Verwoben

ursarnold

Ausstellungskatalog

Heidi Arnold-Trudell VERWOBEN


Lebendige Tradition neu interpretiert

Das Museum des Landes Glarus befindet sich im Freulerpalast in Näfels, einem

der wich tigsten und prachtvollsten Gebäude des Glarnerlandes. Der Bau wurde 1648

als Wohnhaus fertig gestellt. Mit seiner Architektur und Ausstattung bildet er ein

Gesamtkunstwerk und eine Sehenswürdigkeit ersten Ranges. Die Räume sind hervorragend

erhalten und beeindrucken mit ihren frühbarocken Stuckaturen und formenreichen

Kassettendecken aus der Bauzeit jeden Besucher. Seit Mitte des 20. Jahrhunderts

beherbergt der Freulerpalast das historische Museum des Kantons Glarus. Anhand

kostbarer Objekte und Gemälde zeigt das Museum die vielfältige Geschichte des Kantons.

Einer der Schwerpunkte bildet die Abteilung Textildruck. Die Textilindustrie spielte

über viele Jahrzehnte eine enorm wichtige Rolle in diesem Industriekanton.

Anlässlich des Internationalen Museumstages 2015 am 17. Mai unter dem Motto

«Lebendige Traditionen – gestern, heute, morgen» widmete sich das Museum der

Webkunst. Denn sie ist Teil der Textilproduktion und legt quasi den Grundstein für

die berühmten Glarner Tücher.

Neben der Eröffnung eines zusätzlichen Raumes in der Dauerausstellung zum

Thema Weben anno dazumal, zeigte das Museum die Sonderausstellung «Verwoben

Draht, Nylon, Videobänder und natürliche Materialien» (17. Mai bis 30. August 2015).

Die Textilkünst lerin Heidi Arnold bekam die Gelegen heit, ihre zeitgenössischen Interpretationen

des traditionellen Handwerks in den Räum lichkeiten des Freulerpalastes

auszustellen. Dadurch entstand ein faszinie rendes Zusammenspiel zwischen den von ihr

verwendeten modernen Materialien und den historischen Räumen. Die Arbeiten

fügen sich in die Räume ein oder bilden Kontraste. Aus der Kombination von Alt und

Neu entstanden wunderbare Kombinationen.

Das Museum des Landes Glarus schätzt sich glücklich, die Kunstwerke von Heidi

Arnold zeigen zu dürfen. Ihre Werke veranschaulichen eindrücklich, dass Tradition

neu an gewendet und damit lebendig bleiben kann. Sie verkörpern deshalb ein Credo des

Museums: Früheres mit Heutigem verbinden und dadurch neue Erkenntnisse, Erfahrungen

und Erlebnisse ermöglichen.

Susanne Grieder

Leiterin Museum des Landes Glarus

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VERWOBEN

Heidi Arnold-Trudel

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Inhalt

Vorwort ........................................................................................................................................ 03

Einführung .............................................................................................................................. 09

01_ Nylonbilder ........................................................................................................................... 10

02_ «Halt im Raum» ............................................................................................................ 14

03_ «Container Carpet» ................................................................................................. 18

04_ Fiffi und Raupe ............................................................................................................... 22

05_ «13 x 13» ...................................................................................................................................... 26

06_ «Lichtsack » ......................................................................................................................... 30

07_ Schattenwürfe . ................................................................................................................. 34

08_ Rosengänge ........................................................................................................................... 38

09_ «For your eyes only» ............................................................................................... 40

10_ Videoband-Objekte ................................................................................................... 42

11_ «Ordnung – Unordnung» ............................................................................. 48

12_ Videoband-Gemälde ................................................................................................ 52

13_ «Löntsch» ................................................................................................................................ 56

Ausstellungen, Publikationen .............................................................................. 59

Werkverzeichnis . ....................................................................................................................60

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Was wurde verwoben? Der Titel von Heidi Arnold-Trudels Ausstellung im Freuler ­

palast in Näfels stellt implizit die Frage. Nylon, Draht, Videobänder lautet die Antwort

und macht gleich deutlich, dass es sich hier nicht um eine traditionelle Weberin handelt.

