Musiker Magazin 3/2018

musikermagazin

Deutscher Rock & Pop Preis 2018 – Festivalkonzept; Schraubenyeti – Ein Tier am Klavier; MICAST– »Der Markt ist überschwemmt«; Christine Helms – »Ich hatte eine große Menge Glück«; Joachim Griebe – »Etwas mehr Solidarität und Hilfe unter Musikern wäre mehr als hilfreich für uns alle«; »We Call It Blues« – Interview mit Jörg Klein; Interview mit Alwin Smoke; Die Historie der Rock- & Popmusik: Teil 12: Eric Clapton – The Golden Sound; Stefan Lauterbach – »Es gibt nichts, was dieser Mann nicht selbst macht«; KINGS OF FLOYD – Die ultimative Pink Floyd Tribute Band; ETERNAL FLAME – »Smoke On The Mountain« – neues Album nach 16 Jahren; Google will der beste Freund der Plattenfirmen sein; Jule Neigel Band – 4. Akt...; Die andere Meinung: Ins Netz gegangen – Interview mit der EU-Abgeordneten Catherine Stihler; Produkt-News; CD-Rezensionen; Titelschutzanzeigen; Kleinanzeigen; Impressum

C 10973 F | N o 3/2018 | 6,00 Euro

Kulturzeitschrift für Rock & Pop Musiker

www.musiker-online.tv

The History

of Rock & Pop

Music

ERIC

CLAPTON

THE GOLDEN

SOUND

Joachim Griebe

»Etwas mehr Solidarität

und Hilfe unter

Musikern wäre mehr als

hilfreich für uns alle«

Christine Helms

»Ich hatte eine

große Menge Glück«

36. Deutscher

Rock & Pop

Preis 2018

Am 8. Dezember

in der Siegerlandhalle,

Siegen

Kings Of Floyd

Die ultimative

Pink Floyd Tribute Band


Angebot

❶ Studiosendung

Zur CD-Veröffentlichung oder einfach so – wir

produzieren mit euch eine komplette Studiosendung

wie in den goldenen Zeiten des Musik -

fernsehens. Mit Auftritt zu Playback (unplugged

und live auch möglich) und Interview.

(30–40 Minuten Videoclip)

➜ 500 Euro

+ Eine Seite Interview und Foto

im Musiker Magazin (Auflage 20 000 Exemplare)

➜ 1 000 Euro

+ Zwei Seiten Interview und Foto

im Musiker Magazin (Auflage 20 000 Exemplare)

➜ 1 500 Euro

Die Vorteile im Überblick:

❷ CD-Hearing /

Interview für

Promozwecke in

einem unserer

Filmstudios

Wir reden mit euch über euer Album, hören hinein

und stellen es vor!

Oder es geht einfach um euch als Band / Einzel -

künstler und euer musikalisches Schaffen.

(30 Minuten)

+ Halbe Seite Interview und Foto

im Musiker Magazin (Auflage 20 000 Exemplare)

➜ 500 Euro

• voll ausgestattetes Filmstudio mit Live-Charakter

• aufgezeichnet wird mit bis zu vier professionellen Kameras

• ihr bestimmt die Inhalte, wir setzen sie in Szene

• bei Bedarf inklusive Visagistin, die dafür sorgt, dass ihr gut ausseht

• Interview mit professioneller Moderatorin (Angebot 1 + 2)

• Konzertbühne (8 m x 4 m) mit Licht, PA und Backline vorhanden*

• ein großer Bildschirm (2 m x 1 m) im Studio steht euch als eure persönliche Werbefläche zur Verfügung

– hier können wir euer Logo, das Albumcover, Werbung von Firmen oder sonstige Grafiken einbauen

• ein gut eingespieltes Team vor Ort kümmert sich um alle Belange

• ihr bekommt eine geschnittene Sendung von RockTV inklusive Intro, animierten Bauchbinden und

Abspann

• auf Wunsch stellen wir das Video on-demand auf unserem YouTube-Kanal und sozialen Netzwerken

zur Verfügung für noch mehr Reichweite

❸ Aufzeichnung

Live-Konzert

Ihr braucht ein professionelles Live-Video, um

euch für Konzerte zu bewerben?

Kommt in unser Rock-TV-Studio!

(30 Minuten Videoclip)

➜ 1 000 Euro

★ Unser

Film-Team ist

auch mobil!

Ob Festivalmitschnitt oder Proberaumdreh,

drinnen oder draußen.

Wir kommen mit dem Ü-Wagen vorbei, um

mit bis zu vier festen (!) Kameras aufzuzeichnen.

Auf Anfrage machen wir euch gern ein

individuelles Angebot.

© Kzenon/Fotolia

* Für einen perfekten und professionellen Sound empfehlen wir einen Auftritt mit Vollplayback (Liveund

auch Unplugged-Auftritte sind aber möglich und der Ton kann gegen einen geringen Aufpreis

nachträglich von uns abgemischt werden).

Kulturelles Jugendbildungswerk e.V. – RockTV | Kolberger Str. 30 | 21339 Lüneburg

Web. www.musiker-online.tv | Mail. info@musikermagazin.de | Fon. +49(0)4131-233030 | Fax. +49(0)4131-2330315


EDITORIAL 03

Am 8. Dezember werden

in der Siegerlandhalle in Siegen über 1000 Musikerinnen

und Musiker zusammenkommen,

um sich beim Deutschen Rock & Pop Preis, Deutschlands ältestem

und erfolgreichstem Musik-Wettbewerb der Popularmusik,

auszutauschen und live zu präsentieren.

uf diesem künstlerischen Wettbewerb werden sich ca. 90 Einze l -

A interpreten und Bands aus den unterschiedlichsten musikstilistischen

Bereichen der Rock- und Popmusik mit jeweils einem Song live den Juroren

und dem Publikum vorstellen.

Die Fachjury aus Vertretern der Musik- und Medienbranche sowie qualifizierten

Musiker/-innen, die dieses Jahr ehrenamtlich dem Kulturfestival

zur Seite stehen, wird über diese Konzertauftritte urteilen und am Ende der

Veranstaltung die Gewinner ermitteln.

im bewussten Gegensatz zu kommerziellen Musik- oder Firmenwett be -

werben zählt beim Deutschen Rock & Pop Preis als einziges Kriterium der

künstlerische Anspruch in den Einzelbereichen Komposition, Text, instru -

men tation, Gesang, Performance, originalität und Kreativität.

Finanziert wird dieser musikalische Wettbewerb durch die gemeinnützige

Musikergemeinschaft des Deutschen Rock & Pop Musikerverbandes e.V.

zusammen mit allen mitwirkenden Teilnehmern (mittels geringer Bewer bungsund

Teilnahmebeiträge), ohne Bundes- oder Landes-Förder- und Finan -

zierungsmittel! Die gastgebende Kommune stellt den Aus rich tungsort zur

Verfügung. Diese Gemeinschaftsfinanzierung eines jährlichen großen

gemeinnützigen Kulturfestivals durch alle (direkt und indirekt) beteiligten

Musiker/Musikgruppen/Künstler ist in Deutschland und Europa einzigartig!

Musikgrößen wie Pur, Juli, Yvonne Catterfeld, Pasquale Aleardi oder

Luxuslärm nahmen an diesem kulturellen Wettbewerb teil oder nutzten den

Titel als Sprungbrett für ihre Karriere.

Der 36. Deutsche Rock & Pop Preis 2018 wird von der Deutschen

PopStiftung, dem Deutschen Rock & Pop Musikerverband e.V., der

Fachzeitschrift Musiker Magazin sowie der gastgebenden Stadt Siegen

präsentiert.

Das vor und nach der jährlichen Preisverleihung folgende Presse-Echo

von bundesweit hunderten Tageszeitungen mit z. T. halbseitigen Be richt -

erstattungen über diese Kulturveranstaltung und seine musikalischen Teil -

nehmer und Gewinner ist inzwischen eines der umfangreichsten positiven

Tageszeitungs-Medienechos, das auf ein bekanntes Kulturfestival oder

Rock- und Popkonzert in Deutschland, Österreich oder der Schweiz erfolgt …

(s. jährliche Pressedokumentation der professionellen Ausschnittdienste).

Die Schirmherrschaft übernehmen in 2018 wieder der Bürgermeister der

Stadt Siegen, Herr Steffen Mues, sowie seit nunmehr 18 Jahren der

Präsident des Deutschen Musikrats, Prof. Martin Maria Krüger.

WEiTERE inFoRMATionEn unTER: WWW.MUSIKER-ONLINE.COM

TExT: OLE SEELENMEYER

3/2018 musiker Magazin


10

36. DEUTSCHER

ROCK & POP PREIS 2018

am 8. Dezember 2018, Kongresszentrum Siegerlandhalle – Siegen

1. ZIEL/KONZEPT

In 2018 werden zum 36. Mal insgesamt über

125 „Deutsche Rock & Pop Preise“ der verschiedensten

musikalischen Bereiche an heraus ra -

gende Nachwuchsmusikgruppen, Nachwuchs -

einzel künstler/-innen sowie durch eine Fachjury

ausgewählte professionelle Musik gruppen und

Einzelkünstler/-innen mit Ton trä ger vertrag verliehen.

So sollen auch in diesem Jahr Künstler so

unterschiedlicher musik stilistischer Bereiche wie

Rock, Pop, Country, Hard & Heavy, Alter na tive,

Weltmusik, Reggae, Funk & Soul u.v.a.m. geehrt

werden. Einziges Kriterium ist dabei der künstlerische

Anspruch. In ihrer kulturellen und künstlerischen

Aus rich tung steht diese Kultur ver an -

stal tung damit im bewussten Gegensatz zu

bisherigen Veranstal tungs zere monien von In -

dustrie preisen und TV-Anstalten.

Durch die Auszeichnung in über 125 verschiedenen

Musikgenres wird der heutigen musikalischen

Vielfalt im Bereich der Rock- & Pop musik

Rechnung getragen. Damit soll erreicht werden,

dass sich möglichst viele Musikgrup pen, Einzel -

künstlerinnen und -künstler in ihrer Stilistik wiederfinden.

Diese Kulturveranstaltung soll wie bisher als

Platt form des kreativen Nachwuchses, aber auch

als Treffpunkt einzelner etablierter Künstler/

-innen und Persönlichkeiten des musikalischwirtschaftlichen

Umfeldes dienen.

2. FINANZIERUNG

Diese Kulturveranstaltung wird im Wesent li -

chen – wie in den vergangenen Jahren auch –

durch die Deutsche Popstiftung, den Deutschen

Rock & Pop Musikerverband e.V. und die am

Wettbewerb beteiligten Musikgruppen und

Künstler/-innen finanziert.

Von allen Bewerbern dieses bundesweiten

kulturellen Wettbewerbs wird – ebenfalls wie in

den Jahren zuvor – ein Solidarbeitrag in Form

einer geringen Anmeldegebühr verlangt. Alle

durch die Bundesjury ausgewählten Final teil -

nehmer sowie durch die Bundesjury nominierten

Preisträger der Neben- und Sonderkate -

gorien zahlen außerdem einen Teilnahme be trag

pro Musiksparte, um die Selbstfinanzierung dieses

musikereigenen Kulturfestivals auf Bundes -

ebene zu gewährleisten. Diese solidarische

Ge mein schafts finanzierung ist in Deutsch land

einmalig: Damit wird auch der 36. Deutsche

Rock & Pop Preis wieder ge meinschaftlich finanziert

durch die Stiftungs- und Verbands trä ger,


FESTIVAL 11

die ca. 3 000 Mu sik grup pen, Musi kerinnen und

Musiker im Deutschen Rock & Pop Musiker -

ver band e.V. sowie durch die über 1 000 Teil -

neh mer dieses Festivals.

3. KATEGORIEN

Im Gegensatz zu anderen deutschen Musik -

preisen werden die Deutschen Rock & Pop

Preise 2018 in über 125 verschiedenen musikstilistischen

Bereichen verliehen. Weitere Preise

können an herausragende etablierte Musik -

gruppen, Musikerinnen und Musiker sowie in

den Unterkategorien „Bester Gitarrist”, „Bester

Keyboarder”, „Bester Schlagzeuger”, „Bester

Bassist”, „Beste Komposition” etc. verliehen

werden. Hierfür kann man sich direkt bewerben.

Die Bundesjury entscheidet, ob besondere

Leistungen in diesen Bereichen vorliegen.

FOLGENDE EINZELKATEGORIEN

WERDEN AUSGESCHRIEBEN:



8 Hauptkategorien

117 Sonderkategorien

Durch die differenzierte Auswahl an Kate go -

rien und Unterkategorien wird gewährleistet,

dass eine große Anzahl vielversprechender

Musik gruppen, Interpreten und Künstler/-innen

in musikhistorisch bedeutenden, aber bisher

bei Preisverleihungen vernachlässigten Musik -

rich tungen ebenfalls gewürdigt werden können.

In den acht Hauptkategorien werden die Final -

aus scheidungen (und/oder Halbfinal vor ent -

scheide) tagsüber live am Festivalort auf der

Bühne er folgen. In den übrigen Ka te gorien entscheidet

die Bundesjury allein aufgrund des

eingeschickten Materials über eine Nominie -

rung bzw. Aus zeichnung bei der Preisver lei hung.

Mit der Aufnahme von Kategorien, die sich

mit dem künstlerischen und technischen Um -

feld einer CD-Produktion und des Musik ma na -

ge ments auseinandersetzen (Studioproduktion,

CD-Design, Independent-Label, Künstler agentur

etc.), sollen – wie im Vorjahr – auch diese an -

son sten im Schatten von künstlerischen Aus -

zeich nungen stehenden Firmen und Personen

geehrt werden.

Infos: WWW.MUSIKER-ONLINE.COM/

DEUTSCHER-ROCKPOP-PREIS

Jede Band/jeder Künstler kann sich mit einer

CD/einem Musikvideo pro Kategorie (möglichst

eine Liveaufnahme) bei der Deutschen Pop -

stiftung für die verschiedenen Kategorien be -

werben.

ANMELDEGEBÜHR:

DRMV-Mitglieder 20,– Euro,

DRMV-Nichtmitglieder 30,– Euro.

Nach dem Bewerbungsschluss am 1. Se p -

tem ber 2018 ermitteln unabhängige Experten -

juroren, die von der Deutschen Popstiftung ein -

ge setzt werden, die Teilnehmer am Finale und

die Preisträger der Neben- und Sonderkate go -

rien des 36. Deutschen Rock & Pop Preises

2018. Mithilfe eines detaillierten Bewer tungs bo -

gens (Arran ge ment, Instrumentierung, Gesang,

Text, Kom position, Originalität, Kreativität etc.)

ermittelt die Festivaljury die live im Finale des 36.

Deutschen Rock & Pop Preises 2018 auftretenden

Musikgruppen und Einzelinterpreten der

Haupt kategorien. Um eine gerechte Preis ver -

leihung zu gewährleisten, kann die Bundes jury,

wenn die Einordnung den Juroren passend

erscheint, Preise auch in anderen als den durch

die Künstler ursprünglich beworbenen Katego -

rien zuerkennen.

4. PREISVERLEIHUNG/FESTIVAL

Die Teilnehmer am Finale des 36. Deutschen

Rock & Pop Preises 2018 erhalten durch die

Deutsche Popstiftung eine Einladung nebst Teil -

nahmeformular. Die in allen Sparten und Be -

reichen nominierten Bands und Künstler/-innen

werden persönlich eingeladen. Erst die Rück -

sendung des ausgefüllten Teilnahmeformulars

und die Entrichtung der Teilnahmegebühr in Höhe

von 150,– Euro je Hauptkategorie / 100,– Euro

je Sonderkategorie garantieren die Teil nah me

am 36. Deutschen Rock & Pop Preis 2018. Die

Finalis ten (Einzelkünstler/-innen und Musik -

gruppen) der Hauptkategorien und die ausgezeichneten

Preisträger der Sonderkategorien

erhalten im Ge genzug je 50 Eintrittskarten im

Gesamtwert von 1 000,– Euro für den eigenen

Gäste-/Fan kreis (s. zusätzliche Publikums ab -

stimmungen). Mit der Nichtrück sen dung des

Anmelde for mu lars und der Nicht ent richtung der

Teilnahme ge bühr verfallen die Teil nah me und

Preis zuerkennung.

Die Ergebnisse der Wahl und Auszeichnung

durch die Festivaljury werden auf der Web -

seite des DRMV www.musiker-online.tv und

durch die Kulturzeitschrift musiker Magazin

nach dem Festival veröffentlicht.

Die teil nehmen den Preisträger der verschiedensten

Deut schen Rock & Pop Preise 2018

er halten als Auszei ch nung eine Ehrenurkunde.

Die jeweils ersten Preis träger der Haupt kate -

go rien erhalten zu sätzlich einen Rock- & Pop-

Oscar.

TexT: OLE SEELENMEYER

foTos: LUDWIG CZAPLA


12 STORIES

SCHRAUBENYETI

Ein Tier am Klavier

Mit seinem gefühlvollen, energiegeladenen Folk Rock

schneidet Martin Lischke auch mal ernste

Themen an. Und rollt mit seinem mobilen Instrument

auch mal zu ungewöhnlichen Spielorten.

MM: Die meisten stolpern erst mal über deinen

Künstlernamen. Wieso nennt sich ein

Pianist „Schraubenyeti“?

SCHRAUBENYETI: Das ist ein Spitzname, den mir

Freunde schon vor Jahren gegeben haben. Er be -

zieht sich darauf, dass ich gern an alten Motor rä -

dern und Ähnlichem herumschraube. Ich bin näm -

lich gelernter Mechaniker und Ingenieur. Das „yeti“

kommt wohl von meinen etwas behaarteren

Füßen. (lacht) Darüber gibt es auch einen Song.

MM: Dein Klavier ist ungewöhnlich – du hast

Räder angeschraubt. Wie kamst du auf die

verrückte Idee?

SCHRAUBENYETI: Wie andere mit ihrer Gitarre

nach draußen gehen, wollte auch ich mit meinem

Instrument im Grünen spielen können. Gesagt,

getan – und aus dieser Schnapsidee ist mein

Markenzeichen geworden.

MM: Du bist jetzt also trotz des eher sperrigen

Instruments mobil. Wo spielst du am liebsten?

SCHRAUBENYETI: Im Grünen, im Park oder Gar -

ten zum Beispiel – aber abgefahrene Orte reizen

mich besonders. Wie zum Beispiel einmal in der

Seilbahngondel nahe Innsbruck – da hat die Kas -

siererin nicht schlecht geguckt, als ich Tickets für

zwei Personen und ein Klavier geordert habe.

MM: Wie reagieren Passanten, wenn sie dich

sehen? Wer gibt, wer bleibt stehen und wer

rennt einfach weiter?

SCHRAUBENYETI: Das ist ganz unterschiedlich.

Manche schauen, als sei es das Normalste der

Welt, wenn ein Klavier auf dem Gehweg steht.

Andere gehen total ab und bleiben manchmal

mehrere Stunden in meiner Nähe und hören mir

zu. Ich frag mich dann immer: Haben die nix anderes

zu tun? (lacht)

MM: Was fasziniert dich an Straßenmusik?

SCHRAUBENYETI: Die Straße ist die ehrlichste

Bühne der Welt. Niemand hat die Leute eingeladen,

mir zuzuhören. Sie bleiben stehen und geben

Geld, weil es ihnen gefällt. Das finde ich toll an

Straßenmusik. Ich habe selten negative Erleb nisse.

Ich finde es witzig, wenn japanische Touri-Gruppen

an mir vorbeiziehen und tausende Fotos machen,

ohne je einen Song zu Ende zu hören oder verstanden

zu haben. Darüber gibt es auch einen

Song („Foto“).

MM: Eigentlich hast du etwas anderes ge -

lernt. Wie kam es, dass du nun Berufs musi -

ker bist?

SCHRAUBENYETI: Ich hatte schon immer die

zwei Interessen: Musik und Schrauben. Letzteres

hat mich zu meinem handfesten Beruf ge bracht,

den ich nach dem Abi erlernt habe. Das war gut

fürs jugendliche Konto und das gute Gefühl der

musiker Magazin 3/2018


STORIES 13

»Die Straße ist die

ehrlichste Bühne der

Welt. Niemand hat

die Leute eingeladen,

mir zuzuhören.«

WEB: SCHRAUBENYETI.DE | INTERvIEW: JANINA HEINEMANN | FOTOqUELLE: SCHRAUBENYETI

Familie. Mit der Zeit habe ich gemerkt, dass Musik

immer mehr Raum in meinem Leben einnimmt.

Irgendwann kam der Tag, an dem ich es in voll zeit

ausprobieren wollte. Für mich war es der Test, ob

es sich gut anfühlt. Das tut es bis heute.

MM: Anfang August erscheint dein zweites

Album („Heute Gestern“). Darauf lässt du dich

von einer Band begleiten. Wieso so pompös?

SCHRAUBENYETI: Mit „Heute Gestern“ will ich

mich weiterentwickeln und sehen, was mit meinen

Songs möglich ist. Die Band „Das Mammut“

ist als Liveband entstanden und unterstützt mich

seit zwei Jahren auf der Bühne. Nun wollen wir

diesen Indie Folk auf ein Album bringen. Und noch

ein bisschen mehr: Bläser, Streicher und sogar

ein Fan-Chor haben es aufs Album geschafft. Das

spiegelt wider, wie viel mit Musik möglich ist. Trotz -

dem funktionieren die Songs auch mit nur kleiner

Bandbesetzung oder solo auf der Straße.

MM: Wieso schneidest du ernste Themen wie

Populismus, Depression und Vergänglich keit

an?

SCHRAUBENYETI: Die Frage ist doch: Warum

nicht? Liebeslieder hat die Welt schon ohne Ende.

Auf meinem neuen Album gibt es sie auch und

das ist gut so. Aber ich schreibe eben Songs über

Themen, die mich bewegen. Dazu gehören auch

unangenehmere. Ich mag es, über so etwas zu

schreiben. Die Zuhörer kriegen nicht gleich mit,

worum es geht. Den Zeigefinger in Songtexten

mag ich nicht, eher die Fantasie. von der wird uns

in unserer medial übersättigten Welt zu viel ge -

nom men.

MM: Wie geht es für dich weiter – bleibst du

der Straßenmusik treu oder sind dein Ziel

große Konzertsäle?

SCHRAUBENYETI: Sowohl als auch. Ich habe

schon auf kleineren Festivals und in größeren

Clubs gespielt. Ich will aber so lange wie möglich

Straßen musik machen. Aber auch Moderieren

macht mir Spaß, das Schrauben habe ich nicht

verlernt und ich denke jetzt schon über das

nächste Album und andere Formate nach. Man

sollte sich immer weiterentwickeln, egal was man

macht.

3/2018 musiker Magazin


14 STORIES

MICAST

»Der Markt

ist überschwemmt«

Michael Steffen aka Micast

konnte im letzten Jahr

den Deutschen Rock und Pop

Preis für das beste Musikvideo

nach Hause holen.

Im Interview haben wir

über den Song „Daydream“,

elektronische Musik

und die Probleme als junger

Musiker gesprochen.

*Dreharbeiten für das Video zu „Daydream“

MM: Unter dem Namen Micast bist du als

Musik produzent tätig. Kannst du kurz be -

schreiben, was genau du machst?

MICAST: Eigentlich würde ich mich als Kom po nist,

Songwriter und Produzent beschreiben, der von

Anfang bis Ende seine eigenen Songs kreiert. Ich

verbringe die meiste Zeit im Studio zum Musi zie -

ren. Ich bin im normalen Leben auch noch Lehrer

und mache das alles nicht hauptberuflich.

Die meisten Künstler gehen eher den Weg, erst

als DJ zu arbeiten und später mal eigene Songs

zu produzieren oder, leider immer häufiger, Pro -

duktionen einzukaufen. Bei mir lief es umgekehrt:

Ich produziere seit meiner Kindheit Musik, weil ich

meine vielen Ideen umsetzen möchte, und sehe

die Arbeit als DJ eher als Zusatz, der mittlerweile

einfach dazugehört, wenn man Musik macht.

Nur DJ zu sein, gerade im Genre der elektronischen

kommerziellen Musik, ist heute auch keine

Kunst mehr.

MM: Besonders elektronische Musik wie

House hat es dir angetan. Wie bist du dazu

gekommen?

MICAST: Ich hatte mit acht Jahren kurz Klavier -

unterricht und fand es langweilig, nur klassische

Stücke zu spielen, während im Radio die elektronischen

Dance-Songs der 90er liefen: Eiffel 65,

Vengaboys, Scooter und Co. Ich habe angefangen,

diese Songs auf dem Keyboard nachzuspielen

und war begeistert von den verschiedenen

Sounds, die alle aus meinem Keyboard kamen.

Mehr oder weniger durch Zufall habe ich dann mit

10 Jahren eine Demoversion vom MagixMusic -

Maker bekommen als Beilage einer PC-Zeitung

und war gleich davon angetan, eigene Ideen im

PC umsetzen zu können.

MM: Wie entstehen deine Songs?

MICAST: Ich habe bei meiner Arbeit selten eine

bestimmte Vorgehensweise, daher ist es schwierig

zu beschreiben, was ich genau mache. Meis -

tens läuft es so, dass mir eine Melodie spontan in

den Kopf kommt und ich sie zur Erinne rung im

Handy aufnehme. Zu Hause spiele ich sie mit

ver schiedenen Synthesizern ein und höre es mir

an. In den seltensten Fällen bin ich so zu frieden,

dass ich meine Ideen dann komplett aus pro du -

ziere und noch einen Songtext schreibe, sodass

ich gefühlte 1000 unfertige Lieder auf meiner Fest -

platte habe. Bin ich aber begeistert nach den

ersten Versuchen, geht es meistens recht schnell,

fast wie von selbst, dass in wenigen Tagen eine

erste Version eines kompletten Songs fertig ist.

Ich arbeite auch teilweise für andere Künstler

als reiner Produzent, also nur an der Umsetzung

von bereits komponierten und geschriebenen

Stücken. Das ist jedoch nicht die Arbeit, die mich

wirklich begeistert.

MM: Hast du Vorbilder, an denen du dich

orientierst?

MICAST: Ich mag die Musik, die gerade aktuell

im Elektro-Genre läuft und auch Chart-Musik. Ich

weiß, das ist ein ganz schrecklicher Musikge -

schmack. Ich gehe also sehr nach dem Trend,

was Synthies und Musikstile angeht bei meinen

Produktionen. Künstler, die mir aktuell sehr gut

gefallen, sind DonDiablo, Kygo, Martin Garrix,

Alan Walker und Felix Jaehn. Als Vorbilder orientiere

ich mich an den Künstlern, die noch wirklich

das meiste an ihren Songs selbst machen und

nicht nur als Werbefigur mit gekauften Pro duk -

musiker Magazin 3/2018


STORIES 15

MAKE

MUSIC

NEW BASS BOOKS

Bass Ensemble

von Eddi Andreas

Garantiert Bass

mit Christoph Herder

NEU!

Buch&DVD

€ 23,95

NEUERSCHEINUNG

ISBN 978-3-943638-37-0

NEU!

Buch&CD

€ 21,95

NEUERSCHEINUNG

ISBN 978-3-943638-29-5

NEW DRUM BOOKS

Single Strokes

von Roy Burns

Avdanced Groove

von Sam Aliano

tionen auf einem Festival spielen. Großen Respekt

habe ich zum Beispiel vor dem belgischen Mu -

siker Stromae, der seine Songs selber komponiert,

Texte schreibt, produziert und sogar selbst

singt. Das ist für mich ein richtiger Künstler. Der

leider gerade verstorbene Musiker Avicii ist auch

ein Vorbild für mich. Auch er hat das meiste selbst

produziert und Melodien komponiert, die einem

nicht aus dem Kopf gehen.

MM: Deinen Song „Daydream“ hast du selbst

getextet, komponiert und produziert. Wo

holst du dir eine zweite Meinung ein?

MICAST: Im Grunde habe ich immer ein gutes

Gespür dafür, welche Melodien gut klingen und

eingängig sind, daher behalte ich schon immer

meinen eigenen Kopf. Ich arbeite aber unter dem

Namen „Audiolutions“ mit vier weiteren befreundeten

Produzenten zusammen, sodass immer ein

reger Austausch stattfindet und schnelles Feed -

back kommt. Meistens nehme ich dann aber nur

die technischen Ratschläge an und be harre auf

meiner Melodie.

Was die Texte angeht, tue ich mich immer sehr

schwer und lasse sie auch mal gegenlesen, ob

die englische Grammatik wenigstens halbwegs

stimmig ist. Das Songwriting ist eher aus der Not

entstanden, da ich keinen guten Songwriter

kenne. Ich hatte auch nur zwei Jahre Englisch in

der Schule, sodass meine Texte sicher keinen

Lite ratur nobelpreis verdienen. Aber es reicht meistens

dann doch, um eine eingängige und rhythmische

Vocal-Line auf die Beine zu stellen.

MM: Auch den Videodreh hast du selbst or -

ganisiert. Wie hast du für dich das passende

Team von Kameraleuten, Postprodu zenten

etc. gefunden?

MICAST: Vorab dachte ich, das wird bestimmt

nichts: Ich hatte weder viel Budget, noch kannte

ich Leute, die filmen können, und eine Laienschau -

spielerin für eine solche Rolle zu bekommen,

schien mir im kleinen Trier auch nicht die einfachs -

te Aufgabe. Dazu kommt mein sehr hoher eigener

Anspruch. In keinem Fall wollte ich mich mit

einem Video blamieren, und ich gebe zu, ich

achte, leider zu viel, darauf, was andere über mich

denken könnten.

Ich habe dann in einer Trierer Facebook-Gruppe

eine Anfrage gestellt und bekam relativ schnell

Angebote. Darunter waren auch die zwei Jungs

8

NEU! NEU!

NEUERSCHEINUNG

ISBN 978-1-4706-3762-0

Camp Duty Update

von Claus Hessler

Jetzt auch in

ENGLISCH!

Buch

€ 11,95

Buch&CD

€ 19,95

TOPSELLER

Deutsch ISBN 978-3-943638-93-6

Englisch ISBN 978-3-943638-19-6

NEUERSCHEINUNG

ISBN 978-1-4706-4000-2

Fill Book

von Jost Nickel

Jetzt auch in

ENGLISCH!

Buch&DVD

€19,95

Buch&CD

€ 21,95

TOPSELLER

Deutsch ISBN 978-3-943638-94-3

Englisch ISBN 978-3-943638-35-6

alfredverlag.de | alfredmusic.de


16 STORIES

»Es geht nicht nur um

eine gescheiterte

Be ziehung zu einer Frau,

vielmehr überhaupt um

das Fehlen einer

wichtigen Bezugsperson

in meinem Leben.«

aus Trier von „Picsell Emotions“, die hobbymäßig

öfters Rap-Videos drehten. Ich war gleich von

der Produktionsqualität begeistert und wir kamen

ins Gespräch. Wie der Zufall es wollte, konnten

die beiden auch den Kontakt zu Ronja herstellen,

die später im Video mitspielte, und sie vermittelten

mir über einen Bekannten ebenfalls die Location,

also die Wohnung für den Dreh. Ich bin den beiden

wirklich sehr dankbar für ihre Arbeit, ihre Ge -

duld mit mir beim Dreh und ihr günstiges An gebot

für die Produktion. Für gleiche Arbeit hätten größere

Produktionsfirmen sicher ein halbes Ver mögen

verlangt.

MM: Obwohl der Song gescheiterte Liebe und

Liebeskummer verarbeitet, ist er trotzdem

tanz bar. Wie machst aus traurigen Themen

Clubsongs?

MICAST: Ehrlich gesagt, mache ich mir oft nicht

konkrete Gedanken, ob Text und Melodie von der

Stimmung 100 % zusammenpassen. Natürlich

gibt es Melodien, die überhaupt nicht mit einem

Text funktionieren und albern wirken, aber ich

sehe da immer viel Spielraum.

Bei „Daydream“ ist es so, das im Instrumental-

Part auch mein Optimismus und meine Hoffnung

zum Ausdruck kommen. Ich durchlebe zwar viele

Zeiten, in denen es mir gar nicht gutgeht, aber

gerade dadurch weiß ich auch, dass es nur besser

werden kann. Auf die Thematik im Song bezogen,

würde ich sagen, dass ich auch nach ge -

schei terter Beziehung noch mal jemand finden

werde und irgendwann eine eigene, weniger pro -

blem belastete Familie haben werde.

