VSAO JOURNAL Nr. 6 - Dezember 2018

mediserviceva

Wunder -
Kardiologie
Bluthochdruck
Massnahmen zur Kostendämpfung

Nr. 6 Dezember 2018

Verband Schweizerischer Assistenz- und Oberärztinnen und -ärzte

Association suisse des médecins-assistant(e)s et chef(fe)s de clinique

Associazione svizzera dei medici assistenti e capiclinica

VSAO JOURNAL

Wunder

• Kardiologie

• Bluthochdruck

• Massnahmen zur

Kostendämpfung


INHALT

Titelbild: aebi, grafik & illustration, bern

EDITORIAL

5 Wunder über Wunder

POLITIK

7 Gesundheitspolitik

Das Ostergeschenk ist ausgepackt

10 ZV – «Nur mit dem VSAO»

WEITERBILDUNG /

ARBEITSBEDINGUNGEN

12 Orientierungshilfe im Dschungel der

Arztberufe

15 Auf den Punkt gebracht:

Die gute Frau Doktor

16 Lesen lernen: Gutes Mittelmass

17 Gut betreut zum Ziel

VSAO

22 Sektion Aargau

23 Sektion Basel

24 Sektion Bern

25 Sektion Zentralschweiz

26 Sektion Zürich/Schaffhausen

27 VSAO-Rechtsberatung

29 VSAO-Inside

FOKUS WUNDER

30 Wie Wunder gemacht werden

32 Gras wächst nicht schneller, wenn man

daran zieht

34 Das Flüstern des Apfelbaumes

36 Wunder gibt es nicht, oder?

37 Die Top Seven der Antike

39 Corriger la nature

PERSPEKTIVEN

42 Fachserie – Aktuelles aus der Kardiologie:

extrakorporale Herzunterstützungssysteme:

Provisorium oder definitive Lösung

45 Leserbrief

46 Aus der «Therapeutischen Umschau»:

Kardiovaskuläre Risikostratifizierung bei

arterieller Hypertonie und therapeutische

Implikationen

53 Das erlesene Objekt: Als das Heldentum

in Rauch aufging

MEDISERVICE VSAO-ASMAC

55 Briefkasten

57 Partnervermittlung fürs Jobsharing

VORSORGESTIFTUNG VSAO

59 Freiwilliger Einkauf in die Pensionskasse

62 Impressum

Vertrauen

CH-3860 Meiringen

Telefon +41 33 972 81 11

www.privatklinik-meiringen.ch

Ein Unternehmen der Michel Gruppe

Ärztliche Leitung:

Prof. Dr. med. Thomas J. Müller

Wo Patienten auch Gäste sind.

Nr. 6 Dezember 2018

VSAO JOURNAL ASMAC

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STS 0292

INNO

VATION

Viollier Preis 2019

Engagement fordern,

um Wissenschaft zu fördern

Unter dem Patronat der Schweizerischen Gesellschaft

für Allgemeine Innere Medizin SGAIM schreibt Viollier

einen Preis aus.

Der Preis ist mit CHF 10’000.– dotiert und wird am

Frühjahrskongress der SGAIM 2019 überreicht.

Die eingereichte Originalpublikation soll sich auf experimentelle

oder klinische Forschungsarbeiten mit labormedi

zinischer Relevanz beziehen.

Einsendeschluss: 22.02.2019

Preisträger

2018 PD PhD Nicolas Bonnet | 2017 Dr. med. Bettina Felicitas

Winzeler | 2016 PD Dr. med. Dr. phil. Michael Nagler | 2015

Prof. Dr. med. Daiana Stolz | 2014 PD Dr. med. Jens Kuhle |

2013 Prof. Dr. med. Pierre Fontana | 2012 PD Dr. Alexandre

Harari 2011 | Dr. Thomas von Känel | 2010 Prof. Dr. med.

Gilbert Greub | 2009 Prof. Dr. med. Tobias Reichlin | 2008 PD

Dr. med. Lukas A. Altwegg | 2007 Dr. Patrice François | 2006

PD Dr. med. Spasenija Savic | 2005 Prof. Dr. med. Mirjam

Christ-Crain | 2004 Prof. Dr. med. Christian Müller | 2003 Prof.

Dr. med. Kaspar Berneis

viollier.ch/viollier-preis


EDITORIAL

Foto: Severin Novacki

Catherine Aeschbacher

Chefredaktorin VSAO-Journal

Wunder über Wunder

Glauben Sie an Wunder? Ja? Nein? Vielleicht? Ganz egal wie

die Antwort ausfällt: Selbst die hartgesottensten Skeptiker haben

wohl schon Situationen erlebt, in denen sie auf ein Wunder

gehofft haben. Im Fokusteil befassen wir uns mit Wundern

aller Art, mit göttlichen, solchen aus Menschenhand und von

der Natur erschaffenen. Und wir haben einen Onkologen und

eine Gynäkologin gefragt, ob sie in ihrem Berufsleben je ein

Wunder erlebt haben.

Im Frühjahr hatte der Bundesrat ein Überraschungspaket geschnürt,

nun hat er es geöffnet, und die Überraschung hält

sich in Grenzen. Kern war der Bericht der Expertengruppe

Diener zu kostendämpfenden Massnahmen im Gesundheitswesen.

Das Gremium unterbreitete 38 Vorschläge. In vielen

Fällen geht der Bundesrat in seinem Paket darauf ein, zu einem

geringeren Teil unterbreitet er zusätzliche Vorschläge.

Wie sich der VSAO dazu stellt, ist im Politikteil nachzulesen.

Dort orientieren wir Sie auch über die Ergebnisse der Herbstsitzung

des Zentralvorstands VSAO und der Delegiertenversammlung

von MEDISERVICE.

Am 3. November fand in Bern der zwölfte MEDIfuture-Kongress

vor vollbesetzten Reihen statt. Medizinstudierende sowie

junge Ärztinnen und Ärzte konnten sich nicht nur über mögliche

Berufsziele und den Weg dorthin informieren. Eine Anwältin

referierte zum Thema maximale Arbeitszeiten und

Überzeitenregelung, und Fachleute aus der Personalabteilung

der Solothurner Spitäler erklärten, wie man sich heute richtig

bewirbt. Mehr zu MEDIfuture 2018 findet sich in der Rubrik

«Weiterbildung/Arbeitsbedingungen».

Seit 2014 bereichert die Medizinhistorikerin Iris Ritzmann mit

ihrer Kolumne «Das erlesene Objekt» unser Journal. Mit dieser

Ausgabe beendet sie diese Reihe. Wir danken Iris Ritzmann an

dieser Stelle für all die speziellen, interessanten, teils wunderbaren,

teils wunderlichen Objekte, die sie in den vergangenen

fünf Jahren gesucht und vorgestellt hat.

Die Redaktion des VSAO-Journals dankt an dieser Stelle auch

Ihnen, verehrte Leserinnen und Leser, für Ihr Interesse und

wünscht Ihnen wunderbare Festtage und ein ebenso wunderbares

neues Jahr!

Nr. 6 Dezember 2018

VSAO JOURNAL ASMAC

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An ESC Update Meeting, Davos, 16 – 20 February 2019

23 rd International Postgraduate Course on Cardiovascular Disease

Main Topics

Inflammation and atherosclerosis • Risk factors • Lifestyle modification • Diabetes and the heart •

Hypertension • Sports cardiology • Lipid management • Cardiac imaging • Adult congenital heart disease •

Coronary artery disease • Acute coronary syndromes • Cardiomyopathies • Cardio-oncology •

Atrial fibrillation • Ventricular arrhythmias • Pulmonary hypertension • Valve disease • Heart failure

Features

State of the art lectures • Clinical decision seminars • Video live presentations •

Meet the expert sessions • Poster sessions • Webcasts

Course Directors

Thomas F. Lüscher, M. D. Bertram Pitt, M. D.

Professor of Cardiology

Professor of Medicine Emeritus

Royal Brompton & Harefield, London University of Michigan, Ann Arbor, USA

Organisation

On behalf of Zurich Heart House:

Medworld AG

CH-6312 Steinhausen

Phone +41 41 478 23 00

registration@medworld.ch

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POLITIK

GESUNDHEITSPOLITIK

Das Ostergeschenk ist ausgepackt

Vor Ostern hat der Bundesrat sein erstes Massnahmenpaket gegen die wachsenden Gesundheitskosten

vorgestellt – mit Schlagworten und noch schön verschnürt. Für den Herbst war der

definitive Inhalt samt Vernehmlassung angekündigt. Fazit des VSAO nach dem Auspacken: Etliches

geht in die richtige Richtung, manches mündet in Sackgassen.

Marcel Marti, Leiter Politik und Kommunikation / stv. Geschäftsführer VSAO

Geschenke machen immer dann besonders

Freude, wenn man nicht mit ihnen

rechnet. Oder wenn sie in Aussicht stehen,

aber man keine Ahnung hat, was einen

erwartet. In beiderlei Hinsicht fehlt dem

Osterpaket aus dem Bundeshaus der Überraschungseffekt.

Drin ist, was nach Ankündigung

drin sein sollte. Weitgehend

jedenfalls.

Ihren Anfang nahm die Vorlage mit dem

Bericht einer Expertengruppe unter der

Leitung der früheren Ständerätin und alt

Regierungsrätin Verena Diener (GLP/ZH).

Das Gremium empfahl 38 Massnahmen

zur Umsetzung. Zum grösseren Teil geht

der Bundesrat in seinem Paket darauf ein,

zum kleineren beinhaltet es zusätzliche

Vorschläge.

Ja oder ja, aber

Der Geschäftsausschuss des VSAO hat die

Vorschläge in der Vernehmlassung auf

Herz und Nieren geprüft. «Konstruktiv

und differenziert», unterstreicht Verbandspräsidentin

Anja Zyska, «was wir

angesichts der kritischen Stimmung in

der Politik gegenüber den Ärzten als wichtiger

denn je erachten. Unser Berufsstand

braucht im Bundeshaus nämlich ebenso

ein offenes Ohr – momentan zum Beispiel

bei der Revision des ambulanten Tarifs

und der Zulassungssteuerung.» Mehrheitlich

sei der Verband mit der Bundesratsvorlage

einverstanden, «zum Teil mit

Vorbehalten», fasst Zyska die Diskussion

zusammen. Im Einzelnen:

• Experimentierartikel

(Massnahme 2 im Expertenbericht)

Ermöglicht thematisch, zeitlich und

räumlich begrenzte Pilotprojekte, die

über das Bundesgesetz über die

Krankenversicherung (KVG) hinausgehen.

Aus Sicht des VSAO eine grundsätzlich

löbliche Idee. Allerdings fordert er, dass

die Kompetenzen für solche Versuche

nicht einseitig beim Bundesrat liegen.

Leistungserbringer, Versicherer und

Kantone sollen als gleichberechtigte

Partner mitwirken können. Und: Es

darf nicht nur um die Kosten gehen. Die

medizinische Sicht, das heisst die Qualität

und damit der Nutzen für die Patienten,

muss Gewicht haben.

• Nationale Tariforganisation

(Massnahme 34 im Expertenbericht)

Für den ambulanten Bereich, analog

zur heutigen Lösung im stationären

(SwissDRG). Besetzung: paritätisch

mit den Tarifpartnern. Ziel:

bestehende Blockaden lösen.

Der VSAO unterstützt den Vorschlag,

sofern die Struktur- und Organisationsautonomie

der Tarifpartner gewährleistet

bleibt (analog SwissDRG). Zudem

soll der Bundesrat den Tarif auf Vorschlag

der neuen Organisation weiterhin

nur genehmigen.

• Tarifstruktur aktuell halten

(Massnahme 25 im Expertenbericht)

Die Tarifpartner/die neue Tariforganisation

(siehe oben) muss dazu

dem Bundesrat auch für den ambulanten

Bereich Daten liefern. Verstösse

können bestraft werden. Ziel:

das Leistungswachstum begrenzen.

Eine regelmässige Überprüfung und

Anpassung der Tarife ist zu begrüssen.

Doch in seiner jetzigen Form stellt der

Vorschlag die Autonomie der Tarifpartner

in Frage. Denn neu würde der Bundesrat

die Daten auch bekommen,

wenn es nicht um eine Tarifgenehmigung

geht. Dadurch könnte er die Tarife

unabhängig von Tarifverhandlungen

selbst festlegen. Deshalb sollten die

Daten zunächst an die neue Tariforganisation

gehen. Der Bundesrat erhält sie

wie bisher, sobald die Anpassung durch

die Tarifpartner erfolgt ist. Jährliche

Änderungen dürften freilich kaum realisierbar

sein.

Gegen die Demontage des Arbeitsgesetzes

Im März 2016 haben die Ständeräte Konrad Graber (CVP/LU) und Karin Keller-Sutter (FDP/SG) zwei

parlamentarische Initiativen zum Arbeitsgesetz eingereicht. Beim Vorstoss Graber kann der Arbeitgeber

für bestimmte Kategorien von Erwerbstätigen ein Jahresarbeitszeitmodell einführen, im Fall Keller-

Sutter wird der Verzicht auf die Erfassung der Arbeits- und Ruhezeit möglich. Beide Initiativen wollen

somit den Arbeitnehmerschutz abbauen. Sie würden Hunderttausende Personen betreffen, was selbst

die in den Dossiers federführende Kommission für Wirtschaft und Abgaben des Ständerats (WAK-S)

einräumt. Der VSAO hat sich in der Vernehmlassung entschieden gegen die beiden Vorlagen ausgesprochen

und angekündigt, die Unterstützung eines Referendums zu prüfen.

Mehr zum Thema: www2.vsao.ch, Stellungnahmen/ Positionen

• Pauschalen im ambulanten Bereich

(Massnahme 15 im Expertenbericht)

Basierend auf einer gesamtschweizerisch

vereinbarten einheitlichen

Tarifstruktur (wie bei den Einzelleistungstarifen).

Der Bundesrat

kann bei Uneinigkeit der Tarifpartner

eingreifen.

Grundlage jeder Pauschale muss ein

sachgerechter und betriebswirtschaftlich

korrekter Einzelleistungstarif

sein. Ist dies erfüllt, stimmt der VSAO

zu.

Nr. 6 Dezember 2018

VSAO JOURNAL ASMAC

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POLITIK

Das Schweizer Gesundheitswesen ist ein komplexes System. Wer an einem Rädchen dreht, muss mit Risiken und

Nebenwirkungen an anderer Stelle rechnen. Das zeigt sich beim Blick ins erste Massnahmenpaket zur Kostendämpfung.

(© Kapley/fotolia.com)

• Rechnungskopie für Versicherte

(NEU) Die Patientinnen und Patienten

erhalten immer (auch bei

Spitalaufenthalten) eine Rechnungskopie.

Bei Unterlassung drohen den

Leistungserbringern Sanktionen.

Für den VSAO eine Selbstverständlichkeit.

• Rechnungskontrolle stärken

(Massnahme 9 im Expertenbericht)

Der Bund verstärkt die Aufsicht über

die Versicherer. Sollte dies nicht fruchten,

könnte eine unabhängige Rechnungskontrollbehörde

zum Thema

werden (Massnahme 35).

Es macht Sinn, die Kontrollen zu vereinheitlichen

und weiter zu professionalisieren.

Solche Bemühungen dürfen

indes nicht in mehr Bürokratie und

Kosten münden.

So nicht

Ablehnend äussert sich der Verband hingegen

zu den drei übrigen Vorschlägen:

Noch mehr «Medizin statt

Bürokratie!»

Mit der Lancierung der Website www.medizin-statt-bürokratie.ch

fiel im September der Startschuss für die zweite Kampagnenwelle.

Deren bisheriger Höhepunkt war ein Anlass im Bundeshaus, an

dem bestehende Kontakte mit den Parlamentariern vertieft und

zahlreiche neue geknüpft wurden. Doch die Welle ist noch nicht

abgeebbt: Es geht weiter, und gefragt sind nach wie vor Beispiele,

die zeigen, mit welchen Ideen Spitäler das Kampagnenmotto umsetzen

(Rückmeldungen via Website oder an marti@vsao.ch).

• Massnahmen der Tarifpartner

zur Steuerung der Kosten (NEU)

Dahinter steht die parlamentarische

Initiative «Steuerung der Kosten im

KVG durch die Vertragspartner» der

Kommission für soziale Sicherheit

und Gesundheit des Nationalrats

(SGK-N). Sie sieht vor, dass Leistungserbringer

und Versicherer vertraglich

Massnahmen zur Kostensteuerung

vereinbaren. Unberechtigte

Erhöhungen der Mengen und

Kosten hätten Rückvergütungen

durch die Leistungserbringer zur

Folge. Scheitern die Vereinbarungen,

kann der Bundesrat eingreifen.

Der Nationalrat hat die Initiative

im Frühling 2018 mit 97:91

Stimmen verworfen. Damit ist sie

im Parlament erledigt. Trotzdem

hat sie der Bundesrat in seine Vorlage

aufgenommen.

In diesem Fall sagt der VSAO klar Nein.

Bei Lichte besehen geht es um die Einführung

degressiver Tarife und/oder

jährlicher Globalbudgets.

• Referenzpreissystem bei Arzneimitteln

(Massnahme 22 im

Expertenbericht) Für wirkstoffgleiche

Arzneimittel mit abgelaufenem Patent

soll ein maximaler Referenzpreis

gelten. Dies dann, wenn wenigstens

drei solche Medikamente

auf der Spezialitätenliste stehen. Ziel:

die Abgabe von Generika und patentabgelaufenen

Originalpräparaten

fördern.

Und nochmals Nein: Der VSAO befürchtet

Versorgungsengpässe und eine Gefährdung

der Patientensicherheit.

8 VSAO JOURNAL ASMAC Nr. 6 Dezember 2018


POLITIK

• Beschwerderecht der Versicherungen

gegenüber den Kantonen

(NEU) Versicherungen sollen

gegen Beschlüsse der Kantonsregierungen

zur Planung und Liste der

Spitäler, Geburtshäuser und Pflegeheime

Beschwerde erheben können.

Nicht einverstanden. Die Macht der

Krankenversicherungen würde damit

weiter ausgebaut, und ihr Veto hätte

Planungsunsicherheiten bei den Kantonen

und Spitälern zur Folge. Mit unbekannten

Auswirkungen auf die Versorgung

der Patienten, denen keine

Beschwerdemöglichkeit zur Verfügung

steht.

Zulassungssteuerung: Das Gesagte gilt

Auch in der laufenden Wintersession liefert die Zulassungssteuerung Gesprächsstoff. Zwar herrscht

Einigkeit darüber, die aktuelle Beschränkung bis Mitte 2021 zu verlängern. Alles andere aber ist noch

in der Schwebe, vor allem der Forderungskatalog der nationalrätlichen Gesundheitskommission (SGK-N).

Auf festem Boden mit der FMH an seiner Seite steht dagegen der VSAO. Er betreibt weiter Lobbying für

seine von der SGK-N verwässerten Kernforderungen:

• Für die Zulassung zur selbständigen Tätigkeit soll es wie bisher mindestens drei Jahre Tätigkeit an

einer anerkannten Weiterbildungsstätte brauchen – neu aber zusätzlich in der für die Zulassung

beantragten Fachdisziplin.

• Die in der Tätigkeitsregion erforderliche Sprachkompetenz muss mit einer Sprachprüfung in der

Schweiz nachgewiesen werden, und zwar vor Berufsantritt. Für Personen mit Schweizer Maturität

oder Staatsexamen in der Amtssprache der Tätigkeitsregion entfällt die Prüfung.

Mehr zum Thema: www2.vsao.ch, Gesundheitspolitik/Zulassungssteuerung

Abgerechnet wird später

Bleibt die Frage, was das Ideenpaket am

Ende punkto Kostendämpfung bringt. Der

Bundesrat ist in seinem erläuternden Bericht

ehrlich: «Die finanziellen Auswirkungen

eines grossen Teils der Massnahmen

können nicht genau quantifiziert

werden (…).» Was hingegen

feststeht: Bis spätestens Ende 2019 geht ein

zweites Massnahmenpaket in die Vernehmlassung.

Schwerpunkte sind dann

die Bereiche Arzneimittel, angemessene

Versorgung und Transparenz. Der VSAO

ist schon heute gespannt aufs Auspacken



Mehr zum Thema:

www2.vsao.ch

Stellungnahmen/Positionen

www.bag.admin.ch

Versicherungen/Krankenversicherung/

Laufende Revisionsprojekte/KVG-Revision:

Massnahmen zur Kostendämpfung

– Paket 1

Nr. 6 Dezember 2018

VSAO JOURNAL ASMAC

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POLITIK

«Nur mit dem VSAO»

Die Themen ähnelten sich, die Gesichter waren grösstenteils vertraut, nicht aber die

Umgebung: Zum ersten Mal fand die Herbstsitzung des Zentralvorstands (ZV) in den neuen

Räumlichkeiten des Zentralsekretariats statt. Im Mittelpunkt der Beratungen standen am

24. November in Bern Diskussionen und Entscheidungen über das weitere Vorgehen bei

einzelnen Strategiemassnahmen.

Catherine Aeschbacher, Chefredaktorin VSAO-Journal. Bilder: Severin Nowacki.

Was in der Strategie 2017 zu Papier gebracht

wurde, erwächst allmählich zum

Leben: Das Projekt Teilzeitarbeit etwa oder

die Entwicklung eines Kommunikationskonzepts.

Zentral ist bei all diesen Projekten,

dass die jungen Ärztinnen und Ärzte

einen direkten Mehrwert erfahren

Das WIR-Gefühl stärken

Kurz vor dem Abschluss steht das Kommunikationskonzept.

Marcel Marti, Verantwortlicher

Politik und Kommunikation,

stellte es vor und erläuterte die Zielsetzungen.

Im Wesentlichen strebt die Kommunikation

zwei Ziele an: Unter dem Schlagwort

«Nur mit dem VSAO» wird die Absicht

zusammengefasst, dass der Verband bei

seinen Kernthemen als unentbehrlich

wahrgenommen wird, sowohl bei den andern

Akteuren wie und vor allem auch bei

den Mitgliedern. Zudem soll das WIR-

Gefühl gestärkt werden: Die Mitglieder

sollen sich mit dem Verband identifizieren;

der Dachverband und die Sektionen

sollen vermehrt zusammenrücken, ebenso

die Sektionen untereinander. Die Forderung,

dass man bei wichtigen Geschäften

vermehrt mit einer Stimme sprechen

solle, sorgte für Stirnrunzeln bei einzelnen

Sektionsvertretern. Es gehe nicht um

Gleichschaltung, sondern um Koordination,

stellte Simon Stettler, Geschäftsführer

des Berufsverbands, richtig. Beabsichtigt

ist eine «Vielfalt in der Einheit». In

erster Linie wird eine Vereinheitlichung

und Verjüngung des Auftritts, beispielsweise

auch eine Präsenz in den sozialen

Medien angestrebt.

Einen Schritt in diese Richtung macht die

Sektion Zürich, welche eine neue Online-

Plattform für Mitglieder lanciert. Das

aufwändige Projekt soll im Februar 2019

starten und einen geschlossenen Raum

bieten, in dem nebst allen möglichen arbeits-

und sachbezogenen Informationen

auch Platz für Austausch und leichtere

Kost ist. Zum Einsatz kommen sämtliche

digitalen Kommunikationsformen. Damit

nicht nur die Mitglieder der Sektion Zürich

diese Plattform nutzen können, gab

der ZV einem Antrag der Zürcher für einen

Datenaustausch zwecks Überprüfung der

Mitgliedschaft statt. Die technischen Details

werden hinsichtlich des Datenschutzes

noch ausgearbeitet.

Vertrautes Procedere, neue Umgebung: Die erste Zentralvorstandssitzung

am Bollwerk 10 in Bern.

Blaupausen und Vorbilder

Das Rad neu zu erfinden ist nicht nur

aufwändig, sondern schlicht sinnlos. Gute

Lösungen zu kopieren oder so zu modifizieren,

dass sie auf die eigenen Gegebenheiten

angepasst werden können, erspart

folglich viel Mühe und Arbeit. Das ist der

Grundgedanke, auf dem das Konzept

«Bauplan Teilzeitklinik» fusst. Um die

Schaffung von Teilzeitarbeit in den Kliniken

zu fördern, sollen erfolgreiche, bereits

existierende Modelle quasi als «Blaupausen»

andern Kliniken zur Verfügung gestellt

werden. Entscheidendes Kriterium ist

dabei natürlich, dass die Kliniken, was

Aufgabe und Organisation angeht, vergleichbar

sind. Zum einen können die

Verantwortlichen auf diese Weise sehen,

dass Teilzeit andernorts funktioniert und

dem oft gehörten Vorurteil «das geht bei

uns nicht» wird die Grundlage entzogen.

Zum andern kann so relativ rasch eine

Neuerung eingeführt werden, die nicht

nur den Bedürfnissen der jungen Ärzteschaft

entspricht. Zunehmend geraten

Kliniken bei der Personalsuche ins Hintertreffen,

wenn sie keine modernen Arbeitszeitmodelle

anbieten.

Die Förderung von Teilzeit gehört zu den

Strategiemassnahmen des VSAO. Das

Konzept «Bauplan Teilzeitklinik» überzeugte

die ZV-Delegierten und sie stimmten

der Umsetzung zu, welche im kommenden

Frühjahr beginnen soll.

Unerlässliches Instrument bei allen Massnahmen

im Bereich Arbeitsbedingungen

ist die Dienstplanberatung. Die bislang

wohl erfolgreichste Dienstleistung des

VSAO geniesst gleichermassen hohes Ansehen

bei den Sektionen und den Spitälern.

Da die Nachfrage sehr gross ist, droht

die Dienstplanberatung Opfer des eigenen

Erfolgs zu werden. In einem Workshop

sollen alle Fragen rund um diese Dienstleistung

erörtert und die künftige Marschrichtung

bestimmt werden.

10 VSAO JOURNAL ASMAC Nr. 6 Dezember 2018


POLITIK

Die Kommunikation funktioniert: VSAO-Präsidentin Anja Zyska (Mitte), Patrizia Kündig (Vizepräsidentin) und

Angelo Barrile (Vizepräsident) im Austausch mit den ZV-Delegierten.

Neu im

Geschäftsausschuss

Helen Manser

Mitglied der Geschäftsleitung der

Sektion Zürich

Assistenzärztin bei sihldoc4kids,

Praxis für Kinder- und Jugendmedizin

Vorbilder und Blaupausen sind ebenso

gefragt, wenn es um den Kampf gegen die

überbordende Bürokratie geht. Die Kampagne

«Medizin statt Bürokratie!» läuft

weiter: Im September wurde im Bundeshaus

ein erfolgreicher Anlass für Parlamentarierinnen

und Parlamentarier

durchgeführt. Insbesondere die anwesenden

Assistenzärzte, die den Politikern aller

Couleur einen Einblick in ihre tägliche

Arbeit gaben, öffneten vielen die Augen

und wurden zu Sympathieträgern. Die

Kontakte zu den damals anwesenden National-

und Ständeräten werden nun vertieft.

Zugleich soll die Kampagne aber

vermehrt in die und von den Sektionen

getragen werden. Sie alle sind aufgerufen,

vorbildliche Massnahmen zum Abbau des

bürokratischen Überhangs zu melden.

Diese sollen dann für andere Kliniken

wiederum als Blaupausen dienen. Im Weiteren

soll auch die Spitalrose 2019 an ein

Spital oder eine Klinik vergeben werden,

welche sich auf diesem Gebiet speziell verdient

gemacht hat.

Die ZV-Delegierten wählten einstimmig

eine neue Vertreterin in den Geschäftsausschuss

(GA). Mit Helen Manser, Vorstandsmitglied

der Sektion Zürich, zieht nicht

nur ein mit der lokalen Verbandsarbeit

bestens vertrautes Mitglied in das nationale

Exekutivgremium ein. Da Helen seit

zwei Jahren regelmässig als Gast an den

Sitzungen des GA teilnimmt, ist ihr dessen

Arbeit bereits geläufig (s. Kasten). Schliesslich

bestimmte der ZV noch neue ordentliche

und Ersatzdelegierte für die Ärztekammer.

Anpassung

an Realität nötig

Gesetzesänderungen oder gesellschaftliche

Entwicklungen machen Anpassungen

nötig. Das betrifft zum Beispiel die VSAO

Stiftung für Selbständigerwerbende. Seit

Kurzem kann eine neue Form der Kadervorsorge

(sog. 1e-Vorsorgelösung) angeboten

werden. Heinz Wullschläger, Geschäftsführer

der VSAO Stiftung für Selbständigerwerbende,

machte deutlich, dass

auch seine Stiftung diesen Zug nicht

verpassen will. Ungefähr 25 Prozent der

bei der Stiftung Versicherten könnten von

einer solchen Möglichkeit Gebrauch machen.

Angestrebt wird nicht die Gründung

einer weiteren VSAO-Stiftung, sondern ein

Anschluss an einen bereits bestehenden

Anbieter. Momentan wird eine entsprechende

Lösung ausgearbeitet. Da der Zentralvorstand

im kommenden April darüber

beschliessen muss, werden Vertreter

des Zentralsekretariats und der Sektionen

in der Arbeitsgruppe Einsitz nehmen.

