedings of the National Acadademy of Science USA 96 (1999): 1463–1468 Volltext (htt<br />

p://www.pnas.org/content/96/4/1463.full)<br />

32. Vgl. Pieter J. den Boer: Spreading of risk and stabilization of animal numbers. Acta Biotheoretica 1968/18 (1–4):<br />

S. 165–194.<br />

33. McCann, K. S.: The diversity-stability debate. Nature 2000/405: S. 228–233.<br />

34. R. Marggraf: Ökonomische Aspekte der Biodiversitätsbewertung. Peter Janich, Mathias Gutmann & K. Priess:<br />

Biodiversität – Wissenschaftliche Grundlagen und gesellschaftliche Relevanz . Springer, Berlin: S. 355–411; Sandra<br />

Rajmis: Wertschätzung <strong>von</strong> Biodiversität als Quelle ökologischer Versicherungsleistungen in Deutschland. In:<br />

Bundesamt <strong>für</strong> Naturschutz (Hg.): Treffpunkt Biologische Vielfalt VI. Aktuelle Forschung im Rahmen des<br />

Übereinkommens über die biologischen Vielfalt. Bundesamt <strong>für</strong> Naturschutz, Bonn-Bad Godesberg: S. 143–148;<br />

Stefan Baumgärtner: The insurance value of biodiversity in the provision of ecosystem services . Natural Resource<br />

Modeling 2007/20(1): S. 87–127.<br />

35. Lasse Loft, Alexandra Lux: Ecosystem Services – Ökonomische Analyse ihres Verlusts, ihre Bewertung und<br />

Steuerung (http://www.bik-f.de/files/publications/kfp_nr-10_neu__817f56.pdf)(PDF; 2,1 MB) Projektbereich<br />

Ergebnis-Transfer und sozial-ökologische Aspekte klimabedingter Biodiversitätsveränderungen, Institut <strong>für</strong> sozialökologische<br />

Forschung (ISOE)<br />

36. Stefan Baumgärtner: The insurance value of biodiversity in the provision of ecosystem services . Natural Resource<br />

Modeling 2007/20(1): S. 87–127.<br />

37. Siehe z. B. Crawford S. Holling: Resilience and stability of ecological systems. Annual Review of Ecology and<br />

Systematics 1973/4: S. 1–23.<br />

38. Jan Barkmann, Klaus Glenk, Handian Handi, Leti Sundawati, Jan-Patrick Witte, Rainer Marggraf (2007): Assessing<br />

economic preferences for biological diversity and ecosystem services at the Central Sulawesi rainforest margin – a<br />

choice experiment approach. In: Teja Tscharntke, Christoph Leuschner, Manfred Zeller, Edi Guhardja, Arifuddin Bidin<br />

(Eds.) Stability of Tropical Rainforest Margins. Linking ecological, economic and social constraints of land use and<br />

conservation. Springer, Berlin, Seiten 181–208.<br />

39. Claudia Cerda, Iason Diafas, Jan Barkmann, John Mburu, Rainer Marggraf (2007): WTP or WT A, or both?<br />

Experiences from two choice experiments for early planning stages. In: Jürgen Meyerhof f, Nele Lienhof, Peter


Elsasser (Eds.) Stated Preference Methods for Environmental Valuation: Applications from Austria and Germany.<br />

Metropolis Verlag, Marburg, Seiten 139–173.<br />

40. Sandra Rajmis, Jan Barkmann, Rainer Marggraf: Pythias Rache: zum ökonomischen Wert ökologischer<br />

Risikovorsorge. GAIA 2010/19(2): S. 114–121.<br />

41. Salvatore Di Falco, Charles Perrings (2003) Crop Genetic Diversity , Productivity and Stability of Agroecosystems. A<br />

Theoretical and Empirical Investigation. Scottish Journal of Political Economy 50(2): 207–216.<br />

42. Jean-Paul Chavas, Salvatore Di Falco (2012) On the Productive Value of Crop Biodiversity: Evidence from the<br />

Highlands of Ethiopia. Land Economics 88: 58–74<br />

43. Heiko H. Parzies: Die Ernährung der Welt. (http://www.sueddeutsche.de/wissen/artenvielfalt-die-ernaehrung-der-welt<br />

-1.581563) In: Süddeutsche Zeitung, 17. Mai 2010.<br />

44. Artenvielfalt steigert Nutzpflanzenertrag.(http://www.scinexx.de/wissen-aktuell-8649-2008-08-11.html) In: Scinexx,<br />

11. November 2008.<br />

45. Keesing, F. et al.: Impacts of biodiversity on the emergence and transmission of infectious diseases . In: Nature. 468,<br />

Nr. 7324, 2010, S. 647–652. PMID 21124449.<br />

46. Vgl. den UN Biodiversitätsbericht(http://www.cbd.int/doc/meetings/cop/cop-08/official/cop-08-12-en.pdf)(PDF;<br />

198 kB) Punkt 5 und 7.<br />

47. Biodiversitäts-Strategie Österreich 2020+(http://www.umweltbundesamt.at//umweltsituation/naturschutz/biolat/biodiv<br />

strat_2020) In: umweltbundesamt.at, 21. November 2015.<br />

48. Mehr als Blumen und Bienen. Die Biodiversitätsstrategie der EU.(http://ec.europa.eu/deutschland/press/pr_release<br />

s/9925_de.htm) In: europa.eu, 3. Mai 2011 .<br />

49. Q&A on the Communication an EU biodiversity strategy to 2020.(http://europa.eu/rapid/pressReleasesAction.do?ref<br />

erence=MEMO/11/268&format=HTML&aged=0&language=EN&guiLanguage=en) In: europa.eu, 3. Mai 2011<br />

(Pressemitteilung, englisch).<br />

Abgerufen <strong>von</strong> https://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Biodiversität&oldid=171093525 <br />

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Bioökonomie<br />

Das Konzept der Bioökonomie oder im europäischen Raum auch knowledge-based bio-economybeschreibt die Transformation <strong>von</strong><br />

einer Erdöl-basierten Wirtschaft hin zu einer Wirtschaft in der fossile Ressourcen durch nachwachsende Rohstoffe ersetzt wurden. [1]<br />

Durch diese Transformation sollen Produkte und Prozesse innerhalb einer Volkswirtschaft nachhaltig erzeugt werden können. [1] Die<br />

Europäische Kommission stellt in diesem Zusammenhang fest, dass die Bioökonomie die Produktion erneuerbarer biologischer<br />

Ressourcen und deren Umwandlung in Nahrungs- und Futtermittel, biobasierte Produkte und Bioenergie betrifft. Die Bioökonomie<br />

umfasst damit zahlreiche Sektoren, wie beispielsweise die Land- Forst- und Fischereiwirtschaft, die Nahrungsmittelindustrie, die<br />

Holz- und Papierindustrie, die Biotechnologie und andere Verfahrenstechnologien, aber auch Teile der Chemie-, Textil und<br />

Energieindustrien sowie Dienstleistungen in den Bereich Handel, Logistik und Umwelttechnologien. [2] Der Prozess der<br />

Biologisierung trägt zur weiteren Ausbreitung der Bioökonomie bei.<br />

In der Politik wird die Entwicklung der Bioökonomie meist mit gesellschaftlichen Zielen verbunden. Die Bioökonomie soll zu<br />

nachhaltiger Entwicklung und grünem Wachstum beitragen. Insbesondere wird sie mit der Erreichung der UN Nachhaltigkeitsziele<br />

zur Ernährungssicherung, zum Klimaschutz, zu <strong>nachhaltigen</strong> Konsum- und Produktionsbedingungen sowie zum Erhalt der<br />

wichtigsten Naturgüter, wie Trinkwasser, fruchtbare Böden, saubere Luft und Biodiversität in Verbindung gebracht. [3]<br />

Die Bioökonomie orientiert sich am Kreislaufprinzip der Natur und sieht den Wandel zu einer Kreislaufwirtschaft als wesentliches<br />

Leitbild an. Im Sinne <strong>von</strong> Ressourceneffizienz und Nachhaltigkeit zielt sie auf die stufenweise Verwertung und Mehrfachnutzung <strong>von</strong><br />

Ressourcen ab. [4]<br />

Bis 2005 fand der Begriff der Bioökonomie seine Anwendung vor allem in Bezug auf wirtschaftliche Aktivitäten, die sich aus neuen<br />

Produkten und Verfahren der Biotechnologie ergeben. Dazu zählen beispielsweise biologische Pharmazeutika, wie Antibiotika und<br />

Immuntherapien, aber auch technische Biopolymere <strong>für</strong> Werkstoffe. Mit den rasanten Entwicklungen in den Lebenswissenschaften<br />

wurde diese engere Definition der Bioökonomie vielfach auf die Verwendung biologischer Ressourcen und Erkenntnisse<br />

ausgeweitet. [5]<br />

2009 richteten die deutschen Bundesministerien <strong>für</strong> Bildung und Forschung (BMBF) sowie Ernährung, Landwirtschaft und<br />

Verbraucherschutz (BMELV) <strong>einen</strong> Bioökonomierat (BÖR) (davor Forschungs- und Technologierat Bioökonomie) als unabhängiges<br />

Beratungsgremium <strong>für</strong> die Deutsche Bundesregierung ein. Der Bioökonomierat versteht die Bioökonomie als „die Erzeugung und<br />

Nutzung biologischer Ressourcen (inkl. biologischen Wissens), um Produkte, Verfahren und Dienstleistungen in allen<br />

wirtschaftlichen Sektoren im Rahmen eines zukunftsfähigen Wirtschaftssystems bereitzustellen.“ [6] Der Bioökonomierat betont<br />

damit das Potenzial zur Entwicklung nachhaltigerer Produkte und Prozesse.<br />

Das Verständnis des Begriffs wird stark <strong>von</strong> der Politik und der Forschung beeinflusst und unterscheidet sich somit in den<br />

verschiedenen Ländern hinsichtlich Umfang und Ausrichtung. Während die Definition in einigen Ländern (z. B. USA, Indien,<br />

Südafrika oder Südkorea) stark auf die Lebenswissenschaften und die Gesundheitswirtschaft ausgerichtet ist, beziehen sich andere<br />

(z. B. Brasilien, Kanada, Finnland oder Neuseeland) mehr auf die traditionelle Bioökonomie, also die Verwendung nachwachsender<br />

Rohstoffe in der Industrie. <strong>Eine</strong> dritte Gruppe <strong>von</strong> Ländern (darunter z. B. die Niederlande, China, Malaysia, Thailand, Japan oder<br />

Russland) versteht die Bioökonomie eher als neue biobasierte Industrie in Verbindung mit High-Tech Entwicklungen. [7]<br />

Inhaltsverzeichnis<br />

1 Hintergrund<br />

2 Entwicklung<br />

3 Interdisziplinäre Einordnung


4 Gesellschaftspolitische Einordnung<br />

4.1 Gesellschaftspolitische Definition<br />

4.2 Politische Konzepte<br />

5 Wirtschaftliche Bedeutung<br />

6 Kontroversen<br />

7 Siehe auch<br />

8 Literatur<br />

9 Weblinks<br />

10 Einzelnachweise<br />

Hintergrund<br />

Das Konzept der Bioökonomie wurde ursprünglich vor dem Hintergrund einer stark wachsenden Weltbevölkerung und der damit<br />

verbundenen Erwartung entwickelt, dass fossile Rohstoffe wie Erdöl, Erdgas und Kohle zukünftig knapper werden. [8] Der<br />

Bioökonomierat konstatiert, dass die Bioökonomie heute nicht mehr vorwiegend <strong>von</strong> steigenden Preiserwartungen <strong>für</strong> fossile<br />

Rohstoffe getrieben wird. Vielmehr hat die Erschließung weiterer Rohstoffvorkommen u. a. dazu beigetragen, dass dieses Argument<br />

an Dringlichkeit verloren hat. [9] Jedoch wurde im Zuge der Klimaverhandlungen dem strategischen Ziel der Dekarbonisierung große<br />

Bedeutung zugeschrieben, insbesondere auch <strong>von</strong> den G7-Industriestaaten. [10]<br />

Entwicklung<br />

Als Wegbereiter der Bioökonomik gilt Nicholas Georgescu-Roegen (1906–1994) mit seinem Hauptwerk The Entropy Law and the<br />

Economic Process (1971). Er erkannte, dass Wirtschaftsprozesse insbesondere <strong>von</strong> der Thermodynamik beherrscht werden. Der<br />

gelegentlich sogenannte „Vierte Hauptsatz <strong>von</strong> Georgescu-Roegen“ betrifft die Entropie der Materie: Die Ungleichgewichts-<br />

Thermodynamik lebender Systeme kann mit energetischen Konzepten ohne die Entität Information nicht hinlänglich beschrieben<br />

werden. Formalwissenschaftliche Grundlagen kommen <strong>von</strong> der Kybernetik (Biophysik: Heinz <strong>von</strong> Foerster), der Chaosforschung<br />

(Physikochemie: Ilya Prigogine) und der Synergetik (Nichtlinearität: Hermann Haken).<br />

Das bioökonomische Interesse gilt den „Bedingungen der Möglichkeit“ (ökologischen Constraints) zur Viabilität, dem Rückfluss der<br />

Information in die (symbiontischen) Produkte der Evolution als „Kausalität <strong>von</strong> oben“ (Rupert Riedl, 1925–2005) sowie der<br />

„Abwärtskausalität“ als Selektionsbasis (Donald T. Campbell, 1916–1996). Information ist physikalisch der Gegenbegriff zur<br />

Entropie. Wegen der existenziellen biophysischen Bedeutung des Entropie-Gesetzes (Zweiter und Vierter Hauptsatz der<br />

Thermodynamik) ist die Bioökonomie <strong>für</strong> die Theorie der Warenlehre grundlegend (Eberhard K. Seifert und Richard Kiridus-Göller,<br />

2012).<br />

Bioökonomische Erkenntnisse zur Dynamik lebender Systeme finden in der <strong>nachhaltigen</strong> Ressourcen-Nutzung vielfältige<br />

Anwendungen. Die mathematische Bioökonomie diskutiert effektivere Methoden des Ressourcen-Managements (Colin W. Clark,<br />

1976). Deren Anfänge stehen mit den Theorien und mathematische Modellierungen der Fischereiwissenschaft in der Mitte der<br />

1950er Jahre im Zusammenhang (S. Gordon, A. Scott, M. B. Schäfer).<br />

Für die Nutzung der Biomasse (Rohstoffe pflanzlicher, tierischer und mikrobieller Herkunft) werden im englischen Sprachgebrauch<br />

die Begriffe Food, Feed, Fibre and Fuel benutzt. Darüber hinaus betrifft die Bioökonomie sämtliche ökonomischen Strategien, die<br />

sich <strong>von</strong> der Grundlagenforschung biomolekularer Abläufe bis hin zur Systembiologie und Komplexitätsforschung ableiten. Den<br />

systemischen Hintergrund der Bioökonomie erhellt die Bionik. Strikt materielle Definitionen <strong>von</strong> Bioökonomie sind nicht<br />

wissenschaftlich, weil ihre Erkenntnisse primär auf biophysikalischen und informationstheoretischenGrundlagen beruhen und ihre<br />

Anwendungen sich nicht auf Biochemie und Biotechnologie beschränken. Ziel ist die Maximierung der Lebensfähigkeit sozialer<br />

Systeme.


Während die Grundbedeutung des Begriffs im Deutschen allmählich – in ihr Gegenteil – verdrängt zu werden droht, ist sie in<br />

vergleichsweise romanischen Sprachen noch erhalten (Maurio Bonaiuti 2011): Bioeconomia im italienischen Sprachraum thematisiert<br />

die vom ökonomischen Paradigma der Wachstumsgesellschaft ignorierten Randbedingungen der Biosphäre und die notwendige<br />

Interdisziplinarität zwischen Ökonomie, Politik und Kultur. Möglichkeiten der Begegnungen zu Wirtschaftsweisen, die sozial,<br />

ökologisch, ökonomisch oder politisch schädlich sind, stehen seit Geor gescu-Roegen (La Décroissance 1979) in Diskussion.<br />

Im Sinne des Gutachtens des Wissenschaftlichen Beirats der Bundesregierung Globale Umweltveränderungen(WBGU) aus dem Jahr<br />

2011, „Gesellschaftsvertrags <strong>für</strong> eine Große Transformation“ mit seinem Postulat einer Abkehr <strong>von</strong> fossilen Brennstoffen als<br />

Grundlage der Ökonomie beherrschte der Begriff der Bioökonomie als neues Leitbild der weltweiten Landwirtschaft und<br />

Nahrungsmittelerzeugung das jährliche internationale Treffen der Landwirtschaftsminister auf der Internationalen Grünen Woche<br />

2015 in Berlin. [11][12]<br />

Interdisziplinäre Einordnung<br />

Die biologische und soziokulturelle Evolution aus einheitlichen Evolutionsprinzipien heraus zu beschreiben ist das interdisziplinäre<br />

Anliegen der Systemischen Evolutionstheorie (Systemic Theory of Evolution). Die Ökologische Ökonomie bemüht sich um eine<br />

Integration <strong>von</strong> Bioökonomie und Sozioökonomie. „Biostrategien“ orientieren sich an der ökonomischen Effizienz biologischer<br />

Vorbilder, bioökonomische Organisationstheorien an den Selbstorganisationsprozessen der Evolution. Für das Evolutionäre<br />

Management ist das kybernetische Modell lebensfähiger Systeme (Viable System Model) <strong>von</strong> Stafford Beer (1926–2002) <strong>von</strong><br />

Bedeutung. Das Biological Computer Laboratory (BCL) hatte in den Jahren 1958–1974 unter der Leitung des Biophysikers Heinz<br />

<strong>von</strong> Foerster das Studium selbstorganisierender Systeme zum Forschungsschwerpunkt. Die Biokybernetik als Weg zur <strong>nachhaltigen</strong><br />

Entwicklung ist das Vermächtnis <strong>von</strong> Frederic Vester (1925–2003). Als Pionier in der Anwendung evolutionärer Strategien zur<br />

Optimierung betrieblicher Prozesse in der Beschaffung, Produktion und Distribution gilt Paul Ablay (1987), in der Materialwirtschaft<br />

entwickelte er Methoden zur Effizienzsteigerung nach evolutionärem Muster. The Blue Economy® steht <strong>für</strong> die physische<br />

Optimierung der <strong>nachhaltigen</strong> Geschäftsgestaltung (Gunter Pauli 2010).<br />

Zur Förderung der Studien und Anwendungen der Bioökonomik wurde im Mai 1990 die 'European Association for Bioeconomic<br />

Studies' (E.A.B.S.) mit Subvention der Dragan Foundation in Venedig gegründet. Seit 1999 erscheint Journal of Bioeconomics<br />

(Organ der International Society for Bioeconomics), gegründet <strong>von</strong> Janet T. Landa und Michael T. Ghiselin. Herausgeber ist seit<br />

Jahresbeginn 2012 Ulrich Witt, Direktor der Abteilung Evolutionsökonomik am Max-Planck-Institut <strong>für</strong> Ökonomik, Jena.<br />

Für die generalistische Ausrichtung <strong>von</strong> Wirtschaft und Technik auf den bio-kulturellen Zusammenhang hin hat sich in der<br />

Warenlehre Richard Kiridus-Göller (2002; 2012) eingesetzt, das sind or ganisierende Leitbilder (K.E. Boulding 1956, Herman E. Daly<br />

1996). Das dementsprechend sozialökologische Leitbild - die zur Nachhaltigkeit notwendige Organisations-Logik ("orgware") zur<br />

Durchsetzung bioökonomischer Strategien - hat er programmatisch als bioware“ „ benannt: Das qualitative Entscheidungskriterium ist<br />

die Vereinbarkeit <strong>von</strong> ökonomischer Effizienz (Leistung) und ökologischer Effektivität (Wirkung): Öko-Effektivität. Die hingegen<br />

ideologische Verschränkung <strong>von</strong> Leben als Ware mit Geld, Markt und Biotechnologien bezeichnet Kaushik S. Rajan (2006) als<br />

„Biokapitalismus“. Ohne Fügung in biophysische Grenzen führt ein solches Bioökonomie-Verständnis zu sinnentstellendem<br />

„Begriffsgrabbing“ (Christiane Grefe 2016).<br />

Die Wiederaufnahme des ökonomischen Ansatzes der Physiokratie auf zeitgemäß naturwissenschaftlich-systemischer Basis<br />

bezeichnet der amerikanische Politologe Lynton K. Caldwell (1913–2006) als Biokratie („biocracy“). Insofern bedeutet die<br />

Bioökonomik auch <strong>einen</strong> Paradigmenwechsel in den Wirtschaftswissenschaften. Der Mensch geht – in kybernetischer Koevolution -<br />

wie mit der Gesellschaft auch mit der Biosphäre eine symbiontische Beziehung ein (Joël de Rosnay 1997). Der Umweltökonom<br />

Georg Winter stiftete <strong>einen</strong> Biokratie-Preis, der im Juli 2013 zum zweiten Mal verliehen wurde.<br />

Die sozialwissenschaftliche Kritik an der „Kommodifizierung des Lebens“ (S. Lettow 2012, Gottwald & Krätzer 2014) hat den<br />

mangelnden ökonomischen Paradigmenwechsel zum Hintergrund: die mechanistische Fehlinterpretation <strong>von</strong> Bioökonomie /<br />

Bioökonomik (bioeconomics), in vorrangiger Orientierung an Biotechnologien (biobased economy, bioeconomy or biotechonomy)<br />

anstatt an der Bionik (bionics).


Gesellschaftspolitische Einordnung<br />

Gesellschaftspolitische Definition<br />

Die Bioökonomie, wie sie als Begriff in der gesellschaftspolitischen Diskussion in Verwendung ist, erstreckt sich über alle<br />

industriellen und wirtschaftlichen Sektoren, die erneuerbare biologische Ressourcen zur Herstellung <strong>von</strong> Produkten und zur<br />

Bereitstellung <strong>von</strong> Dienstleistungen unter Anwendung innovativer biologischer und technologischer Kenntnisse und Verfahren<br />

nutzen. [13][14] Mit der Einführung einer biobasierten Wirtschaft ist die Hoffnung auf neue, nachhaltig erzeugte Produkte oder<br />

nachhaltige Prozesse verbunden.<br />

Politische Konzepte<br />

Auf europäischer Ebene wird das Konzept einer biobasierten Wirtschaft (biobased economy) bereits seit Ende der neunziger Jahre<br />

diskutiert. [13] EU-Forschungskommissar Janez Potočnik stellte erstmals 2005 das Konzept einer wissensbasierten Bioökonomie unter<br />

Verwendung der oben genannten Definition vor. [15] Unter deutscher Ratspräsidentschaft wurde am 30. Mai 2007 auf der Konferenz<br />

„En Route to the Knowledge-Based Bio-Economy“ die sogenannte Kölner Erklärung (Cologne Paper) formuliert, [16] die neben<br />

Nahrungsmitteln, Biomaterialien, Bioprozessen, Bioenergie auch die Biomedizin als Handlungsfeld identifizierte. Welche Bereiche<br />

die Bioökonomie umfasst, wird in zahlreichen Veröffentlichungen uneinheitlich definiert. Die EU klammert diesen Bereich aus.<br />

<strong>Eine</strong>m Communication Paper der EU-Kommission vom 29. Februar 2012 liegt sogar ein engerer, vor allem auf Land- und<br />

Forstwirtschaft bezogener Fokus zugrunde. [17] <strong>Eine</strong> andere Veröffentlichung der EU-Kommission vom 13. Februar 2012 hingegen<br />

betont vor allem Innovation, Ressourceneffizienz und Nachhaltigkeit im Sinne industrieller Prozesse und des Umweltschutzes. [18] Im<br />

Gegensatz zur Sichtweise der europäischen Politik zählt die US-Regierung den Bereich der Biomedizin ausdrücklich zur<br />

Bioökonomie hinzu, [19] genauso wie die OECD. [20] Deutschland hingegen bezieht die Biomedizin in der „Nationalen<br />

Forschungsstrategie BioÖkonomie 2030“ des Bundesministerium <strong>für</strong> Bildung und Forschung nur indirekt mit ein. [21] Dabei handelt<br />

es sich vor allem um den Bereich der industriellen Herstellung <strong>von</strong> Biomolekülen, zu denen neben biologischen pharmazeutisch<br />

aktiven Substanzen auch Nahrungsergänzungsmittel oder Prozess-Enzyme hinzugerechnet werden. Im Juli 2013 stellten die<br />

Bundesministerien <strong>für</strong> Bildung und Forschung sowie Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz zudem die „Politikstrategie<br />

Bioökonomie“ vor, [22] die ausführlich das Potential der Bioökonomie, gleichzeitig aber auch Zielkonflikte thematisiert.<br />

Das Konzept der Bioökonomie hat in den vergangenen zehn Jahren weltweit an politischer Dynamik und Bedeutung gewonnen. Auf<br />

dem ersten Global Bioeconomy Summit (November 2015) wurde berichtet, dass bereits 45 Länder (einschließlich der Europäischen<br />

Union) die Bioökonomie in ihren politischen Strategien verankert haben. [3] Die Ansätze und Motivationen <strong>für</strong> die Förderung der<br />

Bioökonomie sind dabei vielseitig. Während die Europäische Union, Deutschland, Finnland, Japan, Malaysia, Südafrika, die USA<br />

und die Westnordischen Länder (Färöer Inseln, Grönland und Island) umfassende Bioökonomie Politikstrategien veröffentlicht<br />

haben, fördern andere Länder die Bioökonomie unter dem Blickwinkel eines bestimmten Politikbereiches. So konzentrieren sich<br />

beispielsweise China, Kenia, Russland und Südkorea auf Politikstrategien zur Förderung der Biotechnologie und konvergierenden<br />

Technologien, während z. B. Brasilien, Großbritannien und Indien Bioenergie Strategien veröffentlicht haben. Länder mit einem<br />

starken Agrar- oder Forstsektor, wie beispielsweise Australien, Kanada, Neuseeland, Uruguay oder Indonesien, integrieren die<br />

Bioökonomie in ihre Sektorstrategien. Schließlich gibt es eine Gruppe <strong>von</strong> Ländern, wie beispielsweise Argentinien, Österreich,<br />

Schweden oder Namibia, die sich auf bioökonomische Themen in ihren Forschungsstrategien konzentrieren. [3]<br />

Wirtschaftliche Bedeutung<br />

Global sind rund 13 Mrd. Tonnen an Biomasse verfügbar (2012). Sie werden zu rund 60 % <strong>für</strong> Futtermittel verwendet. 15 % der<br />

Rohstoffe werden <strong>für</strong> Nahrungsmittel und 25 % <strong>für</strong> die energetische und stoffliche Nutzung verwendet. [23] Neben Bioenergie und<br />

Lebensmitteln, sind die wichtigen biobasierten Industrieprodukte (bisher) Spezialchemikalien, biobasierte Kunst- und Verbundstoffe,<br />

Tenside, Lacke und Farben, Schmierstoffe sowie Papier und Zellstoff, Baumaterialien, Möbel und Pharmazeutika. Wichtigste<br />

Energieträger sind Holzprodukte, Biogas und Biokraftstoffe. Es wird erwartet, dass durch den technologischen Fortschritt vor allem<br />

im Bereich der Life Sciences neue Produkte entwickelt werden, die Nachhaltigkeit mit erhöhtem Verbrauchernutzen verbinden. [24]


Die Bioökonomie ist bereits heute ein Wirtschaftsfaktor. [25] Im Jahr 2013 trug die Bioökonomie in der EU schätzungsweise zu einem<br />

jährlichen Gesamtumsatz <strong>von</strong> rund €2,1 Bill. bei und beschäftigte rund 18,3 Mio. Arbeitnehmer (ca. 9 % der Erwerbstätigen in der<br />

EU). [26] In den USA trugen biobasierte Produkte rund $370 Mrd. zur Bruttowertschöpfung in den USA bei (2013). Die Biobasierte<br />

Industrie beschäftigte dort schätzungsweise 4 Mio. Arbeitnehmer und konzentrierte sich besonders auf die Staaten Mississippi,<br />

Oregon, Maine, Wisconsin, Idaho, Alabama, North Carolina, Arkan-sas und South Dakota. [27] Darüber hinaus ist Brasilien<br />

beispielsweise ein Vorreiter im Bereich Bioenergie. 2012 trug allein die Zuckerrohr Industrie 2 % zum BIP bei und beschäftige 2011<br />

rund 1 Million Menschen. [28]<br />

In Deutschland hängen rund 12,5 % der Beschäftigten <strong>von</strong> Unternehmen ab, die der Bioökonomie zugerechnet werden können. Sie<br />

erwirtschaften rund 7,6 % der deutschen Bruttowertschöpfung. Die Wertschöpfung in der Bioökonomie erfolgt zu 12 % im<br />

Primärsektor (Land- und Forstwirtschaft), zu 52 % im Sekundärsektor (verarbeitende Industrie) und zu 36 % im Tertiärsektor<br />

(Handel und Dienstleistungen). [29] Schwerpunktbereiche sind unter anderem die Energiewirtschaft – 7,6 % des Energieverbrauchs<br />

werden mit nachwachsenden Rohstoffen gedeckt – sowie die chemische Industrie: 13 % der verarbeiteten Rohstoffe sind hier<br />

biobasiert. [30]<br />

Als Pionierunternehmen der Bioökonomie gelten unter anderem: Arkema (Frankreich, Biopolymere), Bioamber (USA, Chemikalien),<br />

Borregaard (Norwegen, holzbasierte Bioraffinerie), Braskem (Brasilien, Bio-PE), DSM (Niederlande, Enzyme), E<strong>von</strong>ik (Germany,<br />

Chemikalien), NatureWorks (USA, Biokunststoffe), Lanza-Tech (USA, biobasierte CO 2 Aufbereitung), Novamont (Italien,<br />

Biokunststoffe/Bioraffinerie), Novozymes (Dänemark, Enzyme), Roquette (Frankreich, Chemikalien), Solazyme (USA, Bioenergie),<br />

Virent (Frank-reich). [31] Neben diesen und anderen Konzernen gibt es auch eine aktive Szene aus kl<strong>einen</strong> und mittleren Unternehmen<br />

(KMU); Beispiele sind etwa die c-LEcta GmbH in Leipzig [32][33] oder die evoxx technologies GmbH (Fusion der "evocatal GmbH"<br />

und der "aevotis GmbH") in Monheim am Rhein. [34] Im Januar 2016 verkündete das Biotech-Unternehmen BRAIN AG s<strong>einen</strong><br />

Börsengang im „Prime Standard“ an der Frankfurter Börse. Die Firma ist damit die erste Biotech-Firma seit fast zehn Jahren, die den<br />

Sprung an die Deutschen Börse wagt. Die BRAIN AG entwickelt und vermarktet ein breites Spektrum an Produkten der industriellen<br />

Biotechnologie wie Enzyme, Mikroorganismen und Naturstoffe. [35]<br />

Es wird erwartet, dass mit Hilfe der Bioökonomie Antworten auf die globalen Herausforderungen der Menschheit gefunden werden<br />

können. <strong>Eine</strong>m <strong>von</strong> der EU-Kommission geförderten Strategiepapier [36] zufolge sind das: der Klimawandel, die sichere Ernährung<br />

einer wachsenden Weltbevölkerung, die faire Verteilung der Lasten der Globalisierung, ein nachhaltiger Umgang mit Ressourcen, die<br />

sichere Versorgung mit Energie und die Gesundheit einer alternden Bevölkerung. Vor allem die unsichere Versorgung mit preiswerten<br />

fossilen Ressourcen und deren schädlicher Effekt auf die klimatische Entwicklung machen <strong>einen</strong> Wechsel der industriellen<br />

Rohstoffbasis notwendig. [37][38] Nach Ansicht der OECD kann der Rohstoffwandel mit nachhaltiger Produktion und der<br />

Verarbeitung <strong>von</strong> Biomasse durch moderne biologische Verfahren gelingen. [39] Heute werden rund 6 % der fossilen Rohstoffe in der<br />

Chemieproduktion zur Herstellung <strong>von</strong> Kunst- und Schmierstof fen, Lösungsmitteln und Tensiden verwendet. [40]<br />

Kontroversen<br />

Um einige Aspekte der Bioökonomie haben sich Kontroversen und Zielkonflikte entwickelt. Viele da<strong>von</strong> betreffen die Nutzung der<br />

Biomasse selbst oder andere natürliche Ressourcen wie Boden oder Wasser, die zu deren Produktion benötigt werden. Kritiker<br />

bemängeln, dass durch die intensive Bewirtschaftung landwirtschaftlicher Flächen und Wälder die Biodiversität gefährdet werde. [41]<br />

Im Rahmen der Tank-oder-Teller-Debatte wird diskutiert, ob die Umwandlung <strong>von</strong> Biomasse in Biotreibstoffe die Verfügbarkeit <strong>von</strong><br />

Lebensmitteln gefährdet. [41] Mit biogenen Reststoffen, die nicht <strong>für</strong> den menschlichen Verzehr geeignet sind, lässt sich eine<br />

Konkurrenz zwischen Tank und Teller vermeiden. Darauf setzen Bioraffinerien der sogenannten zweiten Generation. [42] Doch ob in<br />

Deutschland ausreichend biogene Reststofe <strong>für</strong> die biobasierte Wirtschaft vorhanden sind, ist umstritten. [43]<br />

Da die Verfügbarkeit <strong>von</strong> Biomasse zumindest in Deutschland und Europa begrenzt ist, [44] besteht ein Zielkonflikt zwischen der<br />

energetischen Nutzung <strong>von</strong> Biomasse (Biokraftstoffe, Biogas) und der stofflichen Nutzung, also der Umwandlung <strong>von</strong> Biomasse in<br />

höherwertige Produkte (Chemikalien, Bioplastik). Die Möglichkeit der stoflichen Nutzung <strong>von</strong> Biomasse hat das Bundesministerium<br />

<strong>für</strong> Bildung und Forschung in der „Roadmap Bioraffinerien“ analysiert. [45] Das Bundesministerium <strong>für</strong> Ernährung, Landwirtschaft


und Verbraucherschutz hat sich hingegen sowohl <strong>für</strong> die energetische als auch die stoffliche Nutzung <strong>von</strong> Biomasse eingesetzt. [46][47]<br />

Das Umweltbundesamt bevorzugt hingegen die stoffliche Nutzung. [48] Oft wird auch der Einsatz gentechnisch veränderter Pflanzen<br />

im Kontext der Bioökonomie kritisiert. [49]<br />

Siehe auch<br />

Forschungs- und Technologierat Bioökonomie<br />

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Priddat. Wilhelm Fink Verlag, München 2002, ISBN 3-8252-2340-X. (UTB 2340)<br />

Carsten Herrmann-Pillath: Foundations Of Economic Evolution. A Treatise on the Natural Philosophy of Economics.<br />

Edward Elgar, Cheltenham 2013, ISBN 978-1-84720-474-5.<br />

Fredmund Malik: Unternehmenspolitik und Corporate Governance. Wie sich Organisationen <strong>von</strong> selbst organisieren.<br />

Campus, Frankfurt/ New York 2008, ISBN 978-3-593-38286-9.<br />

Fredmund Malik: Die Natur denkt kybernetisch. Biologische Systeme stehen <strong>für</strong> ein neues Management-System. In:<br />

Kurt G. Blüchel, Fredmund Malik (Hrsg.): Faszination Bionik: Die Intelligenz der Schöpfung.Bionik Media, München<br />

2006, ISBN 3-939314-00-5, S. 80–91.


Robert Frenay: The Coming Age of Systems and Machines Inspired by Living Things.<br />

deutsch: Impuls. Das kommende Zeitalter naturinspirierter Systeme und Technologien. Übersetzung <strong>von</strong><br />

Sebastian Vogel. Berlin-Verlag, Berlin 2006, ISBN 3-8270-0602-3.<br />

Gunter Pauli: The Blue Economy. übersetzt <strong>von</strong> Karen Schmiady. Konvergenta Publishing, Berlin 2010, ISBN 978-3-<br />

942276-95-5.<br />

Klaus-Stephan Otto, Thomas Speck: Darwin meets Business - Evolutionäre und bionische Lösungen <strong>für</strong> die<br />

Wirtschaft. Gabler-Verlag, Wiesbaden 2011, ISBN 978-3-8349-2443-8.<br />

Richard Kiridus-Göller, Eberhard K. Seifert (Hrsg.): Evolution – Ware – Ökonomie. Bioökonomische Grundlagen zur<br />

Warenlehre. oekom, München 2012, ISBN 978-3-86581-317-6.<br />

Peter Mersch: Systemische Evolutionstheorie. <strong>Eine</strong> systemtheoretische Verallgemeinerung der Darwinschen<br />

Evolutionstheorie. Books on Demand, Norderstedt 2012, ISBN 978-3-8482-2738-9.<br />

Holger Wacker, Jürgen Blank: Ressourcenökonomik 1: Regenerative natürliche Ressourcen. R. Oldenbourg Verlag,<br />

München/Wien 1998. ISBN 978-3486239577.<br />

Georg Winter (Hrsg./Haus der Zukunft in Hamburg): Rechte der Natur / Biokratie. Buchreihe mit 20 Bänden:<br />

Metropolis, Marburg 2015/2016.<br />

Band 1: Eberhard Seidel: Biokratie und Brundtland-Triade. Die Rechte der Natur in Ökonomie und Organisation.<br />

ISBN 978-3-7316-1116-5(Februar 2015) .<br />

Band 2: Thomas Göllinger: Biokratie – Die evolutionsökonomischen Grundlagen.ISBN 978-3-7316-1117-2<br />

(Februar 2015).<br />

Bio-kulturelle Programmatik<br />

Lynton K. Caldwell: Biocracy: Public Policy and the Life Sciences.Westview Press, Boulder, Colorado 1987, ISBN 0-<br />

8133-7363-8.<br />

Jörg Leimbacher: Die Rechte der Natur. Helbing & Lichtenhahn Verlag, Basel 1988, ISBN 3-7190-1041-4 .<br />

Helmut Helsper: Die Vorschriften der Evolution <strong>für</strong> das Recht.O. Schmidt, Köln 1989, ISBN 3-504-06106-5.<br />

Erhard Oeser: Evolution und Selbstkonstruktion des Rechts.Böhlau, Wien/ Köln 1990, ISBN 3-205-05314-1.<br />

Robert Weimar, Guido Leidig: Evolution, Kultur und Rechtssystem. (= Beiträge zur Politikwissenschaft, Band 82).<br />

Peter Lang Europäischer Verlag der Wissenschaften, Frankfurt am Main 2002, ISBN 3-631-38965-5.<br />

Paul Ekins, Manfred Max-Neef (Hrsg.): Real-Life Economics. Understanding Wealth Creation. Routledge, London /<br />

Chapman & Hall, New York 1992, ISBN 0-415-07977-2.<br />

Michael L. Rothschild: Bionomics. The Inevitability of Capitalism: The astonishing connections between business<br />

management and the natural world. Futura Publications, London 1992, ISBN 0-7088-5244-0.<br />

Hans-Günter Wagner: Bio-Ökonomie. Die nachhaltige Nischenstrategie des Menschen.Haag und Herchen,<br />

Frankfurt am Main 1997, ISBN 3-86137-585-0.<br />

Thomas Lemke: Biopolitik zur Einführung.2. Auflage. Junius-Verlag, Hamburg 2007, ISBN 978-3-88506-635-4.<br />

Andreas Weber: Biokapital. Die Versöhnung <strong>von</strong> Ökonomie, Natur und Menschlichkeit.Berlin-Verlag, Berlin 2008,<br />

ISBN 978-3-8270-0792-6.<br />

László Mérő: Die Biologie des Geldes. Darwin und der Ursprung der Ökonomie.Rowohlt, Reinbek bei Hamburg<br />

2009, ISBN 978-3-499-62430-8.<br />

Kaushik Sunder Rajan: Biokapitalismus. Werte im postgenomischen Zeitalter. Aus dem Amerikanischen <strong>von</strong> Ilse Utz.<br />

Suhrkamp Verlag, Frankfurt am Main 2009, ISBN 978-3-518-42049-2.<br />

Susanne Lettow (Hrsg.): Bioökonomie. Die Lebenswissenschaften und die Bewirtschaftung der Körper . transcriptverlag,<br />

Bielefeld 2012, ISBN 978-3-8376-1640-8.<br />

Franz-Theo Gottwald, Anita Krätzer: Irrweg Bioökonomie. Kritik an einem totalitären Ansatz. Suhrkamp (edition<br />

unseld), Berlin 2014, ISBN 978-3-518-26051-7.<br />

Hans Immler: Nur die Natur produziert. Die Wirtschaft der Zukunft. Die Zukunft der Wirtschaft. NaturUni Verlag,<br />

Kassel 2014, ISBN 978-3-00-044085-4.<br />

Monografien im bioökonomischen Kontext<br />

Wilhelm Ostwald: Energetische Grundlagen der Kulturwissenschaft . Klinkhardt, Leipzig 1909. (Reprint: BiblioLife<br />

LCC, 2009), ISBN 1-113-04943-X.<br />

Alfred J. Lotka: Elements of Physical Biology. Williams & Wilkins Company, Baltimore 1925. (Reprint: Nabu Press,<br />

2011), ISBN 1-178-50811-0 .<br />

Kenneth E. Boulding: Die neuen Leitbilder. Econ-Verlag, Düsseldorf 1958. (Amerikanische Originalausgabe: The<br />

Image: Knowledge of life in society. University of Michigan Press, Ann Arbor Paperbacks 1956, ISBN 978-0-472-<br />

06047-4)<br />

Hans Hass: Energon. Das verborgene Gemeinsame. Verlag Fritz Molden, Wien 1970, DNB 456920994.


Hans Hass: Die Hyperzeller. Das neue Menschenbild derEvolution. Carlsen Verlag, Hamburg 1994, ISBN 3-551-<br />

85017-8.<br />

Andreas Hantschk, Michael Jung: Rahmenbedingungen der Lebensentfaltung. Die Energontheorie des Hans Hass<br />

und ihre Stellung in den Wissenschaften. Verlag Natur und Wissenschaft, Solingen 196, ISBN 3-927889-28-8 .<br />

John McHale: Der ökologische Kontext.Suhrkamp, Frankfurt am Main 1974, ISBN 3-518-06590-4.<br />

Frederic Vester: Neuland des Denkens. Vom technokratischen zum kybernetischen Zeitalter. Deutsche<br />

Verlagsanstalt, Stuttgart 1980, ISBN 3-421-02703-X.<br />

Werner Nachtigall: Biostrategie. <strong>Eine</strong> Überlebenschance <strong>für</strong> unsere Zivilisation. Hoffmann und Campe, Hamburg<br />

1983, ISBN 3-455-08697-7.<br />

Joël de Rosnay: Das Makroskop. Systemdenken als Werkzeug der Ökogesellschaft. Rowohlt, Reinbek 1979, ISBN<br />

3-499-17264-X.<br />

Joël de Rosnay: Homo symbionticus. Einblicke in das 3. Jahrtausend.Gerling Akademie Verlag, München 1997,<br />

ISBN 3-9803352-4-0.<br />

Weblinks<br />

Bundesministerium <strong>für</strong> Bildung und Forschung in Deutschland: Bioökonomie als gesellschaftlicher Wandel.<br />

(Memento vom 5. Juli 2015 im Internet Archive)<br />

Informationsplattform des Bundesministeriums <strong>für</strong> Bildung und Forschung in Deutschland<br />

Journal of Bioeconomics.<br />

Bioeconomics: Biological Economics<br />

ICABR - The International Consortium on Applied Bioeconomy Research<br />

Berkeley Bioeconmy Conference<br />

BioEconomy Cluster<br />

Bioeconomy Science Center<br />

BIOS Science Austria<br />

Bioeconomy auf ec.europa.eu<br />

Biokratie / Rechte der Natur<br />

Einzelnachweise<br />

1. Nationale Politikstrategie Bioökonomie.(https://www.bmbf.de/files/BioOekonomiestrategie.pdf) Auf: bmbf.de,<br />

abgerufen am 1. Februar 2016.<br />

2. Europäische Kommission Communication on Innovating for Sustainable Growth: A Bioeconomy for Europe. (http://e<br />

c.europa.eu/research/bioeconomy/pdf/bioeconomycommunicationstrategy_b5_brochure_web.pdf) , 2012.<br />

3. Bioökonomierat "Bioeconomy Policies (Part II): Synopsis of National Strategies around the World" (http://gbs2015.co<br />

m/fileadmin/gbs2015/Downloads/Bioeconomy-Policy_Part-II.pdf) , 2015.<br />

4. BMBF und BMEL Bioökonomie in Deutschland: Chancen <strong>für</strong> eine biobasierte und nachhaltige Zukunft. (https://www.<br />

bmbf.de/pub/Biooekonomie-in-Deutschland_001.pdf) , 2015.<br />

5. van Leeuwen, M., van Meijl, H., Smeets, E. and E. Tabea (Ed.)Overview of the Systems Analysis Framework for the<br />

EU Bioeconomy. (http://edepot.wur.nl/303596), 2013.<br />

6. Bioökonomierat Eckpunktepapier des Bioökonomierates: Auf dem Weg zur biobasierten Wirtschaft. (http://www.bio<br />

oekonomierat.de/index.php?eID=tx_nawsecuredl&u=0&g=0&t=1452791590&hash=b39bd7c536d3b74038ce9fc57af<br />

1bb5d22f1c5bb&file=fileadmin/documents/TOP3_Eckpunktepapier_130430.pdf), 2013.<br />

7. Bioökonomierat Bioeconomy Policies (Part II): Synopsis of National Strategies around the World. (http://gbs2015.co<br />

m/fileadmin/gbs2015/Downloads/Bioeconomy-Policy_Part-II.pdf)2015.<br />

8. BMBF und BMEL "Bioökonomie in Deutschland: Chancen <strong>für</strong> eine biobasierte und nachhaltige Zukunft" (https://ww<br />

w.bmbf.de/pub/Biooekonomie-in-Deutschland_001.pdf), 2015.<br />

9. Bioökonomierat "Positionen und Strategien des Bioökonomierates"(http://www.biooekonomierat.de/fileadmin/Publik<br />

ationen/empfehlungen/Strategiepapier .pdf) 2014.<br />

10. Bioökonomierat "Bioeconomy Policies (Part 1): Synopsis and Analysis of Strategies in the G7(http://www.biooekono<br />

mierat.de/fileadmin/Publikationen/berichte/BOER_Laenderstudie_1_.pdf)2015.<br />

11. Benjamin Dierks, deutschlandfunk.de: Schwerer Sprung vom Labor in die Industrie.(http://www.deutschlandfunk.de/<br />

gruene-woche-biooekonomie-schwerer-sprung-vom-labor-in-die.724.de.html?dram:article_id=308822)<br />

Deutschlandfunk, Hintergrund, 15. Januar 2015.<br />

12. gffa-berlin.de: Rückblick des Global Forum for Food and Agriculture (GFFA) 2015 (http://www.gffa-berlin.de/), gffaberlin.de,<br />

Suchergebnisse „Bioökonomie“(http://www.gffa-berlin.de/de/component/search/?searchword=bioökonomi<br />

e&ordering=&searchphrase=all)


13. J. Enríquez: Genomics and the world's economy. In: Science. Band 281, Nummer 5379, August 1998, S. 925–926,<br />

ISSN 0036-8075 (http://dispatch.opac.d-nb.de/DB=1.1/CMD?ACT=SRCHA&IKT=8&TRM=0036-8075) . PMID<br />

9722465.<br />

14. Website des Bioökonomierates.(http://www.biooekonomierat.de/biooekonomie.html) Abgerufen am 26. März 2013.<br />

15. EU (2005): Conference Report - New perspectives on the knowledge-based bio-economy . (http://ec.europa.eu/resea<br />

rch/conferences/2005/kbb/pdf/kbbe_conferencereport.pdf)(PDF; 3,0 MB) Abgerufen am 20. März 2013.<br />

16. EU (2007): En Route to the Knowledge-Based Bio-Economy(KBBE). (http://www.bio-economy.net/reports/files/koln_<br />

paper.pdf) (PDF; 261 kB) Abgerufen am 20. März 2013.<br />

17. EU-Kommission (2012): Commission Paper on the European Innovation Partnership Agricultural Productivity and<br />

Sustainability. (http://ec.europa.eu/agriculture/eip/pdf/com2012-79_en.pdf)(PDF; 42 kB) Abgerufen am 20. März<br />

2013.<br />

18. EU-Kommission (2012): Commission Paper on Innovating for Sustainable Growth: A Bioeconomy for Europe. (http://<br />

ec.europa.eu/research/bioeconomy/pdf/201202_innovating_sustainable_growth.pdf) (PDF; 90 kB) Abgerufen am 20.<br />

März 2013.<br />

19. US-Regierung (2012): National Bioeconomy Blueprint.(http://www.whitehouse.gov/sites/default/files/microsites/ostp/<br />

national_bioeconomy_blueprint_april_2012.pdf)(PDF; 1,2 MB) Abgerufen am 20. März 2013.<br />

20. OECD (2009): The Bioeconomy to 2030. Designing a Policy Agenda.(http://www.keepeek.com/Digital-Asset-Manag<br />

ement/oecd/economics/the-bioeconomy-to-2030_9789264056886-en)Abgerufen am 20. März 2013.<br />

21. BMBF (2010): Nationale Forschungsstrategie BioÖkonomie 2030.(http://www.bmbf.de/pub/biooekonimie.pdf)(PDF;<br />

3,4 MB) Abgerufen am 20. März 2013.<br />

22. BMBF und BMELV (2013): Politikstrategie Bioökonomie. Nachwachsende Ressourcen und biotechnologische<br />

Verfahren als Basis <strong>für</strong> Ernährung, Industrie und Energie. (http://www.bmelv.de/SharedDocs/Downloads/Broschuere<br />

n/BioOekonomiestrategie.pdf?__blob=publicationFile)Abgerufen am 16. Oktober 2013.<br />

23. Umweltbundesamt Globale Landflächen und Biomasse nachhaltig und ressourcenschonend nutzen. (https://www.um<br />

weltbundesamt.de/sites/default/files/medien/479/publikationen/globale_landflaechen_biomasse_bf_klein.pdf) 2013.<br />

24. Fachagentur Nachwachsende Rohstof fe e. V. Marktanalyse Nachwachsende Rohstoffe(http://fnr.de/marktanalyse/m<br />

arktanalyse.pdf), 2014.<br />

25. Und bald ist einfach alles bio.(http://www.zeit.de/2010/37/Bio-Oekonomierat) Auf Die Zeit Online vom 8. September<br />

2010. Abgerufen am 20. März 2013.<br />

26. Ronzon, T., Santini, F. and M’Barek, R. [European Commission, Joint Research Centre, Institute for Prospective<br />

Technological Studies, Spain, 4p. "The Bioeconomy in the European Union in numbers. Facts and figures on<br />

biomass, turnover and employment"], 2015.<br />

27. Golden, J. and R. Handfield "Why Biobased? Opportunities in the Emerging Bioeconomy . USDA BioPreferred<br />

Program (http://www.biopreferred.gov/BPResources/files/EconomicReport_6_12_2015.pdf), 2015.<br />

28. UNICA Why advanced sgarcane ethanol is a sweet deal for Brazil(http://www.unica.com.br/guest-columnist/256296<br />

67920310875715/why-advanced-sugarcane-ethanol-is-a-sweet-deal-for-brazil/) , 2015.<br />

29. Efken, J. et al. "Volkswirtschaftliche Bedeutung der biobasierten Wirtschaft in Deutschland: Arbeitsberichte aus der<br />

vTI-Agrarökonomie 07/2012"(http://literatur.ti.bund.de/digbib_extern/dn051397.pdf), 2012.<br />

30. Fachagentur Nachwachsende Rohstof fe e. V. "Marktanalyse Nachwachsende Rohstof fe" (http://fnr.de/marktanalyse/<br />

marktanalyse.pdf), 2014.<br />

31. Biofuels Digest LanzaTech, GranBio, Algenol and Novozymes take top slots in The 50 Hottest Companies in<br />

Bioenergy for 2014-15 (http://www.biofuelsdigest.com/bdigest/2014/11/10/lanzatech-granbio-algenol-and-novozymes<br />

-take-top-slots-in-the-50-hottest-companies-in-bioenergy-for-2014-15/) , 2015.<br />

32. c-LEcta GmbH in Leipzig(http://www.c-lecta.com/) Abgerufen 15. Januar 2017.<br />

33. (28. Februar 2013): c-LEcta GmbH – Ein Dickbrettbohrer in Leipzig. (http://www.transkript.de/menschen/mensch-und<br />

-unternehmen/marc-struhalla-c-lecta-gmbh.html)Abgerufen am 20. März 2013 korrigiert 15 Januar 2017.<br />

34. transkript (29. August 2012): Evocatal GmbH – Der doppelte Familienvater . (http://www.transkript.de/menschen/men<br />

sch-und-unternehmen/thorsten-eggert-evocatal-gmbh.html)Abgerufen am 20. März 2013.<br />

35. Winter, T. Brain vor Börsengang: Das Orderbuch ist voll.(http://www.faz.net/aktuell/rhein-main/brain-vor-boersengan<br />

g-das-orderbuch-ist-voll-aktien-zu-9-euro-14050768.html) , 2016.<br />

36. ETPs and EUFETEC: The European Bioeconomy in 2030.(http://www.epsoweb.org/file/560) Abgerufen am 20. März<br />

2013.<br />

37. GDCh, DECHEMA, DGmK (2010): Positionspapier - Rohstof fbasis im Wandel. (http://www.dechema.de/dechema_m<br />

edia/Downloads/Positionspapiere/Positionspapier_Rohstof fbasis+im+Wandel.pdf) (PDF; 652 kB) Abgerufen am 20.<br />

März 2013.<br />

38. Thomas Hirth, Universität Stuttgart und Fraunhofer IGB (2011): Herausforderung Rohstof fwandel. (http://www.cib-fra<br />

nkfurt.de/mm/Hirth.pdf)(PDF; 4,5 MB) Abgerufen am 20. März 2013.<br />

39. OECD: The Bioeconomy to 2030.(http://www.oecd.org/sti/futures/long-termtechnologicalsocietalchallenges/3689936<br />

5.pdf) (PDF; 16 kB) Abgerufen am 20. März 2013.<br />

40. Achema (2012): Trendbericht Nr. 19: Biobased Chemicals.(http://presse.achema.de/ACHEMA_Pressemitteilungen/<br />

Trendberichte/tb_19_de+Biobased+Chemicals.html) Abgerufen am 20. März 2013.


41. Global Forest Coalition (2012): Bio-economy versus Biodiversity . (http://globalforestcoalition.org/wp-content/uploads/<br />

2012/04/Bioecono-vs-biodiv-report-with-frontage-FINAL.pdf)(PDF; 3,4 MB) Abgerufen am 20. März 2013.<br />

42. Prof. Dr. Birgit Kamm (2012): Prinzipien <strong>von</strong> Bioraffinerien – vom Rohstofmix zum Produktmix. (http://archiv.biotechn<br />

ologietage-2012.de/tl_files/2012/content/programm/Praesentationen/10.%20Mai%202012/11_DBT_2012_Kamm.pd<br />

f) (PDF; 2,9 MB) Abgerufen am 20. März 2013.<br />

43. trankskript (13. März 2013): Zu wenig biogene Reststof fe. (http://www.transkript.de/nachrichten/wissenschaft/2013-0<br />

1/zu-wenig-biogene-reststofe.html) Abgerufen am 20. März 2013.<br />

44. Leopoldina (2012): Statement Bioenergy – Chances and Limits.(http://www.leopoldina.org/uploads/tx_leopublicatio<br />

n/201207_Stellungnahme_Bioenergie_LAY_en_final.pdf) (PDF; 8,8 MB) Abgerufen am 20. März 2013.<br />

45. Deutsche Bundesregierung (2012): Roadmap Bioraf finerien. (http://www.bmbf.de/pub/roadmap_biorafinerien.pdf)<br />

(PDF; 5,8 MB) Abgerufen am 20. März 2013.<br />

46. BMELV und BMU (2010): Nationaler Biomasseaktionsplan <strong>für</strong> Deutschland.(http://www.bmelv.de/SharedDocs/Down<br />

loads/Broschueren/BiomasseaktionsplanNational.pdf?__blob=publicationFile)Abgerufen am 20. März 2013.<br />

47. BMELV (fortlaufend aktualisiert): Biobasierte Wirtschaft. (http://www.bmelv.de/DE/Landwirtschaft/Nachwachsende-R<br />

ohstoffe/BiobasiertesWirtschaften/BiobasiertesWirtschaften_node.html)Abgerufen am 20. März 2013.<br />

48. BMU (2012): Globale Landflächen und Biomasse nachhaltig und ressourcenschonend nutzen. (http://www.umweltbu<br />

ndesamt.de/sites/default/files/medien/publikation/long/4321.pdf)(PDF; 2,4 MB) Abgerufen am 20. März 2013.<br />

49. Und bald ist einfach alles bio(http://www.zeit.de/2010/37/Bio-Oekonomierat/seite-2). Die Zeit Online vom 8.<br />

September 2010. Abgerufen am 20. März 2013.<br />

Abgerufen <strong>von</strong> „https://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Bioökonomie&oldid=170482180 “<br />

Diese Seite wurde zuletzt am 30. Oktober 2017 um 18:59 Uhr bearbeitet.<br />

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Bürogemeinschaft<br />

Die Bürogemeinschaft ist ein Zusammenschluss <strong>von</strong> Mitgliedern eines in einem Büro ausgeübten Berufes zum Arbeiten in<br />

gemeinsamen Büroräumen. Die Mitglieder dieser Bürogemeinschaft benutzen gemeinsam die Räume und ggf. das Personal des<br />

Büros zu ihrer jeweils selbständigen Berufsausübung.<br />

Die einzelnen Berufsträger sind eigenständig tätig, das heißt, sie rechnen ihre Tätigkeit auch eigenständig gegenüber dem<br />

Auftraggeber ab. Die Mitglieder einer Bürogemeinschaft haften nicht <strong>für</strong> die Tätigkeit der anderen Mitglieder. Diese Merkmale<br />

unterscheiden sie <strong>von</strong> der Sozietät.<br />

Der Zweck der Bürogemeinschaft ist die gemeinsame Nutzung <strong>von</strong> Arbeitsmitteln (beispielsweise Räumen und technischen<br />

Einrichtungen) und <strong>von</strong> Personal ohne Aufgabe der eigenen Selbstständigkeit.<br />

Bürogemeinschaften, die bei Ärzten auch als Praxisgemeinschaft (nicht aber als Gemeinschaftspraxis) bezeichnet werden, gibt es<br />

häufig bei den Angehörigen freier Berufe aber auch bei sonstigen, meist nicht produzierenden Gewerbetreibenden.<br />

Der Begriff Firmenpool beinhaltet Gemeinschaftsbüro <strong>von</strong> Unternehmen aus verschiedenen Sparten. In erster Linie KMUs nutzen<br />

diese Möglichkeit Dienstleistungsangebote im Ausland mit einer Kostenersparnis zu kombinieren. Die Unternehmen teilen sich die<br />

Räumlichkeiten und können jeweils auf die Expertise des Teams vor Ort zugreifen.<br />

Siehe auch<br />

Coworking<br />

Business Center<br />

Weblinks<br />

deskwanted.de Verzeichnis aller Bürogemeinschaften in Deutschland und weltweit mit Preisübersicht und<br />

Buchungsfunktion<br />

IHK-Frankfurt-Main-Firmenpools(Memento vom 8. März 2008 im Internet Archive)<br />

Abgerufen <strong>von</strong> „https://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Bürogemeinschaft&oldid=169192801 “<br />

Diese Seite wurde zuletzt am 17. September 2017 um 19:53 Uhr bearbeitet.<br />

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Carsharing<br />

Carsharing [ˈkaː(r)ˌʃeərɪŋ] (englisch car „Auto“, to share „teilen“; auf Deutsch<br />

etwa: „Autoteilen“ oder „Gemeinschaftsauto“) ist die organisierte gemeinschaftliche<br />

Nutzung eines oder mehrerer Automobile auf der Grundlage einer<br />

Rahmenvereinbarung. [1] Carsharing erlaubt anders als konventionelle<br />

Autovermietungen ein kurzzeitiges, auch minutenweises Anmieten <strong>von</strong> Fahrzeugen.<br />

Die Nutzung der Fahrzeuge wird dabei über <strong>einen</strong> die Energiekosten mit<br />

einschließenden Zeit- oder Kilometertarif oder Mischformen solcher Tarife<br />

abgerechnet. [1] Das Autoteilen unter Nachbarn und Bekannten fällt unter den Begrif f<br />

Privates Carsharing.<br />

Inhaltsverzeichnis<br />

Elektro-Ladestation des weltweit<br />

größten Carsharing-Anbieters Zipcar<br />

in San Francisco<br />

1 Begriff<br />

2 Organisation<br />

3 Ablauf einer Autobenutzung<br />

4 Kosten<br />

5 Unterschied zum Privatwagen<br />

6 Organisationsmodelle<br />

7 Entwicklung und heutiger Stand<br />

7.1 Deutschland<br />

7.1.1 Kommerzielles Angebot<br />

7.1.2 Verbreitung<br />

7.1.3 Privates Carsharing<br />

7.2 Österreich<br />

7.3 Schweiz<br />

7.4 Europa<br />

7.5 Vereinigte Staaten<br />

7.6 China<br />

8 Entwicklungsperspektiven<br />

9 Siehe auch<br />

10 Literatur<br />

11 Weblinks<br />

12 Einzelnachweise<br />

Begriff<br />

Der englische Begriff carsharing (heute meist in einem Wort geschrieben, alternativ auch Car-Sharing oder (als Bild-/Wortmarke)<br />

CarSharing) wird in den meisten Sprachen und Ländern im Sinne dieses Artikels verwendet. <strong>Eine</strong> Ausnahme bildete Großbritannien,<br />

wo mit car sharing (in zwei Wörtern) ursprünglich die Fahrgemeinschaft gemeint war und <strong>für</strong> das Autoteilen der Begriff car club<br />

verwendet wurde. Weitere bekannte Ausnahmen sind autodelen (niederländisch), autopartage (französisch), auto condivisa<br />

(italienisch) und bilpool (norwegisch, schwedisch).


