DIE WIRTSCHAFT MS I MS-Land - 18.12.2018

hallomuenster

Macher &Märkte: Budenzauber

bei Ventana Seite 4

Branchen &Betriebe: Schumacher

wächst und wächst Seite 5

Leben &Wissen: Das „blaue

Wunder“ Seite 11

DIE WIRTSCHAFT

Münster |Münsterland

Wir wünschen

allen Kunden unseres

Hauses ein frohes

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Ausgabe 10/18

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Preis: 3,50 Euro

Wirtschaft macht Schule

Ab dem Schuljahr 2019/2020 sollen Wirtschaftsthemen im Unterricht stärker als bisher zur Sprache

kommen. Geplant ist ein ausgewogener Mix aus Verbraucherthemen und Volkswirtschaftslehre.

Es istmehr als die Frage, wie Schüler

mit ihrem Taschengeld auskommen.

Aber dort fängt es an. Wo dieFallstricke

beiMobilfunktarifen liegen,welcheTücken

der Kauf begehrter Elektronik-Gadgets

auf Ratenzahlung hat

– ganz praktisch wollen CDU und

FDP die Schüler auf alltägliche Entscheidungen

vorbereiten. Ab dem

kommenden Schuljahr 2019/20 soll

dafür das Fach „Wirtschaft“ an allen

weiterführenden Schulen einen höheren

Stellenwert erhalten. Die Ankündigung

von NRW-Schulministerin

Yvonne Gebauer (FDP) trifft dabei

aber nicht nur auf positive Resonanz.Das

neue Pfl fichtfach „Wirtschaft-Politik“

werden zunächst

die Gymnasien einführen,

ein Jahr später sollen

die übrigen Schulformen

folgen. „Der Zeitplan ist ambitioniert,

aber die Einführung des Fachs

Wirtschaft ist klug durchdacht und kann

vom Landtag beschlossen werden“, bekräftigt

Gebauer. Die genauen Inhalte

will sie im kommenden Frühjahr vorlegen,

es werde ein „ausgewogener Mix“

aus Verbraucherthemen und Volkswirtschaftslehre,

verspricht sie. Neben den

Mobilfunkverträgen geht es auch um ein

grundsätzliches Verständnis wirtschaftlicher

Zusammenhängeoder auch der Börsen.

Anden Gymnasien soll das neueFach mit

den anderen gesellschaftswissenschaftlichen

Fächern Geschichte und Erdkunde

insgesamt 23 Wochenstunden inder Sekundarstufe

ausfüllen. Ein Gymnasiast

im G9-System werde so920 Schulstunden

lang in diesen Fächern unterrichtet,

rechnet das Ministerium vor.

Mindestens sieben Stunden je Fach und

zwei zusätzliche für den ökonomischen

Schwerpunkt –damit soll die Verabredung

vonCDU und FDP im Koalitionsvertrag

umgesetzt werden. In den Realschulen

soll das neue Fach einfach „Wirtschaft“

heißen, an den Hauptschulen

„Wirtschaft und Arbeitswelt“.

Ein volles Lob kommt vom Bundesverband

Mittelständische Wirtschaft. Allerdings

müsse die Wirtschaftskompetenz

der Schüler dann über Alltägliches hinaus

gehen, „um dem Nachwuchs in ökonomisch

komplexen Zeiten einen intellektuellen

Kompass an die Hand zu geben,

sich im spätere Leben souverän zurechtzufinden“,

sagt NRW-Landesgeschäftsführer

Herbert Schulte.

►Fortsetzung auf Seite 2

OFFEN GESAGT

Für das Leben

Zugegeben, der Satz ist abgedroschen:

„Nicht für die

Schule, sondern fürs Leben lernen

wir.“ Ein hehrer Anspruch,

dem CDU und FDP nun mit

dem neuen Pfl

ichtfach Wirtschaft

neue Relevanz verleihen

wollen. Damit verbunden sind

allerdings hohe Erwartungen.

Denn dass Zehntklässler und

Abiturienten fit in Mathe sind,

auch komplexere Rechnungen

meistern und Gedichte auch in

verschiedenen Sprachen interpretieren

können, die Vorgabe

erfüllt Schule weitgehend. Jedoch

steigt die Bedeutung,

„fürs Leben zu lernen“, weil

Schulabsolventen im Alltag

Mietverträge, Mobilfunkverträge

und anderes selbstständig

regeln sollten.

Dass Schule auch hier aufs Leben

vorbereiten soll, ist ein

vernünftiger Ansatz, weil sich

auch Eltern oft im Paragrafendickicht

von Verträgen verheddern.

Wenn aber Wirtschaft

zum Fach wird, muss es mehr

liefern: Dann müssen Schüler

in die Lage versetzt werden,

auch komplexere Zusammenhänge

–von der Wertschöpfungskette

über globale Beziehungen

bis hin zum extrem

wichtigen Thema Nachhaltigkeit

–lernen.

Was aber tatsächlich nicht passieren

darf, ist dass dafür andere

wichtige gesellschaftliche

und politische Themen kürzer

treten. Denn das Argument,

dass gerade jetzt auch Schule

Bewusstsein für demokratische

wie antidemokratische Tendenzen

schaffen muss, sticht.

Hilmar Riemenschneider

„Grandiose Stimmung“

Handwerksbetriebe blicken mit Zuversicht in die Zukunft.

„Die Stimmung im Handwerk ist

grandios, mit einem zuversichtlichen

Blick in die Zukunft.“ So

fasste Präsident Hans Hund die

Ergebnisse der Herbstkonjunkturumfrage

der Handwerkskammer

Münster zusammen. 444 Betriebe

aus sieben Branchen im

Kammerbezirk haben Auskunft

über ihre Geschäftslage gegeben.

Der Geschäftslageindikator

aus aktueller Lage

und Prognose erzielte

laut Pressemitteilung

mit 134,7 Prozentpunkten

einen neuen Herbstrekord.

4 198869 003501

2 0 0 5 1

In beiden Regionen des Kammerbezirks

Münster gebe es einen goldenen

Herbst, so Hund: Die Geschäftslageindikatoren

erreichten sowohl im

Münsterland mit 136,9 und in Emscher-Lippe

mit 127,5Prozentpunkten

saisonbezogene Spitzenwerte.

65 Prozent der Handwerksunternehmen

bezeichneten ihre Geschäftslage

in der Umfrage als „gut“, zehn Prozentpunkte

mehr als im Vorjahr. „Die

Entwicklung seit dem Herbst 2010

gleicht einem Höhenfl

ug, wie wir ihn

seit Beginn der Konjunkturbeobachtung

der HWK in 1977 noch nicht erlebt

haben“, kommentierte Hund. 30

Prozent finden ihre Situation „befriedigend“.

Nur fünf Prozent der Betriebe

berichten von „schlechten“ Geschäften.

Die Kapazitäten sind zu 83 Prozent

ausgelastet, vergleichbar hoch wie im

Vorjahr. Die Auftragsreichweiten erhöhten

sich in den vergangenen sechs

Monaten wiederum auf 8,7 Wochen.

Der Saldo aus verbesserter und verschlechterter

Auftragslageliegt bei 28

Prozentpunkten.

Über alle Branchen hinweg blicken

die Betriebe optimistisch in die Zukunft.

Jeder Fünfteprognostiziert sogar,

dass sich die Geschäftslageinden

kommenden sechs Monaten verbessert

–und das gegenüber dem sowieso

schon sehr hohen Ausgangsniveau. 76

Prozent erwarten eine gleichbleibende

Konjunktur, nur fünf Prozent eine

Verschlechterung. Der Prognosesaldo

aus optimistischen und pessimistischen

Betrieben von14Prozentpunkten

sei besser als im Vorjahr und mit

Blick auf das anstehende Winterhalbjahr

ein starkes Signal, meldet die

Handwerkskammer.

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2 MACHER &MÄRKTE

Gewerkschaft

spricht

von einem „Kniefall“

GEW ist der Ansicht, dass wirtschaftliche Lerninhalte schon heute

ausreichend vermittelt werden, und fordert mehr politische Bildung.

Das Modell, prognostiziert

Herbert Schulte vom

BVMW, werde bundesweit

Schule machen, weil

Kenntnisse über die Soziale

Marktwirtschaft und wirtschaftliche

Zusammenhänge und Systeme in der

Vergangenheit zu kurz gekommenseien.

Zurückhaltend reagiert der Verband Bildung

und Erziehung (VBE): Wichtig sei

die Umsetzung der neuen Lehrpläne, die

sich auch in der Aus- und Fortbildung für

Lehrkräfte niederschlagen müsse, sagt

der Landesvorsitzende Stefan Belau.

MassiveKritikerntet die Schulministerin

indes bei der Gewerkschaft Erziehung

und Wissenschaft (GEW) und beim Deutschen

Gewerkschaftsbund. Dessen LandesvorsitzendeAnjaWeber

sieht den Bedarfanganz

andererStelle –etwaimUmgang

mit sozialen Medien. „In Zeiten, in

denen Ausländerfeindlichkeit, Antisemitismus

und rechtes Gedankengut wieder

salonfähig werden, brauchen wir keinen

Kniefall vor der Wirtschaft, sondern vor

der Demokratie“, mahnt sie und fragt

provozierend: „Was nutztes, wenn unsere

Schülerinnen und Schüler demnächst

zwar Aktienkurse interpretieren können,

aber den Wert von Demokratie, Minderheitenschutz

und europäischer Gemeinschaft

nicht mehr verstehen und verteidigen?“

Mitdiesem Argument lehnt ebenfalls die

GEW-Landesvorsitzende Dorothea Schäferdas

Fach Wirtschaft ab. Die wirtschaftlichen

Lerninhalteseien schon heuteausreichend

vertreten, während der politische

Diskurs zukurz komme.

Diese Sorge betont die Grünen-Schulpolitikerin

SigridBeer, die Gebauers Darstellung

bezweifelt: „Entgegen der Ankündigung,

dass das neue Fach nicht zulasten

der politischen Bildung gehensoll,

geschieht genau das bei näherem Hinsehen.“

Politik, Sozialwissenschaften und

Arbeitslehrewürden dem neuen Fach geopfert.

SPD-Fraktionsvize Jochen Ott warnt Gebauer,Schwarz-Gelb

mache die gleichen

Fehler wie einst beim Turbo-Abi, weil

man auf die Forderungen der Wirtschaft

eingehe. Lehre aus der G8-Misere sei:

„Schule muss vom Kinde aus konzipiert

werden.“ Das dürfte die Ministerin ganz

genauso sehen. NurihreAntwort ist eine

andere.

„Wir wollen die Schülerinnen und Schüler

bestmöglich auf ihreZukunft und den

Einstieg ins Berufsleben vorbereiten.

Hierzu sind Kenntnisseüber wirtschaftliche

Zusammenhänge unverzichtbar.

Deshalb werden wir die ökonomische Bildung

an allen Schulen gezielt stärken. Ich

freue mich, dass wir ein wichtiges Projekt

aus dem Koalitionsvertrag jetzt umsetzen“,

erklärt die nordrhein-westfälische

Schulministerin.

Hilmar Riemenschneider

Blick inein BMW-Werk: Jungen Menschen fehlt häufig das Wissen,

um Wirtschaftsnachrichten zu verstehen und einordnen zu

können.

Foto: dpa

IMPRESSUM

DIE WIRTSCHAFT Münster /Münsterland

Verlag und Herausgeber:

Aschendorff Medien GmbH &Co. KG, Ander Hansalinie 1,

48163 Münster, Telefon: 0251 690-0, Telefax: 0251 690-

804801

Redaktion: Claudia Bakker (verantw.)

Verlagsleitung: Marc-Arne Schümann, E-Mail: verlagsleitung@aschendorff-medien.de

Objektkoordination: Frank Micheel, Lars Normann,

Telefon: 0251 690-916162, Telefax: 0251 690-806190

Gestaltung/Layout: Lisa Stetzkamp, Ann-Kathrin Schriever

Druck: Aschendorff Druckzentrum GmbH &Co. KG,

An der Hansalinie 1, 48163 Münster, Telefon 0251 690-0,

Telefax 0251 690-215

Auflage: 17.000 Exemplare

www.die-wirtschaft-muensterland.de

„Lehrer gezielt ausbilden“

Arbeitgeberverbände Ruhr/Westfalen begrüßen das Schulfach Wirtschaft.

„Endlich!“ würde Dirk W. Erlhöfer

der Landesregierung in Düsseldorf

am liebsten zurufen. „Endlich wird

das Fach Wirtschaft an weiterführenden

Schulen eingeführt. Seit Jahren

haben wir das bereitsgefordert“,

sagt der Hauptgeschäftsführer der

Arbeitgeberverbände (AGV) Ruhr/

Westfalen mit Sitz in Bochum.

Die ökonomische Bildung

der jungen Menschen erhält

laut AGV somit einen

höheren Stellenwert –und

bereitet auf das eigenständige

Leben vor. „Genau das ist doch der

Auftrag an unsereSchulen. Aufdas Leben

–und vorallem auf das Berufsleben –vorbereiten.

Dem wird nun endlich mehr

Raum eingeräumt“, so Erlhöfer weiter.

Schließlich gelänge es Jugendlichen

durch ökonomische Bildung, eine eigenverantwortliche

und sachkundige Entscheidung

für Ausbildung, Studium und

berufl

iche Laufb

ahn zu treffen. „Auch das

Verständnis des Modells der Sozialen

Marktwirtschaft und das Wissen um den

Beitrag, den die Unternehmen zu unseremWirtschaftssystem

leisten, gehört dazu“,

sagt Erlhöfer, der die Landesregierung

aufforderte, nun auch Lehrkräfte

entsprechend auszubilden.

„Die Einführung des Fachs muss einhergehen

mit einer gezielten Aus- und Weiterbildung

von Fachlehrkräften in entsprechenden

Lehramtsstudiengängen.

Dazu ist die Didaktik der Wirtschaftswissenschaften

an den Hochschulenzustärken“,

so sein Appell. Unternehmen könnten

dabei als Partner auftreten und Einblicke

inIndustrie, Handel und Dienstleistung

gewähren.

Ausbilder aus Unternehmen könnten beispielsweise

projektbezogen in den Unterricht

eingebunden werden und aus der

Praxis berichten.

„Unternehmen engagieren sich bereits

jetzt an vielen Stellen. Mit unseren

Arbeitskreisen Schule/Wirtschaft bieten

auch wir eine Schnittstelle, an der wir

Schulen und Unternehmen miteinander

ins Gespräch bringen“, so der Hauptgeschäftsführer

der Arbeitgeberverbände

Ruhr/Westfalen.

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MACHER &MÄRKTE 3

Gespannt auf das Finale

Die fünf Endrundenteilnehmer des ersten Gründergeist-Wettbewerbs stehen fest. 60Firmengründer aus

dem Münsterland haben ihren Businessplan eingereicht und einer Jury vorgelegt.

60 Gründerinnen und Gründer haben

sich mit ihrem Businessplan

beim Gründergeist-Wettbewerb von

Gründergeist@Münsterland beworben.

Sie haben damit gezeigt, wie

groß die Vielfalt an neuen Geschäftsideen

in der Region ist. Jetzt stehen

die fünfFinalisten fest, die am 18.Januar

2019 bei der Prämierungsveranstaltung

des erstmalig ausgeschriebenen

Wettbewerbs um den

Sieg kämpfen.

„Wir freuen uns riesig, dass wir

trotz des relativ hohen Aufwands

so viele Bewerbungen erhalten haben.“

Bei den Finalisten handelt es

sich um:

–Institutfür chinesische Medizin,

Vuk Mladzic (Heilpraktiker),

Borken;

– Prachtburschen, Michael Gebhardt/

Christoph Wendt (Kosmetikstudio für

den Mann), Münster;

–Refined Laser Systems, Christoph Seidenstücker

und Team (Lasersystem für

wissenschaftliche klinische Anwendungen),

Münster;

–Tischlerei Signatur Echtholz, EikeSiebels,

Nottuln;

–what-a-bird, Lars Trappe (Wasseraufb

e-

reitungssystem für wasserarme Regionen),

Havixbeck.

