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nutritionpress_2_2018_online

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Ausgabe Nr. 13 – Dezember <strong>2018</strong> . 4,95 Euro . ISSN 2196-1271 www.nutrition-press.com<br />

nutrition-press<br />

Fachzeitschrift für Mikronährstoffe<br />

Früher Raubritter<br />

und Wegelagerer<br />

... heute<br />

Abmahnvereine??<br />

Mikronährstoffe<br />

Vitalstoffe<br />

Nahrungsergänzungsmittel<br />

Hersteller und Vertriebe<br />

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NEM e.V.<br />

Jetzt anno 2016 ist unser Verband bereits 10 Jahre für den<br />

Wer die Macht über Lebensmittel<br />

hat, hat die Macht über uns Bürger.<br />

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Wir sprechen mit Politik & Wissenschaft - scheuen keinen<br />

Rechtsweg und reden kompetent und deutlich für die Branche<br />

VORTEILE DER MITGLIEDSCHAFT / LEISTUNGSKATALOG<br />

1. Fachjuristen, Sachverständige, Institute, Labore, Rechtschutz kosten deutlich weniger :<br />

2. Teilnahme an NEM-Seminare fast 25% günstiger.<br />

3. Verkehrsfähigkeitsprüfungen von Rezepturen .<br />

4. Verkehrsfähigkeitsprüfungen von Rohstoffen .<br />

5. Verkehrsfähigkeitsprüfungen von Kennzeichnungen / Etiketten.<br />

6. Verkehrsfähigkeitsprüfungen von wettbewerbsrechtlichen Fragen, Prüfungen von<br />

Werbebroschüren .<br />

7. Erstellung von Gutachten hinsichtlich lebensmittelrechtlicher Fragen, Geschäftsvertragsprüfung<br />

von Angeboten, Aufträgen, Rechnungen etc., Prüfung von Webseiten, Online-<br />

Shops etc., Prüfung von AGBs, Vertragsgestaltung Herstellungsverträge und Vertriebsverträge.<br />

8. Juristische Beratung bei Abmahnungen durch Wettbewerber, Verbraucherverbände,<br />

Behörden etc.<br />

9. Anmeldungsberatung von Health Claims.<br />

10. Anmeldungsberatung von diätetischen Lebensmitteln.<br />

11. Beratung bei gesetzlichen Verstößen, Bußgeldern, bei strafrechtlichen Fällen.<br />

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Freiheit für<br />

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Anmeldeformulare und Informationen über Mitgliedsbeiträge<br />

finden Sie unter: www.nem-ev.de<br />

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Vertretung für<br />

den Mittelstand<br />

NEM Verband mittelständischer europäischer Hersteller und Distributoren<br />

von Nahrungsergänzungsmitteln & Gesundheitsprodukten e. V.<br />

Horst-Uhlig-Straße 3 · D-56291 Laudert · Telefon +49 (0)6746/80298-20<br />

Telefax +49 (0)6746/80298-21 · E-Mail: info@nem-ev.de<br />

www.nem-ev.de


Inhalt<br />

Abmahnungen – Verbraucherschutz oder Geldgenerator? Manfred Scheffler 04<br />

Autorenübersicht 06<br />

Deutschland als Hochburg der Abmahnindustrie Torsten Schink 08<br />

Cyberangriff ... Vorbeugung und Schutz Christian Brügel 10<br />

Erste Hilfe bei Filesharing-Abmahnung ARAG 12<br />

Wer haftet für illegale Downloads? ARAG 13<br />

DSGVO-Abmahnungen Karl Ott 15<br />

Mit den Nerven zu Fuß? Dr. med. Frank Ingwersen 18<br />

Vitalstoffmangel fördert psychische Störungen Nathalie Schmidt & Dr. med. Edmund Schmidt 24<br />

Zink Sven-David Müller 28<br />

Der Einfluss von Glyphosat und anderen Pestiziden auf die menschliche Gesundheit Heike Lück-Knobloch 32<br />

Kapuzinerkresse und Meerrettich www.vitalstoffjournal.de 38<br />

Die Wahrheit über Coenzym Q10 und ihren vielen Aufbereitungen Teil II Prof. Dr. Enno Freye 41<br />

Vitamin D und Omega-3 Fettsäuren Daniela Lipgens 46<br />

Kurkuma als alternative Therapieoption bei Arthrose Philipp Gebhard 48<br />

Lithium – ein fast unbekanntes Spurenelement Dr. med. Klaus-Georg Wenzel 52<br />

Tipps für das neue Steuerjahr Dr. med. Isabel Klocke 54<br />

BGH versalzt die Suppe Thomas Bruggmann 57<br />

Nachhaltig gut finanziert! Prof. Klaus Weiler 60<br />

Der aktuelle Tipp! Impressumspflicht – was Sie beachten müssen 63<br />

Newsticker 64<br />

Impressum<br />

Nutrition-Press<br />

Fachzeitschrift für Mikronährstoffe,<br />

Vitalstoffe, Nahrungsergänzungsmittel,<br />

Hersteller und Vertriebe<br />

Print-Ausgabe ISSN 21951271<br />

Herausgeber: NEM Verband mittelständischer<br />

europäischer Hersteller und Distributoren von<br />

Nahrungsergänzungsmitteln & Gesundheitsprodukten e.V.<br />

Horst-Uhlig-Str. 3, D - 56291 Laudert<br />

Phone: +49 (0) 6746 8029820<br />

Fax: +49 (0) 6746 8029821<br />

Email: info@nem-ev.de, www.nem-ev.de<br />

Chefredaktion: Manfred Scheffler (V.i.S.d.P.)<br />

Leitender Redakteur: Manfred Scheffler<br />

Redaktion: Liane Schmidt<br />

Wissenschaftlicher Beirat:<br />

Dr. Gottfried Lange und Prof. Dr. Kurt S. Zänker<br />

Juristischer Beirat: Dr. jur. Thomas Büttner LL. M.<br />

Grafik/Layout: www.pp-grafikdesign.de<br />

Anzeigenabteilung:<br />

Liane Schmidt, Telefon: +49 (0) 6746 8029820<br />

E-Mail: info@<strong>nutritionpress</strong>.com<br />

Bildnachweis: Fotolia, privat, pixabay<br />

Erscheinungsweise: 2 mal pro Jahr: Frühjahr, Herbst<br />

Einzelpreis: 4,95 Euro, zzgl. Versandkosten<br />

Bestellung der Print-Ausgabe: info@nem-ev.de<br />

Online-Ausgabe: ISSN 21968505<br />

Online-Magazin und Media-Daten:<br />

kostenlos unter www.<strong>nutritionpress</strong>.com<br />

Printed in Germany<br />

Copyright-Hinweis:<br />

Die gesamten Inhalte des Magazins sind<br />

urheberrechtlich geschützt. Alle Rechte auf<br />

Konzept und Gestaltung: NEM e.V.<br />

Vervielfältigungen jeglicher Art nur mit<br />

ausdrücklicher Genehmigung des NEM e.V.<br />

Offizielles Magazin des NEM e.V.:<br />

NEM Verband mittelständischer europäischer<br />

Hersteller und Distributoren von Nahrungsergänzungsmitteln<br />

& Gesundheitsprodukten e.V.<br />

Horst-Uhlig-Str. 3, 56291 Laudert<br />

Telefon: +49 (0)6746/80 29 82 0<br />

Fax: +49 (0)6746/80 29 82 1<br />

E-Mail: info@nem-ev.de<br />

Internet: www.nem-ev.de<br />

Nutrition-Press 03


ABMAHNUNGEN<br />

Verbraucherschutz<br />

Sehr geehrte Leserinnen, sehr geehrte Leser,<br />

Es reicht! Das Maß ist voll verehrte Abmahnvereine<br />

und entsprechende Advokaten!<br />

In der Zwischenzeit gibt es ca 100 Abmahnvereine<br />

in Deutschland und jede Menge Anwälte die davon leben.<br />

Herzlichen Glückwunsch Deutschland.<br />

Es betrifft ja nicht nur Unternehmen, sondern auch Verbraucher<br />

die abgemahnt werden. Die Gesetze sind so speziell,<br />

dass selbst Anwälte nicht immer klar durchblicken,<br />

sondern immer wieder Gerichte bemüht werden. Gesetze<br />

sind häufig nicht eindeutig – so dass die Gerichte auch<br />

einmal so und einmal so urteilen. Da kann es nur Verlierer<br />

geben – und häufig wirtschaftliche Not.<br />

Die meisten Verbraucher und Unternehmer (auch Verbraucher)<br />

haben nichts Böses im Sinn. Man tappt halt ungewollt<br />

in ein Fettnäpfchen rein.<br />

Diesen Irrsinn gibt es im Übrigen nur in Deutschland.<br />

Im Rest der EU gibt es sowas nicht.<br />

Wer ist schuld daran?<br />

• Sind es wir die Bürger, die zu ruhig bleiben und uns<br />

alles bieten lassen? Ja so ist es.<br />

• Ist es die Politik, die häufig selbst nicht wissen, was<br />

da „draußen“ in der „echten“ Welt los ist?<br />

Papierkrieg ohne Ende – keine Ahnung und<br />

Fraktionszwänge. Ja genauso ist es.<br />

• Sind es die Abmahnvereine, und „Abmahnanwälte“?<br />

Ja na klar, einfachere Geldmaschinen kenne ich nicht.<br />

Ja, das ist schlimmer als unmoralisch.<br />

• Sind es Unternehmen selbst, die andere Unternehmen<br />

verdeckt abmahnen? Ja – mit Sicherheit.<br />

• Sind es Konzerne, die mit den Gesetzgebern kungeln,<br />

um Mittelständler zu vertreiben? Ja, die Medien haben<br />

es in einigen Branchen aufgezeigt.<br />

• Sind es missgünstige Bürger, die andere Bürger aus<br />

persönlichen Gründen ins Verderben stürzen wollen?<br />

Ja – mit Sicherheit – das moderne Wort "Mobbing"<br />

gehört leider auch dazu.<br />

04 Nutrition-Press www.nutrition-press.com


Editorial<br />

Manfred Scheffler<br />

Präsident NEM e.V.<br />

oder Geldgenerator?<br />

Wie werden wir nun die Abmahn-<br />

Monsterdrachen los?<br />

Wir, der NEM-Verband, haben ein paar Lösungsansätze<br />

entwickelt, die wir an dieser Stelle einmal öffentlich machen<br />

wollen – aufgepasst und mitgemacht!<br />

1. Ernsthafte Lösungen, die der<br />

NEM-Verband angehen wird:<br />

a) Politik informieren über den Missstand<br />

b) Bürger Aktionen wie Petitionen – die zumindest<br />

das Thema massiv öffentlich machen<br />

c) Konzepte entwickeln, so dass es für Abmahnvereine,<br />

Anwälte wirtschaftlich uninteressant wird – dies<br />

als Gesetz fordern.<br />

d) PR- Arbeit<br />

e) Tipps veröffentlichen wie man Fehler vermeidet.<br />

Machen Sie mit! Bringen Sie sich gern als ein aktives Mitglied<br />

ein – falls Sie noch kein Mitglied sind. Der Zuwachs<br />

ist im Moment enorm – wir sind begeistert über den Zuspruch<br />

unseres Verbands. Das hilft uns allen weiter. «<br />

Mit herzlichen Grüßen<br />

Ihr<br />

Manfred Scheffler<br />

Präsident NEM e.V.<br />

Rheinland-Pfalz, November <strong>2018</strong><br />

Foto Streifen: kebox_Fotolia<br />

2. Schelmische Lösungen, die der<br />

NEM-Verband angehen wird:<br />

a) Aktivitäten von Abmahnvereinen beobachten und<br />

regen Schriftverkehr imitieren.<br />

b) Und mehr – Weiteres möchten wir im Moment<br />

nicht veröffentlichen.<br />

Nutrition-Press ist die offizielle Zeitschrift des<br />

NEM e.V. Verband mittelständischer europäischer<br />

Hersteller und Distributoren von Nahrungsergänzungsmitteln<br />

& Gesundheitsprodukten e.V.<br />

www.nutrition-press.com<br />

Nutrition-Press 05


Unsere Autoren in der Ausgabe Nr. 13 der nutrition-press<br />

Deutschland als Hochburg<br />

der Abmahnindustrie<br />

Seite 8<br />

Torsten Schink<br />

Rechtsanwalt, Fachanwalt für<br />

Arbeitsrecht, Diplom-Verwaltungswirt/<br />

FH, Fachbereich: Arbeitsrecht<br />

Cyberangriff ...<br />

Vorbeugung und Schutz<br />

Seite 10<br />

Christian Brügel<br />

Dipl.- Kfm.<br />

Bezirksdirektion Gothaer<br />

Versicherungsbank VVaG<br />

DSGVO-Abmahnungen<br />

Seite 15<br />

Karl Ott<br />

Karl Ott ist CEO von ReachAd,<br />

einer Full-Service-Agentur für<br />

Digitalmarketing und Experte für<br />

E-Mail-Marketing. http://reachad.de<br />

Mit den Nerven zu Fuß?<br />

Seite 18<br />

Dr. med. Frank Ingwersen<br />

Facharzt für Psychiatrie<br />

und Psychotherapie<br />

Sandkuhlenweg 18<br />

25885 Ahrenviöl<br />

Tel: 04847 20 14 74<br />

Fax: 04847 20 14 87<br />

f.ingwersen@ahrnfjolde.de<br />

www.dr-ingwersen.de<br />

Vitalstoffmangel fördert<br />

psychische Störungen<br />

Seite 24<br />

Nathalie Schmidt<br />

Therapeutin, Autorin<br />

Vitalstoffmangel fördert<br />

psychische Störungen<br />

Seite 24<br />

Dr. med. Edmund Schmidt<br />

Facharzt für Allgemeinmedizin,<br />

Chirotherapie, Schmerztherapie,<br />

Reisemedizin, Gelbfieber-<br />

Impfstelle, Ernährungsmedizin,<br />

Vitalstofftherapie<br />

Zink<br />

Seite 28<br />

Sven-David Müller<br />

Master of Science in Applied<br />

Nutritional Medicare (Angewandte<br />

Ernährungsmedizin)<br />

Staatlich geprüfter Diätassistent<br />

und Diabetesberater der Deutschen<br />

Diabetes Gesellschaft (DDG)<br />

Der Einfluss von Glyphosat<br />

und anderen Pestiziden<br />

auf die menschliche Gesundheit<br />

Seite 32<br />

Heike Lück-Knobloch<br />

Heilpraktikerin / Medizinjournalistin<br />

Am Pohlacker 19<br />

40885 Ratingen<br />

e-Mail: Heike_lueck@gmx.de<br />

www.lueck-knobloch.de<br />

06 Nutrition-Press


www.nem-ev.de<br />

Unsere Autoren in der Ausgabe Nr. 13 der nutrition-press<br />

Die Wahrheit über Coenzym<br />

Q10 und ihren vielen<br />

Aufbereitungen Teil II<br />

Seite 41<br />

Prof. Dr. Enno Freye<br />

Universität Düsseldorf/Deutschland<br />

Arzt: Spezielle Schmerztherapie,<br />

Anästhesio logie, Intensivmedizin<br />

und Suchttherapie, Nutrazeutika,<br />

Mikronährstoffe, Zivilisationskrankheiten,<br />

Renaturierung und<br />

Fachlicher Beirat des NEM e. V.<br />

Vitamin D und Omega-3<br />

Fettsäuren<br />

Seite 46<br />

Daniela Lipgens<br />

Geschäftsführerin hajoona GmbH<br />

Kontakt: hajoona GmbH<br />

Kurkuma als alternative<br />

Therapieoption bei Arthrose<br />

Seite 48<br />

Philipp Gebhard<br />

Produktmanager /<br />

Product Manager<br />

Lipoid GmbH<br />

Lithium – ein fast<br />

unbekanntes Spurenelement<br />

Seite 52<br />

Dr. med. Klaus-Georg Wenzel<br />

Facharzt für Neurologie<br />

und Psychiatrie<br />

Tipps für das neue Steuerjahr<br />

Seite 54<br />

Dr. Isabel Klocke<br />

Leiterin der Abteilung Steuerrecht<br />

und Steuerpolitik beim Bund der<br />

Steuerzahler Deutschland e. V.<br />

BGH versalzt die Suppe<br />

Seite 57<br />

Thomas Bruggmann, LL.M.<br />

Rechtsanwalt<br />

Juravendis<br />

Rechtsanwaltskanzlei<br />

Nachhaltig gut finanziert!<br />

Seite 60<br />

Prof. Klaus Weiler<br />

Finanzwissenschaftler,<br />

Vorstandssprecher des<br />

Bundesverbandes deutscher<br />

FördermittelBerater (BvdFB)<br />

und Geschäftsführer des<br />

Europäischen Instituts für<br />

Unternehmensfinanzierung.<br />

Weitere Beiträge:<br />

Erste Hilfe bei Filesharing-Abmahnung<br />

ARAG – Seite 12<br />

Wer haftet für illegale Downloads?<br />

ARAG – Seite 13<br />

Kapuzinerkresse und Meerrettich<br />

www.vitalstoffjournal.de – Seite 38<br />

Nutrition-Press 07


Deutschland als Hochburg<br />

der Abmahnindustrie?<br />

Bezüglich der Datenschutzgrundverordnung<br />

(DSGVO) herrscht bei Vereinen, kleinen Firmen<br />

und Selbständigen erhebliche Unsicherheit und<br />

Angst vor teuren Abmahnungen. Die befürchtete<br />

große Abmahnwelle ist bisher zwar ausgeblieben,<br />

doch etliche Fälle von unseriösen Abmahnschreiben<br />

sorgten für einiges Aufsehen.<br />

Was ist also zu tun, wenn eine solche Abmahnung<br />

nach DSGVO im Briefkasten liegt?<br />

Wenn von Abmahnungen nach DSGVO die Rede ist, ist diese<br />

Bezeichnung rechtlich nicht ganz korrekt. Abmahnungen<br />

zwischen Unternehmen erfolgen auf Basis wettbewerbsrechtlicher<br />

Normen. Etwas verkürzt wird von Abmahnungen<br />

nach DSGVO gesprochen, weil hier mit der Abmahnung die<br />

Nichteinhaltung datenschutzrechtlicher Vorschriften nach<br />

der neuen EU-Datenschutzgrundverordnung gerügt wird.<br />

Deutschland gilt als Hochburg der Abmahnindustrie, weil<br />

kaum in einem anderen EU-Land Wettbewerber untereinander<br />

so gnadenlos professionalisiert und unterstützt von<br />

spezialisierten Anwaltskanzleien übereinander herfallen.<br />

Da wird abgemahnt und zur Unterlassung aufgefordert,<br />

was entsprechend automatisierte Schreiben hergeben.<br />

Jede Abmahnung ist selbstverständlich verbunden mit<br />

einer Anwaltsrechnung in nicht unerheblicher Höhe. Es<br />

war deshalb nur eine Frage der Zeit, wann die ersten Abmahnschreiben<br />

mit Bezug auf die DSGVO auftauchen werden.<br />

Allerdings sind gerade Abmahnungen nach DSGVO<br />

zurzeit auch für die Abmahner rechtlich nicht ganz ohne<br />

Risiko. Es gibt da noch einige offene Fragen zur Einordnung<br />

der DSGVO in das Feld wettbewerbsrechtlich relevanter<br />

Normen. Insbesondere die Frage, ob es sich bei DSG-<br />

VO-Verstößen um UWG-Verletzungen (Gesetz gegen den<br />

unlauteren Wettbewerb) handelt, ist noch nicht geklärt.<br />

Bereits unmittelbar nach der vollen Geltung der DSGVO hat<br />

eine Abmahnung Aufsehen erregt, mit der ein Abmahnanwalt<br />

Schmerzensgeld in fünfstelliger Höhe forderte, weil in<br />

deren Kontaktformular auf der Online-Präsenz das SSL-Zertifikat<br />

nicht geschaltet war. Der Abmahner begründet die<br />

Höhe mit dem „personal distress“, also einer aufgewühlten<br />

Stimmungslage, unter der er wegen der fehlenden SSL-Verschlüsselung<br />

litt. Bei der geforderten Summe handelt es sich<br />

deshalb um Schmerzensgeld. Im beschriebenen Fall waren<br />

die Daten, die User der Website in das Kontaktformular des<br />

Händlers eingetragen haben, nicht verschlüsselt. Der Anspruch<br />

auf immateriellen Schadenersatz (dazu gehört auch<br />

Schmerzensgeld) ist zwar tatsächlich in Art. 82 DSGVO<br />

normiert. In dessen Absatz 1 heißt es wörtlich: „Jede Person,<br />

der wegen eines Verstoßes gegen diese Verordnung<br />

ein materieller oder immaterieller Schaden entstanden ist,<br />

hat Anspruch auf Schadenersatz gegen den Verantwortlichen<br />

oder gegen den Auftragsverarbeiter.“ Ob ein Schaden<br />

entstanden ist, ist hier jedoch gerade die Frage. Der Jurist<br />

definiert einen solchen immateriellen Schaden als Schaden,<br />

der kein Vermögensschaden ist, also nicht geldwerte<br />

Rechtsgüter, sondern beispielsweise Körper, Freiheit oder<br />

Ehre betrifft. Im Medienrecht ist ein solcher immaterieller<br />

Schadensersatzanspruch bei schwerwiegenden Persönlichkeitsrechtsverletzungen<br />

anerkannt, beispielsweise bei<br />

der unerlaubten Veröffentlichung von Nacktbildern oder<br />

schwerwiegenden Beleidigungen. Voraussetzung für den<br />

08 Nutrition-Press


Recht<br />

immateriellen Schadensersatzanspruch bei einer Verletzung des allgemeinen<br />

Persönlichkeitsrechts ist jedoch, das zunächst mal die „Grundan sprüche“ wie<br />

Unterlassungsansprüche, Beseitigungsansprüche und materielle Schadensund<br />

Aufwendungsersatzansprüche geltend gemacht werden. Viele Unternehmen<br />

sehen sich durch solche Aktionen in ihren Befürchtungen bestätigt. Sie<br />

waren sich von Anfang an sicher, dass die DSGVO neben den diversen Verpflichtungen<br />

gegenüber Behörden auch noch einige neue Abmahnfallen für<br />

sie bereithält. Dabei ist die Sache längst nicht unstreitig oder gar gerichtlich<br />

geklärt. Einige DSGVO-Experten stellen beispielsweise die Frage, ob die DS-<br />

GVO überhaupt Grundlage wettbewerbsrechtlicher Abmahnungen sein kann.<br />

Sie könnte es nur sein, wenn sie auch den Wettbewerb und das Marktverhalten<br />

schützen soll. Das dürfte durchaus fraglich sein. Daneben werden jetzt auf politischer<br />

Ebene Anregungen laut, die Abmahnmöglichkeiten auf Grundlage der<br />

DSGVO einzuschränken, beziehungsweise für längere Zeit auszusetzen.<br />

Der Gesetzentwurf des Justizministeriums sieht verschiedene Maßnahmen<br />

vor, um missbräuchliche Abmahnungen einzudämmen:<br />

• Aufwendungsersatz soll für Mitbewerber und qualifizierte Wirtschaftsverbände<br />

bei unerheblichen Verstößen entfallen<br />

• Es soll, ähnlich wie bei der Musterfeststellungsklage, höhere Anforderungen<br />

an die Befugnis zur Geltendmachung von Ansprüchen geben<br />

• die finanziellen Anreize für Abmahnungen sollen gesenkt werden<br />

• Gegenansprüchen sollen einfacher geltend gemacht werden können.<br />

Auch der Bundesrat hat bereits am 6.7. über einen vom bayerischen Ministerpräsidenten<br />

eingebrachten Entwurf eines Gesetzes zur Anpassung zivilrechtlicher<br />

Vorschriften an die DSGVO beraten. Anpassungen im Zivilrecht sollen das<br />

Datenschutzrecht ausdrücklich und generell aus dem Anwendungsbereich des<br />

UWG herausnehmen. Dem § 3 UWG soll ein Satz angehängt werden, wonach<br />

DSGVO-Vorschriften nicht erfasst werden. Allerdings könnte es koalitionsintern<br />

schwierig werden, Datenschutzbestrebungen und den Schutz der Wirtschaft<br />

einer einvernehmlichen gesetzlichen Interessenabwägung zuzuführen.<br />

Abmahnung nach DSGVO – was ist konkret zu tun?<br />

Erhalten Unternehmen eine Abmahnung mit Bezug auf die DSGVO, ist das kein<br />

Grund zur Panik. Aufgrund der rechtlichen Unsicherheiten sollte zunächst geprüft<br />

werden, wie die Abmahnung richtig einzuschätzen ist. Dazu ist es empfehlenswert,<br />

einen Rechtsanwalt zurate zu ziehen. Dieser wird in einem ersten<br />

Schritt zum Beispiel prüfen, ob der Abmahner überhaupt zur Abmahnung<br />

berechtigt ist. Abmahnen dürfen mit Bezug zur DSGVO Wettbewerber, Wettbewerbszentralen<br />

und auch Verbraucherschutzverbände in einem gewissen<br />

Umfang. Neben der Berechtigung abzumahnen, geht es auch um den Inhalt<br />

des Abmahnschreibens und dessen Rechtmäßigkeit. Hier können sowohl die<br />

grundsätzliche Abmahnbarkeit von DSGVO-Verstößen fraglich sein wie auch die<br />

angegriffenen Verhaltensweisen im Einzelfall. Weitergehende Ansprüche wie der<br />

beschriebene Anspruch auf Schmerzensgeld dürften vor diesem Hintergrund<br />

rechtlich äußerst fragwürdig sein. Deshalb sollten sich betroffene Unternehmen<br />

nicht einschüchtern lassen und am besten<br />

die Möglichkeiten im Einzelfall durch einen Anwalt<br />

prüfen lassen. Im Falle offensichtlich rechtsmissbräuchlicher<br />

Abmahnung kann auch der Abmahner<br />

im Gegenzug abgemahnt werden. «<br />

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Cyberangriff<br />

...<br />

Wir beschäftigen uns hier mit dem in den<br />

letzten Jahren zunehmend auftauchenden<br />

Bereich der Cyber-Kriminalität.<br />

Im Allgemeinen werden unter Cyber Risiken jede Art<br />

von Risiken im Zusammenhang mit Informations- und<br />

Kommunikationstechnologien verstanden. Arne Schönbohm,<br />

Präsident des Bundesamtes für Sicherheit in der<br />

Informationstechnik (BSI) sagte dazu: „Es ist nicht mehr<br />

eine Frage, ob ein Unternehmen gehackt wird, sondern<br />

nur noch wann.“<br />

Zu den angerichteten Schäden finden sich kaum verlässliche<br />

Zahlen, da sich hier viel in einem Dunkelfeld abspielt<br />

und in der Vergangenheit nicht jeder Unternehmer einen<br />

Angriff meldete. Der Branchenverband Bitkom geht in einer<br />

Studie vom Sommer 2017 von einem jährlichen Schaden<br />

von 55 Milliarden EUR für die deutsche Wirtschaft aus.<br />

In der Krminalitätstatisitk wurden im Jahr<br />

2016 folgende Arten von Delikten erfasst:<br />

• 51% Computerbetrug<br />

• 21% Ausspähen und Abfangen von Daten<br />

• 16% Fälschung von Daten, Täuschung im Rechtsverkehr<br />

• 8% Datenveränderung, Computersabotage<br />

• 4% Betrug mit Zugangsberechtigungen.<br />

Je mehr Prozesse in Unternehmen digitalisiert werden,<br />

desto schwerwiegender können sich Cyberangriffe auswirken.<br />

Bis hin zu vollständigem Produktionsausfall oder<br />

einem Ausfall der Absatzwege ist alles denkbar. Selbst<br />

spezialisierte IT-Unternehmen sind vor Angriffen nicht sicher,<br />

so wurden dem US IT-Unternehmen Adobe im September<br />

2013 38 Millionen Datensätze von Kunden, darunter<br />

Kreditkartendaten von fast drei Millionen Kunden<br />

gestohlen. Die Hacker wurden nie gefasst.<br />

Erfolgreiche Datenangriffe lösen Schadenersatzansprüche<br />

und meistens auch strafrechtliche Ermittlungen aus.<br />

Der Ruf des betroffenen Unternehmens und damit auch<br />

die wirtschaftliche Substanz können dauerhaft geschädigt<br />

werden.<br />

Vorbeugung<br />

und Schutz<br />

Der kanadische Netzwerkausrüster Nortel hatte bis zum<br />

Jahr 2000 einen Börsenwert von 225 Milliarden EUR. Ab<br />

diesem Zeitpunkt hatten offenbar chinesische Hacker illegalen<br />

Zugang zu den Nortel-Systemen und erbeuteten<br />

wichtige Firmengeheimnisse, technische Dokumentationen,<br />

Entwicklungsprojekte und Geschäftspläne. Insider<br />

bringen immer wieder den Aufstieg des chinesischen Unternehmens<br />

Huawei in Zusammenhang mit diesem langen<br />

andauernden Angriff. Im Jahr 2009 meldete Nortel Insolvenz<br />

an und wurde zerschlagen.<br />

Ein vollständiger Schutz gegen Angriffe ist nicht oder nur<br />

mit höchstem Aufwand darstellbar, da eine zunehmende<br />

Professionalisierung der Täter beobachtet werden kann.<br />

Schwachpunkte sind oft die Mitarbeiter im Unternehmen.<br />

Insbesondere durch USB-Sticks, die in großer Zahl z.B.<br />

auf Messen als Werbegeschenke verteilt werden, besteht<br />

höchste Gefahr. Ein unbedacht angeschlossener Stick<br />

kann Schadsoftware enthalten oder sich im schlimmsten<br />

Fall gegenüber dem Computer als beliebiges anderes<br />

USB-Gerät ausgeben. Der Computer hält den Stick dann<br />

z.B. für eine Netzwerkkarte und der Angreifer kann den<br />

kompletten Internetverkehr überwachen.<br />

Forscher der Universitäten Illinois und Michigan legten<br />

2016 297 USB-Sticks als Köder aus. 98% wurden eingesammelt,<br />

mehr als die Hälfte geöffnet. Interessanterweise<br />

gaben 69% der Finder an, durch das Öffnen des Sticks<br />

Hinweise auf den rechtmäßigen Besitzer zu finden. Eine<br />

Hilfsbereitschaft, die generell sicher wünschenswert ist,<br />

aber katastrophale Folgen haben kann.<br />

10 Nutrition-Press


Recht<br />

Eine Sensibilisierung aller Mitarbeiter muss daher regelmäßig<br />

erfolgen. Durch Schnittstellenkontrollen lässt sich<br />

verhindern, dass unbekannte USB-Sticks überhaupt angeschlossen<br />

werden. Technische Mindestsicherungen, wie<br />

z.B. geeignete Antivirenprogramme und Firewalls sollten<br />

heutzutage eigentlich selbstverständlich sein. Auch die Versicherungswirtschaft<br />

hat die Bedeutung der Cyberkriminalität<br />

erkannt und auf den Bedarf der Unternehmen reagiert.<br />

Die Gothaer Versicherung hat in einer Studie unter KMU in<br />

diesem Jahr gefragt: „Welchen Bereich des Unternehmens<br />

schätzen Sie am wichtigsten ein? Wo würde ein Schaden<br />

also die größten Verluste verursachen?“ 37% der befragten<br />

Unternehmer gaben vor Maschinen und Gebäuden das<br />

Computersystem inkl. Dateien an. Es wurden daher Lösungen<br />

entwickelt, wie sich Unternehmen vor den Folgen von<br />

Datenkriminalität schützen können. Sogenannte Cyber-Versicherungen<br />

haben in den letzten Jahren mehrere namhafte<br />

Versicherungsunternehmen auf den Markt gebracht.<br />

Die Elemente des Schutzes lassen sich in zwei<br />

große Bereiche aufteilen:<br />

- Drittschäden: Hierunter fallen Haftungsansprüche durch<br />

verlorene Daten, Abwehr behördlicher Maßnahmen, wie<br />

Z.B. Strafen oder Ordnungswidrigkeiten, Ansprüche<br />

Dritter wegen der Verletzung von Wettbewerbsrechten<br />

und Kosten für die außergerichtliche Abwehr von<br />

Ansprüchen, jeweils nach einem Angriff von außen.<br />

- Eigenschäden: Kosten einer Betriebsunterbrechung,<br />

Lösegeld bei Erpressungen, Datenwiederherstellung,<br />

mögliche Vertragsstrafen. Hinzu kommen Kosten für<br />

Kommunikationsmaßnahmen und Krisenmanager.<br />

Bei den meisten Lösungen wird nicht nur der Schaden<br />

nach dem Cyber-Angriff ersetzt, sondern der Versicherer<br />

unterstützt den Kunden auch bei der Abwehr. So arbeitet<br />

z.B. die Gothaer Versicherung mit der Fa. Infraforce GmbH<br />

aus Marburg zusammen. Diese ist ein auf IT-Sicherheit<br />

spezialisiertes Unternehmen und bietet für Kunden eine<br />

echte rund um die Uhr Hotline an. Beim Verdacht eines<br />

Angriffs, kann die Fa. Infraforce sofort ohne Rücksprache<br />

mit dem Versicherungsunternehmen helfen, den Schaden<br />

zu verhindern oder zumindest zu minimieren. Seit dem<br />

25.5.<strong>2018</strong>, dem Start der DSGVO ist es noch wichtiger<br />

geworden, im Falle eines Hackerangriffs sofort professionelle<br />

Hilfe zu erhalten. Ein wichtiger Aspekt ist auch<br />

die vor Abschluss des Vertrages erfolgte Riskoprüfung in<br />

Form eines Fragebogens und eines Telefoninterviews zu<br />

Fragen der IT-Sicherheit des Interessenten. Schon diese<br />

Prüfung gibt dem Unternehmen viele Anregungen zur<br />

Versbesserung der eigenen IT-Sicherheit. IT-Risiken im<br />

Unternehmen zu ermitteln, konsequente Verbesserung<br />

der Sicherheit und ggf. der Abschluss einer leistungsfähigen<br />

Versicherung sind<br />

die zusätzlichen Herausforderungen<br />

des heutigen<br />

Unternehmers. «<br />

Autor<br />

Christian Brügel<br />

Dipl.- Kfm.<br />

Bezirksdirektion<br />

Gothaer<br />

Versicherungsbank VVaG<br />

Nutrition-Press 11


Erste Hilfe bei<br />

Filesharing-<br />

Abmahnung<br />

Die Anwaltskanzleien haben klangvolle Namen,<br />

ihre Briefe sind oft Dutzende Seiten dick und mit<br />

vielen, vielen Paragrafen gespickt. Der Ton ist immer<br />

wichtig, mitunter auch bedrohlich. Und am<br />

Ende des Schreibens steht regelmäßig eine extrem knappe<br />

Zahlungsfrist, die der Empfänger angeblich unbedingt<br />

einhalten muss. Hunderttausende kriegen solche Schreiben,<br />

weil sie angeblich illegal Filme, Musik oder Hörbücher<br />

aus Internet-Tauschbörsen gezogen haben sollen.<br />

Dabei ist es bei den Filesharing-Abmahnungen wie so oft<br />

im Leben. Vieles ist nur (böser) Schein. Man könnte auch<br />

von psychologischer Kriegsführung sprechen. Tatsächlich<br />

bläst den Abmahnanwälten und ihren Auftraggebern nämlich<br />

längst eisiger Wind ins Gesicht.<br />

Vor einigen Jahren sah das noch anders aus. Da haben Gerichte<br />

fast bedenkenlos Forderungen durchgewunken, teilweise<br />

bis zu 10.000 Euro. Das hat sich mittlerweile dras -<br />

tisch geändert. Immer öfter gewinnen die Abgemahnten oder<br />

es bleibt bei vergleichsweise geringfügigen 100 bis 200 Euro<br />

Schadensersatz. Beträge, bei denen sich für die Abmahner<br />

selbst im Erfolgsfall der Aufwand kaum noch lohnt.<br />

Wer eine Abmahnung erhält, muss also<br />

keineswegs in Panik verfallen<br />

Nichtstun ist allerdings auch kein Rezept. So ist es nach<br />

wie vor empfehlenswert, auf eine Filesharing-Abmahnung<br />

zu reagieren. Zwar nicht mit einer Zahlung. Aber mit einer<br />

sogenannten modifizierten Unterlassungserklärung.<br />

In diesem kurzem Schreiben verpflichtet sich der Inhaber<br />

des Internet-Anschlusses gegenüber dem Rechteinhaber,<br />

künftig die abgemahnten Werke nicht mehr im Internet zu<br />

tauschen. Es gibt viele Muster hierfür, die Formulierungen<br />

weichen oft deutlich voneinander ab. Einen brauchbaren<br />

Textvorschlag finden Sie auf dieser Seite. Nur das mit der<br />

Abmahnung übersandte Formular sollte man auf keinen<br />

Fall verwenden. Zu oft sind darin Schuldanerkenntnisse<br />

und Kostenzusagen versteckt.<br />

Wer die Unterlassungserklärung abgegeben hat, muss allerdings<br />

künftig vorsichtig sein. Wird die betreffende Datei<br />

(erneut) über den eigenen Anschluss getauscht, kostet<br />

das eine happige Vertragsstrafe. Trotz dieses Risikos lohnt<br />

Filesharing-Abmahnung erhalten?<br />

Rechtsanwalt Udo Vetter erklärt,<br />

wie Sie sich am besten verhalten<br />

und wie Sie eine sogenannte<br />

Unterlassungserklärung erstellen.<br />

sich die Unterlassungserklärung. Denn sie reduziert den<br />

möglichen Streitwert auf ein Niveau, auf dem sich Klagen<br />

gegen Betroffene kaum noch lohnen.<br />

Es bestehen also gute Aussichten, dass die Angelegenheit<br />

hier schon praktisch endet. Dann braucht man nur noch<br />

ein dickes Fell, um die Mahnschreiben zu ignorieren, mit<br />

denen man künftig bombardiert wird. Nur ein ganz geringer<br />

Bruchteil der Abgemahnten wird, trotz aller Drohungen,<br />

am Ende tatsächlich verklagt. Es gibt hierzu keine<br />

belastbaren Zahlen, nach meiner Erfahrung sind es aber<br />

maximal zwei bis drei Prozent.<br />

Selbst wenn es zum Prozess kommt, haben<br />

angebliche Filesharer mittlerweile gute Karten<br />

Die sogenannte Störerhaftung ist für private wie kommerzielle<br />

WLAN-Betreiber Vergangenheit, denn laut dem<br />

neugefassten Telemediengesetz kann der Vermittler eines<br />

Internetzuganges nicht wegen einer rechtswidrigen Handlung<br />

eines Nutzers auf Schadensersatz, Beseitigung oder<br />

Unterlassung einer Rechtsverletzung in Anspruch genommen<br />

werden. Das hat der Bundesgerichtshof nach der<br />

Gesetzesänderung ausdrücklich klargestellt. Ein Problem<br />

allerdings bleibt: Bei Urheberrechtsverletzungen von Familienmitgliedern<br />

oder Gästen aus dem heimischen WLAN<br />

heraus, geht die Abmahnung immer noch an den Anschlussinhaber,<br />

weil er über die IP-Adresse ermittelt wird. Er<br />

muss dann darlegen, dass er selbst keine Urheberrechte<br />

verletzt hat, sondern nur ein offenes WLAN angeboten hat.<br />

12 Nutrition-Press


Recht<br />

Vor einiger Zeit wurde zudem auch endlich der fliegende<br />

Gerichtsstand für Filesharing-Abmahnungen abgeschafft.<br />

Rechteinhaber können sich nun nicht mehr an ihnen wohlgesonnene<br />

Gerichte wenden. Sie müssen stets am Wohnsitz<br />

des Abgemahnten klagen. Schon wegen des damit<br />

verbundenen Aufwandes werden Filesharing-Klagen deutlich<br />

unattraktiver.<br />

Muster für eine Unterlassungserklärung<br />

Hiermit verpflichte ich (Name, Adresse) mich ohne Anerkennntnis<br />

einer Rechtspflicht und ohne Präjudiz für die<br />

Sach- und Rechtslage, gleichwohl rechtsverbindlich, gegenüber<br />

(Name des Rechteinhabers) zu folgendem:<br />

Quelle https://www.arag.de/auf-ins-leben/udo-vetter/<br />

modifizierte-unterlassungeserklaerung-abmahnung-tauschboerse/<br />

Ich werde es bei Meidung einer für jeden Fall der Zuwiderhandlung<br />

von der Unterlassungsgläubigerin festzusetzenden<br />

angemessenen, im Streitfall durch das zuständige<br />

Amts- oder Landgericht zu überprüfenden Vertragsstrafe<br />

unterlassen, das urheberrechtlich geschützte Werk (Titel<br />

des Werks) ohne Einwilligung der Unterlassungsgläubigerin<br />

der Öffentlichkeit zugänglich zu machen und / oder der<br />

Öffentlichkeit zugänglich machen zu lassen, insbesondere<br />

dieses Werk im Internet Dritten zum Download bereitzustellen<br />

oder aber solche Handlungen über den Internetanschluss<br />

zu ermöglichen. «<br />

www.arag.de<br />

Wer haftet für illegale Downloads?<br />

Von Ihrem Internetanschluss wurde ein Verstoß gegen Urheberrechte begangen?<br />

