Dölger_03.11.2017

Oberstech

Von Auschwitz nach Plön –

Für 350 ungarische Jüdinnen endete

die nationalsozialistische Verschleppung

am 4. Mai 1945 in Plön

Von Karsten Dölger

Am 8. Mai 1945 erreichte die 6. Guard Armoured Brigade unter Brigadier

W. D. C. Greenacre die Kreisstadt Plön. Die britische Einheit

kam mit dem Auftrag, nach der bedingungslosen Kapitulation die

Verwaltung des Kreises zu übernehmen. Im Kriegstagebuch sind im

Eintrag zum 9. Mai die dringendsten Probleme, die beim Eintreffen

ausgemacht wurden, notiert worden. Zunächst mussten Unterkünfte

für die Brigade und nachrückende Einheiten beschlagnahmt werden.

Weil entgegen ursprünglich anders lautender Pläne auch das

Hauptquartier des 8. Corps im Plöner Schloss eingerichtet werden

sollte, entstand zusätzlicher Raumbedarf. Bereits am Tag zuvor hatte

Greenacre festgehalten, die Bevölkerung im Kreis sei durch die Ankunft

von Flüchtlingen aus Mecklenburg und Ostpreußen um 300%

angestiegen. Um die eintreffenden 1.500 Offiziere und Mannschaften

unterzubringen, müsse man Häuser und Lager der Zivilbevölkerung,

der Flüchtlinge und von Resten der deutschen Wehrmacht freimachen

und diese in „die letzte verfügbare Ecke quetschen“. Schließlich

erwähnt Brigadier Greenacre ein offenbar besonders drängendes

Problem: 350 ungarische Frauen, die von den Briten befreit worden

waren und auf „ihrem Treck nach Westen unter entsetzlichen

Bedingungen hätten leben müssen und nun halb verhungert“ seien,

müssten untergebracht und versorgt werden. 1

Mindestens 109 dieser im Mai 1945 in Plön befreiten Jüdinnen sind

allein oder in Gruppen zwischen Juli und September 1945 in Budapest

beim Landesdeportiertenkomitee für die Deportiertenfürsorge

(DEGOB) zu ihrer Verfolgung und Verschleppung befragt worden

und haben in 18 Einzel- und Gruppenberichten Zeugnis abgelegt. 2

Die Protokolle dieser Befragungen, die meist den Stempel „The Jewish

Agency for Palestine“ tragen, sind von der Gedenkstätte Yad

Vashem in Jerusalem in deren Digital Archives ins Netz gestellt worden.

Die z. T. recht knapp gehaltenen Angaben zu Herkunft, Verhaftung,

Ghettoaufenthalt, Verschleppung nach Auschwitz-Birkenau

und später weiter in das Außenlager des KZ Neuengamme in Lübberstedt-Bilohe

bei Bremen und schließlich die »Evakuierung«, die

in Plön endete, bilden die Grundlage für diesen Aufsatz. Trotz der

1


Zahl der Gesprächsprotokolle und deren relativer zeitlicher Nähe

zu den Ereignissen wird es nicht möglich sein, den Ablauf der Ereignisse

und die Vorgänge in wünschenswerter Exaktheit zu rekonstruieren,

zu ungenau und auch widersprüchlich sind die Angaben

in den Protokollen. Vielleicht kommt aber gerade den zuweilen verschwommen

wirkenden Angaben ein ganz eigener Quellenwert zu:

war doch die Behandlung der Frauen zwischen März 1944 und Mai

1945 bei äußerster körperlicher Ausbeutung auf zeitliche und räumliche

Desorientierung hin angelegt. Am Kern der dargestellten Ereigniskette

hingegen besteht auch Dank der gründlichen Recherche

und Dokumentation durch die Mitglieder des Arbeitskreises „Muna

Lübberstedt“ kein Zweifel. In der Lufthauptmunitionsanstalt (Muna)

Lübberstedt waren die Frauen als Zwangsarbeiterinnen in der Rüstungsproduktion

eingesetzt. 3 Ergänzt werden können die Aussagen

der Protokolle aus dem Sommer 1945 durch Vernehmungsmitschriften

eines Vorermittlungsverfahrens wegen einiger Tötungsdelikte im

KZ-Nebenlager Lübberstedt-Bilohe. Zwischen 1967 und 1974 wurden

ehemalige Häftlinge, die in den USA und in Israel ausfindig

gemacht werden konnten, zu ihrer Verschleppung und besonders

den Vorfällen in Lübberstedt befragt. 4 Mit einigen Aktenfunden im

Plöner Stadtarchiv können speziell die Ereignisse im Mai 1945 in

Plön präzisiert werden.

2

Abb. 1: Stationen der nationalsozialistischen Verschleppung

der ungarischen Jüdinnen


Verhaftungen in der Karpatenukraine

Am 26. Juli 1945 fand sich Gizella Ickovic mit ihren drei Töchtern

Malvin, Edit und Friederika beim Landesdeportiertenkomitee für die

Deportiertenfürsorge (DEGOB) in Budapest ein, um ihre Angaben

bei der Protokollantin Lilly Blau zu machen. 5 Ihre hebräischen Vornamen

Malvina, Sheindy und Frimet gaben die Mädchen bei dem

Gespräch nicht an. 6 Die Familie

stammte aus einem kleinen Flecken

von 10.000 Einwohnern,

der auf Ungarisch Técsö heißt.

Gut 20% der Einwohner waren

Juden, deren Muttersprache

meist Jiddisch war. 7 Der Ort liegt

in der Karpatenukraine, die vor

dem Ersten Weltkrieg als Komitat

Máramaros zum ungarischen Teil

der habsburgischen Doppelmonarchie

gehörte und nach deren

Auflösung nach dem Ersten Weltkrieg

im Vertrag von Trianon der

Tschechoslowakei zugesprochen

wurde. Bereits im März 1939 profitierte

Ungarn von Hitlers „Zerschlagung

der Resttschechei“ und

annektierte das Gebiet. Zum Zeitpunkt

der Verhaftung gehörte die

Region also zu Ungarn. Heute ist

die Region als „Oblast Transkarpatien“

Teil der Ukraine und Técsö

heißt auf Ukrainisch Tjatschiw.

Bemerkenswert erscheint, dass

von den 109 interviewten der in

Plön gestrandeten Frauen 96 aus

der Karpatenukraine stammten,

davon wiederum besonders viele

aus Técsö. So ist es wenig erstaunlich,

dass sich ihr Schicksal

in vielen Aspekten ähnelt. Die Eltern

Abraham und Gizella Ickovic

betrieben in Técsö in der Mehali

Gabor Straße eine kleine Textilfabrik

mit 18 Angestellten. „Pansky

Abb. 2: Die Familie Ickovic um

1930: v. l. n. r. Ludvic, Abraham,

Gizella, Frimet, Sheindy und

Malvina Ickovic. Mit Ausnahme

des zum Arbeitsdienst eingezogenen

Ludvic wurden alle Familiemitglieder

im Mai 1944 nach

Auschwitz-Birkenau deportiert.

Die vier Frauen wurden in Plön

von den Briten befreit, Abraham

Ickovic wurde nach der Räumung

des Konzentrationslagers

auf einem Todesmarsch erschossen.

(Quelle: United States Holocaust

Memorial Museum in Washington

D. C., courtesy of Leo &

Edith Cove)

3


a Damsky Krejci“ lautete der Firmenname auf Slowakisch (=Herren

und Damen-Konfektion). Die Töchter Malvin und Edit waren dort

beschäftigt, vielleicht auch einige andere der Gruppe, denn viele

waren Näherinnen oder Schneiderinnen. Ehrenamtlich bekleidete

Abraham Ickovic das Amt des Vorsitzenden der Jüdischen Gemeinde

in Técsö. Zur Familie gehörte auch der Sohn und Bruder Ludvic.

Abb. 3: Geschäftsinhaber Abraham Ickovic (im Eingang links) 1929

zusammen mit Familienmitgliedern und Angestellten vor der Damen-

und Herren Schneiderei (Pansky a Damsky Krejci) in Técsö/

Tacovo/Tjatschiw in der Karpatenukraine. In der ersten Reihe v. l. n.

r. Malvina Ickovic, Azik Miller, Katz, Jiddel Jakubovics, Shia Motyovics,

Mendel Regenstreif, Hersh Davidovics, Shonyi Miller und Sheindy

Ickovics. (Quelle: United States Holocaust Memorial Museum in

Washington D. C., courtesy of Leo & Edith Cove)

Am 16. April 1944 wurde in Técsö ein Ghetto eingerichtet, indem einige

Straßenzüge abgeriegelt wurden. 8 Die Einrichtung von Ghettos

in der Karpatenukraine und anderen Teilen Ungarns stand in direktem

Zusammenhang mit dem deutschen Einmarsch nach Ungarn im

März 1944. Der von der nationalsozialistischen deutschen Regierung

abhängige Ministerpräsident Kallay (März 1942 bis März 1944) hatte

bis dahin dem deutschen Drängen auf Deportation der Juden

widerstanden. Die Weigerung, in der „Judenfrage“ zu kooperieren,

wurde in Berlin als Zeichen für eine Annäherung Ungarns an die

4


Alliierten und folglich als Signal zum Eingreifen gewertet. Für die

750.000 bis dahin relativ unbehelligt in Ungarn lebenden Juden war

das eine Katastrophe, denn unmittelbar vor dem deutschen Eingreifen

in Ungarn war im KZ Mauthausen unter der Leitung von Adolf

Eichmann ein Sondereinsatzkommando aus erfahrenen Deportationsspezialisten

gebildet worden. Innerhalb kürzester Zeit wurde

die Deportations- und Mordmaschinerie in Gang gesetzt: Zunächst

wurde die Verdrängung aus dem Wirtschaftsleben eingeleitet, die

Kennzeichnungspflicht folgte am 7. April, dann folgten die Einrichtung

von Ghettos und die Verhaftung und Deportation der jüdischen

Bevölkerung dorthin. Die Verfolgungen begannen in der erst kürzlich

an Ungarn angegliederten Karpatenukraine. Mit dieser Strategie

sollten die Juden „Altungarns“ in dem Glauben gelassen werden, die

alteingesessenen Juden Ungarns hätten nichts zu befürchten. 9

In größeren Ortschaften wie in Técsö bildeten abgeriegelte Straßenzüge

die Ghettos. Häufig nutzte die Gendarmerie aber auch das

Gelände von Ziegeleien. Auch die jüdische Bevölkerung kleinerer

Ortschaften wurde in diese Ghettos gebracht. 10 Eine Leidensgenossin

der Frauen der Familie Ickovic auf dem Weg nach Plön, Eszter

Rosenfeld, gab zu Protokoll, sie stamme aus Bedöháza (ukr. Bedevlya),

einer kleinen Gemeinde in den Karpaten und sei dort am 23.