Rund 30 Seiten umfassten die Businesspläne

durchschnittlich, teilten die Organisatoren

des Wettbewerbs jetzt mit. Aus

sehr viel verschiedenen Branchen sind

die Bewerbungeneingegangen –von der

Herstellung von

Tierprodukten

über Coaching

bishin zu digitalen

Geschäftsmodellen.

Bei der Bewertung

durch eine

zehnköpfige Expertenjurystand

die Ganzheitlichkeit

des Geschäftsvorhabens

im Fokus,

nicht der Innovationscharakter

der Idee.

„Wir haben ge-

Projektleiterin Monika Leiking

schaut, wie

strukturiert,

durchdacht und

ausgereift das

Konzept ist –und bei vielen Bewerbern zu

unserer Freude gemerkt, dass sie den

Businessplan als wichtiges Instrument

nutzen, um ihreIdeezuordnen und nach

außen zu verkaufen“, erklärt Jurymitglied

Michael Radau, Vorstandsvorsitzender

der SuperBioMarkt AG und zugleich

Gastgeber der Sitzung.

Unter den 60 Bewerbern sind 15 Gründer,

die ihr Unternehmen in Münster

starten wollen. Die übrigen 45 Teilneh-

Aus 60Bewerbern für den Gründergeist-Wettbewerb hat die zehnköpfige Jury jetzt mit Unterstützung des Gründergeist-Projektteams die fünf Finalisten ausgewählt,

die mit ihrem Gründungsvorhaben bei der Prämierungsveranstaltung im Januar um den Sieg kämpfen werden. Foto: Münsterland e. V.

mer des Wettbewerbs verteilen sich mit

ihren Standorten auf die vier Kreise des

Münsterlandes.

„Wir freuen uns riesig, dass wir trotz des

relativ hohen Aufw

ands so viele Bewerbungen

erhalten haben“, erklärt Projektleiterin

Monika Leiking vom Münsterland

e. V. „Das zeigt, wie rege die Gründungskultur

hier in der Region ist –und

das nicht nur punktuell in Zentren wie

Münster, sondern fl

ächendeckend.“

38 Einzelgründer und 22 Teams haben

ihren Businessplan eingereicht und damit

ihr Vorhaben grundlegend strukturiert

–vom Produkt über die Marketingstrategie

und Finanzierung bis hin zu

Personalfragen.

42 Wettbewerbsteilnehmer haben ihr

Unternehmen bereits zwischen dem

1. Januar 2016 und heute auf den Weggebracht.

18 Teilnehmer haben den Start

noch vor sich. Wer den ersten Gründergeist-Wettbewerb

und somit ein Preisgeld

von10000 Eurogewinnen wird, entscheidet

sich bei der Prämierungsveranstaltung

am 18. Januar 2019 im Kulturzentrum

GBS in Greven.

Dort präsentieren die Gründer ihr Vorhaben

noch einmal in einem Fünf-Minuten-

Pitch und stellen sich den Rückfragen der

Jury und des Publikums. Diese Kurzpräsentation

macht 20 Prozent der Gesamtbewertung

der Jury aus und gibt so den

letzten Ausschlag. Die Zweit- und Drittplatzierten

erhalten ein Preisgeld von

5000 Euro beziehungsweise 2000 Euro.

Der Finalist, der mit seinem Pitch das

Publikum am meisten überzeugt, gewinnt

einen Zusatzpreis von 1000 Euro.

Die Umsetzung des Gründergeist-Wettbewerbs,

der mit Mitteln des Europäischen

Fonds für regionale Entwicklung

(EFRE) und Mitteln des LandesNRW gefördert

wird, wird zusätzlich von der

NRW.Bank, der VR-Bank Kreis Steinfurt

eG, der Vereinigten Volksbank Münster

eG und der Volksbank Greven eG finanziell

unterstützt. Schirmherr ist NRW-

Wirtschaftsminister Prof. Dr. Andreas

Pinkwart.

Die Jurybilden: Jörn Berlin (Digital Hub

münsterLAND), Christian Bleser

(hygi.de GmbH &Co. KG), Jeannine Budelmann

(Budelmann Elektronik

GmbH), Thomas Harten (HWK Münster),

Birgit Neyer (WESt mbH/ Startercenter

NRW Münsterland), Bettina Paas

(NRW.Bank), Michael Radau (SuperBio-

Markt AG), Oliver Schmidt (Vereinigte

Volksbank Münster eG), Carsten Schröder

(FH Münster), Sigrid Winter (VR-

Bank Kreis Steinfurt).

Seit Februar 2016 arbeitet das Verbundprojekt

Gründergeist@Münsterland daran,

eine Gründungskultur im Münsterland

zu etablierenund Gründungswillige

professionell auf ihrem Wegindie Selbstständigkeit

zu unterstützen. Der Gründergeist-Wettbewerb

ist Teil dieses Projekts.

Gründergeist@Münsterland läuft insgesamt

drei Jahrelang und hat ein Gesamtfördervolumen

von rund 800 000 Euro.

Finanziert wird das Projekt mit Mitteln

des Landes NRW und des Europäischen

Fonds für regionale Entwicklung.

Partner des Förderprojekts unter Federführung

des Münsterland e.V.sind: Wirtschaftsförderungsgesellschaft

für den

Kreis Borken mbH (WFG), Wirtschaftsförderung

Kreis Coesfeld GmbH (wfc),

Wirtschaftsförderungs- und Entwicklungsgesellschaft

Steinfurt mbH (WESt),

Gesellschaft für Wirtschaftsförderung im

Kreis Warendorf (gfw

), Technologieförderung

Münster GmbH sowie TAFH

Münster GmbH. Unterstützt werden sie

hierbei von der Handwerkskammer

Münster und der IHK Nord Westfalen.

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4 MACHER &MÄRKTE

Einfach zauberhaft

FH-Nachwuchsdesigner realisieren beim „Budenzauber“ innur acht Wochen hochwertige Stücke inKleinserie.

Manufactum, junges, frisches Design,

ideenreiche Hochwertigkeit in

Kleinserie und ganz viel Storytelling

durch die studentischen Nachwuchstalente:

Der fachhochschulische

„Budenzauber“ lässt Ventana in hellem

Erlebnisshopping-Glanz erstrahlen,

und das schon im siebten

Jahr. „Mittlerweile ein echter Erfolgsgarant,

der von Jahr zu Jahr

größer wird“, resümiert Josef Liesner,

Architekt und Inhaber des Designmöbelhauses

an Münsters Stubengasse.

Denn auch im Hochpreissegment

kann er sich nicht auf dem

Kaufverhalten seiner Stammkundschaft

ausruhen und setzt bewusst

Akzente gegen das Online-Shopping.

Budenzauber“ sei ein echtes

Label geworden, und die

Produkte ließen sich durchaus

mit denen messen, die

Liesner auch sonst vonnamhaften

Designern in den Regalen stehen

hat. Und es sei ein Ereignis, auf das auch

seine Kunden richtig hinfiebern: „Wir

werden wirklich schon im Sommer gefragt,

ob der „Budenzauber“ in diesem

Jahr wieder stattfindet“, schmunzelt der

Die alte, auf Hochglanz polierte Fahrradklingel schafft den

Münster-Bezug: Katharina Seizew und Alina Mühren lüften das Geheimnis

des Weihnachtsglöckchens. Rechts im Bild der „Postschlitten“

Einzelhändler.Nicht nur,dass die Ventana-Mitarbeiter

immer mehr edle Designerstücke

für einen Tag zur Seite räumen,

um dem „Einfach Freude teilen“-Event

der Münster SchoolofDesign

(MSD) einen Marktplatz mit sechs Präsentationstischen

zu bieten; auch die

Roestbar ist seit vergangenem Jahr mit

im Boot und wertet die Veranstaltung mit

Barista-Kreationen auf. Zudem wird das

„Budenzauber“-Konzept des achtwöchigenProduktdesign-Kurses

vonProf. Steffen

Schulz mit in diesem Jahr 29Studierenden

immerausgereifter: „Von der sehr

komplexen Ideenfindung über die Machbarkeit

der Produktion einer limitierten

Serienfertigung unter Zeitdruck bis zur

Logistik, der Eigenfinanzierung der Materialien

durch die Studierenden und

einer realistischen Preisfindung sowie

die Art der Präsentation“, erklärt Schulz

den Anspruch an seine Studierenden. Er

ist stolz, mit dem Projektauch zum Branding

der FH beizutragen: „In diesem Jahr

hat sogar die ZEIT berichtet.“

Bei den Studierenden selbst waren nicht

nur Ideenreichtum und handwerkliches

Geschick in der FH-Werkstatt, sondern

echtes Unternehmertum gefragt. Das einzige

Angebot an der MSD, das den Studierenden

die Möglichkeit gibt, die gesamte

Wertschöpfungskette ihres Produktes

gestalterisch zu begleiten. Und

deshalb ist der Kurs vonSchulz unter der

Studierendenschaft auch schon sagenumwoben:

„Seit dem ersten Semester

warmir klar,dass ich in diesemSeminar

einen Platz ergatternwollte“,gesteht Katharina

Seizew, diebestätigt, wiebegehrt

die Aufnahme in diesen „Zirkel“ ist. Das

hat sie in diesem Jahr geschafft und zusammen

mit drei Kommilitoninnen zwei

Produkte zur Marktreife gebracht: das

Weihnachtsglöckchen, bei dem nach sieben

Stunden Kerzenbrenndauer ein Metallschlegel

gegeneineFahrradklingel im

Innern des Eichenholzkerzenständers

fällt –und damit die Bescherung einläutet.

Und den „Postschlitten“ zur Aufb

e-

wahrung und Präsentation von Postkarten,

für den die vier Designerinnen auch

innovative Produktionsmethoden entdeckt

haben: „Das Eichenholz haben wir

in Ammoniak geräuchert, deshalb hat es

so eine dunkle, warme Farbe. Die Metallfüße

sind glasperlengestrahlt“, erläutert

Alina Mühren. Verwendbar nicht nur im

Advent. Erstmalig haben die „Budenzauber“-Akteure

in bis zu vierköpfigen

Teams Produkte entworfen, die das ganze

Jahr von Nutzen sind.

Und die den Regionalbezug stark betonen

–Lokalkolorit, das, womit die Westfalenmetropole

punktet, wird inausgeklügelte

Designerstücke umgesetzt: Der

Coppenrath-Speicher als Teespeicher,

der Pappschachteln verschwinden lässt

und die Teebeutel einzeln ausgibt. „Zuerst

hatten wir die Idee eines Spekulatiusspeichers,

damit man nicht immer

gleich die ganze Packung futtert, und

wollten die Prinzipalmarkt-Architektur

aufnehmen. Aber die Kekse wären weich

geworden, wenn man sie einzeln entnimmt.

Und das Thema Prinzipalmarkt

fand unser Prof auch schon zu ausgelutscht“,

berichten die Schöpferinnen aus

der Findungsphase.

Die Inspiration für ihr ausgefallen geformtes

Eichenholztablett von ganz ordentlichem

Ausmaß hatten Daphne

Braun, Nora Franzmeier und Karoline

Martin auf Sparziergängen durch die Rieselfelder.

Nach handwerklicher Herausforderung

an der Fräse steckten sie 500

Storytelling: Ventana-Chef Josef Liesner (r.) und Prof. Steffen Schulz von der MSD lassen sich von den jungen

Designerinnen erklären, wie man die Wände des Vogelhäuschens neu bestückt.

Fotos: Maike Harhues

Arbeitsstunden in zwölf Tabletts mit

Rand und zwölf Anrichteplatten. Der

Clou: Die Objektehaben nicht nur die topografische

Form der Rieselfelder, sondern

auch jede kleine Wasserfl

äche ist

auf dem Tablett eingelasert. „Echte Kennerdes

Vogelschutzgebietes konntenmir

sogar auf dem Tablett zeigen, auf welcher

Wasserfl

äche genausie im Winter Schlittschuh

laufen“, erzählt Franzmeier. Und

auch den CSR-Aspekt haben die jungen

Kreativen in ihr Konzept mit einfl

ießen

lassen: Zehn Prozent der stolzen Summe

von 190 Euro pro Tablett fl

ießen an die

Biologische Station.

Überhaupt geht es viel um Qualitytime

und darum, die „Freude amProdukt gemeinsam

zu teilen“: „Man sucht ja immer

nach Ideen, etwas zusammen zu machen;

gemeinsam zu kochen reicht da

schon manchmal nicht mehr. Aber gemeinsam

für Vögel Futter zuzubereiten

und kreativ und schön mit verschiedenen

Beeren- und Körnermischungen die

Wände unseres Vogelhauses zu bestücken,

ist mal was Neues und lockt die

Singvögel wieder in den Garten“, erklärt

die Studentin dem Ventana-Chef ihr am

Birkenzweig baumelndes Werk, als Liesner

sich nach der Praxis des Futternachschubs

erkundigt.

„Ein ganz wichtiger Aspekt ist neben der

gelungenen Präsentation die Kommunikation“,

betont FH-Professor Schulz.

Vorallem aber,das Sinnstiftende des Objektes

sichtbar zu machen und zu erzählen:

„So funktioniert unser Spiel ,Until‘

nur, wenn beide Spieler ihre Handys

übereinander unter das Spiel legen, um

es zu stabilisieren“, führt einer der Spielemacher

aus. „Gemeinsam Freude teilen

heißt für uns, dabei das Handy aus der

Hand zu legen.“ Maike Harhues

Die münsterischen Rieselfelder als Tablett

Entschleunigung: „Untilt“ funktioniert nur, wenn zwei übereinandergelegte

Handys das Spiel stabilisieren.

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BRANCHEN &BETRIEBE 5

Gar nicht von Pappe

Die Schumacher Packaging GmbH setzt in Greven auf Wachstum und plant schon kurz nach der

Erweiterung zusätzliche Produktionshallen. Im Endausbau sollen es80000 Quadratmeter sein.

Haben Sie Probleme,sich große Zahlen

vorzustellen? Stellen Sie sich einfach

mal einen Fußballplatz vor, der

mit einer Tapete aus Wellpappe ausgelegt

ist. Legen Sie dann diesen

Platz 13 Mal nebeneinander. Klar? –

Jetzt nehmen Sie diese 13 Fußballfelder

und kleben 13von ihnen zusammen.

An guten Tagen wird bei Schumacher

Packaging im Grevener Airportpark

so viel Wellpappe produziert.

700 000 Quadratmeter. „Aber

wir haben immernoch ein paar Stunden

Reserve an der Maschine“, sagt

Werksleiter Uwe Kihm.

Kihm (58) ist Franke. Ein

Schumacher-Gewächs, angefangen

als kaufmännischer

Azubi, seit über 40

Kahren J in dem Wellpappen-

Imperium, das die ostpreußische Flüchtlingsfamilie

Schumacher nach dem Krieg

in Ebersdorf gegründet hat. „Meine

Schwester war die rechte Hand von

einem Schumacher.“ Seine Frau arbeitet

im Schumacher-Werk Bielefeld. Familie

spielt hier eine große Rolle.

Kihm hat das Werk im Airportparkaufgebaut.

Und ein Ende ist nicht in Sicht. Vor

Kurzem ist der zweiteBauabschnitt in Betrieb

gegangen. Gestartet war die Wellpappenfabrik

mit 21 000Quadratmetern.

Jetzt sind es 34 000. Um beim Sportlichen

zu bleiben: so viel wie acht Fußballfelder.

