Fachbetriebsheft Garantiert naturnah _04.2018

naturgartenplanerin.bio

Ausgabe Oktober 2018

Oktober 2018 Naturgarten e.V. | Fachbetriebe für Naturnahes Grün

Garantiert naturnah

21 biozertifizierte Beispiele


Faszination Naturgarten

Faszination Naturgarten

Inhalt

Naturnahe Projekte

Fachbetriebe für Naturnahes Grün –

Empfohlen von Bioland

Vorwort

Biodiversität

mit Fachbetrieben

garantieren

FB|3

Vorwort

Biodiversität mit Fachbetrieben garantieren

FB|4 Fachbetriebstreffen Sommer 2018.

Artensterben andersrum betrachtet

FB|7

D - 09496 Marienberg:

Naturnahe Umgestaltung des Schulhofes

Gymnasium Marienberg

FB|10 D - 12279 Berlin:

Natur-Erlebnis-Kindergarten Kinderwelt

FB|12 D - 16356 Ahrensfelde:

Naturgarten und Naturschwimmteich

Familie Hofmann

FB|14 D - 22417 KGV Diekmoor II:

Von der Unkrautwüste zum Naturgarten

FB|17 D - 25421 Pinneberg:

Alter Naturgarten neu gestaltet

FB|20 D - Bonn:

NaturErlebnisGarten mit Trauerweide.

Starkregenvorsorge prägt Planung und Umsetzung

eines Gartens in Bonn

FB|24 D - 56348 Weisel:

Ein Naturgarten voller Liebe und Enthusiasmus

FB|28 D - 63683 Ortenberg:

Natur-Friedhof im kleinen Ort Gelnhaar –

ein Quantensprung

FB|31 Ein naturnaher Spielgarten zwischen Köln

und Bonn. Von Fachbetrieben geplant und unter

Mithilfe der Kunden gebaut

FB|34 D - 70184 Stuttgart:

Villa Reitzenstein: Natur aus Händen

der Landesregierung

FB|36 D - 71364 Winnenden:

Das besondere Firmengelände

Innenhof als beeindruckender Landschaftspark

FB|40 D - 74248 Ellhofen:

Mit einem Schwimmteich im eigenen Garten

beginnt der Urlaub jeden Tag beim Nachhausekommen

FB|42 D - 76437 Rastatt:

Mercedes-Benz Werk Gaggenau:

Von der Kläranlage zum Trockenstandort

FB|45 D - 76568 Gaggenau:

Daimler / Betriebsgelände:

Bergmanngarten in Gaggenau

FB|47 D - 79664 Wehr:

Novartis Natur-Erlebnis-Park

FB|50 D - 82386 Oberhausen:

Aus dem Leben einer Wild-Staudengärtnerin

FB|54 D - 88662 Überlingen:

Bodan-Projekt. Böschungssanierung

und Konzept Obstgarten

FB|56 D - 90572 Roßtal:

Der Natur-Erlebnis-Schulhof der

Grundschule Roßtal

FB|59 D - 91413 Neustadt a. d. Aisch:

Natur-Schaugarten an einem Wohnhaus

mit Bürogebäude

FB|62 D - 97267 Himmelstadt:

NaturSchauGarten Main-Spessart

FB|65 D - 97618 Hollstadt:

Der Natur-Erlebnis-Schulhof der

Grundschule Hollstadt-Wollbach

21 Projekte von 13 Fachbetrieben für Naturnahes Grün

– Empfohlen von Bioland fasst dieses Heft. Es ist eine

Gesamtschau dessen, was heute so im naturnahen

Grün geplant, gebaut und gepflegt wird. Eine Art Leistungsverzeichnis

des Könnens. Denn dies sind keine

Irgendwie-auch-ein-bisschen-naturnahe-Gärten oder

keine Wir-können-auch-naturnah-Grüns. Es sind keine

Trittbrettfahrer-Projekte.

Es sind zertifiizierte Projekte. Projekte, die nach den

seit 2009 bestehenden gemeinsamen Richtlinien von

Bioland e.V. und Naturgarten e.V. geprüft worden sind.

Das sind sozusagen Projekte, die nachweislich naturnah

sind. Das ist alles offen und transparent. Die genauen

Bedingungen dieser Zertifizierung können Sie im Netz

auf der Webseite des Naturgarten e.V. nachlesen. Und

zwar hier:

https://www.naturgarten.org/naturgarten-ev/

kooperation-partner/bioland.html.

Nur, falls Sie das nachprüfen möchten.

Übrigens ist auch die regelmäßige Weiterbildung der

Fachbetriebe ein in den Richtlinien verankertes Zertifizierungs-Kriterium.

Nur dadurch wird gewährleistet,

dass ein aktueller Wissenstransfer fortlaufend erfolgt,

per Erfahrungsaustausch unter den Fachbetrieben weitergegeben

wird und in den Projekten angewendet

dann nachhaltig zur Erhöhung der Biodiversität beitragen

kann.

Die Zertifizierung als Markenschild für hohes fachliches

Knowhow ist aber nicht nur ein wichtiges Instrument der

Unterscheidung und Differenzierung von anderen Planern,

Gartenbaubetrieben oder Wildpflanzen- und Saatgutproduzenten,

mit dem Auftraggeber die Spreu vom

Weizen trennen können. Es ist auch ein Meilenstein in der

Kommunikation. Immer mehr Kunden wollen zertifizierte

Projekte. Das dient ihrer inneren Befriedigung: Wenn

Garten, dann richtig, dann naturnah, dann zertifiziert.

Und es dient der Außendarstellung der Kunden. Immer

mehr Firmen verstehen, dass es an der Zeit ist, echte Biodiversität

und nicht nur den Namen in ihr Firmengelände

zu integrieren. Und das geht eben nur mit den Profis. Nur

in zertifizierten Firmengeländen ist auch die Biodiversität

drin, die draußen draufsteht. So einfach ist das.

Es ist keine Zeit mehr für Kompromisse.

So und jetzt sind Sie dran. Durchforsten Sie Können und

Tun der Fachbetriebe für Naturnahes Grün – Empfohlen

von Bioland. Nehmen Sie mit ein paar Beispielen vorlieb.

Leider hat das Heft nicht für alle zertifizierten Projekte

gereicht, es waren Ende 2018 über 60 von aktuell

21 Fachbetrieben.

Sie können mit dem Sonderheft auf dreierlei Art und

Weise umgehen:

p einfach nur blättern, schauen, lesen und genießen

p sich einen Fachbetrieb für ein wildblumen buntes

eigenes Projekt suchen

p oder sich selber auf den Weg machen,

um Fachbetrieb zu werden

Wählen und tun Sie das Richtige!

Präsident

Naturgarten e.V.

Titelbild: Privater Naturgarten am Chiemsee. Über den Naturschwimmteich blickt man

auf einen mit Natursteinmauern gebauten Sitzplatz. Eines vieler biozertifiter Projekte.

FB|2 Natur & Garten Oktober 2018

Natur & Garten Oktober 2018 FB|3


Faszination Naturgarten

Faszination Naturgarten

2

3

Fachbetriebstreffen Sommer 2018

Artensterben andersrum

betrachtet

1

1 Pflanzen gegen Giersch. Das ist eine

bodendeckende Gierschmonokultur. Mono,

nein, denn Ralf Engel hat so einiges darüber

gepflanzt. Hier etwa Telekie und weiter

vorne Rainfarn. Keine Angst, das macht dem

Giersch nichts. Der geht uns nicht verloren.

Wäre ja auch schade.

Obacht, Kopf einziehen. Die blauschwarz

schillernde Holzbiene umkurvt den Salbei,

um vollgezuckert mit weißem Blütenstaub

den Muskatellertrank zu schlürfen.

Sofort gehts weiter. Blüte Nr. 2, Nr. 20, Nr.

Werweißwieviel? Artensterben? Insektensterben?

War da was? Wir werden darauf

zurückkommen. Zunächst einmal sind wir

hier. Wehr, am südäußersten Ende Deutschlands.

Da, wo der Schwarzwald in den

Rhein hineinzufallen droht, haben Katrin

Kaltofen und Reinhard Witt ein wunderbar

artenreiches Wildpflanzengelände gezaubert,

4300 m 2 Firmenareal. Von einem der

größten Pharma konzerne der Welt, Novartis-Natur-Park

heißt das Ding.

4780 Wildstauden wurden im Frühling

2017 gepflanzt, dazu 151 Einzelarten und

10 Wildblumenmischungen eingesät.

Zwischendurch als Vorweg-Info: 30 % mehr

Umsätze in einzelnen Wildpflanzengärtnereien

im Jahr 2018. Passt das zum Thema?

Wir werden darauf zurückkommen.

Das Wildblumenmeer mit besagtem Muskatellersalbei

als willkommener Anlass für

das Sommertreffen der Fachbetriebe für

Naturnahes Grün – Empfohlen von Bioland.

13 Fachbetriebe von 21 sind vor Ort. Wir

werden darauf zurückkommen. Dazu haben

14 Naturgartenprofis die weite Reise,

zum Teil aus Hamburg oder dem Erzgebirge,

auf sich genommen.

Zwei Tage, gespickt voll mit Wildpflanzen.

Das Novartisaußengelände zuerst, dann

öffentliches Grün, naturnah, versteht sich,

dann ein Naturgarten vom Feinsten. Insektensterben?

Es scheint, als sei das Wort

eine Erfindung. Genau an diesen, den besuchten

Stellen, ist jedenfalls nichts davon

zu spüren. Stattdessen alles voll. Mit

Holzbienen, inzwischen an Breitblättrigen

Platterbsen unterwegs. Mit Gelbbindigen

Furchenbienen auf Bergdisteln. Und mit –

ja, wir glauben das sofort – mit Schwärmen

von Distelfinken an Nickenden Disteln, anscheinend

ihrer Leib- und Magenspeise. In

den artenreichen Wildblumensäumen vom

Novartisgelände nicken tausende Disteln

am Wegesrand.

Die Exkursionen der beide Tage zeigen: Aus

Sicht der Wildpflanzen gibt es (noch gar)

kein Artensterben. Jede heimische Wildpflanze

findet die Besucher, die zu ihr gehören.

Wir entdecken die seltensten Arten

auf unseren Wildpflanzenflächen. Wenn es

ein Artensterben gibt, dann gründet sich

das auf zu wenige Wildpflanzen fast überall.

Doch es sieht so aus, als wäre zumindest

unsere Idee auf dem richtigen Weg. Der

Wildpflanzenmarkt boomt.

30 % mehr Umsatz in den Wildpflanzengärtnereien.

Es scheint, als sei das Bewusstsein

vom Artensterben an der Quelle angekommen.

Das hat Folgen. 50 % der Arten, des

Sortiments, schon im April ausverkauft, wo

doch da gerade erst die Saison beginnt.

Keine Kapazität mehr, noch mehr zu produzieren.

2 Monate Lieferstopp im Sommer.

Wir halten als ein Zwischenergebnis

4 Ralf Engels Garten in Rickenbach ist eine

Wucht. Der pure Wahnsinn. Viele unbekannte

Pflanzen in natürlichem Design. Da hinten

der weiße Schleier ist eben kein Schleierkraut,

sondern das Waldlabkraut. Es webt und

hängt seinen weißen Schein über den Staketenzaun.

Mehr davon, wir wollen mehr Bilder,

mehr Pflanzen, mehr Wissen.

5 Futterzeit. Lassen Sie sich nicht vom

Schild Falterfutter im Hintergrund täuschen.

Das lenkt nur vom wahren Sein/Sinn des

Lebens ab: Essen

4

fest: Es gibt viel zu wenig Wildpflanzen in

deutschen Landen (zu kaufen). Und viel zu

wenige Wildpflanzengärtnereien. Wer hilft?

Wir Fachbetriebe für naturnahes Grün brauchen

dringend Nachwuchs. Mehr Produzenten

heimischer Wildstauden und Gehölze.

Genauso mehr Saatgutproduzenten regionalen

Saatgutes und hochwertiger Wildblumenmischungen.

Es geht darum, nicht irgendsolchen

Quatsch zu produzieren, dem

man dann den fantasievollen Namen einer

heimischen Wildpflanze andichtet, sondern

echte heimische Arten. Wonach wir als Kunden

dringend verlangen. Vor allem aber die

Endnutzer, die Insekten.

5

2 Coming together. Jung und alt, erfahren

und neugierig. Die Aufgabe war, in Kleingruppen

die eingepflanzten Stauden zu

suchen, zu erkennen und ihren Anwuchserfolg

zu beurteilen. Das ging ja noch. Aber

dann die unzähligen Einzelartenansaaten,

die sind wirklich zum Teil sehr ausgefallen.

Gut ausgefallen sogar, denn es können

schon Samen mitgenommen werden.

3 Fragen über Fragen. Dann wird diskutiert,

erklärt und verstanden. Manche haben

eben schon ein paar Jahre Wildpflanzen auf

ihren Schultern. Es ist schön, sich mal auf

Augenhöhe unter Gleichwohlinteressierten

zu unterhalten.

Zunächst aber läuft im Novartisgelände ein

Workshop für alle 28 Teilnehmer: Verwendung

von Basismischungen mit Einzelarten

als Aspektbildner. Also etwas aus dem

Zauberkasten der Wildpflanzenverwender.

Wieviel Gramm Bergdistel ergeben welches

Bild im Jahr zwei? Oder wie sehen 200 g

Nickende Distel ausgesät aus? Das ist natürliches

Profiknowhow, das Tausendkorngewicht,

Keimfähigkeit, Konkurrenzkraft,

Lebensdauer und Zyklus der Arten mit

einschließt. In Kleingruppen beurteilen die

Teilnehmer Erscheinen und Ansaaterfolg.

Learning bei seeing.

4|FB Natur & Garten Oktober 2018

Natur & Garten Oktober 2018 FB|5


Faszination Naturgarten

Faszination Naturgarten

6 7

6 So groß kann eine Färberkamille im

besten Fall werden, doziert Ralf Engel vor

einem weiteren Wildblumenstreifen am

Ortsrand. Oder habe ich nicht zugehört und

was falsch verstanden? Wir bekommen allmählich

Achtung vor diesem großen Mann.

Er bewegt wirklich so einiges in der Region.

Merken Sie sich schon jetzt: Ralf Engel kann

niemand stoppen.

7 Mannomann, war das ein Tag. Voll bis

obenhin der Kopf, Bilder bis zum Abwinken.

Eindrücke, dass sie schon rausdrücken. Nur

in der Körpermitte befindet sich so ein undefinierbares

Loch. Mediziner sagen Magen

dazu. Aha, der Engel Ralf hat sogar eine Art

Feuergrillschale. Da versitzen wir dann die

Zeit. Sie geht einfach so dahin. Ohne uns.

Wir aber bleiben.

Apropos Wildpflanzenknowhow. Noch

was Passendes dazu, obwohl das Beispiel

sehr unpassend sein wird, wie wir sogleich

erkennen werden. Mitten in Rickenbach

stoßen wir bei der Führung von Ralf Engel

auf eine neu angelegte Fläche. Extra

Wildpflanzenansaat. Extra naturnah. Extra

geschaffen. Ein Projekt von Naturnah dran

der baden-württembergischen Landesregierung,

mit dem von 2016 bis 2020 über

50 Kommunen gefördert werden sollen

und geschult, damit sie mehr Wildpflanzen

ins öffentliche Grün bringen. Eine Art

Knowhowtransfer also. Klappt nicht immer.

Als Substrat hatte der örtliche Fachmann

für Garten- und Landschaftsbau, ja, der

war‘s, dann auf den feinen, guten, wirklich

unkrautfreien sauberen Granitschotter der

Körnung 0/32 mm (also alles gut, bitte zurücklehnen)

dann unkrautigen Oberboden

gemischt (er dachte wohl: „Wächst ja sonst

nichts!!!“). Tja, liebe Wildpflanzen, ihr Keimlinge,

die kommen könnten, tut uns leid,

aber ist mal wieder am Unwissen und Unvermögen

des Berufsstandes gescheitert.

Die Folge der Oberbodenverwendung ist

nicht zu übersehen. Bitte aus der bequemen

Leseposition erheben und zur Ansaat

bücken. Ein kurzer Blick reicht, um festzustellen:

Die tausenden von Hirsen, Melden,

Weißklee und Co werden nicht mehr zu jäten

sein. Und den fachlich einwandfrei angelegten,

wie wild blühenden Wildblumenbeeten

von Ralf Engel in anderen Ortsteilen

von Rickenbach wird dieses Beet niemals

ähnlich sehen. Chance vertan. Perdu.

Das ist ein Lehr(buch)beispiel für die angehenden

und bereits fertigen Naturgartenprofis.

Aber was bedeuten schon

14 Wissenwollende gegen zehntausende

Nichtswissende? Das Missverhältnis ist gut

fürs Artensterben. Und schlecht für die Insekten.

Wir halten fest und kommen auf den Mangel

zurück: Viel zu wenige vom Berufsstand,

die es wirklich können. Viel zu wenige, die

es wirklich wissen wollen und den Prozess

des Lernenwollens (ja, mühsam, ich weiß)

auf sich nehmen. Aber wir wenigstens, die

knapp zwei Dutzend Fachbetriebe fürs

naturnahe Grün sind auf dem Weg. Einem

guten, einem richtigen. Dass wir rechtzeitig

zum Ziel kommen, ist eher unwahrscheinlich.

Selbst die seit 2009 inzwischen knapp

hundert ausgebildeten Naturgartenprofis

der Naturgartenakademie des Naturgarten

e.V. werden das Artensterben nicht aufhalten.

Wir sind weniger als der Hauch eines

Tropfens auf dem heißen Stein. Aber wir

können beruhigt feststellen (bitte wieder

zurücklehnen), dass überall, wo wir sind

oder waren, das Artensterben nicht mehr

zu sehen ist. Es ist spurlos verschwunden

vom Erdboden der Tatsachen, der nicht

nur im obigen Falle besser doch ein mineralischer

Untergrund sein sollte mit 2–3 cm

gütegesichertem Kompost, statt unkrautigem

Mutterboden.

Das Artensterben andersrum betrachtet,

heißt also nicht nur, mehr heimische Wildpflanzen

immer und überall konsequent

einzusetzen, sondern auch das zugehörige

Knowhow, die zugehörige Vegetationstechnik,

die Pflege und Bewahrung einmal

angelegter Flächen noch mehr und öffentlicher

zu machen.

Vorsicht, bitte den Kopf einziehen. Eine

fette glänzend blauschwarze Holzbiene

umkurvt unsere Gehirnwindungen. Genau,

nicht so viel denken und schreiben, machen

ist besser. Machen wir es gut, mehr

Quadratmeter bitte. Noch mehr Novartis,

noch mehr naturnahes öffentliches Grün,

noch mehr Naturgärten.

Reinhard Witt

Westlicher Schulhof 2018

Naturnahe Umgestaltung des

Schulhofes Gymnasium Marienberg

D - 09496 Marienberg

Zustand vor Umgestaltung

Das Schulaußengelände des Gymnasiums

Marienberg gliedert sich in einen Schulinnenhof

und einen auf der Nordseite gelegenen

Teil.

Bis zur naturnahen Umgestaltung, die sich

auf 2 Jahre erstreckte, befanden sich beide

Teile in einem desolaten Zustand – sehr

große Pflasterflächen, keine Anreize für

eine gute Pausen- und Freizeitgestaltung,

keine Anreize für einen handlungsorientierten

Unterricht. Der nördliche Pausenhof

wurde nicht mehr benutzt.

Planungsphase

Bei der Entwicklung des Projektes zur naturnahen

Umgestaltung der Schulhofteile waren

zu Beginn im Herbst 2015 im Rahmen

eines pädagogischen Tages alle Lehrer, alle

Klassenschülersprecher und deren Stellvertreter

sowie mehrere Elternvertreter der

Schule beteiligt. Dabei wurde die Nutzung

des Schulhofes als naturnahes Klassenzimmer

in allen Fächern als Zielstellung gesetzt.

Durch die Vorstellung des Projektes

zur Umgestaltung und durch einen Vortrag

der Planerin zum Thema Natur-Erlebnis-

Schulhöfe konnte in der Gesamtschulkonferenz

im September 2015 die Zustimmung

aller Beteiligten eingeholt werden.

Die Gesamtprojektleitung/Planung wurde

der Planerin durch den Schulträger, LRA

Erzgebirgskreis, übertragen. Einzelne Planungspunkte

zur Umsetzung wurden mit allen

Beteiligten, d. h. dem Gymnasium, dem

LRA, Babett Schreiter (Natura Miriquidica

e.V.) sowie dem Holzgestalter erarbeitet.