Dezember 1922 geboren worden. Später bezeichnete sie immer Técsö

als ihre Heimatstadt. 11 Insgesamt hätten in Bedöhaza etwa fünfzig

jüdische Familien gelebt. Es seien zumeist arme Leute gewesen, „die

sich schlecht und recht von ihrer Hände Arbeit ernährten“, sie selbst

sei Näherin von Beruf. Sie fährt dann fort: „Einen Tag nach Ostern,

am 16. April 1944, wurden mit den übrigen Juden aus Bedöháza

auch ich und meine Familie, die aus den Eltern und zwei Schwestern

bestand, nach dem Getto von Técsö gebracht. Dort wurde von

den ungarischen Gendarmen und den Grenzjägern ein sehr strenges

Regiment geführt, das vor allem im Ausgehverbot zum Ausdruck

kam.“ 12

Auch die Schwestern Ickovic und ihre Mutter berichten vom brutalen

Vorgehen der ungarischen Gendarmen. Der Familienvater Abraham

sei nur deswegen geschlagen worden, weil er versäumt habe

zu melden, wie viele Personen in ihrem Haus lebten. 13 Eine Gruppe

von zehn Frauen aus dem kleinen Ort Visk (ukr. Vyshkovo) im Tal

der Theiß berichtet, das Ghetto in Técsö sei für die etwa 6000 Juden

viel zu klein gewesen. Da man gegenüber der Gendarmeriestation

untergebracht worden sei, habe man die schweren Misshandlungen

durch die 40 ungarischen Gendarmen mitansehen können. Mit Gewalt

hätten die Gendarmen versucht, die Juden zur Preisgabe von

5


Verstecken von Wertsachen zu bewegen. Besonders erschreckend

sei gewesen, dass alles ganz offen, ohne jeden Versuch der Verheimlichung

geschehen sei. 14

Deportation nach Auschwitz-Birkenau

Die Deportationen aus den Ghettos der Karpatenukraine begannen

am 27./28. April 1944 mit zwei Sonderzügen mit je 4.000 jüdischen

Männern und Frauen. Vorgesehen war, täglich vier Transporte mit

zusammen 12.000 Juden in das Vernichtungslager nach Auschwitz-

Birkenau zu schicken. 15 Bereits am 2. Juni waren die Deportationen

aus den Zonen I (Karpatenukraine) und II (Transsilvanien) mit

zusammen 289.357 Deportierten vollständig vollzogen. Die ganze

Aktion der Verschleppung ungarischer Juden fand mit einer Großaktion

in Budapest am 9. Juli 1944 ihren Abschluss. 16

Die Juden aus den umliegenden Dörfern wurden am 22. Mai 1944

von Técsö nach Auschwitz-Birkenau deportiert, die Técsöer Juden

folgten am 26. Mai. 17 Bereits der Weg vom Ghetto zum Bahnhof war

von gewalttätigen Übergriffen des Wachpersonals begleitet. Piroska

Fuchs berichtet außerdem, sie seien ständig zur Eile angetrieben

worden. Sie fügt hinzu: „Die Ungarn hatten es anscheinend sehr

eilig, die Juden aus ihrem Lande zu entfernen. Auch von Seiten der

Zivilbevölkerung erfuhren wir nicht nur keine aktive Hilfe, sondern

man konnte nur Schadenfreude sehen.“ 18 Die Fahrt in den mit 60

bis 70 Personen völlig überbelegten Viehwaggons dauerte meist drei

bis vier Tage. 19 Als Eszter Rosenfeld mit ihrer Familie Ende Mai in

Auschwitz-Birkenau anlangte, fand die „Selektion“ bereits innerhalb

des Lagergeländes statt. Erst am 9. Mai 1944 hatte der Lagerleiter

Rudolf Höß die Verlegung der Rampe in den Lagerkomplex von

Auschwitz-Birkenau hinein abschließen können. Angesichts der großen

Zahl zu erwartender Juden aus Ungarn sollte der Ablauf der

Entscheidung, ob die ankommenden Häftlinge zur Zwangsarbeit

oder zur Ermordung in den Gaskammern ausgewählt wurden, beschleunigt

werden. 20

Hintergrund für diese „Selektionen“ war, dass in der letzten Kriegsphase

neben die rasseideologisch begründete industrielle Massentötung

in den Gaskammern eine umfassende Einbeziehung der KZ-

Häftlinge in die deutsche Rüstungsproduktion getreten war. In den

„Selektionen“ auf der Rampe von Auschwitz-Birkenau wurden von

den SS-Ärzten diejenigen ausgewählt, die für die unter dem Druck

eines erheblichen Arbeitskräftemangels stehende Rüstungsindustrie

zur Verfügung gestellt werden sollten, die anderen kamen sofort in

die Gaskammern. 21 In allen Protokollen der in Plön befreiten unga-

6


Abb 4: Jüdische Frauen aus der Karpartenukraine in Auschwitz-

Birkenau. Im Mai 1944 waren sie für Zwangsarbeit ausgewählt

worden und warteten auf die Verlegung in einen anderen Lagerabschnitt.

Auf dem Bild hat Leo Cove (= Ludvic Ickovic) ganz links am

Bildrand seine Schwester Frimet (Fritzi) Ickovic identifiziert. Fritzi

Ickovic wurde am 4. Mai 1945 in Plön von den Briten befreit. Das

Bild stammt aus dem „Auschwitz-Album“. Auf insgesamt 193 Photographien

dokumentierte SS-Hauptscharführer Bernhardt Walter,

Leiter des Erkennungsdienstes in Auschwitz, im Mai 1944 Ankunft,

„Selektion“ zur Zwangsarbeit und Weiterleitung von Juden aus der

Karpartenukraine. (Quelle: United States Holocaust Memorial Museum

in Washington D. C., courtesy of Yad Vashem, Jerusalem)

rischen Jüdinnen wird die extrem belastende und traumatisierende

Situation auf der Rampe deutlich. Eszter Rosenfeld berichtet von der

Trennung der drei Schwestern von den Eltern, von denen seither jede

Spur fehle. 22 Auch die Familie Ickovic wurde getrennt. Vater Abraham

überlebte Auschwitz, wurde aber auf einem der Evakuierungsmärsche

erschossen. Die Mutter Gizella, damals 46 Jahre alt, hatte sich an

der Rampe zunächst zu den Alten gestellt, ein SS-Aufseher schickte

sie wieder zu ihren Töchtern – und rettete ihr damit vermutlich das

Leben. Bei späteren „Selektionen“ stellten sich die Schwestern und

ihre Mutter nie zusammen in die Reihe, da sie bemerkt hatten, dass

Verwandte bewusst getrennt worden seien, um das Leid zu erhöhen.

Die Strategie war erfolgreich, die vier erreichten gemeinsam Plön. 23

7


Auch die Feldmans kamen im Familienverband nach Auschwitz.

Sie stammten aus Kisvárda. 1930 waren etwa 25 Prozent der knapp

15.000 Einwohner der Stadt Juden. 24 Anders als Técsö/Tjatschiw

war Kisvárda nach dem Ersten Weltkrieg bei Ungarn verblieben

und liegt heute direkt an der Ostgrenze des Landes. Piroska Feldman

war 42 Jahre alt, verwitwet und lebte mit ihren vier Kindern

Erzmébet, Klára, Sándor und Katálin in der Petöfi Straße 3. Auch

diese Mädchen arbeiteten als Näherinnen. Im Haushalt lebten noch

zwei weitere Personen, die 71jährige Schwiegermutter Regina Feldman,

geborene Fleischer, und deren 68jährige Schwester Szeréna

Fleischer. 25 Hier war am 8. April 1944 damit begonnen worden,

ein Ghetto einzurichten. Da die Petöfi Straße zum abgesperrten

Ghettobezirk gehörte, musste die Familie nicht umziehen. Durch

den Zuzug aus anderen Straßenzügen und umliegenden Ortschaften

mussten sich die Feldmans auf einen Bruchteil der Wohnfläche

beschränken, mehrere Familien lebten nun in einem Raum.

Auch hier wurden die Juden von der ungarischen Gendarmerie

misshandelt und ausgeraubt. Am 29. und 31. Mai 1944 wurden sie

in zwei Transporten von jeweils 3.500 Personen nach Auschwitz

deportiert. 26 Dem Zentralverzeichnis der Opfer der Shoa in der

Gedenkstelle Yad Vashem ist zu entnehmen, dass Sándor Feldman,

Regina Feldman und Szeréna Fleischer aus Kisvárda in Auschwitz

ermordet worden sind. 27

Was in Auschwitz-Birkenau geschah, wussten die Frauen bestenfalls

in Ansätzen. Eine von ihnen berichtet, ihnen sei bei der Ankunft

erzählt worden, „daß man die mageren Mädchen deshalb

wegführe, um sie besser zu nähren. Seinerzeit glaubten wir es

auch, da wir damals von Gas und Krematorien noch nichts wussten.“

28 Eine andere gab zu Protokoll, sie habe bei der Ankunft

Flammen aus einem Schornstein schlagen sehen. Das Phänomen

sei ihr durch polnische Häftlinge erklärt worden. „Die erklärten

uns die Flammen und die ganze Tragödie Auschwitz´.“ 29 Fast alle

gaben an, in Block C [gemeint ist Block B II c, d. Vf.] untergebracht

worden zu sein. In drangvoller Enge, mit 14, 16 oder gar 20 habe

man sich eine Pritsche geteilt, ohne ausreichende Kleidung hätten

sie gefroren, es habe durch das Dach der Baracke herein geregnet

und die Nahrung sei schlecht und vollkommen ungenügend gewesen.

Demütigend sei das Scheren der Haare und die Ausgabe

von Kleidung in bewusst falsch gewählten Größen gewesen. Als

besonders quälend werden die ständigen, über viele Stunden sich

hinziehenden Zählappelle geschildert. Nachts um 3 Uhr habe man

sie dazu aus den Baracken geholt. Half man einem ohnmächtigen

8


Abb 5: Das Innere einer Museums-Baracke in Auschwitz-Birkenau

2010 (Quelle: Foto des Verfassers)

Abb 6: Viehwaggon an der Rampe innerhalb des Lagers Auschwitz-

Birkenau 2010 (Quelle: Foto des Verfassers)

9


Häftling, gab es brutale Schläge. Man habe zwar Ziegel schleppen

müssen, aber bei dieser Beschäftigung habe es sich um Schikane,

nicht um notwendige Arbeit gehandelt. 30

Im August 1944 häuften sich die Transportselektionen. Entsprechend

der maximalen Ausbeutung der Arbeitskraft der Häftlinge

wurden solche ausgewählt, die geeignet erschienen, in der Rüstungsproduktion

im Reich eingesetzt zu werden. Die Frauen scheinen

die kleine Überlebenschance, die diese „Selektion“ bedeuten

konnte, erkannt zu haben. Piroska und Sidonia Fuchs gaben nach

der Befreiung an: „Wir stellten uns freiwillig zu dem Transport,

weil wir schon in so schlechtem Zustand waren, dass wir es dort

nicht mehr lange ausgehalten hätten.“ 31 Andererseits bestand aber

die Gefahr, als Familienverband weiter auseinander gerissen zu

werden. Sowohl den weiblichen Mitgliedern der Familie Feldman

als auch denen der Familie Ickovic gelang es, mit der oben

beschriebenen Strategie, sich getrennt voneinander aufzustellen,

geschlossen dem Arbeitstransport der 500 ungarischen Jüdinnen

zugewiesen zu werden. Eszter Rosenfeld gelang es nicht. Sie gab

im Juli 1945 in Budapest zu Protokoll: „Es dauerte drei Monate, bis

ich in einen Arbeitstransport eingereiht wurde, leider aber nur ich

allein, denn meine Schwestern musste ich in Auschwitz zurücklassen.

Von der einen weiss ich bloß, dass sie zur Arbeit in der Küche

eingeteilt wurde; diese Schwester soll am Leben sein und sich irgendwo

in Deutschland befinden. Ebenso soll es meinem Bruder,

der, als wir nach Auschwitz deportiert wurden, zum militärischen

Arbeitsdienst eingerückt war, gelungen sein, am Leben zu bleiben,

und sogar nach Hause zurückzukehren. Von der anderen Schwester

habe ich nichts gehört, weiss also nicht, ob sie überhaupt am

Leben ist.“ 32 Die ausgewählten Frauen kamen zur Desinfektion ins

Bad, wurden mit besserer Kleidung versorgt und dem Lager D [=B

II d, Vf.] zugewiesen. Als dann aber offenbar keine Transportkapazitäten

zur Verfügung standen, mussten sie die Kleidung wieder

abgeben. Stundenlang hätten sie nackt in den Baracken gewartet.

Ob die Angst, nun ins Gas geführt zu werden, dem nach drei

Monaten geschärften Bewusstsein über die Vorgänge im Vernichtungslager

Auschwitz-Birkenau oder einer konkreten Information

entsprang, kann nicht mehr geklärt werden. Einen Tag später wurden

die Frauen erneut zur Desinfektion geführt, Kleidung wurde

wieder ausgegeben, und sie konnten Auschwitz-Birkenau hinter

sich lassen. 33

10


Zwangsarbeit in der Lufthauptmunitionsanstalt (Muna) Lübberstedt-Bilohe

Nach drei oder vier Tagen erreichte der Transport die zwischen

Bremen und Bremerhaven gelegene Muna Lübberstedt. Dabei handelte

es sich um einen staatlichen Rüstungsbetrieb mit der Aufgabe,

die Luftwaffe mit Kampfmitteln und Munition auszurüsten.