Der Song war mir persönlich sehr wichtig, da

er sich auf meine eigene Gefühlswelt bezieht und

ich damit auch Probleme nach außen getragen

habe. Es geht nicht nur um eine gescheiterte Be -

ziehung zu einer Frau, vielmehr überhaupt um das

Fehlen einer wichtigen Bezugsperson in meinem

Leben. Ich hatte in meiner Kindheit und Jugend

keine gute Familiensituation, sodass mir auch dies

einige psychische Probleme mitgegeben hat. Das

ist etwas, worüber ich erst seit ca. drei Jahren, also

auch seit der Entstehung des Songs, offener sprechen

kann.

MM: Elektronische Musik erlebt seit ein paar

Jahren einen Hype. Wie bewertest du diese

Entwicklung?

MICAST: Einerseits finde ich es natürlich gut, dass

mein Genre gerade so im Trend ist. Andererseits ist

der Markt auch so überschwemmt, dass es unter

der Vielzahl der Veröffentlichungen kaum möglich

ist, seinen Bekanntheitsgrad nur aufgrund des

musikalischen Talents zu steigern. Viel wichtiger ist

mittlerweile das Marketing mit dem dahinterstehenden

Budget geworden und nicht mehr die

Musik selbst.

Für jemanden wie mich, der mehr im Studio sitzt

und nicht als DJ tourt, ist das natürlich keine gute

Voraussetzung. Viele Labels nehmen sogar nur

noch Musik an, wenn die Followerzahlen auf Face -

book und Instagram stimmen, wo also schon eine

Fan-Basis besteht. Ein guter Song alleine reicht

lange nicht mehr.

Was ich selbst sehr schade finde, ist, dass viele

bekannte DJs ihre Musik mittlerweile bei sogenannten

Ghostproducern einkaufen, da sie selbst

gar nicht in der Lage sind, mit Studiosoftware zu

arbeiten. Vorne steht dann der Name des DJs, und

der Hörer denkt, dass er auch hinter der kreativen

Arbeit der Musikstücke steht.

Aber so ist Markt eben. Selbst ich habe schon

ein paarmal Songs für andere DJs produziert,

um etwas Geld zu verdienen, aber es schwingt

bei mir immer etwas das Gefühl mit, meine Seele

zu verkaufen.

MM: Woran arbeitest du zurzeit?

MICAST: Ich habe gerade meinen neuen Song

„You’ll Never Know“ mit einer Sängerin aus meiner

Heimatstadt fertiggestellt und stelle derzeit An -

fragen bei Labels für eine Veröffentlichung. Es geht

in dem Song thematisch um eine heimliche Liebe

und beruht, wie schon „Daydream“, auf eigenen

Gedanken. Stilistisch geht er in die Richtung aktueller

Dance-Songs und ist eher etwas fürs Radio

als für den Club. Ich bin gespannt, wie es damit

weitergeht.

WEB: WWW.FACEBOOK.COM/DJMICAST

INTERVIEW: JANA MOYSICH

musiker Magazin 3/2018


STORIES 17

CHRISTINE

HELMS

»Ich hatte eine große

Menge Glück«

Nach vielen Jahren

als Bandleaderin hat sich

Christine Helms auf den

spannenden Trip begeben,

sich musikalisch neu zu

entdecken.

Die vielen kleinen und

großen Stürme haben in ihr

die überwältigende

Sehnsucht geweckt, den

Traum eines ersten eigenen

Albums zu träumen.

Und noch viel wichtiger …

einige tiefe Begegnungen mit

sehr wichtigen Menschen

haben in ihr das Bewusstsein

geschärft, diesen Traum

auch zu leben. 8

3/2018 musiker Magazin


18 STORIES

MM: Du warst 14 Jahre Leaderin einer Cover -

band. Im April ist nun dein erstes eigenes Al -

bum erschienen. Wie ist es dazu gekommen?

CHRISTINE HELMS: Ich habe mich 2016 bei

einem Konzert auf der Bühne mit Champagner,

Rosen und einigen Tränen von einer sehr wunderbaren

Band verabschiedet. Es war eine be -

wusste Entscheidung. In dieser Zeit gab es bei

mir privat und beruflich dieses schöne Chaos, in

dem man die Dinge nicht so ganz klar sieht.

Zudem spürte ich schon seit Langem dieses lähmende

künstlerische Korsett. Ich hatte einfach

sehr viel Lust nachzuspüren, was aus mir musikalisch

herauskommt, wenn ich es ernsthaft darauf

anlege. Ich habe mich dann einfach ganz naiv

auf mein Bauchgefühl verlassen und ohne Netz

und doppelten Boden Tabula rasa gemacht.

MM: Bis 2016 warst du sehr viel live unterwegs.

Warum hast du dich entschieden, für

das Album eine Auszeit von der Bühne zu

nehmen?

CHRISTINE: Für mich war es wichtig, einen ge -

sunden Abstand zu allem zu gewinnen. Herz und

Kopf von Ballast zu befreien. Meinen Wünschen

und Sehnsüchten nachzuspüren und auch das

Erlebte zu verarbeiten. Ich wollte mich ganz aufs

Schreiben und Komponieren einlassen. Jeder

Ein fluss von außen färbt ja durchaus den künstlerischen

Prozess. Außerdem wollte ich mich

auch ein wenig treiben lassen, Zeit zum Runter -

kommen haben und mich neu finden. Diese zwei

Jahre fühlen sich auch im Nachhinein noch sehr

intensiv und klar an.

MM: Mark Smith, der unter anderem mit

Johannes Oerding zusammenarbeitet, hat

das Album produziert. Wie ist der Kontakt

zustande gekommen?

CHRISTINE: Mark hat mich ganz einfach auf

Facebook angeschrieben. Ein kleiner Teaser mit

einem Songschnipsel war der Stein des Anstoßes.

Dadurch kamen wir schnell in Kontakt und verabredeten

uns zu einer Kompositionssession in

seinem Studio in der Nähe von Kiel. Es hat sofort

gemenschelt. Ich fühlte mich einfach von Anfang

an überaus wohl. Mark ist als Produzent, Kom -

po nist und Texter einfühlsam und sehr blickig.

Das hat mir unglaublich gut gefallen. Ich hatte

recht schnell die Idee, das komplette Album von

ihm produzieren zu lassen.

MM: Deine Albumproduktion wurde von einer

Reihe von Zufällen begleitet. Welche waren

das?

CHRISTINE: Ich hatte eine große Menge Glück.

Erst einmal der Zufall mit Mark Smith. Dazu stieß

Frank Ramond, der mit Annett Louisan, Roger

Cicero und Ina Müller zu einem der profiliertesten

Textdichter des Landes gehört. Er hat so viel Ge -

fallen an den Songideen gefunden, dass er an drei

Songs mitgearbeitet hat. Mark hat ein fantastisches

Netzwerk und es entstand während der

Produktion die Idee, Hanno Busch, den man an

der Gitarre von den Heavytones kennt, zu fragen,

ob er nicht Lust hat, einige Soli einzuspielen, und

so wurde die bereits feine jazzige Note durch das

einfühlsame Gitarrenspiel von Hanno Busch verfeinert.

Ein Puzzleteil fügte sich einfach und un -

kompliziert zum nächsten. Für mich fühlt sich alles

wunderbar stimmig an.

MM: Wie lief die Arbeit im Studio?

CHRISTINE: Die Arbeit im Studio war von Beginn

an hockreativ. Wir haben uns Zeit genommen und

uns sehr viel über Musik unterhalten. Durch die

Skizzen war die Musikrichtung schon zu erahnen.

Ich liebe Pop und Jazz gleichermaßen. Beim Pop

die Einfachheit und beim Jazz das Ver spielte

und Unvorhersehbare. Meine Idee waren mu -

si kalisch interessante Songs und klare, schlichte

Aussagen für einen leichten Zugang. Mark hat

das unglaublich gut umgesetzt. Meist haben wir

die Songs besprochen, welche Aus sage steht

dahinter? Gibt das der Text schon her? Haben

alles sehr kleinlich optimiert und dann mit recht

genauen Vorstellungen Arbeitsspuren aufgenom -

men, auch vom Gesang. So hatte ich Gelegen -

heit, melodische und textliche Änderungen zur

vorherigen Skizze zu verinnerlichen. Ich war dann

immer ziemlich aufgeregt, wenn ich das erste Mal

die final eingespielten Arrangements hörte. Wenn

alle Änderungen durch Texter, Produzent und

Musiker zusammenfließen, das war für mich oftmals

der schönste Augenblick.

MM: Wer gehört alles zu deinem Team?

CHRISTINE: Als Allererstes Mark Smith, mein Pro -

duzent, Frank Ramond und Robert Wroblewski,

die mich textlich sehr feinfühlig unterstützt haben,

und Lutz Krajenski, der meine Band musikalisch

leiten wird.

MM: Wie war die Arbeit im Studio für dich

persönlich?

CHRISTINE: Das war für mich noch einmal eine

ganz andere Hausnummer. Wir sind während

des Textens und Komponierens schon sehr in

die Themen eingestiegen. Das hat sich beim Ein -

singen noch einmal um einiges gesteigert. Ich bin

mir wieder selbst begegnet und konnte sehr in -

ten siv spüren, was ich singe. Klar, es sind die eigenen

Geschichten, aber nur singen und singen und

fühlen sind eben zwei Paar Schuhe. Es gab wahnsinnig

tiefe, schöne und klärende Momente, Gän -

se haut und auch das ein oder andere Trän chen.

Und das hat sich unheimlich gut angefühlt.

MM: Wer sind deine musikalischen Vorbilder?

CHRISTINE: Nat King Cole, Gregory Porter und

Melody Gardot haben mich sehr inspiriert. Ich

mag auch sehr gerne Annett Louisan und Götz

Alsmann. Manfred Krug, Nils Landgren, Jazz -

kantine, Phil Collins, Aretha Franklin … es gibt so

unendlich viel gute Musik!

MM: Wie ist es für dich, nun über persönliche

Themen zu singen?

CHRISTINE: Es ist eine Herausforderung, und ich

habe sehr viel Respekt davor, weil ich mich hinter

nichts verstecken kann. Das, was ich singe, habe

ich selbst erlebt. Ich bin nicht sehr extrovertiert

und es hat mich teilweise schon etwas Über win -

dung gekostet, gewisse Themen aufzugreifen.

Mittlerweile sehe ich es so, dass die Songs vielleicht

sogar inspirierend sein können für jemanden,

der das Gleiche erlebt hat.

MM: Du lebst deinen Traum und hast dein

Album nun fertig. Was ist das für ein Gefühl?

CHRISTINE: Ich bin wahnsinnig glücklich. Darüber,

dass es ein so schönes und ehrliches erstes

Al bum geworden ist, und vor allem sehr über die

Unterstützung vieler Menschen, die mich auf dem

gesamten Weg immer wieder ermutigt haben.

MM: Kann man deine Songs auch live hören?

CHRISTINE: Ab Oktober geht es endlich los.

Am 30.10. wird es endlich die ersehnte Release -

party geben. Und ich freue mich unendlich über

eine hochkarätige Band, die von Lutz Krajenski

geleitet wird.

WEB: CHRISTINE-HELMS.DE

WWW.FACEBOOK.COM/

CHRISTINEHELMSOFFICIAL

INTERVIEW: RONJA RABE

FOTOqUELLE: CHRISTINE HELMS

musiker Magazin 3/2018


STORIES 19

CHRISTINE HELMS

„Auszeit“

CHRISTINE-HELMS.DE

WWW.FACEBOOK.COM/

CHRISTINEHELMSOFFICIAL

»Ich hatte

einfach sehr viel Lust

nachzuspüren,

was aus mir musikalisch

herauskommt,

wenn ich es ernsthaft

darauf anlege.

Ich habe mich dann

einfach ganz naiv auf

mein Bauchgefühl

verlassen und ohne Netz

und doppelten

Boden Tabula rasa

gemacht.«


20 STORIES

JOACHIM GRIEBE

Etwas mehr Solidarität und Hilfe unter Musikern wäre

mehr als hilfreich für uns alle

»Ich hätte meinen Lebenstraum,

von der Musik zu leben, niemals

erreicht ohne die Hilfe

von Freunden, meiner Familie,

Lebenspartnern und auch Kollegen,

die mit den entscheidenden

Tipps zur rechten Zeit da waren.«

MM: Wie bist du zur Musik gekommen und

wie verlief deine musikalische Laufbahn bisher?

JOACHIM GRIEBE: Seit meinem 12. Lebensjahr

spiele ich Gitarre und Klavier. Ich hatte sehr viel

Glück mit meinen Musiklehrern in der Schule. Die

haben mich immer unterstützt und gefördert,

auch bei der Entscheidung, Profimusiker zu werden.

Wie fast alle Musiker habe ich in unzähligen

Bands gespielt. Von Blues bis Tanzmusik war alles

dabei.

Damit seinen Lebensunterhalt auf Dauer zu

verdienen, war nicht mein Weg. Durch einen privaten

Kontakt habe ich mich in einem Studio in

Hamburg dann langsam in den Bereich Werbung

und Songwriting eingearbeitet. Dabei habe ich

Demos erstellt, Arrangements erarbeitet, Gitarre

auf unzähligen Demos gegen Geld gespielt und

dann kamen auch die ersten Aufträge in Zu sam -

menarbeit mit einer Werbeagentur. Firmen wie

Unilever, Philips, Jonny Walker, n-tv waren unter

anderem meine Auftraggeber.

Mein Arbeitsfeld war breit gespannt. Image filme

bis hin zur Musik für Telefonanlagen waren dabei.

Dann kamen die ersten Songs. Ohne die Be -

ratung und Hilfe von Ellie Weinert (Songs Wanted)

hätte ich diesen schweren Anfang damals nicht

geschafft.

MM: Du arbeitest viel als Songwriter für un -

terschiedliche Künstler im In- und Ausland,

aber komponierst auch Werbemusik. Wie

kommst du an Aufträge und wie sieht die

Arbeit aus?

JOACHIM: Die ersten großen Aufträge kamen

über persönliche Kontakte. Ich glaube, es waren

meine Zuverlässigkeit und meine Arbeit als Dienst -

leister, die mir weitere Aufträge verschafften. Ich

habe mich schon sehr bemüht, Musik im Sinne

des Auftraggebers und des Verwendungs zwecks

zu machen.

Heute sind es die langjährigen und seriösen

Kontakte, die ich in all den Jahren aufgebaut habe,

die mir Aufträge bringen.

Aber auch das Internet. Durch einen Internet -

clip, den ich vertont habe, kamen Anfragen aus

den USA. Es geht um Songdemos im Bereich

Country Rock. Ich liefere dafür Songs komplett

ab, mit Gesang und dem kompletten Aufbau.

Das ist viel Arbeit. Ist, als ob ich den Amis Kau -

gummi oder Cola verticke.

MM: Nebenbei arbeitest du auch an deinem

Solo-Album. Was ist der Unterschied beim

Komponieren für andere und dem Schreiben

deiner eigenen Songs?

JOACHIM: Ein Soloalbum zu machen ist meine

Herzensangelegenheit und ein Lebenstraum. Die

Songs entstehen dann wirklich aus meinem

Leben.

Wenn ich für andere komponiere, möchte ich

wissen, was das für Menschen sind, was sie selbst

gerne hören. Ich versuche, mich in sie rein zu den -

ken, aber dann auch immer noch einen frischen

Kick reinzubringen.

Ich arbeite oft für Künstler, die noch am An -

fang stehen. Dann kann es schon zehn Demos

dauern, bis eine Richtung gefunden ist. Die Songs

werden nach und nach optimiert. Sie müssen in

jeder Hinsicht zum Künstler/Auftraggeber passen.

Die Songs müssen nachher auch live funktionieren.

Da geht es eben nicht um mich als

musiker Magazin 3/2018


STORIES 21

Musiker, sondern um einen Dienstleister, der sich

in andere hineinversetzen kann. Das ist eine meiner

Stärken.

MM: Für dich als Fan des 1995 verstorbenen

irischen Musikers Rory Gallagher war es be -

stimmt eine tolle Erfahrung, mit seiner Band

Auf nahmen zu machen. Wie ist es dazu ge -

kommen?

JOACHIM: Ja! Mit Sicherheit ein Highlight in meinem

Leben.

Neben meiner täglichen Arbeit habe ich immer

an Projekten gearbeitet, die mit Blues, Rock oder

Jazz zu tun haben. Geld verdient habe ich damit

nicht – aber verloren! Den Kontakt zu Musikern in

England oder Irland hatte ich schon immer. In

Holland traf ich dann Gerry Mc Avoy bei einem

Tributekonzert und wir lernten uns kennen.

Die Idee, so ein Konzert in Gedenken an Rory

in Hamburg zu veranstalten, wollte ich zusammen

mit einem Freund umsetzen. Die lange Pla -

nung war so schwierig und es gab einfach zu

viele Probleme. Mein Freund sagte dann: „Achim,

schreib Songs und produziere was, in Gedenken

an Rory.“ Zwei Jahre haben wir dann noch mal

geplant, bis wir mit Rory’s Rhythm Section ins

Studio gegangen.

Etwas später hat dann noch Ian Cussick (den

ich als Sänger immer verehrt habe) die Tracks mit

seiner Stimme veredelt. Reiner Regel am Sax und

der verstorbene Pianist Ralf Schwarz (u. a. Stephan

Gwildis) haben außerdem wundervolle Takes beigesteuert.

Mein Traum ging in Erfüllung. Es war

unbeschreiblich für mich. Gerry Mc Avoy und ich

planen gerade etwas Neues in diese Richtung.

MM: Eine weitere spannende Zusammen -

arbeit ist die von dir und dem australischen

Musiker Peter D. Harper. Nach 16 Jahren

Funk stille startet ihr das Projekt Harper &

Griebe nun erneut. Wie kam es nach der langen

Zeit zu einem Wiedersehen und einer

erneuten Zusammenarbeit?

JOACHIM: Mit Peter ist das echt eine irre Story.

Nachdem ich seine CD in einem Club in Berlin

gehört hatte und Kontakt zu ihm aufgenommen

habe, kam er vor sechzehn Jahren für nur drei

Tage aus Melbourne zu mir nach Harburg. In der

kurzen Zeit entstanden eine tiefe Freundschaft

und drei Songs für sein Soloalbum.

Ein halbes Jahr später kam er noch mal vier

Wochen zu mir und wir schrieben die Songs, die

jetzt auf der veröffentlichten „Distant Unity“ zu

finden sind. 8


22 STORIES

»Mit Peter ist das echt

eine irre Story.

Nachdem ich seine CD in

einem Club in Berlin

gehört hatte und Kontakt

zu ihm aufgenommen

habe, kam er vor sechzehn

Jahren für nur drei Tage

aus Melbourne zu mir nach

Harburg. In der kurzen Zeit

entstanden eine tiefe

Freundschaft und drei

Songs für sein Soloalbum.«

Private Umstände bei uns beiden, er zog von

Australien in die USA und durch Stress bei mir,

kam es zu dieser Funkstille. Anfang 2018 habe ich

in meinem privaten Umfeld viel über Peter erzählt

und ihn dann nach dem Rat meiner Freundin

angeschrieben. Als Antwort kam: „Hey, wir spielen

in drei Wochen in Germany auf dem Grolsch

Blues festival“. (Er hatte in den letzten sechzehn

Jahren kein einziges Konzert in Deutschland gegeben.)

Also habe ich ihn kurzerhand dort getroffen,

und nun sind wir beide sehr glücklich, das Harper-

&-Griebe-Projekt wieder aufleben zu lassen.

MM: Was habt ihr als Nächstes geplant?

JOACHIM: Wir schreiben gerade an den Songs

für ein neues Album, das ebenfalls bei BSC Music/

„R’n’D“Label mit der großen Unterstützung von

Christoph Bühring Uhle rauskommt. Peter fliegt

Ende des Jahres zu mir, um die Vocals und seine

Parts aufzunehmen. Wir möchten dann gerne

nächstes Jahr Livekonzerte geben.

MM: Gerade hast du mit „Chimoya“ ein In -

stru mentalalbum angekündigt. Was erwartet

den Hörer hier?

JOACHIM: Ich arbeite schon lange an diesem

Instrumentalalbum. Hier wird sicherlich eine sehr

interessante Kombination meiner musikalischen

Vorlieben und Mixturen von Musikstilen entstehen.

Zusammen mit einem Filmemacher arbeite

ich auch an der visuellen Umsetzung der Musik,

die wir mit dem Album veröffentlichen werden.

Eine Kostprobe gibt es dazu schon im Netz

(https://vimeo.com/284897035). Zu sehen sind

die „Elphi“ und Hamburg per Drohne gefilmt. Das

Ganze ist mit einem Chimoya-Titel unterlegt.

MM: Obwohl Songwriting und Studioarbeit

bei dir im Fokus stehen, hast du auch eine

Live-Band. Wer gehört dazu und wie häufig

und wo kann man euch live erleben?

JOACHIM: Meine Liveband besteht aus Hendrik

Thiesbrummel am Schlagzeug, der auch auf all

meinen Studioprojekten trommelt, Torsten Delvos

am Bass und Sebastian Bender an den Key -

boards.

Sobald wir mit dem Booking für nächstes Jahr

für Harper & Griebe loslegen, bei der auch meine

Band uns begleiten wird, plane ich auch meine

Solotour.

MM: In einer Facebook-Gruppe zum Thema

Künstlersozialkasse beantwortest du ehrenamtlich

die Fragen deiner Kollegen dazu. Was

hat dich zu diesem Engagement bewogen?

JOACHIM: Seit fünfzehn Jahren engagiere ich mich

in diesem Bereich. Über 25 Jahre bin ich selber

über die Künstlersozialkasse pflichtversichert. Der

Anstoß war mein damaliger Rauswurf aus der

Künstlersozialkasse. Danach habe ich das KSK-

Forum aufgebaut. Es gibt Tage mit fast 50 An fra -

gen. Ich helfe, wo es mir möglich ist. Anträge,

Raus würfe, Prüfungen usw.

In der Zwischenzeit ist auch das Problemfeld

„Schulden bei der Krankenkasse“ dazugekommen.

Ich mache das alles ehrenamtlich.

Der Zusammenhalt unter Musiker/-innen

scheint dir sehr wichtig zu sein. Wie sollte der

im Idealfall aussehen und wie engagierst du

dich persönlich für deine Kollegen/ Kolle gin -

nen?

JOACHIM: Ich hätte meinen Lebenstraum, von

der Musik zu leben, niemals erreicht ohne die Hilfe

von Freunden, meiner Familie, Lebenspartnern

und auch Kollegen, die mit den entscheidenden

Tipps zur rechten Zeit da waren. Hier geht es nicht

um den amtlichen Verstärker oder das neue

Stimm gerät. Ich habe das Glück gehabt, dass

mir Freun de und Kollegen das Geschäft erklärt

und Wege aufgezeigt, mich gewarnt oder auch

positiv begleitet haben. Etwas mehr Solidarität und

Hilfe unter Musikern wäre mehr als hilfreich für

uns alle.

WEB: WWW.JOACHIMGRIEBE.DE

WWW.HARPER-GRIEBE.COM

INTERVIEW: RONJA RABE

FOTOqUELLE: JOACHIM GRIEBE

HARPER & GRIEBE

„Distant Unity“

VÖ: 17. AUGUST 2018

WWW.HARPER-GRIEBE.COM

musiker Magazin 3/2018


STORIES 23

»WE CALL IT

BLUES«

Interview mit

Jörg Klein

»Das Finden des eigenen Sounds

ist ein Lebenswerk,

eine nicht endende Reise

durch viele Stationen.

Mit jedem Song, den du schreibst,

und mit jedem Riff, das du

findest, ändern sich dein Anspruch

und deine Fähigkeiten.«

MM: Du bist Gitarrist mit Leib und Seele. Wie

bist du zur Gitarre gekommen?

JÖRG KLEIN: Vermutlich so wie alle anderen

auch. Mit 9 Jahren bekam ich eine Klassik-Gitarre

von meinen Eltern und postwendend auch Un -

terricht dazu. Mein Gitarrenlehrer war dabei immer

ein bisschen unglücklich, weil ich den Kram nach

zweimal Hören auch ohne Blatt vorspielte. Dieses

Talent habe ich wohl von meinem Vater geerbt,

der bis heute Orgel und Mundharmonika nach

Gehör spielt. Vier Jahre später gab es dann zur

Kon firmation eine koreanische Les-Paul-Kopie

und einen dieser legendären Echolette-Verstär ker

dazu. Und einen Coron-Verzerrer. Ab da waren

dann AC/DC und Co. angesagt …

Was für Equipment nutzt du und wie hast du

deinen Sound gefunden?

JÖRG: Das Finden des eigenen Sounds ist ein

Lebenswerk, eine nicht endende Reise durch viele

Stationen. Mit jedem Song, den du schreibst, und

mit jedem Riff, das du findest, ändern sich dein

Anspruch und deine Fähigkeiten. Konkret für die

8


24 STORIES

Blues-Geschichte war das Ziel klar: Klassische

Sounds für klassische Blues-Riffs. Meine weiße

93er Fender Strat bekam eine Komplettbestückung

vom Guitarfetish (USA). Noiseless Pick -

ups, Messingblock am Tremolo, Nullbund aus

Messing. Für die saftigen Songs habe ich mich

für eine Epiphone Black Beauty entschieden und

das keine Minute bereut. Den Rest des Sounds

macht dann ein Laney Lionheart. Ausprobieren,

ausprobieren, ausprobieren!

MM: Du gibst Blues-Gitarren-Kurse auf You -

Tube und hast auch eine Blues-Band. Was

fasziniert dich so an diesem Genre?

JÖRG: Ich erinnere mich, dass ich im zarten Alter

von 14 mit meinem Kumpel Tom im Treppenhaus

des Schulhauses „Get Back“ in Blues-Manier

spielte. Um danach festzustellen dass eine komplette

Schulklasse als Zuhörer von oben zuguckte

… Der Blues enthält unzählige Facetten, mit

denen ich mich ausdrücken kann – Funk, Rock,

Boogie, instrumental oder mit Gesang. Und zwar

auf eine instinktive, kreatürliche Art.

Bedingt durch meinen Job als Gitarrenlehrer ist

es prinzipiell die einfach zu vermittelnde Grund -

struk tur des Blues mit seinen typischen 12 Takten,

die auch Anfänger umsetzen können. Deshalb

auch der Blues-Kurs in YouTube. Das lief parallel

zur Bandhistorie, nachdem Rock- und Rock-

Coversongs nicht so recht wuppen wollten.

Mein Anspruch war und ist, dem Publikum

immer alles zu geben. Also begann ich, in Blues-

Struk turen zu komponieren, um die „Übungs last“

für die Ka meraden zu erleichtern. Das Konzept

hat sich be währt – immer wieder entdecke ich

neue Varian ten und Herausfor de rungen im Blues

für mich als Sänger und Gitar rist. Mit Herz, mit

Trauer, mit Spaß und manchmal auch mit Wut.

Dass es so umfangreich würde, hätte ich nie ge -

ahnt.

MM: Welche anderen Stilrichtungen finden

sich in deiner Musik?

JÖRG: Als One-Man-Show kann ich in meinem

kleinen Tonstudio alles produzieren, was mir ge -

rade so auf der Seele liegt. Da finden sich u. a.

die AETERNOM-Scheibe (Powermetal), die wir

auch zu fünft um 2003 auf der Bühne hatten.

Aus der Singer-Songwriter-Ecke gibt es das

„BitterSweet“-Album, das auf Akustik-Gitarre

basiert. Aktuell arbeite ich an der zweiten Blues-

CD, an einem Set namens „Solid Rock“ mit mehr

Instrumentalanteil und einem Live-Solo-Set, das

ich mit Looper und A-Gitarre performen werde.

Dann bin ich flexibel und kann auch mal alleine

losziehen.

MM: Kannst du dir ein Leben ohne Musik

vor stellen?

JÖRG: Nein. Denn die Musik und die Songs

brauche ich, um die Last auf meinen Schultern

zu erleichtern. Es hat gedauert zu realisieren, dass

es mir besser geht, wenn ich die Themen in meinem

Kopf zu Songs verarbeite. Auch in einer Be -

ziehung ist es manchmal nicht ganz einfach, wenn

man als Musiker wochenlang jede freie Minute

im Studio verbringt, und so war ich ein paarmal

kurz davor, alles hinzuschmeißen. Gut, dass es

nicht passiert ist. Eine Freundin sagte mal: „Jörg

macht keine Musik, Jörg ist Musik.“ Der Moment,

wenn du live dein Publikum mitnimmst, ist pure

Magie, ist die ganze Arbeit drum herum wert. Da

fülle ich dann meine Tanks wieder auf.

MM: Dein Blues-Album ist gerade fertig. Wie

liefen die Aufnahmen?

Eine großartige Erfahrung! Da ich ja bis aufs

Drumplay alles selber gemacht habe (Recording,

Mix, Master, Gitarren, Bass, Keys, Vocals, Art -

work, Pressabwicklung etc.), habe ich in kurzer

Zeit (ca. 6 Monate) wahnsinnig viel gelernt. Am

schwierigsten fand ich den Mix. Ich wollte ein

Live-Feeling schaffen, damit sich die Songs so

anhören, wie sie auch auf der Bühne klingen.

Hier wieder der Vorteil der One-Man-Show: Ich

habe so lange Gitar ren, Bässe und Vocals ausprobiert,

bis sie perfekt zueinander passten. An

dieser Stelle einen dicken Dank an meine Family,

die mich dieses halbes Jahr kaum mehr zu Ge -

sicht bekam und mir den Rücken freihielt!

MM: Was ist dein Lieblingstrack auf dem

Album?

JÖRG: Tom Glas von Radio Bayern 1 hat sich

vor Kurzem den „Travel-Shuffle“ herausgepickt

und vorgestellt. Meine Wahl wäre vielleicht eher

„Blues For Two“ gewesen, weil da die Gitarre so

schön fliegt und weil ich komplexe Harmonien

mag. Oder doch „Home Alone“, der gaaanz langsame,

traurige Song, bei dem ich live immer mitsamt

Publikum ganz bedröppelt ende … Alle

Songs der CD beschreiben mich auf dieser Blues-

Reise durch mein Leben. Schwierig, da einen

konkret herauszupicken.

MM: Wie sieht dein Alltag als Gitarrist aus?

JÖRG: Optimalerweise so: vormittags Online-Kon -

takte pflegen, Organi sations kram, Bank, Kleini gkei -

ten im Studio machen, Texte schreiben etc. Kurz

nach Mittag geht’s dann mit Unterricht los, meist

so bis 20 Uhr. Gemeinsames Abend essen, und

dann entweder aktuelles Set durchspielen (vor

Auftritten) oder neue Songs ansetzen, Riffs erfinden,

Licks trainieren. Dienstag-/ Freitagabend

Band probe. Am Wochenende sind dann meist

ein paar Stunden am Stück im Studio möglich.

Oder Auftritte. Langweilig wird’s nie.

musiker Magazin 3/2018


STORIES 25

»Die Musik und die Songs

brauche ich, um die Last auf meinen

Schultern zu erleichtern.

Es hat gedauert zu realisieren,

dass es mir besser geht,

wenn ich die Themen in meinem

Kopf zu Songs verarbeite.«

Standhaft in

Heim & Studio

JØRG

„We Call It Blues“

JOERGAUSINGOLSTADT.DE

GUITAR-ON-DEMAND.DE

MM: Wie kommst du an neue Auftritte?

JÖRG: Gute Frage. Natürlich versuche ich, telefonisch/per Internet

an Venues ranzukommen. Meist heißt es da „Band zu unbekannt, wir

können die Kosten nicht decken“. Toll, verstehe ich ja, aber wie soll ich

denn dann den Bekanntheitsgrad erhöhen? Die Risikobereitschaft der

Veranstalter ist bei Null. Und die kleinen Clubs haben meist nur eine

Briefmarke als Bühne, auf die nicht mal ein Schlagzeug passt … Am

besten funktioniert bisher die Vermittlung über Freunde, über Fans. Da

springt schon mal ein Festival oder ein größerer Gig dabei raus. Bisher

war es immer so, dass die Zuhörer begeistert waren!

Mir ist völlig klar, dass ich da hin muss, wo das Publikum ist. Durch

neue Kontakte ergibt sich möglicherweise demnächst etwas in Rumänien,

Nor wegen und Frankreich. In der Ecke um Dresden ist gerade was im

Gespräch, aber natürlich würde ich liebend gern auch vor der Haus türe

spielen.

DRUM HIER DER AUFRUF: Veranstalter, Clubs, bitte meldet euch bei

mir!!! Musikerkollegen; braucht ihr Unterstützung als Support-Act?

Festivals: Habt ihr einen Slot für uns frei?

MM: Was sind deine weiteren musikalischen Pläne?