Umgestaltung des

Schulhofes 2016/2017

Beide Teile des Schulhofes wurden in jeweils

einer Woche im Rahmen des Schulprojektes

„Marienberger Kulturversuch“ im

Juni 2016 und Juni 2017 in Nutzerbeteiligung

umgestaltet.

Die Projektumsetzung erfolgte mit Schülern,

einer Lehrerin, Babett Schreiter (Natura

Miriquida e.V.) und der Planerin. Die

Installation der Holzgeräte übernahm der

ortsansässige Holzgestalter Carlo Wohlfahrt.

Die Grobmodellierungsarbeiten erledigte

eine regionale Firma, brachte einen

Teil der Schüttgüter auf die vorbereiteten

Flächen, nahm Teile vorhandener Pflasterflächen

auf und war auch in der jeweiligen

Projektwoche tätig.

6|FB Natur & Garten Oktober 2018

Natur & Garten Oktober 2018 FB|7


Faszination Naturgarten

Faszination Naturgarten

Kurzporträt

Die Kinder staunen über so kleine Pflanzen

Im Juni 2016 erfolgte zuerst die naturnahe

Umgestaltung des Nordteils des Schulhofes.

Es wurden verschiedene Rückzugsbereiche

für die Schüler geschaffen. Das vorhandene

Atrium wurde erhalten, teilweise

entsiegelt und mit duftenden Wildkräutern

eingesäumt. Von da aus blickt man nun auf

ein neu entstandenes Feuchtbiotop, welches

Lebensraum für Wasserpflanzen und

viele Tiere bietet. Am Ufer gesetzte Kopfweiden

laden zum Verweilen im Schatten

ein. Weitere Sitz- und auch Klettermöglichkeiten

bieten Lümmelbänke und ein

kleiner Kletterparcours aus Robinienholz.

Im gesamten Gelände sind Rasenflächen

einheimischen Wildpflanzen gewichen.

Natursteinmauern und Baumstämme dienen

als Begrenzung der neuen, vielfältigen

Wildpflanzenbereiche und strukturieren

das neue Außengelände.

Auch bei der naturnahen Umgestaltung im

Juni 2017 wurde die vorhandene Struktur

des Geländes beachtet und in die Gestaltung

einbezogen. Ein Teil der vorhandenen

Pflasterflächen wurde von den Schülern

entsiegelt. Die Schüler bauten wie bereits

Kontakt + Adresse:

Gymnasium Marienberg,

Schulstraße 7, D - 09496 Marienberg

www.gymnasium-marienberg.de

(Schulträger Erzgebirgslandkreis)

Lage: Erzgebirgsregion (Mittelgebirge in

Sachsen). Bergstadt Marienberg liegt auf

einer Hochfläche nördlich des bewaldeten

Erzgebirgskammes

Baujahr / Bauzeit: Juni 2016 / Juni 2017

Umgestaltung oder Neuanlage:

Umgestaltung

Planung, Ausführung, Pflege:

Planung: Fachbetrieb mit teilweiser

Nutzerbeteiligung.

Ausführung:

Fachbetrieb, Nutzer beteiligung, Verein

Natura Miriquidica e. V., Baufirmen

im Jahr zuvor kleine Natursteinmauern um

die entstehenden Wildpflanzenflächen. Sie

brachten mit Schubkarren verschiedene

Schüttgüter wie Rohkies, Schotter, Wegedeckenmaterial,

Kompost ein. Es wurden große

Mengen Wildpflanzen und Wildgehölze

gepflanzt, viele verschiedene Wildblumeneinsaaten

eingebracht, einige Bereiche mit

einem Blumen-Schotter-Rasen versehen.

Für die Schüler laden nun verschiedene

Lümmelbänke, Sitzbereiche aus Robinienholz

zum Pausieren ein. Eine Quadrohängesitzschaukel

und eine Pergola vervollständigen

den neuen Schulhofteil.

Voller Einsatz in der Aktionswoche Juni 2017 Es blüht im Herbst 2017

Pflege: durch GTA-Angebot und

neue 5. Schulklassen, Begleitung durch

Fachbetrieb

Größe:

Teil 1: 550 m² (nördlicher Teil des Schulhofes)

Teil 2: 970 m² (westlicher Teil des Schulhofes)

Wildpflanzenarten:

165 Arten, 1027 Pflanzen

Wildpflanzensaatgut, Mischungen,

Einzelarten: 784 g Mischungen und

240 g Einzelarten (Hof Berggarten GbR,

Rieger-Hofmann GmbH)

Besonderheiten, Naturmaterialien:

Recyclingmauern aus aufgenommenen

Betonplatten, Nistmöglichkeiten für Tiere

(Insektennisthilfen, Vogelnistkästen)

Bei den Umgestaltungsarbeiten waren die

Schülerinnen und Schüler nicht nur körperlich,

sondern vor allem auch in ihrer sozialen

Kompetenz gefordert. Dabei motivierten

sich die Schüler gegenseitig und erfreuten

sich täglich am Fortschritt der entstehenden

Landschaft. Sie entwickelten allmählich ein

Gefühl für gestalterische Aspekte, wie beim

Bau der Natursteinmauern und dem Einpflanzen

der Wildstauden und -sträucher.

Die Abnahme der Umgestaltungsmaßnahmen

2016/2017 erfolgte durch die DEKRA

Chemnitz und durch Vertreter des LRA

Links: Westlicher Schulhof nach dem

Umbau 2017

Rechts: Feuchtbiotop nach dem Bau 2016

Erzgebirgskreis. Finanziert wurde das Projekt

vom Landratsamt Erzgebirgskreis als

Schulträger und durch den Förderverein

des Gymnasiums Marienberg.

Jeweils am letzten Tag im Rahmen des „Marienberger

Kulturversuches“ 2016/2017

wurden die neu entstandenen Flächen im

Beisein aller Schüler des Gymnasiums Marienberg

feierlich übergeben.

Resümee

Die bereits 2016 erfolgte Umgestaltung des

Nordteils und die Umgestaltung des Innenhofes

2017 zum naturnahen Natur-Erlebnis-

Schulhof folgen dem Konzept „Lebendiger

Schulhof“ des Gymnasiums Marienberg. Lebendig,

da die Schüler selbst zu Gestaltern

werden, eigene Vorstellungen einbringen

und zeigen können, was für Kräfte in ihnen

stecken. Sie selbst sind die Nutzer des Schulhofes

und schaffen sich einen individuellen

Erlebnisraum, den es so nur an ihrer Schule

gibt. Dadurch steigt das Engagement für

den Erhalt und die Pflege der entstandenen

Landschaft. Die Schüler fühlen sich in einer

aktiven Verantwortung den Schulhof an sich,

als auch den darin bestehenden Lebensraum

für Pflanzen und Tiere zu schützen.

Lebendig werden die neuen Schulhofgelände:

statt tristen, leblosen Pflastersteinen

und genormten Spielgeräten gibt es strukturreiche

Erlebnis- und Ruhebereiche. Bunt

blühende Wildpflanzenbereiche, Sitz- und

Spielgelegenheiten aus heimischem Robinienholz

sowie ein lebendiges Feuchtbiotop

ermöglichen den Schülern das Erleben der

heimischen Pflanzen- und Tierwelt. Sie finden

einen Rückzugsraum in ihrem durchstrukturierten

Tagesablauf, können sich erholen und

in ihrer freien Zeit Sinnes erfahrungen außerhalb

der Schulräume sammeln.

In den Pausen bietet der Schulhof vor allem

Erholungsraum. Die Schüler können sich

im Freien bewegen und lösen sich aus der

angestrengten Haltung an der Schulbank.

Durch das Klettern und Balancieren auf den

Holzkonstellationen und durch ein sehr

höhenstrukturiertes Gelände werden motorische

Fähigkeiten geschult. Neben den

Möglichkeiten der Gestaltung eines kreativen

Unterrichts, beispielsweise als Bühne

für Theatersequenzen im Deutschunterricht,

bietet der Schulhof Möglichkeiten

zur außerunterrichtlichen Nutzung. Als Ort

für Klassenveranstaltungen ist es ein Treffpunkt

zum Erleben des Klassenverbandes

während gemeinschaftlicher Aktivitäten.

Im Rahmen eines wöchentlichen Ganztagesangebotes

findet die Weitergestaltung

und Pflege der angelegten Flächen statt

– gemeinsam mit Natura Miriquidica e.V.

und der Planerin. Durch den Bau von Insektennisthilfen

und die Weitergestaltung des

Feuchtbiotops können die Schüler Insekten,

Amphibien und andere Lebewesen in

ihren natürlichen Lebensräumen beobachten

und ökologische Aspekte dieser Biotope

kennenlernen – die Wechselwirkungen

der heimischen Flora und Fauna. Ab dem

Schuljahr 2018/2019 erfolgt die Pflege im

Herbst und Frühjahr durch die jeweiligen

neuen 5. Klassen – begleitet durch Planerin

und Natura Miriquidica e. V.

Umwelt und Ökologie

Der Schulhof leistet mit seiner Umgestaltung

einen Beitrag zur Erhöhung der

Biodiversität. Nachhaltige, naturnahe Lebensgemeinschaften

etablieren sich im

Gelände. Im gesamten Gelände stehen die

Bedeutung der Einbringung heimischer

Wildpflanzen und die Verwendung von regionalen,

unbehandelten, schadstofffreien

Baumaterialien im Mittelpunkt. Es wurden

v. a. Wildpflanzen aus kontrolliert biologischem

Anbau sowie zertifiziertes Saatgut

für die Umgestaltung verwendet.

Der umgestaltete Schulhof bietet ein arten-

und strukturreiches Schulgelände für

Mensch, Pflanze und Tier.

Das Gymnasium Marienberg wurde 2018

mit seiner naturnahen Schulhofumgestaltung

einer von 3 Landessiegern des Sächsischen

Schulgartenwettbewerbs.

Naturnahe Gartengestaltung

Silke Kaden

Eichenweg 4

D - 09579 Grünhainichen/

OT Waldkirchen

silke.kaden@satron.de

Fachbetrieb für Naturnahes Grün –

Empfohlen von Bioland: Planung

Silke Kaden

8|FB Natur & Garten Oktober 2018

Natur & Garten Oktober 2018 FB|9


Faszination Naturgarten

Faszination Naturgarten

Natur-Erlebnis-Kindergarten

Kinderwelt

1 Modellierung der Erdmassen sowie der

einbau der vorhandenen Rutsche in Eigenleistung.

Ein Vater fährt den Midi Bagger.

2 Hügel fertig bepflanzt und eingesät

3 Noch sind die Sträucher zwischen den einund

zweijährigen Arten verschwunden

4 Sitzen im Bunten

5 Wildblumen im Hochhausviertel

Kurzporträt

Kontakt & Adresse:

D-12279 Berlin

Besichtigung auf Anfrage: ja

Baujahr: 2012 / 2013 (Umgestaltung)

Größe: 460 m²

Kosten pro m²: 35,00 €

Anzahl Wildpflanzenarten: 208

Lieblingspflanzen: Zwergweide,

Centaurea stöbe

Wildsamenmischungen: Wärmeliebender

Saum, Saum aus 1- und 2-jährigen

Arten, Schotterrasenmischung,

Linum perenne von Rieger-Hofmann

Besondere Merkmale / Naturmaterialien:

Spielhügel, Nestschaukel,

Kriechröhre, Hangrutsche, Sandspielbereiche.

Robinienhölzer, Bad Karlshafener

Sandstein, Splitt

D - 12279 Berlin

Die Eltern des Kindergartens Kinderwelt

e. V. wünschten sich die Umgestaltung Ihres

ca. 460 m² großen Außengeländes in einen

Natur-Erlebnis-Kindergarten.

Vor Beginn der Umgestaltung prägten unstrukturierte

Rasenflächen sowie eine große

Sandfläche mit einem aus Sicherheitsgründen

gesperrten Spielgerüst die Fläche.

1

Das Projekt sollte sowohl in der Planung

als auch in der Ausführung gemeinsam mit

den Nutzern entstehen. Begonnen wurde

zunächst mit einer Informationsveranstaltung

für Eltern und Erzieher, in der Möglichkeiten

der naturnahen Gestaltung präsentiert

wurden und die zu beachtenden

Kriterien zu Gliederung und Strukturierung

eines naturnah gestalteten Geländes in die

Bereiche: Ruhe und Kommunikation, Spiel

und Bewegung, Naturbeobachtung sowie

Kreatives Gestalten erläutert wurden.

Im nachfolgenden Gespräch wurden die

gewünschten Ziele und Spielaktivitäten

für die Kita zusammengetragen und wesentliche

Planungsziele formuliert: Spielhügel,

naturnahe Bepflanzung, vorhandene

Rutsche einbauen, Gelände gliedern,

Rückzugsmöglichkeiten schaffen, kleinere

Sandflächen, Offenhalten der Feuerwehrzufahrt,

Balancieren, Erhalt und Neueinbau

des vorhandenen Kriechtunnels, Erhalt der

Nestschaukel.

2 3

nommen und in die Planung eingearbeitet.

In der folgenden Planungsrunde mit den

Erziehern und Eltern wurde der fertige

Entwurf präsentiert sowie die Einteilung in

6 Bauabschnitte mit jeweils dazugehöriger

Materialmengenberechnung und Kostenschätzung

präsentiert.

Deutlich wird, dass die wesentliche Umgestaltung

schon nach 3 Wochenend-Bauaktionen

abgeschlossen war. Die Bauarbeiten

wurden von den Eltern komplett in Eigenleistung,

unter Betreuung und Anleitung

der Planverfasserin, geleistet.

Naturgarten Potsdam

Landschaftsarchitektin

Dipl.-Ing. Renate Froese-Genz

Zum Großen Herzberg 3

D - 14476 Potsdam OT Golm

3 0331 501520

3 0175 999 47 47

info@naturgarten-potsdam.de

www.naturgarten-potsdam.de

Fachbetrieb für Naturnahes Grün –

Empfohlen von Bioland: Planung

Mit der Gartengruppe und anderen Interessierten

der Kita wurde der anschließend

von der Planerin erstellte Vorentwurf besprochen

und Änderungswünsche wie z. B.

die Verlegung des Kriechtunnels aufge-

Wichtig ist die bis heute andauernde Pflegebegleitung

durch die Planverfasserin, zur

Unterstützung der richtigen Pflege (Entfernen

von Beikräutern, Rückschnitt im Frühjahr).

4

5

Renate Froese-Genz

10|FB Natur & Garten Oktober 2018

Natur & Garten Oktober 2018 FB|11


Faszination Naturgarten

Faszination Naturgarten

1 Durch das Garten- und Landschaftsbauunternehmen

Kulturgrün aus Berlin wurde

die Natursteinmauer aus Grauwacke sowie

die Terrasse aus Lärchenholz gebaut. Der

Blumenrasen wurde durch den Bauherren

in Eigenleistung ausgesät

(Alle Fotos: Renate Froese-Genz)

3

1

6

Naturgarten und Naturschwimmteich

Familie Hofmann

D - 16356 Ahrensfelde

4

5

3 Die Arbeiten zum Bodenaushub werden

unter der Planung und Anleitung der Landschaftsarchitektin

durchgeführt. Bodenaushub

Schwimmteich und Einkleiden mit Vlies zum

Schutz der Kautschukfolie

4 Gemeinsam mit den Bauherren wird die

Kautschukfolie eingebracht und anschließend

der naturbelassene Rahmen aus Lärchen- und

Kiefernholz eingebaut

5 Nach weiteren Bodenmodellierungen wird

Ton als Pflanzsubstrat gemeinsam eingebracht

und mit den Wasserpflanzen bepflanzt

6 Die angrenzenden Wiesenstücke wurden mit

dem Saatgut Blumenwiese (Rieger- Hofmann)

eingesät

Renate Froese-Genz

2

2 Der Naturschwimmteich ist fertig: Es kann gebadet werden

Familie Hofmann wünschte sich auf Ihrem

ca. 1200 m² großen Grundstück, idyllisch

am Rande von Ahrensfelde, einem Vorort

von Berlin, gelegen, einen pflegeleichten

Naturgarten.

In einigen „Planungsrunden“ wurde mit

den Bauherren gemeinsam das Konzept

zur naturnahen Gestaltung des Gartens

entwickelt. Die gemeinsam erarbeitete Planung

mündete in einem Gartenplan.

Obwohl mit Wildpflanzen naturnah bepflanzt,

wünschen sich die Bauherren im

Vorgartenbereich eine geometrische und

klare Gestaltungsrichtung. Die Pflasterung

von Einfahrt und Stellplatz mit gebrauchtem

Großpflaster sowie die randliche Weißdornheckenpflanzung

und Wildstrauchpflanzung

soll aus Kostengründen zu

einem späteren Zeitpunkt in Eigenleistung

realisiert werden.

Der hintere Garten (980 m²) wird organisch

als Naturgarten entwickelt. Die gewünschten

Gestaltungselemente sind vor allem:

p Naturschwimmteich

p Blumenwiese und Kräuterrasen

p Kräuterbeet

p Wildstaudenpflanzung am Wohnhaus

p Holzterrasse

Der Naturschwimmteich soll gemeinsam

mit den Hausherren gebaut werden. In

der weiteren Planung des Naturschwimmteichbaus

wurde deutlich, dass die Bauherren

gerne einen deutlich größeren

Schwimmbereich wünschen. Dementsprechend

wurde anstelle eines 4 x 6 m großen

Schwimmbereichs ein nun rombenförmiger

Schwimmbereich entwickelt, der eine

Schwimmbahn in der Länge von 8 m ermöglicht,

der gesamte Teich wird auf nun

ca. 130 m² vergrößert. Die Terrasse und die

Natursteinmauer werden durch eine Garten-

und Landschaftsbaufirma hergestellt.

Kurzporträt

Kontakt & Adresse:

D - 16356 Ahrensfelde

Besichtigung auf Anfrage: ja

Baujahr: 2013/14 (Umgestaltung)

Größe: 1200 m²

Anzahl Wildpflanzenarten: 156

Lieblingspflanzen: Seerose

Wildsamenmischungen: Blumenwiese,

Wärmeliebender Saum, Saum

aus 1- und 2-jährigen Arten, Schotterrasenmischung

von Rieger-Hofmann

Kosten pro m²: 50,00 €

Besondere Merkmale:

Naturschwimm teich, Blumenwiese,

Kräuter rasen, Wildstaudenbeet,

Wildstaudensaum. Bad Karlshafener

Sandstein, Kautschukfolie, Lärchenholzrahmen,

Kastanienspaltzaun

Naturgarten Potsdam

Landschaftsarchitektin

Dipl.-Ing. Renate Froese-Genz

Zum Großen Herzberg 3

D - 14476 Potsdam OT Golm

3 0331 501520

3 0175 999 47 47

info@naturgarten-potsdam.de

www.naturgarten-potsdam.de

Fachbetrieb für Naturnahes Grün –

Empfohlen von Bioland: Planung

12|FB Natur & Garten Oktober 2018

Natur & Garten Oktober 2018 FB|13


Faszination Naturgarten

Faszination Naturgarten

Von der Unkrautwüste

zum Naturgarten

D - 22417 KGV Diekmoor II

1

Kurzporträt

Kontakt & Adresse /

Standort des Gartens:

D - 22417 KGV Diekmoor II,

Hamburg-Langenhorn

Besichtigung auf Anfrage: ja

Baujahr/Bauzeit: 2011/2012

Größe: 595 m²

Wildpflanzenarten: mehrere hundert

Wildpflanzensaatgut:

v. a. von Rieger-Hofmann (Bunter

Saum, Ufersaum, Schmetterlings- und

Wildbienensaum, Blumenkräuterrasen,

Blumenschotterrasen, Einzelarten)

Naturmaterialien:

Findlinge, Hannoveraner Muschelkalkstein

für freistehende Trockenmauer

(Gehegebegrenzung), Recycling von

Betongehwegplatten, viel Totholz

liegend und stehend, Naturschotter

0/32, Glensanda-Schotter 0/12

Legende

a Hohes Wildstaudenbeet

b, c, d entfällt

e Vorgarten

f Schotterrasenflächen (Terrasse, Wege)

g Trockenmauer

h Küchenkräuter sonnig

i Küchenkräuter halbschattig

Als ich 2011 nach Hamburg kam, war einer

meiner dringendsten Wünsche ein eigener

Garten. Mitte April 2011 fand und

übernahm ich einen total verwilderten und

vermüllten Kleingarten, zugewuchert mit

größtenteils exotischen Gehölzen: Blaufichte,

Nordmanntanne, Ranunkel, Kirschlorbeer,

riesige Bambusse, Thuja usw. Ich

nahm ihn trotzdem. Schon nach zwei Jahren

war er nicht mehr wiederzuerkennen.