Bereits 1975 taucht der Begriff in einer Artikelüberschrift in der Londoner Times auf: „Car-sharing among plans to ease London<br />

traffic“. Die Stadtverwaltung GLC wandte sich mit der noch nicht ausgefeilten Idee, „Methoden der gemeinsamen<br />

Automobilnutzung“ einzuführen, gegen den Automobilclub RAC, der mehr und breitere Straßen gegen den Verkehrskollaps<br />

forderte. [2] Das Experiment begann 1977 in Ipswich, war jedoch eher eine Mitfahrzentrale als ein Dienst, Autos <strong>von</strong> mehreren<br />

Fahrern nutzen zu lassen.<br />

Organisation<br />

Die Fahrzeuge einer Carsharing-Organisation sind entweder auf fest angemieteten Parkplätzen über eine Stadt oder <strong>einen</strong> größeren<br />

Ort verteilt oder parken im öffentlichen Straßenraum. Die festen Mietstationen befinden sich häufig an Verkehrsknotenpunkten des<br />

öffentlichen Verkehrs wie Bahnhöfen, Tramknoten, Endstationen <strong>von</strong> Buslinien, wo sie <strong>von</strong> den Nutzern gut erreichbar sind. Die<br />

vorab reservierten Fahrzeuge werden meist benutzt, um <strong>von</strong> diesen Knotenpunkten aus abgelegenere Ziele zu erreichen. Es gibt<br />

unterschiedliche Organisationsformen, die teilweise auf dem System der Leihwagen beruhen:<br />

Das Fahrzeug muss nach Ablauf der gebuchten Zeit wieder an s<strong>einen</strong> ursprünglichen Standort zurückgebracht<br />

werden.<br />

Der Nutzer muss vorher entscheiden, an welchem Standort des Carsharing-Anbieters das Fahrzeuge abgeliefert<br />

werden soll.<br />

Das Fahrzeug muss in einem definierten Bereich (Free Floating Car) abgestellt werden. [3][4]<br />

Carsharing ist ein Mittel der „kombinierten Mobilität“. Es kann und will den öffentlichen Verkehr nicht ersetzen, der als Zubringer zu<br />

den Parkplätzen dient. Für Pendler, die den ganzen Arbeitsweg nicht anders als mit dem Auto zurücklegen können, ist es in der Regel<br />

keine sinnvolle Alternative; dazu eignen sich eher Fahrgemeinschaften und Mitfahrgelegenheiten. Das Konzept ist mehr <strong>für</strong><br />

unregelmäßige Fahrten oder Transporte vorgesehen.<br />

Ein zunehmend beliebter Anwendungsfall <strong>für</strong> Carsharing ist die Nutzung eines Carsharing-Fahrzeugs am Flughafen. Die<br />

Freefloating-Anbieter wie z. B. DriveNow und car2go versehen dabei ihren Service mit einer extra Flughafengebühr. Am Flughafen<br />

selbst werden spezielle Parkplätze <strong>für</strong> die Carsharing-Fahrzeuge ausgewiesen. Damit ist Carsharing eine weitere Mobilitätsoption am<br />

Flughafen ergänzend zum ÖPNV und Taxi. [5]<br />

Mitglieder der Carsharing-Organisationen gehen meist eine langfristige, zum Teil kostenpflichtige Mitgliedschaft in der Organisation<br />

ein. Die Organisation und nicht die einzelnen Teilnehmer sind Eigentümer der Autos und – im Unterschied zum nachbarschaftlichen<br />

Autoteilen – <strong>für</strong> die Wartung und Reparatur der Fahrzeuge verantwortlich.<br />

Ein Konzept, das dazwischen liegt, wurde <strong>von</strong> Citeecar angeboten: Hier konnten sich Kunden als sogenannte „Hosts“ bewerben. Sie<br />

mussten <strong>einen</strong> Parkplatz vorweisen und übernahmen die Patenschaft <strong>für</strong> ein Fahrzeug, wobei sie <strong>für</strong> Sauberkeit und Wartung sorgten.<br />

Vergütet wurde diese Tätigkeit mit einem Fahrguthaben. [6] Allerdings wurde das Konzept vom Markt nicht angenommen, Citeecar<br />

musste nach eigenen Angaben am 3. Dezember 2015 <strong>einen</strong> Insolvenzantrag stellen.<br />

Ablauf einer Autobenutzung<br />

Die Größe der Carsharing-Organisationen ist sehr unterschiedlich. Entsprechend werden die verschiedensten Systeme zur<br />

Reservierung eingesetzt, <strong>von</strong> den einfachen mit Schlüsselkästen und manueller Buchung bis hin zu hochkomplexen<br />

computergestützten Lösungen mit GPS-Ortung. Bei den größeren Organisationen ist heute die automatische Buchung über Internet<br />

oder Telefoncomputer rund um die Uhr üblich.<br />

Die Fahrzeuge größerer Organisationen sind heute mit Bordcomputern ausgerüstet, die automatisch mit der Zentrale synchronisiert<br />

werden. Die Bordcomputer geben das Fahrzeug den Berechtigten <strong>für</strong> die gebuchte Zeitspanne frei. Solche Systeme sind bei größeren<br />

Organisationen nicht nur efizienter als manuelle Buchungen, sondern auch notwendig, um Missbr auch zu verhindern.<br />

Bei den nicht stationsgebundenen Modellen meldet das Auto s<strong>einen</strong> Standort an die Zentrale. Die Kunden können sich dabei online<br />

ein Fahrzeug suchen und üblicherweise maximal 15 Minuten reservieren.


Bei stationsbasierten Systemen sind die Teilnehmer <strong>für</strong> die rechtzeitige Rückgabe der Fahrzeuge am richtigen Ort und in sauberem<br />

Zustand selbst verantwortlich. Insbesondere bei verspäteter Rückgabe werden mitunter hohe Bußen gefordert, weil sich die<br />

nachfolgenden Teilnehmer darauf verlassen, ihr gebuchtes Fahrzeug am Standort vorzufinden. Viele Organisationen betreiben<br />

Callcenter, wo Pannen oder Notfälle gemeldet werden müssen. Sie or ganisieren gegebenenfalls Ersatzfahrzeuge.<br />

Vom Bordcomputer wird ebenfalls die Abrechnung ausgelöst. Verrechnet werden meist Gebühren <strong>für</strong> die Anzahl der gefahrenen<br />

Kilometer und <strong>für</strong> die Benutzungsdauer. Die Kosten <strong>für</strong> Treibstoffe, Verbrauchsmittel, Reinigung, Versicherung etc. sind in der Regel<br />

in die Preise integriert. Meist werden auch vergünstigte Tages-, Wochen- und Monatspauschalen angeboten.<br />

Unterschiede gibt es im Zugang zur Buchungsmöglichkeit. Während viele Anbieter eine einmalige Anmeldung mit Führerschein und<br />

Ausweis anbieten und die Zahlungen im Lastschriftverfahren einziehen, ist es z. B. bei drivy (Vermittlung <strong>von</strong> Privatautos) nur<br />

möglich, im Rahmen der Internetbuchung per Kreditkarte zu bezahlen.<br />

Kosten<br />

Carsharing ist preisgünstiger als der Betrieb eines eigenen gleichartigen Fahrzeugs, solange die jährlich gefahrenen Kilometer und<br />

Nutzungszeiten unter der Rentabilitätsschwelle liegen. Diese ist bei den einzelnen Anbietern unterschiedlich, meist zwischen 10.000<br />

und 20.000 Kilometern pro Jahr. Die Stiftung Warentest kam in einer Modellrechnung mit 5.000 Jahreskilometern auf Kosten <strong>von</strong><br />

138 Euro pro Monat, mit einem eigenen Wagen dagegen auf 206 Euro pro Monat. [7]<br />

Feste Kosten wie Anschaffungskosten, Stellplatz- oder Garagenmiete, Kraftfahrzeugsteuer und Versicherungsprämien entfallen. Bei<br />

Nichtbenutzung ist je nach Anbieter nur eine geringe oder gar keine Gebühr (z. B. Anmeldegebühr, monatlicher Beitrag) zu zahlen.<br />

Die meisten Anbieter integrieren <strong>einen</strong> Pannendienst, was eine zusätzliche Mitgliedschaft bei Verkehrsclubs überflüssig macht. Die<br />

Kosten <strong>für</strong> das Carsharing selbst setzen sich meist zusammen aus den sogenannten fixen Kosten (z. B. Kaution, Anmeldegebühren,<br />

Monatsbeiträge) und den Fahrtkosten. Die Fahrtkosten wiederum bestehen bei den klassischen Carsharing-Anbietern aus den Kosten<br />

<strong>für</strong> die gebuchte bzw. genutzte Zeit und den gefahrenen Kilometern; bei einigen Freefloating-Anbietern wird nur die Zeit und<br />

Parkzeiten günstiger berechnet. Voraussetzung <strong>für</strong> die Mitgliedschaft im Bundesverband Carsharing (bcs) ist, dass die gefahrenen<br />

Kilometer berechnet werden – nur so sieht der Bundesverband den ökologischen Anspruch gewährleistet, keine überflüssigen Wege<br />

mit dem Auto zurückzulegen.<br />

Je nach Anzahl der Nutzer und Professionalitätsanspruch stellen die Anbieter <strong>einen</strong> verhältnismäßig neuwertigen und modernen<br />

Fahrzeugpark (inkl. Navigationsgeräte, Klimaanlage etc.) zur Verfügung. Die Anschaffungskosten müssen im Geschäftsmodell<br />

entsprechend kalkuliert werden.<br />

Unterschied zum Privatwagen<br />

Mit Carsharing kann eine umfassende Mobilität gewährleistet werden, die das Auto als Ergänzung zu öffentlichem Verkehr, Fuß- und<br />

Fahrradverkehr versteht. Dadurch werden diese Verkehrsträger gefördert, und der Straßenverkehr insgesamt entlastet. Vor allem in<br />

städtischen Wohnquartieren, wo nicht <strong>für</strong> alle Fahrzeuge ein Parkplatz zur Verfügung steht, kann Carsharing eine Entlastung bringen.<br />

Viele Carsharing-Anbieter bieten unterschiedliche Fahrzeugtypen an, die der Kunde je nach Situation und Bedarf auswählen kann<br />

(z. B. Klein- oder Sportwagen, Kombi, Kleinbus oder Transporter). Bei manchen Anbietern hat der Fahrer allerdings erst ab einem<br />

bestimmten Alter Zugrif auf das gesamte Angebot.<br />

Bei fast keinem Anbieter ist es <strong>für</strong> den Benutzer möglich, das Auto zu „personalisieren“, er kann also beispielsweise keine Ziele im<br />

Navigationssystem oder Stationen im Radio dauerhaft speichern. In der Regel müssen selbstverschuldete Verunreinigungen bei<br />

Mietende beseitigt werden, damit der nächste Nutzer ein sauberes Auto vorfindet. Benötigte Zusatzausstattung wie beispielsweise<br />

Kindersitze muss der Benutzer häufig selbst mitbringen. Für längere Strecken wie etwa Urlaubsfahrten sind die Kosten in der Regel<br />

höher als bei anderen Verkehrsmitteln.


Mehrere Studien weisen auf eine bessere Umweltbilanz gegenüber privaten Autos hin. So sind die im CarSharing eingesetzten<br />

Fahrzeuge in der Regel deutlich neuer als Privatfahrzeuge und profitieren daher früher <strong>von</strong> der technologischen Entwicklung. Laut<br />

dem Bundesverband CarSharing liegt der durchschnittliche CO 2 -Ausstoss pro Kilometer um 16 Prozent unterhalb dessen <strong>von</strong><br />

Privatfahrzeugen. Zudem würden viele CarSharing-Kunden auf ein eigenes Auto verzichten, wodurch der Flächenverbrauch sinkt<br />

und weniger Fahrzeuge hergestellt würden. Ein CarSharing-Fahrzeug ersetze im Durchschnitt vier bis acht private PKW. Zudem<br />

fördere CarSharing die Nutzung <strong>von</strong> anderen Verkehrsträgern wie dem Fahrrad, Bahnen und Bussen, da bei einer Fahrt mit einem<br />

Carsharing-Auto der Anteil der Fixkosten an den Gesamtkosten deutlich geringer ist als bei einem privaten PKW. [8] In Bezug auf die<br />

Umweltbilanz ist allerdings zu beachten, dass hierbei der Energie- und Rohstoffbedarf zur Herstellung eines Neuwagens nicht<br />

berücksichtigt wurde.<br />

Beim CarSharing können sich Datenschutzprobleme ergeben, da CarSharing-Fahrzeuge teilweise mit zusätzlicher Elektronik<br />

ausgestattet sind, wodurch sich Bewegungsprofile der Fahrzeugnutzer erstellen lassen. Der Fahrzeughersteller BMW hat<br />

beispielsweise mitgeteilt, dass die <strong>von</strong> ihm <strong>für</strong> CarSharing-Zwecke bestimmten Fahrzeuge mit einem zusätzlichen CarSharing-Modul<br />

ausgerüstet sind, das zusätzliche Fahrzeug- und Bewegungsdaten speichert. [9] Derartige Daten fanden im Mai 2016 Verwendung bei<br />

der Verurteilung eines CarSharing-Nutzers, nachdem auf Basis der <strong>von</strong> einem CarSharing-Modul in einem BMW-Fahrzeug erstellten<br />

Daten nachträglich ein detailliertes Bewegungsprofil des Fahrers erstellt worden war . [10]<br />

Der Fahrer muss sich nicht um die Wartung des Fahrzeugs und behördliche Formalitäten wie Umweltplakette, Hauptuntersuchung<br />

oder Abgasuntersuchung kümmern. Die rechtlichen Fragen sind zwischen dem Eigentümer (Carsharing-Organisation) und den<br />

Fahrern (Carsharing-Mitgliedern) eindeutig geregelt.<br />

Organisationsmodelle<br />

Wesentliche Unterschiede zu anderen Modellen wie Leihwagen sind die langfristige<br />

vertragliche Bindung des Kunden an das Carsharing-Unternehmen und ein anderes<br />

Kostenmodell. Dabei werden in der Regel Kosten <strong>für</strong> Versicherung, Treibstoff bzw. Energie<br />

(bei Elektroautos) und Zubehör (z. B. Kindersitz) nicht gesondert berechnet. Der Nutzer muss<br />

also nicht ein vollbetanktes Auto abliefern. Entsprechend den Bedürfnissen des Kunden<br />

werden verschiedene Preistarife angeboten. Die Betreuung des Kunden erfolgt telefonisch<br />

oder über das Internet. Der Nutzer muss das Fahrzeug in Selbstbedienung abholen und auch<br />

wieder abgeben.<br />

Es gibt zwei grundsätzlich verschiedene Modelle <strong>für</strong> die Stationierung der Fahrzeuge:<br />

stationsbasiertes System<br />

Das Fahrzeug befindet sich auf einem reservierten Parkplatz,<br />

der nicht <strong>von</strong> anderen benutzt werden darf. Dieser befindet sich<br />

meist auf Privatgrundstücken; in einigen Städten werden da<strong>für</strong><br />

aber auch öffentliche Parkplätze reserviert und einem<br />

Carsharing-Anbieter zur Verfügung gestellt, der dann den Parkplätzen bestimmte Autos<br />

zuordnen kann. Innerhalb dieses Systems gibt es unterschiedliche Varianten<br />

Parkplätze im öffentlichen Raum<br />

Das Fahrzeug hat k<strong>einen</strong> festen Standort, sondern steht auf einem öffentlichen Parkplatz<br />

dort, wo es der vorherige Nutzer abgestellt hat. Der Betreiber übermittelt dem Halter die<br />

Standorte oder zeigt diese auf Internetseiten an. Mehrere Anbieter erlauben das Abstellen<br />

im gesamten Geschäftsgebiet, andere beschränken das Abstellen auf Parkraumquartiere. [11]<br />

Bei fast allen stationsgebundenen Anbietern muss die Nutzungsdauer des Fahrzeugs vorher festgelegt werden und kann nur<br />

verlängert werden, wenn das Auto anschließend noch nicht <strong>von</strong> anderen Nutzern gebucht ist.<br />

Carsharing-Parkplatz in<br />

Paris<br />

Erste mittelständische Anbieter in Deutschland halten zusätzlich zum stadtweiten stationsbasierten Carsharing-Angebot eine meist<br />

kleinere Flotte stationsunabhhängiger (free-floating) Fahrzeuge bereit (stadtmobil Hannover, stadtmobil Rhein-Neckar, book-n-drive,<br />

StadtTeilAuto Osnabrück). Damit können die Kunden bei ein und demselben Anbieter <strong>von</strong> den Vorteilen beider Systeme profitieren.


Länger planbare Fahrten können im Voraus mit stationsbasierten Fahrzeugen reserviert werden, spontane Fahrten werden ohne<br />

Reservierung und ohne Angabe eines Rückgabezeitpunktes mit Freefloating-Fahrzeugen durchgeführt.<br />

Bis heute beschränkt sich erfolgreiches Carsharing auf dichter besiedelte Gebiete. Dadurch ist das Konzept <strong>für</strong> in ländlichen Gebieten<br />

lebende Personen oft nicht besonders interessant und kann sich dort nur schwer etablieren.<br />

Entwicklung und heutiger Stand<br />

Die Idee der gemeinsamen Nutzung eines Fahrzeugs und nachbarschaftliches Autoteilen wird im privaten Bereich <strong>von</strong> jeher<br />

praktiziert. Die erste dokumentierte Carsharing-Organisation ist die Schweizer Selbstfahrergenossenschaft (SEFAGE) in Zürich 1948.<br />

Bereits in den 1960er Jahren sind im Zusammenhang mit Studien zur zukünftigen, computergestützten Verkehrssteuerung Konzepte<br />

<strong>von</strong> Carsharing entstanden.<br />

In den frühen 1970er Jahren gab es die ersten größeren Projekte: Das ProcoTip-System in Frankreich überdauerte nur zwei Jahre. Ein<br />

ambitionierteres Projekt aus Amsterdam hieß Witkar, das auf kl<strong>einen</strong> Elektrofahrzeugen und elektronischen Bedienelementen <strong>für</strong><br />

Reservierung und Rückgabe beruhte sowie auf vielen Standorten in der Stadt. Das Projekt wurde Mitte der 1980er Jahre aufgegeben.<br />

Die 1980er Jahre können als Wendepunkt bezeichnet werden. Mehrere kleinere Carsharing-Projekte entstanden in der Schweiz und<br />

Deutschland sowie in Norwegen (Bilkollektivet) und in den Niederlanden (CollectCar). Ab den 1990er Jahren erlebten diese und<br />

weitere Projekte wie CommunAuto und AutoShare in Kanada, Car Sharing Portland (später Flexcar) in Portland (Oregon) und<br />

Zipcar bei Boston sowie CityCarClub in Großbritannien ein deutliches Wachstum.<br />

Der weltweite Markt <strong>für</strong> Carsharing umfasst eine Milliarde Euro. <strong>Eine</strong> Studie einer Beratungsagentur erwartete bis 2016 ein<br />

Wachstum auf zehn Milliarden Euro. [12]<br />

Deutschland<br />

1988 wurde in Berlin die StattAuto Berlin (seit 2006 unter dem Namen Greenwheels) als älteste Carsharing-Organisation<br />

Deutschlands gegründet. 1990 und 1991 entstanden in Aachen, Bremen und Freibur g/Breisgau weitere Organisationen.<br />

Die Zahl der Benutzer in Deutschland hat sich nach Angaben des Bundesverbandes CarSharing e. V. (bcs), der jedes Jahr zum<br />

Jahresbeginn die Kennzahlen bei allen bekannten Carsharing-Anbietern unabhängig <strong>von</strong> der Verbandsmitgliedschaft abfragt, im<br />

Vergleich zum Vorjahr im Laufe des Jahres 2015 um 21 % auf 1.260.000 Nutzer erhöht. Das stationsunabhängige Carsharing hat in<br />

diesem Zeitraum um 26 % zugenommen und wird derzeit <strong>von</strong> 830.000 Personen in sieben deutschen Großstädten über 500.000<br />

Einwohnern genutzt. Stationsabhängiges Carsharing steht an 4.600 Stationen in 537 deutschen Städten und Gemeinden zur<br />

Verfügung und findet dort 430.000 Teilnehmer, die 9.100 Fahrzeuge gemeinsam verwenden. [13] Im Jahr 2016 nahm die Anzahl an<br />

Bundesbürgern, die bei einem Carsharing Anbieter registriert waren, um 36 % zu. In Summe waren am 1. Januar 2017 insgesamt 1,7<br />

Millionen Bundesbürger bei den Anbietern registriert. [14]<br />

In Deutschland existierten nach Angaben des Bundesverbandes CarSharing e. V. (bcs) Anfang 2016 ca. 150 Carsharing-<br />

Organisationen. [13] Durchschnittlich kommen auf jedes Carsharing-Fahrzeug in stationsbasierten Angeboten 45 Fahrtberechtigte, in<br />

stationsunabhängigen Angeboten 126 Fahrtberechtigte auf ein Fahrzeug. [13]<br />

Carsharing wird in Deutschland neben den im Folgenden genannten „kommerziellen Angeboten“ in zwei Organisationsformen<br />

betrieben:<br />

Kapitalgesellschaften (in Form einer GmbH oder AG): Viele Gesellschaften sind Ausgründungen aus Ver<strong>einen</strong> oder<br />

professionell geführte Vereine, die mit Carsharing durch Professionalisierung größere Teile der Bevölkerung<br />

erreichen wollen.<br />

Kleinere Vereine und Nachbarschaftsgruppen: Diese Gruppen legen lediglich die Kosten um, sind also nicht<br />

gewinnorientiert, und operieren meist in einem lokalen oder stadtteilbezogenen Umfeld. Sie stellen die größte Anzahl<br />

<strong>von</strong> Carsharing-Organisationen dar, bieten aber in der Regel nur einzelne Fahrzeuge an.


Die größten Carsharing-Anbieter in Deutschland waren mit Bezug auf die registrierten Kunden Anfang 2016 DriveNow, car2go, DB<br />

Rent mit eigenen Kunden (die <strong>von</strong> DB Rent betriebene Plattform Flinkster vermittelt die Kunden vieler anderer Partner mit deren<br />

Kunden), die stadtmobil-Gruppe sowie die cambio-Gruppe. Bezogen auf die Anzahl der im Carsharing eingesetzten Fahrzeuge ist die<br />

Reihenfolge car2go, DriveNow, die stadtmobil-Gruppe, die cambio-Gruppe sowie DB Rent und Mobility Center (ein Partner auf der<br />

Flinkster-Plattform).<br />

Kommerzielles Angebot<br />

Die größten Carsharing-Verbünde Deutschlands mit mindestens 10.000 Kunden sind<br />

(Stand Mai 2017)[15] (Anzahl Fahrzeuge im Januar 2017): [16]<br />

Flinkster ist das stationsbasierte Carsharing-Angebot der Deutsche-<br />

Bahn-Tochter DB Rent GmbH (bis 2011 auch unter dem Namen DB<br />

Carsharing). Das Unternehmen ist bezüglich der Anzahl Fahrzeuge<br />

Marktführer in Deutschland und nach Anzahl Kunden drittgrößter<br />

Anbieter auf dem deutschen Markt: 300.000 registrierten Kunden<br />

werden rund 4.000 Fahrzeuge in 300 Städten angeboten (darunter über<br />

100 Elektrofahrzeuge, siehe auch: BeMobility). Zudem können Autos in<br />

Österreich, den Niederlanden und der Schweiz gebucht werden. [17] Seit<br />

April 2006 kooperiert DB Rent mit der Drive-CarSharing GmbH, die zur<br />

Europa Service Autovermietung AG gehört. Die Verbindung <strong>von</strong><br />

Autovermieter und Carsharing wird durch 25 Partner umgesetzt. Seit<br />

2007 sind auch Stadtmarketinggesellschaften im Partner-Verbund.<br />

Darüber hinaus entwickelt und betreibt DB Rent firmenspezifische<br />

Carsharing-Lösungen, beispielsweise <strong>für</strong> Fluggesellschaften und<br />

Service-Flotten.<br />

car2go ist ein dynamisches Mietwagen-Konzept (Free Floating Car) vom<br />

deutschen Automobilherstellers Daimler sowie vom<br />

Mietwagenunternehmen Europcar. In Deutschland ist car2go in sieben<br />

Städten mit 3.810 Fahrzeugen aktiv und verfügt über 670.000<br />

registrierte Nutzer.<br />

DriveNow ein Joint Venture <strong>von</strong> BMW und Sixt. Es verfügt über 600.000<br />

aktive Nutzer in Deutschland. Die Flotte besteht aus Mini- und BMW-<br />

Fahrzeugen, in München und Berlin sind diese durch rein elektrisch<br />

angetriebene Fahrzeuge ergänzt (BMW i3). Abstellen an beliebiger<br />

Stelle innerhalb des Geschäftsbereiches (Free Floating Car),<br />

Benzinkosten und Parkgebühren sind inklusive.<br />

Stadtmobil in Berlin, Rhein-Ruhr, Hannover und Umgebung, Rhein-<br />

Main, Rhein-Neckar, Stuttgart und Umgebung, Karlsruhe und<br />

Umgebung sowie Pforzheim hat 2.300 Fahrzeuge <strong>für</strong> rund 52.000<br />

Kunden und kombiniert stationsbasiertes mit dynamischem (freefloating)<br />

Carsharing.<br />

cambio CarSharing in Aachen, Berlin, Bielefeld, Bonn, Bremen (auch<br />

Standort der Buchungszentrale), Bremerhaven, Eschweiler , Flensburg,<br />

Herzogenrath, Hamburg, Jülich, Köln, Lüneburg, Oldenburg,<br />

Saarbrücken, Uelzen, Winsen, Wuppertal hat 1.280 Fahrzeuge <strong>für</strong> rund<br />

57.000 Kunden und zusätzlich Stationen in Belgien. [18]<br />

Greenwheels in Berlin, Braunschweig, Dresden, Düsseldorf, Hamburg,<br />

Nürnberg, Pinneberg, Potsdam, Regensburg, Rostock und mehreren<br />

Städten im Ruhrgebiet hat rund 10.000 Kunden und 300 Fahrzeuge.<br />

teilAuto in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen hat rund 30.000<br />

Kunden und ca. 850 Fahrzeugen (Stand September 2017) [19] an 350<br />

Stationen (Stand September 2014). [20]<br />

Manche Carsharing-Organisationen gehören keinem Verbund an, weisen aber<br />

gleichwohl eine beachtliche Kundenzahl auf, beispielsweise book-n-drive als größter<br />

Anbieter im Rhein-Main-Gebiet mit 680 Fahrzeugen und 24.900 Kunden in<br />

Frankfurt am Main, Wiesbaden, Mainz, Darmstadt, Oberursel (Taunus), Offenbach<br />

am Main und Rüsselsheim oder Stattauto München mit etwa 450 Fahrzeugen und<br />

Stadtmobil-(Carsharing)-Autos in<br />

Stuttgart-Möhringen<br />

DB-Carsharing am Bahnhof<br />

Ravensburg<br />

cambio (Carsharing) Auto in Bremen<br />

Car2Go in Düsseldorf


12.500 Teilnehmern im Großraum München (Stand Juli 2014) oder Stadtmobil<br />

Südbaden mit über 9.000 Teilnehmern in Freiburg und 30 weiteren Städten und<br />

Gemeinden in Mittel- und Südbaden (Stand Juli 2016). [21]<br />

Die Drive-Carsharing GmbH nahm als erstes Carsharing-Unternehmen auch<br />

Elektroleichtfahrzeuge mit in die Flotte auf. Diese werden zurzeit in Düsseldorf und<br />

Köln angeboten, wobei die Stadtwerke Düsseldorf AG und die RheinEnergie AG als<br />

Partner an diesem Projekt beteiligt sind. [22][23]<br />

Im Juni 2011 [24] wurde <strong>von</strong> BMW und Sixt der Carsharing Service DriveNow<br />

zunächst in München und Berlin gestartet. [25][26] Inzwischen wurden auch<br />

Düsseldorf, Köln, Hamburg und San Francisco miteinbezogen. DriveNow ist der<br />

erste Carsharing-Anbieter, der spontane Mitfahrgelegenheiten integriert. Fahrten<br />

können automatisch bei flinc angeboten werden, womit auch der Mietpreis geteilt<br />

werden kann. [27][28]<br />

PKW des Unternehmens DriveNow<br />

Nachdem die deutschen Automobilkonzerne Daimler (mit Car2go) und BMW (mit<br />

DriveNow) in das Carsharing-Geschäft eingestiegen waren, startete auch der<br />

Volkswagen-Konzern mit Quicar <strong>einen</strong> eigenen Versuch. [29] Das Angebot der<br />

Konzerntochter Volkswagen Leasing GmbH bestand seit November 2011 und<br />

erstreckte sich zunächst auf die Stadt Hannover sowie einige Umlandgemeinden. In<br />

diesem Gebiet standen an ca. 100 [30] verschiedenen festen Stellplätzen ca. 200 weiße Diesel-PKW des Typs VW Golf VI „Blue<br />

Motion“ mit auffälligen blauen Streifen <strong>für</strong> die befristete Nutzung zur Verfügung. [31] Bei Quicar mussten die Autos wie bei den<br />

meisten Anbietern an derselben Stelle abgegeben werden, wo sie abgeholt wurden. 2016 wurde der Nutzerstamm an Greenwheels<br />

abgegeben und VW zog sich aus dem Caresharing zurück. [32]<br />

In Berlin hat der amerikanische klassische Autovermieter Hertz sein 2008 gegründetes „on demand“ (ad hoc) Carsharing-Modell<br />

Hertz on Demand eingeführt. Hierbei bucht der Kunde nicht wie bei Autovermietungen üblich über die Firmenzentrale, sondern über<br />

das dazugehörige Internetportal, und er ist nicht auf die festen Anmietbüros des Unternehmens festgelegt. Auch ist das Preisschema<br />

völlig unterschiedlich. Im Mai 2013 wurde das Carsharing-Angebot in Hertz 24/7 umbenannt. [33] Ebenfalls auf die Region Berlin<br />

beschränkt ist Multicity, ein free-floating Carsharing-Angebot des französischen Automobilherstellers Citroën, war das erste rein<br />

elektrische Carsharing Projekt Deutschlands und verfügt über 350 [16] Fahrzeuge bei 25.000 [15] registrierten Kunden. Kunden können<br />

über ihr Multicity-Konto ohne zusätzliche Anmeldung auch Fahrzeuge <strong>von</strong> Flinkster nutzen.<br />

In Frankfurt am Main befindet sich der einzige deutschlandweite Standort <strong>für</strong> das international agierende Carsharing-Unternehmen<br />

Zipcar. In Österreich ist das Unternehmen in Bregenz, Feldkirch, Graz, Innsbruck, Linz, Salzburg, St. Pölten, Wels und Wien<br />

vertreten.<br />

Carsharing-Elektroautos in der<br />

Kölner Innenstadt<br />

Verbreitung<br />

Die Verbreitung <strong>von</strong> Carsharing ist in Deutschland sehr unterschiedlich. Gemäß einer im Mai 2017 veröffentlichten Studie <strong>von</strong><br />

PricewaterhouseCoopers, bei der die Verbreitung <strong>von</strong> Carsharing, Komplexität der Nutzung, Verfügbarkeit <strong>von</strong> Leihfahrrädern, u. ä.<br />

in den größten 25 Städten untersucht wurden, ist Carsharing in München vor Stuttgart am Weitesten verbreitet, während die<br />

Ruhrgebietsstädte insbesondere wegen des dürftigen Angebots an festen Stationen und überhaupt nicht verfügbarer Free Floating<br />

Angebote niedrige Punkte erhalten. Insgesamt bemängelten die PwC-Experten, dass die Großstädte es ihren Bürgern immer noch zu<br />

schwer machen würden, auf das eigene Auto zu verzichten. [34]<br />

Privates Carsharing<br />

→ Hauptartikel: Privates Carsharing


Die Idee des privaten Autoteilens gab es lange bevor kommerzielle Anbieter den Markt betraten. Allerdings stellt sich bei<br />

nachbarschaftlichen Zusammenschlüssen bspw. schnell die „Versicherungsfrage“: Wer zahlt wie viel, wenn etwas passiert und erhöht<br />

sich dadurch meine Versicherungsprämie? Musterverträge, mit denen alle Risiken und Kosten geregelt werden können, gibt es z. B.<br />

beim Verkehrs Club Deutschland (VCD). [35] Seit 2010 gibt es auch Internetplattformen in Deutschland, die das Organisatorische<br />

erleichtern. Die ersten waren die Startups tamyca und Autonetzer, die beide im August 2010 gegründet wurden. Schon im November<br />

2010 startete das Portal tamyca.de, gefolgt vom Portal Nachbarschaftsauto.de im März 2011 [36] und im Mai 2011 folgte das Portal<br />

Autonetzer.de, [37] das das jetzt auf allen deutschen Plattformen adaptierte Modell der Haftpflicht- und Vollkasko-Zusatzversicherung<br />

eingeführt hat. [38] Als weitere Plattform ging rent-n-roll.de in Deutschland an den Start, stellte jedoch im Frühjahr 2014 s<strong>einen</strong><br />

Dienst wieder ein. [39] Im September 2014 fusionierten Nachbarschaftsauto und Autonetzer und bildeten damit die nach eigener<br />

Aussage größte Plattform <strong>für</strong> privates Carsharing in Deutschland. [40] Seit November 2014 ist auch der französische Anbieter Drivy<br />

in Deutschland vertreten. Im Mai 2015 wurde Autonetzer <strong>von</strong> Drivy übernommen. [41] Nach eigenen Angaben hat Drivy damit<br />

aktuell 40.000 Autos auf der Plattform [42] . Zudem startete die Adam Opel AG unter der Marke CarUnity im Mai 2015 ebenfalls ein<br />

Portal <strong>für</strong> privates Carsharing. [43]<br />

In Österreich startete das Projekt Caruso Carsharing [44] bereits im Oktober 2009 und richtet sich an Firmen, Gemeinden und<br />

Privatpersonen. Die Plattform bringt Personen zusammen, die ihre Autos teilen und solche, die ein Auto mitbenutzen wollen. Das<br />

Reservierungssystem wird kostenlos angeboten. Wenn eine Onboard Unit in das Fahrzeug verbaut wird, kann ein automatisches<br />

elektronisches Fahrtenbuch (bei dienstlichen Fahrten auch <strong>für</strong> das Finanzamt geeignet) exportiert werden und das Auto per Handy<br />

aufgesperrt werden. Die Betreiber bieten Beratung bezüglich Versicherung, rechtlicher Aspekte und Kalkulation des Tarifes <strong>für</strong> die<br />

Gruppenmitglieder an.<br />

Österreich<br />

Im August 2016 fuhren in Wien 1.200 Fahrzeuge kommerzieller Carsharing-Anbieter . [45]<br />

Im April 2017 erweiterte car2go, das 2011 auf den Wiener Markt getreten war, seine Flotte in Österreich um 350 Mercedes-Benz A-<br />

Klasse-Fahrzeuge (inklusive 50 CLA und 50 GLA). Die bestehende Smart-Flotte wurde völlig erneuert und auf 350 halbiert. [46]<br />

Im September 2014 war DriveNow in Wien gestartet und hatte im August 2016 laut Eigenangaben 65.000 Kunden, wobei jede fünfte<br />

Fahrt in Wien mit einem Elektroauto durchgeführt wurde. [45]<br />

Von 1997 bis 2011 war Denzel zunächst alleiniger Anbieter <strong>für</strong> Carsharing in Österreich. Die Denzel Mobility CarSharing GmbH<br />

wurde 2008 als Joint Venture der Wolfgang Denzel Auto AG und der Mobility CarSharing Schweiz gegründet und führender<br />

Carsharing-Anbieter in Österreich. Mit August 2012 erfolgte nach der Übernahme durch Zipcar die Änderung des Firmennamens in<br />

Zipcar Austria GmbH. Das Unternehmen bot rund 200 Fahrzeuge in neun Preiskategorien an über 100 Standorten in Wien,<br />

Innsbruck, Salzburg, Graz sowie weiteren Städten zu stunden- und kilometerbasierten Tarifen an. Kooperationen mit öffentlichen<br />

Verkehrs-Anbietern wie zum Beispiel den ÖBB, den Wiener Linien und Betreibern öffentlicher Verkehrsmittel in den Bundesländern<br />

komplettierten das Mobilitätskonzept. [47] Im Juli 2017 gab Zipcar bekannt, sich aus dem österreichischen Markt zurück zu<br />

ziehen. [46]<br />

Schweiz<br />

1987 entstanden in der Schweiz zwei Carsharing-Genossenschaften, die AutoTeilet-Genossenschaft (ATG) in Stans und die ShareCom<br />

in Zürich. Anfangs wurden diese Unternehmen durch ehrenamtliche Arbeit getragen. Ein weiterer Anbieter war CopAuto in Genf, der<br />

sich nur kurzfristig <strong>von</strong> 1993 bis 1995 halten konnte und <strong>von</strong> der ATG übernommen wurde.<br />

1997 fusionierten die ATG und die ShareCom zur Mobility CarSharing, die in der Folge die technische Weiterentwicklung<br />

vorantrieb. Sie ging verschiedene Kooperationen mit Schweizer Verkehrsverbunden und Firmen ein und lizenzierte ihr selbst<br />

entwickeltes Reservierungssystem nach Österreich und Spanien. Mobility CarSharing, die mit Abstand größte Carsharing-<br />

Organisation in der Schweiz, hatte Ende 2014 120,000 Kunden und verfügte über 2700 Autos auf 1400 Standplätzen. [48]


Seit 2014 gibt es mit der Mobility-Tochter Catch a Car <strong>einen</strong> Anbieter <strong>von</strong> stationsungebundenem Carsharing. Das Unternehmen<br />

betreibt Fahrzeuge in Basel und Genf. [49]<br />

Europa<br />

Unter dem Namen European Car Sharing (ECS) beschlossen 1991 die führenden Carsharing-Anbieter aus Dänemark, Deutschland,<br />

Italien, Norwegen und der Schweiz eine Kooperation. Dadurch ermöglichten sie ihren Mitgliedern im Rahmen des kombinierten<br />

Verkehrs auch länderübergreifendes Carsharing. Der ECS wurde 2007 wieder aufgelöst.<br />

In Frankreich wurde 2002 die Kooperative Citiz gegründet (damals unter dem Namen France-Autopartage). Sie vereint 15 Anbieter<br />

in mehr als 80 französischen Städten. [50] In Paris gibt es mehrere Carsharing-Organisationen, beispielsweise Communauto (ehemals<br />

Mobizen), Avisondemand (ehemals Okigo, <strong>von</strong> AVIS & VINCI), Ubeeqo (ehemals Carbox, 2015 übernommen <strong>von</strong> Europcar) und<br />

Zipcar.<br />

Move About (ehemals Th!nk About) wurde im Jahr 2007 <strong>von</strong> Jan-Olaf Willums in Norwegen gegründet und bietet ausschließlich<br />

CarSharing-Lösungen mit Elektroautos an. Motto des Unternehmens ist Zero Hassle – Zero Emission. Willums war Vorstand des<br />

Norwegischen Elektroauto-Herstellers Think Global AS, der das erste europaweit zugelassene Elektroautomobil (M1-<br />

Homologation), den Th!nk City produziert. Mittlerweile ist Move About in mehreren Ländern Europas vertreten und<br />

herstellerunabhängig. Move About bietet institutionellen und privaten Kunden „Mobility on Demand“ an, im privaten Bereich oft<br />

auch als CarSharing bezeichnet.<br />

Zipcar, ein zwischenzeitlich <strong>von</strong> der Avis Gruppe übernommenes Startup, ist neben den Heimatmärkten USA und Kanada auch in<br />

sechs europäischen Ländern aktiv: Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Österreich, Spanien, Türkei. [51]<br />

Vereinigte Staaten<br />

In San Francisco gab es 1983 das Pilotprojekt Short-Term Auto Rental (STAR) mit 55 Fahrzeugen. Das Vorhaben wurde bereits nach<br />

18 Monaten beendet. Die Wirkung auf die Verkehrsentwicklung wurde als zu gering angesehen, weil unter anderem nur 17 % der<br />

Nutzer ihr eigenes Fahrzeug verkauft hatten. Allerdings verschoben bereits 43 % den Kauf eines Fahrzeugs. [52]<br />

1998 entstand Car Sharing Portland in Portland (Oregon), das im Jahr 2000 in Flexcar mit Sitz in Seattle (Washington) aufging.<br />

Ebenfalls 2000 wurde Zipcar in Cambridge (Massachusetts) <strong>von</strong> Cameron Russell nach dem Vorbild der deutschen und<br />

schweizerischen Systeme gegründet.<br />

2007 schlossen sich Zipcar und Flexcar zusammen. Aufgrund der geringen Siedlungsdichte der USA konzentriert sich das<br />

Unternehmen auf Ballungsräume und Hochschulstandorte. Mit über 9000 Fahrzeugen und 700.000 Mitgliedern wurde Zipcar der<br />

größte Carsharing-Anbieter der Welt.<br />

Im Jahre 2008 beteiligten sich folgende Unternehmen an einer Untersuchung in den USA und Kanada: AutoShare, City Carshare,<br />

CityWheels, Community Car Share of Bellingham, CommunAuto, Community Car, Co-operative Auto Network, IGo,<br />

PhillyCarShare, VrtuCar und Zipcar. Von den 9635 Teilnehmern kamen 6895 aus den USA. [52]<br />

2010 startete Car2go mit 200 Fahrzeugen in Austin erfolgreich [53] und weitete sein Angebot auf neun Städte in den USA aus. Im Jahr<br />

2014 überschritt die Zahl der Kunden weltweit eine Million. [54]<br />

China<br />

In China hat die Firma Kandi Technologies Group Inc. in Zusammenarbeit mit dessen Tochterunternehmen Zhejiang Kandi Vehicles<br />

Co., Ltd. sowie dem Autobauer Geely ein Carsharing-Projekt begonnen, an dessen Abschluss 100.000 Carsharing-Autos <strong>für</strong><br />

chinesische Carsharer zur Verfügung stehen sollen. In Hangzhou wurde ein Anfang gemacht; [55] allmählich breitet sich das Projekt<br />

über andere Gegenden wie die Großstädte Shanghai und Chengdu sowie die Regionen Jiangsu und Hainan aus. [56][57]


Entwicklungsperspektiven<br />

Seit den 1990er Jahren weist Carsharing hohe Zuwachsraten bei den privaten Nutzern auf. Außerdem haben Unternehmen ihre<br />

geschäftlich genutzten Fahrzeuge teilweise auf Carsharing umgestellt, auch Corporate Carsharing genannt, welches zum Ziel hat die<br />

Kosten pro Fahrzeugkilometer zu senken. Weitere Impulse gehen <strong>von</strong> den langfristig steigenden Benzinpreisen aus. Innovative<br />

Konzepte zielen darauf ab, Privatfahrzeuge zu vermieten. So werden keine neuen Fahrzeuge angeschaf ft.<br />

Durch die Förderung, die Öffentlichkeitswirkung und die damit verbundene Umweltentlastung, könnte Carsharing zum Testfeld <strong>für</strong><br />

Elektromobilität werden. [58][59] Allerdings sind die Kunden bisher nicht bereit, die erhöhten Anschaffungs- und Betriebskosten <strong>für</strong><br />

Elektrofahrzeuge zu tragen. [60]<br />

Auch könnte das Carsharing zukünftig in die Nutzung des ÖPNV in Verbindung mit dem sogenannten Bürgerticket integriert<br />

werden. [61]<br />

Im Zuge des Forschungsprojekts „SynArea“ wurde ein <strong>für</strong> ländliche und suburbane Regionen optimiertes Carsharing-System<br />

konzipiert. Es zeichnet sich gegenüber den bestehenden urbanen Systemen durch neuartige Fahrzeuge aus, welche zwecks leichterer<br />

Wiederverteilung zu Gespannen gekuppelt werden können und in einem langsamen Modus auch führerscheinfrei verwendbar sind.<br />

Zur Finanzierung soll darüber hinaus eine mit dem Leihsystem abgestimmte Umgestaltung des fentlichen öf Verkehrs beitragen. [62]<br />

Sollten autonome Autos zur Serienreife entwickelt und zugelassen werden, könnte dies einige Nachteile des Carsharings ausgleichen.<br />

Ein Fahrzeug könnte den Kunden autonom am Wunschort abholen und sich am Ziel selbständig <strong>einen</strong> Parkplatz suchen. Zudem<br />

könnten die Anbieter die Fahrzeuge effizienter einsetzen, da diese je nach Bedarf selbständig in Gebiete mit hoher Nachfrage fahren<br />

könnten. <strong>Eine</strong> Studie aus dem Jahr 2013 geht da<strong>von</strong> aus, dass diese Perspektive das Potential hat, mehr als 90 Prozent des<br />

Fahrzeugbestandes überflüssig machen zu können. [63]<br />

Im Mai 2014 gab Google bekannt, dass 100 Testfahrzeuge gebaut werden sollen. Dabei soll auf Lenkrad, Bremse und Gaspedal<br />

verzichtet werden. Die Fahrzeuge sind Elektroautos. Die Fahrzeuge sollen nicht in Privatbesitz wechseln, sondern quasi als<br />

führerlose Taxis bzw. Transportkapseln dienen. In einem Video zeigt Google, wie Privatpersonen den Prototyp testen. Google vereint<br />

damit die neuen Prinzipien Elektroauto, autonomes Fahren und Car -Sharing (s.a. Autonomes Landfahrzeug). [64][65][66]<br />

Siehe auch<br />

Portal: Transport und Verkehr/Themenliste Straßenverkehr – Übersicht zu <strong>Wikipedia</strong>-Inhalten zum<br />

Thema Transport und Verkehr/Themenliste Straßenverkehr<br />

Bikesharing<br />

Räumliche Mobilität<br />

Fahrgemeinschaft, Mitfahrgelegenheit, Sammeltaxi<br />

Literatur<br />

Peter Muheim & Partner: CarSharing: der Schlüssel zur kombinierten Mobilität: Synthese. EDMZ, Bern 1998, DNB<br />

957260350.<br />

Markus Petersen: Ökonomische Analyse des Car Sharing. Deutscher Universitäts-Verlag, Gabler Edition<br />

Wissenschaft, Wiesbaden 1995, ISBN 3-8244-6111-0.<br />

Herbert Baum, Stephan Pesch: Car sharing als Lösungskonzept städtischer Verkehrsprobleme: Kurzfassung des<br />

Forschungsberichtes Nr. 70421/93 im Auftrag des Bundesministers <strong>für</strong> Verkehr. In: Kölner Diskussionsbeiträge zur<br />

Verkehrswissenschaft. Band 6. Institut <strong>für</strong> Verkehrswissenschaft, Köln 1995.<br />

Willi Loose, M. Mohr, C. Nobis u. a.: Bestandsaufnahme und Möglichkeiten der Weiterentwicklung <strong>von</strong> Car-Sharing.<br />

In: Berichte der Bundesanstalt <strong>für</strong> Straßenwesen.(= Verkehrstechnik. Heft V 114). Hrsg. Bundesanstalt <strong>für</strong><br />

Straßenwesen. Wirtschaftsverlag NW, Verlag <strong>für</strong> Neue Wissenschaft, Bremerhaven 2004, ISBN 3-86509-144-X<br />

(Schlussbericht und Volltext des Artikels (PDF; 1221 kB)).<br />

Bundesverband CarSharing e. V. (Hrsg.): <strong>Eine</strong> Idee setzt sich durch! 25 Jahre CarSharing.ksv kölner stadt- und<br />

verkehrs-verlag, Köln 2014, ISBN 978-3-940685-19-3.<br />

Werner Hadorn: CarSharing in der Schweiz: <strong>Eine</strong> bewegte Erfolgsgeschichte.Smart Books, Kilchberg ZH (Schweiz)<br />

2008, ISBN 978-3-908497-56-1.


Weblinks<br />

Commons: Carsharing – <strong>Sammlung</strong> <strong>von</strong> Bildern, Videos und Audiodateien<br />

Wiktionary: Carsharing – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen<br />

Private Carsharing-Informationsseite<br />

SWR 2 Verkehr im Takt, Feature vom 11. Mai 2013. Komplette Sendung als Audio: mp3-download.swr.de (MP3;<br />

26,5 MB)<br />

Einzelnachweise<br />

1. § 2 Nr. 1 des Carsharinggesetzes<br />

2. The Times. 20. August 1975, S. 4.<br />

3. Geschäftsgebiet Car2Go Berlin(https://www.car2go.com/de/berlin/#tid=geschaeftsgebiet)<br />

4. Regeln zum Abstellen der Multicity-Fahrzeuge(https://www.multicity-carsharing.de/faq/welche-parkplaetze-darf-ichmit-dem-multicity-carsharing-fahrzeug-benutzen/)<br />

5. Carsharing am Flughafen <strong>von</strong> Carsharing-Experten(http://www.carsharing-experten.de/inhalt/carsharing-am-flughaf<br />

en.html)<br />

6. citeecar.com (https://www.citeecar.com/Home/What_is_a_Host)Host bei Citeecar<br />

7. Stiftung Warentest: Carsharing - <strong>für</strong> wen sich das Autoteilen lohnt(http://www.test.de/presse/pressemitteilungen/Car<br />

sharing-Fuer-wen-sich-das-Autoteilen-lohnt-4331325-4331327/)14. Februar 2012.<br />

8. FAQ des Bundesverbandes CarSharing(http://www.carsharing.de/alles-ueber-carsharing/faq)<br />

9. BMW speichert keine Standortdaten, gibt aber Bewegungsprofil an Gericht, Bericht auf Netzpolitik.org (http://netzpoli<br />

tik.org/2016/bmw-speichert-keine-standortdaten-gibt-aber-bewegungsprofil-an-gericht/)mit Zitaten aus einer<br />

offiziellen Stellungnahme der Firma BMW vom 21. Juli 2016<br />

10. Unfall mit Carsharing-Auto: BMW liefert Gericht Bewegungsprofil eines Kunden. Bericht auf Spiegel-Online vom 21.<br />

Juli 2016 (http://www.spiegel.de/auto/aktuell/bmw-liefert-gericht-bewegungsprofil-eines-carsharing-kunden-a-110412<br />

9.html)<br />

11. welt.de: Car-Sharing-Anbieter tun sich schwer im Ruhrgebiet(https://www.welt.de/regionales/duesseldorf/article1219<br />

33740/Car-Sharing-Anbieter-tun-sich-schwer-im-Ruhrgebiet.html) , 17. November 2013.<br />

12. Markus Fasse, Silke Kersting: Die neue Lust am Leihauto(http://www.handelsblatt-shop.com/downloads/die-neue-lu<br />

st-am-leihauto-p5181.html). In: Handelsblatt. 9. Juli 2013, S. 20.<br />

13. Bilanzpressemitteilung bcs vom 29. Februar 2016(http://www.carsharing.de/presse/pressemitteilungen/carsharing-ja<br />

hresbilanz-2015-wachstum-konsolidierung-im-deutschen)<br />

14. CarSharing-Jahresbilanz 2016.(https://carsharing.de/presse/pressemitteilungen/carsharing-jahresbilanz-2016-mehr-<br />

17-millionen-carsaring-nutzer)Bundesverband CarSharing; 27. Februar 2017; abgerufen am 27. Februar 2017.<br />

15. Größte Carsharing-Anbieter in Deutschland nach Kundenzahl (https://de.statista.com/statistik/daten/studie/259118/u<br />

mfrage/carsharing-anbieter-nach-kundenzahl/). In:Statista, Mai 2017<br />

16. Größte Carsharing-Anbieter in Deutschland nach Anzahl der Fahrzeuge(https://de.statista.com/statistik/daten/studi<br />

e/219097/umfrage/carsharing-anbieter-nach-anzahl-der-fahrzeuge/). In:Statista, Januar 2017<br />

17. flinkster.de (http://www.flinkster.de/fileadmin/www.flinkster.de/redaktion/pdf/_5171399.pdf)(PDF)<br />

18. Pressemeldung vom 5. November 2012(https://www.cambio-carsharing.com/)<br />

19. Pressemitteilung vom 11. September 2017, teilauto.net(https://www.teilauto.net/presse/beitrag/teilauto-und-swe-ero<br />

effnen-50-carsharing-station-in-erfurt/)<br />

20. teilauto.net (http://www.teilauto.net/portrait.php?f=1)<br />

21. Ursula Bauer, Anna Fokerman, Georg Frech:Advanced Topics in Sustainability – Innovation and Marketing:<br />

Stattauto München. (http://www.stattauto-muenchen.de/_downloads/TUM-Seminararbeit.pdf)(PDF; 386 kB)<br />

Seminararbeit, 12. Juli 2012; abgerufen am 22. September 2012.<br />

22. Ralf Arenz: Strom tanken in der Kölner City. (http://www.rundschau-online.de/html/artikel/1264185818573.shtml)In:<br />

Kölnische Rundschau, 29. Januar 2010.<br />

23. Julia Puzalowski: Pole-Position bei Elektroautos.(http://www.rp-online.de/duesseldorf/duesseldorf-stadt/nachrichten/<br />

Pole-Position-bei-Elektroautos_aid_785369.html)In: RP Online, 20. November 2009.<br />

24. Pressemitteilung DriveNow(https://www.drive-now.com/fileadmin/sys/files/presse/2011.06.09-Launch-DriveNow_01.<br />

pdf) (PDF)<br />

25. Autozeitung: Carsharing im Trend (http://www.autozeitung.de/auto-news/bmw-und-sixt-gruenden-drive-now-carshari<br />

ng-im-trend), 21. März 2011.<br />

26. Homepage DriveNow DriveNow (https://www.drive-now.com/)<br />

27. DriveNow + flinc = mobility 2.0(http://blog.drive-now.de/2012/03/23/drivenow_und_flinc/), DriveNow Blog<br />

So funktioniert flinc in DriveNow-Fahrzeugen(https://flinc.org/guide_drivenow), flinc.org


28. Spontan mitfahren in München, Berlin & Düsseldorf: Car-Sharing Anbieter DriveNow kooperiert mit flinc (http://ww<br />

w.iphone-ticker.de/spontan-mitfahren-in-munchen-berlin-dusseldorf-car-sharing-anbieter-d rivenow-kooperiert-mit-flin<br />

c-31858/), iFun, iphone-ticker.de am 23. März 2012<br />

Intelligente Mitfahrzentrale: flinc erweitert sein Netzwerk(http://netzwertig.com/2012/03/23/intelligente-mitfahrzentral<br />

e-flinc-erweitertert-sein-netzwerk/), netzwertig.com vom 23. März 2012.<br />

29. Carsharing-Geschäft - auch Volkswagen steigt ein. (http://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/carsharing-geschaeft-auch-v<br />

olkswagen-steigt-ein-11515132.html)auf: faz.net, 2. November 2011.<br />

30. Quicar feiert seine 100. Station...(http://web.quicar.de/posts/751-quicar_feiert_seine_100_station_mit_vielen_gesch<br />

enken)<br />

31. Carsharing-Projekt „Quicar".(https://web.archive.org/web/20130327042611/http://www.volkswagen.de/de/Volkswage<br />

n/nachhaltigkeit/think_blue/Quicar.html) (Memento vom 27. März 2013 im Internet Archive) auf: www.volkswagen.de,<br />

abgerufen am 13. Mai 2013.<br />

32. VW stampft eigenes Carsharing-Projekt ein.(https://www.handelsblatt.com/unternehmen/industrie/quicar-vw-stampft<br />

-eigenes-carsharing-projekt-ein/12837688.html)auf: handelsblatt.com, 15. Januar 2016.<br />

33. Aus Hertz On Demand wird Hertz 24/7.(http://www.carsharingblog.de/2013/06/aus-hertz-on-demand-wird-hertz-247)<br />

2. Juni 2013.<br />

34. Tobias Kaiser: Nirgendwo macht Carsharing mehr Spaß als in dieser Stadt(https://www.welt.de/wirtschaft/article164<br />

993763/Nirgendwo-macht-Carsharing-mehr-Spass-als-in-dieser-Stadt.html). In:Die Welt, 28. Mai 2017<br />

35. VCD (http://www.vcd.org/1064.html#c4789)<br />

36. vcd.org (https://www.vcd.org/service/presse/pressemitteilungen/online-portal-nachbarschaftsauto-startet/)<br />

37. pressebox.de (http://www.pressebox.de/inaktiv/autonetzer-gmbh/Autonetzerde-Junges-Unternehmen-startet-Carshar<br />

ing-Community-fuer-Privatpersonen/boxid/420966) ,pm.pressbot.net(http://pm.pressbot.net/article_l,1,i,171002.html)<br />

38. Autonetzer (http://www.autonetzer.de/), tamyca (http://www.tamyca.de/), Nachbarschaftsauto (http://www.nachbarsch<br />

aftsauto.de/)<br />

39. carsharing-experten.de(http://www.carsharing-experten.de/rent-n-roll-test.html)<br />

40. focus.de (http://www.focus.de/auto/ratgeber/kosten/autonetzer-und-nachbarschaftsauto-in-jeder-strasse-ein-nachbar<br />

schaftsauto-mega-fusion-in-der-carsharing-branche_id_4161501.html)<br />

41. handelsblatt.com (http://www.handelsblatt.com/unternehmen/industrie/drivy-uebernimmt-autonetzer-franzoesische-of<br />

fensive-bei-carsharing/11836018.html)<br />

42. Drivy.de (https://www.drivy.de/)<br />

43. handelsblatt.com (http://www.handelsblatt.com/unternehmen/industrie/kooperation-mit-tamyca-das-steckt-hinter-opel<br />

s-carsharing-plaenen/11925038.html)<br />

44. carusocarsharing.com (https://www.carusocarsharing.com/)<br />

45. DriveNow macht jede fünfte Fahrt in Wien mit Elektroauto (http://diepresse.com/home/wirtschaft/economist/5076564/<br />

DriveNow-macht-jede-fuenfte-Fahrt-in-Wien-mit-Elektroauto). In:Die Presse, 29. August 2016<br />

46. Aus <strong>für</strong> Carsharing-Anbieter Zipcar in Österreich(http://derstandard.at/2000060771632/Aus-fuer -Carsharing-Anbiete<br />

r-Zipcar-in-Oesterreich). In: Der Standard, 4. Juli 2017<br />

47. CarSharing.at (https://web.archive.org/web/20120927002947/http://www.carsharing.at:80/de/pub/footer/ueber_uns/u<br />

eber_zipcar_austria.htm)(Memento vom 27. September 2012 im Internet Archive)<br />

48. mobility.ch (https://www.mobility.ch/fileadmin/files/meta/media/media_releases/20150319_MM_D_Mobility_Jahresab<br />

schluss_2014.pdf) (PDF; 236 kB). Stand 31. Dezember 2014.<br />

49. Milos Balac, Francesco Ciari, Kay W. Axhausen: Modeling the impact of parking price policy on free-floating<br />

carsharing: Case study for Zurich, Switzerland. In: Transportation Research Part C: Emerging Technologies. Band<br />

77, 26. Januar 2017, ISSN 0968-090X (http://dispatch.opac.d-nb.de/DB=1.1/CMD?ACT=SRCHA&IKT=8&TRM=096<br />

8-090X), S. 207–225, doi:10.1016/j.trc.2017.01.022(https://dx.doi.org/10.1016%2Fj.trc.2017.01.022) .<br />

50. Citiz: un projet citoyen (http://citiz.coop/qui-sommes-nous)<br />

51. Zipcar-Städte weltweit (http://www.zipcar.de/cities)<br />

52. Elliot W. Martin, Susan A. Shaheen: Greenhouse Gas Emission Impacts of Carsharing in North America , IEEE<br />

TRANSACTIONS ON INTELLIGENT TRANSPORTATION SYSTEMS, VOL. 12, NO. 4, DECEMBER 2011<br />

53. USA Today Smart car-sharing service car2go expands inAustin (21. Mai 2010) (http://content.usatoday.com/commu<br />

nities/driveon/post/2010/05/smart-car-sharing-service-car2go-expands-in-austin/1)<br />

54. europe.autonews.com (http://europe.autonews.com/article/20141113/ANE/141119923/car2go-poised-to-top-1-million<br />

-users)<br />

55. Kandi Technologies reports the Kandi Brand JL7001BEV four-passenger pure electric sedan vehicle to be delivered<br />

for public EV sharing system in Hangzhou(http://en.kandivehicle.com/NewsDetail.aspx?newsid=96)<br />

kandivehicle.com-Internetportal, 12. November 2013 (englisch)<br />

56. Nino Marchetti: 100,000 electric cars target of chinese car sharing project.(http://earthtechling.com/2013/11/100000-<br />

electric-cars-target-of-chinese-car-sharing-project/)EarthTechling-Internetportal, 20. November 2013 (englisch)<br />

57. Kandi signed cooperative framework agreement with Zhejiang Guoxin Vehicle Leasing Company to promote selfdriving<br />

pure electric vehicles rental for public transportation in Hangzhou project. (http://en.kandivehicle.com/NewsD<br />

etail.aspx?newsid=23) kandivehicle.com-Internetportal, 14. August 2012 (englisch)


58. Steffen Barthel: Elektromobilität im Carsharing.Akademikerverlag, Saarbrücken 2012, ISBN 978-3-639-38850-3.<br />

59. Steffen Barthel: Elektroautos im Carsharing.In: Internationales Verkehrswesen. Jg. 64, Nr. 1, 2012, S. 38–40.<br />

60. Christian Hoffmann u. a.: Bewertung integrierter Mobilitätsdienste mit Elektrofahrzeugen aus Nutzerperspektive . (htt<br />

p://www.innoz.de/fileadmin/INNOZ/pdf/Bausteine/innoz-Baustein-11.pdf)(PDF) Innovationszentrum <strong>für</strong> Mobilität und<br />

gesellschaftlichen Wandel, Berlin 2012.<br />

61. Deutschlandradio, 15. Januar 2013, Verkehrswissenschaftler will "Bürgerticket" <strong>für</strong> alle (http://www.deutschlandradio<br />

kultur.de/verkehrswissenschaftler-will-buergerticket-fuer-alle.954.de.html?dram:article_id=234326)<br />

62. Endbericht Forschungsprojekt SynArea(http://www.oebb.at/de/Services/Neu_fuer_Sie/SynArea-Endbericht/index.js<br />

p)<br />

63. Autonome Autos machen Privat-Pkw überflüssig(https://www.heise.de/newsticker/meldung/Autonome-Autos-mache<br />

n-Privat-Pkw-ueberfluessig-1943508.html). In: Technology Review. 27. August 2013.<br />

64. Meldung auf heise.de (https://www.heise.de/newsticker/meldung/Selbstfahrende-Autos-Google-baut-ein-eigenes-Aut<br />

o-2199035.html)<br />

65. Google präsentiert sein Roboter-Elektroauto(http://www.mein-elektroauto.com/2014/05/google-praesentiert-sein-rob<br />

oter-elektroauto/13949/)<br />

66. spiegel.de: Elektromobil vorgestellt: Die Google-Kugel(http://www.spiegel.de/auto/aktuell/auto-<strong>von</strong>-google-selbstfahr<br />

endes-elektromobil-vorgestellt-a-972088.html)<br />

Abgerufen <strong>von</strong> https://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Carsharing&oldid=171710486 <br />

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Privates Carsharing<br />

Der Begriff Privates Carsharing bezeichnet die gemeinschaftliche Nutzung eines Fahrzeugs durch <strong>einen</strong> kl<strong>einen</strong> Kreis einander<br />

bekannter Privatpersonen. Die Grundidee entspricht dem Carsharing, das sich jedoch in größeren Einheiten organisiert. Dieses<br />

Konzept wird auch als nachbarschaftliches Autoteilen, privates Autoteilen oder Peer-to-Peer-Carsharing bezeichnet. [1]<br />

Um dieses Modell rechtlich zu unterstützen bietet beispielsweise der Verkehrsclub Deutschland <strong>einen</strong> Nachbarschaftsauto-Vertrag<br />

an. [2] Daneben gibt es verschiedene Anbieter entsprechender Autoversicherungen.<br />

Inhaltsverzeichnis<br />

1 Versicherungsmodelle<br />

1.1 Carsharing-Versicherung<br />

1.2 On-Top-Versicherung<br />

2 Anbieter<br />

2.1 Anbieter in Deutschland<br />

2.2 Anbieter in Österreich<br />

2.3 Anbieter in der Schweiz<br />

3 Abgrenzung zum kommerziellen Carsharing<br />

4 Sonstiges<br />

5 Einzelnachweise<br />

Versicherungsmodelle<br />

Je nach Anbieter gibt es unterschiedliche Modelle, das Auto und verursachte Schäden zu versichern. Die normale Kfz-Versicherung<br />

des Fahrzeughalters übernimmt in der Regel keine Haftpflicht- und Kaskoschäden, wenn dieser sein Auto entgeltlich einer Person<br />