Die Produktion bestand darin, Schlachtfliegerbomben, Marine-

Flak-Sprenggranaten, Seeminen und Patronen mit Sprengstoff zu

befüllen. Außerdem hatte die Muna eine Depotfunktion. 34 Bis zu

1.600 Arbeitskräfte waren hier beschäftigt. 35 Mit dem Reichsarbeitsdienst,

Kriegsgefangenen, Zwangsarbeitern und Zwangsarbeiterinnen

weist die Arbeitskräfterekrutierung typische Charakteristika der

Vorkriegs- und Kriegszeit auf. Mit dem Eintreffen der 500 ungarischen

Jüdinnen aus Auschwitz sollte die Produktion mit äußerster

Anstrengung aufrechterhalten werden. Mit dem gleichen Transport

wurde auch ein Arbeitskommando nach Salzwedel geschickt. 36 Ein

weiteres Beispiel ist das KZ Wandsbek in Hamburg mit Häftlingen

aus dem Frauenkonzentrationslager Ravensbrück. Organisiert

wurden diese Kommandos als Nebenlager des KZ Neuengamme. 37

Untergebracht wurden die Frauen in Bilohe in einem 1941 errichteten

Barackenlager, in dem vorher Zwangsarbeiterinnen aus der

Ukraine – „Ostarbeiterinnen“ – gelebt hatten. Das ganze Lager war

von einem hohen Stacheldrahtzaun umgeben, ein Extrabereich

war für die SS-Aufseher abgeteilt. 38 An der Spitze stand der Lagerkommandant,

vier bis sechs Aufseherinnen waren für die innere

Ordnung zuständig, männliche Wachmannschaften für die äußere

Bewachung. 39

Der Verlegung in das KZ-Nebenlager Lübberstedt-Bilohe haben die

meisten Frauen als Verbesserung ihrer Lage empfunden – eine Verbesserung

im Vergleich zu fürchterlichsten Zuständen im Ungarnlager

von Auschwitz-Birkenau. Jede hatte in Bilohe eine Pritsche

mit Strohsack und Decken, einen Teller und einen Löffel für sich

allein. 40 Sogar eine Heizung habe es gegeben. 41 Die Bemerkung, die

Samstagnachmittage seien arbeitsfrei gewesen, mag sogar als Hinweis

auf eine teilweise Ermöglichung der Einhaltung der Sabbatruhe

gelten. 42 Die Nahrung scheint zunächst noch als ganz akzeptabel

empfunden worden zu sein, wurde dann immer schlechter, bis

viele aufgrund der mangelhaften Ernährung völlig erschöpft waren

und einige Hungerödeme entwickelten. 43 Die Arbeit war sehr hart.

Zunächst wurde in zwölfstündigen Schichten rund um die Uhr Munition

hergestellt. Bomben, Granaten und Minen wurden befüllt.

Der dabei verwendete Phosphor führte zu Rotfärbung der Haare,

11


Übelkeit und Schädigung der Atemwege. Husten und langwierige

Lungenleiden waren die Folge. Als besonders kräftezehrend wurde

der Transport der befüllten Munition in Lagerungsbunker beschrieben.

Das Anheben der schweren Bomben ging über die Kräfte der

Frauen. Zwanzig der ausgezehrten Häftlinge mussten die beladenen

Loren dann zu den Bunkern ziehen. Als die Produktion in der

Fabrik aus Materialmangel nicht planmäßig weiter betrieben werden

konnte, wurden die Arbeitskommandos in den Wintermonaten

1944/1945 oft zum Bau an Eisenbahntrassen, zur Errichtung von

Bunkern und zu Waldarbeiten abkommandiert. 44

Uneinheitlich erscheinen die Aussagen zur Gewaltanwendung

durch das SS-Wachpersonal. Während die vier Frauen der Familie

Ickovic angaben, nie geschlagen worden zu sein, berichten andere

Häftlinge von schweren Misshandlungen. Wurde beispielsweise

Kontakt zu anderen Zwangsarbeitern aufgenommen, gab es dafür

25 Schläge. 45 Als bei Babczu Pinasovic bei einer Durchsuchung eine

Kartoffel und ein Stück Brot, die sie sich aufgehoben hatte, gefunden

wurden, wurde sie beim Morgenappell zusammengeschlagen,

und als dann während der folgenden Nachtschicht entdeckt wurde,

dass sie sich auf einem Wagen ausruhte, wurde sie bewusstlos geschlagen.

Sie vermied es, die Krankenstation aufzusuchen, um weiteren

Schlägen zu entgehen. Einige Tage später starb sie. Eszter Rosenfeld

hat den Tod ihrer Bettnachbarin Sari Katz hautnah miterlebt.

Wegen zunehmender Schwäche und ihrer Misshandlungen war Sari

Katz am 4. April 1945 nicht zum Morgenappell erschienen. Nicht

zu klären ist, ob darauf der Lagerführer oder eine Aufseherin sie in

ihrem Bett erschlagen hat. Eszter Rosenfeld berichtete später, als sie

von der Arbeit zurückgekommen seien, „lag das Mädchen schon im

Waschraum. Ich habe einer Barackenältesten, die an diesem Tag

nicht zur Arbeit gegangen war, geholfen, das Mädchen zu waschen.

Da wir kein Totenkleid für sie hatten, haben wir von oben und unten

je einen Kartoffelsack über sie gezogen. Nach meiner Erinnerung

war sie von Schlägen ganz blau am Kopf. Sie wurde dann auf

einen Lastwagen geladen und zum Friedhof gebracht.“ Drei weitere

Strebefälle unter den ungarischen KZ-Häftlingen sind belegt. Eine

Unterscheidung zwischen natürlichen und gewaltsamen Todesfällen

scheint wenig aussagekräftig, da auch die vordergründig natürlichen

Todesursachen, wie Lungenentzündung oder Blutvergiftung,

auf die menschenunwürdigen Lebens- und Arbeitsverhältnisse im

KZ-Außenlager Lübberstedt zurückzuführen sind. 46

12


»Evakuierung« nach Norden

Mit dem Begriff »Evakuierung« wird die Räumung eines Gebietes

bezeichnet, z. B. wenn Katastrophen wie Überschwemmungen oder

Bombardierungen drohen. Als »Evakuierung« wurde von den Nationalsozialisten

auch die Räumung der vielen nationalistischen Konzentrationslager

kurz vor Kriegsende bezeichnet. Nicht der Schutz

der Menschen vor einer Katastrophe war hier der Ursprung der Initiative

zur Räumung, sondern der Versuch, tausendfach Verbrechen

zu vertuschen, was mit dem Begriff verschleiert werden sollte.

Nachdem am 23. Juli 1944 das Vernichtungslager Majdanek von der

Roten Armee befreit worden war, wurden im August 1944 westliche

Journalisten zur Besichtigung der Gaskammern eingeladen und

konnten der Weltöffentlichkeit ein Bild von den Verbrechen in dem

Lager vermitteln. Heinrich Himmler hatte angesichts des drohenden

militärischen Zusammenbruchs eine generelle Räumung der Konzentrationslager

bei Annäherung feindlicher Verbände angeordnet.

Lediglich marschunfähige Häftlinge blieben zurück. Mitte März 1945

wurde dieser Vorgang unterbrochen. Himmler schien den Plan verfolgt

zu haben, die Häftlinge als eine Art „Pfand“ im Zusammenhang

mit Separatverhandlungen mit den Westalliierten zu benutzen. Als

sich das Vorhaben als illusionär erwies, befahl er, alle Lager vollständig

zu räumen. Von der Forschung wird heute angenommen,

dass die Nachkriegsaussage des Hamburger SS-Gruppenführers und

Generalleutnants der Waffen-SS Graf Bassewitz-Behr, der sich auf

einen Befehl Himmlers berief, in dem es hieß, kein Häftling dürfe

in die Hand des Feindes fallen, die allgemeine Befehlslage wiedergibt.

47

Das KZ Neuengamme mit seinen kurz vor Kriegsende noch 60 Nebenlagern,

zu denen auch Lübberstedt-Bilohe gehörte, war aufgrund

seiner Lage einer der letzten Komplexe, die von der SS geräumt wurden.

Die Häftlinge wurden ab Mitte April 1945 48 in Güterwaggons

und Lastwagen verladen oder auf tagelange Fußmärsche geschickt.

Nahezu ohne Nahrungsmittel und in sehr schlechter körperlicher

Verfassung standen viele die Märsche nicht durch, verhungerten,

verdursteten oder wurden, wenn sie nicht folgen konnten, von den

begleitenden Wachmannschaften erschossen und am Wegesrand

liegen gelassen. Wegen der außerordentlich hohen Zahl von Todesopfern

werden diese »Evakuierungen« auch als „Todesmärsche“

bezeichnet. Weil die Westalliierten in Richtung Elbe und die Rote Armee

nach Westen vorankamen, waren das westliche Mecklenburg,

das Gebiet um die Lübecker Bucht und das südliche Holstein zum

Zielgebiet mehrerer Todesmärsche geworden. 49 Als die kampflose

13


Übergabe Hamburgs bevorstand, wollten auch hier die Verantwortlichen

vermeiden, dass ausgemergelte KZ-Häftlinge und Zwangsarbeiter

den Briten in die Hände fielen. So wurden über 9.000 Häftlinge

mit dem Zug nach Lübeck transportiert und von dort in die Laderäume

der Schiffe „Athen“, „Thielbeck“ und „Cap Arcona“ geschafft. In

den völlig überbelegten Schiffen herrschten fürchterliche Zustände.

Am Nachmittag des 3. Mai 1945 wurden die Schiffe von britischen

Kampfflugzeugen bombardiert. Das Inferno überlebten nur wenige.

Sigrun Jochims-Bozic formuliert zusammenfassend: „Doch britische

Streitkräfte vollendeten unwissentlich das, was die SS den Insassen

der schwimmenden Gefängnisse zugedacht hatte.“ 50

In Lübberstedt-Bilohe war der Befehl, das Lager in Richtung auf das

Stammlager Neuengamme zu räumen, am 18. April eingegangen.

Es ist davon auszugehen, dass das Ziel des Transportes wie für die

Häftlinge aus den anderen Lagern die Schiffe in der Lübecker Bucht

war. Schon Tage vorher waren 60 oder 70 kranke Häftlinge in das

KZ Bergen-Belsen verlegt worden. Die Angaben, die im Juli 1945 in

Budapest zu den Überlebenden dieses Transports zu Protokoll gegeben

wurden, schwanken zwischen zehn und 25. 51 Die Aussagen, die

die ungarischen Jüdinnen in Budapest zur folgenden Irrfahrt machten,

sind nicht sehr präzise gehalten. Eine Gruppe 52 von sieben Frauen

kann den 18. April als den Tag des Aufbruchs nennen, in einem

anderen Protokoll wird der 19. April als Abfahrtsdatum genannt. 53

Die Fahrtdauer wird meist mit zwei Wochen angegeben. In einem

Waggon gab es eine Abteilung für die begleitenden SS-Angehörigen,

den Lagerführer und die Aufseherinnen. 54 50 bis 60 Häftlinge wurden

in einem Waggon zusammengepfercht. In fast allen Berichten wird

die völlig unzureichende Versorgung mit Nahrungsmitteln beklagt,

gerade 100 Gramm Brot und 20 Gramm Margarine pro Person und

Tag habe es gegeben. 55 Viele hatten den Eindruck, kreuz und quer

durch Norddeutschland zu fahren, selten sind die Angaben so genau

wie bei Eszter Rosenfeld. Dabei kann es sich aber auch um eine

nachträgliche Rekonstruktion der Ereignisse handeln. Sie berichtete,

es habe Widerstand gegen die Abfahrt aus Bilohe gegeben, da die

Frauen von den kurz vor Bremen stehenden Alliierten wussten. Sie

seien mit der Aussicht beschwichtigt worden, über die Grenze nach

Dänemark zu kommen. Bis nach Hamburg habe es dann acht bis

zehn Tage gedauert. Dort habe man sie nicht in die Stadt gelassen.

