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agrivizion - Dokumentation zur Dialogreihe - Agrar- und Ernährungsforum Oldenburger Münsterland e. V.

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Dokumentation zur Dialogreihe

Agrar- und Ernährungsforum

Oldenburger Münsterland e. V.


Dokumentation zur Dialogreihe


Herausgegeben in Zusammenarbeit mit dem

Redaktion:

Uwe Bartels, Vorsitzender des AEF, und

Ruth Overberg, Geschäftsstellenleiterin

Autor:

Klaus-Peter Jordan, Wirtschaftsjournalist

und Diplom-Volkswirt, Ganderkesee

info@jordanmedia.de

Das Buch erscheint im Verlagsbereich

Regionalmedien

Alle Rechte bei Kommunikation & Wirtschaft

GmbH, Oldenburg (Oldb)

Printed in Germany 2018

Das Manuskript ist Eigentum des Ver lages.

Alle Rechte vorbe halten. Auswahl und

Zusammenstellung sind urheberrechtlich

geschützt. Für die Richtigkeit der im Inhaltsverzeichnis

aufgeführten Autorenbeiträge und der

PR-Texte übernehmen Verlag und Redaktion

keine Haftung.

Bildbearbeitung:

Kommunikation & Wirtschaft GmbH,

Oldenburg (Oldb)

Druck:

Silber Druck oHG, Niestetal

Bildquellen:

Archiv: S. 18, 22, 23, 24 re. o., 28, 29, 33, 49, 56, 60, 63 re., 64, 66, 68, 69, 89, 91, 93,

94 li., 95–97.

Agrar- und Ernährungsforum Oldenburger Münsterland e. V. (AEF), Vechta: S. 8, 10 ff.

(Kapitelteaser), 11, 13, 15, 35, 37–39, 41, 43, 47, 51, 71, 75, 77, 79, 81, 83, 98 ff.

(Kapitelteaser), 99, 101, 103.

Das Projekt wurde gefördert von

AdobeStock/Countrypixel: S. 7 u. r.; 70 ff. (Kapitelteaser); AdobeStock/cynoclub: S. 21;

AdobeStock/Jürgen Fälchle: S. 44; AdobeStock/Janni: S. 48; AdobeStock/markobe:

S. 7 u. l.; AdobeStock/Ruud Morijn: S. 51; AdobeStock/vaclavkrizek: Titel (1), S. 7 o., 34

ff. (Kapitelteaser); AdobeStock/zlikovec: S. 73; AGRAVIS Raiffeien AG: S. 61; Markus

Assmann, Deutsche Vilomix Tierernährung GmbH, Neuenkirchen-Vörden: S. 62; Stefan

Bernholt: S. 30; ©bilderwerk.org, Oldenburg: S. 24 re. u.; bitters.de/Jessika Wollstein:

S. 30/31 mi., 31 li. und re. o., 92 li. und re. o.; DSV/Image/Source/Rakusen: S. 25;

Katharina Freier: S. 26, 27; Stefan Freiwald, Vechta: S. 30 li.; Bernd Gieseke, Garrel:

S. 88; gpointstudio | istockphoto.com: S. 94 re.; GS agri eG: S. 67; Uwe Heider, AD

AGRO Systems GmH & Co. KG, Vechta: S. 65; Gerald Lampe, foto hölzen GmbH,

Dinklage: S. 32, 63 li.; Niedersächsische Staatskanzlei: S. 6; PHWT: S. 92 re. u.;

Thorsten Ritzmann, Oldenburg: S. 24 li.; Vogelsang GmbH & Co. KG, Essen (Oldb):

S. 55, 58, 59; WELTEC BIOPOWER GmbH, Vechta: S. 45, 57; Wiesenhof: S. 87.


INHALT 3

Grußwort 6

Stephan Weil, Niedersächsischer Ministerpräsident

Einleitung 8

Wertewandel in den Zuchtzielen

Von Mendels Erbsenzählerei zur genomischen Selektion –

moderne Konzepte in der Tierzucht 10

Professor Dr. Henner Simianer, Leiter der Abteilung Tierzucht

und Hausgenetik der Georg-August-Universität Göttingen

Antworten der hiesigen Geflügelzucht auf die aktuelle Kritik 12

Professor Dr. Rudolf Preisinger, Chief Technical Officer der EW GROUP in Visbek

Zucht ist viel – aber nicht alles! Tierschutz in der Nutztierhaltung 14

Professor Dr. Sabine Petermann, Dezernatsleiterin Tierschutz des Niedersächsischen Landesamtes

für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (LAVES) in Oldenburg

Zuchtergebnisse und Qualitätsmanagement 16

Christoph Athmann, Legehennenhalter in Dinklage-Langwege

Hermann Albers, Hähnchenmäster in Friesoythe-Neulorup

Bernd Wiegmann, Geschäftsführer der Heidemark GmbH in Ahlhorn

„Nationale Nutztierstrategie möglichst schnell umsetzen“ 18

Interview mit Gerd Lindemann, Vorsitzender des Kompetenzkreises Tierwohl beim Bundesministerium

für Ernährung und Landwirtschaft und ehemaliger Niedersächsischer Landwirtschaftsminister

„Geschlechtsbestimmung im Ei wird das Kükentöten demnächst beenden“ 20

Jörg Hurlin, Geschäftsführer bei Agri Advanced Technologies GmbH (AAT) in Visbek

Wohin mit der Gülle und den Gärresten?

Nährstoffsituation im Oldenburger Münsterland unter Berücksichtigung

neuer rechtlicher Regeln 34

Heinz Hermann Wilkens, zuständig für Düngerecht und Nährstoffkreislaufwirtschaft bei

der Landwirtschaftskammer Niedersachsen in Oldenburg

Organische Düngung: Ein ganzheitlicher Blick auf Entstehung und

Verwendung von Wirtschaftsdüngern 36

Dr. Henning Müller, Kotte Landtechnik GmbH & Co. KG in Rieste


4 INHALT

Durch Fütterung Nährstoffe reduzieren 38

Bernhard Walgern, AGRAVIS Mischfutter Oldenburg/Ostfriesland GmbH in Oldenburg

Innovationen zur Ausbringung vor Ort: Stand der Technik 39

Dr. Thomas Gnosa, (ehemals Hugo Vogelsang Maschinenbau GmbH in Essen (Oldb))

Dr. Henning Müller, Kotte Landtechnik GmbH & Co. KG in Rieste

Gülle als wertvolles Exportgut: Transport mit intelligenter und innovativer Logistik 40

Ludger Feldhaus, NOM GmbH in Vechta-Calveslage

Uwe Weddige, Nährstoffmanagement Niedersachsen eG und Landesverband

der Maschinenringe Niedersachsen e. V.

Technische Systeme zur Aufbereitung von Nährstoffen 42

Robert Tholen, WELTEC BIOPWER GmbH in Vechta

Valerio Witte, Witte-Lastrup GmbH in Lastrup

Matthias Rabener, Big Dutchmann AG in Vechta-Calveslage

Gert Stuke, Kaskum GmbH & Co. KG in Friesoythe

„Die Stickstoffeinträge in die Gewässer müssen gesenkt werden“ 46

Interview mit Egon Harms, Bereichsleiter für den Gewässerschutz beim

Oldenburgisch-Ostfriesischen Wasserverband (OOWV) in Brake

Verbundprojekt Wirtschafts düngermanagement in Niedersachsen 49

Reno Furmanek, Leiter der Düngebehörde in Oldenburg

Wilhelm Schepers, Landwirtschafts kammer Niedersachsen in Oldenburg

Breites Aktionsbündnis für eine nachhaltige Nährstoffkreislaufwirtschaft 51

Akteure aus dem Oldenburger Münsterland setzen einen Masterplan

gegen zu hohe Nährstoffgehalte im Wirtschaftsdünger um

Landwirte aus dem Oldenburger Münsterland gehen das Problem Gülle aktiv an 53

Ein Besuch bei den Schweinehaltern Thomas Gardewin in Molbergen-Ermke und

Stefan Klaus in Cappeln-Nutteln

Tiergerechte Stallsysteme

Verzicht auf die Schnabelbehandlung bei Legehennen –

Vermeidung von negativen Folgen 70

Dr. Ralf Kosch, Direktor Geflügelhaltungssysteme Europa, bei der

Big Dutchman International GmbH in Vechta-Calveslage

Antibiotikaeinsatz in der Geflügelaufzucht reduzieren –

Wie kann Stalltechnik dies weitestgehend möglich machen? 72

Dr. Ralf Kosch, Direktor Geflügelhaltungssysteme Europa, bei der

Big Dutchman International GmbH in Vechta-Calveslage


INHALT 5

Licht: Erkenntnisse und Folgerungen daraus für die Haltung von Geflügel 74

Ulrich Wichmann, Leiter Einkauf und Human-Ressource- Marketing bei der

Fienhage Poultry- Solutions GmbH in Lutten

Nutzung der männlichen Legehybriden: das Projekt „Integhof“ 76

Professor Dr. Silke Rautenschlein, Direktorin in der Klinikleitung der Stiftung

Tierärztliche Hoch schule Hannover und Fachtierärztin für Geflügel und Mikro biologie

Der Ringelschwanz im Fokus von Gesellschaft und Tierhaltern 78

Daniel Holling, Direktor Schweine haltungssysteme Europa bei der

Big Dutchman International GmbH in Vechta- Calveslage

Mehr Bewegung für säugende Sauen – Wie geht das ohne erhöhte Mortalität? 80

Ralf Meyer, Leiter Entwicklung bei der WEDA Dammann & Westerkamp GmbH in Lutten

Mehr Tierwohl in der Nutztierhaltung: Wessen Aufgabe ist das? 82

Professor Dr. Harald Grethe, Fachgebiet Internationaler Agrarhandel und Entwicklung,

Lebenswissenschaftliche Fakultät, Humboldt-Universität zu Berlin

Klasse statt Masse – eine Frage der Haltung 84

Ein Besuch beim Schweinehalter Dr. Jens van Bebber auf dem

Hof Bodenkamp in Samern bei Schüttorf

Nachhaltig: Innovatives Mikroalgen-Konzept

Mikroalgen – lichtsammelnde Alleskönner für eine

nachhaltige Phytopharmaka-Produktion 98

Professor Dr. Ilka Maria Axmann, Leiterin des Instituts für Synthetische Mikro biologie

an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf

Konzept: Perlen vor die Säue 100

Ein Besuch auf der Algenfarm von Dipl-Ing. Rudolf Cordes, Inhaber und Geschäftsführer der

NOVAgreen GmbH und der S 2 B GmbH in Vechta

Mit Mikroalgen in die Zukunft 102

Ein Besuch bei Christian und Jessica Hohnholz aus Dünsen in der Gemeinde Harpstedt

im Landkreis Oldenburg, die biozertifizierte Mikroalgen im Großformat produzieren

Verzeichnis der PR-Bildbeiträge 104


6 GRUSSWORT

Grußwort

Liebe Leserinnen, liebe Leser,

die Erfolgsstory des Oldenburger Münsterlandes

ist unmittelbar mit seiner leistungsstarken Agrarund

Ernährungswirtschaft verbunden. Mit Pioniergeist

und Innovationskraft ist hier über Jahrzehnte

eine dynamische und erfolgreiche Region

entstanden. Zu Recht wird das Oldenburger

Münsterland als „Silicon Valley der Agrartech -

nologie“ bezeichnet. Dem stehen allerdings zu

lösende Umweltprobleme und eine schwin -

dende Akzeptanz bestimmter Haltungsverfahren

in der Nutztierhaltung gegenüber. Es muss daher

gelingen, Ökonomie, Ökologie, Tierschutz und

soziale Aspekte wieder in eine Balance zu bringen.

Ziel ist eine leistungsfähige Agrar- und Er -

näh rungswirtschaft, die ressourcenschonend

und dem Tierwohl verpflichtet qualitativ hoch -

wertige Lebensmittel produziert.

Nicht zuletzt aufgrund der zahlreichen Aktivitäten

des Agrar- und Ernährungsforums Oldenburger

Münsterland, in dem rund 90 Unternehmen der

Region mitwirken, ist klar erkennbar, dass die

Branche die Zeichen der Zeit erkannt hat. Pro -

bleme offensiv angehen und Lösungswege

vorschlagen, die innovativ, nachhaltig und praxisnah

sind – das ist die Herangehensweise des

Agrar- und Ernährungsforums. Die Dialogreihe

agrivizion Oldenburger Münsterland – Wir

machen Zukunft“ ist eine dieser hervorragenden

Initiativen.

Stephan Weil

Niedersächsischer Ministerpräsident

In den vier Veranstaltungen wurden Themen -

bereiche behandelt, die für die Zukunft der Agrarund

Ernährungswirtschaft und darüber hinaus

höchst bedeutsam sind. So ist etwa die Frage,

welche Ziele bei der Tierzucht künftig im Vordergrund

stehen sollten, im direkten Zusammenhang

zu sehen mit den heutigen Anforderungen

von Verbraucherinnen und Verbrauchern an Tierwohl

und Tiergesundheit in der Nutztierhaltung.

Und dass überzeugende Antworten auf die Frage

„Wohin mit der Gülle und den Gärresten?“

gefunden werden, ist mitentscheidend für die

Zukunft der landwirtschaftlichen Nutztierhaltung,

aber auch für den Schutz des Klimas, des

Bodens, des Grundwassers und der Ober -

flächengewässer.

Die Beiträge der Expertinnen und Experten und

die Praxisberichte aus den Unternehmen verdeutlichen,

was bereits erreicht wurde und wo

noch Handlungsbedarfe bestehen. Ich danke

dem Agrar- und Ernährungsforum Oldenburger

Münsterland und allen Beteiligten für die Durchführung

der Dialogreihe und für die Erstellung

dieser gelungenen Publikation. Allen Leserinnen

und Lesern wünsche ich eine interessante Lek -

türe.

Hannover, im November 2018


GRUSSWORT 7


8 EINLEITUNG

Einleitung

Uwe Bartels,

Vorsitzender des Agrarund

Ernährungsforums

Oldenburger Münsterland

(AEF)

Das Oldenburger Münsterland mit den Land -

kreisen Cloppenburg und Vechta, gelegen im

westlichen Niedersachsen, ist eine der bedeutendsten

Agrarregionen Deutschlands und Europas.

Hier werden Agrargüter produziert und

veredelt. Das Oldenburger Münsterland ist aber

auch ein Innovationszentrum für eine nach haltige

Agrar- und Ernährungswirtschaft. In einer Ver -

anstaltungsreihe hat das Agrar- und Ernährungsforum

Oldenburger Münsterland (AEF) in Vechta

unter dem Titel „agrivizion“ das Innovations -

potenzial der Region in vier stark im Fokus stehenden

Themenfeldern vorgestellt: „Werte -

wandel in den Zuchtzielen“, „Wohin mit der Gülle

und den Gärresten?“, „Tiergerechte Stallsys -

teme“ und „Nachhaltigkeit: Innovatives Mikro -

algen-Konzept“.

„Durch die einzigartige geschlossene Wertschöpfungskette

der Agrar- und Ernährungswirtschaft

zählt das Oldenburger Münsterland zu

den erfolgreichsten Agribusiness-Clustern in

Europa“, so der AEF-Vorsitzende und ehemalige

niedersächsische Landwirtschaftsminister Uwe

Bartels. „Obwohl diese Region in der Vergangenheit

zahlreiche Erfolgsmodelle hervorgebracht

hat, hat sie ebenso auch mit den ökologischen,

ökonomischen und gesellschaftlichen Heraus -

forderungen, wie zum Beispiel Nährstoffüberschüsse,

hohe Tierdichte, Negativimage seitens

der Gesellschaft usw., zu kämpfen. Indes ist die

Branche im Gegenzug auch in der Lage und

sogar Motor, für diese Zielkonflikte Komplett -

lösungen und Innovationen, die für die Gesellschaft

akzeptabel sind, zu entwickeln“, umreißt

Bartels den Rahmen der Veranstaltungsreihe.

Zum Auftakt der „agrivizion“-Reihe hob Niedersachsens

Ministerpräsident Stephan Weil (SPD)

die Bedeutung des Oldenburger Münsterlandes

„als einer der leistungsfähigsten Agrarwirtschaftsräume

Europas und Kraftzentrum für ganz

Niedersachsen“ hervor. Die Region kenne ihre

Stärken im Agrarbereich, wisse aber auch um die

Schwachstellen. Diese Probleme, die viele Verbraucherinnen

und Verbraucher bewegen, würden

inzwischen offensiv seitens der Branche

angegangen. Mit Innovationen arbeite die Agrarbranche

an Lösungen, um gesellschaftliche

Ansprüche, Nachhaltigkeit und Wettbewerbs -

fähigkeit in Einklang zu bringen, so Weil. Das

Land fördere diese Entwicklungen. „Die Region

Oldenburger Münsterland ist stark und hat

Zukunft“, ist sich der Ministerpräsident sicher.

Werte wandel in den Zuchtzielen

In der ersten Veranstaltung der „agrivizion“-

Reihe wurde deutlich, dass sich bei den Zielen

der Tierzucht ein Wertewandel vollzogen hat. Hat

die Landwirtschaft in der Vergangenheit versucht,

über eine höhere Produktmenge und über

züchterische Leistungssteigerungen dem globalen

Kostendruck entgegenzuwirken, so wurden

zwischenzeitlich zahlreiche neue und innovative

züchterische Ansätze zum Wohle der Tiere aber

auch zur Schonung von Ressourcen und Umwelt

geschaffen.

Professor Dr. Henner Simianer, Leiter der Abteilung

Tierzucht und Hausgenetik der Georg-

August-Universität Göttingen, machte deutlich,

dass moderne Tierzucht viel mehr ist als Mendels

Erbsenzählerei. „Moderne Tierzucht braucht

klar definierte Ziele, Zeit, Daten, Geld, verläss -

liche Rahmenbedingungen und gesellschaftliche

Akzeptanz“, so der Wissenschaftler und sie habe

natürliche Grenzen.

Professor Dr. Rudolf Preisinger, Chief Technical

Officer der EW GROUP in Visbek (Landkreis

Vechta), stellte dar, dass die Geflügelzucht -

branche vor dem Hintergrund des gesellschaftlichen

Wandels seit Langem erfolgreich an neuen

Zuchtzielen arbeitet und so bereits „eine gleichzeitige

Verbesserung von Tierwohl-, Effizienzund

Nach haltigkeitsmerkmalen erreicht wurde.“

Für Professor Dr. Sabine Petermann, Dezernatsleiterin

Tierschutz des Nieder sächsischen Lan -

des amtes für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit

in Oldenburg, ist klar, dass die

Zucht in der Nutzgeflügel haltung nicht alles ist.

Großen Einfluss auf das Tierwohl hätten auch

Management und Haltungsbedingungen. Sie forderte,

„Tierschutzindikatoren für die Beurteilung

von Tierwohl und Tiergesundheit einzusetzen“.


EINLEITUNG 9

Wohin mit der Gülle und den Gärresten?

In der zweiten Veranstaltung zum Thema Nährstoffsituation

im Oldenburger Müns terland

waren sich alle Teilnehmer einig, dass durch die

Tierhaltung in der Region mehr Gülle und Gär -

reste anfallen als auf den landwirtschaftlichen

Nutzflächen verwertet werden können. Eine

neue Düngeverordnung und ein neues Dünge -

gesetz erhöhen den Handlungsdruck. Ziel der

Novellierungen ist unter anderem eine Stei -

gerung der Effizienz bei der Düngung, damit

Nährstoffverluste in das Grundwasser verringert

werden. „Das Dünge-Paket ermöglicht den Landwirten

ein ökonomisch tragfähiges und zugleich

ressourcenschonendes Wirtschaften“, ist sich

Dr. Hermann Onko Aeikens, Staatssekretär im

Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft,

sicher. Unternehmen der Agrarbranche

des Oldenburger Münsterlandes haben bereits

frühzeitig nach Lösungen gesucht, um die wertvollen

Nährstoffe unter ökologischen und öko -

nomischen Gesichtspunkten in den Wirtschaftskreislauf

zu überführen. Vorgestellt wurden auf

dieser „agrivizion“-Veranstaltung Verfahren, die

es den landwirtschaftlichen Betrieben ermöglichen,

eine betriebsindividuell passende Lösung

auszuwählen.

Tiergerechte Stallsys teme

In der dritten Veranstaltung der „agrivizion“-

Reihe wurden innovative Stallsysteme für Huhn

und Schwein vorgestellt. Die derzeit noch vorherrschenden

Haltungssysteme sind in weiten

Teilen der Gesellschaft inzwischen mit negativen

Assoziationen besetzt und werden öffentlich diskutiert.

Die Politik hat bisher nur unzureichende

Antworten für die Umsetzung einer nationalen

Nutztierstrategie sowie deren Finanzierung

gegeben und verlässliche Rahmendaten für den

„Stall der Zukunft“ vermieden. Stalleinrichter

aus dem Oldenburger Münsterland haben die

Initiative ergriffen und bieten den Tierhaltern

innovative Lösungen für mehr Tierwohl und Tiergesundheit

an. Beispiele hierfür wurden auf

dieser „agrivizion“-Veranstaltung vorgestellt.

AEF-Vorsitzender Bartels betonte, „dass bei aller

Notwendigkeit einer Transformation die Anpassungen

für die Tierhalter wirtschaftlich leistbar

sein müssen und den Struktur -

wandel in der Landwirtschaft nicht

beschleunigen dürfen“. Bartels verglich

die derzeitigen Veränderungen in

der Tierhaltung mit einer Operation am

offenen Herzen, da diese – im Hinblick

auf den deutschen Alleingang – auch

noch im globalen Wettbewerb stünden.

Nachhaltigkeit:

Innovatives Mikro algen-Konzept

In der vierten und letzten Veranstaltung

wurde beispielhaft für einen nachhaltigen

Umgang mit Ressourcen ein von der

Heinrich-Heine-Universität in Düsseldorf

wissenschaftlich begleitetes

innovatives Mikroalgen-Konzept aus

dem Oldenburger Münsterland präsentiert.

Der Ingenieur und Verfahrenstechniker

Rudolf Cordes aus

Vechta züchtet schon seit einigen Jahren

Mikroalgen. Mithilfe eines von ihm

entwickelten Produktionssystems will

er jetzt – mit wissenschaftlicher Unterstützung

– Mikroalgen züchten, die

Substanzen mit antibiotischer Wirkung

ent halten. „Der Einsatz von Mikroalgen

mit anti biotischer Wirkweise wäre ein

großer Schritt in Richtung Ersatz von heute

noch teuer produ zierten Tier-Antibiotika, die

wegen der zunehmenden Resistenzbildung eine

immer größere Herausforderung für Human- und

Veterinär mediziner darstellen“, beschreibt Bartels

die Hoffnungen, die mit diesem Mikroalgen-

Konzept verbunden sind.

Nach Abschluss der „agrivizion“-Reihe zog

Bartels ein positives Fazit. „Wir konnten mit

dieser Reihe die Innovationskraft der Unter -

nehmen aus dem Oldenburger Münsterland

transparent und authentisch vor Pressever -

tretern herausstellen. Es ist uns nachweislich

gelungen, durch die Darstellung von Lösungs -

ansätzen dem Negativimage der Region entgegenzuwirken

und eine objektivere Betrachtung

und Bewertung der Herausforderungen der

Branche durch Presse und Gesellschaft zu er -

reichen.“


10 WERTEWANDEL IN DEN ZUCHTZIELEN

1. PRESSEKONFERENZ, 22.02.2017

Von Mendels Erbsenzählerei zur

genomischen Selektion –

moderne Konzepte in der Tierzucht

KERNAUSSAGEN

▷ Moderne Tierzucht ist viel mehr

als Mendel

▷ Moderne Tierzucht braucht klar

definierte Ziele, Zeit, Daten, Geld,

verlässliche Rahmenbedingungen

und gesellschaftliche Akzeptanz

▷ Tierzucht hat natürliche Grenzen

Tierzucht hat eine lange Geschichte. Der Anfang

züchterischen Denkens ist eng mit den Namen

Charles Darwin und Gregor Mendel Mitte des

19. Jahrhunderts verbunden. In der Nutztier -

haltung und -züchtung standen in der Folge vor

allem ein schnelleres Wachstum und eine höhere

Leistung der Tiere im Vordergrund. Die moderne

Tierzucht wird aber schon seit längerer Zeit

längst nicht nur zur Steigerung der Leistung

eingesetzt, sondern auch zur Verbesserung der

Tiergesundheit und der -fitness. Damit erfüllt sie

gesellschaftliche Anforderungen zu Tierwohl und

Klimawandel.

Professor Dr. Henner Simianer von der Abteilung

Tierzucht und Haustiergenetik der Georg-August-

Universität Göttingen hat einen Katalog aufgestellt,

in dem die grundlegenden Bedingungen

für eine moderne Tierzucht zusammengefasst

sind.

Ziele: Die Ziele müssen klar definiert, relevant,

konkret benannt und messbar sein. Beispiele

hierfür sind: Verhaltensmerkmale, Tiergesundheit,

Leistung, Produktqualität, Ressourceneffizienz

und Umweltwirkung. Wichtig: Zu viele

Ziele erschweren den Zuchterfolg in jedem einzelnen

Ziel.

Zeit: Zuchtfortschritte benötigen Zeit. Sie sind

erst nach zwei bis drei Tiergenerationen zu er -

zielen, dann aber nachhaltig. Simianer: „Tanker

brauchen nun einmal Zeit beim Umsteuern.“

Daten: Es müssen so viele Daten wie möglich,

etwa zur Abstammung, aber auch zu Leistungen,

gesammelt, zusammengeführt und bereitgestellt

werden.


WERTEWANDEL IN DEN ZUCHTZIELEN 11

Geld: Die lange Zeit, die Zuchtfortschritte benö -

tigen, verursacht hohe Kosten und entsprechend

lang sind auch die notwendigen Investitions -

zeiträume.

Rahmenbedingungen: Die Rahmenbedingungen

für die Tierzucht erfordern verlässliche Fest -

legungen und einen ausreichenden zeitlichen

Vorlauf für die Zuchtunternehmen. Sie müssen

für diese klar kalkulierbar sein.

Akzeptanz: Zuchtziele, Züchtungstechniken und

die Tierproduktion insgesamt müssen so ausgerichtet

werden, dass die Gesellschaft sie akzeptiert.

Professor Simianer weist aber auch darauf hin,

dass der Tierzucht natürliche Grenzen gesetzt

sind. So sind viele Merkmale kaum erblich oder

beeinflussen bei ihrer Ausgestaltung ungünstig

andere Merkmale. Weiterhin setzt die Nutzung

bestimmter genetischer Potenziale eine ent -

sprechende Umweltgestaltung voraus. Und nicht

zuletzt kann Tierzucht Tiere an oder auch über

ihre physiologischen oder anatomischen Grenzen

führen.

Professor Simianer stellt fest, dass wesentliche

Zucht erfolgsschübe immer mit technologischen

Innovationen verbunden sind. Beispiele: Die

Innovation künstliche Besamung bei Kühen

ermöglichte neue, sogenannte Besamungszuchtprogramme

und steigerte die Milchleistung

erheblich. Oder: Mit der sogenannten geno -

mischen Selektion über die DNA konnte der

Zuchtfortschritt in der Rinderzucht verdoppelt

werden. Professor Henner Simianers Fazit: Mit

innovativen Zuchtmethoden lassen sich Poten -

ziale für mehr und unterschiedliche Zuchtziele

schaffen.

Professor Dr. Henner

Simianer, Leiter der

Abteilung Tierzucht

und Hausgenetik der

Georg-August-Universität

Göttingen


12 WERTEWANDEL IN DEN ZUCHTZIELEN

Antworten der hiesigen Geflügelzucht

auf die aktuelle Kritik

KERNAUSSAGEN

▷ Ein gesellschaftlicher Werte -

wandel fordert andere Zuchtziele

▷ Die Geflügelzuchtbranche arbeitet

seit Langem erfolgreich an neuen

Zuchtzielen

▷ Eine gleichzeitige Verbesserung

von Tierwohl-, Effizienz- und

Nachhaltigkeitsmerkmalen wurde

erreicht

Lange Zeit wurde in der Landwirtschaft versucht,

über züchterische Leistungssteigerungen bei

Nutztieren eine höhere Produktionsmenge zu

gleichem Preis zu erzielen, um im globalen Wettbewerb

bestehen zu können. Dies wurde von

der Gesellschaft zunehmend kritisiert, weil es

nicht selten auf die Tiergesundheit und das Tierwohl

negative Auswirkungen hatte. Die Zuchtbranche

reagierte auf diesen Wertewandel.

Unternehmen aus dem Oldenburger Münsterland

gehören dabei zum Motor dieses Pro -

zesses, etwa in der Geflügelzucht.

„Die Herausforderung für die moderne Geflügelzucht

ist die gleichzeitige Bearbeitung von Tierwohl-,

Effizienz- und Nachhaltigkeitsmerkmalen“,

weiß Professor Dr. Rudolf Preisinger, Chef -

genetiker der EW GROUP aus Visbek (Landkreis

Vechta), eines der weltweit führenden Geflügelzuchtunternehmen.

Er verweist aber auch auf

eine Grundregel der Zucht: Je größer die Zahl der

Anforderungen, umso geringer ist der Erfolg in

jedem einzelnen Merkmal. In den letzten Jahrzehnten

hätten sich die züchterisch bearbeiteten

Eigenschaften mehr als verdoppelt.

Preisinger nennt Beispiele von Problemen und

deren Behandlung durch Zuchttechniken in der

oft kritisierten Legehennenhaltung sowie der

Masthähnchen- und Putenhaltung.

Federpicken/Kannibalismus: Früher wurde

Legehennen der Schnabel gekürzt (geschnitten),

um das Federpicken einzuschränken. Mit züch -

terischen Mitteln wurde eine rundere Schnabelform

erreicht und so das Verletzungsrisiko reduziert.

Futterverwertung bei Legehennen: Für ein Kilogramm

Eimasse von Legehennen wurden 1995


WERTEWANDEL IN DEN ZUCHTZIELEN 13

im Schnitt 2,45 Kilo Futter benötigt; 2015 waren

es nur noch zwei Kilo. Weltweit brauchen so

etwa acht Millionen Hektar Weizen nicht mehr

verfüttert werden.

Futteraufwand bei Masthähnchen: Von 1960

bis heute hat sich der Futteraufwand für Masthähnchen

durch den genetischen Fortschritt von

fast drei Kilogramm je Kilo Hähnchen-Lebend -

gewicht auf rund 1,5 Kilo nahezu halbiert. Dies

bedeutet weniger Ressourcenverbrauch und

geringere Kohlendioxidfreisetzung, aber auch

günstiges Geflügelfleisch.

Sterblichkeit/Darmgesundheit: Durch Zuchttechniken

konnte der Wasserverbrauch von

Puten erheblich gesenkt werden. Dadurch können

die Puten auf trockenerem Einstreu gehalten

werden. Dies bedeutet weniger Fußballen -

dermatitis, weniger Darminfektionen, weniger

Ammoniakemissionen und weniger Atemwegserkrankungen,

womit auch ein geringerer Einsatz

von Antibiotika notwendig wird. Bei Masthähnchen

hat der genetische Fortschritt von etwa

2012 bis heute zu einer Halbierung des Auf -

tretens von Fußballendermatitis geführt.

Beinschäden: Seit 1970 werden alle Tiere mit

Beinschäden von der Zucht ausgeschlossen.

Auch hier hat sich der Anteil von Masthähnchen

mit Beinschäden in zehn Jahren halbiert.

Laut Professor Rudolf Preisinger von der EW

GROUP sind die züchterischen Aktivitäten der

vergangenen Jahrzehnte zu knapp 40 Prozent

der Tiergesundheit und dem Tierwohl zugute

gekommen und zu gut 60 Prozent der Nach -

haltigkeit. Für ihn sind Tierwohl und Effizienz in

der Geflügelzucht kein Gegensatz. „In der

modernen Geflügelzucht ermöglichen Zucht -

population und die Nutzung modernster wissenschaftlicher

Erkenntnisse sowie innovativer

Erfassungstechniken seit Jahren eine gleichzei -

tige Verbesserung von Tierwohl-, Effizienz- und

Nachhaltigkeitsmerkmalen“, so der Chefgene -

tiker der EW GROUP aus Visbek.

Professor Dr. Rudolf

Preisinger, Chief

Technical Officer der

EW GROUP in Visbek


14 WERTEWANDEL IN DEN ZUCHTZIELEN

Zucht ist viel – aber nicht alles!

Tierschutz in der Nutztierhaltung

KERNAUSSAGEN

▷ Zucht ist in der Nutzgeflügel -

haltung viel, aber nicht alles

▷ Großen Einfluss auf das Tierwohl

haben Management und

Haltungsbedingungen

▷ Es müssen Tierschutzindikatoren

für die Beurteilung von Tierwohl

und Tiergesundheit eingesetzt

werden

Zucht ist in der Nutzgeflügelhaltung viel, das

zeigt sich beispielsweise an der Entwicklung der

Leistungsdaten von Masthühnern. Bei nahezu

gleichbleibender Mastdauer haben sich die Mast -

endgewichte und die täglichen Zunahmen von

Masthühnern in den vergangenen 20 Jahren

enorm gesteigert. Parallel dazu hat der Wertewandel

in den Zuchtzielen allerdings auch dazu

geführt, dass außer auf Leistung auch auf eine

höhere Gesamtvitalität der Tiere gezüchtet wird.

Zucht kann aber immer nur ein Puzzleteil im

Gesamtbild der Verbesserung von Tierschutz und

Tiergesundheit sein. Enorm wichtig sind außerdem

das betriebliche Management und die

Haltungsbedingungen. Professor Dr. Sabine

Petermann, Leiterin des Tierschutzdienstes im

Niedersächsischen Landesamt für Verbraucherschutz

und Lebensmittelsicherheit (LAVES) in

Oldenburg, macht dies an zwei Beispielen deutlich.

Fußballengesundheit: Masthühner und Puten

leiden häufig unter Fußballendermatitis. Haupt -

risikofaktor hierfür ist eine zu feuchte Einstreu.