überlässt, die zudem nicht im Fahrerkreis der Police definiert ist. <strong>Eine</strong> normale Versicherung kann hier im Schadensfall die Leistung<br />

verweigern bzw. Regress fordern, wenn sich herausstellt, dass gegen die Konditionen der Police verstoßen wurde. Außerdem wird<br />

sich bei einem regulierten Schaden die Schadensfreiheitsklasse (SFK) des Halters verschlechtern und somit die Versicherungsprämie<br />

ansteigen.<br />

Carsharing-Versicherung<br />

Von verschiedenen Anbietern wird eine spezielle Haftpflicht, Teil- und Vollkaskoversicherung und Schutzbrief angeboten. Die<br />

angebotenen Konditionen berücksichtigen dabei unter Umständen nicht den Schadenfreiheitsrabatt des Fahrzeughalters, die er bei<br />

seiner bisherigen Kfz-Versicherung hatte. Je nach Versicherungsgesellschaft ruht diese <strong>von</strong> zwölf Monaten bis zu sieben Jahren ohne<br />

Rückstufung. Bei einer Carsharing-Versicherung tragen der Fahrzeughalter und der Carsharing-Fahrer im Schadensfalle eine<br />

Selbstbeteiligung, der Fahrer dabei in der Regel den größeren Anteil.<br />

On-Top-Versicherung<br />

Zusätzlich zu den Fahrzeugkosten erhält der Fahrzeughalter vom Fahrer <strong>einen</strong> Anteil <strong>für</strong> diese Versicherungsbeiträge, während die<br />

alte Versicherung des Halters bestehen bleibt. Die Zusatzversicherung übernimmt dabei den Schaden an dem Fahrzeug, während<br />

Schäden Dritter weiterhin <strong>von</strong> der Versicherung des Halters getragen werden müssen. Die nachfolgende Beitragserhöhung des


Haftpflichtversicherers übernimmt die On-Top-Versicherung teilweise.<br />

Anbieter<br />

Anbieter in Deutschland<br />

In Deutschland haben sich einige Internetplattformen gebildet, welche die Vermittlung und die On-Top-Versicherung koordinieren.<br />

Nach einer Anmeldung als Vermieter kann man sein Auto einstellen und beschreiben. Potentielle Mieter fragen diese Autos dann<br />

unverbindlich an und bekommen dann <strong>von</strong> Vermieter, je nachdem ob dieser es will, eine verbindliche Zusage. In dem Moment, in<br />

dem der Mieter zahlt, kommt ein Mietvertrag zu Stande.<br />

Anbieter in Österreich<br />

In Österreich gibt es mehrere Plattformen, die privates Carsharing ermöglichen. [3]<br />

Es gibt eine Plattformen, die Personen zusammenbringen, die ihre Autos teilen und solche, die ein Auto mitbenutzen wollen. Es<br />

bilden sich Gruppen, deren Mitglieder sich kennen und dauerhaft ein Fahrzeug an einem gemeinsamen Standplatz teilen. Das<br />

Reservierungssystem wird kostenlos angeboten. Ist zusätzlich eine Onboard Unit im Fahrzeug verbaut, kann ein elektronisches<br />

Fahrtenbuch (bei dienstlichen Fahrten auch <strong>für</strong> das Finanzamt geeignet) exportiert und das Auto per Handy aufgesperrt werden. Die<br />

Betreiber bieten Beratung bezüglich Versicherung, rechtlicher Aspekte und Kalkulation des Tarifes <strong>für</strong> die Gruppenmitglieder an.<br />

Anbieter in der Schweiz<br />

In der Schweiz gibt es erst wenige Plattformen, die privates Carsharing ermöglichen, jedoch besteht eine Autoteilen Gemeinschaft<br />

seit über 20 Jahren. [4]<br />

Abgrenzung zum kommerziellen Carsharing<br />

Im Gegensatz zum kommerziellen Carsharing geht es bei der Nutzung <strong>von</strong> privatem Carsharing nicht um Gewinnerzielung, sondern<br />

darum, die jeden Monat anfallenden Kosten <strong>von</strong> PKWs zwischen Privatpersonen zu teilen. [1]<br />

Sonstiges<br />

Privates Carsharing lässt sich als Spielart des Trends "mieten oder leihen statt kaufen" verstehen, den die Amerikanerin Rachel<br />

Botsman in ihrem Buch What’s mine is yours als Collaborative consumption bezeichnet. Nicht das Konsumierte erlebt eine<br />

Änderung, sondern die Konsumweise. Gemeinschaftlich zu konsumieren wird <strong>von</strong> Botsman folgendermaßen umschrieben: „Wir<br />

erleben eine Verschiebung <strong>von</strong> einer Ich-Kultur hin zu einer Wir-Kultur.“ [5] Smartphones, allgemeine Online-Communitys wie<br />

Facebook und Twitter, sowie vorrangig einem Zweck dienende Communitys erleichtern und beschleunigen die finanziellen<br />

Transaktionen.<br />

Einzelnachweise<br />

1. mehr Möglichkeiten <strong>für</strong> energieeffiziente Mobilität durch Car -Sharing. (http://www.momo-cs.eu/index.php?obj=page&i<br />

d=135&unid=d32269d2dec359498d6e600b5f15db44)momo Carsharing 'ein Projekt der, gefördert durch die<br />

Europäische Union. Intelligent Energy Europe (IEE)(http://ec.europa.eu/energy/intelligent/); abgerufen am 8. März<br />

2011.<br />

2. Verkehrsclub Deutschland: Nachbarschaftsauto-Vertrag (https://www.vcd.org/themen/auto-umwelt/carsharing/).<br />

3. kurier.at 2012: Privates Carsharing: Immer mehr Autobesitzer wollen ihren fahrbaren Untersatz mit anderen teilen. (h<br />

ttp://kurier.at/freizeit/motor/4499919-ein-auto-fuer-gewisse-stunden.php)<br />

4. verkehrsclub.ch 2015: Autoteilen – CarSharing.(http://www.verkehrsclub.ch/service/ratgeber/autoteilen/)<br />

5. Kerstin Bund: Meins ist deins. (http://www.zeit.de/2011/51/Meins-ist-Deins/komplettansicht) Zeit Online,<br />

19. Dezember 2011; abgerufen am 4. Oktober 2012: „Wir erleben eine Verschiebung <strong>von</strong> einer Ich-Kultur hin zu


einer Wir-Kultur.“<br />

Abgerufen <strong>von</strong> „https://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Privates_Carsharing&oldid=166716467 “<br />

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Citizen Science<br />

Mit Citizen Science (Bürgerwissenschaft) wird im angelsächsischen Sprachraum eine Form der Offenen Wissenschaft bezeichnet,<br />

bei der Projekte unter Mithilfe oder komplett <strong>von</strong> interessierten Laien durchgeführt werden. Sie melden Beobachtungen, führen<br />

Messungen durch oder werten Daten aus.<br />

Inhaltsverzeichnis<br />

1 Definition<br />

1.1 Alternative Definitionen<br />

1.2 Verwandte Bereiche<br />

1.3 Grenzen <strong>von</strong> Citizen Science<br />

2 Geschichte<br />

2.1 Österreich<br />

3 Beispiele<br />

3.1 Vereinigte Staaten<br />

3.2 Deutschland<br />

3.3 Österreich<br />

4 Siehe auch<br />

5 Literatur<br />

6 Weblinks<br />

7 Einzelnachweise<br />

Definition<br />

Der Begriff Citizen Science (CS) kennt mehrere Ursprünge und unterschiedliche Konzepte. [1] Rick Bonney in den USA und Alan<br />

Irwin im Vereinigten Königreich definierten ihn Mitte der 1990er-Jahre unabhängig <strong>von</strong>einander. [1][2][3] Alan Irwin definiert CS im<br />

Bezug auf seine Entwicklung <strong>von</strong> Konzepten wissenschaftlicher Bürgerschaft, welche die Notwendigkeit hervorheben, die<br />

Wissenschaften und Wissenschaftspolitik <strong>für</strong> die Gesellschaft zu öffnen. [1] Rick Bonney definiert CS mit Bezug auf<br />

gesellschaftliche Beteiligungs- und Wissenschaftskommunikationsprojekte. [1]<br />

Die Begriffe Citizen Science und Citizen Scientists fanden im Jahr 2014 Eingang in das Oxford English Dictionary. [4] Citizen<br />

Science ist hier definiert als wissenschaftliche Arbeit, die <strong>von</strong> Mitgliedern der allgem<strong>einen</strong> Öffentlichkeit vorgenommen wird, oft in<br />

Zusammenarbeit mit oder unter der Führung <strong>von</strong> professionellen Wissenschaftlern oder wissenschaftlichen Institutionen. [5] Der<br />

Citizen Scientist wird, im modernen Sinne, definiert als Wissenschaftler, dessen Arbeit durch ein Verantwortungsgefühl, dem<br />

Interesse der allgem<strong>einen</strong> Öffentlichkeit zu dienen, charakterisiert ist oder als ein Mitglied der Gesellschaft, das an<br />

wissenschaftlicher Arbeit teilnimmt, oft in Zusammenarbeit oder unter der Führung <strong>von</strong> professionellen Wissenschaftlern oder<br />

wissenschaftlichen Institutionen. [5]<br />

Bevor der Begriff im Oxford English Dictionary aufgenommen wurde, wurde das Green Paper on Citizen Science veröffentlicht. In<br />

diesem wird der Begriff Citizen Science definiert als aktive Beteiligung der Bevölkerung in wissenschaftlicher Forschung in Form<br />

<strong>von</strong> intellektueller Mitarbeit, Beisteuerung <strong>von</strong> lokalem Wissen oder Bereitstellung <strong>von</strong> ihnen zur Verfügung stehenden Mitteln und<br />

Ressourcen. Teilnehmende stellen Daten und Einrichtungen professionellen Wissenschaftlern zur Verfügung, stellen neue Fragen und<br />

gestalten eine neue wissenschaftliche Kultur mit. Während dieses Prozesses erwerben die Citizen Scientists in einer anregenden Art


und Weise neues Wissen oder Fähigkeiten oder ein tieferes Verständnis wissenschaftlicher Arbeit. Als Resultat dieses offenen,<br />

vernetzten und transdisziplinären Szenarios werden Interaktionen zwischen Wissenschaft, Gesellschaft und Politik verbessert. Sie<br />

führen zu einer demokratischeren Forschung, basierend auf dem fundiertem Wissen darüber wie wissenschaftliche Forschung<br />

entweder zur Gänze oder teilweise durch Partizipation mit nichtprofessionellen Forschenden durchgeführt wird. [6]<br />

Citizen Science kann <strong>von</strong> freiwilligen Einzelpersonen, Gruppen oder Netzwerken durchgeführt werden. Citizen Scientists arbeiten<br />

meist mit professionellen Wissenschaftern zusammen um gemeinsame Ziele zu erreichen. Große Freiwilligennetzwerke ermöglichen<br />

es Wissenschaftern Aufgaben zu erledigen, die mit herkömmlichen Methoden zu teuer oder zu zeitaufwändig wären. Viele Citizen<br />

Science Projekte verfolgen Bildungsziele. [7][8][9] Diese Projekte wurden <strong>für</strong> <strong>einen</strong> formellen Rahmen im Klassenzimmer oder im<br />

informellen Rahmen wie zum Beispiel in einem Museum gestaltet. Citizen Science hat sich in den letzten 40 Jahren weiterentwickelt.<br />

Derzeitige Projekte konzentrieren sich mehr auf wissenschaftlich fundierte Methoden und messbare Ziele der öffentlichen<br />

Bildung. [10] Moderne Citizen Science unterscheidet sich <strong>von</strong> Citizen Science, wie sie früher durchgeführt wurde, vor allem durch die<br />

unterschiedlichen Möglichkeiten der öffentlichen Beteiligung; vor allem der technologische Fortschritt wird <strong>für</strong> den derzeitigen<br />

Boom an Citizen Science Aktivitäten verantwortlich gemacht. [11]<br />

Alternative Definitionen<br />

Andere Definitionen <strong>für</strong> Citizen Science wurden ebenfalls vorgeschlagen. Bruce Lewenstein des Communication and S&TS<br />

Departments der Cornell University beschreibt drei mögliche Definitionen: [12] Die Beteiligung <strong>von</strong> Nichtwissenschaftlern in der<br />

Datensammlung nach einem spezifischen, wissenschaftlichen Protokoll einerseits und andererseits in der Analyse und Interpretation<br />

der Daten. [12] Das Engagement <strong>von</strong> Nichtwissenschaftlern in der Entscheidungsfindung bei politischen Prozessen, die technische<br />

oder wissenschaftliche Bestandteile haben. [12] Das Engagement <strong>von</strong> Wissenschaftlern in demokratischen und politischen<br />

Prozessen. [12]<br />

Wissenschaftler und Gelehrte, die andere Definitionen gebrauchten, waren unter anderem Frank <strong>von</strong> Hippel, Stephen Schneider, Neal<br />

Lane und Jon Beckwith. [13][14][15] Andere alternative Terminologien wären Bürgerwissenschaft oder<br />

BürgerwissenschafterInnen. [16]<br />

In weiterer Folge bietet Muki Haklay eine Übersicht der Formen <strong>von</strong> bürgerlicher Beteiligung in Citizen Science an. Diese reichen<br />

<strong>von</strong> Crowdsourcing (Level 1), bei dem Bürger als Sensoren dienen, über verteilte Intelligenz (Level 2), bei der Bürger zur<br />

Mustererkennung eingesetzt werden, zu Beteiligungswissenschaft (Level 3), bei der sich Bürger bei der Definition der<br />

Fragestellung und der Datensammlung beteiligen, bis hin zu Extremer Citizen Science, welche die Zusammenarbeit zwischen<br />

Bürgern und Wissenschaftlern in der Definition der Fragestellung, Datensammlung und Datenanalyse umfasst. [17]<br />

Ein 2014 in Mashable erschienener Artikel definiert Citizen Scientists als: Alle, die freiwillig Zeit und Ressourcen <strong>für</strong><br />

wissenschaftliche Forschung in Partnerschaft mit professionellen WissenschaftlerInnen aufwenden. [18]<br />

Verwandte Bereiche<br />

Manche Projekte, wie SETI@home, verwenden das Internet um den Vorteil verteilter Systeme zu nutzen. Diese Projekte sind generell<br />

passiv. Die Rechenleistung wird <strong>von</strong> freiwillig zur Verfügung gestellten Computern geleistet und benötigt wenig Mitwirkung, bis auf<br />

die einmalige Einrichtung. Hier bestehen Differenzen, in wiefern solche Projekte als Citizen Science zu bezeichnen sind. Der<br />

Astrophysiker und Galaxy Zoo Gründer Kevin Schawinski meint dazu: "Wir bevorzugen [Galaxy Zoo] als Citizen Science zu<br />

bezeichnen, weil es eine bessere Beschreibung dessen ist, was man macht; man ist ein normaler Bürger, aber man betreibt<br />

Wissenschaft. Crowd sourcing klingt ein bisschen wie, man ist nur ein Teil einer Crowd und das ist man nicht, man ist ein<br />

Mitarbeiter. Man ist durch die Teilnahme proaktiv in den Wissenschaftsprozess eingebunden." [19]<br />

Grenzen <strong>von</strong> Citizen Science<br />

In einem 2008 vom U.S. National Park Service publizierten Forschungsbericht, äußern Brett Amy Thelen und Rachel K. Thiet<br />

folgende Bedenken, die zuvor bereits in der Literatur zur Aussagekraft <strong>von</strong> durch Freiwillige gesammelte Daten erwähnt wurden: [20]


Bestimmte Projekte sind vielleicht nicht <strong>für</strong> Freiwillige geeignet, zum Beispiel wenn komplexe Forschungsmethoden verwendet<br />

werden oder mühselige oder sich wiederholende Arbeiten erforderlich sind. [20]<br />

Wenn Freiwillige nicht in Forschungs- und Monitoringprotokollen unterrichtet sind, laufen sie Gefahr, die Daten zu verzerren. [20]<br />

Freiwillige können Daten verfälschen. Dieses Risiko ist besonders groß, wenn Prämien als Anreiz zur Beteiligung ausgesetzt<br />

werden. [20] Besonders die Frage der Genauigkeit der Daten bleibt unbeantwortet. Der Gründer des Lost Ladybug Citizen Science<br />

Projekts, John Losey, argumentiert, dass die Kosteneffektivität <strong>von</strong> Citizen Science Daten die Qualitätsbedenken aufwiegen, wenn<br />

letztere ordentlich gehandhabt werden. [21] Graber & Graber stellten die medizinische Ethik <strong>von</strong> Crowdsourcing im Internet im<br />

Journal of Medical Ethics. [22] in Frage. Sie haben die Auswirkungen <strong>von</strong> Spielen im Crowdsourcing Projekt Foldit analysiert. Sie<br />

folgern: Spiele können mögliche negative Effekte haben und den Benutzer zur Beteiligung manipulieren. Im März 2015<br />

verabschiedete der US-Bundesstaat Wyoming neue Gesetze (Senate Files 12 und 80), die das Sammeln <strong>von</strong> Umweltdaten im Namen<br />

der US-Regierung strafbar machen.<br />

Geschichte<br />

Bis zur Spezialisierung der Wissenschaften Ende des 18. Jahrhunderts, dem<br />

Aufkommen <strong>von</strong> technischen Universitäten und der Ausbildung eines modernen<br />

Wissenschaftsbetriebs war die Citizen Science sogar die Regel, <strong>von</strong> Francis Bacon<br />

über Isaac Newton und Leibniz bis Benjamin Franklin, Charles Darwin und Karl<br />

Marx. Im 19. Jahrhundert entstanden bürgerschaftlich getragene wissenschaftliche<br />

Vereine z. B. zur Naturkunde. Die eigenständigen Forschungsverbünde konnten<br />

selbstbestimmten Forschungsprogrammen folgen und eine andere Art <strong>von</strong> Wissen<br />

fördern als das an Universitäten gelehrte. Sie boten aber auch eine intellektuelle und institutionelle Basis <strong>für</strong> die Gründung neuer<br />

Universitäten wie z. B. die Universität Frankfurt. Aus sozialistischen Bewegungen gingen z. B. Arbeiterbildungsvereine hervor, die<br />

eigene Wege der Forschung insbesondere zu den Bereichen Gesellschaft, Wirtschaft und Politik entwickelten und die ihrerseits neue<br />

Forschungsfelder <strong>für</strong> Universitäten z. B. Soziologie eröffneten.<br />

Gespräch <strong>von</strong> Tim Pritlove mit<br />

Wissenschaftstheoretiker Peter Finke<br />

über Citizen Science. [23]<br />

Im 20. Jahrhundert wurde Citizen Science vor allem im Bereich der Geisteswissenschaften betrieben, deren Forschungen weniger<br />

<strong>von</strong> aufwändigen und teuren technischen Apparaturen abhängig sind als die naturwissenschaftliche Forschung. Angesichts <strong>von</strong><br />

technischen und sozialen Veränderungen durch die Industrialisierung wurden <strong>von</strong> interessierten Bürgern, die sich z. B. in Initiativen<br />

organisierten (Neue Soziale Bewegungen), gesellschaftlich relevante Fragen in Bereichen wie Umweltverschmutzung und<br />

Naturschutz oder zur Lokalgeschichte und Alltagskultur aufgeworfen, denen sich dann u.a. bürgerschaftlich getragene<br />

Geschichtsvereine und -werkstätten zuwandten.<br />

Im Zuge der kommunikativen Vernetzung durch das Internet, der Zunahme an sozialen Netzwerken, einem Pervasive computing und<br />

der Entwicklung und Verbreitung <strong>von</strong> Mikroelektronik wird die Ausübung einer Bürgerwissenschaft immer einfacher: Je mobiler und<br />

kleiner die technischen Geräte werden (IR-Spektrometer, Mikroskope, Tomographen, schnell verfügbare Karten und Luftbilder etc.),<br />

desto einfacher handhabbar sind sie <strong>für</strong> den Bürger.<br />

Verfechter einer Citizen Science bzw. Demokratisierung <strong>von</strong> Wissenschaft waren Paul Feyerabend sowie Erwin Chargaff, [24] der<br />

die finanzstarke, <strong>von</strong> staatlichen Zuwendungen abhängige technokratisch-bürokratische Wissenschaft seit 1950 kritisierte und wieder<br />

<strong>für</strong> eine Amateur-Wissenschaft plädierte, also eine Wissenschaft, ausgeübt nicht <strong>von</strong> Universitäten und Experten, sondern <strong>von</strong><br />

bürgerlichen Amateuren, die im Wortsinne die Forschung liebend bzw. aus persönlicher Neigung heraus betreiben.<br />

Ob die Bürgerwissenschaft allerdings eine gangbare Alternative darstellt, die <strong>für</strong> mehr Transparenz und demokratische Steuerung in<br />

den Wissenschaften sorgen kann, wird sehr kontrovers diskutiert. [25][26]<br />

Dass die Bürgerforscher neue epistemische Standards setzen, war, obgleich Peter Finkes [propagierte] "citizen<br />

scientists" seit der Aufklärung längst hilfreich mitwirken im wissenschaftlichen Routinebetrieb, weder <strong>für</strong><br />

Thomas S. Kuhn vorstellbar noch <strong>für</strong> Karl Popper oder den wissenschaftlichen Demokraten schlechthin, Ludwik<br />

Fleck. Es wäre wohl auch ein Rückschritt in die Zeiten, als die Wissenschaft gezwungen war, ihre Autorität und<br />

Erfolge gegen Pseudowissenschaften aller Art zu verteidigen.<br />

– JOACHIM MÜLLER-JUNG [25]


– JOACHIM MÜLLER-JUNG [25]<br />

Im weiteren Sinn ist auch die Autorenschaft in der <strong>Wikipedia</strong> häufig eine Form <strong>von</strong> Citizen Science, denn Sachartikel zu<br />

wissenschaftlichen Themen werden nicht selten <strong>von</strong> fachfremden Autoren geschrieben. Allerdings entfällt bei <strong>Wikipedia</strong> der<br />

Forschungsaspekt der Bürgerwissenschaft, da sie als Enzyklopädie nur gesichertes Wissen darstellt. [27] Anders sieht es bei dem<br />

ebenfalls <strong>von</strong> der Wikimedia Foundation gestarrten Projekt Wikiversity aus. Dort soll neben dem Erstellen und Bearbeiten <strong>von</strong> freien<br />

Lern- und Lernmaterialien auch Forschung stattfinden. [28]<br />

Österreich<br />

Seit der Mitte des 19. Jahrhunderts werden mit Hilfe der Bevölkerung an der Zentralanstalt <strong>für</strong> Meteorologie und Geodynamik<br />

phänologische Beobachtungen durchgeführt. [29] <strong>Eine</strong> jahrzehntelange Tradition in der Einbindung <strong>von</strong> Bürgern findet sich auch in<br />

der Ornithologie, woraus zum Beispiel der österreichische Brutvogelatlas entstanden ist. [30] Seit ungefähr 10 Jahren können auf der<br />

Plattform naturbeobachtung.at Daten zur Artenvielfalt in Österreich eingetragen werden. [31]<br />

Im Jahr 2014 wurde die erste österreichische Citizen Science Online-Plattform Österreich forscht <strong>von</strong> der Arbeitsgruppe Citizen<br />

Science an der Universität <strong>für</strong> Bodenkultur Wien gegründet. [32] Diese hat zur Aufgabe <strong>einen</strong> Überblick über Citizen Science Projekte<br />

in Österreich zu geben, die österreichischen Akteure zu vernetzen und die jährliche Österreichische Citizen Science Konferenz<br />

auszutragen. Ebenfalls seit dem Jahr 2014 ist das Thema Citizen Science auch bei der Jahrestagung der Gesellschaft <strong>für</strong> Ökologie <strong>für</strong><br />

Deutschland, Österreich und Schweiz fest verankert. Im ersten Jahr fand ein Workshop zu Citizen Science statt und seit 2015 gibt es<br />

auch eine spezielle Session zu Citizen Science in der Ökologie, bei der Themen wie Datenqualität, Biodiversitätsmonitoring und<br />

Wissenschaftskommunikation präsentiert und diskutiert wurden. Im Juni 2015 wurde vom Bundesministerium <strong>für</strong> Wissenschaft,<br />

Forschung und Wirtschaft (BMWFW) das Zentrum <strong>für</strong> Citizen Science bei der OeAD-GmbH eingerichtet. [33] Das Zentrum ist eine<br />

Service- und Informationsstelle <strong>für</strong> Citizen Science, Open Innovation und Responsible Science, dessen Aufgabe es ist, Forschende<br />

sowie Bürgerinnen und Bürger über Projekte, Tools, News und Veranstaltungen zu informieren, zu beraten und zu vernetzen. Des<br />

Weiteren ist das Zentrum Programmträger <strong>für</strong> die Förderinitiative Top Citizen Science [34] , die vom BMWFW, Wissenschaftsfonds<br />

FWF und OeAD initiiert wurde, und vergibt seit 2015 zusammen mit österreichischen Citizen Science-Projekten jährlich Citizen<br />

Science Awards [35] an engagierte Bürgerinnen und Bürger.<br />

Seit dem Sommersemester 2016 wird an der Universität <strong>für</strong> Bodenkultur Wien eine Lehrveranstaltung zu Citizen Science in der<br />

Ökologie angeboten. [36] Hier sollen Studierende lernen wie ein Citizen Science Projekt gestaltet wird, dessen Ergebnisse in<br />

wissenschaftlichen Publikationen veröffentlicht werden können. <strong>Eine</strong> Liste mit weiteren Lehrveranstaltungen mit dem Thema Citizen<br />

Science in Österreich findet sich auf der Plattform Österreich forscht. [37]<br />

Beispiele<br />

Die meisten der bekannten Projekte entfallen zwar auf die Citizen Science light Variante, aber nicht bei allen beschränkt sich die<br />

Mitarbeit <strong>von</strong> Laien nur auf Datensammlerei, sondern mittels verteilter Berechnungen können Laien z. B. im Rahmen <strong>von</strong><br />

Einstein@home an der Entdeckung <strong>von</strong> Pulsaren mitwirken. [38] Im Online-Spiel Foldit [39] beispielsweise können Laien selbst<br />

Protein-Faltungsstrukturen designen und gar stabilere Formen (z. B. <strong>von</strong> Fibronectin) finden, die dann wiederum in kostenintensiven<br />

Labors an den Universitäten synthetisiert werden können (Hand, 2010).<br />

Vereinigte Staaten<br />

Das seit längstem stattfindende Projekt ist das Vogelzähl-Projekt der National Audubon Society, Christmas Bird Count, das im Jahre<br />

1900 begann. Andere bekannte Beispiele sind das Projekt World Water Monitoring Day, [40] NASAs Stardust@home und<br />

Clickworkers und das Galaxy Zoo project, eine Vielzahl <strong>von</strong> Projekten des Cornell Laboratory of Ornithology, [41] wie zum Beispiel<br />

Ebird, NestWatch, [42] Project FeederWatch [43] und Celebrate Urban Birds. [44] Beim Old Weather Project helfen Laien bei der<br />

Transkription <strong>von</strong> Klimadaten aus US-Schiffslogbüchern ab der Mitte des 19. Jahrhunderts. Mit Hilfe dieser Daten sollen bessere<br />

Klimamodelle erstellt werden. [45]


<strong>Eine</strong> wichtige Rolle spielt Citizen Science bei der Entdeckung und Überwachung <strong>von</strong> biologischen Invasionen. Nicht nur werden<br />

eingeschleppte Arten meist <strong>von</strong> Bürgerinnen und Bürgern entdeckt, oft helfen sie auch bei deren Monitoring. Da invasive Arten sich<br />

schnell über große Gebiete ausbreiten können, ist eine Überwachung dieser Ausbreitung nur mit Hilfe <strong>von</strong> Ansässigen möglich.<br />

<strong>Eine</strong>rseits kann die Untersuchung auf diese Weise kosteneffizient durchgeführt werden (dies ist auch ein großer Kritikpunkt an<br />

Citizen Science; Aufgaben, die <strong>von</strong> Behörden durchgeführt werden sollten, werden <strong>von</strong> Bürgern kostenlos gemacht), andererseits<br />

fließen auch die Kenntnisse <strong>von</strong> Ortskundigen ein, die ihre Umwelt genau kennen und so bessere Daten liefern. Ein gut<br />

dokumentiertes Beispiel hier<strong>für</strong> wäre ein Monitoring zweier eingeschleppter Krabbenarten an der Ostküste der Vereinigten<br />

Staaten. [46]<br />

Deutschland<br />

Beispiele aus Deutschland sind die naturgucker.de oder der Mückenatlas. Ein weiteres ist das seit 2005 durchgeführte Projekt<br />

Tagfalter-Monitoring Deutschland [47] mit etwa 500 Beteiligten. Ein Beispiel <strong>für</strong> ein lokal fokussiertes Citizen Science-Projekt sind<br />

die StadtteilHistoriker in Frankfurt am Main mit 120 Teilnehmern seit 2007. [48] Ein Überblick darüber hinaus in Deutschland<br />

laufender Projekte findet sich auf der Plattform Bürger schaffen Wissen. [49] Am 1. August 2016 hat das Bundesministerium <strong>für</strong><br />

Bildung und Forschung ein Programm zur Förderung <strong>von</strong> bürgerwissenschaftlichen Vorhaben aufgelegt. [50]<br />

Österreich<br />

Beispiele aus Österreich sind naturbeobachtung.at, [51] Stunde der Wintervögel, [52] das Biodiversitätsmonitoring mit<br />

Landwirten, [53] die Meldeplattform <strong>von</strong> Amphibien und Reptilien [54] und das Sparkling Science Projekt Viel-Falter. [55] Das<br />

Projekt Viel-Falter beschäftigt sich zudem mit der Frage, ob und wie <strong>von</strong> Schülern gesammelte Daten über das Vorkommen <strong>von</strong><br />

Schmetterlingen als Unterstützung <strong>für</strong> ein dauerhaftes Biodiversitäts-Monitoring in Österreich herangezogen werden können. Es<br />

zeigte sich, dass die <strong>von</strong> den Schulklassen gesammelten Daten über das Vorkommen bestimmter Tagfaltergruppen - trotz fehlender<br />

Artbestimmung - wichtige Informationen über die Qualität der untersuchten Schmetterlingslebensräume liefern [56] . Diese<br />

erfreulichen Ergebnisse veranlasste das Team das Projekt im Rahmen der Top Citizen Science Initiative mit freiwilligen<br />

Schmetterlingsbeobachtern fortzusetzen. Im seit März 2014 laufenden Projekt Roadkill steht die Erfassung und zukünftige<br />

Vermeidung <strong>von</strong> im Straßenverkehr getöteten Wirbeltieren im Fokus. [57] An der Universität <strong>für</strong> Bodenkultur Wien (BOKU) wird der<br />

Citizen-Science-Ansatz in der Lehre unter Beteiligung <strong>von</strong> mehreren Hundert Studierenden eingesetzt. [58]<br />

Auch sozial- und geisteswissenschaftliche Projekte sind in Österreich vertreten wie die Top Citizen Science-Projekte Der<br />

Partizipationsradar [59] und Unsere vertriebenen Nachbarn [60] . Ersteres sammelt politische Mitgestaltungsangebote (z. B.<br />

Petitionen oder öffentliche Versammlungen), um eine umfassende Bestandsaufnahme der Partizipationsangebote in Österreich, online<br />

wie offline, zu erstellen. Zweiteres erforscht das Leben und Schicksal der jüdischen Bevölkerung Niederösterreichs vor, während und<br />

nach der NS-Zeit.<br />

Siehe auch<br />

Do-it-yourself-Biologie<br />

Literatur<br />

Erwin Chargaf: Das Feuer des Heraklit.1979.<br />

Paul Feyerabend: Erkenntnis <strong>für</strong> freie Menschen. 1978.<br />

Peter Finke: Citizen Science: Das unterschätzte Wissen der Laien. oekom verlag, München 2014, ISBN 978-3-<br />

86581-466-1.<br />

Janis L. Dickinson, Rick Bonney: Citizen Science: Public Participation in Environmental Research.Cornell University<br />

Press, 2012.<br />

Michael Hagner: Wissenschaft und Demokratie.Suhrkamp, 2012, ISBN 978-3-518-26047-0.<br />

Eric Hand: Citizen Science: People Power. In: Nature. Band 466 (2010), S. 685–687. [61]


Dick Kasperowsik im Interview mit Ulrich Herb: Citizen Science als Demokratisierung der Wissenschaft? In: telepolis,<br />

27. August 2016<br />

Michael Vogel: Die Macht der Sterngucker. In: Bild der Wissenschaft. Heft 9 (2010), S. 47 f. (über Hobbyastronomen<br />

und ihre Entdeckungen)<br />

Grünbuch Citizen Science Strategie 2020 <strong>für</strong> Deutschland(2016)<br />

Chiara Franzoni & Henry Sauermann: Crowd Science: The organization of scientific research in open collaborative<br />

projects, Research Policy 2014<br />

Weblinks<br />

Commons: Citizen science – <strong>Sammlung</strong> <strong>von</strong> Bildern, Videos und Audiodateien<br />

Science for Citizens<br />

Citizen Science Projekte in Deutschland (Übersicht)<br />

Citizen Science Projekte in Österreich (Übersicht)<br />

Citizen-Science:Germany<br />

Verein zur Förderung <strong>von</strong> Bürgerwissenschaft e.V.<br />

Zooniverse (Englischsprachige Projekte)<br />

Einzelnachweise<br />

1. Hauke Riesch, Clive Potter: Citizen science as seen by scientists: Methodological, epistemological and ethical<br />

dimensions. In: Public Understanding of Science. Band 23, Nr. 1. SAGE Publications, August 2013, ISSN 0963-6625<br />

(http://dispatch.opac.d-nb.de/DB=1.1/CMD?ACT=SRCHA&IKT=8&TRM=0963-6625) , S. 107–120,<br />

doi:10.1177/0963662513497324(https://dx.doi.org/10.1177%2F0963662513497324)(englisch).<br />

2. Tom Horlick-Jones: Book Reviews: Citizen Science: A Study of People, Expertise and Sustainable Development, by<br />

Alan Irwin. In: Science, Technology, & Human Values. Band 22, Nr. 4. SAGE Publications, Oktober 1997,<br />

ISSN 0162-2439 (http://dispatch.opac.d-nb.de/DB=1.1/CMD?ACT=SRCHA&IKT=8&TRM=0162-2439) , S. 525–527,<br />

doi:10.1177/016224399702200406(https://dx.doi.org/10.1177%2F016224399702200406)(englisch).<br />

3. Rick Bonney, Heidi Ballard, Rebecca Jordan,Ellen McCallie, Tina Phillips, Jennifer Shirk, Candie C. Wilderman:<br />

Public Participation in Scientific Research: Defining the Field and Assessing Its Potential for Informal Science<br />

Education – A CAISE Inquiry Group Report.(http://www.birds.cornell.edu/citscitoolkit/publications/CAISE-PPSR-repo<br />

rt-2009.pdf) In: birds.cornell.edu. Center for Advancement of Informal Science Education (CAISE); Juni 2009;<br />

abgerufen am 5. Dezember 2017(PDF; 3,3 MB, englisch).<br />

4. Katherine Connor Martin: New words notes June 2014.(https://web.archive.org/web/20140616031954/http://public.o<br />

ed.com/the-oed-today/recent-updates-to-the-oed/june-2014-update/new-words-notes-june-2014/) In: oed.com.<br />

Oxford University Press; 2014; archiviert vom Original (http://derefer.unbubble.eu?u=http://public.oed.com/the-oed-to<br />

day/recent-updates-to-the-oed/june-2014-update/new-words-notes-june-2014/)am 16. Juni 2014; abgerufen am<br />

5. Dezember 2017 (englisch).<br />

5. Citizen science. (http://www.oed.com/view/Entry/33513?redirectedFrom=citizen+science#eid316619123)In:<br />

oed.com. Oxford University Press; abgerufen am 5. Dezember 2017(englisch, Anmeldung erforderlich).<br />

6. Green Paper on Citizen Science: Citizen Science for Europe – Towards a better society of empowered citizens and<br />

enhanced research. (https://web.archive.org/web/20131203031453/http://www.socientize.eu/sites/default/files/Gree<br />

n%20Paper%20on%20Citizen%20Science%202013.pdf)In: socientize.eu. Socientize; 2013; archiviert vom Original<br />

(http://derefer.unbubble.eu?u=http://www.socientize.eu/sites/default/files/Green%20Paper%20on%20Citizen%20Sci<br />

ence%202013.pdf) am 12. März 2013; abgerufen am 5. Dezember 2017(PDF; 857 KB, englisch).<br />

7. Dawn A. Osborn, John S. Pearse, Christy A. Roe: Monitoring Rocky Intertidal Shorelines: A Role for the Public in<br />

Resource Management. In: California and the World Ocean '02: Revisiting and Revising California's Ocean Agenda .<br />

American Society of Civil Engineers, 2005, ISBN 978-0-7844-0761-5, S. 624–635, doi:10.1061/40761(175)57 (http<br />

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8. D. Brossard, B. Lewenstein, R. Bonney: Scientific knowledge and attitude change: The impact of a citizen science<br />

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F09500690500069483).<br />

9. M. W. Bauer, K. Petkova, P. Boyadjieva: Public Knowledge of and Attitudes to Science: Alternative Measures That<br />

May End the "Science War". In: Science, Technology & Human Values. 25, 2000, S. 30.<br />

doi:10.1177/016224390002500102(https://dx.doi.org/10.1177%2F016224390002500102) .<br />

10. R. Bonney, C. B. Cooper, J. Dickinson, S. Kelling, T. Phillips, K. V. Rosenberg, J. Shirk: Citizen Science: A<br />

Developing Tool for Expanding Science Knowledge and Scientific Literacy. In: BioScience. 59, Nr. 11, 2009, S. 977.<br />

doi:10.1525/bio.2009.59.11.9(https://dx.doi.org/10.1525%2Fbio.2009.59.11.9) .


11. J. Silvertown: A new dawn for citizen science. In: Trends in Ecology & Evolution. 24, Nr. 9, 2009, S. 467–201.<br />

doi:10.1016/j.tree.2009.03.017(https://dx.doi.org/10.1016%2Fj.tree.2009.03.017) .<br />

12. B. Lewenstein: What does citizen science accomplish?(http://ecommons.library.cornell.edu/handle/1813/37362).<br />

Cornell University. 8. Juni 2004. Abgerufen am 16. September 2014.<br />

13. Von Hippel, Frank: Citizen scientist. American Institute of Physics, New York 1991, ISBN 0-88318-709-4.<br />

14. Beckwith, Jonathan R.: Making genes, making waves: a social activist in science. Harvard University Press,<br />

Cambridge 2002, ISBN 0-674-00928-2.<br />

15. Neal Lane, "Remarks" at Panel Discussion on Future of Federal Funding for Science and Engineering, Rutgers<br />

University, April 8, 1996. Steve Schneider remarks at AAAS meeting, February 1997(http://www.nsf.gov/news/speec<br />

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16. F. Clark, D. L. Illman: Dimensions of Civic Science: Introductory Essay. In: Science Communication. 23, 2001, S. 5.<br />

doi:10.1177/1075547001023001002(https://dx.doi.org/10.1177%2F1075547001023001002) .<br />

17. Haklay, Muki (2012) in Citizen Science and Volunteered Geographic Information: Overviewand Typology of<br />

Participation. Crowdsourcing Geographic Knowledge. 2013, pp 105-122.<br />

18. Eric Larson: What Is Citizen Science, and How Can You Get Involved? (http://mashable.com/2014/05/26/citizen-scie<br />

nce/). In: Mashable. 26. Mai 2014.<br />

19. A. Williams: Crowdsourcing versus citizen science(http://anthonydwilliams.com/2009/02/09/crowdsourcing-versus-ci<br />

tizen-science). Anthony D. Williams. 9. Februar 2009. Abgerufen am 15. September 2014.<br />

20. Thelen, Brett Amy; and Thiet, Rachel K.: Cultivating connection: Incorporating meaningful citizen science into Cape<br />

Cod National Seashore's estuarine research and monitoring programs . In: ParkScience (Hrsg.): Park Science. Band<br />

25, Nr. 1, 2008, ISSN 1090-9966 (http://dispatch.opac.d-nb.de/DB=1.1/CMD?ACT=SRCHA&IKT=8&TRM=1090-996<br />

6) (nps.gov (http://www.nature.nps.gov/ParkScience/index.cfm?ArticleID=236&Page=1)[abgerufen am 11. Oktober<br />

2012]).<br />

21. M.M. Gardiner, L.L Allee, P.M.J. Brown, J.E. Losey, H.E. Roy, R. Rice Smyth: Lessons from lady beetles: accuracy of<br />

monitoring data from US and UK citizen-science programs. In: Frontiers in Ecology and the Environment . 10,<br />

November 2012. doi:10.1890/110185 (https://dx.doi.org/10.1890%2F110185).<br />

22. M.A. Graber and A. Graber: Internet-based crowdsourcing and research ethics:the case for IRB review. In: The<br />

Journal of Medical Ethics. 30. November 2012. doi:10.1136/medethics-2012-100798(https://dx.doi.org/10.1136%2F<br />

medethics-2012-100798).<br />

23. Podcast Forschergeist des Stifterverbands <strong>für</strong> die Deutsche Wissenschaft : Citizen Science (http://forschergeist.de/p<br />

odcast/fg002-citizen-science/)(Folge 2, 17. November 2014)<br />

24. Erwin Chargaf: Ernste Fragen. (http://www.literaturhaus.at/index.php?id=3693&L=0)<br />

25. Joachim Müller-Jung: Avanti Dilettanti? Forschung <strong>von</strong> Laien <strong>für</strong> Laien: Nach der Rede <strong>von</strong> Akademiepräsident<br />

Günter Stock wird heftig über die sogenannte „Bürgerwissenschaft“ debattiert. In: FAZ. 3. September 2014.<br />

26. Demokratisierung der Wissenschaft: Pluralismus ist nicht erwünscht.(http://www.taz.de/!141685/) In: TAZ. 4. Juli<br />

2014.<br />

27. <strong>Wikipedia</strong>:Was <strong>Wikipedia</strong> nicht ist<br />

28. Wikiversity:Forschung – Wikiversity. (https://de.wikiversity.org/wiki/Wikiversity:Forschung) Abgerufen am<br />

1. Dezember 2017.<br />

29. phenowatch.at (http://www.phenowatch.at/)<br />

30. birdlife.at (http://www.birdlife.at/atlas/)<br />

31. naturbeobachtung.at (http://www.naturbeobachtung.at/platform/mo/nabeat/index.do/)<br />

32. citizen-science.at (http://www.citizen-science.at/)<br />

33. Zentrum <strong>für</strong> Citizen Science.(https://www.zentrumfuercitizenscience.at/)Abgerufen am 5. September 2016.<br />

34. Top Citizen Science. (https://www.zentrumfuercitizenscience.at/de/top-citizen-science) Abgerufen am 5. September<br />

2016.<br />

35. Citizen Science Award. (https://www.zentrumfuercitizenscience.at/de/award) Abgerufen am 5. September 2016.<br />

36. boku.ac.at/lehrveranstaltungen(http://www.boku.ac.at/lehrveranstaltungen/lva/277328/)<br />

37. citizen-science.at/in-der-lehre(http://www.citizen-science.at/in-der-lehre/an-der-hochschule/)<br />

38. Einstein@Home (http://www.einsteinathome.org/)<br />

39. Foldit (http://fold.it/portal/)<br />

40. World Water Monitoring Day (http://www.worldwatermonitoringday.org/)<br />

41. Cornell Laboratory of Ornithology Projects(http://www.birds.cornell.edu/LabPrograms/citSci/index.html)<br />

42. NestWatch (http://watch.birds.cornell.edu/nest/home/index)<br />

43. Project FeederWatch (http://www.birds.cornell.edu/pfw/)<br />

44. Celebrate Urban Birds (http://www.birds.cornell.edu/celebration)<br />

45. Old Weather Project (http://www.oldweather.org/)<br />

46. biology.mcgill.ca (http://biology.mcgill.ca/faculty/leung/articles/CSI_BINV480_Delaney.pdf)<br />

47. Tagfalter Monitoring (http://www.tagfalter-monitoring.de/)


48. StadtteilHistoriker (http://www.stadtteilhistoriker.de/)<br />

49. Projektübersicht bei "Bürger schaffen Wissen" (http://buergerschafenwissen.de/projekte-finden)<br />

50. Richtlinie zur Förderung <strong>von</strong> bürgerwissenschaftlichen Vorhaben (Citizen Science).(https://www.bmbf.de/foerderung<br />

en/bekanntmachung-1224.html)In: Bundesanzeiger. BMBF; 1. August 2016; abgerufen am 3. August 2016.<br />

51. naturbeobachtung.at (http://www.naturbeobachtung.at/)<br />

52. Stunde der Wintervögel(http://www.stunde-der-wintervoegel.at/)<br />

53. Biodiversitätsmonitoring mit LandwirtInnen(http://www.biodiversitaetsmonitoring.at/index.php/de/)<br />

54. Meldeplattform <strong>von</strong> Amphibien und Reptilien(http://www.herpetofauna.at/)<br />

55. Viel-Falter (http://www.viel-falter.at/)<br />

56. Johannes Rüdisser, Erich Tasser, Janette Walde, Peter Huemer, Kurt Lechner: Simplified and still meaningful:<br />

assessing butterfly habitat quality in grasslands with data collected by pupils . In: Journal of Insect Conservation.<br />

Band 21, Nr. 4, 1. August 2017, ISSN 1366-638X (http://dispatch.opac.d-nb.de/DB=1.1/CMD?ACT=SRCHA&IKT=8&<br />

TRM=1366-638X), S. 677–688, doi:10.1007/s10841-017-0010-3(https://dx.doi.org/10.1007%2Fs10841-017-0010-3)<br />

(Online (https://link.springer.com/article/10.1007/s10841-017-0010-3)[abgerufen am 22. August 2017]).<br />

57. Projekt Roadkill (http://www.citizen-science.at/projekte/roadkill/projektbeschreibung/)<br />

58. Roadkill-App (http://forschen-entdecken.at/Roadkill-App-Boku-Wien-Florian-Heigl-Interview-Citizen-Science.16210+<br />

M54a708de802.0.html)<br />

59. Der Partizipationsradar. (https://www.zentrumfuercitizenscience.at/de/p/der-partizipationsradar)Abgerufen am<br />

5. September 2016.<br />

60. Unsere vertriebenen Nachbarn.(https://www.zentrumfuercitizenscience.at/de/p/our-expelled-neighbours)Abgerufen<br />

am 5. September 2016.<br />

61. Eric Hand: Citizen science: People power. In: Nature. Nr. 466. Macmillan Publishers, 2010, ISSN 0028-0836 (http://d<br />

ispatch.opac.d-nb.de/DB=1.1/CMD?ACT=SRCHA&IKT=8&TRM=0028-0836) , S. 685–687, doi:10.1038/466685a (htt<br />

ps://dx.doi.org/10.1038%2F466685a)(englisch).<br />

Abgerufen <strong>von</strong> „https://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Citizen_Science&oldid=171698625 “<br />

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Civic Technology<br />

Civic Technology steht <strong>für</strong> technische Konzepte (insbesondere aus dem Bereich der Informationstechnik), die Engagement und<br />

Beteiligung <strong>von</strong> Bürgerinnen und Bürgern fördern. Schwerpunktbereiche bilden dabei die Schaffung <strong>von</strong><br />

Kommunikationsplattformen, die Verbesserung öffentlicher Infrastrukturen und Technik-zentrische Verbesserungen des<br />

Allgemeinwohls. [1][2][3]<br />

Civic Technology wird <strong>von</strong> unterschiedlichen Unternehmen, Organisationen und Initiativen entwickelt. Ein bekanntes Beispiel ist die<br />

Initiative Code for America (deutsches Pendant: Code for Germany), die als gemeinnützige Organisation mit den<br />

Arbeitsschwerpunkten Transparenz und Open Data tätig ist. Gestartet ist das Programm 2014 in Deutschland mit der Gründung <strong>von</strong><br />

Open Knowledge Labs in acht deutschen Städten. Die Labs sind regionale Gruppen <strong>von</strong> Aktivistinnen, Designern, Entwicklerinnen,<br />

Journalisten und anderen Interessierten, die sich regelmäßig treffen, um an gesellschaftlich nützlichen Anwendungen rund um offene<br />

Daten zu arbeiten. [4]<br />

Basis bisher realisierter Civic-Technology-Anwendungen sind offene Verwaltungsdaten wie Finanzdaten, Umweltdaten, Daten zu<br />

Bildungseinrichtungen und statistische Daten. Aus diesen Daten entstehen Anwendungen wie beispielsweise der fene Of Haushalt, ein<br />

Visualisierungswerkzeug <strong>für</strong> Finanzdaten, und Ratsinformationssysteme. [5]<br />

Einzelnachweise<br />

1. Civic Tech: Entrepreneurship Opportunities(http://codeforamerica.org/startups/civic-entrepreneurship-2014/) .<br />

2. Nick Bilton: New York Times: Changing Government and Tech With Geeks (http://bits.blogs.nytimes.com/2010/07/0<br />

6/changing-government-and-tech-with-geeks/?_php=true&_type=blogs&_php=true&_type=blogs&_r=1) .<br />

3. But What Is Civic? (http://civichall.org/civicist/what-is-civic/).<br />

4. Über Code for Germany(http://codefor.de/ueber/).<br />

5. Code-for-Germany-Flyer zum digitalen Engagement (http://codefor.de/assets/presse/Flyer_Code%20for%20German<br />

y.pdf).<br />

Abgerufen <strong>von</strong> „https://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Civic_Technology&oldid=162988897“<br />

Diese Seite wurde zuletzt am 25. Februar 2017 um 08:04 Uhr bearbeitet.<br />

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Co-Counselling<br />

Co-Counselling (im US-amerikanischen Englisch: co-counseling) ist eine Psychotherapie ohne Therapeuten, die in der Regel in<br />

Form <strong>von</strong> Selbsthilfegruppen stattfindet. In einer kurzen Ausbildung (in der Regel zwei Wochenenden) werden die Grundlagen<br />

erlernt, mit denen die Nutzer und Nutzerinnen des Co-Counselling befähigt werden sollen, sich gegenseitig in therapeutischen<br />

Sitzungen zu unterstützen. Neben den beiden großen Organisationen Re-evaluation Counseling (RC), mit Sitz in Seattle, USA, und<br />

Co-Counselling International (CCI) wird die Praxis des Co-Counselling auch <strong>von</strong> anderen Organisationen oder Bewegungen<br />

angeboten, in Deutschland beispielsweise als Bestandteile der Gruppentherapien FORT und MRT.<br />

Die psychologische Theorie, auf der Co-Counselling basiert, besagt im Wesentlichen, dass Menschen zwar ungesunde<br />

Verhaltensmuster entwickelten, gleichwohl aber das Potential in sich trügen, diese zu durchbrechen. Kinder verlören im Laufe ihrer<br />

Sozialisation ihre Fähigkeit zu spontanen Gefühlsäußerungen. Konflikte könnten dadurch nicht mehr angemessen bewältigt werden<br />

und sich festfressen.<br />

In der Regel finden Co-Counselling-Sitzungen zu zweit oder zu dritt statt. <strong>Eine</strong> Person arbeitet, während die anderen unterstützen.<br />

Anschließend wird nach einer genau festgelegten Zeit gewechselt, so dass jede Person gleich viel Aufmerksamkeit <strong>für</strong> ihre Arbeit<br />

bekommt. Zusätzlich bestehen Angebote <strong>von</strong> Co-Counselling-Initiativen <strong>für</strong> Gruppentreffen, Supervision und Vertiefungen der<br />

Arbeit. In Co-Counselling-Sitzungen wird trainiert, Gefühle zu zeigen, sie herauszulassen, was beinhaltet, dass die arbeitende Person<br />

mitunter hemmungslos weint, laut schreit, auf Matratzen einschlägt oder lacht. Dieses Entlasten könne katharsische Wirkungen<br />

haben, womit gemeint ist, dass fortan Verhaltensmuster nicht mehr ausgeübt würden. Die unterstützende Person gibt keine<br />

Ratschläge, sondern hilft der arbeitenden Person nur sehr vorsichtig dabei, in ihre Gefühle hineinzugehen. Ein weiteres Ziel der Co-<br />

Counseling ist es, Situationen zu klären oder „Neubewertungen“ zu erreichen, d. h. ein besseres Verständnis oder eine andere<br />

kognitive Bewertung eines Problems.<br />

Co-Counselling wurde 1957 durch den US-Amerikaner Harvey Jackins gegründet.<br />

Anfang der 1970er Jahre kam es zum Schisma. Von der Re-evaluation Counseling (RC) spalteten sich einzelne Co-Counselling-<br />

Gruppen ab, welche - vor allem durch die Arbeit des britischen Psychologen John Heron - das Co-Counselling International (CCI)<br />

aufbauten. Das eher hierarchisch organisierte RC-Counselling besitzt ein sehr politisches Selbstverständnis, knüpft an feministische<br />

und marxistische Theorien an und treibt entsprechend die Gründung <strong>von</strong> Gruppen zur Selbstbefreiung voran. Das CCI hingegen legt<br />

<strong>einen</strong> größeren Wert auf Offenheit <strong>für</strong> eine Vielzahl <strong>von</strong> therapeutischen Methoden, ist eher spirituell orientiert, aber weniger<br />

politisch engagiert.<br />

Techniken aus dem Co-Counselling sind auch ein wesentliches Element der Radikalen Therapie (MRT, FORT).<br />

Literatur<br />

Siglind Willms, Johannes Risse(2011): Zum Frieden befreien Selbsthilfe durch Co-CounsellingVerlag Sozio-<br />

Publishing: ISBN 978-3-935431-19-4<br />

Anja Meulenbelt (1983): Weiter als die Wut. Aufsaetze. München: Verlag Frauenofensive<br />

Karola Berger (1996): Co-Counseln: Die Therapie ohne TherapeutReinbek bei Hamburg: Rowohlt Taschenbuch<br />

Verlag ISBN 3-499-19954-8<br />

Harvey Jackins (1975): The Human Side of Human Beings. The Theory of Re-evaluation Counselling , Rational<br />

Island Publischers / PO Box 2081 / Main Of fice Station / Seattle / Washington 98111 / USA<br />

Harvey Jackins (1970): Fundamentals of Co-counselling Manual , Rational Island Publischers / PO Box 2081 / Main<br />

Office Station / Seattle / Washington 98111 / USA<br />

John Heron (1979): Co-Counselling. Manual for Basic Training Courses. Human Potential Research Projekt /<br />

Department of Adult Education / University of Surrey / Guildford GU2 5XH / England<br />

John Heron (1977): Co-Counselling Teacher's Manual, British PG Medical Federation / University of London


Weblinks<br />

Reevaluation Counseling (USA) Homepage<br />

Co-Counselling International (CCI)<br />

Co-Counselling Niederlande<br />

CCI-Netzwerk Deutschland<br />

Co-Counselling Hamburg (CCI)<br />

Co-Counselling Kiel (CCI)<br />

Counsel-Initiative Münsterland (CIM/CCI)<br />

E-Learning-Plattform zum Co-Counseln (CCI)<br />

Abgerufen <strong>von</strong> „https://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Co-Counselling&oldid=168779683 “<br />

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Commons<br />

Commons (<strong>von</strong> latein. communis; <strong>von</strong> com und munus; engl. common; dt. gemein(sam)) ist ein im Deutschen zunehmend<br />

verwendeter Begriff. Er bezeichnet Ressourcen (Code, Wissen, Nahrung, Energiequellen, Wasser, Land, Zeit u.a.), die aus<br />

selbstorganisierten Prozessen des gemeinsamen bedürfnisorientierten Produzierens, Verwaltens, Pflegens und/oder Nutzens<br />

(Commoning) hervorgehen. [1][2][3] Commons werden vielfach "jenseits <strong>von</strong> Markt und Staat" verortet, womit vor allem gemeint ist,<br />

dass in Commons-Kontexten andere Handlungslogiken dominieren. [4][5]<br />

Inhaltsverzeichnis<br />

1 Begriffsabgrenzung<br />

1.1 Gemeingut<br />

1.2 Allmende<br />

1.3 Gemeineigentum<br />

1.4 Share Economy<br />

2 Typologisierung und ihre Kritik<br />

3 Unterschiedliche Zugänge<br />

3.1 Commons aus historischer Perspektive<br />

3.1.1 Magna Carta und Charter of the Forest<br />

3.1.2 Einhegungen und Gegenbewegungen - gestern und heute<br />

3.2 Ökonomischer Zugang<br />

3.2.1 Gütertheorie<br />

3.2.2 Tragik der Allmende (Tragedy of the Commons)<br />

3.2.3 Institutionenökonomischer Ansatz<br />

3.2.4 Komödie der Commons und Tragik der Anti-Commons<br />

3.2.5 Experimenteller Zugang in Psychologie und Verhaltensökonomik<br />

3.3 Commons als sozialer Prozess<br />

3.3.1 Commoning als zentrale Definitionskategorie <strong>von</strong> Commons<br />

3.3.2 Selbstorganisation<br />

3.4 Care und Commons<br />

3.5 Paradigma/Weltsicht<br />

4 Gesellschaftliche Verallgemeinerung<br />

4.1 Commons Transition<br />

4.2 Commons-based Peer Production<br />

4.3 Peer-Ökonomie<br />

4.4 Ecommony<br />

4.5 Commonismus<br />

5 Beispiele<br />

6 Literatur<br />

7 Weblinks<br />

8 Einzelnachweise<br />

Begriffsabgrenzung


Die Vielschichtigkeit wie auch die unterschiedlichen Verwendungsweisen und Übersetzungen des Begriffs führen häufig zu<br />

Missverständnissen.<br />

Der Geographieprofessor James McCarthy betrachtet Commons als Schlüsselbegriff, a complex word with a wide range of active<br />

meanings, involving ideas and values, with which we attempt to understand, represent and influence the practices and relationships<br />

central to contemporary culture and society [6] Der US-amerikanische Commons-Forscher David Bromley merkte 1992 an, dass es in<br />

der Literatur über natürliche Ressourcen und Umweltpolitik schwierig sei, eine so missverstandenes Konzept wie das der Commons<br />

zu finden. [7]<br />

Ähnlich wie im Deutschen gemein bzw. Gemeinheit, hat auch das englische Commons im Verlauf der Zeit<br />

Bedeutungsverschiebungen <strong>von</strong> vernakular bzw. gemeinsam hin zu allgemein, ordinär und bösartig, hinterhältig, niederträchtig<br />

erfahren. [8] Häufige Übertragungen in den deutschen Sprachraum wie Gemeingut, Allmende oder Gemeineigentum sind weder mit<br />

dem Commons-Begriff noch untereinander deckungsgleich. Sie betonen jeweils bestimmte Aspekte, erfassen jedoch nicht das<br />

gesamte Bedeutungsspektrum <strong>von</strong> Commons. Da sie mit güterzentrierten, rechtsformzentrierten und eigentumszentrierten<br />

Vereinseitigungen verbunden sind, setzt sich die direkte Verwendung des Begrifs Commons im Deutschen immer mehr durch.<br />

Gemeingut<br />

Der aus der volkswirtschaftlichen Gütertheorie des 20. Jahrhunderts stammende Begriff Gemeingut (auch Kollektivgut) wird <strong>von</strong><br />

Eigenschaften abgeleitet, die dem Gut selbst zugeschrieben werden. [9][10][11] So werden öffentliche Güter als Güter bezeichnet, bei<br />

denen es schwer ist, Menschen vom Zugang auszuschließen. Und Allmendegüter beziehungsweise Gemeingüter als solche, bei denen<br />

es k<strong>einen</strong> Ausschluss gebe, aber Rivalität im Konsum. Demgegenüber betont zum Beispiel die Ökonomin Friederike Habermann,<br />

dass die Nutzungsweise eines Gutes - also wer, warum <strong>von</strong> der Nutzung ausgeschlossen wird, stets sozial festgelegt wird. [12] Sie ist<br />

keine genuine Eigenschaft einer Sache selbst. Ausschluss wird hier als Ergebnis aktiven Tuns verstanden. Der Begriff Gemeingut<br />

entspricht dem englischen Common Good bzw. Common Pool Ressource (CPR).<br />

Allmende<br />

Häufig werden Commons mit Allmende ins Deutsche übertragen. Historische Allmenden beziehen sich auf Rechtsformen<br />

gemeinschaftlichen Besitzes in der Land-, Forst- und Gewässerbewirtschaftung. Seit Mitte der 1990er Jahre wird der Begriff<br />

Wissensallmende metaphorisch <strong>für</strong> den Bereich der Immaterialgüter benutzt. [13] Hier kommen allerdings gänzlich andere<br />

Rechtsformen zum Tragen als bei traditionellen Allmenden.<br />

Der Begriff Commons wird heutzutage wesentlich umfassender verwendet und schließt Allmenden als eine historisch besondere<br />

(rechtliche) Form <strong>von</strong> Commons ein, ohne jedoch mit diesen identisch zu sein.<br />

Gemeineigentum<br />

Mitunter werden Commons mit Gemeineigentum, das heißt mit kollektivem Privateigentum, gleichgesetzt. Dieses zeigt sich in<br />

unterschiedlichen Formen, wie etwa Genossenschaften, Aktiengesellschaften oder Stiftungen. Tatsächlich ist Gemeineigentum häufig<br />

die eigentumsrechtliche Grundlage <strong>von</strong> Commons. Allerdings können Commons auch auf Grundlage <strong>von</strong> individuellem<br />

Privateigentum umgesetzt werden, denn entscheidend ist, wie die konkreten Nutzungsregeln gestaltet sind. So kann ein Haus de jure<br />

Privateigentum sein, aber es wurde de facto langfristig in gemeinschaftliche Nutzung und Verantwortung übergeben (wie etwa vom<br />

Mietshäuser Syndikat realisiert). Im Bereich der informationszentrierten Commons (Software, Texte etc.) gibt es Copyleft-Lizenzen,<br />

die ebenfalls auf individuellem Eigentum basieren. Diese bieten eine Möglichkeit, freie Zugänge (Open Access) bei gleichzeitig<br />

eigentumsrechtlich eindeutiger Urheberschaft zu realisieren.<br />

Share Economy


Da das Teilen und die gemeinsame Nutzung <strong>von</strong> Ressourcen in Commons eine große Rolle spielt, werden diese manchmal irrtümlich<br />

auch als Ökonomie des Teilens oder Share Economy – auch Shareconomy – bezeichnet. Der Commonsforscher Stefan Meretz weist<br />

auf den Unterschied <strong>von</strong> Teilen und Tauschen hin: Teilen ist eine positiv-reziproke, also eine die Menschen verbindende Handlung,<br />

Tauschen hingegen eine negativ-reziproke, also die Menschen trennende. [14] Die Share Economy schafft nur dadurch neue<br />

ökonomische Möglichkeiten, dass sie alte zerstört (etwa Uber auf Kosten des Taxigewerbes), was als innovative Disruption<br />

bezeichnet wird. Ziel des Teilens als Kern des Commoning ist hingegen die gemeinschaftliche Bedürfnisbefriedigung. [15]<br />

Typologisierung und ihre Kritik<br />

In zahlreichen Arbeiten und Diskussionsbeiträgen zu Commons sind Typologisierungen üblich, die sich entweder aus den<br />

Arbeitsschwerpunkten begründen, aus den unterschiedlichen Commons-Zugängen oder aus den verschiedenen Umgebungen, in<br />

denen sich Commons entfalten.<br />

So fokussiert die Forschung in der Tradition um Elinor Ostrom, der Bloomington-School und der IASC (International Association of<br />

the Commons) häufig auf so genannte natürliche Commons, während die peer-to-peer bzw. P2P-Debatte oder die Forschung um<br />

Commons basierte Peer-Produktion sich vorwiegend auf Wissens-Commons, [16] oder digitale Commons [17] bezieht. Andere<br />

geläufige Einteilungen sind etwa materielle und immaterielle Commons, um auf unterschiedliche Beschaffenheiten der zentralen<br />

Ressourcen hinzuweisen oder städtische und ländliche Commons, um die unterschiedliche Verortung im Raum hervorzuheben. [18]<br />

Mitunter ist auch <strong>von</strong> sozialen Commons die Rede [19] und in seinem Buch Die Null-Grenzkosten-Gesellschaft [20] macht der USamerikanische<br />

Ökonom Jeremy Rifkin den Begrif f des kollaborativen Gemeinguts (engl. collaborative commons) stark.<br />

Diese Einteilungen werden zum Beispiel <strong>von</strong> Helfrich und Bollier kritisiert. [21] Basis ihrer Kritik ist, dass diese Klassifizierungen<br />

dem vielfältigen Charakter <strong>von</strong> Commons nicht gerecht werden. Jedes Commons beruht auf materiellen als auch immateriellen<br />

Grundlagen, ganz gleich, ob Wasser oder Daten bei einem Commons im Mittelpunkt stehen. Zudem zeichnen sich alle Commons<br />

durch Wissensproduktion und -austausch aus. [22][23]<br />

Helfrich argumentiert:<br />

jedes Commons beruht auf natürlichen Ressourcen und bedarf dieser zur Reproduktion<br />

jedes Commons ist ein Wissens-Commons<br />

jedes Commons ist sozialer Prozess.<br />

Somit ist die Rede <strong>von</strong> "sozialen Commons" im Grunde ein Pleonasmus. Für den sozialen Prozess wiederum sind Selbstorganisation<br />

und Kollaboration (lateinisch con- mit-, laborare arbeiten) prägend, was auch den Begriff des kollaborativen Gemeinguts <strong>von</strong><br />

Rifkin als redundant ersch<strong>einen</strong> lässt.<br />

Weniger problematisch sind Referenzen auf alte und neue Commons (oft auch: traditionelle und moderne Commons), da sie keine<br />

kategoriale Unterscheidung vornehmen, sondern eine zeitliche Einordnung. [24][25] Diese spielt eine erhebliche Rolle, da Commons<br />

stets kontextgebunden sind, sich also auch in Abhängigkeit <strong>von</strong> der technischen Entwicklung, insbesondere in der Nutzung der<br />

Energiequellen und dem Stand der Informations- und Kommunikationstechnologien entwickeln.<br />

Unterschiedliche Zugänge<br />

Commons aus historischer Perspektive<br />

In den Geschichtswissenschaften wird ein Fokus auf die Untersuchung der traditionellen Praktiken und Institutionen der Allmenden<br />

sowie auf deren Einhegung bzw. Privatisierung gelegt. [26][27]<br />

Magna Carta und Charter of the Forest


In seinem Buch The Magna Carta manifesto: liberties and commons for all hat der<br />

Historiker Peter Linebaugh die Geschichte der Commons in England untersucht. Die<br />

Rechte <strong>für</strong> die Nutzung <strong>von</strong> Allmenden wurden Anfang des 13. Jahrhunderts durch<br />

zwei Dokumente geschützt, die einander ergänzen: einerseits durch die Magna Carta<br />

(1215) und andererseits durch die Charter of the Forests <strong>von</strong> König Heinrich dem<br />

III. Die Magna Carta gilt heute als wichtigster Vorläufer des Verfassungsrechts. Sie<br />

formuliert und verteidigt zentrale politische Freiheits- und Bürgerrechte (z.B.<br />

Habeas Corpus). Die Charter of the Forests ist weniger bekannt. Darin wurde der<br />

Zugang zur Allmende <strong>für</strong> diejenigen als Gewohnheitsrecht bestätigt, die kein<br />

eigenes Land besaßen. Diese so genannten Commoners konnten auf Grundlage der<br />

Charter of the Forests Holz zum Bauen und Heizen aus dem Wald holen oder auf der<br />

Waldweide ihr Vieh grasen lassen. Für die Existenzsicherung durch den Zugang zu<br />

Subsistenzmitteln war die Charter of the Forests somit <strong>von</strong> großer Bedeutung. [28]<br />

Ein Original der Magna Carta <strong>von</strong><br />

1215 (London, British Library, Cotton<br />

MS. Augustus II. 106).<br />

Einhegungen und Gegenbewegungen - gestern und heute<br />

Historisch bezeichnet Einhegung die Umwandlung <strong>von</strong> Gemeineigentum und gewohnheitsrechtlich frei genutzten Gütern in<br />

exkludierendes und meist individuelles Privateigentum, vor allem durch Flurbereinigungen (Gemeinheitsteilung). In England fanden<br />

die Einhegungen ab dem 15. Jahrhundert vermehrt statt. Sie wurden <strong>von</strong> Feudalherren und dem König vorangetrieben, um die<br />

Intensivierung und Kommerzialisierung der Landwirtschaft durchzusetzen. Diese Einhegungen trafen oft auf erbitterten Widerstand<br />

der Betroffenen. Es entstanden soziale Bewegungen wie die Diggers und Levellers, die sich aktiv gegen die Einhegungen einsetzten,<br />

indem sie Zäune herunterrissen, Mauern ausgruben und das Land wieder einebneten, um es gemeinsam zu bewirtschaften. Auch in<br />

Deutschland gab es vergleichbare Einhegungen, die eine Hauptursache der Bauernkriege darstellen. [29] Karl Marx bezeichnet diesen<br />

Prozess als die sogenannte ursprüngliche Akkumulationund Karl Polanyi die Entbettung oder Kommodifizierung <strong>von</strong> der Natur,<br />

der Arbeit und des Geldes. [30][31] Durch die Einhegung und Privatisierung der Commons wurden Menschen <strong>von</strong> ihren<br />

Subsistenzmitteln getrennt und mussten somit ihre Arbeitskraft auf dem Markt verkaufen, um ihre Existenz zu sichern.<br />

Während dieser Prozess der Einhegung der Commons oft als Entstehungsgeschichte des Kapitalismus verstanden wird, wies Rosa<br />

Luxemburg in ihrem Hauptwerk Die Akkumulation des Kapitals darauf hin, dass der Kapitalismus permanent der<br />

nichtkapitalistischen Formationen … als Nährboden [bedürfe], auf dessen Kosten, durch dessen Aufsaugung (1913) sich seine<br />

Akkumulation vollzieht. Ähnlich argumentiert der Geograph David Harvey. [32] Für ihn sind Einhegungen bzw. Enteignungen ein<br />

zentraler und beständiger Aspekt der kapitalistischen Wirtschaft. Gemäß James Boyle bezieht sich eine zweite Einhegungsphase auf<br />

immaterielle Güter wie z.B. Genome, digitaler Code und Wissen. [33][34]<br />

Einige Autorinnen und Autoren betonen, dass Einhegungsprozesse als Kämpfe zu verstehen sind, in denen Privatisierungen durch<br />

Widerstand, Anti-Einhegungs- und Reclaim the Commons-Bewegungen begrenzt und rückgängig gemacht werden können. [35]<br />

Mit Karl Polanyi kann der Prozess der Einhegung und des Widerstands dagegen als doppelte Bewegung der Entbettung und<br />

Wiedereinbettung verstanden werden. [31]<br />

Ökonomischer Zugang<br />

Gütertheorie<br />

Der Begriff Commons wird in ökonomischen Theorien in der Regel mit einer bestimmten Güterkategorie verbunden. Hier werden<br />

Güter anhand der Kategorien Ausschließbarkeit und Rivalität unterschieden. <strong>Eine</strong> hohe Ausschließbarkeit wird angenommen, wenn<br />

es schwierig ist, Menschen vom Zugang zu einem Gut auszuschließen. Der Rivalitätsgrad wird als hoch angesehen, wenn die<br />

Nutzung des Gutes die Nutzbarkeit <strong>für</strong> andere einschränkt oder gar verunmöglicht. Als Commons (bzw. Allmendegut oder<br />

Gemeingut; englisch common good oder englisch common-pool resource) werden - in Abgrenzung zum Privatgut, öffentlichen Gut<br />

und Klubgut - diejenigen Güter bezeichnet, die über eine geringe Ausschließbarkeit und <strong>einen</strong> hohen Rivalitätsgrad verfügen.


