CAMPULS Wintersemester 18/19 Ausgabe 2

seezeit

WS 2018/19

Ausgabe Zwei

Von Studierenden für alle:

Einpacken, liebhaben, weitersagen

Wieder mit Kreuzworträtsel – Seite 24

von Seezeit

11

Die Deutschen und ihr

Grundgesetz

Ein Gespräch über

Verfassungspatriotismus

mit Daniel Thym

15

Der uniBloc

Eine Reportage über den

Boulderfelsen auf dem

Hochschulsportgelände

28

Der Skatepapst von

Konstanz

Bernt Jahnel im Porträt,

einer der besten Skater

Deutschlands

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EDITORIAL

Liebe Studierende,

liebe Konstanzerinnen und Konstanzer,

die Arbeit bei einem Studierendenwerk ist geprägt von

ständigem Kommen und Gehen. Jedes Jahr beginnen mehrere

tausend junge Menschen ein Studium an den von uns betreuten

Hochschulen in Konstanz, Ravensburg, Weingarten und Friedrichshafen.

Gleichzeitig verabschieden sich viele andere nach

ihrem Abschluss, gehen zum letzten Mal in die Mensa und machen

im Wohnheim Platz für die nächsten. Um das Kommen

und Gehen in unseren 13 Wohnanlagen mit rund 3.000 Plätzen

zu koordinieren, die Plätze gerecht zu vergeben und mit Bewerber_innen

und Bewohner_innen zu kommunizieren, braucht es

eine gute Organisation und viel Erfahrung. Wie das alles funktioniert

und warum es bei Seezeit keine Wartelisten für Wohnheimplätze

gibt, erfahren Sie auf Seite 22.

Nachdem eine Bleibe gefunden und das BAföG beantragt

ist, lernen uns viele Studierende im Laufe der folgenden Jahre

besser kennen. Die einen nutzen unsere Beratungsangebote, die

anderen bewerben sich mit ihrem Projekt um eine Kulturförderung,

und studierende Eltern sind froh über unsere Kinderbetreuung.

Viele besuchen unsere Mensen, das BibCafé an der Uni

und im Sommer unsere Strandbar an der HTWG. Wer einen

Nebenjob sucht, wird in unserer Online-Jobbörse fündig. Einige

werden selbst ein Teil von Seezeit und unterstützen uns als studentische

Aushilfen. Warum sich ein Besuch im BibCafé lohnt

und was man in Sachen Nebenjob beachten sollte, lesen Sie auf

den Seiten 20 und 21.

Doch die meisten Kontakte zu unseren Studierenden

sind nicht von Dauer. Und das ist auch gut so. Schließlich wollen

wir mit unseren Leistungen dazu beitragen, dass alle ihr Studium

erfolgreich abschließen können und wir wieder Zeit für

die neuen Erstsemester haben. Das Kommen und Gehen gehört

dazu, auch bei der Campuls. Als Herausgeber möchten wir uns

an dieser Stelle ganz herzlich bei Marc-Julien Heinsch bedanken,

der sich mit dieser Ausgabe als Chefredakteur verabschiedet.

Ein ebenso großer Dank gilt der gesamten studentischen

Redaktion, die die Campuls in ständig wechselnder Besetzung

seit vielen Jahren von Generation zu Generation weitergibt und

weiterentwickelt. Ich bin gespannt auf die nächsten Ausgaben

und wünsche unserer neuen Chefredaktion und dem Team viel

Freude beim Recherchieren, Schreiben und Gestalten – und

Ihnen, liebe Leserinnen und Leser, viel Spaß beim Schmökern!

Ihr Helmut Baumgartl

Geschäftsführer Seezeit Studierendenwerk Bodensee

Liebe Leserinnen und Leser,

jetzt ist es tatsächlich so weit: Mein letztes Semester als

Student an der Universität Konstanz. Und die letzte Campuls-

Ausgabe, die ich zu verantworten habe. Zeit für ein paar berühmte

letzte Worte. Halte ich es mit Goethe und fordere:

„Mehr Licht“? Oder ein Jesus-likes: „Es ist vollbracht“? Charmant

könnte ich auch Konrad Adenauer zitieren und bemerken:

„Do jitt et nix zo kriesche“. Aber ich bin nun mal kein

Kölner. Und „Da gibt es nichts zu weinen“ ist mir dann doch

etwas zu pathetisch. Doch erst einmal zu den wichtigen Dingen.

Ihr, liebe Leserinnen und Leser, haltet ein weiteres Heft

in Händen, das mich stolz macht. Studentischer Journalismus,

wie er sein sollte.

Charlotte Kurz haben wir dieses Mal mit einem ungewöhnlichen

Auftrag durch Konstanz geschickt. Wo ist es lauter,

in der vollen Mensa zur Essenzeit oder im Grey? Münsterglocken

oder Katamaranhupe? Unnützes Wissen 2.0! Aber keine

Sorge. Auch mit gewichtigen Themen hat sich die Campuls-Redaktion

für euch auseinandergesetzt. Die Integrationsdebatte

der letzten Jahre hat die Frage aufgeworfen, was es überhaupt

bedeute, deutsch zu sein. Die einen wollten in zehn Punkten

eine deutsche Leitkultur definieren, die anderen sagten, deutsche

Identität, die ist das Grundgesetz. Also unsere geltende

Verfassung. Und genau über diesen Verfassungspatriotismus

hat Nico Talenta mit dem renommierten Konstanzer Verfassungsrechtler

Prof. Daniel Thym gesprochen. Außerdem gehen

wir den Fragen nach, warum junge Menschen Politiker_innen

werden wollen, welche Funktion Fachschaften erfüllen und ob

sie überhaupt noch zukunftsfähig sind und geben euch einen

Einblick in eine Konstanzer Wohngemeinschaft. Nicolai

Eckert ist einem weiteren -ismus auf der Spur, Lea Luttenberger

schreibt ihre zweite Kolumne und Eva Eß trifft den Skatepapst

von Konstanz, Bernt Jahnel.

Vor meinen nun aber wirklich letzten Worten möchte

ich noch Danke sagen. Ich danke allen aktuellen und ehemaligen

Campulsler_innen, die ihr Herzblut für unser studentisches

Magazin gegeben haben. Ich danke unserem Studierendenwerk

Seezeit und all den Menschen, die dort mit uns zusammenarbeiten

und Semester für Semester dieses Heft und

Campuls Online möglich machen. Exemplarisch möchte ich

Elke Scherer, Heidi Öttl, Corinna Voigt, Marina Filipczyk,

Petra Kayali, Jochen Mink und Helmut Baumgartl danken.

Ferner bedanke ich mich herzlich bei Jörg-Peter Rau vom Südkurier,

der sich immer Zeit genommen und mit seiner Blattkritik

die Campuls vorangebracht hat. Und natürlich danke ich

euch, liebe Leserinnen und Leser. Freut euch auf weitere tolle

Magazine und Onlineinhalte unter der Leitung von Lea

Luttenberger und Nico Talenta.

Und nun zu den letzten Worten meiner Wahl. Der

walisische Dichter Dylan Thomas soll kurz vor seinem Tod

Folgendes gesagt haben:

03

„Ich hatte achtzehn volle Whiskey;

ich denke, das ist Rekord.“

Es gibt also noch Einiges zu tun.

Euer Marc-Julien Heinsch

EDITORIAL


04

Redaktion

& Impressum

Nicolai Eckert

Fotograf & Redakteur

Eva Eß

Redakteurin

Manuel Fleig

Fotograf, Layout & Grafik

Theresa Gielnik

Redakteurin

Vivien Götz

Redakteurin

Marc-Julien Heinsch

Chefredakteur

Ema Jerkovic

Redakteurin

Janina Käppel

Redakteurin

Charlotte Kurz

Redakteurin

Lea Luttenberger

Redakteurin

Mario Naegele

Fotograf, Layout & Grafik

Pia Sautter

Redakteurin

Leonie Thiel

Redakteurin

Nico Talenta

stellv. Chefredakteur

Fabian Vugrin

Redakteur

Anna Kübler

Lektorat

Herausgeber

Seezeit

Studierendenwerk

Bodensee

Jochen Mink

Kontakt

Seezeit

Studierendenwerk Bodensee

Universitätsstraße 10

78464 Konstanz

campuls@seezeit.com

www.seezeit.com/campuls

Facebook

Campuls Online

Seezeit

Studierendenwerk

Bodensee

Chefredakteur V.i.S.d.P.

Marc-Julien Heinsch

Anzeigen

Marina Filipczyk

marina.filipczyk@ seezeit.com

Layout & Grafik

Mario Naegele & Manuel Fleig

Thema dieser Ausgabe

Dualismen

Schrift

Prophet Medium,

Suisse, Sang Bleu,

Le Murmure

Druck

Druckerei DB, Konstanz

AUSGABE ZWEI


INHALT

03 14 24

Editorial

Helmut Baumgartl

Marc-Julien Heinsch

Hochschulleben

Leben in einer

katholischen Verbindung

Pia Sautter

Kreuzworträtsel

Lea Luttenberger

04 15 25

Redaktion & Impressum

Hochschulleben

Alles im Griff?

Über das Bouldern

Fabian Vugrin

Kultur

Der Jugendclub des

Theater Konstanz

Nicolai Eckert

06 18 28

Sonstiges

Die Statistik:

Schallmessung in Konstanz

Charlotte Kurz

Hochschulleben

Tradition mit Blick in die Zukunft:

die Fachschaften

Eva Eß

Kultur

Porträt: Der Skatepapst

von Konstanz

Eva Eß

07 20

30

05

Politik

Einem - ismus auf der Spur:

Altruismus

Nicolai Eckert

Seezeit

Das BibCafé

Leonie Thiel

Kolumne

Lea Luttenberger

08

Politik

Engagierte Hochschulpolitiker_innen

und ihre Motive

Charlotte Kurz

21

Seezeit

Jobben neben dem Studium

Ema Jerkovic

31

Seezeit-Infos

12

Politik

Ein Gespräch mit Daniel Thym über

Verfassungspatriotismus

Interview von Nico Talenta

22

Seezeit

Zimmervergabe bei Seezeit:

Was steckt dahinter?

Pia Sautter

WINTERSEMESTER 2018/19


Text Charlotte Kurz

Illustration Manuel Fleig

Statistik

Schallmessung in

Konstanz

06

21

21 Club (Grey) 112 dB

12 Zähringerplatz 72 dB

13 Kaufland am Zähringerplatz 72 dB

14 Einfahrender Zug Bahnhof

Petershausen 74 dB

15 Bismarckturm (Familienpicknick

am Nachmittag) 68 dB

16 Im Bus am Sternenplatz 78 dB

20

15

Laut der WHO-Leitlinie für Umgebungslärm für

die europäische Region wird empfohlen, die durchschnittliche

Lärmbelastung auf unter 70 Dezibel (dB)

zu reduzieren, um gesundheitliche Schäden zu

vermeiden. Wir haben nachgemessen, wo es in

Konstanz bei welchen Tätigkeiten wie laut ist.

18

19

17

17 Uni-Mensa 74 dB

18 Fitness-Studio auf dem

Hochschulsportgelände 73 dB

19 Händetrockner auf

öffentlicher Toilette 89 dB

20 Im Wald 42 dB

14

13

12

16

8

4

3

2

9

1

7

5

11

10

1 Restaurant in der Niederburg

(Brauhaus Johann Albrecht) 85 dB

2 Bar am Konzil (Seekuh, keine Musik) 87 dB

3 Münster - Kirchenschiff (keine Messe) 43 dB

4 Münster - Glockenläuten 67 dB

5 Straßenmusik auf der Marktstätte (Akkordeon) 77 dB

6 Bahnhof 70 dB

7 Bar am Schnetztor (Klimperkasten, laute Musik) 97 dB

8 Startender Bus an der Laube am Bürgerbüro 81 dB

9 Enten und Möwengeschnatter bei Klein-Venedig 75 dB

10 Katamaran-Schiffshupe am Hafen 76 dB

11 Losfahrender Katamaran am Hafen 68 dB

12 Lago 67 dB

6

12

SONSTIGES


Text Nicolai Eckert

Illustration Manuel Fleig

Einem -ismus auf der Spur:

ALTRUISMUS

„Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst.“

(NT, Markus 12, 31. Einheitsübersetzung)

Dies soll kein Geringerer als der Sohn Gottes auf die Frage,

welches Gebot das Erste von allen sei, geantwortet haben.

Nur die Liebe zu Gott gehe der Liebe zu den Nächsten voraus.