Sie wird beeinflusst durch den Gesundheits -

zustand der Tiere, die Einstreuart und -qualität,

Lüftung, Heizung oder Fütterung. Petermann

schätzt den Einfluss der Haltungsbedingungen

und des Betriebsmanagements auf die Fuß -

ballengesundheit auf 90 Prozent. Bei nur zehn

Prozent sieht sie den Einfluss von Zucht und

Genetik.

Schnabelkürzen: Zur Reduktion des Risikos von

Federpicken und Kannibalismus bei Legehennen

kann Zucht zum Beispiel über die Beeinflussung

der Schnabelform und eine bessere Befiederung

einen Beitrag leisten. Das Schnabelkürzen ist in

Niedersachsen seit dem 1. Januar 2017 de facto

verboten. Schnell konterkariert werden aber


WERTEWANDEL IN DEN ZUCHTZIELEN 15

Zuchterfolge, wenn die Haltungsbedingungen

nicht stimmen oder es dem Management an

Sachkunde fehlt, betont Petermann. Im Rahmen

des Tierschutzplans Niedersachsen wurden

daher Mindestanforderungen für die Jung -

hennenaufzucht verabschiedet, die rechtlich in

der Tierschutz-Nutztierhaltungsverordnung verankert

werden sollen. Zusätzlich wurden Managementhilfen

zur Verhinderung von Federpicken

und Kannibalismus erarbeitet, die auch einen

Notfallplan bei Auftreten dieser Verhaltensstörungen

umfassen.

Zur Beurteilung von Management und Haltungsbedingungen

müssen nach Ansicht von Petermann

zukünftig auch Tierschutzindikatoren, das

heißt tierbezogene Merkmale wie beispielsweise

die Fußballengesundheit, herangezogen

werden. Alle Maßnahmen der verschiedenen

Ebenen zur Umsetzung einer gesellschaftlich

akzeptierten Tierhaltung sollten Eingang in eine

nationale Nutztierstrategie finden.

Professor Sabine Petermann weist darauf hin,

dass zur Verbesserung von Tierwohl und Tier -

gesundheit „viel machbar ist, aber nicht zum

Nulltarif“. Lebensmitteleinzelhandel und Ver -

braucher müssen mitziehen – der Lebensmitteleinzelhandel

beispielsweise über die Deklarierung

der Eier von Hennen mit intakten Schnäbeln

und die Verbraucher mit einem entsprechenden

Kaufverhalten.

Professor Dr. Sabine

Petermann, Dezernatsleiterin

Tierschutz

des Niedersächsischen

Landesamtes für

Verbraucherschutz und

Lebensmittelsicherheit

(LAVES) in Oldenburg


16 WERTEWANDEL IN DEN ZUCHTZIELEN

Zuchtergebnisse und

Qualitätsmanagement

KERNAUSSAGEN

▷ Athmann: Genetik hat gute

Fortschritte gebracht

▷ Albers: Gesteigerte Futter -

verwertung ist ein Zuchterfolg

▷ Heidemark: Befunddaten der

Puten haben sich verbessert

In der Geflügelzucht hat sich in den vergangenen

zehn bis 15 Jahren viel getan, aber es gibt

auch noch einiges zu tun. Darin sind sich

Christoph Athmann, Hermann Albers und Ver -

treter der Firma Heidemark einig. Athmann hält

Lege hennen in Dinklage-Langwege (Landkreis

Vechta), Albers mästet Broiler in Friesoythe-

Neulorup und Heidemark in Ahlhorn (Landkreis

Oldenburg) vermarktet Puten von landwirtschaftlichen

Mästern.

Beginnen wir mit Legehennenhalter Christoph

Athmann. Spricht man ihn auf das Thema Zuchtziele

an, dann sprudelt es nur so aus ihm heraus.

Dabei weiß er sehr wohl zu unterscheiden

zwischen den Interessen der verschiedenen

Akteure. „Die maßgeblichen Zuchtunternehmen

und deren Zahl kann man ja an einer Hand

abzählen – haben immer den Weltmarkt im Blick.

Und da herrschen in den großen Legehennen-

Nationen unterschiedliche Rahmenbedingungen:

von Käfighaltung bis Freilandhaltung. Nur etwa

ein Prozent der weltweiten Legehennenbe -

stände steht in Deutschland, gut zehn Prozent in

der EU, aber etwa ein Drittel in China. Das hat

Rückwirkungen auf die Genetik.“ Zweite Gruppe:

die Verbraucher. „Sie wollen ein stabiles, nicht zu

großes Ei mit schöner Schalenfarbe ohne Einschlüsse

im Ei und ohne Gerüche aus dem Ei“,

weiß Athmann. Und dann sind da natürlich noch

die Legehennenhalter. Ihre Wünsche beziehen

sich auf Eizahl pro Henne, Futterverwertung,

höheres Eigewicht und Gesundheit. „Da hat die

Genetik gute Fortschritte gemacht“, betont der

Legehennenhalter. In den vergangenen 40 Jahren

sei die Eizahl pro Henne und Jahr von etwa

250 auf 320 gestiegen. Das Eigewicht habe von

durchschnittlich knapp 60 Gramm auf 64 Gramm

zugenommen. Die Futterverwertung, also das,

was die Henne an Futter braucht, um eine be -


WERTEWANDEL IN DEN ZUCHTZIELEN 17

stimmte Legeleistung zu erbringen, sei erheblich

verbessert worden. Die Gesundheit der Tiere sei

durch die Genetik allerdings nicht wesentlich

verbessert worden. Wenn die Tiere heute resistenter

seien, dann vor allem wegen der verbesserten

Hygiene im Stall.

Athmann betont, dass aber auch die Legehennenhalter

sich weiterentwickelt hätten. „Bei der

Fütterung haben sie deutlich dazugelernt. Heute

wird viel mehr Rohfaser mit einem höheren

Sättigungsgrad bei den Tieren gefüttert.“ Auch

das Herden- und Stallmanagement habe sich

erheblich verbessert.

Wünsche hat Athmann aber schon noch an die

Forschung. Ein großes Parasitenproblem sei die

rote Vogelmilbe. „Die Forschung hat es bisher

nicht geschafft, diese Parasiten aus den Ställen

herauszuhalten. Wenn das gelänge, wäre es ein

Quantensprung.“ Und ein weiterer Wunsch an

die Genetik: „dem Tier den spitzen Schnabel

wegzüchten“.

Zusammengefasst wünscht sich Athmann ein

robustes, vitales Huhn, das aber trotzdem ruhig

auf Stresssituationen und unterschiedliche Wit -

terungsbedingungen reagiert. Dies sei auch

wichtig in Hinblick auf kommende Regelungen

zu Haltungsbedingungen. „Aber roboterhaft soll

es im Stall natürlich auch in Zukunft nicht ab -

laufen.“

Auch Hähnchenmäster Hermann Albers sieht

den Zielewandel in der Zucht und macht Erfolge

aus. Das kann er, der 1969 mit der Hähnchenmast

begonnen hat, mit eigenen Angaben be -

legen. Stolz zeigt er die Abrechnungsscheine

seiner ersten Mast, die er 1969 ablieferte.

Damals musste er 2,1 Kilogramm Futter aufwenden,

um ein Kilo Hähnchengewicht zu erzeugen;

durchschnittlich 26 Gramm nahmen die Tiere pro

Tag zu. Heute braucht er für das eine Kilo

Gewichtszunahme nur noch 1,15 Kilo Futter und

die Tiere nehmen 56 Gramm am Tag zu. „Die

gesteigerte Futterverwertung ist ein eindeutiger

Zuchterfolg“, sagt Albers. Außerdem seien die

Tiere widerstandsfähiger geworden; seinen Antibiotikaeinsatz

konnte er fast halbieren. Auch die

Knochenfestigkeit habe sich verbessert. Die

Masthähnchen seien heute viel vitaler als noch

vor Jahren „und bleiben bis zum Schluss auf den

Beinen“.

Der Geflügelvermarkter Heidemark ist ein Spe -

zialist für die Pute. Viele Landwirte mästen für

ihn. „Zusammen mit der Hochschule Osnabrück

hat Heidemark ein Gesundheitskontrollprogramm

aufgesetzt. Erfasst werden Daten etwa

zur Fußballengesundheit, zur Mortalität (Verlust)

in der Mast oder zur Transportmortalität. Wir

wollen vitale Tiere in den Ställen haben“, sagt

Bernd Wiegmann, Geschäftsführer bei Heidemark.

Die Landwirte bekommen einen Bericht

über die Daten und müssen bei Überschreiten

bestimmter Werte Maßnahmen ergreifen. 2012

wurde ein hauseigenes Bewertungssystem für

Tierqualität eingeführt. Dabei erhält der mästende

Landwirt auf den Basispreis Prämien für gute

Leistungsdaten. Das Fazit: „Die Mäster sind insgesamt

besser geworden, was sich an den besseren

Befunddaten ablesen lässt.“

Ihren Anteil hieran haben sicher auch die Mästerbetreuer

von Heidemark. „Sie sprechen ständig

mit den Mästern, beraten sie individuell etwa zu

den Themen Einstreumaterial oder Lüftung“,

erklärt Wiegmann. Eingeführt wurde ein Tierwohlindex

mit Kriterien wie etwa Fußballengesundheit

oder Brustqualität. Über die Entwicklung

der Tierwohlindikatoren gibt es eine Rückkopplung

zu den Zuchtunternehmen. „Wir brauchen

bei den Puten einen guten Brustanteil;

dabei darf und braucht das Tier nicht auf der Strecke

bleiben. Es muss ein Gleichgewicht gefunden

werden, und da sind wir auf einem guten

Weg. Aber es ist immer ein Drehen an vielen

Rädchen. Und was wirklich dabei herauskommt,

sieht man erst nach Jahren.“

Dass sich bei der Tiergesundheit viel getan hat,

macht Heidemark auch noch an anderen Faktoren

fest: Es werden weniger Antibiotika in der

Mast eingesetzt, und alternative Behandlungsformen

haben keinen Einfluss auf die Wirtschaftlichkeit.

„Die Botschaft Tierwohl ist bei den Landwirten

angekommen. Sie haben erkannt: Wenn sie

in diese Richtung Arbeit investieren, bekommen

sie auch etwas dafür“, fasst der Geschäftsführer

zusammen.


18 WERTEWANDEL IN DEN ZUCHTZIELEN

„Nationale Nutztierstrategie

möglichst schnell umsetzen“

Interview mit Gerd Lindemann, Vorsitzender des Kompetenzkreises

Tierwohl beim Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft

und ehemaliger Niedersächsischer Landwirtschaftsminister

KERNAUSSAGEN

▷ Zur Umsetzung von mehr Tierwohl

ist ein Bundestierschutzplan

notwendig

▷ Dieser muss begleitet werden

von regelmäßigen Folgeabschätzungen

▷ Eine Fleischabgabe oder eine

höhere Mehrwertsteuer auf

Fleisch sind durchsetzbar

Frage: Sie haben den

Kompetenzkreis Tierwohl

beim Bundes -

ministerium für Ernährung

und Landwirtschaft

geleitet. Was ist

das Fazit?

Gerd Lindemann: Die

auf der Agenda stehenden Tierschutz themen lassen

sich nur durch bundesweit einheitliches Handeln

umsetzen. Daher brauchen wir einen

Bundestierschutzplan.

Frage: Was sollte der beinhalten? Was schlägt

der Kompetenzkreis an Maßnahmen vor?

Lindemann: Eine ganze Reihe von Punkten.

Thema Stallbau: Wie beim Auto sollte es auch

bei Tierstalleinrichtungen konkrete Zulassungsverfahren,

also eine Typenzulassung, geben. Eine

solche Zertifizierung gibt es bereits in der

Schweiz und ist bei uns auf Bundesebene auch

schon formuliert worden. Unter Berücksichtigung

aller Gesichtspunkte moderner Tierhaltung

sollten Modellställe installiert und vom Bund

gefördert werden. Thema nicht-kurative Eingriffe,

also etwa Schnabelkürzen, Ferkelschwänze

kupieren: Diese Eingriffe müssen ohne Gefährdung

der Nutztierhaltung in Deutschland

schnellstmöglich beendet werden. Je nach Nutztiergattung

braucht es dafür verbindliche zeitliche

Vorgaben. Thema Tiertransporte: Hier sollten die

elektronischen Möglichkeiten stärker genutzt

werden – also: Überwachung und Kontrolle der

Transportzeiten, Ruhezeiten, des Fütterns und

Tränkens sowie der Ladedichte. Die beteiligten

Personen, wie etwa Fahrer, sollten regelmäßig

geschult werden. Thema Schlachtung: Hier werden

immer noch zu viele Tiere geschlachtet,

ohne vollständig betäubt zu sein. Auch hier geht

es um Schulung der beteiligten Personen – und

zwar nachweislich – und stärkere Kontrolle.


WERTEWANDEL IN DEN ZUCHTZIELEN 19

Frage: Und wie sieht es mit Möglichkeiten in der

Tierzucht aus?

Lindemann: Bislang stand hier die hohe Leistungsfähigkeit

und Wirtschaftlichkeit im Vordergrund.

Wir sind der Meinung, dass bei den Zuchtprogrammen

mehr die Tiergesundheit, das Tierverhalten

und insgesamt das Wohlbefinden der

Tiere berücksichtigt werden müssen. Erste Fortschritte

gibt es ja auch schon. So hat man etwa

das Aggressionsverhalten bei Geflügel ganz gut

im Griff oder die Vermeidung der Enthornung von

Kälbern durch die Züchtung hornloser Rinder.

Frage: Was ist für die Umsetzung aller Maß -

nahmen notwendig?

Lindemann: Dafür schlägt der Kompetenzkreis

eine nationale Nutztierstrategie vor. Sie muss

darlegen, auf welche Ziele die deutsche Nutztierhaltung

zusteuern soll und mit welchem Maßnahmen-

und Finanzierungsmix Bund, Länder

und Wirtschaft die gewünschte Entwicklung

herbeiführen wollen. Ergebnisse einer vom

Bundeslandwirtschaftsministerium eingesetzten

Arbeitsgruppe auf Staatssekretärebene gibt es

bereits, und die Bundesländer haben breite

Zustimmung signalisiert. Dann geht es nun um

die rechtliche Umsetzung – und das könnte

sicher schneller gehen.

Frage: Das heißt: Da kommt noch einiges auf die

Landwirte zu . . .

Lindemann: Ja, und deswegen bedarf es einer

regelmäßigen Folgeabschätzung. Wir wollen die

Nutztierhalter ja nicht aus Deutschland ver -

treiben. Dabei geht es aber nicht nur um das

Ausrechnen von Mehrkosten. Folgenabschät -

zungen müssen auch die Auswirkungen auf

Tierwohl, Umwelt und natürliche Ressourcen,

Wettbewerbsfähigkeit und Verbraucher analy -

sieren.

Frage: Der Landwirt schaut allerdings besonders

auf seinen finanziellen Aufwand. Welche Möglichkeiten

gibt es aus Ihrer Sicht, die Mehrkosten

bei mehr Tierwohl in den Verkaufspreis zu

bekommen? Ein diskutiertes Stichwort dazu:

Fleischabgabe.

Lindemann: Wichtig ist, dass auch Fleisch aus

dem Ausland einbezogen wird, um Wett -

bewerbsnachteile deutscher Erzeuger zu ver -

meiden. Der Kompetenzkreis hat eine solche

Fleischabgabe diskutiert. Eine andere Möglichkeit

wäre, die auf sieben Prozent reduzierte

Mehrwertsteuer auf Lebensmittel bei Fleisch zu

erhöhen – etwa auf zehn Prozent. Das würde

erhebliche Finanzmittel generieren – und vielleicht

17 Cent mehr für ein Schnitzel sind für den

Verbraucher wohl verkraftbar. Ich halte das für

durchsetzbar. Klar ist: Aus eigener Kraft können

die Tierhalter den finanziellen Mehraufwand nicht

stemmen.

Frage: Was halten Sie davon, mehr Tierwohl

über Labels zu erreichen?

Lindemann: Die Haltungs- und Erzeugungsvorgaben

hierfür müssten deutlich über den gesetzlichen

Vorgaben liegen, damit es funktioniert.

Bisherige Label-Versuche sind allerdings weit -

gehend an der Preissensibilität der Verbraucher

gescheitert. Der sagt sich: „Für die Qualität ist

der Staat verantwortlich und ich für mein Portemonnaie“.

Frage: Abschließende Frage: Fordert die Gesellschaft

zu viel zu schnell von der tierhaltenden

Landwirtschaft?

Lindemann: Das Problem ist, dass viele Menschen

an das Thema Tierwohl nur mit ihrem

Bauchgefühl herangehen. Das Tier wird vermenschlicht;

es fühlt in den Augen vieler wie der

Mensch. Ein Beispiel: In einem Offenstall für

Rinder müssen Kühe doch frieren, wenn es kälter

wird. Dabei liegt ihre Wohlfühltemperatur

eher bei etwa vier Grad Celsius. Das Empfinden

von Tieren ist nun einmal nicht mit dem von Menschen

vergleichbar. Dieses Bauchgefühl vieler

Menschen überfordert viele Nutztierhalter argumentativ

und löst nicht selten Frust aus.


20 WERTEWANDEL IN DEN ZUCHTZIELEN

„Geschlechtsbestimmung im Ei wird

das Kükentöten demnächst beenden“

KERNAUSSAGEN

▷ Das Töten männlicher Küken

wird gesellschaftlich nicht mehr

akzeptiert

▷ AAT benutzt zur Geschlechts -

bestimmung im Ei ein Spektro -

skopie-Verfahren

▷ Das Verfahren erlaubt eine sehr

frühe Geschlechtsbestimmung

und die Schonung des Eis

Weltweit werden derzeit bei der Geflügelzucht

viele Millionen männliche Eintagsküken aussortiert

und getötet. Denn die Brüder der weiblichen

Legehennenküken können keine Eier legen und

sind auch für die Mast nicht geeignet. Sie setzen

vor allem wenig Brustfleisch an, welches vom

Konsumenten bevorzugt wird, wie Analysen des

Kaufverhaltens deutscher Verbraucher immer

wieder belegen. Auf der anderen Seite findet das

millionenfache Töten von männlichen Eintags -

küken in der Gesellschaft keine Akzeptanz mehr.

In der Geflügelbranche suchen die Verantwortlichen

daher seit geraumer Zeit nach Lösungen,

wie das Töten männlicher Küken beendet werden

kann. „Wir sehen hierin eine große gesellschaftliche

Herausforderung, auf die auch die

Wirtschaft Antworten geben muss“, sagt Jörg

Hurlin, Geschäftsführer bei Agri Advanced Technologies

(AAT) in Visbek (Landkreis Vechta), einer

Tochtergesellschaft der EW GROUP und Spe -

zialist für die Entwicklung von Anwendungstechnologien

für Tierzucht und Tierhaltung.

AAT entwickelt aufbauend auf den Ergebnissen

der Grundlagenforschung der Universitäten Leipzig

und Dresden eine praxistaugliche Anwendung

zur Geschlechtsbestimmung im Brutei. Es

beruht auf dem Verfahren der Spektroskopie.

Hierbei handelt es sich um eine optische Untersuchungsmethode,

mit der das zu erwartende

Geschlecht der aus befruchteten Eiern schlüpfenden

Küken bereits im Ei identifiziert werden

kann. Eier, aus denen männliche Küken schlüpfen

würden, können so bereits zu einem frühen

Zeitpunkt der Brut aussortiert und die Küken

müssen nicht mehr am Schlupftag getötet

werden.


WERTEWANDEL IN DEN ZUCHTZIELEN 21

Mit dem AAT-Verfahren lässt sich das Geschlecht

bereits am vierten Bruttag ermitteln – und damit

früher als bei anderen Verfahren, die weltweit

erforscht werden. Die Messgenauigkeit sei

zudem mit 98 Prozent überaus hoch, heißt es

von Seiten der AAT. Diese Präzision ermöglicht

eine selbstlernende, eigenentwickelte Software,

die auf Basis neuronaler Netzwerke arbeitet und

mit jeder neuen Messung exaktere Ergebnisse

liefert.

In umfangreichen Vorversuchen hat die neue

Methode ihre Tauglichkeit bewiesen. AAT geht

nun den nächsten Schritt und realisiert momentan

eine vollautomatisierte Anwendung, die den

gesamten Prozess der Untersuchung umfasst.

Dieser beginnt mit der Entnahme der Eier aus

dem Brutschrank. Nach der Platzierung in der

Anlage wird die Eierschale perforiert und der

Eideckel abgenommen. Anschließend erfolgen

die eigentliche spektroskopische Untersuchung

sowie deren Auswertung und die anschließende

Sortierung der Eier nach Geschlecht, bis hin zum

Wiederverschluss der Eier und der Rückführung

in den Brutschrank.

Das Neuartige an der AAT-Lösung ist: Das Ei wird

am stumpfen Pol geöffnet, was erhebliche Vor -

teile mit sich bringt. Hier befindet sich die Luftblase,

sodass die Haut des Eis während des

Durchdringens der Schale und der Abnahme des

Eideckels unberührt bleibt und damit die Schlupf -

raten nur minimal beeinflusst werden. Auch der

Wiederverschluss der Eier nach dem Unter -

suchungsprozess ist am stumpfen Pol technisch

einfacher zu lösen. Zudem müssen die Eier

für die Bestimmung des Geschlechts nicht

erst gedreht werden. Denn: Eier lagern grundsätzlich

mit dem spitzen Pol nach unten im Brutschrank.

Im nächsten Schritt will AAT die Prozess -

geschwindigkeit für den Routineeinsatz in den

Brütereien anpassen, wo täglich bis zu 100 000

Bruteier untersucht werden müssen. „Wir sind

davon überzeugt, dass wir auf einem guten Weg

sind, das Töten von männlichen Eintagsküken in

naher Zukunft überflüssig zu machen“, ist sich

AAT-Chef Hurlin sicher.

Die Agri Advanced

Technologies GmbH

(AAT) aus Visbek ent -

wickelt praxistaugliche

Anwendungen für

die Geschlechtsbestimmung

von Küken

bereits im Brutstadium.


22 UNTERNEHMENSPORTRÄT

MIAVIT GmbH

Der Name MIAVIT steht seit Gründung des Unter -

nehmens 1964 als Kürzel für die Begriffe Mineralstoffe,

Aminosäuren, Vitamine. In den Bereichen Futtermittel,

Zusatzstoffe, Mineralstoffe und Vitamine sind wir ein

kompetenter und zuverlässiger Partner. Darüber hinaus

haben wir uns als Produzent von Spurenelementen und

Additiven für Biogasanlagen einen Namen gemacht.

Das Know-how von MIAVIT spiegelt sich in einem

hochwertigen und vielfältigen Produktprogramm wider.

Mit unseren Erzeugnissen erfüllen wir die Anfor de -

rungen einer modernen, umweltgerechten und wirtschaftlichen

Tierernährung. Wir bieten unseren Kunden

hierfür Produkte sowohl in Pulverform als auch als

Tabletten, in Pasten oder in flüssigen Varianten an.

Unser Leistungsspektrum umfasst u. a. kundenspezi -

fische Vormischungen, Spezialfuttermittel, Liquids,

Futterzusatzstoffe (Vitamin E-Pulver, Cholinchlorid-

Pulver) und Produkte für den Pet Food Bereich.

Unsere modernen Produktionsanlagen liefern absolute

Präzision, die aufgrund der Vielzahl verschiedenster

Rezepte schon bei der Rohstoffdosierung gefragt ist.

Durch die direkte Kopplung der Produktionsanlage mit

der EDV können selbst kurzfristige Änderungen einer

Rezeptur sofort in der Produktion berücksichtigt werden.

Seit 2009 betreiben wir ein zweites Premixwerk im

spanischen Tarragona.

Unsere Produkte werden ständig durch zertifizierte

Labore untersucht. Obendrein sichern eine sorgfältige

Auswahl der Rohstoffe und Zulieferer sowie der hohe

Automatisierungsgrad eine gleichmäßig gute Qualität.

MIAVIT hat vor allem im letzten Jahrzehnt ein ernormes

Wachstum erlebt, das ohne das Vertrauen unserer

Kunden kaum denkbar wäre. Darum arbeiten wir weiterhin

hart daran, dieses Vertrauen täglich neu zu unter -

mauern und zu stärken. Denn nur wer hochwertige

Produkte anbietet, kann Vertrauen ernten.

Auch außerhalb Deutschlands sind wir stärker denn je.

Lag unsere Exportquote vor knapp zehn Jahren noch

bei weniger als zwei Prozent des Gesamtumsatzes,

waren es im letzten Jahr bereits mehr als 50 Prozent.

Mittlerweile liefert MIAVIT in über 80 Länder in allen

Teilen der Welt.

MIAVIT GmbH

Robert-Bosch-Straße 3 · 49632 Essen

Tel. 05434 82-0 · www.miavit.com


UNTERNEHMENSPORTRÄT 23

Heidemark – größtmögliches Tierwohl im Einklang

mit ökonomischer Nachhaltigkeit

Heidemark ist seit knapp 50 Jahren ein familiengeführtes

Unternehmen mit zentralem Standort in Ahlhorn.

Das Unternehmen zählt heute zu den führenden Anbietern

von Geflügelprodukten in Europa.

Beim Thema Tierwohl ist uns verantwortungsbewusstes

Handeln und die unternehmerische Sorgfalt ein zen -

trales Anliegen. Dabei gehen wir stetig voran und

arbeiten mit wichtigen Tierschutzorganisationen und

NGOs konstruktiv zusammen. Gemeinsam suchen

wir nach Wegen, größtmögliches Tierwohl mit ökono -

mischer Nachhaltigkeit in ein noch besseres Verhältnis

zu bringen.

Schon im Jahr 2010 haben wir mit Experten aus Forschung

und Landwirtschaft den Startschuss für die

Heidemark-Initiative „Tierwohl geprüft“ gegeben.

Gemeinsam mit Agrarwissenschaftlern und Vertretern

aus der Haltungspraxis haben wir damals das Tierwohl

über Indikatoren nachprüfbar gemacht und darauf aufbauend

unser eigenes Bonussystem entwickelt. Messbare

Tierwohl-Indikatoren, zum Beispiel die Bewertung

der Fußballengesundheit, bilden die Grundlage für

das ei gene Bonussystem. Per Videoanalyse werden

die Fußballen überprüft. Je besser die Fußballen der

Puten sind, desto höher ist die Bonuszahlung für die

Tierhalter.

Gleichzeitig gehören Krankheitsvorbeugung, -früherkennung

und -diagnostik zu den Kernelementen des Heidemark-Veterinärkonzeptes.

Mit festangestellten Tierärzten,

hauseigenen Untersuchungsmöglichkeiten und einem

spezialisierten Partnerlabor garantieren wir eine optimale

Behandlung unserer Putenbestände. Unsere Tierärzte

entwickeln präventive Maßnahmen, Impfkonzepte und

beraten in Fragen hinsichtlich Tiergesundheit und opti -

maler Haltung. Im Fokus unserer Bemühungen steht der

Einsatz von herdenspezifischen Impfstoffen. Die spezi -

fische Stimulierung des Immunsystems in Kombination

mit optimalen Haltungsbedingungen ist die Grundvoraussetzung

für gesunde und vitale Tiere. Der Einsatz von

antibiotischen Medikamenten bei Erkrankungen wird

damit auf ein Minimum gesenkt.

Heidemark GmbH

Lether Gewerbestraße 2 · 26197 Ahlhorn

Tel. 04435 9730-0 · www.heidemark.de


24 UNTERNEHMENSPORTRÄT

Geschäftsführer Harald Lesch, Arbeitsgemeinschaft der

Volksbanken und Raiffeisenbanken in Weser-Ems:

„Die Agrarberaterinnen und Agrarberater unserer

Mitglieds banken sind immer für die Landwirte da,

wo sie sind – lokal oder digital.“

Volksbanken und Raiffeisenbanken –

Partner der Landwirtschaft

Traditionell finden sich unter den Kunden der Genossenschaftsbanken

besonders viele Unternehmen der

Agrarwirtschaft und des Gartenbaus. Warum? Weil die

Genossenschaftsbanken in Weser-Ems umfassende

Erfahrung, spezielle Branchenkenntnisse und eine ganz

besondere Verbundenheit mit diesem Wirtschaftszweig

in die Zusammenarbeit einbringen – und das seit mehr

als 100 Jahren. Mit dem Potenzial für eine rundum

erfolgreiche gemeinsame Zukunft.

Regionale Verbundenheit

Als Partner der Landwirtschaft, des Mittelstands und

der Menschen in Weser-Ems stehen wir mitten im

regionalen Leben. Daher kennen wir die Mentalität und

die Bedürfnisse der Menschen hier und können die

Agrarwirtschaft der Region auf vielfältige Weise stärken.

Das verstehen wir unter guten Beziehungen, die unseren

Mitgliedern und Kunden vielfach zugute kommen!

Vielfalt, Service und Qualität

Entscheiden Sie sich für einen Finanzpartner, der Ihnen

genau das bieten kann, was Sie sich wünschen. Und

noch mehr: Bei uns erwarten Sie umfassende Leistungen,

individueller Service und höchste Qualität. Direkt

in Ihrer Nähe – auf Ihrem Betrieb.

Wir bündeln die Kräfte für die Landwirtschaft

Jedes der Unternehmen der Genossenschaftlichen

FinanzGruppe bietet hochwertige Leistungen und

Lösungen für Sie als Landwirt und Privatperson.

Im Rahmen der Genossenschaftlichen FinanzGruppe

Volksbanken Raiffeisenbanken werden die Kräfte der

einzelnen Partner gebündelt. Das Ergebnis: Sämtliche

vorteilhaften Finanzdienstleistungen und Produkte

erhalten Sie bei uns aus einer Hand – aufeinander

abgestimmt und angepasst an Ihre individuellen

Bedürfnisse.

Arbeitsgemeinschaft der Volksbanken und

Raiffeisenbanken in Weser-Ems

Raiffeisenstraße 26 · 26122 Oldenburg

Tel. 0441 21003-0 · www.gvweser-ems.de


UNTERNEHMENSPORTRÄT 25

LzO – Unsere Nähe bringt Sie weiter

Als führendes Kreditinstitut der Region ist die LzO den

Menschen und der heimischen Wirtschaft besonders

verbunden. Wir kennen die örtlichen Gegebenheiten

und können so Chancen und Potenziale, aber auch

Risiken angemessen einschätzen.

Die Agrarwelt hat sich in den vergangenen Jahren fundamental

verändert. Eine steigende Nachfrage nach

Nahrungsmitteln, immer strengere gesetzliche Auflagen,

der Klimawandel mit zunehmenden Wetterextremen

sowie Preisschwankungen an den Rohstoffmärkten

stellen die Landwirte und die Unternehmen der Agrarund

Ernährungsindustrie immer wieder vor neue

Herausforderungen.

Ebenso müssen notwendige Vorhaben angeschoben

werden, um Betriebe zukunftsfähig zu machen. Häufig

können diese aktuell und zukünftig großen Investitionen

nur mit Unterstützung von sachkundigen Kreditinstituten

umgesetzt werden. Darauf sind wir als LzO bestens

vorbereitet.

Die LzO fühlt sich seit jeher der landwirtschaftlichen

Branche sehr verbunden. Gerade weil unser Geschäftsgebiet

zu großen Teilen durch den ländlichen Sektor

geprägt ist, ist es für uns selbstverständlich, als kom -

petenter Ansprechpartner für die Landwirtschaft zur

Verfügung zu stehen.

Unsere Berater kennen die Anforderungen, denen sich

moderne Agrarbetriebe heute stellen müssen, um am

Markt dauerhaft erfolgreich zu sein. Persönliche Nähe,

fundierte Beratung und schnelle Entscheidungen zeichnen

uns aus. Denn heimische Landwirtschaft und LzO

verbindet ihr Engagement für die Region und deren wirtschaftliche

und gesellschaftliche Weiterentwicklung.

Die LzO bietet den Landwirten und landwirtschaftlichen

Betrieben maßgeschneiderte Branchenlösungen, die

im Dialog kontinuierlich weiterentwickelt werden.

Viele Landwirte und landwirtschaftliche Unternehmen

schätzen unser fachliches Know-how und setzen lang -

fristig auf die partnerschaftliche Zusammenarbeit mit

ihrer LzO.

Mit der LzO an ihrer Seite haben die Landwirte einen

Partner, der das Wohl der Menschen und Unternehmen

in der Region im Blick hat. Diese Haltung bestimmt seit

Generationen unsere Geschäftspolitik, dafür setzen wir

unsere Energie und Kompetenzen ein.

Landessparkasse zu Oldenburg

Berliner Platz 1 · 26123 Oldenburg

Tel. 0441 230-0 · www.lzo.com


26 UNTERNEHMENSPORTRÄT

Tierärztliche Gemeinschaftspraxis WEK

Die Tierärztliche Gemeinschaftspraxis WEK wurde im

Jahr 1983 von Dr. Andreas Wilms-Schulze Kump als

Tierarztpraxis WSK gegründet. Mit dem Bau eines hauseigenen

Labors erweiterte die Praxis 1990 ihr Leistungsspektrum

und ihre Räumlichkeiten. Im Jahr 2000

entstand im Zusammenhang mit einer weiteren baulichen

Erweiterung aus der Tierarztpraxis WSK durch die

beiden Teilhaber Jürgen Ellert und Dr. Dirk Klosterhalfen

die heutige Tierärztliche Gemeinschaftspraxis WEK.

Weitere Partner sind Dr. Walter Stertenbrink und

Dr. Frederik Wilms-Schulze Kump. 2018 wurde

die Praxis durch einen Standort in Mecklenburg-

Vorpommern ergänzt, um eine zeitnahe Betreuung

der dort ansäs sigen Betriebe sicherstellen zu können.

Die Praxis deckt fast alle Gebiete der Tiermedizin ab.

Der Schwerpunkt der Gemeinschaftspraxis, die heute

30 Mitarbeiter beschäftigt, liegt im Nutztierbereich.

Hierzu zählen Schweine, Geflügel und Wiederkäuer.

Die Betreuung von Bio-Betrieben, insbesondere im

Geflügelbereich, hat wachsende Bedeutung. Die

Behandlung von Kleintieren ist ebenfalls ein wichtiger

Bestandteil unserer Tätigkeit. Von den zurzeit 15 Tier -

ärzten sind 13 fünf Tage die Woche mobil im Einsatz,

um die Haltung von Tieren veterinärmedizinisch zu

unterstützen. An Wochenenden und Feiertagen steht

ein praxiseigener Notdienst zur Verfügung.