Zu Beginn ihrer Tätigkeit war Heidi Arnold fasziniert von den Eigenschaften

der Kunstfaser Nylon und es wurde zu ihrem bevorzugten Webmaterial. Mit Nylon war

Transparenz im Material selbst angelegt und musste nicht wie gewöhnlich im Weben

über die Dichte von Kette und Schuss, also über die Zwischenräume erzeugt werden.

Die Transparenz setzt Heidi Arnold auf vielfältige Art und Weise in ihren Arbeiten ein:

in Doppel- geweben oder anderen Formen von Materialüberlagerungen, in Schattenwürfen,

im Austausch mit dem Raum und nicht zuletzt in den Materialwirkungen selbst.

Bei alldem spielt die Fähigkeit von Nylon, Licht zu reflektieren eine wichtige Rolle.

Das Licht verleiht den Nylongeweben ihre schillernde, oftmals fliessende Qualität, die

sich in jeder räumlichen Situation wieder anders gestaltet.

Heidi Arnold lässt sich gerne von einem Material oder zufälligen Situationen

und Konstellationen leiten. Auslöser für neue Ideen können die Reste eines vergangenen

Projekts sein, zufällige Nachbarschaften von Geweben und Objekten oder die Entdeckung

eines neuen Materials sein. Letzteres war der Fall beim Videoband. Es fiel ihr in

die Hände, als die Videosammlung zuhause aufgrund der Digitalisierung plötz lich

obsolet wurde. Das Magnetband weist zwar ganz andere Qualitäten auf als Nylon. Es ist

opak, schwarz, breit und flach und reflektiert das Licht viel härter. Doch gerade diese

spezifischen Eigenschaften inspirierten Arnold zu einer Reihe von Arbeiten und bereiteten

ihr den weiteren Weg.

Häufig beginnt bei Heidi Arnold ein neues Projekt mit einem Experiment, das

offen lässt, wohin es führt. Die Formate, Medien und Techniken sind dementsprechend

vielfältig. Es entstehen künstlerische Bilder, Objekte und Installationen aber auch Gebrauchsgegenstände

wie beispielsweise Küchentücher, Teppiche oder Raumteiler. Die

Grenze zwischen Designobjekt und Kunstwerk bleibt offen. Interessant ist, dass alle

Arbeiten, auch wenn Arnold Videobänder und Farbe auf Holz verwendet, im Weben verwurzelt

bleiben. Das Weben, die Technik des Verbindens von vertikalen und horizontalen

Fäden, bleibt der Ausgangspunkt, führt aber zu unterschiedlichsten Ergebnissen.

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01_

Nylonbilder

Textilien und Text, Weben und Schreiben haben viele Parallelen. In der Sprache haben

sie einen gemeinsamen Ursprung: das lateinische texere bedeutet «weben, flechten».

In dem Nylonbild erscheinen die lose in Schlingen und Schleifen an der Kette befestigten

Fäden wie ein handschriftliches Gekritzel. Sie widersprechen den regelmässig gewo ­

benen schwarzen und transparenten Bahnen, die das Muster des Gewebes bilden. Es sind

Störungen in der Fliessbandarbeit, widerspenstige, eigensinnige Fäden in der gleichmässigen

Bewegung von links nach rechts.

Bei Heidi Arnold finden sich immer wieder Themen, die das Weben als Tätigkeit

und als Technik aufgreifen, um daraus Werkideen zu entwickeln. Das zweite Nylon ­

bild wirkt, als ob die Situation am Webstuhl in ein Bild übertragen worden sei.

Der Web rahmen wird zum Bilderrahmen, zwischen den sich vertikal die Kette aus trans ­

paren ten Nylonfäden spannt. Im Mittelbereich «hängt» ein Stück gewobene Fläche,

ein schwarzes und weisses Rechteck. Das schwarze Doppelgewebe wölbt sich reliefartig

und wird durch die Lichtreflektionen noch plastischer. Eine rote Line schiesst horizontal

über die beiden Flächen und verbindet sie. Die auf allen Seiten sichtbaren Kettfäden

machen deutlich, wie ein Gewebe entsteht und scheinen die Möglichkeit für

unendlich viele Gewebeformen und -muster offenzulassen.