Und die Liebe zu deinen Nächsten würde die Liebe zu Gott bereits

miteinschließen. Brutal! Demnach muss man

nur die Menschen um einen herum lieben,

und damit ist es mit der Liebe zu Gott

schon getan? So einfach kann das alles

sicherlich nicht sein. Aber als moralischer

Trampel durch die Welt zu laufen

ist für niemanden vorteilhaft.

Dessen war sich auch eine andere

große Figur der Geschichte bewusst:

Immanuel Kant. „Handle so,

daß die Maxime deines Willens jederzeit

zugleich als Prinzip einer

allgemeinen Gesetzgebung gelten

könne.“, schreibt Kant Ende des 18.

Jahrhunderts in seiner Kritik der

praktischen Vernunft mit einem für

ihn typischen Sprachduktus, in dem

er einen einfachen Sachverhalt sehr

kompliziert ausdrückt. Einfacher

könnte man sagen: „Behandle andere

so, wie du selbst behandelt werden

möchtest.“ Ach ne. Ba-Dum-Tss! Welch‘

Erkenntnis! Wer keine Lust hat, sich mit

solchen Kalendersprüchen abzugeben, der

könnte an dieser Stelle an den gesunden

Menschenverstand appellieren: „Habe den

Mut, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen.“

War die Tat des barmherzigen Samariters, der

einen verletzten Mann im Straßengraben nicht einfach

liegengelassen, sondern ihm geholfen hat, nicht irgendwie

selbstverständlich, vollkommen wünschenswert und vorbildhaft?

Heute haben wir sogar ein Wort für solche angebrachten

Hilfetaten: Zivilcourage. Ein bisschen davon schadet

niemandem, ganz im Gegenteil. Wenn aber die Bereitschaft zur

Hilfe in einem Menschen zur Passion wird und gute Taten zur

Norm des eigenen Handelns werden, spricht man von Altruismus.

Der Begriff beschreibt, grob gesagt, selbstloses und uneigennütziges

Handeln und stellt den Gegenbegriff zum Egoismus dar.

Dieser Gegensatz liegt schon in der Bedeutung der beiden Begriffe

zugrunde: Ego, das Ich, und Alter, der Andere. Beide noch

mit dem beliebten Suffix -ismus versehen und tadaa: zwei

schicke Begriffe, die wenig fassbare Dinge, wie in diesem

Falle Handlungsweisen und Verhaltensmuster

beschreiben. Altruismus klingt allein schon

phonetisch verstaubt, altbacken und in die

Jahre gekommen, nicht nur weil der Begriff

mit „Alt“ beginnt, sondern auch wegen

seines bildungssprachlichen Hintergrunds.

Hin und wieder läuft er uns

über den Weg, aber vielen ist seine

Bedeutung nicht geläufig.

Es ist schön an die Selbstlosigkeit

seiner Mitmenschen zu

glauben. Doch wer davon überzeugt

ist, dass einem der Drink im

Club aus reiner Nächstenliebe

spendiert wurde, ist schlichtweg

naiv. Und damit offenbart sich

auch die Schwierigkeit des Altruismus.

Oft ist nicht zu erkennen,

mit welchem Hintergrund

und welcher Intention geholfen

oder Gutes getan wird. Bleibt am

Ende vielleicht die Erkenntnis, dass

jeder tut, was ihm selbst wohltut,

auch wenn das bedeutet, anderen zu

helfen? Und selbst wenn die Antwort

auf diese Frage „Ja“ lauten sollte, so ist

doch nichts Schlechtes daran.

07

SONSTIGES


Text Charlotte Kurz

Fotos Manuel Fleig & Charlotte Kurz

Engagierte Hochschulpolitiker_innen

und ihre Motive

08

Bunte Plakate, übereinander geklebte Flyer und Säulen,

die vor lauter Zettel nicht mehr sichtbar sind, prägen das

Uni-Foyer. Zimmergesuche, Jobs, aber auch Hochschulgruppen

und vor allem Hochschulparteien werben für ihre Anliegen. Insbesondere

vor den jährlichen Uni-Wahlen mitten im Sommersemester

ist das Foyer noch bunter mit kreativen Sprüchen, Eye-

Catchern und freundlich lächelnden Gesichtern plakatiert.

Die abgebildeten Personen diskutieren im Studierendenparlament

und treffen Entscheidungen, die das Leben an der

Uni erheblich beeinflussen. Sie bestimmen über einen nicht

ganz unerheblichen Haushalt, der im Jahr 2016/2017 knapp über

eine halbe Million Euro betrug und leisten Hochschulparteiarbeit,

indem sie sich jede Woche treffen, Anträge stellen und

Kompromisse aushandeln.

Doch wer steckt hinter den jungen Menschen auf den

Plakaten und was ist ihre Motivation, sich politisch zu engagieren?

Sind sie vielleicht junge Nachwuchspolitiker mit politischen

Visionen und Träumen für unser Land?

Tanja Rebmann, Vorsitzende der Studierendenvertretung

und damit die Chefin der gesamten gewählten Organe ist seit

knapp fünf Jahren bei den Jusos und vor rund drei Jahren in die

SPD eingetreten. „Am Anfang meines Studiums war ich sehr

schüchtern und habe mich ein halbes Jahr nicht getraut, zu den

Treffen der Jusos zu gehen“, erzählt die 26-Jährige. Politisch interessiert

war sie schon immer und Gemeinschaftskunde das

Lieblingsfach in der Schule.

Auch Daniel Schröder, erst Teil der Hochschulgruppe

Die Grauen und später Mitglied der Partei Die Linke, ist seit der

Schulzeit politisch interessiert. „Klick“ hat es nach den Terroranschlägen

in Paris 2015 gemacht. Abends nach einem Besuch

bei Freunden fragte er sich auf dem Nachhauseweg, was nun als

Nächstes komme. Neue Sicherheitsgesetze? Grundrechtsein-

Daniel Schröder

schränkungen? Für den 26-Jährigen war klar, er müsse jetzt etwas

machen und sich aktiv in die Politik begeben. „Es gibt die

Möglichkeiten zuzuschauen oder mitzumachen“, sagt der Geschichtsstudent.

Nach ersten kleineren Erfolgen an der Uni erkannte

er, dass er tatsächlich etwas verändern kann und tritt in

die Partei Die Linke ein.

Roxane Kilchling und Tim Blankenhorn sind durch den

Asta in die Hochschulpolitik gekommen. Beide wollten sich

neben dem Studium ehrenamtlich engagieren und wurden neugierig,

als es darum ging, das Unileben aktiv mitzugestalten.

Tim Blankenhorn hat momentan den einzigen Sitz der CDU-nahen

Hochschulpartei RCDS im Studierendenparlament inne.

Roxane Kilchling kämpft leidenschaftlich für eine grünere Politik

und gehört zur Grünen Hochschulgruppe (GHG).

“Als 2015 vermehrt Flüchtlinge nach Europa kamen und

Rassismus in den Alltag einzog, fühlte ich mich verpflichtet, etwas

zu tun”, erklärt Felix Burmann.

POLITIK


Zukunft der Politik

„Es gibt schon auch positive Veränderungen in der

Politik, aber für die gibt es einfach kein Bewusstsein“.

Tanja Rebmann

Zu den Jusos kam der 23-Jährige, da die Hochschulgruppe in

Konstanz sehr aktiv ist und er die Idee der sozialen Gerechtigkeit

unterstützt. Gleichzeitig mit der Nominierung von Kanzlerkandidat

Martin Schulz, trat Burmann begeistert der SPD bei.

Zusammen mit den insgesamt 209 Juso-Mitgliedern aus

dem Kreis Konstanz diskutieren er und seine Kollegin Rebmann

oft über Themen, die ihnen wichtig sind und auch, warum sich

die SPD seit einiger Zeit in der Krise befindet. Burmann fragt

sich manchmal selbst: „Was mache ich eigentlich in dieser Partei?“

In Konstanz laufe es gut, aber wenn der Jurastudent nach

Berlin blickt, kann er nur den Kopf schütteln. „Was in der großen

Koalition abläuft, ist eine Katastrophe“, meint er. Auf den

Parteitagen fände keine offene Diskussion statt, die Entscheidungen

würden in Hinterzimmern getroffen. Der gebürtige Ulmer

begrüßte zwar die damalige Mitgliederbefragung zur Koalitionsbildung,

jedoch wurde hier nur einseitig Werbung für die

Große Koalition betrieben. Für die Zukunft wünscht er sich

mehr direktdemokratische Elemente in den Parteien, das Stichwort

Online-Debatte fällt. So könne eventuell auch dem

Schwund an jungen politikinteressierten Leuten entgegengetreten

werden.

Tanja Rebmann

Dieses Problem, auch bekannt unter dem Schlagwort

Politikverdrossenheit, erkennen auch die anderen vier. „Besonders

ärgerlich ist, dass die Politik es im Moment nicht schafft,

den ottonormal-Bürger abzuholen und seine Interessen zu treffen“,

findet Rebmann. „Es gibt schon auch positive Veränderungen

in der Politik, aber für die gibt es einfach kein Bewusstsein“,

ergänzt die Masterstudentin. Blankenhorn geht noch einen

Schritt weiter: „Die Leute, die sich nicht interessieren, laufen

viel eher Gefahr, von Parteien wie der AfD aufgesammelt zu

werden“. Der Umgang mit der AfD beschäftigt den Studenten

der Politikwissenschaft: „Schwierig ist, dass momentan keine

sachlichen Diskussionen geführt werden“. Emotionen seien bei

politischen Debatten aber fehl am Platz und es helfe auch nicht,

Andersdenkende zu beschimpfen.

“In Deutschland schwelt zurzeit eine Scheindiskussion.

Manche Themen drängen sich auf, spiegeln aber nicht die

Hauptprobleme der Gesellschaft wider”, sorgt sich Roxane

Kilchling. Populistische Strömungen, die wichtige

09


Felix Burmann

„Deutschland ist eines

der sichersten Länder der

Welt und trotzdem fühlen

sich viele nicht mehr sicher“

Tim Blankenhorn

POLITIK


Zukunft der Politik

10

Angelegenheiten, wie zum Beispiel Energiepolitik oder den Fachkräftemangel

aus der Öffentlichkeit verdrängen, ängstigen sie.

Gegen Politikverdrossenheit bei jungen Leuten könnten

bestimmte Formate bereits in den Schulen helfen. „‚Pizza und

Politik‘, ins Leben gerufen vom SPD-Bundestagsabgeordneten

Lars Castellucci, gerichtet an Schüler_innen, fokussiert nicht

nur politische Themen, sondern bringt auch Lässigkeit mit rein“,

meint Burmann. Kilchling ist der Meinung, dass ganz allgemein

die Bedeutung von Demokratie in den Schulen besser vermittelt

werden sollte. „Mir stellen sich die Nackenhaare auf, wenn ich

über die Beeinflussung von Wahlen, zum Beispiel mithilfe von

Social Media Bots höre“, sagt die 25-Jährige und schüttelt ihre

wilden, braunen Locken. Umso wichtiger sei es, schon bei jungen

Menschen ein Bewusstsein zu schaffen, welche Informationen

seriös sind und wie Nachrichten von Werbung unterschieden

werden könne.

Der Blick in die Zukunft richtet sich bei den fünf auf sehr

unterschiedliche Träume und Visionen.

Für Daniel Schröder und Tanja Rebmann stellt die soziale

Spaltung eine der größten Herausforderungen dar. Auch mit

Fragen, wie sich das Arbeitsleben in Zukunft gestaltet und ob

oder wie lange jeder in Zukunft arbeiten kann, beschäftigen sich

der Hobbyfotograf und die Hobbybäckerin. Schröder träumt

zudem davon, dass die AfD in den nächsten Bundestag nicht

wieder einzieht. Der Masterstudent tritt ganz konkret bei den

kommenden Kommunalwahlen in Konstanz für die Linke Liste

im Gemeinderat an. Er möchte nicht nur mit den zuständigen

Personen reden und an Anträgen mitarbeiten, sondern an erster

Stelle dabei sein, wenn es um die Zukunft der Stadt geht. Rebmann

kann sich eine Zukunft als Berufspolitikerin nicht vorstellen:

„Politik ist mein Hobby und das soll es auch bleiben“.

Tim Blankenhorn liegt die aktuelle Sicherheitslage in

Deutschland am Herzen: „Deutschland ist eines der sichersten

Länder der Welt und trotzdem fühlen sich viele nicht mehr sicher“.

Verantwortlich dafür seien einzelne hervorgehobene

Straftaten, die tatsächliche Statistiken verzerren. Blankenhorn

spricht leidenschaftlich über dieses Thema, in seinem derzeitigen

Praktikum bei der Kriminalprävention in Singen lernt der

gebürtige Tübinger, was getan werden kann, um das mangelnde

Sicherheitsgefühl der Bevölkerung wiederherstellen zu können.