Rechtsanwalt Udo Vetter erklärt die rechtliche Lage nach dem neuen Urteil des<br />

Bundesgerichtshofs zur Störerhaftung.<br />

Der Bundesgerichtshof hat es jetzt bestätigt: Bereits seit 2017 haften Anbieter<br />

von offenen WLAN-Netzen nicht mehr, wenn in ihren Hotspots illegale<br />

Inhalte hoch- und heruntergeladen worden sind. Filesharing an sich bleibt<br />

aber strafbar. Viele tausend Internetnutzer erhalten jeden Monat unangenehme<br />

Post. Sie sollen Musik, Filme oder Hörbücher illegal heruntergeladen haben.<br />

Der neueste Hollywood-Blockbuster, spannende Fernsehserien und jede Menge aktuelle<br />

Musik: Online ist alles nur ein paar Mausklicks entfernt. Alles gibt es angeblich gratis<br />

– wenn man den Versprechungen verschiedenster Anbieter glauben möchte. Doch<br />

letztlich surft das Risiko immer mit. Denn die Musik- und Filmindustrie setzt seit Jahren<br />

auf Abschreckung durch Abmahnungen. Gefordert wird Schadensersatz in Höhe von<br />

mehreren hundert Euro, in Extremfällen schon mal ein paar tausend Euro. Für ein einziges<br />

Album von Rihanna sollte ein Nutzer zum Beispiel 3.500 Euro zahlen.<br />

Besonders riskant ist nach wie vor die Nutzung klassischer Tauschbörsen<br />

Zu den bekanntesten Tauschbörsen zählen uTorent oder eMule. In letzter Zeit kommen<br />

auch optisch aufgemotzte Dienste dazu. Diese gaukeln dem Nutzer mit schöner Gestaltung<br />

und einfacher Handhabbarkeit vor, er sei auf einer ganz „normalen“ Internetseite.<br />

Nutrition-Press 13


Der Fall „Popcorn Time“<br />

Ein klassisches Beispiel ist die große Abmahnwelle gegen<br />

die Nutzer von „Popcorn Time“ eine. Knapp 1.000 Euro<br />

Schadensersatz werden von jedem verlangt, der sich dort<br />

beispielsweise aktuelle Filme oder Serien angesehen hat.<br />

Viele Nutzer von „Popcorn Time“ sind aus allen Wolken<br />

gefallen. Ihnen war nämlich oft überhaupt nicht klar, dass<br />

„Popcorn Time“ ebenfalls nur den Zugang zu Tauschbörsen<br />

vermittelt, wenn auch in hübscher Verpackung. Dabei<br />

sind Tauschbörsen an sich legal und deshalb auch frei zugänglich.<br />

Kritisch wird es erst dann, wenn urheberrechtlich<br />

geschützte Filme, Musik oder Hörbücher durch die<br />

Leitungen rauschen. Das Angebot von „Popcorn Time“<br />

besteht zum Beispiel fast nur aus aktuellen Filmen, für die<br />

man anderswo zahlen muss.<br />

Die IP-Adresse Ihres Internetanschlusses ist<br />

relativ problemlos ermittelbar<br />

Die Rechteinhaber können alle Tauschbörsen leicht überwachen,<br />

gleich in welcher Aufmachung diese daherkommen.<br />

Die IP-Adressen der beteiligten Internetanschlüsse<br />

sind relativ problemlos ermittelbar. Das gilt jedenfalls so<br />

lange, wie der Nutzer seine IP-Adresse nicht mit einem<br />

Anonymisierungsprogramm verschleiert. Solche spezielle<br />

Software, auch Proxy genannt, ist übrigens nicht verboten.<br />

Denn niemand muss seine (richtige) IP-Adresse im Internet<br />

offenbaren. Eventuelle Urheberrechtsverstöße rechtfertigt<br />

so eine „Tarnkappe“ aber natürlich nicht. Sind die<br />

Rechteinhaber an eine verwertbare IP-Adresse gelangt,<br />

können sie recht einfach den Anschlussinhaber ermitteln.<br />

Der Internetprovider muss nämlich auf eine gerichtliche<br />

Anordnung hin Namen und Adresse seines Kunden<br />

nennen. Was aber, wenn der Anschlussinhaber gar nicht<br />

selbst der Übeltäter ist? Immerhin nutzen in Haushalten<br />

Partner, Ehegatten und Kinder regelmäßig den Anschluss<br />

mit. Oder wie steht es mit Besuchern?<br />

Die wichtigsten Fragen<br />

Hafte ich für illegale Downloads von Familienangehörigen<br />

oder Gästen?<br />

In der Neufassung des Telemediengesetzes steht: Ein Vermittler<br />

eines Internetzuganges kann nicht wegen einer<br />

rechtswidrigen Handlung eines Nutzers auf Schadensersatz,<br />

Beseitigung oder Unterlassung einer Rechtsverletzung<br />

in Anspruch genommen werden. Die früher in<br />

Deutschland geltende sogenannte Störerhaftung ist damit<br />

sowohl für private als auch kommerzielle WLAN-Betreiber<br />

passé. Das hat der Bundesgerichtshof in seinem ersten<br />

Urteil nach der Gesetzesänderung ausdrücklich klargestellt.<br />

Ein Problem allerdings bleibt: Verletzen Familienmitglieder<br />

oder Gäste aus dem heimischen WLAN heraus<br />

Urheberrechte, geht die Abmahnung nach wie vor dem<br />

Anschlussinhaber zu, weil der über die IP-Adresse ermittelt<br />

wird. Es ist dann zunächst seine Sache darzulegen,<br />

dass er selbst keine Urheberrechte verletzt hat, sondern<br />

ein offenes WLAN angeboten hat.<br />

Quelle www.arag.de/auf-ins-leben/udo-vetter/tauschboersen-haftung-illegale-downloads/<br />

Was müssen Hotspot-Anbieter beachten?<br />

Eigentlich haben WLAN-Netz-Betreiber ein Stück Rechtssicherheit<br />

gewonnen, nachdem die Haftungsrisiken weggefallen<br />

sind. Nach einem Filesharing-Verstoß müssen Hotspotbesitzer<br />

aber dennoch Wiederholungen vermeiden. Der<br />

BGH stellt sich da beispielsweise eine Registrierungspflicht<br />

des Nutzers oder eine Verschlüsselung mit Passwort vor.<br />

Aber wo bleibt da die Anonymität? Oder eine technische<br />

Lösung für eine Sperrtechnik, die Urheberrechtsverstöße<br />

verhindern kann, indem sie Filesharing-Software<br />

oder den Zugang zu Filesharing-Plattformen unterbindet.<br />

Legales Filesharing wäre dann aber auch unmöglich.<br />

Mit diesen Problemen muss sich jetzt das Oberlandesgericht<br />

Düsseldorf beschäftigen, an das der Fall zurück -<br />

verwiesen wurde. Auch wenn ich als Anwalt von Rechtsstreiten<br />

lebe, kann ich Musik- und Filmfreunden trotzdem<br />

nur raten: Finger weg von illegalen Tauschbörsenangeboten!<br />

Denn Filesharing an sich ist nach wie vor strafbar!<br />

Es gibt legale und günstige Alternativen<br />

So bitter bzw. teuer muss dieser „Verzicht“ auch gar nicht<br />

sein. Es ist heute ja längst nicht mehr so, dass Musik und<br />

Filme nur als teure CD oder Einzeldownload erhältlich sind.<br />

Vielmehr gibt es für Musik brauchbare Flatrate-Angebote,<br />

etwa von Spotify, Apple Music, Napster oder Google Play<br />

Music. Filme und TV-Serien bieten u. a. die Platzhirsche<br />

Netflix oder Amazon Prime an. Für knapp zehn Euro im<br />

Monat ist man dann nicht mehr auf dubiose Angebote<br />

angewiesen. Sorgen um illegale Downloads der eigenen<br />

Kinder muss man sich auch nicht mehr machen. Denn für<br />

ein paar Euro mehr lässt sich ein passender Familientarif<br />

buchen. Passende Jugendschutzeinstellungen gibt es bei<br />

den Angeboten auch.<br />

Das passende Gerichtsurteil<br />

Die Koch Media GmbH hatte als ausschließliche Inhaberin<br />

der Nutzungsrechte an dem Computerspiel "Dead Island"<br />

geklagt. Am 6.1.2013 wurde das Spiel "Dead Island"<br />

über den Internetanschluss des Beklagten in einer Internet-Tauschbörse<br />

zum Herunterladen angeboten. Koch Media<br />

mahnte den Beklagten daraufhin ab und forderte ihn<br />

auf, eine strafbewehrte Unterlassungserklärung abzugeben.<br />

Der Beklagte behauptet, er selbst habe keine Rechtsverletzung<br />

begangen. Er betreibe unter seiner IP-Adresse<br />

fünf öffentlich zugängliche WLAN-Hotspots. Er erklärt außerdem,<br />

er sei IT-Sicherheits-Spezialist und wollte mit den<br />

fünf offenen WLAN-Hotspots Geld verdienen.<br />

Ein Unterlassungsanspruch gegen ihn kommt laut ARAG<br />

Experten heute nicht mehr in Betracht, denn inzwischen<br />

gilt eine Neufassung des Telemediengesetzes. Diese besagt:<br />

Ein Vermittler eines Internetzuganges kann nicht<br />

wegen einer rechtswidrigen Handlung eines Nutzers auf<br />

Schadensersatz, Beseitigung oder Unterlassung einer<br />

Rechtsverletzung in Anspruch genommen werden. Der<br />

Bundesgerichtshof (BGH) hat diese Regelung nun bestätigt<br />

(BGH, Az.: I ZR 64/17). «<br />

www.arag.de<br />

Fotos: Dan Race – Fotolia (S. 12), strichfiguren.de – Fotolia (S. 13)<br />

14 Nutrition-Press


Recht<br />

DSGVO-Abmahnungen:<br />

So versuchen Betrüger, Geld mit der Verunsicherung zu machen<br />

Drohungen, unrechtmäßige Auskunftsersuchen, absurde Zahlungsaufforderungen:<br />

Ein Erfahrungsbericht eines Online-Marketers und ein Rechtsanwalt zeigen auf, was<br />

innerhalb der ersten 60 Tage nach Inkrafttreten der DSGVO in der Branche los war.<br />

Das erste Halbjahr <strong>2018</strong> war aufregend: Je näher<br />

die DSGVO kam, desto stärker wurde bei Online-Marketern<br />

die Angst vor der sogenannten<br />

Abmahnindustrie. Zwar gab es vereinzelt erfolglose<br />

Versuche von Abmahnanwälten, Geld mit der DSG-<br />

VO zu machen, doch die befürchtete Welle blieb bislang<br />

aus. Tatsache ist: Noch wird unter Juristen gestritten, ob<br />

Verstöße gegen die DSGVO überhaupt abmahnfähig sind.<br />

„Eine starke Meinung in der aktuellen Literatur zur<br />

DSGVO sagt: ‚Nein'“, erklärt Rechtsanwalt Martin<br />

Erlewein. „Verstöße gegen den Datenschutz<br />

können danach wegen den grundsätzlich<br />

abschließenden Regelungen zu Rechtsbehelfen,<br />

Haftung und Sank tionen<br />

in der DSGVO nicht auch noch<br />

von Wettbewerbern nach Wettbewerbsrecht<br />

abgemahnt wer -<br />

den. An dieser Meinung werden<br />

aber auch Zweifel geäußert –<br />

und die sind nicht unberechtigt.<br />

Bis das letztlich geklärt ist,<br />

werden voraussichtlich viele<br />

Jahre vergehen und Gerichtsverfahren<br />

bis zum Europäischen<br />

Gerichtshof verhandelt werden. Erst dann<br />

wissen wir das also sicher.“ Doch auch abseits<br />

von Abmahnungen versuchen Betrüger und zumindest<br />

reichlich unseriöse Menschen mit der DSGVO und<br />

Hinweisen auf den Datenschutz Geld aus Online-Marketern<br />

zu pressen. Solche Versuche gab es schon immer,<br />

auch schon vor der DSGVO unter dem alten Bundesdatenschutzgesetz<br />

(BDSG). Doch seit dem 25. Mai haben<br />

sich die Zahlen bei ReachAd, einer Full-Service-Agentur<br />

für Digital- und E-Mail-Marketing. Versechsfacht, weil die<br />

Betrüger die Unsicherheit ausnutzen möchten, die gerade<br />

noch herrscht. Das Gute ist: Die meisten dieser Versuche<br />

sind dilettantisch.<br />

eine Entschädigung verlangt. Die Kontonummer steht<br />

auch schon drin, damit die Sache schnell vom Tisch ist.<br />

Üblicherweise ist so eine E-Mail eine Antwort auf ein Werbemailing.<br />

Worin der Verstoß bestehen soll, steht auch<br />

drin. Man habe „zu keiner Zeit der Verwendung<br />

personen-bezogener Daten“<br />

zugestimmt, heißt es so oder<br />

so ähnlich.<br />

Hand auf digital: Die plumpe<br />

Zahlungsaufforderung<br />

Die wohl einfachste Form, wie Betrüger mit der DSGVO<br />

Geld machen wollen, ist die Zahlungsaufforderung aus<br />

heiterem Himmel. Dabei wird in sehr bestimmendem Tonfall<br />

per E-Mail wegen eines „Verstoßes gegen die DSGVO“<br />

Nutrition-Press 15


ReachAd, wie auch die allermeisten anderen Marketer,<br />

schreiben natürlich nicht einfach wildfremde Menschen<br />

an. Diese Nutzer wittern aber ihre Chance, weil sie sich<br />

nicht mehr daran erinnern oder nicht mehr zuordnen können,<br />

wann und wo sie die Einwilligung zum Werbemailing<br />

erteilt haben. Oder sie glauben, dass die Einwilligung, die<br />

sie irgendwann einmal erteilt haben, mit der DSGVO automatisch<br />

erloschen sei.<br />

Dem ist aber nicht so, wie Rechtsanwalt Erlewein erklärt:<br />

„Eine vor dem 25. Mai <strong>2018</strong> erteilte Einwilligung gilt weiter,<br />

wenn ihre Abgabe bereits den wesentlichen Bedingungen<br />

der DSGVO für eine Einwilligung entsprach. Im Fall<br />

des E-Mail-Marketings erfordert dies mindestens, dass die<br />

Einwilligung freiwillig in einem für die betroffene Person<br />

transparenten Double-Opt-In-Verfahren mit entsprechender<br />

Protokollierung erteilt wurde.“<br />

weil ein Kontaktformular auf einer Website nicht ausreichend<br />

verschlüsselt war.“<br />

Dieser Trend, einfach mal eine satte Summe zu nennen,<br />

hängt auch mit den so oft zitierten Bußgeldern der DSGVO<br />

zusammen, die bis zu 20 Millionen Euro betragen können.<br />

Die Betrüger wittern: Da gibt es Geld zu holen. Rechtsanwalt<br />

Erlewein: „Die tatsächliche Höhe der Bußgelder<br />

hängt natürlich von Art und Schwere der Verletzung des<br />

Datenschutzes ab. Die DSGVO fordert ausdrücklich, dass<br />

diese wirksam, verhältnismäßig und abschreckend sein<br />

sollen. Aber selbst, wenn es einen Verstoß gegeben haben<br />

sollte, bekommen Nutzer natürlich keinen Anteil am Bußgeld.“<br />

Tatsächlich kann aber jede betroffene Person ein<br />

Unternehmen, das ihrer Meinung nach gegen die DSGVO<br />

verstößt, bei den Behörden melden. Die Aufsichtsbehörden<br />

werden dann aber üblicherweise einen Maßnahmen-<br />

Für den Marketer heißt das konkret: Wenn die vor der DS-<br />

GVO erteilte Einwilligung zur Datenverarbeitung Fortbestand<br />

hat und er den Nutzer innerhalb von zwölf Monaten<br />

mindestens einmal anschreibt, bleibt die Einwilligung bis<br />

zu ihrem Widerruf gültig.<br />

Schadenersatzklage bizarr: Ein Nutzer wollte<br />

seelische Grausamkeit geltend machen<br />

Die geforderte Schadensumme bei solchen Zahlungsaufforderungen<br />

liegt meist bei mehreren Tausend Euro.<br />

Woraus sich diese Höhe ergibt? Das bleibt ein Rätsel.<br />

„Tatsächlich hat je de natürliche Person nach der DSGVO<br />

einen Anspruch auf Schadenersatz, soweit ihr ein materieller<br />

oder immaterieller Schaden durch einen Verstoß<br />

gegen Regeln des Datenschutzes entstanden ist“, sagt<br />

Rechtsanwalt Erlewein. „Das ist aber nichts Neues und<br />

hat sich durch die DSGVO in keiner Weise geändert. Spannend<br />

ist jedoch, welche konkreten Schäden zurzeit von<br />

den Anspruchstellern behauptet werden. Es gab bereits<br />

einen bizarren Fall, in dem ein Betroffener einen Anspruch<br />

wegen seelischer Grausamkeit geltend machen wollte,<br />

katalog haben, dem sie folgen. „Am Anfang stehen dann<br />

nicht Bußgelder“, sagt Rechtsanwalt Erlewein. „Eine erste<br />

Maßnahme wird in der Regel die Verwarnung verbunden<br />

mit der Aufforderung sein, sicherzustellen, dass der Verstoß<br />

beendet und nicht wiederholt wird. Das kann, muss<br />

aber nicht, verbunden sein mit einem Bußgeld.“<br />

Auskunftspflicht: mit Fragenkatalogen<br />

Unternehmen lahmlegen<br />

Eine weitere beliebte Masche der Betrüger ist es, ihren<br />

Zahlungsaufforderungen Nachdruck zu verleihen, indem<br />

sie die Auskunftspflicht der DSGVO missbrauchen. Im<br />

Netz gibt es entsprechende Fragenkataloge zum Download.<br />

Zum Teil zahlen die Betrüger sogar einen kleinen Betrag<br />

für das Dokment.<br />

Das Ziel: Die Unternehmen sollen möglichst viel Arbeit<br />

mit der Abarbeitung der Fragen haben, damit sie irgendwann<br />

entnervt einfach das geforderte Geld zahlen. Oft<br />

wird sogar eine bestimmte Form der Auskunft verlangt,<br />

zum Beispiel, dass sie per Post zugesandt wird, was nochmal<br />

die Kosten dafür in die Höhe schrauben soll.<br />

16 Nutrition-Press


Recht<br />

Eine Auskunftspflicht besteht nach DSGVO durchaus auch:<br />

Jeder Nutzer, dessen Daten ein Marketer gespeichert hat,<br />

darf erfahren, welche seiner personenbezogenen Daten<br />

gespeichert und verarbeitet werden. Auch muss der Marketer<br />

angeben, wann und über welche Webseite er die Zustimmung<br />

zur Speicherung und Verarbeitung erhalten hat.<br />

Genau hier kann dann auch die Abmahnfalle zuschnappen.<br />

Ist es dem Marketer nicht möglich, das Auskunftsersuchen<br />

fristgerecht zu erfüllen und nachzuweisen, dass<br />

ihm eine gültige Einwilligung von einem Empfänger eines<br />

Newsletters erteilt wurde, kann er nach denselben Regeln<br />

von einem Wettbewerber abgemahnt werden wie vor der<br />

DSGVO. Doch aus der DSGVO ergibt sich keine Verpflichtung<br />

alle Fragen zu beantworten, die dem Nutzer in den<br />

Sinn kommen – oder die er als Formular heruntergeladen<br />

hat. Solche Fragenkataloge müssen also überhaupt<br />

nicht beantwortet werden. In so einem Fall reicht dann<br />

die grundsätzliche Auskunft. Und die kann effizient und<br />

standardisiert aufgesetzt werden.<br />

Besonders absurd ist in solchen Fällen die Aufforderung,<br />

die Auskunft per Post an eine Adresse zu schicken. Der<br />

Nutzer hat überhaupt nicht das Recht zu bestimmen, wohin<br />

die Auskunft erfolgt und in welcher Form. Mehr noch:<br />

Der Marketer darf die Auskunft sogar nur an die Adresse<br />

erteilen, die der Nutzer bei der Zustimmung zur Datennutzung<br />

selber angegeben hat. Und das ist im Netz<br />

üblicherweise die E-Mail-Adresse. Das muss der Marketer<br />

auch dringend einhalten, um sicherzugehen, dass die<br />

Daten nicht in falsche Hände geraten. Und mehr noch: Es<br />

wären auch Fälle denkbar, in denen ein Marketer verlangen<br />

kann, dass sich der Nutzer bei ihm ausweist. Wenn<br />

er zum Beispiel berechtigte Zweifel hat, dass wirklich der<br />

Nutzer hinter der Anfrage steckt. Was, wenn sein Account<br />

gehackt wurde?<br />

In diesen Fällen sollte der Anwalt unbedingt<br />

hinzugezogen werden<br />

Die oben beschriebenen Sachverhalte sind meist einfache<br />

Fälle, in denen Marketer sich nach Prüfung entscheiden,<br />

gar nichts zu machen oder nur eine einfache Auskunft<br />

zu geben. Die Forderungen sind sehr oft mit einer Klagedrohung<br />

abgerundet, die aber in der überwiegenden<br />

Zahl der Fälle nicht wahr gemacht wird. Doch wie oben<br />

beschrieben ist gegenwärtig noch unsicher, ob Wettbewerber<br />

nicht doch bestimmte Verstöße gegen die DSGVO<br />

auf dem Umweg über das Wettbewerbsrecht abmahnen<br />

können. Und vor allem die Verstöße gegen die Regeln<br />

des Wettbewerbsrechts zur Zulässigkeit des Versands<br />

von Online-Newslettern bzw. Werbung per E-Mail generell<br />

sind weiterhin abmahnfähig. Das heißt: Wenn eine echte<br />

Abmahnung ins Haus flattert, sollten Marketer unbedingt<br />

den Anwalt einschalten.<br />

Eine Abmahnung kommt aus Beweisgründen grundsätzlich<br />

per Post (Einschreiben). Sie muss außerdem durch<br />

einen Mitbewerber erfolgen oder in seinem Namen. Auch<br />

ein Anwalt, der sich auf Abmahnungen spezialisiert hat,<br />

darf das Geld also nicht für sich selbst einfordern. So einen<br />

Fall gab es bei ReachAd aber tatsächlich bereits im<br />

Mai. Rechtsanwalt Erlewein rät: „Die üblichen Kanzleien<br />

und Kreise testen gerade aus, was möglich ist. Alles als<br />

unbegründet abzutun, wäre für Marketer fahrlässig. Ein<br />

Anwalt mit entsprechendem Fachwissen kann hier die<br />

Spreu vom Weizen trennen und bei der Abwehr unbegründeter<br />

Ansprüche unterstützen.“<br />

Wer jetzt wieder Angst hat vor einer ausschließlich auf die<br />

DSGVO gestützten Abmahnwelle, dem sei gesagt: Diese<br />

Fälle sind bis jetzt selten. Der Grund: Die Unsicherheit, die<br />

bei der DSGVO besteht, betrifft auch die Abmahnanwälte.<br />

Und auf eine Abmahnung kann eine Gegenabmahnung erfolgen.<br />

Wer auf gutes Glück eine Abmahnung rausschickt,<br />

bleibt im Zweifelsfall auf seinen Kosten sitzen und muss<br />

sogar noch den Anwalt der Gegenseite bezahlen.<br />

Es gibt erfreulicherweise sogar die ersten Fälle, in denen<br />

die Abmahnanwälte ihrerseits eine Verzichtserklärung<br />

für ihre Mandanten abgeben mussten und die Rechtsanwaltskosten,<br />

die bei der Abwehr entstanden sind, erstattet<br />

haben. In den Kanzleien wird schon geunkt, dass<br />

das doch ein neuer Geschäftszweig sein könnte: Gegenabmahnanwalt.<br />

Fazit: Die ersten 60 Tage DSGVO<br />

Die ersten 60 Tage DSGVO haben gezeigt: Den Online-Marketern<br />

ist nicht plötzlich das Geschäft weggebrochen.<br />

Zumindest denen nicht, die sich ordentlich vorbereitet<br />

haben. Von daher lässt sich klar sagen: Auch als Online-Marketer<br />

lässt es sich mit der DSGVO, zumindest bis<br />

jetzt, leben. Auch wenn sie viel Arbeit macht. Allerdings<br />

hat die Unsicherheit auf dem Markt sehr viele Betrüger<br />

und unseriöse User sehr aktiv werden lassen. So etwas<br />

lässt sich vielleicht nicht vollständig verhindern. Das Gefühl,<br />

dass der Gesetzgeber dahingehend mehr hätte tun<br />

können, bleibt trotzdem. Es gab viele Anfragen von Verbänden<br />

und Unternehmen, die um Aufklärung zu offenen<br />

Fragen baten, die nie beantwortet wurden. Dass immer<br />

noch nicht klar ist, ob Verstöße gegen die DSGVO selbst<br />

abmahnfähig sind, steht als Sinnbild dafür. «<br />

Mit freundlicher Genehmigung der Redaktion der<br />

www.networkkarriere.de<br />

Autor<br />

Fotos: photoschmidt – Fotolia (S. 15),<br />

guukaa – Fotolia (S. 16)<br />

Karl Ott<br />

Karl Ott ist CEO von ReachAd, einer<br />

Full-Service-Agentur für Digitalmarketing<br />

und Experte für E-Mail-Marketing.<br />

http://reachad.de<br />

Nutrition-Press 17


Mit den Nerven zu Fuß?<br />

Psychische Gesundheit<br />

und Vitalstoffmängel<br />

Seit dem 17. Lebensjahr beschäftige ich mich mit<br />

der Ernährungsphysiologie und hätte deshalb fast<br />

Ökotrophologie studiert, in meinem medizinischen<br />

Studium führte ich diese Herzensangelegenheit<br />

weiter, sowohl in der Inneren Medizin, Sportmedizin, Umweltmedizin<br />

oder einer neurotoxischen Ambulanz die ich<br />

eine Zeitlang betreuen durfte. Als Facharzt für Psychiatrie<br />

und Psychotherapie in einer Landpraxis an Schleswig-Holsteins<br />

Westküste schaue ich ganzheitlich auf die Anliegen<br />

meiner Patienten. Seit Jahren kommen vermehrt (auch<br />

junge) Menschen mit Erschöpfungszuständen, Angst- und<br />

Panikattacken, sowie depressiven Zuständen zu mir. Das<br />

gibt mir sehr zu denken! Wer geht schon freiwillig zum Psychiater?<br />

Zumal diese Berufsgruppe nicht das beste Image<br />

hat und wer nimmt zudem lange Wartezeiten zum Ersttermin<br />

(in der Regel in meiner Region 4 – 6 Monate für<br />

Neupatienten) in kauf?<br />

Meist ist der Leidensdruck sehr groß, und die Hilfesuchenden<br />

wirken häufig verzweifelt, beschreiben Angst, Panikattacken<br />

und depressive Symptome die ihr Leben deutlich<br />

verändern. Die zu Leistungseinbrüchen in Beruf, Studium<br />

oder Schule und meist zu einer gewissen Unruhe oder Verschiebung<br />

in sozialen Kontexten an Arbeitsplätzen und der<br />

Partnerschaft führen. Nie hätten sie vorher gedacht so zu<br />

empfinden, sie kennen sich nicht mehr und erhoffen nun<br />

Hilfe bei einem wie mir. Doch ist es nun Zeit für das was<br />

viele Menschen von Psychiatern erwarten? Vielleicht ein<br />

gutes Gespräch, mit Glück haben die Patienten das Gefühl<br />

von Ihrem Gegenüber gesehen zu werden und dann ...<br />

Wie sieht die Hilfe aus? Nur zu häufig kommt die Empfehlung<br />

für Psychopharmaka. Mit Chance helfen sie oberflächlich,<br />

behandeln aber nicht die Ursache, die auch Vitalstoffmangelzustände<br />

oder -ungleichgewichte sein können.<br />

Manchmal ist auch die Ursache in einer Medikamenteneinnahme<br />

zu finden, die sie z.B. wegen Magenbeschwerden,<br />

Diabetes oder zur Verhütung einer Schwangerschaft<br />

bekommen. Mit pharmazeutischen Schnellschüssen ist es<br />

aus meiner Sicht nicht getan, zumal die Hilfesuchenden<br />

häufig dieser Medikamentengruppe skeptisch und mit<br />

Vorbehalten gegenüber stehen. Also hilft es alles nichts,<br />

um zu einer vernünftigen Klärung und Diagnose zu kommen<br />

braucht es Zeit und das Interesse des Behandlers um<br />

möglichst das ganze Bild des Patienten zu erfassen.<br />

Die Frage ist immer: „Was steht hinter der Geschichte die<br />

ich grade gehört habe“? Spätestens bei der Frage nach der<br />

Ernährungsformen, Ernährungsgewohnheiten und Heißhungerattacken<br />

schauen meine Patienten verwundert.<br />

Dabei landen wir im nächsten Moment in Erklärungen zur<br />

Stoffwechselphysiologie und den durch Mangel- und Fehlernährung<br />

möglicherweise hervorgerufenen körperlichen<br />

und psychischen Symptomen und Folgen. Zum Beispiel<br />

dem Mangel an B-Vitaminen incl. der Folsäure und wie wir<br />

diesem auf die Spur kommen können.<br />

Nun hat der geschätzte Kollege Dr. Löffler [1] in der Ausgabe<br />

Nr.11 – November 2017 der „nutrition-press“ bereits<br />

einen wunderbaren Artikel zu den Vitaminen B1, B2 und<br />

B6 geschrieben, so dass ich mich hier mit dem Vitamin<br />

B12, der Folsäure und dem Homozystein eingehender beschäftigen<br />

möchte.<br />

Für eine gute Eiweißsynthese und die damit verbundene<br />

Produktion von Neurotransmittern (Nervenbotenstoffen)<br />

benötigen wir insbesondere die Vitamine B1, B2, B6, B12<br />

und Folsäure. Funktioniert die Nervenbotenstoffsyn these<br />

nicht ausreichend, ist vermehrt Homozystein im Blut<br />

nachzuweisen. Sozusagen als Indikator für einen Mangel<br />

an Vitamin B1, B2, B6, B12 und Folsäure.<br />

Zur Übersicht: Psychische Symptome bei Vitalstoffmangelzuständen<br />

hier ein kleiner Auszug in vereinfachter<br />

Darstellung: [2]<br />

18 Nutrition-Press


Ernährung | Prävention<br />

Vitamin B1 (Thiamin)<br />

Vitamin B2 (Riboflavin)<br />

Vitamin B3 (Niacin)<br />

Vitamin B5 (Pantothensäure)<br />

Vitamin B6 (Pyridoxin)<br />

Folsäure B9<br />

Vitamin B12 (Cobalamin)<br />

Konzentrationsschwäche, Aufmerksamkeitsstörungen<br />

Konzentrationsstörungen, Müdigkeit/Abgeschlagenheit, Depression<br />

Depressionen, Psychose (Wahn/Realitätsverkennungen)<br />

Gedächtnisstörungen, verminderte Stressbelastbarkeit<br />

Gedächtnisstörungen, Reizbarkeit, Psychose<br />

Angst, Depressionen, Psychose<br />

Gedächtnisstörungen, Depression, Verwirrtheit, Psychose<br />

Vitamin B12 (Cobalamine [3] )<br />

Sammelbezeichnung für eine Gruppe von Verbindungen,<br />

die in der Lage sind, einen Vitamin-B12-Mangel aufzuheben.<br />

Wichtigstes Industrieprodukt ist Cyanocobalamin. Es<br />

kann im Körper in die physiologisch vorliegenden Derivate<br />

Aquocobalamin, Hydroxocobalamin, Adenosylcobalamin<br />

und Methylcobalamin umgewandelt werden. Adenosylcobalamin<br />

und Methylcobalamin sind natürlich vorkommende<br />

metallorganische Verbindungen und die eigentlichen<br />

Wirkformen beim Menschen. Aquocobalamin und Hydroxocobalamin<br />

sind Speicherformen. Natürlicherweise liegt<br />

Vitamin B12 überwiegend als Adenosylcobalamin in den<br />

Bakterien vor.<br />

Vorkommen<br />

Da nur Mikroorganismen Vitamin B12 synthetisieren können,<br />

ist der Mensch auf externe Quellen angewiesen. Die<br />

nicht unwesentliche natürliche Cobalamin-Produktion der<br />

menschlichen Dickdarmflora ist nicht verfügbar und wird<br />

mit dem Stuhl ausgeschieden.<br />

Abbildung 1: Grundform der Cobalamine,<br />

Rest -R siehe Tabelle 1.<br />

Tabelle 1: Trivialnamen der Vitamin-B12-Derivate<br />

R Bezeichnung<br />

CN Cyanocobalamin, B12<br />

O+H2 Aquocobalamin, Aquacobalamin, B12a<br />

(konjugierte Säure von Hydroxocobalamin)<br />

OH Hydroxocobalamin, B12b<br />

NO2 Nitritocobalamin, B12c<br />

5´ Desoxyadenosyl Adenosylcobalamin,<br />

5-Desoxyadenosylcobalamin,<br />

CH3 Methylcobalamin, Methyl B12<br />

Vitamin-B12-Gehalt in Lebensmitteln (nach Literatur [4] ).<br />

Nahrungsmittel Cobalamin-Gehalt [μg/100 g]<br />

Kuhmilch 0,1–0,6<br />

Käse 0,2–3,0<br />

Eier 0,4–1,25<br />

Rindfleisch 2–3<br />

Leber 60<br />

grünes Blattgemüse 0,01<br />

Nutrition-Press 19


Der Stoffwechselweg<br />

Im Magen durch Pepsin aus Proteinbindungen freigesetztes<br />

Vitamin B12 wird im Duodenum durch Pankreastrypsin<br />

freigesetzt und an das Glycoprotein „intrinsic factor“<br />

(IF) aus den Parietalzellen der Magenschleimhaut gebunden.<br />

IF ermöglicht die rezeptorvermittelte Resorption im<br />

Dünndarm (Ileum). Nur 1,5–2 μg Cobalamin können pro<br />

Mahlzeit auf diese Weise resorbiert werden. Liegen höhere<br />

Dosen vor, kann etwa 1 % davon durch passive Diffusion<br />

in die Mucosazellen gelangen. Störungen dieses Prozesses<br />

können z.B. von den sog. Protonenpumpenhemmern /<br />

Säureblockern als Nebenwirkung verursacht werden die<br />

häufig als Magenschutz (bei Stress etc.) von meinen ärztlichen<br />

Kollegen verordnet werden. Auch Antibabypillen sind<br />

hier als Mikronährstoffräuber zu nennen. [5]<br />

Das Vitamin wird in der Zelle vom IF gelöst, an das Transportprotein<br />

Transcobalamin gebunden und in dieser Form<br />

an das Blut abgegeben. Der Transcobalamin-Cobalamin-<br />

Komplex wird von Körperzellen über Endocytose (Aufnahme<br />

von Flüssigkeit oder Partikeln aus der Umgebung einer<br />

Zelle durch Einstülpung von Bereichen der Zellmembran)<br />

aufgenommen. In der Leber erfolgt der Umbau in die aktiven<br />

Coenzymformen Methylcobalamin und Adenosylcobalamin.<br />

Dort werden auch 60 % des Körperbestandes von<br />

2–5 mg gespeichert; weitere 30 % des Speichers befinden<br />

sich in der Muskulatur.<br />

Die Ausscheidung erfolgt zu ganz geringen Teilen (ca. 0,1<br />

μg/Tag) unverändert mit Urin, Fäzes und Schweiß, das<br />

meiste Cobalamin aus der Fäzes entstammt dem Stoffwechsel<br />

von Darmbakterien. Methylcobalamin agiert beim<br />

Menschen im Stoffwechsel als Coenzym zur Remethylierung<br />

von Homocystein zu Methionin (siehe Abb. 2).<br />

Die Referenzwerte für die Zufuhr von Vitamin B12 sind<br />

nach den Erfahrungen mit meinen Patienten zu gering, da<br />

ich häufig deutliche Defizite feststelle und die Speicher für<br />

Vitamin B12 entsprechend geleert sind.<br />

Tabelle 2: Zufuhrempfehlungen für Vitamin B12 [6]<br />

Personengruppe<br />

Alter empfohlene Zufuhr [μg/d]<br />

DGE RDA<br />

Säuglinge 0–3 Monate 0,4 0,4<br />

4–11 Monate 0,8 0,5<br />

Kinder/<br />

Jugendliche 1–3 Jahre 1,0 0,9<br />

4–6 Jahre 1,5 1,2<br />

7–9 Jahre 1,8 1,2<br />

10–12 Jahre 2,0 1,8<br />

13–14 Jahre 3,0 1,8<br />

Erwachsene >15 Jahre 3,0 2,4<br />

Schwangere 3,5 2,6<br />

Stillende 4,0 2,8<br />

Vitamin B12 Mangel: Symptome einer unzureichenden<br />

Cobalamin-Versorgung zeigen sich am blutbildenden<br />

System (makrocytäre hyperchrome Anämie, megaloblastische<br />

Anämie) und am Nervensystem (funikuläre Myelose)[7].<br />

Im Bereich der Psyche finden sich verminderte<br />

Stressbelastbarkeit, Vergesslichkeit, vermehrt depressive<br />

Zustände, Angst- und Panikattaken, sowie Schlafstörungen.<br />

Zu unterscheiden ist dabei ein alimentärer Mangel<br />

durch vegane Lebensweise vom physiologischen Mangel<br />

der verschiedene Ursachen haben kann.<br />

Die möglichen Ursachen für einen Vitamin-B12-Mangel<br />

sind vielfältig, hier ein Auszug [8] : bei langjährigen strikten<br />

Vegetariern (Veganer), Aufnahmestörungen durch perniziöse<br />

Anämie (atrophische Gastritis Typ A), atrophische<br />

Gastritis Typ B (verminderte Freisetzung von Vitamin B12<br />

aus Nahrungsmitteln (food-cobalamin malabsorption syndrome[9]),<br />

Erkrankungen des Dünndarms besonders des<br />

Ileums (Gluten-induzierte Darmerkrankung, Morbus Crohn<br />

und andere entzündliche Darmerkrankungen). Bauchspeicheldrüsen-Erkrankungen,<br />