„Im Endausbau werden wir 80000 Quadratmeter

haben“, sagt Schumacher.Und

dahinter steckt keine Utopie, sondern

eine Politik der großen Schritte. Zwei jeweils30000

Quadratmeter große Grundstücke

rund um das Werk befinden sich

im Kauf. „Das ist alles noch nicht in Beton

gemeißelt“, sagt Kihm, „aber absehbar.“

Absehbar ist damit auch ein weiteres

Werksleiter Uwe Kihm vor einer der Papierrollen, aus der in Greven

amFMO Wellpappe hergestellt wird.

Wachstum der Schumacher-Familie. Bisher

sind 190Mitarbeiter beschäftigt, geplant

sind bis zu 400. „Wir haben hier

Söhne, Schwiegerväter, Cousinen“,

grinst Kihm. Und man merkt, wie ihm das

gefällt. Familiensinn hält den Laden zusammen:

„Wenn es nicht zu viel wird.“

VonKihms kleiner Verwaltung sind es ein

paar Meter bis in die Produktionshallen.

TonnenschwerePapierrollen türmen sich

Schumacher Packaging sieht nach der Erweiterung aus der Luft so aus. Weitere Hallen sollen inden nächsten Jahren entstehen.

bis zur Decke. Gabelstapler jagen durch

die Gänge, um fertige Kartons zu verschieben.

Große blaue Lieferbänder ziehen

sich durch die Halle, auf denen Kartonagen

ins Hochregallager verfrachtet

werden. Hier trifft man keinen Menschen,

alles läuft vollautomatisch ab. Die

Menschen arbeiten an der Maschinenstraße,

die sich durch die ganzeHalle erstreckt.

Hier wird aus verschiedenen

PapierlagenWellpappe gepresst.Inallen

Größen, in allen Aufl

agen. „Wir können

auch 100er-Serien drucken“, sagt Uwe

Kihm –wenn der Kunde es braucht.

An Hightech-Laserdruckern werden die

Kartonagen mit Aufdrucken versehen,

vierfarbigund sauber,wenn es um die geriffelte

Seite der Pappe geht. Doppelte

Welle, offene Welle, alles ist hier aus Pappe.

Der Digitaldrucker, sagt Kihm, dem

als ehemaligen IT-Leiter der Sinn für Zahlen

gegeben ist, „spuckt 53 Milliarden

Tropfen Farbe aus. Pro Sekunde“.

Seit dem Start 2014 hat sich die Produktion

in Greven verdoppelt, 45 Millionen

Euro Umsatz werden dieses Jahr erwartet.

Bewerbungen für freie Stellen, sagt

der Werksleiter,gebe es genug. Waswohl

am familiären Ruf liege. Ein Produktionsleiter

kommt aus dem Ibbenbürener

Bergwerk, ein Schichtführeraus der Textilindustrie.

Ausgebildet wird bei Schumacher

auch. Nurfür den Kernjob gabes

keine Bewerber. Kihm: „Packmitteltechnologeist

eben noch ein unbekannter Beruf.“

Günter Benning

Michael Kottenstede,

ICT-Prozesstechnik,

Herzebrock-Clarholz.

Einfach

geholfen.

Foto: Schuhmacher

Elmar Kersting,

Leiter Firmenkunden Oelde,

Sparkasse Münsterland Ost.

Wirarbeiten lösungsorientiert.

Damit fürSie das Bankingunkomplizie

Wenn’s um Geld geht

Gabelstapler fahren durch das große Papierlager, indem das Ausgangsmaterial gestapelt

wird.

Fotos (2): Günter Benning

sparkasse-mslo.de


6 BRANCHEN &BETRIEBE

Ente ohne Ende

Thomas Franz restauriert inDülmen alte Citroëns. Ergilt als letzter deutscher Enten-Profi. Jetzt, mit

65 Jahren, denkt er ans Aufhören. Aber er findet keinen Nachfolger –trotz voller Auftragsbücher.

Enten-Enthusiast Thomas Franz: In Dülmen repariert und restauriert der gebürtige Duisburger die schaukeligen Oldtimer, die einst als eine Art französischer „Volkswagen“ entwickelt wurden.

Foto: Gunnar A. Pier

Dasideale

Umfeld.

Unternehmer im ecopark wissen:

Wo Mitarbeiter sich wohlfühlen, da

leistensie gute Arbeit. Investieren

auch Sie in ein gutes Umfeld–für Ihre

Mitarbeiter und fürIhr Unternehmen.

Im ecopark an der HansalinieA1.

ecopark –der Qualitätsstandort.

Wenn die Ente bockt, muss man sie

aufb

ocken. Einen Diagnosestecker

gibt es nicht, der Mechaniker muss

den Wagen auf die Hebebühne fahren

undmit dem Schraubenzieher in

der Hand nach dem Fehler suchen.

Thomas Franz liebt das, erbetreibt

die vielleicht letzte deutsche Fachwerkstatt

für die Ente. Doch der Enten-Enthusiasmus

stirbt aus. Franz

jedenfalls findet partout keinen

Nachfolger für seinen Betrieb in Dülmen.Als

die Ente vor 70 Jahren,

am 7. Oktober 1948, auf

dem Pariser Autosalon vorgestellt

wurde, solltesie vor

Allem a das sein: praktisch

und günstig. Ein französischer Volkswagen.

Heute ist sie Kult. „Sie wird unverschämt

hoch gehandelt“, findet Thomas

Franz.

Als sich der gebürtige Duisburger 1980

das ersteAutokaufte, mussteeseine Ente

sein. „Das waralternativlos.“ Opel Kadett

fuhren nur Prolls, Käfer nur Papas. „Die

Ente war ein Anti-Auto. Die sah anders

aus, fuhr anders, hörte sich anders an.“

Die rosarote 350-Mark-Karre war sein

Symbol für Freiheit und Unangepasstheit.

Zweimal in der Woche blieb Franz

damit liegen. Als sein Papa ihm 1000

Mark für ein neues Auto gab, weil er keine

Lust hatte, seinen Sohnemann ständig

vonder B1zuschleppen, kaufte dersich

wieder eine Ente. Nur etwas jünger halt.

Die Liebe zu den schaukeligen Blechkarossen,

in denen es immer zieht wie

Hechtsuppe, hat er sich über Jahrzehnte

bewahrt.

Franz studierte Latein und Philosophie

auf Lehramt, doch als sich andeutete,

dass er sein Leben in einer Mammutschule

verbringen sollte, machteerdie Flatter

und landetewieder bei der Ente. „Ich habe

alles verkloppt, was ich hatte, sogar

die Stereoanlage.“ Mit dem Startkapital

gründete er einen Ersatzteilhandel in

Münster. Daraus wurde eine Schrauber-

Bude, dann eine kleine Werkstatt. Er fing

wieder an zu büffeln, machteden Karosseriebau-Meister.Jetzt

hat er einenzertifizierten

„Fachbetrieb für historische

Fahrzeuge“. Doch etwas anderes als die

Ente kommt ihm nicht auf die Hebebühne.

Heutekommen Liebhaber aus ganz Europa

zu ihm nach Dülmen.„Eine Enteist total

speziell“, erklärt er,warum nicht jede

Werkstatt helfen kann oder will. „Keiner

versteht, wie die Federung funktioniert.“

Dazu der luftgekühlte Boxer-Motor –sogar

Citroën-Werkstätten schicken Kunden

zu ihm.

„Wir haben keine jungen Kunden“, sagt

Franz. Aus dem Arme-Leute-Auto ist ein

kultiges Sammler-Objekt geworden. Unpraktisch,

aber mit Charme. Gut restauriert

gibt es eine Ente heute ab17000

Euro. Wer noch etwas draufl

egt, bekommt

quasi ein neues Auto.

Das ist bemerkenswert, schließlich wurde

die Produktion 1990 eingestellt. Doch

es gibt Hersteller,die, teils garvon Citroën

unterstützt, nagelneue Teile anbieten

–bis hin zum Fahrgestell. So kann Franz

heute ein komplett neues Auto bauen.

29 PS stark mit undichten Fenstern und

Faltdach statt Klimaanlage.

Doch häufiger sind Restaurationen. Immer

wieder tauchen alte Schätzchen auf:

„Man wundert sich, wie viele Enten noch

in Schuppen rumstehen.“ Franz macht

sie wieder fl

ott.

Wieesweitergeht,ist dennoch ungewiss.

„Der Oldtimer-Markt hat Zukunft“, ist er

überzeugt. Doch jetzt, mit 65 Jahren,

sucht er einen Nachfolger. Bislang vergeblich:

„Wer heute die Meisterprüfung

ablegt, wurde geboren, als die Ente eingestellt

wurde“, erklärt er. „Die haben

keine Affinität mehr dazu.“ Mit seinen

bisherigen Auszubildenden war er, daraus

macht er keinen Hehl, durchweg unzufrieden.

„Da hat noch keiner gesagt:

Chef, ich möchtemir auch so ein Auto fertig

machen.“ Auch die Suche über die

Handwerkskammer oder in der Schrauber-Szene

machte keinen einzigen Interessenten

neugierig: „Die wollen alle die

Verantwortung nicht übernehmen.“ Dabei

seien die Auftragsbücher voll.

Für Franz gibt es also nur eins: „Ich mache

weiter, solange ich laufen kann. Es

macht ja Spaß!“ Gunnar A. Pier


BRANCHEN &BETRIEBE 7

Ein Stehpult ohne jede Schraube

Nachwuchstischler Darius Pohlschmidt aus Füchtorf kam bei der Deutschen Meisterschaft auf Platz drei.

„Darius passte von Anfang an gut

zu uns, und wir schätzen ihn als

guten Handwerker und tollen

Kollegen.“

Tischlermeister Ralf Strotmeier

Erst Innungsbester beiden Gesellenprüfungen,

dann Sieger des Praktischen

Leistungswettbewerbs im Bezirk

der Handwerkskammer Münster,

dann NRW-Landessieger und

schließlich der dritte Platz bei der

Deutschen Meisterschaft der Nachwuchs-Tischler

im sächsischen Kamenz:

Für Darius Pohlschmidt aus

Füchtorf läuft sein erstes Gesellenjahr

als Tischler einfach rund.

Unter dem Motto „Profis

leisten was“ trafen sich die

13 besten Jung-Profis des

Tischlerhandwerks aus

Deutschland für zwei Tage

zum finalen Wettbewerb in einem Beruflichen

Schulzentrum in Sachsen.Was nur

18 Arbeitsstunden zuvor ein überschaubares

Häufchen

Buchenholz war,

wurde unter fachkundiger

Hand zu

einem handwerklich

hergestellten

Stehpult.

„Höchste Konzentration

und

Fokussierung waren

unerlässlich,

um die insgesamt 18 handwerklichen

Verbindungen im exakten Winkel und

weitereanspruchsvolleDetails anzufertigen“,

berichtete jetzt die Kreishandwerkerschaft

Steinfurt-Warendorf. Es durften

keine Schrauben verwendet werden,

sondern alle Teile mussten verleimt werden.

Maßgenauigkeit und Oberfl

ächenbearbeitung

wurden am Ende genauestens

geprüft. Die Eckverbindungen, auf

die es ankommt, wurden ebenso begutachtet

und bepunktet. Aber auch Kriterien

wie Kollegialität und die Zusammenarbeit

zwischen den Teilnehmern fl

ossen

in die Wertung mit ein.

Auch wenn der 19-jährige Leipziger

Tischler Johannes Bänsch zum Sieger des

spannenden Wettbewerbs auserkoren

wurde, für die Jury waren auch die Leistungen

des zweiten und dritten Bundessiegers

Spitze.

Dass Darius Pohlschmidt nun im nächsten

Jahr nicht an den World-Skills, den

Berufsweltmeisterschaften, im russischen

Kazan teilnehmen wird, kann er

laut Kreishandwerkerschaft verschmerzen,

denn seine bisherigen Erfolge beruhen

auf guter Vorbereitung und intensivemTraining.

Und die dafür aufgewandte

Zeit möchte erjetzt lieber seinem berufl

ichen Fortkommen und dem in diesem

Jahr zu kurz gekommenen Privatleben

widmen.

Tischlermeister Ralf Strotmeier von

der Tischlerei Strotmeier GmbH in Füchtorf

iststolz aufdie Erfolgeseines ehemaligen

Auszubildenden und froh, dass Darius

Pohlschmidt seiner Tischlerei auch

alsGeselle die Treue hält. Natürlichfreut

er sich auch deshalb, weil mannur selten

einendritten BundessiegerimWerkstatt-

Team hat, vor allem aber deshalb, „weil

Darius von Anfang an gut zu uns passte

und wir ihn als guten Handwerker und

tollen Kollegen schätzen“, erklärt er.

Seltenheitswert hat der Titel„Bundessieger“

auch für das Tischlerhandwerk im

Kreis Warendorf. Obermeister Heinz-

Bernd Lohmann von der Fachinnung

Der Eindruck täuscht: Darius Pohlschmidt musste bei der Siegerehrung in Sachsen keine Ansprache halten. Das

Pult aus Buche, an dem er hier steht, hat erbeim Bundeswettbewerb in kurzer Zeit gebaut. Foto: TSD/art-pix.com

Holz und Kunststoff Warendorfzeigt sich

beeindruckt und freut sich über diese

Imagewerbung für das Handwerk. Seine

Glückwünsche richten sich nicht nur an

Pohlschmidt, sondern auch an den Ausbildungsbetrieb:

„Ralf Strotmeier und

zuvor auch sein VaterKlemens bilden seit

vielen Jahren hervorragend aus. Der Erfolg

ihres ehemaligen Lehrlings ist auch

der der Tischlerei Strotmeier.“


8 GELD &GESCHÄFT

„Die Bugwelle kommt noch“

Im Regierungsbezirk Münster stehen in den nächsten Jahren 31 000 Unternehmen vor einer Übergabe.

Die Kammern kümmern sich schon jetzt sehr intensiv darum, heutige und künftige Inhaber zu vernetzen.

Die Regelung der Nachfolge ist ein

Thema, das jeden Unternehmer irgendwann

(be-)trifft. Experten raten

dazu, sich rechtzeitig damit zu beschäftigen.

Das bedeutet: nicht erst

ein paar Wochen vor dem geplanten

Ruhestand

Rund 95000 Familienbetriebe

gibt es im Regierungsbezirk

Münster. Davon stehen

in den nächsten Jahren

R1000 3 mitrund160 000 Beschäftigten

vorder Übergabe. Jeder dritte

Familienunternehmer ist älter als 55

Jahre und steht vor der Nachfolgeregelung.

Das sind die nüchternen Zahlen.

Wasdahintersteckt –darum ging es kürzlich

bei einer Veranstaltung des „Kompetenznetzwerks

Zukunftssicherung Münster“.

100 Teilnehmer waren der Beweis

für die Aktualität des Themas.

„Wir haben nur ein Jahr gebraucht.“ Mit

dieser Aussage macht André Schulze

Forsthövel deutlich, dass eine Betriebsübergabe

nicht „eine Sache von ein paar

Wochen ist“. Der Jungunternehmer hat

seine Selbstständigkeit gut vorbereitet.

Aufdem Wegzur Übernahme einerFirma

wurde er vonder Industrie- und Handelskammer

(IHK)NordWestfalen begleitet.

Der Betriebsinhaber wollte sein Unternehmen

aus Altersgründen abgeben,

fand aber in der Familie keinen Nachfolger.

Mit dem Interessenten „von außen“

gab es lange Gespräche und intensive

Verhandlungen, die zu einem Abschluss

Auch mit dem Thema Unternehmensnachfolge unterstützt das „Kompetenzzentrum Zukunftssicherung Münster“

die mittelständische Wirtschaft. Die Akteure des Zentrums sind: Agentur für Arbeit Ahlen-Münster, Jobcenter der

Stadt Münster, IHK Nordwestfalen, Kreishandwerkerschaft Münster, Rechtsanwaltskanzlei Mönig und Partner, Handelsverband

Nordrhein-Westfalen (Westfalen-Münsterland), WIN Wirtschaftsinitiative Münster, Deutscher Gewerkschaftsbund

(DGB) Münsterland, Handwerkskammer Münster und Wirtschaftsförderung Münster GmbH. Im Bild

Repräsentanten der Organisationen und Referenten in der Kreishandwerkerschaft Münster, inder die Veranstaltung

stattfand.