In einer großen Aktion wurden die Gehölze

gefällt und gerodet. Aus rein pragmatischen

Gründen entstand am unteren Ende

des Gartens eine Totholzhecke – um die

Entsorgung von 24 m³ Schnittholz zu sparen.

Und mittlerweile ist diese Totholz hecke

sehr belebt. Die 3 m³ Bauschutt, die bei

den Arbeiten aus dem Boden auftauchten,

j Kräuterrasen

k niedriges Wildstaudenbeet

l Ufervegetation

m Sandrasen

n Erdkeller (Magerstandort)

o Obstwiese

p Dachbegrünung

q Teich

habe ich zum Teil ins Fundament um die

Laube herum „verklappt“, zum Teil jedoch

entsorgen müssen. Für Trockenmauern

oder ähnliches waren diese Betonbrocken

leider nicht zu gebrauchen. Dafür erhielten

die alten 50-cm-Betongehwegplatten einen

neuen Sinn, als ich damit den Süd- und

Ostbereich um die Laube pflasterte.

Der Garten ist ca. 600 m² groß, langgezogen,

auf ehemaligem Niedermoor gelegen,

demzufolge fast nie trocken, und im Winter

und Frühjahr oft sogar sehr nass, im Bereich

der Obstwiese sogar überschwemmt.

Im höheren östlichen Teil ist der eigentliche

Naturgarten angelegt. Dort befindet

sich die Laube, davor zum Weg hin der mit

einem niedrigen Friesenwall abgefangene

Vorgarten, in dem eine bunte Wildrosenhecke

sich entwickelt. Mittlerweile ist sie

durch den üppigen Bunten Saum hindurchgewachsen.

Die Laube wird eingesponnen

von Clematis und Kletterrosen. Die Terrasse

und die Hauptwege durch den Garten

sind als Naturschotterwege angelegt und

eingesät. Der Höhensprung an der Terrasse

ist durch einen niedrigen Friesenwall abgefangen.

Neben dem Gartenteich blüht

üppig ein niedriges Wildstaudenbeet, und

hinter einem Biotopbestandteil des Niedermoores

– ein kleiner Sandrasen links und

rechts des Weges – teilt das Beet mit den

hochwachsenden Wildstauden den eigentlichen

Naturgarten vom Gemüsegarten ab.

Hier wird in vierjähriger Fruchtfolge intensiv

(aber natürlich voll biologisch!) Gemüse

angebaut. Eine kleine Hecke aus Beerenobststräuchern

trennt den Gemüsegarten

von der kleinen Obstwiese, auf der einige

alte Apfelbäume mit jungen Hochstämmen

ergänzt wurden. Ein Imker hat einige Bienenvölker

aufgestellt. Es ist herrlich, neben

den Stöcken zu sitzen und dem Summen

zu lauschen. Außerdem bekomme ich jedes

Jahr ein paar Gläser Honig geschenkt, ganz

abgesehen von der Bestäubungsarbeit an

meinen Obstgehölzen.

2

3

1 Große Aktion mit Teich-, Wege-, Terrassen-,

Gemüsegartenbau. Nachdem ich von Hand

das Gras (eine dicke verfilzte Schicht) geschält

und den Teich und die Wege ausgehoben

hatte, rückten drei Helfer an. In 2 Tagen

verbauten wir u. a. 23 t Schotter. Schweißtreibend,

aber es hat sich gelohnt.

2 Gerade fertiggestellter Teich läuft voll Wasser.

In der Mitte das tiefe Loch für die Seerose,

denn bei ca. 10 m 2 Wasserfläche kommt man

sonst schwerlich auf 1,20 m Tiefe.

3 Frisch fertiggestellter Garten, alles bepflanzt.

Noch ziemlich kahl sah es Mitte August 2012

aus. Nur knapp 10 Monate später war von

nacktem Boden nichts mehr zu sehen.

(Alle Fotos: Grit Lory)

14|FB Natur & Garten Oktober 2018

Natur & Garten Oktober 2018 FB|15


Faszination Naturgarten

Faszination Naturgarten

4 Ein Jahr später. Der Juni war üppig und bunt,

aber auch der Spätsommer überzeugte.

Dazu gute Ernten und – wer erkennt sie? –

neuerdings sechs Honigbienenvölker auf der

Obstwiese, für die ich aber nur Gastgeber bin.

Alter Naturgarten neu gestaltet

5 Bunt blühender Schotterweg. Sowieso sind

die Schotterflächen im Garten die schönsten

und üppigsten von allen.

D - 25421 Pinneberg

4

5

Der Garten ist ringsum begrenzt von bunten

Hecken aus heimischen Sträuchern, die

die ebenfalls dort eingesäten Bunten Säume

und Schmetterlings- und Wildbienensäume

mittlerweile überwachsen haben.

Im August 2012 hatten wir in einer großen

Aktion die Wege, die Beete und den Teich

gebaut, danach kam das große Pflanzen.

Als der Garten dann endlich fertig angelegt

war, sah er traumhaft aus, aber noch sehr

kahl. Nur 10 Monate später jedoch, im Sommer

2013, war von kahlem Boden eigentlich

nichts mehr zu sehen. Der Garten war

üppig, bunt und bombastisch schön.

Der Teich ist noch immer ein Abenteuer

für sich. Als er ein paar Tage alt war, kamen

schon die ersten Wasserläufer, und dann

fast jeden Tag jemand Neues: Rückenschwimmer,

Gelbrandkäfer (aber der war

bald wieder weg), und schon nach zwei

Wochen fand ich den ersten Molch. Dann

tanzten verschiedene Libellenarten um

ihn herum und bildeten ihre Paarungsräder.

Ein knappes Jahr nach Entstehung war

der Teich voller Libellenlarven, auch Teichschnecken

hatten ihren Weg schon gefunden.

Amsel, Singdrossel, Eichhörnchen,

Eichelhäher, Buntspecht und natürlich die

Bienen sind regelmäßige Gäste am Ufer.

Nun schlüpfen dort jedes Jahr zig Libellen,

auch Frösche haben inzwischen ihren Weg

hierher gefunden – und das mitten in Hamburg.

Natürlich gab es auch Rückschläge: Viele

Pflanzen sind eingegangen und mussten

ersetzt werden, einige Ansaaten sind nicht

gekommen. Aber das merke ich eigentlich

nur, wenn ich mal wieder einen Blick in die

Pflanzplanung werfe und feststelle, dass

ja diese oder jene Art, die geplant und gesetzt

bzw. gesät wurde, gar nicht da ist. Der

Platz ist dann sofort von anderen Arten eingenommen

worden. Nach ca. anderthalb

Jahren schon trug sich der Garten fast von

selbst, ich muss nur noch wenig eingreifen.

Reges Tierleben hat sich eingestellt.

Lory Naturgarten

Grit Lory

Fachbetrieb für Naturnahes Grün –

Empfohlen von Bioland

Birkenhorst 2b

D - 21220 Seevetal

3 0174 3397924

post@lory-naturgarten.de

lory-naturgarten.de

Fachbetrieb für Naturnahes Grün –

Empfohlen von Bioland:

Planung und Ausführung

Grit Lory

Dieses Projekt ist ein ca. 470 m² großer Privatgarten

in Pinneberg, ca. 15 m breit und

insgesamt inkl. Haus ca. 60 m lang. Der Garten

wurde 2008 von der Biotop OHG naturnah

gestaltet, war danach aber mangels

Pflege in den folgenden Jahren verwuchert

und zugewachsen.

Seit Oktober 2013 pflege ich den Garten

und habe ihn neu geplant und gestaltet.

Der Garten ist naturnah und strukturreich

angelegt und wurde von mir ergänzt und

umgestaltet. Im ersten Schritt wurde er

umfangreich entwildert, wuchernde Gehölze

zurückgeschnitten oder gerodet, die

verwilderten Staudenbeete gesäubert, der

Teich entkrautet. Wegen der großen Menge

an Grünabfall, die dabei zusammenkam,

war an eine Verwertung im Garten nicht zu

denken. In einem 6 m³-Container wurde

sämtliches Grüngut der ersten großen Aktion

abgefahren.

Noch vorhandene wertvolle Stauden und

Gehölze wurden erhalten und in die neue

Planung integriert. Vor allem zeichnet sich

der Garten durch eine große Zahl an Wildrosen

und naturnahen Rosensorten aus.

Auch heimische Sträucher sind vorhanden.

Zu beiden Längsseiten wird die Fläche von

einer Hainbuchenhecke, die zweimal jährlich

einen Formschnitt erhält, von den benachbarten

Privatgärten abgegrenzt. Zwei

Süßkirschen beschatten den hinteren Gartenbereich

und ganz am Ende gibt es eine

„wilde Ecke“, die mit einer Brombeere vom

Rest des Gartens getrennt wird. Das Zentrum

des Gartens stellt der kleine naturnahe

Gartenteich dar.

(Alle Fotos: Grit Lory)

16|FB Natur & Garten Oktober 2018

Natur & Garten Oktober 2018 FB|17


Faszination Naturgarten

Faszination Naturgarten

Kurzporträt

Kontakt & Adresse:

D - 25421Pinneberg,

Wohngebiet nahe der Autobahn

Kontaktaufnahme:

über Lory Naturgarten

Besichtigung auf Anfrage: ja

Baujahr/Bauzeit: 2013 (– 2018),

Umgestaltung, Pflege

Größe: ca. 900 m²

Wildpflanzenarten: ca. 100

Wildpflanzensaatgut: viele Einzelarten,

v. a. von Rieger-Hofmann

Katzengrab als kleines angehügeltes Beet,

neu bepflanzt und mit Wildblumen eingesät.

Zur besseren Strukturierung und Begehbarkeit

des mittleren Gartenbereiches

bauten wir einen Schotterweg, der an den

verschiedenen Wildstaudenbeeten vorbei

und um den Gartenteich herum führt. Den

Aushub nutzten wir für die Modellierung

eines Magerbeetes in der Nähe des Teiches.

Der neu gestaltete und entkrautete kleine Gartenteich, ein Eldorado für Frösche.

Vom Wintergarten aus blickt man im Frühling auf Waldmeister- und Sternmiereblüten,

dann folgen Glockenblumen, später Waldgeißbart und Rote Lichtnelken.

Naturmaterialien: gebrauchtes

Granitpflaster, viel Totholz liegend

und stehend, regionaler Naturschotter

0/32, Glensanda 0/12

Für die Begrenzung des Schotterweges

wurden gebrauchte Granitpflastersteine

aus der Region beschafft (Harksheider

Kutscherpflaster) und in das Schotterbett

gesetzt. Der Schotter kam aus einer lokalen

Kiesgrube, aber die oberste Schicht

wurde aus Glensanda gebaut, da das Unterbaumaterial

nicht die nötige Bindigkeit

aufwies. Dies war mein letzter Versuch, mit

regionalen Baustoffen einen Schotterweg

zu bauen. Seitdem greife ich (auch nach

Rücksprache mit Biotop) notgedrungen auf

den Glensanda aus Schottland zurück, der

anscheinend einzige in und um Hamburg

verfügbare Schotter, der für Wegeoberflächen

geeignet ist.

Da die Kundin Wert auf einen etwas strukturierten

Garten legt, haben wir fast alle

Beete mit einer Steinkante aus denselben

Steinen wie am Schotterweg umgeben,

jeweils in Sand gebettet. Ein weiteres Beet

wurde mit dicken Ästen als liegendes Totholz

umgrenzt.

Es gibt auch sonst reichlich Totholz: In der

„wilden Ecke“ ist ein Reisighaufen aus abgeschnittenen

Ästen und Zweigen entstanden.

In eine Trockenmauer wurden Stammstücke

integriert. In die Beete wurden

aufrechte und liegende Stammstücke und

ein großer Wurzelteller gelegt und gestellt.

Die beiden Kirschbäume sind begrünt mit

Kletterrose und Clematis (schon vorhanden

– ich hätte keine Kletterrose an einen

zu pflegenden und zu beerntenden Obstbaum

gepflanzt).

Die Planung und Umsetzung erfolgten in

mehreren Schritten zwischen 2013 und

2016, seitdem kommen immer wieder

kleine Ideen dazu. So haben wir das alte

Kinderspielhaus hinten im Garten in ein

„Tierhäuschen“ umgewandelt: geöffnet,

innen mit Steinen, Totholz, Holzwolle und

vielem mehr ausgestattet, Tür und Fenster

mit Drahtgeflecht als Schutz vor Katzen versehen,

im Eingangsbereich Vogeltränken

aufgestellt.

Neben dem Wohnhaus an der Einfahrt

zur Garage wurde ein Streifen des Pflasters

aufgenommen und mit Sand ergänzt.

In diesem sehr sonnigen und mageren

schmalen Streifen wachsen nun Karden,

Königskerzen und blauer Lein und beleben

die ansonsten recht öde Hauswand. Dieser

Naturgarten ist ein echter Gegenentwurf

zu seinem Nachbarn!

Direkt nebenan hat sich eine konventionelle

GaLaBau-Firma niedergelassen, deren

erster Akt es war, ihre gesamte Vorgarten-

fläche mit Betonpflaster zu versiegeln und

den ganzen hinteren Gartenbereich plattzumachen

und als Schotterfläche und Parkplatz

zu töten. Einzige lebende Pflanzen

neben der Spontanvegetation sind in Tierformen

geschnittene Buchse in Töpfen. Es

ist immer wieder amüsant zu beobachten,

wie aus „unserem“ Naturgarten Wildpflanzen

dort hinüberwandern und sich in den

Fugen breitmachen. Vor allem die kleine

blumenreiche Wiese, die „unseren“ Vorgartenbereich

bedeckt, schickt viele Emigranten

in die nähere Umgebung.

Lory Naturgarten

Grit Lory

Fachbetrieb für Naturnahes Grün –

Empfohlen von Bioland

Birkenhorst 2b

D - 21220 Seevetal

3 0174 3397924

post@lory-naturgarten.de

lory-naturgarten.de

Fachbetrieb für Naturnahes Grün –

Empfohlen von Bioland:

Planung und Ausführung

Großes Wildstaudenbeet: jedes Jahr und jeden Monat anders üppig.

Grit Lory

18|FB Natur & Garten Oktober 2018

Natur & Garten Oktober 2018 FB|19


Faszination Naturgarten

Faszination Naturgarten

Außen: Bärlauch (Allium ursinum)

(Foto: Benedikt Brockmann)

Links: Terrasse im zweiten Jahr mit Natternkopfspektakel

(Foto: Ulrike Aufderheide)

NaturErlebnisGarten mit Trauerweide

Starkregenvorsorge prägt Planung und Umsetzung eines Gartens in Bonn

D - Bonn

Im ersten Jahr ist der umlaufende Notwasserweg

noch gut zu erkennen (U. A.)

Der Spielbach nach der Erstellung, links der Aus -

lass der Leitung von der Entwässerungsrinne (B. B.)

Blumenschotterrasen als Sitzplatzerweiterung

der Terrasse im 1. Jahr (U. A.)

Kundenwünsche

Die Baufamilie mit vier kleinen Kindern

hatte ein älteres Haus saniert und umgebaut,

nun sollte ein NaturErlebnisGarten

den Kindern einen anregenden Spielraum

bieten und den Eltern Naturbeobachtungsmöglichkeiten

bei möglichst wenig Gartenarbeit.

CALLUNA-Büro für naturnahe

Garten+GrünPlanung wurde beauftragt,

die Familie zu beraten. Dringender Wunsch

der Eltern: eine Trauerweide soll später

einmal einen geborgenen Raum schaffen,

Naschobst und Kräuter sollen die Küche

bereichern.

Das Ergebnis der Gartenberatung

Das Grundstück fällt vom Eingangsbereich

nach hinten um ca. 0,5 m ab, die Wohnebene

liegt zum Garten 1 m höher. Also

gilt es zunächst, die Frage zu klären, auf

welchem Niveau die Terrasse gebaut werden

soll: „unten“ im Garten oder „oben“ am

Haus. Während der Gartenberatung wird

festgelegt, den Sitzplatz nur wenig tiefer

als das Wohnzimmer anzulegen und den

Höhensprung gestalterisch zu nutzen. Die

Terrasse ist von einem Kalkschotterhang

umgeben, auf dem zahlreiche Wildstauden

Der Spielbach im 2. Jahr

(Foto: Ulrike Aufderheide)

und Wildgehölze zeitlich versetzt während

des Jahreslaufes blühen und hier oben einen

geborgenen Raum schaffen, von dem

aus das Treiben im unteren Gartenteil beobachtet

werden kann. Nur ein Teilbereich

des oberen Platzes ist mit Polygonalplatten

und Fugenbegrünung gestaltet, der größte

Anteil der Fläche wird als Blumenschotterrasen

angelegt. Unten an der Trauerweide

gibt es einen kleinen Blumenschotterrasenplatz,

an dem Robinienpfosten zur Befestigung

einer Hängematte genutzt werden

können. Später kann man von diesem Platz

vielleicht auf einen Teich schauen, vorerst

gibt es dort eine Matschgrube für die Kinder,

mit einem weiteren Robinienpfosten,

so können die Kinder auch über ein Slacklinedreieck

balancieren. Im Vorgarten gibt

es eine Miniterrasse, die von einem kleinen

Pflaumenbaum beschirmt wird, ein leicht

geschwungener Weg aus Natursteinkleinpflaster

führt von der Straße zum Eingang

des Hauses. Die Zufahrt zum Carport wird

als Blumenschotterrasen begrünt. Auf der

anderen Seite des Hauses verbindet ein geschwungener,

von Wildstauden begleiteter

Plattenweg Eingang, Miniterrasse, Kellereingang

und die hintere Terrasse. Von dieser

gibt es zwei Wege in den unteren Garten:

ein treppenartiger Weg über Trockenmauerbausteine

zum unteren Sitzplatz und ein

Spielbach für das Wasser, das die Kinder mit

einer Schwengelpumpe aus einer kleinen

Regenwasserzisterne holen können.

Starkregenvorsorge

Die Ausführung dieses Gartenkonzeptes

wurde an die Firma natürlich grün aus Bad

Münstereifel vergeben. Um Zeit zu sparen,

wurde keine Ausführungsplanung beauftragt,

Ausführungsdetails wurden im Rahmen

der Bauleitung/Ausführung „on the

go“ erarbeitet.

Mit dem Höhenaufmaß drängte sich ein

kniffliges Thema in den Vordergrund: die

Starkregenvorsorge, denn der Hauseingang

liegt auf der Höhe des Gehwegs, auf

der Straße ist es bei Starkregenereignissen

schon zum Versagen der Entwässerungskanäle

gekommen. Das Haus liegt im Bereich

eines der verfüllten Altrheinarme, die

sich bei Starkregen füllen und manch ein

Keller der angrenzenden Häuser steht dann

unter Wasser. Es musste also verhindert

werden, dass bei Starkregen das Abwasser

von der Straße über den Lichtschacht vor

der Haustür in den Keller eindringt. Oberflächenwasser

wird vor dem Haus in einer Entwässerungsrinne

aufgenommen, die das

Wasser nicht in die Kanalisation leitet, sondern

unter der Garagenauffahrt und dem

Carport entlang in die Matschgrube, also

in den hinteren, tiefer liegenden Gartenbereich.

Damit kann sie auch bei Starkregen,

wenn die Kanalisation versagt, das Wasser

abführen. PlanerInnen müssen aber immer

mit dem schlimmsten Fall rechnen, hier also

damit, dass die Entwässerungseinrichtung,

z. B. durch man gelnde Pflege, verstopft ist.