pathologische Darmbesiedlung,<br />

Resorptionsstörung durch Medikamente.<br />

Medikamenten-induzierte Vitamin B12 Mangelzustände<br />

z.B. durch: Antiepileptika (Carbamazepin, Phenytoin, Primidon),<br />

Protonen-Pumpen-Inhibitoren (Magenschutzmittel,<br />

z.B. Omeprazol), H2-Rezeptoren-Blocker (Cimetidin,<br />

Ranitidin), Antidiabetikum Metformin, Antibiotika (Chloramphenicol,<br />

Neomycin).<br />

Erhöhter Bedarf: bei Schilddrüsenüberfunktion, Wachstum,<br />

chronischem Stress, andauernden psychischen Belastungen.<br />

Die Anzeichen eines Mangels treten oft erst nach 4-5 Jahren<br />

auf, da die Speicherkapazität der Leber lange vorhält.<br />

Die Symptomatik ist zweigeteilt: zum einen führt der Ausfall<br />

der Methionin-Synthase zu einem erhöhtem Homocystein-Spiegel<br />

und durch mangelhafte Regeneration der<br />

Tetrahydrofolsäure zu Störungen der DNA-Synthese, was<br />

sich vor allem auf die Bildung der roten Blutkörperchen<br />

(Erythrozyten) auswirkt und zur makrocytären hyperchromen<br />

Anämie (Blutarmut) führt.<br />

In dieser Hinsicht sind Folsäure-Mangel und Vitamin-B12-Mangel<br />

nicht voneinander zu unterscheiden. Zum<br />

anderen kommt es zu irreversiblen neurologischen Ausfällen<br />

und psychiatrischen Störungen. Neuere Untersuchungen<br />

deuten darauf hin, dass auch ein Zusammenhang<br />

zwischen Vitamin-B12-Mangel und Alzheimer-Demenz und<br />

vaskulärer (Blutgefäß bedingter) Demenz besteht [8] .<br />

Folsäure / Folate Synonym Vitamin B9<br />

Folate ist der Sammelbegriff für alle Folsäure-wirksamen<br />

Verbindungen und bezeichnet eine Substanzklasse, die<br />

einen mit 4-Aminobenzoesäure und L-Glutaminsäure verbundenen<br />

Pteridin-Ring enthält.<br />

20 Nutrition-Press


Ernährung | Prävention<br />

Folsäure wird in Form von Tetrahydrofolsäure, an die in Position<br />

N5 und/oder N10 Kohlenstoff in verschiedenen Oxidationsstufen<br />

gebunden für den C1-Stoffwechsel (Transfer<br />

von Ein-Kohlenstoff-Einheiten) benötigt; etwa bei der reversiblen<br />

Umwandlung von Serin in Glycin und der Bildung<br />

von Methionin aus Homocystein. Einige der am C1-Stoffwechsel<br />

beteiligten Schritte bedürfen auch der Vitamine<br />

B12 und Vitamin B6; so kann Homocystein (aus dem<br />

Abbau von S-Adenosylmethionin/S-Adenosylhomocytein)<br />

Folsäure-abhängig zu Methionin remethyliert werden.<br />

Abbildung 2: Strukturformel von Folsäure<br />

Folsäure ist ein Wachstumsfaktor für verschiedene Mikroorganismen<br />

und eine Verbindung mit Vitamincharakter.<br />

Folat-Gehalt einiger Nahrungsmittel [6]<br />

Nahrungsmittel Folat-Gehalt [μg/100 g]<br />

Rind: Muskelfleisch 3<br />

Kuhmilch 5<br />

Ei (Stück) 40<br />

Rind: Leber 590<br />

Pflanzliche Produkte<br />

Tomate 22<br />

Orange 29<br />

Kopfsalat 59<br />

grüne Bohnen 70<br />

Rosenkohl 101<br />

Broccoli 114<br />

Nüsse 45–170<br />

Weizenkeime 520<br />

Bierhefe, getrocknet 3200<br />

Bedarf: Mit täglich 50–100 μg/ Folsäure soll der Folat-Bestand<br />

eines gesunden Erwachsenen aufrechterhalten<br />

werden. Unter Berücksichtigung einer mittleren Bioverfügbarkeit<br />

von 50 % aus einer gemischten Kost (siehe<br />

oben) empfiehlt die Deutsche Gesellschaft für Ernährung<br />

(DGE) für Erwachsene eine tägliche Zufuhr von 400 μg<br />

Folat-Äquivalenten (siehe Tabelle 2). Durch den hohen<br />

Folsäure-Bedarf des Fetus ist die empfohlene Zufuhr für<br />

Schwangere erhöht (600 μg/d Folat-Äquivalente).<br />

Tabelle 3: Zufuhrempfehlungen für Folate<br />

Personengruppen<br />

Folate [μg/d]<br />

DGE RDA<br />

Säuglinge 0–4 Monate 60 *65<br />

4–12 Monate 80 *80<br />

Kinder 1–4 Jahre 200 150<br />

4–10 Jahre 300 200-300<br />

10–15 Jahre 400 300-400<br />

Jugendliche über 15 Jahre und Erwachsene 400 400<br />

Schwangere und Frauen mit Kinderwunsch 600 600<br />

Stillende 600 500<br />

Da Folate wasserlöslich, lichtempfindlich und hitzelabil<br />

sind, können bei der Zubereitung von Lebensmitteln Verluste<br />

entstehen, die im Mittel auf 35 % beziffert werden.<br />

In der Nahrung liegen Folate vorwiegend als Pteroylpolyglutamate<br />

vor und werden im oberen Teil des Dünndarms<br />

mit einem pH-Optimum von 6 aktiv resorbiert. Synthetische<br />

Folsäure zeigt eine etwa 1,7–2fach höhere Bioverfügbarkeit<br />

als Nahrungsfolate und ist nüchtern zu nahezu<br />

100 % bioverfügbar, als Supplement im Lebensmittel zu<br />

etwa 85 %. Der Körper des Menschen speichert etwa 5–10<br />

mg Folate, von denen etwa die Hälfte in der Leber enthalten<br />

ist; die Halbwertszeit dieser Menge beträgt etwa<br />

100 Tage. Die mit der Galle ausgeschiedenen Mengen von<br />

täglich 10–90 μg Folsäure werden im enterohepatischen<br />

(Darm-Leber) Kreislauf weitgehend rückresorbiert. Folate<br />

nehmen im menschlichen Organismus eine zentrale Rolle<br />

im Metabolismus von Aminosäuren, Purinen und Thymidin<br />

ein (Abbildung 3).<br />

Diese (konservativen) Empfehlungen zur Folat-Aufnahme<br />

werden ohne die Verwendung angereicherter Lebensmittel<br />

von 80–90 % der Bevölkerung in Deutschland nicht<br />

erreicht. Das Bundesinstitut für Risikobewertung empfiehlt<br />

eine zusätzliche tägliche Aufnahme in Form von<br />

Nahrungsergänzungsmitteln von 200 μg Folsäure (= 400<br />

μg Folat-Äquivalente), für Frauen im gebärfähigen Alter,<br />

die schwanger werden könnten, zur Prophylaxe von Neuralrohrdefekten<br />

(NTD) eines gegebenenfalls gebildeten<br />

Embryos 400 μg (= 800 μg Folat-Äquivalente). Für die<br />

maximale Tagesverzehrdosis wird ein Wert von 900 μg<br />

Folsäure empfohlen.<br />

Abbildung 3: Folate (5`-Methyl-Tetrahydrofolsäure,<br />

Tetrahydrofolsäure (THF)), Methylcobalamin (Vit. B12) und<br />

Pyridoxin (Vit. B6) im C1-Metabolismus (modifiziert nach Literatur [10] )<br />

Nutrition-Press 21


Urin. Supplementierung der Nahrung mit 5–10 mg<br />

Folsäure pro Tag ist untoxisch für normale Probanden,<br />

die nicht schwanger sind. Chronische<br />

Gaben von 10–75 mg/kg Körpergewicht führen<br />

zu Nierenschäden. Die Supplementierung<br />

von Folsäure kann einen nicht diagnostizierten<br />

Vitamin-B12-Mangel maskieren und bei medikamentös<br />

behandelten Epileptikern die Anfallshäufigkeit<br />

steigern. Das Institute of Medicine<br />

(USA) hat einen „tolerable upper intake level“<br />

für die Zufuhr synthetischer Folsäure von 1<br />

mg/Tag abgeleitet.<br />

Folat-Mangel kann alimentär (ernährungsbedingt) bedingt<br />

sein, aber auch durch Malabsorptionszustände,<br />

Alkoholismus oder Arzneimittelwirkungen (Antiepileptika<br />

wie zum Beispiel Primidon und Phenytoin, Cytostatika wie<br />

zum Beispiel Methotrexat, Antibabypillen, hervorgerufen<br />

werden (5) . Da alle Folsäure-Derivate Funktionen bei der<br />

Nucleinsäure-Biosynthese, im Phospholipid-Stoffwechsel<br />

und Aminosäure-Stoffwechsel haben, treten bei Unterversorgung<br />

schnell generelle Störungen im Zellstoffwechsel<br />

auf. Dem Absinken der Serum-Folsäure auf Werte unter<br />

6 ng/mL folgt als eines der ersten Mangelzeichen nach<br />

6–10 Wochen die Hypersegmentierung der neutrophilen<br />

Granulocyten. Im Endstadium entwickelt sich eine makrocytäre,<br />

hyperchrome Anämie (perniziöse Anämie).<br />

Durch Folsäure-Gabe können die Symptome der Anämie<br />

beseitigt werden, nicht aber die Degenerationen der Rückenmarkbahnen<br />

als Folge eines eventuell vorhandenen<br />

Vitamin-B12-Mangels.<br />

Schwerwiegendste Folge eines Folat-Mangels sind Entwicklungsstörungen<br />

von Ungeborenen bis hin zu Neuralrohrdefekten<br />

(NTD). Die seit 1998 in den USA praktizierte<br />

Anreicherung von Lebensmitteln mit Folsäure hat die<br />

Inzidenz von NTD bereits reduziert. Niedrige Serum-Folsäure-Werte<br />

korrelieren außerdem mit erhöhten Werten<br />

für Homocystein, das ein unabhängiger Risikofaktor für<br />

Arteriosklerose ist, und mit gesteigertem Risiko, an Darmkrebs,<br />

Brustkrebs und Lungenkrebs zu erkranken [11] . Auch<br />

zwischen dem Auftreten von Depressionen und der Folsäure-Zufuhr<br />

scheint ein Zusammenhang zu bestehen:<br />

Etwa ein Drittel der in den USA an Depressionen leidenden<br />

Patienten weist einen Folsäure-Mangel auf. Dabei<br />

wird Folsäure möglicherweise für Bildung oder Regeneration<br />

von Tetrahydrobiopterin benötigt, einem Cofaktor, der<br />

für die Bildung der Neurotransmitter Serotonin, Dopamin,<br />

Adrenalin und Noradrenalin erforderlich ist [12] .<br />

Die Ausscheidung von Folsäure erfolgt über die Nieren.<br />

Bei Verabreichung großer Folsäure-Mengen erscheint<br />

der Hauptanteil unverändert als Pteroylmonoglutamat im<br />

Die Homocystein-Konzentration im Blut kann als<br />

Indikator einer unzureichenden Folat-Versorgung<br />

dienen. Zum Nachweis von Folsäure im Serum eignen<br />

sich v. a. Radioimmunoassay-Methoden und enzymatische<br />

Methoden.Folsäure sollte immer zusammen mit<br />

Vitamin B12 bestimmt werden, da sie sich gegenseitig im<br />

Metabolismus benötigen. Die alleineige Vitamin B12-Supplementatinen<br />

bessern den kognitiven Status nicht, wie<br />

Doppelblindstudien ergaben [13,14]<br />

Homozystein<br />

Homocystein entsteht im Organismus durch Demethylierung<br />

der essentiellen Aminosäure L-Methionin über die<br />

Zwischenprodukte S-Adenosylmethionin und S-Adenosyl-L-homocystein<br />

und ist Teil eines Kreislaufs, in dem<br />

Methyl-Gruppen zur Synthese von Purinen und Pyrimidinen<br />

und zur DNA-Methylierung bereitgestellt werden.<br />

Homocystein wird unter dem Einfluss von Homocystein-Methyltransferase<br />

(Methionin-Synthase), die Vitamin<br />

B12 als Cofaktor, enthält zu Methionin remethyliert (Siehe<br />

oben Abb. 3). tHcy (von englisch total homocysteine)<br />

beschreibt die in vivo vorkommenden Metabolite von<br />

Homocystein: Homocystein selbst und Disulfide von Homocystein<br />

mit a) Homocystein (L-Homocystin), b) Cystein<br />

und c) Proteinen. Letztere Form macht ca. 65 % des im<br />

Plasma vorkommenden tHcy aus, die erstgenannten Metabolite<br />

zusammen etwa 30 %. Als normale Plasmawerte<br />

von tHcy werden zwischen 4 und 12 µmol/l angegeben.<br />

Die Homocysteinspiegels sollten, auch nach meiner Ansicht,<br />

unter 10 µmol/l [15] liegen, um eine ausreichende<br />

Eiweißsynthese der Nervenbotenstoffe zu gewährleisten.<br />

Die Internisten haben ihren Referenzwert mit


Ernährung | Prävention<br />

wird. Sollten Sie Zweifel haben drücken Sie einmal beim<br />

Blumengießen mit dem Gartenschlauch auf das Ausflussende,<br />

der Schlauchquerschnitt wird reduziert und das<br />

Wasser spritzt weiter, da der Drück größer ist. Ein angeborener<br />

Defekt der Cystathionin-Synthase führt auch zu erhöhten<br />

Werten von tHcy im Plasma und zur Ausscheidung<br />

von Homocystin im Urin (eine der Formen der Homocystinurie).<br />

Folge ist unter anderem eine schwere Arteriosklerose.<br />

Ohnehin scheint es keinen Schwellenwert für den tHcy-<br />

Plasmaspiegel bezüglich Arteriosklerose zu geben, das<br />

Risiko für Herz-Kreislauf-Krankheiten steigt linear mit steigendem<br />

tHcy-Werten an. Damit gilt Homocystein als ein<br />

unabhängiger Risikofaktor für Herz-Kreislauf-Krankheiten.<br />

Wenn Sie nun mit den Nerven zu Fuß sind weil Sie ggf.<br />

einen Mangel an B6, B12 und Folsäure haben, kann es Ihnen<br />

passieren dass Sie ein psychiatrisches Medikament<br />

(z.B. Wirkstoff Citalopram) von ihrem Arzt zur Linderung<br />

Ihrer Symptome und Beschwerden (niedergedrückte<br />

Stimmung, Depression, Angst- und Panikgefühle, Schlafstörungen,<br />

Erschöpfung, etc.) bekommen. Der Wirkstoff<br />

Citalopram wirkt als Serotonin-Wiederaufnahmehemmer<br />

(SSRI) und ist ein klassisches Beispiel für ein psychiatrisches<br />

Medikament dieser Wirkstoffklasse. Citalopram<br />

verhindert dass aus den Serotoninspeichern freigesetztes<br />

Serotonin (welches zunächst am Nerven andockt und dort<br />

für positive Gefühle, mehr Anrieb und Freude sorgt) an der<br />

Wiederaufnahme in die Speicherbläschen gehindert wird.<br />

Dadurch können die positiven Stimmungs-Effekte länger<br />

anhalten, setzen aber die regelmäßige Einnahme des Medikamentes<br />

voraus.<br />

Das Medikament „überspielt“ dabei nur den Nervenbotenstoffmangel.<br />

Sorgen wir nicht dafür dass der Mangel auf<br />

der physiologischen Ebene behoben wird, benötigen die<br />

Patienten meist auf Dauer ein solches Medikament. Üblicherweise<br />

wird ein Psychopharmakon für mindestens ein<br />

¾ Jahr gegeben. Danach wird versucht es ausschleichend<br />

abzusetzen. Häufig ist das leider nicht von Erfolg gekrönt,<br />

da die Grundfunktionalität des Neurotransmittersystems<br />

sich nicht positiv verändert hat und immer noch ein Mangel<br />

an Nervenbotenstoffen besteht.Da die Bestimmung<br />

einzelner Vitamine möglich, aber für die Patienten häufig<br />

zu kostspielig ist, nutze ich die Homocysteinbestimmung<br />

im (Blut-)Plasma. Dieses ist ein seit vielen Jahren gut erprobtes<br />

und zuverlässiges Verfahren die mein Labor für<br />

26,13 Euro den Patienten in Rechnung stellt. In der Praxis<br />

nehmen wir das Blut ab und zentrifugieren es, den Rest<br />

erledigt das Labor. Damit gibt es meist den Beweis, dass<br />

die Eiweißsynthese/Neurotransmittersynthese gestört<br />

ist und nicht ausreichend funktioniert. Das eröffnet jetzt<br />

einen Behandlungspfad im Bereich der Vitalstoffe die<br />

das Nervenbotenstoffsystem regenerieren lässt (seltene<br />

Ausnahme sind Gendefekte) und wieder in die natürliche,<br />

physiologische Funktionalität bringt. Daher empfehle<br />

ich meinen Patienten in diesen Fällen ein orales Vitamin<br />

B-Komplexpräparat mit Folsäure (in dem Vitamin B12 als<br />

Literatur<br />

[1] Löffler, B. M.; Endemischer B-Vitamin-Mangel ein unerkanntes Problem;<br />

Nutrition-Press, Ausgabe 11, November (2017) S. 17 - 27<br />

[2] Holford,P.; New optimum nutrition for the mind; Piatkus (2007)<br />

[3] Kolter, T.; https://roempp.thieme.de/roempp4.0/do/data/RD-22-00957<br />

[4] Souci et al. (6.)<br />

[5] Gröber, U; Kisters, K.; Arzneimittel als Mikronährstoffräuber, 2. Aufl.;<br />

WVG Stuttgart (2017)<br />

[6] Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE); Hrsg., Referenzwerte für<br />

die Nährstoffzufuhr, Umschau/Braus: Frankfurt am Main, (2000)<br />

[7] Wolters, M.; Ströhle, A.; Hahn, A., Dtsch. Apoth. Ztg., (2005) 145, 221–228<br />

[8] Stabler, S. P.; Allen, R. H., Annu. Rev. Nutr., (2004) 24, 299–326<br />

[9] Dali-Youcef, N.; Andrès, E., Q. J. Med., (2009) 102, 17–28<br />

[10] Choi, S.; Mason, J. B., J. Nutr., (2002) 132, 2413S–2418S<br />

[11] Hahn, A., Pharm. Unserer Zeit, (2009) 38, 168–178<br />

[12] Miller, A. L., Altern. Med. Rev., (2008) 13, 216–226<br />

[13] Seal, E.C.; Metz, J.;Flicker,L. et al; A randomized, double.blind, placebocontrolled<br />

study of oral vitamin B12 supplementation in older patients with<br />

subnormal or borderline serum vitamin B12 concentrations; J. Am. Geriatr<br />

Soc. 50 (2002) S. 146 -151.<br />

[14] Alsen, P. S.; Schneider, L. S.; Sano, M. et al; High-dose b-vitamins<br />

supplementation and cognitive decline in Alzheimer disease a randomized<br />

controlled trial. JAMA; 300 (2008) S. 1174 - 1184<br />

[15] Kuklinski, B.´; Mitochondrien; 2. Aufl.; Aurum (2016)<br />

[16] Löffler/Petrides; Hrsg., Heinrich, P-C.; Müller, M; Graeve, L; Biochemie und<br />

Pathobiochemie, 9. Auflage, Springer (2014)<br />

Methylcobalamin vorliegt) meist üben einen Zeitraum<br />

von 4 – 6 Monaten. Damit haben wir dann die Spitze<br />

des Eisbergs in Arbeit und können uns um weitere<br />

Begleitumstände die die Patienten zu mir führen<br />

kümmern. Dabei ist es für die Patienten besonders<br />

erleichternd dass sie voraussichtlich keinen Psychiater<br />

auf Dauer benötigen und die Erkenntnis nicht<br />

ihrer Psyche ausgeliefert zu sein und die Kontrolle zu<br />

verlieren. Sie benötigen nur einen richtungsweisenden<br />

Arzt der ohne Scheuklappen und Tunnelblick an<br />

ihrer Gesundung interessiert ist.<br />

Wir haben es selbst in der Hand wie gesund wir sind.<br />

Vorausgesetzt wir wissen worum es geht und wie wir<br />

uns gesund erhalten. Ich wünsche uns allen viel Erfolg<br />

dabei! «<br />

Fotos: ralwel – Fotolia (S. 18),<br />

Liddy Hansdottir – Fotolia (S. 19), pixabay<br />

Autor<br />

Dr. med. Frank Ingwersen<br />

Facharzt für Psychiatrie und<br />

Psychotherapie<br />

Sandkuhlenweg 18, 25885 Ahrenviöl<br />

Tel: 04847 20 14 74<br />

Fax: 04847 20 14 87<br />

f.ingwersen@ahrnfjolde.de<br />

www.dr-ingwersen.de<br />

Nutrition-Press 23


Vitalstoffmangel fördert<br />

psychische Störungen<br />

Psychische Störungen nehmen immer mehr zu, sowohl in jungen Jahren als im Alter. In<br />

einer Untersuchung aus dem Jahre 1998 waren etwa 30% der deutschen Bevölkerung<br />

betroffen, diese Zahl wurde auch in einer neueren Untersuchung mit 5317 Teilnehmern<br />

zwischen 18 und 79 Jahren, bestätigt. Eine von drei Frauen und bei einem von vier bis<br />

fünf Männern im Alter von 18 bis 79 Jahren trat in dem vergangenen Jahr zumindest<br />

eine psychische Störung auf. Die Häufigste Störung war eine Angststörung (15,3%),<br />

affektive Störungen (9,3%) und Störungen durch Substanzgebrauch (5,7%, ohne illegale<br />

Drogen). In 40-50% der Fälle wurden mehrere Diagnosen erhoben. Insgesamt waren<br />

27,7% betroffen. Im EU-Vergleich lag die Zahl bei 38%, wobei hier zusätzlich Schlafstörungen,<br />

geistige Behinderungen, Persönlichkeitsstörungen, ADHD („attention deficit<br />

hyperactivity disorder“), Autismus und Demenzen erfasst wurde 1 .<br />

Psychische Störungen im Alter werden oft nicht als<br />

solche erkannt. Nur etwa 5% der Patienten bei Psy -<br />

cho therapeuten sind über 60 Jahre alt 2 . Das Problem<br />

ist die allgemeine Meinung, dass man mit zunehmendem<br />

Alter körperliche, geistige und psychische Einschränkungen<br />

in Kauf nehmen muss. Besonders häufig treten<br />

Ängste, Demenz und Depressionen im Alter auf. Vorboten<br />

einer psychischen Störung wie sozialer Rückzug, vermehrte<br />

Ängstlichkeit und Vergesslichkeit, werden oft dem Alter<br />

zugeschoben und nicht als Störung erkannt. Ein Problem ist<br />

sicherlich, dass mit zunehmendem Alter der Mensch anfälliger<br />

für körperliche, geistige und seelische Störungen wird.<br />

Unerkannte Vitalstoffmängel<br />

sind weit verbreitet<br />

Die Gründe hierfür sind der moderne Lebensstil, bei dem<br />

viele ältere Menschen vereinsamen (der Anteil an alleinlebenden<br />

älteren Menschen nimmt zu), aber auch die<br />

Folgen einer vitalstoffarmen modernen Ernährung. Viele<br />

alte Menschen kochen 2 bis 3 Mal pro Woche und essen<br />

dann mehrere Tage davon oder sie sind auf die Lieferung<br />

von Nahrung aus Großküchen (Alters- oder Pflegeheime,<br />

Krankenhäuser) angewiesen. Diese Nahrung enthält leider<br />

viel zu wenig gesundheitsförderliche Vitalstoffe und<br />

die vielen Medikamente die im Alter verschrieben werden,<br />

24 Nutrition-Press


Ernährung | Prävention<br />

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erhöhen den Vitalstoffbedarf zusätzlich – ein Teufelskreis der sich auch auf<br />

die Gehirnleistung niederschlägt. Dabei wäre es sehr einfach hier Abhilfe zu<br />

schaffen, die Gesundheit im Alter zu erhalten oder zu verbessern und die<br />

Notwendigkeit der Einnahme von einem Teil der Medikamente zu reduzieren.<br />

Aber auch junge Menschen sind von einer Unterversorgung mit einigen Vitalstoffen<br />

betroffen, obwohl diese Tatsache nicht bekannt ist und auch von<br />

offiziellen Stellen nicht zugegeben wird. Marginale Mängel, die bereits zu<br />

einer Einschränkung wichtiger körperlicher Funktionen und Enzymvorgänge<br />

führen, können mit modernen Analysemethoden nicht erfasst werden. Besonders<br />

häufig von einem Mangel betroffen sind Vitamin D, Selen, ein Teil<br />

der B-Vitamine, Eisen und Coenzym Q10. Beim alten Menschen, der auf eine<br />

Betreuung im Pflegeheim angewiesen ist, sind sämtliche Vitalstoffdefizite<br />

vorprogrammiert, wenn die Angehörigen sich nicht um eine Ergänzung kümmern.<br />

Daher verwundert es nicht, dass viele Menschen im Pflegeheim immer<br />

schneller körperlich, psychisch, geistig und seelisch abbauen, wenn sie aus<br />

ihrer gewohnten Lebensumgebung herausgerissen werden.<br />

Auch junge Menschen, Kinder und Jugendliche, sind prädestiniert für Vitalstoffdefizite,<br />

da sie einen hohen Bedarf durch Wachstum und Entwicklung<br />

haben. Während der Schwangerschaft und Stillzeit achtet die besorgte Mutter<br />

auf eine gesunde und vitalstoffreiche Ernährung, aber der erhöhte Bedarf<br />

im Vergleich zum Körpergewicht bleibt bestehen. Daher sind die Ergebnisse<br />

der nationalen Verzehrstudie von 2008, nicht verwunderlich, bei der einige<br />

Jugendlichen die minimalen Empfehlungen der DGE (deutsche Gesellschaft<br />

für Ernährung) nicht erreichen. Doch gerade diese Jugendlichen sind die zukünftigen<br />

Eltern des Nachwuchses. Speziell junge Mädchen und Frauen, die<br />

jahrelang orale Ovulationshemmer oder andere hormonabgebenden<br />

Verhütungsmaßnahmen durchführen, sind mangelgefährdet,<br />

da viele Vitalstoffe massiv verbraucht werden.<br />

Die Folgen sind neben einer Schwangerschaftsübelkeit,<br />

eine Vitalstoffunterversorgung des Kindes,<br />

aber auch vermehrte psychische Störungen wie Depressionen<br />

bei jungen Frauen, vor allem während<br />

Schwangerschaft und Wochenbett.<br />

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Vitalstoffe für die Psyche<br />

Für unsere psychische Gesundheit sind viele verschiedene<br />

Vitalstoffe verantwortlich. Hierzu gehören die<br />

B-Vitamine, Vitamin D, Omega-3-Fettsäuren, Selen, Arginin,<br />

Kalzium, Magnesium und Zink, um die wichtigsten zu nennen. Schon in den<br />

50-er Jahren des letzten Jahrhunderts entwickelte der Biochemiker und Psychiater<br />

Abram Hoffer und sein Partner Humphry Osmond die orthomolekulare<br />

(vitalstoffbasierte) Psychiatrie. Leider ist diese natürliche und begleitende<br />

Therapieform in der modernen Medizin in Vergessenheit geraten. Die aufgeführten<br />

Vitalstoffe halten den Serotoninspiegel hoch und sorgen so auf<br />

natürliche Weise für eine Stimmungsaufhellung.<br />

Vitamin D halbiert das Risiko für Depressionen<br />

Vor allem Vitamin D kann das Depressionsrisiko halbieren. Dies ist interessant,<br />

da über 80 Prozent der Deutschen und wohl nahezu alle Seniorinnen<br />

und Senioren, speziell in Altersheimen, einen hochgradigen Vitamin-D-Mangel<br />

haben, wenn sie nicht ergänzen. Neben der Stabilisierung des Serotoninspiegels<br />

bewirkt Vitamin D eine Stabilisierung der sehr sensiblen<br />

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Nutrition-Press 25


Zellstrukturen im Gehirn und steigert die Aktivität von<br />

Glutathion, welches mit Selen das stärkste Antioxidans<br />

im Gehirn ist. So ist es nicht verwunderlich, dass in einer<br />

Studie die Gabe von Vitamin D die Depression der<br />

Versuchsteilnehmer, auf der üblichen Depressionsskala,<br />

um 74% gebessert hat, während die in der Kontrollgruppe<br />

durchgeführte Lichttherapie keine Verbesserung der depressiven<br />

Symptomatik bewirkt hat 3 .<br />

Bei der Therapie mit Vitamin D sind keine hohen Dosierungen<br />

erforderlich. Blutspiegel von über 30 ng/ml reichen<br />

aus um vor einer Depression zu schützen. Hierzu genügt<br />

es täglich 1500 bis 3000 IE Vitamin D (z.B. Vitamin D3<br />

Pearls 1520 IE von Pharma Nord) zu geben.<br />

Selen reduziert oxidativen Stress im Gehirn<br />

Selen ist das wichtigste endogene Antioxidans, es reduziert<br />

oxidativen Stress, hält daher Zellen am Leben und<br />

verbessert Ihre Leistungsfähigkeit. Dies gilt speziell für<br />

das Gehirn, denn es hat einen deutlich erhöhten Sauerstoffverbrauch<br />

im Vergleich zu anderen Organen. Dabei<br />

fallen viele freie Radikale an, die neutralisiert werden<br />

müssen, um die empfindlichen Gehirnzellen vor Oxidation<br />

und damit vor Zerstörung zu schützen. Verschärft wird der<br />

Bedarf an Selen durch die Tatsache, dass das Gehirn<br />

zu 60 % aus Fett besteht, welches besonders<br />

oxidationsempfindlich ist.<br />

Die geistige Leistungsfähigkeit<br />

hängt erheblich vom<br />

Vorhandensein von sogenannten<br />

Neurotransmittern<br />

ab. Die Bildung<br />

dieser wiederum<br />

hängen von der Zufuhr<br />

von Vitalstoffen und vor<br />

allem von Selen ab. Als Beispiel<br />

sei hier das allgemein als<br />

„Glückshormon“ bekannte Serotonin<br />

genannt. Mit Selen substituierte<br />

Patienten haben grundsätzlich höhere Serotoninspiegel<br />

und eine deutlich bessere Stimmungslage. Eine<br />

große britische Studie zur Bedeutung von Vitalstoffen bei<br />

seelischen Erkrankungen aus dem Jahr 2006 erbrachte<br />

folgendes Ergebnis:<br />

Die immer schlechtere Ernährung bewirkt bei der britischen<br />

Bevölkerung Depressionen und schwächt Gedächtnis<br />

und Konzentration.<br />

Die Selenversorgung in Mitteleuropa ist in der Regel<br />

unzureichend; eine gute Selenversorgung ist mit einer<br />

guten Stimmungslage assoziiert 4 .<br />

Dass Schwermetalle den Organismus belasten ist mittlerweile<br />

hinlänglich bekannt. Besonders gerne speichert<br />

der Körper die Schwermetalle im Fettgewebe, dass im<br />

Gehirn reichlich vorhanden ist und damit lagern sich viele<br />

Schwermetalle dort ab. Dies ist sicherlich mit der Zunahme<br />

von Parkinsonkrankheit, Demenz, Depression und<br />

anderen Einschränkungen der Stimmungslage assoziiert.<br />

Selen ist in der Lage Schwermetalle zu binden und kann<br />

diese so zur Ausleitung aus dem Körper vorbereiten. Selen<br />

hat in der Behandlung der menschlichen Psyche eine zentrale<br />

Rolle. Interessant ist auch, dass die Kombination von<br />

Selen und Vitamin B6 hochwirksam bei hyperaktiven Menschen<br />

ist. Um körperlich und seelisch gesund zu sein benötigen<br />

wir 100 µg, besser 200 µg, Selen am Tag, mit der<br />

Nahrung erreichen wir nur ca. 35 µg Selen täglich.<br />

B-Vitamine unterstützen das Nervensystem<br />

B-Vitamine sind wichtige Strukturbestandteile der Nervenzellen<br />

und somit auch essentiell für die Bereitstellung<br />

von Neurottransmittern wie das Serotonin, dem „Wohlfühlhormon“.<br />

B-Vitamine sind in der Behandlung von<br />

psychischen Störungen unerlässlich und mittlerweile in<br />

vielen psychiatrischen Kliniken etabliert. Thiamin ist bei<br />

täglichem Alkoholkonsum oft erniedrigt, bekannt sind<br />

Psychosen, Halluzinationen, Gedächtnisverlust und Übererregbarkeit<br />

bei einem ausgeprägten Vitamin-B1-Mangel.<br />

Einen Riboflavin-Mangel haben 20 bis 32% der gesamten<br />

deutschen Bevölkerung 5 . Besonders davon betroffen sind<br />

Senioren, bei denen 89% bis 91% im Mangel sind und<br />

durch Vitamin B2 oft erfolgreich von der Altersdepression<br />

befreit werden können. Die Pantothensäure ist wichtig<br />

für den Aufbau von Provitamin D, welches einen enormen<br />

Einfluss auf die Psyche hat. Dieses B-Vitamin schafft im<br />

Prinzip kein Deutscher ausreichend aufzunehmen, Mangelsymptome<br />

sind unkoordinierte Bewegungsabläufe<br />

und Burning-feet-Syndrom (brennende Schmerzen in den<br />

Beinen). Pyridoxin sorgt für Glückshormone und wird therapeutisch<br />

bei Schizophrenie, Autismus, Lern- und Verhaltensstörungen,<br />

Konzentrationsstörungen und bei Depressionen<br />

eingesetzt. Ein subklinischer Mangel ist weit<br />

verbreitet, jedoch schlecht messbar. Ein Vitamin-B6-Mangel<br />

im frühen Kindesalter wird auch als Ursache für ADHS<br />

diskutiert. Ein Mangel beim Erwachsenen führt zu neurologischen<br />

Störungen und Depressionen. Folsäure ist wesentlich<br />

an Gehirn und Nervensystem beteiligt, daher sind<br />

die hohen Defizite 6 (66-91% der deutschen Bevölkerung)<br />

ein großes Problem. Auch Cobalamin ist an der Produktion<br />

von Glückshormonen beteiligt und ist ebenso wichtig für<br />

Nervensystem und Gehirn. Im Alter nimmt die Resorptionsrate<br />

ab und die von vielen Menschen eingenommenen<br />

Magensäureblocker reduzieren das Vitamin B12 zusätzlich.<br />

Ein Mangel an Vitamin B12 ist eine häufige und einfach<br />

zu behandelnde Ursache von Demenz und Depressionen<br />

und ist sogar dessen Hauptursache laut einer Studie<br />

von 2015. Auch hier spielt ein regelmäßiger bzw. täglicher<br />

Alkoholkonsum eine Rolle, da Alkohol die Vitamin-B-Aufnahme<br />

stark behindert. Da B-Vitamine im Komplex ihre<br />

Wirkung am besten entfalten, sollte immer mit einem B-Vitamin-Komplex<br />

als Basis gearbeitet werden (z.B. BioActive<br />

B-Komplex von Pharma Nord).<br />

26 Nutrition-Press


Ernährung | Prävention<br />

Literatur<br />

Coenzym Q10 liefert dem Gehirn Energie<br />

Das Gehirn ist sehr fettreich und hat einen sehr hohen<br />

Energieumsatz. Es benötigt für verschiedene Funktionen<br />

Cholesterin, eine fettähnliche Substanz, die maßgeblich<br />

am Aufbau der Zellmembranen und vielen Stoffwechselvorgängen<br />

im Gehirn beteiligt ist, aber in der Laienpresse<br />

als schädliche Substanz gilt. Es ist ebenfalls ein wichtiger<br />

Ausgangsstoff für die Bildung der Gallensäuren zur<br />

Fettverdauung und für die Produktion von Vitamin D und<br />

bestimmten Hormonen (Cortisol, Östrogen, Testosteron).<br />

Das Vitaminoid Koenzym Q10 ist essentiell und nicht austauschbar,<br />

wenn es um die Energiegewinnung geht. Fehlt<br />

Koenzym Q10, dann werden in den Mitochondrien nur 4<br />

ATP-Moleküle gebildet. Wird die vitaminähnliche Substanz<br />

dem Organismus ausreichend zur Verfügung gestellt, werden<br />

jedoch 36 ATP-Moleküle gebildet. Zusätzlich ist Koenzym<br />

Q10 ein hochwirksames fettlösliches Antioxidans<br />

und schützt die fettreichen Gehirnzellen und dass – für<br />

das Gehirn wichtige – Cholesterin vor einer Inaktivierung<br />

durch Oxidation.<br />

1 Der Nervenarzt 1 2014<br />

2 Dr. Christine Amrhein, Februar 2013<br />

3 Gloth 3rd, F. M., Waheed Alam, and Bruce Holis. Vitamin D vs broad spectrum<br />

phototherapy in the treatment of seasonal affective disorder. The journal of<br />

nutrition, l health & aging, 1998, 3. Jg., Nr. 1, S. 5-7.<br />

4 Courtney Van de Weyer: Changing Diets, Changing Minds: how food affects<br />

mental wellbeing and behaviour; Sustain<br />

5 Nationale Verzehrstudie II von 2008<br />

6 Siehe Fußnote 5<br />

7 Christine Krumbholz; Pharmazeutische Zeitung; Medizin 2-51-2003<br />

Omega-3-Fettsäuren stabilisieren<br />

die Zellmembranen im Gehirn<br />

Omega-3-Fettsäuren verbessern die Flexibilität von Zellmembran<br />

vor allem bei Zellen mit hohem Fett Anteil, wie dies im<br />

Gehirn der Fall ist. Hierdurch werden viele psychische Probleme<br />

wie Ängste, Depression und ADHS gebessert 7 .<br />

Grundversorgung mit Vitalstoffen<br />

würde vielen helfen<br />

Die Kombination von verschiedenen Vitalstoffen in einem<br />

Multivitaminpräparat, kombiniert mit Selen und Koenzym<br />

Q10 hat sich im eigenen Patientenkollektiv gut bewährt. In<br />

der Regel werden die Symptome deutlich weniger und die<br />

Patienten erheblich aktiver. Therapieversager sind selten,<br />

Nebenwirkungen treten nicht auf. «<br />

Über die Autoren<br />

Nathalie Schmidt<br />

Therapeutin, Autorin<br />

Für mich ist oberstes Gebot, die Seele<br />

des Menschen und damit auch seine<br />

Lebensenergie in den Mittelpunkt<br />

meiner Arbeit zu stellen. So kann ich<br />

individuelle Probleme erkennen und<br />

gezielt auf sie eingehen.<br />

Von Beruf bin ich examinierte Krankenschwester.<br />

Seit 1996 beschäftige ich mich<br />

eingehend mit verschiedenen Themen wie<br />

z. B. Lebensenergie, individuellen Lebensaufgaben, Krankheit aus seelischer<br />