Das Team der Tierärztlichen Gemeinschaftspraxis WEK

folgt dabei nach bestem Wissen und Gewissen den

Leitlinien zur Bestandsbetreuung des Bundesverbandes

praktizierender Tierärzte (bpt e. V.) sowie dem GVP-

Kodex für Gute Veterinärmedizinische Praxis.

Nutztierbestände betreuen wir regelmäßig in engen

Zeitabständen. So können Krankheiten frühzeitig vermieden,

erkannt oder behandelt werden. Was sich

schon beim Ferkel oder Küken andeutet, muss nicht

erst beim erwachsenen Tier entdeckt werden.

Ergänzend dazu können Sie sich auf unsere Beratung

verlassen. Wir unterstützen Sie umfassend und kompetent

zum Beispiel bei der Tierernährung oder dem Bau

oder Umbau von Ställen bezüglich Hygiene, Lüftung und

Management.

Neben regelmäßigen Vorsorgeuntersuchungen ist eine

fundierte, veterinärmedizinische Diagnostik der Grundstein

unserer Arbeit – im Nutz- wie auch im Kleintier -

bereich. In unserer Praxis stehen hierfür modernste

Technik wie EKG, Ultraschall und digitales Röntgen

zur Verfügung. Unterstützt werden wir hierbei durch

unser hauseigenes Labor. Es wurde im Jahr 2002 nach


UNTERNEHMENSPORTRÄT 27

DIN EN ISO 17025 akkreditiert und steht unter der

Leitung von Dr. Maximilian Casteel. Hier können in

kürzester Zeit – quasi über Nacht – die Krankheit

aus lösenden Erreger bestimmt, Resistenztests durch -

geführt und Befunde ausgewertet werden. Dies bildet

die Grund lage für eine optimale Therapie.

Ebenfalls können aus den gefundenen Infektions -

erregern stallspezifische Impfstoffe hergestellt werden.

So können zum Beispiel über eine Muttertierimpfung

die Neugeborenen geschützt oder als Jung tierimpfung

kann durch die Vermeidung von Krankheiten im Aufzucht-

und Mastbereich der Einsatz von Antibio tika

deutlich reduziert werden.

Weitere Schwerpunkte unseres Labors sind die

Untersuchung von Lebens- und Futtermitteln. Damit

begleitet es die gesamte Produktionskette von der

landwirtschaftlichen Tierhaltung bis zum fertigen

Lebensmittel.

Das Team der Tierärztlichen Gemeinschaftspraxis WEK

ist auch in die Reinigungs- und Desinfektionskontrolle

involviert sowie in die Kontrolle nach Sanierungsmaßnahmen

und hilft somit, Krankheiten zu verhüten, noch

bevor sie entstehen können.

Aber keine Technik kann das fundierte Fachwissen engagierter

und motivierter Mitarbeiter ersetzen. Aus diesem

Grund findet ein regelmäßiger Gedanken- und

Erfahrungsaustausch zwischen den Tierärzten statt und

wir nehmen regelmäßig an Fortbildungen teil. Die Tierarztpraxis

besitzt die Weiterbildungsermächtigung zum

Fachtierarzt für Schweine, Geflügel und Mikrobiologie.

Junge Tierärzte/-innen haben die Möglichkeit, während

ihrer Arbeitszeit eine Dissertation anzufertigen. Hier

arbeiten wir intensiv mit den Tierärztlichen Bildungs -

stätten zusammen.

Durch die Mitarbeit in Arbeitsgruppen, sowohl im tiermedizinischen

als auch im landwirtschaftlichen Bereich,

können wir unser Fachwissen einbringen. Auch Öffentlichkeitsarbeit

im Rahmen der Verbraucheraufklärung

wird von uns nicht gescheut.

Profitieren Sie von unserer langjährigen Erfahrung. Wir

stehen Ihnen jederzeit in allen Belangen rund um Ihren

Nutztierbestand oder Ihr Kleintier zur Seite.

Tierärztliche Gemeinschaftspraxis WEK

Lohe 13 · 49429 Visbek

Tel. 04445 10 51 · www.wek-visbek.de


28 UNTERNEHMENSPORTRÄT

bela-pharm GmbH & Co. KG: Veterinärpharma -

zeutische Produktion auf Hightech-Niveau

Die bela-pharm GmbH & Co. KG gehört als Familienunternehmen

mit über 50 Jahren Marktkompetenz zu

den wichtigsten Anbietern von veterinärpharmazeu -

tischen Produkten im In- und Ausland. Die bela-pharm

mit Sitz im Oldenburger Münsterland steht für Erfahrung,

Qualität und Know-how. Modernste Produktionsanlagen,

rationelle Arzneimittelproduktion durch großtechnische

Verfahren und Qualitätskontrollen unter

Einsatz modernster Analyseverfahren sind der Schlüssel

für sichere, hochwertige Produkte „Made in Germany“.

Die bela-pharm GmbH & Co. KG ist Inhaber einer Herstellungserlaubnis

nach Paragraph 13 AMG und produziert

bereits seit 1996 Veterinärarzneimittel gemäß der

europäischen Richtlinien der guten Herstellungspraxis

(engl. “Good Manufacturing Practice“ kurz: GMP).

Mittels modernster Hightech-Ausrüstung wird bei der

bela-pharm eine Vielzahl an Produkten hergestellt. Zu

diesen gehören aseptisch produzierte oder im End -

behältnis sterilisierte Parenteralia sowie sterile Pulver,

flüssige Darreichungsformen zur äußeren und inneren

Anwendung, wie auch Arzneimittelvormischungen in

den Darreichungsformen Pulver oder Granulate.

Die Herstellung steriler Darreichungsformen nimmt

bezüglich der Produktsicherheit einen besonderen Stellenwert

ein. Zwei mikroprozessorgesteuerte Abfülllinien

werden bei der bela-pharm für die Abfüllung aseptisch

hergestellter Lösungen sowie steriler Pulver betrieben.

Mit diesen erfolgen die Abfüllung und das Verschließen

der Flaschen mit Stopfen und Kappen vollautomatisch.

Mitarbeitereingriffe können somit auf ein Minimum

reduziert werden. Die direkte Produktionsumgebung

muss dabei während des gesamten Verarbeitungsprozesses

nachweislich partikelarm und keimfrei sein.

Dieses erfordert nicht nur ein reinraumgerechtes Design

der Abfüllanlage, sondern auch eine speziell auf Erhalt

des Reinraums ausgelegte Lüftungstechnik. Mittels

eines kontinuierlichen Monitorings werden die vorherrschenden

Bedingungen im Reinraum zusätzlich ständig

überwacht. Dieses erfolgt ebenfalls mikroprozessor -

gesteuert über eine zentrale Gebäudeleittechnik.

Temperaturstabile Produkte können bei der bela-pharm

mittels zweier Berieselungsautoklaven mit einem

Kammervolumen von jeweils über fünf Kubikmeter

im Endbehältnis sterilisiert werden. Der Sterilisationsvorgang

erfolgt dabei mittels überhitzten Wassers und

wird durch Temperatur- und Druckfühler sowie Mikro -

prozessoren gesteuert und überwacht.


UNTERNEHMENSPORTRÄT 29

oben: Lückenloses Prozessmonitoring

gewährleistet die Produktion von Arz -

neimitteln höchster pharmazeutischer

Qualität.

rechts: Wareneingangs- und End kontrollen

mit Hilfe moderner HPLC-Anlagen sind

eine Voraussetzung für die GMP-konformen

Arzneimittelproduktion.

linke Seite: Aseptische Herstellung steriler

Injektionspräparaten unter strengsten

Hygieneanforderungen

Zur Herstellung und Abfüllung unsteriler Pulver betreibt

die bela-pharm pharmagerechte Edelstahlmischer mit

automatisierten Mischprogrammen. Diese können

produktspezifisch angepasst werden. Direkt an die

Mischer gekoppelt sind wiederum Abfüll- und Verschließanlagen,

mit denen die Pulver vollautomatisch

in die Primär behältnisse abgefüllt und verschlossen

werden. Daneben verfügt die bela-pharm über einen

mikroprozessorgesteuerten Kompaktierer zur Trockengranulation

un steriler Pulver.

Der gesamte Produktionsverlauf wird detailliert kon -

trolliert und aufgezeichnet. Darüber hinaus wird

GMP- konform jeder Rohstoff vor seiner Verwendung

im Herstellungsprozess auf bestimmte Charakteristika

(Reinheit, Identität, Gehalt usw.) mit modernsten

Methoden im Rahmen der Qualitätskontrolle (QK) untersucht.

Während der Herstellung werden regelmäßig

soge nannte „In-Prozess-Kontrollen“ sowohl durch das

Monitoring in der Produktionsabteilung als auch durch

das QK-Labor durchgeführt. Nach Produktionsabschluss

einer Charge erfolgt schließlich vor der Freigabe der

Fertig ware eine vollumfängliche Abschlussanalytik.

Für die Wareneingangskontrolle, In-Prozess-Kontrollen

wie auch die Endkontrolle der Fertigarzneimittel wird

vor allem die sogenannte HPLC-Methode (high perfor -

mance liquid chromatography) verwendet, mit der

man geringste Konzentrationen chemischer Substanzen,

sowie deren Identität und Reinheit feststellen kann.

Durch ein umfassendes Wartungs-, Qualifizierungs- und

Validierungsprogramm sowie kontinuierliches Investment

in modernste Technologien ist sichergestellt, dass

bei der bela-pharm konstant sichere, hochqualitative

und über die gesamte Laufzeit wirksame und unbedenkliche

Produkte hergestellt werden.

Das moderne Produktionsequipment dient der Erzeugung

eines umfassenden Portfolios, zu dem u. a. Antibiotika,

Chemotherapeutika, Lokalanästhetika, Anal -

getika, Hormone, Vitamine, Homöopathika, Mineral -

stoffe und Elektrolyte zählen. Die eigenen Produkte

werden in ganz Deutschland vertrieben sowie ins

europäische und außereuropäische Ausland exportiert.

Zusätzlich ist die bela-pharm als Lohnhersteller für

namhafte nationale und internationale Kunden tätig.

bela-pharm GmbH & Co. KG

Lohner Straße 19 · 49377 Vechta

Tel. 04441 873-0 · www.bela-pharm.de


30 UNTERNEHMENSPORTRÄT

Der Doktor und das liebe Federvieh

Wer beim Tierarzt immer noch an die Erinnerungen des

Engländers James Herriot denkt, liegt falsch und richtig

zugleich. Heutzutage sind Veterinäre hoch spezialisierte

Experten für nur eine Tierart und dennoch – wie in der

beliebten TV-Serie – verlässliche Partner der Landwirte.

Hubertus Holzum hält erst seit sechs Monaten Bio-

Legehennen. Der Stall mit Freilandgehege glänzt nagelneu.

Aufrecht stolzieren die weißen Hühner über die

Kletterstangen der Voliere. Neugierig rennen sie durch

das Freiland. Gelassen legen sie ihre Eier in die dafür

vorgesehenen Nester im Innern des nagelneuen Stalls.

Doch dann das: Eine Henne liegt leblos neben der Tür.

Tierarzt Dr. Andreas Hemme bückt sich und hebt das

Huhn auf. „Wir werden es untersuchen“, kündigt er an

und legt dem Landwirt die Hand auf die Schulter.

Wahrscheinlich war es ein Unfall, vermutet der Tierarzt.

Hubertus Holzum schluckt. „Jedes tote Tier ist eins zu

viel“, sagt er.

In jedem Tierbestand gibt es Tiere, die vorzeitig ver -

enden. Dass die übrigen rund 15 000 Tiere gut aus -

sehen, ist kein Zufall, bestätigt Tierarzt Hemme, sondern

das Ergebnis eines Zusammenspiels zwischen

Landwirt, Stallbauer, Futtermittelhersteller, Junghennenlieferant

und Tierarzt.

Die Praxis Windhaus/Hemme in Vechta arbeitet seit

16 Jahren ausschließlich mit Geflügel, also mit Legehennen,

Puten, Masthähnchen, Enten und Gänsen.

Die sieben Tierärzte haben etliche Ställe von innen

gesehen. „Erfahrung ist durch kein Studium der Welt

aufzu wiegen“, sagt Andreas Hemme. Der 42-Jährige

ist vor sechs Jahren Teilhaber der Praxis geworden.

Umfangreiche Resistenztests im Labor

Darin befindet sich ein großes Labor, das für die Arbeit

der Tierärzte unerlässlich geworden ist. Dort testen die

Mitarbeiterinnen die tote Henne von Hubertus Holzum

auf Krankheiten. Das Vorurteil, dass der Tierarzt ein

hohes Interesse daran habe, möglichst viele Medikamente

an den Landwirt zu bringen, weist Praxisgründer

Dr. Heinrich Windhaus zurück. „Wir möchten nicht die

Tiere behandeln, sondern sie so gesund wie möglich

halten.“ So sei der Einsatz von Antibiotika in der Geflügelhaltung

in den vergangenen fünf Jahren um rund

50 Prozent zurückgegangen. Die kritischen Verbraucher

und die Politik fordern es. „Die Geflügelwirtschaft zieht

mit, wo sie kann“, lobt Windhaus.


UNTERNEHMENSPORTRÄT 31

links: Andreas Hemme begutachtet die Bio-Legehennen von Landwirt Hubertus Holzum.

Regelmäßige Besuche im Stall gehören zum Pflichtprogramm des Veterinärs.

Mitte: Im Jahr 2017 hat das Team die neuen Praxisräume offiziell eröffnet.

oben: Resistenztest im Labor: Auf Agarschalen werden Proben der betroffenen Tiere aufgebracht.

Genaue Untersuchungen der Erreger sind wichtig, um den Medikamenteneinsatz zu minimieren.

Praxisgründer Dr. Heinrich Windhaus beim Blick durchs Mikroskop.

Verbot des Schnabelkürzens bringt

neue Herausforderungen

„Die Gesunderhaltung der Tiere ist Aufgabe des Tier -

arztes und des Landwirts“, betont Andreas Hemme.

Stichwort: Gesundheitsmanagement. Zunehmende Vorschriften

im Tierschutz machen es dem Landwirt nicht

leichter. Der Tierarzt unterstützt ihn wie jetzt nach der

Abschaffung des Schnabelkürzens bei Legehennen.

Bislang wurde die messerscharfe Schnabelspitze der

Eintagsküken mit einem Infrarotstrahl verödet, damit

sich die Tiere später nicht gegenseitig verletzen können.

Jetzt muss die Spitze dranbleiben – und der Landwirt

mit noch mehr Fingerspitzengefühl als sonst auf seine

Herde aufpassen, weiß Hemme. Spielmöglichkeiten

können helfen, die Aggressionen einzudämmen. Außerdem

kommt es darauf an, verletzte Tiere frühzeitig zu

erkennen, damit andere nicht auf sie einpicken. Auch

mit dem Licht im Stall lässt sich einiges beeinflussen.

Tierärzte helfen schon bei der Stallplanung

„Je frühzeitiger die Zusammenarbeit zwischen Landwirt

und Tierarzt beginnt, umso besser“, rät Hemme. Schon

beim Stallbau hat er bei Hubertus Holzum geholfen und

die Pläne nach Hygiene-Gesichtspunkten überprüft. Wo

darf der Behälter mit dem Legehennenkot stehen, dass

einerseits ein Lkw ihn schnell und störungsfrei für die

Tiere abholen kann und andererseits hygienisch einwandfreien

Abstand zum Eierlager einhält? „Wir wägen

ab und geben unsere Erfahrung aus anderen Ställen

weiter“, beschreibt Hemme. „Der Tierarzt ist mehr als

ein Kostenfaktor. Er hält die Tiere gesund, mit denen

der Landwirt Geld verdient und seine Existenz sichert.“

Hubertus Holzum sieht seinen Stall für die Zukunft

gerüstet. Er hat aktuell alles so geplant, wie es sein

sollte und hoffentlich noch einige Jahre Gültigkeit hat.

Dann gebe es sicherlich wieder neue Vorschriften.

Am wichtigsten ist Holzum, dass seine Hennen gesund

sind, sich wohlfühlen und viele Eier legen.

Tierärztliche Gemeinschaftspraxis Dres. Windhaus & Hemme

An der Ohe 1 · 49377 Vechta

Tel. 04441 9371230 · www.tierarztpraxis-windhaus.de


32 UNTERNEHMENSPORTRÄT

Biochem – Feed Safety for Food Safety ®

Biochem Zusatzstoffe Handels- und Produktionsgesellschaft

mbH mit Sitz in Lohne entwickelt und vertreibt

als Familienunternehmen Futtermittel-Additive für

den Bereich Tierernährung.

Unter dem Motto „Feed Safety for Food Safety ® “ produziert

Biochem gemäß GMP+, QS, DIN EN ISO 9001,

DIN EN ISO 50001 und HACCP hochwertige Zusatz -

stoffe und Futterzusätze in Pulverform sowie wasser -

lösliche Produkte, Pasten, Gele und Flüssigkeiten für

Schweine, Geflügel, Wiederkäuer und Pferde.

4FEED! ® beinhaltet innovative Futteradditive, bei denen

diätische Aspekte zur Unterstützung der Darmgesundheit

und Steigerung der Nährstoffausnutzung im Vordergrund

stehen. Mit den Produkten der Farmkonzepte

Firmensitz von Biochem in Lohne

unterstützt Biochem darüber hinaus Tierärzte und Tier -

halter bei der Erhaltung und Unterstützung der Tier -

gesundheit. Biochem‘s Fütterungskonzepte umfassen

hochwertige Prebiotika, Probiotika, Spurenelemente,

Enzyme, Betaine, Mykotoxinbinder, Emulgatoren, Säuren

und Immunglobuline.

Höchste Priorität liegt für das deutsche Unternehmen

auf der steten wissenschaftlichen Forschung gemeinsam

mit unabhängigen, international anerkannten Instituten.

So entstehen innovative und effektive Produkte und

Konzepte im Dreiklang von Ökologie, Ökonomie

und Lebensmittelsicherheit – und das seit mehr als

30 Jahren. Das Unternehmen ist weltweit in über 60

Ländern mit einem eigenen Filial- und Distributionsnetz

sowie mehr als 250 Mitarbeitern vertreten.

Biochem Zusatzstoffe Handels- und Produktionsgesellschaft mbH

Küstermeyerstraße 16 · 49393 Lohne

Tel. 04442 9289-0 · www.biochem.net


UNTERNEHMENSPORTRÄT 33

Die Zerlegung von Tierkörpern in der eigenen Sektionshalle

sowie die Probenentnahme ermöglichen eine differenzierte

Diagnostik. Ein 24-Stunden-Bereitschaftsdienst sichert eine

zeitnahe Behandlung Ihres Tierbestandes.

Tierärztliche Praxis Peheim

Dres. Schröder, Eißing, Moorkamp – Partnerschaft

Die Tierärztliche Praxis Peheim bietet eine fachtierärzt -

liche Betreuung von (Vermehrungs-)Zucht-, Aufzuchtund

Mastbeständen. Hierunter verstehen wir ein

Gesundheitsmanagement auf Herdenbasis, das neben

der gezielten Diagnostik und Therapie einen besonderen

Schwerpunkt in der Prophylaxe von infektiösen und

umweltbedingten Erkrankungen hat.

Die stetige Verbesserung der Herdengesundheit er -

reichen wir zum Beispiel durch die Erstellung von Sanierungs-

und Impfkonzepten, Standardisierung von Produktions-

und Fütterungskonzepten, Stallklimamessung

und -beratung sowie durch eine Optimierung interner

und externer Biosicherheitsmaßnahmen. Die Vorteile

der Digitalisierung bezüglich Datenerfassung und

-auswertung zur Aufrechterhaltung der Prozessstabilität

werden von den Fachtierärzten systematisch genutzt.

Die Tierärztliche Praxis Peheim verfügt über eine eigene

Sektionshalle, die in Zusammenarbeit mit den Veteri -

närbehörden entwickelt wurde und modernsten An -

sprüchen genügt. Die Sektionshalle ermöglicht eine

fachgerechte Sektion von Einzeltieren. Die Kombination

aus pathologisch-anatomischer Diagnose mit weiter -

führender Diagnostik (Histologie, Virologie, Bakteriologie,

Parasitologie) in akkreditierten, nationalen und internationalen

Laboren und dem klinischen Bild gewährleistet

eine fundierte Diagnose als Grundlage für eine erfolg -

reiche Therapie.

Unsere Arbeit auf dem neuesten Stand der Wissenschaft

erfüllt sowohl nationale (Fachtierarzt für Schweine

inklusive Weiterbildungsermächtigung) als auch inter -

nationale Standards (European Veterinary Specialist in

Porcine Health Management).

Tierärztliche Praxis Peheim

Dres. Schröder, Eißing, Moorkamp – Partnerschaft

Linderner Straße 10 · 49696 Peheim

Tel. 04479 94810 · www.tieraerztliche-praxis-peheim.de


34 WOHIN MIT GÜLLE UND GÄRRESTEN?

2. PRESSEKONFERENZ, 07.04.2017

Nährstoffsituation im Oldenburger

Münsterland unter Berücksichtigung

neuer rechtlicher Regeln

KERNAUSSAGEN

▷ Das neue Düngerecht führt zu

höheren Nährstoffüberschüssen

beim Gülle- und Gärrestanfall

▷ Das Oldenburger Münsterland

muss mehr Wirtschaftsdünger

und Gärreste exportieren

▷ Durch Innovationen müssen

praxistaugliche Konzepte zur

technischen Aufbereitung des

wertvollen organischen Düngers

entwickelt werden

Die Landkreise Cloppenburg und Vechta er -

zeugen aus der Tierhaltung und den Biogas -

anlagen zu große Mengen an Gülle und Gärresten.

2,4 Millionen Tonnen des Überschusses

wurden laut dem 4. Niedersächsischen Nährstoffbericht

2015/2016 aus der Region heraus -

gebracht.*

Doch nach den Vorgaben des neuen, schärferen

Düngerechts müssen bei gleichbleibender Tierhaltung

noch größere Mengen des organischen

Wirtschaftsdüngers und Gärreste entweder

exportiert oder aufbereitet werden. So fasst

Heinz Hermann Wilkens, zuständig für Düngerecht

und Nährstoffkreislaufwirtschaft in der bei

der Landwirtschaftskammer Niedersachsen

ansässigen Düngebehörde, die Nährstoffsituation

im Oldenburger Münsterland zusammen.

„Das Positive daran: Die Region hat kaum Bedarf

an Mineraldünger“, sagt Wilkens.

Von 2012 bis 2016 wurde die exportierte Menge

an Wirtschaftsdünger von 1,89 Millionen Tonnen

auf 2,42 Millionen Tonnen gesteigert. 53 Prozent

hiervon entfielen dem 4. Nährstoffbericht zufolge

auf Schweine- und Rindergülle, 18 Prozent auf

Geflügelmist und -kot sowie 24 Prozent auf

Gärreste. Größte Aufnahmeregionen waren die

benachbarten Landkreise Diepholz und Osna -

brück; größter Abgeber im Oldenburger Münsterland

waren die Gemeinden Damme und Lö -

ningen.

Nach der neuen Düngeverordnung werden die

zulässigen Nährstoffsalden für Stickstoff und

Phosphat bei der Bilanzierung der Düngung

gesenkt. Dadurch steigen bei bestehender Tierhaltung

die Überschussmengen in den Landkreisen

Cloppenburg und Vechta insbesondere bei

Phosphat nochmals. „Die entsprechenden Zah-


WOHIN MIT GÜLLE UND GÄRRESTEN? 35

len sind besorgniserregend“, meint Wilkens. „Es

geht um ganz erhebliche Mengen an organischen

Düngern, die zusätzlich zu den jetzigen

Mengen aus der Region exportiert werden müssen.

Neben dem Export müsse aber auch „verstärkt

über eine technische Aufbereitung und

externe Verwendung von anfallenden Wirtschaftsdüngern

und Gärresten nachgedacht

werden. Hierzu bedarf es Innovationen und

Investitionen in Anlagen zur Aufbereitung“, fordert

Wilkens. Außerdem sieht er Möglichkeiten,

den Nährstoffanfall aus der Tierhaltung durch

eine weitere nährstoffreduzierte Fütterung zu

senken. Insgesamt seien „praxistaugliche Konzepte

zum Umgang mit dem wertvollen organischen

Dünger, abgestimmt auf den einzelnen

Betrieb, notwendig“.

*Inzwischen liegt auch der 5. Niedersächsische

Nährstoffbericht 2016/2017 vor. Danach hat sich

die Nährstoffüberschussproblematik in den

Tier haltungsregionen wie von Heinz Hermann

Wilkens erwartet noch einmal deutlich verschärft

und die Herausforderungen sind größer geworden.

Hintergrund ist auch das seit Mitte 2017

geltende neue Düngerecht. Niedersachsen wird

gemäß den Vorgaben der Düngeverordnung

entsprechende „Risikogebiete“ ausweisen. In

diesen Gebieten sind Maßnahmen zur Reduzierung

der Nitratbelastung im Grundwasser und

des Phosphateintrags in oberirdische Gewässer

wie Seen und Flüsse geplant.

Heinz Hermann

Wilkens, zuständig

für Düngerecht und

Nährstoffkreislaufwirtschaft

bei der Landwirtschaftskammer

Niedersachsen

in Oldenburg


36 WOHIN MIT GÜLLE UND GÄRRESTEN?

Organische Düngung:

Ein ganzheitlicher Blick auf Entstehung und

Verwendung von Wirtschaftsdüngern

KERNAUSSAGEN

▷ Pflanzen brauchen für ihr

Wachstum Nährstoffe

▷ Wirtschaftsdünger schafft einen

natürlichen Nährstoffkreislauf

▷ Wirtschaftsdüngerüberschüsse

sollten aufbereitet und in Bedarfsregionen

exportiert werden

Pflanzen brauchen zum Wachsen Nährstoffe. Vorrangig:

Stickstoff, aber auch Phosphor und Kali.

Stickstoff fördert das allgemeine Pflanzenwachstum;

zu wenig hemmt das Wachstum. Phosphor

ist wichtig für die Eiweißbildung und den Energiestoffwechsel.

Und Kali spielt eine wesentliche

Rolle für den Wasserhaushalt sowie die Festigkeit

des Pflanzengewebes und fördert die

Frostresistenz. Dies sind laut Dr. Hennig Müller

von der Kotte Landtechnik GmbH & Co. KG aus

Rieste (Landkreis Osnabrück) die grundlegenden

Zusammenhänge. Zugeführt werden können

diese Nährstoffe den Pflanzen über Mineral -

dünger oder über den in der Tierhaltung anfallenden

Wirtschaftsdünger, also Gülle und Gärreste.

Mit Wirtschaftsdünger, der im Oldenburger Land

mehr als ausreichend anfällt, lasse sich in der

Landwirtschaft ein natürlicher Nährstoffkreislauf

erreichen.

Müller lässt diesen Nähstoffkreislauf im Stall

beginnen, wo Rinder, Schweine und Geflügel

Wirtschaftsdünger als Ausscheidungen produ -

zieren. Dieser kann direkt oder etwa mit einem

Umweg über eine Energie erzeugende Biogasanlage

zur Düngung der Äcker und Wiesen eingesetzt

werden und gibt dabei seine Nährstoffe

an die Pflanzen ab. Hierbei kommt es auf die richtige

Dosierung und eine effiziente Ausbringung

an. Zuviel ist schädlich: Für das Grundwasser,

die Luft, aber auch die Pflanzen.

Die Ackerfrüchte können entweder als Nahrungsgrundstoffe

in der Lebensmittelproduktion

eingesetzt werden oder in der Futtermittelproduktion.

Die Futtermittel ernähren dann wieder

Rinder, Schweine und Geflügel – und der natürliche

Nährstoffkreislauf ist geschlossen.


WOHIN MIT GÜLLE UND GÄRRESTEN? 37

Müller erläutert, dass in der Wirtschaftsdüngerüberschussregion

Oldenburger Münsterland der

Wirtschaftsdünger auch als Exportgut genutzt

werden kann: „Betriebe in anderen Regionen mit

wenig Tierproduktion und viel Ackerbau haben

einen Bedarf an Wirtschaftsdünger.“ Zum Transport

kann es sinnvoll sein, den Wirtschaftsdünger

aufzubereiten, damit dessen Transportfähigkeit

erhöht wird. Theoretisch kann dies vor Ort bei

den Landwirten erfolgen oder zentral für eine

Region (siehe weitere Texte in diesem Kapitel).

Zur Gestaltung eines nachhaltigen Nährstoff -

managements gehören für Müller mindestens

drei Faktoren: eine bestmögliche Nährstoffausnutzung

dort, wo der Wirtschaftsdünger anfällt,

die Aufbereitung der Überschussmengen sowie

der Export in Bedarfsregionen.

Dr. Henning Müller,

Kotte Landtechnik

GmbH & Co. KG in

Rieste


38 WOHIN MIT GÜLLE UND GÄRRESTEN?

Durch Fütterung Nährstoffe

reduzieren

KERNAUSSAGEN

Bernhard Walgern, AGRAVIS Mischfutter Oldenburg/Ostfriesland

GmbH in Oldenburg

▷ Exaktere Fütterung führt zu

weniger Phosphor und Stickstoff

in der Gülle

▷ Zur Gülle-Ausbringung ist damit

weniger Fläche erforderlich

▷ Auch Eiweißkomponenten

können eingespart werden

Weniger Nährstoffanfall im Wirtschaftsdünger –

das ist mit einer entsprechenden Fütterung der

Tiere möglich, weiß Bernhard Walgern von der

AGRAVIS Mischfutter Oldenburg/Ostfriesland

GmbH in Oldenburg. „Eine exaktere Futter -

versorgung führt zu weniger Nährstoffanfall in

der Gülle. Für die Ausbringung ist daher weniger

Fläche notwendig, und Überschussbetriebe

müssen weniger Gülle abgeben“, sagt der Nährstoffexperte

und bringt es mit einem Satz auf

den Punkt. „Was vorne nicht reinkommt, geht

hinten nicht raus.“

Bereits in den vergangenen Jahrzehnten wurden

bei der Fütterung erhebliche Fortschritte erzielt.

Erhielt ein Mastschwein bis zur Schlachtung

1967 noch etwa 350 Kilogramm Futter so sind es

heute meist nur rund 250 Kilogramm. Durch

weitere Futteroptimierungen werden sowohl der

Gehalt an Phosphor als auch der an Rohprotein in

der Tiernahrung weiter reduziert. Dies verringert

auch den Gehalt an Phosphor und Stickstoff in

der ausgeschiedenen Gülle. Für deren Aus -

bringung ist damit auch eine geringere Ackerund

Wiesenfläche erforderlich. AGRAVIS hat

errechnet, dass bei entsprechender Fütterung für

einen Betrieb mit 1500 Mastschweineplätzen

der Gülle-Flächenbedarf von rund 87 Hektar auf

etwa 66 Hektar gesenkt werden kann. Zudem

sei es möglich, Eiweißkomponenten wie Sojaoder

Rapsextraktionsschrot in der Fütterung

einzusparen. Hier rechnet AGRAVIS mit einer

Einsparmöglichkeit von rund 15 Prozent.


WOHIN MIT GÜLLE UND GÄRRESTEN? 39

Innovationen zur Ausbringung

vor Ort: Stand der Technik

Richtige Zeit, richtiger Ort, richtige Menge. Das

ist das A&O, wenn es darum geht, Nährstoffe in

den Boden und an die Pflanzen zu bringen. „Nur

wenn diese drei Punkte stimmen, gelingt es, die

Ernährung der Pflanzen zu sichern, die Frucht -

barkeit des Bodens zu erhöhen und die Gefahren

für die Gesundheit von Menschen und Tieren

sowie für den Naturhaushalt abzuwenden bzw.

ihnen vorzubeugen.“ Dies sagen Dr. Henning

Müller von der Kotte Landtechnik GmbH & Co.

KG in Rieste (Landkreis Osnabrück) und Dr.

Thomas Gnosa (ehemals Hugo Vogelsang GmbH

in Essen/Oldenburg, Landkreis Cloppenburg),

der in zwischen für die VVM Techtrade GmbH in

Steinfeld/Kühlen (Landkreis Vechta) arbeitet.

Denn „Wirtschaftsdünger ist das Vollkornbrot des

Feldes“.

Bei den Ausbringungssystemen ist nach wie vor

das Schleppschlauchsystem die Technik, die am

vielseitigsten eingesetzt werden kann. Hier

erfolgt die Ausbringung direkt auf den Boden.

„Die Nährstoffe kommen so mengengenau

direkt an die Wurzeln der Pflanzen“, weiß Müller.

Mit dem Einsatz des Schleppschuhs erfolgt ein

leichter Eingriff in den Boden. Es gibt auch Ge -

räte, mit denen Wirtschaftsdünger schon vor der

Saat zusammen mit der Bodenbearbeitung ausgebracht

werden kann. Dadurch wird ein Arbeitsgang

gespart. Sind die Pflanzen bereits gesät

und in der ersten Wachstumsphase kann Wirtschaftsdünger

zum Beispiel noch mit sogenannten

Scheibeninjektoren ausgebracht werden.

Hierbei wird die Gülle in einem Bodenschlitz

abgelegt, der sich anschließend wieder schließt.

Diese Technik eignet sich etwa auf Grünland oder

in den ersten vier bis fünf Wochen des Getreidewachstums.

Wichtig sei auch die Bestimmung der Nährstoffe,

wie Stickstoff, Phosphor und Kalium im Wirtschaftsdünger,

um zu entscheiden, welche Gülle

wo ausgebracht werden soll. Moderne Bestimmungstechniken

dokumentieren gleichzeitig die

jeweilige Nährstoffausbringung und ermöglichen

so ein intelligentes Nährstoffmanagement.

Dr. Thomas Gnosa,

(ehemals Hugo Vogelsang

Maschinenbau

GmbH in Essen (Oldb))

und

Dr. Henning Müller,

Kotte Landtechnik

GmbH & Co. KG in

Rieste

Bereits heute ist es möglich, mit einer Vielzahl

von Geräten Wirtschaftsdünger effizient und

emissionsarm auszubringen. Bei den Fahr -

zeugen unterscheidet man Anhänger mit Ausbringungssystemen,

die von einem Traktor ge -

zogen werden und sogenannte Selbstfahrer.