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02_

«Halt im Raum»

«Wenn ich meine Ware vom Webstuhl nehme, bin ich häufig enttäuscht und lege das Gewebe

zur Seite oder hänge es irgendwo auf. Vielleicht revidiert die Zeit mein Urteil. Oder es bringt mich

plötzlich auf neue Ideen. Auch das erste Werk der Gruppe «Halt im Raum» entwickelte sich

beiläufig. Der Prototyp, eine relativ schmale Bahn eines Doppelgewebes aus Nylon und Baumwolle,

hing eine Weile in einer Ecke – zufälligerweise neben einer Kletterpflanze, die dringend eine

Stütze benötigte. Ich dachte, dass es ganz praktisch wäre, wenn die Ranke am Gewebe weiterwachsen

könnte. Und so entstand die Installation für die IGW-Ausstellung ‚Fliessende Grenzen’.»

Das transparente Doppelgewebe gibt der Pflanze Halt: in seinem Zwischenraum

kann sie emporklettern und wird mit Licht versorgt. Es setzt ihr aber auch Schranken:

Die Ranken haben nur innerhalb der Gewebegrenzen eine Stütze. Diese Rahmen die

Pflanze wie ein Bild, das aufgrund der Transparenz des Nylons in jedem Raum ein anderes

ist.

Heidi Arnold hat noch zwei weitere solche Arbeiten geschaffen. In der zweiten

steckt eine Glühbirne zwischen dem Gewebe. Sein Licht wird an dem dunkelblauen Gewebe

reflektiert, das je nach Lichtfarbe der Lampe eine andere Qualität erhält.

Das Doppelgewebe aus Nylon ergibt einen Moiré-Effekt, der in der dritten Arbeit

besonders zum Tragen kommt. Heidi Arnold verstärkte das Gewebe mit Elektround

Kupferdraht, sodass sie es knüllen konnte, was die Licht- und Schattenkontraste

viel fäl tiger werden lässt. Wie ein Schwall scheint sich die licht durchflutete Masse auf

den Boden zu ergiessen, wobei sie den Boden aber knapp nicht berührt und sich so die

Leichtigkeit und Bewegung erhält. Auch hier fügte sie Objekte hinzu, die man aber

erst bei näherem Hinsehen entdeckt: Es sind kleine Insekten, die verteilt in der Gewebewoge

zu tanzen scheinen.

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03_

«Container Carpet»

Viele Arbeiten von Heidi Arnold bewegen sich zwischen Gebrauchsgegenstand und

künstlerischem Objekt. So auch der «Container Carpet», der für die Ausstellung

«Fäden Farben Formen» der IGW im Jahr 2002 entstand. Heidi Arnold webte einen kompakten

Teppich aus Nylon, Sisal und Trikotband, der in der Mitte von einem Nylondoppelgewebe

durchbrochen wird. Wie ein Bach bewegt sich das unregelmässig geknüllte

Band durch den Teppich. Einmal mehr erhält das Licht reflektierende Nylon eine

fliessende Qualität. Wie der Titel besagt, ist der Mittelstreifen aber auch ein Behälter,

ein Container, der unterschiedliche Dinge mit sich führen kann. Heidi Arnold füllte

ihn schon mit Steinen oder Rosen; und auch für den Wohnraum unüblicheres Material

wie eine Petflasche oder ein Teesieb schwimmen manchmal neben Zweigen oder

Muscheln.

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04_

Fiffi und Raupe

Reste entwickeln bei Heidi Arnold häufig ein Eigenleben. Wie Phönixe aus der Asche

erheben sich aus den Resten neue Ideen und Formen. «Fiffi» und «Raupe» haben ihr

Dasein der Installation «Halt im Raum» zu verdanken. Arnold fing an mit dem Material

zu spielen. Sie knickte und knüllte das mit Elektro- und Kupferdraht verstärkte Nylongewebe

und bearbeitete es, bis zwei Formen entstanden, die ihr gefielen. Beide weisen im

Innern einen Hohlraum auf. Sind es Skulpturen, Schalen, eine Tüte? Heidi Arnold

lässt die Antwort offen. Sie heissen «Fiffi» und «Raupe», doch was sie genau sind, wissen

vielleicht nicht mal sie selbst.