Sicht, was passiert beim Tod?<br />

Durch die Arbeit mit schwerkranken Menschen, die Arbeit des Coachings<br />

von Menschen in belastenden Lebenssituationen, aber auch durch eigene<br />

Erlebnisse erkannte ich die Zusammenhänge zwischen Energie und dem<br />

menschlichen Leben. Meine Erfahrungen und mein Wissen zu diesem Thema<br />

habe ich niedergeschrieben.<br />

Dr. med.<br />

Edmund Schmidt<br />

Facharzt für Allgemeinmedizin,<br />

Chirotherapie,<br />

Schmerztherapie, Reisemedizin,<br />

Gelbfieber-<br />

Impfstelle, Ernährungsmedizin,<br />

Vitalstofftherapie<br />

Seit 1996 führe ich erfolgreich mit meiner Frau Nathalie die<br />

Praxis Dr. Edmund Schmidt in Ottobrunn bei München. Wir<br />

sind immer bestrebt Wissen und Information über Vitamine,<br />

Mineralstoffe, Spurenelemente, Bioaktive Substanzen und unsere<br />

Erfahrungen zu teilen und allen Menschen zugänglich zu machen.<br />

In Deutschland, Österreich und der Schweiz halten wir Vorträge<br />

und Seminare und bilden Vitalstoffberater aus.<br />

www.ensign-ohg.de | www.praxis-schmidt-ottobrunn.de | www.energie-lebensberatung.de<br />

Fotos: Jürgen Fälchle – Fotolia (S. 26), Girasole75 – Fotolia (S. 27), pixabay<br />

Nutrition-Press 27


ZINK<br />

Die Zinkversorgung in Deutschland<br />

und der Einsatz von Zinkpräparaten<br />

in der Therapie von Haarausfall,<br />

Akne und Herpes<br />

Zink hat in vielen Feldern der Medizin einen hohen<br />

Stellenwert. In diesem Beitrag soll der Stellenwert<br />

des Mineralstoffs für den Menschen im Bereich der<br />

Prophylaxe und Therapie dargestellt werden. Zink<br />

ist ein essentielles (lebensnotwendiges) Spurenelement (1,<br />

2)<br />

, das im menschlichen Organismus nicht synthetisierbar<br />

ist und für das es praktisch keine Speicher im menschlichen<br />

Organismus gibt. Vor diesem Hintergrund ist eine<br />

regelmäßige und bedarfsdeckende Zufuhr notwendig. Zink<br />

ist Bestandteil von mehr als 100 Enzymen und stellt nach<br />

Eisen das zweitwichtigste Spurenelement im menschlichen<br />

Körper dar. Der Zinkbestand beim Menschen liegt<br />

zwischen 2 und 4 Gramm. Die empfohlene Zinkzufuhr<br />

liegt bei Erwachsenen bei täglich 7 bis 10 Milligramm.<br />

Stillende benötigen 11 Milligramm. Die Bioverfügbarkeit<br />

von Zink ist für die Therapie und Prophylaxe von Leiden<br />

und zur Erhaltung von Gesundheit, Vitalität und Wohlbefinden<br />

von besonderer Wichtigkeit. Studien zeigen, dass<br />

die Bioverfügbarkeit von organischen Zinkverbindungen –<br />

insbesondere Zinkhistidin – denen anorganischer Zinkverbindungen<br />

(deutlich) überlegen ist. Für Zink hat die EFSA<br />

18 Claims autorisiert (13) . Damit ergibt sich für Zink auch in<br />

Nahrungsergänzungsmitteln ein weites Feld.<br />

50 Prozent der Weltbevölkerung leiden unter Zinkmangel<br />

Die Versorgungssituation der Bevölkerung mit Zink ist<br />

ähnlich schlecht, wie die mit Vitamin D, Folsäure, Jod<br />

oder Fluorid (14) . Mangelzustände oder suboptimale Versorgungszustände<br />

sind auch in westlichen Industrieländern<br />

nicht selten. Die Hälfte der Weltbevölkerung leidet unter<br />

einem mehr oder weniger ausgeprägten Zinkmangel und<br />

auch Deutschland ist ein Zinkmangelgebiet (3) . Eine suboptimale<br />

Zinkversorgung und ein klinischer Zinkmangel<br />

führen zu vielfältigen – oftmals unspezifischen Symptomen.<br />

Dazu gehören beispielsweise/insbesondere eine<br />

erhöhte Anfälligkeit für grippale Infektionen (sogenannte<br />

Erkältung (4) ), Rhagaden (Einrisse in den Mundwinkeln),<br />

vermehrte Allergiesymptomatik, entzündliche Veränderungen<br />

der Haut, Haarausfall, Akne, suboptimale Glukoseverwertung,<br />

Nachtblindheit oder Wundheilungsstörungen.<br />

Zinksubstitution ist allgemein<br />

anerkannt<br />

Aufgrund der guten Studienlage zu durch<br />

Zinkmangel hervorgerufenen Symptomen<br />

und Erkrankungen und den hervorragenden<br />

Therapieerfolgen genießt die Zinksubstitution<br />

in Fachkreisen eine hohe und breite Akzeptanz.<br />

Die Bioverfügbarkeit des essentiellen Spurenelements<br />

aus organische Zinkverbindungen (beispielsweise Zinkhistin,<br />

Zinkorotat etc.) ist durchweg besser als die aus<br />

anorganischen Zinkverbindungen wie Zinksulfat oder Zinkoxid<br />

(15) .<br />

Wenn die Zinkversorgung problematisch wird<br />

Die Fehlernährung in Deutschland kann zu einer unzureichenden<br />

Zinkzufuhr führen. Außerdem führt der zunehmende<br />

Trend zur veganen Ernährungsweise zu einer verminderten<br />

Zufuhr des lebenswichtigen Spurenelements.<br />

Zink kommt reichlich in tierischen Lebensmitteln wie<br />

Meerestieren (insbesondere Austern), Innereien (insbesondere<br />

Leber) und Rindfleisch vor. Vegane Nahrungsmittel<br />

sind einerseits eher zinkarm (5) und andererseits ist die<br />

Bioverfügbarkeit des Spurenelements gering. Eine Reihe<br />

von Medikamenten und verschiedene Krankheiten erhöhen<br />

zudem den Zinkbedarf.<br />

Zink unterstützt das Immunsystem und wirkt<br />

Erkältungskrankheiten entgegen<br />

Die Effekte von Zink auf das Immunsystem sind bestens<br />

belegt und vielfältig. In Studien und Befragungen befürworten<br />

Mediziner die Gabe (Substitution = Ausgleich des<br />

Mangels) von Zink: fast 58 Prozent der Mediziner verordnen/empfehlen<br />

Zink für den Ausgleich eines klinischen<br />

Zinkmangels bei Abwehrschwäche, grippalen Infekten<br />

und Infektionen der oberen Atemwege.<br />

Zink wirkt der Erkältung entgegen<br />

Dass Zink gegen grippale Infekte wirksam ist, konnte durch<br />

verschiedene Studien nachgewiesen werden. Eine Metaanalyse<br />

der Cochrane Collaboration von 15 klinischen<br />

28 Nutrition-Press


Ernährung | Prävention<br />

Studien konnte nachweisen, dass die Zinksubstitution Erkältungskrankheiten<br />

vorbeugen oder die Krankheitsdauer<br />

und -schwere mildern kann (6) . Eine erhöhte Anfälligkeit<br />

für Erkältungskrankheiten kann auf einen Zinkmangel<br />

hindeuten. Ein intaktes Immunsystem ist in der Erkältungszeit<br />

besonders wichtig. Im Immunsystem kann eine<br />

Zinksupplementation (supplementieren = ergänzen – über<br />

den Bedarf hinaus und nicht nur einen Mangel ausgleichend)<br />

offenbar eine Reihe immunologischer Parameter<br />

(T-Helferzellen, T- und B-Lymphozyten etc.) positiv beeinflussen<br />

(7) . Sehr häufig setzen die befragten Ärzte Zink bei<br />

immunsupprimierten Patienten – häufig älteren, multimorbiden<br />

Patienten ein. Bei nachgewiesenem klinischem<br />

Zinkmangel kann zum Ausgleich eines immunologischen<br />

Defizits eine längere Zinksubstitution sinnvoll sein kann.<br />

In der Regel zwischen 8 und 12 Wochen. Bei akuten Infekten<br />

kann hingegen eine Einnahme bis zum Abklingen der<br />

Beschwerden ausreichend sein.<br />

Zink für gesunde Haut und Haare<br />

Die Notwendigkeit des Spurenelements Zink geht aber<br />

weit über die Abwehrkräfte hinaus. Insbesondere im Bereich<br />

der Haut und Haare spielt Zink eine bedeutende<br />

Rolle. Die Gabe von Zink bei Erkrankungen der Haut und<br />

Hautanhanggebilden wurden daher in der Befragung sehr<br />

häufig genannt. In Befragungen geben fast 21 Prozent der<br />

Mediziner an, dass sie zum Ausgleich eines Zinkmangels<br />

therapeutisch bei Haut-, Haar- und Nagelproblemen einsetzen.<br />

In vielen Fällen erscheint im Fall von nicht normalem<br />

Haarwuchs die Verabreichung von Zink, Biotin, Kupfer<br />

und Selen angezeigt – hierfür hat die EFSA Claims autorisiert<br />

(13) .<br />

Diffuser Haarausfall (Alopezie) und Nagelwachstumsstörungen:<br />

Um Haare wachsen zu lassen und diese in der<br />

Kopfhaut zu verankern, braucht der Körper u. a. Zink, das<br />

an der Bildung von Kollagen beteiligt ist. Ursachen von<br />

Haarausfall und Nagelwachstumsstörungen können daher<br />

Fehl- und Mangelernährung sein. Aufgrund des erhöhten<br />

Zink-Bedarfs ist Haarausfall bei stillenden Müttern oft zu<br />

beobachten.<br />

Dermatosen und Akne: 70 bis 95 % der Jugendlichen leiden<br />

während der Pubertät an Akne. Zink spielt eine Rolle<br />

für die normale Haut, wirkt regulierend auf die Talgproduktion<br />

und lässt Entzündungen in Form von Pickeln schneller<br />

abheilen.<br />

Neurodermitis und Dermatitis (Ekzeme): Da Allergien<br />

sowie Neurodermitis und häufig auch das Entstehen von<br />

Ekzemen in unmittelbarem Zusammenhang stehen, kann<br />

eine reduzierte Allergieneigung das Hautbild positiv beeinflussen.<br />

Rhagaden (Einrisse in den Mundwinkeln) und Aphten:<br />

Rhagaden oder Aphten betreffen häufig Neurodermitiker<br />

und Allergiker.<br />

Nutrition-Press 29


Wundheilungsstörungen: Seit Jahrzehnten ist die antivirale<br />

Wirkung von Zink in Salben bekannt. Neue wissenschaftliche<br />

Erkenntnisse gehen von der topischen Behandlung<br />

auf eine orale Zink-Gabe – insbesondere was das<br />

Thema Wundheilung betrifft. Bei Wundheilungsstörungen<br />

von Diabetikern oder bei Ulcus cruris oder postoperativ,<br />

setzen Mediziner eine begleitende Zinktherapie ein.<br />

Herpes Zoster: Die Virusinfektion ist bei einem geschwächten<br />

Immunsystem besondere häufig. Ein nachgewiesener<br />

klinischer Zinkmangel kann eine negative Rolle<br />

sowohl beim Auftreten der Herpesreaktion als auch bei<br />

der Abheilung spielen.<br />

Immer mehr im Focus: Allergie und Zinkmangel<br />

Wer über Zink-Histidin spricht, muss mit einem Vorurteil<br />

aufräumen: Da Histidin die Vorstufe zu Histamin ist, wird<br />

häufig angenommen, dass sich durch die Zufuhr von Histidin<br />

die Allergiebereitschaft erhöht wird. Das Gegenteil<br />

ist der Fall! Es ist wissenschaftlich nachgewiesen worden,<br />

dass eine erhöhte Zufuhr von Histidin – beispielsweise in<br />

Form von Zink-Histidin nicht zu einer erhöhten Produktion<br />

von Histamin führt. Histidin greift vielmehr vorteilhaft in<br />

den Serotoninmetabolismus ein und verhindert die Synthese<br />

von Serotoninmetaboliten, die beispielsweise für<br />

Juckreiz bei Allergien verantwortlich sind (8) . Außerdem<br />

wirkt Histidin antientzündlich und eine Allergie ist letztlich<br />

in ihrer Symptomausprägung eine Entzündung der betroffenen<br />

Areale (9) .<br />

Eine Untersuchung mit Pollenallergiker mit einer Mikronährstoff-Unterversorgung,<br />

die Symptome wie Rhinitis,<br />

Konjunktivitis oder leichte Asthmaanfälle aufwiesen,<br />

konnten nach ergänzender Zufuhr von Mikronährstoffen in<br />

Form gut bioverfügbarer Supplemente, u. a. hochdosiertem<br />

Zink als Arzneimittel in Form von Zinkhistidin, nach<br />

3 bis 4 Monaten deutliche Verbesserungen beobachtet<br />

werden. Die Wirkung von Zink auf Mastzellen, Makrophagen<br />

und Neutrophile ist mit der von Cromoglicinsäure<br />

vergleichbar. Die Degranulation von Basophilen und die<br />

Freisetzung von Histamin wird durch Zink gehemmt (10) .<br />

Speziell Pollenallergiker sollten bereits frühzeitig – bevor<br />

die ersten Allergiesymptome auftreten – mit dem Ausgleich<br />

eines Zinkmangels beginnen, um bis zum ersten<br />

Pollenflug einen guten Zinkstatus aufbauen zu können.<br />

Ernährungsbedingter Zinkmangel<br />

Steigender anaboler Bedarf<br />

Einseitige vegetarische, vegane Ernährung<br />

Chronischer Alkoholmissbrauch<br />

Fasten/Heilfasten, Reduktionsdiäten,<br />

Kachexie (bei Tumor, AIDS), Anorexia nervosa<br />

Erkrankungsbedingt erhöhter Zinkverbrauch/-bedarf<br />

Diabetes mellitus (Typ 1 und 2)<br />

Leberfunktionsstörungen/Leberzirrhose<br />

(dekompensierte Leberzirrhose)<br />

Nierenfunktionsstörungen (chronische Niereninsuffizienz)<br />

Chemo-/Strahlentherapie<br />

Therapie mit Komplexbildnern wie DMPS, Ethambutol,<br />

Penicillamin oder EDTA<br />

Therapie mit Glucocorticoiden/Corticosteroiden, Catecholaminen,<br />

orale Kontrazeptiva, Eisensupplementation<br />

Acrodermatitis enteropathica<br />

Wundheilungsstörungen, z.B. nach operativen/<br />

chirurgischem Eingriff<br />

Acne vulgaris<br />

Alopecia areata<br />

Katabolie (AIDS, Tumore) Immun- und Lysosomenaktivierung,<br />

z.B. bei Tumorerkrankungen, rheumatischen<br />

Erkrankungen und langdauernden Infektionen<br />

Morbus Crohn, Zöliakie/Sprue<br />

Hormonstörungen, z.B. virile Impotenz<br />

Bemerkung<br />

Bei Wachstum, Gravidität und Laktation<br />

Komplexierung von Zink durch Phytinsäure im Darm und<br />

erhöhte enterale Ausscheidung; Mangel von Zink in<br />

Gemüsen, Früchten und Obst<br />

Erhöhte Ausscheidung über die Niere<br />

Zu geringe Zufuhr von Zink durch Fleisch, Fisch,<br />

Milchprodukte und Eier<br />

Verlust über die Niere<br />

Verlust über die Niere<br />

Verlust über die Niere<br />

Verlust über die Niere<br />

Verlust über die Niere<br />

Verdrängung von Zink durch Eisen<br />

Verminderte Resorption und erhöhte Ausscheidung<br />

über den Darm<br />

Zinkmangelsymptom<br />

Zinkmangelsymptom<br />

Zinkmangelsymptom<br />

Verminderte Resorption<br />

30 Nutrition-Press


Ernährung | Prävention<br />

Mögliche Ursachen für Zinkmangel<br />

Neben einem erhöhten Bedarf der sich aus speziellen Lebenssituationen<br />

und Erkrankungen sowie der Einnahme<br />

von Medikamenten ergibt, kann Zinkmangel auch durch<br />

Fehl- oder Mangelernährung, Nahrungsmittelunverträglichkeiten<br />

sowie Stoffwechseldefekten entstehen. Erkrankungsbedingt<br />

kann der Zinkbedarf insbesondere bei folgenden<br />

Gruppen erhöht sein (modifiziert nach 11 ):<br />

Zinkhistidin ist (sehr) gut verträglich<br />

Verschiedene Studien und Befragungen zeigen, dass Mediziner<br />

die Verträglichkeit von Zinkhistidin als besonders<br />

gut bewerten. Nebenwirkungen treten bei der Gabe von<br />

Zinkhistidin (15 bis 25 mg/d) vergleichsweise extrem selten<br />

auf und auch die Gefahr der Beeinflussung des Kupferspiegels<br />

ist bei sachgemäßer Anwendung von Zinkhistidin<br />

dementsprechend sehr gering. Ab einer Zink-Aufnahme<br />

von 25 mg täglich über einen längeren Zeitraum kann Zink<br />

den Kupferspiegel beeinflussen.<br />

Die Bioverfügbarkeit bestimmt die<br />

Wirkung einer Zinktherapie<br />

In der ärztlichen Therapie mit Mikronährstoffen spielt die<br />

Bioverfügbarkeit von Mineralstoffen wie Zink eine große<br />

Rolle. Wissenschaftlich ist gesichert, dass organische<br />

Zinkverbindungen den anorganischen Zinkverbindungen<br />

hinsichtlich der Bioverfügbarkeit deutlich überlegen sind.<br />

Die höchste Bioverfügbarkeit weist nach vorliegenden<br />

Studien Zink-Histidin (Zinkhistidin) auf. Demgegenüber<br />

weisen die anorganischen Zinkverbindungen wie Zinkoxid<br />

oder Zinksulfat eine geringe Bioverfügbarkeit auf. Die organischen<br />

Zinkverbindungen Zinkorotat und Zinkgluconat<br />

sind besser biofügbar als die anorganischen Zinkverbindungen<br />

(12) . Die Bindung von Zink an die Aminosäure Histidin<br />

bietet nach dem derzeitigen Wissenstand die wohl<br />

beste Bioverfügbarkeit für Zink. Dies belegt eine Vielzahl<br />

von Untersuchungen. Zink-Histidin nimmt unter den Zinkverbindungen<br />

eine Sonderstellung ein. Histidin ist mit seiner<br />

entzündungshemmenden und antioxidativen Wirkung<br />

schon ein wahres „Powerpaket“. Histidin ist der ideale<br />

Autor<br />

Sven-David Müller<br />

Master of Science in Applied<br />

Nutritional Medicare (Angewandte<br />

Ernährungsmedizin)<br />

Staatlich geprüfter Diätassistent<br />

und Diabetesberater der Deutschen<br />

Diabetes Gesellschaft (DDG)<br />

1. Vorsitzender des Deutschen Kompetenzzentrum<br />

Gesundheitsförderung und Diätetik e.V.<br />

Berliner Straße 11c, 15517 Fürstenwalde an der Spree<br />

www.svendavidmueller.de, www.dkgd.de, sdm@svendavidmueller.de<br />

Komplexpartner für Zink, denn Zinkhistidin steigert die<br />

Bioverfügbarkeit im Vergleich zu Zinksulfat um 30 bis 40<br />

Prozent. In der Therapie und Prophylaxe von Erkrankungen<br />

sowie der Gesunderhaltung sollten insbesondere organische<br />

Zinkverbindungen empfohlen werden.<br />

Zusammenfassung:<br />

Deutschland ist ein relatives Zinkmangelgebiet. Die Versorgung<br />

ist ähnlich wie bei Jod, Fluorid, Folsäure, Selen<br />

oder Vitamin D grundsätzlich als unzureichend zu bezeichnen.<br />

In der Regel ist von einer suboptimalen bis mangelhaften<br />

Zufuhr auszugehen. Die Resorption von Zink aus<br />

der Nahrung ist insbesondere bei veganen Produkten<br />

schlecht. Ähnliches gilt für anorganische Zinkverbindungen<br />

(wie beispielsweise Zinksulfat). Eine hervorragende<br />

Zinkverfügbarkeit weist die organische Zinkverbindung<br />

Zinkhistidin auf. Zinkhistidin wird von Ärzten bevorzugt<br />

eingesetzt. Indikationen sind beispielsweise Haarausfall,<br />

Akne, Herpes Zoster und eine Vielzahl von weiteren Erkrankungen.<br />

Es ist wichtig, die Zinksubstitution in einem<br />

Ausmaß von 15 bis 25 Milligramm täglich vorzunehmen,<br />

um Veränderungen des Kupferstoffwechsels auszuschließen.<br />

Die Menge von 25 Milligramm täglich sollte dauerhaft<br />

möglichst nicht überschritten werden. Der Stellenwert<br />

von Zink in der Medizin darf nicht unterschätzt werden. «<br />

Literatur/Quellen:<br />

Diätetik und Ernährungsberatung, Hrsg. Eva Lückerath und Sven-David Müller, Haug Verlag Stuttgart, 2014<br />

Berufs- und Beratungspraxis für Diätassistenten und Ernährungswissenschaftler, Hrsg. Sven-David Müller und Kathrin Pfefferkorn,<br />

Mainz Verlag Aachen, 2015<br />

1)<br />

http://www.bfr.bund.de/de/bewertung_von_vitaminen_und_mineralstoffen_in_lebensmitteln-54416.html<br />

2)<br />

http://ods.od.nih.gov/factsheets/Zinc-HealthProfessional/<br />

3)<br />

DAZ, Deutsche Apotheker Zeitung Nr. 33, 08/2000<br />

4)<br />

http://ods.od.nih.gov/factsheets/Zinc-HealthProfessional/<br />

5)<br />

Bundeslebensmittelschlüssel (BLS)<br />

6)<br />

http://<strong>online</strong>library.wiley.com/doi/10.1002/14651858.CD001364.pub4/abstract;jsessionid=<br />

BA66CC0B424F01037FEA19224B2B3556.f04t02<br />

7)<br />

Wienecke, Elmar, Erfahrungsbericht und Pilotuntersuchung zum Zink-, Selen- und Magnesiumsstatus beim Menschen.<br />

Bessere Lebensqualität bei Allergien und Infekten, Ernährung & Medizin, 2005; 20:32 – 36<br />

8)<br />

Chvapil M. Effect of zinc on cells and biomembranes. Med Clin N Am 1976; 60(4): 799-812<br />

9)<br />

Wade AM, Tucker HN, Antioxidant characteristics of L-histidine. J Nutr Biochem 1998; 9:308 – 315<br />

10)<br />

Wienecke, Elmar, Erfahrungsbericht und Pilotuntersuchung zum Zink-, Selen- und Magnesiumsstatus beim Menschen.<br />

Bessere Lebensqualität bei Allergien und Infekten, Ernährung & Medizin, 2005; 20:32 – 36<br />

11)<br />

Prof. Rudolf Schopf, Zink-Histidin, Deutsche Apotheker Zeitung, 140. Jahrgang, Nr. 5, 03.02.2000.<br />

12)<br />

Mittmann U. Bioverfügbarkeit von Zinkpräparaten, Deutsche Apotheker Zeitung 2001; 141(50): 5924-5932<br />

13)<br />

http://ec.europa.eu/food/safety/labelling_nutrition/claims/register/public/?event=search, 26.07.<strong>2018</strong>, 13.47<br />

14)<br />

https://www.dge.de/presse/pm/wie-sind-die-deutschen-mit-naehrstoffen-versorgt/, 26.07.<strong>2018</strong>, 13.49<br />

15)<br />

https://www.deutsche-apotheker-zeitung.de/daz-az/2001/daz-50-2001/uid-5197, 26.07.<strong>2018</strong>, 13.56<br />

Fotos: Björn Wylezich – Fotolia (S. 29), tamayura39 – Fotolia (S. 30)<br />

Nutrition-Press 31


Der Einfluss<br />

von Glyphosat<br />

und anderen<br />

Pestiziden<br />

auf die<br />

menschliche<br />

Gesundheit<br />

Ursprünglich hatte ich eigentlich vor, über die<br />

generelle Auswirkung von Pestiziden auf die<br />

menschliche Gesundheit zu schreiben. Doch<br />

dazu habe ich erschreckenderweise so viele Studien<br />

in der größten medizinischen Datenbank der Welt<br />

„Pubmed“ gefunden, die die Toxizität auf die Umwelt und<br />

den Menschen belegen, deren vollständige Erwähnung<br />

aber den Rahmen eines Fachartikels sprengen würde.<br />

Daher werde ich mich hauptsächlich auf das weltweit am<br />

häufigsten verwendete Pestizid bzw. Breitspektrum-Herbizid<br />

Glyphosat, dem aktiven Bestandteil von z. B. Roundup ®<br />

beschränken, das nicht nur in der Landwirtschaft, sondern<br />

auch in Gärten, öffentlichen Parks, Sportplätzen und dem<br />

Schienennetz großflächig eingesetzt wird. Chemiekonzerne<br />

machen mit der Chemikalie, die 1974 eingeführt wurde,<br />

jährlich Milliardenumsätze.<br />

32 Nutrition-Press


Ernährung | Prävention<br />

In diesem Manuskript geht es nicht um die gesundheitlichen<br />

Konsequenzen einer akuten Exposition, sondern um<br />

die Langzeitfolgen der Substanz.<br />

Zu den Pestiziden gehören Insektizide, Fungizide, Herbizide,<br />

Rodentizide und Wachstumsregulatoren für Pflanzen.<br />

Zahlreiche negative gesundheitliche Effekte werden mit<br />

ihnen assoziiert und zwar dermatologische, gastrointestinale,<br />

neurologische, karzinogene, respiratorische, reproduktive<br />

und endokrine. Pestizid-Rückstände wurden auch<br />

in menschlichen Brustmilchproben entdeckt. Durch die<br />

angeblich sicheren gesetzlich festgelegten Grenzwerte<br />

wird das wirkliche Gesundheitsrisiko unterschätzt, besonders<br />

bei gleichzeitiger Exposition mit zwei oder mehr<br />

chemischen Substanzen, die synergistische Effekte haben<br />

könnten.<br />

Glyphosat zählt zur Gruppe der Organophosphate bzw. Organophosphorpestizide,<br />