Zwei Tage hätten sie warten müssen, dann seien sie nach Lübeck

weitergeleitet worden, wo sie wiederum zwei Tage hätten warten

müssen, weil die Engländer kurz davor gewesen seien, die Stadt

einzunehmen. Eszter Rosenfeld berichtet auch von etwa zehn bis

14


zwölf mit Munition beladenen Waggons, die an den Transport angehängt

worden seien. 56 Vermutlich war den Frauen also sehr bewusst,

dass ihre Existenz für die Deutschen angesichts des bevorstehenden

Zusammenbruchs zu einer schwerwiegenden Bedrohung geworden

war, sie sich also in akuter Lebensgefahr befanden. Die Aussicht,

auf die Schiffe um die „Cap Arcona“ zu kommen, muss wie eine

letzte Hoffnung gewirkt haben. Am 26. April hatte die Beladung der

Häftlingsschiffe begonnen. Am 2. Mai weigerten sich die Kapitäne

der Schiffe gegen alle Widerstände der SS immer weiter eintreffende

Häftlingskolonnen an Bord zu nehmen. 57 Entweder am Abend des

1. Mai oder am Morgen des 2. Mai scheint also die Entscheidung,

den Transport an Lübeck vorbei weiter nach Norden zu schicken,

gefallen zu sein. Als das bei den Ungarinnen bekannt wurde, scheint

es Tränen gegeben zu haben. So jedenfalls ist es im Protokoll des

Gruppeninterviews der 66 Frauen vermerkt. 58 Die Frauen der Familie

Ickovic berichten in der Rückschau, man habe sie mit einem

Schiff versenken wollen, aber als sie ankamen, sei das Schiff schon

abgegangen, was ihnen das Leben gerettet habe. 59

Für die Frauen schien sich mit der Weiterfahrt eine letzte Hoffnung

aufzulösen und die Befreiung erneut in weite Ferne zu rücken. Am

2. Mai setzte sich der Zug Richtung Kiel in Bewegung. Kurz vor

Eutin, bei Bockholt, kam es zu einem ersten Angriff durch britische

Tiefflieger. Wohl auch Dank der Verteidigung durch Wachmannschaften

ging der Angriff glimpflich ohne Verletzte ab. Als sich der

Zug wieder in Bewegung setzte, gab es nur wenige hundert Meter

entfernt einen erneuten Angriff. Diesmal gab es ein Blutbad. 60 In den

Budapester Protokollen der Frauen wird von brennenden Waggons

und Wachmannschaften, die auf flüchtende Häftlinge das Feuer eröffneten,

berichtet. Die Angaben der Frauen zu Todesopfern und

Verletzten schwanken stark. Die Ickovic-Frauen gaben an, es seien

sechzig Tote gewesen, Eszter Rosenfeld spricht von achtzig Toten

und zwanzig Schwerverletzten. 61 38 Frauen wurden an Ort und Stelle,

„bei der ehemaligen Blockstelle 1 der Bahnstrecke Eutin-Neustadt,

Hainholz“, in einem Massengrab bestattet. Anfang November 1960

sind diese Frauen in ein Gemeinschaftsgrab auf dem jüdischen

Friedhof in Lübeck-Moisling umgebettet worden. 62

Wilhelm Lange hat im Rahmen seiner Dokumentation der Cap Arcona-Katastrophe

herausgefunden, dass der brennende, total zerschossene

Waggon abgekoppelt worden war. Erst in den frühen

Morgenstunden hätten örtliche Stellen den Waggon und die „etwa

40, zumeist schwerverwundete[n], abgemagerte[n] ungarische[n]

und baltische[n] Jüdinnen in Häftlingskluft auf der taunassen Wie-

15


se“ entdeckt. Sanitätspersonal eines Eutiner Lazaretts habe schließlich

Hilfe geleistet. 63 Barbara Hillmann, Volrad Kluge und Erdwig

Kramer von der Arbeitsgemeinschaft Muna Lübberstedt haben 1993

einen der damaligen Sanitätssoldaten des Eutiner Lazaretts ausfindig

gemacht. Karl-Heinz Albrecht aus Neustadt berichtete ihnen: „Während

der Fahrer des Sanitätsfahrzeuges jeweils zwei Frauen nach

Eutin transportierte, blieb ich bei den anderen und erfuhr von einer

deutschsprechenden Ungarin, daß sie in einer unterirdischen Fabrik

bei Bremen gearbeitet hätten. Sie waren z. T. sehr schwer verwundet

und sehr verängstigt. Als sie uns zwei Uniformierte kommen sahen,

glaubten sie den `Gnadenschuß` zu bekommen. Sie heulten und

jaulten jämmerlich, und es dauerte lange, bis ich sie mit den Worten

wie z. B. `Krieg zu Ende, alles wird gut` und ´Hospital` - ´Doktor´ einigermaßen

beruhigen konnte [ … ] Ich war damals 21 Jahre alt und

vergesse dieses Erlebnis nie“ 64 Die Unterlagen des Lazaretts belegen,

dass 18 Verletzte am Vormittag des 3. Mai in das Eutiner Lazarett eingeliefert

wurden. Fünf der Verletzten erlagen in den folgenden Tagen

ihren schweren Bombensplitterverletzungen: Elli Gardos, Margot

Fried, Rebekka Gerpel, Clara Fried und Emöne Daskel wurden

auf dem kleinen Friedhof der ehemaligen jüdischen Gemeinde Eutin

auf einer Anhöhe am Kleinen Eutiner See unweit des ehemaligen

Kreiskrankenhauses bestattet. 65

Nachdem ein Waggon abgekoppelt und weitere Verwundete mit

einfachsten Mitteln versorgt worden waren, scheint sich der Zug mit

Abb. 7: Gelände des alten Güterbahnhofs in Plön 1988. Hier erreichten

die Frauen Plön und zogen sich dann nach links über die Lütjenburger

Straße in den Wald östlich des Parnaß zurück. (Quelle:

Foto des Verfassers)

16


den angehängten Munitionswaggons noch während der Nacht wieder

in Bewegung gesetzt zu haben. 66 Wohl im Schritttempo durchquerte

er Eutin und Malente und erreichte im Laufe des Vormittags

Timmdorf. Unklar muss angesichts des Chaos dieser Tage bleiben,

wie der schwerbeschädigte Zug in der Nacht wieder fahrbereit gemacht

werden konnte, und wie der bei dem zweiten Luftangriff vor

Eutin ebenfalls ums Leben gekommene Lokführer ersetzt wurde. 67

Hinter Timmdorf kam es zum dritten Angriff britischer Tiefflieger.

16 Frauen sind dabei ums Leben gekommen, darunter auch Piroska

Feldman und ihre drei Töchter. 68 Die Überlebenden haben wiederum

die Waggons verlassen, um am Boden Deckung zu suchen.

Vielleicht ermuntert durch Kontakte mit der lokalen Bevölkerung 69

haben die Frauen sich anschließend geweigert, den Zug erneut zu

besteigen. Einhellig wird in den Protokollen davon berichtet, dass

man Plön zu Fuß erreicht habe. Dabei kam es erneut zu Tieffliegerangriffen.

70 Über dreihundert hungrige, zerlumpte, ausgemergelte

und von den Tieffliegerangriffen der vergangenen Stunden schwer

traumatisierte jüdische Ungarinnen schleppten sich in Häftlingskleidung

entlang des Bahngleises nach Plön, immer noch unter Bewachung

des Lagerführers, der SS-Aufseherinnen und der Wachleute

der Wehrmacht.

Als sie Plön erreichten, seien sie wegen eines erneuten Luftalarms –

so die 66 Frauen im Gruppenprotokoll Nr. 2118 – auf einen Hügel in

einem Wald geführt worden. Plön hat an diesem Tag die schwersten

Angriffe des ganzen Krieges erlebt. Morgens um 7.30 Uhr haben

britische Tiefflieger Militärkolonnen, die in der Langen Straße und

in der Lübecker Straße hielten, mit Bomben und Bordwaffen angegriffen.

71 Die Ortsbeschreibung legt nahe, dass die Frauen am alten

Güterbahnhof angekommen und dann über die Lütjenburger Straße

in den Wald östlich des Parnaß geführt worden sind. So beschreibt

es auch der damalige kommissarische Landrat Alfons Galette in seinen

Erinnerungen an das Kriegsende. 72 Wohl noch am Abend des

gleichen Tages (3. 5.) spitzte sich die Lage für die Frauen erneut

zu. Eszter Rosenfeld berichtet: „Als aber nach einigen Stunden die

bei dem Bombenangriff unversehrt gebliebenen Eisenbahnwaggons

nachkamen, befahlen uns die SS-Aufseherinnen – sicherlich im Einvernehmen

mit dem SS-Lagerführer – zur Station zurückzukehren

und dort den Zug zu besteigen. Die Begleitmannschaft der Munitionswaggons,

die aus Wehrmachtsangehörigen bestand, war mit uns

nach Plön mitgekommen und hatte sich gegen uns sehr anständig

benommen. Diese Wehrmachtleute rieten uns entschieden davon ab,

dem Befehl Folge zu leisten, und meinten, jetzt wäre die beste Gele-

17


genheit zur Flucht. Einige von uns befolgten diesen Rat und flüchteten,

die übrigen aber ließen sich zur Station zurückführen, wo man

sie zwingen wollte, den Zug zu besteigen. Inzwischen aber hatten die

Wehrmachtleute in Erfahrung gebracht, dass der Zug unterminiert

war und in die Luft gesprengt werden sollte, damit die Munition

nicht den Engländern in die Hände falle. Die Wehrmachtleute teilten

uns ihre Wahrnehmungen mit und legten uns neuerdings in der

nachdrücklichsten Weise nahe, den Zug nicht zu besteigen. Unser

Widerstand wurde daraufhin noch entschiedener: wir erklärten den

SS-Aufseherinnen, dass wir unter keinen Umständen wieder in die

Waggons gehen. Die Aufseherinnen verständigten von unserer Weigerung

die SS-Leute, die uns durch Schläge umzustimmen versuchten,

ein anderes Machtmittel stand ihnen nicht mehr zur Verfügung,

da sie die Waffen vorsichtigerweise bereits fortgeworfen hatten.“ 73

Die Sorge der Frauen, in Plön mit dem ganzen Zug in die Luft gesprengt

zu werden, um die Verbrechen an ihnen zu vertuschen und

gleichzeitig die Munition nicht den Alliierten in die Hände fallen zu

lassen, war also zu diesem Zeitpunkt keineswegs ausgeräumt und

hatte einen durchaus realen Hintergrund. Je näher das Kriegsende

schien, desto drängender wurde diese Frage. Es scheint aber seitens

der SS noch eine andere Überlegung gegeben zu haben. In drei

Protokollen taucht an dieser Stelle erneut das „Dänemark-Motiv“

auf. Der Lagerführer habe die Frauen mit der Aussicht nach Dänemark

zu fahren und sie dort dem Roten Kreuz zu übergeben, dazu

bringen wollen, wieder in den Zug einzusteigen. Die Frauen haben

das für ein Täuschungsmanöver gehalten und wollten keinesfalls

darauf eingehen. 74

Allerdings hatte es in den voraufgegangenen Tagen bereits zwei

große Häftlingstransporte auf dieser Strecke in Richtung Dänemark

gegeben. Am 25. April hatte sich ein Zug mit 50 Güterwaggons mit

Häftlingen aus dem Frauenkonzentrationslager Ravensbrück in Bewegung

gesetzt. Jeder Waggon war mit 80 Personen belegt. Nach

vier Tagen war er mit defekter Lok kurz vor Lübeck entdeckt worden

und konnte von hier am 29. April die Fahrt nach Norden fortsetzen.

