Berliner Kurier 08.01.2019

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12 BERLIN BERLINER KURIER, Dienstag, 8. Januar 2019 *

Dem

Bürgermeister

Der Schlüterhof des

neuen Schlosses warim

August fast fertig. Von

Dassel (unten) imponiert

das offenbar nicht.

gefällt sein

Schloss nicht

Stephan von Dassel findet es „grausig“ und trauertdem Honecker-Palast nach

Von

MARTIN KLESMANN

und

GERHARD LEHRKE

Berlin – Das wieder aufgebaute

Schloss mit dem Humboldt-Forum

ist fast fertig –

da kommt Mittes Bürgermeister

Stephan von Dassel

(Grüne) um die Ecke und erklärt:

„Ich finde es grausig.

Auf der einen Seite diese

nachgemachte Barockfassade,

dann da die Kuppel drauf,

und auf der anderen Seite

diese Schießscharten.“

Wenn dies das Prestige-Architekturprojekt

der Bundesrepublik

sei, sei es aus seiner Sicht

bescheiden. „Ich hätte mir da

wirklich was Modernes gewünscht.“

Ab Ende 2019 soll darin

schrittweise das Humboldt-Fo-

Die Ostseite des Neubaus

findet deutlich mehr

Kritiker als die drei

historischen Fassaden.

rum eröffnet werden, das zum

Beispiel mehr als 20 000

Kunstwerke und Gegenstände

aus Asien und Afrika, Amerika

und Ozeanien zeigt. Auf der

Fläche stand einst der 1976 von

Erich Honecker eröffnete Palast

der Republik. Von Dassel

fand den DDR-Bau „unglaublich

interessant. Ich glaube,

man hätte da wieder was ausbauen

können.“

Das sei nun aber vorbei. „Die

Schlachten sind geschlagen.“

Der Bürgermeister gestand zu,

dass man sich sehr bemühe, aus

dem Humboldt-Forum ein

Haus zu machen, das von allen

genutzt werde. Er frage sich

aber, wo in Berlin die interessante

Architektur sei, obwohl

viel in der City gebaut wurde.

Kritik an den Äußerungen des

Bezirksbürgermeisters kam

umgehend von Wilhelm von

Boddien, der den Wiederaufbau

maßgeblich vorangetrieben

hat. Als Geschäftsführer

des Fördervereins zum Wiederaufbau

des Schlosses hat

Wilhelm von Boddien nach seinen

Angaben bislang 88 Millionen

Euro für die Gestaltung der

Fotos: Wächter,Winkler,Imago

Fassade eingesammelt. „Herr

von Dassel gehört zu einer immer

kleiner werdenden Gruppe

von Menschen, die die Barockfassade

kritisieren“, sagte von

Boddien dem KURIER. Was die

moderne Ostfassade zum Fernsehturm

hin angehe, befinde

sich von Dassel aber in größerer

Gesellschaft. Von Boddien:

„Die Ostfassade wäre am leichtesten

zu rekonstruieren gewesen.

Aber es war der politische

Wille, sie modern zu errichten,

damit nicht der Eindruck entsteht,

hier stünde das originale

Schloss.“

Die Berliner würden sich zunehmend

für das Schloss engagieren.

Bei der Grundsteinlegung

im Jahr 2013 wären nur

knapp zehn Prozent der Spender

Berliner gewesen, jetzt seien

es deutlich über 50 Prozent.

Gerade auch die Spenden aus

dem Ostteil Berlins hätten zugenommen.

Derzeit würden

nur noch rund 17 Millionen Euro

für die Fassade fehlen.

Ein Sprecher des Humboldt-

Forums selbst wollte die Äußerung

von Dassels nicht kommentieren.

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