Fotos: Hubertus Kost

führten, mit dem beide Seiten zufrieden

sind.

„Das dauert“, sagteAndré Schulze Forsthövel,

und er ergänzte sofort, dass die

Übergabe bzw. Übernahme gut gelaufen

sei. Damit machte der Elektro-Installateur

und Betriebswirt nicht nur potenziellen

Nachfolgern Mut, sondernebenso

Unternehmern, die einen Nachfolger

nicht im eigenen Betrieb finden.

Es sei kein „Automatismus“, dass eine Firma

voneinem Nachfolger aus der Familie

oder aus dem Betrieb weitergeführt werde,

erläuterten Michael Meese von der

IHK und Sonja Trispel von der Handwerkskammer

(HWK) Münster. Die Zahl

der Unternehmer, die einen externen

Nachfolger suchten, steige seit einigen

Jahren deutlich an. „Und die Bugwelle

kommt noch“, prognostizieren die Fachleute.

Die demografische Entwicklung

verkleinert die Zahl der Interessenten.

Außerdem entscheiden sich junge Fachkräfte

angesichts der guten Konjunktur

eher für ein attraktives Beschäftigungsverhältnis

als für den Weg indie Selbstständigkeit.

„Die meisten Unternehmen, die vor der

Übergabe stehen, wissen nicht, wie sie

diesen Prozess angehen sollen“, sagteMichael

Meese. Deshalb ist Beratung gefragt.

Die wirdvon den beiden Kammern

und von freien Unternehmensberatern

angeboten. Zum Beispiel von Bärbel

Schnee-Gronauer. Die Expertin für

Unternehmensnachfolge appellierte an

die Betriebsinhaber,die ihreFirma abgeben

möchten (um diese Gruppe ging es

bei der Veranstaltung), das eigene Unternehmen

nicht zu unterschätzen, sondern

mit dem Blick des Außenstehenden auf

die Firma zuschauen, die sie verkaufen

möchten. Zu ihren Praxis-Tipps gehörte:

„Schaffen Sie klare Verhältnisse und legen

Sie alles offen.“

Etwa 50 Prozent der Unternehmer, die

ihren Betrieb abgeben möchten, finden

es schwierig, einen geeigneten Nachfolgerzufinden.

Auch diese Zahl wurde genannt.

Deshalb lautet eine zentrale Botschaft

der Experten: Frühzeitig beginnen

(„Das kann schon mit 50 sein“) und die

Möglichkeiten der Beratung zu nutzen.

Deshalb stellten die Fachleute von IHK

und HWK ihr umfangreichesService-Angebot

für die Betriebsübergabe vor. Als

Beispiele wurden Betriebsbörse, Existenzgründungsberatung,

Sprechtage

und persönliche Gespräche genannt.

„Ganz wichtig ist die persönliche Beratung“,

sagte Sonja Trispel. Und Michael

Meese fügte hinzu, dass gerade der persönliche

Kontakt auch dazu beitrage,

eine gewisse Scheu der Betriebsinhaber,

die beim Thema Übergabe immer noch

vorhanden sei, zu überwinden und abzubauen.

Hubertus Kost

Paris,Mailand, Münster.

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Siemensstraße 7, 70469 Stuttgart. Stand 10/2018. Ist der

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Vertragsschluss ein gesetzliches Widerrufsrecht nach §495

BGB. Angebotgültig bis 31.12.2018. 2 Dieangegebenen

Werte wurden nach dem vorgeschriebenen Messverfahren

ermittelt. Es handelt sich um die „NEFZ-CO 2

-Werte“ i. S. v.

Art. 2Nr. 1Durchführungsverordnung (EU) 2017/1153. Die

Kraftstoffverbrauchswerte wurden auf Basis dieser Werte

errechnet.Die Angaben beziehen sich nicht auf ein einzelnes

Fahrzeug und sind nicht Bestandteil des Angebots,

sondern dienen alleinVergleichszwecken zwischen verschiedenen

Fahrzeugtypen. Die Werte variieren in Abhängigkeit

der gewählten Sonderausstattungen. 3 Unverbindliche

Preisempfehlung des Herstellers. 4 Gültig für SF02-SF35.

Versicherer: HDI Versicherung AG, HDI-Platz 1,30659

Hannover, vermittelt durch die Mercedes-Benz Bank AG,

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Tel. 0800 60 70 800 (kostenfrei)

Auf dem Weg zur Übernahme eines Unternehmens begleitete Michael Meese (l.) von der

IHK den Existenzgründer André Schulze Forsthövel.

INFORMATIONEN ZUR UNTERNEHMENSNACHFOLGE

Industrie- und Handelskammer (IHK) und Handwerkskammer (HWK) haben ein

ebenso vielfältiges wie umfangreiches Beratungsangebot zum Thema Betriebsoder

Unternehmensnachfolge.

So werden zum Beispiel bei der IHK im Flyer „IHK-Service Nachfolge: Generationswechsel

inUnternehmen“ die Bereiche Orientierung (mit Info-Paket und

Notfall-Handbuch), Begleitung (Sprechtag mit Experten und persönliche Beratung)

und externe Nachfolge („Suchen und finden“, Nachfolger-Club und Unternehmensbörse

nexxt-change) aufgegriffen.

Der Flyer „Gelungene Übergabe des Betriebes“ der HWK gibt Informationen zur

betriebswirtschaftlichen Unternehmensberatung (darunter Hilfestellung bei der

Suche eines Nachfolgers, Erarbeitung möglicher Übergangsformen), zur technischen

Unternehmensberatung (darunter Bewertung von Immobilien und Maschinen

und Erstellung von Betriebsablaufplanungen) und zur Betriebsbörse.


GELD &GESCHÄFT 9

Der Zusatzbeitrag gerät

weiter ins Rutschen

Schon mehrere Gesetzliche Krankenkassen haben für das Jahr 2019 eine Senkung angekündigt. Mit

der guten Konjunktur und den hohen Rücklagen hat dies aber nur wenig zu tun.

Die allermeisten der Gesetzlichen

Krankenkassen (GKV), die 90 Prozent

der Versicherten in Deutschland

in allen Fragen der Gesundheit betreuen,

können aus finanzieller Sicht

mit dem Jahr 2018 zufrieden sein.

Der „Kassensturz“ zum Schluss des

dritten Quartals deutet zumindest

darauf hin, dass am Jahresende ein

deutlicher Überschuss stehen wird.

Aussagen zur Höhe basieren auf

Prognosen des Schätzerkreises sowie

auf Ableitungen der bisher vorliegenden

Finanzergebnisse. Im

Bundesgesundheitsministerium

geht man von einem Jahresüberschuss

der Kassen in Höhe von 2,5

Milliarden Euro aus. Auch der GKV-

Spitzenverband spricht von einem

„deutlich positiven Finanzergebnis“.

Inden Fokus der Betrachtung gerät

zurzeit vor allem das Rücklagen-

Polster,das die GesetzlichenKrankenkassen

im Laufeder Jahreaufgebaut

haben. Laut Gesundheitsministerium

liegen 21 Milliarden Euro

auf der hohen Kante. Ein Betrag, der die

gesetzlich vorgesehene Mindestreserve

um das Vierfache übersteigt.

Schlagzeilen waren angesichts solcher

Botschaften in den vergangenen Wochen

schnell formuliert: Die Krankenkassen,

so hieß es plakativ, schwömmen geradezu

im Geld, horteten die Beiträgeder Versicherten

und schauten von einem Geldberg

herab.

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn

(CDU) sprach von einer „guten Entwicklung“

und stellte den Kassen nach dieser

Diagnose gleich ein Rezept aus: Es sei

jetzt angebracht, den Beitragszahler zu

entlasten, sprich: den Zusatzbeitrag, der

ab dem 1. Januar 2019 oberhalb des allgemeinen

Beitragssatzes von 14,6 Prozent

wieder zu gleichen Teilen von

Arbeitgebern und Arbeitnehmern gezahlt

wird, weiter zu senken.

Tatsächlich kommt in diesen Wochen viel

Bewegung ins Spiel. Nach und nach entschieden

Verwaltungsräte mehrerer Gesetzlicher

Krankenkassen, dass ihreHäuser

im kommenden Jahr einen geringeren

Zusatzbeitrag erheben werden. Bei

der Techniker wurde schon im Spätherbst

angekündigt, unter dem durchschnittlichen

Zusatzbeitrag von 0,9 Prozent zu

bleiben. Jetzt fiel die Entscheidung, auf

0,7 Prozent zu gehen. Die Securvita Krankenkasse

kündigte an, ihren Zusatzbeitrag

auf 1,1Prozent zu senken. Aufdieser

Höhe will auch die Barmer bleiben.

Die Viactiv verkündete amNikolaustag

Medizinische Leistungen kosten Geld –wie hier die Untersuchung eines Patienten bei einer Kernspintomografie. Für die Kassen wird esschwieriger, Beitragssätze

zuhalten bzw. zusenken.

Foto: dpa

eine Senkung des Beitragssatzes um 0,5

Prozentpunkte an. Addiert man die vom

Bundestag beschlossene neue Parität

beim Zusatzbeitrag hinzu, sparten Versicherte

sobis zu 600 Euro imJahr, hieß

es aus der Viactiv-Zentrale. Mit 1,2 Prozent

nähert sich der Zusatzbeitrag der

Kasse deutlich dem Durchschnittswert.

Auf der Leistungsseite werde man parallel

das Angebot ausbauen.

Für 2018 rechnet die größte Betriebskrankenkasse

in Nordrhein-Westfalen

mit einem Überschuss von rund 45 Millionen

Euro. „Die Viactiv ist keine Sparkasse

oder Bank. Das Geld kann jetzt in

eine nachhaltige Beitragssenkung, den

Service und gesundheitsfördernde Programme

für die Versicherten fl

ießen“, so

Vorstandsvorsitzende Reinhard Brücker.

Der Kunde zähle. Um das zu wissen,

brauchten die Selbstverwaltung und der

Vorstand „keine Direktiven aus dem Bundesgesundheitsministerium“.

Bundesgesundheitsminister Spahn hatte

die Kassen aufgefordert, ihre Zusatzbeiträge

zusenken, bevor sie ab dem Jahr

2020 dazu verpfl

ichtet seien. Die gute

Wirtschaftslageermögliche es, gleichzeitig

die Versorgung und die Arbeitsbedingungen

zu verbessern sowie die Beitragszahler

zu entlasten, sagte Spahn nach

Agenturangaben.

Die Wirtschaftslage spielt allerdings bei

den Kassenbeträgen keine so zentrale

Rolle, wie man annehmen könnte. In den

für die Finanzierung aller Ausgaben im

Gesundheitswesen wichtigen Gesundheitsfonds

fl

ießen seit 2009 die Beiträge

der Arbeitgeber, der anderen Sozialversicherungsträger,der

Mitglieder der Krankenkassen

sowie ein Bundeszuschuss.

Aus dem Fonds erhalten die Kassen die

Mittel, die sie benötigen, um die Leistungen

für Versicherte zufinanzieren.

Doris Pfeiffer, Vorstandsvorsitzende des

GKV

-Spitzenverbandes, verwies deshalb

nachder Bekanntgabe der vorläufigen Finanzergebnisse

für das erste bis dritte

Quartal auf 2019 zu erwartende Ausgabensteigerungen

sowie darauf, dass bereits

im laufenden Jahr für etwa jeden

vierten Versicherten der Zusatzbeitrag

gesunken sei. Weiter mahntesie mitBlick

auf gesetzliche Vorgaben und geplante

Honorarerhöhungen für niedergelassene

Ärzte, „darauf zuachten, dass zusätzlichen

Ausgaben auch tatsächlich zusätzliche

Leistungen für die Versicherten

gegenüberstehen“.

Tatsächlich hat der Gesundheitsfonds in

den ersten drei Quartalen des Jahres

2018 einMinus von3,26 Milliarden Euro

gemacht. Berücksichtigen muss man allerdings

hier den Sondereffekt, der vom

vierten Quartal ausgeht. In den letzten

drei Monaten sorgt die Jahresleistung für

höhere Zuweisungen an den Fonds.

Die Kassen sehen in diesem Zusammenhang

kritisch, dass Bundesgesundheitsminister

Spahn einerseits Beitragssenkungen

einfordert, aber selbst weitere

Ausgaben auf den Weg bringt. Änderungen,

diebeispielsweise im Terminserviceund

Versorgungsgesetz vorgesehen sind,

gehen mit höheren Arzthonorarern einher.Ein

Sprecher der Viactiv wies darauf

hin, dass auch eine Entscheidung über

den Finanzausgleich im Fonds längst

überfällig sei und eine offensichtliche

Ungleichbehandlung der Kassen nicht

beseitigt werde.

-wk-

Aufbruch,Ziele finden und

neue Wege beschreiten

Am Anfang aller Wege stehtder

Aufbruch. Die Zeit um Weihnachten

und den Jahreswechsel bietet die

Chance, sich auf den Wegzumachen.

Werpersönliche und beruflicheZiele

sucht, muss neue Wege gehen und

eigene Spuren hinterlassen.

Wirwünschen unseren

Mitgliedsunternehmen und

Partnernein frohes und

gesegnetes Weihnachtsfest,

Gesundheit,Glück und Erfolg

für das kommende Jahr und

danken herzlichfür die vertrauensvolle

und angenehme

Zusammenarbeit.

Die Kreishandwerkerschaft Steinfurt-

Warendorfmöchtendabei gerne

für Sie Weggefährte,Kompass und

Wegbereitersein.


10 LEBEN &WISSEN

Knabbern hat Hand und Fuß

Die Lüdinghausenerin Daniela Evans betreibt einen Fish-Spa und lässt Schwärme von Garra Rufa intemperierten

Becken Haut abstupsen. Strenge Tierschutz- und Hygienevorschriften begleiten das kitzlige Verfahren.

Das Geheimnis füßischen Glücks ist

ein Schwarm jugendlicher Garra Rufa

bei wohltemperierten 30 Grad im

Aquariumbecken. Hosen hochgekrempelt,

Füße sorgsam gewaschen

und desinfiziert, nochmals abgespült

und dann ganz langsam und

vorsichtig hinein ins kitzelige Vergnügen,

damit sich keine der rotschimmernden

Winzbarben erschrickt:

Wenn die kleinen Karpfenfische

gleich fünfzigfach durch die

Zehenzwischenräume wuseln, fast

zärtlich die Hornhaut abstupsen und

aufsaugen, ist das in der Fish Lounge

in Olfen mehr als nur Pediküre.

Wellness pur, auch für

die Seele, oder mit

Eventcharakter, den

Daniela Evans ihren

Kunden seit gut

einem Jahr bietet: „Jungesellinnen-Abschiede

sind der Renner.“ Fürs Fingerfood

kooperiert die Unternehmerin mit

einem Partyservice.

Und sie wird

bei solcher Gelegenheit

gleich zur

Eventmanagerin:

„Da ist Kommunikationsfähigkeit

schon sehr gefragt,

denn fast wie bei

der Hochzeit selbst

muss von der gewünschten

Sektmarke

biszur Deko

alles bis ins kleinste

Detail stimmen.“

Die Nähe zum

Ruhrgebiet tut ihr

übriges, dass das

erstereine Fish-Spa

des Münsterlandes

seit gut einem Jahr

brummt.

Doch dafür hat Daniela

Evans lange

gekämpft: „Die

Tierschutz- und

Hygienevorschriften

sind über 30

Seiten lang. Es war

Daniela Evans betreibt in Olfen den ersten nicht einfach, das

reinen Fish-Spa im Münsterland.