Roxane Kilchling

Roxane Kilchling wünscht sich mehr proeuropäische

Politik. Außerdem kämpft sie für eine grünere Klima- und Energiepolitik,

direkt vor Ort zum Beispiel bei den „Aktionstagen

gegen Braunkohle“ auf dem Klima Camp bei Köln 2017. Ob sie

auch nach dem Studium weiter für ihre Ideale einsteht und

eventuell den Karriereweg Politikerin einschlägt? „Ich würde es

vermissen, mich nicht einbringen zu können. Jedoch glaube ich,

dass ich in nächster Zukunft nie lange an einem Ort wohnen

werde“, sagt die Politikstudentin.

Felix Burmann, der sich gut vorstellen kann, später in die

Politik zu gehen, stören die Partei-Klüngel, die es sehr schwer

gestalten, an die Spitze zu kommen. „Nicht die Besten werden

Abgeordnete, sondern die mit den meisten Connections“, empört

er sich. Für ihn ist klar, dass es mehr direktdemokratische

Elemente in den Parteien geben muss. Nur so kann sichergestellt

werden, dass die Parteispitze auch das macht, was die Mitglieder

wollen. Und nur so können Regierungskrisen wie die

jetzige überwunden werden.

Tim Blankenhorn

POLITIK


11

Interview Nico Talenta

DAS SELBSTVERSTÄNDNIS

DER DEUTSCHEN

und der Zusammenhang mit der

Flüchtlingsdebatte

Prof. Dr. Daniel Thym

Prof. Dr. Daniel Thym wurde 1973

geboren und studierte von 1994 bis 1999

Rechtswissenschaften in Regensburg, Paris,

Berlin und London. Von 2000 bis 2009

war er Mitarbeiter des Walter-Hallstein-Instituts

für Europäisches Verfassungsrecht

an der Humboldt-Universität zu Berlin.

2003 promovierte er an der HU Berlin zum

Thema „Ungleichzeitigkeit und europäisches

Verfassungsrecht“. In den Jahren

2005 bis 2009 war Thym der erste Postdoktorand

des DFG-Graduiertenkollegs

„Verfassung jenseits des Staates“ und Assistent

am Berliner Walter Hallenstein-Institut

für Europäisches Verfassungsrecht.

Seit 2010 ist Thym Inhaber der Professur

für Öffentliches Recht, Europa- und Völkerrecht

an der Universität Konstanz und

maßgeblich beteiligter Wissenschaftler

am Exzellenzcluster „Kulturelle Grundlagen

der Integration“. Seit dem Jahr 2016

ist er außerdem Mitglied im Sachverständigenrat

deutscher Stiftungen für Integration

und Migration (SVR).

Können Sie uns eingangs kurz erklären, was mit

Verfassungspatriotismus gemeint ist?

Der Begriff wird seit 40 Jahren in der öffentlichen Diskussion

und der wissenschaftlichen Debatte immer wieder verwendet,

um auszudrücken, dass sich das Selbstverständnis der

Deutschen in erster Linie aus der Verfassung herleitet. Der Idee

eines deutschen „Sonderwegs“ wird eine Absage erteilt und die

Bundesrepublik nach dem Zweiten Weltkrieg fest im Westen

verankert. Heute denken die meisten an universelle Werte wie

die Menschenwürde oder den Gleichheitssatz, wenn sie den

Begriff hören. Aber zwingend ist das nicht, wie schon der Wortbestandteil

des „Patriotismus“ zeigt. Es geht immer auch um

eine emotionale Hinwendung zum Gemeinwesen, also um „Verfassungsliebe“.


POLITIK


Interview – Verfassungspatriotismus

Wer kann sich als Verfassungspatriot_in bezeichnen?

Ausdrücklich wird der Begriff selten verwandt. Er ist eher

eine Sammelbezeichnung, um diejenigen zu bezeichnen, die im

öffentlichen Diskurs die Bedeutung des Grundgesetzes für das

Zusammenleben betonen. Dies geschieht derzeit in nahezu jeder

Sonntagsrede oder Talkshow über Migration und Integration,

was für mich der Hauptgrund war, mich mit dem Thema zu

beschäftigen. Wie kann es sein, dass das Grundgesetz, von dem

ich als Jurist weiß, dass es wenig regelt und viele sperrige Inhalte

besitzt, öffentlichkeitswirksam trotzdem immer wieder als

Lösung für gesellschaftliche Zukunftsfragen beschworen wird?

Gibt es einen Zusammenhang zwischen erstarkenden

Nationalismen auf der einen und Verfassungspatriotismus auf

der anderen Seite und wenn ja, wie bewerten Sie diesen?

Sie sprechen einen wichtigen Punkt an: Das Verhältnis

zu alternativen Deutungsmustern, etwa das klassische kollektive

Selbstbild der Deutschen als „Kulturnation“. Das wird heute

leicht als rückwärtsgewandt abgetan, prägte aber bis vor Kurzem

noch weite Teile der Gesellschaft. Ein heute gängiges Verständnis

des Verfassungspatriotismus, das von Jürgen Habermas

maßgeblich mitgeprägt wurde, positioniert das Grundgesetz als

Alternative für derartige essentialisierte Selbstverständnisse.

Deutschland sollte zur Staatsbürgernation aufgrund universeller

Werte werden. Der neue Nationalismus, den wir vielerorts beobachten,

reaktiviert dagegen die frühere Sichtweise und noch

dazu häufig in einer radikalen oder gar rassistischen Variante.

Das liegt vielleicht auch daran, dass der Verfassungspatriotismus

sich zu universell-liberal präsentierte und die zweite Worthälfte

vergaß.

»Was heißt ein

Zusammenleben

aufgrund der

Menschenwürde

ganz konkret?«

12

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13

Interview – Verfassungspatriotismus

Dies ließ eine Leerstelle, die von völkischen Radikalen besetzt

wird. Von daher muss es nicht schlecht sein, dass die Politik

aktuell auch über Heimat redet. Man darf die emotionale Hinwendung

nicht allein den Rechten überlassen.

Warum taucht das Konzept des Verfassungspatriotismus

gerade in den aktuellen Flüchtlingsdiskussionen immer

wieder auf?

Weite Teile der Gesellschaft sind verunsichert, weil

Migration immer Veränderungen verursacht. Die Gesellschaft

wird diverser und teils entsteht auch ein zumindest gefühlter

Konkurrenzkampf um knappe Ressourcen. Außerdem dient

Migration, weil sie so sichtbar ist, immer auch als Projektionsfläche

für eine allgemeine Unzufriedenheit mit gesellschaftlichem

Wandel und der Globalisierung. In dieser Situation der

Unsicherheit suchen die Menschen eine inhaltliche Orientierung

– und hier bietet sich das Grundgesetz als Referenzpunkt

an. Das ist in vielerlei Hinsicht positiv, weil man damit die bestehenden

Werte bekräftigt und sich bereit erklärt, mit anderen

zusammenzuarbeiten. Man muss freilich aufpassen, dass man es

sich nicht zu einfach macht, denn das Grundgesetz löst die

meisten Probleme nicht. Politik und Gesellschaft können den

Zusammenhalt also an die Verfassung delegieren, sie müssen

selbst aktiv werden und die Grundlagen des Zusammenlebens

erneuern.

Im Zuge der Flüchtlingsdebatte haben sich viele gefragt,

was Deutschsein bedeute und auf das Grundgesetz hingewiesen.

Ist Deutschland 2018 verfassungspatriotisch?

Im akademisch-universitären Milieu ganz gewiss. Doch

auch hier gilt, dass man es sich nicht zu einfach machen sollte.

Denn was heißt ein Zusammenleben aufgrund der Menschenwürde

ganz konkret? Das beginnt bei der Verfassungsauslegung,

wenn man etwa darüber streitet, ob Richterinnen als

Hoheitsträger offen religiöse Symbole wie das Kopftuch tragen

sollen. Doch es geht nicht nur um die großen Fragen und das

Recht, denn ebenso wichtig sind Alltagspraktiken wie ein Umgang

miteinander, der Vertrauen stiftet. Begrüßungsrituale etwa

sind nicht rechtsverbindlich und sie verändern sich auch, aber

das heißt nicht, dass sie irrelevant wären. All diese Fragen muss

die Gesellschaft beantworten.

Ist Verfassungspatriotismus die Lösung für die Identitätskrise

der Europäischen Union?

Ich selbst war während meiner Promotionszeit in Berlin

davon überzeugt, dass die Grundrechtecharta und der europäische

Verfassungsvertrag, der damals ausarbeitet wurde, in der

EU nach deutschem Vorbild ein neues Gemeinwesen stiften

würden. Aber so einfach war und ist das nicht. Die Grundrechtsurteile

des Europäischen Gerichtshofs sind heute etwa ebenso

wichtig wie diejenigen des Bundesverfassungsgerichts, aber

dennoch fühlen sich die meisten Bürger nicht vorrangig der EU

verpflichtet. Auch der Streit mit Polen oder Ungarn und die

Flüchtlingskrise zeigen, dass abstrakte Werte wie Rechtsstaatlichkeit

oder Menschenrechte selten eine ganz konkrete Lösung

vorgeben. Eine Wertegemeinschaft ergibt sich nicht aus formalen

Rechtstexten, sondern muss gelebt werden. Das gilt für die

EU ebenso wie für Deutschland. Ein ernst gemeinter Verfassungspatriotismus

ist anspruchsvoller als es scheint. Er fordert

die Bereitschaft zur inhaltlichen Auseinandersetzung.

ZGH 0088/45 · 09/16 · Foto: peterheck.de

Der AOK-Studenten-Service.

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Studenten-Service · Inselgasse 30 · 78462 Konstanz

AOK Baden-Württemberg


Text Pia Sautter

Foto Pia Sautter

WG-EINBLICK

LEBEN IN EINER KATHOLISCHEN

VERBINDUNG

14

Ein langer Tisch in einem Raum, vor dessen Fenstern dreifarbige

Tücher in Blau, Rot und Silberweiß hängen. An den

Wänden reihen sich Bilder von Verbindungsmitgliedern, die

ersten sind aus den 1970er Jahren.

Was ist das für ein fancy Raum?

Jakob Das ist unser Versammlungsort und gleichzeitig Wohnzimmer

der Vierer-WG.

Wie seid ihr hier gelandet?

Johannes Ich habe auf vier-wände.de geschaut. Das

Preis-Leistungsverhältnis ist so gut, ich habe erst gedacht das ist

ein Betrug.

Leon Viele Mitglieder wohnen erst einmal hier. Ich finde die

WG ist perfekt, um in Konstanz anzukommen und Anschluss zu

finden.

Was macht euch aus?

Manuel Der gemeinsame Nenner ist der katholische Glaube.

Die Verbindung ist als Lebensbund angelegt. Man muss aber

nicht unbedingt Mitglied sein, um hier zu wohnen. Wir leben

nach vier Prinzipien. Religio steht für die katholischen Werte,

Scientia für die akademische Bildung, Amicitia ist die Freundschaft

und Patria die Heimat.

Auf dem Holztisch der Hausbar, um den wir sitzen, steht ein

Bierkrug, auf dem ein Wappen abgebildet ist. Darauf sind die

jeweiligen Symbole der Prinzipien: Ein Kreuz, ein Buch, eine

rote Blume und ein Fisch - das Bodenseefelchen.

Was gefällt euch an eurer Verbindung besonders?

Pablo Ich komme aus Spanien. Die Werte stimmen mit meinem

Umfeld Zuhause überein, da habe ich mich gleich heimisch

gefühlt.

Manuel Man findet schnell Gleichgesinnte und ich mag den

internationalen Bezug durch den Cartellverband, dem wir zusammen

mit Verbindungen aus anderen Ländern wie Italien

oder Japan angehören.

Wie feierwütig seid ihr?

Manuel und Jakob, beide schon alte Hasen, sind die

Tratschtanten der Runde und haben auch schon gleich das

Semesterprogramm zur Hand. Gut gelaunt wird erzählt.

Jakob Wir haben fixe Veranstaltungen wie das Gründungsfest

im Programm. Wir grillen aber auch gerne oder gehen zusammen

auf den Weihnachtsmarkt. Wenn wir mal spontan noch ins

Berrys gehen, hat das nichts mit der Verbindung zu tun. Da

kommt dann wieder das WG-Ding mit rein.