Kurzporträt

Kontakt & Adresse:

Naturerlebnisgarten in D - Bonn

Besichtigung auf Anfrage Nein

Baujahr / Bauzeit: Neuanlage

2016/2017

Größe: 500 m²

Wildpflanzenarten: 77 Arten

Wildpflanzensaatgut:

22 verschiedene Saatgutmischungen

bzw. Einzelsaatgut

Besondere Merkmale / Naturmaterialien:

Kalkschotterhang,

Kinderspielbereich mit Spielbach und

Matschgrube, Terrasse aus Polygonalplatten

und Blumenschotterrasen,

Schutz des Gebäudes bei Starkregenereignissen

durch Notwasserwege,

Robinienpfosten für Hängematte und

Slackline

Die Länge von Vorgarten und Seitenstreifen

reichte glücklicherweise gerade aus, um

einen Graben mit leichtem Gefälle herzustellen,

der in diesem Fall das Wasser in den

hinteren Garten leitet. Der neue und erhebliche

Höhensprung zum Zaunfundament

auf der Grundstücksgrenze konnte mit einem

Hang aus verdichtetem Kalkschotter

20|FB Natur & Garten Oktober 2018

Natur & Garten Oktober 2018 FB|21


Faszination Naturgarten

Faszination Naturgarten

CALLUNA –

naturnahe Garten+GrünPlanung

Weißdornweg 78, 53177 Bonn

3 0151 58803133

aufderheide@

calluna-naturgarten.de

Fachbetrieb für Naturnahes Grün –

Empfohlen von Bioland: Planung

Gartenplan (Ulrike Aufderheide)

abgefangen werden. Dieser Graben war

direkt nach Bau des Gartens noch gut zu sehen,

inzwischen ist er durch die relativ hohe

Bepflanzung verdeckt und fällt nicht mehr

negativ auf. Leider war die Strecke zu lang,

den Graben schön geschwungen zu führen,

dann hätte das Gefälle nicht mehr ausgereicht,

um das Wasser sicher abführen zu

können. Eine Stufe nach oben zum Kellerabgang

ist zwar nicht bequem, verhindert

aber, dass das Wasser über die Kellertreppe

in den Keller laufen kann, wenn sich der

Graben füllen sollte.

Bepflanzung

Vorm Haus soll die Bepflanzung an Bauerngärten

erinnern. Hier wachsen eine im

Garten ausgegrabene Rose unbekannten

Namens und die nachblühende Bibernellrosenkreuzung

„Stanwell Perpetual“.

Duftveilchen (Viola odorata), Kissenprimeln

(Primula vulgaris), Glockenblumen

(Campanula persicifolia), Heilziest (Stachys

officinalis), Akelei (Aquilegia vulgaris) und

Teufelsabbiss (Succisa pratensis) begleiten

die Rosen. Auf dem kleinen steilen Kalkschotterhang

zur Grenzmauer wachsen

hochwachsende Stauden und schmalwachsende

Gehölze, wie die Felsenbirnensorte

„Leuk“, Berglaserkraut (Laserpitium

siler) und Echter Haarstrang (Peucedanum

officinale).

Einige Gehölze strukturieren den Kalkschotterhang

an der Terrasse: Purpurgeißklee

(Cytisus purpureus) fängt schon im

Frühjahr an zu blühen, dann folgen Felsenbirne

(Amelanchier ovalis), Zwergmispel

(Cotoneaster integerrimus) und später

im Sommer Kopfginster (Cytisus supinus)

und Schwarzer Geißklee (Cytisus nigricans).

Wacholder (Juniperus communis) und Burgenahorn

(Acer monspessulanum) sollen

hinter dem Spielbach den Sichtschutz zum

Nachbarn herstellen. Im unteren Gartenbereich

wächst an der Grundstückgrenze eine

freiwachsende Hecke mit Strauchkronwicke

(Coronilla emerus), Holunder (Sambucus

nigra „Samidam“), Apfelrose (Rosa villosa

„Duplex“) und Berberitze (Berberis vulgaris),

an der gegenüberliegenden Grundstücksgrenze

laden Beerensträucher und Erdbeeren

zum Naschen ein. An der hinteren

Grundstückgrenze blieben die vorhandenen

Sträucher, hauptsächlich Hartriegel

(Cornus sanguinea), erhalten und dienen

den Kindern als „Geheim-Versteck“.

Schwengelpumpe. Der Spielbereich der Kinder

rückt von der Terrasse aus in den Hintergrund (U. A.)

Der Notwasserweg fällt im zweiten Jahr nicht mehr auf (Foto oben B. B. und unten U. A.)

Herausforderungen beim

Bau des Gartens

Bei der Umsetzung der Planung stellte

die oben erwähnte Erarbeitung der

Ausführungsdetails „on the go“ eine Herausforderung

dar, da sie eine ständige

Kommunikation zwischen Planerin, ausführendem

Betrieb und Auftraggebern

sowie viel Flexibilität und ständiges Umdenken

erforderte. Eine weitere Schwierigkeit

stellte dar, dass an vielen Stellen

auf dem Grundstück vorhandenes Material

(Polygonalplatten, Kantensteine, Betonplatten,

diverse Pflanzen) wiederverwendet

werden sollte, es aber auf dem relativ

kleinen Grundstück nur wenig Möglichkeiten

zur Zwischenlagerung gab.

Bei den Geländemodellierungsarbeiten

musste die Arbeit zudem zeitweise aufgrund

des Regens unterbrochen werden,

da man sonst Gefahr gelaufen wäre, dass

der sandige, stark tonige Schluffboden zu

sehr verdichtet wird.

Schlussendlich konnten alle Herausforderungen

zur Zufriedenheit aller beteiligten

Parteien bewältigt werden und zwei Jahre

nach der Umgestaltung hat sich das

Grundstück zu einem farbenprächtigen

Garten entwickelt, dem man ansieht, dass

dort mit Kindern erlebt und gelebt wird.

natürlich grün

naturnaher Garten- und

Landschaftsbau

Engertsweg 19

53902 Bad Münstereifel

3 0179 9255953

info@natuerlichgruen.net

www.natuerlichgruen.net

Fachbetrieb für Naturnahes Grün –

Empfohlen von Bioland:

Ausführung

Benedikt Brockmann und

Ulrike Aufderheide

22|FB Natur & Garten Oktober 2018

Natur & Garten Oktober 2018 FB|23


Faszination Naturgarten

Faszination Naturgarten

1

Ein Naturgarten voller Liebe

und Enthusiasmus

D - 56348 Weisel

In der 2002 zum Weltkulturerbe erklärten

Landschaft des Mittelrheins liegt das Dörfchen

Weisel auf der Höhe von Kaub, umgeben

von Weinbergen und sagenumwobenen

Burgen.

Elke und Ernst Knecht sind seit vielen Jahren

treue Naturgarten e.V. Mitglieder und

treue Besucher der Naturgarten-Tage in

Grünberg. Außerdem war ihr Naturgarten

der erste von Bioland zertifizierte Garten.

Nach nun knapp 10 Jahren besuchten wir

das Ehepaar und fanden uns in einem beispielhaften

Naturreich wieder.

Die ursprüngliche Planung fand bereits

2007 in Zusammenarbeit mit den beiden

leidenschaftlichen Hobbygärtnern statt

und beinhaltet landschaftstypische Elemente

wie Trockenmauern aus Grauwacke

und zwei Teiche, die durch einen leise

plätschernden Bachlauf verbunden sind. In

einer sechswöchigen Bauphase entstanden

verwunschene Wege und lauschige Plätze,

die zum Verweilen und Beobachten der Artenvielfalt

einladen.

Wie viele der über 200 Wildpflanzenarten,

die im Baujahr 2007 gepflanzt wurden,

noch anzutreffen sind, lässt sich nach all

den Jahren nur schätzen. Die Wildpflanzen

haben eine Eigendynamik entwickelt, sie

sind viele Male umgezogen, haben sich an

anderen Standorten angesiedelt, sind verschwunden

und wieder zurückgekehrt. Das

Resultat ist atemberaubend und hat sich in

eine auf den Standort am Mittelrhein zugeschnittene

Pflanzengemeinschaft verwandelt.

Der Wunsch eines lebendigen Gartens

ist vollkommen in Erfüllung gegangen!

Langeweile kommt hier nie auf und so können

von früh bis spät bedrohte Insektenarten

beobachtet oder die frisch geschlüpften

Kaulquappen im Teich gezählt werden.

Doch das war den Knechts noch nicht genug.

So sind aus den anfangs nur im Eingangsbereich

angelegten Versuchsflächen

des Ehepaares inzwischen mehrere 1000m2

der angrenzenden Brachflächen hinzugekauft

worden und haben sich vom bloßen

Privatgarten in ein weitläufiges Permakultur-Areal

verwandelt. Über die Jahre entstand

so ein vorbildlicher Biotopverbund,

der, von Wildhecken umsäumt, nicht nur

Insekten sondern auch Füchsen, Eidechsen

und Igeln ein neues Zuhause bietet.

Es wurde eine Eidechsenburg errichtet, die

gesichert durch eine spezielle Zaunkonstruktion

nach der Anleitung von Tilman

Sommerien den Eidechsen einen sicheren

Unterschlupf gewährleistet. Der bewegliche

Zaun verhindert das Eindringen umherstreunender

Katzen, die die größten

Fressfeinde der bedrohten Eidechsen sind.

Die Streuobstwiesen wurden erweitert und

durch Kletterrosen ergänzt, die an alten

und abgestorbenen Ästen entlangranken

und ihnen so neues Leben einhauchen.

Eine Vogelschutzhecke bietet durch ihre

stacheligen Ranken allerlei Vögeln ein sicheres

Heim und versorgt sie gleichzeitig

mit Beeren und Früchten.

Hinter der dekorativen Bank befindet sich

der umfangreiche Nutzgarten, der alles bietet

was man sich an frischem Gemüse, Kräutern

und Obst nur vorstellen kann. Selbstverständlich

alles in BIO-Qualität. Die Ernte

ist jedes Jahr so umfangreich, dass nicht nur

unzählige Gläser mit unterschiedlichsten

Marmeladen gefüllt werden müssen, sondern

auch allerlei Eingemachtes das Ehepaar

und ihre Freunde über den Winter versorgt.

Das Zentrum des Gartens bildet das neue

Baumhaus. Hier erholt sich die gesamte

Familie Knecht nach der erfüllenden Gartenarbeit

bei einem Gläschen Riesling und

lässt die Blicke über ihre Naturoase und die

Wipfel der Bäume hinweg bis in das nahe

liegende Rheintal schweifen.

Durch die hohe Dichte an Vögeln, Igeln

und nützlichen Insekten kommt der Garten

vollständig ohne Pflanzenschutzmittel aus.

Entgegen dem Bundestrend brummt und

summt es im weitläufigen Areal vor lauter

Insekten und man kann Schmetterlinge in

allen Farben und Formen entdecken. Der

Naturgarten von Familie Knecht war der

erste von Bioland zertifizierte Naturgarten

und bleibt weiterhin ein Vorbild für alle,

die die Natur zu sich nach Hause einladen

möchten und bedrohten Insekten, Eidechsen

und Tieren in unserer rasant wachsenden

Gesellschaft eine Überlebenschance

bieten möchten.

Auf Anfrage öffnen Elke und Ernst Knecht

mit Freude ihre Gartentüren. Herzlichen

Glückwunsch Familie Knecht! >>

1 „Schwein gehabt!“ Das Naturgartenteam

von NATURgarten&BadeTEICH hat die

Wünsche der Familie Knecht in die Realität

umgesetzt

2 Basaltpflaster aus Weisel mit Trockenmauer

aus Grauwacke von der Mosel

3 „Do hocke die, wo immer do hocke.“

4 Atmosphärisches Plätschern eines Bachlaufs,

der sich durch Blutweiderich schlängelt

2

3 4

24|FB Natur & Garten Oktober 2018

Natur & Garten Oktober 2018 FB|25


Faszination Naturgarten

Faszination Naturgarten

Kurzporträt

Kontakt & Adresse:

Bioland-zertifizierter Naturgarten

in Weisel an der Loreley

Elke und Ernst Knecht

Neustrasse 17

D - 56348 Weisel

3 06774 8100

ernst.knecht@t-online.de

9

Inmitten des Weltkulturerbes Mittelrhein

auf halber Strecke zwischen

Bingen und Koblenz gelegen

Besichtigung auf Anfrage: ja

Baujahr / Bauzeit : in den Jahren

2007–2010 entstanden

Planung und Ausführung,

Weiterentwicklung:

durch Familie Knecht

5

10

11

Wildpflanzenarten:

über zweihundert unterschiedliche

Wildpflanzen und Blumenzwiebeln

gepflanzt, Ansaaten mit Wildblumen

und Schmetterlingssaum von Rieger-

Hofmann, Pflanzen von Gärtnerei

Strickler in Alzey/Rheinhessen

Besondere Merkmale / Naturmaterialien:

Trockenmauern aus

Grauwacke von der Fa. Schnorpfeil/

Mosel, Teichlandschaft mit Bachläufen,

Feuchtbiotope für Schlangen,

Eidechsenburg, Rückzugsraum für

Kleinsäuger, Schmetterlingsparadies

(Syringa Feuchtwiese)

13

6

12

5 Baumhaus mit Blick über das Rheintal

6 Feuchtbiotop mit Initialpflanzung und

aussaat einer Feuchtwiese (Syringa).

Wechselnde Wasserstände lassen ein

einzigartiges Artenspektrum entstehen

7 Wärmeliebender Saum (Rieger und

Hofmann GmbH) – immer wieder schön

8 Der Garten im Jahr 2008 – ein Jahr nach

Fertigstellung

9 Auf einem Stein im Teich die sitzende Loreley

10 Prachtlibelle am Teichrand

11 Blick durch die gelben Blüten der

buphtalmum salicifolia

12 Dyonisos im Fass umgeben von einem

Trockenstandort in voller Blüte

13 Ernst und Elke Knecht mit Robert Thöle

von NATURgarten&BadeTEICH

NATURgarten & BadeTEICH

Robert Thöle

Meisterbetrieb

Liegnitzerstr. 2, D - 74722 Buchen

info@thoele-naturgarten.de

www.thoele-naturgarten.de

Fachbetrieb für Naturnahes Grün –

Empfohlen von Bioland:

Ausführung

7 8

Robert Thöle

26|FB Natur & Garten Oktober 2018

Natur & Garten Oktober 2018 FB|27


Faszination Naturgarten

Faszination Naturgarten

Natur-Friedhof im kleinen Ort

Gelnhaar – ein Quantensprung

D - 63683 Ortenberg

Kontraste dürfen sein: konventioneller und naturnaher Friedhofsteil nebeneinander (Fotos, soweit nicht anders gekennzeichnet: Dorothee Dernbach)

genen Wegen und verschiedenen Waldbaumarten,

ersetzt Gestecke, Kerzen und

Grabsteine. Diese Strukturen und der

Wiesenbestand werden von der Friedhofsverwaltung

naturnah gepflegt.

p An jedem Baum können bis zu 10 Menschen

beigesetzt werden. Das entspricht

bei einer Pflanzung von 26 Bäumen einer

Ruhestätte für 260 Urnen.

p Da wir einen Bogen schlagen wollen zwischen

bestehender Friedhofskultur und

dem Friedwaldkonzept, sollen auch Elemente

der Kontemplation durch Spruchtafeln

eingebracht werden und ein schön

gestalteter Treffpunkt zum Verweilen einladen.

Ideenfindungsphase

zur Umsetzung

Im Rahmen der Ideenfindungsphase, in die

Vertreter der Verwaltung (Ortenberg), des

Ortsbeirates und der Kirchengemeinde einbezogen

wurden, nahm die Gestaltung des

neuen Friedparks Gestalt an: Als „Rückgrat“

soll zukünftig ein zentraler Gehweg das Gelände

erschließen, mit einfacher, wassergebundener

Decke aus örtlichem Basalt. Der

Weg sollte mit Minibagger befahrbar sein.

Sollte sich erweisen, dass der Belag Probleme

beim barrierefreien Befahren macht,

kann auf den Untergrund später immer

noch gepflastert werden.

Um die zwei Friedhofsbereiche sauber zu

trennen, soll zum bestehenden Gräberfeld

ein Wall aufgeschüttet und mit einheimischen

Sträuchern und Blumen bepflanzt

und besät werden.

Planung

Die Planung sieht vor, dass mit den Bestattungen

im Bereich A zwischen Weg und

Hecke begonnen werden soll, der Bereich

B auf der anderen Wegseite hingegen für

eine Weile naturnäher als „Reservefläche“

gestaltet wird. Die Baumpflanzungen sollten

in beiden Bereichen möglichst bald

erfolgen, da Bäume langsam wachsen. Der

Aushub aus dem Weg soll vorwiegend im

Bereich B als sanfte Modellierung und als

Erdkern unter den Sträucherwall zum alten

Friedhofsteil eingebaut werden. So muss

nichts entsorgt werden. Auf diese Flächen

kommt eine unkrautfreie, preiswerte Abdeckung

mit Basalt-Steinerde 0/8, auf die

gepflanzt und gesät werden kann und die

den anschließenden Pflegeaufwand entscheidend

minimiert.

Im Bereich A wird in großen Teilen der vorhandene

Schurrasen weiter bestehen bleiben.

Am Rand sollte jedoch als naturnäheres

Element ein Saum vor der Hecke in ein

weniger oft gemähtes, blühendes Wiesenband

umgewandelt werden. Kleinere Bereiche

mit modelliertem Aushub aus dem

Weg und dem Platzuntergrund werden als

zusätzliche Blühinseln angelegt.

Im Norden wird der Friedparkteil ebenfalls

von einer kleineren, naturnahen Fläche aus

Sträuchern und Wiese abgeschlossen.

Kurzporträt

Kontakt & Adresse:

Stadt Ortenberg, Bauamt,

Lauterbachstr. 2,

D - 63683 Ortenberg/Hessen, Friedhof

im Ortsteil Ortenberg-Gelnhaar

Besichtigung: Ja

Baujahr/ Bauzeit:

Umgestaltung im Jahr 2016

Planung & Bauleitung: durch

Dorothee Dernbach, Naturnahe

Grünplanung, Büdingen

Ausführung und Pflege: durch

eine ortsansässige GaLa-Baufirma

Joachim Seipel, Ortenberg-Selters

Größe: ca. 2000 m²

Wildpflanzenarten: 130 (Stauden,

Sträucher, Bäume, Zwiebelpflanzen)

Wildpflanzensaatgut: 10 Einzelarten,

Wiese Nr. 6 von Syringa, Dachbegrünungsmischung

von Rieger-Hofmann

auf dem Sträucherwall

Besondere Merkmale: Der Friedhof

ist zweigeteilt: neben dem neu angelegten

naturnahen Teil zur Baumbestattung

besteht ein konventioneller

Friedhofsteil weiter.

Ortenberg in Hessen hat einen Natur-

Friedhof: Der kleine Ortsteil Gelnhaar hat

es gewagt, dieses wirklich sensible Thema

anzugreifen und den „Friedwald“ ins Dorf

zu holen. Zusammen mit Ortsvorsteher

Olaf Kromm und Pfarrer Marschella ist dieses

innovative Projekt ins Laufen gekommen.

Obwohl auf Friedhöfen – und das ist

kein Geheimnis – normalerweise um jeden

Baum, der Blätter aufs Grab fallen lässt, bitter

gestritten wird. Wie das kam, erläutert

Herr Kromm: „Bei unseren Bürgerinnen und

Bürgern können wir ein zunehmendes Interesse

an Waldbestattungen feststellen. Auf

der anderen Seite verfügen wir als Kommune

über große Reserveflächen im Friedhofsbereich,

die diesem Interesse nicht gerecht

werden. So ist die Idee eines Friedparkes

entstanden: Innerhalb der vorhandenen

Friedhofsflächen soll eine große, naturnahe

Teilfläche entstehen, an deren zukünftigem

Baumbestand Urnenbestattung möglich

werden soll. Gerade unsere alten Leute wollen

hier im Ort beerdigt werden, dort, wo

sie auch ihr ganzes Leben verbracht haben“.

Auf der neuen Friedhofsfläche sollen

viele Elemente der Friedwaldbestattung

aufgegriffen werden – Das Konzept:

p Das Konzept steht für eine alternative

Form der Bestattung. Die Asche Verstorbener

ruht in einer biologisch abbaubaren

Urne, direkt an den Wurzeln

eines Baumes. Eine Namenstafel am

Boden macht auf die Grabstätte aufmerksam.

Auf diese Namenstafel kann

nach Wunsch auch verzichtet werden. In

diesem Fall haben Angehörige dennoch

die Möglichkeit, die Grabstätte des Verstorbenen

jederzeit zu besuchen, denn

die Bäume sind gekennzeichnet und in

Registern bei der Kommune eingetragen.

p Die naturnahe Gestaltung der Fläche,

über eine dichte Baumbepflanzung hinaus,

bietet einen erlebbaren Bezug zur

Natur, in der sich die meisten Menschen

schon zu Lebzeiten wohlfühlen.

p Der Friedpark kommt ohne individuelle

Grabpflege aus. Die natürliche Umgebung,

die geschaffen werden soll mit

Wildblumen, Naturhecken, geschwun-

Allen war wichtig, dass über die Pflanzung

von 26 heimischen Laubbäumen hinaus ein

naturnaher Charakter geschaffen werden

soll: Bunt blühende Wiesenareale, die auch

zukünftig fachgerecht gepflegt werden

müssen. Ganz konsequent wurde auch für

den gewünschten neuen Platz – gedacht

als Treffpunkt und zum Verweilen – ein Belag

aus regionalem Basalt-Pflaster, sogar

Recycling-Material, gewählt. Klar war auch

von Anfang an, dass Teile der Anlage in Eigenleistung

umgesetzt werden (Schrifttafeln

durch die Kirchengemeinde, Findling

am Eingang setzen, Pflastern des Platzes,

Pflanzarbeiten durch Ortsbeirat). Alle weiteren

Arbeiten sollen vergeben werden.