3.989 Frauen konnten durch diesen Transport gerettet werden. Vermutlich

hat auch ein zweiter großer Transport, der am 2. Mai Dänemark

erreichte, den Weg über Lübeck und Plön genommen. Der

Verbindungsoffizier der Gestapo bei der Überführung von Häftlingen

über das KZ Neuengamme in der Rettungsaktion der »Weißen

Busse«, SS-Obersturmbannführer Franz Göring, hatte in Hamburg

und Umgebung einen Transport von etwa 2.000 Frauen (960 Jüdinnen,

790 Polinnen und 250 Französinnen) aus Nebenlagern von

18


Neuengamme zusammengestellt und nach Norden geführt. 75 Diese

Aktivitäten der SS standen im Zusammenhang mit Bemühungen des

Reichsführers SS Heinrich Himmler durch die Freigabe zunächst vor

allem skandinavischer Häftlinge an Hitler vorbei, Verhandlungen

für eine Teilkapitulation mit den westlichen Alliierten zu erreichen.

Die spezielle Kennzeichnung der Busse mit weißer Farbe und dem

Emblem des Roten Kreuzes hatten zu der Bezeichnung „Aktion der

Weißen Busse“ geführt. Vereinbart worden war die Aktion zwischen

dem Vize-Präsidenten des schwedischen Roten Kreuzes Graf Folke

Bernadotte und dem Reichsführer SS Heinrich Himmler.

Der Historiker Stephan Linck hat in seiner Arbeit über die Deutsche

Polizei zwischen 1933 und 1949 auf Himmlers besondere

Lage während der letzten Kriegstage hingewiesen. 76 Am 30. April

war es in Lübeck zu einem Treffen zwischen Großadmiral Dönitz

und Himmler gekommen. Dönitz hatte aus Berlin erfahren, dass

Hitler am Tag zuvor mit einem Tobsuchtsanfall reagiert hatte, als

er über Himmlers Verhandlungen informiert worden war. Er hatte

Himmler daraufhin in seinem politischen Testament aus der NSDAP

ausgeschlossen und ihn aller Ämter enthoben. Die Mittel, „stahlhart

und blitzschnell“ zu reagieren, wie Hitler gefordert hatte, hatte

Dönitz nicht, denn Himmler war immer noch von bewaffneten

SS-Offizieren umgeben. Zurückgekehrt in sein Hauptquartier nach

Plön, erfuhr Dönitz abends vom Tod Hitlers und seiner Einsetzung

als Nachfolger. Daraufhin bat nun Dönitz Himmler zu einem Besuch

nach Plön. Noch in der Nacht vom 30. April auf den 1. Mai

traf Himmler in Plön ein und wurde von Dönitz über die neueste

Entwicklung in Kenntnis gesetzt. Sein Angebot, als „zweiter Mann“

der neuen Regierung zur Verfügung zu stehen, zeigt, dass Himmler

nach wie vor Ambitionen hatte, in der Nachkriegsordnung eine

wichtige Position einzunehmen. So hielt er sich bis zum Abend des

2. Mai in Plön auf und wich dann im Gefolge der Dönitz-Regierung

vor den vorrückenden alliierten Truppen nach Flensburg aus. Erst

am 6. Mai teilte Dönitz ihm mit, dass er nicht damit rechnen könne,

Berücksichtigung in der neuen Regierung zu finden. 77 Damit wird

das Motiv erkennbar, warum – wie sein Biograph Peter Longerich

formuliert – „die Gefangenen [ … ] aus seiner Sicht noch immer

menschliches Kapital [waren], das er bis zum Schluss für Verhandlungen

zu nutzen gedachte – daher seine Entschlossenheit, sie in die

letzten Rückzugsräume mitzunehmen.“ 78

Motiv und die räumliche Nähe Heinrich Himmlers legen nahe, dass

das „Dänemark-Motiv“ einen realen Hintergrund hatte und erklären

auch die Vehemenz, mit der das SS-Personal versuchte, die Frauen

19


in den Güterzug zurück zu zwängen. Der Lagerführer wird als die

treibende Kraft beschrieben. Mit Schlägen mit dem Gewehrkolben

und Überredungsversuchen gelang es ihm, wenigstens einige Häftlinge

zum Einsteigen zu bewegen. Die anderen ließen sich trotz

fortgesetzter Schläge nicht zwingen. Durch die Kontaktaufnahme

zu bereits befreiten russischen Kriegsgefangenen 79 wurde den Frauen

klar, dass das Kriegsende unmittelbar bevorstehen musste. Die

Auseinandersetzung scheint sich über Stunden hingezogen zu haben,

in einem Bericht ist davon die Rede, dass der Lagerführer

nach einigen Stunden einen erneuten Anlauf nahm, die Fahrt fortzusetzen.

Erkennbar wird auch, dass es innerhalb der SS massive

Konflikte gab, wie fortzufahren sei. So wird in mehreren Berichten

ein SS-Arzt erwähnt, der für die Frauen Partei ergriffen habe. 80 Nicht

sicher zu klären ist, was dann geschah. Eszter Rosenfeld gab zu

Protokoll, dass zunächst nur eine Vorhut der Briten in die Stadt

gekommen sei. Als diese Fahrzeuge Plön verlassen hätten, hätte die

SS erneut Mut gefasst und einen erneuten Anlauf unternommen, die

KZ-Häftlinge in die Waggons zu zwingen. 81 Andere Frauen berichteten,

die SS sei bereits in der Nacht zum oder am Morgen des 4.

Mai 1945 verschwunden. 82 Die Angaben zu der britischen Vorhut,

die am 4. Mai in Plön eintraf, werden von anderen Quellen bestätigt.

So gibt Ulrich March an, am 4. Mai nachmittags sei ein erster

Abb. 8: Im Vordergrund der Schöhsee, am Ufer die Bahngleise, dahinter

die Lütjenburger Straße und schließlich der Wald östlich des

Parnaß. (Postkarte im Archiv des Verfassers)

20


itischer Panzerspähwagen in Plön eingetroffen, und der Offizier

Lieutenant Nash habe mit Fregattenkapitän Hans Pauckstadt über

die Übergabe der Stadt verhandelt. 83

Die Tage zwischen dem 4. und dem 8. Mai schildern die Frauen

als eine letzte Steigerung ihrer Leiden. Nach drei Tagen Tieffliegerbeschuss,

der mindestens 59 von ihnen das Leben gekostet und

mindestens 18 schwer verwundet zurückgelassen hatte, und einer

zermürbenden Auseinandersetzung mit den SS-Aufsehern um eine

Fortsetzung der Todesfahrt hatten sich die Überlebenden in den

Wald am Parnaß zurückgezogen, um dort Schutz vor weiteren Angriffen

zu finden. Zerlumpt, mit völlig unzureichender Häftlingskleidung

und ohne Nahrungsmittel verbrachten sie bei heftigem

Regen die erste Nacht. 84 Eszter Rosenfeld gab zu Protokoll: „Da

wir durch Erfahrungen gewitzigt waren, trauten wir den Dingen

nicht recht und zogen uns in einen Wald zurück, wo wir uns einige

Tage verbargen. Als wir es vor Hunger nicht mehr aushalten

konnten, wagten wir uns in die umliegenden Dörfer hervor, wo wir

um Lebensmittel bettelten, wobei wir nicht verrieten, wer wir waren,

sondern angaben, dass wir Flüchtlinge aus Ungarn seien, die sich

vor dem Feind geflüchtet hätten.“ Auch in dem Protokoll der großen

Interviewgruppe wird erwähnt, dass die Frauen um Nahrungsmittel

gebettelt hätten und die Bevölkerung sich „anständig betragen“

habe. 85 Die Schwestern Piroska und Sidonia Fuchs – auch sie aus

dem kleinen Karpatenstädtchen Técsö – fügten ihrem Bericht hinzu,

zwar unter großen Entbehrungen gelitten zu haben, dass sie

in diesen Tagen aber mit dem Gefühl, es für ihre Freiheit zu tun,

gehungert hätten. 86

Käthe Waag hat in Plön Erinnerungen an das Kriegsende gesammelt.

Auch wenn Quellenangaben und genaue zeitliche Zuordnung

fehlen, spiegeln die Eindrücke doch die Berührungspunkte der ungarischen

Jüdinnen mit der Plöner Bevölkerung. 87 Die Frauen seien

bettelnd in der Rautenbergstraße, dem Appelwarder und auch

in Wittmoldt angetroffen worden. Auffällig seien ihre SA-Hemden

gewesen. Käthe Waag erklärt, die Frauen seien aus Beständen aus

einer Kleidersammlung im Schlossgebiet versorgt worden und darunter

seien eben auch SA-Hemden gewesen. Auf Kosten der Stadtverwaltung

seien auch Frauen bei einer Schneidermeisterin in der

Johannisstraße eingekleidet worden. 14 Tage vor Pfingsten sei eine

Gruppe der Frauen mit besonders guter Kleidung versehen worden,

denn sie sollte einer Kommission vorgestellt werden. Am Strandweg

in Bahnhofsnähe seien auch Frauen dabei beobachtet worden, wie

sie Wäsche im See wuschen und anschließend über Sträucher ge-

21


Abb 9: Skizze von der Lage der

Kriegsgräber auf dem Friedhof in

Plön an der Eutiner Straße, etwa

1950. (Quelle: Stadtarchiv Plön

Nr. 3734 (I))

22

hängt trocknen ließen. Kranke jüdische Frauen seien in der Johanniter

Heilstätte gesund gepflegt worden und eine der deutschen

Pflegekräfte habe berichtet, dass eine der Jüdinnen immer wieder

das Gespräch mit ihr gesucht habe, um über ihr Schicksal sprechen

zu können.

Trotz Tausender Soldaten und Flüchtlinge, die sich durch die kleine

holsteinische Stadt bewegten, müssen die etwa 350 Frauen bereits

in den Tagen, in denen sie sich im Wald am Parnaß aufhielten,

soviel Aufmerksamkeit erregt haben, dass ihre Anwesenheit auch

dem Landrat Galette nicht entgehen konnte. Es ist schwer zu entscheiden,

in welchem Maße vierzig Jahre später berichtete Details

auch entlastenden Charakter haben sollten, die von Galette erinnerte

Begegnung zwischen ihm und den ungarischen Jüdinnen als solche

ist sicher nicht anzuzweifeln. Erstaunlich ist zunächst, dass der

Landrat einen der letzten Apriltage als Zeitpunkt angibt und auch

die Zahl der Frauen – wie auch Käthe Waag – mit 50 bis 60 deutlich

unterschätzt. Als Motiv, Kontakt aufzunehmen, nennt Galette:

„Da sie ohne Lebensmittel, Mäntel oder Decken umherirrten und

sich selbst zu versorgen begannen,

versuchte ich, ihre deutsch

sprechende Anführerin zu bewegen,

in eine leere Schönjahnsche

Scheune zu ziehen und sich dort

verpflegen und versorgen zu lassen.“

Das nahende Kriegsende

und der direkt bevorstehende

Kontakt zu den Briten ließen

dieses Vorhaben dringend geboten

erscheinen. Aber auch

die offenbar ablehnende Haltung

der ehemaligen Häftlinge

und ihr Wunsch, auch angesichts

ihrer prekären Lage, auf

das Eintreffen der Briten warten

zu wollen, ist nachvollziehbar,

denn der Landrat musste von Ihnen

als Exponent des NS-Staates

wahrgenommen werden. In den

Berichten der Frauen hat diese

Begegnung keinerlei Niederschlag

gefunden. 88


Abb 10: Detailvergrößerung der Lageskizze der Kriegsgräber auf

dem Plöner Friedhof an der Eutiner Straße. Nr. 1 = Grabstätte der 16

Jüdinnen, die am 3. Mai 1945 durch Tieffliegerbeschuss bei Timmdorf

ums Leben kamen; Nr. 6 = Grabstätte der vier Jüdinnen, die am

27./28. April 1945 ums Leben kamen. In der Nähe von Nr. 11 müsste

sich das Einzelgrab der am 1. Juli 1945 verstorbenen Ilonka Pfeffer

befunden haben. (Quelle: Stadtarchiv Plön, Nr. 3734 (I))

Das Begräbnis der 16 bei dem Tieffliegerbeschuss des Zuges am 3.