Kritik an diesem Ansatz richtet sich insbesondere dagegen, dass<br />

die beiden Kategorien Ausschließbarkeit und Rivalität als in den<br />

Dingen selbst liegend angenommen werden, anstatt sie als<br />

Ergebnisse menschlichen Handelns zu verstehen. Cowen<br />

argumentiert, dass die Ausschließbarkeit u. a. da<strong>von</strong> abhängt, wie<br />

und wie viel produziert wird, wie die Verteilung organisiert ist,<br />

wie hoch die Nachfrage ist. [36] Diese Argumente treffen auch auf<br />

die Kategorie der Rivalität zu. So wird darauf verwiesen, dass der<br />

Grad der Rivalität bei unterschiedlicher Nutzung verschieden<br />

Güterarten nach Ausschließbarkeit und Rivalität<br />

Exklusionsgrad<br />

= 0<br />

Exklusionsgrad<br />

= 1<br />

Rivalitätsgrad<br />

= 0<br />

öffentliches<br />

Gut<br />

(z. B. Deich)<br />

Klubgut<br />

(z. B. Pay-TV)<br />

Rivalitätsgrad<br />

= 1<br />

Allmendegut<br />

(z. B. überfüllte<br />

Innenstadtstraße)<br />

Privates Gut<br />

(z. B. Speiseeis)<br />

hoch ausfallen kann. <strong>Eine</strong>n Apfel zu fotografieren wirkt sich auf die Nutzungsmöglichkeiten Dritter anders aus als ihn zu<br />

verspeisen. [37] Auch wird die Nutzung <strong>für</strong> andere nicht gleichermaßen eingeschränkt, wenn es genug Äpfel gibt, was durch<br />

Apfelanbau erreicht werden kann. Der traditionellen Gütertheorie wird also eine unzulässige Naturalisierung attestiert. Grund da<strong>für</strong><br />

ist, dass die soziale Form der Herstellung der Güter - ob als Ware oder als Commons - ausgeblendet wird. [38] Commons existieren<br />

nicht einfach, sondern werden gemacht. Ob etwas ein Commons wird, ist eine soziale Frage und nicht durch die Natur der Dinge<br />

festgelegt. [39]<br />

Tragik der Allmende (Tragedy of the Commons)<br />

Innerhalb des ökonomischen Zugangs ist die sogenannte Tragik der Allmende (englisch tragedy of the commons) <strong>von</strong> großer<br />

Bedeutung <strong>für</strong> das Verständnis des Commonsbegriffs. Die Denkfigur ist sehr alt, gelangte aber durch <strong>einen</strong> Artikel des<br />

Mikrobiologen und Ökologen Garrett Hardin aus dem Jahr 1968 noch einmal ins Zentrum der Debatte. Hardin geht da<strong>von</strong> aus, dass<br />

bei frei zugänglichen Gütern die Nutzerinnen und Nutzer dazu tendieren, diese zu übernutzen und somit zu zerstören. [40] Dies<br />

geschehe, weil Menschen darauf aus sind, ihre Erträge zu maximieren. Um den Gedanken zu plausibilisieren, nutzt Hardin die<br />

Metapher einer Gemeinschaftsweide, auf die alle ihre Schafe treiben können. Sie würden, so die These, immer noch ein weiteres Tier<br />

auf die Weide treiben, da der Ertrag ihnen individuell zugute käme, die Kosten aber <strong>von</strong> allen zu tragen seien. Schlussendlich würde<br />

die Wiese überweidet werden, und es stelle sich ein <strong>für</strong> alle suboptimales Er gebnis ein.<br />

Dieser viel rezipierte Ansatz <strong>von</strong> Hardin wurde <strong>von</strong> unterschiedlichen Seiten kritisiert. Hauptargument ist, dass es sich bei dem<br />

Beschriebenen nicht um Commons handelt, sondern um sogenanntes Niemandsland, also Land, das <strong>von</strong> niemandem besiedelt,<br />

gepflegt oder bewirtschaftet wird. [41] Hardin räumte 30 Jahre später ein, vom unregulierten Commons gesprochen zu haben. [42]<br />

Ostrom u. a. verwiesen darauf, dass Menschen miteinander kommunizieren und in der Lage sind, Absprachen zu treffen, um<br />

Übernutzung zu verhindern. [43]<br />

Institutionenökonomischer Ansatz<br />

Aus der Perspektive der Neuen Institutionenökonomik werden Commons vor allem als Institutionen zur kollektiven Nutzung <strong>von</strong><br />

common-pool resources (Allmende-Ressourcen) beschrieben. Sie können formell und informell sein und beinhalten Regeln und<br />

Normen, die wichtige Anreize und Rahmenbedingungen <strong>für</strong> kooperatives Handeln liefern. In stabilen und <strong>von</strong> Commoners<br />

selbstbestimmten Institutionen kann die <strong>von</strong> Hardin beschriebene Tragik abgewendet werden. Das Hauptinteresse des<br />

institutionenökonomischen Ansatzes besteht demnach in der Analyse <strong>von</strong> Institutionen des Gemeingut-Managements.<br />

Die prominenteste Vertreterin dieses Ansatzes ist die Politikwissenschaftlerin Elinor Ostrom. Mit zahlreichen Wissenschaftlern in<br />

ihrem Umfeld verglich sie Feldstudien zu gemeinschaftlichem Management in aller Welt, etwa <strong>von</strong> Bewässerungssystemen in<br />

Spanien, Nepal und Indonesien, Weideland in den Schweizer Alpen, Ackerland in Japan, Fischbeständen in Kanada oder<br />

Gemeindewäldern in Bolivien und Mexiko. Aufbauend auf dieser empirischen Forschung entwickelte sie die so genannten design<br />

principles, die eine erfolgreiche Bewirtschaftung <strong>von</strong> common pool resources ermöglichen. Da<strong>für</strong> wurde Ostrom 2009 als erste Frau<br />

in der Geschichte mit dem <strong>von</strong> der Schwedischen Reichsbank gestifteten Alfred-Nobel-Gedächtnispreis <strong>für</strong><br />

Wirtschaftswissenschaften ausgezeichnet. In ihrem Hauptwerk Governing the Commons: The Evolution of Institutions for Collective<br />

Action <strong>von</strong> 1990 (dt.: Die Verfassung der Allmende: Jenseits <strong>von</strong> Markt und Staat) sind diese acht Designprinzipien<br />

aufgeführt. [44][45] Sie wurden einige Jahre später aktualisiert, woran sich die folgende Übertragung orientiert:


1. Grenzen: Es existieren klare und lokal akzeptierte Grenzen zwischen legitimen Nutzern und Nicht-<br />

Nutzungsberechtigten. Es existieren klare Grenzen zwischen einem spezifischen Gemeinressourcensystem und<br />

einem größeren sozio-ökologischen System.<br />

2. Kongruenz: Die Regeln <strong>für</strong> die Aneignung und Reproduktion einer Ressource entsprechen den örtlichen und den<br />

kulturellen Bedingungen. Aneignungs- und Bereitstellungsregeln sind aufeinander abgestimmt; die erteilung V der<br />

Kosten unter den Nutzern ist proportional zur Verteilung des Nutzens.<br />

3. Gemeinschaftliche Entscheidungen: Die meisten Personen, die <strong>von</strong> einem Ressourcensystem betrof fen sind,<br />

können an Entscheidungen zur Bestimmung und Änderung der Nutzungsregeln teilnehmen (auch wenn viele diese<br />

Möglichkeit nicht wahrnehmen).<br />

4. Monitoring der Nutzer und der Ressource: Es muss ausreichend Kontrolle über Ressourcen geben, um<br />

Regelverstößen vorbeugen zu können. Personen, die mit der Überwachung der Ressource und deren Aneignung<br />

betraut sind, müssen selbst Nutzer oder den Nutzern rechenschaftspflichtig sein.<br />

5. Abgestufte Sanktionen: Verhängte Sanktionen sollen in einem vernünftigen Verhältnis zum verursachten Problem<br />

stehen. Die Bestrafung <strong>von</strong> Regelverletzungen beginnt auf niedrigem Niveau und verschärft sich, wenn Nutzer eine<br />

Regel mehrfach verletzen.<br />

6. Konfliktlösungsmechanismen: Konfliktlösungsmechanismen müssen schnell, günstig und direkt sein. Es gibt lokale<br />

Räume <strong>für</strong> die Lösung <strong>von</strong> Konflikten zwischen Nutzern sowie zwischen Nutzern und Behörden [z. B. Mediation].<br />

7. Anerkennung: Es ist ein Mindestmaß staatlicher Anerkennung des Rechtes der Nutzer erforderlich, ihre eigenen<br />

Regeln zu bestimmen.<br />

8. Eingebettete Institutionen (<strong>für</strong> große Ressourcensysteme): Wenn eine Gemeinressource eng mit einem großen<br />

Ressourcensystem verbunden ist, sind Governance-Strukturen auf mehreren Ebenen miteinander „verschachtelt“<br />

(Polyzentrische Governance). [46]<br />

Komödie der Commons und Tragik der Anti-Commons<br />

Die Komödie der Commons (englisch comedy of the commons) und die Tragik der Anti-Commons (englisch tragedy of the<br />

anticommons) beschreiben jeweils nicht die Übernutzung, sondern die Unternutzung <strong>von</strong> Ressourcen als Problem. Mit der Komödie<br />

der Commons werden Fälle bezeichnet, in denen Ressourcen steigende Skalenerträge (in der Nutzung) aufweisen, wenn mehr<br />

Menschen sie nutzen. Dieses Phänomen wird in englischer Alltagssprache mit The more, the merrier bezeichnet. In solchen Fällen<br />

werden Ressourcen nicht <strong>von</strong> einer Übernutzung, sondern <strong>von</strong> zu geringer Nutzung bedroht. [47] Die Tragik der Anti-Commons<br />

entsteht, laut dem Rechtswissenschaftler Michael Heller, wenn eine Ressource auf Grund der Regulation unternutzt wird –<br />

beispielsweise wenn es zu viele Privateigentümer gibt und diese sich gegenseitig blockieren. [48][49] Beispiele hier<strong>für</strong> sind die<br />

Unternutzung <strong>von</strong> Wissen auf Grund der Patent- und Urheberrechte und die Verwaisung <strong>von</strong> Wissens- und Kulturgütern. [34]<br />

Experimenteller Zugang in Psychologie und Verhaltensökonomik<br />

Innerhalb der psychologischen und verhaltensökonomischen Commons-Forschung ist der Ansatz der experimentellen Spieltheorie<br />

<strong>von</strong> Bedeutung. [50][51] Hier werden mit Hilfe mathematischer Formalisierung die so genannte Tragik der Allmende und andere<br />

Entscheidungssituationen beschrieben. Es wird experimentell untersucht, welche Bedingungen dazu führen, dass Menschen<br />

kooperieren. So haben beispielsweise Ostrom, Gardner und Walker spieltheoretisch gezeigt, dass, wenn die Akteurinnen und Akteure<br />

miteinander kommunizieren können, die Tragik der Allmende verhindert werden kann. [43]<br />

Commons als sozialer Prozess<br />

Commoning als zentrale Definitionskategorie <strong>von</strong> Commons<br />

There is no commons without commoning – dieser dem Historiker Peter Linebaugh zugeschriebene Satz [12] fasst den auf Praktiken<br />

und Prozesse fokussierenden Commons-Zugang zusammen. Die Unterscheidung, ob etwas ein Commons ist, wird hier nicht<br />

basierend auf den qualitativen Eigenschaften einer Ressource getroffen. Das entscheidende Kriterium wird vielmehr in den Praktiken<br />

und Prozessen gesehen, mit denen sich die Beteiligten auf die Ressource beziehen. [52][53][54] Wasser kann als Ware in Flaschen<br />

abgefüllt und verkauft werden oder es kann als Commons genutzt, gepflegt und verwaltet werden. [55] Commons werden demnach<br />

durch Commoning hergestellt. Dieser Fokus auf Praktiken ermöglicht eine Betrachtungsweise, die die Kontextabhängigkeit <strong>von</strong><br />

Commons berücksichtigt. [56] Linebaugh geht <strong>einen</strong> Schritt weiter und schlägt vor, statt <strong>von</strong> Commons als Substantiv <strong>von</strong>


Commoning als Verb zu sprechen: the commons is an activity and, if anything, it expresses relationships in society that are<br />

inseparable from relations to nature. It might be better to keep the word as a verb, an activity, rather than as a noun, a<br />

substantive. [57]<br />

Selbstorganisation<br />

Selbstorganisation ist zentraler Bestandteil <strong>von</strong> Commons-Praktiken (Commoning). Sie bezeichnet in diesem Kontext die<br />

Möglichkeit und tatsächliche Praxis der beteiligten Akteure, jene Regeln und Ziele zu definieren und zu implementieren, die<br />

Commons hervorbringen bzw. erhalten. Ähnlich wie in der Systemtheorie und den Wirtschaftswissenschaften (z.B. Friedrich August<br />

<strong>von</strong> Hayek), geht es in der Selbstorganisation um die Erzeugung und Selbst(re)produktion (Autopoiesis) <strong>von</strong> sozialen Systemen bzw.<br />

Organisationen und Institutionen. Doch in starkem Kontrast zu Systemtheorie und Ökonomik findet Selbstorganisation bei Commons<br />

nicht einfach spontan statt, sondern vor allem durch das bewusste Handeln der jeweiligen Akteurinnen und Akteure.<br />

Im Gegensatz zur Partizipation geht es bei der Selbstorganisation nicht darum, sich an etwas Vorgefertigtem zu beteiligen, sondern<br />

das Handeln selbstermächtigend weitgehend autonom zu gestalten. [58] Die französischen Wissenschaftler Pierre Dardot (Philosoph)<br />

und Christian Laval (Soziologe) bezeichnen diesen Prozess als schöpferische, instituierende Praxis. [59] Damit geht Selbstorganisation<br />

auch über den in der Rechtswissenschaft vertretenen Begriff der Selbstverwaltung hinaus, da nicht vorwiegend das administrative<br />

Management <strong>von</strong> bestehenden Organisationen gemeint ist, sondern der Aufbau, die Ausgestaltung, der Erhalt und die Veränderung<br />

der Organisation selbst. Die Idee der Selbstorganisation liegt nahe an dem, was unter kollektiver Selbstverwaltungverstanden wird.<br />

Der Commonsforscher Stefan Meretz hebt hervor, dass die Selbstorganisation Bedingungen braucht, um zu gelingen. [60] Zentral<br />

seien Selbstbestimmung und empfundene Fairness. Selbstorganisation könne insbesondere dann scheitern, wenn sich fremde Logiken<br />

in das Commoning einschleichen. Werden etwa Resultate oder Ressourcen abstrakt gleich verteilt, ohne die unterschiedlichen<br />

Bedürfnisse zu berücksichtigen, dann kehre sich formale Gerechtigkeit in empfundene Unfairness um: Sobald Fairness nicht<br />

beachtet wird, besteht die Gefahr, dass sich individuelle Strategien der Nutzenmaximierung durchsetzen. Dann bricht das<br />

Marktdenken in die Commons ein. [60]<br />

Care und Commons<br />

Zwar gibt es eine große Nähe zwischen Commons- und einigen Care-Ansätzen, aber der Zusammenhang wurde noch nicht<br />

systematisch herausgearbeitet. Der Diskurs um Sorgetätigkeiten oder Care wurde <strong>von</strong> feministischen Strömungen eingebracht. Damit<br />

werden insbesondere ökonomische Commons-Zugänge herausgefordert, da es bei Sorgetätigkeiten keine Ressource im Sinne eines<br />

bearbeitbaren Objekts gibt, sondern Sorgebeziehungen immer intersubjektiv sind. [61] Gleichzeitig sind Reproduktionstätigkeiten<br />

Grundlage jeder Gesellschaft.<br />

Im Kapitalismus ist das Verhältnis der Ökonomie zu Care und Commons einseitig extraktiv. [62] Care-Tätigkeiten sind strukturell<br />

un- oder unterbezahlt, und Commons dienen häufig als Grundlage ökonomischer Verwertung. Care und Commons als<br />

nichtkapitalistische Formationen, wie sie <strong>von</strong> Rosa Luxemburg beschrieben wurden, werden auf diese Weise zum gesellschaftlichen<br />

Nährboden <strong>für</strong> privatisierten Profit. [12] Dies schließt an die Subsistenztheorie <strong>von</strong> Maria Mies, Veronika Bennholdt-Thomsen und<br />

Claudia <strong>von</strong> Werlhof an, die Subsistenz umfassend als Herstellung des Lebensnotwendigen fassen und die Ausweitung des<br />

Subsistenzbereichs als wichtigen gesellschaftlichen Transformationspfad verstehen. [63] Damit wird eine Sphärenspaltung in eine<br />

männlich strukturierte Produktion und eine weiblich zugeschriebene Reproduktion überschritten. [64] Die Theologin Ina Praetorius<br />

weist darauf hin, dass das Bedürfnis tätig zu werden nicht nur die Freude am individuellen Tun, sondern auch die selbstverständliche<br />

Übernahme <strong>von</strong> notwendigen Tätigkeiten einschließt: "Es ist selbstverständlich, dass Menschen als bezogen-freie Wesen mehr<br />

mehren wollen als ihren persönlichen Vorteil". [65]<br />

Paradigma/Weltsicht<br />

Im internationalen Sammelband Commons. Muster gemeinsamen Handelns argumentieren Helfrich und Bollier, dass mit Commons<br />

auf Formen des Wissens, Handelns und Seins verwiesen werde, die zu Kategorien der Weltbeschreibung führen […], die den<br />

Bedeutungsrahmen über das in einer marktfähigen Demokratie Denkbare hinaus verschiebt. [21] Nach Thomas Kuhn gehört ein


Kategorienwechsel zu den Merkmalen eines Paradigmenwechsels. [66]<br />

Erkenntnis im... dominierenden Paradigma sich durchsetzenden Paradigma<br />

Ontologie Substanzontologie Prozessontologie<br />

Fokus liegt auf<br />

Sachen, Objekten, Dingen, zu denen wir in Beziehung<br />

treten können<br />

sein<br />

Beziehungen, Verbindungen<br />

werden<br />

Kategorien der Trennung der Verbindung<br />

Ergebnis<br />

abgeleitet <strong>von</strong><br />

Methoden<br />

den Eigenschaften der Sachen, Objekte, Dinge<br />

messen, zählen, bewerten etc.<br />

den Eigenschaften und Kontexten<br />

sichtbar machen, Sinn/Bedeutung<br />

geben, fühlen<br />

Methodologie Axiome, Modelle Muster<br />

Erkennen <strong>von</strong> Kausalitäten Potenzialen<br />

Erkenntnisziel<br />

Vorhersagbarkeit, Gewissheit<br />

vertiefte Beziehungen, mehr<br />

Lebendigkeit<br />

Auch der Philosoph Andreas Weber sieht in Commons den Ausdruck eines Paradigmas, das unser politisches System heraus<br />

(fordert), welches um das Duopol Markt/Staat kreist. [67] In diesem Paradigma werden trennende (polare) Kategorien durch<br />

verbindende Kategorien abgelöst. Ein Beispiel da<strong>für</strong> ist der Wechsel <strong>von</strong> Produktion/Reproduktion zu Care. So entfalte sich eine<br />

relationale Weltsicht, in der auch Affekte wichtig sind. [68] Commoning sei somit letztlich Ausdruck des Mitlebens, Mitfühlens,<br />

Liebens. Darauf weisen insbesondere Anthropologinnen und Anthropologen hin. Neera Singh beschreibt dies am Beispiel des<br />

Umgangs mit Gemeinschaftswäldern in indischen Dörfern One village leader simply described the collective action to protect<br />

forests as Samaste samaste ko bandhi ke achanti, that is, each and every one holds the other together. I think he was also<br />

referring to the affective capacities of all bodies, human and nonhuman, to come together and get entangled in relations of affect and<br />

accountability. [69] Ähnlich Michael Hardt und Antonio Negri: die Dynamik der vielfältigen Singularitäten im Gemeinsamen [hat]<br />

nichts zu tun […] mit der überkommenen Dialektik zwischen den Vielen und dem <strong>Eine</strong>n. Während das <strong>Eine</strong> den Vielen als Gegensatz<br />

entgegensteht, ist das Gemeinsame mit den Vielheiten vereinbar, ja setzt sich sogar aus ihnen zusammen. [70]<br />

Gesellschaftliche Verallgemeinerung<br />

Theorie und Praxis der Commons haben zahlreiche Autorinnen und Autoren inspiriert, über die Möglichkeiten der gesellschaftlichen<br />

Verallgemeinerung des Commons-Ansatzes nachzudenken. Diese Ansätze gehen da<strong>von</strong> aus, dass Commons durch die<br />

Krisenhaftigkeit des Kapitalismus an Bedeutung gewinnen und diesen ergänzen oder ersetzen können.<br />

Commons Transition<br />

Michel Bauwens und die P2P-Foundation haben Ideen und politische Vorschläge entwickelt, um den Übergang zu einer sozialen<br />

Wissensgesellschaft zu befördern. Grundlage sind geteiltes, frei zugängliches Wissen, Open-Source-Hardware, die Förderung der<br />

sozialen und solidarischen Ökonomie, miteinander vernetzter, demokratisierter Genossenschaften sowie das Konzept des<br />

Partnerstaats. Die Vorschläge sind darauf ausgerichtet, im politischen Raum Konzept und Praktiken der Commons zu verbreiten. Ein<br />

Beispiel <strong>für</strong> die Umsetzung ist das FLOK (Free/Libre Open Knowledge) Projekt in Ecuador . [71]<br />

Commons-based Peer Production<br />

→ Hauptartikel: Commons-based Peer Production<br />

Der Jura-Professor Yochai Benkler entwickelt in seinem zentralen Werk The Wealth of Networks die These der Commons-based Peer<br />

Production als dritter Form neben Markt und Zentralplanung. [17] Er postuliert, dass eine auf freiem Wissen und freien Informationen<br />

basierende Produktion ökonomisch effizienter sein könne als eine, in der Innovationen durch individuelle Eigentumsrechte wie


Patente und Urheberrecht eingehegt werden. Während Benkler die neue Produktionsweise nur <strong>für</strong> kopierbare digitale<br />

Informationsgüter betrachtet, dehnt Stefan Meretz das Konzept auf materielle Güter aus und argumentiert, dass die industrielle<br />

Massenproduktion eine ressourceneffiziente Kopiermaschine stofflicher Produkte sei, in denen der informationelle den stofflichen<br />

Aufwand bereits bei weitem überwiege. [72] Ähnlich argumentiert der Informatiker Christian Siefkes. Er verweist auf die zunehmende<br />

Zahl dezentral nutzbarer Produktionsmittel (etwa freie 3D-Drucker wie RepRap) und das Entstehen communitybasierter technischer<br />

Infrastrukturen. [73]<br />

In der Nachfolge des Oekonux-Projekts gründete sich 2009 das wissenschaftliche Peer-Review-Journal Journal of Peer Production,<br />

in dem aktuelle Entwicklungen reflektiert werden. [74] Im Kontext der Commons-Debatte wies Silke Helfrich darauf hin, dass Peer-<br />

Produktion nicht nur auf Commons basiert, sondern diese auch schafft, und schlug daher den Terminus Commons Creating Peer<br />

Production vor. [15]<br />

Peer-Ökonomie<br />

Der Informatiker Christian Siefkes schlug vor, die commonsbasierte Peer-Produktion konzeptuell auf die ganze Gesellschaft<br />

auszudehnen und entwickelte ein Modell <strong>für</strong> eine Peer-Ökonomie. [75] Ausgangspunkt ist die Überlegung, dass Menschen bei der<br />

Herstellung ihrer Lebensbedingungen Aufwand verausgaben. Während der Kapitalismus den Markt als "Indirektion" verwendet, um<br />

die produzierten Güter zu verteilen – ohne dass vorher klar wäre, ob sie gebraucht und verkauft werden können – verteilt die Peer-<br />

Produktion nicht die Güter, sondern den Aufwand zu ihrer Herstellung. Dabei wird nur das her gestellt, was auch gebraucht wird – das<br />

Verhältnis zwischen Bedürfnissen und Produkten ist somit "direkt". Per Auktion werden Aufwands-Angebote und -Nachfragen, die<br />

hinter den Gütern stehen, gewichtet und in ein Verhältnis gesetzt. So können unbeliebte Aufgaben eine hohe Gewichtung erreichen<br />

und einem zeitlich höheren Aufwand <strong>von</strong> beliebten Tätigkeiten entsprechen. Güter werden über Pools verteilt, "bezahlt" wird mit<br />

geleisteten Aufwänden.<br />

Das Konzept der Peer-Ökonomie wurde u. a. wegen des Festhaltens am Tauschprinzip kritisiert, [76] gleichzeitig als mögliches<br />

Übergangskonzept in eine Gesellschaft ohne Tausch gelobt. [77] Siefkes selbst nahm später Abstand vom Tauschprinzip und setzte<br />

vollständig auf das Prinzip des Beitragens. [78][79]<br />

Ecommony<br />

Für die Ökonomin und Historikerin Friederike Habermann kann auf Grundlage der Commons das gesamte Leben und Wirtschaften<br />

anders gedacht werden. [12] Sie spricht daher in einem Wortspiel mit Economy <strong>von</strong> Ecommony. Habermann sieht zwei zentrale<br />

Prinzipien: (1) Besitz statt Eigentum: Bei Commons zählt, wer etwas tatsächlich braucht und gebraucht, und nicht das Recht zum<br />

Ausschluss anderer oder zum Verkauf und (2) Beitragen statt Tauschen: tätig werden aus innerer Motivation – bei gesichertem<br />

Ressourcenzugang. Dies drücke aus, was Karl Marx mit dem Satz Jeder nach s<strong>einen</strong> Fähigkeiten, jedem nach s<strong>einen</strong> Bedürfnissen<br />

beschrieb. [80]<br />

Commonismus<br />

Die Diskussion um den Commonismus zielt einerseits auf die Entwicklung <strong>von</strong> Commons und Commons-Prinzipien in allen<br />

Lebensbereichen ab, andererseits werden Commons hier als Grundform einer anderen Gesellschaftsordnung verstanden. In den<br />

Kultur- und Sozialwissenschaften wird der Begrif vor allem auf eine commons-basierte politische Kultur bezogen.<br />

Beispiele<br />

Folgenden Beispiele zeigen – im Einzelnen in durchaus unterschiedlicher Ausprägung – andere Handlungslogiken ("jenseits <strong>von</strong><br />

Markt und Staat") im Sinne der Commons-Definition:<br />

Allmende-Kontor<br />

Artabana<br />

Bremer SolidarStrom


Commons Josaphat<br />

FabLab<br />

Faircropping<br />

Federated Wiki<br />

Freie Inhalte<br />

Freie Lastenräder<br />

Freie Software<br />

Freies Radio<br />

Freifunk<br />

Heidelberger Solidarstrom<br />

Klimaschutz+<br />

Lebensgarten Steyerberg<br />

Linux User Group<br />

Mietshäuser Syndikat<br />

Mundraub<br />

Ökostrom+<br />

OpenCourseWare<br />

OpenSimulator<br />

Open Source Ecology<br />

Open-Source-Hardware<br />

Open Source Saatgut<br />

Open Spim<br />

RepRap<br />

Solidarische Landwirtschaft<br />

Umsonstladen<br />

Waal<br />

<strong>Wikipedia</strong><br />

Literatur<br />

M. de Angelis: Omnia Sunt Communia. On the Commons and the Transformation to Postcapitalism.London 2017,<br />

ISBN 978-1-78360-062-5.<br />

Y. Benkler: The wealth of networks. How social production transforms markets and freedom.New Haven/ London<br />

2006, ISBN 0-300-12577-1.<br />

V. Bennholdt-Thomsen: Geld oder Leben. Was uns wirklich reich macht. München 2010, ISBN 978-3-86581-195-0.<br />

S. Bödeker, O. Moldenhauer, B. Rubbel: Wissensallmende. Gegen die Privatisierung des Wissens der Welt durch<br />

"geistige Eigentumsrechte".Hamburg 2005, ISBN 3-89965-118-9.<br />

J. Boyle: The public domain. Enclosing the commons of the mind.New Haven Conn. u. a. 2008, ISBN 978-0-300-<br />

13740-8.<br />

P. Dardot, C. Laval: Commun. Essai sur la révolution au XXIe siècle.Paris 2014, ISBN 978-2-7071-6938-9.<br />

A. Exner, B. Kratzwald: Solidarische Ökonomie & Commons.Wien 2012, ISBN 978-3-85476-607-0.<br />

F. Habermann: Ecommony. UmCARE zum Miteinander. Sulzbach am Taunus 2016, ISBN 978-3-89741-386-3.<br />

S. Helfrich, Heinrich Böll Stiftung (Hrsg.): Wem gehört die Welt? Zur Wiederentdeckung der Gemeingüter. München<br />

2009, ISBN 978-3-86581-133-2.<br />

S. Helfrich, Heinrich Böll Stiftung (Hrsg.): Commons. Für eine neue Politik jenseits <strong>von</strong> Markt und Staat.Bielefeld<br />

2012, ISBN 978-3-8376-2036-8.<br />

S. Helfrich, D. Bollier (Hrsg.): Die Welt der Commons. Muster gemeinsamen Handelns. Bielefeld 2015, ISBN 978-3-<br />

8376-3245-3.<br />

L. Hyde: Die Gabe. Wie Kreativität die Welt bereichert. Frankfurt am Main 2008, ISBN 978-3-10-031840-4.<br />

L. Lessig: Freie Kultur. Wesen und Zukunft der Kreativität.München 2006, ISBN 3-937514-15-5.<br />

Neustart Schweiz: Nach Hause kommen. Nachbarschaften als Commons.Baden/CH 2016, ISBN 978-3-03881-000-<br />

1.<br />

E. Ostrom: Governing the Commons: The Evolution of Institutions for Collective Action.Cambridge 1990, ISBN 0-<br />

521-40599-8.<br />

S. Preissing: Beitragen und äquivalentes Tauschen. Alternatives Wirtschaften. Sulzbach/Taunus 2016, ISBN 978-3-<br />

8260-5930-8.


J. Rebanks: Mein Leben als Schäfer. München 2016, ISBN 978-3-570-10291-6.<br />

G. Ruivenkamp, A. Hilton (Eds.): Perspectives on Commoning. Autonomist Principles and Practices.London 2017,<br />

ISBN 978-1-78699-178-2.<br />

C. Siefkes: Beitragen statt tauschen. Materielle Produktion nach dem Modell freier Software.Neu-Ulm 2008, ISBN<br />

978-3-930830-99-2.<br />

Weblinks<br />

CommonsBlog – Fundsachen <strong>von</strong> der Allmendewiese<br />

Commons & Co<br />

Commons-Institut<br />

Commons Strategies Group<br />

Commons Transition<br />

Hauptsache Commons<br />

IASC (International Association for the Study of the Commons)<br />

keimform.de – Auf der Suche nach dem Neuen im Alten<br />

MCC (Mercator Institute on Global Commons and Climate Change)<br />

P2P Foundation<br />

Einzelnachweise<br />

1. B. Acksel, J. Euler, L. Gauditz, S. Helfrich, B.Kratzwald, S. Meretz, F. Stein, S. Tuschen: Commoning: Zur Konstruktion<br />

einer konvivialen Gesellschaft.In: F. Adloff, V. M. Heinz (Hrsg.): Konvivialismus. <strong>Eine</strong> Debatte.Bielefeld<br />

2015, S. 133–145.<br />

2. M. de Angelis: The beginning of history. Value struggles and global capital.London 2007.<br />

3. F. Matteoni: Die Commons sind realisierbar. Ugo Mattei im Gespräch über Theorie und Praxis der »Commons«.In:<br />

Jungle World. Nr. 51, 2013.<br />

4. E. Ostrom: Beyond Markets and States. Polycentric Governance of Complex Economic Systems. In: American<br />

Economic Review. 100 (3), 2010, S. 641–672.<br />

5. S. Helfrich, Heinrich Böll Stiftung (Hrsg.): Commons. Für eine neue Politik jenseits <strong>von</strong> Markt und Staat.Bielefeld<br />

2012.<br />

6. J. McCarthy: Commons. In: N. Castree, D. Demeritt (Hrsg.): A companion to environmental geography. Malden,<br />

Massachusetts 2009, S. 498–514.<br />

7. D. W. Bromley: The commons, common property, and environmental policy. In: Environmental and Resource<br />

Economics. 2 (1), 1992, S. 1–17.<br />

8. I. Illich: Vom Recht auf Gemeinheit.Reinbek bei Hamburg 1982.<br />

9. P. A. Samuelson: The Pure Theory of Public Expenditure.In: The Review of Economics and Statistics.36 (4), 1954,<br />

S. 387–389.<br />

10. J. M. Buchanan: An Economic Theory of Clubs.In: Economica. 32 (125), 1965, S. 1.<br />

11. Elinor Ostrom, Vincent Ostrom: Public Goods and Public Choices.In: E. S. Savas (Hrsg.): Alternatives for delivering<br />

public services. Toward improved performance. Boulder, Colorado 1977.<br />

12. F. Habermann: Ecommony. UmCARE zum Miteinander. Sulzbach am Taunus 2016.<br />

13. Netzwerk freies Wissen: Wissensallmende Report 2009 Wem gehört die Welt. 2009.<br />

14. S. Meretz: Grundrisse einer freien Gesellschaft.In: T. Konicz, F. Rötzer (Hrsg.): Aufbruch ins Ungewisse (Telepolis).<br />

Auf der Suche nach Alternativen zur kapitalistischen Dauerkrise.2014.<br />

15. S. Helfrich: Commons fallen nicht vom Himmel.In: OYA. (20), 2013, S. 14–17.<br />

16. S. Bödeker, O. Moldenhauer, B. Rubbel: Wissensallmende. Gegen die Privatisierung des Wissens der Welt durch<br />

"geistige Eigentumsrechte".Hamburg 2005.<br />

17. Y. Benkler: The wealth of networks. How social production transforms markets and freedom.New Haven/ London<br />

2006.<br />

18. N. Grüne, J. Hübner, G. Siegl (Hrsg.): Ländliche Gemeingüter. Kollektive Ressourcennutzung in der europäischen<br />

Agrarwirtschaft. 2016.<br />

19. F. Mestrum: The Social Commons: Rethinking Social Justice in Post-Neoliberal Societies. 2016.<br />

20. J. Rifkin: Die Null-Grenzkosten-Gesellschaft. Das Internet der Dinge, Kollaboratives gemeingut und der Rückzug des<br />

Kapitalismus. Frankfurt am Main 2014.<br />

21. S. Helfrich, D. Bollier (Hrsg.): Die Welt der Commons. Muster gemeinsamen Handelns. Bielefeld 2015.<br />

22. S. Helfrich: Towards a Commons Creating Peer Economy. (https://commonsblog.wordpress.com/2013/05/30/towards<br />

-a-commons-creating-peer-economy/)30. Mai 2013, Zugrif am 16.05.2017.


-a-commons-creating-peer-economy/)30. Mai 2013, Zugrif am 16.05.2017.<br />

23. S. Helfrich: Die Welt der Commons. In einer Welt des Terrors? (https://commonsblog.wordpress.com/2015/12/02/diewelt-der-commons-in-einer-welt-des-terrors/)2.<br />

Dezember 2015, Zugrif am 16.05.2017.<br />

24. C. Hess: Is There Anything New Under the Sun?: A Discussion and Survey of Studies on New Commons and the<br />

Internet. 2000, S. 5. (PDF; 89 KB (https://dlc.dlib.indiana.edu/dlc/bitstream/handle/10535/384/iascp2000.pdf) )<br />

25. R. Rilling: Virale Eigentumsmuster. Über einige Anfechtungen der Hegemonie des Privateigentums. In: I. Lohmann,<br />

R. Rilling (Hrsg.): Die verkaufte Bildung. Kritik und Kontroversen zur Kommerzialisierung <strong>von</strong> Schule, Weiterbildung,<br />

Erziehung und Wissenschaft. Opladen 2002, S. 303–313.<br />

26. J. M. Neeson: Commoners. Common right, enclosure and social change in England, 17001820.Cambridge/ New<br />

York 1996.<br />

27. T. de Moor: The Silent Revolution. A New Perspective on the Emergence of Commons, Guilds, and Other Forms of<br />

Corporate Collective Action in Western Europe. In: International Review of Social History. 53 (S16), 2008, S. 179.<br />

28. P. Linebaugh: The Magna Carta manifesto. The struggle to reclaim liberties and commons for all. Berkeley Calif./<br />

London 2008.<br />

29. H. Zückert: Allmende und Allmendaufhebung. Vergleichende Studien zum Spätmittelalter bis zu den Agrarreformen<br />

des 18./19. Jahrhunderts.In: Quellen und Forschungen zur Agrargeschichte.Band 47, Stuttgart 2003.<br />

30. K. Marx: Das Kapital. Kritik der politischen Ökonomie.Erster Band. Vierte Auflage hg. <strong>von</strong> F. Engels. 1890.<br />

31. K. Polanyi: The Great Transformation: Economic and Political Origins of Our Time. Boston 1944.<br />

32. D. Harvey: The 'New' Imperialism: Accumulation by Dispossession.In: Socialist Register. 40, 2004, S. 63–87.<br />

33. J. Boyle: The Second Enclosure Movement and the Construction of the Public Domain. In: Law and Contemporary<br />

Problems. 66 (1), 2003, S. 33–74.<br />

34. J. Boyle: The public domain. Enclosing the commons of the mind.New Haven Conn. u. a. 2008.<br />

35. S. B. Federici, M. Birkner, M. Henninger (Hrsg.): Caliban und die Hexe. Frauen, der Körper und die ursprüngliche<br />

Akkumulation. Wien 2012.<br />

36. T. Cowen: Public Goods Definitions and their Institutional Context. A Critique of Public Goods Theory . In: Review of<br />

Social Economy. 43 (1), 2006, S. 53–63.<br />

37. J. Euler: Defining the Commons: The social practice of commoning as core determinant. 2015. (PDF; 206 KB (http<br />

s://dlc.dlib.indiana.edu/dlc/bitstream/handle/10535/9950/F134_Euler .pdf)).<br />

38. S. Meretz: Was sind Commons? Commons in einer Gütersystematik. In: Contraste. 26, 2009, S. 9.<br />

39. S. Helfrich, Heinrich Böll Stiftung (Hrsg.): Commons. Für eine neue Politik jenseits <strong>von</strong> Markt und Staat.Bielefeld<br />

2012, S. 85.<br />

40. G. Hardin: The tragedy of the commons.(https://www.sciencemag.org/site/feature/misc/webfeat/sotp/pdfs/162-3859-<br />

1243.pdf) In: Science. (New York, N.Y.) 162 (3859), 13.12.1968, S.1243–1248.<br />

41. S. V. Ciriacy-Wantrup, R. C. Bishop: Common Property as a Concept in Natural Resources Policy . In: Natural<br />

Research Journal. 15, 1975, S. 713–727.<br />

42. G. Hardin: Extensions of "The Tragedy of the Commons". In: Science. Mai 1998, S. 682–683.<br />

43. E. Ostrom, R. Gardner, J. M. Walker: Rules, games, and common-pool resources.Ann Arbor, Michigan 2006.<br />

44. E. Ostrom: Governing the Commons: The Evolution of Institutions for Collective Action.Cambridge 1990.<br />

45. E. Ostrom: Beyond Markets and States: Polycentric Governance of Complex Economic Systems. Nobelpreisrede.<br />

Stockholm 2009. (PDF; 2,6 MB (http://www.nobelprize.org/nobel_prizes/economic-sciences/laureates/2009/ostrom_l<br />

ecture.pdf)).<br />

46. S. Helfrich: Muster gemeinsamen Handelns. Acht Orientierungspunkte <strong>für</strong> das Commoning. In: S. Helfrich, D. Bollier<br />

(Hrsg.): Die Welt der Commons. Muster gemeinsamen Handelns. Bielefeld 2015, S. 55–56.<br />

47. C. M. Rose: The Comedy of the Commons: Commerce, Custom, and Inherently Public Property . In: The University<br />

of Chicago Law Review. 53 (3), 1986, S. 711–781.<br />

48. M. Heller: The Tragedy of the Anticommons.In: Harvard Law Review. 111 (3), 1998.<br />

49. M. Heller: Die Tragig der Anti-Allmende.In: S. Helfrich, Heinrich Böll Stiftung (Hrsg.): Commons. Für eine neue<br />

Politik jenseits <strong>von</strong> Markt und Staat.Bielefeld 2012, S. 91–98.<br />

50. S. Kopelman, J. M. Weber, D. M. Messick: Factors influencing cooperation in commons dilemmas: A review of<br />

experimental psychological research.In: E. Ostrom, T. Dietz, N. Dolsak, P. C. Stern, S. Stonich, E. U. Weber (Hrsg.):<br />

The drama of the commons.Washington DC 2003, S. 113–156.<br />

51. A. Ernst: Ökologisch-soziale Dilemmata.In: E. D. Lantermann, V. Linneweber (Hrsg.): Enzyklopädie der<br />

Psychologie. Göttingen 2008.<br />

52. M. de Angelis: The beginning of history. Value struggles and global capital.London 2007, S. 243.<br />

53. S. Helfrich: Gemeingüter sind nicht, sie werden gemacht.In: S. Helfrich, Heinrich Böll Stiftung (Hrsg.): Commons.<br />

Für eine neue Politik jenseits <strong>von</strong> Markt und Staat.Bielefeld 2012, S. 90.<br />

54. F. Matteoni: Die Commons sind realisierbar. Ugo Mattei im Gespräch über Theorie und Praxis der »Commons«.In:<br />

Jungle World. (51), 19.12.2013.<br />

55. J. Euler: Commons-creating Society. On the Radical German Commons Discourse.In: Review of Radical Political<br />

Economics. 48 (1), 2016, S. 96.


56. J. Niewöhner, E. Sörensen, S. Beck: Einleitung. Science and Technology Studies - Wissenschafts- und<br />

Technikforschung aus sozial und kulturanthropologischer Perspektive.In: E. Sörensen, S. Beck, J. Niewöhner<br />

(Hrsg.): Science and Technology Studies. Bielefeld 2012, S. 32.<br />

57. P. Linebaugh: The Magna Carta manifesto. The struggle to reclaim liberties and commons for all. Berkeley Calif./<br />

London 2008, S. 279.<br />

58. J. Euler, S. Helfrich: Vom "mit" und "<strong>für</strong>" zum "durch": Zum Verhältnis vom Forschen und Beforschtwerden sowie zur<br />

Erforschung <strong>von</strong> Commons.In: B. Aulenbacher, M. Burawoy, K. Dörre, J. Sittel (Hrsg.): Öffentliche Soziologie:<br />

Wissenschaft im Dialog mit der Gesellschaft.Frankfurt am Main 2017, S. 146–165.<br />

59. P. Dardot, C. Laval: Commun. Essai sur la révolution au XXIe siècle.Paris 2014, S. 429–451.<br />

60. S. Meretz: Ubuntu-Philosophie. Die strukturelle Gemeinschaftlichkeit der Commons. In: S. Helfrich, Heinrich Böll<br />

Stiftung (Hrsg.): Commons. Für eine neue Politik jenseits <strong>von</strong> Markt und Staat.Bielefeld 2012, S. 58–65.<br />

61. B. Kratzwald: Das Ganze des Lebens. Selbstorganisation zwischen Lust und Notwendigkeit.Sulzbach/Taunus 2014.<br />

62. C. Wichterich: Bausteine <strong>von</strong> Zukunft und der Charme des Selbermachens. Wider den care- und ressourcenextraktivistischen<br />

Kapitalismus.In: A. Tauss (Hrsg.): Sozial-ökologische Transformationen. Das Ende des<br />

Kapitalismus denken. 2016, S. 183–204.<br />

63. V. Bennholdt-Thomsen: Geld oder Leben. Was uns wirklich reich macht. München 2010.<br />

64. R. Scholz: Das Geschlecht des Kapitalismus. Feministische Theorien und die postmoderne Metamorphose des<br />

Patriarchats. Bad Honnef 2000.<br />

65. I. Praetorius (Hrsg.): Wirtschaft ist Care oder: die Wiederentdeckung des Selbstverständlichen.Ein Essay. Berlin<br />

2015, S. 56.<br />

66. S. Helfrich (2016) Keynote, 4. IASC-Regionalkonferenz Europa Commons in a "Glocal" World. Global Connections<br />

and Local Responses 10.-13. Mai 2016, Universität Bern/Schweiz(http://www.iasc-commons.org/sites/default/files/P<br />

rogram%20booklet.pdf)<br />

67. A. Weber: Wirklichkeit als Allmende. <strong>Eine</strong> Poetik der Teilhabe <strong>für</strong> das Anthropozän.In: S. Helfrich, D. Bollier (Hrsg.):<br />

Die Welt der Commons. Muster gemeinsamen Handelns. Bielefeld 2015, S. 368.<br />

68. C. Collomb: Ontologie relationnelle et pensée du commun.In: Multitudes. 45 (2), 2011, S. 59.<br />

69. N. M. Singh: The affective labor of growing forests and the becoming of environmental subjects: Rethinking<br />

environmentality in Odisha, India.In: Geoforum. Vol. 47, 2013, S. 189–198.<br />

70. M. Hardt, A. Negri: Common Wealth. Das Ende des Eigentums.Frankfurt am Main 2010, S. 196.<br />

71. X. E. Barandiaran, D. Vila-Viñas: The FLOK doctrine. (http://peerproduction.net/issues/issue-7-policies-for-the-comm<br />

ons/the-flok-doctrine/) In: Journal of Peer Production.Issue 7, 2015.<br />

72. S. Meretz: Commons-basierte Peer-Produktion. In: spw Zeitschrift <strong>für</strong> sozialistische Politik und Wirtschaft. (158),<br />

2011, S. 27–31.<br />

73. C. Siefkes: Peer-Produktion der unerwartete Aufstieg einer commonsbasierten Produktionsweise.In: S. Helfrich,<br />

Heinrich Böll Stiftung (Hrsg.): Commons. Für eine neue Politik jenseits <strong>von</strong> Markt und Staat.Bielefeld 2012, S. 348–<br />

353.<br />

74. J. Söderberg, Maxigas: Book of Peer Production.Göteborg 2014.<br />

75. C. Siefkes: Beitragen statt tauschen. Materielle Produktion nach dem Modell Freier Software.Neu-Ulm 2008.<br />

76. S. Merten: Peerconomy A Critical Review. (http://en.wiki.oekonux.org/Oekonux/DrawingBoard/PeerconomyRevie<br />

w) 2008.<br />

77. S. Meretz: Peer-Ökonomie. Ein Übergangskonzept.(http://www.streifzuege.org/2007/peer-oekonomie) In:<br />

Streifzüge. 41, Wien 2007.<br />

78. C. Siefkes: Produzieren ohne Geld und Zwang.In: R. Zelik, A. Tauss (Hrsg.): Andere mögliche Welten? Hamburg<br />

2012.<br />

79. C. Siefkes: Freie Quellen oder wie die Produktion zur Nebensache wurde.In: jour fixe initiative berlin (Hrsg.):"Etwas<br />

fehlt" Utopie, Kritik und Glücksversprechen.Münster 2013, S. 255–272.<br />

80. F. Habermann: Commonsbasierte Zukunft. Wie ein altes Konzept eine bessere Zukunft ermöglicht.In: Aus Politik<br />

und Zeitgeschichte. 2015, S. 35–37.<br />

Abgerufen <strong>von</strong> „https://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Commons&oldid=171761715 “<br />

Diese Seite wurde zuletzt am 7. Dezember 2017 um 21:22 Uhr bearbeitet.<br />

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Copyleft<br />

Das Copyleft ist eine Klausel in urheberrechtlichen Nutzungslizenzen, die dem Lizenznehmer die Pflicht<br />

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ursprünglichen Werks zu stellen, obwohl der Bearbeiter eigentlich das Recht hätte, irgendeine andere<br />

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des Werks mit Nutzungseinschränkungen weitergegeben werden, die das Original nicht hat. Das Copyleft<br />

setzt voraus, dass Vervielfältigungen und Bearbeitungen in irgendeiner Weise erlaubt sind. Für sich<br />

gesehen macht es jedoch keine darüberhinausgehenden Aussagen über Art und Umfang der eigentlichen<br />

Lizenz und kann daher in inhaltlich sehr unterschiedlichen Lizenzen eingesetzt werden.<br />

Copyleft kam ursprünglich bei Lizenzen <strong>für</strong> freie Software auf. Dort erzwingt es, dass Fortentwicklungen<br />

eines freien Ur-Programms wiederum frei sind und frei bleiben. Man spricht beim Copyleft deswegen <strong>von</strong><br />

einem viralen Effekt. Es verhindert so, dass Lizenznehmer das Programm durch proprietäre<br />

Erweiterungen in die proprietäre Domäne überführen. Die bekannteste Copyleft-Lizenz ist die GNU<br />

General Public License (GPL). Später fand das gleiche Prinzip auch bei Lizenzen <strong>für</strong> freie Inhalte<br />

Anwendung. Copyleft ist kein notwendiger Bestandteil einer Lizenz <strong>für</strong> freie Software. So hat etwa die<br />

BSD-Lizenz kein Copyleft, dennoch sind darunter freigegebene Programme freie Software.<br />

Das Copyleft-<br />

Logo. Es ist ein<br />

an der Vertikalen<br />

gespiegeltes<br />

Copyrightzeichen<br />

(©), eines also,<br />

das nach links<br />

statt nach rechts<br />

geöffnet ist.<br />

Da der Lizenzgeber selbst nicht an sein eigenes Copyleft gebunden ist, kann er neue Versionen auch unter proprietärer Lizenz<br />

veröffentlichen oder Dritten dies erlauben (Mehrfachlizenzierung), sofern der Lizenzgeber alleiniger Inhaber der ausschließlichen<br />

Nutzungsrechte ist oder, wenn dies nicht der Fall ist, alle anderen Rechteinhaber zugestimmt haben .<br />

Copyleft ist ein Wortspiel, das <strong>einen</strong> Gegensatz zum englischen Begriff Copyright (deutsch: Urheberrecht, wörtlich: „Kopierrecht“)<br />

durch Ersetzen <strong>von</strong> „rechts“ (engl. right) durch das Gegenteil „links“ (engl. left) konstruiert, wobei left gleichzeitig eine<br />

grammatische Form <strong>von</strong> „(über)lassen“ ist. Analog zur Vertauschung der beiden Begriffe wird auch die (urheberrechtliche) Situation<br />

umgekehrt: Es bleibt das Recht zum Kopieren eines Werks sogar nach dessen Bearbeitung erhalten, während es durch das Copyright<br />

eingeschränkt werden könnte sozusagen ein Trick, der das Urheberrecht einsetzt, um etwas zu erreichen, was seiner bisher<br />

üblichen Zweckbestimmung entgegengesetzt ist. Darüber hinaus schützt das Copyleft auch die übrigen Freiheiten der jeweiligen<br />

Lizenz nach einer Bearbeitung des Werks, z. B. bei freier Software den freien Zugang zum Quelltext.<br />

Der Ausdruck Copyleft entspricht weitgehend der Bezeichnung share alike (sa), die bei Creative-Commons-Lizenzen verwendet<br />

wird.<br />

Die Darstellung dieses Zeichens in Unicode ist mit U+1F12F geplant.<br />

Inhaltsverzeichnis<br />

1 Hintergrund<br />

2 Stärke eines Copylefts<br />

3 Kritik<br />

4 Siehe auch<br />

5 Weblinks<br />

6 Einzelnachweise


Hintergrund<br />

Bearbeitet ein Urheber erlaubterweise das Werk eines anderen, so erhält der Bearbeiter nach geltender Rechtsprechung ein<br />

Mitspracherecht darüber, wie das bearbeitete Werk verwendet werden darf. War das ursprüngliche Werk noch <strong>für</strong> jeden frei kopierbar,<br />

verteilbar, veränderbar usw., so übertragen sich diese Freiheiten nicht automatisch auf die Bearbeitung. Dies ist bei Copyleftbehafteten<br />

Lizenzen anders: Da auch der ursprüngliche Autor ein Mitspracherecht am bearbeiteten Werk hat, erlaubt er nur dann die<br />

Weitergabe seines Anteils am Werk, wenn die Bearbeitungen zu den gleichen umfangreichen Rechten wie in der Ursprungslizenz an<br />

jedermann lizenziert werden. Das Copyleft soll somit verhindern, dass freie Werke zum Ausgangsmaterial proprietärer Inhalte<br />

werden.<br />

Das Copyleft-Verfahren wurde zunächst <strong>von</strong> der Free Software Foundation <strong>für</strong> die GNU-Lizenzen (GPL, LGPL und GFDL)<br />

verwendet. Inzwischen wird das Verfahren jedoch auch <strong>von</strong> anderen Organisationen verwendet. Dies betrifft beispielsweise diverse<br />

Musiklizenzen wie die OAL der Electronic Frontier Foundation sowie Versuche, eine <strong>für</strong> alle Werkstypen anwendbare Copyleft-<br />

Lizenz zu schaffen, zum Beispiel die Design Science License (DSL) oder die „ShareAlike“-Lizenzen des Projekts Creative Commons<br />

(CC-BY-SA und CC-BY-NC-SA, wo<strong>von</strong> letztere wegen der Einschränkung auf nichtkommerzielle Benutzung nicht alle der unter<br />

freier Software subsumierten Freiheiten gewährt).<br />

Stärke eines Copylefts<br />

Je nach dem Grad, mit dem Werke, die ein anderes Werk enthalten, als abgeleitete Werke <strong>von</strong> der Lizenz betroffen sind, wird<br />

zwischen starkem und schwachem Copyleft unterschieden wobei der Übergang fließend ist. So kann bei einem starken Copyleft<br />

<strong>von</strong> einem Musikstück, das <strong>für</strong> <strong>einen</strong> Film verwendet wird, verlangt werden, dass auch der Film selbst unter diese Lizenz gestellt<br />

wird, während ein schwaches Copyleft dies nicht verlangen würde, sondern nur bei Änderungen an dem Stück selbst, etwa dem<br />

Songtext.<br />

Historisch entstand dieser Begriff zuerst bei der GPL und LGPL, die hauptsächlich <strong>für</strong> Software verwendet werden. Insbesondere<br />

dürfen Programmbibliotheken, die unter einer Lizenz mit starkem Copyleft (GPL) freigegeben wurden, nur in Programme gelinkt<br />

werden, die unter anderem auch unter der GPL stehen. Die Frage, wie weitreichend ein Copyleft wirkt, ob und wie weit es auch<br />

Funktionsaufrufe in dynamische Bibliotheken oder zur Laufzeit hinzugeladene Module betrifft, ist zum Teil Interpretation des<br />

Lizenztextes und damit teilweise kontrovers diskutiert. [1] Insbesondere unter proprietären Lizenzen stehende Gerätetreiber, die als<br />

Modul in den unter der GPL stehenden Linux-Kernel hinzugeladen werden, führen des Öfteren zu Meinungsverschiedenheiten der<br />

jeweiligen Hersteller mit den Kernel-Entwicklern. [2]<br />

Das Copyleft der Mozilla Public License wird als sehr schwaches, das der LGPL als schwaches und das der GPL als starkes Copyleft<br />

angesehen (z. B. <strong>von</strong> der FSF).<br />

Kritik<br />

Open Group und Entwickler verschiedener BSD-Linien sehen durch das Verbot, modifizierte Versionen unter einer weniger<br />

restriktiven Lizenz zu veröffentlichen, die Freiheit unangemessen eingeschränkt und raten stattdessen zu freien Lizenzen ohne<br />

Copyleft (wie z. B. BSD- oder MIT-Lizenz). [3]<br />

Durch Copyleft-Lizenzen können schnell Inkompatibilitäten, auch zu freien Lizenzen ohne Copyleft, auftreten. So ist beispielsweise<br />

die ursprüngliche Vierklausel-BSD-Lizenz, die später entsprechend zur Dreiklauseligen modifiziert wurde, mit der GPL<br />

inkompatibel, da die Lizenzpflicht der Vierklausel-BSD-Lizenz, in Werbematerial den Urheber zu erwähnen, dem Lizenzverbot (z. B.<br />

in Artikel 6 der GPL Version 2), Einschränkungen aufzuerlegen, widerspricht. Andere freie Lizenzen <strong>für</strong> Programme werden fast<br />

ausschließlich mit der GPL duallizenziert, d. h. der Lizenznehmer hat die Wahl zwischen den beiden Lizenzen. Beispiele hier<strong>für</strong> sind<br />

die Artistic License (Nicht-Copyleft) u. a. bei Perl und die Mozilla Public License (schwaches Copyleft) unter anderem bei<br />

Mozilla. [4] Alternativ können die Lizenzen selbst erlauben, dass das Werk unter eine andere Lizenz gestellt werden darf (z. B. GPL<br />

bei der LGPL Version 2.1 [5] ) oder sich selbst als Ausnahmen einer bestehenden Lizenz definieren (z. B. LGPL Version 3 Draft 1 als<br />

Ausnahme der GPL 3 [6] ).