Ja zur Statutenänderung

Auf gesellschaftlichen Veränderungen

beruhte das wichtigste Traktandum, über

welches an der Delegiertenversammlung

von MEDISERVICE VSAO-ASMAC zu beschliessen

war. Da zunehmend mehr Mitglieder

der Dienstleistungsorganisation in

Gruppenpraxen arbeiten, wurde eine Änderung

bei den Mitgliederkategorien und

somit der Statuten nötig. Die Delegierten

stimmten dieser Anpassung ebenso einstimmig

zu wie dem Budget und der Vereinfachung

der Struktur bei Budget und

Reporting. Die Delegiertenversammlung,

welche wie üblich in die Sitzung des Zentralvorstands

eingeschoben wurde, stand

erstmals unter der Leitung des neuen Präsidenten

Daniel Schröpfer, für den es nach

Jahren als VSAO-Präsident ein Heimspiel

war.


Nr. 6 Dezember 2018

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WEITERBILDUNG / ARBEITSBEDINGUNGEN

Orientierungshilfe im Dschungel

der Arztberufe

Spital oder Praxis? Das war früher die grosse Frage. Heute ist das Betätigungsfeld für Ärzte so

breit gefächert, dass eine vertiefte Beschäftigung mit den Jobmöglichkeiten und Karrierewegen

ratsam ist. Dafür gibt es den MEDIfuture-Kongress. Gestandene Fachärztinnen und Fachärzte

berichteten über ihre beruflichen Erfahrungen und gaben den über 300 Jungärzten wertvolle

Tipps für den Berufsweg.

Dr. med. Alan Niederer, Wissenschaftsredaktor NZZ. Bilder: Micha Riechsteiner.

Du bist Arzt? Dann brauchst du dir wenigstens

keine Sorgen um die Zukunft zu machen.

So denken viele. Arbeitslosigkeit

scheint nahezu ein Ding der Unmöglichkeit,

das Einkommen ist je nach Gebiet

und Tätigkeit ansehnlich. Für Medizinstudenten

und Jungärzte könnte die Wahl des

Fachgebiets und der Arbeitssituation also

relativ klar sein. Doch der Verdienst ist bei

der Berufswahl nur eines von vielen Kriterien.

Aus Studien weiss man zudem, dass

gerade zu Beginn der Karriere die meisten

Mediziner mehr von idealistischen denn

materiellen Motiven getrieben sind.

Was also wählen? Und wenn ich schon

weiss, was ich werden will: Wie erreiche

ich mein Ziel am besten? Zu solchen Fragen

gab auch die zwölfte Ausgabe des

beliebten MEDIfuture-Kongresses wiederum

viele nützliche Inputs. Organisiert

vom VSAO und der Dienstleistungsorganisation

MEDISERVICE, fand die Veranstaltung

am 3. November im Stade de Suisse

in Bern vor vollbesetzten Reihen statt.

Durch den Tag führte der Journalist Daniel

Lüthi, der mit seiner kompetenten

und unterhaltsamen Moderation viel zum

Gelingen des Anlasses beitrug.

Christoph Hänggeli vom Schweizerischen

Institut für ärztliche Weiter- und Fortbildung

(SIWF) sprach über die Anforderungen

auf dem Weg zum Facharzttitel. «Eine

gute Planung ist die halbe Miete», sagte

Hänggeli. Dabei gelte es zu beachten, dass

fast alle der 45 Facharzttitel heute auch in

Teilzeit erreicht werden könnten. Das minimale

Pensum betrage allerdings 50

Prozent und die kürzeste Weiterbildungsperiode

sechs Monate. Ausnahmen könnten

wegen des Gebots der Rechtsgleichheit

kaum je gewährt werden.

Laut dem Weiterbildungsspezialisten werden

Auslandaufenthalte grosszügig an die

geforderte Zeit angerechnet. Die Einsätze

müssten aber in anerkannten Institutionen

stattfinden. «Es ist sinnvoll, diese

Frage frühzeitig zu klären», betonte

Hänggeli. Für die anerkannten Weiterbildungsstätten

in der Schweiz verwies er auf

die Website des SIWF.

Herzblut ist gefragt

Um den Facharzttiteln ein Gesicht zu geben,

wurden einige näher vorgestellt. Sven

Streit präsentierte den beliebtesten Titel

überhaupt, jenen für allgemeine innere

Medizin, der für den Beruf des Hausarztes

prädestiniert. Die entsprechende Fachgesellschaft

zählt rund 7000 Mitglieder. Er

sei froh, dass das Berufsziel Hausarzt wieder

attraktiv sei, sagte Streit. In seiner

Studienzeit habe man sich das nur zugeflüstert,

denn die grosse Mehrheit habe

sich für ein Spezialgebiet interessiert, das

mehr Prestige versprochen habe. Arthur

Helbling stellte die Schweizerische Gesellschaft

für Allergologie und Immunologie

und den entsprechenden Facharzttitel vor.

Den Jungärzten riet er: «Bei der Wahl des

Titels sollte uns nicht das Geld regieren.»

Es brauche vor allem Herzblut.

Stefan Bützberger berichtete über seine

Begeisterung für die physikalische Medizin

und Rehabilitation. Alexander Minzer

hob die Bedeutung der psychosomatischen

Medizin hervor, die mehr sei als

«nichts». Er spielte damit auf die Beurteilung

vieler Berufskollegen an, die, wenn

sie für die vorgebrachten Beschwerden

keine organische Ursache fänden, dem

Patienten lapidar sagen: «Es isch nüt.» Im

Gegensatz zu den anderen Fachgebieten

kann für die psychosomatische Medizin

kein Facharzttitel, sondern ein Fähigkeitsausweis

erlangt werden.

Den Weg zum Facharzttitel ebnet eine gute Planung: Christoph Hänggeli

vom SIWF orientiert über die wichtigsten Grundsätze.

Herzblut und Begeisterung: Davon war an

diesem Samstag viel die Rede. Und von

ärztlichen Vorbildern. Ein solches ist die

Gynäkologin Franziska Maurer Marti

zweifellos. Sie hat nicht nur in der Medizin

Karriere gemacht, sondern auch erfolgreich

Beruf und Familie unter einen Hut

gebracht. Zudem hat sie auch heute noch

sichtlich Spass an ihrem Beruf.

12 VSAO JOURNAL ASMAC Nr. 6 Dezember 2018


WEITERBILDUNG / ARBEITSBEDINGUNGEN

Hausärztin oder Herzchirurg? Ein interessiertes Publikum hörte zu, fragte

nach und diskutierte mit.

In einem witzigen Vortrag erzählte sie, wie

sie als Kind der 68er-Generation aufwuchs

und den gesellschaftlichen und

politischen Umbruch jener Zeit miterlebte.

Als durchsetzungsstarke und kommunikative

Persönlichkeit hat sie später ihren

Weg von der Assistenzärztin zur Chefärztin

der Frauenklinik am Bürgerspital

Solothurn gemacht. Bis es so weit war,

musste die frühere Chefärztin in Grenchen

aber erst noch die beiden Frauenkliniken

und damit zwei Kulturen zusammenführen.

Es sei nicht immer einfach gewesen, resümierte

Maurer Marti ohne Nostalgie. Als

Oberärztin habe sie «gelitten, geheult und

geflucht, aber auch viel gelernt», zum

Beispiel Verantwortung zu übernehmen.

Und später, in der Chefetage, habe sie «das

Schwimmen im Haifischbecken gelernt».

Was ist ihr Fazit? Man müsse sich im Beruf

entscheiden, denn «alles geht nicht». Ihre

Schwerpunkte sind die Klinikführung,

eine qualitativ hochstehende Medizin für

die Patientinnen – und das eigene Familienleben.

«Für Forschung bleibt da keine

Zeit», sagte die Gynäkologin.

alle es von mir erwarten?» Er wollte es

selber. Inzwischen hat er die väterliche

Praxis zu einer Gemeinschaftspraxis umgebaut.

An seiner Tätigkeit schätzt er nicht

nur das breite medizinische Spektrum,

das für Abwechslung sorge. Er ist auch

gerne die Vertrauensperson für seine Patienten.

Im Gegensatz zu den Spitalärzten

habe er auch mehr Zeit für die Patienten,

da der administrative Aufwand in der Praxis

geringer sei. Und Negativpunkte? Als

Hausarzt fühle er sich gelegentlich «aussen

vor», weil viele wichtige Entscheide für

die Patienten im Spital gefällt würden.

Um Einfluss ging es auch im Referat von

Marcel Marti, stellvertretender VSAO-Geschäftsführer,

und Nationalrat Angelo

Barrile, Co-Vizepräsident VSAO. Sie sprachen

davon, wie man VSAO-Themen wie

ärztliche Weiterbildung, Arbeitsbedingungen

oder Gesundheitspolitik in die Bundespolitik

einbringt. Aktuell läuft zum

Beispiel die Kampagne «Medizin statt

Bürokratie». Damit soll der Entwicklung

begegnet werden, dass Assistenzärzte heute

nur noch ein Drittel ihrer Arbeitszeit für

den Patienten einsetzen können.

Barrile sprach auch über die «Grosswetterlage»

unter der Bundeshauskuppel.

Viele Politiker hätten zwar Sympathien für

die jungen Ärzte, sagte er. Doch es dominiere

derzeit «die andere Seite». Damit

Nr. 6 Dezember 2018

Breite statt Tiefe

Wer als Kongressteilnehmer nicht die

fachliche Spezialisierung, sondern die

medizinische Breite suchte, fand im Sempacher

Hausarzt Cyrill Bühlmann ein

passendes Beispiel. Aus einer Ärztefamilie

stammend – schon der Vater war Hausarzt

in Sempach –, habe er seit Kindertagen

zu hören bekommen, er werde Arzt. Sogar

seine Lehrerin in der Primarschule habe

gesagt: «Du bist noch nicht Arzt, also

schreib bitte schöner!»

Bühlmann fragte sich: «Will ich wirklich

Medizin studieren, oder mache ich es, weil

VSAO JOURNAL ASMAC

13


WEITERBILDUNG / ARBEITSBEDINGUNGEN

buhlten auch Privatkliniken sowie Dienstleister

für Ärztebedarf, Standesorganisationen

und Pharmaunternehmen um die

jungen Talente. «Starten Sie bei uns Ihre

ärztliche Laufbahn», stand am Stand des

Inselspitals. Noch selbstbewusster verkündete

das Universitätsspital Zürich: «Wir

schreiben Medizingeschichte, die andere

lesen.»

Junge Ärztinnen und Ärzte sind begehrt: Kliniken und NGOs buhlen ebenso

um ihre Aufmerksamkeit wie Fachgesellschaften oder Dienstleister aller Art.

meinte er, dass viele Politiker die Ärzteschaft

als egoistisch wahrnehmen, sie

würde nur dann laut werden, wenn es um

ihr Einkommen gehe. Zur aktuellen

Lohnstudie des Bundes sagte Barrile, dass

dabei die Assistenzärzte nicht berücksichtigt

worden seien; mit ihnen wäre das

mittlere Einkommen deutlich tiefer ausgefallen.

Neben gestandenen Ärztinnen und Ärzten

sprachen auch andere Berufsleute zu den

Jungärzten. Eine Anwältin referierte zum

Thema maximale Arbeitszeiten und Überzeitenregelung

und Fachleute aus der

Personalabteilung der Solothurner Spitäler

erklärten, wie man sich heute richtig

bewirbt: Welche Nebenbeschäftigungen

und Erfahrungen interessieren Chefärzte

und HR-Spezialisten und was lässt man

lieber weg?

Kein Schwarz und Weiss

Ernst Herzig vom Pharmaunternehmen

Mundipharma griff mit seinem Thema

«Zusammenarbeit Ärzteschaft und Pharmaindustrie

– Chancen und Gefahren»

das heikelste Thema des Tages auf. Im

An dieser Stelle danken wir allen Sponsoren und Ausstellern,

namentlich Mundipharma, ganz herzlich für

ihre Unterstützung. Ebenso danken wir den Referentinnen

und Referenten. Ohne sie wäre MEDIfuture 2018

nicht zustande gekommen. Der nächste MEDIfuture-

Kongress findet am 2. November 2019 wiederum im

Stade de Suisse in Bern statt.

Gespräch mit einem Hausarzt erklärte der

Verkaufschef das Geschäftsmodell der

Pharmabranche. Dass dieses Modell in

früheren Zeiten für einige Skandale sorgte,

weil die Industrie mit ethisch heiklen

Mitteln wie Direktzahlungen und Einladungen

zu Luxusreisen ihren Einfluss auf

die Ärzteschaft vergrösserte, blendete der

Pharmavertreter nicht aus.

«Diese Zeiten sind aber vorbei», betonte

Herzig. Heute sei die professionelle Zusammenarbeit

durch Gesetze (HMG, KVG) und

Richtlinien (SAMW, Kodex der Industrie)

«zwei- bis dreifach abgesichert». Sein Gesprächspartner,

der Hausarzt, sagte, dass

er in seiner Einzelpraxis fünf bis zehn Mal

im Jahr einen Ärztebesucher empfange

und diesen Kontakt schätze. Von der Industrie

erwarte er aber, dass sie respektiere,

dass Ärzte unabhängig entscheiden

wollen, welche Medikamente sie ihren

Patienten verschreiben.

Dass es in der Zusammenarbeit zwischen

Ärzteschaft und Pharmaindustrie kein

einfaches Schwarz und Weiss gibt, machte

Herzig anhand eines weiteren heissen

Politikums deutlich: der gesponserten

Weiterbildung. Obwohl viele Mediziner der

Meinung seien, die Pharmaindustrie nehme

zu viel Einfluss auf die ärztliche Weiterbildung,

sei die Mehrheit nicht bereit,

diese aus dem eigenen Sack zu zahlen.

Herzigs Kommentar: «Unabhängigkeit

hat seinen Preis.»

Wie heiss begehrt der ärztliche Nachwuchs

ist, zeigte sich auch in der Kongressausstellung,

die über 40 Stände umfasste.

Neben Kantons- und Universitätsspitälern

Einsatz und Begeisterung

Spannend war auch das Gespräch mit

dem bekannten Herzchirurgen Thierry

Carrel. Ursprünglich habe er einen Bauernhof,

eine grosse Familie und Tiere

haben wollen, sagte er. Es sei dann alles

etwas anders gekommen. Seine Lehrer am

Spital hätten ihn für die Herzchirurgie

begeistert. Carrels Fazit: «Man muss die

Freiheit haben, Umwege zu machen.»

Auch der Starchirurg äusserte sich kritisch

über die Zunahme der administrativen

Aufgaben im Spital: «Krankenkassen und

Politik wollen immer genauer wissen, was

wir machen und warum.» Vor der Kostendiskussion

müsse aber die Diskussion um

die Qualität geführt werden, betonte Carrel.

Andere Dinge haben sich seiner Meinung

nach aber auch zum Besseren entwickelt.

So begrüsste der Chirurg ausdrücklich

die heutigen Arbeitszeiten.

«Früher waren sie unsinnig, krankhaft.»

Auf welche Eigenschaften schaut er bei

seinen Assistenzärzten? «Wir geben ihnen

ein Jahr Beobachtungszeit», sagte Carrel.

Dabei schaue er vor allem auf die Motivation

und die Faszination für das Fachgebiet.

Natürlich brauche es auch etwas

manuelles Geschick und ein gutes dreidimensionales

Vorstellungsvermögen.

«Denn ohne Blut wird das Herz zu einem

Sack.» Da könne die Orientierung schwierig

sein.

Frauke Jochims gewährte einen ebenso

faszinierenden wie aufwühlenden Einblick

in die Arbeit bei Médecins Sans Frontières

(MSF). Sie ist seit 1999 bei der medizinischen

Notfallorganisation dabei

und hat schon viele Einsätze als Feldärztin

und Tbc-Spezialistin absolviert. Wie

sie erzählte, wurde MSF 1971 als Antwort

auf die Schrecken des Biafra-Kriegs in

Nigeria von 20 jungen Männern gegründet.

Die unabhängige und unparteiische

Organisation sollte ein Sprachrohr für

Menschen in Not sein. Heute zählt sie über

45 000 Mitarbeiter und ist in 73 Ländern

tätig.


14 VSAO JOURNAL ASMAC Nr. 6 Dezember 2018


WEITERBILDUNG / ARBEITSBEDINGUNGEN

Auf den PUNKT gebracht

Die gute Frau Doktor

Was macht eine gute Ärztin aus? Theoretisches

Wissen? Natürlich, das ist notwendig.

Allerdings müssen wir bei der heutigen

Masse an Wissen vor allem wissen, wo

nachschauen. Manuelles Geschick? Kann

nie schaden. Erfahrung? Stets von Vorteil.

Doch letztlich behandeln wir Patienten;

Menschen, die uns Vertrauen schenken

(müssen) und sich Hilfe von uns erhoffen.

Deshalb, glaube ich, ist Empathie ganz

entscheidend.

Die Schwierigkeit dabei ist, dass all die

anderen Punkte wesentlich einfacher zu

vermitteln, zu erwerben und zu messen

sind.

Die Medizin wird immer moderner, technischer,

schneller, präziser. Man kann

Patrizia Kündig, Vizepräsidentin VSAO

heute fast immer «noch etwas machen»;

die Möglichkeiten, scheint mir manchmal,

sind fast unbegrenzt. Früher musste

man Patienten bald einmal sagen, dass

ihnen die Medizin nicht mehr helfen könne.

Man musste sich mit ihren Leiden

auseinandersetzen, ihnen diese erklären,

ihnen vielleicht im Umgang mit den

Krankheiten helfen und menschlich beistehen.

Heute bietet man ihnen einfach

die nächste Therapie oder Operation an

oder überweist sie an den nächsten Spezialisten.

Das Menschliche, die Bedürfnisse

der Kranken, ihr Umgang mit der Situation

treten dabei teilweise in den Hintergrund.

Meist schätzen es die Patienten, wenn

man sich etwas Zeit für sie persönlich

nimmt, mal einen Moment nicht über die

nächste medizinische Prozedur spricht,

Anteilnahme zeigt. Doch wie vermittelt

man das den Assistenzärztinnen und

-ärzten? Wo hat Empathie Platz in der

Weiterbildung? Mit dem Bestreben, die

Aus- und Weiterbildung noch moderner,

objektiver und vergleichbarer zu gestalten,

werden Evaluationsformate wie OSCE,

DOCE, Mini-CEX, DOPS und dergleichen

etabliert. Prüfungen finden mit Schauspielern

statt, welche die Kranken mimen.

Dabei verliert aber das Menschliche, das

eben oft unstrukturiert, wenig objektiv

und nicht planbar ist, zunehmend an Bedeutung.

Auch Untersuchungen belegen,

dass Expertise und Kommunikationskompetenz

schwierig in Checklisten abzubilden

sind. Entsprechend kontrovers

diskutiert wird die Beurteilung dieser Fähigkeiten

im Bereich der Medical Education.

Trotzdem wünsche ich mir nicht das

Schreibmaschinenzeitalter zurück. Genauso

wie der Computer und moderne

Kommunikationsmittel ihre Vorteile haben,

haben auch die neuen Hilfsmittel für

Evaluationen ihre guten Seiten. Analog

zur Forderung des VSAO «Medizin statt

Bürokratie!» plädiere ich jedoch dafür,

dem Menschlichen gelegentlich etwas

mehr Raum zu geben (vielleicht nach

dem Motto «Empathie statt Checklisten!»).

Schauen wir unseren Patienten

doch ab und zu in die Augen, versuchen

wir, sie als Ganzes zu sehen und ihnen das

Gefühl von Sicherheit und Aufgehobensein

zu vermitteln. Anstatt nur abzuhaken,

ob der Assistenzarzt alle Symptome

erfragt hat und die Medikamentenliste

vollständig ist, könnte man auch den Umgang

(so wenig greifbar und konkret zu

definieren dieser Begriff ist) mit den Kranken

beurteilen. Schliesslich sind wir Ärztinnen

und Ärzte und nicht Manager von

Laborwerten und Röntgenbildern. Und

gut sein sollte für uns eben mehr heissen

als checken und verwalten. ■

Nr. 6 Dezember 2018

VSAO JOURNAL ASMAC

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WEITERBILDUNG / ARBEITSBEDINGUNGEN

A B C D E F ...

a b c d e f ...

LESEN LERNEN

Gutes Mittelmass

Lukas Staub, klinischer Epidemiologe, Redaktionsmitglied des VSAO-Journals

Zur Beschreibung von quantitativen Daten

verwenden wir statistische Masszahlen,

welche die Lage und Streuung der Daten

darstellen. Die zwei wichtigsten Masszahlen

der mittleren Lage sind der Mittelwert

(engl. mean) und Median (median).

Der Mittelwert ist der Durchschnitt

(arithmetisches Mittel) der Daten, also die

Summe aller beobachteten Werte dividiert

durch die Anzahl der Beobachtungen.

Der Median, auch Zentralwert genannt,

ist der Rangmittelpunkt der nach Grösse

geordneten beobachteten Werte. Falls eine

gerade Anzahl Beobachtungen vorliegt,

werden die zwei der Mitte am nächsten

liegenden Werte gemittelt (siehe Beispiel 2

in der Tabelle).

In guten Publikationen werden beide

Masszahlen präsentiert, da deren Vergleich

sehr informativ sein kann. Der

Mittelwert wird von einzelnen Werten beeinflusst,

die deutlich höher (oder niedriger)

als der Rest der Daten liegen.

Der Median hingegen ist gegenüber solchen

Ausreissern robust. Sind der Mittelwert

und Median gleich, liegt vermutlich

eine symmetrische Verteilung vor (z.B.

eine Normalverteilung, Beispiel 1); sind sie

unterschiedlich, ist von einer schiefen

Verteilung auszugehen (Beispiel 2). ■

Mittelwert

Median

Definition Arithmetisches Mittel der Daten Zentralwert, der die Daten in die obere und

untere Hälfte unterteilt

Eigenschaften

Fasst alle beobachteten Werte rechnerisch

zusammen

Gibt einen typischen Wert im Zentrum der

Verteilung wieder

Beispiel 1:

Symmetrische Verteilung

Daten: 2, 3, 3, 5, 8, 10, 11

Mittelwert = 6

Daten: 2, 3, 3, 5, 8, 10, 11

Median = 5

Beispiel 2:

schiefe Verteilung

Daten: 2, 2, 3, 3, 5, 7, 8, 130

Mittelwert = 20

Daten: 2, 2, 3, 3, 5, 7, 8, 130

Median = 4

Feedback-Pool

(D)ein kleiner, aber wertvoller

Beitrag für eine gute

Weiter- und Fortbildung

Um im Bereich der ärztlichen Weiter- und Fortbildung Meinungen

unserer Mitglieder zu einem Thema einholen zu

können, wurde der Feedback-Pool eingerichtet.

Macht mit, und helft dem VSAO damit, den Horizont im Ressort

Weiterbildung etwas zu erweitern und Überlegungen

breiter abzustützen.

Weitere Infos unter www.vsao.ch und Anmeldung per E-Mail

an ribeaud@vsao.ch.

Deine Erfahrung zählt!

Visitationen bilden ein Element für das Überprüfen und Sicherstellen

der Weiterbildungsqualität an einer Weiterbildungsstätte.

Ein Visitationsteam, bestehend aus Vertretern des

SIWF, der entsprechenden Fachgesellschaft und des VSAO,

besucht die Klinik; vor Ort können die Umsetzung des Weiterbildungskonzeptes

und die Verhältnisse überprüft werden. Ziel

ist es, im Sinne einer positiv-konstruktiven Rückmeldung

mögliche Verbesserungspotenziale zu erkennen und zu nutzen.

Assistenz- und Oberärztinnen und -ärzte, die gerne für den

VSAO Visitationen begleiten möchten, melden sich bei Sabrina

Ribeaud, unserer Sachbearbeiterin für Weiterbildung/Visitationen

im VSAO (ribeaud@vsao.ch).

16 VSAO JOURNAL ASMAC Nr. 6 Dezember 2018


WEITERBILDUNG / ARBEITSBEDINGUNGEN

Gut betreut zum Ziel

Den Weiterbildungsgang Allgemeine Innere Medizin (AIM) in klare Bahnen lenken will das neue

Berner Curriculum. Assistenzärztinnen und -ärzte, welche dieses Programm absolvieren, profitieren

von einem langjährigen Mentoring und einer individuellen Karriereberatung. Ob künftiger Spitalinternist

oder angehende Hausärztin – allen stehen erfahrene Mentorinnen und Mentoren zur Seite.

Cornelia Biner, Beatrice Diallo, Patricia Baud, Christine Roten, Kristina Tänzler,

Fachärztinnen für Allgemeine Innere Medizin und Mentorinnen des Berner Curriculums für Allgemeine Innere Medizin

Unser Gesundheitssystem braucht Generalisten,

besonders angesichts des Mangels

an Hausärzten und Spitalinternisten.

Zwar ist die Weiterbildung zum

Facharzttitel für Allgemeine Innere

Medizin (AIM) sehr flexibel und kann

in vielen Weiterbildungsstätten absolviert

werden, gleichzeitig ist sie aber mit

einer durchschnittlichen Weiterbildungsdauer

von acht bis neun Jahren

häufig auch unkoordiniert und fragmentiert.

Deswegen sind ein longitudinales

Mentoring und eine individuelle

Karriereberatung besonders wichtig. Im

Mai 2018 startete das Berner Curriculum

für Allgemeine Innere Medizin (BECAIM)

in Zusammenarbeit zwischen dem Universitätsspital

und den Landspitälern der

Insel Gruppe AG sowie dem Berner Institut

für Hausarztmedizin (BIHAM). Mit

136 Rotationsplätzen in 25 Fachgebieten

ist es das grösste Curriculum für Assistenzärzte

auf dem Weg zum Facharzt für

AIM in der Schweiz. Das Interesse und

die Anzahl Bewerber sind steigend, und

es stellen sich bei Bewerbungs- und Mentoringgesprächen

verschiedene Fragen,

die an dieser Stelle beantwortet werden

sollen.

Ziele und Beschreibung

Was ist das BECAIM und welche Ziele

hat es?

Das Berner Curriculum AIM umfasst eine

vollständige und strukturierte bis fünfjährige

Weiterbildung zum Facharzt für Allgemeine

Innere Medizin gemäss aktuellem

Weiterbildungsprogramm. Es ist

zweistufig aufgebaut und flexibel und

passt sich somit an persönliche Weiterbildungsziele

wie auch an private und familiäre

Bedürfnisse an. Generalisten werden

auf ihrem Weg zum Facharzttitel von erfahrenen

Mentorinnen und Mentoren

langfristig begleitet und bei ihrer Karriereplanung

unterstützt.

Welche Vorteile hat die Teilnahme für

mich?

• Durch die Aufnahme in das BECAIM

erhalten die Kandidaten folgendes Angebot:

• Exklusive Karriereberatung und -planung

aus einer Hand bis zum Facharzttitel AIM

• Strukturierte Ausarbeitung der Weiterbildung

nach den Wünschen der Kandidaten

• Persönliche Mentoringgespräche durch

erfahrene Fachärzte des BIHAM und

der KAIM

• Zugang zu attraktiven Rotationstellen

ambulant und stationär (am BIHAM

und an der KAIM)

• Zugang zu wertvollen theoretischen

und praktischen Weiterbildungen

• Karriereoptionen und Begleitung ins

Berufsleben (Praxis oder Spital) durch

Mentorinnen und Mentoren auch nach

Erreichung des Facharzttitels

Voraussetzungen:

Wer kann sich bewerben?

Das BECAIM steht allen Assistenzärztinnen

und -ärzten mit dem Weiterbildungsziel

AIM offen, unabhängig von ihrem

Weiterbildungsstand. Sowohl Mediziner

ab Staatsexamen wie auch Assistenzärzte

mit beruflicher Vorerfahrung können daran

teilnehmen.

Muss ich meinen Wohnsitz im Kanton

Bern haben, um mich zu bewerben?

Nein. Eine Bewerbung ist auch von ausser-

Aufbau des Berner Curriculum für Allgemeine Innere Medizin AIM

1. JAHR

Allgemeine Innere

Medizin, Landspital

Münsingen, Riggisberg,

Aarberg*

4./5. JAHR

CURRICULUM

HAUSARZT/-ÄRZTIN

– Praxisassistenz

– HNO, Dermatologie, Psychiatrie,

Pädiatrie, Nephrologie, Notfall

– Ambulante Onkologie, Hämatologie,

Kardiologie, Diabetologie

– Chirurgie

– Forschung

– Sonografie

STUDIUM MEDIZINISCHE FAKULTÄT BERN

(oder andere Uni)

BASISWEITERBILDUNG

2. JAHR

Stationäre Allgemeine

Innere Medizin, Universitätsklinik

für Allgemeine

Innere Medizin, Inselspital*

*oder anderes Spital

3. JAHR

Notfallzentrum Inselspital/Medizinische

Poliklinik/Praxisassistenz

4./5. JAHR

CURRICULUM

SPITALINTERNIST/-IN

– Intensivstation

– Bettenstationen Onkologie,

Palliativmedizin, Pneumologie,

Kardiologie, Neurologie,

Nephrologie

– Polikliniken Hepatologie, Infektiologie

– Forschung

– Sonografie

FACHARZT/-ÄRZTIN ALLGEMEINE INNERE MEDIZIN AIM

Praxisübernahme, Oberarztfunktion, Akademische Karriere (Forschung, Lehre)

Nr. 6 Dezember 2018

VSAO JOURNAL ASMAC

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WEITERBILDUNG / ARBEITSBEDINGUNGEN

halb des Kantons Bern möglich. Jedoch

sind die Partnerspitäler des BECAIM alle

innerhalb des Kantons Bern.

Welche Vorerfahrung muss ich mitbringen,

um mich bewerben zu können?

Ein Einstieg ist jederzeit möglich, auch

nach begonnener Weiterbildung. Auch

schon während des Medizinstudiums

können die Kandidaten vom Mentoring

z.B. für die Planung der ersten Stellen

profitieren.