die mit Wirkungen auf die Funktion<br />

von Cholinesterase-Enzymen in Verbindung gebracht<br />

werden. Sie sollen zudem genotoxische Effekte haben,<br />

die Insulinsekretion senken, den normalen Zellstoffwechsel<br />

von Proteinen, Kohlenhydraten und Fetten stören, die<br />

mitochondriale Funktion negativ beeinflussen, zellulären<br />

oxidativen Stress sowie Probleme im Nerven- und Hormonsystem<br />

verursachen.<br />

Organophosphorpestiziden werden zudem weitere ernste<br />

Gesundheitseffekte einschließlich kardiovaskulären Erkrankungen<br />

sowie negativen Wirkungen auf das männliche,<br />

reproduktive System zugeschrieben. Sie stehen ebenfalls<br />

im Verdacht das Risiko für Non-Hodgkin-Lymphome<br />

zu erhöhen. Außerdem soll eine pränatale Exposition mit<br />

einer reduzierten Gestationsdauer und dem Auftreten von<br />

neurologischen Problemen bei Kindern korrelieren. Ferner<br />

gibt es möglicherweise synergistische östrogene Effekte<br />

zwischen Glyphosat und dem Phytoöstrogen Genistein.<br />

Dieses Isoflavon kommt in Sojabohnen und Produkten aus<br />

diesen vor. Glyphosat soll als endokriner Disruptor fungieren,<br />

den Shikimat-Weg extrem stören und damit auch die<br />

menschliche Darmflora, was die Versorgung mit essentiellen<br />

Aminosäuren beeinträchtigen kann. Der Shikimat-Weg<br />

ist ein Stoffwechselweg in Pflanzen und Mikroorganismen<br />

zur Synthese der aromatischen Aminosäuren Tryptophan,<br />

Tyrosin und Phenylalanin. Kommerzielle Glyphosatrezepturen<br />

wie „Roundup ® “ sollen übrigens noch toxischer sein,<br />

als die aktive Substanz alleine. Glyphosat wird gleichfalls<br />

mit Bluthochdruck, Diabetes, Schlaganfällen, Autismus,<br />

Nierenversagen, Parkinson, Alzheimer, Krebs und Glutenintoleranz<br />

in Verbindung gebracht.<br />

Die Entscheidung des italienischen Dorfs Mals die Verwendung<br />

von Pestiziden zu verbieten und pestizidfreie Lebensmittel<br />

zu produzieren, ist in Europa ein wegweisendes<br />

Beispiel. Im Jahr 2014 haben über 70 Prozent der Einwohner<br />

von Mals in einem Referendum gegen den Einsatz von<br />

Pestiziden gestimmt (1) . Laut einer iranischen Übersichtsarbeit<br />

ist die Evidenz für die mögliche Rolle einer Pestizid-Exposition<br />

hinsichtlich einer erhöhten Inzidenz von Krebs,<br />

Alzheimer, Parkinson, Amyotropher Lateralsklerose (ALS),<br />

Asthma, Bronchitis, Infertilität, angeborenen Fehlbildungen,<br />

Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitäts-Störungen<br />

(ADHS), Autismus, Diabetes und Adipositas beim<br />

Menschen stark. Die genannten Erkrankungen sollen<br />

durch Insektizide und Herbizide insbesondere Organophosphor-,<br />

Organochlor-Pestizide, Phenoxyessigsäure und<br />

Triazin-Bestandteile induziert werden (2, 3) .<br />

Morbus Parkinson<br />

Französische ländliche Bezirke, besonders solche mit<br />

einer höheren Dichte an Weingütern, verzeichnen einen<br />

Anstieg der Parkinson-Inzidenz (8,5 %) bei Nicht-Weinbauern.<br />

In Frankreich erfordern Weinreben von allen<br />

Kulturpflanzen den intensivsten Pestizideinsatz (4) . Dass<br />

Pestizide und zwar v. a. Rotenon und Paraquat mit einem<br />

erhöhten Parkinson-Risiko verbunden sind, zeigt ebenfalls<br />

eine US-amerikanische Arbeit. Es gibt zudem begrenzte<br />

Hinweise, dass dies auch für Organophosphate etc. gilt (5) .<br />

Laut einer schwedischen systematischen Übersichtsarbeit<br />

und Meta-Analyse gibt es eine starke Evidenz dafür,<br />

dass die berufliche Exposition gegenüber irgendeinem<br />

Pestizid mit einem um mindestens 50 Prozent erhöhten<br />

Parkinson-Risiko verbunden ist (6) .<br />

Amyotrophe Lateralsklerose (ALS)<br />

Pestizide und andere Chemikalien werden auch mit<br />

amyotropher Lateralsklerose in Verbindung gebracht (7) .<br />

Negative Auswirkungen auf die Darmflora<br />

Die Exposition gegenüber bestimmten Umweltchemikalien,<br />

besonders Glyphosat, kann Mechanismen im Körper<br />

stören, durch die normalerweise die Immunantwort auf<br />

eine Hirnverletzung (z. B. sportbedingte Gehirnerschütterung)<br />

abgeschaltet wird, wenn die Gefahr beseitigt ist. Zunehmende<br />

Glyphosatrückstände in Lebensmitteln könnten<br />

zudem für die neuen Epidemien an Glutenintoleranzen<br />

und Zöliakien verantwortlich sein. Trotz eines starken<br />

Dementis des größten Glyphosat-Produzenten, der Firma<br />

Monsanto, gibt es zunehmend mehr wissenschaftliche<br />

Studien guter Qualität, die negative Effekte von Glyphosat<br />

auf die Homöostase der Darmflora zeigen und zwar<br />

Abnahmen der nützlichen Darmbakterien wie Laktobazillen,<br />

ein vermehrtes Wachstum pathogener Mikroben wie<br />

Clostridien und Salmonellen sowie Aflatoxin-produzierenden<br />

Pilzen, um nur einige zu nennen. Es besteht eine<br />

enge Verbindung zwischen der Gesundheit des Darms<br />

und des Gehirns über die Darm-Hirn-Achse. Dies könnte<br />

eine erhöhte Empfindlichkeit gegenüber Hirntraumen<br />

erklären. Die Darmflora synthetisiert Vitamine, entgiftet<br />

Xenobiotika, ist wichtig für das Immunsystem und die Permeabilität<br />

des Gastrointestinaltraktes. Pflanzen, die mit<br />

Glyphosat behandelt werden, enthalten weniger Kalzium,<br />

Magnesium, Eisen und Mangan, was zur Unterversorgung<br />

dieser Mineralstoffe und Spurenelemente beim Menschen<br />

Nutrition-Press 33


führen kann. Zudem wird vermutet, dass Glyphosat die<br />

mitochondriale ATP-Synthese beeinträchtigt. Über eine<br />

Störung der Cytochrom P450 (CYP) Enzyme behindert<br />

Glyphosat mehrere Funktionen der Leber, wodurch letztlich<br />

auch das Gehirn negativ beeinflusst wird. Die Leber ist<br />

abhängig von CYP-Enzymen um Vitamin D3 zu aktivieren,<br />

Cholesterin und Gallensäuren zu produzieren und andere<br />

Umwelttoxine zu entgiften, einschließlich Medikamenten.<br />

Dies könnte eine Erklärung für die epidemische Zunahme<br />

eines Vitamin D3-Mangels sein. Ferner scheint Glyphosat<br />

die Blutviskosität zu erhöhen und die Aufnahme des Neurotoxins<br />

Aluminium zu fördern. Möglicherweise begünstigt<br />

Glyphosat sogar die Penetration von Aluminium durch die<br />

Darmbarriere (8) . Dass die Darmflora sehr empfindlich auf<br />

Umweltschadstoffe wie Pestizide etc. reagiert, wird durch<br />

eine weitere Arbeit untermauert (9) .<br />

Negative Auswirkungen auf den<br />

Hormonstoffwechsel<br />

Pestizide und andere Substanzen können das Cytochrom<br />

P450-Enzym Aromatase aktivieren oder unterdrücken.<br />

Sein Gleichgewicht ist für eine optimale Gesundheit<br />

wichtig. Das Enzym konvertiert Androgene in Östrogene.<br />

Einige Pathologien, die mit einer Aromatase-Störung assoziiert<br />

werden, sind Brust-, Prostata-, Eierstock-, Magenkrebs,<br />

polyzystisches Ovarialsyndrom (PCOS), Endometriose,<br />

Osteoporose, maligne Hypophysentumore, Morbus<br />

Alzheimer, Schizophrenie, Hypogonadismus bei Männern<br />

und die Transgender-Problematik (10) . Pestizide wie u. a. Organophosphate<br />

gelten wie auch andere Chemikalien als<br />

endokrine Disruptoren, die mit Infertilität etc. assoziiert<br />

werden (11, 12) . Forscher setzen endokrine Disruptoren mit<br />

Karzinogenen gleich (13) . Pestizide und andere Umweltfaktoren<br />

können zudem die Schilddrüsenfunktion stören (14) .<br />

Anämie<br />

Viele Umweltgifte besitzen die Fähigkeit, Komplexe mit Eisen<br />

zu bilden, was zu oxidativem Stress in der Zelle führt.<br />

Im Menschen chelatiert auch Glyphosat Eisen und andere<br />

Metalle. Die Komplexierung von Eisen ruft eine Art Akutphasenreaktion<br />

hervor, wie sie auch bei einer Infektion<br />

beobachtet wird. Längerfristig kann dies dann zu einer<br />

Anämie führen (15) .<br />

Adipositas und metabolisches Syndrom<br />

Das Ausgesetztsein gegenüber synthetischen Umweltchemikalien<br />

wie u. a. Glyphosat im frühen Leben, fördert<br />

das Risiko für Adipositas und die Entwicklung eines metabolischen<br />

Syndroms (16) .<br />

Autismus-Spektrum-Störungen<br />

Eine US-amerikanische Übersichtsarbeit deutet darauf<br />

hin, dass zur Ätiologie von Autismus-Spektrum-Störungen<br />

neben genetischen auch Umweltfaktoren wie u.a. Glyphosat<br />

beitragen können (17) .<br />

Onkologische Erkrankungen<br />

Wissenschaftler haben in den letzten zwei Dekaden eine<br />

erhöhte Inzidenz von myelodysplastischen Syndromen in<br />

West-Griechenland beobachtet.<br />

Das myelodysplastische<br />

Syndrom ist ein Sammelbegriff<br />

für eine Gruppe von<br />

erworbenen klonalen Erkrankungen<br />

des Knochenmarks,<br />

die mit einer Störung der<br />

Hämatopoese einhergehen.<br />

Befindet sich die Erkrankung<br />

in einem fortgeschrittenen<br />

Stadium und ist der Anteil an<br />

defekten Zellen sehr hoch,<br />

besteht ein erhöhtes Leukämierisiko.<br />

Typische Folge<br />

ist die akute myeloische<br />

Leukämie (AML). Laut einer<br />

griechischen Arbeit gilt die<br />

Exposition gegenüber Pestiziden<br />

wie u. a. Glyphosat als<br />

Hauptrisikofaktor für die Entwicklung<br />

von myelodysplastischen<br />

Syndromen (18) .<br />

In Nord-Italien wurde ein erhöhtes Leukämierisiko bei Kindern<br />

beobachtet, die in der Nähe von Feldern wohnen, in<br />

denen Ackerfrüchte angebaut werden. Daher sind weitere<br />

Untersuchungen zur Krankheitsätiologie erforderlich, um<br />

u. a. festzustellen, ob möglicherweise das passive Ausgesetztsein<br />

gegenüber Glyphosat etc. eine Rolle spielt (19) .<br />

Die Ergebnisse einer US-amerikanischen Meta-Analyse<br />

weisen u. a. darauf hin, dass es eine Assoziation zwischen<br />

einer signifikanten Erhöhung des Leukämierisikos bei Kindern<br />

und einer Herbizid-Exposition gibt (20) .<br />

34 Nutrition-Press


Ernährung | Prävention<br />

Frühere Studien haben bereits gezeigt, dass Pestizide mit<br />

Krebs bei Kindern assoziiert werden. Spanische Wissenschaftler<br />

fanden ein erhöhtes Risiko für mehrere Krebsarten<br />

bei Kindern, die in der Nähe von Feldern leben, auf<br />

denen Kulturpflanzen angebaut werden (21) . Eine französische,<br />

systematische Übersichtsarbeit und Meta-Analyse<br />

aus 44 Arbeiten der letzten drei Dekaden, die in Ländern<br />

mit hohen Einkommen durchgeführt wurden, haben erbracht,<br />

dass diverse Pestizide positiv mit Non-Hodgkin-Lymphomen<br />

verbunden waren. Eine Unterform, das<br />

B-Zell-Lymphom war u. a. positiv mit dem Herbizid Glyphosat<br />

assoziiert (22) . Die Exposition gegenüber Pestiziden<br />

etc. gilt ebenfalls als Risikofaktor für die Entwicklung von<br />

Plattenepithelkarzinomen (23) .<br />

Rheumatoide Arthritis<br />

Eine US-amerikanische Studie deutet darauf hin, dass die<br />

weiblichen Ehepartner von lizensierten Pestizid-Anwendern<br />

(u. a. Glyphosat) offenbar ein erhöhtes Risiko haben,<br />

an rheumatoider Arthritis zu erkranken (24) .<br />

Der Gebrauch von Glyphosat-basierten Herbiziden hat im<br />

Zeitraum von 1974 bis 2014 ungefähr um das 100-fache<br />

zugenommen. US-amerikanische, britische und kanadische<br />

Forscher halten die aktuellen Sicherheitsstandards<br />

für Glyphosat-basierte Herbizide für veraltet, was dazu<br />

führen könnte, dass die öffentliche Gesundheit und die<br />

Umwelt nicht ausreichend geschützt sind. Diverse Maßnahmen<br />

zur Verbesserung der Sicherheitsstandards sind<br />

daher dringend erforderlich. Es gibt u. a. Erkenntnisse,<br />

dass Herbizid-Mixturen wahrscheinlich unkalkulierbare<br />

Effekte haben. Daher sollten die Auswirkungen von Glyphosat<br />

in Kombination mit anderen Herbiziden in Studien<br />

untersucht werden (25) .<br />

Glyphosat steht im Verdacht, Krebs zu erregen. Die Risiken<br />

sind aber unter Experten umstritten. Gemäß eines neuen<br />

Gutachtens der europäischen Chemikalienagentur Echa<br />

erfüllen die verfügbaren wissenschaftlichen Erkenntnisse<br />

angeblich nicht die Kriterien, um den Unkrautvernichter<br />

als krebserregend einzustufen. Die Echa-Experten bestätigen<br />

jedoch, dass Glyphosat die Augen ernsthaft schädigt<br />

und giftig für Wasserorganismen ist. Im letzten Sommer<br />

hatte die EU-Kommission entschieden, dass das Mittel bis<br />

Ende 2017 zugelassen bleibt, weil sich die EU-Länder nicht<br />

über ein Verbot oder eine Verlängerung einigen konnten.<br />

Deutschland hatte sich enthalten (26) .<br />

Glyphosat ist nicht nur in der EU umstritten. Der US-Bundesstaat<br />

Kalifornien hat den Unkrautvernichter auf eine<br />

Liste krebserregender Stoffe gesetzt. Der Agrarkonzern<br />

Monsanto klagt nun gegen die Umweltbehörde Kaliforniens.<br />

Glyphosathaltige Spritzmittel wurden im März 2015<br />

von der Internationalen Agentur für Krebsforschung<br />

(IARC) als „wahrscheinlich krebserregend“ für Menschen<br />

eingestuft. Monsanto bestreitet dies (27) . In Europa wurden<br />

lediglich strengere Auflagen für das Herbizid verabschiedet,<br />

d. h. die EU-Staaten müssen die Verwendung glyphosathaltiger<br />

Produkte auf Spielplätzen oder in Parks so weit<br />

wie möglich begrenzen. Bestimmte Beistoffe wie POE-Tallowamine,<br />

die die Aufnahme von Glyphosat durch Pflanzen<br />

fördern, sind zukünftig verboten. Die Staaten können<br />

jedoch Übergangsfristen einräumen (28) .<br />

Glyphosat wird in Deutschland auf ca. 40 Prozent der Felder<br />

versprüht, um Unkraut zu vernichten oder die Reife<br />

von Getreide zu beschleunigen (29) . Hierzulande werden 87<br />

Prozent aller Rapsanbauflächen nach der Ernte mit Glyphosat<br />

behandelt. Für die wichtigste Anwendung, den<br />

„Nachauflauf“, wenn die Saat noch im Boden ist, das Unkraut<br />

aber bereits sprießt, hat Glyphosat sogar eine Monopolstellung.<br />

In Europa wird die Substanz beim Anbau von<br />

Getreide, Raps, Wein, Oliven und Zitrusfrüchten angewendet,<br />

vor allem nach der Ernte (30) . Die Bahn als größter Einzelverbraucher<br />

setzt allein 75 Tonnen im Jahr ein, was 0,4<br />

Prozent der gesamten Menge in Deutschland entspricht,<br />

um das „Schotterbett“ vor „Verkrautung“ zu schützen.<br />

In einem Bereich von knapp sieben Metern rings um die<br />

Bahntrasse wird einmal jährlich gespritzt. Spezielle Züge<br />

sind dann auf allen Gleisen des Landes unterwegs (31) . Sehr<br />

bedenklich ist jedoch, dass sich viele Schrebergärten in<br />

der Nähe von Bahngleisen befinden, in denen Obst und<br />

Gemüse angebaut wird.<br />

Glyphosatbelastung in Deutschland<br />

Glyphosat lässt sich bei vielen Menschen bereits im Urin<br />

nachweisen. Auch Hobbygärtner dürfen Glyphosat spritzen.<br />

Viele Baumärkte haben es jedoch erfreulicherweise<br />

mittlerweile ausgelistet. Damit das Herbizid besser wirkt,<br />

enthalten die fertigen Produkte oft Hilfsstoffe. Einige<br />

davon, wie die Tallowamine, sollen noch schädlicher als<br />

Glyphosat selbst sein. In manchen Regionen Argentiniens<br />

werden Felder mit Glyphosat-resistenten Sojabohnen, als<br />

Futtermittel für Nutztiere, auch aus der Luft besprüht.<br />

Dort kommen viermal häufiger als anderswo missgebildete<br />

Kinder zur Welt, wie Ärzte berichten (32) .<br />

Im Rahmen der HBM-Untersuchung „Bestimmung von<br />

Schadstoffen und Schadstoffmetaboliten im Urin von 2-<br />

bis 6-jährigen Kindern aus Nordrhein-Westfalen“ wurden<br />

im Urin von 250 Probandinnen die Rückstände von Glyphosat<br />

und seines Metaboliten AMPA (Aminomethylphosphonsäure)<br />

bestimmt. Im Kollektiv der KiTa-Kinder aus<br />

NRW lagen die Glyphosat-Konzentrationen bei 63 % (n =<br />

157) der Spoturin-Proben oberhalb der Bestimmungsgrenze<br />

von 0,1 µg/l. Sie betrugen durchschnittlich 0,14 µg/l.<br />

Für AMPA konnte bei 58 % der Proben (n=146) ein Gehalt<br />

oberhalb der Bestimmungsgrenze von 0,1 µg/l ermittelt<br />

werden. Diese Untersuchung ist weltweit die erste epidemiologische<br />

Studie, in der die Glyphosat-Belastung von<br />

2- bis 6-jährigen Kindern erfasst wurde. Aus den Daten<br />

kann jedoch nicht abgeschätzt werden, ob es im Lauf der<br />

Zeit zu einer Erhöhung oder Abnahme der Glyphosat-Belastung<br />

gekommen ist, weshalb dies unbedingt weiter<br />

Nutrition-Press 35


kontrolliert werden sollte (33) . Das Umweltbundesamt hat<br />

die Glyphosat- und AMPA-Belastung anhand von 24h-Urinproben<br />

von 399 Bewohnern in Greifswald analysiert.<br />

127 (=31,8 %) enthielten Glyphosat-Konzentrationen von<br />

mindestens 0,1 µg/L. In Bezug auf AMPA war dies bei<br />

160 (=40,1 %) Proben der Fall. Der ADI-Wert für Glyphosat<br />

liegt gemäß EFSA (European Safety Authority) bei 0,5 mg/<br />

kg/d (34) . ADI-Werte, die so genannten duldbaren täglichen<br />

Aufnahmemengen, bezeichnen diejenige Höchstmenge<br />

eines Wirkstoffes auf Basis Körpermasse oder Körpergewicht,<br />

bis zu der jeder Verbraucher und jede Verbraucherin<br />

täglich lebenslang belastet sein könnte, ohne mit<br />

einer gesundheitlichen Schädigung rechnen zu müssen.<br />

Eine französische Übersichtsarbeit weist jedoch darauf<br />

hin, dass einige negative chronische Auswirkungen von<br />

Glyphosat und seinen kommerziellen Formulierungen auf<br />

die Gesundheit auch bei Einhalten der ADI-Werte entdeckt<br />

wurden und zwar teratogene, tumorerzeugende und hepatorenale<br />

(35) . Es gibt Berichte über neurale Defekte und<br />

Gesichtsschädel-Missbildungen in Regionen wo Glyphosat-basierte<br />

Herbizide versprüht wurden, was ebenfalls<br />

auf teratogene Effekte hindeutet (36) .<br />

Abwaschen der Lebensmittel noch Erhitzen zerstört die<br />

Substanz. Gemäß Testresultaten der Zeitschrift Öko-Test<br />

aus dem Jahr 2013 konnte das Herbizid in acht von zehn<br />

getesteten Brötchen nachgewiesen werden. Denn Mehl<br />

und Haferflocken sind ebenfalls häufig belastet. Laut des<br />

Umweltinstitutes München e.V. findet sich die Agrarchemikalie<br />

sogar in Bier. Glyphosat war in allen 14 Biersorten<br />

nachweisbar, die hierzulande häufig gekauft werden. Die<br />

höchsten gemessenen Werte überschritten den gesetzlichen<br />

Grenzwert für Trinkwasser teilweise um das 300-fache.<br />

Eine kleine Studie der internationalen Umweltschutzorganisation<br />

Friends of the earth untersuchte Urinproben<br />

von 182 Stadtbewohnern aus 18 europäischen Ländern.<br />

In Deutschland fand sich in 70 Prozent der Proben Glyphosat.<br />

Messungen des Bundesinstituts für Risikobewertung<br />

(BfR) bestätigen ebenfalls Rückstände im Urin. Allerdings<br />

schätzt das BfR die gefundenen Konzentrationen bisher<br />

als unproblematisch ein. Biolebensmittel enthalten dagegen<br />

kaum Glyphosat (39) .<br />

Besonders pestizidbelastete Lebensmittel:<br />

Sojabohnen, die in Brasilien angebaut werden und in Europa<br />

als Tierfutter zum Einsatz kommen, werden intensiv<br />

mit Pestiziden gespritzt, einige davon sind hoch toxisch (37) .<br />

Die Herbizidbelastung bei Beeren und Paprika überschreitet<br />

häufig die Grenzwerte (38) . Vor allem Getreide und getrocknete<br />

Hülsenfrüchte wie Erbsen und Linsen enthielten<br />

Glyphosatrückstände. Außerdem wurde ein Abbauprodukt<br />

von Glyphosat in Kulturpilzen gefunden. In Obst und Gemüse<br />

können Spuren des Herbizids vorkommen. Weder<br />

Literatur<br />

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Int J Health Geogr. 2016 May 31;15(1):18.<br />

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(24) Parks, CG. Hoppin, JA.; De Roos, AJ.; et. al.: Rheumatoid arthritis in agricultural health study spouses: Associations with pesticides and other farm exposures.<br />

Environ Health Perspect. 2016 Nov;124(11):1728-1734.<br />

36 Nutrition-Press


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Ob Holzschutzmittel, Glyphosat oder Dieselabgase: Seit Jahrzehnten erscheint<br />

vor Gerichten, im Bundestag und in Expertengremien immer derselbe<br />

„unabhängige“ hochdekorierte Sachverständige und gibt Entwarnung,<br />

ganz im Sinne der Industrie (40) .<br />

Fazit:<br />

Trotz Sicherheitskontrollen auf Pestizidrückstände in Lebensmitteln, ist<br />

eine konventionelle Ernährung bei der Allgemeinbevölkerung immer noch<br />

mit einer deutlichen Exposition gegenüber mehreren Pestiziden behaftet.<br />

Forscher der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg konnten<br />

die Ergebnisse früherer Studien bestätigen, in denen eine Umstellung der<br />

Ernährung auf Lebensmittel aus kontrolliert-biologischem Anbau zu einer<br />

erheblich geringeren Exposition gegenüber Organophosphat-Pestiziden und<br />

Pyrethroiden führt (41) . Auch wenn Biolebensmittel nicht unter einer Glasglocke<br />

produziert werden und durch Abdrift etc. ebenfalls Pestizid-Rückstände<br />

aufweisen können, so sind diese jedoch, neben diversen anderen Vorteilen,<br />

in der Regel weniger belastet, als konventionelle Ware, wie auch eine weitere<br />

Arbeit zeigt (42) . Aufgrund der vorliegenden Studienergebnisse halte ich ein<br />

Verbot, vor allem von Glyphosat, für zwingend erforderlich. «<br />

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(25) Vandenberg, LN.; Blumberg, B.; Antoniou, MN. et. al.: Is it time to reassess current safety<br />

standards for glyphosate-based herbicides? J Epidemiol Community Health. 2017 Mar 20.<br />

doi: 10.1136/jech-2016-208463.<br />

(26) Pharmazeutische Zeitung <strong>online</strong>, 15.03.2017, Gutachten stuft Glyphosat nicht als krebserregend<br />

ein (www.pharmazeutische-zeitung.de/index.php?id=68237.<br />

(27) Monsanto gegen Kalifornien, Schrot & Korn, 05/2016, S. 8.<br />

(28) Pharmazeutische Zeitung <strong>online</strong>, v. 12.07.2016, Künftig schärfere Regeln für Glyphosat-Einsatz,<br />

(www.pharmazeutische-zeitung.de/index.php?id=64210.<br />

(29) http://www.umweltbundesamt.de/themen/chemikalien/pflanzenschutzmittel/glyphosat,<br />

abgerufen am 10.03.2017.<br />

(30) Fischer, K.; Matheis, K.: Glyphosat: Letzte Runde im Kampf um das Unkrautgift.<br />

http://www.handelsblatt.com/technik/energie-umwelt/glyphosat-letzte-runde-im-kampfum-das-unkrautgift/v_detail_tab_print/13607880.html.<br />

(31) http://www.handelsblatt.com/technik/energie-umwelt/glyphosat-groesstereinzelverbraucher-ist-die-bahn/13607880-2.html,<br />

abgerufen am 10.03.2017.<br />

(32) Schrot & Korn, 05/2016, S. 68-69, Was ist Glyphosat?<br />

(33) http://www.lanuv.nrw.de/fileadmin/lanuv/gesundheit/pdf/2016/Projektbericht_KiTa-Studie_<br />

Modul-2_Endversion_17032016.pdf<br />

(34) Conrad, A.; Schröter-Kermani, C.; Hoppe, HW. et. al.: Glyphosate in german adults – time<br />

trend (2001 to 2015) of human exposure to a widely used herbicide. Int J Hyg Environ Health.<br />

2017 Jan;220(1):8-16.<br />

(35) Mesnage, R.; Defarge, N.; Spiroux de Vendomois, J.; et. al.: Potential toxic effects of glyphosate<br />

and its commercial formulations below regulatory limits. Food Chem Toxicol. 2015 Oct;84:133-53.<br />

(36) Paganelli, A.; Gnazzo, V.; Acosta, H.; et. al.: Glyphosate-based herbicides produce teratogenic<br />

effects on vertebrates by impairing retinoic acid signaling. Chem Res Toxicol. 2010 Oct<br />

18;23(10):1586-95.<br />

(37) Nordborg, M.; Davis, J.; Cederberg, C.; et. al.: Freshwater ecotoxicity impacts from pesticide use<br />

in animal and vegetable foods produced in Sweden. Sci Total Environ. 2017 Mar 1;581-582:448-459.<br />

(38) Pharmazeutische Zeitung <strong>online</strong>, v. 15.06.2016, Herbizide: Beeren und Paprika häufig über dem<br />

Grenzwert, (www.pharmazeutische-zeitung.de/index.php?id=63843)<br />

(39) Mühlbauer, Roland; Apotheken Umschau v. 17.05.2016, Ist Glyphosat wirklich so gefährlich?<br />

(40) Sendung Monitor, 20.10.16, Das Erste, Gekaufte Expertise: Wie ein industrienaher Gutachter seit<br />

Jahrzehnten die Politik beeinflusst.<br />

(41) Göen, T.; Schmidt, L.; Lichtensteiger, W.; et. al.: Efficiency control of dietary pesticide<br />

intake reduction by human biomonitoring. In J Hyg Environ Health. 2016 Nov 23;<br />

doi 10.1016/j.ijheh.2016.11.008.<br />

(42) Reganold, JP.; Wachter, JM.: Organic agriculture in the twenty-first century. Nat Plants.<br />

2016 Feb 3;2:15221.<br />

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Heilsame Wirkung bei<br />

Erkältungskrankheiten<br />

und Harnwegsinfekten<br />

Kapuzinerkresse<br />

und Meerrettich<br />

Ein starkes Immunsystem ist der beste Schutz gegen Erkrankungen. Das gilt vor allem für<br />

Virusinfektionen, die mit Antibiotika nicht bekämpft werden können. Viren sind auch die<br />

Verursacher verschiedener Atemwegsinfekte, unter denen wir vorwiegend im Winterhalbjahr<br />

leiden. Zum Beispiel Schnupfen, Erkältungen, grippale Infekte oder die echte Grippe.<br />