Siehe auch<br />

freie Lizenz<br />

Wissensallmende<br />

Commons-based Peer Production<br />

geistiges Eigentum<br />

Weblinks<br />

Commons: Copyleft <strong>Sammlung</strong> <strong>von</strong> Bildern, Videos und Audiodateien<br />

Richard Stallman: Was ist Copyleft?, gnu.org<br />

Einzelnachweise<br />

1. oreilly.de (http://www.oreilly.de/catalog/gplger/chapter/ch02.pdf)(PDF)<br />

2. Streit um stabiles Treiber-API <strong>für</strong> Linux, (https://www.heise.de/newsticker/meldung/Streit-um-stabiles-Treiber-API-fue<br />

r-Linux-145282.html) heise online.<br />

3. Richard Stallman: Copyleft: Pragmatic Idealism(http://www.gnu.org/philosophy/pragmatic.html) (englisch).<br />

4. Mozilla mit Doppellizenz,(http://www.golem.de/0008/9298.html)Golem.de. Vgl.: Licenses, (http://www.fsf.org/licensi<br />

ng/licenses/index_html)FSF.<br />

5. GNU Lesser General Public Licence,(http://www.gnu.org/copyleft/lesser.html) FSF, § 3 (englisch).<br />

6. GNU Lesser General Public License, 1st discussion draft(http://gplv3.fsf.org/lgpl-draft-2006-07-27.html)FSF<br />

(englisch).<br />

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Corporate Social Responsibility<br />

Der Begriff Corporate Social Responsibility (CSR) bzw. Unternehmerische Gesellschaftsverantwortung (oft auch als<br />

Unternehmerische Sozialverantwortung bezeichnet) umschreibt den freiwilligen Beitrag der Wirtschaft zu einer <strong>nachhaltigen</strong><br />

Entwicklung, der über die gesetzlichen Forderungen hinausgeht. CSR steht <strong>für</strong> verantwortliches unternehmerisches Handeln in der<br />

eigentlichen Geschäftstätigkeit (Markt), über ökologisch relevante Aspekte (Umwelt) bis hin zu den Beziehungen mit Mitarbeitern<br />

(Arbeitsplatz) und dem Austausch mit den relevanten Anspruchs- bzw. Interessengruppen (Stakeholdern).<br />

Inhaltsverzeichnis<br />

1 Begriffsbestimmung und Facetten der CSR<br />

1.1 Definition<br />

1.2 Strukturierung nach Verantwortungsbereichen<br />

1.2.1 Innerer Verantwortungsbereich<br />

1.2.2 Mittlerer Verantwortungsbereich<br />

1.2.3 Äußerer Verantwortungsbereich<br />

2 Modelle <strong>von</strong> CSR<br />

2.1 Vier-Stufen-Pyramide nach Carroll<br />

2.2 Zwei Dimensionen nach Quazi und O'Brien<br />

2.3 Kernbereiche nach Carroll und Schwartz<br />

2.4 Kapitalmarktmodell nach Wühle<br />

3 Geschichtlicher Hintergrund<br />

4 Umsetzung durch die Unternehmen<br />

5 Umsetzung entlang der Supply Chain<br />

6 Rechtliche Umsetzung<br />

7 Kritik<br />

8 Siehe auch<br />

9 Literatur<br />

10 Weblinks<br />

11 Fußnoten<br />

Begriffsbestimmung und Facetten der CSR<br />

Definition<br />

Für den Begriff Corporate Social Responsibility (CSR) gibt es keine allgemein anerkannte Definition. Vor allem im<br />

angloamerikanischen Sprachgebrauch, zunehmend aber auch im deutschsprachigen Raum, werden in der Diskussion um die Rolle<br />

und die Verantwortung <strong>von</strong> Unternehmen in der Gesellschaft auch verwandte Begriffe wie Corporate Responsibility oder Corporate<br />

Citizenship verwendet. [1] Während die Begriffe CSR und Corporate Citizenship (CC) in der unternehmerischen Praxis oftmals als<br />

Synonym verwendet werden, hat sich in der deutschsprachigen Literatur eine klare Position zum Verhältnis der beiden Konzepte<br />

herausgebildet:<br />

Corporate Citizenship (CC) stellt demnach nur <strong>einen</strong> Teil der gesellschaftlichen Verantwortung <strong>von</strong> Unternehmen dar<br />

und bezeichnet das über die eigentliche Geschäftstätigkeit hinausgehende Engagement <strong>von</strong> Unternehmen zur


Lösung sozialer Probleme im lokalen Umfeld des Unternehmens. Somit reduziert sich CC im Wesentlichen auf<br />

Sponsoring, Spenden und Stiftungen. [2]<br />

Im europäischen Raum hat sich die im Grünbuch der Europäischen Kommissionverankerte CSR-Definition als<br />

gemeinsames Verständnis etabliert: [3]<br />

„Konzept, das den Unternehmen als Grundlage dient, auf freiwilliger Basis soziale Belange und Umweltbelange<br />

in ihre Unternehmenstätigkeit und in die Wechselbeziehungen mit den Stakeholdern zu integrieren.“<br />

Die Definition der Europäischen Kommission nennt soziale Belange und Umweltbelange als zwei zentrale Punkte <strong>für</strong> CSR. Erweitert<br />

man diese um die ökonomischen Belange, erhält man die drei Dimensionen der Nachhaltigkeit. (vgl. auch Drei-Säulen-Modell). [4] In<br />

einem neueren Dokument (COM(201) 681 final) wird die CSR-Definition etwas verkürzt: [5]<br />

„die Verantwortung <strong>von</strong> Unternehmen <strong>für</strong> ihre Auswirkungen auf die Gesellschaft“<br />

und soll nun mit internationalen Definitionen besser übereinstimmen.<br />

Im modernen Verständnis wird CSR zunehmend als ein ganzheitliches, alle Nachhaltigkeitsdimensionen integrierendes<br />

Unternehmenskonzept aufgefasst, das alle „sozialen, ökologischen und ökonomischen Beiträge eines Unternehmens zur freiwilligen<br />

Übernahme gesellschaftlicher Verantwortung, die über die Einhaltung gesetzlicher Bestimmungen (Compliance) hinausgehen.“,<br />

beinhaltet. [6][7]<br />

Zur Begründung der Notwendigkeit der Implementierung <strong>von</strong> CSR in Unternehmen unterscheidet man grundsätzlich in zwei<br />

Ansätzen: Den normativen und den ökonomisch motivierten Ansatz. Der normative Ansatz betrachtet das Unternehmen als Teil der<br />

Gesellschaft und wird daher auch Corporate-Citizenship-Ansatz genannt. Dabei beansprucht das Unternehmen nicht-monetäre<br />

Leistungen aus der Gesellschaft, wie z.B. Infrastruktur, Sicherheit, Bildungs- und Sozialsysteme. Im Gegenzug wird <strong>von</strong> den<br />

Unternehmen gesellschaftliche Verantwortung als Gegenleistung erwartet. Der normative Ansatz rechtfertigt somit den regulativen<br />

Druck <strong>von</strong> Regierungen und staatenübergreifenden Institutionen, Unternehmen gesellschaftliche Verantwortung abzuverlangen. [8]<br />

Der ökonomisch motivierte Ansatz versucht hingegen die Motivation zur Implementierung <strong>von</strong> CSR intrinsisch zu begründen. Dabei<br />

soll nachgewiesen werden, dass eine freiwillige, nicht-normative Implementierung mit einem Nutzenzuwachs <strong>für</strong> das Unternehmen<br />

selbst verbunden ist. Begründet wird dieser Nutzenzuwachs mit der Schaffung und Bewertung <strong>von</strong> Intangible Assets, wie z.B.<br />

Reputation, Vertrauen, Mitarbeitermotivation und Kundenzufriedenheit. [9]<br />

Das Prinzip der Freiwilligkeit erzeugt jedoch auch die Frage nach den wirklichen Beweggründen einer CSR. In den meisten Fällen ist<br />

wohl da<strong>von</strong> auszugehen, dass die Unternehmen nicht allein aus Altruismus handeln – vielmehr verfolgen sie auch ökonomische Ziele<br />

– wie etwa Umsatzsteigerung und Gewinnsteigerung. Die verstärkte Hinwendung zu CSR wird unterstützt durch die Erkenntnis, dass<br />

unternehmerische Verantwortung mittel- und längerfristig zur Steigerung des Unternehmenserfolges beiträgt (Business Case). Als<br />

wichtiger Beweggrund erscheint die Möglichkeit, CSR als Werbemaßnahme zu verwenden und sich als gesellschaftlich engagiertes<br />

Unternehmen darzustellen. Dies wird als legitim angesehen, solange die tatsächliche Nachhaltigkeitsleistung im Einklang mit dem<br />

kommunizierten Engagement steht. Werden jedoch maßlose Übertreibungen, Halbwahrheiten oder Einzelaspekte jenseits eines nicht<br />

<strong>nachhaltigen</strong> Kerngeschäftes öfentlich (oft mit viel PR-Aufwand) herausgestellt, nennt man das zum Beispiel Greenwashing.<br />

Nach fünfjährigem Prozess wurde im September 2010 die ISO-Norm 26000 „Guidance on Social Responsibility“ verabschiedet. Die<br />

nicht zertifizierungsfähige Norm stellt eine Leitlinie dar, um das Bewusstsein <strong>für</strong> gesellschaftliche Verantwortung zu schärfen und<br />

eine einheitliche Terminologie zu fördern. Der Leitfaden bindet bereits vorhandene Ansätze <strong>für</strong> ökologische und soziale<br />

Verantwortung (ILO-Kernarbeitsnormen, GRI (Global Reporting Initiative), Global Compact etc.) ein und enthält viele Beispiele<br />

guter CSR-Praxis (Best Practices). [10]<br />

Strukturierung nach Verantwortungsbereichen<br />

CSR-Aktivitäten lassen sich auf verschiedene Weisen strukturieren. <strong>Eine</strong> mögliche Zuordnung erfolgt nach Hiß über die<br />

verschiedenen Verantwortungsbereiche eines Unternehmens. [11][12]


Innerer Verantwortungsbereich<br />

Der innere Verantwortungsbereich beschreibt die Verpflichtungen des Unternehmens gegenüber dem Markt (Wirtschaftlichkeit)<br />

sowie gegenüber dem Gesetz. Dieser Bereich lässt sich nur dann der CSR zuordnen, wenn auch hier eine Freiwilligkeit besteht. Diese<br />

liegt beispielsweise vor, wenn Gesetze strikt eingehalten werden, obwohl diese in einem Produktionsland üblicherweise nicht<br />

durchgesetzt werden, oder wenn Standortwechsel leicht möglich wären. In diesen Verantwortungsbereich fällt auch die<br />

Gewinnerzielung des Unternehmens. In der öffentlichen Diskussion wird vielfach die Meinung vertreten, CSR impliziere den<br />

generellen Verzicht auf unternehmerische Gewinne. Dem ist entgegenzusetzen, dass Unternehmen sich im Wettbewerb nicht leisten<br />

können, im Namen <strong>von</strong> CSR generell auf Gewinne zu verzichten und damit Wettbewerbsnachteile in Kauf zu nehmen. Es existieren<br />

natürlich Mittel der Gewinnerzielung, die mit CSR nicht vereinbar sind (etwa Vernachlässigung <strong>von</strong> Sicherheitsstandards, die<br />

Ausbeutung <strong>von</strong> Mitarbeitern oder Verletzung <strong>von</strong> Menschenrechten). Entsprechend ist die Frage nach dem Verhältnis <strong>von</strong> CSR und<br />

Gewinnerzielung differenziert zu betrachten. Zunächst einmal ist festzustellen, dass unternehmerische Gewinnerzielung im<br />

marktwirtschaftlichen System notwendig und auch gesellschaftlich erwünscht ist. [13] Allerdings ist zwischen verantwortlicher und<br />

unverantwortlicher Gewinnerzielung zu unterscheiden. Unternehmen haben die Verantwortung, auf kurzfristige Gewinnerzielung<br />

zulasten <strong>von</strong> Dritten zu verzichten. [14] Ein solcher Verzicht liegt im aufgeklärten Eigeninteresse <strong>von</strong> Unternehmen, da sich hierdurch<br />

bestimmte Vermögenswerte (etwa Integrität oder Glaubwürdigkeit) aufbauen lassen, welche <strong>für</strong> die unternehmerische<br />

Kooperationsfähigkeit und die gesellschaftliche Akzeptanz („Licence to operate“) bedeutsam sind. Hier zeigt sich, dass es sich bei<br />

einem derartigen Verzicht auf kurzfristige Gewinnerzielung zulasten Dritter um eine Investition in die Bedingungen des langfristigen<br />

unternehmerischen Erfolgs handelt. So erfordert CSR einerseits Investitionen, zieht jedoch auf der anderen Seite ökonomische<br />

Erfolgswirkungen (Steigerung der finanziellen Performance, Kostensenkung) sowie nicht-ökonomische Erfolgswirkungen (Aufbau<br />

einer positiven Reputation, Risikovermeidung, Produkt- und Prozessinnovationen) nach sich. [15]<br />

Mittlerer Verantwortungsbereich<br />

Der mittlere Verantwortungsbereich umfasst die Wertschöpfungskette des Unternehmens. Selbstverpflichtungen in Bezug auf die<br />

Einhaltung <strong>von</strong> Arbeits- und Umweltstandards, aber auch ein Lieferkettenmanagement (Supply-Chain-Management) fallen in diesen<br />

Bereich. Dabei erscheint der Stakeholderdialog <strong>für</strong> erfolgreiche CSR unerlässlich. Stakeholder sind Personen oder Institutionen, die<br />

ein berechtigtes Interesse an den Aktivitäten eines Unternehmens haben, oder <strong>von</strong> dessen Handlungen betroffen sind. Wichtige<br />

Stakeholder sind Eigen- und Fremdkapitalgeber, Arbeitnehmer und Gewerkschaften, Kunden und Lieferanten, Anwohner,<br />

Verbraucher- und Umweltschutzverbände, Regierungsorganisationen, Medien oder allgemein die Öfentlichkeit.<br />

Im Rahmen <strong>von</strong> CSR ist der Dialog mit den Stakeholdern deshalb so wichtig, da sie diejenigen sind, auf die sich die<br />

unternehmerische Verantwortung beziehen muss. Insbesondere bei größeren, börsennotierten Unternehmen ist CSR mittlerweile eine<br />

wichtige Voraussetzung <strong>für</strong> gute Rating-Ergebnisse und den Zugang zu bestimmten Fonds bzw. Kapitalmarktsegmenten.<br />

Äußerer Verantwortungsbereich<br />

Auf dieser Ebene sind alle Aktivitäten angesiedelt, die durch die beiden zuvor genannten Verantwortungsbereiche nicht abgedeckt<br />

sind. Hierzu gehören die vielbeachteten Aspekte <strong>von</strong> CSR wie Spenden (Corporate Giving), Sponsoring oder das Freistellen <strong>von</strong><br />

Mitarbeitern <strong>für</strong> soziale Aktivitäten (Corporate Volunteering). Der äußere Verantwortungsbereich entspricht dem Verständnis <strong>von</strong><br />

Corporate Citizenship.<br />

Modelle <strong>von</strong> CSR<br />

Vier-Stufen-Pyramide nach Carroll<br />

Archie B. Carroll teilt gesellschaftliche Verantwortung <strong>von</strong> Unternehmen in vier Ebenen: [16]<br />

1. Die ökonomische Verantwortung besagt, dass ein Unternehmen mindestens kostendeckend wirtschaften muss.<br />

2. Gesetzliche Verantwortung besagt, dass ein Unternehmen k<strong>einen</strong> illegalen Tätigkeiten nachgehen darf und die<br />

gesetzlichen Bestimmungen befolgen muss.


3. Ethische Verantwortung beschreibt die Anforderung an das Unternehmen fair und ethisch über die bestehenden<br />

Gesetze hinaus zu handeln<br />

4. Die vierte Ebene wird als philanthropische Verantwortung bezeichnet, sie beschreibt karitatives gesellschaftliches<br />

Engagement über die gesellschaftlichen Erwartungen hinaus.<br />

Die ersten beiden Ebenen muss ein Unternehmen, abgesehen <strong>von</strong> Ausnahmefällen, einhalten, um bestehen zu können<br />

(gesellschaftlich gefordert). Die dritte Ebene des sittlichen Handelns ist notwendig, um gesellschaftlich akzeptiert zu sein, sie ist<br />

jedoch nicht zwingend erforderlich (gesellschaftlich erwartet). Die vierte Ebene ist rein freiwillig, jedoch gesellschaftlich<br />

gewünscht. [17] CSR umfasst prinzipiell alle vier Stufen. Die Vier-Stufen-Pyramide differenziert jedoch nicht nach ökologischen oder<br />

sozialen Aspekten, darüber hinaus besteht die Problematik, eine gemeinsame Erwartungshaltung aus einer modernen Gesellschaft<br />

ableiten zu können.<br />

Zwei Dimensionen nach Quazi und O'Brien<br />

Quazi und O´Brien charakterisieren vier Sichtweisen <strong>von</strong> CSR, die in einem<br />

zweidimensionalen Diagramm aufgetragen werden (siehe Abbildung).<br />

Näherungsweise stimmig sind folgende Aussagen:<br />

Die klassische Sicht entspricht der ökonomischen Stufe nach Carroll.<br />

Die Sozialökonomische entspricht einer Mischung der legalen und der<br />

ethischen Stufe nach Carroll.<br />

Die moderne Sicht entspricht der ethischen Stufe nach Carroll mit<br />

Einflüssen der Stakeholder-Theorie.<br />

Die philanthropischen Sichtweisen aus beiden Modellen entsprechen<br />

sich ebenfalls.<br />

Zwei Dimensionen Modell <strong>von</strong> CSR<br />

nach Quazi und O'Brien<br />

Kernbereiche nach Carroll und Schwartz<br />

Ein weiteres Modell stammt <strong>von</strong> Archie B. Carroll und Mark S. Schwartz. [18]<br />

Hierbei wird CSR in drei Kernbereiche unterteilt: Die ökonomische, die ethische<br />

und die legale Verantwortung. Diese Kernbereiche bilden miteinander<br />

Schnittmengen, sodass sich sieben mögliche Kategorien <strong>von</strong> CSR ergeben (siehe<br />

Abbildung). Die ökologische Dimension wird in dieser Darstellung in die ethische<br />

eingeordnet.<br />

Kapitalmarktmodell nach Wühle<br />

Wühle zufolge liegen die Gründe <strong>für</strong> die wachsende Bedeutung <strong>von</strong> Corporate<br />

Social Responsibility in den gesellschaftlichen und sozioökonomischen<br />

Veränderungen der letzten Jahre, was zu Verwerfungen im Kräfteverhältnis <strong>von</strong><br />

Regierung, der Zivilgesellschaft und dem Markt geführt hat. Die wachsende<br />

Unfähigkeit des Staates, Sozialleistungen zur Verfügung zu stellen, trifft auf <strong>einen</strong><br />

Kapitalmarkt, der es <strong>für</strong> die Unternehmen interessant macht, diese Leistungen<br />

anzubieten. Weil die Globalisierung das Gleichgewicht <strong>von</strong> Staat und Markt zuungunsten des Staates verändert, entsteht zunehmend<br />

eine Marktnachfrage nach gesellschaftlichen Leistungen, wie z.B. Bildung, Kultur oder Sicherheit, wobei sich der Staat immer mehr<br />

aus der Angebotsseite zurückzieht und diese dem Markt überlässt. Corporate Social Responsibility wird somit zu einem Produkt des<br />

Kapitalmarktes. [20]<br />

Geschichtlicher Hintergrund<br />

Bereits die Autoren der Antike beschäftigten sich mit der Frage des <strong>nachhaltigen</strong> Wirtschaftens. Schon Aristoteles begründete im<br />

ersten Buch der Politik (Ποτά) dass das Wirtschaften keine eigenwertige und in sich selbst zweckhafte Sphäre, sondern Mittel<br />

zum guten und rechten Leben sei:<br />

Kernbereiche <strong>von</strong> CSR nach<br />

Schwartz & Carroll


„[…] Nun ist aber offenbar, dass die Tätigkeit der Hausverwaltung<br />

(οἰκοοα) ihre Bestrebungen in höherem Grade auf die Menschen als<br />

auf den leblosen Besitz richtet und mehr auf die Tugend (ἀρετ) der<br />

Menschen als auf die Anhäufung <strong>von</strong> Besitztümern.“<br />

– ARISTOTELES, POLITIK [21]<br />

Seit dem Mittelalter gibt es in Europa das Leitbild des Ehrbaren Kaufmanns, das den<br />

einzelnen Kaufleuten die Einhaltung <strong>von</strong> bestimmten Verhaltensnormen auferlegte,<br />

die unter anderem dem gesellschaftlichen Gleichgewicht in den Städten dienten. Ein<br />

herausragendes Beispiel sozial engagierten Unternehmertums aus der Zeit des<br />

Frühkapitalismus ist die bis heute existierende Fuggerei in Augsburg. Aus den<br />

Ehrbaren Kaufleuten des europäischen Bürgertums wurden in der Industrialisierung<br />

ab dem 18. Jahrhundert Unternehmerpersönlichkeiten, <strong>für</strong> die gesellschaftliches<br />

Engagement ebenfalls zur Selbstverständlichkeit gehörte. [22] Sie traten als Mäzene und Stifter auf und kümmerten sich um die<br />

Verbesserung der Arbeits- und Lebensbedingungen ihrer Mitarbeiter, indem sie beispielsweise Wohnhäuser bauten.<br />

Scharfe Kritik erfuhr das Konzept der unternehmerischen sozialen Selbstverpflichtung <strong>von</strong> Seiten der marxistisch orientierten<br />

Arbeiterbewegung seit dem 19. Jahrhundert. Sie lässt sich zugespitzt mit einer Zeile aus deutschsprachigen Version der zweiten<br />

Strophe des Kampfliedes Die Internationale zusammenfassen: „Leeres Wort: des Reichen Pflicht!“<br />

Der Begriff Nachhaltigkeit stammt aus der Forstwirtschaft und wurde zum ersten Mal 1713 vom sächsischen Oberberghauptmann<br />

Hans Carl <strong>von</strong> Carlowitz formuliert.<br />

Die wissenschaftliche Beschäftigung mit dem Thema CSR hat ihre Wurzeln in den USA, wo ofenbar erst seit den 1950er Jahren eine<br />

Diskussion über die Inhalte und die Reichweite unternehmerischer Verantwortung stattfindet. <strong>Eine</strong> der ersten Publikationen zu dem<br />

Thema war „Social Responsibilities of the Businessman“ <strong>von</strong> Howard R. Bowen (1953). Er vertrat darin die Ansicht, dass sich<br />

soziale Verantwortung <strong>von</strong> Unternehmen an den gesellschaftlichen Erwartungen und Werten zu orientieren habe. Da die<br />

Unternehmen gesellschaftliche Rechte in Anspruch nähmen, hätten sie auch entsprechende Pflichten zu übernehmen. Ab den 1970er<br />

Jahren trat die Betrachtung des Unternehmens als Akteur hinzu. Man war nun der Ansicht, dass die Unternehmen nicht nur auf<br />

Erwartungen der Gesellschaft reagieren, sondern ihr Engagement auch aktiv mitgestalten sollten. Ab den 1970er Jahren setzte sich<br />

zunehmend die Erkenntnis durch, dass Stakeholder als die durch Unternehmensaktivitäten Betroffene einerseits eine unverzichtbare<br />

Rolle <strong>für</strong> die Existenz <strong>von</strong> Unternehmen spielen und andererseits Nutzenbeziehungen zwischen Stakeholdern und Unternehmen<br />

existieren (vgl. Cyert und March 1963 [23] ). Die Aufnahme des Stakeholderansatzes in das Strategische Management ist als Reaktion<br />

auf den vorherrschenden Shareholder Value-Gedanken zu werten und legte den Grundstein <strong>für</strong> heutige CSR-Konzeptionen.<br />

Der Club of Rome wurde 1968 begründet und gab den Bericht Die Grenzen des Wachstums in Auftrag, der 1972 mit großer medialer<br />

Wirkung veröffentlicht wurde. Seit 1969 richteten auch die UN und ihr Generalsekretär U Thant ihr Augenmerk auf krisenhafte<br />

Tendenzen der globalisierten Wirtschaft und forderten eine neue Form des verantwortlichen Wirtschaftens. So entwickelte sich seit<br />

den 1970er Jahren der Umweltschutzgedanke, aus dem die Idee einer <strong>nachhaltigen</strong> Entwicklunghervorging. Seit den 1990er Jahren<br />

verschmelzen beide Ideen – CSR und Umweltschutz/Nachhaltigkeit – zu einer Einheit und einem ganzheitlichen CSR-V erständnis.<br />

In Europa hat sich die CSR-Diskussion dagegen erst später entwickelt. Dies lag wohl zum <strong>einen</strong> an den gegenüber den USA stärker<br />

ausgeprägten sozialen Sicherungssystemen, zum anderen aber auch in der traditionellen Verankerung des<br />

Verantwortungsbewusstseins in den europäischenUnternehmen.<br />

CSR Kapitalmarktmodell nach<br />

Wühle [19]<br />

2001 erschien das „Grünbuch Europäische Rahmenbedingungen <strong>für</strong> die soziale Verantwortung der Unternehmen“ der Europäischen<br />

Union, in dem diese sich erstmals mit dem Thema auseinandersetzte. 2002 wurde das „European Multi-Stakeholder-Forum on CSR“<br />

(EMS-Forum) gegründet. [24] In den Jahren 2011 bis 2014 wurde bzw. wird im Rahmen der Umsetzung der Corporate Social<br />

Responsibility (CSR)-Strategie 201–2014 [25] der Europäischen Kommission aufgezeigt, was erreicht wurde und was in der Zukunft<br />

noch zur Umsetzung bzw. darüber hinaus getan werden muss. Dabei wird auch die Funktion und Rolle der Europäischen<br />

Kommission bei der Umsetzung und Unterstützung aufgezeigt. Hierzu gibt es auch eine <strong>von</strong> der Europäischen Kommission gestartete<br />

öffentliche Konsultation [26] mit dem Thema The European Commission’s strategy on CSR 2011–2014: achievements, shortcomings


and future challenges, die bis zum 15. August 2014 Unionsbürger zur Diskussion und zu Beiträgen einlädt. Diese CSR-Strategie soll<br />

der verstärkten Umsetzung der Grundsätze der sozialen Verantwortung <strong>von</strong> Unternehmen in der Europäischen Union dienen. Die<br />

Konsultation umfasst acht Bereiche. Die Ergebnisse der Konsultation werden <strong>von</strong> der Europäischen Kommission in einem Bericht<br />

zusammengestellt. Diese Ergebnissen und die eines „Multi-Stakeholder Forums“ [27] werden bis November 2014 ausgewertet und<br />

sodann die Grundlage <strong>für</strong> die CSR-Politik der Europäischen Kommission nach 2014 bilden. Die Europäische Kommission hat am<br />

16. April 2013 <strong>einen</strong> Vorschlag <strong>für</strong> eine Richtlinie [28] vorgelegt. Dadurch sollen ab 2017 Unternehmen <strong>von</strong> öffentlichem Interesse<br />

verpflichtet werden, ihre Corporate Social Responsibility (CSR)-Konzepte weitgehend offenzulegen. Der Ministerrat billigte am 29.<br />

September 2014 <strong>einen</strong> Kompromisstext zum Richtlinienvorschlag COM(2013) 207 vom 16. April 2013.<br />

Das österreichische Normierungsinstitut (Austrian Standards) ist hinsichtlich der Normierung rund um das Thema ein Vorreiter im<br />

deutschsprachigen Raum. So gibt es ein Regelwerk (ONR 192500:2011) betreffend der Gesellschaftlichen Verantwortung <strong>von</strong><br />

Organisationen. Dieses Regelwerk zielt dabei nicht nur auf betriebswirtschaftlich geführte Unternehmen ab, sondern bezieht sich<br />

generell auf „Organisationen“ und schließt dabei auch NGOs und sonstige Organisationen mit ein. Zusätzlich gibt es noch eine Norm<br />

die sich auch Leistungen aus dem Unternehmensberatungsbereich beziehen. Es handelt sich dabei um die S2502:2009 -<br />

Beratungsdienstleistungen zur gesellschaftlichen Verantwortung <strong>von</strong> Organisationen. Auch hier nicht nur betreffend<br />

betriebswirtschaftlichen Unternehmen - sondern Organisationen aller Art. [29]<br />

Umsetzung durch die Unternehmen<br />

Aufgrund veränderter Rahmenbedingungen (verbesserte Informations- und Kommunikationstechnologie, wachsende Anzahl <strong>von</strong><br />

kritischen Nichtregierungsorganisationen und sich damit möglicherweise wandelnde Einstellungen bei Verbrauchern und<br />

Öffentlichkeit) setzen sich Unternehmen zunehmend mit CSR auseinander. Andernfalls würden sie Gefahr laufen die benötigte<br />

„Handlungsvollmacht“ der Gesellschaft zu verlieren. [30] Als Reaktion auf die Problematik wächst die Anzahl spezialisierter<br />

Beratungsagenturen und CSR-Abteilungen. Während gemeinnützige Aktivitäten früher oft eher <strong>von</strong> den Neigungen des<br />

Führungspersonals abhingen, sind sie heute verstärkt Gegenstand strategischer Planung und werden enger mit anderen Aktivitäten<br />

der Öffentlichkeitsarbeit abgestimmt. [31]<br />

Entsprechende Konzepte sind:<br />

Integration in das Kerngeschäft: Mittelfristig erscheint es <strong>für</strong> eine glaubwürdige CSR unabdingbar , statt punktueller<br />

Aktivitäten und nebensächlicher Projekte die tatsächliche strategische Verankerung im Kerngeschäft und die<br />

Neuausrichtung des Geschäftsmodells zu erreichen. Dies würde z.B. <strong>für</strong> eine Bank bedeuten, die<br />

Nachhaltigkeitswirkungen der Finanzprodukte in den Blick zu nehmen oder Mikrofinanzdienstleistungen zu<br />

entwickeln, die benachteiligten Bevölkerungsschichten selbsttragende wirtschaftliche Entwicklungen ermöglichen.<br />

Um eine gemeinsame Annäherung an das Thema CSR zu finden, schließen sich Unternehmen zu Netzwerken<br />

zusammen. Beispiele bekannter Netzwerke sind: econsense, Unternehmen: Aktiv im Gemeinwesen, CSR Europe<br />

sowie der UN Global Compact.<br />

Base of the Pyramid: Dieses Konzept (der Grund der Pyramide, bezogen auf die Einkommenspyramide) beschreibt<br />

die Einbeziehung der ärmsten Teile der Bevölkerung in die regulären Wirtschaftskreisläufe. Bei einer Verknüpfung<br />

mit CSR-Konzepten sollen sowohl die unternehmerische Wertschöpfung und die langfristige Armutsbekämpfung<br />

gefördert werden. Mögliche Ansatzpunkte ist hier ein Verhaltenskodex (Code of Conduct) mit Sozialstandards,<br />

einem Verbot <strong>von</strong> Kinderarbeit, Mindestlöhnen und ähnlichen. Dieser kann über ein nachhaltiges<br />

Lieferkettenmanagement (sustainable Supply-Chain-Management) auch an die Zulieferbetriebe weitergegeben<br />

werden.<br />

Kulturelle Vielfalt: Die zunehmende Globalisierung sorgt vermehrt da<strong>für</strong>, dass Produktionsstandorte in Schwellenund<br />

Entwicklungsländer verlegt werden. In diesen sind die Sozialgesetzgebungen und Sozialstandards in der Regel<br />

geringer als in den Industrienationen. Nichtregierungsorganisation(NGOs) und interessierte Konsumentenschichten<br />

erwarten jedoch <strong>von</strong> multinationalen Konzernen, dass diese auf einem weltweit relativ einheitlichen Sozialstandard<br />

produzieren. Daher kann es erforderlich sein, über die nationalen Gesetzgebungen hinaus, CSR-Aktivitäten zu<br />

betreiben, die auf die kulturellen Besonderheiten des entsprechenden Landes abgestimmt sind. Aber auch innerhalb<br />

eines Staates lassen sich Aspekte der kulturellen Vielfalt z.B. durch Diversity Management fördern.<br />

Zur Erhöhung der Glaubwürdigkeit und Legitimität <strong>von</strong> Unternehmen können diese verbindliche Gütesiegel, Umweltund<br />

Sozialstandards schafen und nutzen. Beispiele hier<strong>für</strong> sind die EMAS-Verordnung, SA 8000, ISO 14001 oder<br />

Gütesiegel wie FSC, MSC oder der Blaue Engel.<br />

Die Zusammenarbeit mit Stakeholdern, vor allem mit Nichtregierungsorganisationen, kann <strong>für</strong> Unternehmen eine<br />

wichtige Unterstützung bei der Planung sowie bei der Ausführung <strong>von</strong> CSR-Aktivitäten sein und deren<br />

Glaubwürdigkeit ebenfalls erhöhen.


Die Einführung verbindlicher Designrichtlinien zur Senkung des Material- und Energiebedarfs sowie zur ermeidung V<br />

<strong>von</strong> Abfällen und Emissionen können die Umweltbilanz verbessern.<br />

Corporate Volunteering: Beschreibt ein Konzept, bei dem Mitarbeiter <strong>für</strong> <strong>einen</strong> Teil ihrer Arbeitszeit freigestellt<br />

werden, um einem sozialen oder ökologischen Engagement nachzugehen. Diese Tätigkeit soll einerseits <strong>einen</strong><br />

gesellschaftlichen Nutzen haben und andererseits den Aufbau sozialer Kompetenzen bei den Mitarbeitern und deren<br />

Bindungen zum Unternehmen fördern. [32] Die knappe Mehrheit eines <strong>von</strong> Apriori Business Solutions 2009 befragten<br />

Samples <strong>von</strong> Unternehmen erwartet zumindest implizit ein soziales Engagement ihrer Führungskräfte in er<strong>einen</strong>, V<br />

Stiftungen o.ä. Hierin sollen sich soziale Kompetenz und Verantwortungsbewusstsein insbesondere <strong>von</strong> Mitarbeitern<br />

der Führungslaufbahnen manifestieren. Gleichzeitig erhofen sich die Unternehmen da<strong>von</strong> eine positive Wirkung auf<br />

das eigene Unternehmen. [33]<br />

Um gleichzeitig die Motivation der Beschäftigten zu fördern, werden CSR-Programme bevorzugt an den Standorten des jeweiligen<br />

Unternehmens durchgeführt. [31]<br />

Umsetzung entlang der Supply Chain<br />

Vorfälle wie der Gebäudeeinsturz in Sabhar (2013), der mehr als 1000 Menschenleben gefordert hat, in der Textilbranche haben die<br />

Rolle der Lieferkette (supply chain) statt lediglich eines einzelnen Unternehmens als Gestaltungsobjekt <strong>von</strong> CSR stärker in den<br />

Vordergrund gestellt. Ansätze des Supply-Chain-Managementswerden somit vermehrt zur Stärkung <strong>von</strong> CSR eingesetzt. Wieland<br />

und Handfield (2013) schlagen hier<strong>für</strong> drei Maßnahmenkomplexe vor, um CSR entlang der Lieferkette sicherzustellen. So muss eine<br />

Auditierung <strong>von</strong> Produkten und Lieferanten stattfinden, diese Auditierung muss jedoch auch Lieferanten <strong>von</strong> Lieferanten mit<br />

einbeziehen. Zudem muss die Transparenz entlang der gesamten Lieferkette erhöht werden, wobei smarte Technologien neue<br />

Potenziale bieten. Schließlich lässt sich CSR durch Kooperationen mit lokalen Partnern, mit anderen Unternehmen der Branche<br />

sowie mit Hochschulen verbessern. [34]<br />

Rechtliche Umsetzung<br />

Europäisches Parlaments und Europarat haben am 22. Oktober 2014 die Richtlinie 2014/95/EU [35] erlassen. Sie richtet sich an alle<br />

Mitgliedstaaten und fordert dazu auf, ihre Regelungen bis zum 6. Dezember 2016 in nationales Recht umzusetzen. In Deutschland<br />

erfolgte die Umsetzung verspätet mit dem am 19. April 2017 in Kraft getretenen CSR-Richtlinie-Umsetzungsgesetz [36] .<br />

Kritik<br />

Corporate Social Responsibility ist auch Kritik ausgesetzt. Diese beruht im Wesentlichen auf der Tatsache, dass Unternehmen<br />

(insbesondere börsennotierte Unternehmen) nach den Kriterien der Profitmaximierung wirtschaften und dabei <strong>für</strong> sie soziale oder<br />

ökologische Gesichtspunkte keine oder nur eine untergeordnete Rolle spielen. Viele Unternehmen würden Corporate Social<br />

Responsibility daher nur aus ökonomischen Gründen betreiben, und zwar auf eine Art und Weise, dass sie mit minimalen Kosten<br />

<strong>einen</strong> maximalen positiven Effekt <strong>für</strong> sich selbst erzielen. Es bestehen also Zweifel an der Aufrichtigkeit der Motive <strong>für</strong> ein<br />

Engagement im Sinne des CSR. Nach Ansicht der Kritiker setzen solche Unternehmen CSR-Aktivitäten nicht „um der Sache selbst“<br />

willen, sondern aus einem oder mehreren der folgenden Gründe um:<br />

Verbesserung des eigenen Images: Ein Unternehmen setzt CSR-Aktivitäten um und hebt diese (beispielsweise in<br />

seiner Werbung) als eines seiner herausragenden Merkmale hervor. Das Ziel ist ein verbessertes Ansehen des<br />

Unternehmens in der Bevölkerung (und oft ein damit einhergehender gesteigerter Gewinn). Die Ausgaben <strong>für</strong> die<br />

Werbung können in solchen Fällen die Kosten <strong>für</strong> die Umsetzung der CSR-Aktivitäten um ein Vielfaches<br />

übersteigen. Kritik wird besonders an solchen Unternehmen geübt, die <strong>von</strong> der CSR-Aktivität abgesehen durch ihre<br />

sonstigen Handlungen ökologisch oder sozial nicht nachhaltig sind. Im Bezug auf ökologische Nachhaltigkeit spricht<br />

man in einem solchen Zusammenhang <strong>von</strong> Greenwashing. [37]<br />

Vorbeugung gegen die Schaffung <strong>von</strong> Gesetzen: Aufgrund der weltweit steigenden Nachfrage nach ökologisch<br />

und sozial nachhaltig produzierten Gütern und der wachsenden Erwartung der Gesellschaft an die Unternehmen,<br />

ethisch korrekt zu wirtschaften, wächst auch die Wahrscheinlichkeit, dass immer mehr Länder Gesetze einführen,<br />

die die Unternehmen zu solch einem Handeln zwingen. Nach Ansicht der Kritiker wird daher CSR <strong>von</strong> einigen<br />

Unternehmen umgesetzt, um der Schaf fung solcher Gesetze vorzubeugen, da diese <strong>für</strong> die Unternehmen mit<br />

wesentlich höheren Kosten verbunden wären als wenn sie sich selbst freiwillig engagieren. Kritiker vergleichen dies<br />

mit einem Ablasshandel, einer Botschaft der Unternehmen an die Politik und Bürger: „wir kümmern uns drum, wir<br />

brauchen keine Regeln und ihr Konsumenten könnt in Ruhe bei uns einkaufen.“ [38]


Vermeidung <strong>von</strong> Folgekosten <strong>von</strong> Pannenund Unfällen: Ökologisch und sozial nicht nachhaltiges Handeln kann<br />

zu Pannen, Unfällen oder sonstigen Unglücken führen, deren Folgen <strong>für</strong> das verantwortliche Unternehmen mit<br />

erheblichen Kosten verbunden sind, die die gesparten Kosten bei weitem übersteigen. Aus diesem Grund sind CSR-<br />

Aktivitäten <strong>für</strong> solche Unternehmen auch vom finanziellen Gesichtspunkt aus sinnvoll und werden nach Ansicht der<br />

Kritiker auch nur aus finanziellen Gründen durchgeführt. Beispiele <strong>für</strong> Vorfälle, die die Umsetzung <strong>von</strong> CSR zur<br />

Folge hatten, sind das Tankerunglück der Exxon Valdes <strong>von</strong> 1989, oder die Rückrufaktion <strong>von</strong> mit Blei belastetem<br />

Spielzeug <strong>von</strong> Mattel im Jahr 2007.<br />

Siehe auch<br />

Social Entrepreneurship<br />

Nachhaltigkeitsmanagement<br />

Corporate Citizenship<br />

Corporate Volunteering<br />

Unternehmensspenden<br />

TRIGOS-Preis<br />

Literatur<br />

Edward Freeman, Alexander Moutchnik: Stakeholder management and CSR: questions and answers.In:<br />

UmweltWirtschaftsForum. Springer-Verlag, Band 21, Nr. 1, 2013. http://link.springer.com/article/10.1007/s00550-<br />

013-0266-3<br />

Aufsätze<br />

Alexander Bassen, Sarah Jastram, Katrin Meyer: Corporate Social Responsibility. <strong>Eine</strong> Begriffserläuterung. In:<br />

Zeitschrift <strong>für</strong> Wirtschafts- und Unternehmensethik.Jg. 6, Nr. 2, 2005. Rainer Hampp Verlag, Mering, ISSN 1439-<br />

880X, S. 231–236.<br />

Frank Czymmek, Ines Freier, Charlotte Hesselbarth, Alexandro Kleine: Corporate Social Responsibility. In: Annett<br />

Baumast, Jens Pape (Hrsg.): Betriebliches Umweltmanagement im 21. Jahrhundert.4. Auflage. Ulmer Verlag,<br />

Stuttgart 2009, S. 241–254.<br />

Ursula Hansen, Ulf Schrader: Corporate Social Responsibility als aktuelles Thema der Betriebswirtschaftslehre. In:<br />

Die Betriebswirtschaft. Jg. 65, Heft 4, S. 373–395.<br />

Daniel Klink: Der Ehrbare Kaufmann – Das ursprüngliche Leitbild der Betriebswirtschaftslehre und individuelle<br />

Grundlage <strong>für</strong> die CSR-Forschung.In: Joachim Schwalbach (Hrsg.): Corporate Social Responsibility. Zeitschrift <strong>für</strong><br />

Betriebswirtschaft – Journal of Business Economics.Special Issue 3. Gabler, Wiesbaden 2008, ISBN 978-3-8349-<br />

1044-8, S. 57–79.<br />

Marina Hoffmann, Frank Maaß: Corporate Social Responsibility als Erfolgsfaktor einer stakeholderbezogenen<br />

Führungsstrategie? Ergebnisse einer empirischen Untersuchung. In: Institut <strong>für</strong> Mittelstandsforschung Bonn (Hrsg.):<br />

Jahrbuch zur Mittelstandsforschung 2008. Gabler, Wiesbaden 2009, ISBN 978-3-8349-1609-9, S. 1–51. (Schriften<br />

zur Mittelstandsforschung, Nr. 116)<br />

Monographien<br />

Andreas Schneider, Rene Schmidpeter,(Hrsg.) Corporate Social Responsibility - verantwortungsvolle<br />

Unternehmensführung in Theorie und Praxis, Springer-Gabler-Verlag 2012, ISBN 978-3-642-25398-0.<br />

Stefanie Hiß: Warum übernehmen Unternehmen gesellschaftliche Verantwortung? Ein soziologischer<br />

Erklärungsversuch. Campus, Frankfurt am Main 2006, ISBN 3-593-38187-7.<br />

Nick Lin-Hi: <strong>Eine</strong> Theorie der Unternehmensverantwortung: Die Verknüpfung <strong>von</strong> Gewinnerzielung und<br />

gesellschaftlichen Interessen.Erich-Schmidt-Verlag, Berlin 2009, ISBN 978-3-503-11478-8.<br />

Thomas Loew, Kathrin Ankele, Sabine Braun: Bedeutung der internationalen CSR-Diskussion <strong>für</strong> Nachhaltigkeit und<br />

die sich daraus ergebenden Anforderungen an Unternehmen mit Fokus Berichterstattung. Münster/Berlin 2004.<br />

Lothar Rieth: Global Governance und Corporate Social Responsibility . Welchen Einfluss haben der UN Global<br />

Compact, die Global Reporting Initiative und die OECD-Leitsätze auf das CSR-Engagement deutscher<br />

Unternehmen? Budrich UniPress, Opladen 2009, ISBN 978-3-940755-31-5.<br />

Jan Jonker, Wolfgang Stark, Stefan Tewes: Corporate Social Responsibility und nachhaltige Entwicklung.<br />

Einführung, Strategie und Glossar. Springer-Verlag, Berlin/Heidelberg 2011, ISBN 978-3-642-14688-6.<br />

Weblinks<br />

UnternehmensWerte CSR-Programm der deutschen Bundesregierung


Informationen zu den CSR- Aktivitäten des Rates <strong>für</strong> Nachhaltige Entwicklung , Rat <strong>für</strong> Nachhaltige Entwicklung<br />

Die gesellschaftliche Verantwortung <strong>von</strong> Unternehmen (PDF; 318 kB), Dokumentation der Ergebnisse einer<br />

Unternehmensbefragung der Bertelsmann Stiftung aus dem Jahr 2005<br />

UmweltDialog, unabhängiger CSR-Nachrichtendienst seit 2003<br />

Studie (Memento vom 12. März 2015 im Internet Archive) des Institut <strong>für</strong> ökologische Wirtschaftsforschungzur CSR-<br />

Diskussion und Anforderungen an Unternehmen<br />

CSR und kleine und mittlere Unternehmen.(Memento vom 17. Januar 2009 im Internet Archive) Europäische<br />

Kommission<br />

Eurobaromater UmfrageWie Unternehmen unsere Gesellschaft beeinflussen: Die Sicht der Bürger (veröf fentlicht<br />

2013).<br />

csrgermany.de (Unternehmen tragen Verantwortung - Initiative der Spitzenverbände BDA, BDI, DIHK, ZDH) (9.<br />

Februar 2013)<br />

Fußnoten<br />

1. F. Dubielzig, S. Schaltegger: Corporate Social Responsibility. In: M. Althaus, M. Gefken, S. Rawe (Hrsg.):<br />

Handlexikon Public Affairs(http://www2.leuphana.de/umanagement/csm/content/nama/downloads/pdf-dateien/CSR_<br />

Dubielzig-Schaltegger_Lexikon_Public_Af fairs.pdf) (PDF; 147 kB) Lit Verlag, Münster 2005, S. 240–243.<br />

2. Thomas Loew, Kathrin Ankele, Sabine Braun: Bedeutung der internationalen CSR-Diskussion <strong>für</strong> Nachhaltigkeit und<br />

die sich daraus ergebenden Anforderungen an Unternehmen mit Fokus Berichterstattung. Münster/Berlin 2004.<br />

3. Grünbuch Europäische Rahmenbedingungen <strong>für</strong> die soziale Verantwortung der Unternehmen.(http://eur-lex.europa.<br />

eu/legal-content/DE/TXT/PDF/?uri=COM:2001:0366:FIN)(PDF; 198 kB) KOM (2001) 366 endgültig", Brüssel 2001.<br />

4. Grünbuch Europäische Rahmenbedingungen <strong>für</strong> die soziale Verantwortung der Unternehmen.KOM (2001) 366<br />

endgültig, Brüssel 2001, S. 29 f.<br />

5. COMMUNICATION FROM THE COMMISSION TO THE EUROPEAN PARLIAMENT, THE COUNCIL, THE<br />

EUROPEAN ECONOMIC AND SOCIAL COMMITTEE AND THE COMMITTEE OF THE REGIONS(http://eur-lex.eu<br />

ropa.eu/LexUriServ/LexUriServ.do?uri=COM:2011:0681:FIN:EN:PDF).<br />

6. Heribert Meffert, Matthias Münstermann: Corporate Social Responsibility in Wissenschaft und Praxis: eine<br />

Bestandsaufnahme. Arbeitspapier Nr. 186, Wissenschaftliche Gesellschaft <strong>für</strong> Marketing und Unternehmensführung<br />

e.V., Münster 2005, S. 20 f.<br />

7. Oliver Herchen: Corporate Social Responsibility. Wie Unternehmen mit ihrer ethischen Verantwortung umgehen.<br />

Norderstedt 2007, ISBN 978-3-8370-0262-1, S. 25 f.<br />

8. Matthias Wühle: Mit CSR zum Unternehmenserfolg. Gesellschaftliche Verantwortung als Wertschöpfungsfaktor.<br />

Saarbrücken 2007, ISBN 978-3-8364-0259-0, S. 6ff.<br />

9. Matthias Wühle: Mit CSR zum Unternehmenserfolg. Gesellschaftliche Verantwortung als Wertschöpfungsfaktor.<br />

Saarbrücken 2007, ISBN 978-3-8364-0259-0, S. 14ff.<br />

10. ISO 26000:2010. (http://www.iso.org/iso/catalogue_detail?csnumber=42546)<br />

11. Stefanie Hiß: Warum übernehmen Unternehmen gesellschaftliche Verantwortung - Ein soziologischer<br />

Erklärungsversuch. Frankfurt am Main 2006: Campus<br />

12. Martin Müller, Stefan Schaltegger: Corporate Social Responsibility: Trend oder Modeerscheinung. München 2008,<br />

ISBN 978-3-86581-053-3, S. 21 f.<br />

13. Nick Lin-Hi: <strong>Eine</strong> Theorie der Unternehmensverantwortung: Die Verknüpfung <strong>von</strong> Gewinnerzielung und<br />

gesellschaftlichen Interessen.Berlin 2009, ISBN 978-3-503-11478-8, S. 87 ff., 112 ff.<br />

14. ebenda, S. 118 f.<br />

15. Ina Bickel: Corporate Social Responsibility: Einflussfaktoren, Erfolgswirkungen und Einbezug in produktpolitische<br />

Entscheidungen. ISBN 978-3-8366-7829-2, S. 36 ff.<br />

16. Archie B. Carroll: The Pyramid of Corporate Social Responsibility. Toward the Moral Management of Organizational<br />

Stakeholders, Business Horizons, July/August 1991, 39-48<br />

17. Martin Müller, Stefan Schaltegger: Corporate Social Responsibility - Trend oder Modeerscheinung. München 2009,<br />

ISBN 978-3-86581-053-3, S. 56.<br />

18. Martin Müller, Stefan Schaltegger: Corporate Social Responsibility - Trend oder Modeerscheinung. München 2009,<br />

ISBN 978-3-86581-053-3, S. 58.<br />

19. Matthias Wühle: Mit CSR zum Unternehmenserfolg. Saarbrücken 2007, ISBN 978-3-8364-0259-0, S. 32.<br />

20. Matthias Wühle: Mit CSR zum Unternehmenserfolg. Saarbrücken 2007, ISBN 978-3-8364-0259-0, S. 29ff.<br />

21. Aristoteles: Politik I 13, 1259b, Reinbek 1994, S. 71.<br />

22. Daniel Klink: Der Ehrbare Kaufmann – Das ursprüngliche Leitbild der Betriebswirtschaftslehre und individuelle<br />

Grundlage <strong>für</strong> die CSR-Forschung.In: Joachim Schwalbach (Hrsg.): Corporate Social Responsibility. Zeitschrift <strong>für</strong><br />

Betriebswirtschaft – Journal of Business Economics.Special Issue 3. Gabler, Wiesbaden 2008, ISBN 978-3-8349-<br />

1044-8, S. 57–79.<br />

23. R.M. Cyert, J.G. March: A behavioral theory of the firm.Prentice Hall, Englewood Clifs NJ 1963.


24. Oliver Herchen: Corporate Social Responsibility. Wie Unternehmen mit ihrer ethischen Verantwortung umgehen.<br />

Norderstedt 2007, ISBN 978-3-8370-0262-1, S. 19 ff.<br />

25. COM(2011) 681 <strong>Eine</strong> neue EU-Strategie (2011-14) <strong>für</strong> die soziale Verantwortung der Unternehmen.(https://web.arc<br />

hive.org/web/20141006181112/http://ec.europa.eu/enterprise/policies/sustainable-business/files/csr/new-csr/act_de.<br />

pdf) (Memento vom 6. Oktober 2014 im Internet Archive)<br />

26. Die Strategie der Europäischen Kommission <strong>für</strong> CSR 2011–2014: Ergebnisse, Defizite und zukünftige<br />

Herausforderungen, abrufbar unter: The European Commission’s strategy on CSR 2011-2014: achievements,<br />

shortcomings and future challenges.(https://web.archive.org/web/20150311070550/http://ec.europa.eu/enterprise/po<br />

licies/sustainable-business/corporate-social-responsibility/public-consultation/index_en.htm) (Memento vom 11. März<br />

2015 im Internet Archive)<br />

27. Multi-stakeholder Forum on Corporate social responsibility (CSR).(https://web.archive.org/web/20140402172035/htt<br />

p://ec.europa.eu/enterprise/policies/sustainable-business/corporate-social-responsibility/multi-stakeholder-forum/inde<br />

x_en.htm) (Memento vom 2. April 2014 im Internet Archive)<br />

28. „Vorschlag <strong>für</strong> eine RICHTLINIE DES EUROPÄISCHEN PARLAMENTS UND DES RATES zur Änderung der<br />

Richtlinien 78/660/EWG und 83/349/EWG des Rates im Hinblick auf die Offenlegung nichtfinanzieller und die<br />

Diversität betreffender Informationen durch bestimmte große Gesellschaften und Konzerne“ , Richtlinienvorschlag<br />

COM(2013) 207 final / 2013/0110 (COD)(http://eur-lex.europa.eu/legal-content/DE/TXT/PDF/?uri=CELEX:52013PC<br />

0207&from=DE). Text auch <strong>für</strong> den EWR <strong>von</strong> Bedeutung.<br />

29. Arnold Prentl: Corporate Social Responsibility als Thema der Unternehmensberatung: unter Berücksichtigung der<br />

ÖNORM S2502:2009, ISBN 978-3-639-38498-7.<br />

30. Andreas Suchanek, Nick Lin-Hi: <strong>Eine</strong> Konzeption unternehmerischer Verantwortung. (https://web.archive.org/web/20<br />

140425115312/http://www.wcge.org/downloads/DP_2006-7_Suchanek_Lin-Hi_-_<strong>Eine</strong>_Konzeption_unternehmerisch<br />

er_Verantwortung.pdf) (Memento vom 25. April 2014 im Internet Archive) (PDF; 756 kB) Diskussionspapier Nr. 2006-<br />

7 des Wittenberg Zentrums <strong>für</strong> Globale Ethik.<br />

31. Netzwerk Recherche: „In der Lobby brennt noch Licht“, Dokumentation 12. MainzerMedienDisput (http://www.netzwe<br />

rkrecherche.de/files/nr-werkstatt-12-lobbyismus-als-schatten-management-in-politik-und-medien.pdf) (PDF; 2,8 MB),<br />

S. 57–58.<br />

32. Martin Müller, Stefan Schaltegger: Corporate Social Responsibility - Trend oder Modeerscheinung. München 2009,<br />

ISBN 978-3-86581-053-3.<br />

33. Apriori Business Solutions: Karrieremodelle 2010: Einflüsse, Entwicklungen und Erfolgsfaktoren.Aschaffenburg<br />

2009.<br />

34. Andreas Wieland, Robert B. Handfield: The Socially Responsible Supply Chain: An Imperative for Global<br />

Corporations. In: Supply Chain Management Review. Vol. 17, No. 5, 2013, S. 22–29.<br />

35. Text der Richtlinie 2014/95/EU des Europäischen Parlaments und des Rates vom 22. Oktober 2014 zur Änderung<br />

der Richtlinie 2013/34/EU im Hinblick auf die Angabe nichtfinanzieller und die Diversität betref fender Informationen<br />

durch bestimmte große Unternehmen und Gruppen(http://eur-lex.europa.eu/legal-content/DE/ALL/?uri=CELEX:320<br />

14L0095)<br />

36. buzer.de: Änderungen CSR-RL-UG CSR-Richtlinie-Umsetzungsgesetz.(https://www.buzer.de/gesetz/12471/l.htm)<br />

Abgerufen am 2. Juni 2017.<br />

37. Greenwashing – Die dunkle Seite der CSR | Verantwortung. In: RESET.to. (reset.to (http://reset.to/knowledge/green<br />

washing-%E2%80%93-die-dunkle-seite-der-csr)[abgerufen am 2. Juni 2017]).<br />

38. Kathrin Hartmann im Interview bei SOS Mitmensch(http://moment.sosmitmensch.at/stories/2630/)<br />

Abgerufen <strong>von</strong> „https://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Corporate_Social_Responsibility&oldid=170698360 “<br />

Diese Seite wurde zuletzt am 5. November 2017 um 20:49 Uhr bearbeitet.<br />

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Coworking<br />

Coworking (auch Co-working, engl. „zusammen arbeiten“ bzw. koarbeiten oder<br />

kollaborativ arbeiten) ist eine Entwicklung im Bereich „neue Arbeitsformen“.<br />

Freiberufler, Kreative, kleinere Startups oder digitale Nomaden arbeiten dabei<br />

zugleich in meist größeren, offenen Räumen und können auf diese Weise<br />

<strong>von</strong>einander profitieren. Sie können unabhängig <strong>von</strong>einander agieren und in<br />

unterschiedlichen Firmen und Projekten aktiv sein, oder auch gemeinsam Projekte<br />

verwirklichen und Hilfe sowie neue Mitstreiter finden.<br />

„Coworking Spaces“ stellen Arbeitsplätze und Infrastruktur (Netzwerk, Drucker, Ein Coworking Space in Berlin<br />

Scanner, Fax, Telefon, Beamer, Besprechungsräume) zeitlich befristet zur Verfügung<br />

und ermöglichen die Bildung einer Gemeinschaft („Community“), welche mittels<br />

gemeinsamer Veranstaltungen, Workshops und weiterer Aktivitäten gestärkt werden kann. Dabei bleibt die Nutzung jedoch stets<br />

unverbindlich und zeitlich flexibel.<br />

Inhaltsverzeichnis<br />

1 Die fünf Coworking-Werte<br />

2 Coworking Spaces<br />

3 Ökonomische Betrachtung<br />

4 Siehe auch<br />

5 Weblinks<br />

6 Einzelnachweise<br />

Die fünf Coworking-Werte<br />

Die Werte des Coworking sind: [1]<br />

Offenheit<br />

Kollaboration<br />

Nachhaltigkeit<br />

Gemeinschaft<br />

Zugänglichkeit<br />

Coworking Spaces<br />

Im Februar 2013 befanden sich die meisten Coworking-Büros mit ca. 800 in den USA (Kalifornien), aber auch in zahlreichen<br />

europäischen Metropolen existieren oder entstehen solche Orte. In Deutschland waren es im Februar 2013 etwa 230 Coworking-<br />

Angebote, weltweit lag die Zahl bei knapp 2500. [2] Daneben existieren Initiativen, sogenannte „Jellies“, [3] zu denen sich Leute<br />

wöchentlich oder in bestimmten Zeitabständen zum gemeinsamen Arbeiten tref fen.<br />

Die Mehrheit der Coworkingräume bieten eine Tages-, Wochen-, oder Monatspauschale an. In einigen Bürogemeinschaften hat man<br />

<strong>einen</strong> eigenen Schreibtisch mit Postadresse und Telefon, in anderen suchen sich die Besucher täglich <strong>einen</strong> neuen Platz. In den<br />

Mietkosten sind meist ein Schreibtisch sowie die Nutzung (Fairuse) <strong>von</strong> W-Lan, Küche, Konferenzraum und Drucker inbegrif fen.