Kann ich mich bewerben, wenn ich

meine Weiterbildung in einem anderen

Fach begonnen habe?

Ja, es sind auch Assistenzärzte nach ihrer

bereits begonnenen Weiterbildung willkommen.

Je nach Vorerfahrung kann

diese angerechnet werden für die Weiterbildung

gemäss Weiterbildungsprogramm

SIWF. Bei Vorerfahrung in einem Spital

ausserhalb der Inselgruppe oder in einem

anderen Fach wird das Curriculum individuell

angepasst, je nach Weiterbildungsstand.

Welche Fristen muss ich für die Bewerbung

einhalten?

Es gibt keine Frist für die Bewerbung am

Curriculum selber, die Anmeldung kann

jederzeit erfolgen. Eine Bewerbung in den

einzelnen Spitälern muss jedoch separat

und zusätzlich erfolgen, idealerweise

gleichzeitig mit der Bewerbung fürs Curriculum.

Mit welchen Spitälern arbeitet das

BECAIM zusammen?

Die Anstellungen im Rahmen des Berner

Curriculums erfolgen mittels spezifischer

Arbeitsverträge zu den jeweiligen Rotationsstellen.

Die primären Partnerspitäler

des Curriculums sind:

• die Landspitäler der Inselgruppe AG,

d.h. die Spitäler Aarberg, Münsingen

und Riggisberg

• die Universitätsklinik für Allgemeine

Innere Medizin, House-Staff.

Weiter bietet das Curriculum durch das

BIHAM z.T. auch Rotationsstellen an anderen

Spitälern an.

Wann muss man sich definitiv entscheiden,

ob man das Ziel Hausarzt

oder Spitalinternist wählt?

Sobald dies in der Karriereplanung klar

ist: Je früher, desto besser, so kann die

Planung des Curriculums individuell angepasst

werden und ein allfälliger Wechsel

zu einem zum Karriereziel passenden

Mentor erfolgen.

Verpflichtungen

Welche Verpflichtungen gehe ich bei der

Teilnahme am BECAIM ein?

Die Kandidaten verpflichten sich mit der

Teilnahme am BECAIM, regelmässig

• an Mentoringgesprächen und

Teachings teilzunehmen,

• an Evaluationen (per E-Mail/Brief)

teilzunehmen,

• gemeinsam vereinbarte Rotationsstellen

anzutreten.

Was passiert, wenn ich das Curriculum

vorzeitig abbreche?

Ein Ausstieg ist grundsätzlich möglich

unter Einhaltung der vereinbarten Kündigungsfristen

des Arbeitsvertrages. Die

Anrechnung an die Facharztweiterbildung

erfolgt entsprechend den SIWF-Regelungen.

Betreuung

Wer betreut mich während des BECAIM?

Die Kandidaten erhalten entsprechend

ihrem Karriereziel einen fixen ärztlichen

Mentor zugeteilt. In regelmässigen Gesprächen

wird eine Standortbestimmung

durchgeführt und die weitere Rotationsplanung

gemäss Wünschen und Möglichkeiten

definiert. Die Mentoren kennen die

Bedingungen zur Erlangung des Facharzttitels

Allgemeine Innere Medizin und

können die Kandidaten optimal darauf

vorbereiten. Ausserdem engagieren sich

die Mentoren für die Vereinbarkeit von

Beruf und Familie.

Wer hilft mir bei der Planung meiner

Weiterbildung im BECAIM?

Der zuständige Mentor, welcher je nach

Angabe des Karriereziels zugeteilt wird.

Was beinhaltet das Mentoring?

Ein persönliches und aktives Mentoring

durch im Spital oder in der Hausarztpraxis

tätige Generalisten begleitet die Teilnehmer

durch das ganze Curriculum.

Zusammen mit dem Mentor wird die aktuelle

Situation des Kandidaten analysiert

und mit ihm zusammen definiert, was die

nächsten Schritte in seiner Weiterbildungsplanung

sind.

Arbeitspensum/

Unterbrüche

Gibt es die Möglichkeit, Teilzeit zu

arbeiten?

Teilzeitstellen und Jobsharings sind

möglich. Das Mindestpensum beträgt

aber 50 Prozent. Die beiden Tracks (die

dreijährige Basisweiterbildung AIM sowie

die zweijährige Aufbauweiterbildung)

sind flexibel, modular und durchlässig

gestaltet und ermöglichen eine weitestgehend

individuell angepasste Weiterbildung.

Welche Fächer

bietet das Berner

Curriculum AIM?

• Allgemeine Innere Medizin

(Poliklinik)

• Allgemeine Innere Medizin

(stationär)

• Angiologie

• Chirurgie

• Dermatologie

• Endokrinologie

• Gastroenterologie/Hepatologie

(stationär)

• Hämatologie

• Hepatologie (Ambulatorium)

• Herzgefässchirurgie

• HNO

• Infektiologie

• Intensivmedizin

• Kardiologie inkl. Rehabilitation

• Klinische Forschung

• Klinische Pharmakologie

• Nephrologie (Ambulatorium)

• Nephrologie (Bettenstation)

• Neurologie inkl. Notfall

• Notfallmedizin

• Onkologie (Ambulatorium)

• Onkologie (stationär)

• Orthopädie

• Pädiatrie (Notfall)

• Palliativmedizin

• Pneumologie

• Praxisassistenz

• Psychiatrie

• Radiologie (Ultraschall)

• Rheumatologie (Ambulatorium)

• Rheumatologie (stationär)

• Viszeralchirurgie

18 VSAO JOURNAL ASMAC Nr. 6 Dezember 2018


WEITERBILDUNG / ARBEITSBEDINGUNGEN

Ist es möglich, das BECAIM zu unterbrechen

und wieder einzusteigen? (z.B. bei

Mutterschaft, unbezahltem Urlaub etc.)

Ja, das ist möglich, wobei man auch weiterhin

vom Mentoringangebot profitieren

darf.

Rotationen/Inhalte

Welche Rotationsstellen kann ich wählen?

In der Tabelle 1 sind die aktuellen Rotationsstellen

aufgelistet. Mit HA sind Rotationen

gekennzeichnet, die primär für

Hausärzte, mit SI die, welche vor allem für

Spitalinternisten interessant sind. Man

kann diese grundsätzlich frei kombinieren.

Pro Disziplin wird max. 1 Jahr klinische

Weiterbildung anerkannt (s. auch

Weiterbildungsprogramm AIM Kap 2.3).

Es ist zudem möglich, eine Praxisassistenz

bei einem Pädiater zu machen. Zu

beachten ist hierbei, dass eine nicht internistische

Praxisassistenz nur bis zur im

Weiterbildungsprogramm AIM angegebenen

Höchstdauer des jeweiligen Fachgebiets

anrechenbar ist.

Kann ich die Rotationsstellen selber

wählen?

Man kann die Rotationsstellen grundsätzlich

frei wählen, es gibt keine Pflichtrotationen.

Der Fokus bei der Wahl liegt beim

persönlichen Interesse oder Karriereziel.

In der Basisweiterbildung kann zwischen

300 stationären Weiterbildungsstätten

AIM und 1200 Praxisrotationen gewählt

werden.

Welche Rotationen machen am meisten

Sinn?

Die Wahl der Rotationen ist abhängig von

eigenen Vorlieben und Fähigkeiten sowie

davon, was man künftig in der Praxis

anbieten möchte oder worauf man sich als

Spitalinternist spezialisieren möchte.

Wie verläuft die Stellenauswahl für die

Rotationsstellen?

Interessiert sich ein Kandidat für eine Rotationsstelle,

muss der ordentliche Bewerbungsprozess

eingehalten werden. Durch

die Teilnahme am BECAIM ist kein Anspruch

auf eine Rotationsstelle begründet.

Die Entscheidung, ob man die Stelle erhält,

liegt beim entsprechenden Chefarzt oder

verantwortlichen Planer, und ist abhängig

von der Verfügbarkeit der Stellen. Aus diesem

Grund ist eine langfristige Planung sinnvoll.

Die Mentoren haben die Möglichkeit, ein

entsprechendes Empfehlungsschreiben zuhanden

des Chefarztes zu machen.

Zu welchem Zeitpunkt in der Weiterbildung

sollte die Weiterbildung in einem

Kategorie-A-Spital absolviert werden?

An welchen Spitälern kann ich dies absolvieren?

Es macht Sinn, das A-Jahr nicht zu Beginn

der Weiterbildungszeit zu planen,

sondern dann, wenn man mindestens ein

Jahr klinische Erfahrung in Allgemeiner

Innerer Medizin mitbringt.

AllGEMEInE

InnERE MEDIZIn

30. Jan. – 2. Feb. 2019, Basel

22. – 25. Mai 2019, Zürich

32 h

Update Refresher

CHIRURGIE

17. – 18. Januar 2019, Zürich

16 h

GYnäKoloGIE

16. – 18. Mai 2019, Zürich

21 h

InnERE

MEDIZIn

18. – 22. Juni 2019, Zürich

40 h

AnästHEsIoloGIE

UnD IntEnsIVMEDIZIn

20. – 21. Mai 2019, Zürich

14 h

PsYCHIAtRIE UnD

PsYCHotHERAPIE

13. – 15. Juni 2019, Zürich

21 h

Veranstaltungsorte

Technopark Zürich | Novotel Zürich City West |

UniversitätsSpital Zürich | Congress Center Basel

Information / Anmeldung

Tel.: 041 567 29 80 | Fax: 041 567 29 81

info@fomf.ch | www.fomf.ch


WEITERBILDUNG / ARBEITSBEDINGUNGEN

Skills Training (© Pascal Gugler, Insel Gruppe)

Praxisassistenz

Welcher Zeitpunkt ist günstig für eine

Praxisassistenz?

Das ist vor allem typabhängig, grundsätzlich

gibt es keinen falschen Zeitpunkt. Je

nach Weiterbildungsstand stehen andere

Dinge im Zentrum. Für eine frühe PA

spricht, dass man frühzeitig sieht, wohin

man zielt, was die Arbeit eines Hausarztes

ist, und was man dafür können muss, sodass

die darauffolgenden Weiterbildungsjahre

besser diesem Ziele dienen. Für einen

eher späten Zeitpunkt spricht, dass man

dann schon mehr klinische Erfahrung

hat, evtl. selbständiger arbeiten kann und

mehr den Blick fürs Ganze hat, also nebst

der Medizin auch z.B. für das Betriebliche.

Wie viel Praxisassistenz kann ich mir

für meine Weiterbildungszeit anrechnen

lassen?

Lehrpraktiker haben üblicherweise eine

Weiterbildungsanerkennung für ein Jahr,

d.h. pro Praxis ein Jahr, insgesamt können

theoretisch alle drei nicht stationären

Weiterbildungsjahre in Praxen (also in

drei verschiedenen) absolviert werden.

Wie gestaltet sich normalerweise die

Arbeit während einer Praxisassistenz?

Das ist sehr individuell, je nach Persönlichkeit

und Weiterbildungsstand erfolgt

die Mitarbeit in der Praxis rasch sehr selbständig,

oder eine intensive Supervisionsphase

dauert länger. Grundsätzlich gilt

immer: Fragen, fragen! Die Dauer einer

Konsultation beträgt üblicherweise für

Assistenzärzte 30 Min./Patient. Auch das

kann individuell angepasst werden.

Wissenschaft

Gibt es die Möglichkeit, während des

BECAIM wissenschaftlich tätig zu sein?

Da wie in diversen anderen Fachgebieten

auch in der AIM ein akademischer Nachwuchsmangel

existiert, bietet das BECAIM

ein Maximum an Forschungsmöglichkeiten

im Bereich der stationären und der

ambulanten AIM und am BIHAM an,

wobei der Fokus klar auf der patientenzentrierten

klinischen Forschung liegt.

Die Forschungstätigkeit wird begleitet von

einem akademischen Mentoring und Training

(z.B. Verfassen von wissenschaftlichen

Artikeln, erfolgreiches Verfassen von

Forschungsprotokollen). Bei entsprechendem

Wunsch und entsprechender Eignung

folgt ein Forschungsaufenthalt an einer

nordamerikanischen Spitzenuniversität,

welcher auch den Besuch eines Masterprogramms

in Clinical Research beinhaltet.

Alternativ kann an der Universität Bern

oder im Ausland der Titel eines Master of

Medical Education erworben werden.

Kann ich eine akademische Karriere

während des BECAIM beginnen?

Ja, es gibt verschiedene Möglichkeiten für

akademische Tätigkeiten innerhalb des

BECAIM. Bei Interesse sollte dies mit dem

Mentor besprochen werden.

Weiter- und Fortbildung

Welche internen Weiterbildungsmöglichkeiten

habe ich während des

BECAIM?

In der Universitätsklinik für Allgemeine

Innere Medizin (KAIM) werden regelmässig

sogenannte Skills Trainings angeboten,

bei denen an Modellen sämtliche

Punktionen geübt werden können. Auf

den Bettenstationen werden regelmässig

(je nach Patientenaufkommen) Punktionen

durchgeführt, welche auch auf einem

Testatblatt aufgelistet werden. Mithilfe

dieses Testatblatts kann der Mentor

sehen, wo noch Unterstützungsbedarf

besteht.

Die internen Weiterbildungen in der KAIM

bestehen aus einem wöchentlich stattfindenden

Curriculum, Journal Club und

Skills Training. Zusätzlich gibt es zweimal

wöchentlich eine Teaching Session

mit breit gefächertem Kurzteaching durch

einen Kaderarzt.

Auf den Bettenstationen können selbständig

Sonografien durchgeführt werden,

eine entsprechende Supervision ist in

naher Zukunft möglich. Es wird auch

eine spezifische zwei- bzw. dreimonatige

Sono-Rotation auf der Radiologie angeboten.

Wie und welche externen Weiterbildungen

werden im Rahmen des BECAIM

unterstützt?

In der KAIM hat jeder Assistenzarzt Anspruch

auf drei Weiterbildungstage/Jahr,

bei den anderen Spitälern kann diese Regelung

evtl. leicht abweichen. Eine finanzielle

Unterstützung kann auf Antrag

bewilligt werden.

Wo erhalte ich detaillierte Informationen

zum BECAIM?

Informationen sind auf unserer Website

www.bernercurriculum-aim.ch ersichtlich.

Weitere Auskünfte erhalten die Kandidaten

bei persönlichen Gesprächen mit

unseren Mentoren (Kontakt via info@

bernercurriculum-aim.ch oder mittels

Kontaktformular).

Wie und wo kann ich mich fürs BCEAIM

bewerben?

Eine Bewerbung ist jederzeit via Kontaktformular

oder E-Mail möglich. Nach Prüfung

der Unterlagen werden die Bewerber

von unseren Mentoren oder einer Sekretärin

kontaktiert.


20 VSAO JOURNAL ASMAC Nr. 6 Dezember 2018


Das Risiko bleibt.

Trotz präventiver Sekundärmassnahmen erleidet

1 von 10 Patienten mit KHK *

innerhalb von 2 Jahren ein weiteres Ereignis. 1

*KHK: Koronäre Herzkrankheiten

Referenz: 1. Bhatt, D. et al.: Patients With Prior Mycordial Infarction, Stroke or Symptomatic

Peripheral Arterial Disease in the CHARISMA Trial (2007). J Am Coll Cardiol 2007; 49:1982-8.

Bayer (Schweiz) AG, Grubenstrasse 6, 8045 Zürich

L.CH.MKT.PM.10.2018.0434-DE/FR/IT


VSAO

SEKTION AARGAU

Zeiterfassung

Im Umgang mit Spitälern erleben wir als

Sektion teilweise Situationen, bei denen

man nur staunen kann, wie mit Mitarbeitern

umgegangen wird. Als Beispiel ist

wiederum eine anonymisierte Korrespondenz

einer Assistenzärztin mit einer Rehabilitationsklinik

im Kanton Aargau

abgebildet. Die Assistenzärztin wandte

sich an die Personalabteilung mit der

Bitte, ihr die Zeitausweise ihrer Anstellungsperiode

zuzustellen. Obwohl die

Personalabteilung hierfür natürlich zuständig

ist, wurde die Anfragerin konsequent

abgewimmelt und an die Klinik

verwiesen. Dort wiederum erhielt sie über

Monate keinerlei Rückmeldung auf ihr

Anliegen. Erst durch ihr Mail an den CEO

mit Kopie an die Sektion wurde ihr postwendend

geantwortet – von der Personalabteilung.

Darüber können wir nur den

Kopf schütteln.

Die Korrespondenz zeigt, dass es sich

lohnt, immer stets sachlich und ohne Angriffe,

aber konsequent und beharrlich ein

berechtigtes Anliegen einzufordern. Bei

Bedarf kann der Einbezug der Sektion

sinnvoll sein und Wunder wirken.

Der Arbeitgeber ist verpflichtet, die Arbeitszeiten

der Angestellten korrekt und vollständig

dokumentieren zu lassen. Er muss

dafür geeignete Instrumente zur Verfügung

stellen. Der Arbeitnehmer muss seinerseits

die korrekten Zeiten deklarieren.

Die Zeitausweise müssen den Arbeitnehmern

ausgehändigt und vom Spital aufbewahrt

werden. Im Idealfall geschieht

dies monatlich durch die Abgabe der Zeitausweise

an die Mitarbeiter. Die Zeitausweise

sollten vom Mitarbeiter jeweils gut

geprüft werden und bei Unstimmigkeiten

korrigiert werden lassen. Einmal genehmigte

Arbeitszeiten können nachträglich

nicht mehr in Frage gestellt werden. Zu

empfehlen ist es, die Zeitausweise konsequent

zu sammeln und aufzubewahren,

damit später im Bedarfsfall auf diese zurückgegriffen

werden kann. Forderungen

aus dem Anstellungsverhältnis verjähren

nach fünf Jahren. Umso wichtiger ist es,

gut dokumentiert zu sein. ■

Philipp Rahm,

Co-Präsident Sektion Aargau

Von: AA

An: via Spital an HR

Betreff: Anfrage Zeitausweis

Sehr geehrte Frau XX

Bis im Mai 2017 war ich als Assistenzärztin

in der KK angestellt. Für die damalige

Anstellungsperiode fehlen mir

die Zeitausweise, da wir diese jeweils

nicht automatisch bekamen.

Gerne hätte ich Sie gebeten, mir den Zeitausweis

für die gesamte Anstellungszeit

per Post oder elektronisch zuzustellen.

Besten Dank

Freundliche Grüsse

AA

Von: HR

An: AA

Betreff: Anfrage Zeitausweis

Guten Tag Frau AA

Was für einen Zeitausweis meinen Sie?

Wenn es um die Arbeitszeiten geht, bitte

ich Sie, sich an Ihren Vorgesetzten zu

wenden. Er kann Ihnen sicher einen

PEP-Auszug zukommen lassen.

Freundliche Grüsse

XX

Fachspezialistin Human Resources

Von: AA

An: HR

Betreff: Anfrage Zeitausweis

Sehr geehrte Frau XX

Danke für Ihre rasche Rückmeldung.

Ja genau, die PEP-Zeitausweise für die

Anstellungsperiode. Wenn Sie mir diese

organisieren und zustellen könnten,

wäre ich Ihnen dankbar. Ich gehe davon

aus, dass Sie bzw. das HR diese haben

wird.

Freundliche Grüsse

AA

Von: HR

An: AA

Betreff: Anfrage Zeitausweis

Ich bitte Sie, sich an Ihren ehemaligen

Vorgesetzten zu wenden.

Freundliche Grüsse

XX

Fachspezialistin Human Resources

Von: AA

An: HR

Cc: HR-Leitung; Chefarzt

Betreff: Anfrage Zeitausweis

Sehr geehrte Frau XX

Ich gelangte mit einem einfachen Anliegen

an Sie als Fachspezialistin des HR.

Ohne nachvollziehbaren Grund verwiesen

Sie mich auf meinen ehemaligen

Vorgesetzten Dr. CA. Meine Anfrage hat

aber nichts mit ihm, sondern mit meinem

Anstellungsverhältnis in der KK zu

tun. Ich bitte Sie, mir die Zeitausweise

zuzustellen.

Freundliche Grüsse

AA

Von: HR

An: AA

Guten Tag Frau AA

Der Vorgesetzte ist für die Zeiterfassung

zuständig, nicht das HR. Ich bitte Sie

deshalb nochmals, sich an Ihren ehemaligen

Vorgesetzten zu wenden.

Freundliche Grüsse

XX

Fachspezialistin Human Resources

Von: AA

An: CA

Cc: HR-Fachspezialistin, HR-Leitung

Betreff: Anfrage Zeitausweis

Sehr geehrter Herr Dr. CA

Von Seiten HR verweist man mich bezüglich

meines Anliegens an Sie (siehe

Mailverlauf). Wenn Sie veranlassen

könnten, dass man mir die Zeit-Dokumente

zustellt, wäre ich Ihnen dankbar.

Warum das Zustellen nicht seitens HR

erfolgen kann, ist für mich nicht nachvollziehbar.

Freundliche Grüsse

AA

Von: AA

An: CA

Betreff: Anfrage Zeitausweis

Sehr geehrter Herr Dr. CA

Da ich bisher keine Rückmeldung bekommen

habe, bin ich unsicher, ob Sie

mein Mail auch wirklich erreicht hat.

22 VSAO JOURNAL ASMAC Nr. 6 Dezember 2018


VSAO

Könnten Sie mir bitte die Dokumente

zustellen lassen?

Freundliche Grüsse

AA

Von: AA

An: CA

Cc: HR-Leitung, HR-Fachspezialistin

Betreff: Anfrage Zeitausweis

Sehr geehrter Herr Dr. CA

Auf meine beiden bisherigen Mails vom

30.07.2018 und 26.08.2018 habe ich von

Ihnen bisher keine Rückmeldung erhalten.

Frau XX vom HR hat mich jedoch

explizit an Sie verwiesen und erklärt, Sie

seien für mein Anliegen zuständig. Ich

bitte Sie, mir bis in einer Woche (spätestens

bis zum 23. September 2018) eine

Rückmeldung zu geben und mir die Zustellung

der Dokumente zu veranlassen.

Freundliche Grüsse

AA

Von: AA

An: CEO

Cc: HR; CA; Co-Präsident Sektion Aargau

Betreff: Anfrage Zeitausweis

Sehr geehrte Frau CEO

Seit zwei Monaten versuche ich, bezüglich

meiner Anstellung auf der KK, wo

ich bis Mai 2017 angestellt war, Zeitausweise

zu bekommen. Vom HR verwies

man mich an Dr. CA – er sei dafür zuständig.

Trotz wiederholter Nachfrage

bekomme ich aber auch von ihm keine

Rückmeldung. Daher bitte ich nun Sie,

mir diese zustellen zu lassen. Die Kopie

geht auch an unseren VSAO-Verbandsvertreter.

Ich bitte Sie um Eingangsbestätigung

und Mitteilung, bis wann ich diese bekommen

werde.

Freundliche Grüsse

AA

Von: HR-Teamleitung

An: AA

Cc: CA, CEO, HR-Fachspezialistin, HR-

Leitung

Betreff: Anfrage Zeitausweis

Sehr geehrte Frau AA

Besten Dank für Ihre Nachrichten bezüglich

der Thematik rund um Ihre

Zeitwirtschaft.

In der Beilage lassen wir Ihnen die Jahresplan-Übersicht

2016 und 2017 zukommen.

Gerne sind wir bereit, Ihnen

die detaillierte Ausgangslage im Zeitwirtschaftssystem

persönlich oder am

Telefon aufzuzeigen. Diesbezüglich dürfen

Sie gerne mit mir Kontakt aufnehmen,

sollte Bedarf gegeben sein.

Besten Dank für Ihre Kenntnisnahe und

bei weiteren Fragen stehen wir Ihnen

gerne zur Verfügung.

Freundliche Grüsse

HR

Teamleitung Human Resources

SEKTION BASEL

Dieses ständige

Lohnbashing …

Zwar stehen die Verhandlungen für einen

neuen Gesamtarbeitsvertrag (GAV), geschuldet

der geplanten Spitalfusion vom

Kantonsspital Baselland mit seinen

Standorten Liestal, Bruderholz und Laufen

und vom Universitätsspital Basel zum

Universitätsspital Nordwest AG, aktuell

nach wie vor im Mittelpunkt der Tätigkeiten

der Geschäftsleitung des VSAO Basel.

Doch ein beherrschendes Thema sind die

anhaltenden Diskussionen um die Löhne

auch bei uns. Und sie treiben nach unserer

Ansicht immer seltsamere Blüten.

Vor allem die jüngste Kampagne aus dem

Bundesamt für Gesundheit (BAG) Ende

Oktober mit der Aussage, dass sich der

mittlere Lohn für Ärzte und Ärztinnen in

der Schweiz auf über 250 000 Franken pro

Jahr belaufe, werten der Vorstand und die

Geschäftsleitung des VSAO wie viele andere

als unverfroren, als Kommunikation

mit dem Zweihänder, zumal offenbar die

Saläre von Abertausenden von Assistenzärzten

in dieser Statistik nicht erfasst sind.

Kurzum, für das anhaltende Lohnbashing

ist nach unserer Meinung Bundesbern

mitverantwortlich.

Der VSAO Basel sah sich aus diesem Grund

motiviert, den regionalen Medien eine

Stellungnahme zur BAG-Statistik zuzustellen,

mit dem Ziel, die Zahlen aus dem

Bundesamt einzuordnen und vor allem

zu relativieren. So veröffentlichte der VSAO

im Sinn einer grösseren Transparenz die

Minimallöhne, die Assistenz- und Oberärzten

je nach Dienstalter zustehen.

Allerdings erlebt auch der VSAO Basel einmal

mehr, dass die von den Medien breit

gestreute Meinung, wonach die Arztgehälter

Hauptursache der hohen Gesundheitskosten

seien, mit normalem Kommunikationsaufwand

kaum richtigzustellen ist.

Vielmehr besteht die Wahrnehmung, dass

– mit einigen Ausnahmen – viele Medien

solche sich wiederholenden Aussagen aus

offiziellem Haus (u.a. BAG oder Bundesrat

Alain Berset) relativ unkritisch übernehmen

und zum Bespiel die Methodik von

Umfragen nicht näher unter die Lupe

nehmen. Die Ärzteschaft zu kritisieren

und in Lohnfragen quasi in Sippenhaft

zu nehmen, obschon es offensichtlich ist,

dass einige krasse Ausreisser nach oben

das Gesamtbild verschärfen, ist für einen

Teil der Medien auf der Jagd nach schnellen

und vor allem einfachen Schlagzeilen

der bevorzugte Weg und nicht eine vertiefte

Überprüfung von Statistiken und Aussagen.

Stellvertretend für diesen Vorwurf sei ein

Kommentar zum Thema in der «Basellandschaftlichen

Zeitung», einem Kopfblatt

der «Aargauer Zeitung», erwähnt, dass

Assistenzärzte als Auszubildende zu betrachten

seien. Damit hätte der Kommentator

gewiss nicht einfach unrecht gehabt,

wenn er diese Berufsgruppe vielleicht etwas

respektvoller als «auch Auszubildende»

bezeichnet hätte, statt sie eins zu eins und

wortwörtlich auf der Stufe von «Lehrlingen

und Praktikanten» anzusiedeln.

Der VSAO Basel hält es für wichtig, sich

unter dem Lead des gesamtschweizerischen

Verbandes und in Zusammenarbeit

mit allen Sektionen zu engagieren, um

Nr. 6 Dezember 2018

VSAO JOURNAL ASMAC

23


VSAO

die Kommunikationshoheit (auch) über

diesen thematischen Dauerbrenner nicht

einfach der Politik und der Verwaltung zu

überlassen, sondern von der ärztlichen

Belegschaft und damit von der Basis Gegensteuer

zu geben.


Josef Zindel,

Öffentlichkeitsbeauftragter

der Sektion Basel

SEKTION BERN

Porträt

VSAO Bern

Der VSAO Bern hat aktuell 3504 Mitglieder

und setzt sich mit dem engagierten

Vorstand für die Anliegen der Assistenzärztinnen

und -ärzte und Oberärztinnen

und -ärzte ein. Die Geschäftsstelle

wird von Janine Junker geführt und steht

den Mitgliedern für Fragen und Anliegen

sehr gerne zur Verfügung.

Sie erreichen uns per Mail (junker@vsaobern.ch)

oder Telefon (031 381 39 39). Auf

unserer Website vsao-bern.ch sind viele

Informationen verfügbar und wir vernetzten

uns auf Facebook (VSAO Bern). Zudem

findet jährlich eine ordentliche Mitgliederversammlung

statt – die nächste am

Donnerstag, 25. April 2019, um 19 Uhr

im Restaurant Tramdepot in Bern. Neu-

Interessierte sind herzlich willkommen!