Um den Boden zu schonen, helfen Reifendruckregelsysteme

und Fahrwerksysteme an den

Fahrzeugen. So kann etwa bei vier Reifen am

Gülleanhänger spurversetzt gefahren werden.

KERNAUSSAGEN

▷ Das Ziel heißt: richtige Zeit,

richtiger Ort, richtige Menge

▷ Neben dem Schleppschlauch -

system zur Ausbringung gibt es

weitere moderne Techniken

▷ Nährstoffbestimmung und

Dokumentation sind wichtig


40 WOHIN MIT GÜLLE UND GÄRRESTEN?

Gülle als wertvolles Exportgut:

Transport mit intelligenter und

innovativer Logistik

KERNAUSSAGEN

▷ Kombiliner-Lkws transportieren

Gülle und Getreide

▷ Tierhalter und Ackerbauern

profitieren

▷ Aufbau eines Gütesicherungs -

systems für den Transport von

Wirtschaftsdüngern

Jeden Tag werden in der Tierhaltungsregion

Oldenburger Münsterland etwa 15 000 Tonnen

Getreide benötigt, um Rinder, Schweine und

Geflügel mit Futter zu versorgen. Der größte

Teil der Anlieferung erfolgt mit Lkws, welche

anschließend oftmals leer in die Getreideanbauregionen

Südost Niedersachsen und Ostdeutschland

zurückfahren. Umgekehrt transportieren

andere Lkws flüssigen Wirtschaftsdünger

in die Getreideanbauregionen – und fahren ebenfalls

leer zurück. Das Zauberwort für eine effizientere,

innovative Logistik heißt Kombiliner

Lkws. Mithilfe dieser neuentwickelten Kombifahrzeuge

sind eine Hinfracht mit Getreide in die

Tierhaltungsregionen und eine Rückfracht mit

flüssigen Naturdüngern in die Ackerbauregionen

möglich. „Somit gibt es keine unnötigen Leer -

frachten und die Umwelt wird entscheidend ent -

lastet. Nährstoffe auch in flüssiger Form werden

dorthin gebracht, wo sie sinnvoll eingesetzt

werden können. Leerfrachten werden vermieden“,

erklärt Ludger Feldhaus, Geschäftsführer

der NOM GmbH in Vechta-Calveslage, ein Zu -

sam menschluss von Lohn-, Transport- und Entsorgungsunternehmen,

ansässig überwiegend

im Oldenburger Münsterland.

Jeden Tag schickt Feldhaus 15 Lkws mit flüs -

sigem Wirtschaftsdünger auf die Reise: nach

Mecklenburg-Vorpommern, ins Wendland, nach

Ost- und Südniedersachsen. Der lagert in einem

Tank bereich im mittleren Teil des Fahrzeugs.

Zurück fahren die Kombiliner-Lkws mit Futter -

mitteln, meist Getreide. Hierfür hat der Lkw zwei

oder drei separate Kammern. „Dadurch er -

reichen wir eine strikte Trennung von flüssiger

Gülle auf der Hinfracht und Getreide auf der

Rückfracht, so Feldhaus. Transportiert wurden in

den ersten dreieinhalb Jahren 500 000 Tonnen

Ware, davon etwa 250 000 Kubikmeter Gülle.


WOHIN MIT GÜLLE UND GÄRRESTEN? 41

„Das ist eine Win-win-Geschichte. Sowohl

die tierhaltenden Landwirte als auch die Acker -

bauern sowie die Mischfutterhersteller und

der Agrarhandel profitieren, außerdem Biogas -

anlagenbetreiber.“ Feldhaus zählt die Vorteile

auf: Nährstoffe werden auf einem ökologisch

sinn vollen Weg ausgetauscht; es gibt keine

unnötigen Leerfahrten. Und in der Weser-Ems-

Region werden die Böden deutlich entlastet,

was zu einer Verbesserung der Grundwasser -

situation beiträgt. In den Getreideanbauregionen

muss auf den Feldern weniger chemisch her -

gestellter Mineraldünger eingesetzt werden, und

infolge der Humuszufuhr von organischen

Wirtschafts düngern wird die Bodenfruchtbarkeit

verbessert.

Zur Absicherung dieser Logistik baut Nieder -

sachsen eine Gütesicherung für die überbetriebliche

Verbringung von Wirtschaftsdüngern auf.

Beauftragt hiermit ist die Nährstoffmanagement

Niedersachsen eG. Bei diesem Qualitäts -

managementsystem handelt es sich um ein mit

allen Beteiligten abgestimmtes Konzept, das bis

Ende 2018 landesweit umgesetzt werden soll.

„Mit dem System sollen einheitliche Regeln aufgestellt

werden und Vertrauen und Akzeptanz

durch Transparenz geschaffen werden“, erklärt

Uwe Weddige, Vorstand der Nährstoffmanagement

eG und Geschäftsführer des Landesverbands

der Maschinenringe Niedersachsen e. V.

Zwei Projekte beschäftigen sich jeweils mit

Lösungen für Probleme in den Nährstoff ab -

gebenden und aufnehmenden Regionen. Ein

weiteres Projekt arbeitet am Aufbau und an der

Etablierung eines landesweit gültigen und

einheitlichen Zertifizierungssystems für die ge -

samte Logistikschiene von Wirtschafts düngern.

Am Ende sollen Mindeststandards definiert und

ein Handbuch erstellt werden.

Ludger Feldhaus,

NOM GmbH in Vechta-

Calveslage (im Bild)

Uwe Weddige, Nährstoffmanagement

Niedersachsen eG und

Landesverband der

Maschinenringe

Niedersachsen e. V.


42 WOHIN MIT GÜLLE UND GÄRRESTEN?

Technische Systeme zur Aufbereitung

von Nährstoffen

KERNAUSSAGEN

▷ Klares Wasser kann aus Gülle und

Gärresten gewonnen werden

▷ Nährstoffverwertung als

Humus zur Verbesserung der

Bodenqualität

Zur Verwertung der Gülle und Gärreste aus der

Tierhaltung und den Biogasanlagen gibt es im

Prinzip drei Verwertungsmöglichkeiten: Sie werden

als wertvoller Wirtschaftsdünger auf Äcker

und Felder ausgebracht; Überschüsse werden in

Regionen exportiert, in denen ein Mangel an

diesen natürlichen Nährstoffen besteht; Überschüsse

werden in der Region, wo sie anfallen,

zu hochwertigen Materialien aufbereitet. Vier

technische Anlagen, die im Oldenburger Müns -

terland hierfür entwickelt wurden und bereits

Praxisreife erlangt haben, werden im Folgenden

kurz vorgestellt.

WELTEC BIOPOWER GmbH

Robert Tholen, WELTEC BIOPWER GmbH in Vechta

Valerio Witte, Witte-Lastrup GmbH in Lastrup

Matthias Rabener, Big Dutchmann AG in Vechta-Calveslage

Gert Stuke, Kaskum GmbH & Co. KG in Friesoythe

Die Firma aus Vechta hat ein Verfahren zur Auf -

bereitung von Gülle aus der Tierhaltung, Biogas-

Gärresten und Industrieabwässern entwickelt.

Zunächst wird das Ausgangsmaterial ange -

säuert. Mit einer Siebbandpresse werden an -

schließend die Feststoffe separiert. Nach einem

weiteren physikalischen Trennschritt für kleinste

Partikel (Flotation) und eine Umkehrosmose entstehen

ein flüssiges Nährstoffkonzentrat sowie

klares, einleitfähiges Wasser. „In einem vier -

stufigen Verfahren werden aus dem Ausgangsstoff

etwa 55 Prozent reines Wasser, rund 20

Prozent flüssiges Düngekonzentrat und 25 Prozent

wertvoller Feststoff gewonnen“, erklärt

Robert Tholen von der WELTEC BIOPOWER

GmbH. „Das Verfahren senkt somit das Gülleund

Gärrestvolumen um mehr als 50 Prozent.“

Dies reduziert den Lagerbedarf, erhöht die Transportwürdigkeit

und senkt die Ausbringungs -

kosten. Die Technologie ist erprobt und wird seit

2007 in mittlerweile rund 15 Anlagen in den

Niederlanden und Belgien eingesetzt.


WOHIN MIT GÜLLE UND GÄRRESTEN? 43

Witte-Lastrup GmbH

Vollautomatische Anlagen zur Herstellung von

hochwertigem Humus vertreibt die Firma

Witte-Lastrup in Lastrup (Landkreis Cloppenburg).

Die Anlagen, die nach einem patentierten

Verfahren aus Gülle, Gärresten und Feststoffen

hochwer tigen Humus herstellen, stellen eine

Alternative zu den herkömmlichen Trocknungs-,

Separations-, und Aufbereitungsverfahren dar.

Mehr als 50 Anlagen sind bereits in Frankreich

und Italien installiert worden.

Und so funktioniert die Anlage: In einem überdachtem

Fahrsilo werden Gülle und/oder Gär -

reste in eine Stroh- oder Feststoffmiete injiziert

und anschließend mit Mischschnecken vermengt

und belüftet. Die Luft sorgt dafür, dass in der

Miete, eine aerobe Umsetzung beginnt. Die dortigen

Mikroorganismen zersetzen das Material,

dabei werden Temperaturen von über 70 Grad

Celsius erreicht, die dafür sorgen, dass das

Wasser verdunstet und es so zu einer Aufkonzentrierung

der Nährstoffe kommt. Der entstandene

Humus kann als „hygienisiert“ bezeichnet

werden. „Bei diesem Vorgang wird das Gülle -

volumen um 80 Prozent reduziert, und die Nährstoffe

werden pflanzenverfügbar gebunden.

Zurück bleiben 20 Prozent wertvoller Humus der

in unterschiedlichsten Bereichen, insbesondere


44 WOHIN MIT GÜLLE UND GÄRRESTEN?

auch in Obst, Gemüse und Sonderkulturen,

Anwendung findet. Die bodenverbessernden

Eigenschaften machen den Humus zu einem

vermarktungsfähigen Produkt. Ferner werden

durch die Volumenreduzierung auch die Transportmengen

deutlich reduziert“, erklärt Valerio

Witte von Witte-Lastrup. Hinzu komme, dass

gerade in grundwassersensiblen Bereichen eine

Verarbeitung der Reststoffe der einzige Weg ist,

damit die zukünftigen Nährstofffrachten nicht

weiter in wasserführende Schichten gelangen.

Big Dutchman AG

Schweinemäster und Ferkelerzeuger hat Big

Dutchman in Vechta mit seinem Membranfiltersystem

als Zielgruppe. In einem dreistufigen

Trennprozess wird Schweinegülle zu etwa 50

Prozent Wasser, 15 Prozent stapelfähigem Feststoff

sowie 35 Prozent Düngekonzentrat auf -

bereitet. In einem ersten Schritt wird mit einer

Schneckenpresse die Trockensubstanz aus der

Gülle separiert. Dann werden weitere Bestandteile

mit einer Membrantechnik herausgefiltert,

sodass im verbleibenden Filtrat nur noch gelöste

Bestandteile verbleiben. Im letzten Schritt werden

auch diese durch Umkehrosmose heraus -

gelöst, sodass keimfreies Wasser übrigbleibt. Es

kann in einen Vorfluter abgeleitet werden. Die

Feststoffe haben einen hohen Phosphoranteil

und dienen als Substrat für Biogasanlagen, das

Konzentrat findet als Stickstoffkali-Flüssigdünger

Anwendung. „Eine Anlage hat eine Kapazität von

15 000 Tonnen Schweinegülle pro Jahr, was etwa

10 000 Schweinemastplätzen entspricht und

wird in vier Containern installiert. Eine Pilot -

anlage wird seit etwa sechs Jahren betrieben

und ständig weiterentwickelt. Wir werden in

Kürze mit dem Bau einer weiteren Anlage be -

ginnen“, kündigt Matthias Rabener von Big

Dutchman an.

Kaskum GmbH & Co. KG

Ziel einer großtechnischen Anlage zur Aufbe -

reitung von Gülle der Kaskum GmbH & Co. KG in

Friesoythe (Landkreis Vechta) ist es, mit einem

Stufensystem vorflutfähiges Wasser zu produ -

zieren, das direkt in Fließgewässer eingeleitet

werden kann. Die extrahierten Feststoffe können

dem Wirtschaftskreislauf wieder zugeführt, über

Dünger oder thermische Verwertung genutzt

werden. Nach dem zweistufigen Separieren der

Feststoffe, einer chemischen und biologischen

Behandlung sowie mehrfacher feinster Filtrationen

bleibt am Ende klares Wasser. „Der Landwirt

muss keine zusätzliche Infrastruktur schaffen

und somit keine Investitionen tätigen. Wir nehmen

ihm den Wirtschaftsdünger ganzjährig ab“,

verspricht Kaskum-Geschäftsführer Gert Stuke

und nennt eine Million Kubikmeter Verarbeitungsmenge

pro Jahr als Größenordnung.


Die Firma WELTEC

BIOPOWER aus Vechta

hat ein Verfahren zur

Auf bereitung von Gülle,

Biogas-Gärresten und

Industrieabwässern

entwickelt. Zunächst

wird das Ausgangs -

material ange säuert.

Mit einer Siebbandpresse

(r.) werden die

Feststoffe anschließend

separiert. Nach einem

weiteren physikalischen

Trennschritt in einem

Flotationsbecken (u.)

und eine Umkehr -

osmose entstehen ein

flüssiges Nährstoffkonzentrat

sowie klares,

einleitfähiges Wasser.

WOHIN MIT GÜLLE UND GÄRRESTEN? 45


46 WOHIN MIT GÜLLE UND GÄRRESTEN?

„Die Stickstoffeinträge in die Gewässer

müssen gesenkt werden“

Interview mit Egon Harms, Bereichsleiter für den Gewässerschutz beim

Oldenburgisch-Ostfriesischen Wasserverband (OOWV) in Brake

KERNAUSSAGEN

▷ In 60 Prozent der Grundwasserkörper

in Niedersachsen wird der

Grenzwert von 50 Milligramm

Nitrat pro Liter überschritten

▷ Biogasanlagen verschärfen das

Problem

▷ Landwirte müssen eine ordnungsgemäße

Düngung sicherstellen

Frage: Warum ist die Qualität unseres Grundwassers

so wichtig?

Egon Harms: Die Antwort ist ganz einfach:

Der Oldenburgisch-Ostfriesische Wasserverband

(OOWV) bereitet sein Trinkwasser ausschließlich

aus Grundwasser auf.

Frage: Und wie ist die Grundwasserqualität?

Harms: In Niedersachsen wird nach letzten

Erhebungen in 60 Prozent der Grundwasserkörper

der Grenzwert von 50 Milligramm Nitrat pro

Liter überschritten.

Frage: War das schon immer so?

Harms: Früher nicht. In den 1970er- und 1980er-

Jahren aber wurde ein erheblicher Anstieg der

Nitratgehalte im Grundwasser verzeichnet. Als

Hauptverursacher machten die Wasserwirtschaftsbehörden

die Düngepraxis der Land -

wirtschaft, vor allem mit Gülle, aus. Der OOWV

hat ab 1989 ein eigenes Grundwassermess -

stellennetz aufgebaut und ebenfalls eine hohe

Nitrat belastung festgestellt. 1992 führte Nie der -

sachsen ein Wasserentnahmeentgelt für Was -

serverbraucher ein, den sogenannten Was ser -

pfennig. Aus dem entstehenden Geldtopf erhalten

Landwirte seitdem Mittel, wenn sie freiwillig

durch verschiedenste Maßnahmen das Grundwasser

vor Verunreinigungen schützen. Diesen

Maßnahmenkatalog hat der OOWV für seine

Wasserschutzgebiete mit der damaligen Landwirtschaftskammer

Weser-Ems, heute Nie der -

sach sen, entwickelt. Das hat sehr gut funk tio -

niert. Ab Mitte der 1990er-Jahre ging die Nitratbelastung

in Wasserschutzgebieten deutlich

zurück.


WOHIN MIT GÜLLE UND GÄRRESTEN? 47

Frage: Aber nicht dauerhaft?

Harms: Nein. Und das hängt mit der Förderung

von Biogas durch das Erneuerbare-Energien-

Gesetz (EEG) zusammen. Nun wurde auch noch

viel Mais für die Biogasanlagen angebaut, und

deren Gärreste landeten ebenfalls auf den

Äckern. Zusätzlich explodierten durch den Flächenwettbewerb

die Pacht- und Kaufpreise für

Ackerland. So kam es vor allem in Gebieten mit

vielen Biogasanlagen zur Überdüngung und dort

ab 2005 wieder zu steigenden Nitratgehalten im

oberflächennahen Grundwasser.

Frage: Ein Beispiel?

Harms: Nehmen wir unser Wasserwerk in Gro -

ßenkneten im Einzugsgebiet vieler Biogas -

anlagen. Von 1997 bis 2005 konnten wir den

Nitratgehalt im oberflächennahen Grundwasser

von 107 Milligramm pro Liter auf etwa 70 Milligramm

senken. Jetzt sind wir dort wieder bei

etwa 90 Milligramm. Mit unseren freiwilligen

Maßnahmen können wir inzwischen auch nicht

mehr so gut punkten, da die Mittel, die die Landwirte

hieraus vereinnahmen können, mit den

steigenden Pachtpreisen nicht mithalten können.

Aber die Maßnahmen werden trotzdem fort -

gesetzt.*

Frage: Die Politik hat ja inzwischen gehandelt.

Seit Mitte 2017 ist eine neue, schärfere Düngeverordnung

in Kraft getreten. Die EU schaut sehr

kritisch auf die deutschen Nitratwerte, und es

drohen Fördermittelkürzungen. Das Land Niedersachsen

hat darüber hinaus ein „Verbundprojekt

Wirtschaftsdüngermanagement“ auf den Weg

gebracht.

Egon Harms vom

Oldenburgisch-

Ostfriesischen

Wasserverband

(OOWV)


48 WOHIN MIT GÜLLE UND GÄRRESTEN?

Harms: „Die Verschärfung

des Düngerechts

war zwingend erforderlich.“

Harms: Ja, allen war klar, dass das Problem

allein mit den bisherigen freiwilligen Mitteln nicht

in den Griff zu bekommen ist. Daher war die

Verschärfung des Düngerechts zwingend erforderlich.

Die Landwirtschaft hat sich jedoch

bundesweit strikt gegen eine Verschärfung ausgesprochen.

Im Ergebnis ist dadurch aber nur

viel Zeit zur Anpassung an die neuen Anforderungen

verspielt worden, die den landwirtschaftlichen

Betrieben jetzt fehlt.

Frage: Welche Maßnahmen halten Sie für notwendig,

um unser Trinkwasser langfristig zu

schützen?

Harms: Die Stickstoffeinträge in die Gewässer

müssen gemäß den Vorgaben der europäischen

Nitratrichtlinie bzw. der Wasserrahmenrichtlinie

gesenkt werden. Wir brauchen das für Niedersachsen

bereits angekündigte Düngekataster,

um in Problemregionen alle relevanten Daten

erfassen und für die Kontrolle nutzen zu können.

Das Ordnungsrecht muss so ausgestaltet sein,

dass bei Nichteinhaltung der gesetzlichen Vorschriften

auch eine Bestrafung erfolgt. Ansons -

ten besteht die Gefahr, dass die Nitratwerte weiter

ansteigen – mit allen negativen Folgen für

unser Trinkwasser.

*Im September 2018 haben Landwirte und der

OOWV eine neue Vereinbarung ihrer Kooperation

zum Schutz der Trinkwasser-Ressourcen

geschlossen. Die neue Vereinbarung in fünf

regionalen Kooperationen (Aurich-Friesland-Wittmund,

Ammerland, Oldenburg, Holdorf und

Thülsfelde) sieht zusätzliche Mittel für den freiwilligen

Wasserschutz vor. So stellt der OOWV

neben dem vom Land bereitgestellten Budget in

Höhe von 2,46 Mio. Euro pro Jahr weitere

500 000 Euro. Jede Region hat damit ein eigenes

Budget zur Erfüllung von vereinbarten Maß -

nahmen. Schon seit den 1990er-Jahren arbeiten

der OOWV und die Landwirte in den Wasserschutzgebieten

zusammen. Auf freiwilliger Basis

wird unter gemeinsam definierten Regeln der

Grundwasserschutz betrieben. Maßnahmen wie

die dauerhafte Begrünung der Flächen zur bes -

seren Stickstoffbindung sind ebenso Grundlage

wie auch der erfolgshonorierte Maisanbau mit

verringerten Nährstoffgrundlagen. Die von den

Landwirten über das allgemeine Ordnungsrecht

hinaus erbrachten Leistungen werden über dieses

nun beschlossene Paket begleitet.


WOHIN MIT GÜLLE UND GÄRRESTEN? 49

Verbundprojekt Wirtschafts -

düngermanagement in Niedersachsen

Gülle und Gärreste führen in vielen Regionen

Niedersachsens zu Problemen. Sie enthalten

zwar wichtige Nährstoffe für Böden und Pflanzen.

Ein Zuviel dieses Düngers kann jedoch mit

der Zeit zu einer Gefahr werden: Böden und

Pflanzen können beispielsweise Stickstoff

(Nitrat) und Phosphor nicht mehr aufnehmen.

Über das Sickerwasser gelangen diese Stoffe

dann in Oberflächen- und Grundwasser und

gefährden unser Trinkwasser. In Niedersachsen

sind nach derzeitigem Stand fast 50 Prozent der

Grundwasserkörper, das entspricht 60 Prozent

der Landesfläche, zu stark mit Nitrat belastet und

in einem schlechten Zustand. Aus diesem Grund

haben das niedersächsische Landwirtschaftsund

das Umweltministerium sowie die Land -

wirtschaftskammer Niedersachsen das „Verbundprojekt

Wirtschaftsdüngermanagement in

Niedersachsen“ entwickelt. Der Handlungsbedarf

erhöht sich inzwischen weiter durch neue

Anforderungen aus dem Düngerecht und dem

Wasserschutz. Gefördert wird das Projekt, das

von Januar 2016 bis zunächst Ende 2018 läuft,

vom Land Niedersachsen.

Problem und Projekt haben eine Vorgeschichte,

die Wilhelm Schepers von der Landwirtschaftskammer

Niedersachsen erläutert. „Anfang der

1990er-Jahre hatten wir in Niedersachsen eine

Phase dynamischen Wachstums in der Veredlungswirtschaft.

Außerdem gab es geringere

Restriktionen beim Stallbau und im Düngerecht.“

Das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG)

habe dann ab 2003 zu einem Boom bei Biogasanlagen

geführt. „Die Landwirte haben die Möglichkeiten,

die ihnen die Gesetze gaben, genutzt“,

so Schepers. Die Folge: Die Menge an Gülle und

Gärresten stieg stark an. „Diese Nährstoffüberschüsse

waren absehbar. Wir als Landwirtschaftskammer

haben das kommen sehen und

schon 2003 eine Dokumentation der Nährstoffströme

gefordert.“

Die damaligen Bundesregierungen zögerten

allerdings lange mit einer Reaktion. Erst 2010

wurde eine Verbringungsverordnung für Wirtschaftsdünger

beschlossen. Hinzu kam in Nie -

dersachsen Ende 2012 eine Meldeverordnung.

Seitdem beschreibt die Landwirtschaftskammer

als Düngebehörde in einem jährlichen Nähr -

stoffbericht die Nährstoffsituation. „Der erste

Bericht hat zu großen Diskussionen geführt“,

weiß Schepers. Das Ergebnis dieses und der

folgenden Berichte: Viele Landwirte – vor allem

KERNAUSSAGEN

Reno Furmanek, Leiter

der Düngebehörde in

Oldenburg (im Bild)

Wilhelm Schepers,

Landwirtschafts -

kammer Niedersachsen

in Oldenburg

▷ Teilprojekt 1: Erarbeitung von

Lösungen für Nährstoffexport

und Reduzierung von Nitrat und

Phosphor

▷ Teilprojekt 2: Aufbau einer

zertifizierten Logistikschiene

▷ Teilprojekt 3: Erarbeitung von

umweltgerechten Lösungen für

geschlossene Nährstoffkreisläufe

in aufnehmenden Regionen


50 WOHIN MIT GÜLLE UND GÄRRESTEN?

im westlichen Niedersachsen – bringen zu viel

Gülle, Gärreste und Mist auf ihren Feldern aus

und gefährden somit Oberflächen- und Grundwasser.

Politik und Behörden waren zum Handeln

gezwungen. Als „notwendigen Transfor -

mationsprozess für alle Beteiligten“ formuliert

dies Reno Furmanek, seit August 2018 Leiter der

Düngebehörde bei der Landwirtschaftskammer.

Denn ohne eine Reduzierung der ausgebrachten

Nährstoffmengen drohen den Verursachern ordnungsrechtliche

Maßnahmen sowie Kürzungen

ihrer Fördermittel – „ein besonders scharfes

Schwert“, weiß Furmanek.

So kam es zum „Verbundprojekt Wirtschafts -

düngermanagement in Niedersachsen“, das nun

alle Beteiligten an einen Tisch bringt. Oberstes

Ziel sei eine bedarfsgerechte Düngung nach den

Vorgaben des neuen Düngerechts bei gleichzei -

tiger Sicherung der Ziele des Wasserschutzes in

allen Regionen, beschrieb es Gerhard Schwetje,

Präsident der Landwirtschaftskammer, zum Projektauftakt.

Dazu gehört auch die Abgabe dieses

natürlichen Wirtschaftsdüngers aus den Überschussregionen

im Westen Niedersachsens in

die viehärmeren Gebiete des Ackerbaus im

Osten und Süden.

Das Verbundprojekt umfasst drei Teilprojekte, „in

denen die Anforderungen der abgebenden

Regionen, der zertifizierten Logistik und der aufnehmenden

Regionen aufeinander abgestimmt

und mit dem Ziel einer optimierten Nährstoffkreislaufwirtschaft

mit Praxisbetrieben voran

gebracht werden“, beschreibt es die Landwirtschaftskammer.

Im Teilprojekt 1 geht es um die Erarbeitung von

praxisgerechten Lösungen in abgebenden Regionen

für den Nährstoffexport und eine Reduzierung

von Nitrat und Phosphor in Gülle und Gärresten.

Die Landkreise Cloppenburg, Vechta,

Oldenburg, Diepholz, Osnabrück, Emsland und

Grafschaft Bentheim haben für ihre Projektarbeit

runde Tische auf Kreisebene installiert.

Das Teilprojekt 2 soll die Entwicklung, Erprobung

und Einführung eines Zertifizierungssystems

(ZertLog) für den Export von Wirtschaftsdüngern

und Gärresten sicherstellen und baut dazu eine

zertifizierte Logistikschiene auf. In Projektgruppen

arbeiten hier die Genehmigungsbehörden

der Landkreise und die Landwirtschaftskammer

als Düngebehörde zusammen unter Beteiligung

von sogenannten Vermittlern wie etwa Lohnunternehmer

und Maschinenringe.

Und im Teilprojekt 3 geht es um die Erarbeitung

von umweltgerechten Lösungen für geschlos -

sene Nährstoffkreisläufe in den aufnehmenden

Regionen, was dort auch zu einer Einsparung von

künstlichem Mineraldünger führen soll. Hier sind

die Landkreise Braunschweig und Northeim

beteiligt.

Für Furmanek hat spätestens mit dem 2. Juni

2017, dem Inkrafttreten der neuen Düngeverordnung

in Deutschland, eine „neue Zeitrechnung“

begonnen. Die bisherige Annahme, dass Landwirte

bei Einhaltung der Nährstoffsalden

„bedarfsgerecht“ düngen und eventuelle Überschreitungen

keine Sanktionen bzw. Strafen auslösen,

gelte nicht mehr. Es wurden neue Kontrollwerte

eingeführt, und die haben Rechts -

folgen. „Das müssen die Landwirte erst einmal

verinnerlichen“, betont Furmanek. Die Bundes -

länder können zusätzliche Meldepflichten ein -

führen und die Düngung in sensiblen Gebieten

weiter beschränken. „Wenn nichts geschieht und

Verstöße festgestellt werden, droht eine Kürzung

von Fördermitteln wie der Betriebsprämie,

und das kann für viele Landwirte schnell zu

einem Existenzproblem werden“, erwartet der

Düngebehörden-Chef.

Aus seiner Sicht löst auch eine andere Mengenverteilung

das Problem letztendlich nicht. Nach

einer Umfrage in den Nährstoffe aufnehmenden

Gebieten im östlichen und südlichen Niedersachsen

gab es dort zwar zunächst eine Bereitschaft,

Gülle und Gärreste aus dem westlichen Niedersachsen

aufzunehmen. Diese Bereitschaft ist

allerdings inzwischen einer Verunsicherung ge -

wichen. Der Grund: Unter den Bedingungen des

neuen Düngerechts können auch Landwirte dort

bei bedarfsgerechter Düngung die Nährstoffkontrollwerte

der Düngeverordnung nicht sicher -

stellen. „Da warten viele Landwirte erst einmal

ab“, hat Furmanek festgestellt.


WOHIN MIT GÜLLE UND GÄRRESTEN? 51

Breites Aktionsbündnis für

eine nachhaltige Nährstoff -

kreislaufwirtschaft

Die Notwendigkeit und Dringlichkeit einer nachhaltigen

Nährstoffkreislaufwirtschaft ist angesichts

des eindeutigen Faktenmaterials aus den

Nährstoffberichten des Landes Niedersachsen

unbestritten. Die Nährstoffüberschüsse an Stickstoff

und Phosphor sind zum einen ein Mengenproblem,

zum anderen ein Verteilungsproblem.

„Für den notwendigen Transformationsprozess

gibt es keine Patentlösungen, sondern nur regionale

und einzelbetriebliche Lösungskonzepte, die

aus einem Bündel von Maßnahmen bestehen

müssen“, so der Vorsitzende des Agrar- und

Ernährungsforums Oldenburger Münsterland

(AEF) in Vechta, Uwe Bartels. Deshalb habe das

AEF mit Partnern aus dem Oldenburger Münsterland

ein Gesamtkonzept zur Bewältigung der

Herausforderungen erarbeitet. „Nur gemeinsam

ist eine nachhaltige Nährstoffkreislaufwirtschaft

und die Lösung von Umweltproblemen unter

Beibehaltung der wirtschaftlichen Stärke der

Agrar- und Ernährungswirtschaft in Niedersachsen

erreichbar“, stellte Bartels bei der Vorstellung

des Masterplanes fest.

Bündnispartner sind die Kreislandvolkverbände

aus den Landkreisen Cloppenburg und Vechta,

die Futtermittelunternehmen, die Lohnunternehmer,

der Oldenburg-Ostfriesische Wasserverband

(OOWV) als größter Wasserversorger im

Nordwesten, die Interessengemeinschaft der

Schweinehalter Deutschlands (ISN), die Landkreise

Cloppenburg und Vechta, die Landwirtschaftskammer

Niedersachsen und die Düngebehörde.

die Förderung der Praxiseinführung von Schnellbestimmungsverfahren

von Nährstoffgehalten in

Wirtschaftsdüngern sowie die Förderung und

baurechtliche Prüfung zur Schaffung von Lagerraum

in abgebenden und aufnehmenden Regionen,

einschließlich des Baus von Gemeinschaftsbehältern

(Förderprogramm Behälterbau). Ebenfalls

erwarten die Partner die Förderung emissionsarmer

Ausbringungstechnologien für Wirtschaftsdünger

sowie die Technologieförderung

für neue Verfahren der Aufbereitung von Wirtschaftsdüngern

und Gärresten.

KERNAUSSAGEN

Uwe Bartels, Vor -

sitzender des AEF,

und Ministerpräsident

Stephan Weil verfolgen

das gleiche Ziel.

▷ Erwartungen an die Niedersäch -

sische Landesregierung formuliert

▷ Jeder Akteur hat spezielle Auf -

gaben zugeordnet bekommen, die

derzeit bearbeitet werden

▷ Ein Praktiker-Netzwerk soll nach

1000 Tagen stehen

Verständigt haben sich die Akteure auch auf

einen Katalog von konkreten Erwartungen an die

Landesregierung von Niedersachsen. Das betrifft


52 WOHIN MIT GÜLLE UND GÄRRESTEN?

Und so wurden die Aufgaben an die beteiligten

Akteure am Masterplan verteilt:

Die Landwirtschaftskammer Niedersachsen

soll Machbarkeitsstudien zur Einführung von

mobilen, semizentralen und zentralen Aufbereitungsverfahren

in den Veredlungsregionen durchführen

und Pilotanlagen fachlich begleiten.

Die Landkreise Cloppenburg und Vechta wollen

unter anderem die Wasserqualität der öffentlichen

Brunnen und Hausbrunnen dokumentieren,

das Messnetz gegebenenfalls ausweiten

und jährlich Berichte veröffentlichen.

Die Lohnunternehmen verpflichten sich, sämt -

liche gesetzliche und freiwillig vereinbarte Anforderungen,

wie Gütestandards und die Einhaltung

von Lieferfristen, die für den Transport von

Wirtschaftsdünger gelten, einzuhalten. Der angelieferte

Wirtschaftsdünger muss nach dem Stand

der Technik hinsichtlich seines Nährstoffgehalts

durch Schnellbestimmungsverfahren analysiert

werden bevor er mit emissionsarmer und bodenschonender

Ausbringungstechnik eingearbeitet

wird.

Die Landwirte werden je nach betrieblicher Situation

aus den Möglichkeiten einer Reduzierung

des Nährstoffanfalls Maßnahmen auswählen,

wie zum Beispiel den Einsatz von Stickstoff und

Phosphor reduziertem Futter oder eine Beteiligung

an der Initiative Tierwohl mit einer Reduzierung

des Tierbestandes. Zudem werden sie auf

den Mineraldüngereinsatz, wo immer es möglich

ist, verzichten sowie ausreichenden Lagerraum

für Gülle und Gärreste schaffen.

Die Futtermittelunternehmen optimieren die

bedarfsgerechte Fütterung für alle Tierarten und

Genetiken in verschiedenen Haltungssystemen

mit dem Ziel, Tiergesundheit und Nährstoffeffizienz

weiter zu verbessern.