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05_

«13 x 13»

Das Werk «13 x 13» schuf Heidi Arnold für die gleichnamige Ausstellung der Regionalgruppe

Zürichsee. Sie fertigte ein Gewebe aus Nylon und schwarzer Baumwolle, das sie

anschliessend in hundert Flächen à 13 x 13 cm teilte. Den schwarzen Schuss variierte sie

in der Dichte: So formten sich unterschiedliche Muster von beinahe geschlossen

schwarzen Flächen bis zu Linienreihen in grösseren Abständen. Von den geschnittenen

Quadraten befestigte sie jeweils zwei übereinander auf dünne Metallstäbchen und

ordnete die Gestecke auf einer weiss gestrichenen Platte zu einem Quadrat an.

Die Stücke wellen sich in verschiedene Richtungen, sodass sich eine luftige, flatternde

Oberfläche bildet. Eine andere Dynamik ergibt sich durch den Farbverlauf zwischen

der dunkleren Mitte und den helleren Rändern. Das dunkle Zentrum scheint einen Sog

auf die Einzelteile auszuüben und hält sie dadurch beisammen. Dadurch, dass die

Quadrate an den oberen Enden der Metallstäbchen angebracht sind, entsteht ausserdem

der Eindruck, als würden sie über dem Boden schweben. Eine weitere Ebene erhält das

Werk durch die Schattenwürfe auf der weissen Fläche, die Reflektionen des Lichts im

transparenten Nylon sowie die Muster und Tiefenwirkungen, die sich aus den Kombinationen

und Überlagerungen der Gewebestücke entwickeln.

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06_

«Lichtsack»

Mit dem «Lichtsack» hat Heidi Arnold eine Skulptur geschaffen, die – wie der Titel

besagt – Licht einfangen kann. Sie webte ein quadratisches Gewebe von 130 x 130 cm

Grösse aus Nylon und schwarzer Baumwolle, das sie diagonal faltete und hängend

im Raum installierte. Es entstand ein durchsichtiger, dreidimensionaler Körper, dessen

Volumen von den schwarzen Baumwollstreifen gefasst wird. Aufgrund des transparen ­

ten, gewellten Gewebes ergeben sich vielfältige Muster und Farbeffekte. Scheint

Licht direkt auf das Gebilde, ist es, als würde der Sack die Strahlen einfangen und sich

mit Licht füllen.

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07_

Schattenwürfe

«Eines Abends spielte ich mit den Geweberesten der Installation «13x13». Ich rückte eine

Lampe heran und beobachtete die Schattenwirkungen. Hielt ich die Stoffstücke nahe

ans Licht, entstand ein klar umrissenes Schattenbild; bewegte ich die Lampe weiter

weg, verschwammen die Formen. Fasziniert holte ich die Kamera und fing das Schauspiel

ein.» Die Schwarzweiss-Fotografien zeigen vergrösserte Detailaufnahmen der Gewebstücke

im Zusammenspiel mit ihren Schatten. Heidi Arnold präsentierte die Bilder

zusammen mit den Geweben, die vor den fotografischen Vergrösserungen wie kleine

Skulpturen wirkten.

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08_

Rosengänge

Küchentücher gehören zum Standardrepertoire der meisten Weberinnen. Auch

Heidi Arnold fertigte bereits einige Küchentücher. Doch wie so oft bleibt es

bei ihr nicht dabei: das Küchentuch wird unbrauchbar, weil sie es in Nylon webt

und schlussendlich hängt es als künstlerisches Objekt an der Wand. In der

Ausstellung «Impuls» [wo, von wem] inszenierte sie derartige Küchentücher als

Hommage an alle Frauen, die sich bis weit in die Vergangenheit in der Küche

abrackerten. Die im Rosengang gewebten rot-weissen Bänder, welche die Tücher

zieren, werden zur liebevollen Geste. Im Freulerpalast ergänzte Heidi Arnold

das schillernde Küchentuch mit einer roten Rose und installierte es neben einem

Gemälde, das ein kleines Kind mit einem Rosenstrauss in den Armen einer

Amme zeigt.