Bürgermeisterin Pfeiffer-Pantring erläutert im HR-Interview

überzeugend das naturnahe Friedpark-Konzept

28|FB Natur & Garten Oktober 2018

Natur & Garten Oktober 2018 FB|29


Faszination Naturgarten

Faszination Naturgarten

Glücklich getrennt: der kleine Erdwall nimmt

den Aushub aus dem Weg auf und fungiert als

bunt-blühende Trennung zwischen den beiden

Friedhofsteilen

Auch die Sitzmöglichkeit mit Quellstein

wird gerade in der heißen Jahreszeit nicht

nur als Ort der Besinnung, sondern auch

von jungen Familien mit kleinen Kindern

als Wasserspiel genutzt.

Auch viele andere Dörfer in der Region folgen

unserem Beispiel.

Ober Seemen als Ortsteil von Gedern stand

in den letzten Tagen in der Zeitung wegen

neuer Baumbegräbnisstätten. Ich habe den

Ortsbeirat dort beraten.

Im Interview durch das HR Fernsehen am

15.6.2018 hat sich auch die Bürgermeisterin

Ulrike Pfeiffer-Pantring begeistert über das

Konzept geäußert, inmitten „ihres“ wildpflanzenbunten,

summenden Friedhofsteils

– umringt von 19 begeisterten Regionalgruppenmitgliedern

des Naturgarten

e.V., angereist aus ganz Deutschland.

Ein naturnaher Spielgarten

zwischen Köln und Bonn

Von Fachbetrieben geplant und

unter Mithilfe der Kunden gebaut

Lebendiger Spielhügel

(Fotos soweit nicht

anders vermerkt:

Benedikt Brockmann)

Naturnahe Grün Planung

Ein einfacher Basaltschotterweg erschließt das Gelände

Entscheidend für den Erfolg bei der Umsetzung

der Maßnahmen sind die Wahl

von Pflanzen und Saatgut (aus dem Wildpflanzenfachhandel),

eine naturnahe Vegetationstechnik

und die Einhaltung der

naturnahen Pflege, ohne die alles hinfällig

werden würde.

Erste Erfahrungen

seit Anfang 2016

Wieder möchte ich den Ortsvorsteher Olaf

Kromm zitieren: „Die Tatsache, dass die vier

letzten Begräbnisse im Friedpark stattfanden,

bestätigt, dass wir hier den richtigen

Weg eingeschlagen haben. Die Mehrzahl

der Begräbnisse wird zukünftig sicherlich

hier im naturnahen Bereich erfolgen. Das

Eine oder Andere muss sich noch durchsetzen:

Zum Beispiel, dass keine Grabschalen

aufgestellt werden sollen, oder dass kein

englischer Rasen vorgesehen ist, stets kurz

geschoren. Dass die Blühflächen so vorgesehen

waren, dass musste auch erst noch

kommuniziert werden. Es ist ja das Jahr

über eine wahre Blumenpracht zu bewundern,

die die nächsten Jahre noch andauern

wird. Und zwar so lange, bis sich ein

Kronendach ausgebildet hat und das Blütenmeer

einem Waldboden mit viel Laub

und wenig Vegetation weichen wird.

DERNBACH

Naturnahe Grünplanung

Dorothee Dernbach

Dipl.-Ing. Umweltschutz

Vorstadt 30, 63654 Büdingen

3 06042 9798 235

dernbach@naturnah-planen.de

www.naturgarten-fachbetriebe.de

Fachbetrieb für Naturnahes Grün –

Empfohlen von Bioland: Planung

Dorothee Dernbach

Schon im ersten Jahr bietet der Weidenparavent

Sichtschutz (Foto: Ulrike Aufderheide)

Kundenwünsche

Nach dem Bau des neuen Hauses suchte

die Baufamilie nach Ideen für einen Garten

mit blühender, lebendiger Natur und fand

ein wenig zufällig über ein Buch aus der

Bücherei den Kontakt zum Planungsbüro

CALLUNA. In der Beratung ging es dann

erst einmal um die Träume und Wünsche,

also die Entwicklung einer „Vision“. Die Dimension

der Umsetzung erschien als riesiger

Brocken, aber alle waren von der Idee

und Vorstellung dieses möglichen Gartens

schon so begeistert, dass es auch kein

„zurück“ mehr gab. Zum Glück sind Naturgartenbetriebe

erfahren darin, Gärten in

Zusammenarbeit mit den Kunden zu bauen.

So konnten am Ende fast alle Wünsche

Wirklichkeit werden: Nutzgartenbereiche

mit Gemüse, Obst und Beeren, ein span-

nender Spielbereich für die Kinder, schöne

Sitzplätze und ausreichend Sichtschutz.

Das Ergebnis der Gartenberatung

Um den schmalen und langen Garten in

angenehme Räume zu unterteilen, wurde

ein Hügel angelegt. Dieser teilt den

Garten in ein „Davor“ und ein „Dahinter“.

An dem Hügel gibt es einen geborgenen

Platz mit einer Trockenmauersitzbank, die

sich in den Hügel schmiegt. Hier kann man

(auch) die Abendsonne genießen. Zum

Nachbargrundstück wird der Platz durch

ein Trockenmauerhochbeet abgegrenzt.

Auf dem Hügel „entspringt“ mit Hilfe einer

Schwengelpumpe ein Spielbach, der in

eine Matschgrube fließt. Dort entstehen

ein Nutzgartenbereich mit Hochbeeten

und Beerensträuchern. Die nach Osten

30|FB Natur & Garten Oktober 2018

Natur & Garten Oktober 2018 FB|31


Faszination Naturgarten

Faszination Naturgarten

CALLUNA –

naturnahe Garten+GrünPlanung

Weißdornweg 78, 53177 Bonn

3 0151 58803133

aufderheide@

calluna-naturgarten.de

Schon im ersten Jahr blüht es blau im Vorgarten

(Foto: Ulrike Aufderheide)

Ein Vorgarten zum Leben

Trockenmauersitzbank im ersten Jahr (Foto: Ulrike Aufderheide)

Fachbetrieb für Naturnahes Grün –

Empfohlen von Bioland: Planung

Kurzporträt

Besichtigung auf Anfrage: Nein

Baujahr / Bauzeit:

Neuanlage Februar / März 2017

Größe: 288,50 m²

Wildpflanzenarten: 28 Arten

Wildpflanzensaatgut: 3 Saatgutmischungen,

12 Einzelsaatgut

Besondere Merkmale /

Naturmaterialien:

Kalkschotterhang, Kinderspielbereich

mit Spielbach und Matschgrube,

Terrasse aus Polygonalplatten und

Blumenschotterrasen, einige Arbeitsschritte

wurden vom Auftraggeber

selbst ausgeführt

Gartenplan (Ulrike Aufderheide)

ausgerichtete schattige Terrasse am Haus

ist mit Polygonalplatten (mit begrünten

Fugen) belegt. Der Sichtschutz zu den

Nachbarn befindet sich nicht an der Grundstücksgrenze,

sondern ist direkt an der Terrasse

angeordnet: die Familie hat hier einen

Paravent aus lebenden Weiden gepflanzt.

Dieser schuf bereits im ersten Jahr ein geborgenes

Raumgefühl. Auch im Vorgarten

gibt es einen kleinen Sitzplatz am Haus, der

durch das kreisförmig verlegte Betonpflaster

„Arena“ betont wird. Ein Schachtdeckel

dient als Zentrum dieses Kreises und wirkt

dadurch geradezu dekorativ, muss also

nicht, wie in vielen Projekten versteckt werden.

Der sonnige Platz vor der Haustür ist

durch ein lebendig bepflanztes Kalkschotterbeet

vom Straßenraum abgegrenzt. Da

der Weg von der Haustür nicht geradeaus

direkt auf die Straße, sondern leicht verschwenkt

über die Einfahrt zum Carport geführt

ist, entsteht vor der Haustür tatsächlich

ein kleiner privater Platz, ohne dass die

Fläche durch einen Zaun vom Straßenraum

abgetrennt werden musste.

Eigenleistung und

Trockenmauerbaukurs

Die Kundenfamilie beauftragte CALLUNA

mit der Pflanzplanung und übernahm

später die Bepflanzung selber. Auch beim

Bau half sie mit: Die Auftraggeber hatten

Urlaub genommen und einen Bruder zur

Unterstützung ins Boot geholt, gemeinsam

schafften sie einiges: Beim händischen

Hereinfahren und Verteilen von 40 Tonnen

Kalkschotter für den Spielhügel sowie für

die Einfahrt in nur zwei Tagen muss selbst

ein gestandener Landschaftsgärtner den

Hut ziehen!

Außerdem harkten sie den Kompost ein

und bereiteten die Einfahrt für den Blumenschotterrasen

vor. Nach Einweisung

übernahmen sie auch das Einsäen von Blumenschotterrasen,

Säumen und Kräuterrasen.

Auch die Großeltern wurden bei diesem

Bauprojekt mit eingespannt: Das Holz

für die Umrandung der Matschgrube wurde

von den Eltern bei einem befreundeten

Waldbesitzer erworben und vom Vater der

Auftraggeberin abholfertig für die Firma

Trockenmauerbaukurs (Foto: Ulrike Aufderheide)

natürlich grün bereitgestellt. Der Nachbar

half dann mit seinem Traktor beim Verladen

der etwas unhandlichen Eichenstämme.

Während der Naturgartenfachbetrieb natürlich

grün die Trockenmauersitzbank am

Spielberg baute, wurde das Kräuterhochbeet

zunächst zurückgestellt und später

im Rahmen eines Trockenmauerbaukurses

mit einigen „Baugästen“ erstellt. Alle Kursteilnehmer

waren stolz, als das Beet nach

5 Stunden fertig bepflanzt im Garten stand.

Bepflanzung

Die Beete am Haus sind im Farbklang gelbblau

bepflanzt. Im Vorgarten sind gelb blühende

Kleingehölze wie Geißklee (Cytisus

nigricans), Kopfginster (Cytisus supinus) und

Blasenstrauch (Colutea arborescens) von

blau blühenden Stauden umgeben. Hier

kann man Wildbienen auf Natternkopf und

Glockenblumen beobachten. An der schattigen

Terrasse erscheinen schon im April

die blauen Blüten der Alpenwaldrebe (Clematis

alpina), später im Jahr blüht dann das

Mannsblut (Hypericum androsaemum) gelb.

Begleitet werden diese Gehölze unter anderem

von Lungenkraut (Pulmonaria officinalis

blauviolett), Waldwicke (Vicia sylvatica

weiß-violett) und Kissenprimel (Primula vulgaris

gelb). Im hinteren Garten dominieren

im Kräuterbeet dann eher rosa-blaue Töne

und schaffen so auch optisch mehr Weite.

Beerensträucher (darunter breitet sich

die Erdbeerwiese „Florika“ aus) und Obstbäume

(u. a. Quitte, Felsenbirne, Steppenkirsche,

Zwetschge, Miniapfelbäumchen

– Alkmene Spur Linus, Mini-Cox- und Mirabelle

versorgen die Familie mit Obst und

Wildobst. Der Spielberg wurde mit einer

Blumenschotterrasenmischung eingesät,

am Rand ergänzt durch den Bunten Saum

der Firma Rieger-Hofmann.

Herausforderungen

beim Bau des Gartens

Bauliche Herausforderungen gab es wenige.

Wie häufig in Neubaugebieten stellte

die Enge der Zufahrt und auch des Gartens

eine logistische Schwierigkeit dar und die

Nachbarn mussten während der Bauphase

Einschränkungen tolerieren. Außerdem

führte eine längere Frostperiode zu einer

Verzögerung der Arbeiten. Die Tatsache,

dass die Kundin (in Elternzeit) fast immer

persönlich vor Ort war, erleichterte den

Bauablauf sehr, da Besprechungen der Bauabschnitte

problemlos eingeschoben werden

konnten und so eine konstruktive und

flexible Bauplanung stattfinden konnte.

natürlich grün

naturnaher Garten- und

Landschaftsbau

Engertsweg 19

53902 Bad Münstereifel

3 0179 9255953

info@natuerlichgruen.net

www.natuerlichgruen.net

Fachbetrieb für Naturnahes Grün –

Empfohlen von Bioland:

Ausführung

Benedikt Brockmann und

Ulrike Aufderheide

32|FB Natur & Garten Oktober 2018

Natur & Garten Oktober 2018 FB|33


Faszination Naturgarten

Faszination Naturgarten

Kurzporträt

Kontakt & Adresse:

Staatskanzlei Baden-Württemberg /

Villa Reitzenstein: Winfried Kretschmann,

Richard-Wagner-Straße 15,

D - 70184 Stuttgart

Lage: Oberhalb des Talkessels residiert

die Landesregierung in der ehrwürdigen

Jugendstilvilla Reitzenstein

Besichtigung auf Anfrage:

Nur am Tag der offenen Tür

Baujahr / Bauzeit: Umgestaltung

Planung: durch Wilhelma Stuttgart

(Micha Sonnenfroh/Katja Siegmann)

und Reinhard Witt.

Bau: Wilhelma, Pflegebegleitung

durch Reinhard Witt

Größe: über 3000 m²

Wildpflanzenarten: über 150

Stauden und Einzelarten, mehr als 40

Gehölzarten

Wildpflanzensaatgut:

vorwiegend heimisches aus diversen

Wildpflanzenquellen

Besondere Merkmale / Naturmaterialien:

Teichsanierung, Wildstaudenpflanzungen

in Schatten und Sonne,

Feucht- und Fettwiesen, artenreiche

Kräuterrasen, Zwiebelblüher, insektenfreundlicher

Garten, Artenschutzbereiche

speziell für Wildbienen und

Mauereidechsen

3

1

Villa Reitzenstein:

Natur aus Händen

der Landesregierung

D - 70184 Stuttgart

2

1 Umgestaltung Tempietto: Blick von der

Feuchtwiese mit Kuckuckslichtnelke im Mai

2013. (Foto: Katja Siegmann)

2 Umgestaltung Tempietto: Ministerpräsident

Winfried Kretschmann, Nabu-Vorsitzender

Dr. Andre Baumann und Mitplanerin Katja

Siegmann. Eröffnung vier Monate nach dem

Bau im Juli 2012.

Das Vorspiel: 2011

Dinge ändern sich. Und wenn sich etwas

ändert, sollte dies auch sichtbar sein. Naturnah

ist inzwischen in aller Munde, aber

an der Umsetzung fehlte es bislang vielerorts.

Baden-Württemberg stellte in dieser

Hinsicht keine Ausnahme dar. Bis, ja, bis

auf die Landtagswahl im März 2011, die einen

grünen Ministerpräsidenten als neuen

Regierungschef in die Villa Reitzenstein in

Stuttgart einziehen ließ.

Von wo sollte nun ein besseres Signal des

Umdenkens, besser Umschwenkens, ausgehen

als vom Amtssitz des baden-württembergischen

Ministerpräsidenten, der gleichzeitig

das Staatministeriums beheimatet.

So jedenfalls dachten es sich Ministerpräsident

Winfried Kretschmann und Dr. Andre

Baumann, baden-württembergischer Landesvorsitzender

des Naturschutzbundes

Deutschland (NABU). Das Signal sollte von

ganz oben kommen, von jenem weithin

sichtbaren Hügel oberhalb Stuttgarts. Artenschutz

auf höchster Ebene. Wildpflanzen

im öffentlichen Grün ganz oben.

2011 wurden diverse Flächen im Bereich des

Teiches am Tempieto umgestaltet. Die Natur

wartete indes nicht. Noch während des Umbaus

laichten Erdkröten im Teich und dutzende

Bergmolche zogen ein. Naturschutz

von ganz unten, die Natur hatte sich schon

längst für den Umbau der Grünflächen entschieden.

Und wie sagte Ministerpräsident

Kretschmann in der Fernsehsendung Heu-

te Nacht vom 13. August 2012 beim Gang

durchs Areal so treffend: „Wir sind nicht nur

für unsere Mitmenschen, sondern für alle

Mitgeschöpfe verantwortlich.“

Der Hauptakt: 2017

2011 waren Schlagworte wie Insektensterben

und Biodiversität nur Fachleuten bekannt.

Das Artensterben grassierte zwar,

aber unerkannt. Ministerpräsident Winfried

Kretschmann war persönlich so getroffen,

dass er weitere, diesmal zentrale Teile des

Geländes umplanen ließ. Und zwar gerade

frisch angelegte Rasenflächen und Eibenhecken.

Die kamen raus. Dafür Natur und

Biodiversität rein. Dies, um die Möglichkeit

aufzuzeigen, die das naturnah gestaltete

Siedlungsgrün für die Biodiversität im Land

hat. Das war natürlich (!) ein Widerspruch

zum historischen Kontext dieser Parkanlage

und würde nicht allen Besuchern (vor

allem menschlichen) gefallen. Insofern war

es auch radikal. Aber das ist ja auch der Zusammenbruch

der Biodiversität im Land.

4

Und das geschah 2017:

p 590 m² Blumenrasen mit Frühlingsgeophyten

p 561 m² insektenfreundliche Staudenbepflanzung

p 320 m² Hochstaudenflur

p 35 m² Blumen-Schotter-Rasen und

Dachbegrünungsmischungen

p 37 m² halbschattige Blumenwiese

p 40 m² Wild- und Gartenrosenhecke

p 420 m² insektenfreundliche Hochstaudensäume

p 84 m² spezielle Artenschutzbereiche

Etliche der Fotos, vor allem die der Umwandlung

der sterilen Rasenflächen in artenreiche

Frühlingsblüherrasen sind im neuen Naturgartenbau-Buch

in Schritt-für-Schritt-Fotos

nachzuvollziehen.

(Alle Fotos Reinhard Witt, soweit nicht anders

gekennzeichnet)

3 Mitarbeiterführung 2017. „Ja, was, das sind

Wildpflanzen. Wie heißt denn die? Wie schmeckt

denn das? Die riecht aber gut!“ Die erste Führung

mit Ministeriumsmitarbeitern lockt alle aus

staubigen Stuben hervor und bringt sie zum

Staunen und Schwärmen. „Ja, das wollen wir,

das ist unsere Idee. So ist das gut.“

4 Artenschutzbereich für Mauereidechsen

2017. Mit den Minigärtnern und jeder Menge

Presse und Kameras legt der Baden-Württembergische

MP selber Hand an. Aufrechter Ziest

lockt Wollbienen an, die wiederum Mauereidechsen

anziehen, denen der Sand gefällt,

falls sie nicht auf Holzstämmen sonnenbaden

möchten oder in den Steinriegeln und unterirdischen

Haufen verschwinden, wo sie notfalls

sogar überwintern könnten.

Reinhard Witt

Dr. Reinhard Witt

Naturnaher Grünplaner

Quellenweg 20

D - 85570 Ottenhofen

3 08121 46483

reinhard@reinhard-witt.de

www.reinhard-witt.de

Fachbetrieb für Naturnahes Grün –

Empfohlen von Bioland: Planung

34|FB Natur & Garten Oktober 2018

Natur & Garten Oktober 2018 FB|35


Faszination Naturgarten

Faszination Naturgarten

Zwei Schluchten

ziehen sich durch den

Innenhof und empfinden

die Besonderheiten

der Landschaft

der Region um

Winnenden nach

Das besondere Firmengelände

Innenhof als beeindruckender Landschaftspark

D - 71364 Winnenden

Digitalis lutea, Seggen und Euphorbia

verrucosa prägen die Schluchten

Magerrasen vor dem Verwaltungsgebäude. Reine Ansaat – keine Pflanzung!

Das Gesamtkonzept dieser naturnah geplanten

Anlage greift die Besonderheiten

des Naturraums um Winnenden herum auf

und spiegelt deren Besonderheiten in gestalterischer

Hinsicht sowie bezüglich der

gebietsheimischen Vegetation wider.