Janine Junker,

Geschäftsführerin VSAO Bern

Nora Bienz

Präsidentin

Miriam Grädel

Vize-Präsidium

Marius Grädel-Suter

Vize-Präsidium

Benjamin Hess

Vize-Präsidium

Gerhard Hauser

Stellvertretung

Janine Junker

Geschäftsführung

David Schreier

Kernvorstand

Valentine Mercier

Kernvorstand

Helene Mellerowicz

Kernvorstand

Anna Meister

Kernvorstand

Gerlinde Heil

Kernvorstand

Katharina Stegmayer

Erweiterter Vorstand

Dario Häberli

Erweiterter Vorstand

Nicolas Clément

Erweiterter Vorstand

Anne Lafranchi

Erweiterter Vorstand

Luzia Gisler

Erweiterter Vorstand

Kristina Tänzler

Erweiterter Vorstand

www.vsao-bern.ch

collage_2018_de-fr.indd 1 12.11.18 10:43

24 VSAO JOURNAL ASMAC Nr. 6 Dezember 2018


VSAO

SEKTION ZENTRALSCHWEIZ

Grosse Ziele

erreicht, neue

warten

Das grösste Projekt der

letzten Jahre ist beinahe

abgeschlossen: Die

Umsetzung des Arbeitsgesetzes

für alle Angestellten,

d.h. auch der

OA, am Kantonsspital

Luzern. Viele Kliniken

haben die Gelegenheit

genutzt und die Dienstpläne

nicht nur auf

dem Papier «arbeitsgesetztauglich»

gemacht,

sondern auch im Hinblick

auf Effizienz und

Bedürfnisse der AA und

OA überprüft. Von Anfang

an hatten wir

nebst dem Vermeiden

von Lohnkürzungen ein Hauptziel: Die

Arbeitszeit soll vor allem im administrativen

Bereich und bei ineffizienten «Präsenzzeiten»

gesenkt werden, aber nicht

bei der Weiterbildung und den interessanten

Anteilen der ärztlichen Tätigkeiten.

Grosser Dank gleich an dieser Stelle auch

an Philipp Rahm und sein Team des

Dienstplanprojekts des VSAO Schweiz.

Parallel dazu waren wir in den letzten

Jahren quer durch die Innerschweiz tätig

und waren mindestens einmal wegen

Überzeitentschädigungen, Lohnverhandlungen,

Arbeitsgesetzeinführungen, Weiterbildungsqualität

usw. in den Kantonen

NW, OW, SZ, GL, ZG und mehrfach im

Kanton LU unterwegs. Fast immer haben

wir auf dem Verhandlungsweg und in

enger Zusammenarbeit mit den Betroffenen

gute Lösungen gefunden. Und die

nächsten Projekte stehen schon an: Weiterbildungsqualität,

Einhalten des Arbeitsgesetzes,

Vermeiden von Kürzungen

der Weiterbildungsfinanzierung, Förderung

von Teilzeitstellen, Abfedern von

Sparmassnahmen, Spitalhochzeiten …

Bei all diesen Themen ist es wichtig, junge

Kolleginnen und Kollegen im Vorstand

zu haben, die ihre Anliegen einbringen.

Nächste Gelegenheit dafür ist unsere Mitgliederversammlung

Anfang Februar

2019 oder jederzeit im Vorstand. Erfahrungsgemäss

verteilt sich die Arbeitslast

besser auf mehreren Schultern, und als

Berufsverband ist es sinnvoll, dass Betroffene

mitbestimmen, worauf die Schwerpunkte

gelegt werden sollen. So wie die

politische (und finanzielle) Situation in

den Innerschweizer Kantonen aktuell

aussieht, wird zudem ein Stillstand der

Bemühungen unweigerlich zu Rückschritten

bei den Arbeitsbedingungen und

Löhnen führen.

Hast Du gute Ideen, was man verbessern

könnte? Weisst Du, wo es immer wieder

klemmt? Bist Du unglücklich über die

Arbeitsbedingungen oder umgekehrt so

glücklich, dass Du Dein Wissen gerne weitergeben

würdest? Arbeitest Du in einem

der Spitäler der Zentralschweiz? Ich freue

mich auf viele Kolleginnen und Kollegen,

die sich bei mir oder der Geschäftsstelle

melden. Die Einladung für die Mitgliederversammlung

folgt im neuen Jahr, wie

immer per Mail an die Mitglieder unserer

Sektion.


Regula Wiesmann,

Präsidentin Sektion Zentralschweiz

COACHING

Arztberuf & Familie / Privatleben

Telefonische Beratung:

044 462 71 23 • info@und-online.ch

Wie bringe ich Familie, Freizeit und Beruf unter einen Hut? Wie steige ich nach der Babypause wieder ein? Wie

meistere ich die täglichen Herausforderungen? Antworten und Lösungsvorschläge auf diese und weitere Fragen

bietet der VSAO seinen Mitgliedern im Rahmen eines kostenlosen Coachings an. Die Beratung erfolgt telefonisch

durch die Fachstelle UND.

Erfahren Sie mehr über dieses Beratungsangebot des VSAO auf unserer Website www2.vsao.ch unter der Rubrik

Arztberuf & Familie / Privatleben.

Nr. 6 Dezember 2018

VSAO JOURNAL ASMAC

25


VSAO

SEKTION ZÜRICH /

SCHAFFHAUSEN

Ende der

Diskriminierung

von schwangeren

Ärztinnen?

Schon länger besteht das Problem, dass

schwangere Ärztinnen im Rahmen ihrer

unfreiwillig befristeten Anstellung im Fall

einer Schwangerschaft/Mutterschaft diskriminiert

werden und der Willkür ihrer

Vorgesetzten ausgeliefert sind. Betroffen

sind vor allem Assistenzärztinnen. Im Kanton

Zürich werden aber teilweise sogar noch

Oberärztinnen befristet angestellt. Die hin

und wieder gehörte Behauptung, die Assistenzärztinnen

und -ärzte seien seit jeher

mit gutem Grund, nämlich der Weiterbildung

wegen, befristet angestellt worden,

trifft jedenfalls für den Kanton Zürich nicht

zu. Vielmehr wurden bis ins Jahr 2000 auch

Assistenz- und Oberärztinnen und -ärzte

durchwegs unbefristet angestellt.

Die Befristung von Anstellungen kann

sich in Fällen von Krankheit oder Schwangerschaft/Mutterschaft

für die Mitarbeitenden

einschneidend negativ auswirken,

weil etwa Lohnfortzahlung und bezahlter

Mutterschaftsurlaub mit dem Ende der

Anstellung dahinfallen. Von der Beendigung

der Lohnfortzahlungspflicht bei

Krankheit und Unfall sind beide Geschlechter

gleichermassen betroffen. Dieses

Risiko kann immerhin mit einer privaten

Versicherung individuell abgesichert

werden. Hingegen verlieren befristet angestellte

Ärztinnen im Zusammenhang mit

Familienplanung, Schwangerschaft und

Mutterschaft nicht selten den ganzen oder

einen Teil des Mutterschaftsurlaubs. Zwar

gelten die befristeten Anstellungen für

beide Geschlechter, doch wirken sie sich

für Ärztinnen (noch) nachteiliger aus als

für Ärzte. Es ist deshalb davon auszugehen,

dass eine nach Gleichstellungsgesetz

verbotene Diskriminierung vorliegt (Art.

3 GlG). Dabei handelt es sich um eine indirekte

Diskriminierung, da die im Vergleich

zum übrigen Personal eines Spitals

oder einer Institution ungleiche Behandlung

zwar an ein neutrales Merkmal, d.h.

an die Weiterbildung, geknüpft wird, diese

Anknüpfung die Frauen jedoch überproportional

benachteiligt.

Dank des konkreten Falls einer schwangeren

Ärztin am Stadtspital Triemli, welche

am Ende ihrer befristeten Anstellung

geboren hatte und nicht bereit war, auf

ihre Mutterschaftsentschädigung zu verzichten,

konnte der VSAO ZÜRICH eine

Einschätzung der Rechtslage durch die

Fachstelle für Gleichstellung der Stadt

Zürich und auch durch jene des Kantons

Zürich erlangen, welche beide die indirekte

Diskriminierung als erfüllt erachteten.

Diese Diskriminierung könnte mit dem

generellen Verzicht auf befristete Anstellungen

beseitigt werden. Mindestens aber

sind befristete Arbeitsverhältnisse von

Ärztinnen, welche zum Zeitpunkt der Beendigung

des Arbeitsverhältnisses

schwanger oder im Mutterschaftsurlaub

sind, automatisch bis zum Ende des Mutterschaftsurlaubs

zu verlängern. Der neue

Stadtrat des Gesundheits- und Umweltdepartements

der Stadt Zürich hat die sofortige

Beseitigung dieser Diskriminierung

angeordnet. Somit kommen nebst der

besagten Ärztin nun alle bei der Stadt Zürich

beschäftigten schwangeren Ärztinnen

in den Genuss von 16 Wochen voll bezahlten

Mutterschaftsurlaubs.

Der VSAO ZÜRICH wird nun auch die übrigen

Spitäler im Kanton Zürich freundlich

dazu anhalten, ihre Reglemente und

Verträge entsprechend anzupassen, um

diese Diskriminierung zu beseitigen.

Ansonsten, liebe Mitglieder, werden wir

euer Recht auf dem Rechtsweg durchsetzen!


Jana Siroka (Präsidentin) und

Susanne Hasse (Geschäftsführerin)

Kitaplatz gesucht – der VSAO hilft

Wenn Sie einen Betreuungsplatz für Ihr Kind suchen, denken Sie daran: Seit 2011 unterstützt

Ihr Verband Sie bei dieser zeitaufwendigen Aufgabe. Eine Anfrage mittels Online-Formular beim VSAO genügt und Sie

erhalten Informationen zu verfügbaren Plätzen in Ihrer Wunschregion und die entsprechenden Kontaktdaten

der Tagesstätten. Weitere wichtige Informationen und das Formular finden Sie unter der neuen Rubrik Arztberuf und Familie

auf der VSAO-Homepage www.vsao.ch.

26 VSAO JOURNAL ASMAC Nr. 6 Dezember 2018


VSAO

§

Rechtsberatung

Susanne Hasse, Rechtsanwältin SHlegal,

Geschäftsführerin VSAO ZÜRICH

Eine Assistentenvertreterin

eines Zürcher Spitals will

vom VSAO ZÜRICH wissen,

ob Ärztinnen und Ärzte

streiken dürfen. Seit gefühlter

Ewigkeit seien sie

notorisch unterbesetzt,

weshalb die gesetzlichen

Arbeitszeiten nicht eingehalten

werden könnten. Es

zeichne sich einfach kein

Wandel ab, und nun hätten

sie langsam die Nase voll.

Das Streikrecht ist ein unter bestimmten

Voraussetzungen in der Bundesverfassung

garantiertes Grundrecht (Art. 28

BV). Der Streik ist gemäss bundesgerichtlicher

Rechtsprechung die «kollektive

Verweigerung der geschuldeten Arbeitsleistung

zum Zwecke der Durchsetzung

der Forderung nach bestimmten Arbeitsbedingungen

gegenüber einem oder

mehreren Arbeitgebern». Ein Streik zur

Durchsetzung politischer Ziele, z.B. die

Änderung des Arbeitsgesetzes, wäre unzulässig.

Weiter verweist der Verfassungsartikel

auch darauf, dass die Pflicht zur

Wahrung des Arbeitsfriedens oder zur

Durchführung von Schlichtungsverhandlungen

vorgehen muss. Insbesondere

trifft dies dann zu, wenn ein Gesamtarbeitsvertrag

abgeschlossen wurde,

weshalb die Friedenspflicht nach Art.

357a OR zu wahren ist (GAV für Assistenzärztinnen

und -ärzte, welcher im

Kanton ZH noch für die vier kantonalen

Spitäler gilt), oder die Parteien vereinbart

haben, ein Schlichtungsverfahren

durchzuführen.

Der Streik als Kampfmassnahme (wie der

Zürcher Bleistiftstreik 1998) ist somit nur

als letztes Mittel, als Ultima Ratio, erlaubt,

wenn sich der Arbeitgeber Verhandlungen

verschliesst oder diese zu keinem Ergebnis

führen. Denn bei Streik droht dem Arbeitgeber

wirtschaftliche Schädigung.

Gemäss Bundesverfassung kann bestimmten

Personenkategorien per Gesetz

der Streik ganz verboten werden. So erwähnt

das Bundespersonalgesetz die Möglichkeit,

zur Wahrung der Staatssicherheit,

von wichtigen Interessen in auswärtigen

Angelegenheiten oder zur Sicherstellung

der Landesversorgung das Streikrecht

zu beschränken oder aufzuheben. Das

Personalgesetz des Kantons Zürich sowie

die Personalrechtverordnung der Stadt

Zürich äussern sich hingegen nicht zum

Streikrecht. In Zürich ist man aber der

Ansicht, dass, gestützt auf die in den Personalgesetzen

verankerte Treuepflicht, für

gewisse Personalkategorien der Streik

verboten bzw. beschränkt werden darf,

etwa der unbedingt notwendigen Spitalversorgung.

Mit anderen Worten: Sofern der Notfalldienst

in einem Spital sichergestellt ist

und die Assistenzärzte nicht der Friedenspflicht

des GAV unterstellt sind, dürften

sie kollektiv organisiert für ihre Forderung

nach rechtmässigen Arbeitsbedingungen

streiken. Dies aber erst, wenn mit

dem Arbeitgeber Verhandlungen aufgenommen

wurden und diese zu keinen

Ergebnissen führten. Da sich für solche

Verhandlungen Assistenzärzte aus Karrieregründen

meist nicht exponieren wollen,

ist hierfür der VSAO ZÜRICH einzuschalten.

Dieser übernimmt die Vertretung

der Arbeitnehmer in den Verhandlungen

mit dem Arbeitgeber und schaltet,

falls nötig, das Arbeitsinspektorat des

Kantons Zürich ein. In diesem Zusammenhang

ist es sicher auch sinnvoll, als

möglichst rasche Massnahme, die Dienstplanungsabläufe

mit Hilfe der Dienstplanberatung

des VSAO Schweiz zu analysieren

und zu schauen, wie die Planung

mit dem bestehenden Personal wenigstens

optimiert werden kann. ■

Nr. 6 Dezember 2018

VSAO JOURNAL ASMAC

27


Publireportage

IFAS als gefragte Drehscheibe der Gesundheitsbranche

bestätigt

Aussteller lobten die hohe Besucherqualität

Die IFAS, Fachmesse für den Gesundheitsmarkt,

ist weiterhin ein äusserst

beliebter Treffpunkt der Branche. An

der 35. Durchführung in Zürich informierten

sich vom 23. bis 26. Oktober

2018 rund 16’000 Besucher über

Trends und Neuheiten. Damit knüpfte

die IFAS an das erfolgreiche Ergebnis

von 2016 an. Der erstmals

durchgeführte Start-up-Wettbewerb

«IFAS Innovation Challenge» stiess

auf grosses Interesse und kürte das

Jungunternehmen Scewo mit einer

Weltneuheit, einem treppengängigen

Rollstuhl, zum Sieger.

Messeleiter Heinz Salzgeber zieht eine

positive Bilanz: «Eine hohe Besucherqualität,

401 Aussteller, das IFAS

Forum, die Sonderschau ‹Hotellerie

im Gesundheitswesen›, die IFAS

Innovation Challenge und die integrierte

Jobmesse CareFair machten

die IFAS erneut zur wichtigsten

Drehscheibe der Branche.» Die Besucher

schätzten laut der Erhebung

eines unabhängigen Befragungsinstituts

die Fachkompetenz an der

Messe, den Wissenstransfer und die

Networking-Möglichkeiten.

Auch die Aussteller sind mehrheitlich

zufrieden und loben die hohe Besucherqualität.

Stefano Prosia, Leiter

Verkauf der Bigla Care AG, sagt: «Die

IFAS ist die wichtigste Messe für uns.

Dieses Jahr empfingen wir zwar insgesamt

weniger Besucher als an der IFAS

2016, dafür qualitativ bessere.» Ein

ähnliches Fazit zieht Rolf Häller, CEO

und Geschäftsleiter von medi-lan:

«Die Qualität der Kontakte war so gut

wie noch nie. Es gibt in der Schweiz

keine vergleichbare Veranstaltung.»

Mit Raupen die Treppe hoch

Zu den Höhepunkten der Messe zählte

die IFAS Innovation Challenge. Im

Finale standen 14 Jungunternehmen.

Sie hatten sich im Vorfeld gegen rund

50 weitere Bewerber durchgesetzt

und durften an der IFAS ihre Innovationen

präsentieren. Am zweitletzten

Messetag verkündete Nik Hartmann

die Sieger: Das Start-up Scewo holte

sich den mit 10‘000 Schweizer Franken

dotierten Fachjury-Preis. Das

Jungunternehmen aus dem Technopark

Winterthur beeindruckte die Jury

mit ihrem treppengängigen Rollstuhl

«Bro» – eine Weltneuheit. Er

vereint sportliches Design mit Funktionalität.

Sein grösster Trumpf: Dank

zweier ausfahrbarer Raupen überwindet

er Treppenstufen zuverlässig.

Steuern lässt sich der Rollstuhl über

einen Joystick und eine App. Ende

2019 sollen die ersten Auslieferungen

erfolgen.

Sicherheit im Gesundheitswesen

Zu den bewährten Veranstaltungen

der Messe zählte das IFAS Forum.

Es stand unter dem Motto «Sicher

in die Zukunft». In Referaten

und Diskussionsrunden erläuterten

Experten Themen wie Informatik in

der Praxis, Versorgungssicherheit

durch interprofessionelle Netzwerke

oder künstliche Intelligenz als Helfer

für die Mediziner. «Die interessanten

und vielfältig gewählten Themen haben

zahlreiche Besucher angezogen»,

resümiert der Messeleiter.

An der Sonderschau «Hotellerie im

Gesundheitswesen» zeigten zehn

Aussteller, wie für Menschen im Alter

oder mit Krankheit Lebens- und

Wohnqualität auch in Zukunft sichergestellt

werden kann. Interessante

und praxiserprobte Lösungen dazu

wurden in der Sonderschau wie auch

im Forum präsentiert.

Nächste IFAS 2020

«Die erfolgreiche IFAS 2018 bestätigt,

dass die Messe für die Gesundheitsbranche

– gerade auch in Zeiten

zunehmender Digitalisierung – weiterhin

sehr gefragt ist», freut sich

Salzgeber. Und er kündet bereits die

nächste Durchführung an: Vom 20.

bis 23. Oktober 2020 wird die 36. IFAS

stattfinden. Geplant ist unter anderem

eine Weiterentwicklung der IFAS

Innovation Challenge.

Exhibit & More AG

www.ifas-messe.ch

T +41 (0)44 806 33 77


VSAO

-INSIDE

Verband Schweizerischer Assistenz- und Oberärztinnen und -ärzte

Association suisse des médecins-assistant(e)s et chef(fe)s de clinique

Associazione svizzera dei medici assistenti e capiclinica

Sergio Sesia

Wohnort: Huningue

Im VSAO seit: 2013

Der VSAO für Dich in Kürze:

Gemeinschaft, Vertretung

ärztlicher Interessen, Gesundheitspolitik

Beruf oder Berufung? Wer mit Sergio

Sesia spricht, merkt: Bei ihm ist der Arztberuf

Berufung. Zunächst brauchte es

aber einen Umweg. «Mediziner war zwar

immer mein Traumberuf. Die Ausbildung

musste ich mir jedoch selbst finanzieren.

Nach einigen Jahren bei der Bank für

Handel und Industrie in Berlin hatte ich

genug gespart, um auf dem zweiten Bildungsweg

das Studium zu beginnen.»

Dieses absolvierte er in Berlin, Mailand

und Nancy, wo er 2002 als Assistenzarzt

in der Allgemeinchirurgie seine praktische

Tätigkeit aufnahm. Im Folgejahr

setzte er seine Ausbildung in Liestal fort,

2005 wechselte er in die Kinderchirurgie

in Basel (Bruderholz). Dort wirkte er ab

2011 als Oberarzt. Seit 2017 ist er stellvertretender

Oberarzt in der Thorax-Chirurgie

des Berner Inselspitals. Spezialgebiet:

Thoraxwand-Deformitäten, das Thema

seiner laufenden Habilitation.

Beruf oder Berufung? Wer mit Sergio Sesia

spricht, merkt auch: Der Arztberuf kann

nicht nur Berufung sein. «Privatleben,

Forschung und Klinikalltag unter einen

Hut zu bekommen, erwies sich für mich

als schwierig. Etwas kommt immer zu

kurz – meine vier Kinder und meine Frau

wissen, wovon ich rede.» Als er mit dem

VSAO Basel in Berührung kam, erkannte

der Familienvater, «wie wichtig es ist, dass

wir Ärztinnen und Ärzte uns gesundheitspolitisch

einbringen, damit unsere Arbeitsbedingungen

nicht einfach von Dritten

bestimmt werden». Deshalb wurde er

2013 Vorstandsmitglied und Co-Präsident

der Sektion. Vor einem Jahr wählte ihn

dann der Zentralvorstand in den Geschäftsausschuss

des Dachverbands. In

diesem Gremium widmet er sich besonders

den Themen E-Health und Qualität.

Doch Dreh- und Angelpunkt seines Engagements

bleiben die Arbeitsbedingungen.

Der 48-Jährige wünscht sich, dass alle

Assistenz- und Oberärztinnen und -ärzte

in der Schweiz dem VSAO angehören. So

könnte der Verband mit noch mehr Gewicht

für ihre Anliegen kämpfen. Denn es

gehe nicht an, dass ihm eine Spitalverwaltung

sage, «junge Ärzte brauchen keine

unbefristeten Arbeitsverträge, die lernen

ja noch – und schliesslich ist Arztsein eine

Berufung und kein Beruf»!

Nochmals: Beruf oder Berufung? Für

Sergio Sesia gibt es kein Oder: «Es gilt,

mit der Bereitschaft zu Kompromissen

die Arbeitsabläufe im Spital zu optimieren

und die Bürokratie auf ein Minimum

zu reduzieren. Dadurch können sich die

Ärzte auf ihre Patienten konzentrieren

und Familie und Berufung besser vereinbaren.»



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Nr. 6 Dezember 2018

VSAO JOURNAL ASMAC

29


FOKUS WUNDER

Wie Wunder gemacht werden

Jedes Jahr pilgern mehrere Millionen Menschen nach Lourdes, Fátima, Medjugorje und

Częstochowa – alles bedeutende Wallfahrtsorte, an denen die Muttergottes erschienen sein

soll. Diese Form der Volksfrömmigkeit stellt eine Herausforderung für die katholische

Glaubens- und Kirchenlehre dar. Nach welchen Mustern verlaufen Marienerscheinungen?

Und wer bestimmt, wann es sich um ein «echtes Wunder» handelt?

Prof. Dr. Michaela Schäuble, Professorin für Sozialanthropologie an der Universität Bern

Nachdem im Jahr 1858 dem vierzehnjährigen

Hirtenmädchen Bernadette Soubirous

dort die Muttergottes erschienen sein

soll, entwickelte sich die verschlafene südwestfranzösische

Kleinstadt Lourdes

schnell zu einem internationalen Wallfahrtsort

und wurde zum Schauplatz eines

«modernen Spektakels». Auf der extra für

diesen Zweck verlegten und ausgebauten

Eisenbahnstrecke reisten schon bald Hunderttausende

in die Pyrenäen; in den Zügen

gab es neu entwickelte Abteile für Kranke,

die auf Bahren nach Lourdes transportiert

wurden, nachdem Berichte von spontanen

Wunderheilungen in den neu aufkommenden

Massenmedien kursierten.

Der Erscheinungsort wurde architektonisch

modern und barrierefreier ausgebaut,

zahlreiche neue Hotels und Restaurants

entstanden. Zudem wurden Geschäfte

für religiöse Paraphernalien (wie Rosenkränze,

Medaillons, Abzeichen oder

Kerzen) und ein Unterhaltungsangebot

geschaffen, was die Pilgerfahrt zu einer

frühen Form des modernen Massentourismus

werden liess. Durch die publikumswirksam

inszenierten Rekonstruktionen

der Visionen von Bernadette konnten die

Pilger zu Zuschauern einer religiö sen Offenbarung

werden und an dem Wundernarrativ

teilhaben. In den Folgejahren gab

es so viele Berichte von spontanen Wunderheilungen,

dass in Lourdes ein eigenes

medizinisches Büro eingerichtet wurde.

Von den dort registrierten 6000 Heilungen

hat die römisch-katholische Kirche bislang

rund 2000 als medizinisch unerklärlich

eingestuft und 69 davon als Wunder

anerkannt. In diesem Jahr, am 11. Feb ruar

2018, erkannte die Kirche offi ziell die

70. Wunderheilung an.

Ähnliche Muster

Lourdes ist in vielerlei Hinsicht paradigmatisch,

und die meisten Marienerscheinungen

seit dem 19. Jahrhundert laufen

nach einem ähnlichen Muster ab: So erscheint

die Muttergottes in der Regel in

ländlichen, abgelegenen Regionen und

zeigt sich hauptsächlich nicht privilegierten

Personen; sehr häufig ist es ein junges

Mädchen oder eine Gruppe von Hirtenkindern,

die von einem visionären Erlebnis

berichten. Auch das, was geschildert wird,

ist bemerkenswert ähnlich: Physisch wird

Maria als junge, schöne Frau beschrieben,

die einen langen blauen oder weissen Mantel

trägt und deren Haupt von einem Sternenkranz

oder einem leuchtenden Schein

umgeben ist. Ihre Stimme ist deutlich zu

hören und sie spricht in der jeweiligen Landessprache.

Manchmal berichten Seherinnen

und Seher auch von einem Rosenduft,

der die Muttergottes umgebe. An den meisten

Marienerscheinungsorten entspringen

im Nachhinein Quellen, denen eine heilkräftige

Wirkung nachgesagt wird – so

eben auch in Lourdes.

Auch was den Zeitpunkt der Erscheinungen

betrifft, lässt sich ein klares Muster

erkennen: Gesamtgesellschaftlich relevante

Visionen ereignen sich vor allem in Zeiten

politischer Bedrohungs- und Krisensituationen.

Eine signifikante Häufung gibt

es zum Beispiel im Ersten Weltkrieg, dem

Krisenjahr 1933, oder während des Kalten

Krieges (Scheer 2006). Aus diesem Grund

sind auch die Botschaften der Muttergottes

ähnlich: Sie warnt vor dem drohenden

Untergang der Welt, ruft zu Umkehr und

Busse auf und verspricht, bei ihrem Sohn

Fürbitte für die Menschheit zu leisten, um

die bevorstehende Apokalypse abzuwenden

und Frieden zu stiften. Die Muttergottes

wird deshalb auch oft als Friedensfürstin

bezeichnet, selbst wenn ihr Erscheinen

und ihre Botschaften schwelende Konflikte

in der Vergangenheit erst recht entfachten

oder eskalieren liessen.

Hoffen auf eine Wunderheilung: Pilger in Lourdes. (© mimohe/shutterstock.com)

Vor Ort und in Rom

Ob eine Erscheinung lokal begrenzt bleibt

oder sich ein Ort zu einer internationalen

30 VSAO JOURNAL ASMAC Nr. 6 Dezember 2018


FOKUS WUNDER

Prüfsiegel für Wunder

Das Verfahren sieht vor, dass nach Berichten

einer vermeintlichen Erscheinung

zuerst eine lokale Untersuchungskommission

vor Ort eingesetzt wird, der beispielsweise

Theologen, Historiker und Psychologen

angehören. Diese Kommission prüft

die geistige Verfassung und Zuverlässigkeit

der Seherpersonen und klärt ab, ob die

Botschaft mit den Lehren der Kirche übereinstimmt.

Die entscheidungsbefugte Diözese

beurteilt daraufhin die Ereignisse

entweder als:

a) «Constat de supernaturalitate» («Die

Übernatürlichkeit steht fest»). Dieses

Urteil erging beispielsweise für Lourdes

und die Privatoffenbarung von Bernadette

Soubirous wurde als echt anerkannt.

b) «Constat de non supernaturalitate»

(«Die Nichtübernatürlichkeit steht

fest»). Mit diesem Urteil wird die Echtheit

einer Vision oder Offenbarung

abgelehnt.

c) «Non constat de supernaturalitate»

(«Die Übernatürlichkeit steht nicht

fest»). So ist im Fall von Medjugorje beispielsweise

dieses dritte, neutrale Urteil

ergangen, das besagt, dass die Kirche

noch kein endgültiges Urteil gesprochen

hat. Die Wallfahrt ins herzegowinische

Medjugorje und die dortige Marienverehrung

werden also vom Vatikan geduldet,

die Auslegung der Botschaft wird

dem dort zuständigen Franziskanerorden

und der Diözese überlassen, solange

sie mit der Doktrin der römischkatholischen

Kirche konform ist.

Bernadette Soubirous, einem einfachen Bauernmädchen aus Lourdes,

erscheint die Maria. (© GoneWithTheWind/fotolia.com)

Wallfahrtsdestination wandelt, hängt von

verschiedenen Faktoren wie beispielsweise

der Erreichbarkeit des Ortes, der Glaubwürdigkeit

der Seher, der Massentauglichkeit

oder der politischen Manipulierbarkeit

der Verkündungsbotschaft ab. Von zentraler

Wichtigkeit ist aber immer die «Verwaltung»

der Erscheinung durch den lokalen

Klerus und die Einschätzung der Vorkommnisse

durch kirchliche Autoritäten.

Die römisch-katholische Kirche behandelt

Marienerscheinungen als so genannte

«Privatoffenbarungen», und generell gilt,

dass kein Wunder, keine Vision oder Offenbarung

ohne Approbation des zuständigen

Bischofs zugelassen werden darf.

Im Vatikan ist die Heilige Kongregation

für die Glaubenslehre – ein Zusammenschluss

aus 26 Mitgliedern, bestehend aus

Kardinälen, Erzbischöfen und Bischöfen,

die vom Papst für jeweils fünf Jahre berufen

werden – für solche Fälle zuständig.