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09_

«For your eyes only»

In den 1970er- und 80er-Jahren war es üblich, Fernsehsendungen auf VHS-Videotapes

aufzunehmen. Mit den neuen digitalen Technologien wurden die Bänder jedoch

überflüssig. Anstatt sie fortzuwerfen, rollte Heidi Arnold die Magnetbänder ab und

begann mit ihnen zu experimentieren. Schliesslich waren es Bänder, die sehr wohl

auch verwebt werden konnten. Anfänglich kombinierte sie das Magnetband mit anderen

Materialien. Die auf dem Band gespeicherten Filme gaben diesen Arbeiten ihre Titel.

Im Freulerpalast ist davon «For your eyes only» zu sehen: der James Bond-Film aus dem

Jahre 1981 mit Roger Moore lebt verwoben mit Papierschnur, Baumwollzwirn und

Seide im Doppelgewebe dieses Bustiers fort.

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10_

Videoband-Objekte

Die Faszination für das Magnetband hält bis heute an und inspirierte Heidi Arnold

zu einer Reihe von Arbeiten, die nicht mehr auf dem Webstuhl entstanden. In den von

Hand gestalteten Objekten rückt das Material an sich ins Zentrum der Aufmerk samkeit

und tritt nicht mehr in einem Gewebe im Verbund mit anderen Materialien auf.

Der Bezug zum Weben bleibt aber trotzdem sichtbar. Bei den zwei Objekten im Freulerpalast

hat Heidi Arnold die Bänder bei dem einen wie in einer Leinenbindung, bei dem

ande ren wie in einer Köperbindung verarbeitet – zwei klassische Webtechniken.

Die objekt hafte Vergrösserung zeigt die Bindungen aber in einer völlig neuen Dimension.

Die Techniken, die – vor allem für die Laien – in der geschlossenen Fläche der Gewebe

zurücktreten, macht Heidi Arnold grossformatig sichtbar.

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11_

«Ordnung – Unordnung»

Weben beginnt mit einem Faden. Vertikale und horizontale Fäden werden mittels verschiedener

Techniken verbunden. Im Grunde ist es ein materielles Experimentieren

im Binärsystem von Kette und Schuss. Kommt der Faden drunter oder drüber? Ja oder

Nein? Wahr oder Falsch? Aus diesem Vorgehen entsteht eine unendliche Vielfalt von

Mustern und Gewebearten, die dann weiterverarbeitet werden zu Kleidern, Teppichen

etc. Doch zieht man am Faden lösen sich die Objekte wieder auf in einem Haufen Faden.

Diese losgelösten Fäden tendieren zum Chaos. Sie verwirren und verheddern sich in

einem wilden Durcheinander.

Mit dem Objekt «Ordnung – Unordnung» hat Heidi Arnold eine Arbeit geschaffen, die

beide Zustände des Fadens – losgelöst und im Verbund – vereinen. Auf den ersten Blick

sieht man nureinen sehr grossen Haufen aus losen Videobändern. Bei längerem Hinschauen

sieht man, wie sich die Fäden an einer Stelle zu einem Gewebe verbinden.

Die Ordnung tritt aus dem Chaos hervor und löst sich wieder auf. Man sieht weder den

Anfang noch das Ende des Bandes; auch die Stelle, wo sich der Faden systematisch zu

verknüpfen beginnt, ist nicht genau lokalisierbar. Doch gerade diese fliessenden Übergänge

zeigen die potenzielle Transformation von Material in einen anderen Zustand.

Und vielleicht lässt sich anhand dieser Installation auch nachempfinden, wie es Heidi

Arnold jeweils in den Fingern jucken muss, wenn sie auf neues Material stösst.