Manuel Unser nächstes großes Projekt ist eine Riverboat-

Party. Der Unterschied zu anderen Studentenpartys ist vielleicht,

dass man sich bei uns auch mal schicker macht. Teilweise reisen

zu Veranstaltungen auch erfolgreiche Mitglieder unserer Verbindung,

der KDStV Bodensee, oder des Cartellverbands als Gastredner

an. Wir hatten zum Beispiel mal Winfried Kretschmann da.

Jakob Ja, die erzählen dann Sachen, das würde man nie in der

Zeitung lesen.

Was nervt euch?

Johannes Verbindungsmitglieder die nur Dreck verursachen…

Manuel …oder die nachts den Chipsvorrat plündern.

Was hat es mit den Bändern auf sich?

Manuel Das Blau steht ganz kreativ für den Bodensee, Das

Silberweiß für die Berge und das Rot für Konstanz.

Jakob Wir laufen damit aber nicht in der Uni rum. Das ist

jetzt vielleicht auch nicht das Coolste, was man machen kann.

Was wollt ihr noch loswerden?

Manuel Johannes, Kannst nen Gruß an deine Oma ausrichten.

Johannes Gruß an meine Oma geht raus. Aber jetzt ernsthaft,

ein häufiges Vorurteil ist, dass wir frauenfeindlich wären. Auf

fast jeder Veranstaltung sind Damen willkommen.

Jakob Es gibt auch viele Frauen, die jahrelang in der Verbindung

tätig sind, die bekommen dann als Auszeichnung eine

Schleife statt ein Band.

Manuel Ich muss auch ganz ehrlich sagen, wenn hier jetzt bei

jeder Veranstaltung nur Jungs sitzen würden, ich glaube da würde

ich nicht kommen.

Gruppenfoto v.l.n.r.: Lukas, Leon, Jakob, Johannes, Pablo, Manuel

HOCHSCHULLEBEN


Text Fabian Vugrin

Fotos Mai Linh Bui

Alles im Griff?

Jeder hat sie im Freundeskreis. Diese eine Person, die

bouldert. In meinem Freundeskreis bin ich es. Und ja, es macht

tatsächlich Spaß, an einer Wand mit verschiedenfarbigen Steinen

herum zu klettern. Warum ihr der Sportart auch mal eine

Chance geben solltet, erfahrt ihr hier.

Ach, diese Sportart wird sich niemals durchsetzen. Das

ist doch bestimmt super langweilig, dachte ich, als ich vor einigen

Jahren zum ersten Mal von diesem „Bouldern“, dem Klettern

ohne Seil in Absprunghöhe, gehört habe. Was ich damals

nicht wusste: Die Sportart hatte sich bereits durchgesetzt – und

wie.

Nachdem Bouldern einige Zeit lang nicht mehr meine

Gedanken kreuzte, war es Anfang vergangenen Jahres schließlich

doch so weit: Gemeinsam mit einem Freund bin ich das

erste Mal - selbstverständlich mit nagelneuen Kletterschuhen

und einem randvollen Magnesiumbeutel – zu dem Boulderfelsen

am Unisport-Gelände geradelt. Dort angekommen, fanden

wir – mehr oder weniger überraschend - einen verhältnismäßig

großen Block vor, den sogenannten uniBloc. Dieser ist auf allen

Seiten übersäht mit bunten, angeschraubten Steinen, Grüne,

Gelbe, Schwarze, Lila Blaue, Weiße und Rote. Nach kurzem,

semi-professionellem Blick und mithilfe eines Schildes stellten

wir fest: Jede der Farben formt eine Kletterroute. Um diese erfolgreich

zu lösen, darf man ausschließlich die Bouldergriffe mit

der zugehörigen Farbe verwenden. Nachdem das Grundkonzept

verstanden schien, war die Devise: einfach mal planlos drauf los

klettern.


15

HOCHSCHULLEBEN


16

Reportage – Unibloc

Info → Bouldern boomt. Und das nicht erst seit kurzer Zeit. Die

Sportart entwickelt sich seit den 1990er Jahren rasant und wird zunehmend

populärer. Boulderweltcups werden seit 1998 ausgetragen. Und

am 3. August 2016 stimmte die Vollversammlung des IOC, des Internationalen

Olympischen Komitees in Rio de Janeiro für die Aufnahme

von fünf neuen Sportarten für die olympischen Spiele in Tokio 2020.

Mit dabei: Bouldern. Zwar wird das Freiklettern keine Einzeldisziplin,

bildet aber mit zwei weiteren Kletterarten die neue olympische Disziplin

„Olympic Combined“.

„Der größte Anfängerfehler ist

planloses Vorgehen“, erklärt mir Jörg

Helfrich einige Monate später bei einem

Gespräch im Büro des Hochschulsports

Konstanz. Der studierte Sportwissenschaftler

war 2017 beim Aufbau des uni-

Blocs dabei und ist seitdem für die Boulderanlage

zuständig. Naja, den Fehler,

ohne Plan vorzugehen, macht am Anfang

doch bestimmt jeder, dachte ich. Mit der

Zeit lernt man das richtige Vorgehen

schon selbst. In der Uni bin ich schließlich

auch passionierter Autodidakt.

„Auch weit verbreitet ist die Meinung,

dass das Bouldern sehr gut autodidaktisch

zu lernen sei. Dem ist nicht so“, erläutert

der langjährige Boulderer und

Kletterer weiter.

Nun ja. Im Nachhinein betrachtet

klingt es logisch, als Helfrich mir erklärt,

dass man wie bei jeder anderen Sportart

auch, vor allem zu Beginn, einen Trainer

brauche. Ansonsten sei die Gefahr groß,

dass reihenweise Taktikfehler gemacht

werden, sich ungesunde Bewegungsabläufe

einprägen oder technische Fehler,

wie etwa falsche Griffe, verinnerlicht

werden.

Nichtsdestotrotz hatte ich mit

meinem – zu Beginn planlosen – Vorgehen

so schnelle Fortschritte gemacht,

wie bei keiner anderen Sportart. Die

sonst selten benötigte Fingerkraft wurde

von Mal zu Mal stärker und der Muskelkater

von Mal zu Mal erträglicher.

Eine gewinnversprechende Taktik war

dabei immer, sich die Grifffolge bei

kniffligen Routen von besseren Kletter_

innen abzuschauen.

Dass am Anfang schnell Fortschritte

gemacht werden, sei soweit

ganz normal, stimmt Helfrich zu.

Das ginge durchaus auch ohne Trainer_

in. Jedoch werde jede_r noch so talentierte

Boulderer_in früher oder später an

einen Punkt kommen, an dem fast keine

Fortschritte mehr erzielt werden. „Ein

Trainer versucht dich als Sportler weiterzubringen,

nicht einzelne Routen zu lösen“.

Und das sei ja schließlich das Ziel.

Wie bei einer Hausarbeit bedarf auch

jede Boulderroute einer gewissen Vorbereitung.

Die Route genau anschauen.

Schlüsselstellen herausgucken. Die Griffund

Trittfolge planen. Dann kann es losgehen.

Und was genau ist der Unterschied

zum Klettern?

Nein, „Bouldern“ ist kein Hipsterbegriff

für „Klettern“. Bouldern ist

eine ganz eigene Disziplin. Zunächst

einmal gibt es kein Sicherungsseil. Dafür

schweben Boulderer_innen allerdings

auch nicht gleich in Lebensgefahr, sollten

sie einmal abstürzen. Denn gebouldert

wird in Absprunghöhe, und das –

meistens – mit weichem Untergrund

HOCHSCHULLEBEN


Reportage – Unibloc

Info → Jörg Helfrich beendete 2006 sein Studium der Sportwissenschaften

an der Universität Konstanz mit dem Bachelor of

Arts. Seit 2013 ist Helfrich Koordinator für uniNature, den Bergsport

an der Universität, und für uniVenture, den Hochseilgarten. Seit 2017

ist er zusätzlich für den uniBloc zuständig. Außerdem ist Helfrich

Lehrbeauftragter für Alpinistik und Skitouren des Fachbereichs Sportwissenschaften.

Seit Mai 2007 ist Helfrich staatlich geprüfter Bergund

Skiführer des Deutschen Alpenvereins (DAV). Er klettert seit 1995

intensiv und erschloss in den letzten Jahren einige Mehrseillängentouren

in Südafrika und Namibia, sowie Neurouten in Zimbabwe.

oder dicken Matten. Aber das heißt auch:

„Man traut sich mehr“. Die Verletzungsanfälligkeit

sei daher deutlich höher, als

beim herkömmlichen Klettern am Fels,

informiert Helfrich.

Ein weiterer Unterschied sind die

verschiedenfarbigen Routen. Wer einen

Berg in der Natur schon einmal genauer

betrachtet hat, wird festgestellt haben,

dass sich keine bunten Felsvorsprünge

finden lassen. Bei Boulderanlagen – so

auch am uniBloc – kennzeichnen die

unterschiedlichen Farben den Schwierigkeitsgrad

der Route. Mal fordern diese

das technische Geschick der Boulderer_

innen, mal deren Sprungkraft und fast

immer besonders viel Fingerarbeit.

Ferner ist das Hauptziel des traditionellen

Kletterns das Erklimmen des

Gipfels. Wie es die Kletternden an die

Spitze schaffen: egal – Hauptsache oben

ankommen. Beim Bouldern hingegen gilt

es, Bewegungsprobleme zu lösen. Und

das ist technisch und konditionell oftmals

anspruchsvoller. Denn, anders als

vielleicht vermutet, hat das Bouldern seine

Wurzeln nicht im Klettern. In den

1950er Jahren nutze John Gill, ein amerikanischer

Mathematikprofessor, das Klettern

an Felsblöcken in erster Linie dazu,

seine Fähigkeiten im Ringturnen zu verbessern.

Gill entwickelte aus Elementen

des Geräteturnens neue Klettertechniken,

die bis heute die Sportart prägen.

Bouldern ist also nicht gleich Klettern.

Bouldern ist, wie Helfrich es nicht

schöner hätte formulieren können „die

Essenz des Kletterns“.

Warum also mit dem

Bouldern anfangen?

Bouldern erfordert Kreativität. Die

Sportart trainiert nicht nur den Körper, sie

bedarf auch ein gewisses Maß an logischem

und problemorientiertem Denken.

Bouldern ist in Konstanz allerdings lediglich

am uniBloc möglich. Dort kostet eine

Boulderkarte im Sommersemester 75 Euro

und im Wintersemester 45 Euro. Weitere

Optionen bieten sich in Kreuzlingen oder

in Radolfzell. Ansonsten gibt es in der näheren

Umgebung keine alternativen Freikletteranlagen.

Damit sind wir heute immer

noch besser bedient als 1995. Damals, erzählt

Helfrich, wurde noch in Dachstühlen

und mit improvisierten Griffen geklettert.

Das Bouldern stellt zwar eine eigene

Sportart dar, nichtsdestotrotz eignet es

sich wunderbar, um erste Klettererfahrungen

für etwaige Bergbesteigungen zu sammeln.

Auch Helfrich gibt zu, dass er das

Bouldern ein Stück weit zur Vorbereitung

für das Klettern am Berg nutze.

Und tatsächlich möchte ich selbst

auch einmal an einen „echten“ Berg. Bis

dahin wird es aber vermutlich noch eine

Weile dauern. Da bleibt also genug Zeit,

auch endlich mal einen Boulderkurs zu

besuchen.

17


HOCHSCHULLEBEN


Text Eva Eß

Illustration Manuel Fleig

FACHSCHAFTEN

Nur Tradition oder

noch zeitgemäß?

18

Ein Jutebeutel voll mit Leckereien, Notizblöcken, Stiften

und einem 10€-Gutschein für das nächste Campusfestival. Die

Ersti-Augen leuchten begeistert von den vielen neuen Eindrücken

und sind noch müde von den langen Nächten, etwa auf der

Kandelblickhütte in Vöhrenbach. Es werden Flyer für die kommenden

Veranstaltungen verteilt. „Recht auf Rausch“ heißt es

auf der Einladung der Juraparty, die im Berry's und in der Kantine

stattfinden soll. Das Wintersemester in Konstanz hat begonnen

und in der Universität und HTWG wimmelt es von neuen

Studierenden. Es gibt tolle Möglichkeiten, um die Stadt sowie

die zukünftigen Kommiliton_innen kennenzulernen: Ersti-Frühstück,

Kneipentour, Stadtrallye, gemeinsames Dinner. Hinter

dem Programm für die Studierenden stecken ebenfalls Studierende:

die Fachschaften.