Veterinäramt von

meiner Idee zu

überzeugen.“ Denn Fish-Spas sind in

NRW ohnehin erst seit wenigen Jahren

erlaubt, und das Tierschutzrecht regelt

die Arbeitszeiten der Saugbarben so, als

hätten die kleinen Fische sich diese gewerkschaftlich

erkämpft: Höchstarbeitszeitspanne

innerhalb von zehn Stunden

am Tag, nach jeder füßischen Behandlungs-Mahlzeit

eine halbe Stunde Pause

und nach drei Wochen eine Woche

Urlaub im Extrabecken.

Und wenn die fl

itzenden Fische zu groß

zum Knabbern werden –„Die Fische können

achtJahreund bis zu zehnZentimeterwerden.

Das fühlt sich dann schon ein

bisschen nach Anrempeln an und ist sehr

kitzelig“, gesteht Evans –geht eszurück

zum Züchter in die Rente.

Daniela Evans selbst ist Lüdinghausenerin:

„Natürlich habe ich erwogen, inmeiner

eigenen Stadt die Fish-Lounge zueröffnen.

Aber die Mieten sind dort mittlerweile

fastgenauso hoch wie in Münster.“

Die 40-Jährige ist privat seit Jahren Expertin

für Garra Rufa, hält die Saugbarben

auch zu Hause in mehreren Aquarien

und setzt sie zur Neurodermitis-Therapie

ihrer Tochter ein.

Den 350 Fischen in ihrer Lounge hat die

Unternehmerin einen wohligen, temporären

Arbeitsplatz über Flusskieseln geschaffen:

Jedes der acht Aquarien hat

eine eigene Filteranlage, eine Heizung

und eine Alarmanlage, falls mal die Temperatur

abfällt oder die Wasserqualität

nicht stimmt. Hinter Wasserpfl

anzen verstecken,

wenn der angebotene Fuß nicht

mundet,können sich die kleinen Arbeitsfische

nicht.

„Die Artgenossen der Garra Rufa stammen

aus den fl

ießenden Süßgewässern

des Euphrat-Tigris und aus der südlichen

Türkei. Dort leben sie in sehr nährstoffarmen

Thermalquellen. Wasserpfl

anzen

hier in den Aquarien würden sie in Sekundenschnelle

zu Spinat zermalmen“,

erklärt die Unternehmerin.

Tierschutz und Hygiene nimmt die ehemalige

Pfl fegekraft sehr ernst. Nur unterschreiben,

dass der Kunde keinen Fußpilz

und oder Warzen hat, reicht nicht. Beim

Waschen und Desinfizieren hat Evans die

Füße ihre Kunden genauestens im Blick.

40 Prozent davon übrigens mittlerweile

pfl

egebewusste Herren.

„Einige Männer haben vom Job in den

schweren Arbeitsschuhen schon die ein

Fisch-Maniküre: Nach jeder Anwendung –Höchstdauer 45 Minuten –haben die Fische

erst einmal eine halbe Stunde Pause.

oder andereStelleamFuß, Fisch-Pediküre

geht da nicht; andererseits bedürfen

ihre Hände aber ob der vielen körperlichen

Arbeit besonderer Pfl

ege: Deshalb

nennen wir unser Handbecken auch

scherzhaft Handwerkerbecken“,

schmunzelt Daniela Evans.

Maike Harhues

Sechs Fußbecken mit jeweils 50 Fischen ermöglichen der Unternehmerin, im Fish-Spa auch Events anzubieten.

Fotos: Fish Lounge

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AUSGABE

26.Februar

2019


LEBEN &WISSEN 11

Von der Unesco geadelt

Der Blaudruck hat eine sehr lange Geschichte, wird aber auch in Deutschland nur noch an wenigen

Orten praktiziert. Früher staunte man fast in jedem Dorf über das „blaue Wunder“.

Normalerweise fangen Geschichten

über diese alte Handwerkskunst immer

mit dem Satz an: „Hier können

Sie ein ‚blaues Wunder‘ erleben.“ So

soll es auch dieses Mal sein, denn

schließlich wird es ums Bewahren

gehen. Und das ist jetzt nicht ins

Blaue hinein gesprochen.

Der Weg führt in eine der

letzten Blaudruckereien in

Deutschland. In lediglich

neun Betrieben wird noch

gedruckt und gefärbt. Der

Name kommt nicht vonungefähr,das erkennt

selbst der Laie. Im neben der Druckerei

befindlichen Laden dominiert ein

kräftiger Blauton. Tischdecken, Vorhänge,

Tücher und Stoffbf ahnen füllen die

Regale bis unter die Decke –alles von

Hand gefertigt, alles Unikate und alles

blau, jedenfalls fast. Aber dazu später.

Elke Schlüter ist die Chefin der Blaudruckerei

in Lüdinghausen und führt Regie

beim ‚blauen Wunder‘. „Blaudruck ist ein

uraltes Färbeverfahren“, sagt sie. „Aber

kommen Sie doch mal mit.“

Über eine schmale Stiege geht es in ihr

Atelier.Auf einem langen Tisch liegt eine

aufgespannte, weiße Stoffbf ahn. Elke

Schlüter greift zu einem mehr als handtellergroßen

Holzklotz, einem Model. Zu

Hunderten liegen sie in Regalen gestapelt.

Seine Unterseite ist mit kleinen

Drahtstiften, die zu einer bestimmten

Form angeordnet sind,dicht beschlagen.

Diese drückt die Handwerkerin jetzt in

den Papp, eine feuchte Masse. „Die Zusammensetzung

wird nicht verraten“,

Muster und Model: Elke Schlüter zeigt einen Model, mit dem sie

zuvor den Stoff bedruckt hat.

wehrt die Blaudruckerin mit einem Lächeln

die nächste Frage ab. Dann wird

der Model mehrfach kräftig auf den Stoff

gepresst, sodass allmählich ein blässliches

Muster entsteht.

„Das aber ist nicht das ‚blaue Wunder‘“,

räumt Elke Schlüter ein. Um das zu erleben,

geht es in die Färberei. Hier werden

die bedruckten Naturtextilien in einen

Sternreif gespannt, der dann in die Küpe

getaucht wird, einen Brunnen mit 1500

Liter Indigo-Lösung. „Ein Färbevorgang

dauert etwa 20 Minuten, je nach gewünschtem

Blauton muss ich den Vorgang

wiederholen.“ Danach werden die

Reste des farbabweisenden Papps herausgespült.

„Der Begriff kommt übrigens

aus dem Niederländischen und bedeutet

Brei“, klärt die Blaudruckerin auf.

Sobald das Färben abgeschlossen ist, beginnt

die Oxidation. „Der zunächst gelblich-grüne

Stoff wird allmählich blau.“

Ein Wunder? Eher nicht, aber die Redensart

stammt genauvon diesem Prozess ab.

Der Clou des Ganzen: Die mit dem Papp

bedruckten Stellen sind weiß geblieben.

Ende November hat die Unesco dieses

traditionelle Färbeverfahren, dessen

Techniken sich über Jahrhunderte kaum

verändert haben, in die internationale

Liste des immateriellen Weltkulturerbes

eingeschrieben. Den Antrag stellten fünf

Länder gemeinsam, neben Deutschland

auch Österreich, die Slowakei, Tschechien

und Ungarn. Wo auf offizieller Seite

gejubelt wird, bleibt Elke Schlüter auf

dem Teppich: „So ein Titel hört sich gut

an, bringt mir aber nicht automatisch

mehr Kunden.“ Andererseits kann es

doch bestimmtauch nicht schaden, wenn

einem alten Handwerk neue Wertschätzung

zuteil wird. Eine Unesco-Urkunde

hängt jedenfalls prominent im Laden.

Die Ursprünge des Blaudrucks liegen in

Indien. Vondort wurde das Verfahren zusammen

mit der Färbepfl

anze Indigo von

holländischen Seefahrern nach Europa

importiert.Die ältestedeutsche Blaudruckerei

wurde 1689 in Augsburg gegründet.

„Im 18. und 19.Jahrhundert gab es

fast injedem Dorf einen Betrieb, vor allem

dort, wo Flachs,der Rohstoff für Leinen,

angebaut wurde –wie bei uns im

Münsterland“, erzählt Elke Schlüter. In

Lüdinghausen ist der Straßenname Blaufärbergasse

eine der letzten Reminiszenzen

andiese Zeit.

Früher waren die ausschließlich männlichen

Blaudrucker so genannte Lohndrucker,

das heißt, sie bearbeiteten Aufträge.

Auch heute kommen Besucher oft

mit konkreten Wünschen zu Elke Schlüter.

„Eine Kundin brachtemir eine Porzellantasse.

So wie deren Muster sollteauch

der Blaudruck aussehen.“ Meist brächten

sie aber alte Weißwäsche, die bedruckt

werden solle. Die Westfälin, die mit einer

Schneiderin zusammenarbeitet, realisiert

zudem viele eigene Entwürfe.

„Mein Ziel war esimmer, das alte Handwerk

dem Zeitgeschmack anzupassen“,

erklärt die Designerin, die an der Fachhochschule

für Gestaltung in Münster

studiert hat. Ausdiesem Grunde arbeitet

sie neben Indigo auch manchmal mit Indanthren,

einem Farbstoff, der andere

Töne –etwa Rot und Grün –möglich

macht.

Das Aund Odes Blaudrucksist nicht etwa

das ‚blaue Wunder‘, sondern es sind die

aus verschiedenen Holzarten schichtweise

zusammengesetzten Model mit ihren

mannigfaltigen Drahtstiftformen. Über

800 hortet ElkeSchlüter wie einenSchatz

– sehr alte und auch einige neueren

Datums. Die ältesten Model zeigen biblische

Motive,etwaden Sündenfall. „Blaudruckereien

haben auch Altartücher für

die Kirchen produziert, und an Weihnachten

waren Stoffe mit Krippenmotiven

beliebt“, erinnert sich die Handwerkerin.

Der Beruf des Formenstechers, der

die Model anfertigte, sei so gut wie ausgestorben.

„Früher habe ich auch selber

Entwürfe für die Stiftanordnungen unter

dem Model kreiert.“

Wiewirdesweitergehen mit dem nun als

Unesco-Welterbe geadelten Blaudruck?

Da ist ElkeSchlüternicht unbedingt optimistisch.

„Einen Nachfolger aus der Familiewirdesnicht

geben.“ Und ein Übernahmeinteressent

ist in Lüdinghausen

auch noch nicht auf den Plan getreten. Es

kämen zwar viele Interessierte –vor allem

zu den Gruppenführungen. Die vor

der Stadt liegende BurgVischering sei ein

Touristenmagnet. „Aber dass jemand

meinen Job übernehmen wolle, davonist

mir noch nichts zu Ohren gekommen.“

Und ein Ausbildungsberuf sei Blaudrucker

schon seit Jahrzehnten nicht

mehr.

Blaudruckereien im niedersächsischen

Einbeck und in Pulsnitz in der Oberlausitz

sind Gegenbeispiele. Die Werkstätten

haben neue Eigentümerinnen gefunden.

Fasziniert von der langen Tradition dieses

anspruchsvollen Handwerks sorgen

jetzt Ursula Schwerin und CordulaReppe

dafür, dass dort auch weiterhin „blaue

Wunder“ geschehen. Ulrich Traub

Elke Schlüter druckt, in dem sie den Model auf den Stoff drückt und abschließend einen Schlag versetzt.

Blau dominiert: Blick auf das Angebot der Blaudruckerei.

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14 JAHRESRÜCKBLICK –DIE TOP THEMEN DES JAHRES

Die Macht der Marke

Das Münsterland macht sich auf, eine Marke zuwerden. Der demografische Wandel und der

Fachkräftemangel machen es nötig. Das Projekt hat ein zentrales Ziel: Aufmerksamkeit erregen.

„It’s OWL“, heißt es in Ostwestfalen,

in Südwestfalen ist „Alles echt!“ –

Vertreter beider Regionen erklären,

ein wesentliches Ziel mit ihrer Marken-Kampagne

erreicht zu haben:

Aufmerksamkeit.

Das Münsterland ist noch

keineMarke, soll aber eine

werden. Geht es nach dem

Willen der Agentur Brandtrust

und ihres bisherigen

Geschäftsführers Christoph Engl, wird

die neue Marke Münsterland außergewöhnlich.

Die Marken-Bildung ist eine Investition

in die Zukunft. Der demografische Wandel

und damit einhergehend der sich immer

stärker ausprägende Fachkräftemangelmachen

es nötig, die Aufmerksamkeit

von Nicht-Münsterländern

verstärkt auf das Münsterland

zu lenken, ihnen Appetit auf

die Region zu machen –oder stärker:

Lust darauf.Ansonsten „droht das Münsterland

im Erfolg der anderen unterzugehen“,

hatteschon vorJahren der münsterische

Marketing-Experte Prof. Heribert

Meffert diagnostiziert.

Marken sind auf den Punkt gebrachte

Qualitäten. Zentrale Bestandteile, Inhalte,Wesensmerkmale,

Kompetenzen–die

erst erkannt und dann benannt werden.

„Eine Markeist sozusagen die DNAeiner

Region“, sagt Engl.

Seit geraumer Zeit schon begleiten die

Unternehmensberatung Brandtrust aus

Nürnbergund ihr Geschäftsführer die regionale

Management-Agentur Münsterland

e.V.bei dem vonihr angeschobenen

Markenbildungsprozess. Engl ist ein spannender

Typ. Agil und eloquent, jemand,

der vondem, wasertut,und der Art und

Weise, wie er es tut, überzeugt ist. Porsche

beispielsweise löst als gut gemachte

Marke einen „Willhaben“-Refl

ex aus,

sagt er. Bei Regionen müsse es am Ende

in einer „Willhin“-Reaktion münden.

Letzteres soll die Marke Münsterland erreichen.

Deren Ingredienzien spielen mit

den schönen Städten und der reizvollen

Landschaft, einer kultivierten Lebensart,

der besonderen Lebensqualität, den mitunter

zwar knorrigen, aber selbstbestimmten

Menschen. „Die Markesoll das

Ankommen leicht machen, einen Wohlfühl-Effekt

erzeugen und so letztlich fürs

Hierbleiben sorgen“, sagt Münsterland

e.V.-Vorstand Klaus Ehling. Einen Slogan

gibt’s noch nicht, wohl aber all das unterstützende

Projekte, die langsam Kontur

annehmen.

EDITORIAL

Butter bei

die Fische

Eine Region als Marke zu

verstehen, hat etwas mit

attraktiv machen zu tun, aber

nichts mit schnödem Aufh

übschen.

InZeiten, in denen der

demografische Wandel drückt

und Fachkräfte Mangelware

sind, wird das Werben um kluge

Köpfe und deren Familien

zur ganzheitlichen Aufgabe.

Wie Unternehmen stehen angesichts

einer hochmobilen Gesellschaft

auch Regionen in

Konkurrenz zueinander. Ist ein

Betrieb spannend, die Region

aber nicht, kommt der erhoffte

Mitarbeiter erst gar nicht –

oder zieht im Zweifel ganz

schnell weiter.

Ländliche Regionen haben hier

oft das Nachsehen. Zwar bieten

sie zumeist mehr als Kiepenkerl-Klischees.

Nur, wer weiß

das schon? Darum ist es dort

besonders wichtig, das Spannende,

Interessante, emotional

Ansprechende herauszuarbeiten

und daraus eine Marke zu

schmieden. Das Münsterland

hat sich auf den Weg gemacht.

Das ist wichtig,

richtig –und wird Zeit:

Andere Regionen sind nämlich

deutlich weiter. Die ersten

Schritte sind gemacht.