Kapuzinerkresse (Tropaeolum majus L.) und Meerrettich<br />

(Armoracia rusticana) sind schon seit Jahrhunderten<br />

für ihre heilsame Wirkung bei Erkältungskrankheiten<br />

und Harnwegsinfekten bekannt.<br />

Ihre Senföle (Isothiocyanate) können Viren, Bakterien und<br />

Pilze direkt bekämpfen und das Immunsystem allgemein<br />

durch eine unspezifische Reizwirkung unterstützen. Dies<br />

wurde bereits von der Kommission E des ehemaligen Bundesgesundheitsamtes<br />

bestätigt.<br />

Die Kapuzinerkresse<br />

Die Große Kapuzinerkresse (Tropaeolum majus L.) ist in<br />

Südamerika heimisch. Sie ist der bekannteste Vertreter<br />

aus der Familie der Kapuzinerkressegewächse (Tropaeolaceae),<br />

die zu den Kreuzblüterartigen (Brassicales)<br />

gehören. Der Gattungsname Tropaeolum leitet sich vom<br />

griechischen „tropaion“ oder lateinischen „tropaeum“ ab,<br />

ein antikes Siegessymbol. Im 17. Jahrhundert kam die Kapuzinerkresse<br />

aus Peru nach Europa. Mittlerweile ist sie<br />

eine typische Zierpflanze der Bauerngärten. Die auffälligen,<br />

großen Blüten, in den Farben gelb, orange oder rot<br />

(einfarbig oder gemustert) zeigen sich zwischen Juli und<br />

Oktober. Diese Blüten sind auch der Namensgeber der Kapuzinerkresse.<br />

Ihr zipfelförmiges Aussehen wurde früher<br />

mit den Kapuzen der Kapuzinermönche verglichen. Daher<br />

der deutsche Name „Kapuzinerkresse“.<br />

Blüten und Blätter der Kapuzinerkresse sind essbar.<br />

Die Kapuzinerkresse schmeckt scharf. Der scharfe Geschmack<br />

wird wie bei den verwandten Kreuzblütlern<br />

(Kresse, Rettich, Radieschen, Rucola, Meerrettich und<br />

Senf) durch Senföle verursacht.<br />

Die Senföle der Kapuzinerkresse haben eine antibiotische<br />

und antivirale Wirkung. Sie wirken gegen Pilze, sind entzündungshemmend<br />

und regen die Durchblutung an. Daher<br />

38 Nutrition-Press


Ernährung | Prävention<br />

hat die Kapuzinerkresse einen pharmakologischen<br />

Nutzen. Die Kapuzinerkresse ist die Arzneipflanze<br />

des Jahres 2013. Als Heilpflanze hilft die Kapuzinerkresse<br />

bei Blasenentzündungen und erkältungsbedingten<br />

Erkrankungen (z.B. Bronchitis und<br />

Sinusitis). Äußerlich angewendet fördern Senföle<br />

die Durchblutung. Senföle können daher bei Prellungen<br />

und leichten Sportverletzungen hilfreich sein.<br />

Der Meerrettich<br />

Der Meerrettich (Armoracia rusticana) gehört zur<br />

Familie der Kreuzblütengewächse (Brassicaceae).<br />

Ursprünglich stammt der Meerrettich aus Ostund<br />

Südeuropa. Der Gattungsname Armoracia<br />

leitet sich vom lateinischen „armoracius“ (= am<br />

Meer wachsend) ab. Rusticana entstammt dem<br />

lateinischen „rusticanus“ (= ländlich, bäuerlich).<br />

Im deutschen Namen „Meerrettich“ weist „Meer“<br />

auf die fremde Herkunft hin („über das Meer gekommen“),<br />

„Rettich” wurde vom lateinischen „radix“<br />

(= Wurzel) abgeleitet, denn genutzt wurde immer schon<br />

die rübenförmige Wurzel (Meerrettichwurzel – Armoraciae<br />

rusticanae radix). Diese wird als Gemüse, Gewürz<br />

oder in der Pflanzenheilkunde verwendet.<br />

Das in Bayern oder Österreich für Meerrettich verwendete<br />

Wort „Kren“ stammt von dem slawischen<br />

„krenas“ ab und bedeutet weinen. Möglicherweise ein<br />

Hinweis auf den scharfen Geschmack, der wie bei der<br />

Kapuzinerkresse durch die Senföle verursacht wird. Auch<br />

diese Senföle haben u.a. eine antibiotische und antivirale<br />

Wirkung, so dass die Kommission E Meerrettich innerlich<br />

und äußerlich bei Katarrhen der Luftwege empfiehlt. Außerdem<br />

innerlich unterstützend bei Infektionen der ableitenden<br />

Harnwege und äußerlich zur Behandlung leichter<br />

Muskelschmerzen.<br />

Senföle – verantwortlich für den<br />

scharfen Geschmack und die Wirkung von<br />

Kapuzinerkresse und Meerrettich<br />

Die Senfölglycoside, auch Glucosinolate genannt, sind verantwortlich<br />

für den scharfen Geschmack von Senf, Kresse,<br />

Kohl, aber auch Meerrettich und Kapuzinerkresse. Senfölglycoside<br />

sind schwefel- und stickstoffhaltige chemische<br />

Verbindungen, die aus Aminosäur en gebildet wer den.<br />

Sie zählen zur großen Gruppe der sekundären Pflanzenstoffe,<br />

welche die Pflanzen als konstitutive Abwehrstoffe<br />

(Phytoanticipine) gegen Tierfraß bilden und zur Bekämpfung<br />

pflanzlicher Pathogene, wie z.B. Bakterien und Pilze.<br />

Sie werden in den verschiedensten Bereichen der Pflanze<br />

akkumuliert. Es handelt sich hierbei um inaktive Vorstufen,<br />

die enzymatisch gespalten werden müssen um ihre<br />

biologische Aktivität zu entfalten.<br />

Es gibt rund 120 verschiedene Glucosinolate, die sich<br />

nur im Aglycon-Rest unterscheiden. Die zur Biosynthese<br />

genutzten Aminosäuren werden zur Klassifizierung der<br />

Glucosinolate herangezogen. Man unterscheidet aliphatische<br />

und aromatische Glucosinolate, sowie Indolglucosinolate.<br />

Aliphatische Glucosinolate leiten sich von den<br />

Aminosäuren Alanin, Isoleucin, Methionin oder Valin ab.<br />

Aromatischen Glucosinolate werden aus Phenylalanin und<br />

Tyrosin gebildet, Indolglucosinolate aus Tryptophan. Die<br />

biologisch inaktiven Glucosinolate werden durch das Enzym<br />

Myrosinase (ß-Thioglucosidase) gespalten, wodurch<br />

die biologisch aktiven Senföle entstehen. Senföle sind<br />

meist flüchtig, können in großer Menge die Schleimhäute<br />

reizen und schmecken scharf. Die Glucosinolate und das<br />

Spaltungsenzym Myrosinase liegen räumlich voneinander<br />

getrennt in Membran umschlossenen Zellkompartimenten<br />

vor. Erst durch Verletzung der Zellen (Tierfraß, Kauen oder<br />

Schneiden) gelangen Myrosinase und Glucosinolate in<br />

Kontakt. Durch die nun erfolgende hydrolytische Spaltung<br />

der Glucosinolate entstehen: Glukose, Hydrogensulfat<br />

HSO4− und die Aglycone Isothiocyanat, Thiocyanat, Nitril<br />

oder auch Oxazolidin-2-thion. Die wichtigsten Spaltprodukte<br />

der Glucosinolate von Meerrettich und Kapuzinerkresse<br />

sind nach derzeitigem Kenntnisstand die Isothiocyanate.<br />

Die Kapuzinerkresse enthält ca. 0,1 % Senfölglukoside,<br />

insbesonders Glucotropaeolin. Glucotropaeolin zählt zu<br />

den aromatischen Glucosinolaten, mit den Aminosäuren<br />

Tyrosin und Phenylalanin als Vorläufer. Es enthält eine<br />

Benzylgruppe als Seitenkette. Im Fall einer Gewebsverletzung<br />

wird Benzylsenföl freigesetzt, das als Hauptkomponente<br />

vor allen das Benzylisothiocyanat enthält.<br />

In der Meerrettichwurzel dominieren die Senfölglucoside<br />

Gluconasturtiin und Sinigrin. Gluconasturtiin zählt<br />

zu den aromatischen Glucosinolaten (Vorläufer sind die<br />

Aminosäuren Tyrosin und Phenylalanin), Sinigrin zu den<br />

aliphatischen Glucosinolaten (Vorläufer ist die Aminosäure<br />

Methionin). Gluconasturtiin und Sinigrin werden z.B.<br />

durch Kauen oder Zerschneiden der Wurzel enzymatisch<br />

in Allylisothiocyanat (Allylsenföl) und 2-Phenylethylisothiocyanat<br />

(Phenylethylsenföl) umgewandelt. Sie sind bis zu<br />

einem Gehalt von 0,05 % in der frischen Wurzel enthalten.<br />

Wirkspektrum der Senföle (Isothiocyanate)<br />

in Kapuzinerkresse und Meerrettich<br />

Senföle zählen zu den am besten untersuchten pharmakologisch<br />

wirksamen Pflanzensubstanzen. Allyl- und Phenylethylsenföl<br />

dominieren im Meerrettich (zu 80 – 90 %<br />

bzw. 10 – 20 %), Benzylsenföl in der Kapuzinerkresse.<br />

Zahlreiche Studien belegen die antibakteriellen, antiviralen<br />

und antimykotischen Eigenschaften dieser Senföle.<br />

Zudem wirken sie entzündungshemmend, durchblutungsfördernd<br />

bei äußerer Anwendung und stärken durch eine<br />

unspezifische Reizwirkung das Immunsystem. Studien belegen<br />

eine synergistische Wirkung der Senföle. Das heißt<br />

kombinierte Senföle verstärken sich in ihrer Wirkung gegenseitig.<br />

Kapuzinerkresse und Meerrettich werden daher<br />

pharmakologisch meist gemeinsam verwendet.<br />

Nutrition-Press 39


Die Senföle wirken:<br />

antibakteriell u.a. gegen: Bacillus subtilis, E. coli,<br />

Hämo philus influenzae, Klebsiella, Pseudomonas,<br />

Staphylo kokken, Streptokokken<br />

Isothiocyanate beeinträchtigen durch die Reaktion mit<br />

Sulfhydrylgruppen von Proteinen (Enzymen) den Zellstoffwechsel<br />

der Bakterien und damit deren Wachstum. Die<br />

Senföle bekämpfen so Bakterien, die Nasennebenhöhlenerkrankungen<br />

(Streptococcus pneumoniae, Hämophilus<br />

influenzae, Pseudomonas aeruginosa), Bronchitis (Haemophilus<br />

influenzae, Staphylokokken) und Blasenentzündung<br />

(Klebsiella pneumoniae) auslösen.<br />

antiviral gegen: H1N1, Influenza, Newcastle, Rhino<br />

Benzylsenföl hemmt die Virussynthese und stört den<br />

Stoffwechsel der infizierten Wirtszelle. Dadurch wird die<br />

Virusvermehrung gehemmt. Bekämpft werden so Viren,<br />

wie der Rhinovirus. Dieser ist hauptverantwortlich für<br />

Schnupfen und Erkältungen im Winterhalbjahr. Die Viren<br />

können auch Bronchitis auslösen. Außerdem werden Influenzaviren<br />

bekämpft, die Verursacher der echten Grippe.<br />

antimykotisch gegen: Candida, Schimmelpilze<br />

Isothio cyanate beeinträchtigen durch die Reaktion mit<br />

Sulfhydrylgruppen von Proteinen (Enzyme) den Stoffwechsel<br />

von Pilzen und damit deren Wachstum.<br />

immunmodulierend: Die unspezifische Steigerung der<br />

Abwehrkräfte wird vermutlich durch die Vermehrung von<br />

Botenstoffen des Immunsystems verursacht. Des weiteren<br />

inaktivieren Senföle bakterielle Gifte (Toxine).<br />

Verwendung in der Medizin<br />

Senfölglycoside aus Kapuzinerkresse und Meerrettich werden<br />

kombiniert in der Medizin als Phytotherapeutikum zur<br />

Behandlung und Prophylaxe erkältungsbedingter Erkrankungen<br />

der Atemwege, Nasennebenhöhlenentzündung,<br />

grippalen Infekten und Infektionen der Harnwege einge -<br />

setzt. In der 2017 aktualisierten S3-Leitlinie zur Therapie<br />

von unkomplizierten Harnwegsinfektionen wird der Einsatz<br />

von Arzneimitteln mit Kapuzinerkresse und Meerrettich<br />

als pflanzliche Behandlungsmöglichkeit bei häufig wiederkehrenden<br />

Blasenentzündungen ausdrücklich empfohlen.<br />

Die S3-Leitlinie zu unkomplizierten Harnwegsinfektionen<br />

wird federführend von der Deutschen Gesellschaft für<br />

Urologie (DGU) sowie Vertretern weiterer medizinischer<br />

Fachgesellschaften herausgegeben.<br />

Die Senföle gelangen passiv über das Dünndarmepithel<br />

in den menschlichen Körper. Sie werden daher nahezu<br />

vollständig resorbiert. Eine Schädigung der im Dickdarm<br />

lokalisierten Mikroorganismen (Darmflora) ist somit nicht<br />

möglich. Nach der Aufnahme im Dünndarm erfolgt der<br />

Transport ins Blut. Dort werden die Senföle an die roten<br />

Blutkörperchen (Erythrozyten) sowie Eiweiße des Blutes<br />

gebunden und weiter transportiert. So gelangen sie in Niere<br />

und Lunge. Dort werden sie in den Harn und die Atemluft<br />

abgegeben und können die Krankheitserreger am erkrankten<br />

Organ (Lunge, Nase, Nasennebenhöhlen, Harnleiter,<br />

Harnblase etc.) bekämpfen. Außerdem werden Isothiocyanate<br />

mit Hilfe von Enzymen im Darm und der Leber<br />

um- bzw. abgebaut. Anschließend werden sie über den<br />

Harn ausgeschieden. Dieser Abbau findet über den sog.<br />

Merkaptursäureweg statt. Dieser repräsentiert einen<br />

generellen Stoffwechselweg zur Entgiftung hydrophiler,<br />

niedermolekularer Fremdsubstanzen (Xenobiotica) des<br />

menschlichen Körpers. Senföl wird enzymatisch mittels<br />

Glutathion-S-Transferasen an das Tripeptid Glutathion gebunden.<br />

Die dabei entstehenden Merkaptursäurederivate<br />

sind wesentlich hydrophiler und werden über die Niere<br />

ausgeschieden. Da unter physiologischen Bedingungen<br />

im Harn stets ein gewisser Anteil des gebundenen Senföls<br />

durch Hydrolysen wieder freigesetzt wird, können<br />

sich Senföle anreichern und im Bereich der ableitenden<br />

Harnwege die entzündungshemmende Wirkung verstärkt<br />

entfalten. Resistenzen gegen die Inhaltsstoffe von Kapuzinerkresse<br />

und Meerrettich wurden bisher selbst nach<br />

Langzeittherapie nicht beobachtet und werden auch nicht<br />

erwartet.<br />

Hinweise zur Einnahme von<br />

Kapuzinerkresse und Meerrettich<br />

Für die Anwendung von Kapuzinerkresse und Meerrettich<br />

Präparaten während der Schwangerschaft oder Stillzeit<br />

liegen noch keine Untersuchungen zur Unbedenklichkeit<br />

vor. Als Kontraindikationen für die Verwendung von Meerrettich<br />

und Kapuzinerkresse gelten akute Magen- und<br />

Zwölffingerdarmgeschwüre, akute Nierenentzündungen<br />

und die Gabe an Kinder unter sechs Jahren. Prinzipiell sollen<br />

Zubereitungen aus Meerrettich und Kapuzinerkresse<br />

bei Kindern unter 12 Jahren nur nach Rücksprache mit<br />

dem behandelnden Arzt angewandt werden. Als Nebenwirkungen<br />

können bei empfindlichen Personen vereinzelt<br />

Magen- und Darmbeschwerden, sowie allergische Reaktionen<br />

auftreten. Wechselwirkungen mit anderen Mitteln<br />

sind nicht bekannt. «<br />

Fotos: chihana – Fotolia (S. 38), Eskymaks – Fotolia (S. 40)<br />

Mit freundlicher Genehmigung der<br />

Redaktion des www.vitalstoffjournal.de<br />

40 Nutrition-Press


Ernährung | Prävention<br />

Die Wahrheit über Coenzym Q1O<br />

und ihren vielen Aufbereitungen –<br />

Teil 2<br />

Neue Q10 Formulierungen mit hoher<br />

Bioverfügbarkeit bei ungewöhnlicher Effektivität<br />

Q10 Revolution ® – als neuartige CoQ10<br />

Formulierung<br />

Q10 Revolution ® stellt eine Formulierung (in Polen erhältlich)<br />

dar, die nur natürliche Vitamine enthält (Vit E, den Vit<br />

B-Komplkex, Vit K mit seiner Unterfraktionen K1 und K2,<br />

das Nachtkerzenöl, Coenzym 1 oder NADH, und Ubquinon<br />

Q10, sowie die Elemente Zink und Selen sowie den Zucker<br />

D-Ribose (Abb. 5).<br />

Abb. 5 Die Inhaltsstoffe in der Formulierung Q10 Revolution ®<br />

Hier bringt der Zusatz von NADH insofern eine deutliche<br />

Funktionsverbesserung als der Stoff am Komplex I innerhalb<br />

der elektrischen Transportkette (Abb. 2) angreift und<br />

somit zusätzlich für die Synthese des energiereichen ATPs<br />

sorgt. Die Wasserlöslichkeit wird u.a. durch den Zusatz<br />

von Nachtkerzenöl erreicht und im Gegensatz zu den üblichen<br />

In-vitro Tests [18] konnte die schnelle Passage durch<br />

die Darmbarriere am Menschen nachgewiesen werden, indem<br />

nach 60 min. eine signifikante (p < 0.05)<br />

Zunahme der Plasmakonzentration um 34%<br />

nachzuweisen war. Von einem bei dieser Patientengruppe<br />

niedrigen Ausgangswert von 1.4<br />

mg/L Q10 stieg der Wert nach der Einnahme<br />

auf einen Mittelwert >1.7 mg/L an (Abb. 6).<br />

Diese Daten verdeutlichen, dass mit der Q10<br />

Formulierung Revolution ® innerhalb kurzer<br />

Zeit Plasmaspiegel erreicht werden, die nach<br />

anfänglichem Mangel sich wieder im therapeutischen<br />

Bereich bewegen. Das Produkt weist<br />

somit eine hohe Bioverfügbarkeit auf, die sich<br />

in einer um 34% höheren Konzentration von<br />

Q10 im Plasma niederschlägt.<br />

Fig. 6 Die mittlere Q10 Plasmakonzentration (mg/L) bei Patienten<br />

mit Herzinsuffizienz (n=10; Mittelwert ±SD) vor und 60 min. nach der<br />

Einnahme von 25 ml Q10 Revolution ®[43] .<br />

Nutrition-Press 41


D-Ribose in Q10 Formulierungen- Rationale<br />

für Optimierung der Wirkung von Q10<br />

Das besonderer an den Formulierungen Q10 Greenspeed ®<br />

und Q10 Revolution ® besteht auch darin, dass beide den<br />

Zucker D-Ribose, ein aus 5 Kohlenstoffatomen bestehendes<br />

Zuckermolekül, aufweisen, das im Gegensatz zu dem<br />

üblichen Tafelzucker (eine Mischung aus Glukose und<br />

Fruktose) nicht (!) den Insulinspiegel ansteigen lässt. Damit<br />

ist die Formulierung auch für Diabetiker geeignet. Die<br />

eigentliche Bedeutung von D-Ribose liegt jedoch in einer<br />

Förderung der Synthese von ATP, das in seiner molekularen<br />

Struktur diesen Zucker beinhaltet (Abb.6). Indem der<br />

Zucker innerhalb der Zelle sich mit Adenin zum Adenosin<br />

verbindet, wird der Vorläuferstoff das ADP für das energiereiche<br />

ATP gebildet, dass die Regeneration von ATP weiter<br />

angekurbelt (Abb. 6). Obgleich der Organismus selber Ribose<br />

herstellen kann, ist jedoch dieser Prozess sehr langsam<br />

und erst durch die zusätzliche äussere Zufuhr wird<br />

eine Optimierung der Synthese von ATP im Mitochondrium<br />

erreicht.<br />

Ribose alleine gegeben bringt auch einen Vorteil bei Patienten<br />

mit Herz-Kreislauferkrankungen, der Herzinsuffizienz<br />

oder bei dem chronischen Müdigkeitssyndrom, wobei<br />

Dosen bis zu 5g empfohlen werden [44] . Interessanterweise<br />

enthält Q10 Revolution® ebenso wie Greenspeed ® alle<br />

die notwendigen B-Vitamine die zur Generierung von ATP<br />

in den Mitochondrien benötigt werden (Abb.2) und weil<br />

im Herzinfarkt oder beim Schlagfanfall die Blutzufuhr abgeschnitten<br />

und die im Zentrum des Infarkts noch nicht<br />

untergegangenen Zellen an der Peripherie (die Penumbra)<br />

ein Defizit an Sauerstoff aufweisen um genügend ATP zu<br />

bilden, kann diese Phase von einer Q10-Lösung mit ausreichend<br />

hohen Anteilen an D-Ribose zu einem entscheidenden<br />

Überlebensfaktor werden. Denn nur mit Hilfe von<br />

Energie kann aus dem verbrauchten ADP das höherwertige<br />

ATP innerhalb der Mitochondrien synthetisiert werden,<br />

damit die an Energiemangel leidenden, in vorliegenden<br />

Fall Herzmuskel- oder Gehirnnervenzellen, die fehlende<br />

Energie bekommen, um zu überleben.<br />

Auch ist es empfehlenswert, speziell bei Personen im<br />

fortgeschrittenen Alter, dass neben der D-Ribose das Q10<br />

eingenommen wird, weil es oft an beiden Stoffe mangelt<br />

und sich beide Substanzen in den Formulierungen Q10<br />

Revolution ® und Greenspeed ® befinden. Wird auf D-Ribose<br />

alleine zurückgegriffen, so können in solchen Fällen<br />

sogar bis zu 10 und 15 Gramm ohne nachteilige Folgen<br />

eingesetzt werden, was besonders nach extremer körperlicher<br />

Belastung von Vorteil ist, weil hierdurch eine<br />

schnellere Regeneration mit Erholung erreicht wird. Somit<br />

profitieren besonders Sportler von diesen Lösungen, die<br />

ihnen in Pausen zwischen den Wettkämpfen wieder die<br />

ausreichende Energie zur Verfügung stellt und ihnen somit<br />

einen Vorteil gegenüber den Mitkonkurrenten gibt [29] .<br />

Andererseits sind alle die Personen, die ihr Gewicht mit<br />

Hilfe einer niedrigen Kohlenhydratdiät bei gleichzeitigem<br />

Abb. 6 Die verschiedenen molekularen Anteile im Adenosin-diphosphat<br />

(ADP), dem Vorläufer von Adenosin-triphosphat (ATP), der Energielieferant<br />

für alle Zellen und wo der Zucker D-Ribose einen wichtigen Anteil<br />

in der Bildung von ATP einnimmt<br />

hoher Fettkonsum (fette Fische wie Makrele, Sprotte, Hering,<br />

die Frucht Avocado, hochwertigen Ölen wie Kokosnuss,<br />

Oliven-, Hanf- Walnuss- oder Leinöl sowie Butter)<br />

anstreben, bringt diese zusätzliche D-Riboseeinnahme<br />

nur Vorteile, weil hierdurch eine schnelle Regeneration<br />

energiereicher Substrate (ATP) innerhalb der Zelle mit vermindertem<br />

Hungergefühl die Folge ist [27] [28] [29] . Ja selbst<br />

bei vermehrter geistiger Tätigkeit und geforderter erhöhter<br />

Konzentration, wie z.B. bei einer Besprechung, werden<br />

die Hirnnervenzellen mit ausreichend Energie versorgt, so<br />

dass Konzentrationsvermögen und Wachheit, schnell zu<br />

denken und Entscheidungen zu fällen, zunehmen. Diese<br />

Zunahme der geistigen Leistungsfähigkeit konnte insofern<br />

dokumentiert werden, als im Elektroenzephalogramm,<br />

eine Steigerung der Hirnnervenaktivität sowohl nach der<br />

Einnahme von Greenspeed ® als auch nach Q10 Revolution<br />

® nachgewiesen werden konnte.<br />

Zunahme der neuronalen Aktivität im<br />

Gehirn sowohl nach Greenspeed ® als auch<br />

nach Q10 Revolution ®<br />

Weil neben einer ausreichenden Bioverfügbarkeit und<br />

Resorption über dem Darm auch die Überwindung der<br />

Membranzelle eine weitere wichtige Eigenschaft einer<br />

Q10-Formulierung darstellt, genügt es nicht, alleine die<br />

Plasmakonzentration einer Q10-Formulierung darzustellen.<br />

Denn diese Konzentration nimmt am eigentlichen<br />

Geschehen innerhalb der Zelle nicht direkt teil und die jeweiligen<br />

im Blut schwimmenden Nahrungsanteile, wie Mineralien,<br />

Fette, Glukose, Proteine usw. müssen erst in die<br />

Zelle geschleust werden, um an den Mitochondrien ihre<br />

eigentliche Wirkung zu entfalten (Abb. 3). So hat aufgrund<br />

der höheren Q10 Anteile in der Q10 Revolution®-Formulierung<br />

dieser Betriebsstoff die Möglichkeit, die Blut-Hirn-<br />

42 Nutrition-Press


Ernährung | Prävention<br />

schranke eher zu überwinden, wobei das Nachtkerzenöl<br />

als Fett die notwendigen Nahrungsanteile gleich mitliefert<br />

und die B-Vitamine als auch das NADH als Verstärker<br />

im Rahmen der mitochondrialen Atmungskette zu<br />

einer höheren Ausbeute an ATP führen. Bei dem Produkt<br />

Greenspeed ® wird ein anderer Weg insofern beschritten,<br />

als über sog. Pumpenhemmer sowohl die Bluthirnschranke<br />

leichter überwunden, als auch mehr von dem eingeschleusten<br />

Q10 innerhalb der Zelle verbleibt, Mengen die<br />

ansonsten gleich wieder über die PGP Efflux-Pumpe ausgeleitet<br />

werden [45] . Trotz der scheinbar geringen Menge<br />

von 80mg/25ml an Q10-Anteile verbleiben mehr Q10 Anteile<br />

innerhalb der Zelle, wodurch er zur Verbesserung der<br />

Funktion der elektrochemischen Atmungskette mit seinen<br />

Komplexen I-V kommt. Diese vorteilhaften Effekte, sowohl<br />

bei Q10 Revolution ® als auch bei Greenspeed ® , konnten<br />

eindeutig an Hand von elektroenzephalographischen<br />

Studien nachgewiesen werden, wo im Vergleich zur Ausgangslage<br />

nach der Einnahme sowohl von Greenspeed ®<br />

als auch von Q10 Revolution ® signifikant höhere Anteile in<br />

den schnellen EEG-Wellen nachweisbar waren. Dieser Effekt<br />

weist auf eine höhere Aktivität der Nervenzellen hin,<br />

weil auf Grund der vermehrten Energiesynthese von ATP<br />

die Zellen auch schneller und mehr feuern als im Vergleich<br />

zur Ausgangslage (Abb. 7).<br />

Diese Ergebnisse wurden im Rahmen von Versuchen<br />

an freiwilligen Probanden gewonnen, indem nach einer<br />

Gewöhnungsphase von ca. 30 min mit Hilfe einer computergesteuerten<br />

EEG-Aufbereitung die verschiedenen<br />

Leistungsspektren von der Kopfhaut der Probanden über<br />

Ag/AgCl-Elektroden (Ableitungspunkte Fp1-A1, entsprechend<br />

dem internationalen 10/20-System) abgeleitet<br />

wurden [46] . Die EEG-Rohdaten wurden anschliessend einer<br />

mikroprozessorgesteuerten EGG Maschine zugeführt<br />

(Lifescan ® , Diatek, San Diego/USA), die mi Hilfe der Fast<br />

Fourier Transformation über eine Zeitepoche von 60 sec,<br />

die EEG-Rohdaten in Leistungsspektren umwandelte (Abb.<br />

7). Aus den unterschiedlichen Leistungsspektren konnten<br />

dann die Leistungsanteile im EEG mit den Bezeichnungen<br />

Delta (0.5-3 Hz), Theta (3-7 Hz), Alpha (7-13 Hz) und Beta<br />

(13-30 Hz) dargestellt werden, aus denen sich Rückschlüsse<br />

auf die jeweilige Aktivitäten der Nervenzellen in der<br />

Grosshirnrinde ableiten liessen (Abb. 9). Im Vergleich zur<br />

Ausgangslage mit Spitzenwerte im Alpha-Bereich (Abb. 7),<br />

weist dies auf einen entspannten Zustand bei den Probanden<br />

hin. Jedoch schon 30 min nach der Einnahme von Q10<br />

Revolution ® (hierbei fungiert die polnische Formulierung<br />

als repräsentatives Beispiel) ist eine hochsignifikante Zunahme<br />

(p < 0.005) in den schellen EEG-Leistungsbändern<br />

Alpha und Beta nachweisbar war (Abb. 8), die sich dann<br />

nach der 60. min noch mehr zu Gunsten der schnellen<br />

Beta-Anteile verstärkte (Abb.9). Ähnliche Ergebnisse wies<br />

auch das Produkt Greenspeed ® auf, wobei hier jedoch zusätzlich<br />

der mittlere schnelle Anteil Alpha eine zum Ausgangswert<br />

signifikante (p < 0.01) Zunahme offenbarte,<br />

während der Beta-Anteil, ähnlich wie bei dem Produkt Q10<br />

Revolution ® , eine hochsignifikante (p < 0.001) Zunahme<br />

aufwies. Diese Veränderungen im den Hirnströmen unter<br />

beiden Q10 Formulierungen lassen folgen Schlussfolgerungen<br />

zu:<br />

Bei der Abwendung von Q10 Revolution ® und Greenspeed ®<br />

weisen somit die am Menschen abgeleiteten EEG-Veränderungen<br />

auf folgende Besonderheiten hin:<br />

a) Es erreichen bei diesen Produkten ausreichende Mengen<br />

der Wirkstoffe Q10 (und NADH) das zentrale Nervensystem<br />

innerhalb von 60 Minuten. Dies steht im krassen<br />

Gegensatz zu Studien mit anderen Q10 Formulierungen,<br />

wo zwar der Plasmaspiegel innerhalb von einer Stunde<br />

stark ansteigt, jedoch aus guten Gründen nichts dazu gesagt<br />

wird, ob dieses Q10 auch innerhalb der Zelle seine<br />

Wirkung entfaltet. So sind bei den anderen oralen Formulierungen<br />

wiederholte Gaben von bis zu 500 mg Q10<br />

über einen längeren Zeitraum von einem und bis zu zwei<br />

Monaten notwendig, um überhaupt einen Anstieg der therapeutisch<br />

wirksamer Q10-Konzentrationen im Gehirn zu<br />

erreichen [48] .<br />

Abb. 7<br />

Weitere hochsignifikante<br />

(p < 0.001) Zunahme der<br />

EEG-Leistungsspektren im<br />

beta-Bereich im Vergleich zur<br />

Ausgangssituation, eine<br />

Stunde nach Aufnahme von Q10<br />

Revolution ® . Nach [47]<br />

Abb. 8<br />

Die mittleren Anteile in<br />

den Frequenzspektren<br />

des Elektroenzephalogramms<br />

bei 12 Probanden<br />

im Ruhezustand. Es<br />

besteht ein entspannter<br />

bis dösiger Zustand,<br />

der sich in einer hohen<br />

Alpha-Akzentuierung<br />

(7-12 Hz) niederschlägt<br />

Abb. 9<br />

Veränderungen in den verschiedenen<br />

mittleren Anteilen in den<br />

verschiedenen Frequenzspektren<br />

im Elektroenzephalogramm von 12<br />

Probanden, 30 Minuten nach Einnahme<br />

von Q10 Revolution ® . Die<br />

Zunahme im Alpha- und Beta-Band<br />

im Vergleich zum Ausgangswert,<br />

weist auf eine höheres Vigilanzniveau<br />

mit bessrer Konzentration<br />

und fokussierter Aufmerksamkeit<br />

hin. Nach [47]<br />

Nutrition-Press 43


Abb. 10 Die im d2-Konzentrations- und Belastungstest (auch<br />

Durchstreichtest genannt) gemachte Fehlerrate die nach der<br />

Einnahme von Q10 Revolution eine merkliche Verbesserung von<br />

im Mittel 30% erfährt. Beachte: 3 Tassen Kaffee mit Coffein,<br />

entsprechend ca. 3 x 350 mg Coffein, führten dagegen zu einer<br />

Zunahme der Fehlerrate, denn obgleich die Aufgabe schneller<br />

gelöst wurde, so war jedoch die Konzentration geringer, was<br />

sich letztendlich in einer höheren Feherrate niederschlug. [50]<br />

b) Das Q10 in der Formulierung von Q10 Revolution ® gelangt<br />

auch in das Innere der Zelle und veranlasst erst hierdurch,<br />

eine gesteigerte Synthese von dem Energieträger<br />

ATP, ein Effekt der sich in der sichtbaren Zunahme von<br />

Aktivitäten im schnellen Beta-Band des EEGs (13-30 Hz)<br />

um den Faktor 610% im Vergleich zum Ausgangswert niederschlägt.<br />

c) Diese Zunahme in der der EEG Aktivität korrespondiert<br />

mit einer Zunahme an Aufmerksamkeit und fokussierter<br />

Konzentration, ein Effekt der in einer separaten Studie<br />

an Probanden mit Hilfe des standardisierten d2-Aufmerksamkeits-<br />

und Belastungstests [49] nachgewiesen werden<br />

konnte (Abb.10)<br />

d). Die Zunahme der schnellen Frequenzen im Elektroenzephalogramm<br />

erreicht seinen Höhepunkt nach 60 Minuten.<br />

Dies steht im krassen Gegensatz zu den anderen<br />

oralen Formulierungen, wo erst nach 4-5 Std eine Wirkung<br />

zu verzeichnen ist [51] .<br />

e) Eine Aktivierung neuronaler Zellen im zentralen Nervensystem<br />

des Gehirns sind dann von Vorteil, wenn chronische<br />

Müdigkeit, Aufmerksamkeitsstörungen vorliegen und<br />

Wachheit reduziert sind und eine rasche Auffüllung der<br />

Q10-Speicher im Gehirn es erst wieder erlaubt, die volle<br />

Spannbreite geistiger Funktionen abzurufen.<br />

Q10-Nahrungsergänzung als Supplement<br />

bei Krebs – neue Ansätze<br />

Obgleich CoQ10 aktuell bei vielen Erkrankungen chronischer<br />

Natur eingesetzt wird, wie z.B. bei der Herzinsuffizienz,<br />

so sind in letzter Zeit auch weitere Anwendungen<br />

in der Medizin bekannt geworden. So wurden bei Krebspatienten<br />

in einer erst kürzlich veröffentlichten Untersuchung<br />

festgestellt, dass CoQ10 die Krebszellen dazu<br />

veranlasst sich selbst zu töten, einen quasi Selbstmord zu<br />

begehen (=Apoptose), so dass hieraus neue Hoffnungen<br />

aus der gleichzeitigen Anwendung von Q10 im Rahmen<br />

einer Kombination mit Chemotherapie abzuleiten sind,<br />

das Krebswachstum zum Stillstand zu bringen [52] . Hier<br />

hat die JAG Gruppe Polska insofern Pionierarbeit geleistet,<br />

indem sie anlässlich eines speziellen auf Krebs ausgerichteten<br />

Kongresses in der Stadt Zielona Gora eine neue<br />

Therapierichtung vorgestellt hat, wo Q10 Revolution ®<br />

in der Kombination mit dem Opiat D,L-Methadon verabreicht<br />

wird (Tabelle 4). Hierdurch wird erreicht, dass Q10<br />

einen Zellschutz für die gesunden Zellen bei gleichzeitiger<br />

Chemotherapie darstellt [53] [54] . Ein weiterer Vorteil dieser<br />

Therapie ist die deutlich verringerte Dosierung in der Chemotherapie<br />

die notwendig ist, um die Krebszellen abzutöten<br />

[55] . Ursächlich wird die durch das Opiat induzierte<br />

Hemmung der Efflux-Pumpe innerhalb der Zellmembran<br />

diskutiert [56] [57] , was zu höheren Konzentrationen von dem<br />

Chemotherapeutikum und von Q10 führt. Gestützt werden<br />

solche Überlegungen durch eine aus Deutschland<br />

44 Nutrition-Press


Ernährung | Prävention<br />

stammende Veröffentlichung, wo unter D,L-Methadon<br />

die Krebszelle in eine Art Selbstmord getrieben<br />

wurde [58] . Der Vorteil Q10 bei Tumorpatienten<br />

in hohen. Dosen einzusetzen, wird auch durch<br />

eine weitere internationale Studie untermauert,<br />

wo im Gegensatz zum umgebenden normalen Gewebe,<br />

der Anteil von Q10 im Tumorgewebe deutlich<br />

reduziert ist [59] . «<br />

Autor<br />

Prof. Dr. Enno Freye<br />

Universität Düsseldorf/Deutschland<br />

Arzt: Spezialgebiete Spezielle Schmerztherapie,<br />

Anästhesiologie, Intensivmedizin und<br />

Suchttherapie, Nutrazeutika, Mikronährstoffe,<br />

Zivilisationskrankheiten, Renaturierung<br />

und Fachlicher Beirat des NEM e. V.<br />

Stufenweise Auftitrierung mit D,L-Methadon innerhalb<br />

von 2-3 Wochen<br />

Start mit 5 Tropfen bid (= 5mg)<br />

Dosissteigerung jeweils am 5.Tag um 5 mg bis zu einem<br />

Maximum von 20 mg/Tag<br />

Nebenwirkungen beachten und dann Dosisreduktion: Obstipation,<br />

Erbrechen, Übelkeit, Schwindel, Lethargie, Juckreiz, Schwitzen,<br />

Angst, Müdigkeit, Herzfrequenzzu- oder abnahme, Veränderungen<br />

im hämatopoetischen System<br />

Tabelle 4 Die Dosierung von D,L-Methadon HCl bei Krebspatienten<br />

in Kombination mit Q10. modifiziert nach [60]<br />

Referenzen:<br />

18. Craft, N.E., et al., Assessment of coenzyme Q10 bioavailability using a coupled in vitro digestion/Caco‐2 human intestinal cell model.<br />

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60. Onken, J., et al., Safety and Tolerance of D,L-Methadone in Combination with Chemotherapy in Patients with Glioma. Anticanc Res, 2017.<br />

37: p. 1227-1235.<br />

Fotos: Alexandr Mitiuc – Fotolia (S. 41), ag visuell – Fotolia (S. 44)<br />

Nutrition-Press 45


Vitamin D und Omega-3<br />

Fettsäuren<br />

Wichtige<br />

Begleiter<br />

für gesunde<br />

Kinder<br />

Die gesunde Entwicklung von Kindern hängt in hohem<br />

Maße von einer ausgewogenen Ernährung<br />

und ausreichend Bewegung ab. Bereits der präkonzeptionelle<br />

Lebensstil der Mutter hat signifikante<br />

Auswirkungen auf die Gesundheit des Kindes. Dies<br />

gilt natürlich erst recht während der Schwangerschaft<br />

und der Stillzeit. Sobald die Kinder in der Lage sind, eigene<br />

Nahrung aufzunehmen, sollte diese mindestens so<br />

reich an Vitalstoffen sein, wie es auch für Erwachsene<br />

empfohlen wird. In keiner anderen Lebensphase ist die<br />

Nahrung so wichtig wie im Kindesalter. Eine ausgewogene<br />

Ernährung sichert das Wachstum sowie die Entwicklung<br />

von Kindern, stärkt ihr Immunsystem, vermeidet Mangelzustände<br />

und beugt ernährungsbedingten Krankheiten<br />

wie Diabetes, Konzentrationsstörungen und Übergewicht<br />

vor. Und schließlich erlernen Kinder in den ersten zehn Lebensjahren<br />

das Ernährungsverhalten, das die Grundlage<br />

für ihre lebenslangen Essgewohnheiten bildet.<br />

Eine ausreichende Versorgung mit Vitamin D und Omega-3<br />

Fettsäuren ist für Schwangere und Kinder dabei besonders<br />

wichtig und gleichzeitig oft kritisch.<br />

Das Sonnenvitamin<br />

Vitamin D ist wichtig für das Immunsystem, die Knochen<br />

und die Zähne. Außerdem soll es eine positive Wirkung<br />

auf bestimmte Krankheiten haben. Hierzu zählen beispiels -<br />

weise Krebs, Multiple Sklerose, Osteoporose oder Diabetes.<br />

Und auch Depression kann mit einem Vitamin-D-Mangel<br />

zusammenhängen. Bei Kindern sorgt Vitamin D vor allem<br />

für eine gesunde Knochenbildung, ein gesundes Wachstum<br />

und ist für bestimmte Muskelfunktionen wichtig. Ein Mangel<br />

an Vitamin D, das eigentlich von der Haut bei Sonnenbestrahlung<br />

gebildet wird, kann bereits entstehen, wenn<br />

die werdende Mutter oder das Kind sich zu wenig im Freien<br />

aufhalten oder zu wenig dem Sonnenlicht ausgesetzt sind.<br />

Dies ist zum Beispiel während der Winterzeit in nördlichen<br />

Breitengraden der Fall, oder wenn man sich ausschließlich<br />

bedeckt oder mit Sonnencreme geschützt dem Sonnenlicht<br />

aussetzt. Zudem tendieren Kinder in der heutigen Zeit immer<br />

mehr zu Aktivitäten im Haus, weil sie entweder vom Angebot<br />

der medialen Welt oder vom schulischen Leistungsdruck,<br />

davon abgehalten werden, draußen zu klettern, zu<br />

spielen und sich mit ihren Altersgenossen in verschiedenen<br />

sportlichen Disziplinen zu messen. Die Deutsche Gesellschaft<br />

für Ernährung e.V. empfiehlt in diesen Fällen der fehlenden<br />

Vitamin-D-Eigensynthese für Schwangere und alle<br />

anderen Personen ab dem Kleinkindalter eine Vitamin-D-<br />

Aufnahme von 20µg (800IU) täglich. Die mittlere Aufnahmemenge<br />

von Vitamin D über die Nahrung liegt nur bei 2–4µg<br />

täglich. Dies reicht nicht aus, um bei begrenzter Sonnenexpo -<br />

sition und geringer körpereigenen Produktion von Vitamin D<br />

ganzjährig eine ausreichende Versorgung zu erreichen. Deshalb<br />

wird eine zusätzliche Aufnahme, zum Beispiel über Nahrungsergänzungsmittel<br />

empfohlen. Vitamin D wird häufig aus<br />

tierischen Produkten wie fettem Seefisch, Eiern und Milch -<br />

produkten gewonnen. Für die vegane Ernährung gibt es alternative<br />

Produkte, die Vitamin D aus Flechten gewinnen.<br />

46 Nutrition-Press


Ernährung | Prävention<br />

Fit im Kopf mit Omega-3<br />

Omega-3-Fettsäuren gehören zu den wichtigsten Fetten für die Gesundheit.<br />

Sie sind Bestandteil der Gehirnzellen, fördern die Hirnleistung und sorgen<br />

für geistige Ausgeglichenheit. Sie gehören zu den essenziellen Fettsäuren<br />

und müssen über die Nahrung aufgenommen werden. Eine mangelnde Versorgung<br />

mit Omega-3 Fettsäuren kann durch den Konsum von vielen verarbeiteten<br />

Lebensmitteln, Nudeln, Brot, Gebäck, Cornflakes und hydrierte Ölen<br />

begünstigt werden. In diesen Lebensmitteln sind viele Omega-6-Fettsäuren<br />

enthalten, die ein Fettsäuren-Ungleichgewicht fördern. Omega-6 Fettsäuren<br />

und Omega-3 Fettsäuren verhalten sich im Stoffwechsel wie Gegenspieler.<br />

Studien belegen, dass eine zusätzliche Aufnahme von langkettigen Omega-3<br />

Fettsäuren vor und in der Schwangerschaft das Risiko von Frühgeburten signifikant<br />

vermindert. Außerdem ist eine ausreichende Versorgung mit Omega-3<br />

Fettsäuren förderlich für die Entwicklung von Sehfunktion und Gehirn<br />

des Fetus. In einigen Beobachtungsstudien war die Versorgung mit langkettigen<br />

Omega-3 Fettsäuren in der Schwangerschaft mit einer günstigeren<br />

kindlichen Entwicklung kognitiver und anderer Fähigkeiten assoziiert. Auch<br />

Omega-3 Fettsäuren sind insbesondere in Fisch enthalten, zum Beispiel in<br />

Lachs und Sardinen. Veganer können ihre Versorgung mit Omega-3 Fettsäuren<br />

über den Verzehr von Leinsamenöl abdecken.<br />

Gesund ist was begeistert<br />

Gerade Kinder im Wachstum brauchen nicht nur Liebe, Geborgenheit und<br />

Raum für Entwicklung, sondern auch eine besonders gute Ernährung. Oft ist<br />

es allerdings so, dass Kinder lieber zu Pizza, Eis und Süßigkeiten greifen als<br />

die benötigten fünf Portionen Obst und Gemüse am Tag zu essen. Für Eltern<br />

ist es deshalb oft nicht leicht, ihren Kindern die benötigten täglichen Vitalstoffe<br />

zuzuführen. Inzwischen gibt es ernährungswissenschaftliche Erziehungskonzepte,<br />

die darauf abzielen, bereits Babys nach dem Abstillen durch Abwechslung,<br />

Wiederholung und Geduld so zu fördern, dass sie den Geschmack<br />

von verschiedenen Obst- und Gemüsesorten akzeptieren. Sie raten dazu,<br />

die Umstellungsphase auf Beikost zu nutzen, da ein Baby in dieser Phase<br />

experimentierfreudig ist und eine Vielfalt an Speisen unterschiedlicher Textur<br />

und verschiedener Geschmacksrichtungen eher akzeptiert als ein Kind,<br />

das bereits das zweite Lebensjahr erreicht hat. Durch regelmäßiges Anbieten<br />

von Obst und Gemüse als Teil der normalen Nahrung im frühen Kindesalter<br />

wird das Kind angeregt, sich ausgewogen zu ernähren. Da Essgewohnheiten,<br />

die im Kindesalter erworben werden, prägend sind für das weitere Leben, ist<br />

die frühe Integration von vitalstoffreicher Nahrung in den alltäglichen Speiseplan<br />

besonders wünschenswert. Ergänzend gibt es Anbieter hochwertiger<br />

Kinder-Vitalstoff-Getränke, die den täglichen Bedarf an Magnesium, Kalzium,<br />

Zink, Folsäure, den wichtigen Vitaminen (A,B,C,D,E) sowie an Omega-3 Fettsäure<br />

auf der Grundlage von kontrolliert angebauten, pflanzlichen Inhaltsstoffen<br />

so abdecken, dass sie für Kinder<br />

in einem optimalen Verhältnis dargereicht<br />

werden können und ihnen zudem exzellent<br />

schmecken. «<br />

Autorin<br />

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Nutrition-Press 43


Kurkuma als alternative<br />

Therapieoption bei Arthrose<br />

Kurkuma (Curcuma longa L.)<br />

Die Arthrose stellt eine degenerative Gelenkerkrankung<br />

dar, bei der Entzündungsprozesse eine<br />

entscheidende Rolle spielen. Aufgrund antioxidativer<br />

und antientzündlicher Wirkungen bieten die<br />

Wirkstoffe des Kurkumas, die sogenannten Curcuminoide,<br />

eine Alternative zur konventionellen<br />

Pharmakotherapie. Die therapeutische Wirksamkeit<br />

der Curcuminoide kann durch eine Verbesserung<br />

der Bioverfügbarkeit erheblich gesteigert werden.<br />

reiben. Die Freisetzung von Gewebefragmenten führt über<br />

die Aktivierung von Immunzellen zu Entzündungsreaktionen<br />

und der vermehrten Bildung von freien Radikalen. Die<br />

Immunreaktion, die dem Abbau geschädigter Strukturen<br />

und Zellfragmenten dient, kann dabei ebenfalls „gesunde“<br />

Gelenkstrukturen angreifen und zum weiteren Fortschreiten<br />

der Erkrankung beitragen (Abbildung 1) (1) .<br />

Oberflächlicher<br />

Knorpelschaden<br />

Knochen reiben<br />

aufeinander<br />

Rezidivierende<br />

Entzündung<br />

Der Begriff Arthrose bezeichnet die weltweit häufigste<br />

Gelenkerkrankung. Der hyaline („glasartige“)<br />

Gelenkknorpel ist mit dem Knochen fest<br />

verwachsen und bildet zum Gelenkspalt hin glatte<br />

und reibungsarme Gelenkoberflächen. Durch verstärkte<br />

Gelenkbelastung (bei verschiedenen Sportarten, durch<br />

Übergewicht und Gelenkfehlstellungen) und vor allem mit<br />

zunehmendem Alter kommt es zum vermehrten Untergang<br />

von Knorpelzellen und zu einem verstärkten Knorpelabrieb.<br />

Die Knorpelschicht wird zunehmend geschädigt,<br />

bis schließlich die ungeschützten Knochen aufeinander<br />

Neutrophile<br />

Granulozyten<br />

Makrophagen<br />

Verdickung der<br />

Synovialmembran<br />

Sklerosierung<br />

mit Zystenbildung<br />

Abbildung 1: Nach oberflächlichen Knorpelschäden kommt es bei der Arthrose zur<br />

weiteren Degeneration des Gelenkknorpels. Die Aktivierung von Immunzellen wie<br />

neutrophilen Granulozyten und Makrophagen führt zu Entzündungsprozessen mit<br />

Symptomen wie Schmerz, Schwellung und Rötung. Im Verlauf kann es zur Verdickung<br />

der Synovialmembran sowie zur Sklerosierung des Knochens und der Bildung<br />

von Zysten aus nekrotischem Knorpel- und Knochengewebe kommen.<br />

40 48 Nutrition-Press


Ernährung | Prävention<br />

≥ 65 Jahre<br />

31,2%<br />

48,1%<br />

45-64 Jahre<br />

16,6%<br />

23,2%<br />

30-44 Jahre<br />

4,3%<br />

4,1%<br />

Frauen<br />

Männer<br />

18-29 Jahre<br />

0,9%<br />

0,4%<br />

Arthroseprävalenz<br />

in Deutschland<br />

0% 10% 20% 30% 40% 50% 60%<br />

Abbildung 2: Prävalenz der<br />

Arthrose in Deutschland in<br />

verschiedenen Altersklassen<br />

(nach 2)<br />

Während anfangs Schmerzen eher sporadisch und flüchtig<br />

und oft nur nach Belastungen auftreten, können sie in<br />

späteren Stadien unerträglich werden und zeitweise bis<br />

zur Bewegungsunfähigkeit führen. Nach Daten des Robert<br />

Koch-Instituts zeigen sich entsprechende degenerative<br />

Veränderungen am häufigsten am Kniegelenk (Gonarthrose)<br />

bzw. am Hüftgelenk (Coxarthrose) und betreffen ab<br />

einem Alter von 65 Jahren fast die Hälfte der weiblichen<br />

(48,1%) und fast ein Drittel (31,2%) der männlichen Bevölkerung<br />

(Abbildung 2) (2) .<br />

Kurkuma gegen Arthrosebeschwerden<br />

Zur Therapie der Arthrose werden standardmäßig sogenannte<br />

nicht-steroidale Antirheumatike (NSARs) eingesetzt.<br />

Aufgrund ihrer analgetischen und antiphlogistischen<br />

Wirkung können diese Medikamente die Symptome<br />

wie Schmerzen und Schwellung lindern und das weitere<br />

Voranschreiten der Erkrankung verzögern. Die Anwendung<br />

von NSARs ist jedoch mit teilweise schweren, gastrointestinalen<br />

Nebenwirkungen assoziiert und erscheint<br />

deshalb wenig attraktiv, vor allem dann, wenn alternative<br />

Therapieoptionen mit einer ähnlichen Wirksamkeit existieren,<br />

die entsprechende Nebenwirkungen nicht aufweisen.Das<br />

aus Südostasien stammende Gewürz Kurkuma<br />

zählt zu den ältesten traditionellen Heilmitteln der Welt.<br />

Kurkuma enthält etwa 3% Curcuminoide, die sich durch<br />

antioxidative und antientzündliche Wirkungen auszeichnen<br />

(3) . Aufgrund dieser Eigenschaften wird der Einsatz von<br />

Kurkumaextrakt bei Arthrosebeschwerden im klinischen<br />

Umfeld untersucht. In einer Studie mit 160 Teilnehmern<br />

mit Gonarthrose konnte eine deutliche Wirkung auf Entzündungsparameter<br />

herausgestellt werden. Die Einnahme<br />

von Kurkumaextrakt führte dabei neben einer Verbesserung<br />

verschiedener Symptome zu signifikant verringerten<br />

Werten von Sauerstoffradikalen, dem Entzündungsmediator<br />

IL-1β sowie dem Biomarker für oxidativen Stress Malondialdehyd<br />

(4) .<br />

Eine weitere Studie mit 367 Teilnehmern mit Gonarthrose<br />

untersuchte die Wirkung eines Extrakts mit ca. 1500mg<br />

Kurkumaextrakt im Vergleich zu 1200mg Ibuprofen täglich.<br />

Die Einschätzung der Veränderungen nach dem sogenannten<br />

Western Ontario and McMaster Universities<br />

Osteoarthritis Index (WOMAC), eines standardisierten Fragebogens<br />

zur Bewertung von Arthrosebeschwerden, zeigte<br />

dabei nach zwei und vier Wochen in beiden Gruppen<br />

eine ähnliche Verbesserung der Symptome (Abbildung<br />

3). Bei den Teilnehmern, die Kurkumaextrakt erhielten,<br />

wurden vergleichsweise weniger und vor allem weniger<br />

gravierende gastrointestinale Nebenwirkungen beobachtet.<br />

Während in der Ibuprofen-Gruppe sieben Teilnehmer<br />

nebenwirkungsbedingt aus der Studie ausschieden, war<br />

dies nur bei einem Teilnehmer aus der Kurkuma-Gruppe<br />

der Fall (5) .<br />

8<br />

7<br />

6<br />

5<br />

4<br />

3<br />

2<br />

1<br />

0<br />

WOMAC-Score: Schmerz<br />

Kurkuma<br />

Ibuprofen<br />

WOMAC-Score: Steifigkeit<br />

Kurkuma<br />

0<br />

Start Woche 2 Woche 4 Start Woche 2 Woche 4<br />

Abbildung 3: Verbesserung von Arthrosebeschwerden des<br />

Knies nach der Einnahme von Kurkumaextrakt bzw. Ibuprofen<br />

nach zwei und vier Wochen (nach 5).<br />

8<br />

7<br />

6<br />

5<br />

4<br />

3<br />

2<br />

1<br />

Nutrition-Press 49


Curcuminoide mit<br />

Phosphatidylcholin<br />

Absorption<br />

Enterozyt<br />

Mizellenbildung<br />

Chylomikronenbildung<br />

Curcuminoide in<br />

Chylomikronen<br />

Abbildung 4: Phosphatidylcholin, ein natürlicher<br />

Bestandteil der Gallenflüssigkeit, trägt über die Bildung<br />

von Mizellen zur Verbesserung der Absorption lipophiler<br />

Nährstoffe wie den Curcuminoiden bei. In den Enterozyten<br />

werden Nahrungsfette und Curcuminoide mit Hilfe<br />

von Phosphatidylcholin in Chylomikronen verpackt und<br />

zur systemischen Verteilung in die Lymphe abgegeben.<br />

Lymphe<br />

Demnach weist Kurkumaextrakt im Vergleich zu Ibuprofen<br />

bei Arthrosebeschwerden eine vergleichbare Wirksamkeit<br />

auf. Aufgrund eines deutlich günstigeren Nebenwirkungsprofils<br />

zeichnet sich Kurkuma zur Behandlung der Erkrankung<br />

besonders aus.<br />

Die Bioverfügbarkeit als kritischer Faktor der<br />

Curcuminoidwirkung<br />

Die therapeutische Wirkung der im Kurkuma enthaltenen<br />

Curcuminoide wird jedoch durch ihre geringe Bioverfügbarkeit<br />

erheblich eingeschränkt. Die Curcuminoide sind<br />

vor allem in einer alkalischen Umgebung wenig stabil (6) .<br />

Sie werden lediglich zu einem geringen Teil resorbiert und<br />

unterliegen zudem einer schnellen systemischen Elimination<br />

(7) . Verschiedene Möglichkeiten wurden untersucht um<br />

die Bioverfügbarkeit der Curcuminoide zu steigern. Beispielsweise<br />

lassen sich durch Mischung mit Piperin, dem<br />

Hauptalkaloid des schwarzen Pfeffers bedeutend höhere<br />

Blutspiegel erzielen. Piperin hemmt die Glucuronidierung,<br />

einen bedeutenden Abbauweg der Curcuminoide, so dass<br />

eine gesteigerte systemische Verfügbarkeit resultiert (8) .<br />

Auch die Formulierung mit Phosphatidylcholin (Lecithin)<br />

führt zu einer deutlich verbesserten Bioverfügbarkeit der<br />

Curcuminoide. Phosphatidylcholin schützt die empfindlichen<br />

Wirkstoffe vor einer vorzeitigen Hydrolyse im Magen-<br />

Darm-Trakt und erleichtert ihre Diffusion<br />

durch die Dünndarmschleimhaut (9) .<br />

Die Steigerung der Bioverfügbarkeit<br />

ergibt sich dabei aus einer<br />

Unterstützung physiolo-<br />

50 Nutrition-Press


Ernährung | Prävention<br />

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Autor<br />

Philipp Gebhard<br />

Produktmanager / Product Manager<br />

Lipoid GmbH<br />

gischer Prozesse. Als amphiphiles („beides-liebendes“)<br />

Molekül kann sich Phosphatidylcholin sowohl mit Fetten<br />

als auch mit Wasser verbinden. Phosphatidylcholin kommt<br />

in relevanten Mengen in der Gallenflüssigkeit vor. Es erleichtert<br />

die Spaltung von Nahrungsfetten und lipophilen<br />

Nährstoffen in kleine Tröpfchen, sogenannte Mizellen,<br />

die erheblich besser von den Enterocyten aufgenommen<br />

werden können. Aufgrund seiner zwischen Wasser und<br />

Fett vermittelnden Wirkung ist es ebenfalls von essentieller<br />

Bedeutung für den Transport von lipophilen Stoffen<br />

im Blut und in der Lymphe. In Form der Chylomikronen,<br />

die eine Hülle aus Phosphatidylcholin besitzen, werden<br />

Nahrungsfette und fettlösliche Nährstoffe wie die<br />

Curcuminoide vom Dünndarm über die Lymphe in die Blutbahn<br />

sezerniert. Durch den Schutz vor einer vorzeitigen<br />

Hydrolyse, einer Verbesserung der Resorption und einer<br />

Unterstützung der systemischen Verteilung führt damit<br />

ebenfalls die Formulierung mit Phosphatidylcholin zu einer<br />

entscheidenden Steigerung der Bioverfügbarkeit der<br />

Wirkstoffe des Kurkumas (Abbildung 4). «<br />

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Referenzen:<br />

1. Orlowsky, E. W., & Kraus, V. B. (2015). The role of innate immunity in osteoarthritis:<br />

when our first line of defense goes on the offensive. The Journal<br />

of rheumatology, jrheum-140382.<br />

2. Fuchs, J., Kuhnert, R., & Scheidt-Nave, C. (2017). 12-Monats-Prävalenz von<br />

Arthrose in Deutschland.<br />

3. Tayyem, R. F., Heath, D. D., Al-Delaimy, W. K., & Rock, C. L. (2006). Curcumin<br />

content of turmeric and curry powders. Nutrition and cancer, 55(2), 126-131.<br />