JÖRG: Der Schwerpunkt liegt jetzt gerade auf der zweiten Blues-CD,

knapp die Hälfte der Songs ist schon fertig. Am Solo-Set werde ich auch

weiterarbeiten. Und dabei fallen sicher auch wieder Stücke in die „Solid

Rock“-Schublade. Alle meine musikalischen Geschichten mögen jetzt

ihren Weg in die Herzen der Zuhörer finden!

Der König & Meyer

Gitarrenständer »Carlos« 17650

· Einzigartiger Gitarrenständer im Säulen-Design

· Für Akustik- oder E-Gitarren

· Kann schnell und flach zusammengelegt werden

· Instrumentenschonende Filzauflagen

INTERVIEW: RONJA RABE

LIVEBILD: SHADES AND LIGHT | FOTOqUELLE: JÖRG KLEIN

WEB: JOERGAUSINGOLSTADT.DE | GUITAR-ON-DEMAND.DE

www.k-m.de

5 Jahre Garantie


26 STORIES

„Five Steps

To Zero“

VO: 2019

„Spirit’s Free“

VO: 2015

ALWIN SMOKE

„The Last Dance“

VO: 2015

»Toll ist auf jeden Fall, dass es mittlerweile auch

für un be kanntere Künstler möglich ist,

ein breiteres Pu blikum persönlich zu erreichen,

und das, ohne auf die Unterstützung

von den großen Unter neh men angewiesen zu sein.«

„Saggattaria“

VO: 2013

MM: Seit wann machst du Musik und bis in

der Musikszene unterwegs?

ALWIN SMOKE: Mitte der 1990er-Jahre hatte ich

den Entschluss getroffen, meine Musik in engagierterer

Art zu betreiben, da ich vorher hauptsächlich

als Sportler unterwegs war und Musik

nur nebenher betrieb.

Folglicherweise etwa zu dieser Zeit hatten wir

damals unsere Hardrockband ARREST gegründet,

mit der wir tatsächlich ca. 2000 richtig aktiv

wurden. Bis ca. 2006 veröffentlichten wir drei CD-

Alben („Incarcerated“, „The Difference“, „Night

Stalker“). Da wir ab 2006 bei ARREST etwas

pausierten, verwirklichte ich ab 2008 in Form von

ALWIN SMOKE meine eigenen musikalischen

Ideen und Vorstellungen. Seit dieser Zeit sind

bisher 3 CDs („Saggattaria“, „The Last Dance“

und „Spirit’s Free“) von mir in Eigenregie produziert

und rausgebracht worden.

MM: Zu welcher Stilistik würdest du denn

deine Musik zuordnen?

ALWIN SMOKE: Nun, das ist nicht immer ganz

einfach einzugrenzen und gehört meiner Ansicht

nach in ein gewisses Schubladendenken, das

einen Musiker doch sehr einschränkt. Aber es wird

halt immer wieder erwartet, dass man sich irgendwie

ausrichtet, um dem Hörer wohl eine leichtere

Entscheidung zu ermöglichen.

Grundsätzlich denke ich mal, dass man meine

Lieder recht gut dem Bereich des Rock und Blues -

rock zuordnen kann. Allerdings macht es mir auch

Spaß, mich hier und da in andere Stilistiken hineinzubegeben.

So sind auch klassische, bluesige,

folkige oder jazzige Lieder jederzeit bei ALWIN

SMOKE möglich.

MM: Was ist gerade topaktuell bei dir am

Laufen?

ALWIN SMOKE: Zurzeit arbeite ich sehr intensiv

an meiner neuen CD, die den Namen „Five Steps

To Zero“ trägt. Die meisten Songs sind bereits auf -

genommen und haben ihre ersten Mix- und Mas -

teringprozesse durchlaufen.

Da ich jedoch zurzeit mit den Ergebnissen noch

nicht zufrieden war, werden sie gerade nochmals

überarbeitet. Die Veröffentlichung wird also voraussichtlich

im Laufe des Jahres 2019 sein.

MM: Wie arbeitest du an deinen eigenen

CDs?

ALWIN SMOKE: Aufgrund dessen, dass ich keine

teuren Tonstudios, Produzenten, Toningenieure

usw. finanzieren kann/will, erarbeite ich alles in

eigener Verantwortung. Da ich das Glück habe,

einige Instrumente selbst spielen zu können, bzw.

dort, wo ich es nicht kann, aber auf familiäre Un -

ter stützung (meine Tochter Lena) zählen darf, ist

das Recording autark.

musiker Magazin 3/2018


STORIES 27

Insofern findest du bei ALWIN SMOKE also den

gesamten CD-Produktionsprozess in einer Einzel -

unternehmung. Wobei ich natürlich fairerweise

dazu sagen muss, dass mir befreundete Musiker

und Toningenieure zur Seite stehen und mich mit

Ihrer tollen Hilfe und Meinung unterstützen.

MM: Was denkst du allgemein zur Entwick -

lung in der Musikbranche?

ALWIN SMOKE: Nun ja, da hat sich in den letzten

Jahren viel verändert. Gewisses zugunsten der

Musiker und anderes zu ihren Ungunsten. Toll ist

auf jeden Fall, dass es mittlerweile auch für un -

be kanntere Künstler möglich ist, ein breiteres

Pu blikum persönlich zu erreichen, und das, ohne

auf die Unterstützung von den großen Unter neh -

men angewiesen zu sein.

MM: Gibt es für dich bestimmte Idole?

ALWIN SMOKE: Zu Beginn, in meiner frühesten

Jugend, gab es einige Jazz- und Swing-Musiker,

deren Musik ich viel hörte, da mir mein Vater deren

Schallplatten gab. Aber letztendlich beeinflusst

und inspiriert in meinem Tun hatten mich mein

Vater und mein Großvater.

MM: Kannst du Näheres zu deiner neuen CD

erzählen?

ALWIN SMOKE: Ja, sehr gerne. Nach meiner

letzten bluesorientierten CD „Spiri’s Free“ ist das

kommende Album „Five Steps To Zero“ noch

persönlicher und sicherlich auch wieder Rock-

Pop-orientierter ausgefallen. Nahezu alle Lieder

be schäf tigen sich mit Erlebnissen, die mir in den

letzten vergangenen Jahren passiert sind. Hervor -

zu heben ist hier insbesondere mein Lied „Grace

To You“ bzw. mit deutschem Titel „Dass es uns

jemals gab“, das ich an der Beerdigung meines

Vaters spielte und für ihn komponierte. Ähnliches

gilt auch für die anderen Titel.

MM: Welche Ziele hast du für die Zukunft

von ALWIN SMOKE?

ALWIN SMOKE: Grundsätzlich meine musikalische

Entwicklung weiter entfalten und schauen,

was dabei rauskommt. Ich freue mich dabei sehr,

wenn sich immer mehr Menschen für mich, meine

Musik und deren Inhalte interessieren. Da ich

mich nicht nach Trends oder Vorschriften jeglicher

Art richte, werde ich auch zukünftig nur eigene

Musik schreiben und machen, die authentisch

ALWIN SMOKE ist.

NEU

GLX-D ® ADVANCED DIGITAL WIRELESS

MEHRKANAL-SETUP

SO EINFACH WIE NIE.

Die digitalen GLX-D Advanced Systeme bieten einen Empfänger

für die Rack-Montage sowie den Shure Frequency Manager und

liefern einen erstklassigen Klang, intelligente Akkutechnologie

und sichere Drahtlosperformance, auch bei der Nutzung mit

mehreren Systemen.

WEB: WWW.ALWINSMOKE.COM

INTERVIEW: OLE SEELENMEYER

www.shure.de

© 2017 Shure Incorporated


28 STORIES

Eric Clapton, genannt „Slowhand“,

prägte die Entwicklung des Bluesrock seit

den 60er-Jahren wesentlich mit

und gilt als einer der bedeutendsten Gitarristen.

Er ist 17-facher Grammy-Gewinner

und durch seine beispiellose Karriere

als einziger Musiker dreifaches Mitglied der

Rock and Roll Hall of Fame.


STORIES 29

ERIC

CLAPTON

THE GOLDEN

SOUND

irgendwie mit Rockmusik in Berührung gekommen

ist, hat den Namen Clapton gehört. Clapton-

Wer

Hits wie „Layla“, „I Shot the Sheriff“, „Cocaine“, „Wonderful

Tonight“ und „Tears In Heaven“ gehören zum Kanon der

zeitgenössischen Musik, genauso Cream-Klassiker wie

„Badge“, „Sunshine Of Your Love“ und „White Room“, die

bereits 50 Jahre alt sind, aber heute noch als originelle und

frische Stücke wahrgenommen werden. Solcherlei einzigartige

Songs scheinen frei von Alterserscheinungen zu sein.

Auch Claptons Spitzname Slowhand wird geläufig sein,

den der frühere Yardbirds-Manager Girogio Gomelsky dem

an sich schnellen Gitarristen als Wortspiel gab. Und wenn die

Sprache auf die besten Gitarristen kommt (womöglich auch

mit dem zweifelhaften Zusatz „aller Zeiten“), fällt wie selbst -

verständlich der Name des 17-fachen Grammy-Gewinners,

der durch seine beispiellose Karriere gleich dreimal in die

Rock and Roll Hall of Fame aufgenommen wurde: 1992

und 1993 als Mitglied der Yardbirds und von Cream, 2000

dann als Solo-Künstler, der Gitarre wie kein anderer spielt

und besonders artikuliert singt.

Begonnen hatte Claptons professionelle Laufbahn 1963

bei der Band The Roosters, die Anfang der 1970er-Jahre in

einer Solokarriere mündete. In deren Verlauf wurde er 1992

durch sein populäres MTV-Unplugged-Album zum internationalen

Superstar, der den von ihm geliebten Blues live

akustisch wie elektrisch mit einer unglaublichen Intensität

spielt, ohne Show-Effekte zu bemühen. Auf seinen Kon -

zerten geht es dem sensiblen, einfühlsamen Musiker offensichtlich

um die Musik, sodass er nicht viel mehr Worte

macht als „Thank You“ und mit sehr wenigen Ansagen auskommt.

Dafür lässt er seine Gitarre singen und überrascht

seine Zuhörer mit abwechslungsreichen Soli und Phrasie -

rungen, die stets dem Song dienen. Deswegen sind Claptons

Konzerte ein besonderes emotionales Erlebnis, wie jüngst

dasjenige am 3. Juli 2018 in der Hamburger Barclaycard

Arena, nachdem er am Vortage in der Kölner Lanxess Arena

gespielt hatte. Da dies die beiden einzigen Auftritte seiner

diesjährigen Tournee auf dem europäischen Festland waren,

waren Clapton-Verehrer aus ganz Europa angereist, viele

aus Portugal und Spanien, um den mittlerweile 73 Jahre

alten Meistergitarristen (geboren 1945), der mit einer hochkarätigen

Band angereist war, unbedingt noch einmal live zu

erleben. So mancher trug ein T-Shirt mit dem „Clapton Is

God“-Graffiti von 1967, bei dem der Sprayer „God“ versehentlich

statt „Good“ auf die Wand gebracht haben will.

Clapton selbst hält das Ganze ohnehin für einen Werbegag,

mit dem er nichts zu tun gehabt habe.

Eric Clapton and His Band nennt man sich schlicht und

hat den Schneid, den Trauersong „Tears In Heaven“ mit dem

Abstand der Jahre nun in einer gelösten Reggae-Version

zu spielen. Doch das geht genauso unter die Haut. Ganz

im Kontrast dazu das lang ausgespielte fulminante Stück

„Got to Get Better In A Little While“, das die Band geradezu

völlig entfesselt auf die Bühne bringt mit erregenden

Gitarren-Duellen von Clapton und seinem bewährten zweiten

Gitarristen Doyle Bramhall II. Das Hamburger Konzert

zeigt, dass eine tief empfundene Musik, die durch die heutigen

hervorragenden Verstärker- und Lautsprecher anlagen

natürlich wunderbar zur Geltung kommt, es nicht nötig hat,

musikalischen Modeströmungen zu folgen. Können, Em -

pathie, Wollen und musikalische Spannkraft sind die entscheidenden

Ingredienzen, Showeffekte sind dafür überflüssig.

Ob es noch viele Auftritte dieser besonderen Art

geben wird, wird sich an Claptons Gesundheit entscheiden,

die bedauerlicherweise seit 2013 angeschlagen ist.

8

3/2018 musiker Magazin


30 STORIES

Periphere Neuropathie, die Schmerzen verursacht, und

Tinnitus können für Musiker das Ende ihres Schaffens

bedeuten.

Kurz vor den beiden Konzerten in Deutschland erschien

die sehenswerte Dokumentation „Life In 12 Bars“ über

Claptons Leben. Seltene TV-Aufnahmen, Tagebuch ein träge,

Briefe, Fotos, Heimvideos und akustische Beiträge von Weg -

gefährten fügen sich zu einem Bild, das den Zuschauer

Bluesbreakers ein. Freilich blieb der unstete Clapton auch

dort nach Auftritten und einigen Plattenaufnahmen zunächst

nur bis August 1965, kehrte allerdings im November zurück.

In dem Monat nahm er mit seinem Freund Jimmy Page

einige wenig bemerkenswerte Gitarrenstücke auf, die die

Kapazität der beiden Gitarristen nicht zur Geltung bringen.

Diese Aufnahmen tauchen regelmäßig auf frühen Clapton-

Zusammenstellungen auf und werden aus Marketing-

Gründen gern über den grünen Klee gelobt.

wirklich mitnimmt und sich wohltuend von Dokumen ta tio nen

unterscheidet, in denen pausenlos Statements vor laufender

Kamera gesprochen werden. Gemeinsam mit Claptons

2007 erschienener Autobiografie „Mein Leben“ wird nachvollziehbar,

warum er den Blues à la Robert Johnson und

Muddy Waters so liebt. Wenn man im Glauben gelassen

wird, die eigene Mutter sei die große Schwester, und die

Mutter später auch nicht zu ihrem Kind steht, kann man

rasch den Blues bekommen. Denn derart einschneidende

Erlebnisse sind zweifelsohne nur schwer zu verkraften.

Claptons Talent als Gitarrist wurde früh sichtbar. Ab

Jahres beginn 1963 spielte er professionell in der kurzlebigen

Band The Roosters. Im August des Jahres verließ er

sie und schloss sich im Monat darauf Casey Jones And The

Engineers an, wechselte aber schon im Oktober zu den

Yardbirds. Sein Gitarrenspiel fand ein stetig wachsendes

Publikum. Als er auch dieser Band im März 1965 den Rücken

kehrte, weil ihm die mit dem Hit „For Your Love“ eingeschlagene

Pop-Richtung missfiel, war das Staunen über

sein Ausscheiden angesichts eines veritablen Hitparaden-

Er folges groß. Clapton fühlte sich jedoch mehr denn je vom

Blues angezogen und stieg deshalb bei John Mayalls

Mit dem im April 1966 aufgenommenen bahnbrechenden

Blues-Album „Bluesbreakers With Eric Clapton“ revolutionierte

Clapton den Gitarrensound und spielte unter

anderem auf dem Stück „All Your Love“ ein wegweisendes

Solo. Kurz davor hatte er sich nebenher auf Betreiben von

Joe Boyd, Leiter des neueröffneten Londoner Büros des

US-amerikanischen Musiklabels Elektra Records, mit Paul

Jones, Jack Bruce, Steve Winwood, Pete York und Ben

Palmer zur Band Eric Clapton And The Powerhouse zusammengetan.

Ende März 1966 entstanden im Studio die

Tracks „I Want To Know“, „Crossroads“ und „Steppin’ Out“,

die im selben Jahr auf dem Sampler „What’s Shakin’“ veröffentlicht

wurden; ob Clapton und das Powerhouse noch

ein viertes, bislang unbekanntes Stück aufnahmen, ist bisher

ein Gerücht geblieben.

Nach seinem zweiten Anlauf bei Mayall schied Clapton

im Juli 1966 als festes Blues breakers-Mitglied endgültig aus.

Gemeinsam mit dem Bassisten Jack Bruce und dem

Drummer Ginger Baker entstand die legendäre Band

Cream, die Musikgeschichte geschrieben hat, unter anderem

mit Claptons fabelhaftem Live-Solo für „Crossroads“.

Nach exzessiven Tourneen brach auch sie im Oktober

musiker Magazin 3/2018


STORIES 31

1968 endgültig auseinander. Rückblickend sagte Clapton,

er wäre besser bei Mayall geblieben, denn Creams Musik sei

zu aggressiv gewesen. Außerdem war Clapton heroinabhängig

geworden.

Bevor Clapton sich einer neuen Band anschloss, steuerte

er ungenannt sein wegweisendes Gitarrensolo für George

Harrisons Song „While My Guitar Gently Weeps“ bei, das

Ende November 1968 auf dem „White Album“ der Beatles

heute erhältlichen DVD, die davon veröffentlicht worden

ist, Zeuge von Claptons schwindendem Interesse an der

Band wird, auch wenn er an sich einwandfrei spielt. Die

ständigen Auftritte seit Cream und der Star-Rummel hatten

ihn ausgelaugt, und genauso wenig wie Cream hatten sich

auch Blind Faith keine Zeit gegönnt, gemeinsam ein größeres

Song-Repertoire zu erarbeiten als das auf der LP festgehaltene.

Deshalb konnte man bei späteren Wiederveröf -

fent lichungen des Blind-Faith-Albums außer auf einige

Aufwärm-Jams nur wenige Bonus-Tracks aus der Zeit von

1969 präsentieren.

»Claptons wohl berühmtestes

Album entstand von Ende

August bis Anfang Oktober 1970

in Miami mit Duane Allman

als zweitem Gitarristen.

„Layla and Other Assorted Love

Songs“ wurde zu

einem weiteren Meilenstein des

Gitarristen und mit dem Song

„Layla“ zu einer Song-Legende.«

herauskam. Entschieden leichtgewichtiger war da Claptons

Ukulele-Beitrag für „The Intro And The Outro“ auf dem 1967

erschienenen Album der britischen Musik-Komiker-Truppe

The Bonzo Dog Doo-Dah Band gewesen, die mit dem Hit

„I’m The Urban Spaceman“ in Erinnerung geblieben ist.

Für deren Bandleader Vivian Stanshall 1970 und den

Song „Labio Dental Fricative“ spielte Clapton dann aber

auch ein durchaus bemerkenswertes Blues-Solo und war

außerdem auf der Flip-Seite bei „Paper Round“ zu hören.

Clapton schien sich schon damals überall musikalisch zu

Hause zu fühlen.

Als er im Februar 1969 mit dem bei der Spencer Davis

Group ausgestiegenen Steve Winwood, Cream-Drummer

Baker und dem Family-Bassisten Rick Grech die neue

Supergruppe Blind Faith bildete, hatte es den Anschein,

dass Clapton gleichsam von einem Höhepunkt zum anderen

eilte. Das gleichnamige Album „Blind Faith“ geriet

jedenfalls zu einer weiteren ausgezeichneten LP, blieb aber

das einzige Album dieser Band. Im Januar 1970 löste sie

sich nach Konzerten, die Clapton immer weniger Ver gnügen

bereiteten, auf. Blind Faith wurden bei ihrem Konzert im

Londoner Hyde Park gefilmt, sodass man mittels der

Zwischendurch war Clapton schon im September 1969

mit John Lennon für einen Live-Auftritt auf dem Toronto-

Rock-and-Roll-Revival-Konzert nach Kanada geflogen.

Lennon hatte die Plastic Ono Band dafür quasi aus dem

Boden gestampft, und die Proben für das Konzert, auf dem

der erst später als Lennon-Single aufgenommene Titel

„Cold Turkey“ gespielt wurde, fanden während des Hinfluges

statt. Mit Blind Faith wollte Clapton auch nicht länger im

Vordergrund stehen. Als während Blind Faiths US-Tournee

die Vorgruppe Bonnie, Delaney & Friends auftrat, schloss

Clapton sich im Januar 1970 dieser an. Hier konnte er vom

Stargeschäft pausieren. Beim Live-Auftritt dieser For ma -

tion im Dezember 1969 im Kopenhagener Falkoner Teatret

kam auch Claptons Freund George Harrison mit auf die

Bühne. Das Album „Bonnie, Delaney & Friends On Tour With

Eric Clapton“ ist gute Unterhaltung, musikalisch aber kein

großer Wurf. Mit seiner Virtuosität hält Clapton sich völlig

zurück. Die Auszeit hatte für ihn im März 1970 ihr Ende,

nachdem er sich noch im Herbst 1969 an Auf nahmen für

ein neues Album der Band beteiligt hatte. Im Januar 1970

hatte er mit ihr und anderen Musikern die Sessions noch

für sein eigenes erstes Solo-Album begonnen. Von diesem

gibt es drei Abmischungen. Der Mix des Toningenieurs

Tom Dowd wurde im August 1970 als LP veröffentlicht, die

einfach „Eric Clapton“ hieß. 2006 erschien auf der Deluxe-

Ausgabe des Albums der Mix von Delaney Bramlett,

wohin gegen Claptons eigene Version bislang nur auf dem

Bootleg-Markt zu finden ist. Unabhängig von den verschiedenen

Versionen präsentierte Clapton sich völlig anders als

in den Tagen mit den Bluesbreakers und mit Cream. Seine

leichthändig wirkende, zuweilen funkige Musik zeigt ihn auf

dem Weg zu einer neuen Selbstständigkeit. Songs des

Albums, darunter den Hit „After Midnight“, hat er über die

Jahrzehnte auf Konzerten immer wieder gespielt.

Am liebsten wäre Clapton damals jedoch Mitglied der

US-Truppe The Band geworden, wagte aber nicht, sie zu

fragen. Stattdessen tat er sich mit einigen Mitgliedern von

Bonnie, Delaney & Friends zu Derek And The Dominos zu -

sammen. Seinen eigenen Namen vermied er sehr zum Miss -

fallen von Ahmet Ertegun, Chef des US-Labels Atlantic, bei

dem Clapton in den USA unter Vertrag stand, denn der

Name Clapton auf Tonträgern und Konzertplakaten wäre

8

3/2018 musiker Magazin


32 STORIES

wohl entschieden geschäftsfördernder gewesen. Zwischen -

durch wirkte Clapton 1970 an zahlreichen Aufnahmen anderer

Musiker mit, etwas, was er auch künftig häufig tun sollte.

Er unterstützte den Beatles-Keyboarder Billy Preston, King

Curtis, die Crickets, P.P. Arnold, Steven Stills, Jesse Ed

Davis, Dr. John, Leon Russell, Buddy Guy und Junior Wells.

Auch für John Mayall griff er auf mehreren Tracks des

Doppelalbums „Back To The Roots“ zur Gitarre. Besonderes

Gewicht haben die London Sessions für den Bluesmusiker

Howlin’ Wolf von Anfang Mai 1970, die ganz nach Claptons

Geschmack im Zeichen des Blues stehen. Noch bemerkenswerter

ist seine Mitwirkung bei den Dominos an George

Harrisons erstem Soloalbum „All Things Must Pass“ von

Ende Mai bis Ende Oktober 1970. Clapton spielte auf den

Titeln „Wah Wah“, „Isn’t It A Pity“, „What Is Life“, „Run Of

The Mill“, „Beware Of Darkness“, „Awaiting On You All“

und „My Sweet Lord“ Gitarre und bei den Apple Jams, die

die dritte LP von Harrisons Dreifach-Albums füllten.

Während der Aufnahmen zu „All Things Must Pass“ be -

gann Clapton ab Juni 1970 unter dem Namen Derek And

The Dominos in Großbritannien und in den USA zu touren.

Konzerte wurden mitgeschnitten, und 1973 wurde daraus

das Doppelalbum „In Concert“ zusammengestellt, als es

die Band schon nicht mehr gab. 1994 erschien „In Concert“

stark erweitert als Doppel-CD unter dem Titel „Live At The

Fillmore“. Die Band war wirklich hervorragend aufgelegt,

viele halten den Mitschnitt für einen der besten von Clapton.

Claptons wohl berühmtestes Album entstand von Ende

August bis Anfang Oktober 1970 in Miami mit Duane

Allman als zweitem Gitarristen. „Layla and Other Assorted

Love Songs“ wurde zu einem weiteren Meilenstein des

Gitarristen und mit dem Song „Layla“ zu einer Song-Legende.

Clapton hatte ihn Pattie Boyd, der Frau seines Freundes

George Harrison, gewidmet, die er später heiraten und von

der er sich dann doch wieder scheiden lassen sollte.

„Layla And Other Assorted Love Songs“ kam zu Beginn

des CD-Zeitalters in einer Luxusausgabe heraus, angereichert

mit hörenswerten Jams von Clapton, seiner Band

und der Allman Brothers Band, um sich einzuspielen.

Zum 40. Jahrestag des Albums brachte Polydor eine

andere Deluxe-Ausgabe mit vielen anderen Bonustracks

auf den Markt, darunter Live-Aufnahmen und Outtakes aus

den Sessions. Derek And The Dominos gingen nach diesem

Klassiker für ein zweites Album ins Studio. Aber auch

diese Band war nicht von Bestand und zerbrach – nicht

zuletzt am hohen Drogenkonsum ihrer Mitglieder, der schon

bei den Aufnahmen zum Vorgängeralbum enorm gewesen

war. Claptons Heroinsucht ließ seinen Allgemeinzustand

zusehends schlechter werden. Für seine bis dahin atemlosen

musikalischen Aktivitäten blieb das nicht ohne Folgen.

Arg mitgenommen wirkte er an beiden Shows von Harrisons

„Concerts For Bangladesh“ am 1. August 1971 mit.

Rückblickend bedauerte Clapton, für „While My Guitar

Gently Weeps“ mit der Gibson Byrdland eine unpassende

Gitarre verwendet zu haben. Bald darauf schien Clapton

sein Interesse an Musik verloren zu haben. 1972 brachte sein

Label Polydor das Doppelalbum „History Of Eric Clapton“

heraus, um den Stillstand zu überbrücken. Es ist ein Rück -

blick bis in die Zeit mit den Yardbirds, angereichert mit zwei

alternativen Fassungen von „Tell The Truth“ vom Soloalbum

„Eric Clapton“.

»Mit der Bewältigung seiner

Heroinsucht hatte Clapton jedoch

gleichsam den Teufel

mit dem Beelzebub ausgetrieben.

Denn nun verfiel Clapton

dem Alkohol,

den er rückblickend als noch

schlimmer empfand,

nahm außerdem Kokain und

schluckte Tabletten.«

Who-Gitarrist Pete Townshend sorgte sich Ende 1973 um

seinen vom Heroin abhängigen Freund Clapton, der sich

ganz in sich zurückgezogen hatte. Obwohl seine Heroin -

sucht andauerte, konnte Townshend ihn jedoch zu zwei

Konzerten im Londoner Rainbow Theatre am 13. Januar

1973 überreden. Dieses Ereignis wurde zunächst als LP

vermarktet und später erheblich erweitert als CD. Die Kon -

zerte brachten Clapton zurück zur Musik. Er unterzog sich

einer Art Akupunktur-Behandlung seiner Heroinsucht, und

Anfang 1974 fühlte er sich nach mehreren für ihn verlorenen

Jahren wieder in der Lage, Musik zu schreiben. Zu -

nächst war Clapton mit den Ergebnissen unzufrieden, da

sie ihm zu steril klangen. Doch dann ging ihm alles wieder

zunehmend besser von der Hand. Als für sein neues Solo -

album Tom Dowd als Toningenieur und Produzent ge wonnen

werden konnte, reiste Clapton nach Miami Beach in die von

Dowd dort angemietete Luxusvilla 461 Ocean Boulevard,

die seinem kommenden Soloalbum den Namen geben

sollte. Dort entstand nach und nach mit dem ehemaligen

Dominos-Bassisten Carl Radle und neuen Musikern das

gleichnamige Album „461 Ocean Boulevard“, das im Juli

1974 veröffentlicht wurde. „461 Ocean Boulevard“ enthält

zahlreiche Perlen, allen voran „Motherless Children“ und

Bob Marleys „I Shot The Sheriff“. Es wurde zu einem der

erfolgreichsten Clapton-Alben, von dem 2004 eine Deluxe-

Ausgabe mit einem herrlichen Konzert-Mitschnitt herauskam

und 2013, gemeinsam mit den Alben „There’s One In

musiker Magazin 3/2018


STORIES 33

geprägt, und die Meinungen gehen nicht selten auseinander.

Kontrovers eingeschätzt wurde die mit Spannung er -

wartete Zusammenarbeit von Clapton und Ry Cooder an

„Money And Cigarettes“ (1983), bei dem der Funke zu selten

überspringt. „Behind The Sun“ (1985) wurde von Phil Collins

produziert. Der setzte jedoch sehr auf neue Techniken, was

zuweilen sogar Claptons Konzerte aus der Zeit beeinträchtigte,

so zu hören auf dem unlängst veröffentlichten Radio -

mitschnitt New York 1986, zu dem glücklicherweise Claptons

Auftritt auf dem Live Aid Concert 1985 in Philadelphia im

positiven Gegensatz steht. Gegen Synthesizer- und künstlich

anmutende Schlagzeug-Klänge anzutreten, missfiel dem

filigranen Gitarristen immerhin so sehr, dass er für August

(1986) Tom Dowd als Co-Produzenten neben Collins

gewann, weil Collins’ Arbeit sich nicht mit Claptons musikalischen

Vorstellungen deckte. Heraus kam dennoch nur

ein reichlich glattgebügeltes Album ohne allzu große Höhe -

punkte, weil die Produktion sich zu sehr am musikalischen

Mainstream orientiert hatte. Eine ähnliche Enttäuschung ist

die CD „Back Home“ (2005). Auch die Blues-Alben „From

The Cradle“ (1994), das ein Nummer-eins-Erfolg wurde, und

„Riding With The King“ (mit B.B. King) von 2000 bleiben

hinter ihren Möglichkeiten zurück – wohl weil die Live-

Atmosphäre ge fehlt hat.

Every Crowd“ und „E.C. Was Here“, das 6-CD/Blu-Ray-

Set „Give Me Strength: The ‘74/’75 Recordings“. Dieses

enthält unter anderem gemeinsame Aufnahmen mit dem früh

verstorbenen Freddie King, einem von Claptons Lieblings -

gitarristen.

Mit der Bewältigung seiner Heroinsucht hatte Clapton

jedoch gleichsam den Teufel mit dem Beelzebub ausgetrieben.

Denn nun verfiel Clapton dem Alkohol, den er rückblickend

als noch schlimmer empfand, nahm außerdem

Kokain und schluckte Tabletten. Bei Live-Auftritten aus der

Zeit kam der Gitarrist betrunken auf die Bühne und lieferte

sich un er quickliche Wortgefechte mit Konzertbesuchern.

Seit „461 Ocean Boulevard“ war sein zweiter Gitarrist

George Terry. Diesem überließ er auf der Bühne die meisten

und saftigsten Soli, was besonders auf dem gelungenen

Livealbum „E.C. Was Here“ von 1975 zu hören ist.

Und damit ist man bei dem Thema: Clapton ist live am

besten – schade, dass es dem WDR-Redakteur Peter Rüchel

trotz Bemühungen nie gelungen ist, Clapton für ein Konzert

der beliebten Rockpalastnächte zu gewinnen. Claptons

Studioalben hingegen schwanken stark in der Qualität.

Schlecht sind sie nie wirklich, aber so manches Album

lässt die emotionale Tiefe vermissen, die Konzerte in aller

Regel zu solch einzigartigen Erlebnissen werden lassen.

Natürlich sind solcherlei Einschätzungen stets subjektiv

Für lohnend halte ich aber neben „Eric Clapton“ und

„461 Ocean Boulevard“ eine ganze Reihe von Studioalben.