Alle Studierenden eines Studiengangs oder eines Fachbereichs

bilden eine Studienfachschaft, die häufig einfach als

Fachschaft bezeichnet wird. Solche verfassten Studierendenschaften

(VS) wurden in den 1970er Jahren abgeschafft. Im Jahr

2012 wurde die Wiedereinführung der gesetzlich verankerten

Studierendenvertretung in Baden-Württemberg beschlossen

und ist bis heute in allen Bundesländern in Deutschland, außer

in Bayern, in Kraft getreten. Die jeweilige Fachschaft besteht

aus einem Vorsitz, einem Stellvertretenden, dem Finanzbeauftragten

und einer Vertretung der Fachschaftskonferenz (FSK).

Die FSK ist für die Koordination und den Austausch zwischen

den Fachschaften zuständig und trifft sich im Normalfall einmal

in der Woche zu einem festgelegten Termin. Auch innerhalb der

Fachschaften finden solche regelmäßigen Sitzungen statt, in

HOCHSCHULLEBEN


Fachschaften

denen anstehende Probleme und Ideen besprochen werden. Da

die Mitglieder selbst Teil der Studierendenschaft sind, stellen

sie die optimale Anlaufstelle für Fragen rund um das Studi-Leben

dar.

An der HTWG in Konstanz gibt es derzeit sechs und an

der Universität 15 Fachschaften, die meistens nach der jeweiligen

Fakultät benannt sind oder mit einem übergreifenden Namen

mehrere kleinere Fachbereiche umfassen. Die Anzahl der

Mitglieder einer Fachschaft hängt allein von der Motivation der

Studierenden ab. Es gäbe jedoch Tendenzen zu kleineren und

größeren Fachschaften, sagt der stellvertretende Koordinator

der FSK Steffen Reinbold. An der Universität seien beispielsweise

die Juristen, die Wirtschaftswissenschaftler und die Politikwissenschaftler

in ihren Fachschaften besonders engagiert, wohingegen

der Fachbereich Geschichte mit eher wenigen aktiven

Teilnehmerinnen und Teilnehmern auskommen müsse.

Viel Aufwand und ein Großteil der Aufgaben der VS fließen

in die Organisation und Finanzierung der Ersti-Wochen.

Unter dem Semester finden zusätzlich Themenfeiern und bunte

Abende statt oder es werden Gesprächsreihen veranstaltet. Die

FSK legt außerdem Stellen in den Uni-Gremien fest und steht in

Kontakt mit den jeweiligen Fachbereichsreferenten, um beispielsweise

Änderungen in der Studienordnung zu besprechen.

Über Waffel- und Glühweinstände finanzieren sich Fachschaften

größtenteils selbst, ein kleines Budget wird ihnen durch die

Qualitätssicherungsmittel (QSG) zur Verfügung gestellt. Dabei

verfügt beispielsweise die VS der Universität Konstanz über

11,746% der QSG und verteilt die Gelder auf die FSK, die Fachschaften

und das Sprachlehrinstitut. Seit der Wiedereinführung

der VS 2012 müssen die Fachschaften offizielle Regeln einhalten

und beispielsweise in jeder Sitzung Protokolle und Finanzbuch

führen, um ihre Handlungen nachvollziehbar zu machen.

Steffen Reinbold ist inzwischen seit mehreren Jahren in

der VS tätig und stellt eindeutig ein sinkendes Engagement der

Studierenden fest, was die Mitarbeit in Fachschaften angeht.

„Die Studierenden wollen mehr mitreden, aber wo sind dann die

Studierenden, die mitreden wollen, wenn sie die Möglichkeit

bekommen?“, fragt er sich. Dass die Fachschaften aussterben,

glaubt Reinbold jedoch nicht. Es gehe immer irgendwie weiter,

auch wenn es manchmal schwierig sei. Natürlich wäre es schön,

wenn wieder mehr Personen die Masse der Studierenden vertreten

und sich für die Qualität des Studentenlebens einsetzen

würden. Neben organisatorischen Aufgaben bietet die aktive

Mitarbeit in einer VS schließlich auch viel Spaß in einer Gruppe.

Denn der ursprüngliche Sinn von Fachschaften besteht darin,

dass Studierende eine Anlaufstelle haben, wo sie sich austauschen

können und Mitspracherecht in wichtigen Punkten des

Alltags an Universität und HTWG haben. Diese Chance sollten

wir uns durch mangelndes Engagement nicht selbst nehmen.

19

HOCHSCHULLEBEN


Text Leonie Thiel

Einblick in das

Herz des BibCafés

Warum sich ein Besuch lohnt

20

Der Geruch von frischem Gebäck und das vollmundige

Aroma von gebrühtem Kaffee, Musik, die den Raum erfüllt, Studierende,

die lernen, diskutieren, entspannen und ihren Cappuccino

genießen – das ist das BibCafé. Wer sich den Weg durch

den Eingangsbereich der Bibliothek bahnt, vorbei an der meist

vollbesetzten Sitzetage, einmal rechts um die Ecke und durch die

große orangene Tür tritt, wird von einer herzlichen Atmosphäre

empfangen. Fernab von all dem Trubel ist ein kleiner, heimeliger

Ort zur Erholung geschaffen worden. Mit einer großen Bandbreite

an süßen sowie salzigen Leckereien ist hier rundum fürs leibliche

Wohl gesorgt. Besonders die neuen überbackenen Seelen

sollte man sich nicht entgehen lassen…

Das BibCafé gehört wie die Mensa, das CampusCafé und

die Gießberghütte zum gastronomischen Angebot von Seezeit.

Fernab vom Trubel in der Aula hat es in der Vorlesungszeit immer

montags bis donnerstags von 9 bis 16 Uhr geöffnet, und am Freitag

von 9 bis 15.30 Uhr. Außerhalb der Öffnungszeiten können

die Plätze zum Lernen genutzt werden und an der Selbstbedienungsmaschine

gibt es für alle, die ihren eigenen Becher dabei

haben, rund um die Uhr Kaffee. Um die freien Flächen künftig

noch besser zu nutzen und mehr Studierenden Platz zu bieten,

sind zusätzliche Stühle und Tische bereits beantragt.

Das Sortiment im BibCafé reicht von kalten Erfrischungsgetränken

der Marke „Fritz“ über frisch aufgebackene Croissants

und Brezeln bis hin zu Kuchen, die einem das Wasser im Mund

zusammenlaufen lassen. Zudem gibt es alle möglichen Kaffee-Spezialitäten

aus der Siebträgermaschine mit Bio- oder Sojamilch,

sowie heiße Schokolade mit dem feinen Caotina-Schokoladen-Pulver

und kleine Frühstücksvariationen, die wirklich

preiswert sind. Eine besondere Neuheit zur Mittagszeit sind die

überbackenen Seelen, die sich mittlerweile einer großen Nachfrage

erfreuen. Diese werden ebenfalls vor Ort frisch aufgebacken,

belegt und im eigenen Ofen überbacken – ihr könnt also

sicher sein, dass ihr einen warmen und frischen Snack bekommt,

der nebenbei bemerkt wirklich gut schmeckt. Eine besondere

Empfehlung kommt von der Café-Leiterin Katharina Neumann

persönlich: der Apfel-Pekannuss-Kuchen. Und auch der Chai

Latte sollte auf jeden Fall probiert werden.

Im BibCafé wird das meiste von Hand gemacht, das bedeutet

auch individuelle Wünsche können erfüllt werden. Zum

Beispiel einen Cappuccino mit Soja-Milch und Schoko-Sirup.

Oder wie wäre es mit einem Kokos-Latte? Diese ausgefallene

Kombination soll besonders fein sein, verrät Katharina Neumann.

Regelmäßig gibt es auch Specials wie im Winter den Zimt-Latte-Macchiato

mit Schlagsahne und Spekulatius-Crumble.

Nachhaltigkeit wird bei Seezeit großgeschrieben: Das

bedeutet, dass der Kaffee im BibCafé Bio-Fair-Trade-Ware ist

und dass auch bei Milch und Tee auf Bio-Qualität geachtet wird.

Sowohl im BibCafé als auch im CampusCafé verzichtet Seezeit

zudem inzwischen auf Papp-Becher. Auch der Verkauf der

Fritz-Limo in Glasflaschen spart jede Menge Plastikmüll.

Das Schöne am BibCafé sei die entspannte Atmosphäre,

sagt Katharina Neumann. „Die Studierenden sollen runterkommen,

den Kopf freikriegen, mal nicht an den ganzen Stress denken“,

so die gelernte Restaurant-Fachfrau, die vor etwa einem

Jahr die Leitung der beiden Seezeit-Cafés an der Uni Konstanz

übernommen hat. Sie liebt ihren Job hier – die Menschen, die

Umgebung und ihr Angebot, das sie ständig weiterentwickelt.

„Ich habe mich bewusst für Musik entschieden“, sagt sie zum

Beispiel, „weil dieser Ort zum Treffen, Quatschen, Diskutieren,

Genießen und Entspannen gedacht ist.“ Ein Raum in der Bibliothek,

an dem man nicht lernt. Eine sehr gute Idee, finde ich. Denn

die meisten Studierenden verbringen so viel Zeit in der Bibliothek,

da ist so ein Café genau der richtige Ort, um das Stresslevel

zu senken und den Kopf freizubekommen. „Wir freuen uns

immer über neue Gäste“, sagt Katharina Neumann. „Außerdem

sind wir immer offen für Verbesserungsvorschläge. Dieses Café

soll für Studierende der perfekte Rückzugsort sein. Jede Anmerkung

ist willkommen und ich werde versuchen, darauf einzugehen,

um das BibCafé noch besser zu machen.“

SEEZEIT


Text Ema Jerkovic

Jobben neben dem

Studium

Seezeit hilft

Das Studium kostet Geld und oft will dieses selbst verdient

werden. Zwar finanziert die Mehrheit der Studierenden ihr

Studium mithilfe der Eltern, so zeigt die 21. Sozialerhebung, jedoch

gehen auch knapp sechzig Prozent einer Nebenbeschäftigung

nach. Dabei drängen sich viele Fragen auf. Seezeit hilft weiter

und bietet sogar eigene Jobs an.

Bei der Suche nach einem passenden Nebenjob lohnt

sich ein Blick auf die Online-Jobbörse von Seezeit. Eine Registrierung

ist nicht notwendig, denn potenzielle Bewerber treten

durch in der Anzeige angegebene Kontaktdaten mit dem Arbeitgeber

in Kontakt. Jobs können dabei nach gewerblichen Angeboten

sowie Angeboten von Privatpersonen gefiltert werden. Jeden

Monat werden etwa fünfzig bis hundert neue Jobangebote in

die Seezeit-Jobbörse gestellt. Eine Auswahl wird täglich an der

Job-Wand neben dem CampusCafé und auf dem Monitor am

Seezeit-Shop an der Universität Konstanz gezeigt.

In der Jobbörse können auch Jobs von Seezeit selbst

gefunden werden. Dabei wird vor allem Arbeit im Bereich der

Hochschulgastronomie angeboten, etwa im CampusCafé oder

an den Mensa-Kassen. Außerdem werden auch immer wieder

studentische Aushilfen für den Bereich Studentisches Wohnen,

für das BAföG-Amt sowie den Seezeit-Shop gesucht. Dabei kann

ein Job bei Seezeit für Studierende besonders vorteilhaft sein.

Es existiert nämlich eine Vielzahl an Schichten, so dass die Arbeitszeiten

mit den individuellen Vorlesungszeiten gut vereinbar

sind. Zwar werden die Jobs über die Jobbörse ausgeschrieben,

doch auch Initiativbewerbungen sind gerne gesehen. Dafür können

Interessierte sich einfach mit ihrem Lebenslauf, ihrem individuellen

Vorlesungsverzeichnis und einem Hinweis auf die gewünschte

Wochenarbeitszeit in der Personalabteilung von Seezeit

melden.

Ist der perfekte Job gefunden, fragen sich viele Studierende,

wie sie diesen mit BAföG kombinieren können. Bei einem

Bewilligungszeitraum von zwölf Monaten dürfen insgesamt 5.400

Euro brutto dazuverdient werden, ohne dass das BAföG gekürzt

wird. Der Verdienst muss jedoch auf jeden Fall dem BAföG-Amt

gemeldet werden. Auch gelten Ausnahmen, zum Beispiel, wenn

ein Praktikum vergütet wird. Am besten ist es, sich frühzeitig im

BAföG-Amt von Seezeit zu informieren.

Und was ist mit Abgaben? Der Versicherung und Rente?

Auch das sind Fragen, die sich jobbende Studierende stellen

sollten. Wichtig zu wissen ist, dass 9.000 Euro im Jahr für Studierende

steuerfrei sind. Wird im Monat mehr als 450 Euro verdient,

werden jedoch automatisch Steuern abgezogen. Diese können

Studierende im folgenden Jahr durch die Steuererklärung zurückerhalten.