Mai bei Timmdorf ums Leben gekommenen ungarischen Jüdinnen

scheint noch am gleichen Tag auf dem Plöner Friedhof an der Eutiner

Straße vollzogen worden zu sein. 89 Aus einem Hilferuf Pastor Böttgers

an die Stadtverwaltung vom 10. Mai 1945 werden die schwierigen

Umstände von Bestattungen in diesen Tagen ersichtlich. Die

durch die Tieffliegerangriffe der letzten Kriegstage stark gestiegene

Zahl an Bestattungen hatte zu einem Engpass bei der Herstellung

von Särgen geführt. Nach einer Direktive des Gouverneurs [Morgans,

d. Vf.] bleibe man nun aber bei der Bestattung in behelfsmäßig

hergestellten Holzsärgen. Überdies müsse die Stadt dringend ein

Beerdigungskommando einschließlich eines Tischlers zur Verfügung

stellen, sonst seien die anstehenden Bestattungen und Umbettungen

von gefallenen Soldaten auf den Kadettenfriedhof nicht zu bewältigen.

90 Die 16 Frauen wurden in einem Massengrab im Grabfeld „J

23


VII 35“ an der äußersten nördlichen Friedhofsgrenze beigesetzt. Unter

„J VII 22“ ist ein weiteres Massengrab mit vier dort beigesetzten

Frauen verzeichnet. Namentlich zuzuordnen sind Kalinka Bitter und

Maria Warlicz, die Namen der beiden anderen sind unbekannt. 91

16 ungarische Jüdinnen, die am 3. Mai 1945 bei einem Tieffliegerangriff

zwischen Timmdorf und Plön ums Leben kamen

und auf dem Plöner Friedhof an der Eutiner Straße beigesetzt

wurden. Anfang der sechziger Jahre wurden sie auf die zentrale

Kriegsgräberstätte in Schleswig-Karberg umgebettet. 94

Das siebzehnte Opfer, Ilonka Pfeffer, verstarb am 1. Juli 1945

und wurde nicht umgebettet.

24

Nachname Vorname Geburtstag/-ort Sterbetag

Unbekannt 3. Mai 1945

Unbekannt 3. Mai 1945

Blau Ilonar 23. Februar 1925 in Egeres 3. Mai 1945

Blonder Luci 22. Februar 1925 in Czizer 3. Mai 1945

David

Aronka

4. Oktober 1922

in Klausenburg

3. Mai 1945

Feintuch Piri 26. November 1912 in Técsö 3. Mai 1945

Feldman Erzmébet 5. Mai 1925 in Kisvárda 3. Mai 1945

Feldman Katálin 15. Mai 1929 in Kisvárda 3. Mai 1945

Feldman Klára 17. Juli 1926 in Kisvárda 3. Mai 1945

Feldman

Piroska

1. Januar 1902

in Measuladen [?]

3. Mai 1945

Fellner Eva 14. Mai 1927 in Budapest 3. Mai 1945

Fixler

Cili

12. Oktober 1926

in Maydanka

3. Mai 1945

Gandos Paula 27. Juni 1896 in Eger 3. Mai 1945

Katz Martha 25. Januar 1925 in Nirmada 3. Mai 1945

Lazar

Ilonka

10. September 1915 Großwardein

3. Mai 1945

Pfeffer Ilonka 12. November 1920 in [?] 1. Juli 1945

Schwartz

Ibolia

2. Februar 1921

in Klausenburg

3. Mai 1945


Auch sie sind im Verzeichnis der Grabstätten von Angehörigen der

Vereinten Nationen auf dem Plöner Friedhof als „jüdisch“ bezeichnet.

92 Als Sterbedaten der „wahrscheinlich“ aus Ungarn stammenden

Frauen werden der 27. und 28. April 1945 infolge „Tieffliegerangriff“

angegeben. 93 Möglich erscheint ein Zusammenhang mit einem am

30. April 1945 vom Ost-Holsteinischen Tageblatt gemeldeten Tieffliegerangriff

zwischen Eutin und Plön auf eine „unter dem Schutz

der Genfer Konvention“ fahrende „Rot-Kreuz-Kolonne“. Fünf der mit

dem Schwedenkreuz und dem Roten Kreuz gekennzeichneten Fahrzeuge

seien schwer getroffen worden, eines „ging in Flammen auf“.

Weiter heißt es: „Von den Insassen, die sich vorwiegend aus Holländern,

Belgiern, Luxemburgern und Polen zusammensetzten, sind 18

Personen tödlich getroffen, während zahlreiche weitere schwer verwundet

wurden.“ Allem Anschein nach handelte es sich bei diesem

Transport ebenfalls um eine Rettungsaktion der „Weißen Busse“ des

schwedischen Roten Kreuzes.

Nach der Befreiung

„Die Engländer befreiten uns, und wir konnten beginnen, wieder

als Menschen zu leben.“ 95 So beschrieb Hajnal Kaufmann, wie sie

das Ende der nationalsozialistischen Verfolgung erlebte. Rückblickend

haben die ungarischen Jüdinnen meist den ersten Kontakt mit

britischen Militäreinheiten am 4. Mai 1945 als den Zeitpunkt ihrer

Befreiung angesehen. 96 Eine Verbesserung ihrer Lage trat aber erst

mit dem Eintreffen der 6. Guards Armoured Brigade unter Brigadier

Greenacre am 8. Mai ein. 97

Zur Unterbringung in Plön gibt es unterschiedliche Aussagen: Man

sei in einer Schule, in einigen Baracken, in einer Villa und einem

Internat untergebracht worden. 98 Von Plöner Zeitzeugen werden

diese Angaben mindestens teilweise bestätigt. So berichtet Käthe

Waag von einer Baracke am Steinberg, in der die Jüdinnen untergebracht

worden seien. Frauen von NSDAP-Parteigenossen seien zu

Reinigungsarbeiten dorthin abkommandiert worden. In der Schilderung

der gleichzeitig in der Maisonne sitzenden Jüdinnen klingt Empörung

gegenüber der als Demütigung empfundenen Maßnahme

durch. Der Beginn schmerzhafter Verarbeitungsvorgänge wird hier

erkennbar. 99 Auch Hans Pauckstadt erwähnt in seiner kleinen Schrift

über das Steinbergschlösschen eine Baracke gegenüber dem Seehof.

Sie sei zeitweise von „weiblichen jüdischen KZ-Häftlingen“ bewohnt

worden. 100 Eine weitere Zeitzeugin bestätigt die Angaben zu der Baracke

am Steinbergwald und fügt hinzu, auch im Haus Rautenbergstraße

40 seien Jüdinnen untergebracht worden. In dieser Aussage

25


wird der schlechte Gesundheitszustand der Frauen erwähnt. Sie seien

„in erbärmlichem Zustand“ gewesen. 101 Eine Ergänzung findet

diese Angabe in einer Notiz des Landratsamtes vom 24. Mai 1945, in

der erwähnt wird, dass sich noch 24 Ungarinnen im Krankenhaus

in Plön befänden. 102 Ilonka Pfeffer ist dort am 1. Juli im Alter von

24 Jahren verstorben und in einem Einzelgrab auf dem Friedhof an

der Eutiner Straße beigesetzt worden. 103 Vielleicht gehört in diesen

Zusammenhang auch die Bemerkung Eszter Rosenfelds, die Frauen

hätten von den Engländern zunächst nur kleine Lebensmittelpakte

bekommen, sodass sie sich nicht hätten satt essen können. Die Formulierung

im Protokoll der 66er Gruppe, „in der ersten Zeit konnten

wir nicht essen“, lässt die Deutung zu, dass die Briten aufgrund des

schlechten Ernährungszustandes der Frauen bewusst eine reduzierte

Diätkost ausgegeben haben. 104

Abb. 11: Lageskizze (1950) der Baracke am Steinbergweg (rot markiert),

die zwischen dem 8. und 17. Mai 1945 einer Gruppe der ungarischen

Jüdinnen als Unterkunft diente. (Quelle: Stadtarchiv Plön,

Nr. 3736)

26


Am 15. Mai 1945 informierte Militärgouverneur Major Morgans den

Plöner Bürgermeister, „daß die 320 ungarischen Jüdinnen 105 am

Donnerstag, dem 17. Mai d. Jrs., um 11 Uhr vormittags in ihrem Lager

(Steinberg) zum Abtransport bereitzuhalten sind. Jeder darf mitnehmen,

was er in der Hand oder sonst wie tragen kann. (Sollten sich

keine 3 Ungarinnen freiwillig als Kellnerinnen in der Offiziersmesse

zur Verfügung stellen, so sind alle Ungarinnen abzutransportieren,

andernfalls bleiben diese 3 zurück). Sie wollen bitte dafür sorgen, daß

der Lagerführerin vorstehende Nachricht schnellsten zugestellt wird.

Es ist diesen Damen zu eröffnen, daß sie von der englischen Besatzungsbehörde

mit Lastwagen zu einem Sammellager in Haffkrug gebracht

werden. Wo sie untergebracht und verpflegt werden. Weitere

Dispositionen werden nach Vernehmung in Haffkrug getroffen.“ 106

Mit der Befreiung waren die Frauen zu „Displaced Persons“ geworden.

So bezeichneten die Westalliierten alle befreiten Zwangsarbeiterinnen,

Zwangsarbeiter und KZ-Häftlinge, die nun versorgt und deren

Rückführung in ihre Heimatgebiete eingeleitet werden musste. Angesichts

des chaotischen Zustandes der Infrastruktur und der völlig unklaren

Verhältnisse in den Gebieten, die einst die Heimatgebiete der

„DPs“ waren, konnte die Rückführung nicht sofort umgesetzt werden.

Deshalb wurden Sammelzentren, „Assembly Centres“, eingerichtet.

Von hier aus sollte dann die Rückführung organisiert werden.

Am 13. Mai hatten die Briten für die Ortschaften Haffkrug und Sierksdorf

an der Lübecker Bucht den Befehl erlassen, die Häuser bis zum

folgenden Tag zu räumen und für die Einrichtung eines Assembly

Centres vorzubereiten. Die Häuser waren möbliert zu übergeben und

die Grundstücke durften von den Eigentümern nicht mehr betreten

werden. Fischer, Bauern, ein Bäcker, ein Kaufmann und Angestellte

von Bahn und Post konnten bleiben, um die Versorgung der DPs

sicher zu stellen. Am 14. Mai trafen die ersten DPs ein. Am 16. Mai

abends wurde in Sierksdorf der Ortsteil Rögen geräumt, um hier, wie

es hieß, 600 ungarische Jüdinnen unterzubringen. 107 In dieses Auffanglager

wurden DPs verschiedener Nationalität aufgenommen, den

Deutschen, die Einblick hatten, blieben die jüdischen Mädchen und

Frauen aus Ungarn besonders in Erinnerung, da einige noch ihre

Häftlingskleider trugen, als sie in Sierksdorf ankamen. 108

Die Wochen in Haffkrug haben die befreiten Frauen wie einen Urlaub

empfunden. Sie seien an die Küste nach Haffkrug gekommen, wo sie

sich in guter Luft und bei guter Kost erholt hätten. Allerdings wurde

ihnen auf dem Weg dorthin noch einmal bewusst, wie knapp sie mit

dem Leben davon gekommen waren, denn die Trümmer der Cap

Arcona und der anderen Häftlingsschiffe in der Lübecker Bucht seien

27


gut sichtbar gewesen und wegen der immer noch im Wasser schwimmenden

Leichen sei das Baden in Haffkrug nicht möglich gewesen. 109

Gleichzeitig waren die meisten ohne Nachricht von Familienmitgliedern

und Freunden und deshalb in großer Sorge. Ende Juni/Anfang

Juli kamen die Frauen mit einem tschechischen Transport zuerst mit

dem Lkw, dann per Bahn über Prag und Bratislava nach Budapest.