Diese Glaubenskongregation hat einen

Normenkatalog für das «Verfahren zur

Beurteilung mutmasslicher Erscheinungen

und Offenbarungen» erlassen, der

jeweils die «moralische Gewissheit oder

wenigstens grosse Wahrscheinlichkeit

über die Wirklichkeit des Ereignisses» und

die «Wahrheit und Irrtumslosigkeit der

theologischen und geistlichen Lehre» feststellen

soll. (http://www.vatican.va/roman_curia/congregations/cfaith/

documents/rc_con_cfaith_doc_1

9780225_norme-apparizioni_ge.html)

Dieses Votum wird dann jeweils an die

vatikanische Glaubenskongregation weitergeleitet,

die es abermals prüft und eine

offizielle Erklärung oder ein Dekret erlässt.

Objektive Kriterien für die Feststellung

eines Wunders wird es ebenso wenig geben

können wie faktische Beweise für eine

Marienerscheinung. Wissenschaftlich wie

theologisch entzieht sich das Phänomen

also letztlich der Erklärbarkeit, auch

wenn einzelne Umstände – wie etwa politische,

historische, ökonomische oder

soziokulturelle Hintergründe – analysiert

werden können. Aus sozialanthropologischer

Perspektive wird nicht die Authentizität

einer Erscheinung geprüft oder beurteilt,

sondern als körperlich und mit den

Sinnen erfahrbare Begegnung von Gläubigen

mit dem Göttlichen verstanden und

untersucht.


Literatur:

Scheer, Monique, Rosenkranz und Kriegsvisionen.

Marienerscheinungskulte im

20. Jahrhundert. TVV: Tübingen 2006.

Nr. 6 Dezember 2018

VSAO JOURNAL ASMAC

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FOKUS WUNDER

Gras wächst nicht schneller,

wenn man daran zieht

Ein Achtjähriger besucht die Universität, eine Fünfjährige verblüfft mit ihrem virtuosen Klavierspiel.

Wunderkinder sind nichts Neues; nicht nur Mozart, auch Marie Curie oder der Philosoph Gottfried

Wilhelm Leibniz zeigten ihre aussergewöhnlichen Fähigkeiten bereits sehr früh. Woran aber erkennt

man Wunderkinder? Und was ist wirklich Talent und was das Resultat elterlichen Drills?

Gerhard Müller, Direktor Konservatorium Bern

Goethe war bereits 72 Jahre alt, als er im

Jahr 1821 von einem 12-jährigen Jungen

aus Berlin Besuch bekam. Über zwei

Stunden spielte dieser dem Dichterfürsten

und seinen Gästen vor, vor allem Fugen

von Bach. Anschliessend improvisierte er

über eigene Stücke und spielte zur Verblüffung

der Anwesenden aus Originalmanuskripten

Werke von Mozart und Beethoven

makellos vom Blatt. Der junge Felix Mendelssohn

war nicht zum ersten Mal in

Weimar. Bereits vier Jahre davor hatte er

sich mit Goethe getroffen. Viel früher kam

es zu einer Begegnung zwischen Goethe,

er war selbst gerade vierzehn, und dem

jungen Mozart. Wer ihn mehr beeindruckte,

belegt folgende Aussage, die er gegenüber

Carl Friedrich Zelter, dem strengen

Berliner Musiklehrer Mendelssohns,

machte: «Was dein Schüler jetzt schon

leistet», so Goethe, «mag sich zum damaligen

Mozart verhalten wie die ausgebildete

Sprache eines Erwachsenen zum Lallen

eines Kindes.» Beide haben, wie wir wissen,

unvergängliche Werke geschaffen

und beide werden als Wunderkinder gehandelt.

Wunderkinderboom

Wunderkinder gibt es auch heute viele:

Ein Sechsjähriger aus den USA spricht

fliessend acht Sprachen, darunter Hindi

und Chinesisch, löst Mathematikaufgaben

von Siebtklässlern und lernt leidenschaftlich

Primzahlen auswendig. Ein

achtjähriger Holländer hat soeben die

Matura bestanden. Noch weiss er nicht, ob

er Mathematik oder Ingenieurwissenschaft

studieren wird. Der Studienplan

steht aber schon fest: ein Jahr für den Bachelor,

ein Jahr für den Master und die

Dissertation. Eine 13-jährige Geigerin

komponiert Opern im Stil des ausgehenden

18. Jahrhunderts. Spezielle Begabungen

gibt es demnach in den verschiedensten

Ausprägungen. Und es hat sie schon

immer gegeben. Christian Heinrich Heineken

wurde nur vier Jahre alt. Er wurde

1721 in Lübeck geboren und soll bereits

als Zweijähriger Latein und Französisch

beherrscht haben. Mit drei Jahren verfasste

er eine Geschichte Dänemarks. Immanuel

Kant nannte ihn ein «frühkluges

Wunderkind von ephemerischer Existenz»

und prägte damit einen Begriff, der

bis heute vor allem im Bereich der Musik

teilweise inflationär in Gebrauch ist.

Was aber ist eigentlich ein Wunderkind?

Wo ist der Unterschied zu einer Hochbe-

Begegnung zweier Giganten: Mendelssohn spielt für Goethe.

(Moritz Oppenheim, 1864; © wikipedia)

32 VSAO JOURNAL ASMAC Nr. 6 Dezember 2018


FOKUS WUNDER

gabung? Wie manifestiert sich eine Hochbegabung

und welchen Einfluss hat das

elterliche Umfeld? Wo geht sie einher mit

gesundheitlichen und sozialen Beeinträchtigungen?

Wo handelt es sich um

eine seltene «Inselbegabung», um das

sogenannte Savant-Syndrom? Wo ist die

Grenze zwischen Genie und Wahnsinn?

Und wo beginnt das eigentliche Wunder?

Abgrenzungen sind schwierig und letztlich

subjektiv.

Konsi Bern:

Zahlen und Fakten

Das Konservatorium Bern zählt zu den bedeutendsten

Einrichtungen seiner Art in der Schweiz.

Derzeit werden 2800 Kinder, Jugendliche und Erwachsene

in über 3000 Fachbelegungen von rund 120 Lehrkräften

unterrichtet.

Vermittelt wird ein äusserst breites Instrumentenspektrum,

das vom Schwyzerörgeli bis zum Barockcello reicht.

Ensembles, Orchester und Bands gehören ebenso zum

Angebot wie Kurse für Kleinkinder. Auch für erwachsene

Schülerinnen und Schüler ist das Angebot breit und vielgestaltig.

Informationen dazu gibt eine Broschüre, die

auf www.konsibern.ch aufgeschaltet ist.

Spielen für die Mächtigen: Alma Deutscher mit Sebastian Kurz und Wladimir

Putin. (© www.kremlin.ru.)

Das programmierte

Wunder

Derzeit wird auch die 13-jährige Alma

Deutscher aus London in den Feuilletons

als Wunderkind gehandelt. Ohne Zweifel

ist das Mädchen sehr begabt. An Wunder

mag man indes nicht so recht glauben.

Ihre Ausbildung gleicht einem Masterplan:

Klavierunterricht mit zwei Jahren,

Geigenunterricht mit drei, Homeschooling

ist angesagt, sie wird gefüttert mit Kompositionstechniken

des 18. Jahrhunderts,

schreibt Sonaten, Sinfonien und Opern im

Stil der alten Meister. Moderne Musik ist

für sie «Krach, der in den Ohren wehtut».

Pop oder Jazz hat sie überhaupt noch nie

gehört. Dabei wird sie immer wieder mit

dem jungen Mozart verglichen. Ein Vergleich,

der auch deshalb hinkt, weil Mozart

sich bereits als Kind mit der Musik

seiner Zeit auseinandersetzte. Seltsamerweise

wird das Beispiel Mozart auf der

ganzen Welt als Argument gebraucht, um

Kinder von klein auf zu drillen, sehr oft

weit über die Grenzen des Erträglichen

hinaus. Hat nicht Mozarts Vater das genauso

gemacht? Kinder werden oft missbraucht

für die Projektionen und unerfüllten

Wünsche der Eltern und Lehrpersonen,

Konzertagenturen wittern dabei

ein Geschäft und das Publikum ergötzt

sich an zugegeben manchmal sehr erstaunlichen

Leistungen. Was dabei in aller

Regel zu kurz kommt, ist die Persönlichkeitsentwicklung.

Dabei braucht es, wenn

die klassische Musik überhaupt eine Zukunft

haben soll, genau das: Persönlichkeit.

Und die ist nicht durch noch so viel

Drill zu haben. Dafür gibt es reihenweise

Beispiele von angeblichen Wunderkindern,

die in jungen Jahren grosse Erfolge

feierten, danach aber auf oft tragische

Weise im Meer der Mittelmässigkeit versanken.

Dennoch stehen die nächsten

Wunderkinder bereits Schlange.

Kreativ statt gedrillt

Einige schaffen es dennoch, die Karriere

fortzusetzen. Man fragt besser nicht, zu

welchem Preis. Zu selten sind die Beispiele,

die von sich selbst sagen, sie seien

glückliche Wunderkinder gewesen. Anne-

Sophie Mutter gehört nach eigener Aussage

dazu. Wer hingegen die Biografie von

Lang Lang gelesen hat, ahnt, welche Abgründe

sich hinter der polierten Oberfläche

auftun. Interessant ist zudem, dass es

sich im Bereich der (klassischen) Musik

meist nur um Interpreten handelt. Das

Schöpferische, das gerade Mozart und

Mendelssohn auszeichnet, zeigt sich

höchstens in kompositorisch epigonalen

Stilkopien. Selbstbestimmt geht anders.

Wie, das hat der junge Mendelssohn vorgemacht.

Er, der in keinem Musikerhaushalt

aufgewachsen ist, der sich für alle

möglichen Formen der Kunst interessierte,

der (wie übrigens seine mindestens so

begabte Schwester Fanny auch) zudem

ein Sprachgenie war, wurde in einem kulturaffinen

Umfeld bestmöglich gefördert.

Felix Mendelssohn ging schon sehr früh

eigene Wege und setzte sich bald schon

gegen das strenge Regime seines Lehrers

Zelter zur Wehr. Der vielen Kontrapunktübungen

überdrüssig brach es nach einer

ersten Schaffenskrise aus ihm heraus: Als

16-Jähriger schrieb er mit dem Oktett und

kurz darauf mit dem Sommernachtstraum

Werke, die bis heute zu den schönsten

und bedeutendsten der Romantik

zählen.

«Gras wächst nicht schneller, wenn man

daran zieht» sagt ein afrikanisches

Sprichwort. Wie wahr! Pflanzen gedeihen

aber je nach Umgebung, Licht, Wärme,

Boden und Dünger unterschiedlich.

Schnelles Wachstum allein ist kein Garant

für die Qualität. Am Konservatorium Bern

beschäftigen wir uns seit Generationen

mit musikalischer Erziehung. Unter unseren

Schülerinnen und Schülern finden

sich Begabungen aller Art, einige würden

andernorts vielleicht auch als Wunderkind

bezeichnet werden. Unabhängig von

Talent und Begabung entdeckt man bei

genauerem Hinsehen in jedem Kind wunderbare

Anlagen. Diese den individuellen

Möglichkeiten und Bedürfnissen entsprechend

zu entwickeln und zu fördern, ist

unser Auftrag. Wir erfüllen ihn mit Sorgfalt

und Leidenschaft, aber auch mit der

gebotenen Demut.


Nr. 6 Dezember 2018

VSAO JOURNAL ASMAC

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FOKUS WUNDER

Spatzen eilen ebenfalls zu Hilfe, wenn Schädlinge einen Baum befallen. (© Natalia Bachkova/ Shutterstock)

Das Flüstern des Apfelbaumes

Je mehr wir über Tiere wissen, desto grösser wird unser Staunen über ihre Fähigkeiten. Pflanzen

hingegen gelten oft als eine Art «Bioautomaten», deren einziges Kunststück die Photosynthese ist.

Neuere Forschungen lassen Pflanzen jedoch in einem ganz andern Licht erscheinen. Ihre unterschiedlichen

Kommunikationsformen oder ihre Möglichkeit, Tauschhandel zu betreiben, grenzen

ans Wunderbare.

Florianne Koechlin, Biologin und Autorin

Der älteste Apfelbaum der Schweiz steht in

einem Pfarreigarten in Interlaken und ist

fast 150 Jahre alt. Seit Beginn seines Lebens

bedrohen ihn Tausende Generationen von

Insekten, Bakterien, Viren, Tieren oder

Pilzen – ohne Erfolg. Stürme, Winde,

Kälteeinbrüche, Hitzesommer, Überflutungen

– der Apfelbaum überlebte, und zwar

an Ort und Stelle. Der Baum konnte bei

Gefahr nicht einfach fliehen wie Tiere und

Menschen. Um so erfolgreich zu überleben,

braucht der Baum vor allem ein ausgeprägtes

Kommunikationsvermögen: die

Fähigkeit zum Beispiel, unterschiedlichste

Verbündete anzulocken. Das denken heute

viele Wissenschaftlerinnen und Forscher.

«Dialekte»

Wird ein Apfelbaum von den gefrässigen

Raupen des Kleinen Frostspanners (Operophthera

brumata L.) heimgesucht, lockt

er mit einem Duftstoffcocktail Kohlmeisen

an. Diese riechen das SOS-Signal des befallenen

Apfelbaums und machen so gezielt

eine reichhaltige Raupenbeute. Wird

der Apfelbaum hingegen von Obstbaumspinnmilben

(Panonychus ulmi Koch)

angegriffen, sendet er ein etwas anderes

Duftstoffgemisch aus, mit dem er Raubmilben

(Amblyseius andersoni Chant) –

natürliche Feinde der Spinnmilben – anzieht.

Doch wie merkt der Apfelbaum, wer

an ihm frisst? Die Antwort lautet: Er erkennt

es am Speichel, der durch die Bisswunde

ins Blattinnere tropft. Forschungen

an andern Pflanzen (z.B. an Tomaten,

Limabohnen oder Tabakpflanzen) haben

ergeben, dass die Gewächse an den chemischen

Verbindungen des Insektenspeichels

erkennen, um wen es sich gerade handelt.

Dann ruft die Pflanze mit Duftstoffen den

geeigneten Bodyguard herbei, je nachdem,

wer an ihr frisst – ein grossartiges Kommunikationskunststück!

Alle Bäume, alle Pflanzen kommunizieren

mit Duftstoffen. Mit Duftstoffen senden

sie SOS-Signale aus, locken gezielt

Nützlinge an, warnen sich gegenseitig vor

einer kommenden Gefahr und koordinieren

sogar ihr Verhalten. Bis heute konnten

bei 900 Pflanzenfamilien rund 2000

«Duftstoffvokabeln» identifiziert werden.

Es gibt einen Grundstock von fünf bis zehn

chemischen Duftstoffsignalen, der allen

Pflanzen gemein ist. Jede Pflanze kann

zusätzlich eine grosse Zahl von verschiedenen

Duftstoffmixturen herstellen. Es

scheint also eine pflanzliche Grundsprache

zu geben und dazu kommen viele

«Dialekte», die für jede Pflanzenart charakteristisch

ist. Die «Dialekte» ergeben

sich durch leicht unterschiedliche Rezepturen

der chemischen Duftmoleküle.

Unterirdischer Marktplatz

Ein Wald besteht oberirdisch gesehen aus

einzelnen Bäumen – Buchen, Eichen, Fichten

oder Erlen. Unterirdisch ist der Wald zu

einem einzigen, hochdynamischen und

komplexen Ganzen verbunden. Dieses

34 VSAO JOURNAL ASMAC Nr. 6 Dezember 2018


FOKUS WUNDER

Netzsystem aus Baumwurzeln und Pilzfäden

nennt man Mykorrhiza, was auf Griechisch

Pilzwurzel heisst. Die meisten Waldbäume

und viele Pilze, zu denen auch

Steinpilze, Eierschwämme oder Röhrlinge

gehören, sind Teil von diesem Netz, das in

der wissenschaftlichen Literatur WWW genannt

wird: das Wood Wide Web.

Die meisten Krautpflanzen, viele Sträucher

und Bäume (auch unser Apfelbaum)

bilden ebenfalls unterirdische Mykorrhizanetze

mit einer andern Gruppe von

Pilzen. Interessant ist nun, dass Pflanzen

über das gemeinsame Netz im Boden

auch Nährstoffe und Informationen untereinander

austauschen.

In geeigneten Mischkulturen, wie sie früher

in Landwirtschaft und Gartenbau

gang und gäbe waren, bilden die Pflanzen

unter dem Boden mit dem Mykorrhizageflecht

eine Art dynamischen Marktplatz,

in dem jede Pflanze überschüssige Nährstoffe

abgeben und gegen solche eintauschen

kann, die sie gerade dringend benötigt.

Klee zum Beispiel kann Stickstoff

in das Netz liefern. Pflanzen mit langen

Wurzeln wiederum, wie Sträucher und

Bäume, können bei Trockenheit aus der

Tiefe Wasser holen und an das gemeinsame

Mykorrhizanetz abgeben. Es handelt

sich um eine grosse, unterirdisch verbundene

Lebensgemeinschaft.

Erste Versuche zeigen, dass Pflanzen über

dieses Netz auch Informationen untereinander

austauschen, sich zum Beispiel vor

einer kommenden Gefahr warnen. Das

Mykorrhizanetz funktioniert also auch

wie ein unterirdisches Internet der Pflanzengemeinschaften,

in noch ungeahntem

Ausmass.

Doch Pflanzen können sich über das Mykorrhizanetz

auch konkurrenzieren, wie

dieses Beispiel zeigt: Eine Forschergruppe

der Freien Universität Berlin setzte eine

Tagetes neben einen Gartensalat. Die

Pflanzen waren nur durch Mykorrhizanetze

miteinander verbunden. Der Gartensalat

gedieh deutlich schlechter, als

wenn er ohne Tagetes aufgewachsen

wäre. Die Gruppe wies nach, dass die Tagetes

pflanzentoxische Stoffe, sogenannte

Thiophene, aus den Wurzeln ausschied

und über das gemeinsame Mykorrhizanetz

in ihre Umgebung aussandte. Das

hinderte den benachbarten Gartensalat

am Wachsen.

Gemeinsame Wurzeln

Solche neuen wissenschaftlichen Befunde

stellen unsern Apfelbaum in ein neues

Licht. Galten Bäume und Pflanzen in der

Wissenschaft bisher als mehr oder weniger

isolierte «Objekte», die einfach Wasser und

Nährstoffe aufnehmen, Photosynthese

betreiben und Früchte produzieren, also

als fein tarierte «Bioautomaten», die ihren

genetischen Programmen folgen, so erscheinen

sie heute als aktive, kommunikative

und stark vernetzte Lebewesen.

Es ist unbestritten: Pflanzen sind ganz

anders als wir. Doch je mehr wir uns der

Zellebene nähern, desto mehr Ähnlichkeiten

treten auf. Pflanzenzellen kommunizieren

mit Signalstoffen und elektrischen

Signalen wie Tierzellen auch. Pflanzen

haben eine Art Immunsystem und ihre

Wurzeln können auf geheimnisvolle Art

zwischen «Selbst» und «Nichtselbst» unterscheiden.

Das ist vielleicht gar nicht so

erstaunlich, wenn wir an die Evolution

denken. Pflanzen, Tiere und Menschen

haben als gemeinsame Vorfahren die Einzeller,

die sich über drei Milliarden Jahre

entwickelt haben. Aus diesen interagierenden

einzelligen Lebewesen entwickelten

sich in den letzten 300 bis 400 Millionen

Jahren Pflanzen und Tiere parallel in eine

andere Richtung weiter. Wir sind also mit

Pflanzen verwandt.

Unsere Ähnlichkeiten auf der Zellebene

sind in unserer gemeinsamen Geschichte

begründet. Auf den darüber liegenden

Ebenen – auf der Ebene des Gewebes, erst

recht auf der Ebene der einzelnen Lebewesen

– unterscheiden sich Pflanzen und

Tiere radikal. Der Punkt ist aber: Beide

haben im Laufe der Evolution eine grosse

Flexibilität erreicht, um sich an eine sich

ständig verändernde Umwelt anpassen zu

können.

Dank seiner stupenden Flexibiliät, dank

seiner hochentwickelten Kommunikations-

und Vernetzungsfähigkeiten konnte

der Apfelbaum fast 150 Jahre allen

Frassfeinden und allen Wetterkapriolen

trotzen. Er wusste auch immer, wann er

blühen sollte, wie seine Blätter dem Schatten

ausweichen konnten, wie er Bienen

und andere Bestäuber anziehen konnte

oder wie stark der Wind an ihm rüttelte.

Sonst wäre er längst untergegangen. ■

www.blauen-institut.ch

Soeben erschienen: Was Erbsen hören

und wofür Kühe um die Wette laufen

(Lenos Verlag, 2018) und

Schwatzhafte Tomate, wehrhafter Tabak

(Lenos-Verlag, 2016)

Unsichtbar, aber hochdynamisch: das Wood Wide Web. (© Günter Albers/Shutterstock)

Nr. 6 Dezember 2018

VSAO JOURNAL ASMAC

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FOKUS WUNDER

Wunder gibt es nicht, oder?

Beim Wort Wunderheilung runzeln wohl die meisten von uns die Stirn. Diese Geschichten gehören

wahrscheinlich eher ins Reich der Mythen und Legenden als in den klinischen Alltag. Dennoch

haben wir Stephanie von Orelli, Chefärztin der Frauenklinik Triemli, und den emeritierten Professor

für Onkologie Thomas Cerny gefragt, ob sie in ihrem Berufsleben je so etwas wie ein Wunder erlebt

haben. Hier ihre Antworten.

Frau von Orelli, haben Sie

jemals ein Wunder erlebt?

Ja, für mich und die Patientin war das

wirklich ein Wunder, es geschah so:

Frau S. kam in meine Sprechstunde, sie

war wider Erwarten von einem neuen Partner

mit 46 Jahren schwanger geworden. Sie

ist eine jünger wirkende Frau, sehr sportlich,

also in guter körperlicher Verfassung.

Alle pränatalen Tests waren unauffällig,

und trotzdem hatte ich immer ein etwas

ungutes Gefühl. Weitere Kontrollen fielen

ebenfalls unauffällig aus, das Paar freute

sich sehr auf das Kind.

Eines Morgens war ich wie üblich um

7 Uhr im Büro, ein Oberarzt rief mich an,

da er mich gesehen hatte. Er berichtete,

Frau S. sei im Gebärsaal, sie blute stark,

sei in der 33. Schwangerschaftswoche und

er könne im Ultraschall keine kindliche

Herzaktion mehr sehen. Ich rannte in den

Gebärsaal und sah es mit eigenen Augen:

Das Herz macht nur noch ganz feine Bewegungen,

fast nicht sichtbar; bewegt

hatte sich das Kind schon länger nicht

mehr. Aus einem Bauchgefühl heraus und

in Absprache mit der Patientin haben wir

einen Notfallkaiserschnitt ausgelöst, zwölf

Minuten später war das Kind da und wurde

von den Neonatologinnen reanimiert.

Es kam alles gut, das Mädchen ist inzwischen

acht Jahre alt und vollkommen

gesund. Im Nachhinein habe ich mich

wiederholt gefragt, was mir damals diesen

starken Impuls zum Handeln gegeben

hatte. Es hätte ebenso wirklich schief gehen

können, und das Mädchen hätte

durch den Sauerstoffmangel schwerste

Behinderungen davontragen können.

Aber eben, es war ein Wunder.

Herr Cerny, haben Sie jemals

ein Wunder erlebt?

Nein, etwas ausserhalb jeder Erwartung

habe ich nicht erlebt. Es gab Fälle von

Lymphomen mit spontaner Regression

über Jahre. So etwas kennen wir letztlich

jedoch gut, selbst wenn die Patienten einen

solchen Verlauf wie ein Geschenk oder

Wunder erleben. Allerdings ist die Krankheit

meistens nicht wirklich weg, sondern

kommt wieder, auch wenn sie oft viele

Jahre («watch and wait») nicht behandelt

werden muss.

Dann gab es mehrere Fälle von Patienten

mit metastasiertem Nierenzellkarzinom,

welche z.B. nach einer Pneumonie eine

eindrückliche Regression ihrer Metastasen

erfuhren. Daran erinnere ich mich

nicht zuletzt deshalb so gut, weil es so

verblüffend ist, im Röntgenbild die Metastasen

mit der Pneumonie schrumpfen zu

sehen. Die Pneumonie löst aber physiologisch

eine Zytokinschwemme aus, welche

ebenso gegen diese Metastasen wirken

kann, wie z.B. das dafür zugelassene Interferon.

Neu ist ein immunologisch ausgelöstes

kollaterales Phänomen wie z.B.

auch der abskopale Effekt bei lokaler Bestrahlung

also nicht. Bereits der russische

Schriftsteller und Arzt Anton Tschechow

soll über solche Fälle berichtet haben. Alle

diese «Wunder» lassen sich folglich erklären;

völlig unerklärbare Fälle kenne ich

persönlich keine.


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MEDISERVICE VSAO-ASMAC

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Publikation2018

FOKUSSIERT

KOMPETENT

TRANSPARENT

36 VSAO JOURNAL ASMAC Nr. 6 Dezember 2018


FOKUS WUNDER

Die Top Seven der Antike

Tourismus ist nichts Neues. Bereits in vorchristlicher Zeit interessierte man sich dafür, was es in

der «bewohnten Welt» zu sehen gibt. So entstand der erste Reiseführer, der die sieben herausragendsten

Sehenswürdigkeiten aufführte, die sogenannten sieben Weltwunder. Beurteilt wurde

neben schierer Grösse und Schönheit vor allem die technische Leistung, die hinter den Bauten stand.

Catherine Aeschbacher, Chefredaktorin VSAO-Journal

Die sieben Bundesräte aufzuzählen, fällt

einem halbwegs politisch Interessierten

wohl nicht so schwer. Bei den sieben Weltwundern

wird es schon etwas schwieriger:

Die Cheops-Pyramide von Gizeh, die Hängenden

Gärten von Babylon, der Koloss

von Rhodos sind vermutlich geläufig; das

Grab des Mausolos II. zu Halikarnassos,

die Zeusstatute in Olympia, der Artemistempel

in Ephesos sowie der Leuchtturm

auf der Insel Pharos vor Alexandria sind

hingegen ein wenig in den Hintergrund

gerückt. Im zweiten Jahrhundert v. Chr.

galten diese sieben Bauwerke als die

schönsten und beeindruckendsten der

damals bekannten Welt. Erstellt hat die

Liste der phönizische Schriftsteller Antipatros

von Sidon, der Mitte des zweiten

Jahrhunderts v. Chr. den ersten überlieferten

Reiseführer verfasste. Die Bezeichnung

Weltwunder benutzte er nicht, genauso

wenig erstellte er innerhalb seiner

Auswahl eine Rangliste. Ursprünglich

führte er anstelle des Leuchtturms von

Pharos die Stadtmauern von Babylon auf,

da diese jedoch zerstört wurden, passte

Gregor von Tours im 6. Jahrhundert die

Liste kurzerhand an.

Beeindruckt waren Antipatros und seine

Zeitgenossen von der Schönheit, aber vor

allem auch von der Grösse der Bauwerke

und von den technischen Meisterleistungen,

die diese Dimensionen möglich gemacht

hatten. Das 50 Meter hohe Mausoleum

von Halikarnassos war nicht nur ein

gelungener Stilmix aus griechischen,

ägyptischen und persischen Elementen,

sondern der erste zweigeschossige Monumentalbau

der griechischen Architektur.

Der Koloss von Rhodos soll beinahe 36 Meter

hoch gewesen sein und zwölf Tonnen

gewogen haben. Der riesige Artemistempel

ruhte auf 117 Säulen von je ca. 18 Metern

Höhe und bis zu seiner Fertigstellung vergingen

120 Jahre. Nur gerade 20 Jahre

dauerte hingegen der Bau der Cheops-Pyramide,

dem neben der chinesischen Mauer

grössten je erstellten Bauwerk.

Vergängliche Grösse

Ausser dem ältesten Weltwunder, den Pyramiden,

sind alle andern heute entweder

gänzlich verschwunden oder höchstens

noch stückweise erhalten. Naturkatastrophen

oder menschliche Zerstörungswut

haben für ihr Ende gesorgt. Ironischerweise

traf es das jüngste Bauwerk zuerst: Der

Koloss von Rhodos wurde nur 66 Jahre

nach seiner Erstellung von einem Erdbe-

Die sieben Weltwunder der Antike, mehr oder weniger phantasievoll umgesetzt (© ArtMari/shutterstock.com)

Nr. 6 Dezember 2018

VSAO JOURNAL ASMAC

37


FOKUS WUNDER

Die 2007 erkorenen, nicht ganz umstrittenen neuen Weltwunder (© Angelica Ermakova/shutterstock.com)

ben zerstört. Seine Überreste lagen aber

rund 700 Jahre herum und konnten bestaunt

werden. Als die Araber Rhodos eroberten,

verkaufen sie die Bronzeteile, die

danach eingeschmolzen wurden. Ebenso

spurlos verschwunden sind die Hängenden

Gärten von Babylon oder die Zeusstaute

von Olympia. Ausgrabungen und erhaltene

Artefakte zeugen noch heute von den andern

Wundern. Und mindestens zwei haben

auch sprachliche Spuren hinterlassen:

Die Bezeichnung Mausoleum für prunkvolle

Gräber geht auf den König Mausolos

II. zurück, das italienische bzw. französische

Wort für Leuchtturm («faro» bzw.

«phare») erinnert an die Alexandria vorgelagerte

Insel Pharos, auf der der höchste

jemals errichtete Leuchtturm stand.

Neue Listen, neue Wunder

Antipatros war nicht der einzige, der Listen

von Sehenswürdigkeiten erstellte. Bereits

in der Antike erwuchs ihm Konkurrenz.