Sie gehen mit ungewöhnlichem Songmaterial zum Teil neue

Wege und haben die Kraft von Claptons Musik im Studio

eingefangen. „Slowhand“ (1977) bietet eine interessante Viel -

falt an Songs. „Wonderful Tonight“ und „Lay Down Sally“

stechen sicherlich hervor, und außerdem ist „The Core“

eine willkommene Cream-Reminiszenz. Die 2012 veröffentlichte

Deluxe-Ausgabe von „Slowhand“ brilliert vor

allem mit einem begeisternden Konzertmitschnitt aus dem

Londoner Hammersmith Odeon. „Backless“ (1978) knüpft

an „Slowhand“ an, hat aber nicht dessen Kraft, abgesehen

von dem erstklassigen Song „Tulsa Time“. Mit Einschrän -

kungen hat auch „Another Ticket“ (1980) seine Meriten und

gewinnt durch die Bandmitglieder Gary Brooker (Ex-Procol-

Harum) und den Gitarren-Hexer Albert Lee, der zu den

schnellsten seiner Zunft zählt. Welche Möglichkeiten hätte

das Songmaterial mit dem gleichnamigen Titelstück und

dem kraftvollen „Rita Mae“ wohl gehabt, wenn man das alles

live vor Publikum aufgenommen hätte?! „Journeyman“

(1989) ist eines der gelungensten Clapton-Alben, wohl nicht

zuletzt deshalb, weil er nach mehreren Anläufen seinen

Alkoholismus endgültig besiegt hatte. Clapton hat dafür

mehrere Songs geschrieben. Besonders erfrischend ist der

Eröffnungstitel „Pretending“. Aber auch die Bluesstücke

„Bad Love“ und „Old Love“ haben es in sich, erst recht dann,

wenn er sie live spielte wie seinerzeit auf der Tournee, mit

der er sein neues Album promotete und in Deutschland

Zucchero im Vorprogramm hatte, auf dessen Single

„Wonderful World“ er 1991 mitspielte. „An Pilgrim“ (1998) 8

3/2018 musiker Magazin


34 STORIES

scheiden sich die Geister komplett. Entweder wird „Pilgrim“

als Claptons schlimmster Flop erachtet oder aber als großartiger,

wagemutiger Wurf. Er hat hier nicht nur bewusst ein

Album in gedrückter Stimmung vorgelegt, sondern nach Phil

Collins mit dem Produzenten Simon Climie erneut mit Syn -

the sizern und Drum-Computer gearbeitet. Das hatten beide

zuvor schon ohne Erfolg auf dem anonym veröffentlichten

Album „T.D.E. Retail Therapy“ (1997) getan, an dessen

Misserfolg sich auch nichts änderte, als Clapton seine Mit -

wirkung doch publik machte. Anders als bei den Main -

stream-Aufnahmen von August ist mit „Pilgrim“ aber ein

Album gelungen, das man schwer aus Kopf und Herz be -

kommt. „My Father’s Eye“ und „River Of Tears“ sind wohl

die bekanntesten Titel des Albums, da Clapton sie gern

auch live gespielt hat. „Reptile“ (2001) ist ein ruhiges, solides

Werk, das gerade wegen der Spielfreude viel Vergnügen

bereitet. Stilistisch passt das Album aufs Erste nicht in den

Clapton-Kanon. Man kann aber froh sein, dass Clapton

damals schon tun und lassen konnte, was er wollte. Ein

ähnlich entspanntes und dennoch vielfältiges Album ist

„Clapton“ (2010), bei dem er kein Konzept verfolgte, sondern

den Dingen seinen Lauf ließ. Bei „Me And Mr. Johnson“

und den „Sessions for Robert J.“ (beide 2004) zeigt Clapton,

dass er auch dann, wenn es wenig spektakulär zugeht, der

geborene Bluesman ist. „The Road To Escondido“ (2006)

huldigt nicht einfach nur Claptons Idol J.J. Cale, sondern

brilliert durch das Zusammenspiel dieser beiden Aus nah -

memusiker, was so mancher allerdings als langweilig empfindet.

Mit „The Breeze – An Appreciation Of J.J. Cale“ (2014)

hat Clapton seinem 2013 verstorbenen Freund außerdem

posthum ein würdiges Laid-Back-Denkmal ge setzt, bei dem

einmal mehr die Meinungen auseinandergehen.

Verglichen mit dem Auf und Ab der Studioalben bereiten

fast alle Livealben aus Claptons Solokarriere meistens un -

getrübte Freude. „In Concert“ (1973) und „E.C. Was Here“

(1975) habe ich schon genannt. „Just One Night“ (1980)

sprüht nur so vor Spiellaune und punktet zudem mit dem

zweiten Gitarristen Albert Lee sowie dem Keyboarder Chris

Stainton, der Clapton häufig begleitete und auch jetzt in

Hamburg dabei war. „24 Nights“ zieht ein Resümee aus 24

Abenden, an denen Clapton unter anderem mit Buddy Guy

und auch großem Orchester in der Royal Albert Hall aufgetreten

war. An „Just One Night“ reicht dies nicht immer

heran, belohnt den Zuhörer aber mit einem großen Facetten-

Reich tum, der durch die Live-Atmosphäre gewinnt. Die Auf -

nahmen des im Oktober 1991 veröffentlichten Doppel albums

waren bis Ende Februar des Jahres entstanden, kurz vor

dem tragischen Tod von Claptons 5-jährigen Sohn Conor

am 20. März 1991. Um seine Trauer in einer Zeit zu bewältigen,

in der er gerade vom Alkohol losgekommen war,

schrieb Clapton „Tears In Heaven“ und ließ damit vielleicht

auch sein Flehen des Titels „Give Me Strength“ von „461

Ocean Boulevard“ Realität werden. In einer akustischen

Version gehört das ans Herz gehende „Tears In Heaven“

zu „Unplugged“ (1992), das Claptons erfolgreichstes Album

wurde. Clapton ohne elektrische Gitarre schien nicht denkbar

zu sein. „Unplugged“ beweist das Gegenteil, denn der

Musiker erzeugt auch mit der akustischen Gitarre enorme

Spannung und Wärme. Bis auf „Just One Night“ sind die

genannten Konzerte auch auf DVD zu bewundern, auf

denen der optische Eindruck den Hörgenuss immens steigert.

Nur als DVD erschienen ist Claptons „Live In Hyde

Park“ von 1996, bei dem er einmal mehr so der Musik verhaftet

spielt, dass er die in Massen er schienenen Zu schauer

verzaubert hat; zweiter Gitarrist war Claptons langjähriger

Begleiter Andy Fairweather Low, be kannt unter anderem

aus der ehemaligen britischen Band Amen Corner.

Übertroffen wird dieses Ereignis in meinen Augen nur von

»Claptons Studioalben

schwanken stark

in der Qualität.

Schlecht sind sie nie wirklich,

aber so manches Album

lässt die emotionale

Tiefe vermissen,

die Konzerte in aller Regel zu

solch einzigartigen

Erlebnissen werden lassen.«

dem Konzert aus dem Jahr 2001, das in dem „Set One More

Car, One More Rider“ festgehalten worden ist. Clapton und

seine Band spielen wie entfesselt. Ganz ausgezeichnet ist

sein langjähriger Drummer Steve Gadd, aber innerhalb der

Band bestechen die beiden vom Tempera ment unterschiedlichen

Keyboarder Billy Preston und David Sancious mit hinreißenden

Soli. Während Preston immer wieder aus dem

Häuschen gerät, spielt der ruhigere Sancious sein Keyboard

auch über einen mundstückartigen Peavy DPM Controller,

sodass man ein feinfühliges Saxophon zu hören meint.

Dieses Konzert, bei dem Clapton fantastische Soli nur so aus

dem Ärmel schüttelt, ist Gänse haut pur. Eine weitere musikalische

Sternstunde wurde mit „Live in San Diego“ von 2007

(veröffentlicht 2017) festgehalten. Clapton tritt mit seinem

Idol J.J. Cale sowie den beiden Gitarristen Doyle Bramhall II

musiker Magazin 3/2018


STORIES 35

und Derek Trucks auf. Der 1979 geborene Trucks war bei

der Allman Brothers Band der legitime Nachfolger des im

Herbst 1971 tödlich verunglückten Slide-Gitarristen Duane

Allman und zählt selbst zu den wichtigsten Rockgitarristen

der jüngeren Generation. Große Freude bereitet auch die Blu-

Ray „Planes, Trains and Eric „(2014) über Claptons Japan-

Tournee aus der Zeit, diesmal ohne weitere Gitarristen.

Leider ist die Blu-Ray als Dokumentation strukturiert worden,

bei der der Konzertmitschnitt immer wieder durch In ter views

unterbrochen wird. Demgegenüber ist die Live-Blu-Ray

„Slowhand At 70 – Live At The Royal Albert Hall“ (2015), nun

wieder mit dem zweiten Gitarristen Andy Fairweather Low,

ein durch und durch ungetrübtes Ver gnügen, das auch als

erweiterte Deluxe-Ausgabe erhältlich war.

„Live in the Seventies“, deren Titel eine andere Struktur

offenbart. Hier kann man gut vier Stunden in wirklich mitreißender

Clapton-Live-Musik schwelgen.

Clapton war bei anderen Musikern ein gern gesehener

Gast. Auf der Geburtstagsfeier von Keith Richards und

dem Saxophonisten Bobby Keyes spielte Clapton im

Dezember 1970 mit den Rolling Stones eine erregende

Version des Hits „Brown Sugar“ ein, die mittlerweile offiziell

auf der Deluxe-Version des Klassiker-Albums „Sticky

Fingers“ 2015 veröffentlicht wurde. Beim „The Last Waltz“,

dem Abschiedskonzert von The Band, der Clapton sich so

gern angeschlossen hätte, war er Ende Oktober 1976 mit

dabei (veröffentlicht 1978), 1979 bei der Feier zu Alexis

Clapton hat im Laufe seiner nunmehr schon 55 Jahre

dauernden Karriere so viele Alben und gefilmte Konzerte

vorgelegt (von den hunderten Bootlegs in Ton und Bild ganz

zu schweigen) und war an unzähligen Alben anderer Künstler

beteiligt, dass man letztlich aus dem Vollen schöpfen und

unmöglich in einem Artikel alles auch nur anreißen kann.

Daher folgen noch einige Schlaglichter.

Clapton wurden zahlreiche Werkschauen gewidmet. Die

wichtigste dürfte die 1988 erschienene 4-CD-Box „Cross-

roads“ mit zahlreichen bis dahin unveröffentlichten Tracks

sein. Unter diesen stechen die Aufnahmen für das zweite

Album von Derek And The Dominos hervor, mit der ur -

sprünglichen Studio-Fassung von „Got To Get Better In A

Little While“. 1996 folgte die 4-CD-Box „Crossroads 2“:

Korners 50. Geburtstag, die der Kölner Rockpalast veranstaltet

hatte – und so Clapton jedenfalls als Begleitmusiker

für den Rockpalast gewonnen hatte. Der Mitschnitt „The

Party Album“ erschien 1980 als Doppelalbum. Gemeinsam

mit den Ex-Beatles George Harrison und Ringo Starr bereicherte

Clapton das Konzert des Rock ‘n’ Rollers Carl Perkins

von 1985, das als DVD unter dem Titel „Carl Perkins &

Friends“ erhältlich ist. Im Jahr darauf spielte Clapton auf

zwei Konzerten zum 60. Geburtstag des Rock-‘n’-Roll-

Urgesteins Chuck Berry, woraus der Konzertfilm „Hail! Hail!

Rock ‘n’ Roll“ entstand, der 2006 sogar mit viel Bonus -

material angereichert als 4-DVD-Set auf den Markt kam.

1988 ging Clapton mit Mark Knopfler auf eine ausgedehnte

Tournee, die bis nach Japan führte. Zwischendurch spielten

sie im Juni des Jahres auf dem Konzert zu Nelson 8

3/2018 musiker Magazin


36 STORIES

»Zugunsten des von Clapton

1997 auf der Karibik-Insel

Antigua gegründeten

Rehabilitationszentrums

Crossroads Centre für

Alkohol- und Drogenabhängige

veranstaltet er die mehrtägigen

Crossroads Guitar Festivals.

Für dieses Projekt ließ Clapton

aus seinem riesigen

Gitarrenfundus erfolgreich

einige seiner bedeutendsten

Gitarren versteigern.

Allein seine berühmte Fender

Stratocaster Blackie brachte

knapp eine Millionen Dollar.«

Mandelas 70. Geburtstag im Londoner Wembley Stadion.

Beim 30th Anniversary Concert zu Ehren von Bob Dylan

am 16. Oktober 1992 im New Yorker Madison Square

Garden, das seinerzeit live im deutschen Fernsehen übertragen

wurde und mittlerweile in einer Deluxe-Ausgabe vorliegt,

fehlte Clapton ebenfalls nicht.

Als Clapton 1987 auf George Harrisons Album „Cloud

Nine“ mitspielte, unter anderem neben Elton John und

Ringo Starr, wurde das Gerücht laut, gemeinsam mit

Harrison seien sie die neuen Fab Four. Die Cream Reunion

von Anfang Mai 2005 in der Londoner Royal Albert Hall

und Anfang Oktober des Jahres im New Yorker Madison

Square Garden war hingegen 100 % echt und versetzte die

treuen Fans in den siebenten Himmel. Vorausgegangen

war eine Quasi-Reunion der Bluesbreakers im Juli 2003 im

Liverpooler King’s Dock zu John Mayalls 70. Geburtstag.

Damit war ein weiterer Traum wahr geworden. Neben den

vorzüglich aufgestellten damaligen Bluesbreakers glänzten

Clapton und der ehemalige Mayall- und Stones-Gitarrist

Mick Taylor mit fabelhaften Gitarrensoli, und mit auf der

Bühne stand das Jazz-Urgestein Chris Barber an der

Posaune. Clapton hatte spontan zugesagt, denn er bedauerte

immer noch, dass er vor Jahrzehnten Mayalls Band

sang- und klanglos verlassen hatte. Im Februar 2008 gaben

Clapton und Steve Winwood drei gefeierte Konzerte im New

Yorker Madison Square Garden und ließen damit zu einem

Gutteil die Blind-Faith-Zeiten wiederaufleben, denen sie

neues Leben einhauchten, mit Stücken aus dem jeweils

eigenen Repertoire versahen und auch eine wunderbare

Jimi-Hendrix-Hommage zelebrierten mit „Little Wing“ und

der langen Slow-Version von „Voodoo Chile“. 2009 erschien

dazu ein 2-DVD-Set, und ab Mitte Juni 2009 gingen Clapton

und Winwood schließlich auf eine ausgedehnte Tournee,

die sie auch nach Deutschland führte.

Wie gut Clapton sich in Bands mit anderen Könnern einfügen

kann, ist am Beispiel des im Zeichen von Jazz und

Blues stehenden Konzertes von Clapton mit Steve Gadd,

Marcus Miller, Joe Sample und David Sanborn zu sehen,

das sie 1997 auf dem Montreux Jazz Festival gaben. Der

2005 veröffentlichte Mitschnitt heißt treffend „Legends“.

Zum ersten Todestag seines Freundes George Harrison leitete

Clapton Ende November 2002 das „Concert For

George“ in der Londoner Royal Albert Hall, das nicht nur

illuster be setzt war (Paul McCartney und Ringo Starr ge -

hörten der All Star Band an), sondern auch ein Konzert der

Extraklasse ist. Veröffentlicht wurde es 2003. Ein weiteres

höchst be mer kenswertes und dennoch völlig ungewöhnliches

Kon zert ereignis lieferte Clapton, als er sich im New

Yorker Lincoln Center in die Band des Jazz-Trompeters

einreihte. 2011 veröffentlicht als „Wynton Marsalis & Eric

Clapton Play The Blues“ erntete Clapton dafür nicht nur

wohlwollende Kritiken.

musiker Magazin 3/2018


STORIES 37

Eine herausragende Stellung nehmen freilich die mitunter

mehrtägigen „Crossroads Guitar Festivals“ ein, die

Clapton von 2004 bis 2013 alle drei Jahre zugunsten des von

ihm 1997 auf der Karibik-Insel Antigua gegründeten Reha -

bilitationszentrums Crossroads Centre mit Gitarristen veranstaltete,

die er selbst eingeladen hat. Er hat damit seine eigenen

Erfahrungen mit Drogen- und Alkoholmissbrauch in

prak tische Hilfe umgesetzt. Begonnen hatte er diese Aktivi -

täten schon 1999 mit befreundeten Musikern, darunter Bob

Dylan, mit einem Wohltätigkeitskonzert im New Yorker

Madison Square Garden. Zudem ließ er aus seinem riesigen

Gitarrenfundus u. a. höchst erfolgreich einige seiner bedeutendsten

Gitarren für die Einrichtung versteigern. Allein seine

berühmte Fender Stratocaster Blackie brachte knapp eine

Million Dollar ein.

Die musikalische Bandbreite der bisherigen „Crossroads

Guitar Festivals“ ist kaum zu fassen. Clapton selbst spielte

dabei gemeinsam mit den verschiedensten Künstlern, was

seine Ausnahmestellung unterstreicht. Dabei hat er auch

die Größe, einen ausgezeichneten Slide-Gitarristen wie

Sonny Landreth auf der Bühne „my hero“ zu nennen (auf

Landreths Album „From The Reach“ von 2008 ist Clapton

auch zu hören). Von den Großereignissen zeugen mittlerweile

fünf DVDs, die nur Ausschnitte aus den opulenten Pro -

grammen bieten können. Deshalb wünscht man sich einfach

mehr. Es hieß, 2017 oder 2018 solle es eine Fortsetzung

geben. Dass es dazu bislang nicht gekommen ist, wird

Claptons Gesundheitszustand geschuldet sein. Clapton hat

jüngst mit der Band Hawkwind das Stück „The Watcher“ auf -

genommen, das demnächst auf der Hawkwind-CD „Road

To Utopia“ herauskommen wird. Völlig überraschend ist sein

Beitrag nicht. Denn Hawkwind-Mitgründer Dave Brock und

Clapton spielten 1962 als Blues-Duo in Gaststätten und

Bars. Zeitweises Mitglied von Hawkwind war übrigens

Cream-Drummer Ginger Baker, nur ein Gastspiel des verstorbenen

Cream-Bassisten Jack Bruce fehlt.

Auf welche weiteren Veröffentlichungen des Gitarristen

und Sängers Clapton mag man hoffen können? Wahr -

scheinlich im Wesentlichen auf Live-Mitschnitte, von denen

es seit den 1960er-Jahren viele geben muss. Bislang ging

Clapton gern auf Tournee, denn nach eigenen Angaben

hielt er es an einem Ort nie lange aus. Deshalb wird der

Fundus an Aufzeichnungen geradezu unerschöpflich sein,

und sehr wahrscheinlich werden daraus nach und nach

offizielle Konzertmitschnitte herauskommen, die den vielen

kursierenden Bootlegs Konkurrenz machen. Nicht alles wird

vermutlich ungeteilte Begeisterung auslösen. Die in letzter

Zeit herausgekommenen Cream-Konzerte machen klar, dass

der damalige Produzent Felix Papalardi für die offiziellen

Cream-LPs unter den vorhandenen Live-Aufnahmen eine

vorzügliche Auswahl getroffen hat. Außerdem muss man

auch nicht jeden einzelnen Ton eines Musikers als Kon serve

vorhalten. Schließlich geht es um die spannungsreiche

Musik, die sich alle wünschen und jenseits der Sprach -

barrieren erleben können. Genau das lässt diese Kunstform

einzigartig dastehen.

Nächste Folge: JOHN MAYALL – THE GODFATHER

OF BRITISH BLUES

text: DR. NORBERT APING

geboren 1952, Buchautor und leiter des

Amtsgerichts in Buxtehude.

grAFiK: 123CREATIVECOM/FOTOLIA

Fotoquelle: UNIVERSAL MUSIC; WIKIPEDIA

SCHON GEHÖRT?

JETZT MODER RNSTE IN-EARS TESTEN.

Egal ob Profi- oder Hobbymusiker, Musikliebhaber oder Gamer: Hörluchs bietet pro-

fessionelle sionelle In-Ears für die unterschiedlichsten Ansprüche und Anwendungsgebiete.

Die Fertigung mittels 3D-Smart-Technology

ermöglicht eine überaus flache und

kompakte Ausführung mit individualisierter Passform und hohem Tragekomfort.

Entdecken Sie den Unterschied und testen Sie verschiedenste In-Ear-Systeme in

unserer Reinhörstation.

Köttgen Hörakustik GmbH & Co. KG

50672 Köln

Hohenzollernring 2-10

Telefon: 0221 - 20 23 20

musiker@koettgen-hoerakustik.de

koettgen-hoerakustik.de


38 STORIES

»Es gibt nichts,

was dieser Mann nicht

selbst macht«

STEFAN LAUTERBACH

Den Namen Stefan Lauterbach hat man sicher noch nicht oft zur

Kenntnis genommen, aber es sieht ganz so aus,

als dass wir von diesem interessanten und vielseitigen Musiker

und Menschen in Zukunft noch öfter etwas zu hören bekommen.

Seinen Namen haben die Besucher des letzten

Deutschen Rock & Pop Preises bei den Preisverleihungen

allerdings mit Abstand am häufigsten mit Staunen

und Anerkennung gehört. Grund genug fürs Musiker Magazin,

Stefan zum Interview zu bitten.

MM: Beim letzten Rock & Pop Preis warst

du ja der große Abräumer mit zehn Preisen.

Wofür waren sie denn und wie fühltest du

dich dabei?

STEFAN LAUTERBACH: Nun, zuerst war mir

schon ein wenig blümerant, aber als dann ein

Preis nach dem anderen in meinen Händen a n-

kam, war es ein tolles Gefühl, dass die Arbeit, die

ich in meine Werke investiert habe, so gewürdigt

wurde – von Leuten, die Ahnung davon haben und

auch von Kolleginnen/Kollegen, die auch mit mir

auf der Bühne standen, sich mit mir mitfreuten!

Das ist auch ein weiterer Anschub für kommende

Projekte. Ich bin für ein Instrumental album in sechs

Kategorien prämiert worden, u. a. „Bestes Instru -

mental album“, „Bestes Arrangement“, „Beste

Komposition“ und „Beste Percussion“. Für eine

Trancenummer bekam ich auch noch Preise sowie

für einen englischsprachigen Popsong.

MM: Während der Vergabe wurdest du auch

anmoderiert mit „Es gibt nichts, was dieser

Mann nicht selbst macht“. Was war damit

gemeint?

SL: Ich denke, das war zum einem dahingehend

gemeint, dass ich für das Artwork des Instru -

mental werkes in der Kategorie „Bestes Cover“

auch einen Preis erhielt. Ich fertige, wenn die Zeit

es zulässt, Bleistiftzeichnungen von Pflanzen an,

die teils auch in einer Fachzeitschrift erscheinen.

Weil das Album „Songs from the Jungle“ heißt,

war es für mich naheliegend, meine musikalischen

Ideen mit visuellen zu verbinden. Andererseits

mache ich aber auch alles andere allein, von der

Komposition bis zum Arrangement, dem Ein -

spielen aller Instrumente und dem finalen Mix.

MM: Da hattest du sicher auch so einige

Lehrer, was?

SL: Nö. Niemanden. Du musst wissen, dass mein

Vater schon sehr früh gestorben ist und meine

Mutter nicht viel Geld hatte. Ich bin in sehr einfachen

Umständen aufgewachsen, wollte aber

schon immer Musik machen. Ich musste mir viele

Fähigkeiten aneignen, dies war sicher ein initialer

Motor für die Entwicklung von Fantasie und Hart -

näckigkeit; insbesondere, wenn man eine kreative

Ader hat und die dann Bahn nach draußen

brechen will. Und weil dieser schöpferische Antrieb

so groß ist, habe ich mir dann auch das Equipment

zusammengespart, um meine Ideen vom Geist

und vom Herzen nach draußen in die Welt zu

trans portieren. Das ist verdammt hart und wirklich

nicht witzig, hat mich aber sicher auch ge -

formt ...

MM: Ich habe dein Album und die anderen

Stücke gehört und bin überrascht, wie vielfältig

und authentisch und auch bis ins Aller -

kleinste ausgearbeitet deine Arbeiten sind.

Bist du stilistisch irgendwo zuhause?

SL: Eigentlich nicht. Es gibt zwar, weil ich in erster

Linie und mit Leidenschaft Gitarrist bin, Stile bzw.

Spieltechniken, die ich lieber mag als andere,

jedoch bin ich für alles offen, weil ich mich nicht

beschränken mag und meiner Musik alles geben

möchte, was in meinem Kopf herumgeistert. Dazu

gehört auch, dass ich jeder Idee eine Chance gebe

und sie austeste; ganz gleich, ob es das Arran ge -

ment oder die Instrumentierung betrifft. Und all das

arbeite ich halt so lange aus, bis es das ist, was

ich im Inneren schon gehört hatte.

musiker Magazin 3/2018


STORIES 39

SL: Das hat unterschiedliche Gründe. Der Haupt -

grund ist der, dass ich derzeit an einem sehr ab -

wechslungsreichen Popalbum arbeite, das auch

„massentauglich“ sein wird. Nach dessen Ver -

öffentlichung reiche ich dann die anderen Arbeiten,

auch die prämierten, Stück für Stück nach. Das

Instrumentalalbum ist zwar toll für Liebhaber

komplexer Werke, aber das ist nun einmal etwas

Spezielles, mit dem man nicht ein größeres Forum

erreicht, und das wäre sehr schade. Deshalb

spare ich mir das und Anderes für später auf.

Sicher werde ich dann auch mehr im Netz präsent

sein, aber erst einmal stehen noch die anderen

Arbeiten an.

MM: Dein Musikvideo „New York City Lights“

kann man ja zum Glück auf YouTube sehen

bzw. auch streamen. Damit hast ja auch vor -

letztes Jahr deinen ersten Preis in der Ka te -

gorie „Bestes Musikvideo“ gewonnen. Es ist

ja auch etwas ganz Anderes, als man ge -

mein hin bei einem Musikvideo kennt. Wie

bist du denn darauf gekommen und wie ist

es entstanden?

SL: Freunde und ich haben einer Freundin geholfen,

ihre Garage für den Sperrmüll auszuräumen.

Da waren auch noch Spielsachen drin, nämlich

ein Hubschraubermodell und kleine Autos. Da war

die Idee zu dem Video für dieses Instrumental -

stück schon geboren – Großstadt und Verkehr.

Wir haben dann im Wohnzimmer mit Kartons, die

wir andeutungsweise als Hoch häuser bemalt hatten,

in der Stop-Motion-Technik mit viel Geduld

dieses Video aufgenommen. Viele, viele Fotos

von den Autos und raffiniertes Schneiden des

Materials hat die Autos dann zum Laufen ge -

bracht und schon bei den ersten Blicken setzt

man die Bilder als Szenen in einer Großstadt

zusammen. Das ist echte Illusion!

MM: Aus welcher Quelle kommen so viele

Ideen?

SL: Die Voraussetzung für ein intensives, tiefes

Arbeiten mit der Musik ist für mich Ab ge schie -

den heit und Rückzug. In der Natur kann ich meinen

inneren Kompass wieder auf neutral stellen,

um den Ideen wieder Platz zu bieten und in mein

Inneres zu hören. Ich habe eine große Achtung

vor allem, was lebt und bin immer aufs Neue fasziniert

von der Fülle und dem Erfindungsreichtum

der Natur, die eine große Inspirationsquelle ist.

Dann habe ich meinen Ipod dabei, dem ich

meine Gedanken diktiere. Natürlich ist das aber

kein mechanischer Prozess, den man nach Be -

lie ben aufrufen kann. Ich habe zum Beispiel auch

versucht, mit meinen abwechslungsreichen

Kom po sitio nen im „Jungle“ die Vielfalt der Natur

nachzuempfinden und mit meinem musikalischen

Spie gel abzubilden. Die Natur und das

eigene Dasein mit Dankbarkeit und Demut zu

be trachten ist etwas, was jeden Menschen

bereichert.

MM: Wenn man dich im Netz sucht, merkt

man, dass du gar keine Internetpräsenz hast

und bisher nur ein Stück veröffentlicht hast.

Warum ist das so?

MM: Ich habe den Eindruck, als wenn vor

mir ein sehr bescheidener und reflektierter

Mensch sitzt, von dem man nicht denken

würde, dass er ein solches Potential hat und

viel Authentizität in seine Musik bringt. Wie

geht das?

SL: Die Magie der Kunst, insbesondere der Musik

ist für mich, dass sie dann ein Spiegelbild deines

Inneren ist, wenn Sie wirklich aus deiner Tiefe

kommt, und ich glaube, das ist es, was Menschen

dann auch in sich spüren, wenn sie wirklich zu -

hören. Dazu gehört aber auch der Mut der Künst -

lers, dies zu offenbaren. Und weil ich die Herzen

der Menschen erreichen möchte, arbeite ich

immer wieder daran. Das kostet natürlich auch

ein Quantum an Kraft und ist sicher nicht im Vor -

beigehen getan, deshalb kann eine Produktion 8

3/2018 musiker Magazin


40 STORIES

»Die Magie der Kunst,

insbesondere der Musik ist für mich,

dass sie dann ein Spiegelbild deines Inneren ist,

wenn Sie wirklich aus deiner Tiefe kommt,

und ich glaube, das ist es, was Menschen dann auch

in sich spüren, wenn sie wirklich zu hören.

Dazu gehört aber auch der Mut der Künst lers,

dies zu offenbaren.«

bei mir auch einmal länger dauern. Daraus folgt

auch, dass ich lieber der Produzierende, nicht

der Konsumierende bin. Mir ist die Substanz

wichtig, nicht die Fassade. Ich halte mich auch

soweit es geht von der medialen Überflutung fern.

Stundenlanges Sitzen vor dem Bildschirm oder

Handy, um herumzusurfen, zu chatten oder was

auch immer, das ist absolut nicht mein Ding und

würde mich nur davon abhalten, mich musikalisch

weiter zu entwickeln, Ideen umzusetzen,

kurz, mich auszudrücken in Melodien, Rhyth men,

Klängen, Texten und Gesten, denn die Kunst der

Pantomime halte ich auch für ein tolles Mittel,

seine Musik zu visualisieren. Dies kann aber nur

in mir selbst passieren, soweit wie möglich ohne

äußere Einflüsse. So stelle ich auch sicher, dass

ich meine Musik so mache, wie ich sie für richtig

halte, ohne mich an Trends oder Strömungen zu

halten.

MM: Gibt es jemanden, der auch einmal wäh -

rend des Schaffens hinein hört und seine

Mei nung sagt?

SL: Wenige Freunde, aber vor allem meine

Schwester, die selbst künstlerisch engagiert ist.

Wir sagen uns recht schonungslos, was uns an

der Arbeit der anderen gefällt oder auch nicht.

Das kann zu Änderungen führen, aber auch dazu,

dass man eine Idee verwirft, oft ahnte man das

meist schon unbewusst im Vorfeld. Diejenigen

Freunde, die meine Kompositionen kennen, sagten

einmal: „Allen deinen Arbeiten ist gemeinsam,

dass sie immer wieder sehr harmonisch und me -

lodisch sind. Auch wenn du verschiedene Stile,

besonders bei deinem neuen Projekt, verarbeitest,

so habe ich immer wieder das Gefühl, dass

ich bei jedem Song in jeweils ein anderes Zimmer

gehe, aber dennoch weiß ich, dass all diese

Zimmer in demselben Haus sind und ich alles so

empfinde, als könne es gar nicht anders sein.“

Das ist etwas, was mich sehr freut. Und die

Preise beim letzten Wettbewerb erfreuen und be -

stätigen mich schon allemal!!

MM: Wirst du bei deinem neuen Album auch

wieder alles allein machen?

SL: Ich werde tatsächlich wieder allein arbeiten,

aber es werden auch Songs dabei sein, für die

Frauenstimmen notwendig sind. Deshalb habe ich

noch ein wichtiges Anliegen: Für mein neues

Projekt brauche eine oder mehrere Sängerinnen,

vorzugsweise auch, wenn sie ein Instrument (gern

auch Bass) spielen und engagiert dabei sind.

Wer möchte, kann sich gern melden.

Ganz altmodisch per Telefon: 04761/1059 oder

04761/749677.

MM: Vielen Dank, Stefan, es war toll, mit dir

zu sprechen und so viele interessante Ge -

danken zu hören! Wir sind gespannt, wie

dein neues Projekt sein wird!

SL: Ich bedanke mich, dass ihr mir diese Ge -

legenheit gegeben habt!

INTERVIEW: OLE SEELENMEYER

GRAFIK: © TAW4 / FOTOLIA.COM

FoToQUELLE: STEFAN LAUTERBACH

musiker Magazin 3/2018


Mit unserer Großen unterwegs.

Alphastage 160 – jedem Konzert gewachsen.

© Fotos: Markus Kohz, cross-effect

Aufbau in drei Stunden: vier Personen + hydraulische Unterstützung.


42 STORIES

Die ultimative Pink Floyd Tribute Band

MM: Warum habt ihr gerade eine Pink Floyd

Tribute Band gegründet?

KING OF FLOYD: Ganz einfach, weil die großartigen

Kompositionen weiterhin gespielt werden

müssen, damit der Sound lebendig bleibt.

Es war ja insbesondere aufgrund der Differenzen

zwischen David Gilmour und Roger Waters nicht

mehr damit zu rechnen, dass sich Pink Floyd

jemals wieder vereinigen würden, und ganz be -

stimmt nicht nach dem Tode von Richard Wright

am 15.09.2008.