Je weiter sich die Frauen nun der Karpatenukraine näherten, desto

größer wurde ihre Sorge um die Familie und desto häufiger scheinen

schlechte Nachrichten eingetroffen zu sein. Regina Herskovits Protokoll

schließt mit den Worten: „Wir waren zehn, jetzt sind wir fünf

in der Familie, meine Schwester liegt noch krank, mit ihr will ich zusammen

über die Zukunft entscheiden.“ Ihre Freundin Edit Czin fügt

hinzu: „Wir waren sieben, jetzt bin ich allein.“ 110

Abb. 12: Der verlassene Friedhof der jüdischen Gemeinde von Tecsö/

Tacovo/Tjatschiw in der heutigen Ukraine. (Quelle: galiciantraces.

com/tiachiv)

Die Familie Feldman aus Kisvárda ist durch die nationalsozialistische

Verfolgung ausgelöscht worden, der Sohn, die Schwiegermutter und

deren Schwester starben in Auschwitz, Mutter und drei Töchter zwischen

Timmdorf und Plön. Der Ehemann und Vater der Familie Ickovic

starb auf einem Todesmarsch nach der Räumung des KZs Auschwitz,

die Ehefrau und die vier Kinder überlebten. 1948 ist Gizella

Ickovic mit ihren drei Töchtern und ihrem Sohn Ludvic in die USA

ausgewandert. 111 Sie starb 1993. Eszter Rosenfelds Eltern und eine

Schwester wurden in Auschwitz ermordet wie auch die Ehefrau und

die drei Kinder ihres Bruders Mordechai Rosenfeld. Ihr Bruder konnte

28


sich ebenso wie ihre zweite Schwester Sara retten. Beide wanderten

in die USA aus. Eszter Rosenfeld selbst hielt sich nach ihrer Rückkehr

aus Ungarn nach Westdeutschland im DP-Lager Gabersee/Wasserburg

am Inn auf. Dort heiratete sie Mendel Senderovits, den sie bereits vor

dem Krieg in der Karpatenukraine kennengelernt hatte. Ihre Tochter

Frida, die am 11. Oktober 1946 geboren wurde, war eines der ersten

jüdischen Kinder nach dem Holocaust. Die Familie wanderte 1951 mit

zwei kleinen Töchtern ebenfalls in die USA aus. Dort verstarb Eszter

Senderovits 2006. 112 In Tjatschiw (ung. Técsö), das nach dem Krieg

zur Sowjetunion gehörte, wurde das jüdische Gemeindeleben zwar

wieder aufgenommen, die Gemeinde war aber so sehr geschrumpft,

dass Feiertage im nahen Chust (ung. Huszt) begangen wurden. 113

Die Gräber der sechzehn Frauen auf dem Plöner Friedhof an der

Eutiner Straße erhielten den Status von „Grabstätten von Angehörigen

der Vereinten Nationen“. Ihre Pflege stand unter der Aufsicht

der Schleswig-Holsteinischen Landesregierung. So fand am 12. September

1949 eine Begehung unter Mitwirkung des Regierungsrates

Alfons Galette seitens der Landesregierung statt. Er forderte für das

Massengrab der ungarischen Jüdinnen die Errichtung eines Grabzeichens.

114 Anfang der sechziger Jahre wurden insgesamt 20 Jüdinnen

vom Friedhof an der Eutiner Straße auf die zentrale Kriegsgräberstätte

Schleswig-Karberg umgebettet. 115 Übersehen wurde, dass noch ein

weiteres Einzelgrab, das der Ilonka Pfeffer, bestand. Es war offenbar

in Vergessenheit geraten.

Abb. 13: Gräberreihe von 20 ursprünglich in Plön bestatteten Jüdinnen,

die in den frühen sechziger Jahren auf die Kriegsgräberstätte

Schleswig-Karberg umgebettet wurden. (Quelle: Foto des Verfassers)

29


Anmerkungen:

1

War Diary, 9. Mai 1945, 6. Guards Armoured Brigade, The National Archives Kew/

London, War Office (WO) 171/4321.

2

Einige der Interviews wurden mit mehreren Personen gleichzeitig durchgeführt,

in einem Fall sogar mit 66 Frauen.

3

Barbara Hillmann: Volrad Kluge u. Erdwig Kramer: Lw. 2/XI – Muna Lübberstedt.

Zwangsarbeit für den Krieg. Bremen 1996.

4

Bundesarchiv-Ludwigsburg, B 162/15448.

5

Yad Vashem (Jerusalem), Digital Archives, (YVDA) subcection O 15 E, Nr. 1634.

6

Alle Angaben zur Familie stammen aus der Bildunterschrift des Familienfotos, das

im United States Holocaust Memorial Museum (Washington) unter der Nummer

15856 aufbewahrt wird; abgerufen am 9. Juli 2017. Vgl. auch Eidesstattliche Versicherung

Gizella Ickovic, 1. Mai 1958, Dokument 21076 im 2. Auschwitzprozess,

Archiv Fritz Bauer Institut, Frankfurt am Main.

7

YVDA, subsection O 15 E, Nr. 1801. Vgl. auch den Artikel zu Técsö in: Randolph

L. Braham (Hg.): The Geographical Encyclopedia of the Holocaust in Hungary.

Evanston 2013, Vol. I, S. 625–627.

8

Ebenda, S. 626.

9

Raul Hilberg: Die Vernichtung der europäischen Juden. Bd. 2. Frankfurt am Main,

1990, S. 859–897.

10

Ebenda, S. 898 f.

11

Das bestätigte auch ihr Sohn Martin Senderovits in einer Nachricht vom 17. August

2017.

12

YVDA, subsection O 15 E, Nr. 2832. In Brahams Encyclopedia of the Holocaust

in Hungary wird in dem Artikel zu Bedöháza für 1941 die Zahl von 541 Juden

genannt. Die Juden hätten zur jüdischen Gemeinde in Técsö gehört. Vgl. Braham:

Encyclopedia, a, a, O., Vol I, S. 558 f.

13

YVDA, subsection O 15 E, Nr. 1634.

14

YVDA, subsection O 15 E, Nr. 1809. Die Juden von Visk wurden am 19. u. 20.

April 1944 nach Técsö transportiert. Vgl. Braham: Encyclopedia, a. a. O., Vol. I, S.

634.

15

Hilberg, a. a. O., S. 901.

16

Ebenda, S. 915.

17

Braham: Encyclopedia, a. a. O., Vol. I, S. 626.

18

YVDA, subsection O 15 E, Nr. 2144.

19

YVDA, subsection O 15 E, Nrn 682, 1236, 1801, 1827, 2118, 2932.

20

Danuta Czech: Kalendarium der Ereignisse im Konzentrationslager Auschwitz-

Birkenau 1939–1945. Reinbek bei Hamburg 1989, S. 769.

21

Stefan Romey: Ein KZ in Wandsbek. Zwangsarbeit im Hamburger Drägerwerk.

Hamburg 2016, S. 17–21.

22

YVDA, subsection O 15 E. Nr. 2832.

23

YVDA, subsection O 15 E, Nr. 1634.

24

Braham: Encyclopedia, a. a. O., Vol II, S. 874.

25

List of Jews from Kisvárda prepared prior to their deportation to the ghetto

(04/44), Yad Vashem, record group 041 File No 954, p. 20.

26

Memorial Book of the Jews of Kisvárda and its Vicinity, (Kisvárda, Hungary),

Translation of Kisvárda es Kornyeke Zsidosaga Emlekkonyv, hrsg. v. Rabbi Dr.

Karoly Jolesz, Efrajim Agmon u. a., Tel Aviv, 1980. (http://www.jewishgen.org/yizkor/kisvarda/kis001.html#chap13,

abgerufen am 15. Juli 2017). Vgl. auch Braham:

Encyclopedia, a. a. O., Voll. II, S. 874–877.

27

The Central Database of Shoah Victims´ Names, Yad Vashem. The World Holocaust

Remembrance Center, (https://yvng.yadvashem.org/), abgerufen am 15. Juli

2017.

28

Piroska Lancz, YVDA, subsection O 15 E, Nr. 1827.

29

Piroska u. Sidonia Fuchs, YVDA, subsection O 15 E, Nr. 2144.

30


30

YVDA, subsection O 15 E, Nr. 682, 1236, 1287, 1574, 1801, 1809, 2118, 2144, 2882,

2932.

31

YVDA, subsection O 15 E, Nr. 2144.

32

YVDA, subsection O 15 E, Nr. 2832.

33

YVDA, subsection O 15 E, Nr. 1287 u. 1634.

34

Hillman/Kluge/Kramer: Muna Lübberstedt, a. a. O., S. 12 u. 31–33.

35

Ebenda, S. 26.

36

Geschildert wird der Vorgang von neun Häftlingen in: YVDA, subsection O 15 E,

Nr. 1809.

37

Stefan Romey: KZ Wandsbek, a. a. O.

38

Hillmann/Kluge/Kramer: Muna Lübberstedt, a. a. O., S. 109.

39

Ebenda, S. 111–116.

40

YVDA, subsection O 15 E, Nr. 1362 u. 1634.

41

YVDA, subsection O 15 E, Nr. 1236.

42

YVDA, subsection O 15 E, Nr. 2118.

43

YVDA, subsection O 15 E, Nr. 1287 u. 2832.

44

YVDA, subsection O 15 E, Nr. 1236, 1342, 1574, 1801, 2118, 2144 u. 2832.

45

YVDA, subsection O 15 E, Nr. 2832.

46

Die Hintergründe der Todesfälle sind weitergehend erläutert in: Hillmann/Kluge/

Kramer: Muna Lübberstedt, a. a. O., S. 122–124. Eszter Rosenfelds (verheiratete

Senderovits) Aussage ist zitiert nach ihrer Vernehmung von 1969 im Rahmen

einer Vorermittlung zu Tötungsdelikten in der Muna Lübberstedt, Bundesarchiv-

Ludwigsburg, B 162/15448.

47

Stefan Romey: Ein KZ in Wandsbek, a. a. O., S. 173 sowie Sigrun Jochims-Bozic:

„Lübeck ist nur eine kurze Station auf dem jüdischen Wanderweg“. Jüdisches

Leben in Schleswig-Holstein 1945–1950. Berlin 2004, S. 52.

48

Hillmann/Kluge/Kramer: Muna Lübberstedt, a. a. O., S. 128–130.

49

Beschrieben sind diese Todesmärsche z. B. bei Uwe Fentsahm: Der „Evakuierungsmarsch“

von Hamburg-Fuhlsbüttel nach Kiel-Hassee (12.–15. April 1945).

In: Informationen zur Schleswig-Holsteinischen Zeitgeschichte, Heft 44/2004, S.

66–105; Gerhard Hoch: Von Auschwitz nach Holstein. Der Leidensweg der 1200

jüdischen Häftlinge von Fürstengrube. Hamburg 1990 oder Wilhelm Lange: Cap

Arcona. Das tragische Ende der KZ-Häftlings-Flotte am 3. Mai 1945. Eutin 1988.

50

Sigrun Jochims-Bozic: Lübeck a. a. O., S.53.

51

Hillmann/Kluge/Kramer: Muna Lübberstedt, a. a. O., S. 128 sowie YVDA, subsection

O 15 E, Nrn 1574 u. 2118. Bestätigt wird die Zahl von 60 nach Bergen-Belsen

Deportierten von der an dem Transport beteiligten Tova-Kornelia Hochmann in

ihrer Aussage vom 24. Oktober 1972, BA-LB B 162/15448.

52

YVDA, subsection O 15 E, Nr. 1342.

53

YVDA, subsection O 15 E, Nr. 3275.

54

Hillmann/Kluge/ Kramer: Muna Lübberstedt, a. a. O., S. 131.

55

YVDA, subsection O 15 E, Nr. 1236.

56

YVDA, subsection O 15 E, Nr. 2832.

57

Wilhelm Lange: Cap Arcona, a. a. O., S. 70–77.

58

YVDA, subsection O 15 E, Nr. 2118.

59

YVDA, subsection O 15 E, Nr. 1634.

60

Hillmann/Kluge/Kramer: Muna Lübberstedt, a. a. O., S. 132.

61

YVDA, subsection O 15 E, Nrn 1634 u. 2832.

62

Hillmann/Kluge/Kramer: Muna Lübberstedt, a. a. O., S. 133 u. 138.

63

Wilhelm Lange: Cap Arcona, a. a. O., S. 50.