Gleichzeitig werden die ISN, die beiden Kreislandvolkverbände

Cloppenburg und Vechta, das

AEF und die Landwirtschaftskammer innerhalb

von 1000 Tagen ein Praktiker-Netzwerk „Wirtschaftsdünger“

unter Beteiligung von 30 landwirtschaftlichen

Betrieben schaffen, das in den

Hotspots der Tierhaltung zentrale und dezen trale

Verfahren zur Aufbereitung von Wirtschafts -

dünger erprobt.


WOHIN MIT GÜLLE UND GÄRRESTEN? 53

Landwirte aus dem Oldenburger

Münsterland gehen das Problem

Gülle aktiv an

Ein Besuch bei den Schweinehaltern Thomas Gardewin

in Molbergen-Ermke und Stefan Klaus in Cappeln-Nutteln

Thomas Gardewin und Stefan Klaus haben ein

gemeinsames Problem: Ihre Schweine produzieren

zu viel Gülle. Jedenfalls für die Flächen, die

ihnen zur Ausbringung der Ausscheidungen ihrer

Tiere zur Verfügung stehen. Es droht langfristig

eine Gefährdung des Grundwassers durch Nitrat.

Durch die neue, strengere Gülleverordnung hat

sich ihr Problem noch verschärft. Das haben die

beiden Schweinehalter nicht erst seit gestern

erkannt – und sind aktiv geworden.

Thomas Gardewin, 39 Jahre alt, studierter Agrarwissenschaftler,

verheiratet mit einer Lehrerin,

zwei Kinder, hat den Hof in Molbergen-Ermke

(Landkreis Cloppenburg) 2013 von seinem Onkel

übernommen. 3200 Schweinemastplätze hat

Gardewin; 160 Hektar Ackerland werden bewirtschaftet

mit Getreide, Mais und Kartoffeln. Doch

die Schweine produzieren mehr Gülle, als zur

Düngung der vorhandenen Flächen erforderlich

ist. „Wir haben in unserem Betrieb einen Gülleüberschuss

von 10 bis 15 Prozent“, bilanziert

Gardewin.

Ein Problem bei der Düngung mit dem Wirtschaftsdünger

Gülle ist, dass nicht exakt draufsteht,

was an Nährstoffmengen gerade drin ist.

Deswegen wird in der Landwirtschaft gern nichtorganischer

Mineraldünger eingesetzt: da weiß

man, was drin ist. Ein Anliegen von Gardewin ist

es daher, Landwirten in Regionen, wo wegen

geringerer Nutztierhaltung wenig Gülle anfällt,

wie etwa im östlichen Niedersachsen, die Vor -

teile dieses organischen Düngers nahezubringen.

„Dafür müssen wir aber die Nährstoffge -

halte angeben können“, weiß er und fordert, die

Gülle-Analysetechniken zu verbessern. Zusätzlich

müsse aber auch die Transportierbarkeit der

Gülle optimiert werden. „Noch wird ja hauptsächlich

Wasser durch die Landschaft gefahren.“

Er selbst lässt seine Gülle bereits in fest und

flüssig separieren: Den festen Teil mit hohem

Phosphoranteil exportiert er; der flüssige Teil

verbleibt bei ihm im Güllebehälter.

Aber Gardewin tut auch auf seinem eigenen

Acker etwas für eine moderne und angepasste

Gülleausbringung zum Schutz des Grundwassers.

Zum einen nimmt er an der Wasserschutzberatung

der Landwirtschaftskammer Nieder-

KERNAUSSAGEN

▷ Gute Erfahrungen mit dem

Strip-Till-Ausbringungsverfahren

gemacht

▷ Transparenz schaffen und Kon -

takte aufbauen zu Landwirten

in mit Wirtschaftsdünger unter -

versorgten landwirtschaftlichen

Gebieten

▷ Der Nährstoffanfall im Wirtschaftsdünger

lässt sich optimieren


54 WOHIN MIT GÜLLE UND GÄRRESTEN?

sachsen teil und hat sich im Rahmen sogenannter

freiwilliger Maßnahmen zu Wasserschutzmaßnahmen

verpflichtet. Zum anderen lässt er

durch einen Lohnunternehmer auf etwa 60 Hektar

Maisanbaufläche seinen Wirtschaftsdünger

im Strip-Till-Verfahren ausbringen. Hierbei wird in

einem Arbeitsgang der Bodenstreifen, auf den

der Mais gesetzt wird, aufgelockert und

gedüngt. Die Pflanzenreste auf den unbearbeiteten

Ackerteilen wirken als Winderosions- und

Verdunstungsschutz. Die Gülle wird im Schleppschlauverfahren

wurzelnah quasi unter die aufgelockerten

Bodenstreifen injiziert und schafft so

eine sichere und bessere Nährstoffwirkung. Sie

verursacht außerdem weniger Ammoniakemissionen.

Gardewin hält die Injektion von Gülle

zum Beispiel über Schleppschuhe auch für

Getreidearten wie Weizen oder Gerste für

anwendbar. „Es ist derzeit das Maß der Dinge,

auch wenn es etwas teurer ist.“ Er hebt für sich

vor allem zwei Vorteile hervor: „Wir haben

wesentlich weniger Trockenstress in den Böden

und schon erheblich Mineraldünger eingespart,

vor allem Phosphor.“ Sein Ziel: komplett auf

mineralische Phosphate zu verzichten.

Über die Wasserschutzberatung der Landwirtschaftskammer

hat auch Stefan Klaus den Weg

in ein Großprojekt des Landes Niedersachsen

gefunden: die Teilnahme am „Verbundprojekt

Wirtschaftsdüngermanagement in Niedersachsen“.

Mit diesem zunächst bis Ende 2018 laufenden

Projekt sollen praktikable Lösungen erarbeitet

werden, um die Abgabe von Wirtschaftsdünger

aus den Überschussregionen im Westen

Niedersachsens in vieharme Gebiete besser kontrollieren

zu können. Ziel ist es, die Nitratbelastung

des Grundwassers zu reduzieren und „ein

Handbuch der Ausbringung von Wirtschaftsdünger

zu erstellen“, erläutert Heinrich Tabeling,

Berater Wirtschaftsdüngermanagement bei der

Landwirtschaftskammer Niedersachsen.

Klaus bewirtschaftet einen der 30 landwirtschaftlichen

Betriebe, die an dem Projekt mitarbeiten.

Der 33-jährige Landwirt aus Cappeln-Nutteln

(Landkreis Cloppenburg) hält 650 Sauen im

geschlossenen System, das heißt, mit eigener

Ferkelaufzucht. „Allerdings haben wir viel zu

wenig Fläche, um den gesamten Wirtschafts -

dünger unserer Schweine selbst zu verwerten“,

stellt er fest. Und Ausbringungsflächen sind in

der Region ein rares Gut. Zunächst hat Klaus, der

den Hof seit 2014 in Eigenverantwortung führt,

seinen Wirtschaftsdünger noch im näheren

Umfeld unterbringen können, aber mit der Zeit

wurden die Transportentfernungen immer größer.

Dann stieß er vor zwei Jahren auf das Projekt

Wirtschaftsdüngermanagement. Auf seinem

Hof wird seitdem an mehreren Stellschrauben

gearbeitet. Wichtigste Schraube: Kontakt und

Beziehung zu den Projekt-Landwirten in den

Gebieten herzustellen, die einen Bedarf an Wirtschaftsdünger

haben. „Wir sind in die Ackerbauregion

um Braunschweig gefahren und haben

uns vorgestellt“, erzählt Klaus. Dort habe er für

„sein Produkt“ geworben und es attraktiv dargestellt.

Später kamen dann die ostniedersächsischen

Projekt-Landwirte zu einer Besichtigung

ins Oldenburger Münsterland. Inzwischen habe

er direkten Kontakt zu einem dortigen Landwirt

und beliefert ihn.

„Transparenz schaffen, aus der anonymen Ecke

herauskommen, dem Produkt ein Gesicht

geben“, so beschreibt Kammer-Experte Tabeling

den Weg. Ziel müssten langfristige Partnerschaften

sein. Allerdings müssten zusätzlich noch

viele andere Probleme angegangen werden: Gülleaufbereitung

in der hiesigen Region, viel

genauere Nährstoffwertbestimmung im Wirtschaftsdünger,

Lagerstättenbau in der abnehmenden

Regionen.

Klaus hat sich bei seiner Schweinehaltung noch

an einer anderen Stellschraube versucht: der Fütterung.

Das Ergebnis: Über ein entsprechendes

Futter ist es möglich, Nährstoffe im Wirtschaftsdünger

zu reduzieren. „Allerdings ist das Futter

teurer und hat sich wirtschaftlich in diesem Versuch

nicht gerechnet“, musste Klaus feststellen.

Das Problem beschreibt Tabeling: „Für den Transportpreis

ist die Güllemenge in Tonnen maßgebend

und nicht etwa der Nährstoffgehalt pro Kilogramm.

Solange dies so bleibt, rechnet sich das

nährstoffoptimierte Futter nicht, wenn man fast

seinen gesamten anfallenden Wirtschaftsdünger

abgeben muss.“


WOHIN MIT GÜLLE UND GÄRRESTEN? 55

Klaus zieht eine positive Zwischenbilanz seiner

Teilnahme an dem Verbundprojekt Wirtschaftsdüngermanagement.

Er habe früh Einblick in die

neue, strengere Düngeverordnung erhalten und

erste Schritte einleiten können, um sein Nährstoffproblem

in den Griff zu bekommen. Er habe

sein Wissen erweitert, interessante Erfahrungen

gesammelt und Kontakte geknüpft. Auch in seiner

Schweinehaltung habe er so einiges optimieren

können. „Aber in wie weit es sich wirklich

gelohnt hat, werde ich wohl erst in drei, vier Jahren

sehen“, vermutet der 33-Jährige.

Die Gülle wird im Schleppschlauverfahren wurzelnah

unter die aufgelockerten Bodenstreifen injiziert,

schafft so eine sichere und bessere Nährstoffwirkung

und verursacht außerdem weniger Ammoniak -

emissionen.


56 UNTERNEHMENSPORTRÄT

Die Kombiliner-Lkws der NOM GmbH transportieren wertvolle

organische Naturdünger nach Südostniedersachsen und Ostdeutschland.

Auf dem Rückweg bringen sie Getreide mit.

Auf diese Weise profitieren Tierhalter und Ackerbauern gleichermaßen.

Hinzu kommt, dass die Böden in Weser-Ems entlastet werden

und in den Getreideanbauregionen die Bodenfruchtbarkeit durch

den flüssigen organischen Naturdünger verbessert wird.

NOM GmbH – Nährstoffverwertung Oldenburger

Münsterland

Jeden Tag werden in der Tierhaltungsregion Oldenburger

Münsterland etwa 15 000 Tonnen Getreide benötigt,

um Rinder, Schweine und Geflügel mit Futter zu ver -

sorgen. Der größte Teil der Anlieferung erfolgt mit Lkws,

die anschließend oftmals leer in die Getreideanbau -

regionen Südostniedersachsen und Ostdeutschland

zurückfahren. Umgekehrt transportieren andere Lkws

flüssigen Wirtschaftsdünger dorthin und fahren ebenfalls

leer zurück.

Das Zauberwort für eine effizientere, innovative Logistik

heißt Kombiliner-Lkw. Mithilfe dieser neuentwickelten

Kombifahrzeuge sind eine Hinfracht mit Getreide in die

Tierhaltungsregionen und eine Rückfracht mit flüssigen

Naturdüngern in die Ackerbauregionen möglich.

„Somit gibt es keine unnötigen Leerfrachten; die

Umwelt wird entscheidend entlastet. Nährstoffe – auch

in flüssiger Form – werden dorthin gebracht, wo sie

sinnvoll eingesetzt werden können“, erklärt Ludger

Feldhaus, Geschäftsführer der NOM GmbH in Vechta,

ein Zusammenschluss von Lohn-, Transport- und Entsorgungsunternehmen,

die überwiegend im Oldenburger

Münsterland ansässig sind.

Jeden Tag schickt Feldhaus ca. 20 Lkws mit flüssigen

organischen Naturdüngern auf die Reise; sie fahren

nach Mecklenburg-Vorpommern, ins Wendland, nach

Ost- und Südniedersachsen. Dieser flüssige Dünger

lagert in einem separaten Tankbereich des Fahrzeugs.

Auf dem Rückweg transportieren die Kombiliner-Lkws

dann Futtermittel, meistens Getreide. Hierfür hat der

Lkw ebenfalls eine separate Kammer. In den letzten fünf

Jahren wurden so etwa eine Million Tonnen Fracht hin

und wieder zurück transportiert, davon etwa 500 000

Kubikmeter flüssiger organischer Naturdünger.

„Das ist eine Win-win-Geschichte. Sowohl die tierhal -

tenden Landwirte als auch die Ackerbauern sowie die

Mischfutterhersteller und der Agrarhandel profitieren

davon. Hinzu kommen die Biogasanlagenbetreiber“,

erklärt Feldhaus.

Nährstoffe werden auf einem ökologisch sinnvollen Weg

ausgetauscht; unnötige Leerfahrten bleiben aus. In der

Weser-Ems-Region werden zudem die Böden entlastet,

was zu einer Verbesserung der Grundwassersituation

beiträgt.

NOM GmbH

Oldenburger Straße 246 · 49377 Vechta-Calveslage

Tel. 04441 88750-0 · www.nomgmbh.de


UNTERNEHMENSPORTRÄT 57

WELTEC BIOPOWER GmbH

Die 2001 gegründete WELTEC BIOPOWER GmbH aus

dem niedersäch sischen Vechta gehört zu den weltweit

führenden Unternehmen im Biogasanlagenbau aus

Edelstahl. Heute beschäftigt der Mittelständler rund

80 Mitarbeiter und hat über 300 Energieanlagen in

25 Ländern errichtet. Das weltweite Vertriebs- und

Servicenetz erstreckt sich dabei über sechs Kontinente.

Zu den Kunden gehören Unternehmen aus der Abfallund

Lebensmittelindustrie, der Landwirtschaft und der

Abwasserbranche.

Mit dem Tochterunternehmen Nordmethan wird ein

weiteres Geschäftsfeld bedient: Der Betrieb von Bio -

methananlagen und die Bereitstellung von Wärme durch

das Energiecontracting. Damit deckt die WELTEC-

Gruppe die gesamte Wertschöpfungskette der Energie -

erzeugung durch Biogas und Biomethan vom Anlagenbau

bis hin zum Anlagenbetrieb ab.

Aber auch im Bereich der Gülle- und Gärrestauf -

bereitung setzt WELTEC seine Expertise ein. Die

großes Bild: Eine von weltweit über 300 errichteten Biogas -

anlagen von WELTEC BIOPOWER

kleine Bilder:

Die Siebbandpresse steht zu Beginn der Kumac-Gülle- und

Gärrestaufbereitung. Als Produkte entstehen klares Wasser

sowie fester und flüssiger Dünger.

Kumac-Anlage bereitet Gülle und Gärreste in einem

mehrstufigen Verfahren auf. Übrig bleiben ca. 55 Prozent

reines Wasser, ca. 25 Prozent Feststoffe und ca. 20 Prozent

flüssiges Nährstoffkonzentrat. Seit 2007 wird die

Technologie an 15 Standorten in den Niederlanden und

Belgien eingesetzt.

Mithilfe einer Siebbandpresse werden zunächst die

Feststoffe in der Gülle abgeschieden. Der entwässerte

Feststoff kann zum Beispiel als Dünger genutzt werden.

Die verbleibende Flüssigkeit wird durch ein Flotations -

becken und einen Feinfilter geführt, sodass letzte feste

Partikel abgetrennt werden. Im letzten Schritt durchläuft

das Filtrat eine dreistufige Umkehrosmose. Daraus resultiert

ein flüssiger Dünger und klares Wasser, das in den

Wasserkreislauf zurückgeführt werden kann.

WELTEC BIOPOWER GmbH

Zum Langenberg 2 · 49377 Vechta

Tel. 04441 99978-0 · www.weltec-biopower.de


58 UNTERNEHMENSPORTRÄT

Schlagkräftige Ausbringtechniken für ein

wirt schaftliches Güllemanagement –

Vogelsang GmbH & Co. KG

Die Vogelsang GmbH & Co. KG entwickelt, produziert

und vertreibt weltweit technisch hochwertige und

servicefreundliche Maschinen. Hauptsitz ist im niedersächsischen

Essen (Oldb). 1929 gegründet, wuchs das

Unternehmen vom Hersteller für Landmaschinen zum

Spezialisten für individuell konfigurierbare Maschinen,

Anlagen und Systeme in den Segmenten Abwasser,

Agrar, Biogas, Industrie und Verkehrstechnik. Mit der

Erfindung des Schleppschlauchgestänges, des Exakt -

verteilers und der Drehkolbenpumpe hat Vogelsang die

heutige präzise Gülleausbringtechnik maßgeblich mit -

gestaltet.

Schleppschlauch: bodennahe und

pflanzenschonende Technik

Die Vorgaben der Düngeverordnung für die Gülleausbringung

haben sich im Zuge der Novellierungen in den

letzten Jahren immer weiter verschärft: Hier kommt es

auf eine schlagkräftige und wirtschaftliche Ausbring -

technik an. Mit der Schleppschlauchtechnik sind Landwirte

und Lohnunternehmen in der Lage, die Gülle

verlust- und geruchsarm innerhalb kurzer Zeit auf Grünland

und Ackerflächen auszubringen. Die stabilen Endschläuche

des Vogelsang-Schleppschlauchsystems

teilen den Pflanzenbestand und legen die Gülle bodennah

darunter ab. Zudem sorgt die durchdachte Schlauchverlegung

für eine gleichmäßige Verteilung der Nährstoffe.

Das ermöglicht eine optimale Nährstoffversorgung

genau dort, wo die Pflanze sie benötigt.

Vogelsang bietet das Schleppschlauchgestänge mit

Arbeitsbreiten von bis zu 36 Metern an.

Lösungen für eine emissionsarme Gülleausbringung

Für die nährstoffeffiziente Gülleausbringung auf Grünland

eignet sich auch das Schleppschuhgestänge von

Vogelsang. Die Kufe teilt den Gras- oder Pflanzen -

bestand. So wird die Gülle emissionsarm unter der

Pflanze abgelegt, ohne diese zu verschmutzen. Dank

des robusten und dauerelastischen Schaftmaterials folgt

der Schleppschuh dabei stets der Bodenkontur. So ist

selbst bei kupiertem Gelände eine gleichmäßige Ausbringung

über Jahre sichergestellt.

Bei trockenen, erosionsanfälligen Böden empfiehlt sich

die Gülleeinarbeitung im Strip-Till-Verfahren. Dabei wird

der Boden streifenförmig bearbeitet und die Gülle unterfuß

direkt im Wurzelbereich der Pflanze abgelegt. Mit

dem XTill ProTerra war Vogelsang weltweit einer der

ersten Anbieter eines marktreifen Geräts, das die Strip-

Till-Technologie mit der Gülleunterfußdüngung kombiniert.

Beim Strip-Till-Verfahren erfolgen mehrere Arbeits-


UNTERNEHMENSPORTRÄT 59

gänge – darunter das Freiräumen, Aufschlitzen und

Injizieren der Gülle, Lockern, Formen und Rückverfestigen

– effizient in einem Schritt. Das senkt die Betriebs -

kosten um bis zu 40 Prozent. Die reduzierten Überfahrten

sowie die streifenförmige Lockerung des Bodens

optimieren die Wasserversorgung und beugen Erosionen

und Schadverdichtung vor. Sind im Agrarbetrieb

bereits Bodenbearbeitungsgeräte wie Grubber oder

Scheibenegge vorhanden, lassen sich diese mit dem

Vogelsang-Komplettset SynCult leicht aufrüsten.

Zuverlässige Förderung und präzise Verteilung

der Gülle

Wichtige Komponenten einer effizienten Gülleausbringtechnik

sind Exaktverteiler und Pumpsysteme. Die

Exaktverteiler von Vogelsang zeichnen sich durch eine

hohe Präzision und Schneidleistung aus. Sie lassen sich

flexibel für unterschiedliche Ausbringmengen im Frühjahr

und Herbst einstellen – eine weitere Anforderung

der aktuellen Düngeverordnung.

Vogelsang-Drehkolbenpumpen der VX-Serie fördern die

Gülle zuverlässig und sind an jedem Güllefahrzeug

großes Bild linke Seite: Schleppschlauchgestänge SwingMax mit

bis zu 36 Metern Arbeitsbreite

oben links: Firmensitz der Vogelsang GmbH & Co. KG

oben rechts: Mit dem Schleppschuhsystem wird die Gülle

emissionsarm unter der Pflanze abgelegt.

unten links: Beim Strip Till-Verfahren wird der Boden streifen -

förmig bearbeitet und die Gülle zugleich unterfuß abgelegt.

unten rechts: Die Exaktverteiler von Vogelsang (auf dem Bild der

ExaCut) zeichnen sich durch eine hohe Präzision und Schneidleistung

aus.

sowie stationär auf dem Hof einsetzbar. Mit der

gewichtsreduzierten Aluminiumversion lassen sich je

nach Modell bis zu 126,5 Kilogramm Gewicht einsparen.

Durch das geringere Leergewicht des Gülletransportfahrzeugs

kann die Nutzlast am Fahrzeug damit deutlich

erhöht werden.

Mit seinen leistungsstarken Gülleausbringtechniken

und innovativen Komponenten bietet Vogelsang ein

umfassendes Lösungsportfolio für das wirtschaftliche

Güllemanagement – von der Förderung der Gülle bis

hin zur präzisen, emissionsarmen Verteilung und nähr -

stoff effizienten Nutzung.

Vogelsang GmbH & Co. KG

Holthoege 10–14 · 49632 Essen (Oldb)

Tel. 05434 83-0 · www.vogelsang.info


60 UNTERNEHMENSPORTRÄT

Kreislandvolkverband Cloppenburg e. V.

Der Kreislandvolkverband Cloppenburg e. V. mit

3400 Mitgliedern nimmt die agrarpolitische Interessenvertretung

der Landwirtschaft und des ländlichen Raumes

wahr. Der Verband ist Ansprechpartner für nahezu

alle Themenstellungen rund um die Land wirtschaft.

Seine Leistungen im Einzelnen sind die

– politische Interessenvertretung der Landwirtschaft

– Erarbeitung agrarpolitischer Zielsetzungen

– Durchsetzung der Interessen der Mitglieder auf poli -

tischer Ebene

– Informationen für Mitglieder, zum Beispiel im Rahmen

von Vorträgen

– Beratung in rechtlichen Angelegenheiten, welche die

Landwirtschaft betreffen.

Im wirtschaftlichen Geschäfts betrieb des Verbandes

wird den Mitgliedern Rechts- und Steuer beratung angeboten.

Zudem setzt sich der Verband für die Kommu -

nikation landwirtschaftlicher Themen in der Öffentlichkeit

ein.

Die AWL GmbH ist eine mittelständische Steuerberatungsgesellschaft,

die 1989 von den Steuerberatern

Hans Antons und Josef Wendeln und dem Kreislandvolkverband

Cloppenburg e. V. gegründet wurde. Sie ergänzt

das Leistungsspektrum des Verbandes für nicht land -

wirtschaftliche Betriebe und Privatpersonen in allen

steuerrechtlichen Fragen.

Die Optima Immobilien- und Projektvermittlung

GmbH ist ein Dienstleistungsunternehmen im Hause

des Kreislandvolkverbandes Cloppenburg e. V. Kern -

aufgabe der Optima GmbH sind sämtliche Bereiche der

Bauberatung von der Idee über die Bauantragstellung

bis zur schlüsselfertigen Erstellung. Der Maklerbereich

mit Verkauf, Verpachtung und Vermietung vorwiegend

landwirtschaftlich geprägter Immobilien ergänzt das

Dienstleistungsspektrum.

Die Aufgabe der Landvolk Betriebsmittel GmbH ist die

wirtschaftliche Beratung der beteiligten Gesellschafter

hinsichtlich des Einkaufs von Betriebsmitteln, insbesondere

im Bereich Strom und Gas, sowie die Organisation

des Einkaufs der vorgenannten Betriebsmittel für die

Gesellschafter und deren Mitglieder.

Kreislandvolkverband Cloppenburg e. V.

Löninger Straße 66 · 49661 Cloppenburg

Tel. 04471 965-0 · www.kreislandvolkverband.de


UNTERNEHMENSPORTRÄT 61

AGRAVIS Raiffeisen AG

Die AGRAVIS Raiffeisen AG ist ein modernes Agrar -

handels- und Dienstleistungsunternehmen in den

Segmenten Agrarerzeugnisse, Tierernährung, Pflanzenbau

und Agrartechnik. Ziel der AGRAVIS ist es, durch

ernährungsphysiologisch wert volle und ökonomisch

sinnvolle Rohstoffe eine bestmögliche Futterversorgung

für das Tier zu ermöglichen. Eine besser an den Bedarf

der Tiere angepasste Fütterung kann den Nährstoffanfall

deutlich senken. Die AGRAVIS Raiffeisen AG bietet verschiedene

Futterkonzepte für Schweine, Rinder und

Geflügel.

Schweine

Das innovative Konzept „Zukunft Füttern“ beinhaltet

unter anderem das Kernthema „NährstoffExakt“. Ein

Prozent weniger Rohprotein in der Ration vermindert

den N-Anfall um 10 Prozent. Ein um 0,05 Prozent geringerer

P-Gehalt im Futter senkt die P-Ausscheidung um

17 Prozent. Es fällt weniger Güllemenge an. N- und

P-reduzierte Fütterung trägt auch zur Gesunderhaltung

der Schweine bei. Sie entlastet den Stoffwechsel und

senkt den Ammoniakgehalt in der Stallluft. Die Atemwegsgesundheit

ist verbessert.

Rinder

Für eine bedarfsgerechte und phosphoroptimierte Milchviehration

hilft das neue AGRAVIS-Rationsberechnungstool

Phokus, das die Rationsgestaltung auf der Basis des

darmverdaulichen Phosphors bei der Milchkuh optimiert

und gleichzeitig den Phosphorbedarf der Pansenmikroben

berücksichtigt. So wird eine gezielte Absenkung

des Brutto-Phosphorgehaltes in der Gesamtration

ermöglicht. Zudem unterstützt das Laktaria QFit-Programm

die aminosäurebalancierte Fütterung und somit

die Reduzierung des Stickstoffgehalts in der Gülle.

Geflügel

In der Praxis haben sich die AGRAVIS-Geflügelfutter in

der nährstoffreduzierten Fütterung bewährt. Mit dem

Einsatz von hochverdaulichen Eiweißträgern und dem

gezielten Einsatz von Aminosäuren können die Leistungserwartungen

von Legehennen, Broilern und Puten

ausgefüttert werden. Gleichzeitig wird die Ausscheidung

von nicht genutztem Stickstoff reduziert.

Agravis Futtermittel GmbH

Industrieweg 110 · 48155 Münster

Tel. 0251 682-0 · www.agravis.de


62 UNTERNEHMENSPORTRÄT

Deutsche Vilomix Tierernährung GmbH –

verlässlicher Partner für die Futtermittelproduktion

Für die Deutsche Vilomix Tierernährung GmbH steht

die Erfüllung von Kundenwünschen seit Firmengründung

im Vordergrund aller Aktivitäten. Durch die stetige

Weiterentwicklung der Bedarfs empfehlungen aufgrund

neuester wissenschaftlicher Erkenntnisse und Nutzung

spezieller praktischer Erfahrungen ist die Deutsche

Vilomix heute ein leistungsstarker Partner für die erfolgreiche

Tierproduktion.

In der Zentrale in Neuenkirchen-Vörden stellt Vilomix

Vormischungen, Mineralfutter sowie Spezialfutter unter

dem Markennamen VILOFOSS ® her und begleitet

Misch futterhersteller, Händler und Landwirte ganz -

heitlich in allen Fragen rund um die Tierernährung.

Diese gezielte Beratung ist die Grundlage für den erfolg -

reichen Einsatz der Vilofoss-Produkte. Nur eine ganzheitliche

Betrachtung des je weiligen Produktions bereiches

führt zum Erfolg und gewährleistet einen schonenden

Umgang mit den Ressourcen und der Umwelt.

„In der Landwirtschaft geht es um Ressourcenschonung

und Nachhaltigkeit. Diesen Themen wollen wir

mit innovativen Ansätzen gerecht werden“, erläutert

Dr. Andreas Dreishing, neben Dr. Bernhard Wesseling

und Dr. Annabell Hardinghaus einer der drei Geschäftsführer

des Unternehmens. Ein besonderer Fokus

liegt dabei auf einem zertifizierten Qualitätsmanagement,

hochwertigen Rohstoffen sowie Tierwohl- und

Umweltaspekten. „So schaffen wir Vertrauen in der

hochsen siblen Branche der Futtermittelproduktion“,

erklärt Dreishing.

Neben dem typischen Futtergeruch liegt in der Pro -

duktionsstätte in Neuenkirchen-Vörden auch der Duft

ätherischer Öle oder Kräuter in der Luft. Diese Naturstoffe

kommen unter anderem zum Einsatz, um Ver -

dauungsprozesse anzuregen oder Insekten von Weidetieren

fernzuhalten. Jede Mischung ist auf die speziellen

Bedürfnisse der verschiedenen Tierarten abgestimmt.

„Die Qualitätsstandards sind entscheidend, um am

Markt teilnehmen zu können. Wir sehen uns als Pre -

miumhersteller, der großen Wert auf die Qualität der

Rohwaren legt“, betont Dr. Bernhard Wesseling. Verkauft

werden die individuell angepassten Mischungen als

effektive Konzentrate, die den Endkunden die Fütterung

der Tiere erleichtern soll. Über eine spezielle Mischer-


UNTERNEHMENSPORTRÄT 63

Die Geschäftsführung von Vilomix:

Dr. Annabell Hardinghaus,

Dr. Andreas Dreishing und

Dr. Bernhard Wesseling

und Dosiertechnik wird eine hohe Mischgenauigkeit von

1 zu 100 000 gewährleistet.

Ergänzend zu den eigenen Produkten, bietet das Unternehmen

ein umfangreiches Handelssortiment an. So

ist Vilomix als Vollsortimenter ein verlässlicher Partner

für seine Kunden. „Weiterhin entwickeln wir Fütterungsstrategien

für eine nachhaltige Tierproduktion wie zum

Beispiel das NutriSpar-Konzept, um die Fütterung effizienter

zu machen und die N-und P-Ausscheidungen von

Schweinen zu minimieren,“ sagt Dr. Annabell Hardinghaus.

„Auch die Verbesserung des Tierwohls sehen wir

als unsere Aufgabe an. Ein Beispiel ist der von uns entwickelte

PICKStein. Er bietet Legehennen, Broilern und

Puten ein sinnvolles, gern genutztes Beschäftigungs -

material zum Ausleben arteigenen Verhaltens. So werden

Stress zwischen den Tieren abgebaut und gegenseitig

zugefügte Schäden vermieden. Gleichzeitig kann

ein individuelles Bedürfnis nach Aufnahme wichtiger

Mineralien befriedigt werden. Selbstverständlich ist

auch dieses Produkt ein QS-zertifiziertes Futtermittel,“

erklärt Hardinghaus weiter.

Kompetente Mitarbeiter bilden die Basis für den Erfolg

der Deutschen Vilomix. 40 der insgesamt 203 Beschäftigten

an den drei deutschen Standorten in Neuen -

kirchen-Vörden, Hessisch-Oldendorf und Haldensleben

haben eine agrarwissenschaftliche oder tiermedizinische

Ausbildung. „Unser Unternehmen legt großen Wert auf

eine kontinuierliche Weiterbildung und Qualifikation des

Personals. Denn nur so sind wir auch zukünftig in der

Lage, höchste Produktqualität und individuelle Beratung

anzubieten“, skizziert Dr. Annabell Hardinghaus die

Firmenphilosophie.

Wurden die Produkte zunächst vorrangig in Nordwestdeutschland

vertrieben, so beliefert die Deutsche

Vilomix heute Kunden in ganz Deutschland und ex -

portiert als Teil des international agierenden Vilofoss-

Verbundes zunehmend auch ins Ausland. VILOFOSS ®

ist einer der führenden Akteure auf dem europäischen

Vitamin- und Mineralfuttermarkt mit einem Umsatz

von 390 Mio. Euro im Jahr 2017. Die Vilofoss-Gruppe

produziert in insgesamt 14 Werken in sechs euro -

päischen Ländern sowie in China.

Deutsche Vilomix Tierernährung GmbH

Bahnhofstraße 30 · 49434 Neuenkirchen-Vörden

Tel. 05493 9870-0 · www.vilomix.de


64 UNTERNEHMENSPORTRÄT

Fleming + Wendeln in Garrel

Landhandel Diekgerdes in Hemmelte

Fleming + Wendeln und Diekgerdes –

gemeinsam für die Zukunft der Landwirtschaft

Als Hersteller von Mischfutter und Landhandelspartner

für Landwirte haben wir einen bedeutenden Anteil an

der Landwirtschaft in der Region. Der Stellenwert dieser

Branche ist immens, aber die Wertschätzung der ge -

leisteten Arbeit noch gering. Wir stellen uns gemeinsam

dieser Aufgabe.

Seit 2002 verfolgen wir ein gemeinsames Ziel: qualitativ

hochwertiges Futter produzieren, das eine kontinuierlich

gute Qualität zu wettbewerbsfähigen Preisen bietet.

Qualität beginnt beim Einkauf der Rohwaren; dieser ist

gemeinsam organisiert. Mit besonderer Sorgfalt überwachen,

kontrollieren und dokumentieren wir den Anlieferungs-

und Herstellungsprozess sowie den Transport

der Futtermittel mit eigenen Silo-Lkw zum Kunden.

Neben einer großen Auswahl an Schweine-, Rinderund

Geflügelfutter bieten wir auch eine umfassende

Produktpalette rund um den Ackerbau an. Wir arbeiten

eng mit Saatguterzeugern sowie Dünge- und Pflanzenschutzmittelherstellern

zusammen, um deren

Know-how und Empfehlungen an die Landwirte zu

vermitteln. So wird gewährleistet, dass der technische

Zuchtfortschritt schnell in den Betrieben Fuß fasst.