Für das auch in Europa immer populärer werdende Coworking ist die Gründer- und Startup-Metropole Berlin ein Motor der<br />

Entwicklung. Zahlreiche unterschiedliche Angebote sind im Stadtgebiet entstanden, so etwa das betahaus und das Rainmaking Loft [4]<br />

in Kreuzberg, Factory Berlin, House of Clouds, Impact Hub, co.up, raumstation, KAOS und United Urbanites. [5] Die<br />

unterschiedlichen Mietbüros grenzen sich gerade in den Großstädten teils stark <strong>von</strong>einander ab. So ist der Schwerpunkt bei einigen<br />

auf gemeinsamer Projektarbeit, bei anderen auf besonderen Ausstattungsmerkmalen (Filmstudio, Nähstudio, Kinderhort etc.) oder<br />

auf einem besonderen Netzwerk zu räumlich nahen Unternehmen und Instituten. [6] Stark frequentierte Coworking-Angebote in<br />

anderen Großstädten sind z.B.: Kulturhafen Riverboat und Tapetenwerk in Leipzig, Hafven in Hannover, Metalab in Wien und die<br />

Utopiastadt im Bahnhof Wuppertal-Mirke.<br />

Auch in kleineren urbanen Räumen, besonders in Universitätsstädten, sind Coworking-Angebote entstanden, z.B. Cowork in<br />

Greifswald [7] und ZeitRaum in Braunschweig [8] . Auch in einigen Klein- und Mittelstädten, sowie ländlichen Gegenden entstehen<br />

mitunter Coworking Spaces, um Gründer und Kreative einer Region zu vernetzen und ihnen günstige Arbeitsbedingungen zu bieten,<br />

wie etwa im hessischen Ort Lorsch, im oberbayerischen Dießen am Ammersee oder im baden-württembergischen Ravensburg.<br />

<strong>Eine</strong> Sonderform der Coworking Spaces sind die sogenannten „FabLabs“, in denen Einrichtungen und Geräte der Spitzentechnologie<br />

<strong>für</strong> Experimente und Geschäftsideen genutzt werden können, wie zum Beispiel große 3D-Drucker, Großrechner oder verschiedene<br />

Laser.<br />

Ökonomische Betrachtung<br />

Neben dem Community-Aspekt liegt ein weiterer Vorteil <strong>für</strong> die Nutzer in den geringeren Kosten, die weit unter den Fixkosten <strong>für</strong><br />

<strong>einen</strong> Arbeitsplatz in einem gewöhnlichen Büro liegen. [9] Für <strong>einen</strong> Schreibtisch muss man monatlich mit etwa 250 Euro rechnen.<br />

Außerdem erlauben Coworking-Plätze eine flexible Nutzung. Unternehmen können Spitzen im Flächenbedarf, z. B. bei<br />

umfangreichen Projekten, bei denen eine größere Zahl Freiberufler und externe Mitarbeiter benötigt wird, über den Coworking Space<br />

puffern, ohne selbst ausreichende Flächen vorhalten zu müssen. Aus Entrepreneurship-Sicht entsteht durch die Zusammensetzung der<br />

Nutzer meist ein hoch kreativer Nährboden <strong>für</strong> neue Ideen, der <strong>von</strong> Unternehmen <strong>für</strong> Open Innovation genutzt werden kann, indem z.<br />

B. gezielt einzelne Mitarbeiter auf Zeit in <strong>einen</strong> Coworking Space entsandt werden oder ganze Teile <strong>von</strong> Forschung und Entwicklung<br />

dorthin verlegt werden, um diese konsequent nach außen zu öffnen. In den USA sind in Coworking Spaces oft auch Startup-<br />

Inkubatoren angegliedert.<br />

Auch die Coworker selber profitieren direkt <strong>von</strong> den neuen Arbeitsräumen. In einer weltweiten Studie berichtet eine große Mehrheit<br />

<strong>von</strong> einer verbesserten Interaktion mit anderen Personen, ebenso fühlen sie sich produktiver und motivierter. Etwa 40 % erzielen seit<br />

ihrer Arbeit in einem Coworking Space ein höheres Einkommen. [10]<br />

Siehe auch<br />

Bürogemeinschaft<br />

Business Center<br />

Hackerspace<br />

New Work<br />

Social Entrepreneurship<br />

Telearbeit<br />

Telecentro<br />

Weblinks<br />

Rent a Desk: Neue Formen der Arbeit– Deutschlandfunk, 15. Juli 2010<br />

coworking.de – Verzeichnis <strong>von</strong> Coworking-Spaces in Deutschland<br />

coworking.ch – Verzeichnis <strong>von</strong> Coworking-Spaces in der Schweiz<br />

Deskmag – Magazin über Coworking, seine Menschen und Räume<br />

German Coworking Federation– Webseite der deutschen Coworking-Organisation


Einzelnachweise<br />

1. COWORKING – MEHR ALS NUR ARBEITSPLATZVERMIETUNG (https://garagebilk.de/coworking-werte/),<br />

abgerufen am 4. April 2016<br />

2. Deskmag: 2500 Coworking Spaces weltweit(https://web.archive.org/web/20130603032258/http://blog.deskwanted.c<br />

om/2013/02/2500-coworking-spaces-weltweit/)(Memento vom 3. Juni 2013 im Internet Archive), abgerufen am 26.<br />

Februar 2013<br />

3. Jelly work-together (http://workatjelly.com/), abgerufen am 6. Februar 2014<br />

4. Rainmaking Loft kommt nach Berlin(http://www.gruenderszene.de/allgemein/rainmaking-loft-kommt-nach-berlin)<br />

5. Coworking in Berlin und ganz Deutschland – Liste der Angebote(http://www.coworking.de/berlin)<br />

6. Berliner Coworking Spaces 2014(http://www.frolleinholle.de/berlins-beste-co-working-spaces-2014/)<br />

7. Sebastian Erb: Arbeitsform der Zukunft: Coworking schafft Nestwärme.(http://taz.de/!46787/) In: taz. 15. Januar<br />

2010, abgerufen am 6. Februar 2014.<br />

8. ZeitRaum: Zusammen ist man weniger allein(http://journal.ihk-wirtschaft-online.de/index.php/gruenderin/item/1934-z<br />

eitraum-zusammen-ist-man-weniger-allein)In: IHK Wirtschaft. Mai 2016, abgerufen am 16. September 2016<br />

9. Deskmag: Coworking schlägt alte Büros bei den Kosten um die Hälfte(http://www.deskmag.com/de/coworking-spac<br />

es-schlagen-alte-bueros-bei-kosten-um-haelfte-157) . 12. Dezember 2010<br />

10. Deskmag: Was macht Coworking Spaces bei Coworkern beliebt? (http://www.deskmag.com/de/was-coworking-spac<br />

es-bieten-162). 31. Januar 2011<br />

Abgerufen <strong>von</strong> „https://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Coworking&oldid=171505709 “<br />

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Ökoeffektivität<br />

Ökoeffektivität ist ein Begriff, den der deutsche Chemiker Michael Braungart und der US-amerikanische Architekt William<br />

McDonough in ihrem 2002 erschienenen Buch Cradle to Cradle (C2C, Von der Wiege bis zur Wiege) [1] verwenden. Sie stellten den<br />

Begriff in Kontrast zur Ökobilanz (die den Stoffkreislauf und dessen Umweltwirkungen <strong>von</strong> der Wiege bis zur Bahre analysiere) und<br />

zur Ökoeffizienz.<br />

Ökoeffektiv sind nach Braungart und McDonough Produkte, die entweder als biologische Nährstoffe in biologische Kreisläufe<br />

zurückgeführt werden können oder als „technische Nährstof fe“ kontinuierlich in technischen Kreisläufen gehalten werden.<br />

Das Prinzip <strong>für</strong> <strong>einen</strong> ökoeffektiven Lösungsansatz laute: Abfall ist Nahrung (waste equals food). Bei vielen natürlichen Prozessen<br />

werde sowohl Energie als auch Material verschwendet. Pflanzen und Tiere produzierten große Mengen „Abfall“. Sie sind nicht<br />

ökoeffizient. Sie seien gleichwohl ökoeffektiv, weil sie Teil eines <strong>nachhaltigen</strong> Systems sind, das jedes Stück Abfall<br />

wiederverwendet, zum Beispiel als Dünger .<br />

„Die Natur produziert seit Jahrmillionen völlig uneffizient, aber effektiv. Ein Kirschbaum bringt tausende Blüten<br />

und Früchte hervor, ohne die Umwelt zu belasten. Im Gegenteil: Sobald sie zu Boden fallen, werden sie zu<br />

Nährstoffen <strong>für</strong> Tiere, Pflanzen und Boden in der Umgebung.“<br />

– MICHAEL BRAUNGART: zitiert in Berliner Zeitung [2]<br />

Analog dazu könne eine technische Produktion ef fektiv sein, wenn sie Stofe abgibt, die in anderen Produktionen einsetzbar sind.<br />

Inhaltsverzeichnis<br />

1 Beispiele<br />

2 Kritik<br />

3 Siehe auch<br />

4 Weblinks<br />

5 Fußnoten<br />

Beispiele<br />

Ökoeffektivität<br />

Emissionen einfangen und <strong>für</strong> neue Produkte oder Brennstoffe<br />

verwenden (Upcycling).<br />

Bremsbeläge aus einem Material herstellen, das unbedenklich in<br />

biologische Kreisläufe zurückgeführt werden kann (biologische<br />

Abbaubarkeit).<br />

Kunststoffprodukte gezielt so entwickeln, dass sie demontiert und<br />

recycelt werden können.<br />

Biologischer und Technischer Zyklus<br />

Energiequellen nutzen, die direkt <strong>von</strong> der Sonne stammen (erneuerbare<br />

Energie).<br />

Das Gesamtprodukt auf biologische oder technische Kreisläufe abstimmen Kreislaufwirtschaft).<br />

(<br />

Ökoeffizienz


Den Benzinverbrauch um fünfzig Prozent reduzieren, aber die Gesamtzahl der Autos weltweit verdreifachen<br />

(Rebound).<br />

Bremsbeläge so entwickeln, dass sie weniger Partikel abgeben, aber dennoch insgesamt tausende <strong>von</strong> onnen T an<br />

Schadstoffen auf den Straßen lassen.<br />

Den Anteil <strong>von</strong> recyceltem Material in Polymerprodukten erhöhen, ohne auf die Qualitätsminderung des recycelten<br />

Materials zu achten (Downcycling).<br />

Das Abwasservolumen in der Textilherstellung verringern, aber die Anzahl der Additive erhöhen und daher am Ende<br />

immer noch ein nicht wiederverwendbares Produkt zu haben.<br />

Kritik<br />

Ein prominenter Kritiker <strong>von</strong> Braungart ist Friedrich Schmidt-Bleek, der langjährige Leiter des Wuppertal Institut <strong>für</strong> Klima,<br />

Umwelt, Energie. Die mehrfach in Braungarts Buch angeführte Behauptung, durch die pessimistische Ausrichtung der<br />

Umweltbewegung würde die <strong>für</strong> die Lösung der Probleme notwendige Kreativität unterdrückt, bezeichnete er als<br />

„pseudopsychologischen Unsinn“. Auch die praktische Umsetzbarkeit des Konzepts bezweifelt Schmidt-Bleek. Als Beispiel führte er<br />

die kompostierbaren Sitzbezüge an, die <strong>von</strong> Braungart <strong>für</strong> den neuen Airbus A380 entworfen wurden:<br />

„Ich kann mich auf Michaels Sitzbezügen im Flugzeug sehr wohl fühlen. Ich warte aber noch immer auf den<br />

detaillierten Vorschlag, die anderen 99,99 Prozent des Airbusses A380 nach s<strong>einen</strong> Prinzipien zu gestalten.“<br />

Dass das Konzept in großem Rahmen ohne Schädigung der Natur umsetzbar sein könnte, hält Schmidt-Bleek <strong>für</strong> völlig<br />

ausgeschlossen. [3]<br />

Auch Be<strong>für</strong>worter eines ökoefektiven Ansatzes übten Kritik an Cradle to Cradle, etwa der Wirtschaftsethiker Rahim Taghizadegan:<br />

„Das Versprechen besteht eigentlich auch nur darin, dass man dann ohne schlechtes Gewissen verschwenden<br />

könnte. Doch auch das ist falsch. Nahrungsmittel sind etwa vollkommen kompostierbare Produkte. Ist es deshalb<br />

richtig, massenweise angebrochene Nahrungsmittel wegzuwerfen?“ [4]<br />

Das Konzept <strong>von</strong> Braungart zertifiziert seine eigenen Analysen und entspricht somit nicht den ISO-Normen 14040 und 14044 <strong>für</strong> die<br />

Ökobilanzierung, die eine kritische Nachprüfung eines unabhängigen Gutachters vorschreiben.<br />

Das Konzept berücksichtigt die Nutzungsphase eines Produktes nicht. Bei vielen Produkten ist dies allerdings der dominierende<br />

Faktor <strong>für</strong> den ökologischen Fußabdruck, wie z. B. bei der Mobilität. Den größten Einfluss auf die Umwelt hat z. B. ein Auto oder<br />

ein Flugzeug während der Nutzungsphase. Daher ist maßgeblich, wie leicht die Transportmittel sind, um so wenig wie möglich<br />

Treibstoff zu konsumieren.<br />

In einigen Umweltverbänden wird kritisiert, Braungart vermeide es bewusst, Klarheit über die <strong>von</strong> ihm verwendeten Begriffe zu<br />

schaffen. So propagiere er eine „intelligente Verschwendung“ und vergleiche dabei in unzulässiger Weise die Verschwendung im<br />

Sinne <strong>von</strong> Artenreichtum und -ausbreitung in der Natur mit der Verschwendung in ökonomischen Prozessen. Der<br />

Auseinandersetzung mit Kritik auf wissenschaftlicher Ebene weiche er aus. Damit werde Braungart zu einem „neoliberalen<br />

Entertainer“, der mit s<strong>einen</strong> Thesen und Auftritten „den Wachstumsgedanken auch in grünen Kreisen salonfähig mache“. [5][6]<br />

Die Idee, Abfälle als Wertstoffe zu sehen, ist jahrzehntealt. In Deutschland führte sie zu einer Reform der Abfallwirtschaft; im<br />

September 1994 verabschiedete der Bundestag das Kreislaufwirtschaftsgesetz. Hohe Entsorgungskosten (sei es <strong>für</strong> Deponierung oder<br />

<strong>für</strong> Abfallverbrennung) machen es attraktiv, Abfälle zu recyceln. Auch vom Preis eines Rohstoffes hängt ab, wie attraktiv Recycling<br />

ist. Bis etwa 2008 stiegen die Preise zahlreicher Rohstoffe erheblich an; viele Unternehmen steigerten deshalb ihre<br />

Recyclingaktivitäten.<br />

Siehe auch<br />

Effektivität#Die Unterscheidung zwischen Ef fektivität und Efizienz nach Peter Ferdinand Drucker


Weblinks<br />

Cradle to Cradle – Öko-Efektivität, EPEA<br />

William McDonough & Michael Braungart (1998):'The Next Industrial Revolution'<br />

Cradle to Cradle Playlist, umfangreiche Zusammenstellung zu Cradle-to-Cradle-Filmmaterial<br />

Nie mehr Müll – Leben ohne Abfall(Memento vom 6. Februar 2010 im Internet Archive), Die Story (WDR)<br />

forschergeist.de: Podcast über cradle to cradle<br />

Fußnoten<br />

1. William McDonough & Michael Braungart (2002): Cradle to Cradle. (Zusammenfassung des Buches)(https://web.arc<br />

hive.org/web/20120222125056/http://www.mcdonough.com/cradle_to_cradle.htm)(Memento vom 22. Februar 2012<br />

im Internet Archive)<br />

2. Holger Fuss: Klugheit des Kirschbaums.(http://www.berliner-zeitung.de/archiv/michael-braungart-ist-ein-oeko-vision<br />

aer--seine-ideen-stellen-alles-auf-den-kopf--was-wir-unter-umweltschutz-verstehen-die-klugheit-des-kirschbaums,10<br />

810590,10188846.html)In: Berliner Zeitung. 26. Juni 2004; abgerufen am 15. Juni 2015.<br />

3. taz.de vom 7. März 2009 / Peter Unfried: Der Umweltretter Michael Braungart(http://www.taz.de/1/zukunft/konsum/a<br />

rtikel/1/der-kluegste-mensch-den-seine-frau-kennt/)<br />

4. Rahim Taghizadegan: Cradle-to-cradle – die nächste Sau, die man durch das globale Dorf treibt?(http://www.wirks.a<br />

t/?p=18) In: Koisser, H. u. a.: Cradle-to-cradle, die nächste industrielle Revolution – Idee, Kritik und Interviews. wirks,<br />

1 (2010), S. 21–26. Download (http://www.wirks.at/wp-content/uploads/2010/09/wirks_sommer_gesamt.pdf)(PDF;<br />

3 MB)<br />

5. Ernst Schmitter: Revolutionär mit Achillesferse.(http://www.schattenblick.de/infopool/umwelt/fakten/ufadb015.html)<br />

Michael Braungarts Thesen begeistern viele – doch bei genauem Hinsehen werden Zweifel wach. Der Rabe Ralf;<br />

14. April 2010; S. 18–19, abgerufen am 22. Februar 2015.<br />

6. Christoph Aebischer: Die abfallfreie Welt des Stoff essenden Chemikers. (http://www.bernerzeitung.ch/leben/gesells<br />

chaft/Die-abfallfreie-Welt-des-Stoff-essenden-Chemikers-/story/11042463)Der Paradiesvogel Michael Braungart<br />

predigt eine zweite industrielle Revolution. Berner Zeitung; 9. Dezember 2012; abgerufen am 22. Februar 2016.<br />

Abgerufen <strong>von</strong> „https://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Ökoef fektivität&oldid=171721852“<br />

Diese Seite wurde zuletzt am 6. Dezember 2017 um 13:25 Uhr bearbeitet.<br />

Der Text ist unter der Lizenz „Creative Commons Attribution/Share Alike“verfügbar; Informationen zu den Urhebern und<br />

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abgerufen werden. Möglicherweise unterliegen die Inhalte jeweils zusätzlichen Bedingungen. Durch die Nutzung dieser<br />

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<strong>Wikipedia</strong>® ist eine eingetragene Marke der Wikimedia Foundation Inc.


Creative Commons<br />

Creative Commons (abgekürzt CC; englisch <strong>für</strong> schöpferisches Gemeingut,<br />

Kreativallmende) ist eine gemeinnützige Organisation, die 2001 in den USA<br />

gegründet wurde. Sie veröffentlicht verschiedene Standard-Lizenzverträge, mit<br />

denen ein Autor der Öffentlichkeit auf einfache Weise Nutzungsrechte an s<strong>einen</strong><br />

Werken einräumen kann. Diese Lizenzen sind nicht auf <strong>einen</strong> einzelnen Werkstyp<br />

zugeschnitten, sondern <strong>für</strong> beliebige Werke anwendbar, die unter das Urheberrecht<br />

fallen, zum Beispiel Texte, Bilder, Musikstücke, Videoclips usw. Auf diese Weise<br />

entstehen Freie Inhalte.<br />

Logo der Organisation Creative<br />

Commons<br />

Entgegen einem häufigen Missverständnis ist Creative Commons nicht der Name<br />

einer einzigen Lizenz. Die verschiedenen Lizenzen <strong>von</strong> Creative Commons weisen<br />

vielmehr große Unterschiede auf. Einige CC-Lizenzen schränken die Nutzung<br />

relativ stark ein, andere wiederum sorgen da<strong>für</strong>, dass auf das Urheberrecht so weit<br />

wie möglich verzichtet wird. Veröffentlicht jemand beispielsweise ein Werk unter<br />

der Lizenz CC-BY-SA, dann erlaubt er die Nutzung durch andere Menschen unter<br />

der Bedingung, dass der Urheber sowie die betreffende Lizenz angegeben werden.<br />

Darüber hinaus darf der Nutzer das Werk unter der Bedingung verändern, dass er das<br />

bearbeitete Werk unter derselben Lizenz veröffentlicht. Das ist die Lizenz, die<br />

<strong>Wikipedia</strong> verwendet.<br />

Freie Inhalte, ob unter einer CC-Lizenz oder unter einer anderen, sind wichtig <strong>für</strong><br />

Menschen, die kein Geld <strong>für</strong> Texte, Bilder, Musik usw. ausgeben können oder<br />

wollen. Außerdem dürfen Inhalte unter bestimmten CC-Lizenzen verändert und<br />

Beispiel <strong>für</strong> ein Foto unter der Lizenz<br />

CC-BY-SA 2.0 de. Bei der<br />

Weiternutzung sind anzugeben: der<br />

Name des Urhebers und die Lizenz<br />

samt einem URI/URL, also „Robin<br />

Müller, CC-BY-SA 2.0 de“.<br />

weiterverarbeitet werden. Das ist wichtig <strong>für</strong> Menschen, die zum Beispiel künstlerisch mit den Inhalten umgehen wollen.<br />

Inhaltsverzeichnis<br />

1 Motivation<br />

2 Geschichte<br />

3 Lizenzen<br />

3.1 Die Rechtemodule<br />

3.2 Die aktuellen Lizenzen<br />

3.3 Drei verschiedene Darstellungsweisen<br />

3.4 Portierungen auf lokale Rechtssysteme<br />

3.5 Rechtliche Bewertung in Deutschland<br />

4 Projekte<br />

4.1 NDR<br />

4.2 BBC-Archiv<br />

4.3 Open Choice<br />

4.4 BR<br />

4.5 ZDFcheck<br />

4.6 Radio Fritz<br />

4.7 Audioportal Freier Radios<br />

4.8 Cultural Broadcasting Archive


4.9 CC-Lizenzen in der Literatur<br />

4.10 CC-Lizenzen in der öfentlichen Verwaltung<br />

5 Sonstige rechtliche Werkzeuge<br />

5.1 CC Plus<br />

5.2 CC0<br />

5.3 Ältere Lizenzen<br />

5.3.1 Entwicklungsländer<br />

5.3.2 Sampling-Lizenzen<br />

5.3.3 Music Sharing License<br />

5.3.4 Founders’ Copyright<br />

6 Rezeption<br />

6.1 Auszeichnungen<br />

6.2 Kritik und Probleme<br />

6.3 Rechtsprechung<br />

7 Siehe auch<br />

8 Literatur<br />

9 Weblinks<br />

10 Einzelnachweise<br />

Motivation<br />

Die Werke eines Schöpfers (wie Texte, Musikstücke, Bilder, Videos usw.) sind<br />

normalerweise urheberrechtlich geschützt. Der Schöpfer kann aber entscheiden, dass<br />

er Werke anderen Menschen zur Verfügung stellt, ohne dass sie ausdrücklich um<br />

Erlaubnis fragen müssen. Dazu veröffentlicht er die Werke mit einem<br />

entsprechenden Hinweis, dass er zum Beispiel das Recht zum Kopieren, Verändern<br />

und Wiederveröffentlichen allen anderen zugesteht.<br />

Für juristische Laien ist es allerdings schwierig, <strong>einen</strong> entsprechenden Rechtstext zu<br />

formulieren. Schließlich soll deutlich sein, was erlaubt ist und was nicht, und es soll<br />

auch kein Missbrauch mit den zur Verfügung gestellten Werken möglich sein (etwa,<br />

dass jemand behauptet, er selbst sei Schöpfer dieser Werke). Um diesem Problem zu<br />

begegnen wurde die Organisation Creative Commons gegründet, um solche<br />

Rechtstexte (Lizenzen) zu erarbeiten.<br />

Schild an einem Lokal im spanischen<br />

Granada, in dem nur CC-lizenzierte<br />

Musik zu hören ist, 2006<br />

Geschichte<br />

Gegründet wurde die Creative Commons Initiative 2001 in den USA, wobei der maßgebliche Kopf hinter der Initiative Lawrence<br />

Lessig war, damals Rechtsprofessor an der Stanford Law School (heute Harvard) zusammen mit Hal Abelson, Eric Eldred [1] und mit<br />

Unterstützung des Center for the Public Domain. Der erste Artikel in einem Medium <strong>von</strong> breiterem öffentlichen Interesse über<br />

Creative Commons erschien im Februar 2002 <strong>von</strong> Hal Plotkin. [2] Der erste Satz Lizenzen wurde im Dezember 2002 veröffentlicht. [3]<br />

Das Gründungsteam, das die Lizenzen und die Creative Commons Infrastruktur, wie wir sie heute kennen, entwickelte, bestand u. a.<br />

aus Molly Shaffer Van Houweling, Glenn Otis Brown, Neeru Paharia und Ben Adida. [4] Matthew Haughey und Aaron Swartz [5]<br />

spielten ebenfalls wichtige Rollen in der Frühphase des Projekts. Die Creative Commons Initiative wird <strong>von</strong> einem Gremium <strong>von</strong><br />

Direktoren geführt, mit einem technischen Beraterstab.<br />

2008 waren bereits ungefähr 130 Millionen Arbeiten unter verschiedenen Creative-Commons-Lizenzen veröffentlicht. [6] Alleine der<br />

Fotohoster Flickr hatte im Oktober 2011 über 200 Millionen Creative-Commons-lizenzierte Fotos. [7]


Am 21. Oktober 2014 gaben Creative Commons und artlibre bekannt, dass die Lizenz CC-BY-SA 4.0 mit der älteren, bereits 2000<br />

eingeführten Lizenz Freie Kunst voll kompatibel ist. Werke, die unter diesen Lizenzen stehen, können fortan beliebig kombiniert und<br />

beliebig unter einer der beiden Lizenzen oder auch doppelt lizenziert weiter verbreitet werden. [8][9]<br />

Lizenzen<br />

Im Rahmen der Initiative wurden mehrere Open-Content-Lizenzen entwickelt, die sich zunächst vor allem auf das Copyright der<br />

Vereinigten Staaten bezogen. Inzwischen werden jedoch auch auf andere Rechtssysteme zugeschnittene Lizenzen entwickelt. Der<br />

Stand der Anpassung an das deutsche Recht ist unter Creative Commons International: Germany dokumentiert; Legal Project Lead<br />

<strong>für</strong> den deutschen Rechtsraum ist seit Februar 2007 John H. Weitzmann, unterstützt durch die Europäische EDV-Akademie des<br />

Rechts und das Institut <strong>für</strong> Rechtsinformatik der Universität des Saarlandes. Public Project Lead und damit verantwortlich <strong>für</strong> die<br />

Öffentlichkeitsarbeit und Communitybuilding in Deutschland ist Markus Beckedahl, unterstützt durch die Berliner Agentur<br />

newthinking communications. Im deutschsprachigen Raum gibt es zudem die Länderprojekte Creative Commons Austria (Österreich)<br />

sowie Creative Commons Switzerland(Schweiz).<br />

Bei der Suche nach einer passenden Lizenz <strong>für</strong> Weiterverwertung konnte man sich ursprünglich drei Entscheidungsfragen stellen<br />

lassen:<br />

Soll die Nennung des Urhebers vorgeschrieben werden?<br />

Ist kommerzielle Nutzung erlaubt?<br />

Sind Veränderungen erlaubt?<br />

Wenn ja: Nur bei der Verwendung derselben Lizenz?<br />

Theoretisch kann es 11 Kombinationen geben. 7 der Möglichkeiten werden angeboten (und sind nicht <strong>für</strong> veraltet erklärt). Antwortet<br />

man mit „nein“ auf die erste Frage, auf die zweite und dritte mit „ja“ und auf die vierte mit „nein“, so gibt man sein Werk in die<br />

Public Domain. Antwortet man dagegen auf die vierte Frage mit ja, erhält man etwas Ähnliches zur GPL.<br />

Ab der Version 2.0 wird die Option „Public Domain“ nicht mehr angeboten, steht jedoch mit der Version CC0 in anderer Form nach<br />

wie vor zur Verfügung.<br />

Die Rechtemodule<br />

Icon Kürzel Name des Moduls Kurzerklärung<br />

by<br />

nc<br />

Namensnennung (englisch:<br />

Attribution)<br />

Nicht kommerziell (Non-Commercial)<br />

Der Name des Urhebers muss genannt werden.<br />

Das Werk darf nicht <strong>für</strong> kommerzielle Zweckeverwendet<br />

werden.<br />

nd Keine Bearbeitung (No Derivatives) Das Werk darf nicht verändert werden.<br />

sa<br />

Weitergabe unter gleichen<br />

Bedingungen (Share Alike)<br />

Das Werk muss nach Veränderungen unter der gleichen<br />

Lizenz weitergegeben werden.<br />

Die aktuellen Lizenzen<br />

Durch die Kombination der oben genannten Rechtemodule kann die Wirkung der Freigabe eines Werkes nach den Wünschen des<br />

Urhebers abgestuft erfolgen. Je nachdem, was freigegeben werden soll, werden die entsprechenden Rechtemodule gewählt und ist am<br />

Ende die konkrete Lizenz ausgestaltet. Beispielsweise könnte ein Urheber etwas dagegen haben, dass sein Buch auf Basis der CC-<br />

Lizenz <strong>von</strong> einem fremden Verlag verkauft wird, ohne dass er am Erlös beteiligt wird. Dann kann er sich durch Wahl des<br />

Rechtemoduls NC die kommerzielle Nutzung seines Werks vorbehalten. Da sich die Rechtemodule ND <strong>für</strong> „Keine Bearbeitung“ und<br />

SA <strong>für</strong> „Weitergabe [<strong>von</strong> Bearbeitungen] nur unter gleichen Bedingungen“ logisch ausschließen, sowie zudem das Rechtemodul BY<br />

<strong>für</strong> „Namensnennung“ bei allen diesen Lizenzen verpflichtend ist, ergeben sich aus den oben genannten vier Rechtemodulen genau<br />

sechs in sich abgeschlossen formulierte konkrete Lizenzen, die sogenannten „Kernlizenzen“ (englisch „core licenses“). Aus den<br />

CC-SA [10]


möglichen und empfohlenen Lizenzen (CC-SA ist ausgelaufen [10] ) entsprechen mit<br />

den Modulen CC-BY und CC-BY-SA zwei (drei mit der „Un-Lizenz“ CC0 [11] ) der<br />

Definition <strong>für</strong> freie Lizenzen [12] und sind auf der Lizenzwahlseite <strong>von</strong> Creative<br />

Commons entsprechend gekennzeichnet.<br />

[13] Film mit Checkliste zur Vermeidung<br />

Mediendatei abspielen<br />

<strong>von</strong> Urheberrechtsverletzungen beim<br />

Verwenden <strong>von</strong> Medien unter freien<br />

Lizenzen<br />

Die CC-Lizenzen angeordnet nach ihrer Of fenheit:<br />

<strong>von</strong> der Gemeinfreiheit ("Public domain (PD)") bis<br />

zu "Alle Rechte vorbehalten" ("All rights reserved").<br />

Dunkelgrün sind die „Approved for Free Cultural<br />

Works“-Lizenzen, die beiden grünen Bereiche<br />

markieren die Lizenzen die kompatibel mit der<br />

"Remix-Kultur" sind.


Icons<br />

Kürzel<br />

vollständige Bezeichnung<br />

unported<br />

Lizenzbedingungen<br />

portiert<br />

<strong>für</strong> D<br />

portiert<br />

<strong>für</strong> A<br />

portiert<br />

<strong>für</strong> CH<br />

„Approved<br />

for Free<br />

Cultural<br />

Works“?<br />

CC0<br />

kein Copyright wenn möglich (Public domain)<br />

(„no Copyright“)<br />

1.0 - - - Ja<br />

by<br />

Namensnennung 4.0 3.0 3.0 3.0 Ja<br />

by-sa<br />

Namensnennung, Weitergabe unter gleichen<br />

Bedingungen<br />

4.0 3.0 3.0 3.0 Ja<br />

by-nd<br />

by-nc<br />

Namensnennung, keine Bearbeitung 4.0 3.0 3.0 3.0 Nein<br />

Namensnennung, nicht kommerziell 4.0 3.0 3.0 3.0 Nein<br />

Namensnennung, nicht kommerziell,<br />

Weitergabe unter gleichen Bedingungen<br />

4.0 3.0 3.0 3.0 Nein<br />

by-ncsa<br />

by-ncnd<br />

Namensnennung, nicht kommerziell, keine<br />

Bearbeitung<br />

4.0 3.0 3.0 3.0 Nein<br />

<strong>Eine</strong> mit dem Wort „unported“ (englisch <strong>für</strong> nicht angepasst) gekennzeichnete Lizenzvariante bezieht sich auf den nicht <strong>für</strong> eine<br />

bestimmte Rechtsordnung portierten Ausgangstext der jeweiligen Kernlizenz in englischer Sprache. Sie ist <strong>von</strong> Begrifflichkeiten und<br />

Formulierung her auf internationale Abkommen und die Termini der Weltorganisation <strong>für</strong> geistiges Eigentum (WIPO) ausgelegt,<br />

bildet eine gemeinsame Basis der verschiedenen juristischen Ausprägungen der unterschiedlichen Länder und ist damit eventuell<br />

nicht in jedem Land in allen Punkten gerichtsfest. Die deutsche Lizenzvariante dagegen wurde an die Feinheiten der deutschen<br />

Gesetzgebung angepasst.<br />

Alle sechs Kernlizenzen räumen der Allgemeinheit unter bestimmten Bedingungen Nutzungsrechte <strong>für</strong> grundsätzlich alle bekannten<br />

sowie (in der deutschen Portierung erst ab Version 3.0) alle bislang unbekannten Nutzungsarten ein. Enthalten sind also das Recht zur<br />

Vervielfältigung, weltweiten Weiterverbreitung, öffentlichen Zugänglichmachung und Aufführung, sowie weitere Nutzungsrechte.<br />

Das Recht zur Veröffentlichung <strong>von</strong> bearbeiteten Fassungen des Werkes (englisch „derivatives“) wird in den Kernlizenzen mit dem<br />

Namensteil SA („share alike“) auf die Weitergabe unter gleichen Bedingungen begrenzt, und bei denen mit dem Namensteil ND („no<br />

derivatives“) gar nicht gewährt. Die Kernlizenzen mit dem Namensteil NC („non-commercial“) schließen jede kommerzielle<br />

Nutzung aus. Die in allen Kernlizenzen vorhandene Grundbedingung BY (<strong>für</strong> „attribution“) fordert bei jeder Nutzung die<br />

Namensnennung des Urhebers des genutzten Werkes ein.<br />

Drei verschiedene Darstellungsweisen<br />

Die Lizenzbedingungen der gewählten Creative-Commons-Lizenz werden in drei Darstellungsweisen bereitgestellt:<br />

Kurzfassung <strong>für</strong> Laien („Commons Deed“), welche die maßgeblichen Grundgedanken der <strong>für</strong> Juristen gedachten<br />

„Langfassung“ allgemeinverständlich und vereinfacht darstellt (international gleich). <strong>Eine</strong> Laienversion gibt es<br />

deswegen, damit ein normaler Benutzer ohne viel Mühe die <strong>von</strong> der Lizenz erzeugten rechtlichen Regeln erfassen<br />

kann. Dadurch soll es <strong>für</strong> die meisten Fälle überflüssig werden, sich durch <strong>einen</strong> Rechtsanwalt beraten zu lassen.<br />

Vollständig und rechtlich maßgeblich ist jedoch allein die „Langfassung“.<br />

Langfassung der Lizenz als juristischer Volltext. Diese „juristenlesbare“ Fassung ist die rechtlich allein maßgebende<br />

und je nach Version und Portierungsstand auf die nationalen Rechtsordnungen (Vereinigte Staaten, Deutschland,<br />

Frankreich etc.) „portiert“, d. h. textlich an das jeweilige nationale Recht angepasst. Alle auf die jeweiligen nationalen<br />

Rechtssysteme angepassten „Ports“ sollen im Ergebnis möglichst gleiche rechtliche Wirkungen haben und sind <strong>von</strong>


den gleichen Grundgedanken getragen. Diese Grundgedanken sind in der Kurzfassung zusammengefasst. Folglich<br />

ist die Kurzfassung inhaltlich immer identisch, egal welche landesbezogene Portierung gewählt wurde.<br />

maschinenlesbare Fassungim RDF-Format, sodass die Lizenz <strong>von</strong> Suchmaschinen erkannt wird (ebenfalls<br />

international identisch).<br />

Portierungen auf lokale Rechtssysteme<br />

Da das Urheberrecht in vielen Ländern sehr unterschiedlich gehandhabt wird, existieren <strong>für</strong> viele CC-Lizenzen auf das lokale<br />

Rechtssystem zugeschnittene Fassungen, sogenannte „portierte Lizenzen“ oder kurz „Ports“. Sie sind jeweils auf ein bestimmtes<br />

Rechtssystem angepasst. Die Wahl zwischen einem länderspezifischen „Port“ der Lizenz und der jeweiligen „Unported“-Lizenz bleibt<br />

jedoch dem Urheber oder Rechteinhaber des Werks überlassen. Alle „Ports“ zielen darauf ab, im Ergebnis vor dem Hintergrund des<br />

nationalen Rechts dieselben Wirkungen zu erzielen wie in der „Unported“ vorgesehen. Dieses Vorgehen ist notwendig, da es kein<br />

weltweit einheitliches Urheberrecht gibt.<br />

Seit dem 4. Juni 2004 existieren Lizenzversionen <strong>für</strong> Brasilien, am 11. Juni und 18.<br />

Juni folgten Umsetzungen <strong>für</strong> Deutschland und die Niederlande. Die deutschen<br />

Creative-Commons-Lizenzen in der Version 3.0 sind am 24. Juli 2008<br />

erschienen. [14] Österreichische Lizenzen sind ebenfalls seit 2004 und in der Version<br />

3.0 seit August 2008 verfügbar. Seit dem 26. Mai 2006 ist eine Schweizer Version<br />

der CC-Lizenzen in der Version 2.5 verfügbar, seit April 2012 auch in der Version<br />

3.0. [15] Seit Februar 2012 steht ebenfalls <strong>für</strong> Irland eine Version 3.0 zur<br />

Verfügung. [16] <strong>Eine</strong> deutsche Übersetzung (keine Portierung) der „internationalen“<br />

Version 4.0 der Creative-Commons-Lizenzen wurde im Januar 2017<br />

bereitgestellt. [17]<br />

Übersicht der Länder mit<br />

spezifischen CC-Lizenzen (Stand<br />

2014):<br />

existierend<br />

in Umsetzung<br />

beabsichtigt<br />

Rechtliche Bewertung in Deutschland<br />

Die Creative-Commons-Lizenzen stellen im deutschen Recht Allgemeine Geschäftsbedingungendar, <strong>für</strong> die es bestimmte gesetzliche<br />

Vorgaben gibt. Beispielsweise dürfen diese keine überraschenden Vertragsklauseln enthalten. [18] Zweifel bezüglich der Auslegung<br />

der Lizenzen gehen stets gemäß § 305c Abs. 2 BGB zu Lasten des Lizenzgebers. [19] Bei älteren „unportierten“ Versionen, die nicht<br />

in deutscher Sprache vorlagen, war unklar, ob die Lizenznehmer den Inhalt der CC-Lizenz beim Vertragsschluss in zumutbarer Weise<br />

zur Kenntnis nehmen konnten. [20]<br />

Projekte<br />

NDR<br />

Der NDR bietet in einem Pilotprojekt einzelne Beiträge der Sendungen <strong>von</strong> Extra 3 und ZAPP zum Herunterladen unter<br />

CreativeCommons-NonCommercial-NoDerivatives-Lizenz an. [21]<br />

BBC-Archiv<br />

Ein Projekt unter Verwendung einer CC-Lizenz plante die BBC mit einem Filmarchiv – Creative Archive – das online zugänglich<br />

gemacht wurde. [22] Dabei half Lawrence Lessig beim Entwickeln des Lizenzgerüsts. Die Pilotphase war 2006 abgeschlossen. Die<br />

Filme dürfen allerdings nur innerhalb des Vereinigten Königreichs weiterverteilt werden. [23]<br />

Open Choice


Durch den Umbruch der Open-Access-Initiative, der freien Publikation <strong>von</strong> wissenschaftlichen Arbeiten im Internet, bietet der<br />

Springer-Verlag s<strong>einen</strong> Autoren die Möglichkeit, ihre Werke gegen eine Pauschale <strong>von</strong> 3000 Dollar (2200 Euro ohne<br />

Mehrwertsteuer) im Volltext freizuschalten und unter eine CC-Lizenz zu stellen. [24]<br />

BR<br />

Seit Dezember 2011 werden ausgewählte Beiträge der Sendung quer im Bayerischen Rundfunk (BR) unter der CC-Lizenz<br />

„Namensnennung, nicht kommerziell, keine Bearbeitung 3.0 Deutschland“ veröf fentlicht. [25]<br />

Im Februar 2013 entschied der BR, die Sendung Space Night künftig nur noch mit Musik unter CC-Lizenz zu unterlegen. Dieser<br />

Schritt erfolgte, nachdem der Sender die Absetzung der Sendung wegen zu hoher GEMA-Gebühren angekündigt hatte und sich eine<br />

Initiative <strong>von</strong> Fans <strong>für</strong> den Erhalt durch Einsatz <strong>von</strong> Musik unter CC-Lizenzen gebildet hatte. [26] Es ist die erste Sendung im<br />

öffentlich-rechtlichen Fernsehen, die grundsätzlich Musik unter CC-Lizenzen benutzt. [27]<br />

ZDFcheck<br />

Unter dem Titel „ZDFcheck“ betrieb das ZDF eine Plattform im Internet, mit der im<br />

Vorfeld zur Bundestagswahl 2013 die Aussagen der politischen Bewerber überprüft<br />

wurden. Internetnutzer konnten sich mit Kommentaren beteiligen, die redaktionelle<br />

Auswahl oblag der ZDF-Redaktion. Laut dem Verein Wikimedia Deutschland, der<br />

den ZDFcheck unterstützte, war das Projekt „ein erster Meilenstein in der<br />

Zusammenarbeit mit einem öffentlich-rechtlichen Sender“. [28] Die Ergebnisse,<br />

insgesamt 20 Grafiken, <strong>von</strong> denen zwei tatsächlich in <strong>Artikeln</strong> verwendet werden<br />

konnten, erschienen unter der CC-Lizenz Namensnennung 3.0 und sollten<br />

crossmedial im ZDF und auf heute.de verwendet werden. [29] Das Projekt existierte<br />

noch eine Zeitlang mit anderen Themen.<br />

Screenshot <strong>von</strong> zdfcheck.de<br />

Siehe auch: <strong>Wikipedia</strong>:Wikimedia Deutschland/ZDFcheck<br />

Radio Fritz<br />

Fritz, die Jugendwelle des Rundfunk Berlin-Brandenburg, sendet in seinem Programm gelegentlich kurze Einspieler zwischen zwei<br />

Songs, oft mit satirischem Charakter. Diese Jingles werden unter der CC-Lizenz Namensnennung, keine kommerzielle Nutzung,<br />

keine Bearbeitung veröfentlicht und sind auf derWebsite des Hörfunksenders verfügbar. [30]<br />

Audioportal Freier Radios<br />

Der Bundesverband Freier Radios e. V. betreibt eine Austauschplattform <strong>für</strong> Radiobeiträge (Audioportal Freier Radios). Auf dem<br />

Portal liegen weit über 50.000 Radiobeiträge, die unmittelbar angehört, heruntergeladen sowie <strong>von</strong> anderen Radiostationen gesendet<br />

werden können. Die meisten Beiträge werden unter der Creative-Commons-Lizenz BY-NC-SA 2.0 de angeboten.<br />

Cultural Broadcasting Archive<br />

Die Freien Radios in Österreich haben eine gemeinsame Plattform, vom Freien Radio Oberösterreich verwaltet, wo mittlerweile fast<br />

eine Viertelmillion Beiträge <strong>von</strong> 14 freien Radios und 3 freien Fernsehstationen Österreichs verfügbar sind. Viele Sendungen der<br />

Stationen werden oft als ganzes online gestellt (wobei der nicht-CC-Teil, zumeist die Musik, beim Anhören ausgeblendet wird),<br />

darüber hinaus auch viele einzelne Beiträge und Interviews online gestellt. Die meisten Sendungen sind dabei CC BY-NC-ND, die<br />

Uploader können jedoch selbst entscheiden, ob die Beiträge kommerziell verbreitet oder bearbeitet werden dürfen. [31]<br />

CC-Lizenzen in der Literatur


Während es im Bereich der Musik inzwischen üblich ist, Songs oder komplette Alben unter einer CC-Lizenz zu veröffentlichen,<br />

finden diese Lizenzen im Bereich der Literatur, insbesondere in der Belletristik, im deutschsprachigen Raum bisher nur wenig<br />

Verwendung. Als wegweisend können hier die Romane und Storys des kanadischen Autors Cory Doctorow gelten, die auch ins<br />

Deutsche übertragen und unter einer CC-Lizenz publiziert wurden. <strong>Eine</strong>n ähnlichen Ansatz verfolgt der Schriftsteller Francis Nenik,<br />

der seine Prosa-Werke, so u. a. die Romane "XO" [32] und "Münzgesteuerte Geschichte" [33] , ebenfalls unter einer CC-Lizenz<br />

veröffentlicht hat. [34]<br />

CC-Lizenzen in der öffentlichen Verwaltung<br />

Auf data.gv.at hat das Bundeskanzleramt in Österreich eine Plattform geschaffen, wo österreichische Behörden seit 2012 Daten unter<br />

CC BY 3.0 bereitstellen können. [35]<br />

Sonstige rechtliche Werkzeuge<br />

CC Plus<br />

CC+ ist ein Protokoll, das die Erteilung <strong>von</strong> zusätzlichen Rechten, die über die<br />

Creative-Commons-Lizenz hinausgehen, maschinell abhandeln kann. Das Projekt<br />

soll den Einsatz <strong>von</strong> Creative-Commons-Lizenzen im kommerziellen Bereich<br />

erleichtern. <strong>Eine</strong> Möglichkeit wäre die kommerzielle Nutzung eines nur <strong>für</strong> nichtkommerziellen<br />

Nutzen freigegebenen Werks oder eine Implementierung des Street<br />

Performer Protocols. CC+ benutzt ccRel, ein etabliertes Verfahren zur<br />

Kennzeichnung <strong>von</strong> CC-lizenziertem Inhalt.<br />

CC+ Lizenzfeld<br />

CC0<br />

Icons Kürzel vollständige Bezeichnung<br />

Lizenzbedingungen<br />

(Unported)<br />

„Approved<br />

for Free<br />

Cultural<br />

Works“?<br />

CC0<br />

kein Copyright wenn möglich (Public domain) („no<br />

Copyright“); wenn nicht, wie in Deutschland, eine<br />

bedingungslose Lizenz<br />

Version 1.0<br />

Ja<br />

CC0 (gesprochen cc zero) vereinigt in sich zwei rechtliche Werkzeuge, eine Verzichtserklärung und eine bedingungslose Lizenz. Die<br />

bedingungslose Lizenz fungiert als Rückfallposition (englisch „fallback license“) <strong>für</strong> den Fall, dass die vorrangige Verzichtserklärung<br />

nach dem jeweils geltenden Recht nicht voll wirksam ist. Mit der Verzichtserklärung wird der Verzicht auf sämtliche Schutzrechte<br />

erklärt. Dadurch soll das jeweilige Werk durch den Urheber bzw. Rechteinhaber aktiv in die Gemeinfreiheit überführt werden<br />

(englisch „voluntary public domain“). [36] Wenn diese Überführung rechtlich nicht möglich ist – wie beispielsweise in Deutschland<br />

oder Österreich – stellt die in CC0 enthaltene „Fallback License“ gewissermaßen eine Creative-Commons-Lizenz ohne die sonst<br />

üblichen Lizenzbedingungen (BY, SA, ND, NC, siehe oben) dar. CC0 soll nach der Vorstellung <strong>von</strong> Creative Commons auch und<br />

besonders <strong>für</strong> Datenbanken geeignet sein. [37] Nachdem sich das Projekt seit dem 16. Januar 2008 in der Beta-Phase befand, wurde<br />

die Version 1.0 im März 2009 vorgestellt. [38] CC0 ersetzt die nun obsolete „Public Domain Dedication and Certification“ (PDDC).<br />

Ein bekanntes Datenbankwerk, das unter CC0 gestellt wurde, ist die Gemeinsame Normdatei. [39]<br />

Ältere Lizenzen<br />

In neueren Lizenzen ist eine Namensnennung (Kürzel BY) zwingend notwendig. In älteren Lizenzen ersion (V 1.0) war das noch nicht<br />

so. Weiter wurden die Lizenzen eingestellt, die nicht-kommerzielle Kopien verbieten. Dazu gehören die Sampling- und die<br />

DevNations-Lizenz.


Diese Lizenzen sind weiterhin gültig; ihre Verwendung bei neuen Werken wird <strong>von</strong> Creative Commons nicht mehr empfohlen. [40]<br />

Icons Kurzform Bedeutung Lizenzbedingungen<br />

„Approved<br />

for Free<br />

Cultural<br />

Works“?<br />

Grund <strong>für</strong> die<br />

Einstellung<br />

nd Keine Bearbeitung Version 1.0 Nein<br />

keine<br />

Nachfrage<br />

nd-nc<br />

keine Bearbeitung, nicht<br />

kommerziell<br />

Version 1.0<br />

Nein<br />

keine<br />

Nachfrage<br />

nc Nicht kommerziell Version 1.0 Nein<br />

keine<br />

Nachfrage<br />

nc-sa<br />

Nicht kommerziell,<br />

Weitergabe unter<br />

gleichen Bedingungen<br />

Version 1.0<br />

Nein<br />

keine<br />

Nachfrage<br />

sa<br />

Weitergabe unter<br />

gleichen Bedingungen<br />

(ähnlich zur GPL,<br />

allerdings inkompatibel)<br />

Version 1.0<br />

Ja<br />

keine<br />

Nachfrage<br />

DevNations<br />

Namensnennung<br />

erforderlich, gilt nur in<br />

Entwicklungsländern<br />

Version 2.0<br />

Nein<br />

keine<br />

Nachfrage,<br />

erlaubt keine<br />

globale nichtkommerzielle<br />

Vervielfältigung<br />

Sampling<br />

Namensnennung<br />

erforderlich, verbietet<br />

Vervielfältigen des<br />

Werkes.<br />

Wiederverwendung <strong>von</strong><br />

Teilen des Werkes (bei<br />

Film oder Musik) oder als<br />

Teil eines neuen Werkes<br />

(bei Bildern) erlaubt<br />

Version 1.0<br />

Nein<br />

keine<br />

Nachfrage,<br />

erlaubt keine<br />

globale nichtkommerzielle<br />

Vervielfältigung<br />

Sampling Plus<br />

Namensnennung,<br />

abgeleitete Werke nur in<br />

Form <strong>von</strong> Sampling oder<br />

Mashups erlaubt<br />

Version 1.0<br />

Nein<br />

Nicht<br />

kompatibel mit<br />

anderen CC-<br />

Lizenzen,<br />

keine<br />

Nachfrage<br />

NonCommercial<br />

Sampling Plus<br />

Namensnennung,<br />

abgeleitete Werke nur in<br />

Form <strong>von</strong> Sampling oder<br />

Mashups erlaubt, nicht<br />

kommerziell<br />

Version 1.0<br />

Nein<br />

Keine<br />

Nachfrage<br />

Entwicklungsländer<br />

Die „Developing Nations License“ erlaubt ausschließlich Entwicklungsländern Veränderungen und Verarbeitungen (Derivate) jeder<br />

Art. Entwicklungsländer sind in diesem Zusammenhang solche, die <strong>von</strong> der Weltbank nicht als „high-income economy“ eingestuft<br />

werden. Benutzer aus Industriestaaten sind <strong>von</strong> diesen Rechten ausgeschlossen, ihnen steht nur das Leserecht zu. Diese Lizenz wurde<br />

mittlerweile wieder eingestellt, da sie erhebliche Kompatibilitätsprobleme mit sich brachte. Allgemein fördern alle offenen Lizenzen<br />

den Wissensaustausch mit Entwicklungsländern, so dass der Bedarf <strong>für</strong> eine spezielle Lizenz gerin g war.<br />

Sampling-Lizenzen


Die Sampling-Lizenzen (angepasst <strong>für</strong> die Vereinigten Staaten und Brasilien) wurden in Zusammenarbeit mit Gilberto Gil, Minister<br />

<strong>für</strong> Kultur in Brasilien und bekannter Musiker , entwickelt.<br />

Music Sharing License<br />

Die Music-Sharing-Lizenz ist keine eigenständige Lizenz, sondern lediglich eine andere, auf der CC-Webpräsenz inzwischen nicht<br />

mehr verwendete, Bezeichnung <strong>für</strong> die by-nc-nd-Lizenz. Sie gestattet dem Nutzer, die vom Urheber derart lizenzierte Musik<br />

herunterzuladen, zu tauschen und über Webcasting zu verbreiten, jedoch nicht den Verkauf, die Bearbeitung oder kommerzielle<br />

Nutzung. Die Bezeichnung „Music Sharing License“ ist dabei irreführend. Obgleich durch sie der Eindruck erweckt wird, diese<br />

Lizenz sei die einzig mögliche bzw. empfohlene CC-Lizenz <strong>für</strong> musikalische Inhalte, sind selbstverständlich auch andere, weniger<br />

restriktive CC-Lizenzen anwendbar. So finden beispielsweise auf der Internet-Musikplattform Jamendo alle sechs aktuellen Lizenzen<br />

Anwendung. Zum anderen kann diese Lizenz natürlich auch <strong>für</strong> andere Arten <strong>von</strong> Inhalten verwendet werden.<br />

Founders’ Copyright<br />

Neben den Kernlizenzen und CC0 stellte Creative Commons eine Art rechtsgeschäftliche „Simulation“ des alten amerikanischen<br />

Urheberrechts zur Verfügung, nämlich die Erklärung, der Urheber stelle sein Werk unter das sogenannte „Founders’ Copyright“ <strong>von</strong><br />

1790. Es sah seinerzeit eine Wirkungsdauer des „Copyright“ <strong>von</strong> nur 14 Jahren vor, die um nochmals 14 Jahre verlängert werden<br />

konnte. Anschließend galt das Werk als gemeinfrei. Durch eine genau dies besagende öffentliche Erklärung, die Creative Commons<br />

entworfen hat, kann diese Rechtswirkung zumindest vor dem Hintergrund des US-amerikanischen Rechts noch heute nachgebildet<br />

werden. Das Creative Commons „Founders’ Copyright“-Projekt wurde 2013 eingestellt. [41]<br />

Zum Vergleich: Nach der heute weltweit fast überall geltenden Grundregelung der „Revidierten Berner Übereinkunft“ hat das<br />

Urheberrecht eine Laufzeit <strong>von</strong> mindestens 50 Jahren nach dem Tod des Urhebers, in den meisten Industriestaaten hat man sich<br />

jedoch <strong>für</strong> eine Regelschutzfrist <strong>von</strong> 70 Jahren entschieden. Des Weiteren gibt es in den Vereinigten Staaten <strong>für</strong> Firmen die<br />

Möglichkeit, ein Copyright über 95 Jahre zu besitzen.<br />

Rezeption<br />

Auszeichnungen<br />

Creative Commons wurde 2004 beim Prix Ars Electronica mit der Goldenen Nica in der Kategorie „Net Vision“<br />

ausgezeichnet.<br />

Kritik und Probleme<br />

Es gibt einige Kritikpunkte, aber auch Vorurteile gegenüber Lizenzen <strong>von</strong> Creative Commons:<br />

Verständlichkeit: Die Kurzfassungen der Lizenzen reichen nicht unbedingt aus, um genau zu verstehen, was erlaubt<br />

ist. Der Nutzer muss dann die Langfassung lesen, die möglicherweise fachlich zu schwierig ist. Michael Seemann<br />

schrieb am 6. Dezember 2012 in Zeit Online: „Wirklich verstanden werden die Lizenzen nur in Nerdkreisen, die sich<br />

darauf spezialisiert haben.“ [42]<br />

Verträglichkeit: Das Prinzip <strong>von</strong> Copyleft (bei Creative Commons spricht man <strong>von</strong> share alike) besagt, dass man<br />

neue, abgewandelte Werke unter derselben Lizenz wie das ursprüngliche Werk veröffentlichen muss. Kombiniert<br />

man Werke, die unter verschiedenen Lizenzen stehen, dann ist das Ergebnis möglicherweise nicht richtig lizenziert.<br />

Dieses „Bastard-Problem“ gilt sowohl <strong>für</strong> den Fall, dass alle Werke unter CC-Lizenzen stehen, als auch <strong>für</strong> den, dass<br />

man Lizenzen zum Beispiel aus dem GNU-Projekt nimmt.<br />

Die Free Software Foundationerkennt CC-BY 2.0 und CC-BY-SA 2.0 als freie Lizenz (<strong>für</strong> andere Werke als Software<br />

oder dessen Dokumentation) an. [43] Jedoch wurde das Projekt <strong>von</strong> Richard Stallman heftig kritisiert, da Lizenzen<br />

veröffentlicht wurden, die keine globale nicht-kommerzielle Vervielfältigung zuließen (CC-Sampling, CC-<br />

DevNations). [44] Creative Commons stellte daraufhin besagte Lizenzen ein. [45]<br />

Das Modul Nicht kommerziell sorgt gelegentlich <strong>für</strong> Probleme, da nicht klar definiert ist, was genau mit kommerziell<br />

gemeint ist. Die Definition wurde auch mit Version 4.0 nicht präzisiert. [46][47]


Auch das Modul Namensnennung kann zu Problemen führen, da eine korrekte Erfüllung der Anforderung kompliziert<br />

werden kann. [48][49] Ein Beispiel ist die Weiterverwendung <strong>von</strong> <strong>Wikipedia</strong>-<strong>Artikeln</strong>, bei denen sich aufgrund der<br />

möglichen großen Anzahl <strong>von</strong> Autoren die Anforderung der Namensnennung schwierig gestalten kann.<br />

Viele Informationen gibt es nur auf Englisch.<br />

Rechtsprechung<br />

Niederlande: Rechtbank Amsterdam, 9. März 2006 [50]<br />

Adam Curry, ein Pionier des Podcasting, veröffentlichte in der Webcommunity Flickr Fotos seiner Familie<br />

unter der Lizenz „Non-commercial Share Alike (by-nc-sa)“ (nur nichtkommerzielle Zwecke). Das<br />

niederländische Boulevardmagazin Weekend verwendete die Fotos <strong>für</strong> <strong>einen</strong> Bericht über Currys<br />

fünfzehnjährige Tochter. Am 9. März 2006 erkannte ein Gericht in Amsterdam eine Urheberrechtsverletzung<br />

und verurteilte das Magazin bei weiteren Verstößen zur Zahlung <strong>von</strong> 1000 Euro je Bild an Curry. [51] Obwohl<br />

die Strafe relativ gering ausfiel, wurde hier die Gültigkeit <strong>von</strong> Creative Commons bestätigt.<br />

Spanien: Juzgado de Primera Instancia nº 6 de Badajoz, 17. Februar 2006 [52]<br />

Ein weiteres Urteil wurde in Spanien gefällt. Dort hatte die spanische Verwertungsgesellschaft Sociedad<br />

General de Autores y Editoresgegen <strong>einen</strong> Barbesitzer geklagt. Da dieser aber nur Musik spielte, die unter<br />

CC-Lizenz stand, bekam er Recht. [53] Die Rechte der Verwertungsgesellschaften erstrecken sich daher nicht<br />

auf nicht-proprietäre Inhalte.<br />

USA: United States District Court for the Northern District of Texas, 16. Januar 2009 [54]<br />

Keine Entscheidung in der Sache mangels personal jurisdiction über die Beklagte. Im August 2008 bestätigte<br />

allerdings der United States Court of Appealsfor the Federal Circuit (CAFC) Verstöße gegen die<br />

Bedingungen freier Lizenzen als Urheberrechtsverletzung (Jacobsen. vKatzer, JMRI Project license). [55]<br />

Belgien: Tribunal de Première Instance de Nivelles, 26. Oktober 2010 [56]<br />

Schadensersatz <strong>für</strong> die Band Lichôdmapwa wegen Verstoßes gegen „BY“ und „NC“; der Organisator des<br />

Theaterfestivals <strong>von</strong> Spa hatte das Stück „Aabatchouk“ als Hintergrundmusik in einem Radiowerbespot<br />

verwendet. Allerdings blieb der zugesprochene Betrag hinter den Klageanträgen zurück, da die Band ihr<br />

Werk zur nicht-kommerziellen Verwertung freigegeben, jedoch Schadensersatz über den üblichen Tarifen <strong>für</strong><br />

kommerzielle Nutzungen verlangt hatte.<br />

Israel: Bezirksgericht Jerusalem, 6. Januar 2011. [57]<br />

Schadensersatz <strong>für</strong> zwei Hobbyfotografen wegen Verwendung <strong>von</strong> Flickr-Fotos durch <strong>einen</strong> Reisebuchverlag<br />

unter Verstoß gegen „NC“.<br />

Deutschland:<br />

OLG Köln, Urteil vom 31. Oktober 2014 [58] ; LG Köln, Urteil vom 5. März 2014 [59]<br />

Das Oberlandesgericht Köln sah in der Nutzung eines Ausschnitts eines unter CC BY -NC 2.0 stehenden<br />

Bildes auf der Internetseite einer öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalt mehrere Verstöße gegen die CC-<br />

Bestimmungen: Es verstoße gegen "BY", weil bei dem Beschnitt der in das Originalfoto eingeblendete Name<br />

des Urhebers in der unteren Ecke abgeschnitten wurde. Auch seien die Bestimmungen zur zulässigen<br />

Bearbeitung nicht eingehalten worden, weil nicht darauf hingewiesen wurde, dass es sich bei der<br />

verwendeten Fassung um <strong>einen</strong> Ausschnitt handelte. Das OLG verurteilte zur Unterlassung. Wegen<br />

Unklarheit, was mit "nicht-kommerziell" gemeint ist, wurde aber kein Schadensersatz zugesprochen. Denn<br />

der Wert der nichtkommerziellen Nutzung eines unter der CC BY-NC 2.0 stehenden Bildes betrage Null Euro.<br />

Der Verstoß gegen die Pflicht zur Namensnennung führt nach deutschem Recht lediglich zu einem 100 %<br />

Aufschlag auf den Schadensersatz - dazu führt das OLG aus: "Aber 100 % <strong>von</strong> 0 sind immer noch 0; ferner<br />

ist zu berücksichtigen, dass die Bekl. den Kl. als Urheber benannt hat, wenn auch nicht in der nach den<br />

Lizenzbedingungen geschuldeten Form."<br />

Landgericht Berlin, Einstweilige Verfügung vom 8. Oktober 2010. [60]<br />

Die Urheberrechtsverletzerin, eine Partei, hatte in ihrem Blog ein Foto der Fotografin verwendet, ohne ihren<br />

Namen und die Quelle nach der zugrundeliegenden Creative Commons-Lizenz Attribution – ShareAlike 3.0<br />

Unported zu kennzeichnen. Die Fotografin setzte mit einer einstweiligen Verfügung durch, dass durch die<br />

Partei die Lizenzbedingungen der CC-Lizenz eingehalten werden müssen.