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12_

Videoband-Gemälde

Bereits geht das Videoband wieder in eine neue Form über. Nun ist es Teil von

zwei Gemälden geworden. Für das eine verwob Heidi Arnold die Bänder und

spannte die losen Enden über die vier Bildkanten. Dann übermalte sie alles mit

weisser Farbe. Und obwohl die Bänder stellenweise noch sichtbar sind, lässt

die weisse Farbe die Materialeigenschaften verschwinden. Das eigentlich glatte

und reflektierende Band wirkt so matt und spröd – man fühlt sich auch an

Schilf oder Bast erinnert. Dafür wird die Struktur der Bänder und des Gewebes

betont.

Beim zweiten Gemälde hat Heidi Arnold Videobänder horizontal und vertikal auf

die Bildfläche geklebt, so dass die Enden ein wenig über die Kanten reichen.

Die lose flatternden Enden kontrastieren mit den flach geklebten Bändern, die so

wirken als wären sie auf die Bildfläche gedruckt worden.

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13_

«Löntsch»

Eine Ausstellung bietet immer auch die Möglichkeit, auf den Ort und den Raum zu

reagieren. Das Werk «Löntsch» hat sie speziell für den Freulerpalast geschaffen.

Einmal mehr entzündete sich die Idee aus Restmaterial und der spezifischen räumlichen

Situation. Eine grosse Fotografie am Ende eines Raums zeigt die Löntsch, die aus dem

Klöntalersee in die Linth fliesst. Heidi Arnold führt den gemalten Bach in einer langen

schmalen Bodenarbeit fort. Auf einer weiss bemalten Holzfläche verteilte sie Videobandstücke

und überzog sie mit Transparentpapier. Die Stücke fliessen lose und ungeordnet

– entsteht bereits eine neue Idee?

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Ausstellungen

2015

«Verwoben»

Ausstellung im Museum des Landes Glarus

zum internationalen Museumstag „Lebendige Tradition“

Publikationen

2008

«Bruch»

Katalog, 210 x 280, Softcover

72 Seiten

2014

«Chuchitüechli»

Regionalgruppe Zürichsee, Textil 13, Ortsmuseum Meilen

2011

«Dreierlei»

Regionalgruppe Zürichsee, Textil 13, Ortsmuseum Meilen

2010

«Home Sweet Home»

Textile Ausstellung, Männedorf

2008

«Bruch»

Textile Ausstellung im Landesplattenberg Engi, Kanton Glarus

Weiss + Fischli – Ein textiles Erzählprojekt

Format A6, Hardcover, 212 Seiten mit

Poster farbig, Format 400 x 494 mm

Auflage 100, nummeriert

«Weiss und ...»

Regionalgruppe Zürichsee, Textil 13, Ortsmuseum Meilen

2006

«Im Namen der Lippischen Rose», Küchentuch

Kunstkreis Lippe, Kreis Lippe, Deutschland

2005

«Impuls»

Regionalgruppe Zürichsee, Textil 13, Ortsmuseum Meilen

Textilmuseum St. Gallen

2004

Form Forum Muba

Basel (CH)

4. Biennale Internationale di Fiber Art

Chieri (Turin), Italien

2002

«Fäden Farben Formen»

Interessensgemeinschaft Weben (IGW), Langenthal

«13 x 13»,

Regionalgruppe Zürichsee, Textil 13, , Ortsmuseum Meilen

2004

4. Biennale Internationale di Fiber Art Chieri

Ausstellungskatalog

Hochparterre supplement Nr. 1-2/2004

«fäden farben formen»

Ausstellungskatalog

2000

Hochparterre supplement Nr. 1-2/2000

1999

«Fliessende Grenzen»

Ausstellungskatalog

2001

«Wandarbeiten – Textile Bilder»

Schwabach-Galerie, Feldmeilen-Zürich

2000

Form Forum Muba

Basel

1999

«Fliessende Grenzen»

Interessensgemeinschaft Weben (IGW), Langenthal

1998

Regionalgruppe Zürichsee, Textil 13, Uerikon (ZH)