Wir engagieren uns gemeinsam mit dem AEF auch in

den vor- und nachgelagerten Bereichen. Als Mischfutterhersteller

sind wir gefordert, eine offene Kommunikation

mit der Öffentlichkeit zu führen, denn Wahrnehmung

und Realität der Futtermittelherstellung klaffen oft weit

auseinander. Ein gutes Beispiel dafür ist der Beruf des

Müllers (heute Verfahrenstechnologe/-in in der Mühlenund

Futtermittelwirtschaft). Durch technische Weiter -

entwicklungen ist die Arbeit eines Verfahrenstechno -

logen nicht mehr primär körperlich, sondern umfasst

eher kontrollierende und steuernde Aufgaben. Wir bilden

aber auch Kaufleute im Groß- und Außenhandel sowie

Industriekaufleute und Tierwirte aus. Mit der Ausbildung

sorgen wir für geeignetes Fachpersonal und geben

jungen Menschen die Möglichkeit, sich ein eigenes Bild

von der modernen Futtermittelherstellung zu machen.

Fleming + Wendeln GmbH & Co. KG

Auf’m Halskamp 12 · 49681 Garrel

Tel. 04474 8907-0 · www.fleming-wendeln.de

Friedrich Diekgerdes Landhandels GmbH

Bahnhofstraße 61 · 49688 Hemmelte

Tel. 04477 9494-0 · www.landhandel-diekgerdes.de


UNTERNEHMENSPORTRÄT 65

Standards sind out – es geht um individuelle Lösungen.

AD AGRO systems GmbH & Co. KG

Biogas – Gülle – Gärrestverwertung

„Für anspruchsvolle Aufgaben gibt es keine Schub -

ladenlösungen“, sagt Uwe Heider. Wenn der Chef von

AD AGRO die vielen Details seiner Biogasanlagen

studiert, gerät er förmlich ins Schwärmen. „Die Zeiten

von Standards sind längst passé. Der Korridor zum

Geldverdienen ist so eng geworden, da muss man

Lösungen entwickeln, die exakt auf die Bedürfnisse

und die Rahmenbedingungen vor Ort zugeschnitten

sind – und genau das können wir.“

AD AGRO ist ein spezialisiertes Ingenieurbüro aus

Vechta mit eigenem Anlagenbau. Mit anderen Worten:

alles, was die Fachleute von AD AGRO planen, wird

von der eigenen Bauabteilung auch genauso umgesetzt.

Von der Erweiterung oder Optimierung (RePowering)

einer Bestands-Biogasanlage bis hin zum Großprojekt

auf der grünen Wiese: AD AGRO ist bekannt für robuste

Qualität, höchste Sicherheitsstandards und maximale

Effizienz. Diese Kombination schafft Vertrauen, und

die Kunden von AD AGRO erkennen sehr schnell den

großen Nutzen für ihre Projekte.

Heute ist mehr denn je gefragt, die vorhandenen Biogasanlagen

„fit“ für die Zukunft zu machen. Es geht darum,

sowohl den geltenden Vorgaben zu entsprechen als auch

nach dem Auslaufen der 20-jährigen EEG-Tarif sicherheit

weiter erfolgreich wirtschaften zu können.

Für eine optimale Planung nehmen die Projektentwickler

von AD AGRO gleich am Anfang alle Beteiligten mit ins

Boot. Nur eine enge Zusammenarbeit zwischen Investor,

Genehmigungsbehörde, Finanzinstitut und Anlagenbauer

wird den gewünschten Erfolg bringen.

Besonders die Herausforderungen in Bezug auf Gülle,

Gärreste und Nährstoffproblematik haben es den Experten

von AD AGRO angetan. „Mit intelligenten Lösungen

haben wir uns über die Region hinaus einen guten

Namen als Spezialist erarbeitet“, so Uwe Heider weiter.

AD AGRO stellt sich diesen komplexen Herausforderungen

– im Übrigen völlig unabhängig vom Hersteller der

Bestandsanlage. Möglich wird das aus der Erfahrung von

über 200 Anlagenprojekten und mehr als 15 Jahren

Know-how.

Wenn Sie mehr darüber wissen möchten, wie auch Sie

Ihre Biogasanlage „fit“ für die Zukunft machen können,

sprechen Sie uns an. „Wir kümmern uns! Versprochen!“

AD AGRO systems GmbH & Co. KG

Alter Flugplatz 13 · 49377 Vechta

Tel. 04441 8877-0 · www.ad-agro.de


66 UNTERNEHMENSPORTRÄT

Erich Stallkamp ESTA GmbH –

Separationstechnik und Güllelager aus Edelstahl

Die Erich Stallkamp ESTA GmbH produziert in Dinklage

mit rund 200 Mitarbeitern Edelstahlprodukte für die

Landwirtschaft. Dabei liegt auf dem Qualitätsver -

sprechen stets ein besonderer Fokus. Dieses wird

durch eine hohe Fertigungstiefe sichergestellt. Das

bedeutet, dass nahezu alle Teile – vom Zahnrad bis

zum Motorgehäuse – selbst hergestellt werden, sodass

jeder Prozessschritt genauestens überwacht wird.

Aufbereitung von Nährstoffen

Es gibt viele Möglichkeiten, anfallende Nährstoffe zu

verarbeiten, zu einem neuen vermarktungsfähigen

Produkt zu entwickeln oder die Transportwürdigkeit zu

erhöhen. Doch bei all diesen Optionen steht zumeist

ein Separator an erster Stelle der Aufbereitung. Und das

aus gutem Grund: Denn mithilfe der Separationstechnik

wird die erste Trennung der festen und flüssigen Phase

vorgenommen.

Die Separatoren aus dem Hause Stallkamp sind mit

einem Kegelkopf ausgerüstet. Darüber wird der Trockenheitsgrad

des Feststoffes hydraulisch eingestellt. Im

Zusammenspiel mit dem Edelstahlgehäuse werden so

sehr hohe Trockenheitsgrade erreicht. Je nach Anwendungsfall

ist statt des TS-Gehaltes auch die Durchsatzmenge

ausschlaggebend. Dafür hat Stallkamp verschiedene

Separatoren entwickelt, die sich in ihrer Motorengröße

unterscheiden und damit sowohl für den Landwirtschaftsbetrieb

mit 80 Kühen als auch für große

Biogasanlagen attraktiv sind.

Lagerbehälter für Gülle und Gärreste

Trotz umfangreichen Nährstoffmanagements werden die

Lagerkapazitäten auf vielen Höfen und Anlagen knapper.

Dafür bietet Stallkamp mit seinen Edelstahllagerbe -

hältern bereits seit mehr als 30 Jahren eine langlebige

und robuste Lösung. Dank ihrer Segmentbauweise sind

sie erweiterbar und versetzbar und verursachen nahezu

keine Instandhaltungskosten.

Pump- und Rührwerkstechnik

Darüber hinaus präsentiert sich Stallkamp mit zuver -

lässigen Pumpen und innovativen Rührwerken als

Hersteller von Gülletechnik.

Erich Stallkamp ESTA GmbH

In der Bahler Heide 4 · 49413 Dinklage

Tel. 04443 9666-0 · www.stallkamp.de


UNTERNEHMENSPORTRÄT 67

GS agri eG

Seit über 135 Jahren steht die GS agri ihrer überwiegend

landwirtschaftlich geprägten Kundschaft als Rundum-Dienstleister

zur Seite.

Tradition und Innovation bestimmen dabei das Leitbild

der Genossenschaft und ihrer etwa 380 Mitarbeiter.

An über 20 leistungsfähigen Standorten bietet sie ihren

Mitgliedern und Kunden ein sehr umfangreiches Leistungsspektrum

und ein jahrzehntelang gewachsenes

Expertenwissen in allen Geschäftsbereichen.

Immer einen Schritt weiter als andere zu sein, lautet

die Maxime der GS agri, die mit insgesamt fünf Mischfutterwerken

die ganze Bandbreite an Futtermitteln

für alle Nutztiergattungen herstellt – und das sowohl

konventionell als auch in Bio-Qualität.

Schon vor über 25 Jahren hatte die GS agri als einer der

ersten Futtermittelhersteller in Südoldenburg das Thema

Nährstoffüberschüsse als das zentrale Problem in der

Region erkannt. Als Antwort darauf wurde eine eigene

Nährstoffbörse aufgebaut. Gleich zeitig wurde schon

damals an innovativen Futtermittelkon zepten gearbeitet.

Dieses Themenfeld ist heute aktueller denn je und wieder

geht die Genossenschaft voraus: Moderne Futterkonzepte

wie zum Beispiel das 6-Phasen-Programm

reduzieren nochmals den Nährstoffanfall und das bei

gleichzeitig höherer Leistung. Die GS agri geht aber noch

weiter. Aktuell ist sie in verschiedenen Be reichen aktiv,

die sich mit der Aufbereitung von Nähr stoffen beschäf -

tigen. Ein Aspekt, der auch von den Kunden immer mehr

nachgefragt wird. Ein weiterer Pluspunkt in der über -

regio nalen Vermarktung der Wirtschaftsdünger ist die

genaue Kenntnis der Inhaltsstoffe.

Neben hervorragenden Produkten legt die GS agri

besonderen Wert auf eine umfassende Fachberatung.

In diesem Zusammenhang spielen auch technische Innovationen

eine immer größere Rolle. Darum bereitet sie

sich und ihre Kunden auf die zunehmende Digitalisierung

vor. Mit den Online- Portalen Acker24 und Futter24 ist die

Genossenschaft bereits erfolgreich gestartet und baut

diese digitalen Dienste konsequent weiter aus.

Weitere Geschäftsfelder der Genossenschaft sind der

Handel mit Baustoffen und das Mineralölgeschäft mit

einem dichten Tankstellennetz in der Region. Die Hausund

Gartenmärkte in der Region runden das Angebot der

GS agri ab.

GS agri eG

Raiffeisenstraße 4 · 49685 Schneiderkrug

Tel. 04447 802-0 · www.gs-agri.de


68 UNTERNEHMENSPORTRÄT

Die Vion Emstek GmbH

Die Vion Emstek GmbH liegt im Oldenburger Münsterland

in einer der wichtigsten europäischen Produktionsregionen

für Schweinefleisch. Wöchentlich werden bis zu

70 000 Schweine geschlachtet und zerlegt. Das moderne

Fleischzentrum mit schlanker Organisationsstruktur

beliefert die Fleischwarenindustrie nicht nur in Deutschland

und Europa, sondern auch in Asien.

Als ein Standort der Vion Food Group arbeitet die Vion

Emstek GmbH eng mit den Vermarktern und Schweinehaltern

vor Ort zusammen, wobei Vion gemeinsam mit

seinen Partnern ständig an der Verbesserung von

Lebensmittelsicherheit, Qualität, Tierschutz und -gesundheit,

Rückverfolgbarkeit, Transparenz und Nachhaltigkeit

arbeitet.

Vor diesem Hintergrund hat Vion 2017 in den Nieder -

landen das Konzept „Good Farming Balance“ eingeführt.

Mit diesem nachfrageorientierten Lieferkettenkonzept

reagiert das Unternehmen auf die spezifische Nachfrage

auf internationalen Märkten. Gemeinsam mit den

Schweinehaltern sorgt Vion dafür, dass genau die Produkte

in der gewünschten Spezifikation produziert werden,

die die Abnehmer verlangen. Um genügend Diversität

der angelieferten Schweine zu garantieren, umfasst

„Good Farming Balance“ in den Niederlanden drei Liefermodule:

Basis, Erweitert (erweitertes Lieferangebot) und

Robust (reifere Schweine mit einer etwas dickeren

Speckschicht). Die Schweinehalter können selbst entscheiden,

innerhalb welchen Moduls sie ihre Schweine

liefern möchten. Außerdem trifft Vion Absprachen über

die Liefermenge, um Kontinuität garantieren zu können.

Auf diese Weise ist für die Abnehmer immer Qualitätsfleisch

in den gewünschten Mengen und Kundenspezi -

fikationen verfügbar.

Im Rahmen des gleichen Konzeptes stehen den

Schweinehaltern auch drei verschiedene Preissysteme

zur Auswahl:

– der Vion-Wochenpreis, der sich wöchentlich durch

Nachfrage und Angebot verändert,

– die Vion-Preisindexgarantie (PIG), ein Preis, der sich aus

einem Mittelwert auf Grundlage einer Kombination aus

repräsentativen internationalen Preisen zusammensetzt,

und der Vion-Langzeitpreis (LTP), bei dem der Preis für

Schweinefleisch für einen längeren Zeitraum (mindestens

13 Wochen) festgelegt wird.

Im Jahr 2018 werden die Möglichkeiten untersucht, die

Prinzipien von „Good Farming Balance“ auch in Deutschland

einzuführen.

Neben „Good Farming Balance“ hat der Tierschutz bei

Vion oberste Priorität. Das dezentrale Netzwerk von

größenoptimierten Schlachtbetrieben entspricht der

Viehdichte in bestimmten Regionen und ermöglicht


UNTERNEHMENSPORTRÄT 69

kurze Transportdistanzen für die Tiere mit weniger als

acht Stunden Transportzeit. Am Standort Emstek beträgt

die durchschnittliche Transportdistanz 50 Kilometer.

Neben der rechtlich vorgegebenen amtlichen Schlachttieruntersuchung

werden die Tiere beim Entladen zusätzlich

durch sachkundige Vion-Mitarbeiter auf die Einhaltung

des Tierschutzes kontrolliert. Speziell ausgebildete

Tierschutzbeauftragte, die regelmäßig geschult werden,

überwachen die Einhaltung der Tierschutzrichtlinien in

allen Produktionsstätten.

Die Warteställe sowie die Betäubungs- und Schlacht -

bereiche sind während der Arbeitszeit unter ständiger

Aufsicht von amtlichen Tierärzten. Darüber hinaus beurteilt

das Veterinär-Expertenteam von Vion die Leistung

der Schlachthöfe und der liefernden Landwirte.

Ganz neu ist die Überwachung des Schlachtprozesses

durch ein vor Kurzem installiertes Kamerasystem, das

von der niedersächsischen Landwirtschaftsministerin

Barbara Otte-Kinast im Rahmen des 25-jährigen Bestehens

des Standortes in Emstek in Betrieb genommen

wurde. Bis Ende 2018 sollen alle Vion-Betriebe mit

solchen Kamerasystemen ausgestattet werden. Vom

Stall bis zur Entblutung werden sämtliche Arbeitsschritte

mit den Tieren aufgezeichnet und die Videodokumentationen

nach geltendem Datenschutz gespeichert. Die

Tierschutzbeauftragten an den Standorten haben selbst -

verständlich Zugang zu den Live-Aufnahmen, auch die

weiteren Zugriffsrechte sind genau geregelt. Mit dem

Kamerasystem setzt die Vion ihren 2016 eingeschla -

genen Weg der Transparenz konsequent fort. Auf der

Internetseite www.vion-transparenz.de sind alle Schritte

im laufenden Prozess dokumentiert.

In den letzten Jahren wurde der Betrieb Emstek durch

zahlreiche Investitionen auf die Anforderungen der nationalen

und internationalen Märkte ausgerichtet. Dazu

zählen die Modernisierung und Verbesserung der Linie

„Feinzerlegung“, die Erstellung einer neuen, Brühbottichanlage,

einer neuen Entborstungsstrecke und eines

neuen Flammofens sowie die bevorstehende Erweiterung

der Waschhalle für Tiertransporter.

Darüber hinaus nimmt die Vion durch eine Investition in

die betriebliche Abwasseraufbereitung in Höhe von ca.

drei Mio. Euro ihre Pflichten im Bereich Nachhaltigkeit

wahr.

Vion Emstek GmbH

Wilhelm-Bunsen-Straße 15 · 49685 Emstek

Tel. 04473 807-0 · www.vionfoodgroup.com


70 TIERGERECHTE STALLSYSTEME

3. PRESSEKONFERENZ, 11.01.2018

Verzicht auf die Schnabelbehandlung

bei Legehennen – Vermeidung von

negativen Folgen

KERNAUSSAGEN

▷ Legehennen sollten dauerhaft

interessant beschäftigt werden

▷ Beschäftigungsmaterial ist gut

mit der Fütterung kombinierbar

▷ Das Scharrverhalten und Futtersuchverhalten

der Legehennen

kann gefördert werden

Bei der Haltung von Hühnern und Puten in

großen Gruppen, stellt das Federpicken und in

der Folge auftretender Kannibalismus ein erhebliches

Problem dar. Durch das gegenseitige

Picken wird nicht nur das Gefieder der Hühner

beschädigt, sondern tiefere Wunden führen zu

Entzündungen und erhöhen somit die Todesrate

im Bestand. Durch die bisher in der Praxis übliche

Schnabelbehandlung der Hennen konnten

die Folgen eines sich dramatisch ausbreitenden

Kannibalismus bisher eingedämmt werden.

Der Zentralverband der Deutschen Geflügel -

wirtschaft hat sich freiwillig zum Verzicht auf

das Schnabelkürzen verpflichtet. In einigen

Bundesländern ist es inzwischen per Richtlinie

verboten. „Der Verzicht auf Schnabelkürzen er -

fordert ein besonderes Herdenmanagement“,

betont Dr. Ralf Kosch, Direktor Geflügelhaltungssysteme

Europa bei der Big Dutchman Inter -

national GmbH in Vechta-Calveslage und erläutert

dies am Beispiel der Legehennenhaltung.

Das Augenmerk müsse dabei auf ausreichend

Beschäftigung, einer nährstoffangepassten Futterration

und einer natürlichen Abnutzung der

Schnäbel liegen. Hierfür gibt es inzwischen

Angebote der Stalleinrichter.

Produkte zur Beschäftigung der Legehennen

müssten „dauerhaft interessant sein“ und könnten

gut mit Fütterungsaspekten kombiniert

werden, so Kosch. Futterspender mit dosierter

Körnergabe und mit reibender, abschleifender

Wirkung etwa unterstützten den natürlichen

Schnabelabrieb beim Futterpicken. Sie seien einfach

im Tierbereich zu installieren und auto -

matisch zu befüllen. Auch Tränkewasser-Auffangschalen

ließen sich einfach und kostengünstig so

erweitern, dass sie den natürlichen Schnabel -

abrieb unterstützen. Alle Hühner im Stall würden


TIERGERECHTE STALLSYSTEME 71

hiermit erreicht. Allerdings müsse darauf geachtet

werden, „dass nicht Stress in die Herde

kommt“, erklärte Kosch.

Einen Beitrag zur Beschäftigung der Legehennen

könne auch die Fütterung im Kaltscharraum

leisten. So werde durch das großflächige

Angebot von Rauhfutter im Stall, wie zum Beispiel

Mais silage oder Luzerneheu, sowohl

das Scharr verhalten als auch das Futtersuch -

verhalten der Legehennen gefördert, erklärte der

Big-Dutchman-Direktor. Durch eine gezielte Fut -

ter er gän zung mit Kalzium (Muschelkalk) könne

die Knochenstabilität verbessert werden. Dies

wirke am effektivsten über die Nachmittagsfüt -

terung.

Dr. Ralf Kosch,

Direktor Geflügelhaltungssysteme

Europa,

bei der Big Dutchman

International GmbH in

Vechta-Calveslage

(Auch der nachfolgende

Vortrag wurde von

Dr. Kosch gehalten.)


72 TIERGERECHTE STALLSYSTEME

Antibiotikaeinsatz in der Geflügelaufzucht

reduzieren – Wie kann Stalltechnik dies

weitestgehend möglich machen?

KERNAUSSAGEN

▷ Moderne Stalltechnik kann das

Aufkommen von Krankheiten

senken und damit auch den

Antibiotikaeinsatz vermindern

▷ Eine optimale Wasserversorgung

der Tiere senkt die Keim -

belastung im Wasser

▷ Höhere Nutzebenen fördern die

Aktivität der Tiere

Der Umfang des Antibiotikaeinsatzes in der

Geflügelaufzucht steht gesellschaftlich in der

Kritik. Soll er gesenkt werden, müssen die Auslöser

für Krankheiten vermindert werden. „Hierzu

kann auch moderne Stalltechnik einen Beitrag

leisten“, sagt Dr. Ralf Kosch, Direktor Geflügel -

haltungssysteme Europa bei der Big Dutchman

International GmbH in Vechta-Calveslage. Big

Dutchman setzt dabei an mehreren Punkten an.

Wasserversorgung: Mit einer automatischen

Spüleinrichtung für Tränkelinien wird die Keim -

belastung des Wassers verringert. Das Trinkwasser

wird dabei auf der gesamten Rohrlänge kühl

gehalten. „Wenn die Wassertemperatur an heißen

Tagen in den Rohren stetig bei 30 Grad liegt,

fühlen sich Keime natürlich wohl“, so Kosch. Über

die automatische Spülung werde die Entstehung

eines Biofilms in den Rohren gesenkt. Eine

Spezialtränke hat Big Dutchman für die Enten -

haltung entwickelt. „Enten spielen gern im Wasser“,

weiß der Stallsystem-Experte. Die neue

Ententränke erlaubt den Tieren das vollständige

Eintauchen des Kopfes ins Wasser, ohne dass zu

viel Wasser auf den gestreuten Boden gelangt.

Die Enten können durch vollständiges Ein -

tauchen des Kopfes ins Wasser Augen- und

Nasenlöcher reinigen und auch genug Wasser

aufnehmen, um ihr Gefieder zu säubern.

Tieraktivität: Im Stall werden höhere Nutz -

ebenen installiert. Dies unterstützt die Aktivität

der Tiere und fördert ihr Erkundungsverhalten,

weil die Umgebung für sie attraktiver wird. Bei

entsprechender Form und Anordnung dieser

zusätzlichen Nutzebenen können diese Ele -

mente einen Beitrag zur Fußballengesundheit

leisten, ist sich Kosch sicher.


TIERGERECHTE STALLSYSTEME 73

Stallluftqualität: Wärmetauscher sparen Energie.

Sie nutzen sonst verlorengehende Abwärme

und ermöglichen eine Verbesserung der Stall -

luftbedingungen. Dies führt unter anderem zu

trockenerem Streumaterial. „Auch hiermit wird

die Fußballengesundheit gefördert und die

Hygiene verbessert“, erklärt Kosch. Dies hätten

Versuche bei Big Dutchman gezeigt. Auch die

Futterverwertung der Tiere kann durch eine

bessere Stallluftqualität positiv beeinflusst werden,

wie die Versuche ebenfalls gezeigt hätten.

Außenklimabereiche: Geflügel fühlt sich wohler,

wenn es auch einmal „an die frische Luft“

kann. Durch automatisierte Auslaufklappen kann

das Stallmanagement die Auslaufzeiten gut

steuern.

Durch solche Neuerungen in den Geflügelställen

kann das Wohlbefinden der Tiere erhöht und die

Tiergesundheit gefördert werden, ist sich der

Stallsystem-Experte sicher. „Unsere Ergebnisse

zeigen, dass sich die Leistung der Tiere dabei

nicht verschlechtern muss.“ Und das Interesse

bei den Landwirten sei groß. Die Umsätze mit

diesen Produkten seien aber noch vergleichsweise

gering, da solche Investitionen den Landwirten

nicht zusätzlich vergütet wurden.


74 TIERGERECHTE STALLSYSTEME

Licht: Erkenntnisse und Folgerungen daraus

für die Haltung von Geflügel

KERNAUSSAGEN

▷ Das Huhn sieht anders als der

Mensch

▷ Mit unterschiedlichen Farben

können Wachstum, Leistung und

Gesundheit beeinflusst werden

▷ Hierfür bedarf es eines

intelligenten Lichtsystems

„Das Huhn sieht anders als der Mensch. Daher

braucht es auch ein anderes Licht.“ Und ähnlich

wie beim Menschen können Lichtverhältnisse

die Gesundheit des Geflügels positiv beein -

flussen, weiß Ulrich Wichmann, Leiter Einkauf

und Human-Ressource-Marketing der Firma

Fienhage Poultry-Solutions GmbH in Lutten bei

Vechta.

„Das Huhn hat eine fast doppelt so hohe Bild -

frequenz wie der Mensch, nämlich etwa 140 Bilder

pro Sekunde gegenüber 85 Bildern beim

Menschen und kann ein deutlich größeres Lichtspektrum

wahrnehmen“, erklärt Wichmann.

Auch die Farbwahrnehmung sei wahrscheinlich

anders. Lichtflackern hingegen stresse Geflügel

genauso wie Menschen und führe zu einer ge -

ringeren Legeleistung, zu vermindertem Wachstum,

zu Federpicken und Kannibalismus.

Mit Versuchen hat Fienhage Poultry-Solutions

gezeigt, dass grünes Licht die Wachstumsrate

von Hühnern in einem frühen Alter erhöht. Rotes

Licht führe zu einer erhöhten Nahrungsauf -

nahme und einer Steigerung der Aktivität. Blaues

Licht hingegen bewirke eine Reduzierung der

Bewegungen und wirke daher beruhigend.

Fienhage Poultry-Solutions hat daraus ein intelligentes

Lichtsystem für Geflügelställe entwickelt.

Zur Energieeinsparung wird LED-Technik ein -

gesetzt. Die Lichtquellen sind flackerfrei und zu

hundert Prozent dimmbar. Die Grundfarben sind

mischbar.

Die Ergebnisse bei der Anwendung eines

solchen Lichtsystems: Die Muskel-Skelett-Entwicklung

der Hühner konnte verbessert werden

und es kam zu Gewichtszunahmen. Der Futterverbrauch

hingegen sank, was zu einer höheren

Futterverwertungsrate führte. Hennen erreichten


TIERGERECHTE STALLSYSTEME 75

früher die Legereife, und die Sterberate ver -

ringerte sich. Auch die Legeleistung, also die

Eiproduktionsmenge, stieg und die Eiqualität verbesserte

sich.

Auch die Berliner Universitätsklinik Charité habe

in einem Pilotprojekt kürzlich Lichtkonzepte zur

Genesung schwer kranker Patienten getestet.

Das Ergebnis: ein geringerer Medikamenten -

einsatz. „Wir sind sicher, dass dies zu einem

Teil auch auf Tiere anwendbar ist“, sagt Ulrich

Wichmann.

Ulrich Wichmann,

Leiter Einkauf und

Human-Ressource-

Marketing bei der

Fienhage Poultry-

Solutions GmbH

in Lutten


76 TIERGERECHTE STALLSYSTEME

Nutzung der männlichen Legehybriden:

das Projekt „Integhof“

KERNAUSSAGEN

▷ Mit dem Projekt „Integhof“

wird das Zweinutzungshuhn als

Alternative zu Legehennen und

Masthühnern untersucht

▷ Neben dem Tierwohl werden

auch Wirtschaftlichkeit und

Verbraucherakzeptanz ermittelt

▷ Der Verbraucher muss bereit sein,

für mehr Tierwohl einen höheren

Preis zu zahlen

Für Masthühner und Legehennen werden in der

konventionellen Geflügelhaltung unterschied -

liche Zuchtlinien eingesetzt. Masthühner sind

darauf gezüchtet, in möglichst kurzer Zeit

Gewicht zuzulegen und das Futter möglichst effizient

zu verwerten. Das Zuchtziel bei den Legetyp-Tieren

ist eine möglichst hohe Legeleistung.

Da die Hähne der Legehennenlinien als Masthähnchen

ungeeignet sind und auch keine Eier

legen, werden die männlichen Küken bisher kurz

nach dem Schlupf aussortiert und getötet. Um

diese Praxis zu unterbinden, was nach dem

Willen der jetzigen Bundesregierung im Laufe

des Jahres 2019 Gesetz werden soll, wird nach

Alternativen gesucht. „Mit unserem über die

Landwirtschaftliche Rentenbank geförderten Projekt

,Integhof – Geflügelhaltung neu strukturiert‘

prüfen wir, ob sich das sogenannte Zweinutzungshuhn

als Alternative zu den konventio -

nellen Linien eignet. Dafür vergleichen wir das

Zweinutzungshuhn mit dem einer Legehennen -

linie und bei entsprechenden Fragestellungen

auch mit einer Mastlinie“, erklärt Professor

Dr. Silke Rautenschlein, Direktorin in der Klinik -

leitung der Stiftung Tierärztliche Hochschule

Hannover und Fachtierärztin für Geflügel und

Mikrobiologie. Eingebunden in das Projekt sind

Partner aus der Wissenschaft und – zum Transfer

in die Praxis – drei Unternehmen der Wirtschaft,

unter anderem Lohmann Tierzucht aus Cuxhaven

und Big Dutchman aus Vechta-Calveslage.

Beide Hühnerlinien werden hinsichtlich einer

Vielzahl verschiedener Punkte verglichen – die

Hennen genauso wie die Hähne. Das sind beispielsweise

gesundheitliche Parameter, wie die

Knochenbeschaffenheit und die Stabilität des

Immunsystems, Beobachtungen zum Tierver -

halten und zum Tierwohl oder Einflüsse der

Fütterung auf die Tiergesundheit und die Leis-


TIERGERECHTE STALLSYSTEME 77

tung. Die Schnäbel der Hennen bleiben im

„Integhof“-Projekt ungekürzt. „Wir gehen davon

aus, dass das Zweinutzungshuhn weniger zum

Federpicken und zum Kannibalismus neigt.

Außerdem haben sie in unserer Haltungsform

weniger Stress“, sagt Rautenschlein.

Begleitet werden die Untersuchungen an den

Tieren von Studien zur Praktikabilität, Verbrau -

chereinstellung und -akzeptanz sowie zur Wirtschaftlichkeit.

Professorin Rautenschlein erklärt:

„Das sind sehr wichtige Punkte für die Umsetzbarkeit

unseres Konzepts. Da die Legehennen

pro Jahr etwa 50 Eier weniger legen, die auch

noch kleiner sind, und die Hähne ein geringeres

Gewicht bei einer längeren Mastdauer haben im

Vergleich zu den konventionellen Linien, be -

deutet das Konzept für die Landwirte auf den

ersten Blick wirtschaftliche Einbußen. Hier ist

der Verbraucher gefragt: Mehr Tierschutz kostet

auch mehr Geld. Die Konsumenten müssen

bereit sind, den Preis zu zahlen.“ Hierfür sei

wiederum ein begleitendes Vermarktungskonzept

notwendig.

Professor Dr. Silke

Rautenschlein,

Direktorin in der Klinikleitung

der Stiftung

Tierärztliche Hoch -

schule Hannover und

Fachtierärztin für

Geflügel und Mikro -

biologie


78 TIERGERECHTE STALLSYSTEME

Der Ringelschwanz im Fokus von

Gesellschaft und Tierhaltern

KERNAUSSAGEN

▷ Verbraucher sehen im Ringelschwanz

beim Schwein einen

Qualitäts- und Gesundheitsfaktor

▷ Ein Verzicht auf das übliche

Ringelschwanzkürzen erfordert

neue Haltungssysteme

▷ Für den Landwirt bedeutet dies

zusätzlichen Aufwand. Aber der

Handel wird die Beibehaltung

des Ringelschwanzes zunehmend

fordern

Niedlich, nett, sich auf einem Strohlager wohl -

fühlend – so stellen sich viele die Schweine -

haltung vor. „Und als Qualitäts- und Gesundheitsfaktor

gehört für viele Menschen auch ein

intakter Ringelschwanz beim Schwein dazu“,

weiß Daniel Holling, Direktor Schweinehaltungssysteme

Europa von Big Dutchman International

GmbH in Vechta-Calveslage. Schweinehalter

haben in der Mehrheit eine andere Sichtweise.

Für sie ist die Ringelschwanzkürzung eine Maßnahme,

damit sich die Tiere nicht gegenseitig die

Schwänze anknabbern. „Der Verzicht auf die

Kürzung bedeutet für den Landwirt daher Aufwand,

denn er muss die Haltungsbedingungen

ver ändern“, so Holling.

Einflussmöglichkeiten gibt es viele. Der Big-

Dutchman-Direktor nennt Beispiele: Genetik,

Fütterung, Klima, Umwelt, Belegdichte oder die

Buchtenstruktur. Big Dutchman hat hieraus

praxisnahe Lösungsansätze entwickelt, die am

Ende der Mast unverletzte Ringelschwänze vorweisen

können.

Vor allem die Großgruppenhaltung bietet laut

Holling gute Voraussetzungen, dass es gelingt,

den Ringelschwanz erfolgreich bei den Schweinen

zu etablieren. Dabei geht der Stallsystemproduzent

aus Calveslage von einer Haltung mit

bis zu 400 Schweinen in einem Raum aus.

Dieser Raum ist so strukturiert, dass den Tieren

in verschiedenen Bereichen verschiedene Tätigkeiten

angeboten werden, wie etwa Fressen

und Ruhen. „Die Tiere werden dabei durch den

Raum gesteuert“, erklärt Holling. Es gibt im Stall

Beschäftigungs- bzw. Beißmaterial, aber auch

eine Außenlaufbahn mit Spielmaterial. Die Tiere

erhalten Rückzugsmöglichkeiten und können

räumlich voneinander getrennt werden.


TIERGERECHTE STALLSYSTEME 79

Der Erhalt des Ringelschwanzes bei Schweinen

wird an Bedeutung gewinnen, ist sich Holling

sicher. „Wer es hinbekommt, den Ringelschwanz

am Tier zu erhalten, ist ganz vorne mit dabei.“

Sowohl Handelsunternehmen, wie etwa REWE,

als auch die Politik, wie derzeit in Niedersachsen,

unterstützten den Ringelschwanz inzwischen

mit Prämien für die Landwirte. Der Big-Dutchman-Direktor

schätzt, dass vor allem aus

dem Handel weitere Initiativen und Nachfragen

nach der Beibehaltung des Ringelschwanzes

folgen werden.

Daniel Holling,

Direktor Schweine -

haltungssysteme

Europa bei der Big

Dutchman International

GmbH in Vechta-

Calveslage


80 TIERGERECHTE STALLSYSTEME

Mehr Bewegung für säugende Sauen –

Wie geht das ohne erhöhte Mortalität?