Werden 450 Euro oder weniger verdient, kann auf die

Steuerabgabe verzichtet werden. Auch von der Rentenversicherung

können Studierende sich befreien lassen. Dabei bleibt die

Krankenversicherung unverändert. Das heißt, unter 25 Jahren

ändert sich nichts an der Familienversicherung, solange man

nicht mehr als 415 Euro verdient oder einen Minijob hat. Verdient

man mehr, wird die studentische Pflichtversicherung fällig wie

auch ab 25 Jahren. Verdient der Studierende zwar mehr als 450

Euro, arbeitet aber weniger als 20 Stunden in der Woche, bleibt

der Krankenversicherungsbetrag gleich. Werden zwischen 450

und 850 Euro verdient, zahlen Studierende einen prozentual steigenden

Beitrag zur Rentenversicherung und erwerben damit

Rentenbeitragszeiten. Jedoch gibt es auch Ausnahmen. Der Studierende

ist zum Beispiel versicherungsfrei, wenn er längstens

drei Monate oder 70 Arbeitstage in der vorlesungsfreien Zeit

arbeitet und dies im Voraus vertraglich festgelegt ist oder die

Beschäftigungsart begrenzt und nicht berufsmäßig ausgelegt ist.

Das gibt Studierenden die Freiheit, unbesorgt Ferienjobs ausüben

zu können.

Weitere Informationen zum Jobben im Studium und

zu aktuellen Jobangeboten gibt es bei Seezeit an

verschiedenen Stellen:

Online-Jobbörse von Seezeit:

seezeit.com/jobboerse

Bewerbungen für Jobs bei Seezeit:

bewerbungen@seezeit.com

BAföG-Amt;

Tel +49 7531-88 7265

bafoeg@seezeit.com

Sozialberatung

Sprechzeiten:

Mo 9.30 - 11.30 Uhr im Seezeit Service Center

Di 9.30 - 11.30 Uhr in K 401

sozialberatung@seezeit.com

Seezeit Service Center

Öffnungszeiten:

Mo - Do 9.00 - 15.30 Uhr

Fr 9.00 - 13.30 Uhr

21

POLITIK


Text Pia Sautter

Studentisches Wohnen

Vom Suchen und

hoffentlich Finden

Ein Gespräch mit Barbara Senn

Zimmervergabe bei Seezeit –

Was steckt dahinter?

22

Wohnungssuche – bei diesem Wort läuft es jedem angehenden

Studierenden kalt den Rücken hinunter. Die Jagd auf ein

Heim ist oft geprägt von Fristen, Castings und Stress. Wer auf

der Strecke bleibt, der muss sich schnell einen Notfallplatz auf

dem Sofa eines empathischen Freundes sichern. Ist die Wohnungssuche

in Konstanz wirklich so hoffnungslos? CAMPULS hat

es im Gespräch mit Barbara Senn, Sachgebietsleiterin Wohnen

bei Seezeit, herausgefunden.

Schürmann-Horster-Weg

Großer Andrang im

Wintersemester

Seit rund 27 Jahren hilft Barbara Senn Studierenden in

Konstanz, eine Bleibe zu finden. Zusammen umfasst das Seezeit-Team

der Sachgebiete Wohnen, Hausmeister- und Mieterservice

sowie Bauen und Technik 25 Mitarbeiter_innen.

Um dem regelmäßig wiederkehrenden Ansturm optimal

gewachsen zu sein, haben Senn und ihre Mitarbeiter_innen im

Laufe der Jahre verschiedene Systeme zur Zimmervergabe ausprobiert.

Etabliert hat sich das Modell der beiden in sich abgeschlossenen

Bewerbungszeiträume im Sommer- sowie im Wintersemester.

„Als ich hier angefangen habe, gab es eine durchgängige

Warteliste von bestimmt 2000 Bewerbern, die teilweise

zwei bis drei Jahre auf ein Zimmer warten mussten. Unser heutiges

System ist viel fairer. Wenn alle Zimmer belegt sind, sagen

wir allen ab und es besteht immer die Möglichkeit, sich auch

nach Auslandsaufenthalten oder Praktika erneut zu bewerben.“,

erzählt Senn. Aktenleichen gibt es keine mehr, weil regelmäßig

nachgefragt wird, ob weiter Interesse an einem Zimmer bestehe.

Sobald ein Platz frei wird, wird er dem per Zufallsprinzip ausgewählten

nächsten Bewerber angeboten. Der kann dann innerhalb

einer gesetzten Frist, in der Regel fünf bis sieben Tage, auf das

Angebot reagieren. Einige Bewerber sagen allerdings weder zu,

noch ab, sondern lassen die Rückmeldefrist verstreichen. „Wir

finden das schade, weil bei einer direkten Absage schneller andere

Bewerber nachrücken können“, meint Senn. Über den Nachrücker

entscheidet ein Algorithmus, der jedem Bewerber eine

zufällige Zahl an Punkten zuteilt. Wer die meisten Punkte erhält,

steht ganz oben auf der Warteliste.

Wie viele Bewerber gehen wirklich leer aus?

Eine Statistik am Beispiel des

Wintersemesters 2018/19

→ Es gab zum Wintersemester 3862 Bewerber

und Seezeit hat 1438 neue Mietverträge

abgeschlossen. Haben also 2424 Bewerber

eine Absage bekommen?

Nein, denn:

→ Unter den Bewerbern waren 1115, das ist fast

ein Drittel der gesamten Bewerber, die selbst

wieder abgesagt oder auf Nachfrage doch kein

Interesse mehr bekundet haben

→ Seezeit hat 2208 Zusagen verschickt, davon

haben 717 das Angebot abgelehnt oder die Frist

verstreichen lassen. 53 haben das Angebot

angenommen und den Vertrag später wieder

storniert

→ Letztendlich musste Seezeit bei 3862

Bewerbern also nur 539 Absagen verschicken

SEEZEIT


Studentisches Wohnen

„Immer wenn die Hochschulen

die ersten Zulassungsbescheide

abschicken,

wissen wir, jetzt geht es

wieder richtig los.“

Unbegründete Sorgen

Mit einem Missverständnis möchte Senn aufräumen: Früher

durfte man im Bewerbungsbogen unbegrenzt viele der 13

Wohnheime auswählen. Da es nur noch drei Auswahlmöglichkeiten

gibt, kann der Eindruck entstehen, dass sich jeder Bewerber

für drei Optionen entscheiden muss und bei allen anderen keine

Chance mehr hat. „Das sind aber nur angegebene Prioritäten.

Wenn keiner der Wünsche erfüllt werden kann, hat der Bewerber

trotzdem die Chance auf einen Platz in einer anderen Wohnanlage.“,

erklärt Senn. Mit den Prioritäten soll gewährleistet werden,

dass die Sachbearbeiter möglichst den Geschmack der Bewerber

treffen. Schließlich sollen sich die Studierenden später in

ihrer neuen Bleibe wohlfühlen. Die Neuerung gab es also nicht

etwa, um die Chancen der Studierenden aufgrund zu hoher Bewerbungszahlen

einzuschränken. Diese sind in Zeiten der Doppeljahrgänge

zwar angestiegen, mittlerweile hat sich jedoch alles

eingependelt und die Zahlen sind seit einigen Jahren konstant.

„Im Sommersemester haben wir in den letzten zwei Jahren

niemandem mehr absagen müssen und in Ravensburg, Weingarten

und Friedrichshafen haben wir zu dieser Jahreszeit teilweise

sogar Leerstände.“ Welche Wohnheime besonders beliebt sind,

kann Senn nicht eindeutig sagen. Früher seien es jeweils die

Neubauten gewesen, heute gäbe es keine klaren Tendenzen. Für

das Wohnheim Paradies am Seerhein gäbe es jedoch immer

mehr Bewerber als Zimmer.

„Bis vor ungefähr zehn Jahren

gab es ein Vorschlagsrecht

für Wohngemeinschaften.

Da kann es passieren,

dass zum Beispiel

besonders schüchterne

Kandidaten blöd dastehen.

Bei uns haben heute alle die

gleichen Chancen.“

Große Verantwortung und

kunterbunter Wechsel

Wenn die Hochphasen überstanden sind, wird es erst

einmal ruhiger in den Büros der Wohnheimverwaltung. Doch mit

dem Koordinieren der Neuverträge ist die Arbeit nicht getan.

Über das Jahr trudeln ständig Kündigungen, Umzugs- und Verlängerungsanträge

ein. Der Zimmerwechsel ist ein fortlaufender

Prozess, der koordiniert werden muss. Die Sachbearbeiter des

Sachgebiets Wohnen sind auch die ersten Ansprechpartner bei

Problemen. Sie fungieren dann als Moderatoren in ihren Sprechstunden

oder leiten die Anliegen an die entsprechende Abteilung

weiter. „Wir versuchen ein Feingefühl für die Bedürfnisse der Bewohner

zu entwickeln. Niemand muss als Junge in eine reine

Mädchen-WG, wenn die das auch bleiben will. Ansonsten schauen

wir, dass das Geschlechterverhältnis passt und auch internationale

Studierende ihren Platz bei uns finden“, sagt Senn.

Umzüge am Beispiel vom

Wintersemester 2018/19

→ Zu den 1438 Neuverträgen kamen 115 Umzüge

und 304 Verlängerung

→ Jeder Umzug bedeutet 2 Begehungen für den

zuständigen Hausmeister- jeweils beim Einund

Auszug

→ Die insgesamt 1553 Umzüge bedeuten also

3106 Begehungen durch 10 Hausmeister und

studentische Hilfskräfte in den Hochphasen

→ 30 Minuten wird für die Kontrolle jedes

Zimmers vor dem Einzug eingerechnet

Verständnis zeigen

Der Wohnungsmarkt ist gerade für Alleinerziehende oder

Studierende mit Behinderung verhältnismäßig kleiner. Dessen ist

auch Senn sich bewusst: „Nach einer Einzelprüfung kann die

Regelwohnzeit von vier Semestern für solche Bewohner verlängert

werden.“ Trotz aller Vorurteile, dem regelmäßig wiederkommenden

Stressanstieg und den zu verschickenden Absagen,

macht Senn ihre Arbeit gerne: „Dass jemand mal motzt, damit

müssen wir leben. Aber ich habe ein tolles Team, das mit Freude

an der Arbeit dabei ist. Wir können jungen Leuten helfen und das

motiviert uns.“

23

Jungerhalde

SEEZEIT


Kreuzworträtsel

47 40 20 17 25 10 10 20 3 11 29 8 33

24

Einsendeschluss: 28. Februar 2019, Zu gewinnen: 3 mal 2 ermäßigte 3h-Karten für die

Therme Konstanz. Kreuzworträtsel von Lea Luttenberger (Lea.luttenberger@uni-konstanz.de)