Für die Region in und um Winnenden sind

trocken-warme Standorte samt ihrer vielfältigen

Flora und den typischen scharfen

Landschaftseinschnitten in Form von steilen

Abbruchkanten kennzeichnend. Strukturreiche

Böden runden diese eigentlich

sogar für ganz Baden-Württemberg typischen

Standorte ab (LFU Nr. 11 (2001)).

Meine Pflanzplanung für den Innenhof basiert

auf der Flora des Oberen Zipfelbachtals

in Winnenden und der Vegetation des

nicht allzu weit entfernten, besonders artenreichen

Naturschutzgebietes Unteres

Remstal.

Dank eines glücklichen Umstands konnten

wir von einer anderen nahegelegenen

Großbaustelle den Löwenanteil des für

den Schluchtenbau benötigten Natursteinmaterials

recyceln. Weiteres Muschelkalk-

Material wie Brücken- und Krustenplatten

sowie Terrassenplatten und die ganz besonderen

Großfelsen lieferten Steinbrüche.

Diese Felsen, die ich tatsächlich eher per

Zufall im Vorbeifahren, von wilden Brombeeren

berankt und daher fast gänzlich verborgen,

in einem kleinen Pappelwäldchen

entdeckt hatte, sind heute das Tüpfelchen

auf dem i und bilden unter anderem einen

schützenden Rahmen für die Terrasse der

firmeneigenen Cafeteria.

Als Basis der verwendeten Pflanzsubstrate

diente mir der auf der Großbaustelle der

Firma Kärcher in schier endlosen Mengen

Die Pflanzplanung im Detail betrachtet

gliedert sich je nach Sonnen- und Lichteinfall

in mehrere verschiedene Bereiche,

die beispielsweise einem Waldrand oder

einer Streuobstwiese entsprechend in der

Zusammensetzung bzw. bezüglich der typischen

natürlichen Vergesellschaftungen

ausgewählt wurden. Auch die Bereiche am

Rand der Abbruchkanten, zwischen den

Steinen, die den erodierenden Schichten

in der Natur entsprechen sowie am Bodengrund

der Schluchten wurden von mir

jeweils passend geplant. Das trocken gefallene

Bachbett ist ebenfalls ein eigener Bereich

mit langgezogenen, extrem schmalen

Pflanzungen. Auch für echte Raritäten eignet

sich die Pflanzsituation im Innenhof –

so zogen sogar zwei Flaumeichen (Quercus

pubescens) in den Innenhof ein. Diese langsam

wachsende, in der Natur stark bedrohanfallende

Rohboden (Aushub). Dieser

wurde von mir in jeweils passenden Mengenanteilen

mit Sand und Mineralgemisch

und gegebenenfalls mit Ökohum-Substrat

aufgemischt und an meine differenzierten

Pflanzkonzepte angepasst. Das humose

Pflanzsubstrat der Firma Ökohum aus Herbertingen

wurde außerdem an den schattigsten,

eher an einen Waldrand erinnernden

Bereich des Innenhofs „pur“ eingesetzt.

Gehölze größerer Qualitäten, Hochstämme

und Solitärgewächse, lieferten verschiedene

große Baumschulen. Alle Rosen, Kleingehölze,

Farne, Gräser und Stauden kamen

als echte Wild-Ware mit Herkunftsnachweis

von der Bioland-Gärtnerei Strickler, genauso

wie tausende Wildblumenzwiebeln, die

im Herbst 2014 jahreszeitenbedingt nachträglich

noch gesteckt wurden.

te Eichenart darf sich hier im lichten Schatten

dreier Ebereschen (Sorbus aucuparia),

die für sie hier sozusagen als „Ammen“ fungieren,

in aller Ruhe entwickeln. Es finden

sich beim Rundgang des Weiteren Speierling

(Sorbus domestica) und wärmeliebende

Bäume wie Elsbeere (Sorbus torminalis,

Baum des Jahres 2012) und Burgen-Ahorn

(Acer monspessulanum) sowie Echte Mispel

(Mespilus germanica) und Blasenstrauch

(Colutea arborescens) für die Holzbienen.

Die für jede Variante der gegebenen Lichtund

Standortbedingungen des Firmengeländes

spezifisch ausgeklügelte Pflanzplanung

und die jeweils dafür eigens aus

Lehm (toniger Aushub, Rohboden des

ehemaligen Ziegeleigeländes), Sand und

Steinen zusammengestellten Pflanzsubstrate,

machten es möglich, dass trotz vieler

extrem langer Trockenperioden in diesem

Acer monspessulanum kündigt mit seiner

gelben Laubfärbung langsam den nahenden

Herbst an

Eine alte Mispel tront in Einzelstellung zwischen

den mächtigen Felsen, im Vordergrund Luzula

nivea und Cytisus nigricans

36|FB Natur & Garten Oktober 2018

Natur & Garten Oktober 2018 FB|37


Faszination Naturgarten

Faszination Naturgarten

Der natürliche Bewuchs der Großfelsen

durfte bleiben – hier wird nicht gekärchert

Eine artenreiche Mischpflanzung begrüßt

am Eingang zum Firmengelände. Hier blüht

es das ganze Jahr bunt.

Die Terrasse des Mitarbeiterrestaurants wird von mächtigen Großfelsen aus Muschelkalk gerahmt

Kurzporträt

Kontakt & Adresse:

Naturnaher Innenhof für das neue

Verwaltungsgebäude der

Kärcher SE & Co KG, 71364 Winnenden

Besichtigung auf Anfrage möglich:

Ja! Für neue Interessenten und

Projektpartner sowie für Fachleute,

nur nach Terminabsprache und nur in

meiner Begleitung möglich.

Aufgabenstellung: Neuplanung eines

Innenhofs als Landschaftspark und

artenreicher und bunter Naturgarten

Baujahr: Planung 2014, Umsetzung/

Planung und Bau von März bis Juni 2014

(4 Monate!)

Größe: 1000 m² (plus weitere 3000 m²

Nebenflächen rund um das Verwaltungsgebäude)

Besondere Merkmale: Absolut regional

Zertifiziert: Ja

Gebietsheimische Wildpflanzen,

Auszug aus der Pflanzplanung:

Verwendung fanden mannigfaltige

Gehölze, Klein- und Halbgehölze,

Wildrosen und Naturnahe Gartenrosen,

regionaltypische Wildstauden, Gräser und

Farne und nicht zuletzt (und eben auch

ganz besonders wichtig) tausende frühblühende

Geophyten (6000 – 7000 Stück

Wildblumenzwiebeln).

Wildpflanzen soweit möglich Bioland-

Gärtnerei Strickler, Alzey

Wildblumen-Saatgut Hof-Berggarten,

Herrischried, Syringa, Hilzingen und

Rieger-Hofmann, Blaufelden

Das Schönste aus der Artenliste

Acer monspessulanum –

Burgen-Ahorn, Französischer Ahorn

Chamaecytisus supinus –

Kopf-Zwergginster

Colutea arborescens –

Gewöhnlicher Blasenstrauch

Digitalis lutea – Gelber Fingerhut

Dictamnus albus – Diptam

Hedera helix arborescens –

Altersform des Efeus (nicht rankend)

Helleborus foetidus – Stinkende Nieswurz

Inula salicina – Weidenblättriger Alant

Lamium orvala – Nesselkönig

Lilium martagon – Türkenbundlilie

Lithospermum purpurocaeroleum –

Blauroter Steinsame

Melica ciliata – Wimper-Perlgras

Melica nutans – Nickendes Perlgras

Mespilus germanica – Echte Mispel

Polygonatum odorata – Salomonsiegel

Prunus fruticosa – Strauch-Kirsche

Quercus pubescens – Flaumeiche

Rhamnus saxatilis – Felsen-Kreuzdorn

Rosa arvensis – Kriech-Rose

Rosa pendulina – Alpen-Rose

Sorbus domestica – Speierling

Sorbus torminalis – Elsbeere

Staphylea pinnata –

Gewöhnliche Pimpernuss

Thalictrum aquilegifolium –

Akeleiblättrige Wiesenraute

Vincetoxicum hirundinaria –

Weiße Schwalbenwurz

Pflanzplanung

Gehölze in vielen Arten sowie

Klein- und Halbgehölze

Wildstauden als differenzierte

Staudenmischpflanzungen, inklusive

regionaltypischer Raritäten

Gräser und Farne

Zwiebeln und Knollen (6000 – 7000 Stk.)

Einzelsaaten in Arten

Schnabel voll! Bachstelze beim Futtersammeln

Admiral an Blüte der Altersform des Efeus

trockenwarmen Weinbaugebiet – außer in

der Anwachs- und Entwicklungsphase – bis

heute nicht gewässert werden musste. Alle

Bäume, auch die außerhalb des Innenhofs,

gedeihen prächtig.

Mein ganzer Stolz: Am Ende der Baustellenzeit

– wir waren sogar noch mit lauten

Maschinen zu Gange – beglückte mich

zur Krönung des Projekts ein Bachstelzen-

Pärchen damit, dass es in den Innenhof

einzog und sofort begann, dort zu brüten.

Die Beiden brüten seither jedes Jahr dort

und ziehen ihre Jungen auch komplett im

Innenhof auf. Von Beginn an gab es aus den

Pflanzcontainern der Bioland-Gärtnerei

ausreichend kleine Insekten für die Fütterung

der Nestlinge! 2016 stieß auch noch

ein Amsel-Pärchen hinzu. Selbst Eidechsen

– wohl mit Material und Maschinen nach innen

geraten – sollen laut der Mitarbeiter im

Innenhof gesichtet worden sein. Von Wildbienen

und Tagfaltern natürlich ganz zu

schweigen – sie finden den Weg von oben

zu ihren jeweiligen Lieblingspflanzen!

Die Auftragserteilung erfolgte im März 2014

in Rahmen eines kleinen Architektenwettbewerbs.

Zu den Zielvorgaben gehörte die

Fertigstellung der Naturgartenanlage des Innenhofs

bis Ende Mai 2014. Keine drei Monate

für Planung und Umsetzung – das waren

schon etwas sportliche Grundvoraussetzungen.

Auch der für schwere Maschinen wie

Bagger, Radlader und Raupe relativ schmale

Raum erforderte eine besonders durchdachte

Logistik: Wir mussten uns beim gesamten

Bau inklusive des Setzens der Großfelsen,

des Schluchten- und Terrassenbaus und inklusive

der Pflanzung der Großgehölze von

hinten nach vorne gleichmäßig durch den

Innenhof in Richtung Fassadenöffnung vorarbeiten.

Der 21.05.2014 war „Deadline“ – an

diesem Tag wurde die Glasfassade des Verwaltungsgebäudes

geschlossen – nun gab

es kein Durchkommen mehr für schwere

Maschinen. Alle restlichen Arbeiten waren

nun feinste Handarbeit. Transporte aller weiteren

noch benötigten Materialien sind nur

noch per Schubkarre mit weichen Gummirädern

möglich gewesen. Mein Dank geht an

dieser Stelle an alle Bauarbeiter und Gärtner

– sie haben nicht nur Geduld, sondern auch

echtes Interesse an der Arbeit bewiesen.

Nicht unerwähnt lassen möchte ich an dieser

Stelle aber auch, wie beeindruckend

harmonisch die Zusammenarbeit zwischen

Entscheider-Team/Vorstand, Planern und

auch den ausführenden Organen wie „meinem

Trupp“ der Firma Leonhard Weiss war.

Alle haben sich mit viel Freude und einer

ordentlichen Portion Enthusiasmus auf

viele ungewöhnliche Aspekte der Planung

und den aufwändigen Bau der Schluchten

eingelassen. Es gehört sicherlich eine gute

Portion Mut und innere Freiheit dazu, sich

auf ein solch außergewöhnliches Projekt

einzulassen. Bis heute komme ich gerne an

diesen besonderen Ort und darf mich jedes

Mal neu über einen herzlichen Empfang

freuen. Mein Dank geht somit betont auch

an die Menschen in dieser schwäbischen

Firma, die es wirklich ernst damit meinten,

das Thema „Naturnahe Firmengelände“ als

Vorreiter für viele andere Unternehmen so

mustergültig und beispielhaft zu platzieren.

Für die Zukunft wünsche ich mir noch viele

Unternehmen mehr, die ihr Areal für artenreiche

Naturgärten und Wildblumenwiesen

zu Gunsten unserer wertvollen Fauna

zur Verfügung stellen. Jeder Quadratmeter

zählt!

Literatur & Links:

p LFU Nr. 11 (2001), Biotope in Baden-

Württemberg: Wälder, Gebüsche und

Staudensäume trockenwarmer Standorte

LUBW, ISSN 0945-2583). https://

www4.lubw.baden-wuerttemberg.de

p Staatliche Naturschutzverwaltung

Baden-Württemberg: Naturschutzgebiet

unteres Remstal (2001):

https://rp.baden-wuerttemberg.de

Maria Stark

Maria Stark

Naturgartenplanerin

Planungsbüro für ökologische

Grünraumkonzepte

Bombenbreite 32

D - 88693 Deggenhausertal

3 07555 927265 und 0151 41904250

www.naturgartenplanerin.bio

info@naturgartenplanerin.bio

www.facebook.com/naturnahegaerten

Fachbetrieb für Naturnahes Grün –

Empfohlen von Bioland: Planung

38|FB Natur & Garten Oktober 2018

Natur & Garten Oktober 2018 FB|39


Faszination Naturgarten

Faszination Naturgarten

1 Steinbrech erobert die Mauerfugen neben

dem Schwimmteich

1 2

Kurzporträt

ohne besondere Pflege zu verlangen, dem

Naturgarten farbenfrohe Akzente verleihen.

2 Salbei und gelber Färberginster

Zwischen Magerwiesen, Streuobstwiesen

und steilen Weinbergen liegt dieser

unkomplizierte Naturgarten in Ellhofen

bei Heilbronn.

Manchmal entsteht der Eindruck, ein Naturgarten

ist nur etwas für Pflanzenliebhaber

und bedeutet viel Arbeit. Weit gefehlt!

Das erste, das ich meinen Kunden rate, ist:

„Verkaufen Sie ihren Rasenmäher. In Zukunft

müssen Sie nicht mehr jeden Samstag

stundenlang das laute Gerät durch den

Garten schieben. Genießen Sie lieber die

Stille und den Frieden und beobachten, wie

ihre Pflanzen von ganz alleine den richtigen

Platz für sich erobern, während entspannt

Schmetterlinge, Bienen und Libellen vorbeifliegen.“

Ein Naturgarten soll ein Ort sein, an dem

sich die Natur friedlich entfaltet und der

Gartenbesitzer sie dabei beobachtet.

Nichts weiter.

Familie Preidl-Grimminger ist eine genussvolle

Familie und sie sind an mich herangetreten,

weil sie sich einen Schwimmteich

gewünscht haben, um sich zwischen dem

Grillen schnell mal erfrischen zu können.

Natürlich durfte der Ganzjahres-Grillplatz

nicht fehlen. Sie träumten von einer pflegeleichten

Gartenoase mit viel Wasser und

Ambiente zum Entspannen.

Mit einem Schwimmteich

im eigenen Garten …

… beginnt der Urlaub jeden Tag beim Nachhausekommen

D - 74248 Ellhofen

3

3 Blick auf das

„Schwimmteich-Platzwunder“

mit im Teich

aufgesetzter Trockenmauer

und Sichtschutz

aus heimischem

Lärchenholz

Kontakt & Adresse:

Familie Preidl-Grimminger,

D - 74248 Ellhofen

Besichtigung auf Anfrage: Ja

Baujahr/ Bauzeit: Entstanden im Jahre

2015 wurde zunächst der Schwimmteich

mit der Einfriedung des Grundstückes

realisiert. Dabei lagen Planung und

Bauleitung und Durchführung sowie

die spätere Pflege in Händen von

NATURgarten&Badeteich Robert Thöle.

Bauzeit: 4 Wochen

Größe: 400 m²

Wildpflanzenarten: Neben 35 unterschiedlichen

Wasserpflanzen im

Schwimmteich wurden weitere über

Die besondere Herausforderung war die

Fläche, die uns zur Verfügung stand, um

alles unterzubringen. Der Abstand zwischen

Haus und der Grundstücksgrenze

beträgt nur 6 Meter. Das ist nicht gerade

viel Platz für eine Terrasse mit Grillecke und

einen Schwimmteich. Das flexible System

des Schwimmteichprinzips naturgartenbadeteich®

macht es möglich, sich an fast

alle Formen anzupassen, ohne seine Wirksamkeit

zu verlieren. Im Vergleich zu einem

herkömmlichen Swimmingpool spart der

Badeteich nicht nur Wasser, sondern auch

die Kosten für Reinigung und Instandhaltung

des Beckens. Die Reinigungskraft bestimmter

Wasser- und Sumpfpflanzen sorgt

für reine Wasserqualität. Nur einmal im Jahr

empfehlen wir die Pflege durch einen Spezialisten

– dabei wird der Teichgrund mit

Spezialsauger und Tauchausrüstung gereinigt

– und den Rest des Jahres kann einfach

unbekümmert gebadet werden.

Die sechs Meter haben wir bis auf den letzten

Millimeter voll ausgeschöpft. Um dem

Schwimmbereich mehr Ambiente, Privatsphäre

und kühlenden Schatten zu verschaffen,

bauten wir einen erhöhten Zaun

aus heimischen Lärchenhölzern direkt auf

die Grundstücksgrenze. Der Schwimmteich

wird an der Rückwand durch eine Trockenmauer

aus Sandstein verstärkt und reicht

von dort aus direkt bis zur Terrasse. Zimbel-

100 Arten gepflanzt. Die Blumenwiese

von Rieger-Hofmann wurde im Jahr

2016 angesät, zusammen mit der Wildblumen-

und Kräuterpflanzung.

Besondere Merkmale / Naturmaterialien:

Der patentierte Naturgarten-

Badeteich wurde in diesem Projekt sehr

nahe an das Gebäude herangeführt. Auf

engstem Raum konnte mithilfe einer im

Teich aufgesetzten Trockenmauer aus

Odenwälder Buntsandstein die selbstgefertigte

Sichtschutz-Holzwand aus

Lärchenholz unter Absprache mit der

angrenzenden Nachbarschaft realisiert

werden. Die Heil- und Wildkräuterpflanzung

an der Grillterrasse setzt Farbtupfer

während der Grillsaison (ganzjährig).

kräuter erobern die Mauerfugen mit ihren

zartrosa Blüten. Eine kleine Holzterrasse

auf dem Wasser erleichtert das Einsteigen

ins Wasser und bietet einen gemütlichen

Sitzplatz, von dem aus man wunderbar die

Füße ins Wasser baumeln lassen kann.

Etwas ins Eck versetzt haben wir den Grillplatz

platziert, damit Gerüche und Rauch

nicht ins Haus ziehen können. Durch eine

Muschelkalkmauer erhöht befindet sich,

direkt neben dem Grill, der Kräutergarten.

Hier findet sich alles von Rosmarin, Salbei,

Thymian bis zum Currykraut. Nur eine

Handbreit vom Grill entfernt.

Die verbleibenden Flächen haben wir in

Trockenstandorte verwandelt, auf denen

eine Mischung aus wilden Rosen, Färberginster

und niederliegendem Ginster

wachsen. Dazwischen blühen bereits im

April Kuhschellen mit ihren roten und violetten,

glockenförmigen Blüten (Pulsatilla

vulgaris und Pulsatilla vulgaris Rubra). Ab

Mai, wegen des milden Weinbauklimas,

gesellen sich bereits die zart gelb-violetten

Schwertlilien dazu, die einen schönen Farbkontrast

zu den rosa und weißen Sternblüten

der Spornblume (Centranthus ruber und

Centranthus ruber Alba) bilden.

Ergänzt wird das Blütenmeer durch rosarote

Kartäusernelken und Weinberglauch, der

sich anmutig im Wind wiegt. Alle Pflanzen

sind speziell ausgewählt worden, da sie,

Nach den Bauarbeiten musste ein angrenzender

Streifen Wiese der Gemeinde wieder

neu besät werden und die Gemeide

ließ sich überzeugen, statt dem typischen

Rasen eine lebendige Blumenwiese auszusäen.

Hierdurch wird das Grundstück nun

im Sommer von einem Blumenmeer umgeben,

das außerdem Schmetterlingen und

Bienen ein neues Zuhause bietet.

Einmal im Jahr sind wir bei Familie Preidl-

Grimminger zum Grillen eingeladen, genießen

gemeinsam einen gelungenen Naturgarten,

schauen nach dem Rechten und

machen ganz nebenbei noch eine Teichpflege.