MM: Was fasziniert euch an der Band und

warum wolltet ihr keine Band mit Eigen kom -

positionen sein?

KING OF FLOYD: Wenn man mit der Musik von

Pink Floyd groß geworden ist und z. B. im März

1973 die Veröffentlichung von „Dark Side Of The

Moon“ hautnah miterlebt hat, dann lässt sich

nachvollziehen, welche Bedeutung die zeitlose

Musik und der Sound für uns hatten. Die KINGS

OF FLOYD setzen das Thema 1:1 um und somit

beginnt die Faszination schon beim Erklingen

des G-Moll-Akkords im Intro von „Shine On You

Crazy Diamond“.

Eigene Kompositionen spielen wir in anderen

Bandprojekten. Mark Gillespie z. B. veröffentlicht

Mit musikalischer Extraklasse, hervorragendem

Stage-Design und großartigem Sound

begeistern Kings of Floyd das Publikum und rufen

die nahezu perfekte Illusion eines Pink-Floyd-

Konzertes hervor.

regelmäßig Alben mit seinen Kompositionen, die

er auch auf seinen Touren promotet.

Es ist ein Trugschluss zu glauben, die Dar bie -

tung im Tributebereich sei nicht kreativ, nur weil

es keine eigenen Kompositionen sind.

Die exakte Reproduktion ist sicherlich sehr

kreativ, oder würde man einem Sinfonie or -

ches ter die Kreativität bei der Aufführung eines

klassischen Meisterwerkes absprechen?

MM: Wie schafft ihr es, einen Sound zu finden,

der so dicht am Original ist?

KING OF FLOYD: In erster Line ist es der ge -

samte musikalische Einfluss. David Gilmours

Spielweise ist ja sehr bluesig und er hat damit

schon in den 70ern eine Reihe von Gitarristen

beeinflusst. Noch heute wollen viele so klingen

wie er. Mithilfe der musikalischen Wurzeln werden

manche Charakteristika unbewusst inkorporiert,

sodass am Ende auch mal ein Bending

oder Vibrato ähnlich klingt wie etwa bei David

Gilmour. Die technische Umsetzung mit Equip -

ment ist dann eher sekundär.

MM: Bei eurer Show gehen Musik und visuelle

Effekte Hand in Hand. Was ist das besondere

an eurem Sound- und Lichtdesign?

KING OF FLOYD: Wir versuchen dabei, uns möglichst

am Original zu orientieren. Es gibt ein paar

Signature Designs, wie z.B. die runde Lein wand -

projektion und der große Halbkreis. Aber die

Technik hat sich enorm entwickelt, niemand

würde das heute noch mit PAR-Scheinwerfern

wie in den 70ern umsetzen, heute stehen uns

Movingheads und Laser zur Verfügung.

musiker Magazin 3/2018


STORIES 43

»Der Zuschauer im Tribute-

Bereich möchte keine

kreativen Improvi sa tionen,

er wünscht sich

das originale Klang er lebnis

von den Alben

und möchte in seine

Ver gangenheit

zurückversetzt werden.«

MM: Worauf legt ihr Wert bei eurem Equip -

ment? Worauf seid ihr besonders stolz?

KING OF FLOYD: Auch da orientieren wir uns

am Original. Die typischen Anlagen mit WEM-

Boxen und Hiwatt Amps waren für die damalige

Zeit typisch.

MM: Wie bringt ihr das Ganze auf die Bühne?

KING OF FLOYD: Das gelingt im Grunde nur mit

einer erstklassig eingespielten Crew. Die Venue

Specs sind ja in der Regel online abrufbar. Beim

Get-in werden die Standardabläufe durch den

Stagemanager und den Backliner koordiniert.

MM: Wie bewältigt ihr den Transport des um -

fassenden Equipments?

KING OF FLOYD: Mit der Zeit ist alles gewachsen,

aktuell sind wir bei zwei 7,5-t-Lkws angelangt.

MM: Wie lief eure Recherche ab? Wie be -

schäftigt ihr euch mit Pink Floyd, um eine

gute Tribute-Show abzuliefern?

KING OF FLOYD: Ich hatte das Glück, Pink

Floyd zweimal live erleben zu können, zuerst

am 29.01.1977 in der Deutschlandhalle in Berlin

im Rahmen der „Animals Tour“ und dann später

in Dortmund die „The Wall Show“ im Februar

1981. Beide Konzerte haben einen bleibenden

Eindruck hinterlassen, denn der betriebene technische

Aufwand war immens. Die Eindrücke von

damals sind sicherlich ein Vorbild, eine Tribute

Show in diesem Genre zu entwickeln. Mittler -

weile gibt es ja viele YouTube-Videos auch aus

der damaligen Zeit, an denen man sich noch mal

genauer orientieren kann. Die Umsetzung ist

letztendlich ein Hybrid aus den historischen

Elementen mithilfe modernerer Technik.

MM: Der Stimme von Roger Waters oder dem

Gitarrenspiel von David Gilmour, der Syd

Barret 1968 ersetzte, das Wasser zu reichen

ist nicht leicht. Wie geht ihr damit um?

KING OF FLOYD: Ich würde mich eher fragen,

wie das Publikum damit umgeht, eine Tribute

Show zu besuchen und dabei das Original im

Ohr zu haben. Das bedeutet, die Erwartungen

sind riesig.

Wenn die Presse dann schreibt, „nahezu wie

das Original, und wenn man die Augen schließt,

hat man den Eindruck, man höre David Gilmour“,

dann meine ich, haben wir alles richtig ge -

macht, oder?

MM: Wie sieht es aus mit eigener Kreativität

im Tribute-Bereich – in erster Linie versucht

man ja, die Songs so gut es geht nachzuspielen?

KING OF FLOYD: Im Tribute-Bereich gibt es

keine Kreativität im Sinne von Interpretation oder

Arrangement. Es gibt keine Improvisation wie

etwa im Jazz, wo auch Songs aus dem Ameri -

kanischen Songbook „nachgespielt“ werden,

die bis auf das ursprüngliche Thema ein völlig

neues Gesicht bekommen, z. B. durch Umhar -

moni sierung oder Verwendung anderer Beats.

Der Zuschauer im Tribute-Bereich möchte

keine Interpretationen oder kreativen Improvi -

sa tionen, er wünscht sich das originale Klang -

er lebnis von den Alben und möchte in seine

Ver gangenheit zurückversetzt werden.

Die Kompositionen so zu spielen, wie sie im

Original geklungen haben, erfordert sicherlich

ein erhebliches Potenzial an Kreativität, denn es

wird ja etwas erzeugt. Der Begriff Tribute sollte

nicht mit Cover verwechselt werden.

Web: WWW.KINGSOFFLOYD.COM

IntervIeW: OLE SEELENMEYER

Foto: © WEBROCK-FOTO.COM

GraFIkquelle: KING OF FLOYD

3/2018 musiker Magazin


44 STORIES

»Smoke On The Mountain« – neues Album nach 16 Jahren

MM: Warum habt ihr nach fast 16 Jahren

doch noch ein neues Eternal-Flame-Album

aufgenommen?

ETERNAL FLAME: Das Ganze entstand eigentlich

schon 2012, als mich meine japanische Platten -

companie angerufen hat und uns gefragt hat, ob

wir noch mal ein Album machen könnten, da die

Vorgängeralben wie „Desire“ und „King Of The

King“ wieder gefragt wurden. Wir hatten aber

sehr sehr viele Projekte gerade in unserem Studio

gleichzeitig am Laufen. So haben wir eben über

ein paar Jahre Stück für Stück an Songmaterial

zusammengetragen.

MM: Was habt ihr in der Zwischenzeit ge -

macht?

ETERNAL FLAME: Helmut und ich haben eine

kleine Produktionsfirma gegründet und viele Pro -

duk tionen gemacht, die aber in vielen Bereichen

nicht nur was mit Rockmusik zu tun hatten.

Darunter waren auch Schlagersachen wie das

letzte Album von Jürgen Marcus – „Zeitreif“ –

oder Soul, Deutsch-Pop sowie auch Spots für

die Werbeindustrie.

MM: Warum habt ihr ganze sechs Jahre an

dem Album gearbeitet?

ETERNAL FLAME: Nun ja, wir haben erst einmal

gebraucht, bis wir Zeit gefunden haben neben der

ganzen Arbeit im Studio. Dazu kam noch, dass

Helmut mit seiner Frau nach Spanien umgezogen

ist. Bis alles wieder am Laufen war, verging

hier schon fast ein ganzes Jahr. Als wir mit dem

Material fertig waren, wollten wir es eigenlich nicht

selber mixen und gaben die Dinge außer Haus,

um nicht zu betriebsblind zu werden. Was wir da

allerdings teilweise zurückbekamen, wollten wir

nicht. Ich habe dann gesagt: „Ich brauche erst mal

Abstand.“ Zu dem Zeitpunkt habe ich dann Ossy

Pfeiffer aus Hannover von „Ignor The Sign“ kennengelernt

und hab mich ein Wochenende in

Hannover mit ihm übers Mixen unterhalten. Danach

hatte ich dann die Muse und die Lust, es selbst zu

mischen. Gemastert hat das Ding übrigens nach

dem Mix Christoph Stickel, dem man in Sachen

Mastern nicht so leicht etwas vormachen kann.

MM: Wie lief die Zusammenarbeit mit Timothy

Touchton?

musiker Magazin 3/2018


STORIES 45

ETERNAL FLAME SIND:

MICHAEL SCHINKEL

• ALL GuITARS & VOCALS

HELMUT KOHLPAINTNER

• KEyBOARDS & BACKGROuNG VOCALS

THOMAS KELLER

• BASS & BACKGROuND VOCALS

MICHAEL HENCKY

•DRuMS & BACKGROuND VOCALS

ETERNAL FLAME: Timothy ist über die Jahre

wirklich ein Freund geworden. Wir haben ihn über

den damaligen Chef der GEMA kennengelernt.

Wir haben mit ihm Songs für Joan Orleans produziert.

Er hatte ja wirklich viele Charterfolge mit

seinen Sachen wie z. B. „Go For Gold“, „Blue Night

Shadow“ und „Sail Away“ und er schreibt tolle

Texte. Bis auf wenige hat er alle Texte für das neue

Album beigesteuert.

ETERNAL FLAME

„Smoke On The Mountain“

VO: 18.05.2018

WWW.ETERNAL-FLAME.DE

darf, sind es 6 Marshall-Topteile und 6 Marshall-

Cabinets 4X12 und mein Effektrack.

MM: Geht ihr mit dem Album auch auf Tour?

ETERNAL FLAME: Vorerst wollten wir die Leute

etwas anteasern nach der langen Zeit. Dazu

A

haben wir im April 2018 ein Video produziert mit

dem Song „Queen Of The Hill“ (https://youtu.be/

Arm1v_wmg1c). Danach kam ein Lyric-Video mit

„Got A Rock ’n’ Roll Fever“ (https://youtu.be/

XTba21Pnkn8), das unsere Plattenfirma Rock Of

Angels produziert hatte. Wir sind für das nächste

Jahr mit verschiedenen Veranstaltern im Gespräch,

um es auf die Bühne zu bringen. Also sehen wir

uns im Jahr 2019 – freu ;-))

MM: Was sind eure Pläne für die Zukunft?

ETERNAL FLAME: Wir werden noch dieses Jahr

ein bis zwei Videos produzieren und schon mit

dem Nachfolger des Albums beginnen. Das soll

nicht wieder fast 16 Jahre dauern.

INTERVIEW: OLE SEELENMEYER

FOTOQuELLE: ETERNAL FLAME

MM: Wo habt ihr das Album aufgenommen?

ETERNAL FLAME: Wir haben die Gitarren, Key -

boards, Bass und Gesang im Enooma-Media-

Studio aufgenommen (www.enooma-media.de)

und die Drums bei Bobby Altvater im Sky Studio,

in dem auch Leute wie z. B. Bonfire aufnehmen.

Celebrating 30 Years!

MM: Wer sind die beiden Gastsänger, die auf

der Scheibe zu hören sind?

ETERNAL FLAME: Der Erste, den ich gefragt habe,

war Edman Göran. Er ist ein ziemlich bekannter

schwedischer Sänger mit einer phänomenalen

Stimme. Er wurde hauptsächlich bekannt durch

seine Alben mit John Norum (Gitarrist von EuROPE)

und yngwie Malmsteen.

Den Zweiten – Mark Boals – habe ich angeschrieben,

weil wir einen ziemlich speedigen Song

hatten („Smoke On The Mountain“) und ich davon

überzeugt war, dass er perfekt zu Mark passt.

Auch er war in den guten 80ern bei yngwie

Malmsteen und hatte Charterfolge wie „Do you

Remember I’ll Never Forget“. Es war der Hammer,

denn er erfüllte von vorne bis hinten genau das,

wie ich es mir gedacht habe. Wir haben dann noch

einen zweiten Titel gemacht mit ihm („I Believe In

This Miracle“). Hammer Sänger!

MM: Über welches Equipment spielst du?

ETERNAL FLAME: Nun, ich bin meinem alten

Kram ziemlich treu geblieben. Ich spiele nach wie

vor 3 Fender Strats mit Scalopped Fretboard aus

den Anfängen der 70er-Jahre. Als Amps benutze

ich gerne modifizerte Marshalls JCM800 aus den

80ern oder im Studio auch gerne mal einen Engl

oder Blackstar. Wenn ich live alles mitnehmen

OUT NOW!

WHO’S WHO IN A&R

IN GERMANY 2018

Order today!

Contact:

Ellie Weinert

Wilhelm-Düll-Str. 10

80638 München

+49(0)89-157 32 50

ellie@songswanted.com

www.songswanted.com


46 MUSIKBUSINESS

GOOGLE WILL DER BESTE FREUND

DER PLATTENFIRMEN SEIN

ouTube und die Musikindustrie hatten

Y schon immer ein angespanntes Verhältnis.

Zwar erreicht die Industrie über keinen digitalen

Kanal so viele Menschen wie über Googles Video-

Plattform, trotzdem aber fließt von dort nur ein

kleiner Teil der Einnahmen an die Labels. Mit

dem neuen Abo-Streamingdienst YouTube Music

Pre mium könnte sich das ändern. Googles Musik-

Chef Lyor Cohen erklärt denn auch stolz, dass

die schlimmsten Zeiten für die Branche vorüber

seien. Und das Musikvideo stehe vor einer Re -

nais sance.

Herr Cohen, schauen Sie sich lieber live ein

Konzert an oder bei YouTube auf dem Com -

puter- oder Smartphone-Display?

LYOR COhEn: Das ist doch eine Fangfrage, oder?

(lacht) Ich liebe es, von anderen Leuten umgeben

zu sein. Also würde ich ein echtes Konzert

immer vorziehen. Sogar ein schlechtes Konzert.

Die Musikindustrie

war eines ersten

Opfer der

Digitalisierung:

Seit 20 Jahren sind

die Labels im

Niedergang.

Jetzt, wo Glamour und

Egos beinahe

aufgerieben sind, tritt

YouTube als

vermeintlicher Retter

einer traumatisierten

Branche auf.

Ist YouTube für Musikliebhaber ein ge eigne -

ter Ort?

COhEn: Für Leute wie mich auf jeden Fall. Ich

habe meinen neuen Chefs von Anfang an gesagt:

Ihr bekommt nur einen authentischen Cohen und

keinen Tech-Profi, der euch nur weismacht, dass

er Musik mag. Wenn ihr damit klarkommt, kann ich

euch mit Kontakten und Einsichten helfen, die für

euer Geschäft wichtig sind. Von mir kommen einige

neue Impulse in die Organisation, die ansonsten

eher von Ingenieuren und Produkten geprägt ist.

Sehen Sie sich als eine Brücke zwischen der

Musikindustrie und Google?

COhEn: Viele behaupten, ich sei nur da, um diese

Beziehung zu kitten. Wäre das der Plan gewesen,

hätten sie nicht mich gewählt. Die längste Zeit

meiner Karriere war ich in der Musikindustrie eher

ein Rebell und außerhalb der Führungszirkel der

großen Labels.

Sie sind schon lange in diesem Geschäft.

Sie haben Künstler und den Hip-Hop großge

macht, waren einige Jahre bei Warner

Music und haben ein eigenes Label gegründet.

Dann kam der Wechsel zu YouTube. Hat

man Ihnen Verrat vorgeworfen?

Foto: © prabowo/Fotolia.com

musiker Magazin 3/2018


MUSIKBUSINESS 47

COhEn: Im Gegenteil. Man hat mich gefeiert.

hätte ich bei Google und YouTube auch nur ein

Zeichen von Berechnung oder Unaufrichtigkeit

bemerkt, dass sie der Industrie nicht helfen wollen,

wäre ich sofort wieder gegangen. Und das

wissen die Leute. Sie halten es für eine gute Idee,

einen von ihnen bei YouTube zu haben. Außer -

dem hatten sie dadurch einen Konkurrenten weniger,

wenn es darum ging, Künstler unter Vertrag

zu nehmen (lacht).

Die Beziehung zwischen YouTube und der

Mu sikindustrie war immer sehr angespannt.

COhEn: Das ist nicht mehr so.

Das ist Ihr Wunsch.

COhEn: Das ist die Realität. Sehen Sie, ich habe

diesen Job bei Google immer wieder abgelehnt.

Am Ende habe ich zugesagt, weil ich der Meinung

bin, dass die Kreativgesellschaft eine möglichst

große Vielfalt braucht, um ihre Werke zu verteilen.

Das ist überlebenswichtig.

Die Musikindustrie beklagt sich über den

so genannten „Value Gap“. Zwar werde mit

Abstand die meiste Musik über YouTube kon -

sumiert, aber es komme nur ein sehr kleiner

Teil der Umsätze von dort.

COhEn: Das sind doch Schlagworte. Wenn ich

mit meinen alten Kollegen bei den Labels rede,

höre ich seit vielen Monaten nichts mehr davon.

Wir schon.

COhEn: Als ich nach San Francisco zu Google

kam, traf ich auf Leute, die sich falsch verstanden

fühlten. Und warum diffamiert man sie, wenn sie

dabei sind, das komplexeste Problem der Indus -

trie zu lösen?

Foto: © Noa Griffel | Fotoquelle: Wikipedia

Welches wäre das?

COhEn: Sie bauen eine Plattform, die Piraterie

be kämpft und die Menschen dazu bringt, mit

ihrer Aufmerksamkeit zu bezahlen. Dieses über

Werbung finanzierte Geschäft ist sehr komplex.

nicht jeder Mensch kann jährlich 120 Euro oder

Dollar für Musik bezahlen. Und hier gibt es ein

Angebot, dass es auch den Übrigen ermöglicht,

diese Inhalte zu sehen. Ich habe aber auch ge -

sagt, dass das eine nicht das andere ausschließt.

YouTube sollte beides machen. Warum sollte man

nicht auf Partner zugehen und zugleich den nut -

zern eine Auswahl anbieten? Und deswegen

haben wir nun mit YouTube Music Premium ein

Abo-Modell mit eingeführt.

»Die Labels müssen sich neu erfinden und sich fragen,

was sie für die Künstler noch tun können.

Und sie müssen sich von ihren posttraumatischen

Belastungsstörungen verabschieden.«

Ist die schlimmste Zeit für die Musikin dus -

trie vorüber?

COhEn: Diese Industrie hat einen 20 Jahre dauernden

niedergang erlebt. Das führt zu einer Art

posttraumatischen Belastungsstörung. Die Frage

ist, wie gestalten wir die Zukunft dieser Industrie?

Und wie können Google und YouTube dabei helfen?

YouTube ist der einzige Ort, an dem Künstler

und Labels mit ihren nutzern direkt interagieren

können.

Die Zukunft dieser Industrie liegt genau in diesem

direkten Zugang zu den Konsumen ten. Ich

glaube fest, dass die schlimmste Zeit vorbei ist.

Jetzt gibt es wieder Wachstum. Und es stellen

sich neue Fragen.

8

3/2018 musiker Magazin


48 MUSIKBUSINESS

Welche Fragen?

COhEn: Wie schaffen wir es, dass wieder mehr

Künstler von ihrer Arbeit leben können? Was

glauben Sie, wie viele mögliche Künstler sich in

den vergangenen 20 Jahren für andere Berufe wie

Zahnarzt oder Buchhalter entschieden haben,

weil die Industrie schrumpfte? Ich glaube, dass

wir viele Künstler und Komponisten verloren haben.

Jetzt kommt die Zeit, sie wieder zu gewinnen. Die

Labels müssen sich neu erfinden und sich fragen,

was sie für die Künstler noch tun können. Und sie

müssen sich von ihren posttraumatischen Be las -

tungsstörungen verabschieden.

Die Europäische Union ist dabei, ein neues

Copyright einzuführen. Für YouTube würde

das bedeuten, dass die Plattform Lizenzen

einkaufen muss, wenn sie Musikvideos zeigen

will. Ist das ein Problem für YouTube?

STREAMING:

Bezahlte und werbefinanzierte Streamings pro Jahr in Deutschland, in Milliarden

5,9 11,5 21,2 36,4

2013

2014 2015 2016 2017

56,4

QUELLE: GFK

»Die Zukunft dieser Industrie liegt genau in diesem

direkten Zugang zu den Konsumen ten.

Ich glaube fest, dass die schlimmste Zeit vorbei ist.«

COhEn: Lassen Sie mich erst mal Folgendes klar -

stellen. Wir haben bereits heute Tausende von

Lizenzvereinbarungen mit Plattenfirmen, Musik ver -

wertungsgesellschaften, Musikverlagen und weiteren.

Und mit ContentID haben wir seit vielen Jahren

eine Software, die von der Branche als bestes

Rechte management-System eingestuft wird.

Wenn das neue Copyright so kommt, wie

stark würden die Zahlungen von YouTube an

die Musikindustrie steigen?

COhEn: Ich möchte mich nicht an Spekulationen

beteiligen, kann Ihnen aber sagen, dass wir allein

im letzten Jahr über eine Milliarde US-Dollar an die

Musikindustrie ausgeschüttet haben.

Wie reagieren Google und YouTube auf die

neue Regelung?

COhEn: Soweit ich weiß, ist das ja zunächst nur

ein Vorschlag, insofern warten wir mal ab. Grund -

sätzlich geht es doch um Folgendes: Sowohl

Künstler und Musiker als auch die Verbraucher in

Europa wünschen sich, dass das Verlinken und

das Teilen von Kreativität im netz weiterhin möglich

bleibt. Denn darauf basiert doch der Erfolg

des Internets, wie wir es heute kennen und lieben.

Daran sollten wir gemeinsam arbeiten.

Brauchen Künstler überhaupt noch Labels,

wenn es YouTube gibt?

COhEn: Ich glaube schon, aber sie müssen nach

vorne blicken. Eine Plattform wie YouTube zu bauen

und zu unterhalten, ist kompliziert genug. Jeder sollte

seine Rolle spielen. Auch die Labels, die sich nun

fragen müssen, was sie für ihre Künst ler tun können.

Verändert Streaming eigentlich grundsätzlich

Musik?

COhEn: Es ist für uns eine herausforderung,

sicher zustellen, dass lokale Musik nicht durch eine

Mainstream-Geschmacksrichtung begraben wird.

Und wir müssen es ermöglichen, dass Menschen

auch das unerwartete Vergnügen erfahren können,

das mit Musik von zum Beispiel Led Zeppelin

kommt. Sie müssen die Möglichkeit haben, den

großen Reichtum der Musikgeschichte zu erleben.

Passen diese Bedenken denn zu Google und

seinem Fokus auf künstliche Intelligenz, die

auch den Empfehlungen bei YouTube zu -

grunde liegt?

COhEn: Wir machen uns darüber Gedanken und

das wird am Ende entscheidend für unsere Mis -

sion sein. Eine endgültige Antwort darauf habe

ich noch nicht. Aber eines kann ich Ihnen auch

sagen: Es ist alles an Musik bei YouTube vertreten,

in seiner ganzen Bandbreite.

Hätten Pink Floyd mit einem Album wie „The

Wall“ heute noch eine Chance in einer Welt

des Musik-Streamings, in der Zuhörer binnen

weniger Sekunden entscheiden, ob sie zum

nächsten Lied springen?

COhEn: Das ist eine gute und berechtigte Frage.

Wir werden uns das mal anschauen, ob es wirklich

einen Unterschied macht.

YouTube kommt mit seinem Abo-Modell spät

in den Markt; Spotify, Deezer und Apple sind

schon lange dabei. Könnte der Zug nicht

schon abgefahren sein?

COhEn: Ich glaube, dass wir genau zur richtigen

Zeit kommen. Der Markt ist noch jung. Auf unserer

Plattform findet der größte Musikkonsum über -

haupt statt. Keiner hat so viele Inhalte wie wir. Bei

uns sind alle vertreten, man findet auch die Satur -

day-night-Performance vom Vorabend. Und zwar

alles in einer App. Unser Angebot versteht außerdem

den Kontext des nutzers. Wo er sich aufhält,

wie das Wetter ist und, und, und. Ent sprechend

sehen die Empfehlungen aus.

Ich hätte erwartet, dass Musikvideos prominenter

vertreten sind.

COhEn: nein, wir sind mit diesem Angebot „audio

first“, bei dem auch Videos vertreten sind. Aber ich

sehe eine Renaissance der Musikvideos. Früher

hat die Industrie sehr viel Geld für Musik videos

ausgegeben, die dann an MTV verschenkt wurden.

Für die Labels waren sie ein Marketing-Instru -

ment. Das ist vorbei. heute bekommen sie für die

Videos Geld von YouTube, weil Werbung das möglich

macht. Ich bin überzeugt, wir werden künftig

hier höhere Investitionen in Musik videos sehen.

Für YouTube ist das Abo-Modell neu. In welchem

Verhältnis sollte Werbung zu Abonne -

ments stehen?

COhEn: Für viele Medienunternehmen liegt ein

gesundes Verhältnis bei 60 zu 40, wobei der größere

Teil dann auf Abonnements fällt. Allerdings

kann ich zu unseren Zielen für YouTube Music

nicht konkret werden. Wir haben uns jedenfalls

hohe Ziele gesteckt.

InTERVIEW: THOMAS HEUZEROTH

TExTQUELLE: WELT.DE

musiker Magazin 3/2018


MUSIK & RECHT 49

1988 1997

JULE NEIGEL BAND – 4. AKT...

iele können sich sicher noch an die Jule

V neigel Band in den Achtzigerjahren erinnern.

hits wie „Schatten an der Wand“, „nie mehr

miese Zeiten“ und „Immer auf’m Sprung“ machten

diese Musikgruppe Ende der Achtzigerjahre

plötzlich bundesweit bekannt. Daraufhin wurde

damals eine LP mit neuen Titeln produziert und

von der damaligen Schallplattenfirma Intercord

veröffentlicht.

Sängerin, Komponistin und Texterin dieser Band

war Julia neigel aus Ludwigshafen, Bassist Frank

Schaefer, Keyboarder und begleitender Mitkom -

ponist Axel Schwarz, Studio-Keyboarder harry

Schneck und Gitarrist Andreas Schmid.

Damals kam es auf völlig unerklärliche Weise

dazu, dass sich der zweite Keyboarder Axel

Schwarz bei der GVL bei allen Songs dieser LP

als leistungsschutzberechtigter Keyboard-Spieler

eintragen ließ, obwohl sämtliche Keyboards der

Songs dieser LP im Tonstudio von Keyboarder

harry Schneck eingespielt wurden. Diese Falsch -

eintragungen hatten zur Folge, dass sämtliche

GVL-Lizenzen für diese Keyboardeinspielungen

jahrzehntelang von der GVL an Axel Schwarz

aus gezahlt wurden. Dem MusikerMagazin liegen

mehrere eidesstattliche Erklärungen vor, aus

denen unmissverständlich, wie oben beschrieben,

der tatsächliche leistungsschutzberechtigte

Keyboard-Spieler harry Schneck hervorgeht.

Dieser teilte den Sachverhalt am 20. Juni 2018

der GVL mit: „Betreff: Betrug Leistungsschutz

beim Album ,Schatten an der Wand‘... Sehr

geehrter herr Dr. Gerlach, hiermit beantrage ich

eine Anhörung im Beschwerdeausschuss, da ich

der tatsächliche Keyboarder (Bass, Bläser, Key -

boards, Grooveprogramming) das Albums ,Schat-

ten an der Wand‘ bin. herr Axel Schwarz hat

meine Position unterschlagen. Ich bekomme jetzt

erst die ersten Lizenzausschüttungen seitens der

GVL. Beim Titel ,Schatten an der Wand‘ hat

Andreas Schmid die Keyboards eingespielt und

die Bass-Programme gemacht. Die Bläser habe

auch ich eingespielt. hiermit beschwere ich mich

offiziell. Mit freundlichen Grüßen, harald Schneck.“

Als Band-Leaderin der Jule neigel Band war

Julia neigel bei den Studioaufnahmen der Key -

boards nicht im Studio anwesend und wusste

somit auch nicht, das statt Axel Schwarz sein

Kollege harry Schneck die Keyboards eingespielt

hatte. Bis 2004 zahlte Julia neigel außerdem aus

alleinigen Künstlerverträgen fälschlicherweise an

Axel Schwarz aus Lizenzverkäufen für das Album

„Schatten an der Wand“ zusätzliche Lizenzen, da

Schwarz ihr gegenüber mithilfe zweier weiterer

Musiker seine Mitwirkung an diesem Album glaub -

haft gemacht hatte. Er hatte damals genau diese

Einnahmen mit der GVL als vermeintlicher Künstler

mit Julia neigel abgerechnet und die GVL hat ihm

dafür noch zusätzlich Lizenzen ausbezahlt. Die

Auszahlungen an ihn sind genauestens belegbar.

Tatsächlich hatte Axel Schwarz im Bereich der

Leistungsschutzrechte, d. h. im Instrumental be -

reich, im Studio nur äußerst geringe Fragmente

eingespielt. Axel Schwarz war zu keinem Zeit punkt

berechtigt, für die nicht von ihm eingespielten

Key boardparts circa 30 Jahre lang Lizenzen zu

kassieren.

Auf dem Cover der Erstveröffentlichung des

Albums (bei Intercord) stand Axel Schwarz nicht

als Keyboarder bei den Liedern mit drauf. Dazu

liegt ein Dokument aus 1988 vor, in dem Axel

Schwarz die Plattenfirma anweist, bei neuen LP-

Pressungen seine Mitwirkung als Keyboarder bei

allen Titeln nachträglich auf das Cover zu setzen.

Auf der Wiederveröffentlichung, die im Jahre 1997

entstand, stand Axel Schwarz tatsächlich als

Key boarder. Er hat diese Coveränderung für die

Wiederveröffentlichung (bei BMG Ariola) selbst

gegenüber der Plattenfirma veranlasst. Dazu liegt

ein Schreiben von Axel Schwarz vor, welches an

die Plattenfirma BMG Ariola gerichtet war und

auf dem er diesen Keyboardvermerk einforderte.

Der Produzent des Albums, Ralf Zang, sowie der

Co-Produzent und tatsächliche Keyboarder des

Albums, harald Schneck, erhielten beide bisher

keinerlei Lizenzen seitens der GVL. Im Jahr 2012

hatte Axel Schwarz bei der GVL für das neue

Artsys-System erneut versucht, sich bei diesen

zehn Titeln als Keyboarder einzutragen. Im Jahre

2013 versuchte dann der tatsächliche Keyboar -

der harry Schneck, seine Mitwirkung als Key -

boarder des Albums im GVL-Online-System zu

melden. Und jetzt passierte etwas Ungewöhnli -

ches: Im Jahr 2017 reduzierte Axel Schwarz bei

der GVL seine Mitwirkung als Keyboarder von

zehn Titeln auf nur noch zwei, da ihm die Sache

wohl inzwischen zu heiß geworden war. Und in

2018 hatte sich Axel Schwarz dann bei acht

Titeln aus den GVL-Listen austragen lassen. Und

Schwarz ging noch einen Schritt weiter: Er ließ

sich auch bei dem lukrativsten hit „Schatten an

der Wand“, bei dem harry Schneck das Key -

board eingespielt hatte, als Keyboarder austragen.

Wer allerdings geglaubt hatte, dass Axel

Schwarz die zu Unrecht einkassierten Lizenzen

von der GVL und seitens Julia neigel wegen Ein -

sicht an harry Schneck und Julia neigel zurückgezahlt

habe, hat sich geirrt. Schwarz hatte sich

für das gesamte Album „Schatten an der Wand“

ca. 30 Jahre lang der GVL gegenüber zu Unrecht

als Mitwirkender ausgegeben und die GVL-Lizen -

zen kassiert für eine LP, die damals den Gold -

status erlangte.