Aufgelistet wurde etwas das Kapitol in

Rom oder der Altar der Göttin Artemis auf

Delos. Die Listen wurden je nach Weltgegend

und Zeitalter angepasst. So zählten

zeitweise die gesamt Stadt Rom, die Hagia

Sophia und selbst die Arche Noah zu den

Weltwundern.

2001 gründete der Schweizer Bernhard

Weber die New7Wonders Foundation mit

dem Ziel, das kulturelle Erbe sowie die

Naturwunder weltweit ins Bewusstsein zu

rücken. Inspiriert von Pierre de Coubertin,

der Ende des 19. Jahrhunderts die Olympischen

Spiele wieder aufleben liess, sollte

eine neue Liste der sieben Weltwunder

erstellt werden. Diesmal jedoch in einem

demokratischen Verfahren, an dem theoretisch

jeder Mensch teilnehmen konnte.

Aus den eingegangenen Vorschlägen erstellte

ein Expertenteam eine 21 Bauten

umfassende Shortlist. Am 7. 7. 2007 wählten

ca. 100 Millionen Menschen die sieben

neuen Weltwunder, nämlich: die Mayapyramide

Chichén Itzá in Yucatan, die

Chinesische Mauer, die Christusstatue in

Rio, das Kolosseum in Rom, die Inkastadt

Machu Picchu in Peru, die Felsenstadt

Petra in Jordanien sowie das Taj Mahal in

Indien. Nachdem es zu Unstimmigkeiten

wegen Einflussnahme auf den Abstimmungsprozess

gekommen war, zog die

UNESCO ihre anfängliche Unterstützung

zurück. Folglich haben die neuen Weltwunder

kein «amtliches Siegel», was sie

letztlich mit jenen auf Antipatros’ Liste

verbindet. Unverändert ist auch die Freude

am Erstellen von Listen, weshalb immer

wieder neue Weltwunder aller Art erkoren

werden.


38 VSAO JOURNAL ASMAC Nr. 6 Dezember 2018


FOKUS WUNDER

Corriger la nature

Seit der Antike streben Menschen danach, ihr von der Natur gegebenes Äusseres zu verbessern.

Im 19. Jahrhundert wurde dies erstmals auf chirurgischem Weg getan. Heute hat sich die ästhetische

Chirurgie weltweit etabliert. Wunder kann auch sie nicht vollbringen, aber oft eine Verbesserung.

Die Kunst besteht jedoch nicht zuletzt darin, Patienten die Grenzen des Machbaren aufzuzeigen.

Rosmarie Adelsberger, Fachärztin für Plastische, Rekonstruktive und Ästhetische Chirurgie, Klinik Pyramide am See, Zürich

Ein bisschen schöner geht immer. Der

Mensch strebt seit jeher danach, sein

Äusseres zu verbessern. Archäologen machen

immer wieder Entdeckungen, die

vom Schönheitssinn unserer Vorfahren

erzählen. Bereits im antiken Ägypten dienten

nebst Schminke, Duftölen, Bädern und

Salben Perücken nicht nur dazu, schön

und gesund auszusehen, sondern um den

gesellschaftlichen Stand zu betonen. Im

römischen Reich schminkten sich die

Frauen nicht nur, sie lackierten sich auch

Finger- und Zehennägel und epilierten

unerwünschte Körperhaare.

Goldener Schnitt

Doch was ist Schönheit? Was der Mensch

als schön empfindet, ist sicherlich den

Lebensumständen und der Mode der aktuellen

Epoche unterworfen. Schönheit

ist jedoch nicht nur eine Frage von dick

und dünn, klein oder gross, sondern eine

Frage der Proportionen, der Symmetrie

und wie sich einzelne Teile zu einem vollendeten

Ganzen vereinigen: dem berühmten

Goldenen Schnitt. Darin waren

sich bereits die Philosophen der Antike

einig.

Schönheit signalisiert bei der Frau Gesundheit,

gute Gene und Fruchtbarkeit.

Bei der Beurteilung der männlichen Attraktivität

fällt neben der Schönheit auch

der verfügbaren Macht ein wichtiger Stellenwert

zu. Napoleon beispielsweise lagen

die Frauen zu Füsse, trotz seines eher

unvorteilhaften Äusseren. Auch im Tierreich

spielt die Schönheit eine enorme

Rolle. Dies zeigte beispielsweise ein Experiment

mit Hahnenschweif-Widas-Vögeln

in Afrika. Je grösser der Schweif des Männchens,

desto mehr Interesse haben die

Weibchen an ihm und desto grösser ist die

Anzahl seiner Nachkommen. Im Experiment

wurden die grössten Schweife gestutzt

(für die Vögel ein schmerzloses

Unterfangen) und die Federn denjenigen

Männchen angeklebt, welche bis dahin

eher uninteressant für die Weibchen waren.

Plötzlich hatten die Weibchen mehr

Interesse an diesen Vögeln und die ehemaligen

Prachtkerle blieben unbeachtet.

Aktive Verbesserung

Wir Menschen sind jedoch die einzige Spezies,

die ihre Schönheit aktiv verändern

kann, weshalb wir dies auch tun. D.h.,

sind die Möglichkeiten zu Verbesserung

der eigenen Schönheit vorhanden, werden

diese auch genutzt.

Die erste Operation, welche nur zwecks

Verbesserung der Schönheit durchgeführt

wurde, war eine Otopexie. Vorgenommen

wurde sie durch den deutschen Chirurgen

Jacques Joseph 1896 in Berlin an einem

Kind. Dieses wurde wegen seiner abstehenden

Ohren von anderen Kindern so

gehänselt, dass die Mutter um eine ästhetische

Korrektur bat.

Im Folgenden haben der medizinische

Fortschritt, die immer sicher werdenden

Anästhesieverfahren und die Zunahme

des Wohlstandes den Stellenwert der Ästhetischen

Chirurgie wesentlich erhöht.

Die Menschen sind immer weniger dazu

bereit, das eigene Aussehen als Schicksal

hinzunehmen.

In den 80er und 90er Jahren erlebte die

Ästhetische Chirurgie einen weiteren Auftrieb,

da die Menschen so aussehen wollten,

wie berühmte Schauspieler oder Models.

In den 2000er Jahren waren es die

Reality-TV-Shows und heutzutage sind es

die sozialen Medien, welche die Akzeptanz

und Nachfrage nach ästhetischen Behandlungen

und Operationen weiter steigen

lassen.

Brust, Fett, Augenlid

Die Top 5 der ästhetischen Operationen

weltweit haben sich in den letzten acht

Jahren nicht verändert. Zu ihnen gehören

nach wie vor die Mammaaugmentationsplastik,

Liposuktion, Blepharoplastik,

Rhinoplastik und Abdominoplastik. Lediglich

die Reihenfolge hat sich in diesem

Zeitraum immer wieder leicht geändert.

So stand 2010 und 2011 die Liposuktion

an erster Stelle, 2013 die Mammaaugmentationsplastik,

2014 die Blepharoplastik

und seit 2015 unbestritten wieder die

Mammaaugmentationsplastik.

Der weltweit grösste Zuwachs mit +45

Prozent an Operationen zeigt aktuell die

Labienkorrektur. Das ist der am schnells-

Top 5 ästhetischen Operationen weltweit 2016

Nr. 6 Dezember 2018

VSAO JOURNAL ASMAC

39


FOKUS WUNDER

ten wachsende OP-Trend. Weitere zunehmende

Trends sind

• beim Lower Body Lift (Bauch-, untere

Rücken-, Oberschenkelstraffungen)

mit +29 Prozent,

• beim Upper Body Lift (obere Rücken-,

Brust-, Armstraffung) +22 Prozent,

• bei der Mammaaugmentation mit

Eigenfett +22 Prozent

• und beim Gesässlift mit +20 Prozent

zu erkennen.

Top 5 Trends von ästhetischen Operationen weltweit 2016

Griechenland an der

Spitze

Die Top 5 der Länder mit den meisten

durchgeführten ästhetischen Operationen

2016 waren: 1. USA 2. Brasilien 3. Japan

4. Italien 5. Mexiko

Etwas anders sieht die Statistik aus, wenn

man nicht absolute Zahlen, sondern die

am meisten durchgeführten ästhetischen

Operationen pro 10 000 Einwohner betrachtet:

Hier liegt Griechenland weit vorne,

gefolgt von Belgien, Italien und dem

Libanon. Die USA schaffen es in dieser

Statistik lediglich auf Platz 5. Speziell

Griechenland auf Platz eins zeigt deutlich,

dass auch in Krisenzeiten das Geschäft

mit der Schönheit florieren kann.

Top 5 Länder mit den meisten ästhetischen Operationen

Schweiz auf Rang 7

Im Gegensatz zu den oben genannten

Ländern gibt es in der Schweiz leider kein

zentrales Register für ästhetische Operationen

oder Behandlungen. Schätzungen

ergeben jedoch, dass die Schweiz bei den

ästhetischen Operationen pro 10 000 Einwohner

an 7. Stelle stehen würde, und

dass die am meisten durgeführte Operation

die Liposuktion ist.

Die am häufigsten durchgeführten ästhetischen

Operationen in der Klinik Pyramide

am See 2017/2018 sind:

1. Mamma-Operation (Vergrösserung,

Verkleinerung, Straffung)

2. Blepharoplastik

3. Liposuktion

4. Rhinoplastik

5. Abdominoplastik

6. Face-Neck-Lift

7. Otopexie

8. Labienkorrektur

Top 5 Länder mit den meisten ästhetischen Operationen

pro 10 000 Einwohner

Das durchschnittliche Alter aller Patienten

liegt bei 40,3 Jahren. Das durchschnittliche

40 VSAO JOURNAL ASMAC Nr. 6 Dezember 2018


FOKUS WUNDER

Alter der weiblichen Patienten liegt bei 39,8

Jahren, während es bei den männlichen

Patienten bei 47,6 Jahren liegt. Der Männeranteil

ist im weltweiten Vergleich mit

5,5% (noch) eher niedrig. Die Top-5-Operationen

bei den Männern weicht von der

oben aufgeführten Rangliste ab: 1. Blepharoplastik,

2. Liposuktion, 3. Otopexie,

4. Rhinoplastik, 5. Abdominoplastik.

Botulin und Hyaluron

Neben den chirurgischen Eingriffen nehmen

nicht- und minimalinvasive Behandlungen

wie Faltenbehandlung mit

Botulinumtoxin oder Hyaluronsäure jährlich

weiter zu. In den USA wurde eine

enorme Zunahme von 40,6 Prozent zwischen

2012 und 2017 festgestellt.

Die häufigsten ästhetischen Operationen in der Klinik Pyramide am See,

Zürich 2017/2018 (*Mammaaugmentation und -reduktion, Mastopexien)

Die am häufigsten durchgeführten

nicht- und minimalinvasiven Behandlungen

in der Klinik Pyramide am See

2017/2018 sind:

• Faltenbehandlung mit

Botulinumtoxin A

• Faltenbehandlungen mit

Hyaluronsäure

• Skin Rejuvenation mit Laser

• Skin Rejuvenation oder Förderung

des Haarwachstums mit Platelet Rich

Plasma

• Haartransplantation

Zeigen, was möglich ist

Neben dem eigentlichen Eingriff besteht

eine weitere wichtige Aufgabe des plastisch-ästhetischen

Chirurgen darin, dem

Patienten die Möglichkeiten, Risiken und

Grenzen von ästhetischen Eingriffen und

deren Resultaten zu erklären. Es ist bei

weitem nicht alles durch eine Operation

lösbar. Vieles muss der Patient auch weiterhin

als naturgegeben akzeptieren.

Auch in der Ästhetischen Chirurgie gilt

manchmal «weniger ist mehr». Die

grosse Kunst eines guten plastisch-ästhetischen

Chirurgen besteht darin, diese

Balance zu finden und sie den Patienten

verständlich zu machen. Auf keinen Fall

sollten ästhetische Operationen dazu

führen, dass die Menschen künstlich

aussehen.


Top 5 ästhetischen Operationen bei Männern

in der Klinik Pyramide am See, Zürich 2017/2018

Nr. 6 Dezember 2018

Quellen: ISAPS, ASAPS, Watson, Klinik

Pyramide am See

Top 5 ästhetische nicht- oder minimalinvasive Behandlungen

in der Klinik Pyramide am See, Zürich 2017/2018

VSAO JOURNAL ASMAC

41


PERSPEKTIVEN

FACHSERIE: AKTUELLES AUS DER KARDIOLOGIE: EXTRAKORPORALE HERZUNTERSTÜTZUNGSSYSTEME

Provisorium oder definitive Lösung

In der Schweiz könnten ca. 5000 Patienten mit einer hochgradigen Herzinsuffizienz von einem Spenderherz

profitieren. Vorhanden sind alljährlich 30 bis 40 Organe. Zur Überbrückung oder als dauerhafte

Lösung dienen extrakorporale Herzunterstützungssysteme. Künftig wird nicht nur eine weitere

Miniaturisierung dieser Systeme erwartet, sondern auch eine «kabellose» Antriebssteuerung.

David Reineke und Thierry Carrel, Universitätsklinik für Herz- und Gefässchirurgie, Schweizer Herz- und Gefässzentrum,

Inselspital Bern

Weltweit leiden etwa 25 Millionen Menschen

an einer Herzinsuffizienz; die Prävalenz

hat in den letzten 20 Jahren, nicht

zuletzt wegen der höheren Lebenserwartung

der Bevölkerung, vor allem in der

westlichen Welt, zugenommen. Eine optimierte

medikamentöse Therapie bleibt die

anzustrebende Behandlung der Herzinsuffizienz,

währendem die Herztransplantation

heute noch die beste Option für die

Behandlung der terminalen Herzinsuffizienz

darstellt, wenn sämtliche konservative

Möglichkeiten ausgeschöpft sind.

In der Schweiz leben schätzungsweise

circa 200 000 Menschen mit einer Herzinsuffizienz.

Davon sind ca. 2–3 Prozent

in der funktionellen Klasse NYHA III bis

IV (ca. 5000 Patienten). Jährlich stehen

schweizweit zwischen 30 und 40 Spenderherzen

für diese Patientengruppe zur

Verfügung. Ist eine Herztransplantation

aufgrund der strikten Auswahlkriterien

oder der oftmals langen Wartezeit nicht

zeitgerecht durchführbar, können Unterstützungssysteme

Abhilfe schaffen.

Unterstützungssysteme

Seit über 40 Jahren wird versucht, die Leistung

des Herzens durch extra- oder intrakorporale

Pumpsysteme zu unterstützen

oder vollständig zu ersetzen. Ein kompletter

anatomischer Ersatz (klassisches

Kunstherz) wird nur in den seltensten

Fällen durchgeführt und hat sich bis heute

nicht durchgesetzt. In der Regel werden

die eingesetzten Systeme am im Körper

belassenen Herzen angeschlossen.

Die Behandlungsstrategie richtet sich vor

allem nach Alter und Zustand des Patienten.

Folgende Strategien werden heute –

in der Reihenfolge ihrer Häufigkeit – verfolgt:

––

Überbrückung zur Transplantation

(bridge to transplant)

––

Endgültige Therapie (destination therapy)

––

Überbrückung bis zur Erholung (bridge

to recovery)

––

Überbrückung bis zu einer Entscheidung

(bridge to decision).

Es wird auch zwischen kurz- und langfristiger

Unterstützung unterschieden. Bei

der kurzfristigen Überbrückung werden

meistens beide Herzkammern vollständig

entlastet, um so eine rasche Erholung des

Herzens zu erwirken. Manchmal aber

auch, um Zeit zu gewinnen, bis eine Entscheidung

möglich ist, zum Beispiel nach

einer Reanimationssituation mit unklarer

Neurologie oder nach einer herkömmlichen

Herzoperation bei schwerst eingeschränkter

Pumpleistung des Herzens

(bridge to decision). Eine Entlassung nach

Hause ist in diesen Fällen in der Regel

nicht möglich.

Linksventrikuläres implantierbares Unterstützungssystem

Zur langfristigen Überbrückung (Monate

oder Jahre) haben die im Körper liegende

Ein-Kammer-Systeme die früheren

ausserhalb des Körpers liegenden pneumatischen

Systeme weitgehend ersetzt. Es

handelt sich dabei um kleine künstliche

Pumpsysteme, die zum Beispiel mit einer

Art Schraube (ähnlich wie eine Schiffsschraube)

angetrieben werden.

Die Energie wird über ein Versorgungskabel

vermittelt und die Batterie wird ausserhalb

des Körpers mitgetragen. Es muss

also dauerhaft ein Kabel aus dem Körper

ausgeleitet werden. Die Pflege dieser Kabel

ist sehr wichtig, um Infekte zu verhindern.

Mittlerweile wurden diese Systeme miniaturisiert,

sodass sie auch bei Kindern

eingesetzt werden können.

42 VSAO JOURNAL ASMAC Nr. 6 Dezember 2018


PERSPEKTIVEN

sind zu erwarten. Die Kombination von

elektromagnetischen und hydrodynamisch

gelagerten Turbinen ermöglicht die

Entwicklung extrem kleiner und hochtouriger

Aggregate für die partielle oder komplette

Herzunterstützung. Der nächste

Entwicklungsschritt wird die «kabellose»

Antriebssteuerung (TET = transkutanes

Energietransformer-System) sein, der die

infektionsgefährdete Austrittsstelle des

Steuerungskabels überflüssig machen

wird.

Miniaturisierte Herzunterstützungssysteme, Systeme der Zukunft

INTERMACS-Kriterien und Implantationszeitpunkt

Zuweisung und Zeitpunkt

der Implantation

Gemäss den Leitlinien der European Society

of Cardiology (ESC) 2017 entspricht

die Implantation eines Kunstherzens bei

einem hochselektiven Patientengut, welches

für die Herztransplantation geeignet

ist, einer Klasse-IB-Empfehlung.

Dabei handelt es sich um Patienten, die

unter einer schweren symptomatischen

Herzinsuffizienz leiden, bei denen sämtliche

konventionellen chirurgischen, medikamentösen

und elektrophysiologischen

Massnahmen ausgeschöpft sind und die

Wartezeit für ein Spenderherz zu lang ist

(bridge to transplantation) respektive zuerst

der Zustand der Transplantierbarkeit

erreicht werden muss (bridge to candidacy).

Die Kunstherzimplantation bei einem

ähnlichen Patientengut, welches sich aber

nicht für eine Herztransplantation eignet,

entspricht einer Klasse-IIA-Empfehlung

(destination therapy).

Die Implantation muss erfolgen, bevor

irreversible Nieren-, Leber- oder Lungenschäden

entstanden sind. Eine grosse

Entscheidungshilfe sind die INTERMACS-

Kriterien, nach welchen der Krankheitsgrad

des Patienten eingeschätzt wird und

so der optimale Zeitpunkt für die Implantation

eines Herzunterstützungssystems

abgeleitet werden kann.

Die guten Erfahrungen vor allem mit den

vollständig implantierbaren linksventrikulären

Unterstützungssystemen haben

dazu geführt, dass diese Systeme bei dafür

geeigneten Patienten, die aufgrund des

Alters oder der Summe der Nebenerkrankungen

für eine Herztransplantation

nicht mehr infrage kommen, als Dauerlösung

(sogenannte Destinationsbehandlung),

also mit dem Ziel einer Herzunterstützung

von ≥ 5 Jahren, eingesetzt werden

können.

Zukunft

Eine weitere Miniaturisierung der Pumpen

sowie auch eine Verkleinerung und

Vereinfachung der Steuerungskonsolen

Neben dem idealen Zeitpunkt der Implantation

ist die rechtzeitige Zuweisung durch

Hausärzte und niedergelassene Kardiologen

an ein erfahrenes Herzinsuffizienzteam

entscheidend. Dieses Team muss

nach Implantation eines Unterstützungssystems

in regelmässigen Abständen die

Einstellungen überprüfen, die Blutgerinnung

anpassen und engmaschige Wundkontrollen

vor allem im Bereich des Ver-

Nr. 6 Dezember 2018

VSAO JOURNAL ASMAC

43


PERSPEKTIVEN

www.swisstransplant.org Grafik 4.2. | Stand 3/18

Herztransplantationen und Warteliste | 2017

Herztransplantationen und Warteliste

160

1481

140

120

100

80

60

40

20

0

2009

2011

2013

2015

2017

2017

40/112

1

Die Zahlen setzen sich zusammen aus

der Anzahl Patienten auf der Warteliste

(Stand 31. Dezember 2016) plus

der Anzahl Patienten, welche 2017

neu gelistet wurden.

2

davon im Urgent-Status

Warteliste

Warteliste

Transplantationen

Transplantationen

1

Zahlen setzen sich zusammen aus der Anzahl Patienten auf der Warteliste (Stand 31. Dezember 2016)

Herztransplantationszahlen und Patienten auf der Warteliste in der Schweiz (Quelle Swisstransplant, Jahresbericht 2017)

plus der Anzahl Patienten, welche 2017 neu gelistet wurden.

2

davon im Urgent-Status

www.swisstransplant.org

sorgungs- und Steuerungskabels durchführen.

Nicht frühzeitig erkannte Probleme

können weitreichende Folgen nach

sich ziehen.

Während Patienten mit anderen schweren

Organstörungen oder Krebsleiden

dem spezialisierten Zentrum häufig

frühzeitig vorgestellt werden, scheint es

leider nach wie vor nicht selbstverständlich,

Patienten mit Grafik einer 4.1. fortgeschrittenen

Herzinsuffizienz, die in ihrer Morta-

| Stand 3/18

lität und Morbidität einem metastasierenden

Tumor in nichts nachkommt, einem

spezialisierten Team zuzuweisen. Es

muss verhindert werden, dass sich Folgeschäden

wie eine begleitende Niereninsuffizienz

(kardiorenales Syndrom), eine

pulmonal-arterielle Hypertonie oder eine

kardiale Kachexie bilden.

Zukunft der

Herztransplantation

Seit Jahren besteht in der Schweiz, aber

auch in anderen europäischen Ländern

ein Mangel an Spenderorganen. Die Anzahl

von 30 bis 40 Herztransplantationen

pro Jahr ist, im Vergleich zu den 80 bis 100

Patienten, die auf der Warteliste stehen,

zu niedrig.

Die gespendeten Organe bleiben (dies gilt

besonders für Deutschland) oft nur den

dringlichen Fällen vorbehalten. Da sowohl

die Qualität der gespendeten Organe

bei geringer Auswahl eher schlechter wird

und die Empfänger (durch ihre Hochdringlichkeitsstufe

bedingt) meistens sehr

krank sind, sind die Ergebnisse der Transplantation

nicht zu verbessern. In den

letzten Jahren ist das Ein-Jahres-Überleben

deswegen unter den kritischen Wert

von 80 Prozent gesunken.

Obwohl die Herztransplantation weiterhin

eine wichtige Rolle in der Behandlung der

terminalen Herzinsuffizienz spielt, wird

die Kunstherztherapie vor allem als Destinationstherapie

an Bedeutung zunehmen.

Und zieht man in Betracht, dass die

Überlebensdaten in der Kunstherztherapie

bei 1, 3 und 5 Jahren liegen, so sind diese

jenen nach Herztransplantation weitgehend

ebenbürtig.


Überleben nach Herztransplantation (Deutsche Stiftung für Organspende)

Empfohlene Literatur

Parameshwar J, Hogg R, Rushton S, Taylor R,

Shaw S, Mehew J, Simon A, MacGowan GA,

Dalzell JR, Al Attar N, Venkateswaran R, Lim

44 VSAO JOURNAL ASMAC Nr. 6 Dezember 2018


PERSPEKTIVEN

HS, Schueler S, Tsui S, Banner NR. Patient

survival and therapeutic outcome in the UK

bridge to transplant left ventricular assist

device population. Heart. 2018, pii:

heartjnl-2018-313355. doi: 10.1136/

heartjnl-2018-313355.

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Nair AP, Morgan JA, Fedson SE, Deswal A,

Navaneethan SD. Implantable Ventricular

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Koval C. VAD infection during bridge-to-transplant,

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Takeda K, Takayama H, Kalesan B et al. Longterm

outcome of patients on continuous-flow

left ventricular assist device support. J Thorac

Cardiovasc Surg 2014; 148: 1606–14.

LESERBRIEF

Für eine

bessere Welt

Für eine bessere Welt investieren Medizinstudierende

und junge Ärztinnen und

Ärzte eine sehr lange Zeit ihres Lebens in

ihre Aus- und Weiterbildung, nehmen

diverse Mühen und Strapazen auf sich für

einen der schönsten Berufe dieser Welt

und um ihre Patienten bestmöglich beraten

und versorgen zu können. Im Zentrum

stehen das Mitgefühl und der individuelle

Mensch.

Wie alle Menschen bewegen wir uns in

einer immer komplexeren Welt und für

übergeordnete oder gar politische Dinge

fehlt uns oft schlicht die Zeit. Das ging mir

in jüngeren Jahren genauso.

Für eine bessere Welt und aus aktuellem

Anlass möchte ich Euch alle einladen,

Mitglied bei den ÄrztInnen für soziale

Verantwortung/zur Verhütung des Atomkrieges

IPPNW Schweiz zu werden.

Die Organisation erhielt 1985 den Friedensnobelpreis

und ihre Tochterorganisation

ICAN den gleichen Preis 2017 für den

Versuch, im Rahmen der UNO und mithilfe

von bisher 122 Nationen einen globalen

Atomwaffenverbots-Vertrag durchzusetzen.

Dieser Einsatz verdient unsere Unterstützung,

insbesondere da der Bundesrat diesen

Vertrag aktuell nicht ratifizieren will.

Alternativ oder zusätzlich könnt Ihr für

weniger Geld auch der neuen Friedensbewegung

friedenskraft.ch beitreten (Partnerschaft

mit IPPNW) oder die Gratisapp

«Friedenskraft» runterladen, um informiert

zu bleiben.

Alternativlos aus unserer Sicht – ist nur

der Gewaltverzicht.

Dr. med. Paul Steinmann, Augenarzt

Worb, Mitglied IPPNW Schweiz

& friedenskraft.ch

Nr. 6 Dezember 2018

VSAO JOURNAL ASMAC

45


PERSPEKTIVEN

AUS DER «THERAPEUTISCHEN UMSCHAU»

Kardiovaskuläre Risikostratifizierung

bei arterieller Hypertonie

und therapeutische Implikationen

Für eine zielgerichtete Prävention kardiovaskulärer Ereignisse bzw. Komplika tionen ist es wichtig,

die individuellen kardiovaskulären Risikofaktoren und eventuell bereits vorhandene subklinische

oder klinische Endorganschäden zu erfassen und hierüber das individuelle Risiko des Patienten

adäquat abzuschätzen. Die Kenntnis des individuellen Risikos bildet die Grundlage für die patientenzentrierte

nicht-medikamentöse und medikamentöse Therapie und damit eine optimale Senkung

des kardiovaskulären Risikos. In diesem Artikel werden die wichtigsten Neuerungen der Guidelines

zusammengefasst und die Bedeutung von einfachen diagnostischen Tools für die Durchführung der

kardiovaskulären Risikostratifikation bei hypertensiven Patienten aufgezeigt.

Medizinische Universitätsklinik, Kantonsspital Baselland, Liestal

Anja Handschin, Katja Henny-Fullin, Daniel Buess, Thomas Dieterle

* Der Artikel erschien ursprünglich in der «Therapeutischen

Umschau» 2015; 72 (6): 361–368.

MEDISERVICE VSAO-Mitglieder können die «Therapeutische

Umschau» zu äusserst günstigen Konditionen

abonnieren. Details siehe unter www.hogrefe.ch/

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Einleitung

Die arterielle Hypertonie ist weltweit der

wichtigste Risikofaktor für einen frühzeitigen

Tod und mit einer erhöhten kardiovaskulären

Morbidität und Mortalität assoziiert

[1 – 3]. Trotz guter Behandlungsmöglichkeiten

ist jedoch eine Vielzahl der

Hypertoniker ungenügend eingestellt und

das Therapiemanagement stellt oft eine

grosse Herausforderung dar. So stellt sich

beispielsweise die Frage, ob eine 40-jährige

rauchende und übergewichtige Patientin

mit Blutdruck werten von 150/90

mmHg gleich behandelt werden soll wie

ein 60-jähriger normalgewichtiger Nicht-

Raucher mit identischen Blutdruckwerte,

aber einer leichten Niereninsuffizienz

(GFR 55 ml/min/1.73 m 2 ) und positiver

kardiovaskulärer Familienanamnese.

Wann sind Lifestylemodifikationen genügend?

Wann und wie schnell muss eine

medikamentöse antihypertensive Therapie

eingeleitet werden und welche medikamentöse

Therapie ist zu empfehlen?

Die beiden Beispiele illustrieren, dass ein

erhöhter Blutdruck (BD) nicht gleich einem

erhöhten Blutdruck ist. Entsprechend

wird in den aktuellen Richtlinien zur Diagnostik

und Therapie der arteriellen Hypertonie

auch empfohlen, die Wahl der therapeutischen

Strategie nicht alleine an den

absoluten Blutdruckwerten, sondern gezielt

am initialen kardiovaskulären Risiko auszurichten,

da die Wahrscheinlichkeit kardialer

oder zerebrovaskulärer Komplikationen

stark von der Anzahl und Kombination

existierender kardiovaskulärer Risikofaktoren

und gegebenenfalls schon bestehender

Endorganschäden abhängt.