Wenn Sie interessiert sind, einen Naturgarten

für Genießer kennenzulernen, der auf

engstem Raum keine Wünsche offenlässt,

sind sie eingeladen, nach Absprache bei Familie

Preidl- Grimminger vorbeizuschauen.

NATURgarten & BadeTEICH

Robert Thöle

Meisterbetrieb

Liegnitzerstr. 2, D - 74722 Buchen

info@thoele-naturgarten.de

www.thoele-naturgarten.de

Fachbetrieb für Naturnahes Grün –

Empfohlen von Bioland:

Ausführung

Robert Thöle

40|FB Natur & Garten Oktober 2018

Natur & Garten Oktober 2018 FB|41


Faszination Naturgarten

Faszination Naturgarten

Renaturierungsprojekt Mercedes-Benz Werk

Gaggenau: auf einer ehemaligen Industriefläche

entsteht ein Areal, auf dem gefährdete

und seltene Tier- und Pflanzenarten einen

neuen Lebensraum finden.

Mercedes-Benz Werk Gaggenau:

Von der Kläranlage

zum Trockenstandort

D - 76437 Rastatt

1 | Trockenstandort

Mit der Umgestaltung der komplett versiegelten

Fläche einer ehemaligen Kläranlage startete

Mercedes-Benz seine Aktivitäten im Betriebsteil

Gaggenau, möglichst viele Flächen naturnah anzulegen.

Dieses Projekt, maßgeblich initiiert vom

Abteilungsleiter für Arbeitssicherheit und Umweltschutz

Ralf Gensicke, erwies sich als große Chance

für Mercedes-Benz, das Leitbild Natur ganz nach

vorne zu bringen und damit landes- und bundesweit

Vorbildcharakter zu erlangen.

gelige Ödlandschrecke (Oedipoda caerulescens)

und einige Wildbienen genannt, um

für diese Arten entsprechende Lebensbedingungen

zu schaffen.

Nach dem Abriss des Gebäudes und Abbruch

der Asphalt- und Betonflächen wurde

eine möglichst strukturreiche Fläche mit

Anhügelungen zur Schaffung von Höhen

und Tiefen und mit Recyclingmaterial vom

Abbruch sowie Schotter und Sanden verschiedener

Körnungen modelliert. Die Flächen

in der Mitte sind absolut mager gestaltet,

damit sie möglichst lange offen bleiben

und so gute Lebensbedingungen für die

wärmeliebenden Pflanzen- und Tierarten

bieten. Hier wurden nur wenige Initialstauden

eingebracht und bewusst keine Ansaat

vorgenommen. Randlich zur vorhandenen

Gehölzkulisse sind Säume eingesät worden.

Zahlreiche Totholzstrukturen sowohl

stehend als auch liegend eingebracht komplettieren

das Lebensraumangebot für vor

allem Wildbienenarten. An der Abbruchkante

zu einem Fließgewässer wurde durch

Einbau von Nisthöhlen versucht, dem Eisvogel

ein Revier anzubieten.

Bereits 5 Jahre nach der Umgestaltung

konnte diese Fläche als Biotop mit überregionaler

Bedeutung bezeichnet werden.

Einer Kartierung des NABU KV Rastatt zufolge

wurden 65 Wildbienenarten gefunden,

darunter viele Rote-Liste-Vertreter. Indem

sonnige Strukturen, Winterverstecke

und sandige Plätze zur Eiablage geschaffen

wurden, sind zahlreiche Lebensräume für

die gefährdete Zauneidechse entstanden,

so dass diese tatsächlich gut angenommen

werden und sich hier eine sehr stabile Population

dieser Tierarten entwickeln konnte.

Sogar der Eisvogel hat die angebotenen

Niströhren angenommen.

Die Pflege der Flächen erfolgt regelmäßig

durch interessierte Mitarbeiter des Werkes.

Dabei werden die mittigen Flächen immer

wieder freigehalten, damit der Charakter des

Biotopes auch langfristig erhalten bleibt.

Kurzporträt Trockenstandort

Kontakt & Adresse:

Ralf Gensicke, Daimler AG,

Mercedes-Benz Werk Gaggenau,

76568 Gaggenau

ralf.gensicke@daimler.com

Lage: am Mitarbeiterparkplatz,

frei zugänglich

Baujahr / Bauzeit: Planung 2011 durch

Kerstin Gruber und Reinhard Witt,

Bau 2012 durch Naturart. Regelmäßige

Pflegeberatung durch Reinhard Witt

Größe: 1530 m²

Wildpflanzenarten:

2700 heimische Wildstauden

2 | Blumenwiesen, Wildblumensäume

und Wildgehölzhecken

Bei Daimler in Rastatt läuft seit 2011 eine

konsequente Umgestaltung und auch Neuanlage

aller möglichen Flächen zu naturnahem

Gewerbegrün. Unter der Regie von

Umweltschutzreferent Ralf Gensicke entstanden

beispielsweise allein im Jahr 2014

und 2015 über 4000 m² neue Blumenwiesen

und Wildblumensäume. Hier nur ein

Blick auf die Maßnahmen 2014 und 2015.

Wildpflanzensaatgut: 500 m² Wildblumensäume,

2000 m² Trockenstandorte

mit Initialstauden

Baumaterialien / Ausstattungen:

40 Baumstämme liegend oder stehend,

diverse Steinhaufen, 2 Eisvogelbrutröhren

Besondere Merkmale /

Natur materialien:

Wildblumensäume, Magerrasen,

Trockenstandorte mit Sand, Holz und

Steinen, Artenschutzbereiche speziell

für Wildbienen und Zauneidechsen

2014: 3150 m 2 Wildobst-

Wildblumensaumhecke

Ein 450 m langer und 7 m breiter Streifen

direkt am Werkszaun wurde in einen mageren

Standort umgewandelt. Auf eine Lage

von 20 cm Kies kamen 2 cm gütegesicherter

Grünkompost, anschließend jede Menge

Ansaaten. Zu Basismischungen wurden dutzende

Einzelarten gesät, die das ganze bunt

2012. Mit vielen fleißigen Helfern wurden 2012 die letzten Wildstauden in die

trockenstandorte gesetzt. (Foto: Reinhard Witt)

Die Umgebung bot einiges an Potential für die

mögliche Förderung von Arten aus dem 111-Artenkorb

des Landes Baden-Württem berg. Unter

anderem wurden in der planerischen Zielstellung

Eisvogel (Akedo atthis), Distelfink (Carduelis

carduelis), Zauneidechse (Lacerta agilis), Blaufü-

Im Mai 2013 erfolgte eine Prämierung des

Projektes als UN-Dekade-Projekt und damit

eine öffentliche Wertschätzung des Engagements

für den Erhalt der Artenvielfalt.

Eine wiederholte Prämierung dieses Projektes

erfolgte im Juni 2015.

Rastatt Werkszaun 2016. Mehr geht kaum: An Schönheit, Perfektion, Voll kommenheit.

Und nicht vergessen: Hier wächst eine Wildsträucherhecke heran. Sie tarnt sich nur derweil als

buntes Wildblumenmeer. (Fotos: Reinhard Witt)

42|FB Natur & Garten Oktober 2018

Natur & Garten Oktober 2018 FB|43


Faszination Naturgarten

Faszination Naturgarten

Daimler / Betriebsgelände:

Bergmanngarten in Gaggenau

D - 76568 Gaggenau

Infopolitik. Daimler informiert und klärt seine Mitarbeiter und Besucher

vorbildlich mit großen Infotafeln über Maßnahmen, Ziele und Besonderheiten

auf. Das muss erst mal einer nachmachen: Aber es wäre erlaubt.

Magerwiese auf Kies von 2014. Schön zum Stehenbleiben. Verweile

doch, Du bist …, aber es ist inzwischen 2017 geworden und jedes Jahr

sieht das hier anders aus. Also nicht verweilen, sondern weiter gehen.

und lebendig machen. Zwischen den Wildblumensaaten

stehen dann die Gehölze. 54

Arten von heimischen Wildgehölzen und

essbarem Willdobst ergeben eine Pflanzung

von außergewöhnlicher Vielfalt. Innerhalb

kurzer Zeit blühte der Streifen am Werkszaun

unglaublich bunt auf. Sehr bald kamen

die dazugehörigen Besucher: Wildbienen,

Hummeln, Schmetterlinge und vor allem

jede Menge samenfressende Distelfinken.

2014: 542 m 2 Wildblumenwiesen

unterschiedlicher Typen

Hier wurden zwei große Flächen mit verschiedenen

Methoden umgewandelt. Einmal

als klassische Magerwiese mit reinem

Kies, das zweite Mal als Oberbodenstandort,

wo nur die Rasennarbe entfernt wurde.

Gemeinschaftsprojekt von:

Dr. Reinhard Witt

Naturnaher Grünplaner

Quellenweg 20, D - 85570 Ottenhofen

3 08121 46483

reinhard@reinhard-witt.de

www.reinhard-witt.de

Fachbetrieb für Naturnahes Grün –

Empfohlen von Bioland: Planung

Beide Methoden erzeugten unterschiedlichen

Bewuchs. So entsteht Biotopvielfalt in

enger Verzahnung und Nachbarschaft.

2015: 485 m 2 verschiedene

Wildblumenwiesen

In anderen Bereichen zwischen den Produktionshallen

entstanden weitere Anlagen, mal

kleinere, mal größere Flächen. Alle diese neuen

Flächen werden fachgerecht gepflegt.

Beflügelt durch das rundherum positive

Feedback kommen jährlich weitere Flächen

hinzu. Nach und nach entsteht ein Biotopmosaik

im und rund ums Werksgelände,

Stück für Stück Artenvielfalt. Das Prinzip

Natur & Wirtschaft greift.

Freiraumplanung Kerstin Gruber

Kleinerlbacher Ortsstraße 32

91413 Neustadt a.d. Aisch

3 09161 88350-12

kontakt@gruber-freiraumplanung.de

www.gruber-freiraumplanung.de

Fachbetrieb für Naturnahes Grün –

Empfohlen von Bioland: Planung

Kurzporträt

Blumenwiesen, Säume & Hecken

Kontakt & Adresse:

Ralf Gensicke, Daimler AG, Mercedes-

Benz Werk Gaggenau, 76568 Gaggenau

ralf.gensicke@daimler.com

Baujahr / Bauzeit: Neuanlagen und

Umgestaltungen ab 2014 durch

Reinhard Witt, der auch die Pflegeberatung

durchführt

Größe: über 10000 m², 3150 m²

Wildobst-Wildblumensaumhecke,

542 m² Wildblumenwiesen verschiedener

Typen. Innerhalb des Werksareals

liegen verschiedene Flächen.

Wildpflanzenarten:

über 200 Stauden und Einzelarten,

mehr als 54 Gehölzarten

Wildpflanzensaatgut: vorwiegend

heimisches aus diversen Wildpflanzenquellen

Besondere Merkmale / Natur materialien:

Wildgehölzhecken mit Wildblumensäumen,

Trocken stand orte. Magere,

feuchte und fette Blumenwiesen

Kerstin Gruber

Reinhard Witt

Bergmanngarten vor der

Umgestaltung 2011. Rasenfläche mit

Baumbestand. (Foto: R. Witt)

Die Bestandsaufnahme dieser Rasenfläche

mit lockerem, teils nicht heimischem Gehölzbestand

zeigte, dass sie im Bereich der

Mammutbäume stark verunkrautet war,

ansonsten aber relativ artenreich. Die Mahd

erfolgte mit jährlich ca. 14 Mal zu oft, was

sämtlichen Blumenbewuchs unterdrückte.

Da die Fläche auch gelegentlich zum Aufenthalt

genutzt worden ist, wünschte man

sich attraktivere Sitzgelegenheiten.

Da diese Fläche aus historischen Gründen

(sie ist eine der ältesten im Stammwerk) wie

auch wegen der 120 Jahre alten und 36 m

hohen Mammutbäume eine große Bedeutung

für das Werk Gaggenau hat, musste

sie äußerst sensibel behandelt werden. In

Abstimmung mit einem Baumgutachter

sollten Optimierungen auf sanftem Weg

erfolgen, um die Bäume auch langfristig erhalten

zu können: Umwandlung vom Grasrasen

zur Blumenwiese, Pflanzen zahlreicher

Blumenzwiebeln, Wildrosenhecke mit

Wildblumensaum am Zaun, Entfernung der

exotischen Sträucher, attraktiver und doch

Im Juni 2016. Magerstandort Sandfläche mit Totholz,

umgeben von Natternkopf & Co. (Foto: K. Gruber)

naturnaher Sitzplatz, Wildbienennisthilfen

an der Hauswand und spezielle Sandfläche

für Arten des 111-Artenkorbes. Vor allem

folgende Zielarten sollten durch die Umgestaltung

gefördert werden:

p Carduelis carduelis – Distelfink

p Anthidium punctatum –

Weißfleckige Wollbiene

p Bombus sylvarum – Bunthummel

p Osmia adunca –

Natternkopf-Mauerbiene

p Xylocopa violacea –

Blauschwarze Holzbiene

44|FB Natur & Garten Oktober 2018

Natur & Garten Oktober 2018 FB|45


Faszination Naturgarten

Faszination Naturgarten

Kurzporträt

Kontakt & Adresse:

Verantwortlich vor Ort Ralf Gensicke,

Daimler AG, Mercedes-Benz Werk

Gaggenau, 76568 Gaggenau

ralf.gensicke@daimler.com

Lage: Gaggenau, Ecke Hauptstraße/

Schillerstraße, nicht frei zugänglich –

jedoch vom öffentlichen Straßenraum

aus einsehbar

Baujahr / Bauzeit: Planung 2011

durch Kerstin Gruber und Reinhard

Witt. Bau 2015, teilweise durch Naturart.

Regelmäßige Pflegeberatung

durch Reinhard Witt

Größe: 1900 m²

Wildpflanzenarten:

5500 heimische Wildstauden und

Sträucher, 17000 Blumenzwiebeln

Wildpflanzensaatgut: 320 m²

Wildblumensäume, 150 m²

Blumenschotter rasen und Trockenstandorte,

830 m² nährstoffreiche

Blumenwiesen, 480 m² Frühlingsblüherrasen

und Waldstauden

Baumaterialien / Ausstattungen:

Totholz, Nisthilfen, Sitzmöglichkeiten

Besondere Merkmale / Naturmaterialien:

Schutz und Erhalt der

ca. 120 Jahre alten Mammutbäume

und weiterer Bäume, Wildblumensäume,

Magerfläche, Schaffung von

Aufenthaltsqualität

1 2 3

2016. Frühlingsblüte im Jahr nach der Umgestaltung.

Auch unter den Bäumen blüht es.

(Foto: R. Witt)

Im Jahre 2015 erfolgte dann die Umgestaltung,

die wegen des Erhalts der Bäume mit

äußerster Vorsicht und schonendem Maschineneinsatz

erfolgen musste. Die Bauarbeiten

der Fa. Naturart wurden auch durch

leitende Führungskräfte des Werkes Gaggenau

unterstützt, die bei den Rodungsarbeiten,

bei der Bodenmodellierung zur

Schaffung einer offenen Sandfläche außerhalb

der Baumwurzeln und beim Verteilen

der Baumstämme halfen.

Das Planungsziel wurde auch bei dieser Fläche

erreicht. Bereits nach einem Jahr konnten

42 Wildbienenarten, darunter auch

Rote-Liste-Arten nachgewiesen werden.

Somit ist auch der Bergmanngarten im Hinblick

auf den Populationsbestand der Wildbienen

als regional bedeutsam zu werten.

Mit der Prämierung des Bergmanngartens

als UN-Dekade-Projekt im Juli 2018 hat das

Werk Gaggenau nun bereits die dritte Auszeichnung

dieser Art erhalten.

Kerstin Gruber

Reinhard Witt

Auch die Gehölzhecke mit Wildblumensaum

entwickelt sich prächtig. (Foto: K. Gruber)

Gemeinschaftsprojekt von:

Dr. Reinhard Witt

Naturnaher Grünplaner

Quellenweg 20, D - 85570 Ottenhofen

3 08121 46483

reinhard@reinhard-witt.de

www.reinhard-witt.de

Fachbetrieb für Naturnahes Grün –

Empfohlen von Bioland: Planung

Freiraumplanung Kerstin Gruber

Kleinerlbacher Ortsstraße 32

91413 Neustadt a.d. Aisch

3 09161 88350-12

kontakt@gruber-freiraumplanung.de

www.gruber-freiraumplanung.de

Fachbetrieb für Naturnahes Grün –

Empfohlen von Bioland: Planung

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Novartis Natur-Erlebnis-Park

D - 79664 Wehr

2016 wird im Novartis-Werk in Wehr beschlossen,

eine Fläche, die bei der kürzlich

erfolgten Werkserweiterung angefallen ist,

zum Natur-Erlebnis-Park für Mitarbeiter

und Bürger umzugestalten.

Wehr liegt am Südrand des Schwarzwaldes

in der Nähe des Rheingrabens. Diese Region

zeichnet sich durch eine hohe botanische

und geologische Vielfalt aus. In unmittelbarer

Nähe kommen verschiedenste

Gesteinsarten wie Granit und Kalkstein vor.

Der Boden vor Ort ist im Untergrund stark

mineralisch geprägt, hier kommen Kiesgelege

zum Vorschein. Ausgangsbestand

ist eine 3800 m² große grasbetonte Grünfläche

ohne besonderen Wert. Es sind keine

seltenen oder geschützten Lebensräume,

Tier- oder Pflanzenarten betroffen. Insgesamt

sind die natürlichen Standortbedingungen

und Lebensgemeinschaften durch

anthropogene Einflüsse stark verändert.

In dieser relativ artenarmen Umgebung

bedeutet eine naturnahe, artenreiche Planung

mit einer Vielzahl von Lebensräumen

für Flora und Fauna eine bedeutende ökologische

Aufwertung.

1 November 2016 – „Trockenmauerbau“ –

hier hat den Großteil der Bagger erledigt

2 März 2017 – Einige wenige der 4780

Wildstauden zum Auslegen vorsortiert

3 März 2017 – Immer noch nackig: Trockenhang

nach Staudenpflanzung und Ansaat

4 Juli 2017 – Nun doch gut: Trockenhang mit

den „ganz Schnellen“ oder Zauberpflanzen

(Fotos: Katrin Kaltofen, sofern nicht anders

gekennzeichnet

46|FB Natur & Garten Oktober 2018

Natur & Garten Oktober 2018 FB|47


Faszination Naturgarten

Faszination Naturgarten

5 September 2017 – Feinschmecker:

Schwalbenschwanzraupe an Fenchel

6 April 2018 – Aus Holland und radioaktiv bestrahlt?

Oder hat da etwa ein angehender Profi mehrere Knollen

in einem Loch versenkt?

7 Mai 2018 – Heimische Exoten: Die Bergdistel

(Carduus defloratus)

8 Mai 2018 – Geißklee & Salbei (Foto: Reinhard Witt)

9 Juni 2018 – Prachtsaum Sylphe

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Kurzporträt

Kontakt & Adresse:

Novartis Pharma Produktions GmbH

D - 79664 Wehr / Südschwarzwald

Planer:

Reinhard Witt & Katrin Kaltofen

Besichtigung auf Anfrage möglich:

Besichtigung jederzeit möglich, es ist

ein öffentliches Gelände außerhalb

des eigentlichen Betriebsgeländes

Planung: 07/16 – 10/16

Ausführung: 10/16 – 09/17

Größe: 3800 m²

Bewegte Massen: ca. 2000 m³

Gesamtkosten: ca. 50 €/m²

Ziel ist es, die landschaftliche Qualität und

Vielfalt der für die Region typischen Lebensräume

an dieser Stelle aufzuzeigen.

Neben wichtigen Strukturelementen sollen

sich auch typische Pflanzenarten der Region

im Gelände wiederfinden. Dieser regionale,

landschaftliche Bezug zeigt sich

auch in der Verwendung von standortheimischem

Saatgut, wo immer möglich. Auch

die Gehölze für dieses Projekt sollten möglichst

aus dem Naturraum stammen. Bei

der Pflanzplanung wird besonderer Wert

auf die Berücksichtigung der in der Region

heimischen Arten gelegt. Im Einzelnen sind

u. a. folgende Maßnahmen geplant:

p magere, fette, feuchte Wildblumenwiesen

p magere Wildblumensäume

p Heckenstrukturen

p Trockenstandorte aller Art aus Sand,

Kies, Schotter

p Trockenmauern & Lesesteinhaufen

p Totholzstrukturen wie Wurzelstöcke,

Asthaufen, Totholzstämme

Bei der Umgestaltung wird im Besonderen

auf allen Flächen versucht, neben der

langfristigen Reduktion der Pflegekosten

vor allem die Lebensmöglichkeiten zum

Teil landesweit gefährdeter Arten zu verbessern.