In der nächsten Folge beschreibe ich die Vor -

gehensweise des Axel Schwarz im Bereich Song-

Komposition/Urheberrecht/GEMA für alle Songs

der damaligen Julia neigel Band.

TExT: OLE SEELENMEYER

FOTO: © SDECORET/FOTOLIA.COM

3/2018 musiker Magazin


50 MUSIK & RECHT

DIE ANDERE MEINUNG:

INS NETZ GEGANGEN

Wie die Reform des Urheberrechts grundlegende

Freiheiten im Internet bedroht, beschreibt

die EU-Abgeordnete Catherine Stihler im Interview

Catherine Stihler ist Labour-Europaabgeordnete

für Schottland und Mitglied der progressiven Allianz

der Sozialisten und Demokraten.

Sie wurde erstmals 1999 als jüngstes britisches MdEP

im Europäischen Parlament gewählt.

Am 12. September 2018 stimmt das Euro -

päische Parlament über die EU-Urheber -

rechts richtlinie ab. Es handelt sich um die

größte Änderung des europäischen Ur he ber -

rechts in den letzten zwanzig Jahren. Warum

brauchen wir diese Reform?

Catherine Stihler: Wir müssen die richtlinie

zum Urheberrecht aktualisieren, damit sie auch

für das digitale Zeitalter gilt. Das Urheberrecht ist

keine neue entwicklung. Die ersten Gesetze dazu

gab es in europa bereits im 17. Jahrhundert. Sie

bezogen sich ausschließlich auf Drucker zeugnisse.

aber im digitalen Zeitalter verändert sich unser

Konsum von texten oder Musik. also müssen wir

gewährleisten, dass autoren, bildende Künstler

und Musiker, die unser kulturelles leben bereichern,

angemessen entlohnt werden für die Wer -

ke, die sie schaffen. aber gleichzeitig stellt sich

die Frage: Wie bringen wir das mit den Grund -

rechten, die für uns selbstverständlich sind, in

ein klang? Das ist das zentrale Problem – wie er -

reichen wir ein Gleich gewicht zwischen dem Ur -

heberrecht im traditionellen Sinn und der art, wie

wir die Welt im digitalen Zeitalter gestalten wollen?

Und im Moment sind wir dabei noch nicht

wirklich am Ziel.

Der Schlüsselbegriff in diesem Zusammen -

hang ist die sogenannte „Wertschöp fungs -

lücke“. Ge meint ist der Unterschied zwischen

der Entlohnung der Kreativen und den

Gewinnen der Internet por tale, die deren Wer -

ke zugänglich machen. Wie trägt die Reform

dazu bei, diese Lücke zu schließen?

Catherine Stihler: Je nach Sektor gibt es

dazu verschiedene ideen. Die Kreativen in der

Musik industrie be haup ten, es gebe eine Wert -

schöp fungslücke zwischen ihren früheren ein künf -

ten und dem, was sie jetzt im digitalen Zeitalter

bekommen. aber die Musik industrie hat sich in

den letzten zwanzig Jahren an die digitale Welt

angepasst, das sogenannte Streaming ist heute

ein fester Be standteil des Ge schäftsmodells.

Das bedeutet aber natürlich nicht, dass man

das Urheberrecht verletzen darf. Diese interpre -

tation wäre falsch. Die Frage ist daher, wie wir

sicherstellen können, dass diese Musiker entlohnt

werden und in der Online-Welt ihren fairen anteil

bekommen.

im Verlagswesen ist das anders. Die Musik -

industrie ist in der entwicklung dem Verlags wesen

etwa zwanzig Jahre voraus. So sind e-Books bis

heute nicht so populär, wie dies von vielen erwartet

wurde.

Sie meinen also, dass man dieses Thema

nicht für die gesamte Kreativindustrie einheitlich

regeln kann, sondern es in jedem Sektor

unterschiedlich behandelt werden sollte?

Catherine Stihler: ich denke, der Begriff der

Kreativindustrie ist sehr weit gefasst und wir müs-

musiker Magazin 3/2018


MUSIK & RECHT 51

»Im digitalen Zeitalter

verändert sich

unser Konsum von Texten

oder Musik. Also müssen

wir gewährleisten,

dass Autoren,

bildende Künstler und

Musiker, die unser

kulturelles Leben

bereichern, angemessen

entlohnt werden für die

Wer ke, die sie schaffen.«

sen damit sehr vorsichtig sein. ein Modell, das die

Probleme eines Sektors löst, löst nicht automatisch

auch die der anderen.

Generell glaube ich, die wahre herausfor de rung

des Zusammenpralls zwischen der analogen und

der digitalen Welt liegt im Urheberrecht. nehmen

wir das Beispiel der sogenannten „Fake news“.

Diese begleiten uns schon seit der er findung der

Druckerpresse. aber heute nehmen sie ein aus -

maß an, das noch nie dagewesen ist. Und das ist

ein Problem, weil es sich direkt auf unsere Demo -

kratie auswirkt.

aber was können wir tun? ich glaube nicht,

dass wir das Problem der „Fake news“ dadurch

lösen können, dass wir ein neues Presse- oder

Ver lagsrecht einführen. aber gleichzeitig sind die

herausforderungen für die Verlage durchaus real.

Und wir alle wollen qualitativ hochwertigen Jour -

nalismus.

Dies bringt uns zum umstrittenen Artikel 11

der Urheberrechtsreform, der auch als „Link

Tax“ be zeichnet wird. Diese Maßnahme äh nelt

einem Ge setz, das bereits jetzt in Deutsch -

land gilt. Es sieht vor, dass für jeden Schnip -

sel eines Nachrich ten texts, der über die so zi a -

len Medien oder Google News ver breitet wird,

eine Lizenz erforderlich ist.

Catherine Stihler: Dieser artikel ist in keiner

Weise gerechtfertigt. in Deutschland und Spanien

ist der Vorschlag in der Praxis gescheitert – und

die einkünfte daraus kämen ohnehin nicht den

Journalisten zugute. auch muss es den Menschen

möglich sein, nach richten im internet auf vernünftige

Weise lesen zu können. also lautet die

Frage vielmehr: Wie können wir die richtige Ba -

lance schaffen, um sicherzustellen, dass Jour na -

lis ten fair bezahlt werden?

Die aktuelle Version der Urheberrechtsrichtlinie

enthält so etwas wie die regelung einer angemessenen

Vergütung. aber ich denke, wir sollten

einfach hundert Prozent der Vergütung an die

Journalisten geben. Wenn man schon eine regel

einführt, die den Verlagen neue rechte gibt, sollten

wir die einkünfte daraus verwenden, um guten

Journalismus zu fördern. Das Geld sollte nicht in

die Gewinnmaschinerie der Verlage fließen. Diese

sind ganz überwiegend nicht gemeinnützig, sondern

Privatunternehmen.

Am 5. Juli dieses Jahres stand ein erster Vor -

schlag des Rechtsauschusses zum Ur heber -

recht kurz davor, in einen Trialog überzugehen

– also in informelle Treffen des Euro päi -

schen Parlaments mit dem Europa rat und

der Kommission. Aber überraschenderweise

hat das Parlament gegen diesen Vor schlag

gestimmt. Warum?

Catherine Stihler: Die meisten Menschen

den ken bei der eU-Gesetzgebung an einen ge -

meinsamen entschei dungsprozess des euro päi -

schen Parlaments und des eU-rats. aber in dieser

Parlaments periode gehen wir sehr schnell zu

den genannten trialogen über. Dies sind kurzfris -

tige Vereinbarungen, durch die der vollständige

Mitentscheidungsprozess übergangen wird. Diese

schnellen, einsamen entscheidungen werden nun

sogar zu solchen themen wie der grund sätz li chen

Änderung des Urheberrechts angestrebt. Dabei

hat diese regelung massiven einfluss auf die art

und Weise, wie wir das internet nutzen.

Deshalb bin ich sehr froh, dass diese Vor ge -

hens weise am 5. Juli gestoppt wurde. Um über

Schlüs selthemen wie die Portalhaftung und die

einfüh rung neuer rechte intensiv nachdenken zu

können, brauchen wir Zeit.

Sie sprechen hier zwei Punkte an: Nicht nur

über den Inhalt der Urheberrechtsreform sind

Sie nicht ganz glücklich, sondern auch über

den EU-Entscheidungs findungs prozess.

Catherine Stihler: ich habe dagegen ge -

stimmt, das thema in den trialog zu geben. Viele

Menschen wurden an der Debatte nie beteiligt.

außerdem muss ich sagen, dass wir alle eine

Viel zahl von lobbyisten über uns ergehen lassen

muss ten, je nachdem, auf welcher Seite der De -

batte wir standen.

Und in diesem Zusammenhang glaube ich,

dass diese lobbyarbeit – also die art, wie gewisse

lobbyisten Zugang zu entscheidungsträgern

haben – etwas ist, mit dem sich das europäische

Parlament ganz grundsätzlich auseinandersetzen

muss.

im Moment bin ich mit der art, wie in diesem

Parlament entscheidungen getroffen werden, nicht

glücklich. ich glaube, wir könnten viel transparenter

sein. ich habe über ein Jahr lang für den

Binnenmarktausschuss gearbeitet. Der Binnen -

marktausschuss teilt sich mit dem rechtsaus -

schuss die Verantwortung für die Urheberrechts -

richtlinie. er wurde allerdings in der Praxis weitgehend

ignoriert. Man kann aber nicht sagen,

zwei ausschüsse seien gemeinsam für etwas

grundlegend Wichtiges verantwortlich, und dann

einen von ihnen ignorieren. Das geht nicht. Man

muss versuchen, Kompromisse zu finden.

Sie sprechen sich auch gegen den Artikel

13 aus, einen weiteren umstrittenen Teil der

Reform. Seine Kritiker sagen, er führe letztlich

dazu, dass jede Internet-Plattform so -

ge nannte „Upload-Filter“ verwenden müsse,

um Datenverkehr zu verhindern, der Ur he -

ber rechte verletzt. Dies klingt fast nach dem

Ende des freien Internets.

Catherine Stihler: Bei artikel 13 geht es letzt -

lich um die Portalhaftung. im Moment ist diese

haf tung eingeschränkt. Wenn also jemand in halte

auf ein Portal hochlädt, die das Urheberrecht ver -

letzen, soll es ein System geben, das dies b e -

merkt und die inhalte löscht.

Der Berichterstatter des europäischen Par la -

ments zur Urheberrechtsreform möchte, dass die

Plattformen vollständig haftbar gemacht werden

können. aber um dies zu erreichen, müssen sie

Filtertechniken verwenden, was bedeutet, dass

unsere grundlegenden Freiheiten dramatisch be -

einträchtigt werden.

also bin ich mit dieser Sichtweise grundsätzlich

nicht einverstanden und glaube, es darf keine

allgemeine Verpflichtung zur Überwachung geben.

natürlich müssen wir das richtige Gleichgewicht

finden, aber nicht auf Kosten grundlegender Frei -

heiten.

es gibt neue und andere Methoden: eine lö -

sung könnte sein, über so etwas wie eine Kom -

plizen haftung nachzudenken, die zwischen der

ein geschränkten und der vollständigen haftung

liegt. Diese könnte sogar im Zuständigkeits bereich

der bereits bestehenden Gesetze liegen.

Die Fragen stellte Daniel Kopp. Aus dem Engli -

schen von Harald Eckhoff. Der Beitrag wurde im

IPG Journal erstveröffentlicht.

textqUelle: WWW.EURACTIV.DE

FOtO: © PHASIN/ FOTOLIA.COM

3/2018 musiker Magazin


52 PRODUKT-NEWS

TASCAM IN NEUEM GEWAND

UND MIT NEUER

MARKENAUSRICHTUNG

Tascam gleicht seinen weltweiten Markenauftritt weiter an

und verleiht seiner Europa-Website wie auch seinem werblichen

Auftritt ein neues Äußeres. Die dezente Farbgebung

soll nicht nur schöner anzusehen sein, sondern auch die

neue Markenausrichtung unterstreichen. Das Unternehmen

möchte sich künftig wieder mehr auf seine Wurzeln besinnen

und hochwertigen Produkten für den professionellen

Einsatz unterwegs, im Tourneebetrieb, im Studio und in der

Installation Vorrang einräumen.

JEDEM DAS SEINE – DIE IN-EARS VON HÖRLUCHS

Tascam stellt außerdem seinen neuen Slogan vor: „Sound.

Thinking.“ soll beide Bedeutungen von Sound (das, was man

hören kann, sowie das Adjektiv für „solide“ oder „vernünftig“)

mit „Denken“ vereinen und so verdeutlichen, dass die

Menschen hinter dieser Marke für jeden Sound offen sind

und all ihr Denken darauf konzentrieren, wie sie diesen

Klang auf solide und vernünftige Weise übertragen und er -

halten können.

Tascam ist seit Jahrzehnten bekannt für solide, praxisgerechte

und einfach zu bedienende Aufnahmegeräte zu vernünftigen

Preisen und hat beispielsweise in den 1970er- bis

1990er Jahren mit seinen Portastudios und einzigartigen

DTRS-Bandrecordern die Entwicklung der professionellen

Mehrspuraufnahme maßgeblich vorangetrieben. Auch ak -

tuelle Produkte wie der 64-Spur-Recorder DA-6400, der

Master recoder DA-3000 und die zuletzt vorgestellten Medien -

recorder SS-CDR250N trafen auf große Zustimmung in der

Fachwelt und erhielten bereits mehrfach Auszeichnungen.

Tascam sieht sich deshalb auf einem guten Weg, Ton in ge -

nieuren und ambitionierten Musikern auch künftig verlässliche

Audiowerkzeuge anbieten zu können, die ihnen die

tägliche Arbeit vereinfachen und dabei helfen, die immer

neuen technischen Herausforderungen auf einfache Weise

zu meistern.

Kommentar von Yuji Hanabusa (Präsident und Vor -

stands vorsitzender der TEAC Corporation)

„Seit seiner Gründung im Jahr 1971 unterstützt Tascam

weltweit die Menschen, die sich mit der Aufnahme und

Wieder gabe beschäftigen, und hat viel zur Kultur des Sounds

beigetragen. Ich glaube, in dem Stolz, ein Profi in der Auf nah -

me und Wiedergabe zu sein, liegt Tascams wichtigste Quelle

für weiteres Wachstum und auch eine große Ver ant wortung,

die es zu erhalten gilt.

Bei der Entwicklung unseres neuen Slogans „Sound.

Thinking.“ haben wir uns auf den Kern der Marke konzentriert.

Tascam wird auch künftig an seiner hohen Qualität

und Langlebigkeit festhalten, um den Anforderungen der

Menschen, die sich in allen Bereichen mit der Aufnahme

und Wiedergabe beschäftigen, gerecht zu werden und ihre

Leistungsfähigkeit zu maximieren. Freuen Sie sich also auf

die Zukunft mit Tascam!“

Weitere Informationen: tascam.de

Mit den sieben In-Ear-Serien HL1 bis HL7 will Hörluchs

spätestens ab 2019 den In-Ear-Markt erobern und durch

die breite Produktpalette unterschiedliche Zielgruppen für

sich gewinnen. Dabei setzt das mittelständische Unterneh -

men aus Hersbruck auch im neuen Unternehmensbereich

In-Ear-Monitoring die eigene Philosophie konsequent um:

maßangepasste und professionelle Produkte in höchster

Qualität, bezahlbar und Made in Germany.

Die klar strukturierten Serien bieten verschiedene Lösungs -

ansätze und bedienen dadurch diverse Kundengruppen.

Während sich die innovative HL1-Serie, mit den Varianten

Action, Headset und Wireless und den individualisierbaren

Smart Caps, an Gamer, Call-Center, Speaker und jüngeres

Publikum richtet, überzeugen die Serien HL2 bis HL6 durch

High-End-Technik, unterschiedliche Materialien und die

Option der Maßanpassung. Perfekt für Musiker, Musiklieb -

haber und jeden, der perfekten Sound auf höchstem Niveau

benötigt und fordert. Die HL7-Serie ist die Schmuck serie,

die dem trendigen und selbstbewussten Interessenten die

Möglich keit bietet, mit unterschiedlichen Optiken und

hochwertigen Materialien wie Carbon oder Gold zu experimentieren

und zu spielen.

Hörluchs ist bereits seit über zehn Jahren in den Bereichen

maßangepasster Gehörschutz und individuelle Otoplastiken

für Hörgeräte erfolgreich und mehrfach ausgezeichnet worden.

Vor zwei Jahren entwickelte der Gründer und Ge schäfts -

führer Thomas Meyer aus der langjährigen Erfahrung rund

ums Gehör den innovativen Ansatz für optimale In-Ears, der

jetzt in den Kopfhörern von Hörluchs Verwendung findet.

Top-Stars wie David Garrett oder Silbermond haben sich

bereits von der Qualität und dem optimalen Service überzeugt

und nutzen die Hörluchs-In-Ears bei ihren Auftritten.

Im E-Sport-Bereich ist Hörluchs In-Ears-Ausstatter von Top-

Mannschaften wie BIG oder dem 1. FC Nürnberg und er -

freut sich in der Szene großer Beliebtheit.

Der Sitz des Unternehmens ist im mittelfränkischen

Hersbruck. Im Fokus stehen Forschung und Entwicklung von

maßgeschneiderten Produkten, die in der eigenen 3D-Laser -

fertigung umgesetzt werden können. Erfahrung, Know-How

und Detailleidenschaft sind gelebte Unternehmens philo -

sophie, in der stets der Mensch im Vordergrund steht.

Weitere Informationen: hoerluchs.com

musiker Magazin 3/2018


PRODUKT-NEWS 53

VOLLE FARBKONTROLLE IM HANDUMDREHEN

Eurolite bietet mit dem Color Chief ein Lichtpult speziell für farbige Scheinwerfer

zum günstigen Preis

Ein Pult, das speziell für die Steuerung farbiger Schein -

werfer und LED-Effekte entwickelt wurde: Das ist der Color

Chief von Eurolite. Neben seinem großen Funktionsumfang

und der einfachen Bedienung beeindruckt dabei vor allem

der günstige Preis des DMX-Controllers.

IDEAL FÜR FARBIGE SPOTS UND EFFEKTE

Das Besondere am Color Chief: Das Mischpult wurde speziell

für farbige Scheinwerfer und LED-Effekte entwickelt.

Es eignet sich daher hervorragend für die Steuerung von

bunten LED-Bars oder Scheinwerfersets wie den Eurolite

KLS. Bis zu acht Geräte mit je bis zu vier Segmenten lassen

sich mit dem Color Chief auf komfortable Art und Weise

steuern. Dank seiner übersichtlich angeordneten Dreh regler

für Rot, Grün, Blau, Weiß, Amber und UV fällt die An steue -

rung und Mischung der Farben auch Einsteigern leicht.

GROSSER FUNKTIONSUMFANG

Doch bei der Farbsteuerung hört der Funktionsumfang des

Pults lange nicht auf: Auch Shutter und Dimmer der ange-

schlossenen Effektgeräte lassen sich einfach per Fader

bedienen. Drei zusätzliche, frei zuweisbare Kanäle sorgen

für Flexibilität – sie können beispielsweise mit Laser effek -

ten belegt werden. Der Color Chief bietet außerdem 24 Spei -

cher plätze für selbst erstellte Szenen. Acht vorinstallierte, in -

telligente Farbeffekte erleichtern dabei die Programmierung.

PREIS-LEISTUNG: UNSCHLAGBAR

Das Überraschendste an diesem innovativen Pult ist wohl

sein Preis: Für nur 139 € zzgl. Mehrwertsteuer bekommt man

den Controller im Fachhandel. In Sachen Preis-Leistungs-

Verhältnis spielt das Pult damit in seiner eigenen Liga.

Weitere Informationen: www.steinigke.de

Idee + Foto: Christian Raith · Agentur: www.milk-and-honey.de

Jahre

Erfahrung in

Musikerversicherung

Versicherungen

®

für alle Eventualitäten®

Eberhard, Raith & Partner GmbH · Assekuranz Makler

Berger Straße 8 · 82319 Starnberg

info@erpam.com · www.erpam.com


54 PRODUKT-NEWS

Ein Klassiker erwacht zu neuem Leben:

TASCAM STELLT SEIN NEUES MEHRSPUR-LIVE-AUFNAHMEMISCHPULT MODEL 24 VOR

Tascam wird ab November sein neues Live-Mehrspur-Auf -

nah memischpult Model 24 ausliefern. Das gab die Konzern -

mutter TEAC Corporation in Tokio bekannt.

Tascam hat in der Zeit seines Bestehens eine ganze Reihe

branchenführender Aufnahmelösungen hervorgebracht wie

etwa die 8-Spur-Bandmaschine Tascam 38, den digitalen

8-Spur-Bandrecorder DA-88 und – natürlich – die legendäre,

aus analogen und digitalen Mehrspurrecordern be -

stehende Portastudio-Familie, die die Musikindustrie stark

beeinflusst hat. Nun hat das Unternehmen eine seiner klassischen

Produktlinien neu erfunden und mit der neuesten

Audiotechnologie ausgestattet: Das brandneue, wunderschöne

Hybrid-Live-Aufnahmemischpult Model 24.

Ob für Proben, Live-Auftritte oder Produktionen – Model 24

soll die ideale Symbiose aus echtem Mehrspurrecorder,

Mischpult und Audiointerface sein und damit den heutigen

Anforderungen von Musikern und kleineren Beschallungs -

unternehmen optimal gerecht werden.

DAS EINFACHE, INTUITIVE DESIGN

Schon auf den ersten Blick überzeugt das Pult mit Übersicht -

lichkeit. 100-mm-Fader für präzise Pegel anpas sungen, ein

leicht zugänglicher grafischer Stereo-Equalizer mit sieben

Frequenzbändern für die Mischung, die vertrauten EQ- und

Aux-Regler sowie alle Eingangs- und Ausgangs anschlüsse

be finden sich auf der Oberseite und lassen sich schnell und

einfach erreichen.

TASCAMS REVOLUTIONÄRE AUFNAHMETECHNOLOGIE

Model 24 ermöglicht es dem Nutzer, direkt auf eine SD-

Karte aufzunehmen, und zwar 24 Spuren gleichzeitig mit

24 Bit und 48 kHz. Punch-ins und -outs sind mit bis zu 8

Spuren zeitgleich möglich. Dank Tascams revolutionärer

Aufnahmetechnologie können außerdem 22 Spuren simultan

von einer SD-Karte wiedergegeben werden. Die 16

hochwertigen Tascam-Mikrofonvorverstärker sorgen für

bestmöglichen, unverfälschten Klang.

FLEXIBLE ANSCHLUSSMÖGLICHKEITEN

Model 24 verfügt über 22 flexibel nutzbare Analog ein -

gänge, bestehend aus 20 symmetrischen Eingängen (12

mono und 4 stereo) und einem unsymmetrischen Stereo -

eingang. Außerdem kann sich das Pult per USB mit Ihrer

Lieblings-DAW verbinden. Nutzer können ihr Smartphone

über Bluetooth koppeln, um Musik für Proben zu streamen

oder das Publikum vor dem Auftritt einzustimmen.

LANGLEBIGKEIT UND ZUVERLÄSSIGKEIT

Mit seinem Gewicht von nur zehn Kilogramm lässt sich das

Hybridgerät einfach vom Proberaum zum Studio oder an

den Auftrittsort mitnehmen. Zudem weist Tascam auf seine

bekannte Zuverlässigkeit hin, die sicherstellen soll, dass

das Pult überall reibungslos funktioniert.

Weitere Informationen: tascam.de

Roland CB-PTR8

SOFTCASE FÜR ROLANDS

BOUTIQUE-SERIE

Roland CB-PTR8 ist ein Softcase für einen Synthesizer aus Rolands Boutique-Reihe. Das Softcase kommt mit dem Design

der beliebten Roland TR-808. Es ist von innen mit extra dickem Schaumstoff ausgekleidet und bietet dem zu transportierenden

Instrument umfangreichen Schutz. Zum einfacheren Transport besitzt das Softcase einen Tragegurt.

ROLAND CB-PTR8 IM ÜBERBLICK:

• Softcase für Rolands Boutique-Reihe

• TR-808-Design

• Mit extra dickem Schaumstoff ausgekleidet

• Innenfutter aus Fleece

• Aus widerstandsfähigem Polyester

• Inklusive Tragegurt

Erhältlich auf www.musicstore.de

musiker Magazin 3/2018


PRODUKT-NEWS 55

Karte: Kartoplan Harry Rey

Traditionelles Djembé-Verbreitungsgebiet

Fotos: Ursula Branscheid-Kouyaté

Ursula Branscheid-Kouyaté

DIE DJEMBÉ-MUSIK IN AFRIKA

Schon seit der Zeitenwende gab es im westlichen West -

afrika eine Trommel namens „Taboulo“, die durch die gerade

aufgekommene Eisenverarbeitung in den Händen der

Schmiede war. Sie bauten und spielten sie. Die Taboulo diente

hauptsächlich der Nachrichtenübermittlung.

Die Djembé entstand in der Zeit des aufkommenden Reiches

Mali, zu Zeiten der ersten Mande-Fürsten im 11. bis 12. Jh.

Die Volksgruppe der Bambara ließ sich vom täglichen rhyth -

mischen Hirsestampfen der Frauen inspirieren, höhlte den

Hirse-Mörser aus und brachte ein Fell darauf an. So hatte

man statt der unhandlichen, lediglich mit Stöcken gespielten

Taboulo eine handlichere Trommel, die nun nur noch

mit den Händen gespielt wurde. Die neue Trommel nannten

sie „Djélabeng“, was in der Sprache der Bambara „versammeln“

heißt. Daraus wurde „Djembé“. Die neue Trommel

wurde nun zur Begleitung von Tanz und Gesang eingesetzt.

Das Reich Mali dehnte sich in seiner Blütezeit vom 13. bis

15. Jh. über große Teile Westafrikas aus. Die Bambara und

Malinké, die es bewohnten, waren geschickte Händler, die

ihre Kultur schnell auf dem

Gebiet verbreiteten. Das Ver -

breitungsgebiet der Djembé

hat daher ziemlich genau die

Ausmaße des Reiches Mali

im Mittelalter. Neben der in

der Karte gekennzeichneten Fläche sind noch die Haupt -

städte Dakar, Conakry und Abidjan große Zentren der Djembé -

musik, da sie als riesige Ballungszentren ein Schmelztiegel

der Volksgruppen des Landes und deren Musikkultur sind.

Außerhalb dieses Bereiches entwickelten sich andere Kul -

turen (z. B. im Urwaldgürtel südlich davon) mit ganz anderen

Trommeln.

Djembés sollte man nur aus dem Ursprungsgebiet kaufen.

Andernorts verfügt man nicht über das richtige Material und

Know-How. Djembéspielen ist in Westafrika ein Gemein -

schaftserlebnis. Gespielt wird immer in Gruppen von 2 bis

6 Personen. Dazu gesellen sich einige Sängerinnen, manchmal

auch andere Instrumentalisten. Und dann wird getanzt,

getanzt, getanzt ...

Alte Djembé | Hirse stampfen

ANLÄSSE SIND:

• traditionelle Feste wie Hochzeiten und Taufen (betrifft eine

Familie),

• Feste zur Ernte oder zum Ende des Ramadans (betrifft das

ganze Dorf),

• Riten der Komo-Geheimbünde (finden im Verborgenen,

tief im Wald und nur unter Männern statt).

Bekannt sind seit den 1950er-Jahren auch die National -

balletts, die aus 8 bis 10 Trommlern und 10 bis 15 Tänzern

bestehen.

Weitere Informationen: www.leu-verlag.de

3/2018 musiker Magazin


56 PRODUKT-NEWS

Alfreds Klavierschule für Kinder ist die deutschsprachige

Ausgabe des weltweit erfolgreichen All-In-One Course der

ALFRED BASIC PIANO LIBRARY. Seit Jahrzehnten international

erprobt gehört sie zu den meistverkauften Klavier -

schulen der Welt! Die bewährte Methode für Kinder ab 5 – 6

Jahren besteht aus drei progressiv fortschreitenden Bänden

plus Spielbuch, die den Anforderungen des deutschsprachigen

Marktes entsprechend adaptiert wurden. Übungen,

Spielmaterialien, musiktheoretische Aufgaben und Quiz -

spiele bilden das Grundgerüst dieser Reihe. Kindgerechte

Farbillustrationen, ein ansprechendes Layout und eine Ur -

kunde zum Abschluss runden das Gesamtkonzept ab.

Lehrer begleitstimmen und Lösungen der Quizaufgaben sind

online auf www.klavier-fuer-kinder.de abrufbar.

Nach einer allgemeinen Einführung in das Klavierspiel lernen

die Kinder in Band 1, sich auf der Tastatur zu orientieren.

Zunächst werden die Noten mittels Buchstaben-Notation

vermittelt, später erfolgt der Transfer hin zum Notenlesen.

Das Notensystem und erste Fingerlagen werden vorgestellt,

AMANDA VICK LETHCO |

MORTON MANUS | WILLARD A. PALMER

ALFREDS KLAVIERSCHULE

FÜR KINDER

Lerne Klavier spielen mit der bewährten

Methode für Kinder ab 5– 6 Jahren!

Ins Deutsche übersetzt und adaptiert von Michaela Paller

Band 1 | Buch & CD plus Online-Anwendungen

DIN A4 Querformat | 84 Seiten

20199G | ISBN-13: 978-3-943638-30-1 | 14,95 Euro

DAS SPIELBUCH

20205G | 12,95 Euro

ISBN-13: 978-3-943638-36-3

BAND 2

20200G | 14,95 Euro

ISBN-13: 978-3-943638-31-8

BAND 3

20201G | 14,95 Euro

ISBN-13: 978-3-943638-32-5

ebenso wie die ersten melodischen und harmonischen

Intervalle und mehrstimmiges Spiel.

Aufbauend auf den ersten Band werden in Band 2 die fehlenden

melodischen und harmonischen Intervalle ergänzt

sowie die Notenlesefähigkeit erweitert. Versetzungszeichen

und Achtelnoten kommen neu hinzu, ebenso wie Auftakt

und 2/4-Takt. Eingeführt werden außerdem Dynamik- und

Tempobezeichnungen und gegen Ende kommen auch die

Pedale erstmals zum Einsatz.

Das Spielbuch enthält begleitendes Spielmaterial zu Band

1 und 2, mit dem das Gelernte vertieft werden kann. Es

sorgt für Abwechslung und motiviert die Schüler, so viel wie

möglich Klavier zu spielen.

Band 3 wird ab Herbst erhältlich sein. Er setzt das Konzept

der ersten beiden Bände konsequent fort und bietet interessante

neue Spielstücke zur Erweiterung des Klavier -

repertoires.

Weitere Informationen: alfredverlag.de

ROY BURNS

SINGLE STROKES MADE EASY

A Drummer’s Approach for Developing Speed

and Endurance

Das grundlegendste Stick ing

Pattern beim Schlag zeug -

spiel ist der Einzel schlag.

Vielen Schlagzeugern fällt

es schwer, Einzelschläge

schnell, gleichmäßig und

aus dauernd zu spielen.

Genau hier setzt Single

Strokes Made Easy von Roy

Burns an. Das Buch vermittelt

Schlagzeugern, egal welchen Alters, auf einfache und

natürliche Weise Schnelligkeit, Ausdauer und Kontrolle. Burns

gibt Tipps, wie man relaxed spielt, indem man das Tempo

beim Üben verlangsamt, und zeigt Tricks, wie man sich darauf

konzentrieren kann, durch gleich mäßiges und kontrolliertes

Spiel einen guten Sound zu kreieren.

Einleitend gibt Roy Burns einige sehr hilfreiche Hinweise

zum Equipment. Er geht auf die Wahl der Sticks, die Unab -

ding barkeit eines Metronoms und die Notwendigkeit eines

Übungspads ein. Die ersten beiden Praxiskapitel präsentieren

Übungen zu Einzelschlägen und Doppelschlägen. In den

darauffolgenden Kapiteln werden die Schlagpatterns zu

Paradiddles, Stroke Rolls und Moeller-Technik kombiniert.

Auf das entspannte Spielen hat Burns ein Hauptaugenmerk

gerichtet. Viele üben zu verbissen, weil sie denken, dass die

Anstrengungen sie an ihr Ziel bringen, doch dem ist meistens

nicht so. Er argumentiert, dass man lernen muss, das Üben

leicht zu nehmen. „Try easy“ ist das Stichwort. Denn nur

wer relaxed ist, kann auch einen guten Sound entwickeln.