64

Karl-Heinz Albrecht, Neustadt, Brief vom 18. November 1993, zitiert nach Hillmann/Kluge/Kramer:

Muna Lübberstedt, a. a. O., S. 133.

65

Hillmann/Kluge/Kramer: Muna Lübberstedt, a. a. O., S. 135–137; vgl auch Renate

Gebhardt: „Nur fünf Gräber“. In: Blätter für Heimatkunde. Beilage des Ostholsteinischen

Anzeigers. Nr. 2/Januar 1984, S. 7 f.; Egon Jacob: Der jüdische Friedhof in

31


Eutin. In: Jb. f. Heimatkunde Eutin, 1989, S. 21–23.

66

Hillmann/Kluge/Kramer: Muna Lübberstedt, a. a. O., S. 132 f.

67

Ebenda, S. 134.

68

Zusammenstellung der Plöner Stadtverwaltung vom 26. November 1945: Gräber

der durch Feindeinwirkung gefallenen Zivilpersonen auf dem Friedhof in Plön

– aufgestellt nach den Angaben der Kirchengemeinde Plön und des Friedhofverwalters

Rathje, Stadtarchiv Plön, Nr. 3733.

69

Hillmann/Kluge/Kramer: Muna Lübberstedt, a. a. O., S. 134 f.

70

Vernehmung Barbara Lorbeer, Netanya (Israel), 19. Sept. 1972, BA-LB B

162/15448.

71

Peter Wippich: Neubeginn 1945. In: 1000 Jahre Plön – 750 Jahre Lübisches Stadtrecht.

Plön 1986, S. 211–228, hier S. 213. Wippich korrigiert hier das von Julius

Ploog 1985 mit dem 4. Mai angegebene Datum des Angriffs. Vgl. Julius Ploog: Wie

ich als Feuerwehrmann das Kriegsende in Plön erlebte. In: Jahrbuch für Heimatkunde

im Kreis Plön, 15. Jg./1985, S. 69–72.

72

Alfons Galette: Erinnerungen an die letzten zwei Kriegsjahre im Kreise Plön. In:

Jahrbuch für Heimatkunde im Kreis Plön, 15. Jg./1985, S. 33–49, hier S. 47.

73

YVDA, subsection O 15 E, Nr. 2832.

74

YVDA, subsection O 15 E, Nrn 1342, 1937, 2932.

75

Sune Persson: Rettung im letzten Augenblick. Folke Bernadotte und die Befreiung

Tausender KZ-Häftlinge durch die Aktion »weiße Busse«. Berlin 2011, S. 312 f. u.

316.

76

Stephan Linck: Der Ordnung verpflichtet: Deutsche Polizei 1933–1949. Der Fall

Flensburg. Paderborn u. a. 2000.

77

Ebenda, S. 150–156; sowie Peter Longerich: Heinrich Himmler. München 2008,

S. 750–755; vgl. auch Alfred Heggen: Ribbentrop in Plön am 1. Mai 1945 – Drei

rätselhafte Funksprüche und ein Versuch der Einordnung. In: Jahrbuch für Heimatkunde

im Kreis Plön, 35. Jg./2005, S. 170–175.

78

Peter Longerich: Himmler, a. a. O., S. 752.

79

YVDA, subsection O 15 R, Nr. 1287. Nach der Erfassung der Kriegsgefangenenund

Zwangsarbeiterlager in Schleswig-Holstein gab es in Plön ein „Kommando

Eisenbahngelände mit 160 sowjetischen und italienischen Arbeitern. Vgl. Rolf

Schwarz: Die Lager: Suche und Ergebnis. In: Gerhard Hoch/Rolf Schwarz: Verschleppt

zur Sklavenarbeit. Kriegsgefangene und Zwangsarbeiter in Schleswig-

Holstein. Alveslohe und Nützen 1985, S. 149–190, hier S. 181; Ulrich March erwähnt

russische Kriegsgefangene, die in der Nacht vom 4. auf den 5. Mai aus dem

„Lager am Bahnhof“ ausgebrochen seien. Vgl. Ulrich March: Kriegsende 1945 in

Plön. In: Die Lade. Monatsbeilage des Ost-Holsteinischen Tageblattes, Nr. 4/April

1965, wiederveröffentlicht in: 1000 Jahre Plön – 750 Jahre Lübisches Stadtrecht,

Plön 1986, S. 206–210.

80

YVDA, subsection O 15 E, Nr. 792 u. 1236. Fast gleichzeitig mit dem Zug der

ungarischen Jüdinnen wurde auf der Provinzialstraße bei Oberkleveez ein Kranken-

und Verwundetentransport, der auf dem Weg von Eutin nach Heide war,

angegriffen. Ein Kraftwagen brannte aus, es gab Verwundete und mehrere Tote.

Die Gefallenen wurden auf den städt. Friedhof nach Plön gebracht. Der Krankentransport

wurde von einem Stabs- oder Oberstabsarzt angeführt. Schreiben der

Gemeindeverwaltung Bösdorf, 14. Juli 1949, Stadtarchiv Plön, Nr. 3734 (II).

81

YVDA, subsection O 15 E, Nr. 2832.

82

YVDA, subsection O 15 E, Nr. 1287.

83

Ulrich March: Kriegsende 1945 in Plön, a. a. O. Vgl. auch Renate Dopheide: Kiel,

Mai 1945. Kiel 22007, S. 49–52; vgl. auch Hans Pauckstadt: Die Ereignisse in Plön

unmittelbar vor und während der Kapitulation. Unveröffent. Manuskript, Sept.

1945, zitiert nach: Hans Stark: Marineunteroffizierschule Plön/Holstein. Plön 1974,

S. 91.

84

YVDA, subsection O 15 E, Nr. 1287.

32


85

YVDA, subsection O 15 E, Nr. 2118 u. 2832.

86

YVDA, subsection O 15 E, Nr. 2144.

87

Käthe Waag: Plön Februar bis Mai 1945. Plön 1985.

88

Alfons Galette: Erinnerungen an die letzten zwei Kriegsjahre im Kreise Plön. In:

Jahrbuch für Heimatkunde im Kreis Plön, 15. Jg./1985, S. 33–49, hier S. 47.

89

Grabstätten von Angehörigen der Vereinten Nationen, Schreiben des Kirchenvorstandes

der Kirchengemeinde Plön an die Stadtverwaltung Plön, 13. Februar 1948,

Stadtarchiv Plön, Nr. 3733.

90

Beerdigungen auf unserem Friedhof, Pastor Böttger an die Stadtverwaltung Plön,

10. Mai 1945, StA Plön, Nr. 3508.

91

Lageplan der Kriegsgräber auf dem Friedhof der Kirchengemeinde Plön, undatiert

[frühe 50ger Jahre] StA Plön, Nr. 3734 (I).

92

Grabstätten von Angehörigen der Vereinten Nationen, Kirchenvorstand der ev.

Luth. Kirchengemeinde Plön, 13. Feb. 1948, StA Plön, Nr. 3733.

93

Gräberliste nach dem Kriegsgräbergesetz von 1952, Friedhof der ev. Luth. Kirchengemeinde

Plön, 16. Dez. 1953, StA Plön Nr. 3734 (I). So auch das Grabregister

der Kirchengemeinde Plön, Archiv der KG Plön, Nr. 107.

94

Zusammengestellt nach: Gräberliste nach dem Kriegsgräbergesetz von 1952,

Friedhof der ev. Luth. Kirchengemeinde Plön, 16. Dez. 1953, StA Plön Nr. 3734

(I). Durch Recherche wurde versucht, die z. T. offensichtlich falsche Schreibweise

anzupassen, was allerdings nicht immer gelang. Weder im Stadtarchiv Plön, im

Landesarchiv in Schleswig noch im Schl.-Holst. Innenministerium konnten Hinweise

auf die Umbettung festgestellt werden. Der entscheidende Hinweis fand

sich bei: Rüdiger Kahrs: Die Evakuierung des KZ-Außenlagers Lübberstedt bei

Bremen nach Ostholstein 1945. Eine Ereignisskizze. In: Informationen zur Schleswig-Holsteinischen

Zeitgeschichte, 36/Okt. 1999, S. 93–96.

95

YVDA, subsection O 15 E, Nr. 1937.

96

YVDA, subsection O 15 E, Nr. 1287.

97

War Diary, 9. Mai 1945, 6. Guards Armoured Brigade, The National Archives Kew/

London, War Office 171/4321.

98

YVDA, subsection Nr. O 15 E, Nrn 1287, 1342, 2118.

99

Käthe Waag: Plön Februar bis Mai 1945. Plön 1985. (ohne Seitenzählung)

100

Hans Pauckstadt: Das Steinbergschlösschen. Plön 1975, S. 2. – Die Schrift liegt unveröffentlicht

im StA Plön vor. Für den Hinweis auf diese Schrift danke ich Herrn

Böhrens vom Stadtarchiv Plön. Vgl. auch Peter Wippich: Neubeginn, a. a. O., S.

218 f.

101

Gespräch mit Frau Staack, Plön, Hipperstraße 6, geführt von Susanne Martens im

Rahmen einer Projektwoche des Internatsgymnasiums Schloß Plön am 26. Juni

1993.

102

Landrat des Kreises Plön an den Bürgermeister der Stadt Plön, 24. Mai 1945, StA

Plön, Nr. 1553. Im Kriegstagebuch des 520. Military Government Detachment

findet sich zum 3. Juni 1945 der Eintrag: „Evacuation of hospital from Plön to

Preetz.“ The National Archives, WO 171/8006. In Preetz hat es offenbar keine

weiteren Todesfälle gegeben, die sich der Gruppe der ungarischen Jüdinnen zuordnen

lassen; vgl. Peter Pauselius: Dokumentation über die Kriegsgefangenen,

Fremd- und Ostarbeiter in Preetz 1939–1946. Großbarkau 1996.

103

Kirchenarchiv der Kirchengemeinde Plön, Nr. 107 (Grabregister 1911–1962), S.

26. Dieser Sterbefall findet in keinem der späteren Kriegsgräberverzeichnisse Berücksichtigung.

Es ist davon auszugehen, dass es später auch keine Umbettung

gegeben hat. Dieses Grab (J VIII 14) hätte also auch nicht aufgehoben werden

dürfen.

104

YVDA, subsection O 15 E, Nr. 2832 u. 2118.

105

Fügt man zu dieser Zahl die 24 noch im Krankenhaus befindlichen Frauen hinzu,

ergibt sich annähernd die oben angeführte Zahl von 350 Jüdinnen.

106

Schreiben des Mil. Gov. an den Bürgermeister in Plön, 15. Mai 1945, Landesarchiv

33


Schleswig-Holstein, Abt. 320 (Plön), Nr. 1318.

107

Hermann Schulze-Koops: Zeitzeugen berichten: 1945–1947 Haffkrugs und Sierksdorfs

schwerste Jahre. Timmendorfer Strand 51992, S. 14–17.

108

Ebenda, S. 23.

109

YVDA, subsection O 15 E, Nr. 1342 u. 2118.

110

YVDA, subsection O 15 E, Nr. 1236.

111

Eidesstattliche Versicherung Gizella Ickovic, 1. Mai 1958, Dokument 21076 im 2.

Auschwitzprozess, Archiv Fritz Bauer Institut, Frankfurt am Main.

112

Mitteilung von Martin Senderovits vom 12. Juli und 17. August 2017.

113

Braham: Encyclopedia, a. a. O., Vol I, S. 626.

114

Aktennotiz vom 16. September 1949, StA Plön, Nr. 3733 (Kriegsgräber).

115

Rüdiger Kahrs: Die Evakuierung des KZ-Außenlagers Lübberstedt bei Bremen

nach Ostholstein 1945. Eine Ereignisskizze. In: Informationen zur Schleswig-Holsteinischen

Zeitgeschichte 36/Okt. 1999, S. 93–96.

Der Versuch, zu den Betreibern der Internetseite „galiciantraces.com/tiachiv“ Kontakt

aufzunehmen, ist misslungen. Der Verfasser ist bereit, im Rahmen üblicher Vergütung

die Wiedergabe der Abbildung zu honorieren.

34

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