Wichtig ist nun zweierlei:

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dem Projekt nicht auf halber

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JAHRESRÜCKBLICK –DIE TOP THEMEN DES JAHRES 15

„Bürokratisches Monster“

Seit dem 25. Mai gilt europaweit eine neue Datenschutz-Grundverordnung –und die stellt auch die

Unternehmen im Münsterland vor eine Belastungsprobe. Bitkom warnt vor einer Abmahnwelle.

Unternehmen und Betriebe kennen

sich mit komplizierten Regelwerken

aus.Doch dieindiesen TageninKraft

getretene EU-Datenschutz-Grundverordnung

(DSGVO) stellt angesichts

der Paragrafenfülle und Komplexität

eine echte Herausforderung

dar. Ohne fachkundigen Rat sind die

Allermeisten überfordert. Und die

europäischen Bürokraten machen es

den Firmen beileibe nicht einfach:

Der Europäische Rat hat noch Mitte

April zahlreiche Korrekturen im ellenlangen

Verordnungstext vorgenommen

–neben zighundert Seiten

Verordnungstext, Erläuterungen

und Kurzbriefen zur Anwendung

weitere 23 Seiten Lesestoff.

Kritiker werfen der Europäischen

Union vor, bei der Vereinheitlichung

der Datenschutzrechts

in Europa über

Kas d Ziel hinausgeschossen

zu sein und ein bürokratisches Monster

geschaffen zu haben. Tatsächlich rätseln

selbst Experten an vielen Stellen der

DSGVO, wie sie die Paragrafen auslegen

und in der Praxis anwenden sollen. Ermessensspielräume,

vondenen an vielen

Stellen immer wieder die Rede ist, machen

die ganze Angelegenheit nicht einfacher.

Über allem schwebt die Angst vor empfindlichen

Bußgeldern, die angesichts

einer Höhe von bis zu 20 Millionen Euro

oder vonbis zu vier Prozent des weltweiten

Jahresumsatzes des vorangegangenen

Geschäftsjahres enorm abschreckend

wirken. In manchen Betrieben

sorgt dies dafür,dass man einen beinahe

zweihundertprozentigen Eifer an den

Taglegt, die Datenverarbeitung in allen

Facetten auf die neue Verordnung abzustimmen.

Im Münsterland ist die Sorge in den

Unternehmen groß, dass Abmahn-Kanzleien

nur noch den Stichtag 25. Mai 2018

abgewartet haben, um dann ihre Attacken

zu starten. Sie könnten die Rechtsunsicherheit

ausnutzen, die die neue Verordnung

in der Wirtschaft verursacht,

und mit Abmahnungen Geld eintreiben.

Rebekka Weiß, Referentin für Datenschutz

und Verbraucherrecht

beim Branchenverband

Bitkom, warnt vor

einer Abmahnwelle.

EDITORIAL

Angemessen?

Inzwischen ist das laute Aufstöhnen

der Betriebe unter der

DSGVO-Last bei der Kanzlerin angekommen.

Manches in der EU-

Datenschutz-Grundverordnung sei

„wirklich eine Überforderung“,

sagte Angela Merkel kürzlich mit

Blick auf die Wirtschaft. In manchen

Ländern, wie etwa Österreich,

werde die EU-Vorschrift anders

umgesetzt als in Deutschland.

Man gewinnt aktuell tatsächlich

den Eindruck, als spiele Deutschland

im Reigen der EU-Länder

beim Datenschutz den Musterknaben.

Bitte nicht falsch verstehen:

Der Schutz personenbezogener

Daten –obvon Mitarbeiter, Kunde

oder Lieferant –und ein gesicherter

Umgang damit machen allemal

Sinn.

Doch wer sich Satz für Satz durch

die EU-Datenschutz-Grundverordnung

arbeitet, stößt nicht nur an

Verständnisgrenzen. Ist all das,

was dort verlangt wird, im Tagesgeschäft

überhaupt umsetzbar?

Manche Dokumentations- und Informationsvorschrift

erscheinen

geradezu unsinnig. Datenschutzmanagement

nach den Regeln der

EU verschlingt Zeit und Ressourcen.

Ganz offensichtlich wollten die

Verantwortlichen Facebook, Google

und Co. stärker an die Kette legen.

Vergessen haben sie dabei die

kleinen und mittleren Unternehmen,

Ehrenamtliche und Vereine

sowieso, aber auch Firmen, die

sehr große Datenmengen brauchen,

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16 JAHRESRÜCKBLICK –DIE TOP THEMEN DES JAHRES

Straußentaktik hilft nicht

Im Münsterland scheidet bis zum Jahr 2030 ein Fünftel der Erwerbstätigen altersbedingt aus dem

Berufsleben aus –und der Nachwuchs wird knapp. Kluge Personalplanung wird überlebenswichtig.

„Gute Zeiten bleiben nicht automatisch

gut.“ – Joachim Fahnemann,

Vorsitzender der Geschäftsführung

der Agentur für Arbeit Ahlen-Münster,

rät auf dem konjunkturellen Zenit

zur Vorsicht. Denn der Arbeitsmarkt

wird die Unternehmen noch

vor große Herausforderungen stellen.

Gut ausgebildete Kräfte werden

nach und nach in unterschiedlichsten

Bereichen so knapp sein, dass

Firmen die Nachfrage ihrer Kunden

nicht mehr erfüllen können. Im

Münsterland, soFahnemann, scheidetaltersbedingtinden

kommenden

zwölf Jahren ein Fünftel der sozialversicherungspfl

ichtig Beschäftigen

aus dem Erwerbsleben aus. In Zahlen:

Über 120 000 Männer und Frauen

arbeiten 2030 in der Region nicht

mehr mit, unter ihnen über 65 000

Fachkräfte. Und ausreichend Nachwuchs

ist nicht in Sicht.

Die Lücke beim Fachkräftebedarf

wird wachsen,

denn die Arbeitskräftenachfrage

ist nach dem im

vergangenen Jahr höchsten

Stellenzugang seit 2011

auch aktuell ungebrochen.

Im vergangenen

Jahr meldeten die

Unternehmen im Münsterland 40 691

offene Stellen –mit steigender Tendenz.

Die neue Bundesregierung hat nicht ohne

Grund die Vollbeschäftigung als ein Ziel

in den Koalitionsvertrag aufnehmen können.

Weil das Angebot an neuen Mitarbeitern

sinkt, sind Unternehmen zu

einer langfristigen Personalplanung gezwungen,

und sie bemühen sich bereits,

Mitarbeiter ans Unternehmen zu binden.

Ein Beispiel: Vor rund zehn Jahren lag

der Anteil der befristeten Stellen im Bestand

der Arbeitsagenturen im Münsterland

bei deutlich über 20 Prozent. Heute

beträgt die Quote noch 9,6 Prozent.

Die anhaltend gute Wirtschaftslage sollten

die Firmen in der Region unbedingt

nutzen, um sich aufdie Herausforderungen

von morgen einzustellen, unterstreicht

Joachim Fahnemann in einem

Gespräch mit dieser Zeitung. „Die Unternehmen

haben jetzt noch die Chance und

die Luft.“ Wersichsprichwörtlich wie Vogel

Strauß verhalte, verfolge eindeutig

eine falsche Taktik. Denn aufzuhalten ist

der Kräftemangel nicht, so der

Leiter der Agentur für Arbeit.

An zwei Entwicklungen kann

die Behörde schon heute

ablesen, dass sich im

Münsterland die

Lage deutlich

verändert.

OFFEN GESAGT

Vorbeugen

Viele Unternehmen im Münsterland

sind gewarnt. Sie wissen,

dass es bald noch schwieriger

als heute sein wird, auf Nachwuchs-

und Nachfolgefragen gute

Antworten zu finden. Wer soll es

machen? Wer packt mit an? Wer

steuert und organisiert? Und diese

Sorgen kommen als dunkle

Wolken ausgerechnet in einer

Zeit auf die Firmen zu, in der der

Konjunkturhimmel hellblau

strahlt, die Auslastung in den allermeisten

Betrieben stimmt und

mutig investiert wird. Die ersten

Anzeichen des heranrückenden

Fachkräftemangels verderben bereits

hier und dort die Freude am

derzeitigen guten Geschäftsklima.

Es wäre deshalb falsch, die

Arbeitsmarktprognosen, wie sie

zum Beispiel von der Agentur für

Arbeit im Münsterland erstellt

werden, zu ignorieren. Auch

wenn aktuell noch die Zahl der

sozialversicherungspfl

ichtig Beschäftigten

wächst, der Rückgang

aufgrund der demografischen

Einfl

üsse ist schon jetzt absehbar.

Angebote wie die Rente mit 63

haben dem Trend noch einmal

Schub gegeben.

Wenn das Münsterland auf eine

Vollbeschäftigung zusteuert, heißt

dies für die Unternehmen, dass

sie kaum noch freie Kräfte auf

dem Markt finden werden. Der

Druck wächst, sich als Unternehmen

gut zu platzieren, um im

Wettbewerb um die besten Köpfe

vorne mitspielen zu können. Vorbeugen

heißt deshalb die Devise.

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Timmermanufer 142

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Fax (05971) 80822-75

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Tracker und Zählpixel: Was

passiert auf Webseiten?

Thomas Spaeing, Vorsitzender des Berufsverbands der Datenschutzbeauftragten Deutschlands (BvD),

weiß, was zum Thema Datenschutz wichtig für Führungskräfte ist.

Im Rahmen der BvD-Herbstkonferenz tauschten sich über 250 Datenschutz-Experten unter dem Motto „Wirtschaft trifft Aufsicht“ über die ersten 150 Tage der DS-GVO in der Praxis aus.

Foto: BvD /Uli Schneider

Bereits seit 1977 gibt es in Deutschland

das Bundesdatenschutzgesetz,

doch erstdurch die EU-Datenschutzgrundverordnung

(DS-GVO) sehen

sich Unternehmen im Zugzwang.

Denn seit dem 25. Mai drohen Bußgelder,

sollten die Regelungen nicht

eingehalten werden.

Zweibis vier Prozent des weltweiten

Umsatzes des Vorjahres

einer Firma betragen die

Strafen – das können also

durchaus auch Millionenbeträgesein,

weiß Thomas Spaeing, Vorsitzender

des Berufsverbands der Datenschutzbeauftragten

Deutschlands. Oftmals

sind Führungskräfteratlos, wasbeispielsweise

auf ihren Homepages passiert

–daundurchsichtige Plug-Ins Verwendung

finden, in denen Daten verarbeitet

werden. Spaeing gibt einen Überblick darüber,worauf

es ankommt und wie wichtig

ein Datenschutzbeauftragter im Bürokratie-Dschungelist

und macht bewusst:

„Die Aufsichtsbehörden wollen Betrieben

Zeit geben, sich umzustellen.“

Worauf müssen Geschäftsführer in

puncto Datenschutz besonders achten?

Welche Änderungen beziehungsweise

Neuerungen brachte die

Verordnung für diese mit sich?

Thomas Spaeing: Die EU-Datenschutzgrundverordnung

bereitete viele der bereits

imalten Bundesdatenschutzgesetz

in Deutschland geltenden Regelungen

noch einmal auf, insbesondere durch

einen Bußgeldrahmen. Neu erscheinen

die Regelungen aber vorallem jenen, die

sich bisher damit nicht befasst haben, obwohl

das BDSG seit 1977 Gesetz ist. Hinzugekommen

ist neben dem Bußgeldrahmen

die Fokussierung auf die Betroffenenrechte,

die deutlich stärker alsbisher

im Vordergrund stehen. Um diese erfüllen

zu können, sind in den Unternehmen

Prozesse einzurichten, damit Anfragen

wirtschaftlich und zeitnah beantwortet

werden können. Das bringt uns zu einer

weiteren Neuerung: Die DS-GVOzielt auf

ein Management-System ab, wie dies

auch in anderen Bereichen üblich ist, beispielsweise

im Umwelt- oder Qualitätsmanagement.Das

sind für die Unternehmen

bekannte Instrumente, und damit

lässt sich der Datenschutz in diesen effizient

regeln. Natürlich entsteht dabei zu

Beginn ein erhöhter Aufw

and –insbesonderefür

diejenigen, die dieses Thema bisher

ignoriert haben.

Was hat es mit der eingeführten Rechenschaftspflf

icht auf sich?

Thomas Spaeing: Die Rechenschaftspfl

icht zwingt den Verantwortlichen dazu,

seine Datenverarbeitungen zudokumentieren

und hinsichtlichder Rechtmäßigkeit

jederzeit Auskunft geben zu können.

Das sollte in einem Rechtsstaat

eigentlich selbstverständlich sein, war

aber im Bereich der Datenverarbeitung

bislang nicht so populär.Dies ändert sich

nun durch die DS-GVO. In den Details

gibt es hier noch eine Menge zureferieren,

aber die Eckpunkte haben wir vom

Berufsverband der Datenschutzbeauftragten

damit erfasst. Wirempfehlen den

Unternehmern einen Zehn-Punkte-Plan,

mit dem die Hauptaufgaben benannt

sind.

Fortsetzung auf Seite 19

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INNOVATIVE IT-TECHNOLOGIE, DATENSCHUTZ &BÜROMANAGEMENT 19

Mit stringentem Projektplan

der Umstellung trotzen

Datenschutz-Experte Thomas Spaeing verrät, welche wichtigen Stellschrauben sich beim Datenschutz ergeben

und wie Aufsichtsbehörden bei der Kontrolle vorgehen.

Fortsetzung von Seite 18

Worauf müssen insbesondere

Homepage-Betreiber achten?

Thomas Spaeing: Für Webseiten-Betreiber

wird esschwierig, daviele ihre

Homepagegar nicht selbst entwickelt haben

und demnach auch nicht wissen, was

dort genau passiert. Welche Tracker,

Cookies oder Zählpixel, um nur einige

Beispiele zu nennen, wurden auf der Seite

verwendet? Wo wird externer Inhalt

nachgeladen, und wohingehen die Daten

der Webseitenbesucher noch? Das wissen

viele Betreiber nicht –und die Web-Agenturen

oft leider ebenso wenig. Es ist heute

üblich, vorgefertigte kostenlose Baukastensysteme

für eine Homepage zuverwenden.

Die verarbeiten aber oft die

Daten der Webseiten-Besucher, ohne darüber

zu informieren. Und da wird es

schwierig: Nach geltendem Datenschutzrecht

müssen die Betreiber die Informationspfl

ichten erfüllen und dazu wissen,

was auf ihrer Seite genau passiert. Dies

bedeutet für diese und auch die Agenturen

ein erhebliches Umdenken, was vielen

noch schwer fällt.

Wird das Einhalten der Grundverordnung

überprüft und geahndet?

Wie regelmäßig erfolgt das?

Thomas Spaeing: Wie die Aufsichtsbehörden

zukünftig prüfen werden, kann

mannoch nicht absehen. Wenn aber eine

Beschwerde vorliegt, müssen diese tätig

werden. Und die Beschwerden nehmen

erheblich zu. Der Hauptanlass für ein

Bußgeld oder eine Prüfung wirdalso eine

Beschwerde sein. Prüfungen sind am

leichtesten durch Fragebögen zu bestimmten

Themen möglich. Diese würden

an eine bestimmteAnzahl vonUnternehmen

versandt, die dann antworten

müssen. Auf Basis der Antworten könnten

anschließend Prüfungen erfolgen.

Bislang werden die Fragebögen aber nur

zur Ermittlung des Status quo, also der

aktuellen Umsetzung des Datenschutzes,

und zur Beratung der Unternehmen versendet.

Wie schätzen Sie den Mehraufw

and

für Unternehmen ein, der mit den

Datenschutzrichtlinien verbunden

ist? Erhalten Sie hierzu Feedback

aus der Wirtschaft?