Buch | 28 Seiten

42096 | ISBN-13: 978-1-4706-3762-0 | 11,95 Euro

Weitere Informationen: alfredverlag.de

SAM ALIANO

ADVANCED GROOVE CONCEPTS

Developing Your Weaker Hand

in Modern Grooves

Das Wichtigste beim Schlagzeugspiel: Alle vier Extremitäten

müssen unabhängig voneinander funktionieren und beide

Hände und Beine sind gleich wichtig für den Groove. Be -

sonders der zweite Aspekt wird oft unterschätzt. Es ist nicht

etwa die rechte Hand wichtiger als die linke, weil die linke

Hand ohnehin nur Nachschlag spielt, und der rechte Fuß ist

auch nicht wichtiger als der linke, nur weil er die Bass Drum

bedient. Vor allem die linke Hand kann dem Groove das

gewisse Etwas geben, zum Beispiel indem sie Ghost Notes

spielt, indem sie Akzente setzt oder das Timing und die

Dynamik verändert. Sam Aliano liefert mit Advanced Groove

Concepts eine Sammlung von Konzepten, Ideen und An re -

gungen zum Training der schwächeren Hand. In fünf Kapiteln

erarbeitet er gemeinsam mit dem Schüler verschiedene Pat -

terns und Grooves, die auf eine Gleichberechtigung der beiden

Hände abzielen. Zum Einstieg wird die Unab hängigkeit

geschult, es folgen gemeinsame Grooves für beide Hände,

synkopierte Rhythmen in der linken Hand und zusammengesetzte

Phrasen. Das letzte Kapitel führt alle vier bis dahin

gelernten Groovekonzepte zusammen.

Den Lernerfolg dieser Methode garantieren sowohl der Ein -

satz von Medien als auch die übersichtliche Gestaltung.

Sam Aliano liefert zu Beginn jedes Kapitels einen Überblick

über die folgenden Inhalte und das zu erreichende Ziel.

Außerdem notiert er die Hand- und Fußpatterns getrennt

Buch | 80 Seiten

19,95 Euro

46831

ISBN-13: 978-1-

4706-4000-2

voneinander und konzentriert sich immer auf die Arbeit an

einer der beiden Disziplinen. Auf der beiliegenden Multi -

media-CD werden zusätzlich sowohl 159 MP3-Beispiele als

auch zahlreiche Videodateien zur Verfügung gestellt.

Advanced Groove Concepts eignet sich optimal für fortgeschrittene

Drummer, die ihrem Groove den letzten Schliff

verpassen wollen.

Weitere Informationen: alfredverlag.de

musiker Magazin 3/2018


PRODUKT-NEWS 57

Rote Coolness in Special Edition:

KEYBOARDSTÄNDER »SPIDER PRO« VON KÖNIG & MEYER MIT REA GARVEY AUF TOUR

Seit einigen Jahren gilt der »Spider Pro« von König & Meyer

als Maß der Dinge für Keyboardspieler. Jetzt präsentiert der

Zubehör-Spezialist aus Wertheim das Stativ als Special

Edition in knallroter Optik. Der erste spektakuläre Tour-Einsatz

ließ nicht lange auf sich warten: Christian Besch sorgt mit

dem roten »Spider Pro« bei der aktuellen Rea- Garvey-Tour

für einen Hingucker im Bühnen-Setup.

Eine Vielzahl von Features, makellose Standfestigkeit,

optio nale Erweiterungsmöglichkeiten und dazu ein außergewöhnliches

Design – mit dem »Spider Pro« setzte der

Zubehör-Spezialist König & Meyer schon vor einigen Jahren

den Maßstab bei Keyboardständern. Jetzt legt das in

Wertheim ansässige Unternehmen den Bestseller neu auf –

in knallroter Optik. Damit traf König & Meyer offenbar den

Nerv von tourenden Musikern. Denn optische Bühnen-

Reize sind im Live-Business nahezu genauso wichtig wie

Funktionalität. Das bestätigt auch Christian Besch, der

gerade mit Superstar Rea Garvey in den größten deutschen

Hallen gastiert – mit einem roten »Spider Pro« im Tour-

Gepäck.

„Die Optik ist für mich elementar“, sagt Besch, „dazu

gehört, dass der Keyboarder nicht durch seine Geräte

zugebaut wird und Kabel sauber verlegt werden können.“

Im Vorfeld der Tour hat Besch den »Spider Pro« auf Herz

und Nieren getestet. Er war auf Anhieb von dem Produkt

überzeugt: „Mir gefallen die hohe Funktionalität, das geringe

Gewicht, der einfache und unkomplizierte Aufbau sowie

die Robustheit. Auch die Option, die Höhe der einzelnen

Arme nach Bedarf passgenau einstellen zu können, ist ein

großer Vorteil. Zusammen mit den optionalen Anbauteilen

ist der »Spider Pro« für Keyboarder, die wie ich im Stehen

spielen wollen, einfach perfekt.“ Der Rea Garvey Side- und

Spiderman mag live ein „cleanes Setup“, das ihm einen

„direkten Kontakt zum Publikum“ ermöglicht. Alles Kri te rien,

die der »Spider Pro« erfüllt.

ENTSTANDEN IM ENGEN DIALOG

MIT PROFIMUSIKERN

Entstanden ist der kompakte, für seine vielen Möglichkeiten

dennoch nur gut 11 Kilogramm wiegende Keyboardständer

im engen Dialog mit Profimusikern. „Wir haben uns bei tourenden

Musikern umgehört. Die Wünsche der Profis sind

bei der Entwicklung des »Spider Pro«-Ständers eingeflossen“,

sagt André Scherzer, bei König & Meyer für das

Marketing zuständig.

Der Tour-Alltag schreibt seine eigenen Gesetze. Zu ver -

lässigkeit und Robustheit gehören genauso zu den An for -

derungen an das Live-Equipment wie Handling-Komfort und

die Möglichkeit individuell angepasster Erweiterungen. Vor

diesem Hintergrund stellt der »Spider Pro« das ultimative

Tool für den Live- und Studio-Einsatz dar.

Zu den Features des mit zwei Paar ausziehbaren und stufenlos

höhenverstellbaren Auflagearmen ausgestatteten

»Spider Pro« gehören: die optionale Aufrüstung mit einem

dritten Paar Auflagearme (und damit die Option für ein wei-

teres Keyboard), ein am oberen Ende der Säule angebrachter

Gewindeanschluss zur Montage eines Mikrofonarms

sowie die die Schräge der Säule, um ein bequemeres Spielen

und die bessere Sicht auf das untere Keyboard zu gewährleisten.

Maximale Beinfreiheit für den oder die Musiker/-in

sowie genügend Platz für Pedale verstehen sich beim

»Spider Pro« von selbst.

»SPIDER PRO« – DIE FEATURES IM ÜBERBLICK:

• Mit 3/8’’- bzw. 5/8’’-Gewindeanschluss für Mikrofon -

schwenkarm

• Hohe Stabilität dank Fertigung aus Aluminium

• Vier Füße garantieren optimale Standfestigkeit

• Zwei Auflageebenen

• Je zwei ausziehbare und stufenlos höhenverstellbare

Auflagearme pro Ebene

• Obere Auflagearme sind um 15 Grad geneigt

• Schrägstellung des Ständers für eine komfortable Haltung

während des Spielens

• Beinfreiheit und Raum für Pedale

• Erweiterungsmöglichkeiten durch Aufsätze

• Ständer kann für den Transport zusammengeklappt werden

• Erhältlich in Schwarz, Silber und nun auch in Rot

• Abmessungen: Höhe 1310 mm, Auflagetiefe: 300 mm –

475 mm

• Gewicht: 11,34 kg

Weitere Informationen: www.k-m.de

3/2018 musiker Magazin


58 PRODUKT-NEWS

Musikaufnahmen mit MOTIV ganz einfach:

SHURE UNTERSTÜTZT JUNGE MUSIKER ZUSAMMEN MIT

DEM MUSIC RESOURCE CENTER

• Shure fördert künftig die musikalische Entwicklung ame -

rikanischer Jugendlicher in Zusammenarbeit mit der

Nonprofit-Organisation Music Resource Center

• Die jungen Musiker können mithilfe der MOTIV-Mikro -

fone von Shure ihrer Kreativität freien Lauf lassen und

ihre eigenen Songs aufnehmen

• Die digitalen Kondensatormikrofone der MOTIV-Serie

erlauben unkomplizierte Tonaufnahmen auf professionellem

Niveau

Nicht jeder angehende Musiker hat die Möglichkeit, die

eigene Musik selbst professionell aufzunehmen. Deswegen

fördert Shure in Kooperation mit dem amerikanischen Music

Resource Center die musikalische Entwicklung von Jugend -

lichen. Shure stattet die gemeinnützige Organi sation mit

Mikrofonen der MOTIV-Serie aus, um es jungen Künstlern

zu ermöglichen, ihren eigenen Content ganz einfach selbst

aufzunehmen. Die digitalen Kondensator mi kro fone von

Shure erlauben hochwertige und gleichzeitig mobile Ton -

aufnahmen auf professionellem Niveau – ganz einfach mittels

Lightning- oder USB-Anschluss.

Das Angebot des Music Resource Center richtet sich an

Jugendliche aus benachteiligten Verhältnissen, die an den

darstellenden Künsten interessiert sind. Durch die Vermitt -

lung musikalischer Expertise und entsprechender Alltags -

kompetenzen versucht die Organisation mit Standorten in

Charlottesville und Cincinnati, die Jugendlichen und die

Gemeinschaft vor Ort zu stärken.

GANZ EINFACH ZUM EIGENEN CONTENT

Drei junge Musiker des Music Resource Center haben die

MOTIV-Mikrofone von Shure getestet und teilen ihre Erfah -

rungen in einem YouTube-Video. Ihre eigenen Songs, aufgenommen

mit dem mobilen Equipment von Shure, stehen

auf Spotify, iTunes und YouTube als Stream zur Verfügung.

Shure freut sich über die Möglichkeit, zusammen mit dem

Music Resource Center die Kreativität musikbegeisterter,

junger Menschen zu fördern und hofft, auf diese Weise

noch viele weitere aufstrebende Künstler zu inspirieren.

Die digitalen Mikrofone der MOTIV-Serie sorgen für beste

Aufnahmequalitat mit iOS- und Android-Geraten, Mac und

PC. Mit Lightning-Anschluss, Micro-USB oder Klinke ist

MOTIV stets für jede Aufnahmesituation bestens gerüstet.

Ob Live-Konzert, Musikvideo oder Podcast: alle Tonauf nah -

men gelingen spielend leicht. Das MV88 Stereo-Konden -

satormikrofon überzeugt iOS-Nutzer mit seiner Mobilitat,

während das MV51 Großmembran-Kondensatormikrofon

YouTubern Aufnahmen auf Studioniveau ermöglicht. Ver bun -

den mit einem PC überzeugt das MV5 besonders in Vlogs

und Podcasts. Mit der kostenlosen iOS-App „Shure Plus

MOTIV“ gelingen perfekte Audioaufnahmen. Außerdem er -

möglicht sie ganz einfach das Mischen, Bearbeiten und Teilen

der Tonaufnahmen. Die ebenfalls kostenlose App „Shure

Plus MOTIV Video“ ermöglicht auch bei iOS-Video auf -

nah men den perfekten Ton.

Um mehr über das Music Resource Center zu erfahren, be -

suchen Sie https://musicresourcecenter.org/.

KSM8 DUALDYNE GESANGSMIKROFON

Das KSM8 Dualdyne Gesangsmikrofon ist das erste dynamische Mikrofon, das mit zwei Membranen ausgestattet

ist, die eine neutrale und sehr präzise Stimmwiedergabe, akkuraten Sound und maximale

Kontrolle des Nahbe sprech ungs effekts ermöglichen. Die patentierte Dualdyne-Technologie weist lediglich

marginale Nahbesprechungs effekte und außeraxiale Klangverfärbungen auf.

HAUPTMERKMALE

• Patentierter Dualdyne-Kapselaufbau aus zwei extrem

dünnen Membranen – einer aktiven, einer passiven –

sowie einem invertierten Luftstromsystem

• Neutrale Mitten und Höhen für eine konsistente, natürliche

Wiedergabe

• Reduzierter Nahbesprechungseffekt verleiht dem KSM8

einen extrem großen Sweet Spot

• Durch die Doppelmembrantechnik wird eine neutrale

Wiedergabe sowohl von rückwärtig als auch seitlich eintreffendem

Schall (Off-Axis) erzielt. Der Gesamtmix wird

dadurch deutlich klarer.

• Das patentierte Diaphragm Stabilization System (DSS)

schützt die aktive Membran vor äußerem mechanischen

Einfluss

• Modernste Prozesse bei der Kapselherstellung, darunter

Ultraschall- und Laserschweißen, sorgen für höchste

mechanische Robustheit

• Durch den Einsatz von Materialien wie Neodym und Mag -

nesium innerhalb der Mikrofonkapsel wird das Mag net feld

und damit die maximale Ausgangs span nung optimiert.

Besonders widerstandsfähiger Mikrofonkorb aus gehärtetem

Stahl und wasserabweisendem Schaum stoff

machen das Mikrofon nahezu wasserdicht und schützen

vor Explosivlauten und Windeinflüssen.

• Handgriff aus Aluminium in Schwarz oder gebürstetem

Nickel

Auch als Funkmikrofon ist das KSM8 in verschiedenen

Funksystemen verfügbar – analog und digital.

Weitere Informationen: www.shure.de

musiker Magazin 3/2018


TITELSCHUTZANZEIGEN 59

Titelschutzanzeigen müssen uns fertig layoutet

zugesandt weden.

Sie können nur noch gegen Bargeld

veröffentlicht werden

Anzeige 45 x 20 mm

(fertig layoutet):

20,– € für Mitglieder

30,– € für Nichtmitglieder

BERGVAGABUNDEN

„Sonnenjodler“

VÖ: 10.03.2017

www.wiesenmueller.de

BANJHANKRI

„Cinema“

VÖ: 01.06.2018

delia@freygangband.de

ALBERT NERINI

„Heute wird gefeiert“

VÖ: 02.03.2018

www.walter-strom.com

P U R Z E L P I ! I P E R

Olaf Maureschat | Birkenweg 42 | 22885 Barsbüttel

olafmaureschat@aol.com | 040-6700308

SANESCERE

„Sanescere“

VÖ: 10.02.2017

www.svenhamerskomponist.com

LAST JETON

„Black Swan“

VÖ: 01.06.2018

www.lastjeton.com

MANUELA SIEBER & BAND

„Unauffällig schön“

VÖ: 05.01.2018

www.manuela-sieber.de

Hiermit beanspruche ich den Titelschutz gemäß § 5 Abs. 3 Markengesetz

für den Namen

BURN OUT LAUT

in allen Schreibweisen, Schriftarten, Abkürzungen, Variationen, und

Darstellungsformen für öffentlich dargebotene Musik, Bühnen- oder sonstige Werke

sowie Musikprojekt, Band-, Künstler-, Label-, Verlags- und Produktnamen

in allen in- und ausländischen Print-, Bild-, Ton-, Daten- und Video und

Nachfolgemedienjeglicher Art, sowie in Software und Multimedia-Produktionen,

Fernsehen, Film, Rundfunk, Bühnen, Off- und Onlinediensten,

Merchandising und sonstigen vergleichbaren Werken.

Sean Warwick, Hitzelerstraße 53, 50968 Köln

AUBAAH

„Urnenwahl“

(Live)

VÖ: 10.02.2017

aubaah2005@email.de

CASSROLL

„Ich schau in deine Augen“

VÖ: 11.05.2018

markowsky.reinhard@

t-online.de

ANJA LERCH

„Hommage“

VÖ: 01.12.2017

www.anja.lerch.de




!"#$%&'

!&()(&%*$*$**

+&",&(**(-&(

.&/*&0(*1(*-("2

("30(*-(*&"+

4&*0(35.*

&&(*0(*3*&-&&&*

,

6$*,&$78*9:;


60 CD-REZENSIONEN

CLUESO

»Handgepäck I«

Als Teil der Riege junger deutscher „Pop-Literaten“ ist

CLUESO vielen Hörern bereits seit Jahren ein fester Begriff.

Dass ihn mit dieser Gruppe Musikschaffender musikalisch

tatsächlich aber nicht allzu viel verbindet, stellt er auf seinem

Album „Handgepäck I“ unter Beweis. Anders als ein ge -

wöhnliches Studioalbum ist dieses eher eine An samm lung

von über die Jahre gesammelten Songs und Songideen,

deren Grundgerüst auf Tour entstanden und aufgenommen

worden ist – und welches in Sachen Arran gement und Pro -

duktion nachträglich nur im Rah men zusätzlich ausgearbeitet

wurde.

Was das Ganze konkret heißt? Auf „Handgepäck I“ präsentiert

CLUESO 18 (!) Stücke, die allesamt seine Identität als

Singer-Songwriter herausstellen. Alle Stücke atmen stilis -

tisch nahezu denselben Geist, mal verspielter, mal trauriger,

mal fröhlicher, mal eingängiger. Ganz dem Album titel entsprechend

handeln die Texte vom Weg laufen, vom Entfliehen,

vom Dinge-hinter-sich-Lassen, vom (Wieder-)Ankommen

oder auch vom einsamen Umher wandern in der Welt – physisch

oder geistig. Trotz der 18 Stücke gelingt es CLUESO,

keine Langeweile aufkommen zu lassen. Er reizt die musikalische

Palette des Genres voll aus, besticht durch ge -

schicktes Ein fügen kurzer musikalischer „Zwischenstopps“

(im wahrsten Sinne des Wortes) sowie häufig durch Texte,

die dank ihrer starken Meta phorik einige Male gehört werden

wollen, bis man ihnen auf den inhaltlichen Grund

gekommen ist. Sehr zugute kommt CLUESO auch, dass er

keinen Song unnötig in die Länge zieht, sondern sich auf

das Wesent liche konzentriert: gutes, auf den Punkt kommendes

Arran gement und Texte, die zum Mitdenken und

Wegträumen einladen.

www.clueso.de

P.S.

JEN DALE

»Closer Distance«

Laut Biografie fing bei Jen Dale alles mit einem Kassetten-

Recorder von Fisher Price an. Im Jahr 1999, irgendwo in

Zürich. Ob das stimmt oder nicht, lässt sich von außen

immer schwer beurteilen – bekannt ist allerdings, dass sich

die kleine Jen ziemlich schnell einen Ruf als ziemlich gute

Sängerin erarbeitete. Schon früh lag ihr Fokus auf dem

Soul der 50er-, 60er- und 70er-Jahre, dem sie auch bis

zum Umzug nach Berlin vor wenigen Jahren treu bleiben

sollte. Nun ist ihre erste Full-Length-Platte „Closer Distance“

er schienen und die spannende Frage lautet: Quo vadis, Jen

Dale? Das ist dann auch gar nicht so leicht zu beantworten.

Denn gemeinsam mit ihren beiden Produ zenten Brad Allen

Williams und Jacob Bergson hat die Sängerin ein facettenreiches

Werk erschaffen, das an vielen Stellen zwar immer

noch ihrer Vergangenheit im Soul deutlichen Tribut zollt,

häufig aber schon mal mehr, mal weniger weit über den stilistischen

Tellerrand schaut. So bedienen sich Dale und ihre

Mitstreiter häufig Arrangements und In stru men tierungen

aus der elektronischen Popmusik, ohne dabei in der Regel

jedoch zu gefällig zu wirken. Stets wird ein gewisser musikalischer

Anspruch an den Hörer gehalten, nur selten wirkt

das Ganze zu anbiedernd an klassische Radio-Hits. Sehr

gut schafft es die Künstlerin, Vergan gen heit und Gegen wart

in „Lean“ zu verbinden – hier wird flotter, theatralischer Soul

mit modernen musikalischen Elementen verbunden. Auch

in „True“ schafft es das Kom po nisten-Team, dem Soul einen

angenehmen modernen Touch zu geben. Dass es nie langweilig

wird, dafür sorgt die Bandbreite der Songs, die zwischen

sehr modernen Pop nummern und eher klassischen

Soulstücken pendeln. Letzteres zeugt klar von Dales musikalischem

Erbe und hier kann sie auch ganz deutlich ihre

Stärken ausspielen. Ein rundum schönes Album, bei dem

Soul- und Popfreunde ihre Freude haben werden.

jendalemusic.com

P.S.

LEY LINES CROSS

»Jimazen«

Viel Informationen über LEY LINES CROSS findet man online

nicht so wirklich, aber eines scheint sicher: Das Kollektiv

um Sängerin Karin Lipka hat es sich zur Aufgabe gemacht,

Norderney nach Südamerika zu verfrachten – oder Brasilien

an die Nordsee zu holen. Ein extrem breiter Stilmix aus Bossa

(Nova), Funk, Latin Jazz und Elektronik wird dem Hörer hier

geboten, und er lässt sich stellenweise so entspannt und

südländisch an, dass man sich beim Hören jenseits des

Äquators wähnt. In vielen Songs dominieren die instrumentalen

Arrangements die Struk turen und lassen dabei entspannte,

aber nie banale Stim mung aufkommen. Aufge -

lockert werden die Songs zusätzlich durch Karin Lipkas

liebliche und recht tiefe Stimme, die gut zur Musik passt.

Die größte Stärke der Lieder liegt jedoch eindeutig in der

durch die Musik erzeugten Spannung. Insbe sondere in

Albumhälfte eins schafft es die Band, mit ausgeklügelten

und so gar nicht deutsch wirkenden Kom po si tionen Ent -

spannung einzuläuten, sehr gut zu hören in „Where We Both

Belong“ oder in „On The Train“. Sukzessive schleichen sich

allerdings zunehmend elektronische Elemente in den Sound

der Nord deutschen ein, was darin gipfelt, dass der anfangs

entwickelte südländische Signature-Klang an vielen Stellen

einen wesentlich elektronischeren, ja, europäischeren Touch

er langt. Das wirkt erst einmal unkonventionell und trotzdem

spannend. Insgesamt ist dies ein Album, das ein mehrfaches

Hören wert ist, denn der anfänglich vermeintlich seichte

Bossa-Stil offenbart doch ziemlich schnell komplexe und

vielfältige Einflüsse und Umsetzungs variationen. Für den

unbedarften Hörer mag dies an der einen oder anderen

Stelle ein etwas zu wilder Mix sein – Musikliebhaber ohne

Scheuklappen werden sich in diesem Werk jedoch richtig

austoben können.

leylinescross.bandcamp.com/releases

4 ZIMMER KÜCHE BAD

»Eigentlich müsste man mal«

Vermutbar, dass es sich beim Bandnamen um eine WG

handelt? Richtig! Die musikalischen Bewohner der WG in

Limburg-Weilburg präsentieren das Album „Eigentlich müsste

man mal“. Tily, Biedy, Olli und Manu spielen in Rock beset -

zung mit Gesang, Gitarre, Bass und Schlagzeug deutschen

Rock mit Liedermacher-Punk-Einflüssen. Ihre musikalischen

Stationen finden sich in den Bands Raketenklee,

Elfmorgen, The Golden Ground Alliance. Die Musik der

Band ist häufig im Uptempo-Rockbereich, mal im Riffrock,

mal im schnellen Off-Beat-Stil. Mit Tilys Stimme, die kreischt,

beschwört und drängt, wird es dann zum Agit Punk

Statement. Die Lyrics rütteln gleich beim Opener „Angst-

maschine“ auf. Es wird vor Bürgerkrieg, Waffen und Gewalt

gewarnt. Tu was! Oder mit anderen Worten: Eigentlich

müsste man mal! Die Musik klingt wie der Soundtrack zum

Dissens zwischen Wutbürgern, Vertriebenen, Gut- und

Schlecht menschen aus allen Richtungen. Ähnlich den frühen

Blumfeld. Regt zum Denken an und das ist gut für ein

freiheitlich demokratisches Land. 4 ZIMMER KÜCHE BAD

machen deutschsprachige Rockmusik, wie sie verdammt

noch mal klingen sollte!

www.facebook.com/vierzimmerkuechebad

MISS SALINGO AND FRIENDS

»Wild Flowers«

P.S.

C.S.

MISS SALINGO machen Sinti- und Roma-Musik, also grenzenlose

Musik zwischen Latin, oriental Grooves, India Sounds

– so in etwa beschreibt die Band ihr Genre, in dem sie sich

bewegt. Die Sängerin Martina Brück, die auch Bass-Gitarre

spielt, hat schon so einige musikalische Erfahrung. So spielte

sie mit den Musikern von Krautrock-Legenden wie Amon

musiker Magazin 3/2018


CD-REZENSIONEN 61

Düül, Tangerine Dream und Embryo. Trotz all der experimentellen

Phasen ihrer Karriere kann sie sehr wohl auch ein -

gängig und wohlgefällig klingen. Der Titelsong „Wild Flowers“

ist ein veritabler Reggae. Das Keyboard surrt und der Back -

ground-Gesang trällert. Über allem schwebt die Stimme

von Martina Brück, irgendwo zwischen Joan Baez und

Marianne Rosenberg. Die besten Momente hat das Album,

wenn der Bläsersatz schiebt und ein Saxophon den Songs

Farbe verleiht. So gehört im Anspieltipp „Page To Page“,

einem netten Chanson. „Wild Flowers“ von MISS SALINGO &

FRIENDS ist eine schöne Spätsommerplatte.

www.missalingo.de

C.S.

ANDY LANG

»Beautifully Broken –

13 Songs & Blessings«

Andy Lang ist ein weitgereister Mann: Über 1500 Konzerte

hat der Bayer in gut 30 Jahren gespielt und dabei deutsche

wie europäische Bühnen beehrt, was sowohl eine beachtliche

Fangemeinde als auch ein profundes musikalisches

Wissen und Gefühl mit sich bringt. Besonders hat es dem in

Kulmbach geborenen Musiker der Folk angetan. Auch auf

seinem Album „Beautifully Broken – 13 Songs & Blessings“

wird dies deutlich. Dem Albumtitel entsprechend werden

stolze 13 Songs dargeboten, von denen viele keltischen

Geist atmen, wenngleich sich in einige Num mern auch andere

Stilistiken eingeschlichen haben, wie in das spanisch

angehauchte und gelungene Sting-Cover „Fragile“.

Auf dem Album lassen sich neben einigen eigenen Songs zu

einem großen Teil Cover-Stücke finden, denen Lang an -

sonsten in der Regel durch passende Instrumentierung und

Arrangements einen irischen Touch gibt. So besticht die

Leonard-Cohen-Hommage „If It Be Your Will“ durch gelungene

gezupfte Gitarre und den Einsatz einer Irish Harp, ohne

sich insgesamt jedoch zu weit vom Original zu entfernen. Zu

bestechen weiß auch Andy Langs häufig eingesetzte

Duettpartnerin, die vielen Songs einen melancholischen,

leicht düsteren Eindruck verleiht, ohne kitschig zu wirken.

Auch ist sich Lang nicht zu schade für kleine Experimente,

wie den Einsatz einer Hammond-Orgel im Song „Cara“.

Insgesamt liefert Andy Lang hier ein rundes, atmosphärisches

Werk ab, wenngleich die selbstkomponierten Songs stilistisch

einen etwas weniger spezifischen Folk-Geist atmen.

andy-lang.de

P.S.

ALEXANDER & MAXIMILIAN

BLUME

»In & Out – Volume 2«

„I hear the Blues all in the air, I find the Blues everywhere

...“. Die Zeilen von Memphis Slim hängen wie die Dampf -

wolke, ausgestoßen von einer eisernen Lok, über den Fahr -

gästen in den Waggons. In einem der Waggons sitzen

Alexander und Maximilian Blume, Vater und Sohn. Sie fahren

mit dem Zug des Blues von Eisenach nach Chicago –

oder etwa nach New Orleans? Alexander, international

renommierter Blues- und Boogie-Pianist, ist bekannt durch

seine Kollaboration mit Stefan Diestelmann, dem „Blues-

könig“ der ehemaligen DDR. Mittlerweile blickt er auf 45

Jahre Er fahrung an den schwarzen und weißen Tasten

zurück. Sein Sohn Maxi milian ist Drummer und Sänger. Sie

präsentieren das aktuelle Album „In & Out – Volume 2“, ein

Statement des deutschstämmigen Blues-Jazz. Von den

zahlreichen Musikern, die das Album einspielten, will ich

Ole Rausch und Christian Rämisch nennen, die mit ihrem

Gitarrenspiel virtuose Contra-Punkte auf dem Piano-lastigen

Album setzten. Daniel Klein spielte Schlagzeug und Per -

cussion ein. Den Hörer erwartet klassischer Blues und

Boogie, eigene Songs genauso wie Covers von Klassikern.

So zum Bei spiel „Nobody Knows You When You’re Down

And Out“ von Jimmy Cox oder den „Riders On The Storm“

von The Doors. Sie sollten mal den Song „Seit Wochen

schon auf Tour“ an spielen! So klingt wunderbarer Blues im

Swing-Stil mit schönem Bläsersatz. Das Album „In & Out –

Volume 2“ ist eine runde Sache; und so fährt man gerne im

„Blues Train“ mit Alexander & Maxi milian Blume mit.

www.alexanderblume.de, www.maxblume.de C.S.

DIE DENKEDRANS

»Acker Rock Royal«

Seit fast 20 Jahren stromern DIE DENKEDRANS bereits durch

Kiel und Schleswig-Holstein (aber nicht nach Lübeck!). In

dieser Zeit hat sich die Band durch harte Arbeit den Ruf der

Haus-und-Hof-Band vom Fußballclub Holstein Kiel erarbeitet

(ja, das waren die, die letztes Jahr so knapp am Ham bur -

ger SV um den Aufstieg in die Erste Bundesliga gescheitert

sind). Wie in diesen Zeilen schnell klar wird, haben die

Jungs von den DENKEDRANS ein knallhartes Faible für Fußball

– und das spiegelt sich in den Texten ihres neuen Albums

„Acker Rock Royal“ auch knallhart wider. Ein Großteil der

Texte handelt entweder von Holstein Kiel (immerhin zwei

Songs inklusive Live-Version), der generellen Liebe zum

Fuß ball oder Anekdoten, die zumindest mit der schönsten

Nebensache dieser Welt zu tun haben.

Folgerichtig präsentiert die Band uns musikalisch einen Mix

aus Toten Hosen, den Ärzten und etwas schwereren Ge -

schützen wie Puddle Of Mudd. Da DIE DENKEDRANS aber

nicht nur für Fußball, sondern auch für ihre norddeutsche

Hei mat schwärmen, haben es auch noch einige Lobes -

hymnen an das nordische Lebens- und Glücksgefühl auf das

Album geschafft.

Zusammen mit ersterem Themenblock formen die Jungs

einen musikalisch passenden Mix, der viel gute Laune,

aber ab und an auch das nötige Stück Melancholie nach

außen trägt. Inhaltlich wird hier zwar niemand überfordert,

Spaß macht das Ganze jedoch allemal, und so sollten DIE

DENKE DRANS doch sicher auch noch die 20-Jahres-Marke

oder vielleicht ja auch sogar die 30-Jahres-Marke knacken

– wenn Holstein Kiel vielleicht auch wieder mal in Liga 1 zu

finden ist. Zumindest die Fußballer haben ihren ersten

kleinen Schritt soeben getan: Just wie ich diese Zeilen schreibe,

höre ich, dass die Kieler den FC Magdeburg in Liga 2

nach hartem Kampf mit 2:1 geschlagen haben – na, wenn

das mal kein Omen ist.

www.denkedrans.de

P.S.