4. Srivastava, S., Saksena, A. K., Khattri, S., Kumar, S., & Dagur, R. S. (2016).<br />

Curcuma longa extract reduces inflammatory and oxidative stress biomarkers<br />

in osteoarthritis of knee: a four-month, double-blind, randomized, placebocontrolled<br />

trial. Inflammopharmacology, 24(6), 377-388.<br />

5. Kuptniratsaikul, V., Dajpratham, P., Taechaarpornkul, W., Buntragulpoontawee,<br />

M., Lukkanapichonchut, P., Chootip, C., ... & Laongpech, S. (2014). Efficacy and<br />

safety of Curcuma domestica extracts compared with ibuprofen in patients<br />

with knee osteoarthritis: a multicenter study. Clinical Interventions in aging, 9, 451.<br />

6. Kharat, M., Du, Z., Zhang, G., & McClements, D. J. (2017). Physical and<br />

chemical stability of curcumin in aqueous solutions and emulsions: Impact<br />

of pH, temperature, and molecular environment. Journal of agricultural<br />

and food chemistry, 65(8), 1525-1532.<br />

7. Anand, P., Kunnumakkara, A. B., Newman, R. A., & Aggarwal, B. B. (2007).<br />

Bioavailability of curcumin: problems and promises. Molecular pharmaceutics,<br />

4(6), 807-818.<br />

8. Shoba 1<br />

, G., Joy 1<br />

, D., Joseph 1<br />

, T., Rajendran 2<br />

, M. M. R., & Srinivas 2<br />

, P. S. S. R.<br />

(1998). Influence of piperine on the pharmacokinetics of curcumin in animals<br />

and human volunteers. Planta medica, 64, 353-356.<br />

9. Sahebkar, A. (2015). The promise of curcumin–phosphatidylcholine complex<br />

for cardiometabolic diseases: more than just ‘more curcumin’. Natural product<br />

research, 29(5), 392-393.<br />

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LITHIUM –<br />

ein fast<br />

unbekanntes<br />

Spurenelement<br />

Bei Lithium denkt der Normalbürger am ehesten<br />

an die Batterie seines Handys und die Batterien in der<br />

immer mehr aufkommenden „Elektro-Mobilität“.<br />

In der Medizin scheint es nur für den Psychiater eine<br />

gewisse (aber untergeordnete) Bedeutung zu haben.<br />

Ein gewisses Waterloo erlebte die Psychiatrie und<br />

Psychotherapie 1949. Als ein australischer Psychiater,<br />

Dr. J. Cade, einen 51-jährigen Patienten<br />

(aus völlig falschen Gründen) 5 Tage mit Lithium<br />

fütterte. Nur 5 Tage. Der Patient war manisch depressiv,<br />

unkontrollierbar und deswegen schon seit 20 Jahren<br />

weggeschlossen.<br />

Dabei begannen sozusagen die wesentlichen wissenschaftlichen<br />

Erkenntnisse zum Lithium. Dank Lithium war<br />

er ab dem 6. Tag „normal“. Wurde 3 Monate später entlassen<br />

und ging nach Hause.<br />

1949 war dies zunächst ein Einzelfall.<br />

52 Nutrition-Press


Ernährung | Prävention<br />

Man setzt seither in der Psychiatrie Lithium insbesondere<br />

bei wiederkehrenden Depressionen ein. Dazu passt die<br />

Beobachtung, dass in Ländern mit niedrigem Lithiumgehalt<br />

im Trinkwasser die Selbstmordrate vergleichsweise<br />

hoch ist. Auch bei der Behandlung psychiatrischer Patienten<br />

findet man unter Lithium eine verminderte Selbstmordrate<br />

(während für übliche Depressionsmedikamente<br />

wiederholt über das Risiko einer erhöhten Selbstmordrate<br />

berichtet wird).<br />

Bei den von den Römern zur Depressionsbehandlung genutzten<br />

Thermalquellen hat man besonders hohe Gehalte<br />

an Lithium gefunden. Die Quelle Lithia Springs in den USA<br />

ist für ihren hohen Lithium-Gehalt bekannt - sie war bei<br />

den Ureinwohnern eine heilige Stätte und wurde von Mark<br />

Twain bis hin zu Präsident Roosevelt als Kurbad benutzt.<br />

Schon etwas interessanter wird es wenn man liest: Im<br />

menschlichen Körper findet man Lithium besonders in<br />

Lymphknoten, Gehirn und Knochenmark. Also wohl nicht<br />

nur Bedeutung für einzelne Depressionsfälle.<br />

die Lithium gerne dem Trinkwasser zufügen möchten.<br />

Lithium wird auch zur Stärkung von Immunsystems und<br />

Knochenmark eingesetzt, insbesondere bei verminderten<br />

weißen Blutkörperchen und als ergänzende Maßnahme in<br />

der Krebsbehandlung.<br />

Es gibt auch Berichte über eine Verbesserung der Bildung<br />

oder Wirkung von Serotonin (etwa auch bei Angstproblemen)<br />

und des Neurotransmitter Dopamin, eine günstige<br />

Wirkung bei Migräne (wo wiederholt Menschen so oft<br />

Schmerztabletten einnehmen, dass es zu einem durch diese<br />

vielen Tabletten verursachten Kopfschmerzmittel-Kopfschmerz<br />

kommt,) und dem zwar seltenen aber sehr intensiven<br />

Horton-Kopfschmerz. Neuerdings wird auch über<br />

eine ergänzende günstige (neuroprotektive) Wirkung bei<br />

Erkrankungen von Gehirn und Nervensystem berichtet.<br />

Für Prof. Ristow in Jena ist Lithium schon seit einigen<br />

Jahren (wegen seiner Bedeutung für die sogenannten Foxo-Proteine)<br />

das beste Anti-Aging-Mittel, das er kennt.<br />

Inzwischen fand man auch, dass in Gegenden mit hohem<br />

Lithium-Gehalt im Trinkwasser die durchschnittliche Lebenserwartung<br />

höher war. Und im August 2017 publizierte<br />

der dänische Psychiater Lars Kessing, dass das Demenzrisiko<br />

in einer Region davon abhängt, wie hoch dort der Lithium-Gehalt<br />

im Trinkwasser ist. Dabei benötigt man für eine<br />

gute Wirkung Lithium-Mengen (von 2-3mg am Tag), die gerade<br />

einmal etwa ein Hundertstel der normalerweise für<br />

die Depressionstherapie verwendeten Mengen betragen<br />

(in so hohen Mengen sind auch eine bremsende Wirkung<br />

auf die Schilddrüse und Überdosierungsprobleme möglich,<br />

sodass in der Depressionsbehandlung Lithium-Blutspiegelmessungen<br />

erfolgen). Da der Lithium-Gehalt im<br />

Trinkwasser und unserer Ernährung (wie „Bio“ ist unsere<br />

Nahrung?) deutlich schwanken kann, gibt es Stimmen,<br />

Im Ausland gibt es Nahrungsergänzungsmittel mit Lithium<br />

in unterschiedlichen Dosierungen. Alternativ kann man<br />

auch ein lithiumreiches Trinkwasser nehmen «<br />

Autor<br />

Fotos: isoarska –<br />

Fotolia (S. 53), pixabay<br />

Dr. med.<br />

Klaus-Georg Wenzel<br />

Facharzt für Neurologie<br />

und Psychiatrie<br />

Nutrition-Press 53


Tipps für das<br />

neue Steuerjahr –<br />

Das ändert sich 2019!<br />

Wie in jedem Jahr, werden sich auch 2019 wieder zahlreiche Rechengrößen<br />

im Steuer- und Sozialversicherungsrecht ändern: Familien dürfen<br />

sich über etwas mehr Kindergeld freuen. Bei Erwachsenen werden erst<br />

ab einem zu versteuernden Einkommen von mehr als 9.168 Euro im<br />

Jahr Einkommensteuern fällig. Beiträge zur Rentenversicherung können<br />

steuerlich besser abgesetzt werden, Neurentner müssen hingegen einen<br />

höheren Anteil ihrer Rente versteuern. Der Zahlencheck im Überblick:<br />

Darüber hinaus ergeben sich aufgrund diverser Gesetzesänderungen,<br />

Verwaltungsanweisungen und<br />

Urteile Neuerungen, die Steuerzahler beachten<br />

sollten:<br />

Mehr Zeit für die Steuererklärung: Für die Einkommensteuererklärung,<br />

die das Jahr <strong>2018</strong> zum Inhalt hat, gibt es<br />

zwei Monate mehr Zeit. Das heißt, die Steuererklärung für<br />

das Jahr <strong>2018</strong> muss bis spätestens 31. Juli 2019 beim Finanzamt<br />

eintreffen. Bisher galt der 31. Mai als Stichtag.<br />

Wird die Erklärung mit Hilfe eines Beraters eingereicht,<br />

verlängert sich die Frist ebenfalls um zwei Monate, also<br />

bis zum 28. Februar 2020.<br />

Das steuerfreie Jobticket ist wieder da! Der Staat unterstützt<br />

das umweltfreundliche Verhalten auf dem Weg<br />

zur Arbeit. Erhalten Beschäftigte von ihrem Arbeitgeber<br />

Tickets oder Zuschüsse für den öffentlichen Nahverkehr,<br />

ist das künftig wieder steuerfrei. Eine entsprechende Regelung<br />

gab es bereits bis Ende 2003. Voraussetzung ist,<br />

dass das Ticket bzw. der Zuschuss zusätzlich zum ohnehin<br />

vereinbarten Arbeitslohn gewährt wird. Weil das Ticket<br />

bzw. die Zuschüsse steuerfrei sind, muss die Entfernungspauschale<br />

bei den Arbeitnehmern in der Einkommensteuererklärung<br />

entsprechend gekürzt werden.<br />

Dienstrad wird steuerfrei: Erhält der Arbeitnehmer –<br />

zusätzlich zum ohnehin geschuldeten Arbeitslohn – ein<br />

Dienstfahrrad, das er auch privat nutzen darf, braucht<br />

54 Nutrition-Press


Recht<br />

der geldwerte Vorteil für die Überlassung in Zukunft nicht<br />

mehr versteuert werden. Die Regelung gilt für alle Fahrräder<br />

und Elektrofahrräder. Ausgenommen von der Begünstigung<br />

sind lediglich Elektrofahrräder, die verkehrsrechtlich<br />

als Kraftfahrzeug eingeordnet werden (d. h. der Motor<br />

unterstützt eine Geschwindigkeit über 25 km/h).<br />

Höhere Umzugskosten absetzbar: Wer jobbedingt die<br />

Wohnung wechselt, hat gute Chancen, dadurch seine<br />

Steuern zu reduzieren. Neben Einzelkosten, etwa für einen<br />

Makler, Fahrtkosten oder Kosten für die Spedition, ist<br />

zusätzlich ein Pauschbetrag für „sonstige Umzugskosten“<br />

abziehbar. Für Umzüge, die ab dem 1. April 2019 abgeschlossen<br />

werden, gelten höhere Pauschalen. Benötigen<br />

die Kinder Nachhilfeunterricht, weil die neue Schule weiter<br />

im Unterrichtsstoff ist oder andere Schwerpunkte<br />

setzt, können auch diese Kosten – bis zu einem Höchstbetrag<br />

– steuerlich geltend gemacht werden. Details enthält<br />

das BMF-Schreiben vom 21. September <strong>2018</strong>.<br />

Elektro-Dienstwagen wird privilegiert: Bei elektrisch betriebenen<br />

Dienstwagen, die auch privat genutzt werden<br />

dürfen, kann die private Nutzung auch weiterhin mit der<br />

pauschalen 1%-Methode berechnet werden, allerdings bezogen<br />

auf den halbierten Bruttolistenpreis des Fahrzeugs!<br />

Das dürfte Einiges an Steuern sparen. Die Änderung gilt<br />

für Elektro- und schadstoffarme Hybridelektrofahrzeuge,<br />

die im Zeitraum vom 1. Januar 2019 bis 31. Dezember<br />

2021 angeschafft oder geleast werden. Für vor oder nach<br />

diesem Zeitraum angeschaffte Fahrzeuge gilt die bisherige<br />

Regelung zum Nachteilsausgleich für die E-Fahrzeuge<br />

weiter. Neben der pauschalen 1%-Regelung mit halbiertem<br />

Bruttolistenpreis bleibt auch die Fahrtenbuchmethode<br />

weiterhin möglich. Hier sind dann entsprechend die Leasing-<br />

oder Mietkos ten bzw. die AfA ebenfalls nur zur Hälfte<br />

zu berücksichtigen.<br />

Gesundheitsförderung nur noch mit Zertifikat: Bestimmte<br />

Arbeitgeberleistungen zur Verbesserung des Gesundheitszustandes<br />

bis zu 500 Euro im Jahr können steuerfrei<br />

bleiben. Künftig sind Leistungen des Arbeitgebers zur verhaltensbezogenen<br />

Prävention nur noch steuerfrei, wenn<br />

diese entsprechend zertifiziert sind. Die Regelung gilt ab<br />

dem Veranlagungszeitraum 2019.<br />

Neue Umsatzsteuerregeln für Gutscheine: Bei Gutscheinen<br />

wird im Umsatzsteuerrecht die Unterscheidung<br />

zwischen Wertgutscheinen und Warengutscheinen<br />

aufgegeben. Stattdessen soll eine Unterscheidung nach<br />

Einzweck- und Mehrzweck-Gutschein erfolgen: Steht bereits<br />

bei Gutscheinausstellung der Ort der Leistung und<br />

die für den Umsatz geschuldete Steuer fest, handelt es<br />

sich um einen Einzweck-Gutschein. Hier muss der Unternehmer<br />

die Umsatzsteuer bereits bei Verkauf des Gutscheins<br />

an das Finanzamt abführen. Die spätere Einlösung<br />

des Gutscheins ist folgerichtig dann nicht mehr steuerbar.<br />

Bei allen anderen Gutscheinen – bei denen zum Zeitpunkt<br />

der Ausstellung nicht alle Informationen zur Bestimmung<br />

der Umsatzsteuer vorliegen – handelt es sich um Mehrzweck-Gutscheine.<br />

Hier unterliegt erst die Einlösung des<br />

Gutscheins der Umsatzsteuer. Die Änderung gilt für alle<br />

Gutscheine, die nach dem 31. Dezember <strong>2018</strong> ausgegeben<br />

werden. Für Gutscheine, die davor verkauft wurden,<br />

bleibt es bei den bisherigen Regeln.<br />

Schärfere Regeln für elektronische Marktplätze und Online-Händler:<br />

Künftig sind Betreiber von elektronischen<br />

Marktplätzen verpflichtet, Aufzeichnungen über die Umsätze<br />

zu führen, die Dritte über den Marktplatz abwickeln.<br />

Versteuern die Dritten die Umsätze nicht korrekt, wird der<br />

elektronische Marktplatzbetreiber in Haftung genommen.<br />

Der liefernde Unternehmer hat gegenüber dem Marktplatzbetreiber<br />

durch eine vom Finanzamt ausgestellte Bescheinigung<br />

nachzuweisen, dass er steuerlich registriert<br />

ist. Grundsätzlich treten die beschriebenen Änderungen<br />

für Onlinemarktplätze am 1. Januar 2019 in Kraft. Für die<br />

Haftung gibt es eine gestufte Anwendungsregel: Für im<br />

Nutrition-Press 55


Drittland (nicht EU bzw. EWS-Raum) ansässige Unternehmer<br />

ist die Haftungsregelung für Geschäfte, die nach dem<br />

28. Februar 2019 abgeschlossen werden, anzuwenden.<br />

Für alle anderen Verkäufe greift die Haftung erst für Geschäfte<br />

ab 1. Oktober 2019.<br />

Neue Größenklassen für Betriebsprüfungen: Ab dem<br />

1. Januar 2019 gelten neue Größenklassen für die Betriebsprüfung.<br />

Die Einordnung ist wichtig, da Umfang und<br />

Häufigkeit einer Betriebsprüfung von den Größenklassen<br />

abhängen. Mit BMF-Schreiben vom 13. April <strong>2018</strong> hat<br />

die Finanzverwaltung die Werte leicht erhöht und damit<br />

dem allgemein gestiegenen Wirtschaftsniveau Rechnung<br />

getragen.<br />

Autorin<br />

Dr. Isabel Klocke<br />

Leiterin der Abteilung Steuerrecht<br />

und Steuerpolitik<br />

beim Bund der Steuerzahler<br />

Deutschland e. V.<br />

Reform der Grundsteuer angekündigt: Die Berechnung<br />

der Grundsteuer muss auf eine neue Basis gestellt werden,<br />

denn die bisherige Grundstücksbewertung hat das<br />

Bundesverfassungsgericht im April <strong>2018</strong> für verfassungswidrig<br />

erklärt. Die geltenden Einheitswerte für Grundstücke<br />

gehen auf Bewertungsstichtage zum 1. Januar 1964<br />

bzw. 1. Januar 1935 in den neuen Bundesländern zurück.<br />

Diese Bewertung ist zu alt, entschied das Bundesverfassungsgericht<br />

und hat dem Gesetzgeber aufgegeben, bis<br />

spätestens zum 31. Dezember 2019 eine Neuregelung zu<br />

beschließen. Bundestag und Bundesrat müssen sich also<br />

2019 auf eine Reform verständigen. Grundstückseigentümer<br />

und Mieter sollten das Geschehen im Auge behalten. «<br />

Fotos: pure-life-pictures – Fotolia (S. 54), fotogestoeber – Fotolia (S. 56)<br />

Zahlencheck 2019<br />

Höherer Grundfreibetrag:<br />

Es bleibt mehr Einkommen steuerfrei.<br />

Kindergeld steigt um 10 Euro im Monat –<br />

aber erst ab 1. Juli 2019<br />

Kinderfreibetrag steigt um 192 Euro<br />

je Elternpaar<br />

Höhere Unterhaltszahlungen (z. B. an Kinder<br />

ohne Kindergeldanspruch) absetzbar<br />

Gesetzlicher Mindestlohn steigt<br />

Höherer Steueranteil für Neurentner 2019:<br />

Steuerfreier Anteil der Rente sinkt<br />

9.168 Euro (<strong>2018</strong>: 9.000 Euro)<br />

204 Euro für erstes und zweites Kind<br />

210 Euro für drittes Kind<br />

235 Euro für jedes weitere Kind<br />

7.620 Euro (<strong>2018</strong>: 7.428 Euro)<br />

9.168 Euro (<strong>2018</strong>: 9.000 Euro)<br />

9,19 Euro/h (<strong>2018</strong>: 8,84 Euro/h)<br />

Es bleiben nur noch 22 Prozent der ersten<br />

vollen Bruttojahresrente steuerfrei<br />

(<strong>2018</strong>: 24 Prozent)<br />

Quelle: Bund der Steuerzahler Deutschland e. V.<br />

56 Nutrition-Press


Recht<br />

BGH versalzt die Suppe<br />

Märchen haben meistens ein Happy End. Es sei denn, sie handeln von der<br />

Health-Claims-Verordnung, also der Verordnung (EG) Nr. 1924/2006, einem<br />

die Lebensmittelwerbung bedrohenden regulatorischen Monstrum, von dem<br />

allerdings zu Grimms Zeiten wohl niemand zu träumen wagte. Einer als „mild<br />

gesalzen“ bezeichneten „Märchensuppe“, die vor Gericht an den Vorschriften<br />

der Health-Claims-Verordnung gemessen wurde, war nun jedenfalls kein Happy<br />

End beschieden. Diese Erfahrung musste die Maggi GmbH als Vertreiberin einer<br />

solchen Trockensuppe (umgangssprachlich: „Tütensuppen“) machen.<br />

Maggi vertrieb als „Märchensuppe“, „Seepferdchensuppe“<br />

und „Sternchensuppe“ bezeichnete<br />

Produkte mit der auf der Vorderseite der<br />

Verpackung aufgebrachten Angabe „Mild gesalzen<br />

– voller Geschmack“. Diese Produkte wiesen einen<br />

Salzgehalt von 0,6 g, 0,7 g und 0,8 g je 100 ml auf. Alle drei<br />

Produkte enthielten mehr als 0,12 g Natrium je 100 ml.<br />

Der Bundesverband der Verbraucherzentralen und Verbraucherverbände<br />

störte sich an der Aufmachung dieser<br />

„Kinder-Tütensuppen“. Trotz der Aussage „Mild gesalzen“<br />

enthielten die Suppen keineswegs besonders wenig Salz,<br />

so das Argument der Verbraucherschützer. Sie seien nur<br />

etwas weniger gesalzen als herkömmliche Tütensuppen.<br />

Gemäß Health-Claims-Verordnung seien die nährwertbezogene<br />

Angabe „kochsalzarm“ oder vergleichbare Werbeaussagen<br />

nur für Lebensmittel zulässig, die nicht mehr als<br />

0,12 Gramm Natrium oder 0,3 Gramm Kochsalz pro 100<br />

Milliliter enthalten. In den „mild gesalzenen“ Kindersuppen<br />

sei jedoch mindestens das Doppelte dieser Menge<br />

enthalten.<br />

Nachdem eine auf diese Argumentation gestützte<br />

Abmahnung ohne Erfolg blieb, landete<br />

der Fall bei Gericht. Das Landgericht<br />

Konstanz wies die Klage ab. Das<br />

Oberlandesgericht Karlsruhe gab<br />

dagegen in der Berufung den<br />

Verbraucherschützern recht.<br />

Diese Entscheidung wurde<br />

vom Bundesgerichtshof<br />

(Urteil vom 18.05.2017, I<br />

ZR 100/16) bestätigt.<br />

Nutrition-Press 57


Die vom Kläger erhobenen Ansprüche auf Unterlassung<br />

der beanstandeten Werbeaussagen seien nach §§ 8, 3, 4<br />

Nr. 11 UWG aF, §§ 8, 3, 3a UWG in Verbindung mit Art. 8<br />

Abs. 1 und Art. 9 Abs. 1 Satz 2 der Health-Claims-Verordnung<br />

begründet, so der BGH.<br />

Die Beurteilung des Berufungsgerichts, bei der beanstandeten<br />

Angabe handele es sich um eine nährwertbezogene<br />

Angabe im Sinne des Art. 2 Abs. 2 Nr. 4 der<br />

Health-Claims-Verordnung, sei zutreffend. Nährwertbezogene<br />

Angabe in diesem Sinne sei jede Angabe, mit der<br />

erklärt, suggeriert oder auch nur mittelbar zum Ausdruck<br />

gebracht wird, dass ein Lebensmittel aufgrund der Energie<br />

(des Brennwerts), die es liefert, in vermindertem oder erhöhtem<br />

Maße liefert oder nicht liefert, oder aufgrund der<br />

Nährstoffe oder anderen Substanzen, die es enthält, in<br />

verminderter oder erhöhter Menge enthält oder nicht enthält,<br />

besondere positive Nährwerteigenschaften besitzt.<br />

Im Unterschied zu gesundheitsbezogenen Angaben, mit<br />

denen ein Zusammenhang zwischen einem Lebensmittel<br />

oder einem seiner Bestandteile und dem gesundheitlichen<br />

Wohlbefinden hergestellt wird, beziehen sich nährwertbezogene<br />

Angaben auf die Menge an Nährstoffen, anderen<br />

Substanzen oder Energie, die in einem Lebensmittel enthalten<br />

sind. Vor allem solche Angaben seien als nährwertbezogen<br />

anzusehen, die sich unmittelbar auf die Energie,<br />

die das Lebensmittel liefert, oder die in diesem enthaltenen<br />

Inhaltsstoffe mit ernährungsbezogener Wirkung beziehen.<br />

Dazu zählten auch solche Angaben, die (nur) eine<br />

Sachinformation in Bezug auf einen bestimmten Nährstoff<br />

vermitteln.<br />

Ob die Angabe "Mild gesalzen – voller Geschmack" vom<br />

Durchschnittsverbraucher mit der Angabe "natriumarm/<br />

kochsalzarm" gleichgesetzt oder im Sinne von "weniger<br />

gesalzen" verstanden wird, sei gleichgültig. Denn in beiden<br />

Fällen handele es sich um eine nährwertbezogene Angabe,<br />

weil jeweils eine Aussage über den Kochsalzgehalt<br />

des Produkts getroffen wird. Und in beiden Fällen läge ein<br />

Verstoß gegen die Health-Claims-Verordnung vor.<br />

Für den Fall, dass die Angabe "Mild gesalzen - voller Geschmack"<br />

vom Durchschnittsverbraucher mit der Angabe<br />

"natriumarm/kochsalzarm" gleichgesetzt wird, sei ein<br />

Verstoß gegen Art. 8 Abs. 1 der Health-Claims-Verordnung<br />

gegeben. Nach dieser Norm dürfen nährwertbezogene<br />

Angaben nur gemacht werden, wenn sie im Anhang der<br />

Health-Claims-Verordnung aufgeführt sind und den in dieser<br />

Verordnung festgelegten Bedingungen entsprechen.<br />

Im Anhang der Verordnung ist geregelt, dass die Angabe,<br />

ein Lebensmittel sei natriumarm/kochsalzarm, sowie<br />

jegliche Angabe, die für den Verbraucher voraussichtlich<br />

dieselbe Bedeutung hat, nur zulässig ist, wenn das Produkt<br />

nicht mehr als 0,12 g Natrium oder den gleichwertigen<br />

Gehalt an Salz pro 100 g bzw. 100 ml enthält. Dieser<br />

Grenzwert wurde bei der „Märchensuppe“ unstreitig überschritten,<br />

so dass in dieser Variante des Verbraucherverständnisses<br />

ein Verstoß gegen die Health-Claims-Verordnung<br />

gegeben wäre.<br />

Für den Fall, dass der Verkehr die Angabe "Mild gesalzen –<br />

voller Geschmack" im Sinne von "weniger gesalzen" versteht,<br />

läge ein Verstoß gegen Art. 9 Abs. 1 Satz 2 der Health-<br />

Claims-Verordnung vor. Der in Art. 8 Abs. 1 der Verordnung<br />

in Bezug genommene Anhang bestimme nämlich unter der<br />

Überschrift "REDUZIERTER [NAME DES NÄHRSTOFFS]-<br />

ANTEIL", dass die Angabe, der Gehalt an einem oder mehreren<br />

Nährstoffen sei reduziert worden, sowie jegliche<br />

Angabe, die für den Verbraucher voraussichtlich dieselbe<br />

Bedeutung hat, nur zulässig ist, wenn die Reduzierung des<br />

Anteils mindestens 30% gegenüber einem vergleichbaren<br />

Produkt ausmacht; ausgenommen sind Mikronährstoffe,<br />

für die ein 10%iger Unterschied im Nährstoffbezugswert<br />

gemäß der Richtlinie 90/496/EWG akzeptabel ist, sowie<br />

Natrium oder der entsprechende Gehalt an Salz, für das<br />

ein 25%iger Unterschied akzeptabel ist.<br />

Zugunsten von Maggi ging der BGH davon aus, dass die<br />

umstrittenen Kinder-Tütensuppen einen hinreichenden<br />

Unterschied im Natriumgehalt gegenüber vergleichbaren<br />

Produkten aufweisen. Dies ändere aber nichts an einem<br />

Verstoß, da eine nährwertbezogene Angabe über einen<br />

reduzierten Nährstoffanteil, die die im Anhang der Health-Claims-Verordnung<br />

genannten Bedingungen einhält,<br />

zusätzlich den Anforderungen des Art. 9 Abs. 1 Satz 2<br />

dieser Verordnung unterliegt. Diese seien bei der „Märchensuppe“<br />

aber nicht eingehalten. Gemäß dieser Vorschrift<br />

ist ein Vergleich nur zwischen Lebensmitteln derselben<br />

Kategorie und unter Berücksichtigung einer Reihe<br />

von Lebensmitteln dieser Kategorie zulässig. Außerdem<br />

ist der Unterschied in der Menge eines Nährstoffs und/<br />

oder im Brennwert anzugeben, und der Vergleich muss<br />

sich auf dieselbe Menge des Lebensmittels beziehen.<br />

Maggi machte geltend, im Falle einer nährwertbezogenen<br />

Angabe über einen reduzierten Nährstoffanteil handele es<br />

sich nicht um einen „Vergleich“ im Sinne des Art. 9 Abs.<br />

1 der Health-Claims-Verordnung, weil die Angabe keine<br />

Wettbewerbsprodukte erkennbar mache.<br />

Diesem Argument folgte der BGH nicht. Der Begriff der<br />

vergleichenden Angabe im Sinne des Art. 9 der Health-Claims-Verordnung<br />

sei nicht gleichbedeutend mit<br />

dem Begriff der vergleichenden Werbung im Sinne des<br />

Art. 2 Buchst. c der an die Stelle der Richtlinie 84/450/<br />

EWG getretenen Richtlinie 2006/114/EG über irreführende<br />

und vergleichende Werbung. „Vergleichende Werbung“<br />

im Sinne dieser Richtlinie sei eine Werbung, die den Vergleich<br />

des eigenen Produkts des Werbenden mit Produkten<br />

von Wettbewerbern zum Gegenstand hat.<br />

Die Health-Claims-Verordnung diene dazu, mit Blick auf<br />

nährwert- und gesundheitsbezogene Angaben ein hohes<br />

Verbraucherschutzniveau zu gewährleisten und dem<br />

58 Nutrition-Press


Recht<br />

Verbraucher die Wahl zwischen Produkten zu erleichtern.<br />

Das Erfordernis, den Verbraucher zutreffend über in Lebensmitteln<br />

enthaltene Nährstoffe und ihre Auswirkungen<br />

auf die Gesundheit zu informieren, bestehe unabhängig<br />

davon, ob die Vergleichsprodukte in der Angabe erkennbar<br />

gemacht werden. Zudem sei der Vergleich nach<br />

Art. 9 Abs. 1 Satz 1 der Health-Claims-Verordnung nur<br />

zwischen Lebensmitteln derselben Kategorie und unter<br />

Berücksichtigung einer Reihe von Lebensmitteln dieser<br />

Kategorie zulässig und in den Vergleich eine Reihe von<br />

Lebensmitteln derselben Kategorie, darunter auch Lebensmittel<br />

anderer Marken, einzubeziehen. Hieraus folge,<br />

dass auch Lebensmittel desselben Herstellers in den<br />

Vergleich einbezogen werden können, sofern sie unter<br />

einer anderen Marke vertrieben werden. Der Begriff der<br />

vergleichenden Angabe im Sinne des Art. 9 Abs. 1 der<br />

Health-Claims-Verordnung sei daher nicht ausschließlich<br />

mit Blick auf Produkte von Wettbewerbern zu verstehen.<br />

Eine vergleichende Angabe liege vielmehr bereits dann<br />

vor, wenn sie auf einen erhöhten oder verminderten Nährstoffgehalt<br />

hinweist, ohne Vergleichsprodukte zu benennen.<br />

Art. 9 der Health-Claims-Verordnung sei daher auch<br />

dann anwendbar, wenn eine Angabe – wie im Streitfall –<br />

Unterschiede im Brennwert oder Gehalt von Nährstoffen<br />

benennt, jedoch Produkte von Mitbewerbern nicht erkennbar<br />

macht.<br />

Autor<br />

Thomas Bruggmann, LL.M.<br />

Rechtsanwalt<br />

durch die rechtliche Hintertür bürokratischen Anforderungen<br />

an die Kennzeichnung unterworfen, die wenig praktikabel<br />

sind und deren Nutzen für die Verbraucher fragwürdig<br />

scheint. Als Lebensmittelunternehmer kann man<br />

angesichts solcher Rechtsprechung durchaus zum „Rumpelstilzchen“<br />

werden. «<br />

Mit freundlicher Genehmigung der<br />

Redaktion der INGER Verlagsgesellschaft mbH<br />

Fotos: bastelheld – Fotolia (S. 57), fovito – Fotolia (S. 59)<br />

Einen Verstoß gegen Art. 9 Abs. 1 Satz 2 der<br />

Health-Claims-Verordnung sah der BGH im Fall der<br />

„Märchensuppe“ darin, dass die nach dieser Vorschrift<br />

erforderlichen Pflichtangaben nicht im Zusammenhang<br />

mit der auf der Vorderseite der Verpackungen<br />

befindlichen Angabe „mild gesalzen – voller Geschmack“<br />

erfolgt sind. Der Verbraucher müsse<br />

die Angabe klar und deutlich erkennen können.<br />

Eine Angabe auf der Rückseite der Verpackung<br />

reiche nicht aus, wenn kein Hinweis<br />

darauf im Zusammenhang mit der auf der<br />

Vorderseite der Verpackung befindlichen<br />

Angabe erfolge. Der Verbraucher werde<br />

angesichts einer auf der Verpackungsvorderseite<br />

hervorgehobenen, im unmittelbaren<br />

räumlichen Zusammenhang nicht<br />

weiter erläuterten Angabe zum reduzierten<br />

Nährstoffgehalt im Unklaren über das Maß<br />

der Nährstoffreduktion gelassen. Ohne einen<br />

in Verbindung mit der Angabe gegebenen Hinweis<br />

darauf, an welcher Stelle der Verpackung<br />

diesbezügliche Zusatzinformationen zu finden<br />

sind, sei nicht sichergestellt, dass der Verbraucher<br />

die Informationen auffindet.<br />

Die „Märchensuppe“-Entscheidung des BGH bestätigt<br />

wieder einmal, dass man sich im regulatorischen Dickicht<br />

der Health-Claims-Verordnung schneller verlaufen<br />

kann als Hänsel und Gretel im Märchenwald. Selbst harmlos<br />

erscheinende Aussagen wie „mild gesalzen“ werden<br />

Nutrition-Press 59


Nachhaltig<br />

gut finanziert!<br />

Investitionen und Fördermittel<br />

Pro Jahr stellen EU, Bund und Länder Fördermittel in Milliardenhöhe für den<br />