Thomas Spaeing: Der Aufw

and hängt

ganz wesentlich davonab, wasein Unternehmen

bislang zum Datenschutz unternommen

hat. Für diejenigen, die nach

BDSG schon gut aufgestellt waren, geht

es fastnur um dieKür –bei überschaubaremAufw

and. Für die vielen Betriebe, die

nach BDSG nichts getan haben –und das

waren nicht nur kleine und mittlere –ist

der Aufw

and schon beträchtlich, es müssen

die Aufgaben von mehreren Jahrzehnten

nachgeholt werden. Aufw

ände,

die man sich früher gespart hat.

Und wie kann das gelingen?

Thomas Spaeing: Mit einem stringenten

Projektplan und der Rückendeckung

der Geschäftsleitung kann man die Umstellung

trotzdem in einem vernünftigen

Zeitraum von –je nach Größe und Komplexität

des Unternehmens –bis zu einem

Jahr schaffen. Genauere Angaben sind

wirklich nur für einen konkreten Betrieb

nach Prüfung möglich. Klar ist aber in der

DS-GVO: Die Verantwortung liegt bei der

Geschäftsleitung, und deren wichtigster

Partnerist ein erfahrener Datenschutzbeauftragter,der

hilft, unsinnigebürokratische

Regelungen zu vermeiden –sprich,

„die richtigen Dingerichtigzutun“. Ohne

einen solchen Experten klappt das meiner

Erfahrung nach nicht.

Kristina Hinz

https://www.bvdnet.de/

BvD-Vorstandsvorsitzender Thomas Spaeing informiert unter anderem über die Herausforderungen für Homepage-Betreiber

in puncto Datenschutz.

Fotos: BvD /Uli Schneider

„Wir haben mit einer Idee

unser Start-up sauber ins

Rollen gebracht.“

Fördern, was NRWbewegt.

Tanja Nickel und Katharina Obladen,

Gründerinnen von UVIS, desinfizieren

Handläufe von Rolltreppen mit UVC-

Licht. Die erste Finanzierungsrunde des

Start-ups sicherte die NRW.BANK mit einer

Unternehmensbeteiligung imRahmen des

Förderprogramms NRW.SeedCap Digitale

Wirtschaft.

Auch Vertreter von Landesämtern wie der Präsident des Bayerischen Landesamts für Datenschutz, Thomas Kranig,

referieren bei den Infoveranstaltungen, um Führungskräfte fit für den Datenschutz zumachen.

Die ganze Geschichte unter: nrwbank.de/uvis

Erste Versuche im Maler- und Lackierer-

Handwerk


INNOVATIVE IT-TECHNOLOGIE, DATENSCHUTZ &BÜROMANAGEMENT 20

Digitale Transformation

und ihre Vorteile

Shenja Panik, Verbandsreferentin des Bundesverbands IT-Mittelstand (BITMi), hebt die Bedeutung neuer

Technologien im IT-Sektor ebenso wie die Rolle des Mittelstands darin hervor.

Shenja Panik, Verbandsreferentin des Bundesverbands IT-Mittelstand hebt hervor, wie wichtig es ist, als Unternehmer

technologische Neuerungen für sich zu nutzen.

Foto: Bundesverband IT-Mittelstand e.V.

Platz 1

Ratiodata GmbH

Fast jederdritteDeutsche schaut wöchentlich

Videos auf Streamingdiensten

wie Netfl

ix oder Amazon

Prime. JederZweite hat bereitspraktische

Erfahrungen mit einer digitalen

Sprachassistenz und laut Bundesverband

IT-Mittelstand kaufen

32 Prozent selbst ihre persönlich

ausgesuchtenWeihnachtsgeschenke

nur noch über den Online-Versandhandel.

Vi Vrtual und Augmented Reality

sind keine Nischenprodukte

mehr, sondern erlebbare

Realität des Durchschnittskonsumenten.

Beeindruckende

Technologien wie Smart

Glasses sind nahezu handelsüblich. IT-

Technologien entwickeln sich in rasantemTempo,

und im Zeitalter der Digitalisierung

ist besonders die Künstliche Intelligenz

(KI) eine der Schlüsseltechnologien

von morgen. Sowohl politisch als

auch in der Lebenswirklichkeit der Menschen

ist das Thema KI angekommen.

Diese Technologie ist aktuell bereits soweit

fortgeschritten, dass auch der Mittelstand

und vor allem Start-ups KI als

entscheidenden Faktor im wirtschaftlichen

Wettbewerb erkennen. Allerdings

stagniert die Entwicklung dort oftmalsan

der Umsetzung.

Shenja Panik, Verbandsreferentin des

Bundesverbands IT-Mittelstand, gibt

einen Einblick in die Herausforderungen,

die durch neue Technologien entstehen

und sieht insbesonderekleine und mittlere

Unternehmeninder Pfl

icht, das Potenzial

der digitalen Transformation zuerkennen.

Mit welchen Herausforderungen

wird sich dieITinsbesondere in den

nächsten Jahren beschäftigen?

Shenja Panik: Was dem Mittelstand

schon lange bewusst ist, kommt aber in

der Politik nur langsam zum Tragen. Erst

vor wenigen Wochen hat das Bundeskabinett

die „Strategie Künstliche Intelligenz“

verabschiedet. Ein guter erster

Schritt, dem es entschieden an konkreten

Umsetzungsvorschlägen mangelt. Dabei

brauchen kleine und mittlere Unternehmen

die Unterstützung durch Maßnahmen

der Regierung,ummit ihrem Unternehmen

die digitale Transformation erfolgreich

leisten zu können. Der IT-Mittelstand

muss sich besonders in den

nächsten Jahren als Katalysator, aber

auch als Rückgrat und als Enabler, also

Wegbereiter, erweisen. Er wird eine führende

Rolle übernehmen und sich als

einer der größten Treiberder Digitalisierung

profilieren.

Wie steht es mit dem Thema Fachkräfte?

Ist der Bedarfgestiegenoder

gibt es einen Mangel?

Shenja Panik: Durch die fortschreitende

Digitalisierung ist der Fachkräfteman-

gelein enormes Problem im Mittelstand.

Immer noch ist der Bedarf anIT-Spezialisten

groß und wächst täglich an. Viele

Unternehmen, vor allem klein- und mittelständische,müssen

den Wegzum digitalen

Geschäftsmodell noch gehen und

benötigen dabei Unterstützung. Digitale

Fachkompetenz ist in IT-fernen Branchen

leider Mangelware. Mittelständler haben

weder das erforderliche Wissen, noch die

Zeit, um dieses neben ihrer täglichen

Arbeit zu erwerben. Berufs- und Quereinsteiger

mit dem notwendigen Know-how

werden mit Hochdruck gesucht und haben

aktuell die besten Chancen auf dem

Arbeitsmarkt.

Wie hoch schätzen Sie den Stellenwert

der IT-Technologie heutzutage

ein, insbesondere im Hinblick auf

die Digitalisierung, und wie rasant

die Entwicklung in diesem Bereich?

Shenja Panik: Der Erfolg und die Zukunftsfähigkeit

eines Unternehmens

hängen heutzutage unmittelbar von seinem

Digitalisierungsgrad ab. Der Mittelstand

muss gegenwärtigmehrdenn je die

Bedeutung und das Potenzial der digitalen

Transformation erkennen und sich

zunutze machen. Aktuelle IT-Technologien

sind Querschnittstechnologien für

alle Branchen. Der Mittelstand kann sich

nun nicht mehr rausreden, er sei nicht

Teil der IT-Branche und brauche diese

daher auch nicht. Neue IT-Technologien

steigern die Flexibilität und Effizienz,

helfen die Fehlerquotezusenken und ermöglichen

neue Innovationen. Gerade

kleine und mittlere Unternehmen erhaltendurch

Technologien wie KI die Chance,

mit wenigKapital fl

exibler zu agieren

und mit größeren Unternehmen zu konkurrieren.

Welche Rahmenbedingungen müssen

erfüllt sein, um die Digitalisierung

voranzutreiben? Wo herrscht

noch Handlungsbedarf?

Shenja Panik: Digitale Transformation

ist das Stichwort. Kleine und mittelständische

Unternehmen haben nur dann

eine Chance mit Großkonzernen zu konkurrieren,

wenn sie das Potenzial der digitalen

Transformation erkennen. Viele

Mittelständler erkennen den Bedarf derzeit

jedoch nicht und handeln getreu dem

Motto: Warum das System ändern, wenn

es nicht kaputt ist? Oft hält die Digitalisierung

nur in Form von digitalisierten

Prozessen wie Online-KontaktformularenoderWebshops

Einzug in den Mittelstand.

Das reicht nicht! Und wo es nicht

am Willen mangelt, fehlt die digitale

Fachkompetenz. Sogenannte Digital Natives

finden sich sehr oft nur im IT-Wirtschaftszweig.

Digitalisierung ist aber ein

branchenübergreifendes Thema. Der

Mangel an versiertem Fachpersonal im

Zusammenhang mit fehlenden Kenntnissen

bei den Mitarbeitern führt zur Lähmung

des Mittelstandes.

INFOS

Der Bundesverband IT-Mittelstand e.V. (BITMi) ist der einzige IT-Fachverband,

der ausschließlich mittelständische Interessen vertritt. Die Mitglieder sind somit

mittelständische Unternehmen aus allen Bereichen der IT-Branche, die

überwiegend inhabergeführt sind. Im Verband kommen sowohl etablierte IT-Betriebe

als auch Start-ups zusammen. Zudem haben sich neben den direkten

Mitgliedern unter dem Dach des BITMi auch assoziierte Verbände zusammengeschlossen.

Der Verband repräsentiert damit die Interessen von mehr als 2000

Mitgliedern in Deutschland. Es sei das Ziel des BITMi, durch intensive Netzwerkbildung

das Unternehmenswachstum und die Produktivität zubeschleunigen

und die Marktentwicklung voranzutreiben.


INNOVATIVE IT-TECHNOLOGIE, DATENSCHUTZ &BÜROMANAGEMENT 21

Effizient entlasten durch neue

Technologien

Büromanagementkräfte stecken ein breites Portfolio ab: Innovative Technik bedeutet für diese eine ungemeine Erleichterung. Wie

wichtig das ist, erklärt Rosemarie Rehbein, Vorstandsvorsitzende des Bundesverbands Sekretariat und Büromanagement (bSb).

„Es kommt häufiger vor, dass

Führungskräfte und Mitarbeiter

auf der ganzen Welt verteilt und

nicht vor Ort in Deutschland sind,

sodass diese virtuell vernetzt

werden müssen.“

Rosemarie Rehbein, Vorstandsvorsitzende des

Bundesverbands Sekretariat und Büromanagement

Industrie 4.0, Internet der Dinge

oder Big Data —moderne IT-Technologien

bringen neue Herausforderungen

mit sich.

Auch das Büromanagement

wirddavon beeinfl

usst, und

zwar nachhaltig: „Der Assistent,

der von den Möglichk

Gebrauch macht, Aeiten

schafft Freiräume, um beispielsweise

mehr Managementaufgaben

zu

übernehmen“,

sagt die Vorstandsvorsitzende

des Bundesverbands

Sekretariat

und Büromanagement

(bSb), Rosemarie

Rehbein.

Reisemanagement,

Projektmanagement,

das

Organisieren von

Sitzungen —auf nationaler und internationaler

Ebene —oder das Arbeiten für

virtuelle Teams sind Aufgabenbereiche,

denen sich Büromanagementkräfte widmen.

Fürdie Office-Management-Ausbildung

gebe es viele Begriffe. Die Schwerpunkte

seien meist unterschiedlich gesetzt.

Sie können auf dem kaufmännischen

Bereich, der Internationalisierung,

dem Projekt- oder Teammanagement liegen.

Insbesondere das Thema Digitalisierung

spielt eine Rolle. Denn:„Es kommt häufiger

vor, dass Führungskräfte und Mitarbeiterauf

der ganzen Welt verteilt und

nicht vorOrt in Deutschland sind,sodass

diese virtuell vernetzt werden müssen“,

erklärt die Vorstandsvorsitzende.

Wo wie viele Büromanagementkräfte

zum Einsatz kommen, ist ganz unterschiedlich:

Manches große Handwerksunternehmen

benötigt zwei, während sowohl

ein 20-köpfiges Vertriebsteam als

auch eine Führungskraft jeweils eine Assistenz

für sich beanspruchen. „Ein funktionierendes

Büromanagement führt dazu,

dass sich insbesondereFührungskräfte

auf die wirklich wichtigen und gewinnbringenden

Aufgaben konzentrieren

können“, weiß Rehbein. Alles, wasauf Effizienz

ausgelegt sei, bedeuteEntlastung.

Sie selbst warüber 20 Jahreals Assistentin

auf Geschäftsleitungsebene für exportlastige

Unternehmen tätig. Rehbein

leitete die Kölner bSb-Regionalgruppe

und war Mitglied des Verbands, dessen

Vorstandsvorsitzendesie seit nun anderthalb

Jahren ist. Um die 20 Schulen sind

dem Bundesverband Sekretariat und Büromanagement

angeschlossen, die zertifizierte

Weiterbildungen durch Präsenzund

Fernlehrgängeermöglichen. Weiterbildung

und Netzwerken

seien die

zentralen Ziele des

1000 Mitglieder

starken Vereins.

„Wir haben

deutschlandweit 15

regionale Gruppen,

in denen sich unsere

Mitglieder monatlich

treffen, um up

to date zu bleiben.

Einmal im Jahr findet

dann ein größeres

Office Forum

mit Fachvorträgen

zum gegenseitigen

Austausch statt, an

dem Vertreter von

kooperierenden

Unternehmen teilnehmen“,

sagt Rehbein.

Zukünftig solle

auch in Münster

eine Regionalgruppe

etabliert werden.

Kristina Hinz

Weitere Informationen

zum Verband

sowie zu Lehrgängen

gibt es online:

https://bsboffice.de/

Rosemarie Rehbein, Vorstandsvorsitzende des Bundesverbands Sekretariat und Büromanagement

(bSb), gibt einen Einblick in das Berufsbild der Büromanagementkraft und den

Nutzen der Digitalisierung für dieses.

Bundesverband Sekretariat und Büro

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SPIT

INNOVATIVE IT-TECHNOLOGIE,

DATENSCHUTZ &

BÜROMANAGEMENT 22

Karl-Heinz Kemmann, Geschäftsführender Gesellschafter von Westermann‘s Lettershop, hat einen IT-Hintergrund

und kennt somit die Entlastung, die technische Innovationen mit sich bringen.

Kristina Hinz

Digital

aufgeschlossen

Westermann’s Lettershop bietet die verschiedensten

Serviceleistungen in Sachen Versand.

Zahlscheine ausfüllen, Gutscheine

mit Namen versehen, Zeitschriften

verpacken, Adressen aufb

ereiten, sicherstellen,

dass diese mit dem richtigen

Porto versehen sind und versenden

—bei Westermann’s Lettershop

an der Fuggerstraße 3inMünster-Hiltrup

sind Serviceleistungen in

allen Versandangelegenheiten möglich.Drei

Mal am Tagkommt ein

Lastwagen und holt die

Post ab. 800 000 Aussendungen

verzeichnet der

Betrieb etwaimMonat. Direktwerbung

und Werbemittel-Logistik —

darauf hat sich das Unternehmen spezialisiert,

das mittlerweile 30 Jahre besteht,

verrät Karl-Heinz Kemmann, der seit

2011 Geschäftsführender Gesellschafter

ist. 30 Mitarbeiter sind dort beschäftigt,

die teils die GeräteimBlick behalten, teils

von Hand Arbeit leisten. „Fürs Kalender

rollen und verpackengibt es zum Beispiel

keine Maschine —das ist eine händische

Tätigkeit. Denn selbst im digitalen Zeitalter

ist der Bedarf dafür noch da“, sagt

er. Auch bei schwer verarbeitbarem

Papier sei das notwendig.

„Digitalem gegenüber sind wir aber aufgeschlossen“,

hebt er hervor. Kemmann

selbst kommt aus der IT-Branche und

übernahm zunächst die technische Leitung

des Unternehmens. Dementsprechend

wussteerumdie Erleichterung bei

der Datenverarbeitungdurch einelektronisches

Archiv.