KERNAUSSAGEN

▷ Speziell ausgestaltete

Geburtenbuchten erlauben mehr

Bewegungsfreiheit für säugende

Sauen

▷ Dies muss nicht zu höheren

Todesraten bei Ferkeln führen

▷ Auf den Ferkelschutzkorb kann

aber nicht ganz verzichtet werden

Mehr Bewegungsfreiheit für säugende Sauen ist

eine zunehmend lauter werdende Forderung an

die Tierhaltung. Experten aus der Schweinebranche

sind zwar der Überzeugung, dass mehr

Bewegung für die Sau nicht ohne eine erhöhte

Todesrate (Mortalität) der Ferkel möglich ist. Ralf

Meyer, Leiter Entwicklung bei der Firma WEDA

in Lutten (Landkreis Vechta), hingegen sieht

Möglichkeiten dafür, wie es dennoch funktionieren

kann. WEDA hat verschiedene Ausgestaltungen

von Bewegungsbuchten getestet.

Für Meyer ist klar: Ohne einen sogenannten

Ferkelschutzkorb in der Geburtenbucht, bei dem

die säugende Sau fixiert ist, geht es in der

Schweineaufzucht letztlich nicht. Ansatzpunkte

für Änderungen und mehr Bewegungsfreiheit für

die Sauen sieht er in der Ausgestaltung der ge -

samten Abferkelbucht. „Die Bucht sollte nicht zu

groß sein. Größer ist nicht gleich besser“, so laut

Meyer eine Erkenntnis aus den Versuchen. Und

sie sollte nicht quadratisch sein, denn die Sau

muss sich möglichst auf eine für sie vorge -

sehene Fläche legen können. Das Ferkelnest

sollte nicht zu weit vom Hinterteil der Sau entfernt

sein, damit die Ferkel es nach der Geburt

finden. „Damit die Sau die Bucht kennenlernen

kann, das Hinlegen und Aufstehen üben kann,

bevor ihr die Ferkel zwischen den Beinen herumlaufen,

darf sie erst einen Tag vor der Geburt im

Ferkelschutzkorb fixiert werden“, betont der

WEDA-Entwicklungsleiter. Geöffnet werden

dürfe der Ferkelschutzkorb schließlich erst, wenn

die Ferkel mindestens fünf Tage alt sind.

WEDA hat festgestellt, dass die Mortalität umso

geringer ist, je mehr Würfe die Sau in der Bewegungsbucht

hatte. Wichtig ist für Meyer auch,

dass in der Bucht eine gute Beifütterung für die

Ferkel vorhanden ist, um die Würfe optimal zu


TIERGERECHTE STALLSYSTEME 81

versorgen und die säugende Sau zu entlasten.

Dies helfe vor allem den kleinen Ferkeln, die so

überlebensfähiger werden. Die Versuche hätten

aber auch gezeigt, stellt Meyer fest, dass etwa

zehn Prozent der Sauen mit den Bewegungsbuchten

nicht zurechtkommen und daher im

Kastenstand fixiert bleiben müssen.

Ralf Meyer,

Leiter Entwicklung

bei der WEDA

Dammann & Westerkamp

GmbH in Lutten


82 TIERGERECHTE STALLSYSTEME

Mehr Tierwohl in der Nutztierhaltung:

Wessen Aufgabe ist das?

KERNAUSSAGEN

▷ Tierschutz in der Nutztierhaltung

ist eine gesamtgesellschaftliche

Aufgabe

▷ Der Staat muss die Rahmen -

bedingungen setzen und vor

allem endlich ein staatliches

Tierwohllabel schaffen

▷ Geld für die Finanzierung not -

wendiger Maßnahmen ist da;

es muss nur anders und sinnvoll

eingesetzt werden

Der Handlungsbedarf zur Verbesserung des Tierwohls

in der Nutztierhaltung ist nach wie vor

erheblich. „Die notwendigen Veränderungen

aber kosten Geld: jährlich mehrere Milliarden

Euro“, so Professor Dr. Harald Grethe von der

Humboldt-Universität in Berlin, der auch Vor -

sitzender des Wissenschaftlichen Beirats für

Agrarpolitik und Ernährung (WBAE) beim Bun -

desministerium für Ernährung und Landwirtschaft

(BMEL) ist. Vor diesem Hintergrund sei

der Tierschutz eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe:

„Tierhalte rinnen und Tierhalter, Privatwirtschaft,

Staat, Zivilgesellschaft und Konsumenten

müssen und können einen Beitrag leisten.“

Professor Grethe ordnet die Aufgaben klar zu.

Die Politik müsse endlich ein staatliches Tierwohllabel

schaffen und dafür die Rahmenbedingungen

formulieren. Nur so könne die nötige

Markttransparenz erreicht werden. Diese sei Voraussetzung

für eine höhere Zahlungsbereitschaft

der Verbraucher. „Und dieses Label muss dann

auch aktiv beworben werden.“

Die Tierwohlinitiative des Lebensmitteleinzel -

handels sei „eine phantastische Sache“, aber

durch den Einzelhandel selbst gefährdet. Bei

dieser Initiative bekommen Geflügel- und

Schweinemäster vom Handel eine Prämie, wenn

sie bestimmte Tierwohlkriterien in der Aufzucht

erfüllen. Allerdings hat eine große Lebensmit -

teleinzelhandelskette ihre Teilnahme bereits

wieder beendet. Für Professor Grethe ist dies

„ein Skandal“.

Für mehr Tierwohl seien aber auch öffentliche

Finanzhilfen für die Landwirte notwendig – aus

deutschen und EU-Kassen, fordert Professor

Grethe. Der WBAE schätzt, dass Tierwohlmaßnahmen

die Produktionskosten der Landwirte


TIERGERECHTE STALLSYSTEME 83

um bis zu 20 Prozent erhöhen könnten, was insgesamt

bis zu 5 Mrd. Euro Mehrbelastung jährlich

bedeuten würde. Hierfür fordert Grethe

„dringend eine Finanzierungs- und Steuerungsstrategie

und zwar möglichst schnell“. Dies

sei Aufgabe der Bundespolitik. Instrumente hat

der Agrarexperte auch parat. „Deutschland

könnte sofort einen Teil der Subventionen für

die Landwirtschaft anders verteilen. 15 Prozent

der EU-Direktzahlungen können umgewidmet

werden, aber Deutschland nutzt nur 4,5 Prozent.

Würden wir aufstocken, könnten wir schon über

500 Mio. Euro jährlich gewinnen.“

Professor Grethe kritisiert aber auch das der -

zeitige System der EU-Direktzahlungen an die

Bauern (Subventionen pro Hektar) und nennt es

„einen Anachronismus“. „Ich plädiere dafür, die

Direktzahlungen vollständig zurückzufahren und

sie durch ein Prämiensystem zur Honorierung

von gesellschaftlich gewünschten Leistungen zu

ersetzen“, schlägt er vor. Die Landwirtschaft habe

neben dem Tierwohl noch weitere große Pro -

bleme wie Nährstoffüberschüsse aus der Tier -

haltung (Stichwort: Gülle), Verlust an Artenvielfalt

oder Klimaschutz. Professor Harald Grethe: „Das

Geld für die Bewältigung dieser Herausforde -

rungen ist da; wir müssen es nur sinnvoll ein -

setzen.“

Professor Dr. Harald

Grethe, Fachgebiet

Internationaler Agrarhandel

und Entwicklung,

Lebenswissenschaftliche

Fakultät,

Humboldt-Universität

zu Berlin


84 TIERGERECHTE STALLSYSTEME

Klasse statt Masse –

eine Frage der Haltung

Ein Besuch beim Schweinehalter Dr. Jens van Bebber auf dem

Hof Bodenkamp in Samern bei Schüttorf

KERNAUSSAGEN

▷ Das Offenstallkonzept sorgt für

mehr Tierwohl beim Schwein

▷ Eine geschlossene Wertschöpfungskette

schafft den erforderlichen

finanziellen Rahmen

▷ Das neuartige Haltungssystem

sorgt auch bei der Familie für

ein „Mehr“ an persönlicher

Zufriedenheit

Die „Dukes of Berkshire“ fühlen sich wohl. Den

Eindruck machen sie jedenfalls auf den Be -

sucher. Ihre „Wohnung“ – Wohn-/Schlafzimmer,

Esszimmer und Toilette – ist aufgeräumt und für

ihre Verhältnisse recht sauber. Der Blick geht

ins Freie. Die „Dukes of Berkshire“ sind Mastschweine,

eine Kreuzung aus Deutscher Landrasse

und Berkshire-Schwein, und sie wachsen

auf dem Hof Bodenkamp in Samern bei Schüttorf

in der Grafschaft Bentheim auf.

Vor drei Jahren haben Dr. Jens van Bebber und

seine Frau Dr. Katja Bodenkamp begonnen, die

konventionelle Schweinehaltung im Großformat

auf dem Familienhof der Bodenkamps umzugestalten.

„Wir wollten die Tiere so halten, wie es

ihren eigenen genetischen Anlagen und Verhaltensweisen

entspricht und ihren Stall entsprechend

gestalten. Das Tier steht im Mittelpunkt –

das ist unser zentrales Anliegen“, beschreibt van

Bebber das neuartige Haltungskonzept, das auch

einen Namen hat: Offenstallhaltung.

Die Grundidee hatten die beiden promovierten

Agrarwissenschaftler allerdings schon viel länger

mit sich herumgetragen. Sie stammt aus dem

Promotionsthema von Katja Bodenkamp an der

Universität Kiel vor gut 20 Jahren, wo sich die

beiden auch kennengelernt haben. Die Jung -

akademikerin beschäftigte sich mit der Schweinehaltung

in einem Kompoststall (auf Säge -

spänen). Wegen der hohen Kosten war deren

Fleisch aber nicht wirtschaftlich zu vermarkten.

Wiedergeboren wurde die Idee schließlich vor

etwa sechs Jahren als auf dem Familienhof in

Samern Renovierungsinvestitionen notwendig

wurden. „Da kam gerade Dynamik in den Markt

für alternativ erzeugtes Fleisch rein“, erinnert sich

van Bebber. Die Eheleute sahen die Chance,


TIERGERECHTE STALLSYSTEME 85

über die anstehenden Investitionen „unser eigenes

Wissen, unsere eigenen Erfahrungen und

unsere eigene Überzeugung zur Tierhaltung

umzusetzen“. In einem ersten Schritt begannen

sie, die stark vom Aussterben bedrohten „Bunten

Bentheimer“-Schweine zu züchten und

selbst zu vermarkten. „Dies war ein erster Versuch

und ein wichtiger Schritt weg vom konventionellen

Massenmarkt hin zur Erzeugung und

Vermarktung von hochwertigem Qualitätsfleisch“,

betont van Bebber.

Doch für das Großformat des Hofs Bodenkamp

mit damals 10 000 Mastplätzen war dies allein

keine Lösung. Außerdem ging die Idee der Eheleute

auch viel weiter. Ihr Ansatz: Nicht allein die

Schweinehaltung sollte tiergerechter sein, sondern

es sollte ins Alternativkonzept die gesamte

Wertschöpfungskette von der Rassewahl, über

die Ferkelproduktion, die Mast, die Schlachtung,

die Zerlegung, die Verarbeitung bis hin zur

Ladentheke mit einbezogen werden. Die Partner,

die man hierfür fand, nennt van Bebber heute

„einen Glücksfall“: den Freiland-Ferkelerzeuger

Johannes Erchinger in Leer, den Schlachthof Paul

Brand in Lohne, den Zerlegebetrieb Kasteel in

Mönchengladbach, als Vermarkter den mittelständischen

Handelshof in Köln, der Restaurants

beliefert und 16 Cash+Carry-Märkte im Nordwesten

betreibt und nicht zuletzt als Berater und

Züchter der „Berkshires“ den niederländischen

„Schweineflüsterer“ Dr. Kees Scheepens. „Wir

Auf dem Hof Bodenkamp

leben die „Dukes

of Berkshire“ so, wie

es ihren eigenen genetischen

Anlagen und

Verhaltensweisen entspricht.


86 TIERGERECHTE STALLSYSTEME

2015 haben Dr. Jens

van Bebber und seine

Frau Dr. Katja Bodenkamp

begonnen,

die konventionelle

Schweinehaltung im

Großformat auf dem

Familienhof der Bodenkamps

umzugestalten.

haben es geschafft, eine eigene Wertschöpfungskette

zu etablieren, weil alle das gleiche

Interesse haben: das Tierwohl wieder in die

Gesellschaft zurückzubringen“, so der 53-Jährige.

Zwei bestehende Schweineställe hat der Hof

Bodenkamp inzwischen zu offenen Ställen

umgebaut; aus jeweils 1800 Mastplätzen wurden

jeweils 1000. „Anfang 2016 haben die ersten

Offenstallhaltungs-Schweine unseren Hof ver -

lassen“, erinnert sich Katja Bodenkamp. Aus den

beiden geschlossenen Ställen mit Zwangsbe -

lüftung und Teilspaltenböden wurden luftige, mit

viel Holz gebaute Offenställe mit Außenklima.

Bei dieser alternativen Haltungsform haben die

Schweine pro Tier 1,6 Quadratmeter Platz statt

der gesetzlich vorgeschriebenen 0,75 Quadratmeter.

Die Buchten für jeweils maximal 16

Schweine sind in einen stroheingestreuten

Liege bereich, einen Futterbereich mit Boden -

fütterung und einen separaten Kotbereich auf -

geteilt. Der Besucher ist überrascht, wie exakt

die Schweine diese Aufteilung annehmen. Diese

Haltungsform mit tiergerechter Umwelt, wechselnden

Klimabedingungen, natürlichem Licht,

Stroheinstreu und Bodenfütterung beschäftigt

die Schweine auf arttypische Weise; die Außenreize

regen ihre Neugier immer wieder an. Die

Folge: Das allgemein übliche Schwanzbeißen

an den Artgenossen ist auf dem Hof Bodenkamp

kein Thema; das vorsorgliche Kupieren

(Abschneiden) der Schwänze damit auch nicht.

„Wir haben eine nahezu 100-prozentige Ringelschwanzquote,

wenn die Schweine unseren Hof

verlassen“, freut sich van Bebber.

Der Agrarwissenschaftler kann aber noch wei -

tere positive Effekte des Offenstallkonzepts nennen,

das technisch mit dem Stalleinrichter Big

Dutchman aus Calveslage bei Vechta umgesetzt

wurde: Durch die offenen Außenwände sind

weder Lüftung noch Filteranlage notwendig.

„Wir sparen erheblich Stromkosten ein und entlasten

so das Klima – Stichwort Kohlendioxyd“,

erläutert van Bebber. Auch sei die Entstehung

von Ammoniak mit der typischen Geruchs -

entwicklung durch den sehr begrenzten Kot -

bereich und eine teilweise Kot-Harn-Trennung

stark reduziert. Das fällt jedem Besucher beim

Gang durch die Ställe sofort positiv auf. Und

durch die Verringerung der Tierzahlen ist natürlich

auch der Gülleanfall geringer – noch ein Problem

weniger. Trotz des höheren Aufwands liegt das

Betriebsergebnis dennoch über dem der konventionellen

Mast, „weil wir durch die geschlossene

Vermarktungskette eine hohe Wertschöpfung

pro Tier erzielen“, berichtet van Bebber.

Die Umstellung der Haltungsform auf einen

offenen, aber weiter großen Stall war sicher

ein gewisses Wagnis, auf jeden Fall aber eine

Herausforderung. Jedoch betont van Bebber:

„Dafür braucht man kein Hexenwissen; aber

man muss es wollen und die Strukturen für eine

höhere Wertschöpfung kennen und finden. Uns

war wichtig, unser eigenes Produkt zu schaffen

mit eigenem Namen und eigenem Preis, einem

Produkt, dem die Menschen vertrauen, das für

sie ein Gesicht und einen Wert hat. Das haben

wir gemacht, das haben wir geschafft: und da -

rauf sind wir stolz.“ Zu dem „Mehr“ an Tierwohl

für die – augenscheinlich – ausgeglicheneren

Schweine auf dem Hof ist so ein hohes Maß an

„Mehr“ persönlicher Zufriedenheit für Katja

Bodenkamp und Jens van Bebber gekommen.

Und für den Verbraucher haben sie ein offenes

System geschaffen, das durch ein „Mehr“ an

Transparenz eine hohe Zustimmung findet.


UNTERNEHMENSPORTRÄT 87

PHW-Gruppe – engagierte Ziele bei alternativen

Tierhaltungskonzepten

Mit der Gründung eines Landhandels für Getreide und

Futtermittel und einer Brüterei in Rechterfeld fiel vor

mehr als 85 Jahren der Startschuss für die heutige

PHW-Gruppe. Inzwischen gehören dieser über 35 Tochterfirmen

mit rund 7000 Beschäftigten an – davon 2700

in Niedersachsen. Das Kerngeschäftsfeld liegt auf dem

Gebiet der Herstellung und Vermarktung hochwertiger

Geflügelspezialitäten für die Marke Wiesenhof. Gemäß

dem Prinzip „Alles aus einer Hand“ befinden sich alle

Stufen der Erzeugung komplett in Deutschland und

überwiegend im eigenen Unternehmen. Dabei werden

die Tiere bei einem der annähernd 1000 Partner-Land -

wirte auf deren regionalen Höfen aufgezogen.

Als Vorreiter der Branche hat sich PHW besonders

ambitionierte Ziele im Hinblick auf die Verbesserung der

Geflügelhaltung gesetzt: Angefangen hat alles vor gut

20 Jahren mit der Einführung von Bio-Geflügel und dem

Weidehähnchen aus Auslaufhaltung. Beide Produkte

markieren den Startschuss, Geflügel aus alternativen

Haltungskonzepten anzubieten und damit dem Ver -

braucher die Möglichkeit zu geben, sich bewusst für ein

bestimmtes Tierhaltungskonzept zu entscheiden. Um

dem steigenden Anspruch der Verbraucher an Tierschutzund

Tierwohlthemen nachzukommen, wurde 2011 das

Konzept Privathof eingeführt, das sich zwischen konventionell

und biologisch erzeugtem Geflügelfleisch bewegt.

Das Label des Deutschen Tierschutzbundes (Einstiegsstufe)

gibt dem Verbraucher Sicherheit und schafft

zusätzliches Vertrauen.

Privathof ist glaubwürdig – das Mehr an Tierschutz ist

wissenschaftlich belegt. Neben den Verbrauchern und

dem Handel sind auch die Landwirte von dem Konzept

überzeugt: Allein 2018 ist die Anzahl der Betriebe von

27 auf 37 gewachsen – weitere sind in Planung. Pro

Woche werden rund 160 000 Tiere geschlachtet, und

diese Menge will PHW künftig noch weiter steigern.

Privathof ist ein Zukunftsmodell, allerdings nicht das

einzige Tierwohlkonzept. Ergänzt wird dieses durch die

Initiative Tierwohl, Beter Leven, Guilde-Huhn, Kip van

Morgen und Donautaler Premium Geflügel (Schweizer

Tierschutzstandard). Ende 2018 wird die PHW-Gruppe

die deutsche Produktionsmenge sämtlicher Tierwohl -

produkte auf über 60 Prozent erhöht haben. Als nächs -

tes Etappenziel wird die Marke von mindestens 70

Prozent zu Ende 2019 anvisiert.

PHW-Gruppe Lohmann & Co. AG / Wiesenhof, Visbek

Paul-Wesjohann-Straße 45 · 49429 Visbek

Tel. 04445 891-0 · www.phw-gruppe.de · www.wiesenhof.de


88 UNTERNEHMENSPORTRÄT

Pundsack ist seit mehr als 30 Jahren ein starker und kompe -

tenter Partner für Stalleinrichtungen in der Geflügelhaltung.

Zum Leistungsspektrum gehören Fütterungsanlagen, Tränken -

systeme sowie Lüftungen, Klimaanlagen und Heizungen.

Bernard Pundsack GmbH

Bereits seit 1986 ist die Pundsack Stalleinrichtung

GmbH ein Begriff für Beratung, Qualität und Service

in der Intensivtierhaltung mit dem Schwerpunkt in der

Geflügelproduktion.

Alle Anlagen sind von höchster Qualität und werden

optimal aus ge wählt, vorbereitet und montiert. Das führt

zu geringen Störungen, Wartungs- und Reparaturkosten

und schafft beste Bedingungen für Tierbestand und

Wertschöpfung des Kunden.

Hygiene im Tierbereich und vor allem in Fütterungs -

einrichtungen und Tränkensystemen sind absolute

Vorausset zungen für gute Tiergesundheit und einen

profi tablen Verlauf in der Geflügelaufzucht und -mast.

Gemeinsam mit seinem Lieferanten und Partner

„Chore-Time“ bietet Pundsack exzellente Einrichtungen

und Anlagen mit höchsten Hygienestandards für die

optimale und lang lebige Futterversorgung der Tier -

bestände. Die leichte und unkomplizierte Reinigung

der Anlagen zwischen den Durchgängen ist marktführend

und mit ausschlaggebend für einen guten Start des

neuen Durchgangs.

Die Wasserhygiene beginnt im Vorraum. Was dort nicht

op timal beginnt, wird im Tierbereich durch höhere

Tempera turen und vor allem durch stehendes Wasser in

den Tränkensys temen sehr schnell den Aufzucht und

Masterfolg minimieren und einen Medikamenteneinsatz

erforderlich machen.

Pundsack stellt sich dieser Aufgabe seit vielen Jahren

und begegnet ihr sehr erfolgreich mit ausgeklügelten

Dosiersys temen und innovativen Spüleinrichtungen für

optimale Tiergesundheit und somit auch für die Redu -

zierung von Antibiotikaeinsätzen. Das spart erhebliche

Kosten und versetzt seine Kunden in die Lage, gesundes

Fleisch für den Markt und somit für den Verbraucher zu

produzieren.

Bernard Pundsack GmbH

Amerikastraße 4 a · 49681 Garrel

Tel. 04474 8602 · www.pundsack-garrel.de


UNTERNEHMENSPORTRÄT 89

Poröse, saugende Betonbodenfläche

isydur agrofloor (flüssigkeitsdicht,

chemikalienbeständig, hoch belastbar)

Wessendorf Systembeschichtungen GmbH

Der Wessendorf Systembeschichtungen GmbH aus

dem niedersächsischen Emstek gelingt seit vier Generationen

der schwierige Spagat zwischen Handwerk und

Hightech. Aus einem Maler- und Lackierbetrieb heraus

hat sich das Unternehmen in den Geschäfts feldern

Fassade, Boden und Oberflächentechnik zu einem

lösungsorientierten Spezialisten entwickelt und ist in

diesem Jahr als „TOP 100 Unternehmen“ ausgezeichnet

worden.

Für die „Wessendorf’s“ sind Innovationen keine Pres -

tigeangelegenheit. Vielmehr geht es darum, gemäß

dem Leitsatz „Sicher drauf, sicher dran“, sämtliche Produkte

und Prozesse kontinuierlich zu verbessern, um

handwerkliche Herausforderungen jederzeit und sicher

zu meistern. Das Herzstück der innovativen Bestre -

bungen sind dabei die drei systemischen Produktlinien

isoline, isyline und topline. Sie basieren auf einem einzigartigen

modularen Baukastenprinzip, das individuelle

Fassaden-, Bodenaufbauten und Oberflächenbeschichtungen

ganzheitlich im System ermöglicht – als komplettes

Produkt und fertige Leistung aus einer Hand.

Innovative Produktlösung für Stallböden

Nach jahrelanger Entwicklung hat das Unternehmen

Wessendorf mit isydur agrofloor ein neues Produkt

lanciert, das speziell auf die Problemsituation von Stallböden

in der Geflügelhaltung ausgerichtet ist.

Die hier vorherrschenden Betonböden werden durch den

permanenten Kontakt mit Hühnerkot besonders stark

belastet. Zunehmende Porosität und Verlust an Festigkeit

sind die Folge. Dadurch und durch die hohe Saugfähigkeit

des Unterbodens vergrößert sich die Angriffs fläche

für Keime, die wiederum nur durch erhöhten Einsatz

aggressiver Reiniger und mehr Wasserverbrauch be -

kämpft werden können. Auch der Energieverbrauch zur

Bodentrocknung steigt.

Mit isydur agrofloor wird der Betonboden dauerhaft

geschützt und versiegelt. Die Beschichtung erhöht die

Festigkeit, bietet Keimen keine Angriffs fläche und ist

beständig gegen chemische Reinigungsmittel. Keim -

belastung, Reinigungsaufwand, Wasser- und Energie -

verbrauch werden dauerhaft gesenkt. In Zeiten von

Ressourcenknappheit ist isydur agrofloor eine nachhal -

tige Lösung, die zudem zur Verbesserung des Stallklimas

und somit dem Tierwohl beitragen kann.

Wessendorf Systembeschichtungen GmbH

Wilhelm-Bunsen-Straße 5 · 49685 Emstek

Tel. 04473 9495-0 · www.wessendorf.info


90 UNTERNEHMENSPORTRÄT

Alfons Diekmann Elektroanlagen GmbH

„Wir kriegen das hin.“ Das hat Alfons Diekmann schon

im Jahr 1985 zu seinen Kunden gesagt und Wort gehalten.

Ansonsten wäre aus der Ein-Mann-Firma kaum ein

mittelständisches Unternehmen für Elektrotechnik mit

über 100 Mitarbeitern in Damme geworden.

In diesen rund 30 Jahren hat sich viel getan: Lampen

werden heute mit LED bestückt, Sensoren steuern

Klima und Heizung in Gebäude. Das Smarthome erleichtert

den Menschen das Leben. In all diesen Bereichen

haben wir uns dem Fortschritt gestellt und sind ihn mit -

gegangen.

Trotz allem hat sich unsere Philosophie nicht geändert:

Wir suchen nicht das schnelle Geschäft, sondern pro -

fitieren von langfristigen Beziehungen zu unseren Kunden,

darunter eine Vielzahl landwirtschaftlicher Betriebe,

deren Anforderungen der Firmengründer Alfons Diekmann

bestens kennt, war er doch einige Jahre selbst

Produktionsleiter im Lege hennensektor.

Und die Kunden sind uns treu, weil auch wir uns treu

bleiben. Sie schätzen unsere Elektroinstallationslösungen,

weil wir jedes Projekt vom Ende her denken. Die

eingesetzte Technik ist kein Selbstzweck, sondern dient

den Menschen – unseren Kunden.

Für die gute Qualität stehen unsere Mitarbeiter, die

wir ständig weiterbilden, weil wir auf clevere Köpfe

angewiesen sind. Denn wir brauchen Menschen, durch

deren Adern Strom fließt. Zurzeit werden 24 Fachkräfte

in diversen Bereichen bei uns ausgebildet.

Heute reicht unser Dienstleistungsspektrum über verschiedene

Disziplinen wie zum Beispiel die energie -

effiziente Automatisierung und Steuerung im Agrar -

segment als auch in der Industrie sowie intelligente

Gebäudevernetzungen im Privatkundensegment, Stichwort

„Smarthome“, Brandmelde- und Einbruchmeldetechnik,

Videoüberwachung und vieles mehr.

Auch der jüngste Anbau einer großen Lagerhalle und

neuer Büroräume zeigt, dass wir uns nicht auf dem

Erreichten ausruhen. Nun haben wir noch mehr Platz

und sind noch effizienter in unserer Arbeit, um stets

schneller auf die Wünsche unserer Kunden zu reagieren.

Schließlich möchten wir weiterhin in vielen Jahren versprechen:

„Wir kriegen das hin.“

Alfons Diekmann Elektroanlagen GmbH

Holdorfer Straße 12 · 49401 Damme

Tel. 05491 9707-0 · www.diekmann.tv


UNTERNEHMENSPORTRÄT 91

Ludwig Bergmann GmbH • Maschinenfabrik

Die Ludwig Bergmann GmbH, ein erfolgreiches, mittelständisches

Familienunternehmen in der dritten Gene -

ration, ist seit über 120 Jahren im Bereich des landwirtschaftlichen

Maschinen- und Fahrzeugbaus tätig.

Die Produktpalette umfasst Maschinen für Streu- und

Grünlandtechnik sowie effiziente Transporttechnik.

Entwicklung und Produktion erfolgen ausschließlich am

Firmenstandort in Goldenstedt. Mit zukunftsweisenden

Produktentwicklungen und Weiterentwicklungen hat

BERGMANN sich die technologische Marktführer- und

Vorreiterposition erarbeitet und zählt zu den maßgeblichen

Herstellern innovativer Systemtechnik.

Für das Unternehmen ist das Thema Nachhaltigkeit nicht

nur fest in der Unternehmenskultur, sondern auch in der

Ausrichtung der Produkte verankert. Weiterentwicklungen

und Innovationen sind gezielt auf eine nachhaltige

Landwirtschaft und Ressourceneffizienz ausgerichtet.

Mit unterschiedlichen Ausrüstungsvarianten der Pro -

dukte wird BERGMANN Forderungen nach Umweltschutz

und bedarfsgerechter Anwendung gerecht.

Dazu zählen u. a. die Ausrüstung der Maschinen mit

bodenschonender Bereifung, dem Einsatz einer Reifendruckregelanlage

oder der Hundeganglenkung zur Unterstützung

des pfleglichen Umgangs mit landwirtschaftlichen

Flächen. So gewährleistet beispielsweise die

Grenz streueinrichtung als Ausrüstung der Universal -

streuer ein präzises, exaktes und normengerechtes

Streuen. Die hohe Qualität der verschiedenen Streu -

werke hat BERGMANN in einer neutralen Prüfung

durch die DLG testen und beschei nigen lassen.

Ein breites Feld in der Produktentwicklung nimmt das

Thema Digitalisierung unter dem Stichwort „Landwirtschaft

4.0“ ein. Dies beinhaltet u. a. Features zur Optimierung

der Maschinenleistung, durch Digitalisierung

unterstützte, effektivere landwirtschaftliche Methoden

sowie den datengestützten, gezielten Einsatz von

Düngemitteln. BERGMANN arbeitet hier eng mit

Uni versitäten, Fachhochschulen und spezialisierten

Ver einigungen zusammen und legt unter dem Aspekt

der Nachvollziehbarkeit größten Wert auf Systeme mit

Zertifizierung, um gewährleisten zu können, dass klar

definierte Normen eingehalten werden.

BERGMANN – Qualität „Made in Goldenstedt“

Ludwig Bergmann GmbH • Maschinenfabrik

Hauptstraße 64–66 · 49424 Goldenstedt

Tel. 04444 2008-0 · www.bergmann-goldenstedt.de


92 UNTERNEHMENSPORTRÄT

Enge Kooperation mit der Wirtschaft

als Erfolgsgarantie

Seit fast 30 Jahren ist die Private Hochschule für Wirtschaft

und Technik Vechta/Diepholz (PHWT) ein Garant

für eine praxisnahe, wissenschaftliche Ausbildung.

Aktuell erwerben 600 junge Menschen im dualen Studium

einen betriebswirtschaftlichen oder technischen

Bachelor- oder Masterabschluss. Dual heißt, dass zeitgleich

eine Berufsausbildung bei einem Unternehmen

absolviert bzw. Praxiserfahrung gesammelt wird.

Die PHWT wurde von Unternehmen der Region gegründet,

die enge Verzahnung von Theorie und Praxis sowie

die enge Kooperation mit den Unternehmen ist somit

seit der Gründung das Erfolgskonzept. Ein Beispiel

ist der Schwerpunkt Agri-Food, der im Rahmen des

Bachelorstudiengangs Betriebswirtschaftslehre belegt

werden kann und aufgrund der regionalen Bedarfe in

Zusammenarbeit mit Mitgliedsunternehmen konzipiert

wurde. Hier lernen Studierende zusätzlich zu den

Fächern der Betriebswirtschaft die Strukturen der

Veredelungs- und Ernährungswirtschaft kennen, be -

schäftigen sich mit aktuellen Fragen zu produktions -

technischen Abläufen, zu Qualitätsmanagement und

-sicherung sowie mit den Besonderheiten des Marketings

im Agrar- und Lebensmittelbereich.

Am Standort Vechta können die Bachelorstudiengänge

Betriebswirtschaftslehre und Betriebswirtschaftslehre

& IT sowie der Master Management in mittelstän -

dischen Unternehmen absolviert werden. Am Standort

Diepholz werden die vier Bachelorstudiengänge Mechatronik,

Elektrotechnik, Maschinenbau (auch mit Schwerpunkt

Kunststofftechnik) und Wirtschaftsingenieurwesen

sowie der Masterstudiengang Systems Engineering

angeboten. Alle Studiengänge sind akkreditiert und

staatlich anerkannt. Zurzeit sind etwa 180 Unternehmen

im PHWT e. V. organisiert. Einige, um allgemein die

Ausbildung in der Region zu fördern, die meisten nutzen

allerdings das duale Studienkonzept und seine Vorteile:

In kürzester Zeit können die Unternehmen leistungs -

starkes, junges Personal gewinnen. Bei Studienabschluss

sind die Absolventen bereits mit dem Unternehmen

vertraut, den Führungskräften bekannt und können

ihren Qualifikationen entsprechend eingesetzt werden.

Private Hochschule für Wirtschaft und Technik Vechta/Diepholz (PHWT)

Rombergstraße 40 · 49377 Vechta

Tel. 04441 915-100 · www.phwt.de


UNTERNEHMENSPORTRÄT 93

Transparente Landwirtschaft

Wussten Sie schon?

Auf drei Höfen im Landkreis Cloppenburg gibt es die

Möglichkeit, unsere Landwirte durch die Schweineund

Rinderställe zu begleiten und moderne Tierhaltung

zu erleben.

Die Initiative „Transparente Landwirtschaft“ der Goldschmaus

Gruppe ermöglicht der Gesellschaft einen

umfangreichen Einblick in die heutige Landwirtschaft.

Wir möchten diese Möglichkeit schaffen, weil nur noch

wenige Bürger im direkten Kontakt zu den Menschen

stehen, die für unsere Nahrung sorgen. Bei uns kann

man fragen, aber vor allem sehen, fühlen, hören und

riechen, sprich Landwirtschaft mit eigenen Sinnen

erfahren.

Damit wir jeden Interessierten möglichst nah an die

Tierhaltung heranbringen können, sind Besucherzentren

für Gruppen aller Art eingerichtet. Diese bieten

Platz für jeweils 15 Personen und sind mit einem

Besprechungsraum und einer Hygieneschleuse aus -

gestattet.

Während des Rundganges auf den Höfen wird an Infopunkten

Halt gemacht, um verschiedene Stallbereiche

und Tierfakten näher zu erklären. Jede Führung wird mit

einer hofeigenen Kamera begleitet. Die Aufnahmen von

den Ställen und den Tieren werden im Anschluss zur

Verfügung gestellt, um die Eindrücke mit nach Hause

zu nehmen und weiteren Interessierten davon berichten

zu können.