23

27

43

1

5

11

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39

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52

2 3 4

6 7 8

12

3

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9

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31

42

4

22

26

34

46

10

5

47

→ 1 soziales Netzwerk, wo man nicht „schon“, sondern „noch“ ist

5 Nationalspeise 11 Zeitmesserin, die nichts zu lachen hat 12 Nicht

ganz die Sprache nordirischer Hunde 16 Fiktive Art nichtmenschlichen

Wesens 19 Geht der „37“ senkrecht voraus 20 Schwedische

Modekette 22 Das Ende von „7“ senkrecht 23 Eigenschaft: von tadelnswerter

Unwissenheit zeugend 25 Am Ende vom Zoo 26 Träger

der Erbinformation (deutsch) 27 „Kaffee oder …?“ 28 Kann man

reinschreiben, meist viele zusammengetackerte Seiten 30 ä im

Kreuzworträtsel 31 größter Sportartikelhersteller der Welt 32 nicht

beeinflussbar 34 Vermindertes a in der Musik 35 Abkürzung Ordensschwester

36 ISBN für Zeitschriften 38 abschirmender kleiner

Mensch 39 Weil sie hier eine Flatrate kriegen, finden Schnipo

Schranke Panama oh, wie schön 43 Nicht mit 44 salopp: merkwürdig,

ausgefallen 45 War vielleicht zuerst da 46 Bei Peter Fox kommt

Frust auf, wenn er nicht kommt 48 Die Zone beim Skispringen, bei

der die Leute aufhören zu fliegen 52 Hiesige Behördennationalität

53 Am Ende des vierten Buchstabens des griechischen Alphabets

↓ 1 Wenn bei einem Tasteninstrument, das auch Teil eines Vogels

ist, der Deckel zuknallt 2 In einem Meter wird es zum Luftdruckmessgerät

3 Schweizerische Nationalbank 4 Nicht ganz zum Mor-

gengrauen und erst recht nicht zum Ende der Nacht 6 Bildet zusammen

mit „19“ senkrecht eine politische Strömung in

Deutschland, die sich u.a. gegen einen spezifischen Nationalismus

einsetzt und mit Israel solidarisiert 7 Zellen im zentralen Nervensystem

mit unterstützender Funktion für „24“ senkrecht 8 Austauschorganisation

9 Abkürzung „41“ 10 Es trinkt der Mensch, es

säuft das Pferd, heute ist es umgekehrt! 13 Organisationseinheiten,

die alles, was sie ge- oder verbrauchen, selbst produzieren 14 Ein

Discounter mit Nord- und Südpol 15 Im Normalzustand luftförmige

Stoffe 17 Wenn die „45“ waagerecht noch nicht gekocht ist, dann ist

sie… 18 wird lebend gekocht 19 Bildet zusammen mit „6“ senkrecht

eine politische Strömung in Deutschland, die sich u.a. gegen einen

spezifischen Nationalismus einsetzt und mit Israel solidarisiert 20

Östliche Spitze der Halbinsel Bodanrück im Bodensee 21 Pithon 23

he, she,… das s muss mit 24 Zellen im zentralen Nervensystem zur

Erregungsleitung und -übertragung 29 Verstrickung in Argumentation,

aus der man nicht mehr herauskommt 33 Nickel 37 folgt

manchmal auf die „19“ waagerecht 40 Pfennignachfolger 41 Plural

von Kid 42 Tanzte mit Emma Watson zuletzt über die Kinoleinwand

47 Da fehlt wohl das c 49 Früher am Tag als pm 50 Ein Diphthong

51 Deutscher Fernsehsender

KULTUR


Text & Fotos Nicolai Eckert

FAUST MAL ANDERS

Ein Blick hinter die Kulissen des

Konstanzer Jugendclubs

v. l. n. r.: Lela Mader, Rabea Schubert und Johanna Link

Laut wird es oft auf dem Dachboden der Spiegelhalle.

Sei es anschwellendes Stimmengewirr, das Stampfen vieler

Füße oder energische Stimmen einzelner Personen - still wird

es selten. Und wenn dann doch einmal Stille hereinbricht,

dann ist sie gespannt, voller Erwartungen und Vorahnungen.

Der Dachboden der Spiegelhalle ist der Proberaum des Konstanzer

Jugendclubs. Hier wird von einem jungen Ensemble

einmal die Woche Theater gespielt. Die Jugendlichen sind zwischen

14 und 20 Jahre alt und kommen aus Konstanz und der

näheren Umgebung. Schon auf den ersten Blick ist zu sehen,

dass diese Gruppe nicht homogen ist. Sie sind ein buntgemischter

Haufen verschiedenster ausgefallener Charaktere mit

einem großen Gespür für ihr Umfeld. Laut wird es, wenn sie

gemeinsam als Gruppe agieren und beispielsweise „Peng!“

spielen: Ein Spiel, bei dem es um Schnelligkeit und aufmerksames

Beobachten geht. Sie stehen im Kreis, ein Name wird genannt.

Die angesprochene Person hat sich nun schnell zu bücken,

während seine Nachbarn mit einer imaginären Pistole

und dem Ruf „Peng!“ auf ihn zielen. Sofort wird ein weiterer

Name genannt. Wer zu langsam reagiert, Fehler macht, seinen

Namen oder den seiner Nachbarn nicht rechtzeitig wahrnimmt,

fliegt raus. So wird der Kreis immer kleiner, das Spiel immer

hektischer und kniffliger. Leise hingegen wird es, wenn die

Gruppe gespannt auf einer Seite des Dachbodens sitzt und alle

beispielsweise dem Monolog eines Mitspielers lauschen.

Momentan arbeiten sie an einem Projekt, mit dem sie

im Juli 2019 auf der Bühne der Spiegelhalle stehen werden: Die

Jugendlichen werden ihre eigene Version von „Faust“ spielen,

den altbekannten Stoff auf ihre ganz eigene Art und Weise interpretieren

und auf Themen und Träume zuschneiden, welche

sie selbst momentan bewegen. Die Idee, Faust eigens zu interpretieren,

geht auf die Theaterpädagogin Rabea Schubert und

die Schauspielerin Johanna Link zurück. Johanna Link ist festes

Ensemblemitglied am Theater Konstanz seit der Spielzeit

2015/16. Im Jugendclub ist sie für die schauspielerische Komponente

zuständig und professionelle Ansprechpartnerin für

das junge Ensemble, während Rabea Schubert seit vergangener

Spielzeit die Proben des Jugendclubs als Theaterpädagogin

leitet und Regie führt. Das Team wird durch die Jahrespraktikantin

Lela Mader vervollständigt. Noch steht alles auf Anfang,

noch ist die Anzahl der bisher durchgeführten Proben an einer

Hand abzuzählen und noch ist alles eine große Idee: „Unsere

Inszenierung von Faust soll eher choreografisch und performativ

werden. Ich habe nicht vor, die Rollen klassisch zu besetzen.

Es soll mit der Gruppe gearbeitet werden, sodass sich im Spiel

verschiedene Konstellationen ergeben: Auf einmal gibt es dann

einen sogenannten Faust, dann einen sogenannten Mephisto,

aber die können in Folge plötzlich wieder weg sein. Es geht für

25


KULTUR


Jugendzentrum Steinstraße

26

mich eher um die Motive in Faust: Sehnsucht, Verausgabung,

Langeweile, Exzess, spüren und nicht spüren - um all diese

Themen. Wenn ich das einmal so popkulturell sagen darf, ist es

doch genau das, was heute noch von Faust übrigbleibt“, formuliert

Rabea Schubert.

Persönlich verfolgt Schubert einen zunächst verwunderlichen

theaterpädagogischen Ansatz, der sich erst nach weiterer

Überlegung erschließt: In erster Linie gehe es ihr nämlich

nicht um das Theaterspielen. Es gehe auch nicht primär um

das Ergebnis, das im Juli vor Publikum präsentiert werden soll.

Das Theaterspielen selbst sei in erster Linie der Vorwand, aufgrund

dessen sich die Jugendlichen treffen würden. „Es gibt

natürlich das Ziel der Aufführung, aber dazwischen steht, sich

zu begegnen und kennenzulernen. Dafür gibt das Theater den

Raum“, erklärt Schubert.

Ein Raum, der einen besonders wichtigen Stellenwert

innehat, ist der Dachboden der Spiegelhalle. Die ehemalige

Güterhalle ist ein Spielort des Theater Konstanz und besticht

durch seine rohe und offene Atmosphäre. Die Halle ist über

einen Steg, der an der Seitenwand entlangführt, zu betreten.

Hier geht es durch große Tore in das Innere der Spielstätte.

Schlicht umschließen roh verputzte Wände die weite Halle,

hier und da sticht das Gemäuer aus dem Putz hervor. Der Boden

ist schwarz gehalten, ein Metallgestänge unter der hohen

Decke dient als Hängung für die Theaterbeleuchtung. Ebenso

schlicht gestaltet sich auch der Dachboden. Zwar sind die

schrägen Wände hier weiß verputzt, doch ist das starke dunkle

Gebälk freigelegt. Der Dielenboden wirkt relativ neu, im Raum

selbst riecht es allerdings alt; ein wenig nach nassem Pelz,

Holz, Schweiß und Staub. Seit Jahren ist der Dachboden bereits

Treffpunkt und Probeort des Jugendclubs. Jede Woche

trifft sich die Truppe hier, um gemeinsam Theater zu spielen,

sich kennenzulernen und Spaß zu haben. Auf dem Dachboden

angekommen, werfen die Jugendlichen ihre Rucksäcke in die

Ecke, ziehen Jacken und Schuhe aus und stellen sich in einem

Kreis auf. Das alles geht schnell vonstatten. Bereits nach wenigen

Proben ist den Jugendlichen der Ablauf in Fleisch und Blut

übergegangen. Mit einigen Stimm- und Körperübungen wird

sich aufgewärmt und ein Bewusstsein für den eigenen Körper

und dessen Präsenz geschaffen. Dass das Theater für die jungen

Menschen ein Ort des sozialen Austauschs ist, zeigt sich an

einem Ritual, das zu Beginn jeder Probe stattfindet. Sie erzählen

einander, wie es ihnen im Moment geht, was sie bewegt

und beschäftigt. Interessant ist die Tatsache, dass das Ganze,

wenn die Zeit bleibt, gegen Ende jeder Probe wiederholt wird.

Im Vergleich zum ersten Durchlauf ist die Stimmung nach den

Proben beinahe durchweg positiv. Das gemeinsame Theaterspielen

zeigt schnell seine Wirkung. Die Anweisungen der Theaterpädagogen

werden unmittelbar, exakt und mit einer unfassbaren

Energie ausgeführt, Tatendrang und Spielfreude sind

allgegenwärtig.

Noch wird wenig an Faust gearbeitet. Die sogenannten

„Solis“ dominieren den Probenablauf. Die Aufgabe klingt relativ

simpel, ist es aber nicht: Alle Teilnehmer bekommen fünf

Minuten Zeit, um sich vorzustellen, zu sagen wer sie sind, oder

KULTUR


Jugendzentrum Steinstraße

v. l. n. r.: Lele Mader und Rabea Schubert

eine Facette von sich zu offenbaren. Die Form der Präsentation

ist dabei vollkommen egal, weshalb die Ergebnisse sehr unterschiedlich

ausfallen: Es wird erzählt von Allergien, von Lieblingssocken,

von Hobbys und Erlebnissen, die einem den Tag

verschönert haben. Andere geben der Gruppe Nachhilfe in

Schwizerdütsch, lesen eigens verfasste Geschichten vor, verteilen

ihren Lieblingskuchen, tanzen, spielen Musikinstrumente

oder fertigen während ihrer Performance Zeichnungen an. Und

es zeigt sich schnell, dass die Gruppe bereits Stereotypen, Rollenclichés

sowie Versagensängste und Selbstzweifel gemeinsam

überwunden haben. Dass Meinungen und Erkenntnisse

nicht ohne Diskurs geschaffen werden, weiß Jasmine, die bereits

seit letzter Spielzeit Mitglied des Jugendclubs ist: „Man

ist sich nicht immer einer Meinung und streitet sich auch mal

mit den Leuten. Es kommen Probleme auf, aber wir finden

immer eine Lösung. Es macht Spaß, zu sehen, wie wir als

Gruppe zusammenwachsen.“ Es ist wohl nicht immer alles

pure Harmonie, aber die Bereitschaft, sich gemeinsam zu entwickeln,

zu diskutieren und sich mit Themen und Problemen

anderer auseinanderzusetzen, eint die Truppe. Bianca, die

ebenfalls schon letzte Spielzeit bei Nothing Compares 2 U mitgespielt

hat, kann die Wirkung benennen, die das Theaterspielen

auf sie hat: „Ich kam letztes Jahr hier her und war eigentlich

sehr verschlossen in mir drin. Eigentlich mochte ich es, auf

der Bühne zu stehen, aber wenn es dann darum ging, etwas zu

präsentieren, stand ich daneben und habe die Gruppe beobachtet.

Ich habe verdammt viel dazugelernt an social skills und

das hat mir alles sehr viel Selbstvertrauen gegeben. Es macht

Spaß, einfach zu tun, was ich will.“

Die Jugendlichen sind sich alle einig, dass es vor allem

das Engagement und die Motivation der Theaterpädagogen ist,

was auf sie abfärbt. Die gesamte Truppe begegnet sich auf Augenhöhe,

das zeigt auch das Vorhaben der Schauspielerin

Johanna Link, selbst mit den Jugendlichen im kommenden Juli

auf der Bühne zu stehen: „Meine Aufgabe ist es, mit den

Jugendlichen so gut es geht ins Spielen zu kommen. Da würde

ich mich auch gar nicht so als Lehrerin sehen, sondern ich treffe

einfach auf neue Kollegen. Zwar leisten wir auch ganz typische

Schauspielarbeit, aber das steht nicht im Vordergrund.“

Die Vision von Johanna Link und Rabea Schubert ist es, dem

Stoff „Faust“ auf berührbarer und emanzipierter Ebene zu begegnen;

„performativ und jugendlich zugleich“, ergänzt Schubert.