In diesem sind alle Aufträge gesammelt.

„Früher ist eine Mitarbeiterin dafür ins

Archiv gegangen und hat den Auftrag

raussuchen müssen“, erklärt Kemmann.

„Wenn Kunden heutesagen ‚So wie beim

letzten Mal‘ und 2000 Aufträgeliegen dazwischen,

können wir den richtigen

schnell und einfach raussuchen.“

Das Thema Datenschutz ist dem Geschäftsführer

wichtig. Er sagt: „Das Wertvollste

sind unsere Daten. Ich möchte es

nicht riskieren, dass diese durch Unachtsamkeit

in die falschen Hände geraten.“

Dafür arbeitet der Unternehmer eng mit

der Firma DSB Münster zusammen, die

auf IT-Sicherheit und Datenschutz spezialisiert

ist.

„Früher haben wir die Kundendaten noch

mit gebrannten CDs erhalten, heuteläuft

alles über digitalen Weg.“ KristinaHinz

Telefon 0251 / 690-908419

lars.normann@aschendorff.de

Soester Str. 13, 48155 Münster

Telefon 0251 / 690-908418

frank.micheel@aschendorff.de

Soester Str. 13, 48155 Münster

Westermann‘s Lettershop übernimmt nicht nur den Versand, sondern auch die Personalisierung

der zu druckenden Inhalte.

Foto: Westermann´s Lettershop GmbH


INNOVATIVE IT-TECHNOLOGIE, DATENSCHUTZ &BÜROMANAGEMENT 23

Versicherungen 2.0

Vor allem Großunternehmen setzen auf Cyberversicherungen. Rund 14 Prozent haben Policen gegen digitale

Angriffe abgeschlossen.

„Eine Cyberversicherung kann eine

sinnvolle Ergänzung im

Risikomanagement sein, ersetzt

aber keine robuste IT-Sicherheit.“

Susanne Dehmel, Mitglied der

Bitkom-Geschäftsführung

In der deutschen Industrie wächst

der Markt für Cyberversicherungen:

Jedes siebte Industrieunternehmen

(14 Prozent) hat bereits eine Versicherung

gegen digitale Wirtschaftsspionage,

Sabotage oder Datendiebstahl

abgeschlossen.Vor zweiJahren

waren eserst elf Prozent.

Das ist das Ergebnis einer

Studie des Digitalverbands

Bitkom, für die 503 Geschäftsführer

und Sicherheitsverantwortliche

quer

durch alle Industriebranchen repräsentativ

befragt wurden. So planen weitere13

Prozent der Industrieunternehmen konkret,

eine solche Versicherung abzuschließen.

Fast

ein Drittel (30

Prozent) diskutiert

solch ein Vorhaben.

Für vier

von zehn Unternehmen

(38 Prozent)

ist eine Cyber-Police

weiterhin

kein Thema.

„Eine Cyberversicherung

kann

eine sinnvolle Ergänzung im Risikomanagement

sein, ersetzt aber keine robuste

IT-Sicherheit“, sagt Susanne Dehmel,

Mitglied der Bitkom-Geschäftsführung.

„Nur werbei der IT-Sicherheit gut aufgestellt

ist, kommt auch als Versicherungsnehmer

in Frage.

Vor allem Großunternehmen setzen sich

Cyberversicherungen können nach Attacken beispielsweise die Kosten für die Reparatur von IT-Systemen übernehmen.

Foto: dpa

mit Cyberversicherungen auseinander.

Ein Drittel der Unternehmen mit mehr als

500 Mitarbeitern (32 Prozent) hat sich

bereits gegendigitale Angriffeversichert.

Bei mittelgroßen Unternehmenzwischen

100und 499 Beschäftigten ist es fast ein

Viertel (23 Prozent), bei kleineren von

zehn bis 99 Mitarbeitern erst jedes zehnte

Industrieunternehmen (zehn Prozent).

Bei der Bewertung, inwiefern sich Cyberversicherungen

gelohnt haben, ist die Industrie

geteilter Meinung. Für drei von

zehn Unternehmen (28 Prozent), die in

den letzten zwei Jahrenvon digitalenAngriffen

betroffen waren und eine Cyberversicherung

abgeschlossen haben, hat

sich die Police gelohnt.

„Cyberangriffe können jeden treffen,

egal wie gut ein Unternehmen geschützt

ist“, so Susanne Dehmel. „Unternehmen

und Versicherungsgeber sollten klar definieren,

bei welchenVorfällen eine Cybersicherung

greift und wie mögliche Schadensfälle

nachgewiesen werden“, sagt

sie.

Cyberversicherungen können nach Attacken

etwa die Kosten für die Reparatur

vonIT-Systemen oder die Wiederherstellung

von Daten übernehmen. Abgedeckt

sind in der Regel auch Schäden, die bei

einer Betriebsunterbrechung entstehen.

Neben externen Angriffen sind je nach

Police auch Bedienungsfehler durch Mitarbeiter

oder technische Störungen mitversichert.

Unternehmen können sich zudem

gegen eigene Datenschutzverstöße

absichern.

Wirtschaftsschutz ist allgemein ein bedeutendes

Thema für die Industrie. Laut

einer aktuellen Bitkom-Studie ist Industrieunternehmen

in den vergangenen

zwei Jahren ein Gesamtschaden von43,4

Milliarden Euro durch Sabotage, Datendiebstahl

oder Spionageentstanden. Sieben

vonzehn Industrieunternehmen (68

Prozent) sind in diesem Zeitraum Opfer

geworden,jedes fünfteUnternehmen (19

Prozent) vermutet dies.

pm

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6MonateDatenschutzgrundverordnung (DSGVO)

–ein Rückblick undAusblick

Nach Inkrafttreten der Datenschutzgrundverordnung(DSGVO)am

25.5.2018 geht das Frauenhofer Institut ineiner aktuellen Erhebung

davon aus, dass ca. 25% der Unternehmen die „DSGVO“

umgesetzt haben. Davonjedoch nur 12 %entsprechend gesetzeskonform

bzw. ausreichend.

Natürlich ist man gerade in punkto Datenschutz nie fertig, sondern

hat einen Prozess, der stetigen Anpassungen und dem Fortschritt

aus den unterschiedlichsten Fachbereichen, insbesondere

bei der Gesetzgebungund der EDV/IT unterliegt.

Die von einem Großteil der Medien und unseriösen Anbietern

prophezeite Abmahnwelle ist ausgeblieben. Fachlich betrachtet

sicher aus zweierlei Gründen. Zum einen, weil bindende Rechtsprechungen

gefehlt haben, zum anderen, weil die Landesbehörden

bzw.die Landesdatenschutzbeauftragten Bußgelder fürleichte

und mittlere Vergehen bis Ende 2018 ausgesetzt haben.

Schlussendlich muss man der Tatsache Rechnung tragen, dass

Teile der Landesdatenschutzbehörden hoffnungslos überfordert

warenund auch heutenochsind.

DurchKontakte, in Richtung derLandesbehörden, siehtman deutlich,

dass die Grenzen zur verantwortungsvollen Handlungsfähigkeit

bald erreicht sind. Nicht umsonst kann man beinahe täglich

lesen, dass mehr Ressourcen (personell oder finanziell) gefordert

werden, um den weitreichenden Aufgaben gerecht zu werden.

Die Behörden sind nämlich sehr wohl darauf aus, Kontrollen

durchzuführen und bereiten solche Prozesse bereits vor.

Wir haben es bereits bei zahlreichen unserer externen Datenschutzmandate

wie Konzernen, mittelständischen Unternehmen,

Handelsunternehmen sowie Dienstleistern aus den unterschiedlichsten

Branchen erlebt, dass die Landesbehörde (nicht nur

NRW) bei Datenschutzverstößen eingeschaltet wurde und Stellungnahmen

oder Querschnittsprüfungen angefordert wurden,

um eröffnete Verfahren zu bewerten oder einzustellen.

Interessantist,dass Verstöße zumGroßteil vonMitarbeiternoder

dem Wettbewerb untereinander gemeldet wurden. Hier sieht

man, wie wichtig eine qualifizierteUmsetzung der „DSGVO“wird.

Rechtsanwältehaben beispielsweise Checklisten, diesich auf Verfehlungen

bei der Umsetzung der „DSGVO“ beim ehemaligen Arbeitgeber

beziehen. Datenschützer von Konzernen prüfen regelmäßig,

ob die „DSGVO“ beim direkten Wettbewerber

gesetzeskonform umgesetzt wurde.

Aus diesen Gründen, stellen sich Unternehmer immerwieder die

Frage, ob man einen internen Datenschutzbeauftragten (DSB)

oder einen externen Datenschutzbeauftragten (DSB) für die

Wahrnehmung der Interessen des Unternehmens bestellen sollte.

Hier sind die Argumentationen weitreichend nachvollziehbar im

Internetdargestellt.

---

Wir können jedoch an dieser Stelle die Hilfestellung geben, die

folgenden Themenbereiche danach zu beurteilen, in wie weit der/

die für den Datenschutz infrage kommende Mitarbeiter/in befähigt,bzw.qualifiziert

istdiese rechtssicherzubegleiten und/oder

umzusetzen:

(1) Ist die Website mitsamt Impressum, der Datenschutzerklärung,

etc. „DSGVO“ konform …

(2) Ist der gesamte Bewerberprozess „DSGVO“ konform (manuell

wiedigital)…

(3) Sind alle Verfahren identifiziert, dokumentiert und können

bewertet werden, wann eine Risikofolgeabschätzung (RFA)

durchgeführt werden muss …

(4) Sind Auftragsverarbeitungsverträge (AVV)erstellt? Der Empfängerkreis

bestimmt und die Verträge ausgesteuert und

nachgefasst?

(5) Sind im Rahmen der Mitarbeiterverpflichtungserklärungen

die Dokumente bzw. Betriebsvereinbarungen „DSGVO“ konform

erstellt? Insbesondere in Bezugauf die Verwendung von

Video-/Bildrechten, denEDV Nutzungs-/Kennwortrichtlinien,

Vertraulichkeits- und Datenschutzvereinbarungen …

(6) Können und wurden die Mitarbeiter durch den/die Datenschützer/in

qualifiziert geschult? Dazu gehört unserer Sicht

auch eine Unterweisung zurDatensicherheit.

(7) Sind alle Dokumente (EDV Dokumentation, etc.) zur Ausarbeitung

der technisch-organisatorischen Maßnahmen vorhanden?

(8) Können die Auditierungen, Dokumentationen und Datenschutzhandbücher

korrekterstelltwerden?

(9) Wird an allen datenschutzrelevantenStellen über die Betroffenenrechte

informiert und kann die Nachweispflicht erfüllt

werden?

(10) Wie werden datenschutzrelevante Themen wie Heimarbeitsplätze,

GPS Management, Videoüberwachung, das Mobile

Device Management („whatsapp“, etc.) unternehmensweit

umgesetzt.

Gerade bei diesen Fragestellungen merkt man als Betroffener

schnell, dass auch die Rechtsbereiche wie das Arbeitsrecht(ArbR),

das Wettbewerbsrecht (UWG), Arbeitsschutzgesetz (ArbSchG)

und das Handelsgesetz (HGB) betroffen sind bzw. in diesen Bereichen

Abstimmungen erforderlich werden.

Sollte es einen Betriebsrat geben, müssen z. B. alle Mitarbeiterverpflichtungen,

wie auch die Betriebsvereinbarungen, durch den

Betriebsrat mitbeurteilt werden. Hier sollte man dann auch das

Betriebsratsmanagement imRahmen des Datenschutzes beherrschen

und auch auditieren können.

---

Kurz um: Durch Vorgänge wie die ePrivacy Verordnung, die 2019

in Kraft treten wird, der evtl. „Brexit“ und die Möglichkeit, die

Datenschutzgesetze/-verordnungen auf Länderebene individuell

zu verabschieden, ergeben sich unzählige weitere Problemstellungen.

Unbeachtet sind dabei die neuen Richtlinien beim online-Handel.

Stellt man sich vor, nun noch Niederlassungen in unterschiedlichen

Bundesländern oder gar inLändern innerhalb und/oder

Anzeige

außerhalb der Europäischen Union zu unterhalten, wird estatsächlich

kompliziert.

Das Thema „DSGVO“ wird inden kommenden Jahren eher mehr

Aufwand bedeuten, als dass man es in einem Unternehmen als

abgeschlossen betrachten kann. Dies gilt besonders, wenn es die

ersten rechtskräftigen Urteile gibt. Denn diese lassen dann eine

Interpretation der jeweiligen Artikel der „DSGVO“ zu, die dann

wiederrum Prozess-Anpassungen im Unternehmensumfeld nach

sich ziehen können,die wiederrum neu auditiert werden müssen.

Bei allem Aufwand,den die „DSGVO“nach sich zieht, ergebensich

allerdings auch wichtige Synergie-Effekte, die dem Unternehmen

die Chance bieteneinen erheblichen Mehrwert aus der „DSGVO“

zu ziehen. Diese Punkte könnendann bei einer späterenISO Zertifizierung,

DDV Siegeln und anderen qualitativen Zertifikaten hilfreich

sein undKostenminimieren.

Es ist also die Aufgabe des Unternehmers, sich eine qualifizierte

Stelle aufzubauen, die allumfassend qualifiziert und vor allem

nachhaltigden Anforderungen des Datenschutzesgewachsen ist.

ZumAutor:

Carsten vanStraelen Berndvan Straelen Daniel Wilmes

DanielWilmes istGesellschaftereiner seit 2006 in Münsteransässigen

Holding-Gesellschaft –der trans-acta Unternehmensgruppe.

Herr Wilmes verantwortet die Entwicklung der Geschäftsbereiche

(Business Development) und betreut mit

seinen Geschäftspartnern Carsten van Straelen und Bernd van

Straelen sowie den 15 Mitarbeitern über 200 Kundenaus dem

Mittelstand.Schwerpunkte setzen hierbei die Qualifikationsbereiche

EDVDienstleistungen, Datensicherheit und Datenschutz.

www.trans-acta.de

trans-acta –Datenschutz und IT

„Weprotect and serve“

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Erfolgsfaktoren von Bechtle. Die

regionale Präsens an den wirtschaftlich attraktiven

Standorten ist daher ein wichtiges

Kriterium der unternehmerischen Expansion.

Eine weitereLücke, hat Bechtle im November

in Osnabrück –die viertgrößte Stadt in Niedersachsen

–geschlossen. Dort wurde das

IT-Systemhaus als Niederlassung des bestens

etablierten Bechtle Standorts in Münster eröff

net.

terinnen und Mitarbeiter sind beste Grundlage

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Zu den Kernkompetenzen beider

Standorte zählen auch Lösungen speziell im

Rechenzentrum. Kunden profitieren hier insbesondere

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Microsoft VMware, Veeam, Cisco, HPE, Dell/

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Account Managerin Jana Seewald, Account Manager Stefan Wessler (v.l.)

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der Metropolregion Münster/Osnabrück und

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der Kolleginnen und Kollegen hin.

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for Business, MDM, SQL, Exchange, SystemCenter, PKI und PowerShell.

Weitere Workshops von namenhaften Herstellern wie zum Beispiel

CheckPoint, Cisco, Citrix, Commvault, Datacore, HP, IBM, Linux, NetApp,

Oracle, Vmware und Veeam gehören ebenfalls zu unserem Portfolio.

Zusätzliche Schwerpunkte liegen im Bereich Digitales Lernen und Modern

Workplace.

Foyer des Schulungszentrums

Bechtle GmbH &Co. KG

Martin-Luther-King Weg4·48155 Münster

Niederlassung Osnabrück

Am Tie 1·49086 Osnabrück

Telefon (0251) 14133-0 ·E-Mail: muenster@bechtle.com ·www.bechtle.com

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