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Werkverzeichnis

Seiten 10 – 13

Seiten 14 – 17

Seiten 18 – 21

Nylonbilder 2000-2001

Material: Nylon, Baumwolle,

Technik: Leinenbindung,

Doppelgewebe

02_«Halt im Raum» 1999 (Werkgruppe)

Material: Nylon, Baumwolle, Elektround

Kupferdraht

Technik: Doppelgewebe

Titel Container Carpet 2002

Material: Nylon, Sisal, Trikoband,

verschiedene Objekte

Technik: Doppelgewebe

Fadenzeichnung, 2001

Nylon, Baumwolle, 100 x 111 cm

Lineare Transparenz, 2001

Nylon, Baumwolle, 49.5 x 51.5 cm

Installation «Licht», 1999

Nylon, Baumwolle mit Glühbirne,

50 x 180 cm

CarpetContainer «Rosen», 2002

Nylon, Sisal, Trikoband, getrocknete

Rosen, 110 x 150 cm

Fadenschein, 2001

Nylon, Baumwolle, 137 x 100 cm

Irritation, 2001

Nylon, Bauwolle, 49.5 x 51.5 cm

Installation «Pflanze», 1999

Nylon, Baumwolle, Efeu,

50 x 180 cm

CarpetContainer «Strandgut», 2002

Nylon, Sisal, Trikoband, Sammelgut,

110 x 150 cm

Transparenz nachleuchtend, 2001

Nylon, Baumwolle, 101 x 101 cm

Schwarz luzid, 2001

Nylon, Baumwolle, 49.5 x 51.5 cm

Installation «Fliege», 1999

Nylon, Baumwolle, 50 x 230 cm

Elektro- und Kupferdraht, Insekten

CarpetContainer «Steine», 2002

Nylon, Sisal, Trikoband, Steine,

110 x 150 cm

Schwarzweiss, 2001,

Nylon, Baumwolle und Viscose,

100 x 120 cm

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Seiten 22 – 25

Seiten 42 – 51

Seiten 42 – 51

Seiten 42 – 51

Fiffy 2002

Material_Nylon, Baumwolle,

Elektround

Kupferdraht

6 «Stelen» (Reste von 13x13), 2005

Nylon, Baumwolle

3 Schwarzweiss-Fotografien

00 x 00 cm.

«Leinenbindung», 2010

Videoband, 150 x 150 cm

«ohne Titel», 2014

Videoband, Dispersion, Karton

80 x 100 cm

Seiten 38 – 39

Raupe 2002

Material_Nylon, Baumwolle, Elektro-

und Kupferdraht

«Küchentuch», 2005

Nylon, Baumwolle, Glasbehälter

Rosengang, Rose

«Köperbindung», 2010

Videoband, 150 x 150 cm

«ohne Titel», 2014

Videoband, Dispersion, Karton

80 x 100 cm

Seiten 26 – 37

Seiten 40 – 41

«13x13» 2002

Nylon, Baumwolle, Metall, Holz,

Dispersion,

130 x 130 cm

«For your eyes only», 2005

Videoband gewoben, Schneiderbüste

«Unordnung – Ordnung», 2014

Videoband

«Löntsch», 2015 (2014)

Rauminstallation

Videoband, Transparentpapier,

Holzplatte, Dispersion

05_«Lichtsack», 2002

Material_Nylon, Baumwolle

130 x 130 cm

«ohne Titel», 2014

Videoband

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© Heidi Arnold 2015

Erschienen im Selbstverlag

Zum Anlass der Ausstellung «Verwoben»

Ausstellung im Museum des Landes Glarus

zum internationalen Museumstag «Lebendige

Tradition» vom 17. Mai 2015 im Freulerpalast

in Näfels, Kanton Glarus

Jede Ausgabe ist ein Unikat, ausgestattet

mit einem originalem Videoband-Objekt,

signiert und nummeriert

Text: Meret Arnold

Gestaltung: Urs Arnold

Aufnahmen: Urs Arnold

Druck: okHaller Druck, Zürich

Buchbindung: Urs Arnold

Schrift: Lexicon Nº 2

Papier: Lessebo Rough White Offset-Preprint, 200 gm 2

heidiarnold.ch

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