GEORG DYBOWSKI

»Simple Doesn’t Mean Easy«

Als Wanderer „zwischen den musikalischen Welten” Jazz und

Klassik wird Georg Dybowski auf seiner Homepage be -

schrieben. Der studierte Jazz-Gitarrist ist neben seiner Arbeit

in Kollektiven wie „Chamber Jazz“ oder „Das kleine Or ches -

ter“ immer auch wieder als Solokünstler, -komponist und

-interpret unterwegs. Aus dieser Aktivität entspringt auch

sein aktuelles Werk „Simple Doesn’t Mean Easy“, das in

physischer Form vorliegend mit einem schönen, persönlichen

und sein Werk einordnenden Vorwort von Matthias

Keidel ausgestattet ist. Musikalisch arbeitet sich Dybowski

auf dem Album tatsächlich durch zahlreiche der Stile, in

denen die akustische, mit Stahlsaiten besetzte Gitarre eine

Rolle spielt: Pop, Folk, Jazz, Klassik und ein klein wenig

Latin – Dybowski zeigt sich hier als wahrer Multi-Stilist. Auf

songwriterischer Ebene agiert er fast schon poppig, legt Wert

auf schlüssige und mit klaren Melodien versehene Song -

struk turen. Auf technischer Ebene kommt häufig hingegen

sein ganzes Können zutage, ohne dass es mit der Faust aufs

Auge gedrückt wirkt. So unterscheiden sich die Stücke denn

häufig am ehesten auch auf der Ebene der eingesetzten

technischen Spielmittel, der rote Faden entsteht durch die

an ge sprochenen eingängigen und meist sehr ruhigen,

8

3/2018 musiker Magazin


62 CD-REZENSIONEN

melancholischen Stücke, die klare, deutliche Produktion sowie

durch die bloße Tatsache, dass hier nun mal kein anderes

Instrument außer einer Akustik-Gitarre zu hören ist – was

per se schon einmal das Entstehen eines klanglichen roten

Fadens fördert. Genau diese „Eingeschränktheit” der klang -

lichen Mittel ist es allerdings wohl auch, die „Simple Doesn’t

Mean Easy“ für Laien dieser Musikrichtung zu einem durchaus

anspruchsvollen und in Gänze nicht leicht zu verdauenden

Brocken machen könnte – trotz vermeintlichem „Easy-

Listening-Gefühl“ zu Beginn. So wohlig die Stücke klingen,

so viel Konzentration und Aufmerksamkeit ist vonnöten, um

alle subtilen Feinheiten und Unterschiede von Dybowskis

Werk zu erhören. Ein schönes, anspruchsvolles Werk, das

Zeit braucht.

dybomusic.de

P.S.

CELTIC COWBOYS

»Qualified Celtic Cowboys«

Bei den CELTIC COWBOYS ist der Name Programm: Ihre

Musik greift Impulse aus irischem und US-amerikanischem

Folk, Rock und Country auf und kombiniert diese zu einem

einzigartigen Sound. Allein das Layout des neuen Albums

zeigt mit seinem Hintergrund aus derbem Jeansstoff und dem

grob vernähten Leder-Label, das Bandnamen und Albumtitel

trägt, in welche Richtung es auf „Qualified Celtic Cowboys“

geht. Nämlich Richtung Westen! Verschiedensprachige Song -

texte auf einem Album vereinen? Kein Problem für die Cow -

boys! Auf dem dritten Studioalbum treffen zehn englischsprachige

Songs auf sechs deutsche, was manchmal ein

schnelles Umhören erfordert – unter anderem auch wegen

der unterschiedlichen Themen, die behandelt werden. Ver -

klärte Western-Romantik („Walking Home Alone“, „East Bound

And Down“, „My Sweet Suzie“) steht handfesten Alltagsthe -

mati ken („Schulden bei der Bank“, „Karre schieben“, „Alltags-

helden“) und einem Ausflug nach Hamburg („Störtebekers

Blut“) gegenüber, wobei die Texte gerne mal mit einem

Augenzwinkern geschrieben sind. Das macht die CELTIC

COWBOYS so sympathisch. Besonders hervorzuheben sind

der titelgebende Eingangssong „Qualified Celtic Cowboys“,

„High Potential Fiddler“ oder „Polka On The Fiddle“, die das

unbeschwerte Lebensgefühl der Route 66 mit einem un -

ver kennbaren Touch irischen Esprits richtig gut rüberbringen.

Auch mit ihren Versionen der Traditionals „Angeline

The Baker“ und „Whiskey In The Jar“ sowie des Titelsongs

zum Kinofilm Smokey And The Bandit „East Bound And

Down“ kann die Hamburger Band überzeugen. Am allerbes -

ten funktionieren die Lieder auf „Qualified Celtic Cowboy“

jedoch vermutlich da, wo die Band ihr Publikum direkt er -

reichen und mitreißen kann: auf den Live-Bühnen Deutsch -

lands.

celtic-cowboys.de

L.K.

ALINA SEBASTIAN

»Here Comes The Light«

Obwohl sie gerade einmal 20 Jahre alt ist, klingt Alina

Sebastians Musik auf „Here Comes The Light“ überraschend

professionell und durchdacht. Beschäftigt man sich

mit der Biografie der jungen Sängerin, überrascht die Pro -

fes sio nalität weniger, steht Alina Sebastian doch schon seit

ihrem 13. Lebensjahr vor Publikum und begeistert sowohl

mit Coversongs als auch Eigenkompositionen. „Here Comes

The Light“ ist nun ihre erste selbstproduzierte CD, auf der

sie mit charmant-sympathischer Stimme und eingängigen

Gitar ren akkorden drei starke Pop-Songs mit Singer-

Song writer- und Country-Einsprengseln präsentiert. Die

positive Aus strah lung der Sängerin und Gitarristin, die die

Einnahmen aus dem CD-Verkauf an die Initiative Kelly e.V.

spendet, springt nicht nur auf dem Cover sofort ins Auge,

sondern ist auch in jedem einzelnen Song zu hören.

Besonders die erste Single-Auskopplung „Here Comes The

Light“ spiegelt diese Lebensfreude wider. „Crazy About You“

hingegen ist ein klassischer Lovesong, der von den Freuden

des Verliebt seins erzählt und durch seine feine Instru men -

tierung luftig-leicht wirkt. Auf „Ship On The Ocean“ schlägt

Alina Sebastian nachdenklichere Töne an und legt volle

Leidenschaft in ihren Gesang. Insgesamt entsteht so eine

dynamische EP, die Lust auf ein ganzes Album macht.

www.alina-sebastian.de

L.K.

FLORIAN W. HUBER

»Magnet«

Florian W. Huber bezeichnet sich selbst als Songpoeten.

Voll kommen zu Recht, wie die Zeilen auf seiner Single

„Magnet“ zeigen. „Manche Felder leuchten wie der Mond /

Sonnengold und Sternenband / Dort in ihnen wohnt“ oder

auch „Manche Worte liegen bis Brachmond / Warten bis

der Dichter sie aus der Erde holt“ heißt es da. Die Musik

begleitet Gitarrist und Sänger Florian W. Huber schon seit

seiner Kindheit. Über erste Jugendbands und einen Ausflug

in die Hardrock-Szene hat er seinen Weg zu den sanfteren

Klängen der Akustik-Gitarre gefunden und erkundet seitdem

mit lyrischen deutschen Texten die Gefilde der Singer-

Songwriter-Szene. Die wiederkehrende, fragil tänzelnde Ein -

gangsmelodie der Gitarre auf „Magnet“ geht sofort ins Ohr,

genau wie der Refrain dieses kraftvollen Songs. Huber schafft

es, ein intensives Soundgefüge zu erschaffen, über dem

seine eindringliche Stimme mal singend, mal rezitierend

die lyrischen Zeilen vorträgt.

florianwhuber.de

L.K.

CHRIS KRAMER

BEATBOX ’N’ BLUES

»Way Back Home«

„Welcome to the USA, where the Blues was born!“ war

einer der Willkommensgrüße an CHRIS KRAMER & BEAT-

BOX ’N’ BLUES. Chris, der deutsche „Mr. Blues Harp“, reis -

te mit Sean Athens, Gitarrist, und Kevin O’Neal, Beatboxer,

2016 in die Staaten. Ihre Reise führte sie nach Brownsville

und Memphis/Tennessee zur International Blues Challenge.

Sie sahen den Stadtteil Nutbush City und lernten das musikalische

Wirken von Sleepy John Estes kennen. In Indianola/

Mississippi besuchten sie das BB King Museum. Auch,

wenn die Band im Halbfinale ausschied, wurde sie bei der

Blues Challenge abgefeiert. Das Album „Way Back Home“ ist

ein spannendes audiophiles Dokument ihres besonderen

Projekts. Ich kenne nichts Vergleichbares in der Bese t zung

Blues Harp, Gitarre, Beatbox und Vocals. Dass es nicht nur

funktioniert, sondern echt begeistert, beweist „Way Back

Home“. Nun ist das Trio international auf Konzerten unterwegs

und begeistert nicht nur Blues-Fans in Europa. Ein

weiteres Mal zeigt Chris Kramer, dass er zu Recht von vielen

Musikern geadelt wurde. Jack Bruce von Cream nannte

ihn „Master of the Blues-Harp“. Aber auch seine Mitmusiker

Sean und Kevin lassen aufhorchen. Diese Grooves! Diese

Gitarre! Alle Songs beweisen Klasse, als mein Favourite stellte

sich „Hot Summer Day“ heraus. Ein tarrantineskes, Bourbon

geschwängertes, Schlangen klapperndes Epos – passend

zum vergangenen Sommer zwischen Elbe und Donau. Wel -

come to the German Blues Enthusiasts of CHRIS KRAMER

& BEATBOX ’N’ BLUES.

www.chris-kramer.de/beatbox-n-blues/

C.S.

MARIO SOUTSCHKA

»Long Stories Short«

Es ist ein Erstling! Das erste Album von Mario Soutschka

heißt „Long Stories Short“. Der junge Gitarrenbarde aus

Ingol stadt hatte 2014/2015 einige seiner Songs in die

Semifinals einiger Songwriting Contests gebracht, darunter

musiker Magazin 3/2018


CD-REZENSIONEN 63

der UK Songwriting Contest und die International Song writing

Competition. Begonnen hat alles mit einem Gastauftritt in

der Comedy-Serie Bullyparade: Damals 12-jährig, intonierte

er zum Beatles-Song „Help“. Bis heute verfügt er über einen

“lennonesken” Gesangsausdruck, der sich manchmal mit

dem von Billie Joe Armstrong (Green Day) zu kreuzen scheint.

Seine Songs hat er mit Bandbesetzung in ein analoges, wohl -

klingend rockiges Gewand gekleidet. Gitarren, Bass, Schlag -

zeug bilden eine Einheit, Streichinstrumente untermalen

manche Songs, so wie im Duett-Song „Flying Away“ – mit

der wunderbar klingenden Melanie Hirsch am Mikrofon. Für

ein Debüt klingt Mario Soutschkas Album ungewöhnlich reif

und dabei so unverbraucht frisch wie schon lange nichts

mehr.

www.facebook.com/MarioSoutschka/

C.H.

LAST JETON

»Black Swan«

Ihr laut Promosheet „viertes Langeisen“ präsentieren LAST

JETON in Form der neuen Veröffentlichung „Black Swan“.

Der aufmerksame Rezensent muss an dieser Stelle gleich

mahnend den Zeigefinger heben, wenngleich er niemanden

des Etikettenschwindels bezichtigen will: Tatsächlich

haben wir es hier nicht mit einem Album zu tun, sondern

mit einer fünf Tracks umfassenden EP, auf der sich die Band

inhaltlich mit der Frage beschäftigt, was geschieht, „wenn

das vermeintlich zarte Geschlecht eine Rebellion geleitet

von Macht, Wahnsinn und unerwiderter Liebe anzettelt“.

Passend dazu werden die Texte von Frontfrau Saskia intoniert

– ob hier autobiografische Hintergründe eine Rolle spielen

oder einfach nur mal lyrisch auf den Putz gehauen werden

soll? Wir wissen es nicht – musikalisch und vor allem

klanglich wird der Putz hier aber in der Tat von den Wänden

gerüttelt. Aufgenommen und gemixt im Kohlekeller-Studie

wird der an US-Bands wie Creed oder Three Doors Down

erinnernde, melodische Heavy Rock hier ins passende,

druck volle Klanggewand gehüllt – klarer Daumen nach

oben für diese Studio-Wahl.

Songwriterisch besticht die vierköpfige Truppe dann durch

überlegtes, auf den Punkt gebrachtes und eingängiges

Song writing. Die Komponisten in dieser Band verstehen es,

Stücke ohne große Umschweife beginnen zu lassen, kurz

Spannung aufzubauen und sie dann zumeist im Refrain in

einem Knall entladen zu lassen. Besonders gut ist dies etwa

in „Once Upon A Time“ oder „Amah Of Duat“ zu hören. Das

Grundrezept lautet: Die Instrumente grooven und rocken solide

und bieten so die Basis für Sängerin Saskias tolle

Stimme. Höhepunkt ist der Rausschmeißer „Forever“, der

ein wenig Tempo rausnimmt, dafür aber umso mehr mit

Atmos phäre, einem tollen Solo und einem epischen letzten

Refrain punkten kann. Das auf den Punkt gebrachte, eingängige

Konzept der Band funktioniert auf der begrenzten

Spielzeit über fünf Songs gut; daher war es vielleicht gar

kein dummer Zug, eine EP zu produzieren. Spannend wäre

es zu hören, ob dies auch über ein Full-Length-Album be -

stehen kann, ohne strukturell zu eintönig zu klingen.

www.lastjeton.com

P.S.

MARTIN GOLDENBAUM

»Überflieger«

Aus Berlin kommt das neue Album von Martin Goldenbaum

zu uns. Auf „Überflieger“ präsentiert der Komponist, Sänger

und Gitarrist elf Stücke, die uns an seinem inneren Seelen -

leben von Liebe bis maßloser Selbstüberschätzung teilhaben

lassen und in sympatischer Weise diverse Kleinigkeiten

des Alltags beleuchten. Wenn gleich die meisten Stücke mit

voller Band instrumentiert sind, spricht aus jedem Stück

8


64 CD-REZENSIONEN

eine deutliche Singer-Songwriter-Atmosphäre – sowohl was

die auf den Punkt gebrachten Strukturen als auch die anek -

dotisch und persönlich dargebrachten Texte angeht.

Stilistisch bewegt sich Goldenbaum irgendwo zwischen

Chanson-Vibe, alten deutschen Garden à la Westernhagen

und neuen Acts wie Juli, Madsen oder Wir Sind Helden.

Besonders an die beiden Letztgenannten werden immer wieder

Assoziationen geweckt – sehr oft bedient sich Goldenbaum

kraftvollen, aber melancholischen Stimmungen, die von den

persönlichen Texten abgerundet werden. Das Material

schwankt zwischen flotten, fast schon pop-punkigen Stücken

(„Überflieger“, „Weil ich mich um dich dreh“, „180 Freunde“)

und ruhigen, ja, balladesken Stücken („Ich komme zu dir“,

„Dort oben“).

So deckt Goldenbaum über die gesamte Spielzeit zahlreiche

Stimmungen, Gefühle und Themen ab, wobei er songwriterisch

wenig Risiko eingeht. Beim ersten Hören wirkt dies ein

wenig monoton, das Album wird also am besten in ge ge be -

ner, ruhiger Atmosphäre genossen. Ein gutes Stück deutscher

Liedkunst, wenngleich lyrisch zu den offensichtlichen Vor -

bildern noch die letzte Stufe fehlt, um aufzuschließen.

www.martingoldenbaum.de

P.S.

CHRISTINE HELMS

»Auszeit«

Hört, hört – der „Beipackzettel“ zu Christine Helms’ Debüt -

album „Auszeit“ strotzt nur so vor bekannten Namen: Pro -

duzent Mark Smith, Autor Frank Ramond, Johannes Oerding

als Referenz für mögliche zukünftige Ziele? Ein am bitioniertes

Programm, das sich Christine Helms beziehungsweise ihre

Promopartner da aufgebaut haben – da wird die Messlatte

hochgelegt. Ob die Musik das Niveau halten kann?

Helms bietet auf auf ihrem Erstlingswerk gefälligen Chanson,

der mal in jazzigere, mal in ruhigere, mal in poppigere Gefilde

abdriftet. Ihre Backingband leistet sehr gute Arbeit, lobenswert

hier auch definitiv zu erwähnen ist die Kompositions -

arbeit von Helms und ihren Unterstützern. Besonders fällt

das gute Zusammenspiel aus Instrumenten und Helms’

Stimme etwa im Opener „Da muss Bewegung rein“ oder in

„Kann schon sein“ auf. Über die gesamte Albumlänge wird

hier in zwölf Stücken ein sehr starker roter Faden gespannt,

trotz der oben genannten klanglichen Variationen – ein Werk

wie aus einem Guss also, da kann man vor Helms und

Produzent Smith nur den Hut fürs Konzept ziehen.

Inhaltlich präsentiert uns Helms auf „Auszeit“ kluge, verspielte

und aus dem Leben gegriffene Texte. Besonders das

Auf und Ab, die Höhen und Tiefen des Liebeslebens stehen

im Mittelpunkt – worin gleichzeitig auch ein kleiner Wer -

muts tropfen des Albums liegt. Fraglich erscheint, ob man

sich auf Albumlänge durchgehend als die im Promosheet

beschriebene „Single-Frau“ inszenieren muss, oder ob

Helms’ persönlicher Background nicht doch noch ein paar

mehr textliche Facetten zulassen würde. Der musikalische

Ideenreichtum und die Reife des gesamten Albums lassen

nämlich auf Letzteres schließen. Wir dürfen jedenfalls ge -

spannt sein, was sie uns auf ihrem kommenden Album

noch alles zu erzählen hat.

christine-helms.de

P.S.

LINDA JÄGER

»Du erreichst mich«

Songschreiberin Linda Jäger hat mit „Du erreichst mich“

eine gefühlvolle Single herausgebracht, deren Musik und

Text das Herz berühren. Der Song ist eine Liebeserklärung

der besonderen Art: „Machst aus meiner Wohnung ein Zu -

hause / machst aus meinen Schwächen meine Stärken“ und

„Du erreichst mich in meinem schönsten Farbton“ – hier

rühmt Linda Jäger den Menschen, der das Beste in ihr sieht

und aus ihr herauszuholen vermag. Während der Gesangs -

pas sagen hält sich die Instrumentation angenehm zurück;

eine wunderbare musikalische Ergänzung stellt das emotionale

Solo der E-Gitarre am Ende des Songs dar. Über die

Person Linda Jäger erfährt man auf ihrer Homepage nicht

viel. Die Musik steht im Vordergrund, was eine sympathische

Ab wechs lung zur oftmals selbstdarstellerischen

Präsentation anderer Künstler ist.

www.lindajaeger.de

L.K.

EDDIE KOLD BAND

FEAT. LARRY DOC WATKINS

»Chicago Blues Heaven«

Wahrlich im sprichwörtlichen Himmel des Blues muss man

sich befinden, wenn man von Köln über Chicago nach

Memphis und zurück nach Köln reist und jammt. Eddie Kold

reist schon seit 1986 nach Chicago, lebte dort und spielte

immer mit berühmten Bluesstars. Im Blues-Mekka spielte

er in den Bands von Vance Kelly, Zora Young oder LV Banks.

Er spielte auf dem Chicago Blues Fest, dem Montreal Jazz

Fest oder in den kleinen Ghettoklubs der South Side und

West Side von Chicago. 2017 Erfüllte sich für Eddie ein

Traum, als er mit seiner Band und alten Freunden in Chicago

eine CD aufnahm. Es entstand das Album EDDIE KOLD

BAND FEAT. LARRY DOC WATKINS – „Chicago Blues Heaven“.

Mit im Studio war die Band mit Drummer Christian Wübben,

be kannt von Erdmöbel, Sven Ostrowski, Lukas Diehl, Key -

boarder auch bei Wir sind Helden, und schließlich Vokalist

Larry Doc Watkins. Die Liste der mitwirkenden Musiker ist

lang, es waren etwa Kenneth Scott an der Gitarre, Rodney

Brown am Saxophon oder Vance Kelly mit Gitarre und Ge -

sang mit an Bord. An Spielfreude und Originalität ist das

Album kaum zu überbieten. Eddies virtuoses Gitarrenspiel

klingt clean, soulig und jazzig. Neben ihm zelebriert ebenso

Sänger Larry Doc Watkins den Chicago Blues ausdrucksstark.

Die Lyrics sind launig und ironisch, so etwa bei „I Lost

My Baby To Facebook“ oder „Gasman 2018“, wo es heißt:

„They call me the gasman, and I put my tiger in your tank

...“(!). So wirkt das Album beschwingt im besten Sinne. Klar

ist, EDDIE KOLD BAND FEAT. LARRY DOC WATKINS spielen

in der höchsten Blues-Liga, also dem Blues Heaven. Ein

absolutes Muss für die Blues-Sammlung!

www.eddiekold.com

C.S.

SARIS –

»Until We Have Faces«

Progressiver Rock, wie ihn Saga oder Mike Oldfield prägten,

begegnet unserem Gehör, wenn wir einen SARIS-Silberling

ins Laufwerk legen. Derk Akkermann, Komponist, Arrangeur

und Gitarrist, hat kongeniale Mitmusiker um sich, um die seit

1981 währende Geschichte seines AOR/Progressive-

Projektes SARIS fortzuschreiben. Abwechslungsreiche,

orchestrale, ausufernde Stücke erwarten den Hörer; rockig

und klassisch, gelegentlich metallisch im Stil. Auf dem

Album „Until We Have Faces“ solieren E-Gitarren brillant

und Keys bilden Teppiche, die wieder herabfallen, um den

Stimmen Raum zu geben. Herausragend fällt die Gesangs -

fraktion aus, die mal episch-theatralisch, mal druckvoll und

ausdrucksstark agiert. Herausragende Momente hat das

Album, wenn sich die Stimmen in mehrstimmige Choräle

vereinen, wie in „Rain“. Unter anderem teilen sich das Ge -

sangsmikrofon Anja Günther, Thomas Hackmann und der

Brite Henrik Wager. Textlich wandeln SARIS dabei in sagenhaften

und mythischen Welten. Die Produktion erfüllt höchste

Ansprüche. Die Protagonisten des Projektes legen mit

„Until We Have Faces“ ein Album vor, das abermals die

Richtung des Vor gängers „Curse Of Time“ einschlägt und

zu einem neuen musikalischen Höhepunkt führt.

www.saris.website

C.S.

musiker Magazin 3/2018



SUCHE

Künstleragentur sucht

Nachfolger!

Eine seit mehr als 35 Jahren auf

dem nationalen und internationalen

Markt agierende Künstler- und

Veranstaltungsagentur (Schwerpunkt

Rock, R&B, Jazz, Soul und

Schlager) sucht eine(n)

ambitionierte(n) Nachfolger(in)

mit viel Liebe zur Musik und

Verständnis für die

Zusammenhänge der

Musikwirtschaft und der

entsprechenden Toleranz für die

unterschiedlichen Charaktere von

Künstlern.

Kaufmännische Erfahrung, gute

Englischkenntnisse, profunde

Kommunikationsfähigkeiten und ein

entsprechender finanzieller

Background sind Voraussetzungen,

um eine solche Agentur führen und

den internationalen Markt bedienen

zu können.

Der Service am Kunden ist uns

wichtig.

Eine halbjährige professionelle

Einarbeitung wird garantiert.

Ernsthafte Interessenten mögen sich

melden sich unter: Chiffre 1803

SONGTEXTE WANTED?

Beachte meine Formatanzeige auf

dieser Seite!

Andreas Sutter

0171-49 66 11 7 * sutter@was.de

www.ursache-unbekannt.de sucht

Auftritte!

KLEINANZEIGEN 65

+++ MUSIKER +++ KLEINANZEIGENMARKT +++ MUSIKER +++ KLEINANZEIGENMARKT +++

Mein Text soll unter folgender

Rubrik erscheinen:

❑ Verkaufe

❑ Diverses

❑ Stars & Stripes

Musiker sucht Musiker

❑ Suche

❑ privat ❑ gewerblich

Die ersten 4 Zeilen sind gratis, jede

weitere angefangene Zeile kostet:

✐ für DRMV-Mitglieder: 1,50 €/

gewerblich 2,50 €/Zeile

✐ für Nichtmitglieder: 2,50 €/

gewerblich 5,– €/Zeile

✐ Chiffre-Anzeigen: 2,50 € extra!

Bitte nur noch per Barzahlung

(Scheck oder Bargeld)!

Es werden zwei Gitarrenlehrer für

eine Musikschule in HH-Altona

gesucht!

Zwecks Erweiterung unseres

Lehrer-Teams suchen wir

ab September/Oktober 2018 oder

später ein bis zwei zusätzliche

Gitarrenlehrkräfte (E- und/oder

AK-Gitarre) für jeweils einen Tag

in der Woche. Je nach Qualifikation

kann u. a. ein bereits bestehender

Schülerstamm übernommen

werden. Freie Tage wären Montag

und/oder Dienstag.

Aussagekräftige

Bewerbungsunterlagen bitte per

E-Mail oder auf dem Postweg an:

The Guitar School

z. H. Jens Koehler

Stresemannstraße 132A

22769 Hamburg

info@theguitarschool.de

www.theguitarschool.de

Mitglieder

Nichtmitglieder

1,5/2,5 2,5/5,–

3,–/5,– 5,–/10,–

4,5/7,5 7,5/15,–

6,–/10,–10,–/20,–

DIVERSE

SONGWRITER für Ihre Songs!

BRAUCHT Ihr SONG das GEWISSE

ETWAS !?

KLASSISCH und ORIGINELL

zugleich !?

Die NEUE GENERATION der

SONGWRITER ist DA !

Pop, Rock, Schlager, Country, Folk /

dt., engl.

Kontaktieren Sie Samy Oeder:

Mail: samy@reverend-samzen.de

Telefon: 01778983181

Coupon einsenden an:

Redaktion Musiker Magazin

Betr. Kleinanzeigen

Kolberger Straße 30 • 21339 Lüneburg

Verkaufe PA:

4 große PA-Boxen –

3-Weg mit JBL-Hörnern

und JBL-Lautsprechern;

4 große Monitore; Endstufe

5000 Watt im Case plus

Equalizer; 32-Kanal-

Mischpult Soundcraft.

Gesamtpreis: 3000,– Euro

(alles funktionsfähig!)

Kontakt:

os@musiker-online.com

Doppelauszeichnung

Deutscher Rock & Pop

Preis 2017: Platz 1 & 2

Kategorie: Bester

deutscher Songtext

Name:

Straße:

PLZ/Ort:

Bankverbindung:

E-Mail-Adresse:

VERKAUFE

Für Songtext-Verwerter fertige ich unverbindlich

Auftragsarbeiten an! Mein Fundus an fertigen

Texten bietet zudem eine große Auswahl!

für jedes Genre by Andreas A. Sutter

+49-(0)171 - 49 66 11 7, sutter@was.de, www.was.de/songtexte (online stets aktuell!)

Mitglieds-Nr.:

Telefon:

4/2007 musiker MagaziN


66 KLEINANZEIGEN

Das neue Musikerbuch!

ERFOLGREICH IN DER

ROCK & POP MUSIK

KNOWHOW – FAKTEN – BERICHTE – VERTRÄGE

OLE SEELENMEYER

VERLAG MUSIKER PRESS

ERFOLGREICH IN DER ROCK & POP MUSIK

OLE SEELENMEYER

DAS MUSIK- UND MEDIENBUCH

FÜR ROCK & POPMUSIKER,

KONZERTVERANSTALTER, KONZERTVERMITTLER,

MANAGER, PRODUZENTEN, STUDIOS, LABELS,

MUSIKVERLAGE UND MUSIKERINITIATIVEN

ERFOLGREICH

IN DER

ROCK & POP

MUSIK

KNOW HOW - FAKTEN - BERICHTE - VERTRÄGE - KULTUR

VERLAG MUSIKER PRESS

936 Seiten

€ 50,–

FÜR DRMV

MITGLIEDER € 25,–

Der professionelle Ratgeber für Rockund

Popmusiker

aller musikstilistischen Bereiche!

Über 270 verschiedene Themen über

die gesamte Musikbranche!

Über 170 verschiedene Musterverträge

aus der Musikbranche!

BESTELLCOUPON:

Hiermit bestelle ich das Buch „Erfolgreich in der Rock & Pop Musik“ für:

€ 50,– € 25,– (DRMVMitglieder) Vorauskasse Nachnahme

Vorauskasse - Scheck/Bar/Überweisung (zzgl. € 4,29 Versandgebühren), Nachnahme (zzgl. € 11,90 Versand- und Nachnahmegebühren)

Vorname:

Firma:

Straße:

Name:

PLZ, Ort:

Telefon:

E-Mail:

Zu bestellen über: Musiker Press, Kolberger Str. 30, 21339 Lüneburg, Telefon: (0 41 31) 23 30 30, info@drmv.de

musiker

MAGAZIN

Herausgeber:

Kulturelles Jugendbildungswerk e.V.

Kolberger Straße 30, 21339 Lüneburg

Telefon: 0 41 31/2 33 03-0

Telefax: 0 41 31/2 33 03 15

www.musiker-online.tv

www.musikermagazin.de

Kontoinhaber: K.J.B.W.

IBAN: DE25200100200571988204

Kreditinstitut: Postbank Hamburg

BIC: PBNKDEFF

Redaktion

Kolberger Str. 30

21339 Lüneburg

Telefon: 0 41 31/2 33 03-0

Fax: 0 41 31/2 33 03 15

Verantwortl. Redakteur (V.i.S.d.P.):

Ole Seelenmeyer, os@musiker-online.com

Freie Mitarbeiter und Gastautoren:

Norbert Aping, Janina Heinemann,

Linda Knauer, Jana Moysich, Ronja Rabe,

Katja Rake, Christian Schöning,

Philipp Strunk

Anzeigenleitung:

Ole Seelenmeyer

Anzeigenassistenz:

Katja Rake

Zurzeit ist die Anzeigenpreisliste Nr. 33

vom 1. August 2018 gültig.

Layout:

Ana Seelenmeyer

Lektorat:

Heike Funke

Druck:

L.N. Schaffrath GmbH & Co. KG

DruckMedien

Musiker Magazin erscheint 4 x jährlich

Copyright und Copyrightnachweis für alle

Beiträge: Nachdruck, auch auszugsweise,

sowie Vervielfältigungen jeder Art

nur mit schriftlicher Genehmigung des

Heraus gebers. Druckirrtümer vorbehalten.

Namentlich gekennzeichnete Beiträge

stellen nicht unbedingt die Meinung der

Redaktion dar.

ISSN 1618-386X

Gründung eines prof.

BEATLES-ORCHESTERS

für deutschlandweite Konzerte

Gesucht werden:

• Lead-Gitarristen • Bassisten • Drummer

• Keyboarder/Pianisten

• Bläser (Trompeter, Saxophonisten, Posaunisten)

• Streicher (Violinisten, Cellisten etc.)

Voll ausgestattetes Trainings-/Probezentrum in Lüneburg

Interessenten:

UAM, Kolberger Str. 30, 21339 Lüneburg

os@musiker-online.com

RECHTSANWALT

WOLFGANG KRÜGER

Wir beraten Sie in allen Fragen mit Bezug zur

Musik- und Veranstaltungsbranche:

GEMA, GVL, Umsatzsteuer, Namensrecht,

Vertragsrecht, Markenrecht etc.

Weg beim Jäger 75 | 22453 Hamburg | Fon. 04057008781

wolfgangkrueger44@googlemail.com

+ + + A N Z E I G E N I N D E X + + +

123CD.de...........................................................................................63

Alfred Music Publishing...........….......................................…….....15

bst GmbH...........….......................................….....................….....41

Eberhard, Raith & Partner.....…......................................................53

Erfolgreich in der Rock- & Pop-Musik...........................................66

König & Meyer……………….................................................…….25

Köttgen Hörakustik……………….........................................…….37

RA Wolfgang Krüger........….................................................……..66

Leu Verlag.............…………................................................…...…21

Music Store..........……...…...................................….................…4U

Pro Music..........………...........................................................….....65

Rock TV..........……….............................................................….....2U

Shure.............……….............................................….................….27

Steinigke Showtechnic GmbH............................….................….53

T-Shirt Drucker.............…..................................................…..........55

Tascam..............….................................................…....….............3U

WAS – Andreas Sutter........…........................................................65

+ + + A N Z E I G E N I N D E X + + +

musiker MagaziN 3/2018


HANDMADE GUITARS

FAME Forum IV Modern

Stonewashed Blue Satin

Die Fame Forum IV Modern

Stonewashed Blue Satin im Überblick:

• Korpus aus Khaya-Mahagoni mit Riegelahorn-Decke

• Ebenholz-Griffbrett mit Mother of Pearl Dot Inlays

• Seymour Duncan SH-2n Jazz Hals-Tonabnehmer

• Seymour Duncan SH-4 JB Steg-Tonabnehmer

• Hals aus Sapelli-Mahagoni mit „D“-Profil

• GraphTech Resomax Tune-O-Matic Brücke mit

Ghost Piezo-Tonabnehmern, aktiver Piezo Preamp

• Schaller Stopbar Saitenhalter, M6 Locking

Mechaniken und Security Locks

• Coil Split über Mini-Schalter

• made in Europe

GIT0042058-000

949,00 €

Jetzt vorbestellen!

Aufgrund der hohen Nachfrage

immer schnell ausverkauft....

MUSIC STORE professional GmbH | Istanbulstr. 22-26 | 51103 Köln-Kalk | Tel. 0221-8884-0 | musicstore.de

Weitere Magazine dieses Users