Die Höfe betreiben, wie viele landwirtschaftliche Be -

triebe in dieser Region, Landwirtschaft mit Ackerbau

und Tierzucht. Die Familien sind seit Jahren mit der

Goldschmaus Gruppe verbunden und haben an der

Entstehung der Initiative intensiv mitgewirkt.

Unser Programm im Überblick:

– Begrüßung auf dem Hof mit kleiner Brotzeit

– Informationen über die Goldschmaus Gruppe und

den landwirtschaftlichen Betrieb

– Besichtigung der Ställe

– Abschlussgespräch

Auf unserer Website unter Aktuelles können Sie nach -

lesen, wie viele und welche Gruppen schon an unseren

Hof führungen teilgenommen haben:

www.transparente-landwirtschaft.de

Goldschmaus Gruppe

Industriestraße 10–12 · 49681 Garrel

Tel. 04474 895-100 · www.goldschmaus.de


94 UNTERNEHMENSPORTRÄT

Komplettlösungen für die Tierhaltung

SCHULZ Systemtechnik entwickelt intelligente Stall -

technik für die Schweine- und Geflügelhaltung, damit

der Landwirt Energiekosten spart, das Tierwohl steigert

und die Zuwachsraten erhöht.

Individuelle Stallkonzepte

Ein Farmprojekt muss von Anfang an gut geplant

werden. Denn je nach Tierart und Standort gibt es

ganz unterschiedliche Anforderungen. Dafür bietet

SCHULZ maßgeschneiderte Konzepte. Kunden erhalten

ein Gesamtpaket, das bestmögliches Tierwohl und

höchste Wirtschaftlichkeit vereint.

Abluftreinigung

Für die Stallgenehmigung ist der Immissionsschutz eine

wichtige Voraussetzung. Seit mehr als 15 Jahren ent -

wickelt der Stallausrüster Systeme zur Abluftreinigung

und gehört zu den Vorreitern dieser Technologie.

Zum Produktportfolio gehört zum Beispiel die für die

Geflügelschwermast entwickelte und von der Deutschen

Landwirtschafts-Gesellschaft zertifizierte Abluft -

reinigungsanlage EMMI. Sie reduziert über 90 Prozent

der Staub- und Ammoniak-Emissionen. DLG-zertifizierte

Systeme bietet SCHULZ auch für die Schweinehaltung

und weitere Branchen wie die Lebensmittelindustrie,

Schlacht- und Verarbeitungsbetriebe sowie Gärrest -

trocknungs- und Biogasanlagen.

Intelligentes Farmmanagement

Automatisierung, Digitalisierung und Vernetzung spielen

heute in allen Branchen eine herausragende Rolle. Das

gilt in besonderem Maße auch für die Agrarwirtschaft

mit allen vor- und nachgelagerten Bereichen. Wenn alle

in der Kette befindlichen Unternehmen vollautomatisch

miteinander kommunizieren und aufeinander abgestimmt

agieren, lassen sich sehr viele Prozesse verbessern.

Hersteller und Verarbeiter profitieren insbesondere

von einer besseren Planbarkeit und schnelleren Reaktionsmöglichkeit,

was zu deutlichen Kostensenkungen

führt. Davon profitieren dann auch Landwirte beim

Einkauf. Mit intelligenter Prozessleittechnik bietet

SCHULZ Systemtechnik entsprechende Lösungen,

um die verschiedenen Akteure der Wertschöpfungskette

mitein ander zu verbinden.

SCHULZ Systemtechnik GmbH

Schneiderkruger Straße 12 · 49429 Visbek

Tel. 04445 897-0 · www.schulz.st


UNTERNEHMENSPORTRÄT 95

Moorgut Kartzfehn von Kameke GmbH & Co. KG

Seit 60 Jahren steht der Name Moorgut Kartzfehn für

beste Qualität, innovative Forschung und umfassenden

Service in den Bereichen Putenhaltung und -vermehrung.

Auf eigenen Farmen werden jährlich 330 000

Elterntiere gehalten, die rund 34 Millionen Bruteier

erzeugen. In den Kartzfehner Brütereien schlüpfen jährlich

etwa 23 Millionen Puteneintagsküken aus eigener

Bruteierzeugung. Ein Großteil davon liefert das Unternehmen

an deutsche Putenhalter, exportiert wird

aber auch zum Beispiel nach Polen, Tschechien, die

Ukraine, Ägypten und Russland. Neben Küken werden

auch Putenbruteier verkauft, u. a. nach Österreich und

Russland. Insgesamt liegt der Exportanteil bei über

50 Prozent.

Die Firmengruppe erzielt einen Jahresumsatz von

60 Mio. Euro mit 480 Mitarbeitern und ist einer der

größten Putenvermehrungsbetriebe in Europa.

Mit der Marke „Kartzfehn Premium“ verbindet das

Unternehmen besonders hochwertige Putenküken mit

einem lückenlosen Serviceangebot. Elterntierhaltung,

Brut und Gesundheitsüberwachung reichen über

herkömmliche Qualitätsstandards weit hinaus. Der

Komplettservice umfasst Management, Fütterung, be -

triebswirtschaftliche Auswertungen sowie Stallbau und

-einrichtung. Außerdem werden regelmäßig Seminare

und Fachreisen für die Kartzfehner Kunden organisiert.

Forschung in Kartzfehn

Die Forschung ist eine der Säulen des Qualitätskon -

zeptes in Kartzfehn. Seit 1971 werden in eigenen Testställen

zukunftsweisende Innovationen in den Bereichen

Stallbau, Stalltechnik, Fütterung und Management ent -

wickelt. In drei Stallgebäuden werden sämtliche am

Markt verfügbaren Zuchtlinien geprüft. Die ständige

Weiterentwicklung von Futterrezepturen und Management-Know-how

für die jeweiligen Herkünfte bilden

die Grundlage für die deutschland- und europaweit anerkannten

Empfehlungen aus Kartzfehn.

Die Verbesserungen der Haltungsbedingungen durch

stalltechnische Optimierung – zum Beispiel durch die

Verwendung neuer Lüftungstechniken sowie Fütterungsund

Tränkanlagen – ist ein weiteres zentrales Element

der Kartzfehner Forschung. Insbesondere das Thema

Tierwohl steht hierbei seit Jahren im Fokus.

Moorgut Kartzfehn von Kameke GmbH & Co. KG

Kartz-v.-Kameke-Allee 7 · 26219 Bösel

Tel. 04494 88-188 · www.kartzfehn.de

®


96 UNTERNEHMENSPORTRÄT

Praxis Am Bergweg GmbH

Die Fachtierarztpraxis wurde 1963 auf dem Grevingsberg

in Lohne von Dr. Hans-Walter Schulze gegründet.

Nach starkem Wachstum und einer Umwandlung in eine

Tierärztliche Gemeinschaftspraxis wurden im Jahr 1993

neue Räumlichkeiten am heutigen Standort bezogen.

In einem funktionellen Gebäudekomplex befinden sich

neben einer Apotheke auch moderne Besprechungsund

Büroräume sowie ein großzügiger Sektionstrakt.

Seit Beginn des neuen Jahrtausends wird unter dem

Namen Praxis Am Bergweg GmbH firmiert. Für Kun -

denveranstaltungen und Schulungsseminare ist die

Praxis 2013 um einen vollklimatisierten Vortragsraum

baulich erweitert worden. Die heutigen Gesellschafter

der Praxis Am Bergweg sind Dr. Erwin Sieverding,

Dr. Dieter Schulze, Dr. Martina Wolf-Reuter,

Dr. Johannes Braun und Dr. Heinrich Burdiek.

Seit mehr als fünf Jahrzehnten ist der Bergweg ein

zuverlässiger Partner für die Nutztierhaltung. Mit elf

auf die Betreuung und Beratung von Geflügel- und

Schweinebeständen spezialisierten Tierärzten versorgen

wir unsere Kundschaft rund um die Uhr. Dies wird über

einen stets gut gepflegten Fuhrpark und einen eigenständigen

Notdienst gewährleistet. Das Kerngebiet

unserer Praxis ist das Oldenburger Münsterland und

seine angrenzenden Kreise. Aber auch über diese

Grenzen hinaus werden Tierbestände betreut.

Die Praxis ist spezialisiert auf die veterinärmedizinische

Bestandsbetreuung von Geflügel- (Legehennen, Broiler,

Puten, Enten und Gänse) und Schweinebeständen.

Die Betreuung ist dabei nicht nur auf die Behandlung

von Krankheiten ausgerichtet, die Ärzte der Praxis

Am Bergweg beraten und unterstützen die Halter

auch bei allen Fragen rund um Management, Hygiene,

Fütterung und Klima. Für die Tierhalter bedeutet dies

einen Rund umservice für die Gesundheit ihrer Tiere

vom ersten Tag an.

In der im Sektionstrakt angeschlossenen post.mortem

DIAGNOSTIK werden pathologisch-anatomische Untersuchungen

(Sektionen) von erkrankten oder verendeten

Tieren durchgeführt. Auch die parasitologischen Untersuchungen

und die Organentnahmen für eine weiter -

führende Diagnostik erfolgen dort. Eine Tierärztin und

ein im Sezieren sehr erfahrener Mitarbeiter sichern so

die Gesundheit in den Tierbeständen zusätzlich ab.

Sowohl in der Veterinärmedizin als auch in der Landwirtschaft

und im Lebensmittelrecht hat sich in den letzten


UNTERNEHMENSPORTRÄT 97

Jahren eine große Dynamik gegeben. Veränderte Genetiken,

neue Haltungssysteme und Änderungen im Arzneimittelrecht

erfordern ständige Weiterbildung und

Wissenstransfer. Unsere Tierärzte, viele davon mit

erfolgreicher Weiterbildung zum Fachtierarzt, sind Mitglieder

verschiedenster tierärztlicher und wissenschaftlicher

Vereinigungen und tauschen sich regelmäßig mit

Kollegen aus. Damit stellen wir sicher, dass wir immer

auf dem neuesten medizinischen Stand bleiben. Kommunikation

untereinander wird in unserem Ärzteteam

großgeschrieben. Wir geben unser Wissen auch gerne

weiter, sei es bei Schulungen unserer Kunden oder

als Autoren von Fachbüchern und Artikeln für Fachzeitschriften.

Seit Bestehen der Praxis haben übrigens

mehr als 20 Tierärzte bei uns den Fachtierarzttitel für

Geflügel oder Schweine erworben.

Schon weit vor Einsetzen der öffentlichen Diskussionen

über den Arzneimitteleinsatz in der Nutztierhaltung ist

der Bergweg von einer Reparatur- zu einer Wartungs -

medizin gewechselt. Nach der Einstallung der Tiere wird

der Gesundheitszustand tierärztlich begutachtet und

besprochen, welche Impfungen und diätetischen

Ergänzungen notwendig oder sinnvoll sind. Besteht

Veran lassung für eine eingehendere Untersuchung,

werden Tiere und/oder Blutproben entnommen und zur

weitergehenden Diagnostik verbracht. Alle mikrobio -

logischen Untersuchungen werden in akkreditierten

Laboren durchgeführt. Mit den Ergebnissen (Resistenztest)

kann die Behandlung zielgerichteter erfolgen.

Haben Sie Fragen bezüglich

– Impfung und Impfstoffe

– Erkrankung und Genetik

– Ernährung und Fütterung

– Lüftung und Klimagestaltung

– Haltung und Tierwohl

– Hygiene und Biosicherheit?

Dann sind wir für Sie der richtige Ansprechpartner!

Praxis Am Bergweg GmbH

Bergweg 20 · 49393 Lohne

Tel. 04442 9220-0 · www.bergweg.net


98 NACHHALTIG: INNOVATIVES MIKROALGEN-KONZEPT

4. PRESSEKONFERENZ, 15.06.2018

Mikroalgen – lichtsammelnde Alleskönner

für eine nachhaltige Phytopharmaka-

Produktion

KERNAUSSAGEN

▷ Mikroalgen sind der Rohstoff

der Zukunft

▷ Wirkstoffe in Mikroalgen stärken

das Immunsystem, womit der

Einsatz von Antibiotika in der

Nutztierhaltung reduziert werden

kann

▷ Die Produktion und Anwendung

von Mikroalgen ist nachhaltig

„Mikroalgen sind der Rohstoff der Zukunft.“ Da

ist sich Professor Dr. Ilka Maria Axmann, Leiterin

des Instituts für Synthetische Mikrobiologie an

der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf sicher.

In die Ernährung des Menschen haben sie schon

Eingang gefunden und werden als Superfood

vermarktet. Ziel der Forschung von Professor

Axmann und ihrem Team ist allerdings der Einsatz

von Mikroalgen als Futtermittelzusatz in der

Nutztierernährung.

Mikroalgen seien kleine Alleskönner. Axmann

beschreibt die universellen Fähigkeiten und Vorteile.

Mikroalgen brauchen für ihr Wachstum nur

Sonnenlicht, Luft und Wasser. Daraus produ -

zieren sie Sauerstoff und organische Stoffe wie

Zucker. Sie binden Kohlendioxid, sind sehr

eiweißhaltig (rund 65 Prozent) verfügen über ein

breites Spektrum an Vitaminen (etwa B12) und

enthalten viele Spurenelemente (hoher Eisengehalt).

Aus diesem Grund finden die kleinen Einzeller

schon heute Verwendung als natürliche

Farbstoffe, in Produkten, die auf Omega-3-Fettsäuren

setzen und als Enzyme, die beispielsweise

aktiv vor Sonne schützen.

In Mikroalgen wurden aber auch Wirkstoffe

gefunden, die bereits aus Heilpflanzen bekannt

sind – und das will man sich nun für die Tierernährung

zunutze machen. Diese sogenannten

sekundären Inhaltsstoffe stärken das Immun -

system der Tiere und können so vor Pilzen, Bakterien

und Viren schützen. In der Nutztierhaltung

ließe sich damit der pharmazeutische Antibio -

tikaeinsatz verringern. Und diese bioaktiven

Naturstoffe haben auch die Eigenschaft, dass

sich keine Resistenzen wie beim Einsatz herkömmlicher

antimikrobiell wirksamer Medikamente

bilden können.


NACHHALTIG: INNOVATIVES MIKROALGEN-KONZEPT 99

„Wir wissen, dass die Substanzen in Mikroalgen

da sind – wir müssen nur die richtige Substanz

mit der richtigen Anwendung zusammenbringen“,

beschreibt der Gartenbauer und Diplom-

Ingenieur Rudolf Cordes aus Langförden (Landkreis

Vechta) seine Arbeit (siehe nächsten Text).

Allerdings gibt es allein rund 400 000 nord -

deutsche Mikroalgen; erst 40 000 sind erkannt

und nur zwei bisher für die Nahrungsmittel -

produktion zugelassen. „Wir sind auf der Suche

nach wei teren Algen, die Stoffe produzieren, die

den Antibiotikaeinsatz reduzieren“, so Cordes.

Professor Axmann nennt noch weitere Vorteile

des Einsatzes von Mikroalgen: Für die Produktion

sind keine Agrarflächen und kein Trinkwasser notwendig;

die Algen begnügen sich mit Meer- und

Brauchwasser. Ein Hektar Algen produziert mehr

als 27-mal mehr Eiweiß als ein Hektar Soja. Und

Mikroalgen binden Kohlendioxid. „Mikroalgen

sind um ein Vielfaches genügsamer im Hinblick

auf immer knapper werdende Ressourcen wie

Agrarflächen, Düngemittel oder Trinkwasser und

damit prädestiniert für die Produktion von wertvollen

Natur- und Heilstoffen“, fasst die Bio -

wissenschaftlerin zusammen. Damit seien

Mikro algen nicht nur ein wertvoller Rohstoff,

sondern auch nachhaltig.

Professor Dr. Ilka Maria

Axmann, Leiterin

des Instituts für

Synthetische Mikro -

biologie an der

Heinrich-Heine-

Universität Düsseldorf


100 NACHHALTIG: INNOVATIVES MIKROALGEN-KONZEPT

Konzept: Perlen vor die Säue

Ein Besuch auf der Algenfarm von Dipl.-Ing. Rudolf Cordes, Inhaber und Geschäftsführer

der NOVAgreen GmbH und der S 2 B GmbH in Vechta

KERNAUSSAGEN

▷ Mikroalgen enthalten viele Nährund

Heilstoffe

▷ Gesucht wird eine Mikroalge,

die Substanzen mit antibiotischer

Wirkung enthält

▷ Mit Unterstützung der Universität

Düsseldorf soll so der Einsatz von

Antibiotika in der Nutztierhaltung

verringert werden

„Sie heißen Chlorella und Spirulina, sind grün

und nur zwei bis zehn µ groß, also 0,002 bis 0,01

Millimeter, und „sie können im Prinzip fast alles“.

Davon ist jedenfalls Rudolf Cordes überzeugt,

Inhaber und Geschäftsführer mehrerer Firmen

aus dem Raum Vechta, die sich bereits seit

vielen Jahren mit dem Potenzial und der Produktion

von Algen beschäftigen, genaugenommen

Mikroalgen. Bisher zielte Cordes Produktion auf

den Lebensmittelbereich – und da ist er auch

schon erfolgreich unterwegs. Jetzt möchte er

bestimmte Substanzen in den Algen für die

Tierernährung nutzen: Substanzen mit antibio -

tischer Wirkung, die den Einsatz herkömmlicher

Antibiotika in der Nutztierhaltung teilweise er -

setzen sollen und „die einmalige Eigenschaft

haben, dass sich keine Resistenzen bilden

können“, sagt Cordes – Resistenzen, die die

Human- und Veterinärmedizin zunehmend vor

Probleme stellen.

Produziert werden die Mikroalgen in einem

Photobioreaktor, der von Cordes Entwicklungs -

firma NOVAgreen entworfen wurde. Und der

funktioniert im Prinzip so: Im Labor werden unter

sterilen Bedingungen in einer Petrischale die

Mikroalgen, kleinste Einzeller, in geringen Mengen

vermehrt. Die Einzeller teilen sich bis zu

achtmal am Tag und wachsen so. Das geschieht

in sogenannten Erlenmeyer-Kolben, Glasgefäße,

die ständig in Bewegung gehalten werden, damit

sich nichts absetzt. Nächster Schritt ist das weitere

Wachstum in Folienschläuchen in einem

Gewächshaus. Hier werden die Algen von oben

mit Nährstoffen versorgt und von unten mit Kohlendioxid.

Zum Schluss kommen die so erzeugten

Starterkulturen in flache Wasserbecken mit

speziellen Filtern. Hier beginnt nun die eigent -

liche Massenproduktion. Schließlich werden die

Algen als dunkelgrüne Masse geerntet.


NACHHALTIG: INNOVATIVES MIKROALGEN-KONZEPT 101

Die Mikroalgen von

Diplom-Ingenieur

Rudolf Cordes (Mitte)

wachsen in großen

Folienschläuchen in

einem Gewächshaus.

Diese Algenpaste wird nun gefrostet oder bei

niedrigen Temperaturen getrocknet. Anschließend

kann die Algen-Trockenmasse zu einem

feinen Pulver vermahlen und dann für alle möglichen

Zwecke weiterverarbeitet werden. Mit

diesem Verfahren sei man europaweit der erste

Betrieb, der biozertifizierte Mikroalgen produziert,

betont Cordes stolz. Helfen sollen Cordes

Landwirte, möglichst aus der heimischen Re -

gion. Die ersten fünf Algenfarmen – alle in Nie -

dersachsen – produzieren schon (siehe wei teren

Bericht). Eine weitere Cordes-Firma, Agrinova,

übernimmt die Kulturberatung und die Biover -

arbeitung der Mikroalgen. Außerdem plant

Cordes noch bis Ende 2018 die Gründung einer

Erzeugerorganisation für die Vielzahl der Inte -

ressenten.

Bereits seit 2015 verwertet Cordes mit seinen

beiden Töchtern die produzierten Algen selbst im

Lebensmittelbereich weiter – mit der Vechtaer

Firma Evergreen Food unter der Marke „Lüttge“.

Da gibt es im Online-Shop Algen-Kapseln. Algen-

Pulver oder Algen-Öl. Algen-Perlen im Glas kommen

mit Balsamico- oder Himbeergeschmack

daher. Und alles natürlich bio.

Inzwischen hat der Diplom-Ingenieur ein wei -

teres Verfahren entwickelt. Das Hauptwachstum

der Mikroalgen bei diesem innovativen Verfahren

auf seiner Algenfarm in Ahlhorn-Regente (Landkreis

Oldenburg) erfolgt nicht mehr in Schläuchen

und dem Wasserbecken, sondern in kleinen

Perlen von drei Millimeter Durchmesser, die

neben den Einzellern auch Wasser und die Nährlösung

enthalten. In 21 Tagen vermehren sich die

Algen in diesen kleinen Minireaktoren – optisch

gut zu erkennen an der zunehmenden Grün -

färbung der Perlen. Auch hier ist der Abschluss

das Trocknen und Mahlen oder Frosten für die

Weiterver wertung.

Und wenn es nach Cordes und Professor Dr. Ilka

Axmann, Leiterin des Instituts für Synthetische

Mikrobiologie an der Heinrich-Heine-Universität

Düsseldorf, geht, demnächst nicht nur für Menschen,

sondern auch für Nutztiere. Axmann und

ihr Team begleiten das Vorhaben von Cordes seit

einiger Zeit wissenschaftlich. „Algen enthalten

unheimlich viele Inhaltsstoffe, nicht nur Nähr -

stoffe, sondern auch Heilsubstanzen, die wir aus

anderen Heilpflanzen kennen. Wir suchen jetzt

nach Algen, die diese Heilstoffe produzieren,

weil sie dort viel einfacher zu gewinnen sind,

zum Beispiel Substanzen mit antibiotischer Wirkung“,

erklärt Cordes. Inzwischen haben auch

Professoren der Universitäten Bielefeld und

Karlsruhe großes Interesse an dem neuen

Verfahren und haben sich zu einem Besuch bei

Cordes angesagt.


102 NACHHALTIG: INNOVATIVES MIKROALGEN-KONZEPT

Mit Mikroalgen in die Zukunft

Ein Besuch bei Christian und Jessica Hohnholz aus Dünsen in der Gemeinde Harpstedt

im Landkreis Oldenburg, die biozertifizierte Mikroalgen im Großformat produzieren

KERNAUSSAGEN

▷ Ein landwirtschaftlicher Betrieb

schafft sich ein neues Standbein

▷ Die Mikroalgen werden in einem

großen Gewächshaus gezogen

und geerntet

▷ Die erste Saison verlief für die

Junglandwirte durchwachsen

Christian und Jessica Hohnholz machen sich

Gedanken um den Hof ihrer Familie. Die beiden

jungen Leute – er 29 Jahre, sie 26 Jahre alt, er

ausgebildeter Landwirt und staatlich geprüfter

Betriebswirt, sie im Hauptberuf pharmazeutischtechnische

Assistentin – bewirtschaften einen

landwirtschaftlichen Betrieb in Dünsen in der

Gemeinde Harpstedt im Landkreis Oldenburg.

Schweinemast und Ackerbau – und das in der

17. Generation, wie Christian Hohnholz Vater aus -

gerechnet hat. In der Schweinehaltung – der Hof

verfügt über 1900 Mastplätze – sieht er keine

Wachstums- und Veränderungsmöglichkeiten

mehr. Und im Ackerbau – 200 Hektar bewirtschaftet

die Familie – würden die Pachtbedingungen

immer schwieriger. Wie sollte es zukunfts -

sicher weitergehen? Diese Frage stellte sich

besonders die junge Generation auf dem Hof

schon seit einigen Jahren.

Neue Standbeine suchen, diversifizieren, war

ihre Antwort. Schon seit 20 Jahren vermarktet

die Familie zusätzlich zur Viehhaltung und zum

Ackerbau Kaminholz aus eigenen Forstbe -

ständen. Vor rund zwei Jahren wurde Christian

Hohnholz dann durch einen Zeitungsartikel auf

das Mikroalgenprojekt von Rudolf Cordes und

seine Firma NOVAgreen in Vechta aufmerksam.

„Das kannst du dir ja einmal ansehen“, dachte

sich der Junglandwirt. Cordes suchte Landwirte,

die die von ihm angelegten Mikroalgen-Starterkulturen

in einem biozertifizierten Verfahren in

eigenen Gewächshäusern im Großformat bis zur

Erntefähigkeit aufziehen und ernten. „Ich fand

dieses innovative Algen-Konzept sehr inte -

ressant und konnte mir vorstellen, dass es funk -

tioniert“, so Hohnholz. Nach Gesprächen mit

weiteren Mikroalgenexperten über die Einsatzmöglichkeiten

der kleinen Pflanzen war er „be -

eindruckt und überzeugt“.


NACHHALTIG: INNOVATIVES MIKROALGEN-KONZEPT 103

Die Familie beschloss: Das versuchen wir. Rund

ein Jahr später stand das Gewächshaus auf der

zweiten Hofstelle der Familie in Dünsen, auf der

Christian Hohnholz Eltern leben. „Wir haben uns

bewusst für ein sogenanntes Venlo-Gewächshaus

entschieden, das sich für eine Vielfalt an

Anbauprodukten und Produktionsumständen

eignet. Denn natürlich ist so etwas Exotisches

wie eine Algenproduktion schon ein gewisses

Risiko“, erläutert er. In dem 2500 Quadratmeter

großen Gewächshaus wurden zehn Kammern

beziehungsweise Abteilungen mit je zwei etwa

90 Quadratmeter großen und etwa 20 Zenti -

meter tiefen Wasserbecken aufgestellt. Hierin

findet das Hauptwachstum der Algen statt. Die

gesamte Technik kommt von NOVAgreen und

wird laufend auf den neuesten Stand gebracht.

Auch bei der behördlichen Anmeldung ihrer

Algenfarm hat Rudolf Cordes den beiden Dün -

senern geholfen.

„Noch 2017 haben wir in zwei Becken mit einem

Probelauf begonnen“, erzählt Jessica Hohnholz.

Richtig los ging es dann aber erst im Mai 2018,

weil das Frühjahr anfangs für das Algenwachstum

noch zu kühl war. „Der Sommer war dann

eigentlich ideal für die Algenproduktion“, bi -

lanziert sie am Ende der Saison. Denn Algen

brauchen Wärme, am besten bis 30 Grad, und

viel UV-Strahlung, und das Gewächshaus wird

aus Kostengründen nicht beheizt und daher auch

nicht im Winter betrieben. „Wenn es im ersten

Jahr doch nicht so ertragreich gelaufen ist, dann

lag das daran, dass wir schon einige Anfängerfehler

gemacht haben und Lehrgeld bezahlen

mussten“, geben die beiden Algenfarmer offen

zu. Aber sie haben so auch viel gelernt.

Die Mikroalgen-Starterkulturen bekommen die

Hohnholz von Cordes geliefert. Die erste Wachstumsphase

von etwa drei Wochen erfolgt in

Folienschläuchen. Dann kommen die Algen zur

weiteren Vermehrung in die Becken. Hier werden

sie über einen Versorgungswagen, der in der

Mitte der jeweils zwei Becken über eine Schiene

fährt, von oben mit Nährstoffen versorgt und von

unten mit Kohlendioxid. Die Fahrten des Versorgungswagens

werden über Zeitschaltuhren

gesteuert. Außerdem durchkämmt der Wagen

bei seinen Fahrten die Algenmasse. Je nachdem

wie optimal die Rahmenbedingungen sind, kann

alle ein bis zwei Wochen geerntet werden. Die

aus dem Wasser gefilterten Algen werden dann

getrocknet – alles noch in der Hohnholzschen

Algenfarm – und gehen anschließend als Roh -

trockenware zur Weiterverarbeitung an Cordes.

„Unsere erste gewogene Lieferung betrug

etwa 120 Kilogramm Rohtrockenware“, berichtet

Jessica Hohnholz und lässt anklingen, dass sie

schon mit etwas mehr gerechnet hatten.

An Temperaturschwankungen können sich Algen

recht gut anpassen. Problematischer reagieren

sie schon auf Fremdeinträge. „Die trägt in der

Regel der Mensch in die Anlage“, weiß Hohnholz.

Daher müssen Besucher beim Betreten des

Gewächshauses hygienisch saubere Schuhe

anziehen und in den Kammern zusätzlich Schutzkleidung

tragen.

Ein Hobby für nebenher ist die Algenfarm nicht.

Das haben Christian und Jessica Hohnholz in -

zwischen erfahren. „Das Ganze ist schon recht

arbeitsintensiv.“ Sie sind täglich im Gewächshaus,

um nach dem Rechten zu schauen: Stimmen

die Wasserstände, laufen die Zeitschalt -

uhren, wie sehen die wasseranalytischen Daten

aus? Und natürlich kostet auch das Ernten, Trocknen

und Transportfähig machen der Algen Zeit.

„Aber wir sind mittlerweile schon bei allem deutlich

schneller geworden“, sagen die beiden. Und

bei Bedarf helfen auch die Eltern mit. Christian

und Jessica Hohnholz sind optimistisch, dass sie

mit ihrer Algenfarm ein Standbein gefunden

haben, das dem Hof auch eine Perspektive für

eine weitere Generation eröffnet.

Jessica und Christian

Hohnholz sind offen für

neue Wege in der Landwirtschaft

und produzieren

in ihrem 2500

Quadratmeter großen

Gewächshaus Mikro -

algen.


104 FIRMENREGISTER

Verzeichnis der PR-Bildbeiträge

Die nachstehenden Firmen, Verwaltungen und Verbände

haben mit ihren PR-Beiträgen das Erscheinen dieser Dokumentation

in dankenswerter Weise unterstützt.

AD AGRO systems GmbH & Co. KG, Vechta . . . . . . . . . . 65

www.ad-agro.de / info@ad-agro.de

AGRAVIS Futtermittel GmbH, Münster . . . . . . . . . . . . . . . 61

www.agravis.de / info@agravis.de

Arbeitsgemeinschaften der Volksbanken und

Raiffeisenbanken, Oldenburg . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 24

www.gvweser-ems.de / info@gvweser-ems.de

bela-pharm GmbH & Co. KG, Vechta . . . . . . . . . . . . . . 28, 29

www.bela-pharm.com / info@bela-pharm.com

Bergmann GmbH, Ludwig, Goldenstedt . . . . . . . . . . . . . . 91

www.bergmann-goldenstedt.de / info@l-bergmann.de

Biochem Zusatzstoffe Handels- und

Produktionsgesellschaft mbH, Lohne . . . . . . . . . . . . . . . . 32

www.biochem.net / info@biochem.net

Böseler Goldschmaus GmbH & Co. KG, Garrel . . . . . . . . . 93

www.goldschmaus.de / info@goldschmaus.de

Deutsche Vilomix Tierernährung GmbH,

Neuenkirchen-Vörden . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 62, 63

www.vilomix.de / info@vilomix.de

Diekgerdes Landhandels GmbH, Friedrich,

Hemmelte . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 64

www.landhandel-diekgerdes.de / info@diekgerdes-landhandel.de

Diekmann Elektroanlagen GmbH, Alfons, Damme . . . . . . 90

www.diekmann.tv / info@diekmann.tv

Fleming + Wendeln GmbH & Co. KG, Garrel . . . . . . . . . . 64

www.fleming-wendeln.de / www.fuw.net / info@fuw.net

GS agri eG, Schneiderkrug . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 67

www.gs-agri.de / info@gs-agri.de

Heidemark GmbH, Ahlhorn . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 23

www.heidemark.de / heidemark@heidemark.de

Kreislandvolkverband Cloppenburg e. V., Cloppenburg . . . 60

www.kreislandvolkverband.de / info@klv-clp.de

Landessparkasse zu Oldenburg, Oldenburg . . . . . . . . . . . 25

www.lzo.com / info@lzo.com

MIAVIT GmbH, Essen (Oldb) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 22

www.miavit.de / info@miavit.de

Moorgut Kartzfehn von Karmeke

GmbH & Co. KG, Bösel . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 95

www.kartzfehn.de / info@kartzfehn.de

NOM GmbH, Vechta-Calveslage . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 56

www.nomgmbh.de / info@nomgmbh.de

PHW-Gruppe Lohmann & Co. AG /

Wiesenhof, Visbek . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 87

www.phw-gruppe.de / www.wiesenhof.de / info@phw-gruppe.de

Praxis am Bergweg GmbH, Lohne . . . . . . . . . . . . . . . 96, 97

www.bergweg.net / praxis@bergweg.net

Private Hochschule für Wirtschaft und Technik

Vechta/Diepholz (PHWT) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 92

www.phwt.de / info@phwt.de

Pundsack GmbH, Bernard, Garrel . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 88

www.pundsack-garrel.de / info@pundsack-garrel.de

SCHULZ Systemtechnik GmbH, Visbek . . . . . . . . . . . . . . 94

www.schulz.st / info@schulz.st

Erich Stallkamp ESTA GmbH, Dinklage . . . . . . . . . . . . . . . 66

www.stallkamp.de / info@stallkamp.de

Tierärztliche Gemeinschaftspraxis WEK, Visbek . . . . . . 26, 27

www.wek-visbek.de / wek@wek-visbek.de

Tierärztliche Gemeinschaftspraxis

Dres. Windhaus & Hemme, Vechta . . . . . . . . . . . . . 30, 31

www.tierarztpraxis-windhaus.de / info@tierarztpraxis-windhaus.de

Tierärztliche Praxis Peheim

Dres. Schröder, Eißing, Moorkamp –

Partnerschaft, Peheim . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 33

www.tieraerztliche-praxis-peheim.de

praxis@tieraerztliche-praxis-peheim.de

Vion Emstek GmbH, Emstek . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 68, 69

www.vionfoodgroup.com

Vogelsang GmbH & Co. KG, Essen (Oldb) . . . . . . . . . 58, 59

www.vogelsang.info / germany@vogelsang.de

WELTEC BIOPOWER GmbH, Vechta . . . . . . . . . . . . . . . . 57

www.weltec-biopower.de / info@weltec-biopower.de

Wessendorf Stahlbeschichtungen GmbH, Emstek . . . . . . 89

www.wessendorf.info / zentrale@wessendorf.info


ENDE

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