Es sei immer ein Experiment für die Theaterpädagoginnen,

mit den Jugendlichen zu arbeiten; wirklich planbar sei

eine Inszenierung dieser Art und Weise nicht. Die Stärke dieser

freien Form des Theaters ist laut Johanna Link, „die Möglichkeit,

auch persönliche Erlebnisse jedes einzelnen Mitgliedes in

das Spiel einfließen zu lassen; losgelöst von jeglichen Konventionen,

die einem sonst im Theater auch begegnen.“

Viel haben sie sich alle vorgenommen. Bis zu der Premiere

des Stücks am 05.07.2018 hat die Truppe allerdings noch

viel zu tun. Noch oft wird eine gespannte Stille auf dem Dachboden

der Spiegelhalle herrschen und noch oft wird der Raum

in den energiegeladenen Proben der Jugendlichen von lauten

Geräuschen durchflutet sein.

27

KULTUR


28

Text Eva Eß

Fotos Mario Naegele & Archiv Bernt Jahnel

EIN LEBEN AUF

DEM SKATEBOARD

Es ist ein warmer Herbsttag. Die Mittagssonne steht im Zenit.

Bernt Jahnel lehnt entspannt in einem Stuhl vor seinem Skateshop am Münsterplatz.

Er trägt eine Cap, um seine Augen vor dem Sonnenlicht zu schützen, und ein schwarzes

T-Shirt mit dem Logo seines Geschäfts: Ein gelber Elefant auf einem Skateboard und darunter

der Markenname Frontline. In der rechten Hand hält er ein kühles Radler und in seinem Gesicht

liegt der Ausdruck purer Gelassenheit.

Das Skaten ist Jahnels Lebensstil. Mit etwa zwölf Jahren steht er zum ersten Mal auf dem

Brett und was als Hobby beginnt, entwickelt sich zu einer Karriere als professioneller Skateboarder.

15 Jahre lang verdient er damit sein Geld und verbringt circa zwei Drittel des Jahres im Ausland.

Er nimmt an vielen Wettbewerben, vor allem im Bereich Halfpipe, teil und skatet unter

anderem in Europa, Amerika oder Australien. Am Bodensee gefällt es ihm aber immer noch am

besten: „Wenn man so viel unterwegs ist, weiß man, wie schön es daheim ist“, findet der gebürtige

Konstanzer.

Inzwischen ist Bernt Jahnel 49 Jahre alt und stolzer Vater eines vierjährigen Sohnes.

Die Zeit als Pro-Skater endet in seinen frühen 30ern und geht fließend über in die Arbeit in

seinem Skateshop, den er bereits während seiner aktiven Karriere zusammen mit einem

ehemaligen Schulfreund aufbaut. „Ich arbeite so viel, bis ich meinen Ansprüchen gerecht

werde und in der restlichen Zeit genieße ich das Leben“, sagt Jahnel. Deswegen

gehe es ihm in der Selbständigkeit nicht darum, reich zu werden, sondern

seine Zeit selbst einteilen zu können. Sein Laden am Münsterplatz hat sich

indes auf Hardware spezialisiert. Kleidung und Schuhe gibt es vor allem

für männliche Kunden, sind aber größtenteils auch unisex tragbar.

KULTUR


29

Porträt – Bernt Jahnel

Der ehemalige Pro-Skater engagiert sich

neben seinem Skateshop auch für die Skatekultur

am See. Im Jahr 2015 müssen einige Skateplätze im

Umkreis Konstanz abgebaut werden, wodurch sich eine große

Menge Material ansammelt. Pipes und Rampen, sowie Metallund

Holzplatten, die keine Verwendung mehr finden. Jahnel

entwirft die Idee einer einzigartigen Rampe und findet zahlreiche

Unterstützer, die ihm bei der Ausarbeitung des Konzepts

helfen. Aus den recycelten Materialien entsteht dadurch im

Spätsommer 2017 der Skatepark Platz 7 auf dem Unisportgelände

in Konstanz. Zuletzt findet dort im September 2018 ein

Vert-Ramp-Contest statt und im Sommersemester ist über den

Hochschulsport eine Teilnahme am Skatekurs möglich.

Das Skaten nimmt einen großen Platz in

Bernt Jahnels Leben ein. Er arbeitet mit Herzblut in

seinem Skateshop, organisiert Skate-Contests und

steht zusätzlich selbst noch regelmäßig auf dem Brett. Als Ausgleich

zum Risikosport betreibt der ehemalige Pro-Skater Fitness

und Stretching und versucht, gezielt seinen Rücken zu stärken.

Im Winter fährt er Snowboard und als Abwechslung zum

Skateboard greift er auch mal zum Surfbrett. Jahnel schätzt vor

allem das offene Miteinander zwischen den Brettsportlern. „Am

Skateplatz ist es egal, welche Nation oder Hautfarbe du hast

und ob du jung oder alt bist. Es ist eine Familie“, sagt der 49-Jährige.

Das Skaten ist mehr als ein Hobby oder ein Beruf, es ist ein

Lebensgefühl.

KULTUR


von Lea Luttenberger

Den Kaffee mit

Milchschaum, bitte

30

Die ersten Tage Praktikum beim Verlag war ich

durchaus verlegen. Wenn ich nicht gerade in meinem aerodynamisch

wertvoll ausgetüftelten Bürostuhl saß und

auf zwei Bildschirme starrte, lief ich durch die Gegend

und stellte viele Fragen. Wie man mit einer Apple-Tastatur

französische Anführungszeichen macht, zum Beispiel.

Wenn ich gerade keine Fragen hatte und trotzdem

das Gefühl, keine Sekunde länger mehr arbeiten zu können,

war und ist Kaffee holen immer ein guter Grund,

aufzustehen. Ich bin nicht die Praktikantin, die Kaffee

kocht, sondern die, die welchen trinkt. Dabei profitiere

ich sehr von unserem Kaffeevollautomaten, der sogar

Milchschaum und solche Späße beherrscht. Kopieren

kann ich leider nicht so gut, muss ich aber zum Glück

auch in der Regel nicht. Alle kopieren sich die Sachen,

die sie brauchen, selbst. Als ich dann doch mal in diese

Situation kam, verursachte ich einen immensen Papierstau.

Manchmal frage ich mich, was der Verlag eigentlich

davon hat, mich Anfang 20-Jährige ohne abgeschlossene

Ausbildung oder Studium bei sich rumhopsen zu

lassen. Auf jeden Fall eine unbezahlte Arbeitskraft. „Lass

dich nicht ausbeuten!“, sagt mein Vater dann. Es gibt sicherlich

Praktikumsstellen, die sich über ein kostenloses

Mädchen für Alles freuen und am ersten Praktikumstag

grinsend eine meterlange To-Do-Liste mit Arbeiten,

die sonst niemand erledigen möchte, aus der Schublade

holen – allem voran dann Kaffee kochen und kopieren.

Es sind genau solche Vorstellungen, die dazu führen, dass

mir vor Staunen die Augen aus dem Kopf fallen, wenn

unser Chef den Müll rausbringt, obwohl ich

auch gerade im Raum wäre, bereit, ausgenutzt

zu werden.

In meinem Fall gab es

eine solche Liste nicht, ich

mache genau die gleichen

Aufgaben wie alle anderen

im Lektorat, mit dem Unterschied,

dass ich dafür

kein Geld bekomme. Hätte

ich mein Praktikum in

der Wirtschaft gemacht,

hätte ich so viel verdient,

dass ich zum ersten Mal

in meinem Leben Steuern

gezahlt und für das

ganze restliche Jahr vorgesorgt

hätte, inklusive Urlaubsreise

in irgendein Weitweit-weg-Land.

„Auf dem Arbeitsmarkt

ist der Lohn, also Geld, der Weg, Wertschätzung

auszudrücken“, sagte mir eine Kollegin auf der Arbeit.

Manchmal wünsche sie sich, einen wertschätzenderen

Berufswunsch gehabt zu haben. Wenn Arbeitgeber_innen

kaum die Mittel haben, ihre Festangestellten

angemessen zu bezahlen, wo soll dann der Lohn für unausgebildete

Praktikant_innen herkommen?

Dieses Thema der Lohnungleichheit ist nicht neu,

im Bereich von Praktika spielen aber noch ganz andere

Absurditäten eine Rolle. Voraussetzung für den Einstieg

ins Verlagswesen ist ein Volontariat und dieses wiederum

setzt ein Praktikum voraus. Und was ist, wenn ich es

mir nicht leisten kann, monatelang unbezahlt in Vollzeit

zu arbeiten? Dann kann ich kein Praktikum machen und

also auch nicht ins Verlagswesen gehen?

Nicht bezahlt heißt nicht gleich ausgebeutet, und

Bezahlung allein macht für mich auch keine Anerkennung

aus. Auch unter dem Siegel eines guten Lohns kann

man Praktikant_innen ausnutzen und sie z.B. nur Kaffee

kochen lassen, das nennt sich dann auch Barista. Wenn

nicht vergütet werden kann, muss Wertschätzung auf

eine andere Art ausgedrückt werden. Langfristig muss

hierfür eine branchenunabhängige Lösung gefunden werden.

Es ist absurd, wenn Branchen wie das Verlagswesen

exklusiv für kleine Gruppen werden und zwar die, die

sich ein unbezahltes Vollzeitpraktikum leisten können.

Ein erster Schritt wurde schon getan, indem Praktika, die

länger als drei Monate gehen, grundsätzlich bezahlt werden

müssen. Wenn daraus aber resultiert, dass Betriebe

wie auch mein Verlag keine Praktika mehr vergeben, die

länger als drei Monate gehen, dann denke ich: „Yeah, geil.

Ein riesengroßes ‚Wow‘, das hat jetzt richtig was gebracht.

Ziel erreicht.“ Innerlich bin ich froh zu wissen, dass mich

die Leute sowieso mit Kusshand nehmen, weil man Leute

im Pflichtpraktikum generell nicht bezahlen muss. Ich

habe den Jackpot im nicht-bezahlt-arbeiten-dürfen. Es

ist paradox, wenn sich Menschen ausnutzen lassen müssen,

um ihre Berufsaussichten zu verbessern und das auch

noch gerne tun. Und das tue ich tatsächlich. Dadurch,

dass ich nicht bezahlt werde, fühle ich mich auch freier

darin, Fehler zu machen. Immerhin musste mein Verlag

mir kein Geld dafür bezahlen, dass ich eine Stunde lang

versucht habe, meinen selbstverursachten Papierstau zu

beseitigen. Aber eben auch nicht für die Bücher, die ich

korrigiert habe. Kurzfristig für die drei Monate reichen

mir erstmal ein Liter Kaffee am Tag, den ich in angenehmer

Atmosphäre mit meinen Kolleg_innen gemeinsam

trinken kann, als Wertschätzung.

KOLUMNE


BAföG-Amt

Gustav-Schwab-Straße 5

78467 Konstanz

Tel +49 7531 - 88 7265

Fax +49 7531 - 88 7299

bafoeg@seezeit.com

Mo - Do 9.00 - 12.00

und 13.00 - 15.30 Uhr

PBS

Psychotherapeutische Beratungsstelle

für Hilfe & Beratung bei Krisen im

Studium, psychischen und seelischen

Problemen.

Uni Konstanz,

Ebene K 3, K 313 – 315

Tel +49 7531 – 88 7310

pbs@seezeit.com

Besucht uns auch auf Facebook

Service Center

Erste Hilfe zu allen

Seezeit-Themen.

Uni Konstanz, Ebene A 5

Tel +49 7531 – 88 7400

Fax +49 7531 – 88 7444

servicecenter@seezeit.com

Mo – Do 9.00 – 15.30 Uhr

Fr 9.00 – 13.30 Uhr

Studentisches Wohnen

Uni Konstanz, Ebene K 3

studentisches.wohnen@seezeit.com

Mo – Do 9.00 – 12.00

und 13.00 – 15.00 Uhr

Fr 9.00 – 12.00 Uhr

Anmeldezeiten

→ telefonisch oder persönlich:

Mo und Mi und Fr

11.00 – 12.00 Uhr

HTWG Konstanz

Gebäude G, Raum 030 (Campus Gleich)

Alfred-Wachtel-Straße 8

→ Eingang Rheingutstraße

Tel +49 7531 – 88 7310

christine.klaschik@seezeit.com

Anmeldezeiten

→ telefonisch:

Mo und Mi und Fr

11.00 – 12.00 Uhr

Sprechzeiten

Di 17.00 – 18.00 Uhr

Mehr Infos online unter

seezeit.com

31

Sozialberatung

Für Fragen zu

Studienfinanzierung,

Studium mit Kind

und barrierefreiem

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Uni Konstanz, K 401

Tel +49 7531 – 88 7305,

vormittags erreichbar.

sozialberatung@

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Sprechzeiten

Mo 9.30 – 11.30 Uhr

im Service Center

Di 9.30 – 11.30 Uhr

in K 401, sowie nach Absprache.


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