Siehe auch<br />

Freie Inhalte<br />

Wissensallmende<br />

Wikimedia Commons<br />

Literatur<br />

Erik Möller: Freiheit mit Fallstricken: Creative-Commons-NC-Lizenzen und ihre Folgen .<br />

Simone Aliprandi: Creative Commons: a user guide. Copyleft-Italia / Ledizioni, 2011 (der Text ist unter der Lizenz<br />

Creative Commons Attribution/Share Alike verfügbar)<br />

Markus Eidenberger, Andreas Ortner: Kreativität in Fesseln: Wie Urheberrecht Kreativität behindert und doch mit<br />

s<strong>einen</strong> eigenen Waffen geschlagen werden kann. In: Leonhard Dobusch, Christian Forsterleitner (Hrsg.): Freie<br />

Netze. Freies Wissen. Echomedia, Wien 2007, ISBN 3-901761-64-0 unter Creative Commons Lizenz; freienetze.at<br />

(PDF; 1,5 MB) (enthält u. a. Interview mit Lawrence Lessig).<br />

Till Kreutzer: Open Content – Ein Praxisleitfaden zur Nutzung <strong>von</strong> Creative-Commons-Lizenzen , Deutsche<br />

UNESCO-Kommission e. V., Hochschulbibliothekszentrum Nordrhein-Westfalen, Wikimedia Deutschland e. V. 2015.<br />

Lawrence Lessig: Freie Kultur. Penguin Books, 2004.<br />

Reto Mantz: Open Access-Lizenzen und Rechtsübertragung bei Open Access-Werken (PDF; 560 kB) – u. a.<br />

Kommentierung der CC-Lizenzen.<br />

Reto Mantz: Creative Commons-Lizenzen im Spiegel internationaler Gerichtsverfahren(PDF; 180 kB). GRUR<br />

International, 2008, S. 20–24<br />

Weblinks<br />

Commons: Creative Commons – <strong>Sammlung</strong> <strong>von</strong> Bildern<br />

Creative-Commons-Website (Suche (beta))<br />

Creative Commons Deutschland<br />

Creative Commons Österreich<br />

Creative Commons Schweiz<br />

Standpunkt der Free Software Foundation<br />

Einzelnachweise<br />

1. Creative Commons: History(http://creativecommons.org/about/history). Abgerufen am 9. Oktober 2011.<br />

2. Plotkin, Hal (2002-2-11): All Hail Creative Commons Stanford professor and author Lawrence Lessig plans a legal<br />

insurrection (http://www.sfgate.com/cgi-bin/article.cgi?f=/g/a/2002/02/11/creatcom.DTL). SFGate.com. Abgerufen am<br />

8. März 2011.<br />

3. History of Creative Commons(http://creativecommons.org/about/history/) . Abgerufen am 8. November 2009.<br />

4. Matt Haughey: Creative Commons Announces New Management Team (http://creativecommons.org/press-releases/<br />

entry/3483). creativecommons.org. 18. September 2002. Abgerufen am 7. Mai 2013.<br />

5. Lawrence Lessig: Remembering Aaron Swartz(http://creativecommons.org/weblog/entry/36298) .<br />

creativecommons.org. 12. Januar 2013. Abgerufen am 7. Mai 2013.<br />

6. History of Creative Commons(http://creativecommons.org/about/history/) . Abgerufen am 5. Februar 2010.<br />

7. Kay Kremerskothen: 200 million Creative Commons photos and counting!(http://blog.flickr.net/en/2011/10/05/200-mi<br />

llion-creative-commons-photos-and-counting/) . Flickr Blog. 5. Oktober 2011. Abgerufen am 20. Dezember 2011.<br />

8. Big win for an interoperable commons: BY-SA and FAL now compatible (https://creativecommons.org/weblog/entry/4<br />

4030). Abgerufen am 22. Oktober 2014.<br />

9. Compatibilité Creative Commons BY+SA & Licence Art Libre(http://artlibre.org/compatibilite-creative-commons-bysa<br />

-licence-art-libre/). Abgerufen am 22. Oktober 2014.<br />

10. CC-SA 1.0 (http://creativecommons.org/licenses/sa/1.0/)<br />

11. CC0 1.0 (http://creativecommons.org/publicdomain/zero/1.0/)<br />

12. „Definition of Free Cultural Works“ (http://freedomdefined.org/Definition), abgerufen am 14. September 2013<br />

13. „Approved for Free Cultural Works“ (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/de/) -Logo auf der Website zur<br />

Lizenz, abgerufen am 14. September 2013


14. Deutsche Creative Commons-Lizenzen in Version 3.0 verfügbar. (http://de.creativecommons.org/deutsche-creative-c<br />

ommons-lizenzen-in-version-30-verfugbar/)de.creativecommons.org<br />

15. Swiss 3.0 Creative Commons licenses now available. (http://www.creativecommons.ch/2012/04/lizenzen-3-0-sind-im<br />

-schweizer-recht-verfugbar/)creativecommons.org, 16. April 2012<br />

16. Announcing the new Creative Commons 3.0 Ireland suite. (http://creativecommons.org/weblog/entry/31648)<br />

creativecommons.org, 27. Februar 2012<br />

17. Martin Steiger: Creative Commons 4.0-Lizenzen in deutscher Übersetzung.(https://steigerlegal.ch/2017/01/22/creati<br />

ve-commons-4-0-deutsch/)22. Januar 2017; abgerufen am 8. Mai 2017.<br />

18. Reto Mantz: „Creative Commons-Lizenzen im Spiegel internationaler Gerichtsverfahren.“ In: GRURInt 2008, S. 20–<br />

24, S. 24.<br />

19. OLG Köln, Urteil vom 31. Oktober 2014 - 6 U 60/14, (MIR 2014, Dok. 121, miur.de/2656 (http://miur.de/2656))<br />

20. Tanja Dörre: „Aktuelle Rechtsprechung zu Creative-Commons-Lizenzen.“ In: GRUR-Prax 2014, S. 516–518.<br />

21. Übersicht: CC-Videos des NDR (https://www.ndr.de/nachrichten/netzwelt/tv298.html)<br />

22. http://creativearchive.bbc.co.uk/(offline): Creative Commons attracts BBC's attention(https://web.archive.org/web/20<br />

050131073558/http://www.iwr.co.uk/iwreview/1155821)(Memento vom 31. Januar 2005 im Internet Archive), 11.<br />

Juni 2004, im Webarchiv<br />

23. BBC Creative Archive pilot(http://www.bbc.co.uk/creativearchive/index.shtml) abgerufen am 21. Oktober 2017<br />

24. „Springer Open Choice License“(http://www.springer.com/open+access/open+choice?SGWID=0-40359-0-0-0)(bync<br />

2.5)<br />

25. Noch mehr Creative Commons <strong>von</strong> quer . (http://blog.br.de/quer/noch-mehr-creative-commons-<strong>von</strong>-quer-02122011.h<br />

tml) quer; 2. Dezember 2011; abgerufen am 24. Juli 2013.<br />

26. Endlich frei - Der BR setzt bei der Space Night auf CC-Musik(http://isarmatrose.com/?p=3218)auf isarmatrose.com<br />

am 19. Feb. 2013<br />

27. Gibt es bald die erste öffentlich-rechtliche Sendung mit cc-Musik?(http://freie-radios.net/53657)- Interview mit<br />

Tobias Schwarz auf Radio corax am 13. Februar 2013<br />

28. Barbara Fischer: Was <strong>Wikipedia</strong>ner besonders gut können.(http://blog.wikimedia.de/2013/04/24/was-wikipedianer-b<br />

esonders-gut-konnen/) Wikimedia DeutschlandBlog; 24. April 2013; abgerufen am 29. Mai 2013.<br />

29. Category:ZDFcheck. (https://commons.wikimedia.org/wiki/Category:ZDFcheck)Wikimedia Commons; abgerufen am<br />

29. Mai 2013.<br />

30. Fritz Jingles. (http://www.fritz.de/media/jingles/index.html)Abgerufen am 20. August 2013.<br />

31. Cultural Broadcast Archive.(http://cba.fro.at/) Abgerufen am 19. Oktober 2013.<br />

32. xo - the quandary novelists.(http://www.the-quandary-novelists.com/xo/)In: www.the-quandary-novelists.com.<br />

Abgerufen am 5. April 2016.<br />

33. Fiktion. (http://fiktion.cc/books/munzgesteuerte-geschichte/)In: fiktion.cc. Abgerufen am 5. April 2016.<br />

34. Literarisch Besonderes unter Creative Commons Lizenz.(http://commonsblog.wordpress.com/2012/07/04/xo-literatis<br />

ch-besonderes-unter-creative-commons-lizenz/#comments)Abgerufen am 16. Oktober 2013.<br />

35. Zielsetzung data.gv.at (https://www.data.gv.at/2012/04/18/20-4-pressegesprach-open-government-data-portal/)vom<br />

20. April 2012 abgerufen am 29. November 2015<br />

36. Lizenzbedingungen: CC0 1.0 Universal (http://creativecommons.org/publicdomain/zero/1.0/deed.de)<br />

37. de.creativecommons.org(http://de.creativecommons.org/neu-im-programm-cc0/)<br />

38. Öffentliche Diskussion über CC0(http://creativecommons.org/weblog/entry/7978)<br />

39. Linked Data Service der Deutschen Nationalbibliothek(http://www.dnb.de/DE/Service/DigitaleDienste/LinkedData/lin<br />

keddata_node.html). Abgerufen am 18. März 2013.<br />

40. offiziell als Eingestellt geltende CC-Lizenzen(http://creativecommons.org/retiredlicenses)(englisch)<br />

41. Founders’ Copyright (http://creativecommons.org/projects/founderscopyright)<br />

42. Michael Seemann: 10 Jahre Creative Commons. Der Ökoladen der Nerd-Elite, in Die Zeit vom 6. Dezember 2012.(h<br />

ttp://www.zeit.de/digital/internet/2012-12/creative-commons-kritik)<br />

43. Erklärung der FSF <strong>für</strong> die Lizenzierung <strong>von</strong> anderen Werken als Software oder Dokumentation(http://www.gnu.org/li<br />

censes/license-list.html#OtherLicenses).<br />

44. Free Software Foundation blog(http://www.fsf.org/blogs/rms/entry-20050920.html).<br />

45. creativecommons.org (http://creativecommons.org/weblog/entry/7520) .<br />

46. Andrea Müller: Creative Commons Version 4: die Diskussionstartet. (http://heise.de/-1394557)In: Heise online.<br />

13. Dezember 2011; abgerufen am 1. Februar 2012.<br />

47. CCPL4 erschienen (http://de.creativecommons.org/2013/11/25/version-4-0-ist-da/) .<br />

48. How to Correctly Use Creative Commons Works (http://www.plagiarismtoday.com/2010/01/12/how-to-correctly-use-c<br />

reative-commons-works/)(englisch).<br />

49. OpenAttribute: Making Creative Commons Attribution Easy(http://www.plagiarismtoday.com/2011/02/07/openattribut<br />

e-making-creative-commons-attribution-easy/)(englisch).<br />

50. Aktenzeichen 334492 / KG 06-176 S (LJN: AV4204): niederländisch (http://zoeken.rechtspraak.nl/resultpage.aspx?s<br />

nelzoeken=true&searchtype=ljn&ljn=AV4204&u_ljn=AV4204), englisch (http://mirrors.creativecommons.org/judgeme


nelzoeken=true&searchtype=ljn&ljn=AV4204&u_ljn=AV4204), englisch (http://mirrors.creativecommons.org/judgeme<br />

nts/Curry-Audax-English.pdf)(PDF; 142 kB); Anmerkung <strong>von</strong> Reto Mantz (http://retosphere.de/files/Mantz,CreativeC<br />

ommonsLizenzen_GRURInt_2008,20.pdf)(PDF; 180 kB).<br />

51. Weblogkommentar (http://curry.podshow.com/?p=49)<br />

52. Aktenzeichen 761/2005: spanisch (http://derecho-internet.org/node/363), englisch (http://mirrors.creativecommons.or<br />

g/judgements/SGAE-Fernandez-English.pdf)(PDF; 144 kB); Anmerkung <strong>von</strong> Reto Mantz (http://retosphere.de/files/<br />

Mantz,CreativeCommonsLizenzen_GRURInt_2008,20.pdf)(PDF; 180 kB).<br />

53. Artikel auf Deutsch und Urteil auf Spanisch(http://www.fspa.de/2006/cc-lizenzen-erneut-vor-gericht-bestatigt-diesma<br />

l-in-spanien/).<br />

54. Aktenzeichen 3:07-CV-1767-D (Chang v. Virgin Mobile USA): englisch (http://www.artuntitled.com/resource/chang_v<br />

v.html); Anmerkung <strong>von</strong> Reto Mantz (http://retosphere.de/files/Mantz,CreativeCommonsLizenzen_GRURInt_2008,2<br />

0.pdf) (PDF; 180 kB).<br />

55. Aktenzeichen 2008-1101: englisch (http://www.cafc.uscourts.gov/images/stories/opinions-orders/08-1001.pdf)(PDF;<br />

66 kB).<br />

56. Aktenzeichen 09-1684-A: französisch (http://www.turre.com/wp-content/uploads/2010-10-26-D%C3%A9cision-trib.-N<br />

ivelles-Lich%C3%B4dmapwa.pdf)(PDF; 1,3 MB); urheberrecht.org (http://www.urheberrecht.org/news/4090/).<br />

57. Aktenzeichen 3560/09, 3561/09: hebräisch (http://www.law.co.il/media/computer-law/reuveni_rivlin.pdf)(PDF;<br />

695 kB); englische Zusammenfassung(http://www.law.co.il/en/news/israeli_internet_law_update/2011/01/18/Israeli-c<br />

ourt-enforces-a-creative-commons-license); urheberrecht.org (http://www.urheberrecht.org/news/4170/).<br />

58. Oberlandesgericht Köln, Aktenzeichen 6 U 60/14: MIR 2014, Dok. 121, http://miur.de/2656 (http://medien-internet-un<br />

d-recht.de/volltext.php?mir_dok_id=2656), [BeckRS 2014, 21041]<br />

59. Landgericht Köln, Aktenzeichen 28 O 232/13: openjur.de (https://openjur.de/u/686021.html).<br />

60. Landgericht Berlin, Aktenzeichen 16 O 458/10: openjur.de (https://openjur.de/u/168250.html) (PDF).<br />

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Crowdfunding<br />

Crowdfunding [ˈkɹaʊdˌfʌndiŋ] (<strong>von</strong> englisch crowd <strong>für</strong> ‚(Menschen-)Menge‘, und funding <strong>für</strong> ‚Finanzierung‘), auf deutsch auch<br />

Schwarmfinanzierung oder Gruppenfinanzierung, ist eine Art der Finanzierung. Mit dieser Methode der Geldbeschaffung lassen<br />

sich Projekte, Produkte, die Umsetzung <strong>von</strong> Geschäftsideen und vieles andere mit Eigenkapital oder dem Eigenkapital ähnlichen<br />

Mitteln, in Deutschland zumeist in Form partiarischer Darlehen oder stiller Beteiligungen, versorgen. <strong>Eine</strong> so finanzierte<br />

Unternehmung und ihr Ablauf werden auch als eine Aktion bezeichnet. Ihre Kapitalgeber sind eine Vielzahl <strong>von</strong> Personen – in der<br />

Regel Internetnutzer, da zum Crowdfunding meist im World Wide Web aufgerufen wird.<br />

Inhaltsverzeichnis<br />

1 Geschichte<br />

1.1 Begriff<br />

1.2 Englischsprachiger Raum<br />

1.3 Deutschland<br />

1.4 Schweiz<br />

2 Typischer Ablauf einer Crowdfunding-Kampagne<br />

3 Siehe auch<br />

4 Literatur<br />

5 Weblinks<br />

6 Einzelnachweise<br />

Geschichte<br />

Begriff<br />

Historisch gesehen ist Crowdfunding ein relativ junger Begriff, der erst seit einigen Jahren verstärkt eingesetzt wird. Der Begriff des<br />

Crowdsourcing wurde <strong>von</strong> Jeff Howe in einem Wired-Artikel geprägt. Einige Jahre später erarbeitete er auch erste Ansätze <strong>für</strong> eine<br />

Definition des Begrifs Crowdfunding, angelehnt an Crowdsourcing.<br />

Das Wort setzt sich aus den englischen Wörtern crowd ‚Menge, Menschenmasse‘ und funding ‚Finanzierung‘ zusammen. Als<br />

Verdeutschung wird gelegentlich Schwarmfinanzierung verwendet. Mit der Herkunft dieser Eindeutschung beschäftigte sich im März<br />

2013 der Sprachwissenschaftler Anatol Stefanowitsch im Sprachlog in den Beiträgen And the Winner is: Crowdfunding! [1] und<br />

Sprachschmuggler in der <strong>Wikipedia</strong>? [2] Dabei ergaben seine Recherchen, dass dieser Begriff s<strong>einen</strong> Ursprung in einem am 23. März<br />

2011 erfolgten Eintrag im Artikel Crowdfunding der deutschsprachigen <strong>Wikipedia</strong> habe. [1][2]<br />

Man kann vier Varianten des Crowdfunding unterscheiden: [3]<br />

Donation-Based Crowdfunding (Crowddonation)<br />

Reward-Based Crowdfunding (Crowdsupporting, aufgeteilt in Crowdfunding und Pre-Selling)<br />

Lending-Based Crowdfunding (Crowdlending)<br />

Equity-Based Crowdfunding (im Deutschen auch Crowdinvesting genannt)


Englischsprachiger Raum<br />

Historisches Crowdfunding findet man bereits im 18. Jahrhundert. So wurde z. B. der Sockel <strong>für</strong> die Errichtung der Freiheitsstatue<br />

durch 160.000 Einzelspenden ermöglicht. [4]<br />

Im Oktober 2003 startete der Musiker und Produzent Brian Camelio die Internet-Plattform ArtistShare als Reaktion auf die<br />

Entwicklungen des Raubkopierens und die Bestrebungen der Musikindustrie <strong>für</strong> ein digitales Rechtemanagement. Die Website<br />

ermöglichte es Musikern, das Geld <strong>für</strong> die Produktion eines Albums zu erhalten, bevor es veröffentlicht wurde. Als SellaBand im<br />

August 2006 in Europa startete, galt es, je 50.000 US-Dollar <strong>für</strong> Musiker und Bands mit der Hilfe sogenannter Believer zu erreichen,<br />

um ein Album zu produzieren. Bereits am 2. November 2006 hatte die Band Nemesea 528 Unterstützer zusammen und konnte so ihr<br />

Album „In Control“ aufnehmen. In den vergangenen vier Jahren haben es weitere 50 Bands (Stand: September 2010) ins Tonstudio<br />

bei Sellaband geschaft.<br />

2008 wurde Indiegogo gegründet. [5] 2009 wurde in den USA die Crowdfunding-Plattform Kickstarter.com gegründet. <strong>Eine</strong><br />

Gewinnbeteiligung gibt es bei Kickstarter nicht. Die Initiatoren versuchen meist, mit einem Video <strong>von</strong> sich oder dem Projekt zu<br />

überzeugen. Nach dem gleichen Vorbild sind u. a. mit RocketHub weitere Crowdfunding-Plattformen online gegangen.<br />

Anfang 2010 nutzte mit Public Enemy eine bereits etablierte Band solch eine Crowdfunding-Plattform, um ihr nächstes Album<br />

gemeinsam mit Fans und Unterstützern finanzieren zu lassen. Die Band selbst beschreibt auf ihrer Website: „In our six months on<br />

SellaBand, we are proud to have broken ground into a new paradigm of music financing and to have learned so much about the fan<br />

funding model with our fans.“ [6] Im Oktober 2010 stand das Vorhaben bei 91 % <strong>von</strong> 75.000 US-Dollar. Das eigentliche Ziel in Höhe<br />

<strong>von</strong> 250.000 US-Dollar wurde nach unten korrigiert, als die Plattform im Februar 2010 Insolvenz anmeldete. Seit der Insolvenz wird<br />

das einstige niederländische Unternehmen als GmbH mit dem Hauptsitz in München weiter geführt.<br />

Im Juni 2010 erhielt das Software-Projekt Diaspora Medienaufmerksamkeit: Für die Entwicklung einer Internetplattform haben vier<br />

Studenten 10.000 US-Dollar benötigt. Mit der Plattform wurde Facebook der Kampf angesagt und angekündigt, ein Pendant zu<br />

entwickeln, welches bessere Vorkehrungen im Bereich Datenschutz treffen würde und die Daten seiner Nutzer dezentral immer auf<br />

dem eigenen Rechner des Anwenders speichere. Dies fand enormen Zuspruch in der Bevölkerung, die das Projekt gemeinsam mit<br />

200.641 US-Dollar überfinanziert hat. Unter den 6.479 Spendern befand sich auch Facebook-Gründer Mark Zuckerberg. Im<br />

Interview mit dem Magazin Wired sagte Zuckerberg: „I donated. I think it is a cool idea.“ [7]<br />

Mayday US ist ein Super-PAC in den USA, welcher sich zum Ziel gesetzt hat, alle Super-PACs abzuschaffen. Das Ziel ist es,<br />

Abgeordnete in den Kongress zu wählen, welche sich gegen den korrumpierenden Einfluss <strong>von</strong> Geld in der Politik stellen und Super-<br />

PACs abschaffen möchten. Das Projekt ist mit mehr als 7,9 Millionen Dollar ausgestattet und wurde <strong>von</strong> mehr als 55.300 Spendern<br />

durch Crowdfunding finanziert (Stand August 2014). Der Initiator des PACs ist der Harvard Professor Lawrence Lessig. [8][9]<br />

Mit der Unterzeichnung des JOBS Act (Jumpstart Our Business Startups Act) in den USA durch Präsident Barack Obama wurde eine<br />

gesetzliche Grundlage geschafen.<br />

Deutschland<br />

Zu der 2004 gestarteten Finanzierung des Roadmovies Hatschi Madame – Sorry Monsieur konnte durch den Erwerb einer<br />

Eintrittskarte ein Platz im Abspann erworben werden. [10] Einige mediale Aufmerksamkeit wurde Crowdfunding zuteil, als der Film<br />

Hotel Desire durch Spenden <strong>von</strong> 175.000 Euro finanziert wurde. [11] Das bis dato größte Crowdfunding-Projekt im Filmbereich in<br />

Deutschland startete die Kölner Firma Brainpool im Dezember 2011. Für den geplanten Kinofilm zur TV-Serie Stromberg wollte das<br />

Unternehmen bis März 2012 eine Million Euro einsammeln. [12] Nach zwei Tagen lagen die Einnahmen bereits bei über 150.000<br />

Euro; [13] innerhalb einer Woche wurde die Plansumme erreicht. [14][15]<br />

Neben nationalen Plattformen gibt es auch regionale Crowdfunding-Initiativen. Diese fokussieren sich vor allem auf Projekte <strong>für</strong><br />

Start-ups aus der jeweiligen Region.


Crowdfunding gilt eher als Variante <strong>für</strong> die Finanzierung <strong>von</strong> Nischen-Projekten; Crowdinvesting benennt eine Art der<br />

Mittelaufnahme <strong>für</strong> Unternehmen oder Immobilien. Hierbei können Beteiligungen an Unternehmen erworben werden. Diese<br />

Beteiligungen verbriefen <strong>einen</strong> Anspruch auf <strong>einen</strong> Anteil am Unternehmensgewinn sowie häufig auch am Verkaufserlös und können<br />

verkauft werden. Beim Crowdinvesting soll, ähnlich wie beim Crowdfunding, das Risiko auf zahlreiche Investoren zu kl<strong>einen</strong><br />

Beträgen verteilt werden; bei einer Finanzierung durch Business Angels oder Venture Capital wird das Kapital in der Regel dagegen<br />

<strong>von</strong> wenigen aufgebracht. [16]<br />

Die Novelle des Kleinanlegerschutzgesetzes vom 9. Juli 2015 (BGBl. 2015 I S. 1114) hat auch das Crowdinvesting in Deutschland<br />

neu geregelt. [17]<br />

Schweiz<br />

In der Schweiz gibt es rund ein Dutzend nationale Crowdfunding-Plattformen, die Crowddonation, Crowdlending und<br />

Crowdinvesting abdecken.<br />

Als erste Plattform startete „Cashare“ im Jahre 2008 mit Fokus auf Crowdlending. Die größte Plattform (Stand: 2016) ist<br />

„wemakeit“, die jegliche Art <strong>von</strong> Projekten anbietet. Daneben haben sich weitere Plattformen in Angebotsnischen positioniert, wie<br />

beispielsweise „I believe in you“ <strong>für</strong> Sportprojekte, „letshelp“ <strong>für</strong> Hilfsprojekte im In- und Ausland, „loanboox“ <strong>für</strong> Kantone und<br />

Gemeinden und „lokalhelden.ch“ <strong>für</strong> Vereine, Organisationen und Privatpersonen mit gemeinnützigen Projekten. Letztgenanntes<br />

Portal wird kostenfrei zur Verfügung gestellt. [18]<br />

Typischer Ablauf einer Crowdfunding-Kampagne<br />

<strong>Eine</strong> Aktion ist durch eine Mindestkapitalmenge gekennzeichnet, die durch die Masse fremdfinanziert sein muss, bevor die Aktion<br />

startet. Im Verhältnis zur Mindestkapitalmenge leistet jedes Mitglied der Masse (Crowdfunder) nur <strong>einen</strong> geringen finanziellen<br />

Anteil.<br />

Für diese Leistung kann der Crowdfunder eine Gegenleistung erhalten, die verschiedene Formen annehmen kann (z. B. Rechte, Geld,<br />

Sachleistungen), den man dann als <strong>einen</strong> monetarisierbaren Wert ausdrücken kann. Darüber hinaus kann die Gegenleistung <strong>einen</strong><br />

ideellen oder altruistischen Wert besitzen [19] z.B. die Unterstützung <strong>von</strong> humanitären Projekten, die keine ökonomische<br />

Gegenleistung versprechen [20][21][22] .<br />

Die Kommunikation zwischen Geldgeber und -nehmer wird über eine Plattform im Internet realisiert. In der Regel veröffentlicht der<br />

Geldnehmer über diese Plattform eine weitgehend offene Ausschreibung, die sich an alle geschäftsfähigen Internetnutzer richtet;<br />

ohne Ein- oder Ausgrenzung möglicher Geldgeber .<br />

Ein weiteres kennzeichnendes Merkmal <strong>von</strong> Crowdfunding ist, dass durch Crowdfunding erzielte Gelder zweckgebunden an die<br />

jeweilige Aktion sind. Allerdings ist <strong>für</strong> den Vorgang des Crowdfundings in Deutschland bislang keine spezifische gesetzliche<br />

Grundlage vorhanden (im Gegensatz beispielsweise zur Finanzierung durch Aktien, wo<strong>für</strong> es in Deutschland ein Aktiengesetz gibt).<br />

In den USA hingegen wurde mit der Unterzeichnung des JOBS Act („Jumpstart Our Business Startups Act“) durch Präsident Obama<br />

eine gesetzliche Grundlage geschafen.<br />

Siehe auch<br />

Street Performer Protocol<br />

Subskription<br />

Literatur<br />

Ulrike Sterblich, Tino Kreßner, Anna Theil, Denis Bartelt: Das Crowdfunding-Handbuch. orange press, Freiburg<br />

2015, ISBN 978-3-936086-80-5.


Karim Serrar, Frank Schwarz, Oliver Gajda: Jahrbuch Crowdfunding. Slingshot, Hamburg 2015, ISBN 978-<br />

3000512001.<br />

Jörg Eisfeld-Reschke, Ulrich Herb & Karsten Wenzlaff (2014). Research Funding in Open Science.In S. Bartling &<br />

S. Friesike (Hrsg.), Opening Science (pp. 237–253). Heidelberg: Springer . doi:10.1007/978-3-319-00026-8_16<br />

Kevin Lawton und Dan Marom: The crowdfunding revolution. How to raise venture capital using social media .<br />

McGrawHill, New York 2013, ISBN 978-0-07-179045-1.<br />

Joachim Hemer: Crowdfunding und andere Formen informeller Mikrofinanzierung in der Projekt- und<br />

Innovationsfinanzierung. Fraunhofer, Stuttgart 2011, ISBN 978-3-8396-0313-0.<br />

Weblinks<br />

Crowdfunding Industry Report 2012<br />

Elena Gorgis: CROWDFUNDING UND CROWDINVESTING – Das kleine Geld der Massen , Deutschlandfunk<br />

„Hintergrund“ vom 23. Juni 2014<br />

Crowdfunding: Wer im Internet wo<strong>für</strong> Geld einsammelt, Stiftung Warentest, test.de, 4. November 2014, abgerufen<br />

am 28. Januar 2015<br />

Einzelnachweise<br />

1. Anatol Stefanowitsch: And the Winner is: Crowdfunding!(http://www.sprachlog.de/2013/03/04/and-the-winner-is-cro<br />

wdfunding/). In: Sprachlog. 4. März 2013. Abgerufen am 5. März 2013.<br />

2. Anatol Stefanowitsch: Sprachschmuggler in der <strong>Wikipedia</strong>? (http://www.sprachlog.de/2013/03/05/sprachschmugglerin-der-wikipedia/).<br />

In: Sprachlog. 5. März 2013. Abgerufen am 5. März 2013.<br />

3. Crowdsourcing, LLC: Crowdfunding Industry Report: Market Trends, Composition and Crowdfunding Platforms2012,<br />

S. 12.<br />

4. http://www.bbc.com/news/magazine-21932675<br />

5. indiegogo (http://communities.washingtontimes.com/neighborhood/networking-without-faces/2012/jul/18/indiegogo-a<br />

-serious-competitor-to-kickstarter/)<br />

6. 'Public Enemy auf SellaBand'(http://www.sellaband.com/en/projects/publicenemy/incentives), aufgerufen am 17.<br />

Oktober 2010<br />

7. Wired Magazine 'Mark Zuckerberg: I Donated to Open Source, Facebook Competitor' (http://www.wired.com/epicent<br />

er/2010/05/zuckerberg-interview), aufgerufen am 28. September 2010<br />

8. Mayday US, Super PAC (https://mayday.us/)<br />

9. BoingBoing, MAYDAY.US IS DOWN TO THE WIRE: FIGHT CORRUPTION IN CONGRESS!(http://boingboing.net/2<br />

014/07/04/mayday-us-is-down-to-the-wire.html)<br />

10. Die Welt 2. August 2004, S.24<br />

11. http://www.spiegel.de/kultur/kino/0,1518,788873,00.html<br />

12. http://www.ftd.de/it-medien/medien-internet/:crowdfunding-stromberg-zettelt-revolution-bei-filmfinanzierungan/60143533.html<br />

(https://web.archive.org/web/20120107150208/http://www.ftd.de/it-medien/medien-internet/:crowdf<br />

unding-stromberg-zettelt-revolution-bei-filmfinanzierung-an/60143533.html) (Memento vom 7. Januar 2012 im<br />

Internet Archive)<br />

13. http://www.myspass.de/specials/stromberg-kinofilm/<br />

14. brainpool.de Pressemitteilung 22. Dezember 2011(http://www.brainpool.de/bpo/de/presse/pre semitteilungen/0871<br />

1.html)<br />

15. Quotenmeter.de: «Stromberg»-Film kommt: 1 Million investiert.(http://www.quotenmeter.de/cms/?p1=n&p2=53958&<br />

p3=) Abgerufen am 22. Dezember 2011.<br />

16. http://www.fuer-gruender.de/fileadmin/mediapool/Unsere_Studien/Crowd_Q3_2013/Crowd_investing-<br />

Monitor_Q3_2013.pdf<br />

17. Kleinanlegerschutz: Neues Gesetz in Kraft(https://www.bafin.de/SharedDocs/Veroeffentlichungen/DE/Meldung/201<br />

5/meldung_150710_kleinanlegerschutzgesetz.html) . Bundesanstalt <strong>für</strong> Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin). 10.<br />

Juli 2015. Abgerufen am 10. Februar 2017.<br />

18. Michèle Ullmann: 11 Schweizer Crowdfunding-Plattformen im Vergleich – diese solltest du kennen.(https://www.loka<br />

lhelden.ch/blog/Blog-Detailseite/11-schweizer-crowdfunding-plattformen-im-vergleich-diese-solltest-du-kennen~ba8<br />

3.html) Abgerufen am 8. Mai 2017.<br />

19. Sixt, E. (2014). Spendenbasierendes Crowdfunding. In Schwarmökonomie und Crowdfunding (pp. 101-111).<br />

Springer Fachmedien Wiesbaden.<br />

20. Looking Beyond the Crisis(http://reliefweb.int/report/world/future-humanitarian-financing-looking-beyond-crisis) , by<br />

the Future of Humanitarian Financing Initiative


21. Crowdfunding's Potential for the Developing World (http://www.infodev.org/infodev-files/wb_crowdfundingreport-v12.<br />

pdf), by the World Bank<br />

22. Crowdfunding for Emergencies(http://www.unocha.org/node/190276), by the Office for the Coordination of<br />

Humanitarian Afairs<br />

Abgerufen <strong>von</strong> „https://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Crowdfunding&oldid=171218622 “<br />

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Wachstumsrücknahme<br />

Mit dem Begriff Wachstumsrücknahme (englisch Degrowth), Postwachstum,<br />

Wachstumswende oder Entwachstum wird die Reduktion eines Konsum- und<br />

Produktionswachstums verbunden. Damit soll einem Wirtschaftswachstum begegnet<br />

werden, wenn es als sozial, ökologisch, ökonomisch oder politisch schädlich<br />

wahrgenommen wird. Vertreter dieses Konzepts sehen darin eine Strategie gegen ein<br />

Umwelt und Ressourcen überbelastendes Wachstum.<br />

Inhaltsverzeichnis<br />

Demonstration am Ende der vierten<br />

Degrowth-Konferenz, Leipzig, 2014<br />

1 Historische Entwicklung<br />

2 Begründungen<br />

2.1 Wachstumskritik<br />

2.2 Kritik an den Wachstumsmodellen<br />

2.2.1 Kopplung <strong>von</strong> Wachstums- und Zinsrate<br />

2.2.2 Zinseszins und Wachstumszwang<br />

3 Frankreich<br />

4 Deutschland<br />

5 Großbritannien<br />

6 USA<br />

7 Siehe auch<br />

8 Literatur<br />

9 Weblinks<br />

10 Einzelnachweise<br />

Historische Entwicklung<br />

Vertreter der Klassischen Nationalökonomie diskutierten die stationäre Ökonomie als unausweichlichen Endpunkt <strong>von</strong><br />

Wirtschaftswachstum und Entwicklung. [1] Auch John Maynard Keynes sagte eine dauerhafte Wachstumsabschwächung voraus und<br />

gab <strong>für</strong> diesen Fall wirtschaftspolitische Empfehlungen. [2] Als Vordenker der jüngeren Geschichte <strong>für</strong> die Vertreter der décroissance<br />

und die Kritiker des uneconomic growth gelten Nicholas Georgescu-Roegen, [3] Ivan Illich und auch André Gorz.<br />

Die erste umfassende Kritik des Wirtschaftswachstums ist die Studie Die Grenzen des Wachstums, die 1972 als Bericht an den Club<br />

of Rome erschien und die weltweit Schlagzeilen machte. Sie zeigt nach Auffassung der Autoren die möglichen Folgen eines<br />

unbeschränkten Wachstums <strong>für</strong> Ökologie und Gesellschaft aufgrund der begrenzten Ressourcen und der Übernutzung der<br />

vorhandenen Naturschätze auf. Nach der Überarbeitung <strong>von</strong> 2004 ergab sich in den meisten errechneten Szenarien der Studie ein<br />

wirtschaftlicher Kollaps zwischen 2030 und 2100. [4]<br />

Die Ergebnisse der Studie wurden seither sehr kontrovers diskutiert. Wichtigste Veranstaltung der Wachstumskritik ist die seit 2008<br />

stattfindende Internationale Degrowth-Konferenz. [5][6]<br />

Begründungen


Wachstum führt zwar ständig zu neuen Innovationen und effizienterer Technologie, jedoch nach Ansicht <strong>von</strong> Kritikern ebenso zu<br />

negativen Entwicklungen wie immer größerer Risikobereitschaft, verstärktem Konkurrenzdruck, fortschreitender Monopolisierung,<br />

sinkender Produktqualität, sinkenden Löhnen, zunehmender Verschuldung, Ausbeutung natürlicher und gesellschaftlicher Ressourcen<br />

oder zur Erzeugung zweifelhafter neuer Bedürfnisse. [7] Während Güter, die über die Grundbedürfnisse hinausgingen, früher in<br />

Maßen konsumiert wurden, müssten sie in alternden Volkswirtschaften in Massen konsumiert werden, um das Wachstum in Gang zu<br />

halten.<br />

Mit einem Blick auf die zunehmende Globalisierung wird kritisiert, dass sich die Folgen unbegrenzt wachsender Wirtschaften<br />

deutlich verschärft hätten, seit China, Indien, Russland und das Baltikum in die Marktwirtschaft eingetreten sind. [8]<br />

Wachstumskritik<br />

Verschiedene Wirtschaftswissenschaftler, Philosophen, Politologen, Wissenschaftler anderer Fachbereiche, Schriftsteller,<br />

Wirtschaftsjournalisten und Politiker [8] sowie Globalisierungsgegner, Umweltschützer und Freiwirtschaftler äußern Kritik am<br />

Wirtschaftswachstum; insbesondere an einem nach ihrer Auf fassung exponentiellen Wachstum <strong>von</strong> Volkswirtschaften.<br />

Systemtheoretisch betrachtet ist rein quantitatives Wachstum (nicht jedoch qualitatives Wachstum) in der Natur physikalisch<br />

begrenzt, so dass eine unbegrenzte rein quantitative Steigerung zur Destabilisierung des betroffenen Systems führt. Auf das<br />

Wirtschaftswachstum übertragen be<strong>für</strong>chten die Kritiker daher große Probleme <strong>für</strong> Wirtschaft, Gesellschaft und Umwelt. Hans<br />

Diefenbacher, wissenschaftlicher Referent <strong>für</strong> Ökonomie an der Forschungsstätte der Ev. Studiengemeinschaft in Heidelberg, stellt<br />

zum Beispiel folgende Rechnung auf, um die Unmöglichkeit unbegrenzten Wachstums zu illustrieren: „Ein Wachstum <strong>von</strong> nur 1 %<br />

bedeutet bereits eine Verdoppelung der Wirtschaftsleistung in nur 72 Jahren; ein Wachstum <strong>von</strong> 4 % (wie es in den 1970er und 80er<br />

Jahren vorkam) bewirkt eine Verdoppelung in nur 18 Jahren. Ein regelmäßiges Wachstum in dieser Höhe würde nach sieben<br />

Generationen das 1000-fache des Ausgangsbetrages ergeben!“ [7]<br />

Vor allem in wirtschaftlichen Krisenzeiten wie z. B. in der Ölkrise der 1970er oder der internationalen Finanzkrise ab 2007 wird<br />

ernsthaft diskutiert, ob eine Wirtschaft „ganz ohne Wachstum funktionieren und zugleich Lebensqualität bringen kann“. [8]<br />

In den Wirtschaftswissenschaften wird meist ein enger Zusammenhang zwischen Wachstum, Beschäftigungssicherung und<br />

Wohlstand angenommen (siehe z. B. Wirtschaftswachstum als Wunschvorstellung). Dies führt in der öffentlichen Debatte nicht selten<br />

zur Skepsis gegenüber jeglicher Wachstumskritik. [7][8] Kay Bourcarde, Leiter des Institutes <strong>für</strong> Wachstumsstudien, sieht jedoch in<br />

den letzten Jahren ein ganz erheblich gestiegenes Interesse an einer generell kritischen Auseinandersetzung mit dem exponentiellen<br />

Wirtschaftswachstum. [9]<br />

Während der Wachstumsdiskurs auf der makroökonomischen Ebene seit vielen Jahren geführt wird, gab es bisher wenige Versuche,<br />

die Wachstrumsneutralität und -rücknahme konzeptionell auf die Unternehmensebene zu übersetzen. [10] Die mögliche Rolle <strong>von</strong><br />

Unternehmen, ihrer Geschäftsmodelle, Strategien, Managementstile und ihrer Handlungsoptionen in der Postwachstumsgesellschaft<br />

bedarf weiterer Untersuchungen.<br />

Das Bruttoinlandsprodukt pro Kopf gilt allgemein als Indikator <strong>für</strong> den Wohlstand der Bevölkerung eines Landes. [11] Es weist eine<br />

sehr hohe Korrelation mit anderen sozio-ökonomischen Indikatoren wie Lebenserwartung, Säuglingssterblichkeit oder Bildung auf.<br />

Andere weisen aber ausdrücklich darauf hin, dass das Bruttoinlandsprodukt seiner Definition nach nur den Wert der Güter- und<br />

Dienstleistungen misst, die innerhalb eines bestimmten Zeitraums in einem Land hergestellt worden sind und insofern nur sehr<br />

eingeschränkt als Wohlfahrtsindikator verwendet werden kann. [12]<br />

Dass sich das Wirtschaftswachstum und seine Messung im Bruttoinlandsprodukt tatsächlich eignet, den Lebensstandard oder gar die<br />

Lebensqualität der Bevölkerung eines Landes abzubilden, wird jedoch <strong>von</strong> Vertretern des Konzepts der Wachstumsrücknahme<br />

bezweifelt.<br />

Das Entwicklungsprogramm der Vereinten Nationen veröffentlicht schon seit längerem mit dem Index der menschlichen Entwicklung<br />

<strong>einen</strong> Wohlstandsindikator, der nicht nur materiellen Wohlstand misst.


Siehe auch: Wirtschaftswachstum#Wirtschaftskraft und Lebensqualität<br />

Kritik an den Wachstumsmodellen<br />

Bei allen Wachstumstheorien handelt es sich um Modelle, nicht um<br />

Darstellungen der realen Verhältnisse. [13] Die Abweichung zwischen<br />

Modellen und Realität wird z. B. mit der Entwicklung des<br />

Bruttosozialproduktes der Bundesrepublik belegt, das seit 1950 nicht<br />

exponentiell, sondern tatsächlich nur linear gewachsen ist [14] (siehe<br />

Grafik „Wachstumskurven Deutschland“). Dies wiederum ist<br />

gleichbedeutend mit prozentual gesunkenen Wachstumsraten. Das<br />

Absinken der Wachstumsraten ist nach Meinung der Kritiker unter<br />

Bezugnahme auf die Unmöglichkeit dauerhaft exponentiellen<br />

Wachstums '„weder konjunktur- noch politikbedingt, sondern<br />

systemimmanent“. [15]<br />

Vor diesem Hintergrund wird in verschiedener Art und Weise<br />

gefordert, die Modelle an die realen Bedingungen anzupassen. Die<br />

Wachstumskurven: Exponentielle oder lineare<br />

Wirklichkeit?<br />

herrschenden ökonomischen Theorien dürften nicht zu einem „Wachstumszwang“ führen. Der Mathematiker Jürgen Grahl weist<br />

darauf hin, dass exponentielles Wachstum in der Natur zum Beispiel beim Wachstum <strong>von</strong> Bakterienkulturen oder bei Tumoren,<br />

sprich, bei primitiven bzw. krankhaften Prozessen beobachtet wird, die schließlich an ihrer eigenen Dynamik scheitern. Daher warnt<br />

er davor, in Wirtschaftsmodellen mit exponentiellem Wachstum zu operieren. [16] Der Schweizer Ökonom Hans Christoph<br />

Binswanger fordert eine umfassende Modernisierung des „neoklassischen Gleichgewichts-Modelles“, das als Grundlage der<br />

modernen Wirtschaftswissenschaften immer noch auf einer traditionellen Bauernwirtschaft des 19. Jahrhunderts basiere. [17] Wenige<br />

– insbesondere die Anhänger der Freiwirtschaftslehre – treten <strong>für</strong> radikal andere Wirtschaftsmodelle ohne Wachstum ein.<br />

Wie es der US-Ökonom Paul Romer ausdrückt: „Die Basis <strong>für</strong> gesundes Wachstum sind bessere Rezepte und nicht immer größere<br />

Mengen derselben Zutaten.“ [8] Die „system-strukturellen“ Lösungsansätze kann man folgendermaßen zusammenfassen:<br />

vom quantitativen zum qualitativen Wachstum (z. B. hochwertigere, langlebigere, umweltfreundlichere Produkte)<br />

vom quantitativen zum selektiven Wachstum (einige Bereiche wachsen, andere stagnieren oder schrumpfen)<br />

Nachhaltigkeit als neues Leitbild der Wirtschaftspolitik [13]<br />

Kopplung <strong>von</strong> Wachstums- und Zinsrate<br />

Die Ökonomie postuliert im langfristigen Trend eine ebenfalls gleichbleibende Zinsrate, die etwas unter der Wachstumsrate liegen<br />

soll und an diese gekoppelt ist. Von 1950 bis 1980 folgte die tatsächliche Entwicklung dieser Prognose. Seit 1980 jedoch blieb die<br />

Zinsrate trotz real sinkender Wachstumsrate etwa konstant und ist seither höher (inverses Zins-Wachstumsratendifferential nach<br />

Stefan Schulmeister [18] ). Dies ist nach Auffassung wachstumskritischer Ökonomen eine systemimmanente Folge des exponentiellen<br />

Wachstums, die auf der anderen Seite allerdings zu exponentiell wachsenden Geldvermögen und Zinsströmen führe. Wenn die<br />

Zinsraten höher als die Wachstumsrate sind, sei es rentabler, mit Geld zu spekulieren statt damit real zu investieren, so dass diese<br />

Gelder dem realen Geldkreislauf entzogen würden. [15] In diesem Zusammenhang wird gern auf den Nutzen einer Tobin-Steuer<br />

verwiesen.<br />

Zinseszins und Wachstumszwang<br />

Der Zinseszinseffekt führt laut einigen Wachstumskritikern zwangsläufig und systemimmanent zu einem exponentiellen Wachstum<br />

der Schulden auf der <strong>einen</strong> Seite und der verzinslichen Guthaben auf der anderen Seite. [19][20][21] Diese Argumentation fußt letztlich<br />

auf dem simplen Gedankenexperimentes des „Josephspfennigs“ als „dem“ Beispiel <strong>für</strong> <strong>einen</strong> unmöglichen exponentiellen Verlaufs<br />

des Wirtschaftswachstums (siehe Grafik). Allein dadurch stünde die Wirtschaft unter permanentem Wachstumszwang, denn aus der


erwirtschafteten Leistung müsse die Zinslast gezahlt werden<br />

können. [22] Hans Christoph und Mathias Binswanger argumentieren,<br />

der „Geldschwund, der sich aus den Zinszahlungen an die Bank<br />

ergibt, ist wesentlich verantwortlich <strong>für</strong> den<br />

Wachstumszwang“. [23][24][25]<br />

Andere Autoren widersprechen diesen Argumenten auf der Basis <strong>von</strong><br />

postkeynesianischen Modellen einer monetären Ökonomie. [26][27]<br />

Für die Frage, ob eine stationäre Wirtschaft stabil ist, sei letztlich die<br />

Sparquote, nicht der Zins entscheidend. Ob ein stationärer Zustand<br />

erreicht werden könne, läge an Sparentscheidungen deren, die<br />

Einkommen beziehen oder Vermögen besitzen. [28][29] Auch sei<br />

Binswangers Annahme nicht begründet, dass die Banken trotz einer<br />

nicht mehr wachsenden Wirtschaft stets ihre Profite thesaurieren. [28]<br />

Daher bestünde kein „inhärenter“ Wachstumszwang, sondern<br />

allenfalls sei Nullwachstum nicht möglich, wenn sich Akteure<br />

entscheiden, beständig Geldvermögen zu akkumulieren. [28]<br />

Frankreich<br />

In Frankreich wird Wachstumsrücknahme unter dem dort populären<br />

Kunstwort „décroissance“ diskutiert. [30] Daraus hat sich eine<br />

konsumkritische Bewegung entwickelt, <strong>für</strong> die in den<br />

Beispiel <strong>für</strong> exponentielles Zinswachstum<br />

deutschsprachigen Ländern keine Entsprechung existiert. Als einer der französischen Vertreter dieses Konzepts gilt Serge<br />

Latouche. [31] Über Wachstumsrücknahme wird in Frankreich breit debattiert, bis hin zum damaligen Präsidenten Nicolas<br />

Sarkozy. [32] Die französische Décroissance-Bewegung ist vergleichsweise radikal und lehnt nicht nur den „Wachstumszwang“,<br />

sondern auch <strong>einen</strong> Green New Deal ab. [33]<br />

Deutschland<br />

In Deutschland führen ehemalige Politiker und Spitzenmanager wie Kurt Biedenkopf [34] , Klaus Wiegandt oder Michael Otto [35] die<br />

Anfänge einer wachstumskritischen Debatte. [36] Verhaltene Wachstumskritik <strong>von</strong> Bundespräsident Horst Köhler [37] fand bei den<br />

Parteien kaum Widerhall.<br />

Wissenschaftlich werden wachstumskritische Konzepte unter anderem <strong>von</strong> Wirtschaftswissenschaftlern wie Niko Paech<br />

(Postwachstumsökonomik bzw. Postwachstumsökonomie), [38] Gerhard Scherhorn, [39] Adelheid Biesecker, [40] Sabine Hofmeister,<br />

Uwe Schneidewind und dem Schweizer Hans Christoph Binswanger thematisiert. Sie orientieren sich an der Strategie der Suffizienz<br />

und dem partiellen Rückbau industrieller, insbesondere global arbeitsteiliger Wertschöpfungsprozesse zugunsten einer Stärkung<br />

lokaler und regionaler Selbstversorgungsmuster. Enthalten sind zudem Ansätze einer Geld- und Bodenreform.<br />

Die Vereinigung <strong>für</strong> Ökologische Ökonomie hat sich seit ihrer Jahrestagung 2010 mit dem Thema „Wirtschaft ohne Wachstum“ [41]<br />

als erste wachstumskritische Wissenschaftsvereinigung etabliert. In ihrem Leitbild vertritt sie <strong>einen</strong> wissenschaftlich basierten Ansatz<br />

zur Ablösung der ökonomischen Wachstumspolitik durch die Postwachstumsökonomie. [42] Im Mai 2011 koordinierte attac in<br />

Kooperation mit der Friedrich-Ebert-Stiftung, der Heinrich-Böll-Stiftung, der Rosa-Luxemburg-Stiftung und der Otto-Brenner-<br />

Stiftung in Berlin eine Tagung unter dem Titel „Jenseits des Wachstums?!“. [43] Die Zeitschrift Oya berichtete 2012 <strong>von</strong> einem ersten<br />

Vernetzungstreffen junger Initiativen. [44]<br />

Seit der Finanzkrise ab 2007 werden in Politik und Forschung sinkende Reallöhne, Wachstumszusammenbrüche in der Wirtschaft,<br />

Shrinking Cities festgestellt und zumeist beklagt. Der Soziologe Ulrich Beck spricht <strong>von</strong> einer kommenden „Gesellschaft des<br />

Weniger“. Der Imperativ bei diesem neuen Ansatz lautet, Schrumpfung zu akzeptieren und zu gestalten. Hier zeichnet sich ein<br />

Paradigmenwechsel sowohl bei der Wahrnehmung als auch in der Diskussion ab. [45]


<strong>Eine</strong> Wachstumsgrenze, die menschlichem Maß entspricht, wird auch in einer Analogie zwischen den Grenzen des Wachstums der<br />

Ökonomie und dem Ende des körperlichen Wachstums des einzelnen Menschen sowie dem Reifen im Erwachsenenalter gesehen. So<br />

spricht z. B. Meinhard Miegel bezüglich der herrschenden Produktions- und Lebensweisen industrialisierter Gesellschaften da<strong>von</strong>,<br />

dass der Organismus, der während vieler Jahre beständig wuchs, nunmehr diese Phase hinter sich gelassen hat und in die Phase der<br />

Reifung eingetreten ist. [46] Diese Analogie zwischen begrenzten individuellen und gesellschaftlichen Entwicklungen kommt in ihrer<br />

Doppeldeutigkeit im Sinne <strong>von</strong> beendetem Wachstum und erwachsen geworden sein im Begriff „ausgewachsen“ zum Ausdruck und<br />

wird <strong>von</strong> Wachstumskritikern aufgegriffen. So wird „ausgewachsen“ als Titel z. B. bei attac auf das Ende des unbegrenzten<br />

Wachstums des endlichen Planeten bezogen [47] und <strong>von</strong> Mark Schieritz in einem Zeit-Artikel auf die Warnung des amerikanischen<br />

Ökonomen Lawrence Summers vor einer lang anhaltenden Flaute der Industrieländer . [48]<br />

Da degrowth auch ausgewachsen und damit synonym erwachsen geworden sein bedeutet, wird mit Bezugnahme auf den<br />

angelsächsischen Begriff <strong>für</strong> Erwachsensein, adult, eine Verbindung zum Zentralbegriff der Aufklärung, nämlich dem<br />

Mündigwerden, ins Spiel gebracht. Mündigkeit gilt in der Aufklärung nicht nur <strong>für</strong> den Einzelnen, sondern allgemein, insofern sie<br />

den Prozess des Erwachsenwerdens <strong>von</strong> der Unmündigkeit zur Mündigkeit auf die ganze Menschheitsgeschichte projiziert. Auch<br />

wenn das „neuzeitliche“ Verständnis <strong>von</strong> Geschichte als permanentem Fortschritt zu Recht <strong>von</strong> allen Seiten angezweifelt wird, bleibt<br />

Mündigkeit/Erwachsenwerden <strong>für</strong> Demokraten nach wie vor orientierend und herausfordernd. Deshalb und insofern<br />

Epochenbezeichnungen immer auch eine Konstruktion in narrativer Struktur und eine Frage der Perspektivierung sind, [49][50] wird<br />

der Terminus „Adultum“ <strong>von</strong> Josef Senft als Bezeichnung (im Sinne eines kritischen Narrativs) <strong>für</strong> die Zeit nach der in die Krise<br />

geratenen Moderne [51] vorgeschlagen. [52] Allein schon wegen der Übersetzung des Wortes „ausgewachsen“ ins Lateinische, sollte<br />

nach Meinung <strong>von</strong> Ute Scheub „die Postwachstums-Epoche Adultum genannt werden“. [53] Der so in der Tradition der Aufklärung<br />

stehende Epochenbegriff „Adultum“ könnte in Analogie zum individuellen Erwachsenwerden quasi als politisches Narrativ der<br />

Mündigkeit (und in Abgrenzung zu deterministischen und biologistischen Stufentheorien) nicht nur auf das Ende des quantitativen<br />

Wachstums und Fortschrittsglaubens Bezug nehmen, sondern auch die globalen ökologischen und ökonomischen Krisen der<br />

Gegenwart in den Blick nehmen, <strong>für</strong> die es notgedrungen Verantwortung (das wesentliche Kennzeichen Erwachsener) zu übernehmen<br />

gilt.<br />

Großbritannien<br />

Der britische Ökonom Tim Jackson, ehemaliger Leiter des Beirats <strong>für</strong> nachhaltige Entwicklung der britischen Regierung, vertritt in<br />

seinem Buch „Wohlstand ohne Wachstum“ [Originaltitel: Prosperity without Growth] die These, <strong>für</strong> die hoch entwickelten<br />

Wirtschaften der westlichen Welt sei Wohlstand ohne Wachstum kein utopischer Traum mehr, sondern eine Notwendigkeit. Er<br />

bezweifelt die Möglichkeit, den Primärenergieverbrauch <strong>von</strong> der Wirtschaftsleistung zu entkoppeln, und empfiehlt <strong>einen</strong> neuen<br />

Wohlstandsbegriff und eine Umverteilung der Arbeit. [54]<br />

USA<br />

Trotz der Bezeichnung „uneconomic growth“ wird in den USA unter „unwirtschaftlichem Wachstum“ ein Wachstum verstanden,<br />

dessen Schädlichkeit über die reine Unwirtschaftlichkeit hinausgeht. Der früher <strong>für</strong> die Weltbank arbeitende<br />

Wirtschaftswissenschaftler Herman Daly definierte diese Art des Wachstums als Zunahme des Wachstums auf Kosten der Ressourcen<br />

und der Lebensqualität. [55][56] Im Gegensatz zu einer Rücknahme des Wachstums setzt Daly auf qualitatives Wachstum. Die<br />

amerikanische Ökonomin und Soziologin Juliet Schor plädiert ebenso <strong>für</strong> die Notwendigkeit eines wachstumsunabhängigen<br />

Wirtschaftens. Sie entwickelte mit ihrem Konzept Plenitude ein alternatives Wohlstandsmodell, das auf den vier Prinzipien<br />

Arbeitszeitreduzierung, Selbstversorgung, achtsamer Konsum und intensivere soziale Beziehungen basiert. [57]<br />

Siehe auch<br />

Genuine Progress Indicator<br />

Kaufen <strong>für</strong> die Müllhalde<br />

Stationäre Wirtschaft<br />

Index des <strong>nachhaltigen</strong> wirtschaftlichen Wohlstands


Literatur<br />

Julia André: Ausweg Wachstum? Arbeit, Technik und Nachhaltigkeit in einer begrenzten Welt. 2007, ISBN 978-3-<br />

531-15300-1 (Webdokument bei der Körber-Stiftung)<br />

Torben Anschau, Kay Bourcarde, Karsten Herzmann, Viola Hübner: Normalfall Wachstum? Warum die<br />

Wachstumsraten sinken. In: Deutscher Studienpreis(Hrsg.): Ausweg Wachstum? Arbeit, Technik und Nachhaltigkeit<br />

in einer begrenzten Welt. VS, Wiesbaden 2007, ISBN 978-3-531-15300-1.<br />

Hans Christoph Binswanger: Die Wachstumsspirale. Geld, Energie und Imagination in der Dynamik des<br />

Marktprozesses. Metropolis, Marburg 2006, ISBN 3-89518-554-X.<br />

Herman E. Daly: Beyond Growth - The Economics of Sustainable Development.1997, ISBN 0-8070-4709-0.<br />

Christian <strong>von</strong> Ditfurth: Wachstumswahn. Wie wir uns selbst vernichten. Lamuv, Göttingen 1995, ISBN 3-88977-418-<br />

0.<br />

Georg Erber, Harald Hagemann: Wachstum, Strukturwandel und Beschäftigung. In: H. Bester, B. Felderer, H. J.<br />

Ramser, K. W. Rothschild (Hrsg.): Neue Entwicklungen in den Wirtschaftswissenschaften.(= Studies in<br />

Contemporary Economics.). Physica-Verlag, 2002, S. 277–319.<br />

G. R. Funkhouser, Robert R. Rothberg: Das Dogma vom Wachstum. 2000, ISBN 3-409-19115-1.<br />

André Gorz: Auswege aus dem Kapitalismus: Beiträge zur politischen Ökologie.Rotpunktverlag, Zürich 2009, ISBN<br />

978-3-85869-391-4.<br />

Elhanan Helpman: The Mystery of Economic Growth.2004, ISBN 0-674-01572-X.<br />

Institut <strong>für</strong> Wachstumsstudien (Hrsg.): Zeitschrift <strong>für</strong> Wachstumsstudien. Gießen, ISSN 1863-947X.<br />

Tim Jackson: Wohlstand ohne Wachstum. 2. Auflage. oekom verlag, München 2013, ISBN 978-3-86581-414-2<br />

(Leseprobe [PDF] englisch: Prosperity without Growth – economics for a finite planet . Übersetzt <strong>von</strong> Eva Leipprand).<br />

Athanasios Karathanassis: Kapitalistische Naturverhältnisse. Ursachen <strong>von</strong> Naturzerstörungen – Begründungen<br />

einer Postwachstumsökonomie.2015, ISBN 978-3-89965-623-7.<br />

Ausweg Wachstum? Arbeit, Technik und Nachhaltigkeit in einer begrenzten Welt. Körber-Stiftung, verschiedene<br />

Veröffentlichungen des Studienpreises 2005, ISBN 3-531-15300-5.<br />

Mats Larsson: The Limits of Business Development and Economic Growth: Why Business Will Need to Invest Less<br />

in the Future. 2004, ISBN 1-4039-4239-0. (Thema: Wie sich Unternehmen auf ein sinkendes oder sich qualitativ<br />

veränderndes Wirtschaftswachstum einstellen können)<br />

Serge Latouche: Le pari de la décroissance.Éditions Fayard, Paris 2006.<br />

Nicola Liebert, Bernward Janzing u. a.: Die Grenzen des Wachstums. In: taz. 28. Dezember 2011 bis 5. Januar 2012<br />

(Überblick über die wichtigsten Wachstumskritiker verschiedener politischer Lager)<br />

Fred Luks: Die Zukunft des Wachstums. Theoriegeschichte, Nachhaltigkeit und die Perspektiven einer neuen<br />

Wirtschaft. 2001, ISBN 3-89518-348-2.<br />

Norbert Nicoll: Hat die Zukunft eine Wirtschaft? Das Ende des Wachstums und die kommenden Krisen.Unrast-<br />

Verlag, Münster 2011, ISBN 978-3-89771-512-7.<br />

Norbert Nicoll: Adieu, Wachstum! Das Ende einer Erfolgsgeschichte. Tectum-Verlag, Marburg 2016, ISBN 978-3-<br />

8288-3736-2.<br />

Niko Paech: Nachhaltiges Wirtschaften jenseits <strong>von</strong> Innovationsorientierung und Wachstum. <strong>Eine</strong><br />

unternehmensbezogene Transformationstheorie. Metropolis-Verlag, Marburg 2005, ISBN 3-89518-523-X.<br />

Friedrich Schmidt-Bleek: Nutzen wir die Erde richtig? Von der Notwendigkeit einer neuen industriellen Revolution.<br />

Fischer-Taschenbuch-Verlag, Frankfurt am Main 2007, ISBN 978-3-596-17275-7.<br />

Juliet Schor: Wahrer Wohlstand. Mit weniger Arbeit besser leben. oekom verlag, München 2016, ISBN 978-3-86581-<br />

777-8 (Leseprobe [PDF] englisch: Plenitude.The new economics of true wealth. Übersetzt <strong>von</strong> Karsten Petersen).<br />

Irmi Seidl, Angelika Zahrnt (Hrsg.): Postwachstumsgesellschaft – Konzepte <strong>für</strong> die Zukunft . Metropolis, Marburg<br />

2010, ISBN 978-3-89518-811-4.<br />

Bernd Senf: Die blinden Flecken der Ökonomie: Wirtschaftstheorien in der Krise.Gauke Verlag, ISBN 978-3-87998-<br />

452-7.<br />

Josef Senft: »Ausgewachsen« – die Wachstumsgrenze erreicht und das Erwachsenen(zeit)alter vor sich?2014.<br />

buergergesellschaft.de(PDF)<br />

Wolfgang Uchatius: Kapitalismus: Wir könnten auch anders. In: Die Zeit, Nr. 22/2009.<br />

Boris Woynowski u. a.: Wirtschaft ohne Wachstum?! Notwendigkeit und Ansätze einer Wachstumswende. 2012,<br />

ISSN 1431-8261. Kostenloser Download (Einführung in die Debatte um Wachstumsrücknahme und Alternativen zum<br />

Wachstumsparadigma)<br />

Karl Georg Zinn: Die Wirtschaftskrise. Wachstum oder Stagnation. BI-Taschenbuchverlag, Mannheim 1994, ISBN 3-<br />

411-10451-1.<br />

Klaus Backhaus, Holger Bonus (Hrsg.): Die Beschleunigungsfalle oder der Triumph der Schildkröte. Schäffer-<br />

Poeschel-Verlag, Stuttgart 1994, ISBN 3-7910-0877-3.