Einführung in die

Guidelines

1999 wurden durch die Weltgesundheitsorganisation

(WHO) erstmals Guidelines

für Hypertoniker erarbeitet, welche eine

ausführliche kardiovaskuläre Risikostratifizierung

empfahlen [4]. Die kardiovaskuläre

Risikostratifizierung wurde auch

Tabelle 1: Gradierung der Hypertonie [8]

in die Leitlinien der European Society of

Hypertension und European Society of

Cardiology (ESH/ESC) [5] implementiert,

im Laufe der Jahre weiter angepasst und

in nationale Richtlinien umgesetzt. Diese

sollen praktizierende Ärzte in der Wahl des

therapeutischen Vorgehens, abhängig

vom kardiovaskulären Risiko, unterstützen.

Kardiovaskuläre

Risikostratifizierung

Ein exakter Schwellenwert des Blutdrucks,

ab dem ein erhöhtes kardiovaskuläres

Risiko vorliegt, kann nicht definiert werden.

Vielmehr stellt der Blutdruck hinsichtlich

kardiovaskulärem Risiko ein

Kontinuum dar [6].

In der Praxis ist die Hypertonie für

Erwachsene jeden Alters definiert als systolischer

Blutdruck ≥ 140 mmHg und/

oder diastolischer Blutdruck ≥ 90 mmHg.

Klasse Systolisch (mmHg) Diastolisch (mmHg)

Optimaler Blutdruck < 120 < 80

Normaler Blutdruck 120 – 129 80 – 84

Hochnormaler Blutdruck 130 – 139 85 – 89

Hypertonie Grad 1 140 – 159 90 – 99

Hypertonie Grad 2 160 – 179 100 – 109

Hypertonie Grad 3 ≥ 180 ≥ 110

46 VSAO JOURNAL ASMAC Nr. 6 Dezember 2018


PERSPEKTIVEN

Art der BD-Messung Systolisch (mmHg) Diastolisch (mmHg)

Praxis/Klinik ≥ 140 ≥ 90

24-Stunden BD

Tag

Nacht

≥ 130

≥ 135

≥ 120

≥ 80

≥ 85

≥ 70

Heimmessung ≥ 135 ≥ 85

Tabelle 2: Grenzwerte für die Diagnose einer arteriellen Hypertonie nach

Blutdruckmessmethode [8]

Des Weiteren wird eine Einteilung in die

Hypertoniegrade 1 – 3 vorgenommen (siehe

Tab. 1). Zur Dia gnosestellung ist ein

Minimum von zwei Messungen zu unterschiedlichen

Zeitpunkten notwendig. Dabei

ist, zumindest initial, auch seitenvergleichend

zu messen. Neben dieser sogenannten

Praxisblutdruckmessung hat die

24-Stunden-Blutdruckmessung in der

Diagnostik und dem Monitoring der Hypertonie

in den letzten Jahren einen grossen

Stellenwert erlangt. Wie die 24-h-

Blutdruckmessung ermöglicht auch die

Heim-Blutdruckmessung häufige Messungen

und korreliert, wie die 24-Stunden-Blutdruckmessung,

verglichen mit

der Praxisblutdruckmessung, besser mit

Hypertonie-assoziierten Endorganschäden,

erfordert aber eine gute Patientenschulung

[7]. Nachteilig gegenüber der

24-h-Blutdruckmessung ist die fehlende

Möglichkeit nächtlicher Blutdruckmessungen.

Diese können beispielsweise bei

fehlendem nächtlichem Blutdruckabfall

Hinweise auf ein obstruktives Schlafapnoe-Syndrom

geben. Ein Zusammenspiel

der verschiedenen Blutdruck-Messmethoden

ermöglicht eine optimale Behandlung

des Patienten.

Neben der Höhe des Blutdrucks fliessen

weitere kardiovaskuläre Risikofak toren wie

z. B. Rauchen, Dyslipidämie (ins besondere

Cholesterin > 4.9 mmol/L), Übergewicht,

männliches Geschlecht, Alter ≥ 55 bei

Männern und ≥ 65 bei Frauen, eine positive

kardiovaskuläre Familienanamnese

und erhöhte Blutglukosewerte in die Risikostratifizierung

ein (siehe Tab. 3).

In vielen Berechnungen des kardiovaskulären

Risikos wie beispielsweise nach Systematic

Coronary Risk Evaluation

(SCORE) [9], Prospective Cardiovascular

Münster (PROCAM) [10] und Framingham

[11] werden Endorganschäden nicht

berücksichtigt, obwohl subklinische Endorganschäden

das kardiovaskuläre Risiko

signifikant beeinflussen [12, 13]. Die

wichtigsten Zeichen allfälliger Endorganschäden,

nach denen gesucht werden

sollte, sind die linksventrikuläre Herzhypertrophie

(LVH), die Mikroalbuminurie,

die Niereninsuffizienz und atherosklerotische

Gefässplaques (siehe Tab. 3).

Zu den manifesten kardiovaskulären Endorganschäden

gehören Begleiterkrankungen

wie Herzkrankheiten (KHK, Herzinsuffizienz,

Status nach Myokardinfarkt

oder Revaskularisa tion), zerebrovaskuläre

Erkrankungen (Hirnschlag, Transitorische

ischämische Attacke), peripher arterielle

Verschlusskrankheit (PAVK), schwere

Nephropathie und die schwere Retinopathie

(siehe Tab. 3).

Zusammen mit dem Hypertoniegrad

kann unter Berücksichtigung aller genannten

Faktoren, beruhend auf Daten

der Framingham Heart Study, das 10-Jahres-Risiko

für kardiale und zerebrovaskuläre

Ereignisse genauer ermittelt werden

[11]. Das Risiko wird in vier Klassen (tiefes,

moderates, hohes und sehr hohes

Risiko) eingeteilt (siehe Tab. 4).

Risikostratifizierung:

Must haves und Nice

to haves

Die oben erwähnten kardiovaskulären

Risikofaktoren sollten bei allen Patienten

erfasst werden. Dazu ist eine ausführliche

Anamnese inklusive der kardiovaskulären

Familienanamnese und Raucheranamnese,

ein klinischer Status einschliesslich

Blutdruckmessung, Körpergrösse, Gewicht,

Bauchumfang und eine laborchemische

Untersuchung mit dem Lipidstatus

und der Plasma-Glukose die optimale

Basis. Bei allen Patienten, vor allem bei

denen, die aufgrund der erhobenen Befunde

nicht bereits zu einer Hochrisikogruppe

gehören, sollte zusätzlich nach

subklinischen End organschäden gesucht

werden. Dabei sind Überlegungen zur Kosteneffizienz,

Verfügbarkeit und zum kardiovaskulär

prädiktiven Wert essentiell.

Als Mindestabklärung bezüglich der subklinischen

Endorganschäden wird aktuell

die laborchemische Messung des Kreatinins

zur Errechnung der GFR und der

Nachweis bzw. Ausschluss einer Mikroalbuminurie

zur Abklärung eines möglichen

subklinischen Nierenschadens empfohlen.

Ausserdem sollte bei jedem Pa tienten

ein Elektrokardiogramm (EKG) unter

Anderem zur Suche einer LVH durchgeführt

werden. Die genannten Untersuchungen

sind kosteneffizient, gut verfügbar

und reproduzierbar. Eine echokardiographische

Suche nach LVH oder sonstigen

strukturellen Änderungen sollte im

Falle einer Reevaluation des kardiovaskulären

Risikos, zur Diagnosebestätigung

eines auffälligen Befundes im EKG oder

bei Verdacht auf eine koronare Herzkrankheit

durchgeführt werden. Einige

weitere Untersuchungen zur Suche nach

Endorganschäden zeigen eine niedrigere

Kosten-Effektivität, eine geringere klinische

Relevanz oder schlechtere Verfügbarkeit

und sind deshalb nicht immer erforderlich,

so zum Beispiel der sonographische

Nachweis von atherosklerotischen

Plaques, die sonographische Messung der

Karotis-femoralen Pulswellengeschwindigkeit

und der Knöchel-Arm-Index. Neben

der Suche nach Endorganschäden

sollte in jedem Fall eine pathologische

Glukosetoleranz bzw. ein Diabetes mellitus

gesucht werden.

Therapeutische

Implikationen

Eine sorgfältige Risikostratifizierung, wie

oben beschrieben, hilft Patienten ganzheitlich

zu erfassen und dadurch ein individuell

angepasstes Therapieschema zu

erarbeiten.

Generell sind bei Hypertonikern Zielblutdruckwerte

< 140/90 mmHg anzustreben.

Nach neuesten Erkenntnissen gilt

auch bei Diabetikern der systo lische Zielblutdruckwert

< 140 mmHg, der diastolische

Grenzwert wurde für Diabetiker

bei < 85 mmHg festgelegt [14]. Eine striktere

Einstellung auf Werte unter

130 mmHg systolisch kann ausnahmsweise

bei Patienten mit ausgeprägter Proteinurie

erwogen werden [15].

Basis jeder antihypertensiven Therapie

sind die sogenannten Lifestyle-Modifikationen,

welche in Tabelle 5 zusammengefasst

sind.

Ist die Indikation für eine medikamentöse

Therapie gegeben (s. Tab. 4), stellt sich

Nr. 6 Dezember 2018

VSAO JOURNAL ASMAC

47


PERSPEKTIVEN

Kardiovaskuläre Risikofaktoren

Schweregrad der arteriellen Hypertonie (siehe Definition): ≥ 140/90 mmHg

Männliches Geschlecht

Alter (Männer ≥ 55 Jahre; Frauen ≥ 65 Jahre)

Rauchen

Dyslipidämie

• Gesamtcholesterin > 4.9 mmol/L (190 mg/dL), und/oder

• LDL-Cholesterin > 3.0 mmol/L (115 mg/dL), und/oder

• HDL-Cholesterin: Männer < 1.0 (40 mg/dL), Frauen < 1.2 mmol/L (46 mg/dL), und/oder

• Triglyceride > 1.7 mmol/L (150 mg/dL)

Nüchternblutzucker 5.6 – 6.9 mmol/L (102 – 125 mg/dL)

Pathologischer Glukosetoleranztest

Adipositas [BMI ≥ 30 kg/m2]

Abdominale Adipositas (Bauchumfang: Männer ≥ 102 cm, Frauen ≥ 88 cm)

Positive kardiovaskuläre Familienanamnese (Männer < 55 Jahre, Frauen < 65 Jahre)

Diabetes Mellitus

• Nüchternblutzucker ≥ 7.0 mmol/L (126 mg/dL) in zwei unterschiedlichen Messungen und/oder

• HbA1c > 7 % (53 mmol/mol) und/oder

• Postprandialer Blutzucker > 11.0 mmol/L (198 mg/dL)

Subklinische Organschäden

Linksventrikuläre Hypertrophie (LVH)

• Elektrokardiogramm (EKG): (Sokolow-Lyon-Index: > 3.5 mV; Cornell-Produkt > 244 mV*ms),

und/oder

• Echokardiographie: [LVM-Index: Männer > 115 g/m2, Frauen > 95 g/m2]

Chronisches Nierenversagen

• Verminderte glomeruläre Filtrationsrate (GFR) 30 – 60 ml/min/1.73 m2 KOF

(Geschätzt nach Cockroft-Gault oder MDRD)

• Mikroalbuminurie (30 – 300 mg/24 h) oder pathologischer Albumin/Kreatinin-Quotient

≥ 2.26 mg/mmol oder Uristix ≥ 2++

Gefäße

• Verdickung der Arteria carotis (Intima-Media-Dicke > 0.9 mm) oder atherosklerotische Plaques

• Karotis-Femoralis-Pulswellengeschwindigkeit > 10 m/s

• Knöchel-Arm-Index (ABI) < 0.9

Blutdruckamplitude (bei Älteren) ≥ 60 mmHg

Manifeste, Hypertonie-assoziierte Erkrankungen; chronische Niereninsuffizienz

Zerebrovaskuläre Erkrankungen: Hirnschlag (ischämisch oder hämorrhagisch), TIA

Kardiopathie: Myokardinfarkt; Angina pectoris; koronare Revaskularisation; Herzinfarkt

Peripher arterielle Verschlusskrankheit (PAVK)

Schwere Niereninsuffizienz: GFR < 30 ml/min/1.73 m2; Proteinurie (> 300 mg/24 h)

Fortgeschrittene Retinopathie Stadium 3 und 4 (multiple Blutungen, weiche Exsudate, Papillenödem)

Tabelle 3: Kardiovaskuläre Risikostratifizierung [8]

BMI: Body Mass Index; HDL: High Density Lipoprotein, KOF: Körperoberfläche; LDL: Low Density Lipoprotein; LVM: Linksventrikuläre Masse; MDRD:

Modification of Diet in Renal Disease

die Frage nach der Wirkstoffwahl. Dabei

helfen die in der Risikostratifizierung erhobenen

Daten. Je nach Komorbiditäten

ist der Einsatz bestimmter Wirkstoffgruppen

zu bevorzugen bzw. sollte vorsichtig

erfolgen oder ist sogar kontraindiziert. Die

Tabellen 6 und 7 fassen die wichtigsten

Aspekte zusammen.

Mono- oder

Kombinationstherapie

Bei der Initiierung einer medikamentösen

antihypertensiven Therapie sollte je nach

Risikohöhe mit einer Mono- (niedriges bis

moderates Risiko) bzw. Kombinationstherapie

(hohes bis sehr hohes Risiko) begonnen

werden. Bei sehr hohen Blutdruckwerten

ist auch bei moderatem oder

niedrigem Risiko der direkte Einsatz einer

Kombinationstherapie gerechtfertigt [16].

Durch diese Strategie werden nur die Patienten

mit einer Monotherapie behandelt,

bei denen auch Aussicht auf Erfolg besteht.

Dies ist von fundamentaler Wichtigkeit,

da jeder nötige Therapiewechsel

48 VSAO JOURNAL ASMAC Nr. 6 Dezember 2018


PERSPEKTIVEN

Hochnormal Grad1 Grad2 Grad3

SBP130139

oder

DBP8589

SBP140159

oder

DBP9099

SBP160179

oder

DBP100109

SBP≥180

oder

DBP≥110

KeineRisikofaktoren

KeineTherapiederAHT

Lebensstiländerungen für

einigeMonate,

dannauchmedikamentöse

TherapiederAHT

Lebensstiländerungen für

einigeWochen,

dannauchmedikamentöse

TherapiederAHT

Sofortigemedikamentöse

TherapiederAHT

und

Lebensstiländerungen

12Risikofaktoren

Lebensstiländerungen

Keinemedikamentöse

TherapiederAHT

Lebensstiländerungen für

einigeWochen,

dannauchmedikamentöse

TherapiederAHT

Lebensstiländerungen für

einigeWochen,

dannauchmedikamentöse

TherapiederAHT

Sofortigemedikamentöse

TherapiederAHT

und

Lebensstiländerungen

≥3Risikofaktoren

Lebensstiländerungen

Keinemedikamentöse

TherapiederAHT

Lebensstiländerungen für

einigeWochen,

dannauchmedikamentöse

TherapiederAHT

Medikamentöse Therapie

derAHT

und

Lebensstiländerungen

Sofortigemedikamentöse

TherapiederAHT

und

Lebensstiländerungen

Subklinische

Endorganschäden,

Diabetesmellitus

Lebensstiländerungen

Keinemedikamentöse

TherapiederAHT

Medikamentöse Therapie

derAHT

und

Lebensstiländerungen

Medikamentöse Therapie

derAHT

und

Lebensstiländerungen

Sofortigemedikamentöse

TherapiederAHT

und

Lebensstiländerungen

Klinischmanifeste

Endorganschäden

Lebensstiländerungen

Keinemedikamentöse

TherapiederAHT

Medikamentöse Therapie

derAHT

und

Lebensstiländerungen

Medikamentöse Therapie

derAHT

und

Lebensstiländerungen

Sofortigemedikamentöse

TherapiederAHT

und

Lebensstiländerungen

Kardiovaskuläres10JahresRisiko:

NiedrigesRisiko

30%

und -ausbau die Adherence der Patienten

beeinträchtigen kann. Mangelnde Adherence

ist bei der Behandlung von Bluthochdruck

ein bekanntes und grosses

Problem, dem wenn immer möglich,

Rechnung getragen werden sollte. Der

Nachteil einer direkt initiierten Kombinationstherapie

besteht natürlich darin, dass

für den behandelnden Arzt nicht ersichtlich

ist, welcher Wirkstoff bei bestimmten

Patienten den grössten Benefit bringt bzw.

nicht wirksam ist, was im Krankheitsverlauf

wiederum zu Therapie- und Dosierungswechseln

führen kann.

Auch bei der Kombinationstherapie kann

die Wirkstoffwahl durch obenstehende

Salzrestriktion

Reduzierter Alkoholkonsum

Diätetische Massnahmen

Gewichtsreduktion

Körperliche Aktivität

Rauchstopp

Tabelle 5: Lifestyle-Massnahmen bei

Patienten mit arterieller Hypertonie

[8]

Tabellen vereinfacht werden. Welche

Kombination gewählt wird, stellt aber eine

weitere Herausforderung dar. Grundsätzlich

können die Wirkstoffgruppen Diuretika,

ACE-Hemmer, ATII-Blocker (Sartane)

und Kalziumantagonisten frei miteinander

kombiniert werden. Eine wichtige

Ausnahme stellt die Kombination von

Renin-Angiotensin-System (RAS)-Blockern

(z. B. Sartane und ACE-Hemmer)

dar. Diese sollte wenn immer möglich

vermieden werden, da ein deutlich erhöhtes

Auftreten von Nierenschäden festgestellt

werden konnte [17]. Verschiedene

grosse Studien zeigten mögliche Vorteile

der Kombination eines ACE-Hemmers mit

einem Kalziuman tagonisten auf, diesbezüglich

sind aber weitere Studien nötig.

Betablocker bleiben in den aktuellen Leitlinien

etwas aussen vor, haben jedoch

aufgrund ihrer Bedeutung in der Herzinsuffizienztherapie

trotzdem eine massgebliche

Rolle im Management von Patien

ten mit arterieller Hypertonie.

Bezüglich der Adherence konnte eindeutig

festgestellt werden, dass die Kombination

mehrerer Wirkstoffe in einer Pille

Vorteile bringt [18]. In der Folge sind

nebst den bereits gut etablierten Zweierkombinationen

zudem Präparate in Dreierkombination

auf dem Markt erhältlich.

Dabei wird fast ausschliesslich auf die

Kombination von RAS-Blockern mit Kalziumantagonisten

und Diuretika gesetzt,

was bereits bei der Therapieinitiierung

eine Favorisierung dieser Wirkstoffgruppen

nahelegt.

Therapie assoziierter

Risikofaktoren

Neben den Lifestyle-Modifikationen und

der medikamentösen antihypertensiven

Therapie sollten auch die Risikofaktoren

behandelt werden. Bei Hypertonikern mit

erhöhten Choles terinwerten und/oder

niedrigem HDL besteht ein erhöhtes kardiovaskuläres

Risiko [19, 20]. In verschiedenen

Studien konnte die Effektivität der

Statine in der Prävention von kardiovaskulären

Ereignissen bei hypertensiven

Patienten gezeigt werden, weswegen der

Gebrauch von Statinen in hypertensiven

Patienten mit einem hohen oder sehr hohen

kardiovaskulären Risiko unabhängig

von den Lipidwerten empfohlen wird [21,

22]. Des Weiteren hat Aspirin einen festen

Platz in der Sekundärprävention bei Hypertonikern

mit Status nach Myokardinfarkt

[23]. Ausserdem ist die Behandlung

Nr. 6 Dezember 2018

VSAO JOURNAL ASMAC

49


PERSPEKTIVEN

Zustand

Asymptomatischer Endorganschaden

Linksventrikuläre Hypertrophie

Asymptomatische Atherosklerose

Mikroalbuminurie

Chronische Niereninsuffizienz

(GFR 30 – 59 ml/min/1,73 m 2 KOF)

Klinische kardiovaskuläre oder renale Erkrankung

Status nach Schlaganfall

Status nach Myokardinfarkt

Angina pectoris

Herzinsuffizienz

Aortenaneurysma

Vorhofflimmern, Prävention

Vorhofflimmern, Frequenzkontrolle

Chronische Nierenerkrankung (< 30 ml/min/1,73 m2 KOF)/

Proteinurie

Periphere arterielle Verschlusskrankheit

Andere

Isoliert systolische Hypertonie (ältere Patienten)

Metabolisches Syndrom

Diabetes mellitus

Schwangerschaft

Schwarze

Wirkstoffgruppe

ACE-Hemmer, Kalziumantagonist, ARB

Kalziumantagonist, ACE-Hemmer

ACE-Hemmer, ARB

ACE-Hemmer, ARB

Tabelle 6: Endorganschäden und empfohlene medikamentöse Therapie [8]

ACE: Angiotensin-konvertierendes Enzym; ARB: Angiotensin-Rezeptor-Blocker; DHP: Dihydropyridin

Jedes wirksame Antihypertensivum, bevorzugt ACE-Hemmer

Betablocker, ACE-Hemmer, ARB

Betablocker, Kalziumantagonist

Diuretikum, Betablocker, ACE-Hemmer, ARB,

Mineralokortikoidrezeptorantagonist

Betablocker

Zu erwägen: ARB, ACE-Hemmer, Betablocker oder

Mineralokortikoidrezeptorantagonist

Betablocker, Nicht-DHP-Kalziumantagonist

ACE-Hemmer, ARB

ACE-Hemmer, Kalziumantagonist

Diuretikum, Kalziumantagonist

ACE-Hemmer, ARB, Kalziumantagonist

ACE-Hemmer, ARB

Methyldopa, Betablocker, Kalziumantagonist

Diuretikum, Kalziumantagonist

einer Hypergly kämie bei Hypertonikern

mit Diabetes Mellitus wichtig, um kardiovaskuläre

Ereignisse zu reduzieren [24,

25].

Spezielle

Patientengruppen

Da die arterielle Hypertonie ein

weitverbreitetes Krankheitsbild ist, sind oft

spezielle Patientengruppen (Schwangere,

Jugendliche, Diabetiker usw.) betroffen,

die ein angepasstes Management erfordern.

Besonders erwähnenswert scheinen

Modifika tionen, die bei betagten Menschen

beachtet werden sollten und in einem

weiteren Artikel in dieser Ausgabe der

«Therapeutischen Umschau» ausführlich

behandelt werden.


Korrespondenzadresse

PD Dr. med. Thomas Dieterle

Medizinische Universitätsklinik

Kantonsspital Baselland

Rheinstrasse 26

4410 Liestal

thomas.dieterle@ksbl.ch

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50 VSAO JOURNAL ASMAC Nr. 6 Dezember 2018


PERSPEKTIVEN

Wirkstoff absolute KI relative KI

Diuretika (Thiazide) Gicht Metabolisches Syndrom

Glukoseintoleranz

Schwangerschaft

Hyperkalzämie

Hypokaliämie

Betablocker

Asthma

AV-Block Grad 2

AV-Block Grad 3

Metabolisches Syndrom

Glukoseintoleranz

Athleten und sportlich aktive

Patienten

Chronisch obstruktive Atemwegserkrankung

(ausser für vasodilatatorische

Betablocker)

Kalziumantagonisten

(Dihydropyridine)

Kalziumantagonisten (Verapamil,

Diltiazem)

ACE-Hemmer

Angiotensin-Rezeptor-Blocker

Mineralokortikoidrezeptorantagonisten

AV-Block Grad 2

AV-Block Grad 3

Trifaszikulärer Block

Hochgradige LV-Dysfunktion

Herzinsuffizienz

Schwangerschaft

Angioneurotisches Ödem

Hyperkaliämie

Bilaterale Nierenarterienstenose

Schwangerschaft

Hyperkaliämie

Bilaterale Nierenarterienstenose

Akute oder schwere Niereninsuffizienz (GFR < 30 ml/min)

Hyperkaliämie

Tabelle 7: Kontraindikationen bei antihypertensiver Therapie [8]

ACE: Angiotensin-konvertierendes Enzym; AV-Block: Atrioventrikulärer Block

Tachyarrhythmie

Herzinsuffizienz

Frauen im gebärfähigen Alter

Frauen im gebärfähigen Alter

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51


PERSPEKTIVEN

extension. Journal of hypertension 2009; 27:

947 – 54.

22. Ridker PM, Danielson E, Fonseca FA, et al.

Rosuvastatin to prevent vascular events in

men and women with elevated C-reactive

protein. The New England journal of medicine

2008; 359: 2195 – 207.

23. Antithrombotic Trialists Collaboration. Aspirin

in the primary and secondary prevention

of vascular disease: collaborative meta-analysis

of individual participant data from randomised

trials. Lancet 2009; 373: 1849 – 60.

24. Nathan DM, Cleary PA, Backlund JY, et al.

Intensive diabetes treatment and cardiovascular

disease in patients with type 1 diabetes.

The New England journal of medicine 2005;

353: 2643 – 53.

25. Ray KK, Seshasai SR, Wijesuriya S, et al. Effect

of intensive control of glucose on cardiovascular

outcomes and death in patients with diabetes

mellitus: a meta-analysis of randomised

controlled trials. Lancet 2009; 373: 1765 – 72.

Cardiovascular risk stratification and therapeutic

implications in arterial hypertension

To improve the prevention of cardiovascular complications and events in hypertensive

patients, it is of major importance to estimate the patient’s individual risk for

cardiovascular events. Antihypertensive treatment should not only be based on blood

pressure values anymore, but also on the patient’s comorbidities and risk profile. Risk

stratification takes into account cardiovascular risk factors, diabetes, asymptomatic

organ damage and established cardiovascular or renal disease. The most important

markers for asymptomatic organ damage which should be searched for are microalbuminuria

and LVH.

Current guidelines emphasize the importance of the adaption and selection of

treatment according to asymptomatic and established organ damage and provide

assistance for treatment decisions. They focus also on the different non-pharmacological

therapy options and lifestyle modifications. The goal of this article is to

summarize the most important innovations and to point out the importance of

simple tools for the implementation of cardiovascular risk stratification in hypertensive

patients.

52 VSAO JOURNAL ASMAC Nr. 6 Dezember 2018


PERSPEKTIVEN

D as erleseneObjekt

Als das Heldentum in Rauch

aufging

Prof. Iris Ritzmann, Medizinhistorikerin in Zürich

«Diese Schachtel wurde gefüllt und gestiftet

von den teilnehmenden Kriegereltern

Dir, dem tapfern Vaterlandsverteidiger».

So steht es auf einem vorgefertigten und

handschriftlich ergänzten Kärtchen, das

sich noch immer im leeren Blechkästchen

befindet. 50 edle Orientzigaretten lagen

einst darin. Mit Beginn des Ersten Weltkriegs

brachte die Dresdener Zigarettenfabrik

Laferme eine neue Marke auf den

Markt, die «Deutsche Helden Zigarette».

Nicht nur der Markenname, auch die

Frakturschrift und das Behältnis sollten

im zurückhaltenden und edlen Design

national wirken.

Der Besitzer des Kästchens war Walter

Lutz, ein Maschinentechniker aus dem

wunderschönen Städtchen Esslingen am

Neckar. Er hatte sich gleich zu Beginn des

Kriegs als Freiwilliger gemeldet, wenige

Wochen nach seinem 19. Geburtstag. Das

Geschenk seiner Eltern erreichte ihn während

der ersten Flandernschlacht im

Herbst 1914.

Für die Hersteller von Zigaretten und

Schnaps, Seife und Schokolade entpuppte

sich der Versand von «Liebesgaben» als

wahrer Verkaufsschlager. Zwischen 1914

und 1918 versandte die Post durchschnittlich

16 Millionen Postsachen pro Tag. Sie

lesen richtig: pro Tag!

Hundert Jahre ist es her, seit der grosse

Krieg mit seinen entsetzlich hohen Verlusten

endlich zu Ende war. Lutz wurde im

Dezember 1918 mit 55 Mark Entlassungsund

Marschgeld entlassen. Im Gegensatz

zu Millionen anderen jungen Männer

kehrte der tapfere Vaterlandsverteidiger zu

seinen Eltern zurück. Die «Deutschen

Helden Zigaretten» waren ausgeraucht.

Während der vergangenen vier Jahre stellte

das Stadtmuseum Esslingen in Süddeutschland

Monat für Monat ein neues

Relikt aus dem Ersten Weltkrieg vor. Momentan

können diese 48 sorgfältig ausgesuchten

Gegenstände nochmals in einer

Gesamtschau unter dem Titel «Heimatfront

und Zeitenwende» bestaunt werden,

auch die leere Zigarettendose. ■

1914–1918. Esslingen und der Erste Weltkrieg.

Heimatfront und Zeitenwende

9. November 2018 bis 3. März 2019

Stadtmuseum im Gelben Haus, Hafenmarkt 7, 73728 Esslingen am Neckar

Öffnungszeiten: Dienstag bis Samstag 14–18 Uhr

Sonn- und Feiertag 11–18 Uhr

Nr. 6 Dezember 2018

VSAO JOURNAL ASMAC

53


Unsere Angebote – Ihre Vorteile

MEDISERVICE VSAO-ASMAC hat mit folgenden Unternehmen Zusammenarbeitsverträge

abgeschlossen und kann deren Versicherungslösungen anbieten:

Allianz Suisse

• Motorfahrzeugversicherung

• Hausrat- und Privathaftpflichtversicherung

• Berufs- und Betriebshaftpflichtversicherung

• Geschäftsversicherung

• Gebäudeversicherung

• Technische Versicherung

• Krankentaggeldversicherung

• Unfallversicherung UVG

• UVG-Zusatzversicherung

Helvetia

• Berufs- und Betriebshaftpflichtversicherung

• Geschäftsversicherung

• Technische Versicherung

ZURICH

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• Hausrat- und Privathaftpflichtversicherung

• Gebäudeversicherung

• Reiseversicherung

• Krankentaggeldversicherung

Visana

• Unfallversicherung UVG

• UVG-Zusatzversicherung

• Krankentaggeldversicherung

AXA-ARAG

• Rechtsschutzversicherung (Privat-, Verkehrs- und Berufsrechtsschutz)

Innova

• Krankentaggeldversicherung

Schweizerische Ärzte-Krankenkasse

• Krankentaggeldversicherung / Invaliditäts-Taggeld

Assura · Concordia · Sanitas · Swica · Visana

• Krankenzusatzversicherungen

Versicherung der Schweizer Ärzte Genossenschaft

• Lebensversicherung

Nutzen Sie unsere Kooperationspartner und profitieren Sie von

den Vorteilen und Rabatten.