Mittelstand bereit. Allein die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) hat als<br />

nur eine von über 180 Vergabestellen in Deutschland vergangenes Jahr 21,9<br />

Mrd. Euro für unternehmerische Projekte ausgeschüttet. Dennoch heißt es in<br />

Unternehmerkreisen „Die Fördertöpfe sind leer“, „Mein Projekt ist ohnehin<br />

nicht förderfähig“ oder „Die Antragstellung dauert zu lang“. Klaus Weiler,<br />

Vorstandssprecher des Bundesverbandes deutscher Fördermittel-Berater e.V.<br />

(BvdFB), meint, diese Vorurteile sind schlichtweg falsch. Wir haben mit ihm<br />

über Fördermittel, ihre Vorteile und die Antragsstellung gesprochen.<br />

Redaktion: Herr Weiler, Sie beraten seit über<br />

30 Jahren Unternehmen in Sachen öffentliche<br />

Fördermittel und sind in dieser Zeit über viele<br />

Vorurteile gestolpert. Welches sind die klassischen<br />

Vorurteile, mit denen Sie konfrontiert<br />

werden?<br />

Klaus Weiler: Vorurteile gegenüber öffentlichen Mitteln<br />

gibt es viele. So sind die meisten Unternehmen überzeugt,<br />

sie seien zu jung, das Vorhaben sei nicht förderfähig, für<br />

ihre Branche gäbe es keine Fördermittel, die Fördertöpfe<br />

seien leer, die Antragstellung dauere zu lange und lohne<br />

sich nicht oder Unternehmen in Schwierigkeiten erhielten<br />

per se keine Fördermittel.<br />

Tatsächlich jedoch sind über 80 % aller geplanten Investitionen<br />

förderfähig und da reden wir nicht nur von einer Handvoll<br />

von Projekten. Existenzgründung, Unternehmensnachfolge<br />

und Übernahme, betriebliche Investitionen (bspw. der<br />

Erwerb von Grundstücken und Immobilien, Neubau- und<br />

Umbaumaßnahmen, die Anschaffung von Maschinen und<br />

Anlagen oder Ausstattung), Betriebsmittel (bspw. Lohnkosten,<br />

Marketing oder Schulungsmaßnahmen), Forschung<br />

und Entwicklung, Innovationen, Umwelt- und Energieeffizienzmaßnahmen,<br />

Materialeffizienz und Beratungen – all<br />

diese Dinge können mit Hilfe öffentlicher Mittel finanziert<br />

werden, unabhängig davon, ob die Unternehmen im<br />

60 Nutrition-Press


Recht<br />

produzierenden Gewerbe, im<br />

Handel, im Handwerk, in den<br />

freien Berufen oder in sonstigen<br />

Dienstleistungen tätig sind. Das gilt<br />

also auch für Hersteller und Verkäufer von<br />

Nahrungsergänzungsmitteln.<br />

Am Ende hängt die Frage, ob eine Finanzierung gewährt<br />

wird, oder nicht, immer von mehreren Faktoren ab. Nicht<br />

nur das Vorhaben und die Branche sind entscheidend, sondern<br />

auch der Standort, an dem die Investition oder das<br />

Vorhaben durchgeführt werden soll, die Unternehmensgröße<br />

und die Unternehmerpersönlichkeit. Es können sogar<br />

Vorhaben deutscher Unternehmen im Ausland gefördert<br />

werden.<br />

Was sind denn die Vorteile öffentlicher Mittel?<br />

Meist werden Fördermittel in Form von zinsverbilligten Förderdarlehen<br />

ausgegeben. Sie sind gegenüber banküblichen<br />

Krediten und Darlehen mit deutlich besseren Konditionen<br />

verknüpft und bieten mitunter Zinssätze von unter 1 % und<br />

eine feste Zinsbindung zum Teil bis über die gesamte Laufzeit.<br />

Lange Laufzeiten von bis zu 30 Jahren und bis zu 7<br />

tilgungsfreie Anlaufjahre machen sie für Unternehmen besonders<br />

interessant.<br />

Außerdem reduzieren – je nach Förderprogramm – Haftungsfreistellungen<br />

von bis zu 80 % das Risiko für die Hausbanken<br />

und vereinfachen Unternehmen den Zugang zu den<br />

Fördermitteln. Bei fehlenden Sicherheiten sind öffentliche<br />

Bürgschaften der EU, des Bundes und der Länder oder<br />

durch Bürgschaftsbanken möglich. Subventionen und Zuschüsse,<br />

von Unternehmen auch verlorene Zuschüsse genannt,<br />

müssen darüber hinaus nicht zurückgezahlt werden.<br />

Das klingt recht umfangreich. Was hieße<br />

das in der Praxis?<br />

Angenommen, ein mittelständisches Unternehmen, das<br />

Nahrungsergänzungsmittel produziert, möchte 750.000<br />

Euro in neue Anlagen und Maschinen investieren. In diesem<br />

Zusammenhang sollen zudem mehrere Maßnahmen zur<br />

Wärmerückgewinnung umgesetzt werden, um den Energieverbrauch<br />

zu senken und Kosten einzusparen. Ein geeignetes<br />

Förderdarlehen hat bei einer Laufzeit und Zinsbindung<br />

von 10 Jahren aktuell einen Zinssatz ab 1,35 % nominal. Die<br />

ersten 2 Jahre sind tilgungsfrei, das heißt in diesen 2 Jahren<br />

muss der Unternehmer monatlich nur die Zinsen von<br />

843 Euro zahlen. Die vierteljährliche Tilgung beginnt erst ab<br />

dem 3. Jahr – also 25 Monate nach Kreditauszahlung. Ein<br />

weiteres extra für die Umsetzung von Querschnittstechnologien<br />

konzipiertes Förderprogramm würde – unter gewissen<br />

Voraussetzungen – sogar Zuschüsse in Höhe von max.<br />

100.000 Euro ermöglichen. Sie sehen, in manchen Fällen<br />

können Förderdarlehen, Subventionen und Zuschüssen<br />

auch miteinander kombiniert werden.<br />

Was muss man bei der Antragsstellung<br />

beachten?<br />

Zur Antragsstellung sei zunächst einmal gesagt: Ja, sie ist<br />

durchaus kniffelig. Bei über 1.200 Förderprogrammen gibt<br />

es viele gesetzliche Bestimmungen, verschiedene Richtlinien<br />

und Vorgaben, die beachtet werden müssen. Zumal<br />

sich gerade die Richtlinien regelmäßig ändern. Da kann<br />

man als Unternehmen schnell ins Schwimmen geraten.<br />

Empfehlenswert ist deshalb die Unterstützung durch einen<br />

qualifizierten Fördermittel-Berater. So kann sich der Unternehmer<br />

auf das Tagesgeschäft konzentrieren und wird bei<br />

der Analyse der geeigneten Förderprogramme und der Beantragung<br />

entlastet.<br />

Grundsätzlich gilt allerdings: Erst die Antragstellung, dann<br />

die Bestellung oder der Kauf. Sonst wird der Antrag schon<br />

im ersten Schritt abgelehnt. In einigen Fällen erfordert die<br />

Umsetzung des Vorhabens sogar das Vorliegen des Bewilligungsbescheids.<br />

Vorher darf der Unternehmer nicht tätig<br />

werden.<br />

Wo finden Unternehmen den passenden<br />

Fördermittel-Berater?<br />

Unterstützung bei der Suche nach dem passenden Berater<br />

bietet der BvdFB. Unter den Verbandsmitgliedern befinden<br />

sich nur zertifizierte Fördermittel-Berater, die alle Qualitätsstandards<br />

des Verbandes erfüllen, regelmäßig geschult<br />

werden und die Unternehmen umfassend betreuen.<br />

Nutrition-Press 61


Sie sprechen von einer umfassenden<br />

Betreuung. Wie muss man sich diese<br />

Betreuung vorstellen?<br />

Eine umfassende Betreuung reicht von der individuellen<br />

Analyse der geeigneten Förderprogramme, über die Antragstellung<br />

und die Gespräche mit Banken und Vergabestellen,<br />

bis hin zur Dokumentation im Nachgang.<br />

In der Regel ist dem Unternehmer nicht geholfen, wenn er<br />

nur eine Auswahl an Förderprogrammen erhält und dann<br />

mit dieser Auswahl alleine gelassen wird. Da ihm das nötige<br />

Know-how fehlt, weiß er nicht, was es bei der Beantragung<br />

zu beachten gilt und ist somit bereits in erster Instanz zum<br />

Scheitern verurteilt.<br />

Sie möchten mehr zu Fördermitteln der<br />

EU, des Bundes und der Länder erfahren?<br />

Besuchen Sie die Website des BvdFB:<br />

www.bvdfb.de<br />

oder kontaktieren Sie dessen Experten:<br />

Tel.: 030/2 02 36 90 30<br />

oder per E-Mail: info@bvdfb.de<br />

Ein qualifizierter Fördermittel-Berater kennt jedoch die Risiken<br />

und Hürden bei der Antragsstellung. Er kennt sämtliche<br />

Förderprogramme und weiß um die korrekte Anwendung<br />

und Umsetzung der jeweiligen, aktuellen Richtlinien.<br />

Durch fundiertes Branchenwissen und Kenntnisse<br />

um die Tätigkeitsfelder und die individuellen<br />

Bedürfnisse der Unternehmen kann der Fördermittel-Berater<br />

zudem ungeahnte Potenziale aufdecken<br />

und Anstöße für Folgeinvestitionen liefern.<br />

Konkret heißt das: Die beauftragten Verbandsmitglieder<br />

des BvdFB recherchieren, filtern und analysieren<br />

aus den über 1.200 Förderprogrammen<br />

diejenigen, die für das jeweilige Unternehmen und<br />

dessen Vorhaben infrage kommen. Falls dabei tatsächlich<br />

keine passenden Programme ermittelt werden können, erfolgt<br />

auch keine Rechnungsstellung. Erfahrungsgemäß ist<br />

dies aber nur höchst selten der Fall.<br />

Danach erstellt der Fördermittel-Berater die erforderliche<br />

Finanzierungs-Konzeption zur Vorlage bei Banken und Vergabestellen<br />

und begibt sich in die Antragstellung. Er begleitet<br />

die Unternehmen zu den Gesprächen mit den Ansprechpartnern<br />

vor Ort und hilft nach einer erfolgreichen<br />

Antragstellung bei der Ausfertigung des Verwendungsnachweises<br />

im Nachgang.<br />

Da er „die Sprache der Banker“ beherrscht, kann er das<br />

Vorhaben und dessen Entwicklungspotenziale für das Unternehmen<br />

überzeugend darlegen und dem Unternehmen<br />

auf diese Weise zu einer nachhaltig guten Finanzierung verhelfen.<br />

«<br />

Autor<br />

Prof. Klaus Weiler<br />

Finanzwissenschaftler,<br />

Vorstandssprecher des<br />

Bundesverbandes deutscher<br />

Fördermittel-<br />

Berater (BvdFB) und<br />

Geschäftsführer des Europäischen<br />

Instituts für<br />

Unternehmensfinanzierung.<br />

Fotos: frank peters – Fotolia (S. 60), bluedesign – Fotolia (S. 62)<br />

62 Nutrition-Press


Der aktuelle Tipp!<br />

Neu in der nutrion-press und auf unserer Webseite! Ab dieser Ausgabe der nutrion-press werden wir Ihnen regelmäßig<br />

unter dieser Rubrik aktuelle Tipps zu vielen Themen aus Ihrem Tagesgeschäft präsentieren.<br />

Neu in der nutrion-pr ess<br />

und auf unserer Webseite!<br />

Impressumspflicht<br />

Ab dieser Ausgabe<br />

–<br />

der<br />

Was<br />

nutrion-press<br />

Sie beachten<br />

werden<br />

müssen<br />

wir Ihnen regelmäßig unter dieser Rubrik<br />

Wer aktuelle eine eigene Tipps Homepage zu (Werbeseite, vielen Themen Shop, Blog oder aus Portal) Ihrem betreibt Tagesgeschäft oder im Internet etwas präsentieren.<br />

geschäftsmäßig anbietet (z.B. in einem Online Portal) hat<br />

eine Reihe von Informationspflichten zu beachten. Diese sind im sogenannten „Telemediengesetz“ (TMG) geregelt.<br />

NOTWENDIGE ANGABEN AUF IHRER HOMEPAGE:<br />

Impressumspflicht – Was<br />

Sie beachten müssen?<br />

Folgende Angaben sind gemäß § 5 TMG auf einer Internetseite notwendig:<br />

Name des Unternehmens, § 5 Abs. 1 Nr. 1 TMG: Bei Handelsregister-Unternehmen und eingetragenen Kaufleuten (e.K.) ist der Firmenname anzugeben. Bei<br />

nicht im Handelsregister eingetragenen Einzelunternehmen kann der Fantasiename angegeben werden, unter dem der Unternehmer auftritt und Werbung<br />

macht. Im Übrigen ist der Vor- und Zuname des Geschäftsinhabers anzugeben. Rechtsform des Unternehmens, § 5 Abs. 1 Nr. 1 TMG: Dies gilt für alle<br />

Personen- und Handelsgesellschaften. (Bsp. GbR, OHG, KG, GmbH, Ltd., UG haftungsbeschränkt, AG, KGaA.) Im Handelsregister eingetragene Kaufleute<br />

bezeichnen sich als „e.K.“. Vertretungsberechtigter, § 5 Abs. 1 Nr. 1 TMG: Anzugeben ist Vor- und Zuname der vertretungsberechtigten Person. Je nach<br />

Gesellschaftsform sind dies zum Bsp. Geschäftsführer, Vorstand oder Inhaber (bei e.K.). Bei Kleinunternehmen muss der Vor- und Zuname des Geschäftsinhabers<br />

angegeben werden (Achtung: Nicht Bezeichnungen wie „Geschäftsführer“/“Geschäftsführung“ verwenden, da diese nur bei juristischen Personen<br />

verwendet werden dürfen). Kapital, § 5 Abs. 1 Nr. 1 TMG: Sofern Angaben zum Kapital gemacht werden, ist das Stammkapital und der Gesamtbetrag der<br />

ausstehenden Einlagen anzugeben. (Niederlassungs-)Anschrift, § 5 Abs. 1 Nr. 1 TMG: Anzugeben ist die vollständige Postanschrift (d.h. Straßenanschrift)<br />

des Geschäftssitzes oder der Niederlassung anzugeben, da die Zustellung von Schriftstücken und insbesondere gerichtlicher Korrespondenz möglich sein<br />

muss. Angaben zur Kontaktierung, § 5 Abs. 1 Nr. 2 TMG: Es müssen Angaben vorhanden sein, die eine schnelle elektronische Kontaktaufnahme und unmittelbare<br />

Kommunikation ermöglichen. Das heißt, E-Mail-Adresse und Telefonnummer. Angaben zur zuständigen Aufsichtsbehörde, § 5 Abs. 1 Nr. 3 TMG:<br />

Werden Telemedien im Rahmen einer Tätigkeit erbracht, die der behördlichen Zulassung bedarf, müssen Angaben zur zuständigen Aufsichtsbehörde samt<br />

Postadresse gemacht werden. Nach Möglichkeit sollte auch ein entsprechender Link zu dem Internetportal der zuständigen Behörde angegeben werden.<br />

Notwendige zusätzliche Angaben: zuständige Berufskammer, gesetzliche Berufsbezeichnung; der Staat, in dem diese Berufsbezeichnung verliehen wurde,<br />

jeweils geltende berufsrechtlichen Regelungen und wie diese zugänglich sind. Angabe der Umsatzsteueridentifikationsnummer oder Wirtschaftsidentifikationsnummer,<br />

§ 5 Abs. 1 Nr. 6 TMG: Sofern der Anbieter eine Umsatzsteueridentifikationsnummer nach § 27a des Umsatzsteuergesetzes bereits<br />

besitzt, muss diese ebenfalls angegeben werden. Aufgrund des TMG müssen aber keine Umsatzsteueridentifikationsnummern beim Bundesamt für Finanzen<br />

beantragt werden. Eine Umsatzsteuer-Ident.-Nr. wird nur dann benötigt,<br />

wenn nach dem Umsatzsteuergesetz innergemeinschaftliche Lieferungen<br />

getätigt werden. Abwicklung oder Liquidation, § 5 Abs. 1 Nr. 7 TMG: Befindet<br />

sich eine AG, KGaA oder GmbH in Abwicklung oder Liquidation, sollte<br />

dies angegeben werden.<br />

ACHTUNG: Informationspflichten nach anderen Gesetzen und Bestimmungen<br />

(z.B. Dienstleistungsinformationsverordnung, Fernabsatzgesetz, Fernunterrichtsschutzgesetz,<br />

Teilzeit-Wohnrechtegesetz, Preisangaben- und<br />

Preisklauselgesetz, Preisangabenverordnung, Versicherungsaufsichtsgesetz,<br />

Versicherungsvermittlergesetz, handelsrechtliche Bestimmungen) müssen<br />

weiterhin zusätzlich beachtet werden.<br />

WO MÜSSEN DIESE INFORMATIONSPFLICHTEN PLATZIERT SEIN?<br />

• Die Anbieterkennzeichnung muss „leicht erkennbar, unmittelbar<br />

erreichbar und ständig verfügbar“ sein. Das heißt, sämtliche gesetzlichen<br />

Pflichtangaben (siehe oben) müssen sich auf einer gesonderten, gut<br />

erreichbaren Seite der Homepage befinden.<br />

• Ausreichend ist es nach der Rechtsprechung, wenn der Verbraucher<br />

durch Anklicken von zwei aufeinanderfolgenden Links auf die Seite mit<br />

den Anbieterinformationen geführt wird (sog. „2-Klick-Regelung“, BGH,<br />

Urt. V. 20.07.2006 – I ZR 228/03).<br />

• Die Bezeichnungen für diese Links sollten leicht verständlich sein. Durch<br />

Achtung: gesetzt hat sich Fallstricke<br />

die Bezeichnung „Impressum“. Auch die Bezeichnungen<br />

„Kontakt“ oder „Anbieterkennzeichnung“ sind grundsätzlich zulässig.<br />

WAS PASSIERT BEI MISSACHTUNG DIESER INFORMATIONSPFLICHTEN?<br />

Anbieter, die absichtlich oder fahrlässig die oben beschriebenen Informationen<br />

überhaupt nicht, fehlerhaft oder unvollständig erteilen, haben mit einer<br />

Geldbuße bis zu einer Höhe von 50.000 Euro zu rechnen (§ 16 Abs. 2 Nr.<br />

1 TMG). Häufiger ist aber eine wettbewerbsrechtliche Abmahnung durch<br />

Konkurrenten oder Verbände. Der Anbieter ist in solchen Fällen zur Abgabe<br />

einer strafbewehrten Unterlassungserklärung (die angedrohte Strafe beträgt<br />

meist mehrere Tausend Euro) sowie zur Tragung der Rechtsanwaltskosten<br />

(meist mehrere Hundert Euro, teilweise bis zu 1.000 Euro) verpflichtet.<br />

Weitere detaillierte Informationen erhalten Sie auf Anfrage.<br />

Schreiben Sie uns an:<br />

Früher Raubritter und Wegelagerer –<br />

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100 Abmahnvereine, und diverse Anwälte entdecken immer<br />

mehr neue Geldquellen. Sie meinen Verbraucherschutz – denken<br />

aber nur an die Geldbörse.<br />

Es reicht! Der NEM e. V. ergreift die Initiative,<br />

gut informiert statt Abmahnung!<br />

NEM Verband e. V. Abteilung Öffentlichkeitsarbeit<br />

Horst-Uhlig-Str. 3 • D - 56291 Laudert • Telefon: +49 (0) 6746 8029820 • Fax: +49 (0) 6746 8029821<br />

E-Mail: öffentlichkeitsarbeit@nem-ev.de<br />

www.nem-ev.de<br />

*keine Rechtsberatung, Informationen aus der Praxis für die Praxis, von Ihrem starken Partner NEM Verband e. V.<br />

Nutrition-Press 63


news<br />

nutraingredients.com 03.10.<strong>2018</strong><br />

Review identifies potential modes of action for<br />

omega-3s an axiety<br />

A review conducted by researchers in New York uncovered six<br />

potential modes of action for how omega-3s might alleviate symptoms<br />

of anxiety. But the researchers found lots of nits to pick<br />

with the research, too, and made recommendations for future<br />

studies in this area.<br />

https://www.nutraingredients.com/Article/<strong>2018</strong>/10/03/<br />

Review-identifies-potential-modes-of-action-for-omega-3s-and-anxiety<br />

zentrum-der-gesundheit.de 01.10.<strong>2018</strong><br />

Grünteeextrakt bei Endometriose und Myomen<br />

Endometriose und Myome sind zwei häufige Frauenbeschwerden,<br />

die zu Schmerzen, starken Blutungen, Zwischenblutungen<br />

oder vielen anderen Problemen führen können. Die tatsächlichen<br />

Ursachen sind unbekannt, so dass auch die jeweiligen<br />

Therapien oft zu wünschen übrig lassen. Es werden Medikamente<br />

verordnet und im Zweifel wird operiert. In der Naturheilkunde<br />

gibt es dagegen ganz andere Ansätze. Neben einer insgesamt<br />

gesunden Ernährungs- und Lebensweise kann auch Grünteeextrakt<br />

zum Einsatz kommen.<br />

https://www.zentrum-der-gesundheit.de/gruenteeextrakt-bei-endometriose-myome-810908.html<br />

aponet.de 26.09.<strong>2018</strong><br />

Kakao als Vitamin D-Lieferant?<br />

Deutsche Forscher haben eine neue, bislang unbekannte Quelle<br />

für Vitamin D2 entdeckt: Kakao und kakaohaltige Lebensmittel.<br />

Den höchsten Vitamin-D-Gehalt haben den Wissenschaftlern<br />

zufolge Kakaobutter und dunkle Schokolade.<br />

https://www.aponet.de/aktuelles/ihr-apotheker-informiert/<strong>2018</strong>0926-kakao-als-vitamin-d-lieferant.html<br />

zentrum-der-gesundheit 26.09.<strong>2018</strong><br />

Gesunde Lebensweise senkt Darmkrebsrisiko<br />

Oft heisst es bei Krankheit, die Erbanlagen, also die Gene seien<br />

daran schuld. Erneut aber zeigte sich in einer Studie, dass es insbesondere<br />

die Lebensweise ist, die das Krankheitsrisiko erhöht,<br />

im vorliegenden Falle das Darmkrebsrisiko – und zwar ganz gleich,<br />

welche Erbanlagen man hat. Das bedeutet: Selbst wenn sich in<br />

den Erbanlagen ein erhöhtes Darmkrebsrisiko zeigt, kann dieses<br />

mit Hilfe eines gesunden Lebensstils reduziert werden. Man ist<br />

also nicht Opfer seiner Gene, sondern kann nach wie vor selbst<br />

sein Krankheitsrisiko merklich beeinflussen.<br />

https://www.zentrum-der-gesundheit.de/news/gesunde-lebensweise-senkt-darmkrebsrisiko-180904092.html<br />

wissenschaft.de 25.09.<strong>2018</strong><br />

Unkrautvernichter schädigt Bienen indirekt<br />

Streitfall Glyphosat – wegen möglicher Gefahren für die menschliche<br />

Gesundheit steht das Unkrautvernichtungsmittel seit Jahren<br />

im kritischen Blick der Forschung. Wenigstens den Bienen kann<br />

der Wirkstoff nichts anhaben, hieß es bislang. Doch dies war offenbar<br />

ein Trugschluss, geht nun aus einer Studie hervor: Glyphosat<br />

bedroht die Insekten indirekt und zwar über ihre Darmflora. Es<br />

schädigt demnach bestimmte günstige Darmbakterien der Bienen<br />

und macht sie dadurch anfällig für Krankheitserreger. Möglicherweise<br />

spielt dieser Effekt eine Rolle beim sogenannten Bienensterben,<br />

sagen die Forscher.<br />

https://www.wissenschaft.de/umwelt-natur/unkrautvernichter-schaedigt-bienen-indirekt/?utm_source=newsletter&utm_<br />

medium=email&utm_campaign=wissenschaft.de_25-09-<strong>2018</strong><br />

wissenschaft.de 24.09.<strong>2018</strong><br />

Mikronährstoffe: Kleinstbausteine<br />

mit großer Wirkung<br />

Mikronährstoffe sind nicht etwa die Gefährten bekannter Nährstoffe<br />

im Miniaturformat. Mikronährstoffe sind die Grundlage einer<br />

ganz eigenen, medizinischen Richtung. Die sogenannte Mikronährstoffmedizin<br />

verbirgt sich dahinter. Es geht also um die kleinen<br />

Dinge, die medizinisch eingesetzt werden. Vor diesem Hintergrund<br />

wird die Mikronährstoffmedizin auch als Orthomolekularmedizin<br />

bezeichnet. Kleinste Bausteine – große Wirkung.<br />

https://www.wissenschaft.de/gesundheit-medizin/mikronaehrstoffe-kleinstbausteine-mit-grosser-wirkung/<br />

zentrum-der-gesundheit.de 09.18.<strong>2018</strong><br />

Ballaststoffe schützen das Gehirn im Alter<br />

Je älter man wird, umso anfälliger wird das Gehirn für chronische<br />

Entzündungsprozesse. Diese wiederum gelten als Ursache für das<br />

im Alter immer schlechter werdende Erinnerungsvermögen, die<br />

schwindende Lern- und Konzentrationsfähigkeit und viele andere<br />

64 Nutrition-Press


Recht<br />

Spannende News aus<br />

den Medien im Ticker<br />

kognitiven Beeinträchtigungen. Dieser angeblich natürliche Alterungsprozess<br />

kann jedoch verlangsamt werden, so US-amerikanische<br />

Forscher im Herbst <strong>2018</strong> – und zwar mit einer einfachen<br />

Massnahme: mehr Ballaststoffe essen.<br />

https://www.zentrum-der-gesundheit.de/news/ballaststoffe-schuetzen-das-gehirn-180904091.html<br />

zentrum-der-gesundheit.de 17.09.<strong>2018</strong><br />

Dank Probiotika: Weniger Antibiotika<br />

bei Kindern<br />

Nach wie vor verschreiben Ärzte viel zu oft Antibiotika, auch in<br />

Deutschland. In 30 Prozent aller Fälle tun sie es unnötigerweise.<br />

Dabei verordnen gerade deutsche Ärzte viel seltener Antibiotika<br />

als ihre Kollegen im europäischen Ausland. Antibiotikaresistenzen<br />

sind daher eine grosse Gefahr, und die Suche nach einer Lösung<br />

hat höchste Priorität. Probiotika werden hier in Zukunft eine wichtige<br />

Rolle spielen. In einer Studie vom Herbst <strong>2018</strong> zeigten Forscher,<br />

dass Kinder, die Probiotika als Nahrungsergänzung nehmen, seltener<br />

Antibiotika benötigen.<br />

https://www.zentrum-der-gesundheit.de/news/probiotikaweniger-antibiotika-180904090.html<br />

focus.de 29.08.<strong>2018</strong><br />

Gängiges Konservierungsmittel kann<br />

Stoffwechsel verändern<br />

Das Konservierungsmittel Natriumbenzoat, auch bekannt als E211,<br />

ist offenbar schädlicher als bisher angenommen. Das geht aus einer<br />

Studie von Forschern der „University of Chicago“ hervor. In<br />

Zellkulturen konnte nachgewiesen werden, dass Natriumbenzoat<br />

das Epigenom beeinflusst und verändert.<br />

https://www.focus.de/gesundheit/ernaehrung/schaedlicheskonservierungsmittel-natriumbenzoat-kann-stoffwechsel-veraendern_id_9497056.html<br />

wissenschaft.de 23.08.<strong>2018</strong><br />

Vitamin-D-Mangel im Römischen Reich<br />

Die Unterversorgung mit dem berühmten „Licht-Vitamin“ ist ein<br />

Problem der neuzeitlichen Lebensweise, könnte man meinen.<br />

Doch schon im Römischen Reich war Vitamin-D-Mangel weit verbreitet<br />

und führte zu Rachitis bei Kindern, berichten Forscher.<br />

Durchschnittlich war demnach ein Kind von 20 betroffen, zeigt<br />

die Untersuchung von Skeletten aus allen Teilen des einstigen<br />

Römischen Reiches.<br />

https://www.wissenschaft.de/geschichte-archaeologie/<br />

vitamin-d-mangel-im-roemischen-reich/<br />

aponet.de 21.08.<strong>2018</strong><br />

Mit Erdbeeren gegen Darmentzündungen?<br />

Erdbeeren sind nicht nur lecker – die beliebten Früchte könnten<br />

auch helfen, Entzündungen im Darm zu lindern. Dies legt eine Studie<br />

aus den USA nahe, in der Forscher die Wirkung von Erdbeeren<br />

auf Mäuse mit chronisch entzündlichen Darmerkrankungen (CED)<br />

wie Morbus Crohn und Colitis ulcerosa untersucht hatten.<br />

https://www.aponet.de/aktuelles/ihr-apotheker-informiert/<br />

<strong>2018</strong>0821-mit-erdbeeren-gegen-darmentzuendungen.html<br />

ardmediathek.de 20.08.<strong>2018</strong><br />

Glyphosat: Pflanzengift im Essen nachgewiesen<br />

Müsli, Haferflocken und Brot können Glyphosat enthalten. In einer<br />

Stichprobe von Markt wurde das Unkrautvernichtungsmittel in 7<br />

von 29 Getreide-Produkten nachgewiesen.<br />

https://www.ardmediathek.de/tv/Markt/Glyphosat-<br />

Pflanzengift-im-Essen-nachgew/NDR-Fernsehen/Video?bcastId=<br />

14049160&documentId=55257116<br />

bll.de 17.08.<strong>2018</strong><br />

Wider die Salzpanik: Wie viel (oder wenig)<br />

Salz ist gesund?<br />

Gesundheitsorganisationen warnen seit Jahren vor ungesunden<br />

Gesundheitseffekten eines hohen Salzkonsums. Salz soll radikal<br />

reduziert werden, fordern NGOs und Teile der Politik. Eine aktuelle<br />

wissenschaftliche Untersuchung hält nun dagegen. Das sind die<br />

interessanten Ergebnisse.<br />

https://www.bll.de/de/lebensmittel/aktuell/<strong>2018</strong>0817-<br />

studie-salz-konsum-wie-viel-gesund-ungesund-kanada<br />

gesund-durch.de 16.08.<strong>2018</strong><br />

Unterstützung für den Darm<br />

Regelmäßiger Probiotika-Konsum wirkt gesundheitsfördernd.<br />

https://www.gesund-durch.de/unterstuetzung-fuer-den-darm/<br />

ovb-<strong>online</strong>.de 25.07.<strong>2018</strong><br />

Wie man Schwermetalle im Essen vermeidet<br />

Sie kommen in Spuren in der Erdkruste vor, im Wesentlichen<br />

Nutrition-Press 65


Spannende News aus<br />

den Medien im Ticker<br />

gelangen sie aber durch industrielle Aktivitäten, Abgase und Klärschlamm<br />

in die Atmosphäre, in Wasser und Böden und letztlich<br />

auch in unsere Nahrungsmittel. Gemeint sind Schwermetalle, die<br />

Organe wie Nieren und Leber, aber auch das zentrale Nervensystem<br />

schädigen können. Lebensnotwendig sind nur wenige.<br />

https://www.ovb-<strong>online</strong>.de/wirtschaft/schwermetalle-essenvermeidet-10062192.htmlzeit.de<br />

zeit.de <strong>2018</strong>-07-21<br />

Das Pestizid, das aus dem Wasserhahn tropft<br />

Chlordecon rettete einst Bananenplantagen. Nun vergiftet es die<br />

Menschen auf den französischen Antillen. Der Fall zeigt, wie unberechenbar<br />

Pestizide sind.<br />

https://www.zeit.de/wissen/gesundheit/<strong>2018</strong>-06/<br />

pestizid-chlordecon-gift-glyphosat-antillen<br />

t-<strong>online</strong>.de 20.07.<strong>2018</strong><br />

Nahrungsergänzungsmittel werden richtig<br />

kontrolliert, Lebensmittel scheinbar nicht<br />

Darum sollten Sie sich nach dem Verzehr von Banane die Hände<br />

waschen So schön praktisch für unterwegs: Die Banane ist eine<br />

der beliebtesten Obstarten der Deutschen. Doch der Verzehr ist<br />

problematischer, als man denkt. Warum man sich danach die Hände<br />

waschen sollte, erklären wir Ihnen hier.<br />

https://www.t-<strong>online</strong>.de/leben/essen-und-trinken/<br />

id_83113634/nach-dem-verzehr-von-bananen-besser-haendewaschen.html<br />

campact.de 17.07.<strong>2018</strong><br />

Bayer-Monsanto beantragt die Zulassung eines<br />

neuen Insektengifts<br />

Bayer-Monsanto beantragt die Zulassung eines neuen Insektengifts.<br />

Bereits im August könnte die Pestizidmischung auf den Markt<br />

kommen. Fordere jetzt Agrarministerin Klöckner und Umweltministerin<br />

Schulze auf, das zu verhindern!<br />

https://blog.campact.de/<strong>2018</strong>/07/bayer-schlaegt-zurueckneues-bienenkiller-pestizid/<br />

bll.de 07.17.<strong>2018</strong><br />

Lebensmittelverpackung aus Recyclingpapier:<br />

Wie groß ist das Gefährdungspotenzial durch<br />

Mineralöl wirklich?<br />

Mineralöl-Gehalte in Lebensmitteln sind unerwünscht und soweit<br />

technisch machbar zu minimieren. Doch wie groß – oder klein – ist<br />

das Gefährdungspotenzial tatsächlich? Eine holländische Studie<br />

kommt zu positiven Ergebnissen.<br />

https://www.bll.de/de/lebensmittel/aktuell/<strong>2018</strong>0717-verpackung-recycling-papier-mineraloel-rueckstaende-belastung-studie<br />

mpg.de 16.07.<strong>2018</strong><br />

Risikofaktor für Darmkrebs entschlüsselt<br />

Laut Deutschem Krebsforschungszentrum zählt Darmkrebs hierzulande<br />

bei Männern zur dritt- und bei Frauen zur zweithäufigsten<br />

Tumorerkrankung. Auch bei Neuerkrankungen liegt Deutschland<br />

im internationalen Vergleich mit an der Spitze. Dabei scheinen<br />

vor allem die Ernährungs- und Lebensgewohnheiten eine grundlegende<br />

Rolle zu spielen, denn Übergewichtige haben ein erhöhtes<br />

Risiko zu erkranken. Wissenschaftler vom Max-Planck-Institut für<br />

Stoffwechselforschung in Köln entschlüsselten nun die detaillierten<br />

Zusammenhänge dieses Phänomens und liefern damit die<br />

Grundlage für neue Therapieansätze.<br />

https://www.mpg.de/12133165/darmkrebsuebergewicht?c=2191<br />

rbb-<strong>online</strong>.de 12.07.<strong>2018</strong><br />

Gefährliche Medikamente aus Griechenland<br />

Jahrelang schmuggelte eine organisierte Bande sensible Krebsmedikamente<br />

aus Griechenland und exportierte sie nach Deutschland.<br />

Dabei wurden die teuren Arzneien abenteuerlich gelagert und<br />

transportiert - Kühlketten sollen unterbrochen worden sein. Die<br />

Folge: Bei diesen Medikamenten war die Qualität und Wirksamkeit<br />

nicht mehr gesichert. Trotzdem wurden sie durch einen deutschen<br />

Pharmahändler vertrieben. Die zuständige Aufsichtsbehörde hat<br />

erst viel zu spät das kriminelle Geschäft bemerkt und auch dann<br />

nicht gehandelt. Während der Skandal in Griechenland längst öffentlich<br />

ist, wurde hierzulande niemand informiert - es gab weder<br />

eine Warnung noch einen Rückruf der Krebsmedikamente. Der<br />

Import von solch sensiblen Arzneimitteln stellt ein Risiko für Patienten<br />

dar.<br />

https://www.rbb-<strong>online</strong>.de/kontraste/archiv/<br />

kontraste-vom-12-07-<strong>2018</strong>.html<br />

Foto: JiSign – Fotolia (S. 66)<br />

66 Nutrition-Press


FREIHEIT FÜR GESUNDE NAHRUNG<br />

Unsere Leistungen:<br />

VORTEILE DER MITGLIEDSCHAFT / LEISTUNGSKATALOG<br />

Sachverständige, Institute, Labore, Rechtschutz kosten deutlich weniger:<br />

• Teilnahme an Seminaren des Verbandes<br />

• Verkehrsfähigkeitsprüfungen von Rezepturen<br />

• Verkehrsfähigkeitsprüfungen von Rohstoffen<br />

• Verkehrsfähigkeitsprüfungen von Kennzeichnungen / Etiketten<br />

• Verkehrsfähigkeitsprüfungen von wettbewerbsrechtlichen Fragen,<br />

Prüfungen von Werbebroschüren<br />

• Erstellung von Gutachten hinsichtlich lebensmittelrechtlicher Fragen,<br />

Geschäftsvertragsprüfung von Angeboten, Aufträgen, Rechnungen etc., Prüfung<br />

von Webseiten, Online-Shops etc., Prüfung von AGB’s, Vertragsgestaltung,<br />

Herstellungsverträge und Vertriebsverträge<br />

• Juristische Beratung bei Abmahnungen durch Wettbewerber,<br />

Verbraucherverbände, Behörden etc.<br />

• Anmeldungsberatung von Health Claims<br />

• Anmeldungsberatung von diät. Lebensmitteln<br />

• Beratung bei gesetzlichen Verstößen, Bußgeldern, bei strafrechtlichen Fällen<br />

• Kostenloser monatlicher Newsletter mit internen und externen News, sowie<br />

unsere neue Zeitschrift „Nutrition Press“, die <strong>online</strong> und als Printausgabe 2mal<br />

jährlich erscheint und über interessante und aktuelle Themen aus der<br />

Health-Food-Branche berichtet (www.nutrition-press.com)<br />

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NEM Verband mittelständischer europäischer Hersteller und Distributoren von Nahrungsergänzungsmitteln & Gesundheitsprodukten e. V.<br />

Horst-Uhlig-Straße 3 • D-56291 Laudert • Telefon +49 (0) 6746/80298-20 • Telefax +49 (0) 6746/80298-21 • E-Mail: info@nem-ev.de


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Ein Besuch auf unserer neuen Webseite lohnt sich !<br />

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