Weblinks<br />

Commons: Degrowth – <strong>Sammlung</strong> <strong>von</strong> Bildern, Videos und Audiodateien<br />

anarchopedia.org: Décroissance (deutsch)<br />

degrowth.de (Hervorgegangen aus der Vierten Internationalen Degrowth-Konferenz <strong>für</strong> ökologische Nachhaltigkeit<br />

und soziale Gerechtigkeit, 2. bis 6. September 2014 in Leipzig)<br />

Research & Degrowth. In: degrowth.org<br />

Sendereihe Wegmarken 2010: Wohlstand ohne Wachstum? Perspektiven der Überflussgesellschaft.In:<br />

deutschlandfunk.de, 1./2./3. Januar 2010:<br />

Harald Welzer: Teil 1<br />

Meinhard Miegel: Teil 2<br />

Rainer Hank: Teil 3<br />

Jenseits des Wachstums?! In: jenseits-des-wachstums.de(Textsammlung Kongress 20. bis 22. Mai 2011,<br />

Technische Universität Berlin)<br />

Kritische WirtschaftswissenschaftlerInnen Berlin.In: kriwi.fsiwiwiss.de<br />

Ringvorlesung zur Postwachstumsökonomie.In: postwachstumsoekonomie.org. Carl <strong>von</strong> Ossietzky Universität<br />

Oldenburg<br />

Politikwissenschaftliche Literatur zum Thema Postwachstum und alternatives Wirtschaften. In: pw-portal.de.<br />

Annotierte Bibliografie der Politikwissenschaft<br />

Wachstumskritik & Wirtschaftskrise: Unbegrenztes Wachstum zerstört begrenzte Systeme.In: vorort.bund.net (Bund<br />

<strong>für</strong> Umwelt und Naturschutz Deutschland, Südlicher Oberrhein)<br />

Institut <strong>für</strong> Wachstumsstudien. In: wachstumsstudien.de<br />

wachstumsruecknahme.qsdf.org<br />

Declaration on Degrowth.In: worldinbalance.net, 19. April 2008 (PDF; 44 kB)<br />

Einzelnachweise<br />

1. Murray Milgate, Shannon C. Stimson: After Adam Smith. A Century of Transformation in Politics and Political<br />

Economy. Princeton University Press, ISBN 978-0-691-14037-7, S. 186–216.<br />

2. Karl Georg Zinn: Sättigung oder zwei Grenzen des Wachstums: John Maynard Keynes hat über die kleine Not des<br />

Augenblicks hinausgedacht. (http://www.monde-diplomatique.de/pm/2009/07/10.mondeText1.artikel,a0055.idx,12)<br />

In: Le Monde diplomatique. 10. Juli 2009.<br />

3. Nicholas Georgescu-Roegen: Demain la décroissance.1979, uqac.ca (http://classiques.uqac.ca/contemporains/geor<br />

gescu_roegen_nicolas/decroissance/la_decroissance.pdf)(PDF; 1,0 MB)<br />

4. Dennis L. Meadows, Jørgen Randers, William W. Behrens: Die Grenzen des Wachstums – Bericht des Club of<br />

Rome zur Lage der Menschheit. Deutsche Verlags-Anstalt, Stuttgart 1972, ISBN 3-421-02633-5.<br />

5. Federico Demaria, François Schneider , Filka Sekulova, Joan Martinez-Alier: What is Degrowth? From an Activist<br />

Slogan to a Social Movement.(http://www.jnu.ac.in/sss/cssp/What%20is%20degrowth.pdf) (PDF) In: Environmental<br />

Values. 22 (2013), S. 191–215.<br />

6. Conferences | Research and actions to consume less and share more(http://www.degrowth.org/conferences),<br />

abgerufen am 11. September 2014.<br />

7. Hans Diefenbacher, aus „initiativ – Rundbriefder Ökumenischen Initiative <strong>Eine</strong> Welt“, Juni 2004.<br />

8. Alexander Jung: Der Kult ums BIP. In: Der Spiegel. Nr. 39, 2009, S. 78–82 (online (http://www.spiegel.de/spiegel/prin<br />

t/d-66970445.html) – sowie „Brust oder Flasche?“).<br />

9. Institut <strong>für</strong> Wachstumsstudien (http://www.wachstumsstudien.de/)<br />

10. Christian Dietsche, Andrea Liesen: Wachstumsneutrale Unternehmen. (http://www.oekologisches-wirtschaften.de/ind<br />

ex.php/oew/article/view/1251)In: Ökologisches Wirtschaften. Ausgabe 1/2013.<br />

11. Wolfgang Cezanne: Allgemeine Volkswirtschaftslehre. Oldenbourg Wissenschaftsverlag, 2005, ISBN 3-486-57770-0,<br />

S. 497f.<br />

12. N. Gregory Mankiw, Mark P. Taylor, Grundzüge der Volkswirtschaftslehre. 5. Auflage. Schäfer-Poeschel Verlag,<br />

2012, ISBN 978-3-7910-3098-2, S. 613 f.<br />

13. Eva Lang: unibw.de Die sozialen und ökologischen Grenzen des Wachstums. (http://www.unibw.de/bw/Fakultat/we3/<br />

lang/begleitmaterial/grenzen_des_wachstums/at_download/down1)Begleitmaterial zum Seminar Frühjahrstrimester<br />

2008 der Bundeswehruniversität München<br />

14. siehe z. B.Vorträge: Institut <strong>für</strong> Wachstumsstudien (http://www.wachstumsstudien.de/Inhalt/PDF/IWS-Vortragsangeb<br />

ot.pdf) (PDF; 2,7 MB) oder Günther Moewes: Forschung (http://www.guenthermoewes.de/forschung.htm)<br />

15. Erhard Glötzl:: Arbeitslosigkeit - Über die kapitalismusbedingte Arbeitslosigkeit in alternden Volkswirtschaften und<br />

warum Keynes recht hatte und doch irrte(http://userpage.fu-berlin.de/~roehrigw/gloetzl/keynes.htm) . Erweiterte


Fassung eines Vortrages vom 11. Oktober 1997 im Rahmen eines Projektes des Institut <strong>für</strong> Internationales<br />

Management der Universität Graz<br />

16. Jürgen Grahl, Mathematisches Institut der Universität Würzburg, energiesteuer.net: Wachstumsfetischismus (http://w<br />

ww.energiesteuer.net/artikel/pdf_artikel/wachstumsfetischismus.pdf)(PDF; 399 kB)<br />

17. Hans Christoph Binswanger: Die Wachstumsspirale. Geld, Energie und Imagination in der Dynamik des<br />

Marktprozesses. Metropolis, Marburg 2006, ISBN 3-89518-554-X.<br />

18. Stephan Schulmeister: Zinssatz, Wachstumsrate und Staatsverschuldung. (http://stephan.schulmeister.wifo.ac.at/file<br />

admin/homepage_schulmeister/files/ziwafrft.pdf)(PDF; 84 kB) Austrian Institute of Economic Research (WIFO)<br />

19. J. C. Farley, M. Burke, G. Flomenhoft, B. Kel ly, D. F. Murray, S. Posner, M. Putnam, A. Scanlan, A. Witham Monetary<br />

and Fiscal Policies for a Finite Planet. (http://www.mdpi.com/2071-1050/5/6/2802/htm) In: Sustainability, 5 (6), Jun.<br />

2013, S. 2802–2826.<br />

20. Richard Douthwaite: The ecology of money. Green Books, De<strong>von</strong>, 2000.<br />

21. B. Lietaer, C. Arnsperger, S. Goerner, S. Brunnhuber: Money and Sustainability: The Missing Link. Triarchy Press,<br />

Axminster 2012.<br />

22. Helmut Creutz: Wachstum, Wachstum… über alles! (http://www.studentsenv.ethz.ch/theme/z.creutz)In: Politische<br />

Ökologie. Band 89, 2004, S. 78–79.<br />

23. Hans Christoph Binswanger: Die Wachstumsspirale. Geld, Energie und Imagination in der Dynamik des<br />

Marktprozesses. Metropolis, Marburg 2006, ISBN 3-89518-554-X. Zitat <strong>von</strong> S. 331.<br />

24. Mathias Binswanger: Is there a growth imperative in capitalist economies? a circular flow perspective . In: Journal of<br />

Post Keynesian Economics, 31 (4), S. 707–727, 2009.<br />

25. Mathias Binswanger: The growth imperative revisited: a rejoinder to Gilányi and Johnson . In: Journal of Post<br />

Keynesian Economics, 37 (4), Mai 2015, S. 648–660.<br />

26. Tim Jackson, Peter Victor: Does credit create a growth imperative? A quasi-stationary economy with interestbearing<br />

debt. In: Ecological Economics, 120, Dezember 2015, S. 32–48.<br />

27. Louison Cahen-Fourot, Marc Lavoie: Ecological monetary economics: A post-Keynesian critique. In: Ecological<br />

Economics, 126, 2016, S. 163–168.<br />

28. Oliver Richters, Andreas Siemoneit: Consistency and Stability Analysis of Models of a Monetary Growth Imperative .<br />

(http://voeoe.de/dp1) In: VÖÖ Discussion Paper, 1, Februar 2016<br />

29. Ferdinand Wenzlaff, Christian Kimmich, Oliver Richters: Theoretische Zugänge eines Wachstumszwangs in der<br />

Geldwirtschaft. (http://www.econstor.eu/handle/10419/103454)In: Discussion Papers, 45, 2014, Zentrum <strong>für</strong><br />

Ökonomische und Soziologische Studien, Hamburg.<br />

30. Christine Siebert: Décroissance – Verzicht und Lebensfreude. (http://www.rfi.fr/actude/articles/114/article_1504.asp)<br />

In: RFI. 3. Juni 2009.<br />

31. Serge Latouche: Circulus virtuosus. Für eine Gesellschaft der Wachstumsrücknahme (http://www.monde-diplomatiq<br />

ue.de/pm/2003/11/14/a0021.text.name,askPE7CRI.n,13) . In: Le Monde diplomatique. 14. November 2003.<br />

32. Werner A. Perger: Wirtschaftswachstum: Aufstand gegen die Lebenslüge(http://www.zeit.de/gesellschaft/zeitgesche<br />

hen/2009-09/wirtschaftswachstum-ideologie/komplettansicht) . In: Die Zeit. 30. September 2009.<br />

33. Ernst Schmitter: Wachstumsverweigerung: Immer mehr Menschen sagen nein zum Wachstumszwang – auch zum<br />

„Green New Deal“. (http://www.gruenes-blatt.de/images/7/74/Gb2010_01_s28.pdf) In: Der Rabe Ralf/Grünes Blatt.<br />

Dezember 2009; S. 8–9, abgerufen am 18. August 2016 (PDF). grueneliga-berlin.de (http://www.grueneliga-berlin.d<br />

e/wp-content/plugins/downloads-manager/upload/2009_12_raberalf.pdf#page=8) (PDF; 3,8 MB)<br />

34. Armin Mahler, Michael Sauga: Jahrhundert der Bescheidenheit. In: Der Spiegel. Nr. 31, 2009 (online (http://www.spie<br />

gel.de/spiegel/print/d-66208553.html).<br />

35. Marco Eisenack, Toralf Staud, Joachim Wille: Wir brauchen ein anderes Wachstum. (http://www.klimaretter.info/wirts<br />

chaft/hintergrund/12391-qwir-brauchen-ein-anderes-wachstumq)klimaretter.info, 20. November 2012.<br />

36. Pierre Ibisch, Lars Schmidt: Nachhaltigkeit: Nicht die Armut, das Wachstum muss bekämpft werden(http://www.zeit.<br />

de/meinung/2009-10/wachstum/komplettansicht) . In: Die Zeit. 23. Oktober 2009.<br />

37. Horst Köhler: Die Glaubwürdigkeit der Freiheit.Berliner Rede 2009. 24. März 2009(https://web.archive.org/web/201<br />

00323053710/http://www.bundespraesident.de/-,2.653300/Berliner-Rede-2009-<strong>von</strong>-Bundesp.htm)(Memento vom<br />

23. März 2010 im Internet Archive)<br />

38. Niko Paech: Wirtschaftswachstum: Die neue Bescheidenheit(http://www.zeit.de/2009/22/DOS-Wachstum-Interview/<br />

komplettansicht). Interview mit Wolfgang Uchatius. In: Die Zeit. 20. Mai 2009.<br />

39. Manfred Linz, Gerhard Scherhorn: Für eine Politik der Energie-Suffizienz.Wuppertal Inst. <strong>für</strong> Klima, Umwelt,<br />

Energie, 2011.<br />

40. Adelheid Biesecker: Thesenpapier Postwachstumsökonomie demokratisch gestalten: Markt, Plan, Solidarische<br />

Ökonomie? (http://www.jenseits-des-wachstums.de/fileadmin/user_upload/Kampagnen/jenseits-des-wachstums/Text<br />

sammlung/Biesecker_Podium07.pdf)(PDF; 138 kB)<br />

41. Tagungswebseite der VÖÖ 2010(http://www.voeoe2010.uni-freiburg.de/)<br />

42. Leitbild der VÖÖ (http://voeoe.de/)<br />

43. KooperationspartnerInnen.(http://www.jenseits-des-wachstums.de/index.php?id=8426) auf: Jenseits des<br />

Wachstums?!


44. Anja Humburg: Neue Wachstumskritiker. (http://www.oya-online.de/article/read/683-Neue_Wachstumskritiker.html)<br />

In: Oya. 14. Ausgabe. Abgerufen am 8. Juni 2012.<br />

45. Hans-Peter Gensichen: Armut wird uns retten. Geteilter Wohlstand in einer Gesellschaft des Weniger. Publik-Forum-<br />

Verlags-Gesellschaft, Oberursel 2009, ISBN 978-3-88095-192-1.<br />

46. Meinhard Miegel: Welches Wachstum und welchen Wohlstand wollen wir?In: Aus Politik und Zeitgeschichte.Heft<br />

27-28, 2012, S. 6.<br />

47. Werner Rätz, Tanja <strong>von</strong> Egan-Krieger u. a. (Hrsg.): Ausgewachsen! Ökologische Gerechtigkeit. Soziale Rechte.<br />

Gutes Leben. VSA, Hamburg 2011, ISBN 978-3-89965-430-1.<br />

48. Mark Schieritz: Ausgewachsen? Der Starökonom Larry Summers warnt: Den Industrieländern steht eine lang<br />

anhaltende Flaute bevor. In: Die Zeit online. (http://www.zeit.de/2013/49/wirtschaftswachstum-flaute) 6. Dezember<br />

2013.<br />

49. Vgl. Aus Politik und Zeitgeschichte.1/2005 (Editorial und Beitrag <strong>von</strong> Hanna Schissler , S. 1 u. 39)<br />

50. Geschichte als Instrument.Themenheft. (= Aus Politik und Zeitgeschichte. 42–43/2013).<br />

51. Ulrich Beck: Das Zeitalter der Nebenfolgen und die Politisierung der Moderne. In: Ulrich Beck, Anthony Giddens,<br />

Scott Lash (Hrsg.): Reflexive Modernisierung. <strong>Eine</strong> Kontroverse.Suhrkamp, Frankfurt am Main 1996, ISBN 3-518-<br />

11705-X, S. 19–112.<br />

52. Josef Senft: Adultum - Zeitalter erwachsen werdender Weltbürger. München 2012.<br />

53. utescheub.de (http://www.utescheub.de/blog/?cat=5)<br />

54. Stephan Kaufmann: Anders Wirtschaften: Wohlstand ohne Wachstum. (http://www.fr-online.de/wirtschaft/wohlstandohne-wachstum/-/1472780/8318568/-/index.html)In:<br />

Frankfurter Rundschau. 6. April 2011, abgerufen am 5. Juli<br />

2011.<br />

55. Herman Daly: Uneconomic Growth in Theory and in Fact. The First Annual Feasta Lecture(http://www.feasta.org/do<br />

cuments/feastareview/daly.htm). Trinity College, Dublin, 26. April 1999.<br />

56. „Uneconomic growth occurs when increases in production come at an expense in resources and well-being that is<br />

worth more than the items made.“ Herman E. Daly: Economics in a Full World.In: Scientific American. September<br />

2005, S. 100–107, steadystate.org (http://steadystate.org/wp-content/uploads/Daly_SciAmerican_FullWorldEconomi<br />

cs%281%29.pdf) (PDF; 1,15 MB)<br />

57. Nina Prehm: Zeit gewinnen und Ressourcen schonen.(http://www.postwachstum.de/zeit-gewinnen-und-ressourcenschonen-20161021)<br />

In: postwachstum.de, 21. Oktober 2016, abgerufen am 7. März 2017<br />

Abgerufen <strong>von</strong> „https://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Wachstumsrücknahme&oldid=171758614“<br />

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Diversity Management<br />

Diversity Management (auch Managing Diversity) bzw. Vielfaltsmanagement ist Teil des Personalwesens (engl. Human-<br />

Resources-Managements) [1] und wird meist im Sinne <strong>von</strong> „soziale Vielfalt konstruktiv nutzen“ verwendet. Diversity Management<br />

toleriert nicht nur die individuelle Verschiedenheit (englisch diversity) der Mitarbeiter, sondern hebt diese im Sinne einer positiven<br />

Wertschätzung besonders hervor und versucht, sie <strong>für</strong> den Unternehmenserfolg nutzbar zu machen. Die Ziele <strong>von</strong> Diversity<br />

Management sind es, eine produktive Gesamtatmosphäre im Unternehmen zu erreichen, soziale Diskriminierungen<strong>von</strong> Minderheiten<br />

zu verhindern und die Chancengleichheit zu verbessern. Dabei steht aber nicht die Minderheit selbst im Fokus, sondern die<br />

Gesamtheit der Mitarbeiter in ihren Unterschieden und Gemeinsamkeiten. Bei den Unterschieden handelt es sich zum <strong>einen</strong> um die<br />

äußerlich wahrnehmbaren Unterschiede, <strong>von</strong> denen die wichtigsten Geschlecht, Ethnie, Alter und Behinderung sind, zum anderen um<br />

subjektive Unterschiede wie die sexuelle Orientierung, Religion und <strong>Lebensstil</strong>. Siehe dazu auch die Definition <strong>von</strong> Diversity.<br />

Inhaltsverzeichnis<br />

1 Definitionen<br />

1.1 Diversity im Unternehmenskontext<br />

1.2 Diversity Management<br />

2 Entwicklungshintergrund<br />

3 Ziele und Inhalte<br />

3.1 Personenbezogene Aspekte<br />

3.2 Verhaltensbezogene Diversität<br />

4 Theoretischer Zugang<br />

5 Empirisch-praktischer Zugang<br />

5.1 Discrimination-and-fairness-Paradigma<br />

5.2 Access-and-legitimacy-Paradigma<br />

5.3 Learning-and-efectiveness-Paradigma<br />

6 Diversity Compliance<br />

7 Kritik<br />

8 Literatur<br />

9 Weblinks<br />

10 Siehe auch<br />

11 Einzelnachweise<br />

Farbliche Vielfalt<br />

Definitionen<br />

Diversity im Unternehmenskontext<br />

Der Begriff Diversity, der meist mit „Diversität“, „Heterogenität“, „Vielheit“ oder „Verschiedenartigkeit der Belegschaft“ oder in<br />

leicht positiver Konnotation mit „Vielfalt“ übersetzt wird, ist vielschichtig und facettenreich. Die aktuelle Diskussion bewegt sich<br />

zwischen den Polen der Gleichstellungspolitik einerseits (siehe auch Diversität (Soziologie)) und einer proaktiven<br />

Wettbewerbsorientierung andererseits. Clutterbuck verdeutlicht:


„At one extreme, diversity can be seen as a means of overcoming injustice – righting wrongs – and at the other as<br />

a means of enhancing individual and group contribution to the or ganizations goals.“<br />

– DAVID CLUTTERBUCK: Establishing and sustaining a formal mentoring programme for<br />

working with diversified groups [2]<br />

Die Begriffsfassungen <strong>von</strong> Diversity unterscheiden sich hinsichtlich der Merkmale und des Umfangs sozialer Inklusion, die aufgrund<br />

ihrer Auswirkung auf die Arbeitsbeziehungen forschungsrelevant werden. Am weitesten - wenn auch weg <strong>von</strong> dem politischen<br />

Impetus der Gleichstellung - geht die Definition nach Dieter Wagner und Peyvand Sepehri, wenn sie unter Diversity jegliche<br />

Unterschiede fassen, durch die sich Menschen in Organisationen auszeichnen. [3]<br />

Differenzierter formulieren Thomas und Ely:<br />

„Diversity should be understood as the varied perspectives and approaches to work that members of different<br />

identity groups bring.“<br />

– DAVID THOMAS, ROBIN ELY: Harvard Business Review [4]<br />

Die Auffassungen divergieren insbesondere in Bezug auf das Ausmaß, in dem neben sichtbaren demographischen<br />

Diversitätsmerkmalen wie Alter, Geschlecht, ethnische Herkunft, Religion und Bildungsstand (surface-level diversity) auch nicht<br />

sichtbare Merkmale wie kulturelle Werthaltungen und Erfahrungen (deep-level diversity) <strong>von</strong> Interesse sind. Während sichtbare<br />

Attribute <strong>für</strong> Teilhabe und Partizipation an Arbeits- und Entscheidungsprozessen in Gruppen eine wichtige Funktion haben, kann die<br />

Qualität und die Verteilung <strong>von</strong> nicht sichtbaren oder nur schwer erkennbaren Unterschieden unmittelbare Leistungs- und<br />

Ergebnisrelevanz <strong>für</strong> Unternehmen entfalten. [5] <strong>Eine</strong> Begriffsfassung, die über eine rein summarische Erfassung relevanter<br />

Unterschiede <strong>von</strong> Mitarbeitern und Organisationseinheiten hinausgeht, bietet Hays-Thomas, die mit der Auswirkung der Diversität<br />

auf die Arbeitsbeziehungen zugleich die Begründung <strong>für</strong> die unternehmerische Relevanz <strong>von</strong> Diversity liefert:<br />

„We will use the term diversity to refer to differences among people that are likely to affect their acceptance,<br />

work performance, satisfaction, or progress in an organization.“<br />

– ROSEMARY HAYS-THOMAS: The psychology and management of workplace diversity [6]<br />

Mit dieser Definition wird die Tatsache der Konstruktion <strong>von</strong> Unterschiedlichkeit hervorgehoben. Unterschied entsteht aus Über- und<br />

Unterordnung und zeigt sich in Positionen und hierarchischen Ebenen. Der Wert der Diversität wird wesentlich durch die<br />

Perspektiven bestimmt, die die Organisation bezüglich der leistungsrelevanten Merkmale ihrer Mitglieder einnimmt.<br />

Auf die Gefahr, dass durch eine Betrachtungsweise, die Menschen primär aufgrund einzelner Merkmale als Angehörige bestimmter<br />

Gruppen klassifiziert - ganz gleich ob so Gleichheit oder Verschiedenheit qualifiziert werden soll -, kontraproduktive stereotype<br />

Denk- und Verhaltensmuster gefördert werden, wird sehr deutlich hingewiesen. Die Alternative ist ein Diversity-Begriff, der die<br />

Individualität als das Wesen menschlicher Existenz in den Vordergrund rückt. [7]<br />

Diversity Management<br />

Diversity Management, die Gestaltungsdimension der Vielheit, beinhaltet nach Taylor Cox „planning and implementing<br />

organizational systems and practices to manage people so that the potential advantages of diversity are maximized while its potential<br />

disadvantages are minimized.“ [8] Es sind intensive Bemühungen zum Aufbau <strong>von</strong> Alleinstellungsmerkmalen durch Diversity<br />

Management zu beobachten. Unternehmen haben ebenso wie Anbieter <strong>von</strong> Arbeitskraft dann Aussicht auf hohe Renditen, wenn es<br />

ihnen gelingt, ihre Leistung gewissermaßen als Unikate zu gestalten und zu vermarkten. Andererseits folgen Unternehmen dem<br />

ökonomischen Primat des Common acting. Sie zelebrieren Egalität und Generalisierung, um aus der Glättung <strong>von</strong> teuren<br />

Unterschieden durch Einbezug bisher unterrepräsentierter Gruppen Kostenvorteile zu generieren. Mithin ist die Praxis der Diversität<br />

durch die Optimierung des Verhältnisses <strong>von</strong> Individualität und Heterogenität einerseits und Generalisierung und Homogenität<br />

andererseits gekennzeichnet. Diversity Management bezeichnet somit die Kunst der situativen Optimierung <strong>von</strong> Heterogenität und<br />

Homogenität zur Erreichung gesetzter Ziele. Hierzu werden neben den äußerlich wahrnehmbaren und subjektiven Unterschieden<br />

auch fach-/branchenfremdes Wissen und Erfahrungen <strong>von</strong> Arbeitskräften (Quereinsteiger) gezielt eingesetzt, um die Heterogenität


auf allen Ebenen durchzusetzen, z. B. um den Zugang zu neuen Gruppen auf dem Absatzmarkt zu eröffnen oder Produkte aus Sicht<br />

verschiedener Gruppen zu optimieren (siehe Diversity Marketing). Auch bei Fachkräfteengpässen wird Diversity Management zur<br />

Erschließung neuer Zielgruppen genutzt, die bislang noch nicht im Fokus der Personalauswahl lagen. [9] Im Kontext der Integration<br />

<strong>von</strong> Menschen mit Migrationshintergrund existiert seit Januar 2011 eine Fachstelle Diversity Management mit Sitz in München.<br />

Diese Fachstelle unterstützt lokale Netzwerke bei der Realisierung <strong>von</strong> Diversity Management.<br />

Entwicklungshintergrund<br />

Diversity Management begann ursprünglich als sozio-politische Graswurzelbewegung in den USA der 1960er Jahre als<br />

Zusammenfluss der Frauenrechtsbewegung und der Bürgerrechtsbewegung. In den letzten Jahrzehnten entwickelte sich Diversity<br />

Management aber auch zu einem Konzept der Unternehmensführung, das die Verschiedenheit der Beschäftigten beachtet und zum<br />

Vorteil aller Beteiligten nutzen möchte.<br />

Die Beschäftigung mit Diversity Management im europäischen Raum folgt der Dynamik der Internationalisierung. International<br />

tätige Konzerne werden im Zuge <strong>von</strong> Unternehmenszusammenschlüssen mit Zielsetzung und Leitlinien des Diversity Management<br />

amerikanischer Prägung konfrontiert und fungieren als Katalysator bei der Entwicklung eines europäisch geprägten Diversity<br />

Management, das der unterschiedlichen Genese der Managementsysteme und Organisationskulturen in beiden Kulturräumen<br />

Rechnung trägt. Der Stand der wissenschaftlichen Erforschung des Diversity Management ist noch durch Uneinheitlichkeit<br />

gekennzeichnet. <strong>Eine</strong> Studie <strong>von</strong> Roland Berger Strategy Consultants aus dem Jahr 2011 hat jedoch gezeigt, dass Unternehmen<br />

Probleme haben, ein umfassendes Diversity Management zu implementieren. So wurden <strong>von</strong> rund 70 % der befragten Unternehmen<br />

geregelte Minderheitenquoten abgelehnt, da mitunter Mitarbeiter ausschließlich aus gesetzlichen Gründen befördert werden<br />

müssten. [10]<br />

Als Befund lässt sich festhalten, dass ein zweifacher Paradigmenwechsel zu erkennen ist:<br />

Zum <strong>einen</strong> ist eine veränderte Schwerpunktsetzung des Diversity Managements zu beobachten. Wurden bis in die<br />

späten 90er Jahre mit Diversity Management nahezu ausschließlich Programme der „positiven Diskriminierung“ und<br />

der „Affirmative Action“ assoziiert, die auf Assimilation und Eingliederung benachteiligter Gruppen zielten, findet<br />

inzwischen eine zunehmende Ausweitung der Zielsetzung im Hinblick auf eine tiefgreifende Änderung der<br />

Unternehmenskultur statt, in der Wertschätzung und Bewusstsein <strong>für</strong> die Einzigartigkeit jedes Individuums als<br />

grundlegende Werte verankert sind. [11] Der Fokus auf die quantitative Repräsentation aller Bevölkerungsgruppen in<br />

der Struktur der Belegschaft hat sich zugunsten der Erforschung und Gestaltung der qualitativen Komponente der<br />

Arbeitsbeziehungen heterogener Belegschaften verschoben.<br />

Mit dieser Schwerpunktverlagerung vollzieht sich ein weiterer Paradigmenwechsel in der personalwirtschaftlichen<br />

Forschung und Praxis. Das „Defizitmodell“ im Umgang mit Minderheiten in der Organisation, durch das eine<br />

Sozialisierung im Hinblick auf die dominante Unternehmenskultur und damit faktisch das <strong>Eine</strong>bnen <strong>von</strong><br />

Unterschieden in der Belegschaft erreicht wurde, ist durch eine Diversität berücksichtigende Personalpolitik abgelöst<br />

worden. Die Homogenisierungsstrategie ist einer Strategie der Anerkennung und Nutzung <strong>von</strong> ielfalt V gewichen, die<br />

über die Zielsetzung der Gleichstellung hinaus durch die Unterstützung informeller Netzwerkbildung, den Abbau <strong>von</strong><br />

Stereotypbildung und differentielle personalpolitische Angebote gegenüber den einzelnen Beschäftigtengruppen<br />

geprägt ist (Vedder 2006). Inwieweit diese Befunde allerdings <strong>für</strong> austauschbare gering qualifizierte Arbeitnehmer<br />

auf Einfacharbeitsplätzen gelten, ist sehr in Frage zu stellen. Hier haben nur wenige Unternehmen Diversity-<br />

Konzepte entwickelt - in Deutschland z. B. Lindt & Sprüngli.<br />

Ziele und Inhalte<br />

Mit Diversity Management verbinden sich operationale und strategische Zielsetzungen. Die strategische Zielsetzung besteht in der<br />

Erhöhung der Anpassungsfähigkeit an sich verändernde Marktbedingungen durch den Aufbau eines einzigartigen, schwierig<br />

imitierbaren Humankapitals. Diversity Management zielt in der operationalen Ausrichtung auf erhöhte Problemlösefähigkeit<br />

heterogener Gruppen. Diversity Management wird in Subzielen operationalisiert.<br />

In dem in Deutschland noch jungen Gebiet des Diversity Management ist bereits eine Binnendifferenzierung zu beobachten. Mit<br />

personenbezogenen und verhaltensbezogenen Aspektenwerden zwei Inhaltsbereiche des Diversity Management unterschieden.<br />

Personenbezogene Aspekte


Personenbezogenen Aspekten (ethnische Herkunft, Geschlecht, Alter, Bildungsabschluss) wird durch speziell auf Zielgruppen<br />

zugeschnittene Maßnahmen Rechnung getragen, etwa zur Migrationsproblematik, zur Wiedereingliederung älterer Arbeitnehmer und<br />

zum Umgang mit Generationenvielfalt und der Beachtung <strong>von</strong> unterschiedlichen Bedürfnissen der Geschlechter (Gender<br />

Mainstreaming). Allerdings beziehen nur wenige Unternehmen ausdrücklich auch die sexuelle Orientierung ihrer Mitarbeiter in das<br />

Verständnis <strong>von</strong> Diversity ein. IBM (in den USA schon seit 1983) und Ford Köln [12] gehören zu diesen Ausnahmeunternehmen.<br />

Verhaltensbezogene Diversität<br />

Verhaltensbezogene Diversität bezieht sich darauf, „wie Menschen in bestimmten Situationen reagieren als Folge […] ihrer<br />

personenimmanenten Eigenschaften.“ [13] Maßnahmen, die verhaltensbezogene Aspekte (verhaltenswirksame Einstellungen<br />

gegenüber und Erfahrung im Umgang mit Diversität) zum Gegenstand haben, zielen auf die Schaffung eines <strong>für</strong> das Diversity<br />

Management günstigen Umfeldes. Dabei kann in der Praxis beobachtet werden, dass Stereotype die Inhalte bestimmen. Man geht<br />

gewissermaßen da<strong>von</strong> aus, dass eine bestimmte Maßnahme als „Allzweckmittel“ zur Herausbildung des erwünschten Verhaltens<br />

genutzt werden kann. So wird z. B. bei der Eingliederung <strong>von</strong> Mitarbeitern ausländischer Herkunft auf Sprachunterricht Wert gelegt.<br />

Wenn dies ohne Beachtung des kulturellen Hintergrundes erfolgt, kann es vorkommen, dass z. B. Frauen aus muslimischen Ländern<br />

aufgrund <strong>von</strong> kulturellen Tabus als Einzelpersonen nicht teilnehmen dürfen. Im Gegensatz zum Methodenentwurf „aus einem Guss“<br />

ist im genannten Beispiel das Anbieten <strong>von</strong> Deutschunterricht <strong>für</strong> Paare muslimischer Herkunft eine zielgruppenangepasste<br />

Maßnahme. Stereotypbildung ohne Situationsorientierung behindert die nutzbringende Erschließung <strong>von</strong> Heterogenität. Hier kann es<br />

zu diskriminierendem Verhalten gegenüber Minoritäten kommen. Gerade dieses Beispiel wirft die Frage auf, ob Gender nur ein<br />

gleichwertiges Identitätsmerkmal neben anderen ist oder ob Diversity-Merkmale je nach Kultur oder Region sehr unterschiedliche<br />

Konnotationen haben. [14]<br />

Somit wird deutlich, dass Diversity Management als transformative Unternehmensstrategie einer entsprechenden Systemerweiterung<br />

um Gender Mainstreaming bedarf, um effektiv und nachhaltig Veränderungen in Entscheidungsprozessen und<br />

Organisationsstrukturen zu bewirken. Stereotype können sich aber auch manifestieren in Form <strong>von</strong> Bereichsdenken, verstanden als<br />

Diversität aufgrund unterschiedlicher Ziele. Symptomatisch <strong>für</strong> derartige Stereotypbildung sind Aussagen wie „Mitarbeiter der<br />

technischen Abteilung können nicht kundenorientiert denken“ oder „Mit denen kann man nicht zusammenarbeiten.“ Durch solche<br />

self-fulfilling prophecies können die Arbeitsbeziehungen nachhaltig beeinträchtigt und die erforderliche Diversität vermindert<br />

werden. [15]<br />

Theoretischer Zugang<br />

Der theoretische Forschungsstand in Deutschland stellt sich als Folge der Orientierung an der amerikanischen Forschungstradition als<br />

eklektisch, mit wenig eigenen Schwerpunktsetzungen, dar. [16] Ein großer Anteil der Forschung zu Diversity hat sich ihrem<br />

Zusammenhang mit dem unternehmerischen Erfolg gewidmet, um die Legitimationsbasis <strong>von</strong> Maßnahmen des Diversity<br />

Management zu erweitern. Die zunehmende Konzentration auf die ökonomische Dimension auch in der anglo-amerikanischen<br />

Forschung lässt die Frage offen, auf welchem Weg die als wertvoll erkannte Diversität der Belegschaft gezielt geschaffen werden<br />

kann. Forschungsbedarf besteht auch hinsichtlich der Voraussetzungen und Rahmenbedingungen <strong>für</strong> den Aufbau der <strong>für</strong> das<br />

Diversity Management notwendigen Kompetenz. Hier bietet die Forschung zu interkultureller Kompetenz, d. h. Kompetenz im<br />

Umgang mit kultureller Vielfalt, <strong>einen</strong> ersten Ansatzpunkt, wobei der Schwerpunkt auf die Bewusstmachung <strong>von</strong> Stereotypen und die<br />

Entwicklung eines Führungsstils zu legen ist, der Ambiguitätstoleranz aufweist und Unsicherheit auf der Seite der Mitarbeiter zu<br />

reduzieren vermag. [17]<br />

Empirisch-praktischer Zugang<br />

Gestaltungsdefizite lassen sich auf allen Analyseebenen feststellen. Die Mehrheit der auf der Ebene des Individuums ansetzenden<br />

empirischen Studien vergleicht die Auswirkung unterschiedlicher Arten <strong>von</strong> Diversität, etwa bezüglich Alter, Geschlecht oder<br />

ethnischer Abstammung, auf Variablen wie Leistung, Arbeitszufriedenheit und vertikale Mobilität <strong>von</strong> Mitarbeitern.<br />

Forschungsgegenstand ist auch der Vergleich <strong>von</strong> Beförderungshäufigkeit und Leistungsbeurteilungen benachteiligter Gruppen mit<br />

denjenigen dominierender Gruppen in der Organisation. Generalisierte, vom Individuum abstrahierende Aussagen sind mit Vorsicht


zu interpretieren, da Maßnahmen des Diversity Management sich auf der individuellen Ebene unterschiedlich auswirken je nachdem,<br />

ob die Organisationsmitglieder der Minoritäten- oder Majoritätengruppe in der Organisation angehören. Es ist zudem eine<br />

beträchtliche Variation in der Stärke des Zusammenhangs (Korrelation) zwischen Diversität und Leistung innerhalb dieser Gruppen<br />

zu beobachten. [18] Auf der individuellen Ebene zielen die Maßnahmen der Herbeiführung eines jeweils typischen Leistungsangebots<br />

<strong>von</strong> Personen auf die doppelte Zielsetzung der Erhaltung der Beschäftigungsfähigkeit (Employability) einerseits und der<br />

Komplettierungsfähigkeit des angebotenen Humanvermögens zur Herausbildung einer einzigartigen Unternehmensleistung<br />

(Wettbewerbsfähigkeit) andererseits. Arbeitsanbieter müssen deshalb fortgesetzt analysieren, wie ertragswahrscheinlich ihr<br />

gegenwärtiges Leistungspotential ist und welche Umstellungsbefähigung (mental, methodisch, fachlich) als „Reserve-Diversität“ sie<br />

potentiell wechsel- bzw. umstellungsfähig hält. Die Unternehmen müssen über die Deckung des aktuellen leistungsorientierten<br />

Bedarfs an diverser Befähigung hinaus die quantitative und qualitative Entwicklung des Angebots <strong>von</strong> Humanressourcen auf den<br />

relevanten Arbeitsmärkten analysieren. Die Passung zwischen dem Angebot <strong>von</strong> Humanressourcen und den sich verändernden<br />

Anforderungen zur Sicherung der zukünftigen Unternehmensleistung ist laufend zu überprüfen.<br />

Die <strong>von</strong> Ely und Thomas 2001 und <strong>von</strong> Kochan et al. 2003 auf Gruppenebene durchgeführten Untersuchungen der<br />

Wirkungsbeziehung zwischen Diversity und unternehmerischen Erfolgsgrößen konnten keine unmittelbaren Zusammenhänge<br />

nachweisen. Dieser Befund deckt sich mit dem Forschungsstand zur Leistung heterogen zusammengesetzter Gruppen, demzufolge in<br />

Bezug auf das kognitive Leistungsverhalten keine signifikant höhere Leistung heterogener Gruppen im Vergleich zu homogenen<br />

Gruppen nachgewiesen werden konnte. Die Mehrzahl der Studien zur Leistung heterogener Gruppen wurden als „black-box“-Studien<br />

durchgeführt, d. h., es wurde <strong>von</strong> intervenierenden Variablen zwischen Diversity und Leistung abstrahiert. Die Uneindeutigkeit der<br />

identifizierten Wirkungsrichtungen legt nahe, weitere empirische Forschung zur Klärung des Verhältnisses zwischen sogenannten<br />

„first level outcomes“ (Veränderung <strong>von</strong> Fluktuationsraten, Produktivität, Problemlösequalität, Gruppenkohäsion) und „second level<br />

outcomes“ (Gewinn, Marktanteil, Effektivität) durchzuführen (Cox 1993). Auf der Gruppenebene sind insbesondere „altersdiverse“<br />

Teams, Kern- und Peripherie-Arrangements und Netzwerke fester und freier Leistungserbringer hinsichtlich ihrer Leistungsbeiträge,<br />

der Gestaltungsvoraussetzungen und der zu erwartenden Kosten der Beschäftigung heterogener Belegschaften zu untersuchen.<br />

Auf der Ebene der Gesamtorganisation besteht insbesondere Forschungsbedarf zur Interaktion zwischen<br />

Organisationsmitgliedern [19] . Bestehende Instrumente wie Job-Rotation, Projektlaufbahnen und cross-pollination sind zur gezielten<br />

Schaffung <strong>von</strong> Diversität zu nutzen, um funktions- und geschäftsbereichsübergreifend Diversität in den Kooperationsbeziehungen<br />

aufzubauen. Geleitet <strong>von</strong> der Erkenntnis, dass das Potenzial heterogener Gruppen nicht mit der Summe aller Einzelpotenziale<br />

gleichzusetzen ist, sondern dass sich der Wert der Diversität insbesondere in der gelungenen themen- bzw. zielbezogenen Interaktion<br />

herausbildet, sind Potenzialbeurteilung und Mentoring auf die Anforderungen heterogener Gruppen so abzustimmen, dass sich auf<br />

Ebene der Gesamtorganisation zweckdienliche Wirkungen hinsichtlich der angestrebten Unternehmensziele er geben.<br />

Die inzwischen als klassisch zu bezeichnende Diversity-Management-Typologie <strong>von</strong> Thomas und Ely identifiziert drei wesentliche<br />

Stoßrichtungen des Diversity Management in Unternehmen und lenkt gleichzeitig den Blick darauf, „how context might shape<br />

peoples thoughts, feelings, and behaviours[…]and how these, in turn, might influence the role of cultural diversity in the work<br />

groups functioning.“ [20] .<br />

Empirisch induktiv ermittelte Formen des Diversity Management werden zu drei Paradigmen verdichtet:<br />

Discrimination-and-fairness-Paradigma<br />

Unter den Vorzeichen des „discrimination-and-fairness“-Paradigmas wird ein Zielbündel, bestehend aus Gleichstellung (equal<br />

opportunity), Gleichbehandlung (fair treatment) und sozialer Gerechtigkeit (social justice), verwirklicht. Anstoß sind bzw. waren<br />

rechtliche Vorgaben zur Gleichbehandlung <strong>von</strong> Minoritäten bei Rekrutierung, Entlohnung und Förderung. Ein Gradmesser der<br />

Zielerreichung besteht etwa in der Erfüllung <strong>von</strong> Beschäftigungsquoten. Die zugrundeliegende Werthaltung postuliert: „It is not<br />

desirable for diversification of the workforce to influence the organizations work or culture. The company should operate as if every<br />

person were of the same race, gender, and nationality.“ [21] . Mit der Nivellierung der bestehenden Unterschiede wird Mitarbeitern die<br />

Möglichkeit genommen, ihre in den Arbeitsbeziehungen wirksam werdende Individualität in die Verbesserung <strong>von</strong> Strategie,


Arbeitsprozessen und Verfahrensweisen einzubringen. Auch entfällt die Bewusstmachung <strong>von</strong> Vielfalt als Mittel zur Erhöhung der<br />

Identifikation mit der Organisation. [22] Der Zwang zur Gleichbehandlung und das Gebot des „common acting“ fördern Passivität und<br />

ausweichendes Verhalten. Motivation und Eigenaktivität zur Verbesserung der persönlichen Situation werden reduziert.<br />

Access-and-legitimacy-Paradigma<br />

Auf der Entwicklungsstufe des „access-and-legitimacy“-Paradigmas wird die Vielfalt der Belegschaft als Wettbewerbsfaktor<br />

erschlossen. Durch Nachbildung der demographischen Struktur der Kundengruppen in der Belegschaft, z.B. durch Einsatz <strong>von</strong><br />

Kundenmanagern („key account managers“) mit entsprechender personeller und qualifikatorischer Passung, sollen<br />

Wettbewerbsvorteile erzielt werden. Es besteht jedoch die Gefahr , dass „access-and legitimacy leaders are too quick to push staf with<br />

niche capabilities into differentiated pigeonholes without trying to understand what those capabilities really are and how they could<br />

be integrated into the companys mainstream work.“ (Thomas/Ely 1996, 83). Werden einzelne Leistungsträger auf ihre<br />

minoritätenspezifischen Fähigkeiten reduziert, ohne <strong>für</strong> Informations- und Kompetenzaustausch in der Organisation Sorge zu tragen,<br />

wird Diversity Management als „Insellösung“ realisiert. Mangelnde Durchlässigkeit der Organisation behindert Lerneffekte [23] ,<br />

Diversity Management bleibt punktuell und auf die operative Ebene beschränkt.<br />

Learning-and-effectiveness-Paradigma<br />

<strong>Eine</strong> wesentliche Begriffserweiterung erfährt Diversity Management beim „learning-and-effectiveness“-Paradigma. Durch die<br />

Nutzung der in der Diversität der Belegschaft gründenden Vielfalt der Zugänge zu Arbeitsgestaltung, Aufgabenplanung und<br />

Problemlösung lernt die Organisation. Durch Hinterfragung organisatorischer Funktionen, Strategien, Prozesse und Verfahrensweisen<br />

sollen Mitarbeitern Freiheitsgrade und Wertschätzung vermittelt und im Gegenzug Innovation durch Beteiligung gefördert<br />

werden. [24] Stärker als beim „Diskriminierung-und-Fairness“ und „Marktzugangs-und-Legitimitäts“-Paradigma stellt das „Lern-und-<br />

Effektivitäts“-Paradigma auf organisationales Lernen und die ökonomische Nutzbarmachung der Diversity ab. Erfolg begründet die<br />

Legitimität <strong>von</strong> Diversity-Maßnahmen. Es ist jedoch fraglich, ob die Erkenntnisse zum organisationalen Lernen sich bruchlos auf die<br />

Problemstellung des Diversity Management übertragen lassen, besteht doch ein Unterschied zwischen der Zusammenarbeit in<br />

homogenen Gruppen und den besonderen Anforderungen, die Gruppen-Heterogenität an Qualifikation und Identifikation ihrer<br />

Mitglieder stellt. [25]<br />

Im Gegensatz zur deskriptiven Vorgehensweise <strong>von</strong> Thomas und Ely vertritt Cox 1991 eine dezidiert präskriptive Orientierung mit<br />

dem Ziel der Maßnahmengenerierung in Übereinstimmung mit den strategischen Zielen zur Verwirklichung einer multikulturellen<br />

Organisation [26] . Das prozessual orientierte Modell <strong>von</strong> Cox et al. 2001 geht über die Nennung idealtypischer Entwicklungsphasen<br />

des Diversity Management hinaus und strebt eine Integration in die strategische Unternehmensführung an. Das Ergebnis ist ein<br />

fünfstufiger Regelkreis der Transformation zu einer multikulturellen Organisation. Dieser setzt sich aus den Elementen Führung<br />

(„leadership“), Messung der Diversity-Kompetenz in der Organisation („Research and Measurement“), Anstoß eines internen<br />

Lernprozesses („Education“), Anpassung <strong>von</strong> Rekrutierung, Vergütung, Personalentwicklung und Arbeitsgestaltung auf<br />

Anforderungen des Diversity Management („Alignment of management systems“) und Erfolgskontrolle („Follow-up“)<br />

zusammen [27] . Cox berücksichtigt bei aller strategischen Orientierung jedoch durchaus die emotionale Reaktion der Mitarbeiter auf<br />

die Trainingsprogramme und fordert ihre breite Beteiligung. [28] Ein breites Spektrum <strong>von</strong> Sensibilisierungs. und Trainingsmethoden<br />

findet sich bei Weißbach et al. 2009.<br />

Diversity Compliance<br />

Seit Inkrafttreten diverser Anti-Diskriminierungsrichtlinien in der Europäischen Union (siehe: Allgemeines<br />

Gleichbehandlungsgesetz) hat das Thema Diversity Management eine Compliance-Dimension erhalten, denn die Nichteinhaltung<br />

bestimmter Diversity-Standards wird nun sanktioniert. In Deutschland und Österreich hat sich der Gesetzgeber zur Erreichung einer<br />

Abschreckungswirkung gegenüber diskriminierenden Unternehmen dazu entschieden, Opfern eine zivilrechtliche, materielle<br />

Entschädigung – ähnlich einem Schmerzensgeld – zuzubilligen. Entgegen bisherigen Gepflogenheiten in den<br />

kontinentaleuropäischen Rechtsordnungen müssen Entschädigungszahlungen nach den zu Grunde liegenden Richtlinien explizit eine<br />

abschreckende Höhe haben, wobei sich die Abschreckung explizit auch auf Mitbewerber bezieht (Generalprävention). Die


Einhaltung <strong>von</strong> Regeln des Diversity Managements bedeutet daher nicht mehr nur <strong>einen</strong> Wettbewerbsvorteil, sondern die<br />

Nichteinhaltung auch <strong>einen</strong> Wettbewerbsnachteil, da Marktteilnehmer, die sich nicht diversity-konform verhalten, mit erheblichen<br />

finanziellen Strafen rechnen müssen und so im Wettbewerb zurückgeworfen werden. [29] Somit wird ein gender- und<br />

diversitygerechter Managementstil zu einer maßgeblichen Schlüsselqualifikation <strong>für</strong> Führungspositionen – was sich in einer<br />

wachsenden Anzahl <strong>von</strong> Qualifizierungsangeboten und Fachveranstaltungen zeigt.<br />

Kritik<br />

Patricia Purtschert kritisiert, dass bei Diversity Management nicht Fragen der Gerechtigkeit, sondern Fragen der Gewinnmaximierung<br />

im Zentrum der Betrachtung stehen und die kritische Betrachtung nur auf der lokalen Ebene stattfindet und nicht die<br />

Organisationsstruktur als ganzes umfasst. [30]<br />

Literatur<br />

ARCHIV <strong>für</strong> Wissenschaft und Praxis der sozialen Arbeit 1/2012: Diversity Management und soziale Arbeit.<br />

H.-J. Aretz, K. Hansen: Diversity und Diversity Management im Unternehmen – <strong>Eine</strong> Analyse aus<br />

systemtheoretischer Sicht.Münster 2002.<br />

M. Becker, A. Seidel (Hrsg.): Diversity Management: Unternehmens- und Personalpolitik der Vielfalt. Stuttgart 2006.<br />

R. Bendl, E. Hanappi-Egger, R. Hofmann (Hrsg.): Agenda Diversität: Gender- und Diversitätsmanagement in<br />

Wissenschaft und Praxis.Hampp, München 2006.<br />

T. Jr. und T. H. Cox, P. O’Neill: Creating the multicultural organization: a strategy for capturing the power of diversity .<br />

Business school management series. University of Michigan. Michigan 2001.<br />

P. Dick: Organizational efforts to manage diversity: do they really work?In: M. J. Davidson, S. L. Fielden (Hrsg.):<br />

Individual Diversity and Psychology in Organizations.Chichester 2003, S. 131–148.<br />

J. Dietz, L.-E. Petersen: Diversity Management.In: I. Björkmann, G. Stahl (Hrsg.): Handbook of Research in<br />

international Human Resource management.Camberly 2005, S. 223–243.<br />

A. Frohnen: Diversity in Action. Mulitnationalitaet in globalen Unternehmen am Beispiel Ford. transcript, Bielefeld<br />

2005.<br />

M. E. A. Jayne, R. L. Dipboye: Leveraging Diversity to improve business performance: re-search findings and<br />

recommendations for organizations.In: Human Resource Management.Nr. 04, 2004, S. 409–424.<br />

A. Knoth: Managing Diversity – Skizzen einer Kulturtheorie zur Erschließung des Potentials menschlicher ielfalt V in<br />

Organisationen. Tönning, Der Andere Verlag, 2006.<br />

Andreas Merx: Von Antidiskriminierung zu Diversity: Diversity-Ansätze in der Antidiskriminierungspraxis.Online-<br />

Beitrag im Rahmen des Dossiers Das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetzder Themenwebsite Migration -<br />

Integration- Diversity der Heinrich-Böll-Stiftung, Berlin 2006.<br />

Andreas Merx, Joana Vassilopoulou: Das arbeitsrechtliche AGG und Diversity-Perspektiven.In: Verena Bruchhagen,<br />

Iris Koall (Hrsg.): Diversity Outlooks – Managing Diversity zwischen Ethik, Profit und Antidiskriminierung. LIT.<br />

Münster 2007, S. 354–385.<br />

Barbara Weißbach, Hans-Jürgen Weißbach, Angelika Kipp: Managing Diversity. Konzepte – Fälle – Tools. Ein<br />

Trainings-Handbuch. Dortmund 2009, ISBN 978-3-924100-36-0.<br />

Weblinks<br />

DIVERSITAS – Zeitschrift <strong>für</strong> Managing Diversity & Diversity Studies<br />

Fachstelle Diversity Management im Netzwerk Integration durch Qualifizierung<br />

idm – Internationale Gesellschaft <strong>für</strong> Diversity Management e.V.<br />

Siehe auch<br />

Heimlicher Lehrplan<br />

Interkulturelle Öfnung<br />

Biodiversität, Diversität in der Chemieund Diversität in der Technik<br />

Richtlinie 2013/34/EU (Bilanz-Richtlinie)


Einzelnachweise<br />

1. Wayne Cascio: Managing Human Resources.7. Auflage 2007, McGraw-Hill Publishing (ubc.ca (http://www.ubc.ca/o<br />

kanagan/management/__shared/assets/MGMT_533_Syllabus_Human_Resource_Management14758.pdf) PDF).<br />

2. David Clutterbuck, Belle Rose Ragins (Hrsg.): Mentoring and diversity: an international perspective. Butterworth-<br />

Heinemann, 2002, ISBN 978-0-7506-4836-3, David Clutterbuck: Establishing and sustaining a formal mentoring<br />

programme for working with diversified groups., S.55.<br />

3. Dieter Wagner, Peyvand Sepehri: Managing Diversity – alter Wein in neuen Schläuchen? In: Zeitschrift<br />

Personalführung. Nr. 5. Deutsche Gesellschaft <strong>für</strong> Personalführung, 1. Mai 1999, S. 18–21 (Online (http://www.dgfp.<br />

de/wissen/personalwissen-direkt/dokument/76191/herunterladen)[abgerufen am 7. April 2010]).<br />

4. David Thomas, Robin Ely: Making differences matter: A new paradigm for managing diversity . In: Harvard Business<br />

Review. Nr. 5. Harvard Business SchoolPublishing, 1996, S. 80 (online (http://www.hispaniccsc.org/2007%20Summi<br />

t/Appendix/96510p2%5B1%5D.pdf)[PDF; 260 kB; abgerufen am 7. April 2010]).<br />

5. Margaret S. Stockdale, Faye J. Crosby (Hrsg.): The psychology and management of workplace diversity. Wiley-<br />

Blackwell, 2004, ISBN 978-1-4051-0096-0, Mark Agars, Janet Kottke: Models and practice of diversity management:<br />

A historical review and presentation of a new integration theory , S. 73.<br />

6. Margaret S. Stockdale, Faye J. Crosby (Hrsg.): The psychology and management of workplace diversity. Wiley-<br />

Blackwell, 2004, ISBN 978-1-4051-0096-0, Rosemary Hays-Thomas: The Contemporary Focus on Managing<br />

Diversity, S. 12.<br />

7. Vgl. A. Knoth: Managing Diversity – Skizzen einer Kulturtheorie zur Erschließung des Potentials menschlicher<br />

Vielfalt in Organisationen, Tönning, Der Andere Verlag, 2006, S. 37 f.<br />

8. Hans-Jürgen Aretz, Katrin Hansen: Diversity und Diversity-Management im Unternehmen. In: Managing diversity.<br />

Band 3. Lit Verlag, 2002, ISBN 978-3-8258-6395-1, S. 11.<br />

9. RKW Kompetenzzentrum: Fachkräfte finden & binden – Vielfalt nutzen. Ein Leitfaden <strong>für</strong> kleine und mittlere<br />

Unternehmen. Eschborn 2014, S. 4f.(http://rkw.link/vielfaltnutzen)<br />

10. Roland Berger Strategy Consultants - Dream-Team statt Quote - Studie zu Diversityund Inclusion (http://www.roland<br />

berger.com/media/pdf/Roland_Berger_DiversityInclusion_D_20110509.pdf)(PDF-Datei; 1,49 MB)<br />

11. Maria Schwarz-Wölzl, Christa Maad: Diversity and Managing Diversity. Teil 1: Theoretische Grundlagen 2003/2004.<br />

Zentrum <strong>für</strong> Soziale Innovation, Wien 2004, S.25 f. (zsi.at (http://www.zsi.at/attach/Diversity_Teil1_Theorie.pdf)<br />

[PDF]).<br />

12. Silke Schrader, Diversity-orientiertes Marketing: Gay Marketing, 2008, E-Book, ISBN 978-3-640-17002-9<br />

13. Thomas 2001, 40<br />

14. Kreienkamp 2007, 16f, 138f.<br />

15. Stumpf/Thomas 1999, 37<br />

16. Als Ausnahmen mit eigener theoretischer Konzeptualisierung sind die Ansätze <strong>von</strong> Krell, G. (1998), Koall (2001,<br />

2002), Aretz, H.-J./Hansen, K. (2002), Wagner, D./Sepehri, P. (2000) und Petersen, L.-E./Dietz, J. (2005), Knoth, A.<br />

(2006) zu nennen.<br />

17. Sackmann/Bissels/Bissels 2002, 51 f.<br />

18. Dick 2003, 137<br />

19. Dietz/Petersen 2005, 228<br />

20. Ely/Thomas 2001, 237<br />

21. Thomas/Ely 1996, 81<br />

22. Thomas/Ely 1996, 82<br />

23. Thomas/Mack/Montagliani 2004, 33<br />

24. Thomas/Ely 1996, 80<br />

25. Agars/Kottke 2004, 61<br />

26. Sackmann/Bissels/Bissels 2002, 50<br />

27. Cox/Cox/O’Neill 2001, 19<br />

28. Taylor Cox Jr.: Creating the Multicultural Organization.Wiley, San Francisco 2001, S. 77 f.<br />

29. Merx 2006; Merx/Vassilopoulou 2007, S.22 f.<br />

30. woz.ch (http://www.woz.ch/artikel/rss/12213.html;)Purtschert, Patricia: Diversity Management: Mehr Gewinn durch<br />

weniger Diskriminierung? Von der Differenz im Umgang mit Diferenzen, in: femina politica 16 (2007), Nr . 1, 88-96.<br />

Abgerufen <strong>von</strong> „https://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Diversity_Management&oldid=165774367 “<br />

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Entwicklungszusammenarbeit<br />

Entwicklungszusammenarbeit, auch Entwicklungshilfe genannt, ist das<br />

gemeinsame Bemühen <strong>von</strong> Industrieländern und Entwicklungsländern, weltweite<br />

Unterschiede in der sozioökonomischen Entwicklung und in den allgem<strong>einen</strong><br />

Lebensbedingungen dauerhaft und nachhaltig abzubauen. Als Grundprinzip der<br />

Zusammenarbeit gilt im modernen Verständnis die Hilfe zur Selbsthilfe.<br />

Inhaltsverzeichnis<br />

1 Abgrenzung des Begriffes<br />

2 Staatliche internationale Entwicklungshilfe<br />

2.1 Staatliche Entwicklungszusammenarbeit<br />

2.1.1 Multilaterale Entwicklungszusammenarbeit<br />

2.1.2 Bilaterale Entwicklungszusammenarbeit<br />

2.2 Entwicklungszusammenarbeit der Vereinten Nationen<br />

2.2.1 Träger (Auswahl)<br />

2.3 Europäische Entwicklungszusammenarbeit<br />

2.3.1 Träger (Auswahl)<br />

Entwicklungszusammenarbeit:<br />

Sonderbriefmarke der Deutschen<br />

Bundespost <strong>von</strong> 1981<br />

3<br />

Entwicklungszusammenarbeit der Nichtregierungsorganisationen<br />

4<br />

Partizipative methodische Ansätze der<br />

Entwicklungszusammenarbeit<br />

4.1<br />

Systematisierungsprozesse in der Entwicklungszusammenarbeit<br />

4.1.1 Ursprung des Ansatzes<br />

4.2 Transitionprozesse in der Entwicklungszusammenarbeit<br />

4.2.1 Rahmenbedingungen<br />

4.3<br />

Anwaltschaftliche Arbeit in der Entwicklungszusammenarbeit<br />

5 Spannungsfelder<br />

5.1 Rohstoffe<br />

5.2 Ost-West-Gegensatz<br />

5.3 Wiedergutmachung <strong>für</strong> erlittene Kolonialpolitik<br />

5.4 Internationaler Terrorismus<br />

5.5 Sicherung <strong>von</strong> Absatzmärkten<br />

5.6 Israel-Palästina-Konflikt<br />

6 Gravierende Einschnitte in der Entwicklungszusammenarbeit<br />

6.1 Erdölkrise 1973/74<br />

6.2 Politischer Umbruch 1989<br />

7 Einzelaspekte der Entwicklungszusammenarbeit<br />

7.1 Frauen und Entwicklung<br />

7.2 Kommunale Entwicklungszusammenarbeit<br />

7.3 Kultur und Entwicklung<br />

7.4 Naturschutz durch Entwicklungszusammenarbeit<br />

8 Kritik an der Entwicklungszusammenarbeit


8.1 Beispiel Afrika<br />

9 Finanzielle Aufwendungen<br />

10 Siehe auch<br />

11 Anmerkungen<br />

12 Literatur<br />

13 Weblinks<br />

14 Einzelnachweise<br />

Abgrenzung des Begriffes<br />

Seit den 1990er Jahren löst die partnerschaftlich orientierte Entwicklungszusammenarbeit als Begriff in der Entwicklungspolitik den<br />

der Entwicklungshilfe ab. Entwicklungshilfe verfolgte im Kern weitgehend dieselben Ziele. Der Begriffswandel <strong>von</strong><br />

Entwicklungshilfe hin zur Entwicklungszusammenarbeit illustriert den Anspruch einer partnerschaftlichen Gleichberechtigung <strong>von</strong><br />

Geber- und Empfängerländern, im Gegensatz zu der besonders in den Anfangsjahren dominierenden Rolle des Fachwissens und des<br />

Reichtums der Geberländer.<br />

Flüchtlings-, Hunger-, Katastrophen- und humanitäre Hilfe erfolgt hingegen kurzfristig und ist darauf bedacht, die schlimmsten<br />

Auswirkungen <strong>von</strong> Naturkatastrophen und Kriegen möglichst schnell zu mildern und die momentanen Lebensbedingungen zu<br />

verbessern. Ihnen folgt meist die Entwicklungszusammenarbeit als sogenannte Aufbauhilfe, die im Gegensatz langfristige,<br />

nachhaltige Ziele und strukturelle Änderungen beabsichtigt.<br />

Ressourcentransfer als weiterer aus dem Englischen stammender Begriff ist wesentlich weiter als Entwicklungszusammenarbeit<br />

gefasst und beschreibt den Austausch <strong>von</strong> Ressourcen im Rahmen der Globalisierung.<br />

Entwicklungspolitik ist ein Überbegriff <strong>für</strong> staatliche Programme, die die politische, wirtschaftliche und soziale Situation in<br />

unterentwickelten Staaten verbessern sollen.<br />

Staatliche internationale Entwicklungshilfe<br />

1961 entstand der Begriff der Entwicklungshilfe zum ersten Mal, als am 30. September 1961 die Organisation <strong>für</strong> Wirtschaftliche<br />

Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) mit Sitz in Paris gegründet wurde. Ihre Aufgabe war es, die damals so genannte<br />

Entwicklungshilfe international zu koordinieren und untereinander besser abzustimmen.<br />

Bis dahin bestand die einzige Hilfe in Form <strong>von</strong> Krediten <strong>für</strong> die in die Unabhängigkeit entlassenen Kolonien, mit denen die<br />

Hoffnung verbunden war, sie würden eine ähnliche wirtschaftliche Dynamik entfalten wie nach dem Zweiten Weltkrieg der<br />

Marshallplan in Europa.<br />

Die Gründung der OECD führte zur Bildung <strong>von</strong> Entwicklungsministerien in zahlreichen Ländern. Der Gründung vorausgegangen<br />

war eine Welle <strong>von</strong> in die Unabhängigkeit entlassenen afrikanischen Staaten (Dekolonisation).<br />

Staatliche Entwicklungszusammenarbeit<br />

Die staatliche Entwicklungszusammenarbeit (EZ) kann unter gliedert werden in:<br />

Multilaterale Entwicklungszusammenarbeit<br />

Im Rahmen der multilateralen Entwicklungszusammenarbeit leisten einige Industrieländer Zahlungen an überstaatliche<br />

Zusammenschlüsse und Organisationen, die diese Gelder verwalten und im Rahmen unterschiedlichster Programme an<br />

Entwicklungsländer auszahlen. Multilaterale Geber sind z. B. die Weltbank-Gruppe, der Global Fund to Fight AIDS, Tuberculosis


and Malaria, [1] die Vereinten Nationen und deren Sonderorganisationen, beispielsweise das Entwicklungsprogramm der Vereinten<br />

Nationen, das Umweltprogramm der Vereinten Nationen, die Weltgesundheitsorganisation, der Bevölkerungsfonds der Vereinten<br />

Nationen und das Welternährungsprogramm der Vereinten Nationen.<br />

Bilaterale Entwicklungszusammenarbeit<br />