Falls Sie bereits eine Versicherung bei einer der oben genannten Versicherungen besitzen,

dann prüfen Sie einen Übertritt in unsere Kollektivverträge. Wir unterstützen Sie gerne dabei.

Für Auskünfte wenden Sie sich bitte an:

MEDISERVICE VSAO-ASMAC

Telefon 031 350 44 22

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54 VSAO JOURNAL ASMAC Nr. 6 Dezember 2018


MEDISERVICE VSAO-ASMAC

BRIEFKASTEN

Schaden am Arbeitsplatz – wer haftet?

Auf den Strassen herrscht dichter Verkehr. Dr. Z. ist auf dem Rückweg

von einem Patientenbesuch. Eine Unaufmerksamkeit von Dr. Z. führt

zum Auffahrunfall mit dem Firmenfahrzeug der Gemeinschaftspraxis.

Zum Glück ist nichts Schlimmes passiert und die Haftpflichtversicherung

der Praxis übernimmt den aus dem Verkehrsunfall entstandenen

Sachschaden. Allerdings hat die Gemeinschaftspraxis einen Selbstbehalt

von CHF 1000.– zu bezahlen. Wer muss diesen tragen? Kann die

Gemeinschaftspraxis den Arbeitnehmer für den Verkehrsunfall haftbar

machen und eine Verrechnung mit Dr. Z.s Lohn vornehmen?

In der Schweiz hält Art. 321e OR klar fest, dass der Arbeitnehmer für den Schaden verantwortlich

ist, den er dem Arbeitgeber absichtlich oder fahrlässig zufügt. Persönlich

haftet der Arbeitnehmer somit grundsätzlich für jeden Schaden, unabhängig davon,

warum und wie er ihn verursacht hat.

Allerdings muss der Arbeitnehmer nicht immer den vollen Schaden übernehmen. Welche

Kosten dem Arbeitnehmer auferlegt werden können, ist, wie so oft bei juristischen

Fragen, vom konkreten Einzelfall abhängig.

Lea Halter, Key Account Manager,

Worksite/Affinity, Allianz Suisse

Arbeitnehmerhaftung: leichte oder grobe Fahrlässigkeit?

Zur Beurteilung findet zunächst eine grobe Einteilung aufgrund des Verhaltens des

Arbeitnehmers statt.

Beachtet der Arbeitnehmer etwas nicht, was er bei genauerem Überlegen eigentlich hätte

beachten müssen, liegt leichte Fahrlässigkeit vor. In diesem Fall kann der entstandene

Schaden höchstens in symbolischem Umfang auf den Arbeitnehmer überwälzt werden.

Lässt der Arbeitnehmer dagegen elementare Vorsichtspflichten ausser Acht, welche jeder

vernünftige Mensch in seiner Lage bedacht hätte (grobe Fahrlässigkeit), oder verursacht

er den Schaden gar absichtlich, haftet er in vollem Umfang.

Bei sämtlichen Fällen, in denen weder leichte noch grobe Fahrlässigkeit vorliegt, liegt

die Haftung irgendwo dazwischen (mittlere Fahrlässigkeit). Als Faustregel gilt dabei,

dass bei leichter und mittlerer Fahrlässigkeit Schäden im Umfang von höchstens einem

Monatslohn vom Arbeitnehmer eingefordert werden können.

Haftung von Arbeitnehmern: individuelle Faktoren

In einem zweiten Schritt müssen dann zusätzliche Faktoren wie z.B. das allgemeine

Berufsrisiko, der Bildungsgrad, die Fachkenntnisse und die konkreten Eigenschaften

des Arbeitnehmers, aber auch der Umstand, ob und wie der Arbeitnehmer vom Arbeitgeber

instruiert und überwacht worden ist und wie hoch sein Lohn ist, berücksichtigt

werden. Es spielt also insbesondere eine Rolle, welchen Beruf, was für eine Ausbildung

und welche Fachkenntnisse der Arbeitnehmer hat. Die Berücksichtigung dieser individuellen

Faktoren kann dazu führen, dass dem Arbeitnehmer keine oder nur sehr geringe

Kosten auferlegt werden können.

In unserem Beispiel muss Dr. Z. somit dann keine Kosten übernehmen, wenn er z.B. die

Geschwindigkeit um lediglich 5 km/h überschreitet oder ihm ein anderer, kleinerer und

entschuldbarer Fahrfehler unterläuft (leichte Fahrlässigkeit) und er ein langjähriger,

zuverlässiger Mitarbeiter ist. Schreibt er dagegen während der Fahrt eine SMS oder fährt

er gar alkoholisiert, muss er den vollen Selbstbehalt tragen, da eine grobe Fahrlässigkeit

vorliegt. Würde Dr. Z. allerdings einen weit unterdurchschnittlichen Lohn verdienen,

würde dies berücksichtigt und er müsste allenfalls trotz grober Fahrlässigkeit nur einen

Teil des Schadens bezahlen.

Will die Gemeinschaftspraxis den Selbstbehalt oder einen Teil davon von Dr. Z. einfordern,

ist es wichtig, dass sie dies gleich bei der nächsten Lohnzahlung tut. Wird der Lohn

nämlich ohne Vermerk oder Abzug vollumfänglich weiterbezahlt, kann angenommen

werden, dass die Gemeinschaftspraxis auf eine Forderung verzichtet. Eine nachträgliche

Einforderung ist dann unter Umständen nicht mehr möglich, insbesondere dann nicht,

wenn das Arbeitsverhältnis in der Zwischenzeit beendet worden ist oder die allgemeine

Verjährungsfrist von zehn Jahren eingetreten ist.

Weiter muss beachtet werden, dass der Arbeitgeber vor allem bei grösseren Schäden, die

durch den Arbeitnehmer verursacht wurden, nicht den vollen Lohn einbehalten darf.

Nr. 6 Dezember 2018

VSAO JOURNAL ASMAC

55


MEDISERVICE VSAO-ASMAC

Gemäss den gesetzlichen Bestimmungen

muss dem Arbeitnehmer immer mindestens

das Existenzminimum ausbezahlt

werden. In einem solchen Fall ist es sinnvoll,

dem Arbeitnehmer die Berechnung des

Schadens sowie die geplanten künftigen

Lohnabzüge sofort schriftlich mitzuteilen.

Da die Arbeitnehmerhaftung stark von

den konkreten Umständen abhängig ist

und die Gerichte im Streitfall einen grossen

Entscheidungsspielraum haben, lohnt

es sich vor allem bei höheren Schäden,

rechtzeitig eine juristische Beratung in

Anspruch zu nehmen, um keine Rechte

zu verlieren.

Im Übrigen sei darauf hingewiesen, dass

Vereinbarungen, welche eine pauschale

Haftung des Arbeitnehmers begründen,

unzulässig sind. Eine Diskussion über die

Arbeitnehmerhaftung kann also nicht auf

diese Art umgangen werden. ■

MEDISERVICE VSAO-ASMAC und Allianz Suisse arbeiten seit vielen Jahren erfolgreich

zusammen. Ihr Mehrwert als Mitglied bei MEDISERVICE VSAO-ASMAC sind vorteilhafte

Konditionen beim Abschluss einer Versicherung bei der Allianz Suisse:

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56 VSAO JOURNAL ASMAC Nr. 6 Dezember 2018


MEDISERVICE VSAO-ASMAC

Partnervermittlung fürs Jobsharing

Ein Drittel aller Schweizer Ärztinnen und Ärzte würden gerne Teilzeit arbeiten. Dennoch bieten

noch zu wenige Spitäler Teilzeitstellen an. Jobsharing bietet eine Lösung, bei der Arbeitnehmer und

Spitäler profitieren. Auf der Suche nach einem geeigneten Jobsharingpartner hilft die Plattform

Doppeldoc.

Salome Kisker, Mitbegründerin von Doppeldoc

Das eigene Bedürfnis nach einer besseren

Work-Life-Balance, nach mehr Zeit für die

Familie waren gute Gründe und Ansporn

für Salome Kisker, die Plattform Doppeldoc,

Jobsharing-Partner für Ärztinnen

und Ärzte, zu gründen. Unterstützung

erhielt die Ärztin und zweifache Mutter

dabei von ihrem Bruder Jakob Kisker. Gemeinsam

mit Leila Eppenberger bringen

die beiden heute Ärzte und Ärztinnen zusammen,

die auf der Suche nach einem

Partner für Jobsharing sind, und arbeiten

mit fortschrittlichen Spitälern.

Ausschlaggebend für die Zukunft ist es,

die Bedenken gegenüber Jobsharing und

Teilzeitarbeit abzubauen und im Gegenzug

die vielen Vorteile neuzeitlicher Arbeitsmodelle

zu erkennen. Vor allem

Männer sollen motiviert werden, im Jobsharing

zu arbeiten. Um weiterhin die

besten Ärztinnen und Ärzte gewinnen zu

können, müssen sich Arbeitgeber den demografischen

Veränderungen anpassen.

Erfolgreiches Jobsharing

Dass das Modell unübersehbare Vorteile

hat, zeigen zunehmend mehr Beispiele.

Hier sei nur eines erwähnt: Zwei Assistenzärztinnen

waren in einer Vollzeitstelle auf

der Inneren Medizin am Kantonsspital

Chur und mit je einem eigenen Vertrag zu

55 Prozent angestellt. Sie haben wochenweise

gearbeitet, so dass sie abwechselnd

bei den Chefarztvisiten anwesend waren

und auch das Weiterbildungsprogramm

optimal nutzen konnten. Vor dem wöchentlichen

Wechsel waren sie je einen

Nachmittag gleichzeitig im Spital. So

konnten sie sich austauschen und die

Übernahme der stationären Patienten

vorbereiten. Dank Jobsharing konnten

Familie und Beruf gut vereinbart werden.

Was bietet Doppeldoc?

Möchten Sie einen bestimmten Facharzttitel

machen, bei dem Teilzeitarbeit bisher

unmöglich erschien? Registrieren Sie sich

bei doppeldoc.ch, laden Sie ein Inserat

hoch und finden Sie schnellstmöglich

eine/n Wunschpartner/in.

Zusätzlich bietet die Plattform Informationen

rund ums Jobsharing (Erfahrungsberichte,

juristische Hilfe beim Arbeitsvertrag

etc.). Natürlich können auch Arbeitgeber

Jobsharinginserate aufschalten. Beispielsweise

wenn sich kurzfristig ein Jobsharingpaar

auflöst oder wenn der Arbeitgeber

durch das Angebot an alternativen Jobmöglichkeiten

positiv auf sich aufmerksam

machen will. Doppeldoc soll eine

Community sein, die wirkungsvoll ist.

Was sind die am

häufigsten gestellten

Fragen zu Doppeldoc?

In meiner Region/Spezialisierung gibt

es keine Partner. Was soll ich tun?

Wenn dies möglich ist, könntest Du deine

Wunschstelle annehmen und Deinen Chef

fragen, ob Jobsharing möglich ist. Vielleicht

gibt es im Team jemanden, der

gerne vorübergehend Teilzeit arbeiten

möchte.

Worauf muss ich bei der Jobsharing-

Partnerwahl achten?

In erster Linie muss die Chemie zwischen

Euch stimmen. Ihr müsst Euch gut ergänzen

können, die Arbeit des anderen wertschätzen

und Euch gegenseitig unterstützen.

Ein zu grosser Unterschied des Weiterbildungsstandes

könnte schwierig sein.

Wie wird Doppeldoc finanziert?

Doppeldoc wird von Sponsoren getragen.

Wir freuen uns aber über jede Spende.

Falls Du uns unterstützen willst, melde

Dich bei mir (salome@doppeldoc.ch).

Hilf mit, Doppeldoc noch bekannter zu

machen, und empfehle unsere Seite Deinen

Arbeitskollegen! ■

Anregungen oder Feedback gerne an:

salome@doppeldoc.ch

www.doppeldoc.ch

www.facebook.com/doppeldoc/

Doppeldoc hilft, Jobsharing-Partnerschaften zu vermitteln.

(© HNFOTO/Fotolia.com)

Neu am Start

An dieser Stelle präsentiert MEDISER­

VICE VSAO-ASMAC in loser Folge Startups,

deren Ideen und Ziele überzeugen

und die deshalb von MEDISERVICE

unterstützt werden.

Nr. 6 Dezember 2018

VSAO JOURNAL ASMAC

57


Wir beraten Ärztinnen und Ärzte, weil wir sie gut verstehen.

Lassen Sie sich von uns einen gratis Versicherungs-Check-Up

verschreiben. Und danach sprechen wir über Ihre Personenversicherung,

Sach- und Vermögensversicherung und Unfallversicherung.

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VORSORGESTIFTUNG VSAO

Freiwilliger Einkauf

in die Pensionskasse

Personen, welche aktiv versichert sind oder eine Invalidenrente beziehen, können sich bis zu den

maximal reglementarischen Altersleistungen einkaufen. Mit einem Einkauf werden das Alterssparkapital

und die daraus resultierende Altersrente erhöht.

Christoph Rytz, Leiter der Geschäftsstelle Vorsorgestiftung VSAO

Liebe Versicherte

Die Höhe des künftigen Alterssparkapitals

und der daraus resultierenden Altersrente

hängt unter anderem von der Lohnhöhe,

der Beitragshöhe, der Verzinsung des Kapitals,

der eingebrachten Freizügigkeitsleistungen

und von freiwilligen Einlagen

(reglementarische Einkäufe) ab. Der Einkauf

ist definitiv, dauernd und unwiderruflich

der Vorsorge gewidmet und kann

nicht zurückbezahlt werden. Nachstehend

informieren wir Sie über den Zweck, die

Einschränkungen, welche es zu beachten

gilt, die Berechnungsart und das administrative

Vorgehen bei einem Einkauf bei

der Vorsorgestiftung VSAO.

Was wird mit einem

Einkauf bezweckt?

––

Erhöhung des künftigen Alterssparkapitals,

d.h. höhere Altersrente bei der

Pensionierung

––

Lücken im Sparprozess wegen fehlenden

Beitragsjahren auffüllen

––

Steuerbegünstigung nutzen

Was gibt es für

Einschränkungen?

––

Wurde ein Vorbezug für Wohneigentum

getätigt, können Einkäufe erst abgewickelt

werden, wenn der Vorbezug vollständig

zurückbezahlt worden ist.

––

Bei einem Zuzug aus dem Ausland beschränkt

sich die maximale Einkaufssumme

auf 20 Prozent des versicherten

Lohnes innerhalb der ersten fünf Jahre

nach dem Zuzug, sofern die versicherte

Person zuvor nie einer Vorsorgeeinrichtung

angehört hat.

––

Guthaben aus der Säule 3a werden an

die Einkaufssumme angerechnet,

wenn sie das grösstmögliche 3a-Guthaben

gemäss Tabelle vom Bundesamt

für Sozialversicherungen überschreiten.

Die Vorsorgestiftung VSAO übernimmt

die Überprüfung.

––

Sämtliche Freizügigkeitsleistungen von

Freizügigkeitskonten und Freizügigkeitspolicen

müssen eingebracht werden.

Ist eine Einbringung nicht möglich,

werden die nicht eingebrachten

Guthaben an die Einkaufssumme angerechnet.

––

Bestehen mehrere Vorsorgeverhältnisse

und überschreitet die Summe aller

AHV-pflichtigen Löhne und Einkommen

das Zehnfache des oberen Grenzbetrages

nach Art. 8 Abs. 1 BVG (zurzeit

CHF 846 000), ist die Vorsorgestiftung

VSAO entsprechend zu informieren.

Was gibt es weiter zu

beachten?

––

Einkäufe inklusive Zinsen sind während

dreier Jahre für Kapitalbezüge

(Vorbezug Wohneigentum, Kapitalbezug

bei Pensionierung, Barauszahlung

infolge Verlassen der Schweiz und Barauszahlung

infolge Aufnahme einer

selbstständigen Erwerbstätigkeit) gesperrt.

––

Einkäufe sowie Wiedereinkäufe infolge

Scheidung können in der Regel vom

steuerpflichtigen Einkommen in Abzug

gebracht werden.

––

Der Steuervorteil nach einem Einkauf

wird rückwirkend von der Steuerbehörde

nicht mehr zugestanden, wenn innerhalb

von drei Kalenderjahren nach

Einzahlung des Einkaufs ein Kapitalbezug

geltend gemacht wird.

––

Ein getätigter Einkauf kann von der

Vorsorgestiftung VSAO nicht zurückbezahlt

werden.

––

Wiedereinkäufe infolge Ehescheidung

gelten nicht als Einkäufe.

––

Übertragungen von Geldern aus der

Säule 3a in die Vorsorgestiftung VSAO

gelten nicht als Einkäufe.

––

Der Einkauf wird vollumfänglich dem

überobligatorischen Teil des Alterssparkapitals

gutgeschrieben.

Wir empfehlen, dass zuerst der maximale

Betrag in die Säule 3a einbezahlt wird,

bevor ein Einkauf getätigt wird.

Wie berechnet sich

die maximal mögliche

Einkaufssumme?

Bei der Berechnung der maximal möglichen

Einkaufssumme spielen das Alter,

der versicherte Lohn und das vorhandene

Alterssparkapital per 31. Dezember des

Berechnungsjahres eine Rolle.

Das Alter entspricht einem Prozentsatz1,

welcher mit dem versicherten Lohn2 multipliziert

wird (siehe Anhang 1 des gültigen

Stiftungsreglements). Von der davon

errechneten Summe3 wird das vorhandene

Alterssparkapital per 31. Dezember des

Berechnungsjahres4 in Abzug gebracht.

Ergibt diese Berechnung eine Summe5

grösser als ein Franken, kann ein Einkauf

getätigt werden.

Berechnungsbeispiel für eine

45-jährige Person:

295% 1 × CHF 10 000 2 = CHF 295 000 3

./. CHF 250 000 4

= CHF 45 000 5

Sie möchten einen Einkauf tätigen?

So gehen Sie vor:

––

Das Antragsformular für den Einkauf

kann telefonisch oder per E-Mail, bei

der Vorsorgestiftung VSAO (www.vorsorgestiftung-vsao.ch)

angefordert werden.

Das Formular ist zwingend auszufüllen.

––

Nach Erhalt des ausgefüllten und unterzeichneten

Antragsformulars (Selbstdeklaration)

wird der versicherten Per­

Nr. 6 Dezember 2018

VSAO JOURNAL ASMAC

59


• Geriatrie/Depressionen

• TripAdvisor für Ärztejobs

Nr. 1 Februar 2018

Verband Schweizerischer Assistenz- und Oberärztinnen und -ärzte

VSAO JOURNAL

Associazione svizzera dei medici assistenti e capiclinica

Association suisse des médecins-assistant(e)s et chef(fe)s de clinique

Nachwuchs

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Publikation2018

60 VSAO JOURNAL ASMAC Nr. 6 Dezember 2018


VORSORGESTIFTUNG VSAO

son die Einkaufsberechnung inklusiv

Einzahlungsschein zugestellt. Der in

der Berechnung aufgeführte Betrag entspricht

der maximalen Einkaufssumme.

Ist diese Summe sehr hoch, kann

es aus steuertechnischer Sicht Sinn

machen, die Einkäufe über mehrere

Jahre hinweg zu verteilen.

Wichtig: Einkäufe für das Jahr

2018 müssen bis spätestens am

21. Dezember 2018 auf das Konto

der Vorsorgestiftung VSAO einbezahlt

worden sein.

Damit wir unsere Adressdatenbank «à

jour» halten können, bitten wir alle versicherten

Personen, uns immer die aktuelle

Wohnadresse unter http://adresse.

vorsorgestiftung-vsao.ch mitzuteilen. ■

Ich wünsche Ihnen schöne Festtage

und einen guten Start in

das Jahr 2019.

© Ron Haviv / VII

Engagiert, motiviert, kompetent.

So sind wir beim Rotkreuzdienst SRK.

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Nr. 6 Dezember 2018

VSAO JOURNAL ASMAC

61


Logo_Q-Publikation_D_2018_CMYK.pdf 1 03.04.18 11:40

IMPRESSUM

KONTAKTADRESSEN DER SEKTIONEN

Nr. 6 • 37. Jahrgang • Dezember 2018

Herausgeber/Verlag

MEDISERVICE VSAO-ASMAC

Bollwerk 10, Postfach, 3001 Bern

Telefon 031 350 44 88

journal@vsao.ch, journal@asmac.ch

www.vsao.ch, www.asmac.ch

Im Auftrag des VSAO

Redaktion

Catherine Aeschbacher (Chefredaktorin),

Giacomo Branger, Franziska Holzner-Arnold, Kerstin

Jost, Lukas Staub, Anna Wang, Sophie Yammine

Geschäftsausschuss VSAO

Anja Zyska (Präsidentin), Patrizia Kündig (Vizepräsidentin),

Angelo Barrile (Vizepräsident), Nora

Bienz, Christoph Bosshard, Michel Clément, Karin

Etter, Marius Grädel-Suter, Dina-Maria Jakob, Helen

Manser, Gert Printzen, Miodrag Savic, Sergio Sesia,

Hervé Spechbach, Robin Walter (swimsa)

Druck, Herstellung und Versand

Stämpfli AG, Wölflistrasse 1, CH-3001 Bern

Telefon +41 31 300 66 66

info@staempfli.com, www.staempfli.com

Layout

Tom Wegner

Inserate

Zürichsee Werbe AG, Fachmedien, Markus Haas

Laubisrütistrasse 44, 8712 Stäfa

Telefon 044 928 56 53

E-Mail vsao@fachmedien.ch

Auflagen

Druckauflage: 22 550 Expl.

WEMF/SW-Beglaubigung 2018: 21 893 Expl.

Erscheinungshäufigkeit: 6 Hefte pro Jahr.

Für VSAO-Mitglieder im Jahresbeitrag inbegriffen.

ISSN 1422-2086

Ausgabe Nr. 1/2019 erscheint im Februar 2019.

Thema: Künstlich

© 2018 by VSAO, 3001 Bern

Printed in Switzerland

AG VSAO Sektion Aargau, Geschäftsstelle: lic. iur. Eric Vultier, Auf der Mauer 2,

8001 Zürich, vultier@schai-vultier.ch, Tel. 044 250 43 23, Fax 044 250 43 20

BL/BS

VSAO Sektion beider Basel,

Geschäftsleiterin und Sekretariat: lic. iur. Claudia von Wartburg, Advokatin,

Hauptstrasse 104, 4102 Binningen, Tel. 061 421 05 95,

Fax 061 421 25 60, sekretariat@vsao-basel.ch, www.vsao-basel.ch

BE VSAO Sektion Bern, Schwarztorstrasse 7, 3007 Bern, Tel. 031 381 39 39,

bern@vsao.ch, www.vsao-bern.ch

FR ASMAC Sektion Freiburg, Gabriela Kaufmann-Hostettler, Wattenwylweg 21,

3006 Bern, Tel. 031 332 41 10, Fax 031 332 41 12, info@gkaufmann.ch

GE Associations des Médecins d’Institutions de Genève, Postfach 23,

Rue Gabrielle-Perret-Gentil 4, 1211 Genf 14, amig@amig.ch, www.amig.ch

GR

JU

VSAO Sektion Graubünden, 7000 Chur, Samuel B. Nadig, lic. iur. HSG,

RA Geschäftsführer/Sektionsjurist, Tel. 078 880 81 64, info@vsao-gr.ch,

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ASMAC Jura, 6, chemin des Fontaines, 2800 Delémont, marie.maulini@h-ju.ch

NE ASMAC Sektion Neuenburg, Joël Vuilleumier, Jurist, Rue du Musée 6,

Postfach 2247, 2001 Neuenburg, Tel. 032 725 10 11, vuilleumier@valegal.ch

SG/AI/AR VSAO Sektion St. Gallen-Appenzell, Bettina Surber, Oberer Graben 44,

9000 St. Gallen, Tel. 071 228 41 11, Fax 071 228 41 12,

Surber@anwaelte44.ch

SO

TI

VSAO Sektion Solothurn, Geschäftsstelle: lic. iur. Eric Vultier,

Auf der Mauer 2, 8001 Zürich, vultier@schai-vultier.ch,

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ASMAC Ticino, Via Cantonale 8-Stabile Qi, 6805 Mezzovico-Vira,

segretariato@asmact.ch

TG VSAO Sektion Thurgau, Geschäftsstelle: lic. iur. Eric Vultier, Auf der Mauer 2,

8001 Zürich, vultier@schai-vultier.ch, Tel. 044 250 43 23, Fax 044 250 43 20

VD

VS

ASMAV, case postale 9, 1011 Lausanne-CHUV,

asmav@asmav.ch, www.asmav.ch

ASMAVal, p.a. Maître Valentine Gétaz Kunz,

Ruelle du Temple 4, CP 20, 1096 Cully, contact@asmaval.ch

Zentralschweiz (LU, ZG, SZ, GL, OW, NW, UR)

VSAO Sektion Zentralschweiz, Geschäftsstelle: lic. iur. Eric Vultier,

Auf der Mauer 2, 8001 Zürich, vultier@schai-vultier.ch,

Tel. 044 250 43 23, Fax 044 250 43 20

Publikation2018

FOKUSSIERT

KOMPETENT

TRANSPARENT

Gütesiegel Q-Publikation

des Verbandes Schweizer Medien

ZH/SH

VSAO ZÜRICH/SCHAFFHAUSEN, Rechtsanwältin Susanne Hasse,

Rämistrasse 31, Postfach 160, 8024 Zürich, Tel. 044 941 46 78, info@vsao-zh.ch

62 VSAO JOURNAL ASMAC Nr. 6 Dezember 2018


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1968 – 2018

Polymed Medical Center

Wir beraten Sie bei Ihrer Praxiseinrichtung und

unterstützen Sie in Ihrer täglichen Praxisarbeit.

Bei Polymed erhalten Sie alles, was Sie für Ihre

Praxis benötigen:

• Modernste Labor- und Medizintechnik

• Praxisplanung und Praxismobiliar

• Sämtliche Verbrauchs- und Labormaterialien

• Schweizweiter Service für medizintechnische

Produkte und Laborgeräte

• Röntgen-Kompetenzzentrum

Besuchen Sie unsere einzigartige Ausstellung

in Glattbrugg!

Rufen Sie an: 044 828 61 11

www.polymed.ch

Für die Ärzte im Einsatz

Polymed – auf uns können Sie zählen!

E-Mail: info@polymed.ch


RUNDuMsSCHUTZ

FÜR ÄRZTINnEN UND

ÄRZtE AM STEUeR

Hausbesuche, Notfalltransporte, Arbeitswege: Als MedizinerIn benötigen Sie beim

Autofahren besonderen Schutz. MediDRIVE – die individuelle Motorfahrzeugversicherung

der Allianz und des MEDISERVICE VSAO-ASMAC – schützt Ihre berufliche Mobilität mit

einem bedarfsgerechten Leistungspaket.

MediDRIVE: All-inclusive-Schutz nach Mass

Mit MediDRIVE sind Sie während beruflichen Einsätzen am Steuer bestens gesichert. Kommt es

während einer Dienstfahrt zu einem Schaden, hat dies keinen Einfluss auf Ihre Bonusrückstufung;

auch ein Selbstbehalt wird nicht fällig. Sogar bei Grobfahrlässigkeit oder Führerscheinentzug

haftet Ihre Fahrzeugversicherung. Daneben bezahlt MediDRIVE die Reinigung Ihres Autos, sollte

diese nach einem Einsatz nötig sein.

Umsichtig fahren zahlt sich aus

Sie wissen, was die Folgen eines Verkehrsunfalles sein können. Vorsichtig fahren lohnt sich deshalb

doppelt: das bringt Ihnen ganz konkrete Vorteile: Bei Schadenfreiheit reduziert sich Ihre Prämie im

Jahresrhythmus. Das heisst, Ihr Bonus kann bis auf komfortable 70 Prozent steigen, sowohl für Haftpflicht

als auch für Vollkasko.

Ihre Deckung auf einen Blick

Haftpflicht/Kasko bei Unfällen auf dem Arbeitsweg, bei Hausbesuchen oder Notfalltransporten

Bonusschutz bei Dienstfahrten

Keine Leistungskürzung und kein Regress bei Grobfahrlässigkeit

Kein Selbstbehalt bei Dienstfahrten

Diebstahlversicherung des ärztlichen Notfallkoffers

24-Stunden-Pannenhilfe

Gerne beraten wir Sie umfassend und persönlich, damit Sie sich im entscheidenden Moment

voll auf die Leistungen der Allianz verlassen können – informieren Sie sich jetzt über unsere

attraktiven Versicherungslösungen.

Kontaktieren Sie uns unter

verguenstigungen@allianz.ch oder

einen unserer Versicherungsberater

(siehe www.allianz.ch)

für eine individuelle Offerte.

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