Dies wird durch Einbringen neuer

Wildpflanzen in Form von Ansaaten und

Pflanzungen, aber auch durch Umstellung

im Pflegerhythmus erfolgen. Auf diese Weise

werden die Flächen zu einem wertvollen

Refugium für eine große Zahl andernorts

ins Hintertreffen geratender Wildpflanzen

und Tiere. Dass dadurch auch der ästhetische

Wert, die Optik, die Erlebnisqualität

der Flächen steigt, und so auch für Mitarbeiter

ein ansprechenderes Umfeld geschaffen

wird, ist ein willkommener Nebeneffekt.

Damit wird ein erheblicher Beitrag

zur Erhöhung der Biodiversität geleistet

Die Umsetzung erfolgt in mehreren Etappen

von Oktober 2016 bis September 2017 unter

Beteiligung etlicher Naturgarten- Profi-

Praktikanten, verschiedener Fachfirmen und

einiger Novartis-Mitarbeiter. Besonders engagiert

war Ralf Engel dabei, der das Projekt

auch angestoßen hat. Zuerst wird das

Gelände stark modelliert. Schon auf Substratebene

wird dann die größtmögliche

Vielfalt aus regionalen Baustoffen geschaffen.

Neben Rheinkies, Granit- & Kalkschotter

und verschiedenen Sanden wird auch

der lokale Unterboden begrünt. Zusätzlich

werden zahlreiche Struktur elemente eingebracht:

Wurzelstöcke, aufrechtes Totholz,

Steinhaufen, Felsriegel, Trockenmauern. Anschließend

werden auf zwölf verschiedenen

Standorten insgesamt 575 Gehölze in 114

Arten gepflanzt, davon der Großteil autochthone

Pflanzen. Dazu kommen 4.780 Wildstauden

in 182 Arten. Es werden 10 verschiedene

Ansaatmischungen mit zusätzlich 151

verschiedenen Einzelarten gesät. Im Herbst

2017 werden noch 17.825 Blumenzwiebeln

in 162 Arten gesteckt.

Schon im Jahr der Anlage und noch viel

mehr in der zweiten Vegetationsperiode

wird die zukünftige Vielfalt sichtbar.

Auch die anfängliche Skepsis in der Bevölkerung

„Was soll denn der ganze Kies

und Schotter?“ hat großer Begeisterung

Platz gemacht. Schnell sind auch die ersten

tierischen Bewohner zu finden. Schwalbenschwänze

haben schon im ersten Jahr

ihre Eier am angesäten Fenchel abgelegt.

Neben dem schon fast obligatorischen Distelfinken-Schwarm

ist untern anderem der

Bluthänfling zu finden. Zahllose Wildbienen

und Falter schwirren über das Gelände,

und auch andere Insekten sind in großer

Zahl unterwegs. Hier könnte man das allgegenwärtige

Artensterben fast vergessen.

Im ersten Jahr wird das Gelände noch fachgerecht

gepflegt, danach geht es nur noch

mit den Subunternehmern der Novartis.

Das mag für Blumenwiesen ausreichen,

ist aber für sensible Trockenstandorte, die

eine längere Entwicklungspflege brauchen,

nicht ausreichend. Auch hier konnte

eine Lösung gefunden werden: Ralf Engel

übernimmt mit seiner Gruppe des Schwarzwaldvereins

die Pflege der Trockenhänge.

So kann man jetzt hoffen, dass sich die vielen

seltenen Arten und wertvollen Lebensräume

lange Zeit behaupten können.

Dr. Reinhard Witt

Naturnaher Grünplaner

Quellenweg 20

D - 85570 Ottenhofen

3 08121 46483

reinhard@reinhard-witt.de

www.reinhard-witt.de

Fachbetrieb für Naturnahes Grün –

Empfohlen von Bioland: Planung

Katrin Kaltofen

blumt!

Dipl.-Ing. Katrin Kaltofen

Kiefernstr. 5, 01097 Dresden

3 0173 571 26 25

alles@blumt.de

www.blumt.de

Fachbetrieb für Naturnahes Grün –

Empfohlen von Bioland: Planung

Reinhard Witt und Katrin Kaltofen

48|FB Natur & Garten Oktober 2018

Natur & Garten Oktober 2018 FB|49


Faszination Naturgarten

Faszination Naturgarten

Aus dem Leben einer

Wild-Staudengärtnerin

D - 82386 Oberhausen

5.55 Uhr: der Wecker klingelt, raus aus dem

Bett und mit Schwung in einen neuen Tag.

7.15 Uhr: kurz gefrühstückt, Kind zum Bus

gebracht, Kasse geschnappt und ab in die

Gärtnerei. Ich liebe die Stimmung in der

Früh, den Tau auf den Blättern, die noch

frische Sommermorgenluft und das Wissen

um einen ganzen Tag, an dem man ganz

viel schaffen kann.

7.40 Uhr: die Mitarbeiter kommen, kurze

Lagebesprechung, ja, schon wieder Topfen,

wir brauchen ganz viel Nachschub, die

Quickpotplatten mit oberster Getopftwerde-Priorität

belagern den Topftisch von allen

Seiten.

7.50 Uhr: Pakete müssen noch gepackt

werden, warum nur bestellen Leute im Juli

Allium sphaerocephalon? Wie man sie auch

legt und bettet, die Kugelköpfe baumeln

immer lustig über den Paketrand, vorsichtig

eingedreht zwischen buschige Angelica

und zurückgeschnittene Salvia pratensis

gelingt es dann doch, sie zu bändigen,

Klappe zu, zukleben und ab geht die Post.

8.30 Uhr: ab ins Quartier, die Chefin ist nämlich

mal wieder am Umräumen! Ich denke

mir halt immer, das muss doch übersichtlicher

gehen, Freifläche trocken mager, von A

bis Z (nein, falsch, mit Z gibt es nichts), alles

sauber sortiert und in Reih und Glied aufgestellt!

C ist gerade abgeschlossen als 6 Paletten

frischgetopfter Centaurea scabiosa auch

noch unterkommen wollen, also schnell

wieder alles ein Stück verrutschen.

8.50 Uhr: siedendheiß fällt mir ein, dass ja

auch noch 150 Centaurea pseudophrygia

am Topftisch Schlange stehen! Also gut,

der nächste Naturgärtner, der auftaucht,

bekommt mindestens 24 Perücken-Flockenblumen,

ob er will oder nicht, bei den

wunderschönen Knospen kann doch keiner

nein sagen!

In welchem Naturgarten wir wohl

mal wachsen dürfen?

9.10 Uhr: zum zehnten Mal steche ich mich

an der Wilden Karde, die sich ausgerechnet

direkt am Durchgang aussäen musste.

Wäre nicht einen halben Meter rechts auch

ein schöner Platz gewesen?

9.15 Uhr: die ersten Kunden trudeln ein.

9.16 Uhr: „Guten Morgen Frau Spatz, können

Sie mir bitte helfen, ich suche Stachys

officinalis, den Heilziest!“ „Na klar, gerne,

kommen Sie mit, der steht hier bei B, wie

Betonica officinalis.“ „Nein, ich brauche aber

unbedingt Stachys officinalis (eigentlich ist

es ja gut, wenn die Kunden einen botanischen

Namen wissen, die unterschiedlichen

deutschen Namen sind nämlich oft

sehr verwirrend)!“ „Ja, genau, der wurde

aber zu Betonica officinalis umbenannt,

auch Botaniker wollen ihre Berechtigung

haben“ „Aber der sieht ja ganz anders aus

als auf dem Foto in Natur&Garten!“ „Ach

so, Sie meinen wohl Stachys officinalis, den

Heilziest! Der steht ein Stück weiter hinten!“

Wir gehen ein paar Reihen weiter im

Quartier und stehen nun vor einem Posten

Betonica officinalis, der noch am alten Platz

steht. „Sehen Sie Frau Spatz, das hier sind

doch ganz andere Pflanzen!“

9.30 Uhr: zufriedener Kunde abgezogen,

ich mach weiter mit umräumen, da sehe ich

aus dem Augenwinkel einen weiteren Kunden

auf mich zusteuern, schnell hinter die

große, buschige, stachelige Wilde Karde,

die zum Glück genau hier am Durchgang

wächst …

11 Uhr: mir fällt ein, dass ich noch Samen

von Pulsatilla vulgaris abnehmen wollte, leider

sind sie aber bereits ausgeflogen.

11.30 Uhr: eine Kundin, scheinbar Wildstaudenfreundin,

steht mit zwei vollen

Körben an der Kasse und möchte gerne

bezahlen, da erscheint eine Bekannte, wohl

die Nachbarin dieser Kundin, und ein verhängnisvolles

Gespräch beginnt:

Kundin 1: „Griaß Di Gott, Du hier! Ja was

kafst den da scho wieda für a Zeug, des is ja

lauter Unkraut! Des zum Beispiel, des Blaue

do hob i zum Saufuadern (zum ´Schweinefüttern´,

will heißen, in rauen Mengen), des

konst vo mir ham, und des rote a! Ja, des

gibt’s ja ned, verkafn die tatsächlich des

Orangerote Habichtskraut! Du, des sog i Dir,

wenn des zu mia nübafliagt, des bringst ja

nimma los!“ Kundin 2: „Ja, aber die Trollblume,

die ist doch wirklich selten schön!“

Kundin 1: „Ah geh weida, die konst da doch

ausgrobn auf da Wiesn!“ (muss ich übersetzen,

oder versteht man das auch so???)

Ich: „Trollblumen sind geschützt und außerdem

wollen wir Gärtner ja auch was verdienen!“

Fünf Minuten später und mit 20 Pflanzen

weniger, ziehen die beiden zufrieden ab,

ich bleibe weniger zufrieden zurück.

12.30 Uhr: ein älteres Ehepaar freut sich

über Wegwarte und Zittergras, die sie an

ihre Jugend erinnern.

12.35 Uhr: das Handy vibriert und meldet

eine eingegangene Mail. Einer meiner Naturgärtner

möchte gerne in einer halben

Stunde 300 Stauden abholen, für einen

wärmeliebenden Saum, ob wir da nicht

schon mal was herrichten könnten. Na gut,

spontan zusammengestellte Pflanzungen

sind ja bekanntlich meist die Schönsten!

13.15 Uhr: 250 Pflanzen für wärmeliebenden

Saum und 50 Perücken-Flockenblumen

verkauft, Kind von der Schule abgeholt,

Brotzeit gemacht, weiter geht’s.

14 Uhr: eine Mitarbeiterin fragt, ob sie

wirklich 150 Stück von Acinos alpinus topfen

soll oder ob das nicht zu viele wären?

Nein, sage ich, ich habe mir vorgenommen,

dass uns keine Wildstauden mehr ausgehen,

ruhig alle topfen und die 300 weiteren

Acinos-Jungpflanzen kommen auf die Vorratsfläche!

15 Uhr: der nachmittägliche Durchhänger

überfällt mich, schnell eine Nase voll Calamintha

nepeta, gute Düfte helfen immer …

17.00 Uhr: die Hitze nimmt immer weiter

zu, über den schwarzen Folien flimmert die

Luft, viele Pflanzen lassen ihre Blätter hängen,

nur die Karde, die steht immer noch

wie eine Eins!

Kleines Päuschen

17.30 Uhr: soll ich vielleicht im Schattenquartier

schon mal die Beregnung anmachen?

Da kommt doch jetzt bestimmt kein

Kunde mehr.

17.45 Uhr: der obligatorische 5 vor 6 Uhr-

Kunde kommt heute 10 Minuten zu früh.

Er hätte da ein 10 m² großes Beet an der

Nordseite seines Hauses, das würde er gerne

bepflanzen. Es sollte immer was blühen,

es sollte pflegeleicht sein und gut für die

Bienen. Mist, Nordseite bedeutet Schattenquartier


18.30 Uhr: der Kunde ist mit voll beladenem

Cabrio weg, die Kollegen haben auch

schon Feierabend gemacht und ich werfe

die Bewässerung im Schatten wieder an.

18.45 Uhr: noch 96 frischgetopfte Centaurea

nigra in die sowieso schon zu enge

Centaurea-Reihe gequetscht, Kasse fertig

gemacht und endlich in den ersehnten Feierabend

gestartet!

18.55 Uhr: im Haus duftet es schon verführerisch

nach Spaghetti mit Aurora-Sauce, wie

schön, wenn man einen Mann hat, der gerne

und gut kocht und noch dazu Italiener ist …

20 Uhr: Abend gegessen, Kind ins Bett gebracht,

jetzt beginnt die Nach-Feierabend-

Arbeit … Wenn man direkt neben der Gärtnerei

wohnt, hat das Vor- und Nachteile!

Die Abendstimmung in der Gärtnerei ist

allerdings wunderbar, quakende Laubfrösche,

schwirrende Taubenschwänzchen,

zirpende Grillen, das Rauschen der Regner

und umherwabernde Düfte bedeuten pures

Glück für mich.

Blick in die „Kinderstube“

20.10 Uhr: Bewässerung umgestellt, dabei

gefräßige Schnecken auf den frisch getopften

Pflänzchen entdeckt.

20.40 Uhr: gefräßige Schnecken dezimiert.

20.42 Uhr: noch kurz E-Mails checken und

Saatgut (unter anderem Pulsatilla vulgaris)

nachbestellen.

21.30 Uhr: Bewässerung ausmachen und

nicht nach rechts und links schauen, schon

gar nicht auf den Boden

Um 22.30 Uhr falle ich erschöpft, aber zufrieden

ins Bett!

Staudengärtnerei

Spatz & Frank GbR

Dipl.-Ing. Susanne Spatz-Behmenburg

und Dipl.-Ing. (FH) Alexander Frank

Kreilhof 7, D - 82386 Oberhausen

3 08803 47 80 900

3 0177 24 21 309

info@staudenspatz.de

www.staudenspatz.de

Fachbetrieb für Naturnahes Grün –

Empfohlen von Bioland:

Wildpflanzen

Susanne Spatz-

Behmenburg

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Natur & Garten Oktober 2018 FB|51


Faszination Naturgarten

Faszination Naturgarten

Bodan-Projekt

Böschungssanierung und Konzept Obstgarten

D-88662 Überlingen

Erste Maßnahmen zur Sanierung der Böschung: Oberboden entfernen und Einbau

der Bermen zur gezielten Entwässerung des Hangs.

Aus der Sicht eines Laien unspektakulär, aus der Perspektive unserer Fauna großartig,

weil ökologisch hochwertiger Lebensraum.

Part 1: Mehr als ein

halber Hektar Wiesen-Biotop –

ein Heudrusch-Projekt!

(Im Rahmen des Projekts „Naturnahes Firmengelände

für die Firma Bodan“, ein Teilprojekt

von „Unternehmen für biologische

Vielfalt am Bodensee“)

Einführung: Mein Projekt bei der Firma Bodan

besteht eigentlich aus mehreren völlig

unabhängigen Teilbereichen, die allerdings

räumlich teilweise aneinander anschließen.

Der erste Part und für mich wichtigste Teil

ist eine Böschungssanierung.

Als ich an einem düsteren Oktobertag im

Herbst 2012 das erste Mal das Bodan-Firmengelände

betrat, bin ich fast ein wenig

erschrocken. Um das gesamte Gewerbegebiet

„Zum Degenhardt“ optisch geschickt

in der Landschaft verschwinden lassen zu

können, war die riesige, durch einen tiefen

Einschnitt in das natürlich gewachsene

Gelände entstandene und das Firmenareal

des Logistikunternehmens säumende Böschung

nicht nur insgesamt sehr hoch und

massiv wirkend, sondern viel zu steil und

ohne gezielte Hangwasserführung durch

Bermen angelegt worden.

Der Gesamtzustand der „begrünten“ Böschung

war entsprechend marode. Aufgetragener

Oberboden, der keine Chance

hat, je wieder Verbindung mit dem lößlehmhaltigen

Untergrund einzugehen,

rutschte in Massen auf die Fahrspuren der

LKW-Ausfahrt des Logistikunternehmens

zu und nahm alles an Bewuchs mit, was

eigentlich der Hangbefestigung dienen

sollte. Selbst Gehölze waren inzwischen

entwurzelt worden und an der Oberkante

der Böschung hing eine dicke Abrisskante

der angrenzenden Weidefläche

über. Mit Weichholz-Rundhölzern und

Drahtbespannung hatte man die Rutschungen

abbremsen wollen – vergebens!

Angesichts der Dunkelheit des Herbsttages

und der Aneinanderreihung diverser

Baufehler im Steilhang fragte ich mich kurz,

ob ich nicht lieber auf dem Absatz wieder

kehrt machen sollte.

Ich entschied vorerst zu bleiben und die

Runde der Herren unterschiedlicher Unternehmen

(Generalunternehmer, Landschaftsarchitekt,

mehrere Vertreter von Naturschutzorganisationen,

Stadtverwaltung

Überlingen und die Geschäftsführung von

Bodan selbst) zunächst einmal anzuhören.

Glücklicherweise kannte ich die weiteren

Hintergründe, Auseinandersetzungen, Gutachten

und Gegengutachten zu diesem

Zeitpunkt nicht. Am Ende der Gesprächsrunde

stellte ich eine Bedingung: Die Sanierung

der Begrünung des Steilhangs erfolgt

als Rohbodenbegrünung oder wahlweise

ohne mich.

Die Geschäftsführung konnte meinen Ausführungen

folgen und ließ sich glücklicherweise

sofort auf meinen Vorschlag ein. Die

Krux: Der in großen Mengen vorhandene

Oberboden musste abgetragen, korrekt

zwischengelagert und nach und nach einer

sinnvollen Verwendung zugeführt werden.

Gar nicht so einfach und vor allen Dingen

ein sehr langwieriger Prozess.

Das Resultat dieser Entscheidung kann sich

sehen lassen – aber lassen Sie mich vorne

anfangen ...

Rohbodenbegrünung im

Heudruschverfahren

mit gebietsheimischem

Wildpflanzensaatgut

Im Rahmen der notwendigen Böschungssanierung

für die Firma Bodan entschied

ich mich bei der Planung und Gestaltung

an Stelle einer Oberbodenabdeckung für

eine Rohbodenbegrünung der trockenen

Böschung im Heudruschverfahren. Bei dieser

Entscheidung spielten nicht nur ökologische

Kriterien, sondern auch die höchst

anspruchsvollen bautechnischen Gegebenheiten

eine Rolle: Einerseits handelte

es sich um einen stark erosionsgefährdeten

Steilhang, der auch nach längerem Regen

stets extrem schnell abtrocknet, andererseits

gibt es hier durchaus sickernasse Stellen

auf einem für Frostrutschungen anfälligem

lößlehmhaltigen Boden.

Trocken- und Magerstandorte sind in Mitteleuropa

die artenreichsten natürlichen

Biotopflächen. Die verschiedenen Typen

der Magerrasen bzw. mageren Wiesen

sind besonders in Deutschland allesamt

stark bedroht. Die hohe Artenvielfalt verschiedener

Wildblumen auf dergleichen

Biotopflächen bildet die unverzichtbare Lebensgrundlage

für eine Vielzahl von Insekten,

Eidechsen, Fledermäusen und Vögeln.

Die Entwicklung von Trocken- und Magerstandorten

ist durch die extremen Bedingungen

stark verlangsamt, der natürliche

Sukzessionsprozess verläuft wie in Zeitlupe.

Dies erfordert Pflanz-, bzw. Ansaatplanung

auf höchstem ökologischem Niveau, hier

in Form einer Art „Wiesentransplantation“:

Zu diesem Zweck wurden mehrere artenreiche

Wiesen und Halbtrockenrasen in der

nahen Umgebung (Umkreis 20 – 30 km) als

Spenderflächen genutzt. Sie wurden mehrfach

zu unterschiedlichen Zeitpunkten der

Samenreife einzelner Arten gemäht. Die Samen

der Wildblumen wurden damit für die

Übertragung geerntet, getrocknet und vor

Ort wieder ausgebracht.

Der Vorteil des Heudruschs gegenüber

handelsüblichen Wildblumen-Saatgutmischungen

ist, dass mit der Mischung aus

den unterschiedlichsten Wildblumensamen

auch Spreuanteile, Pilzsporen, Moose

und sogar Mikroorganismen (Diasporen)

übertragen werden. Mit einer solchen Mischung

sät man nicht nur eine Wildblumenwiese

an, sondern startet eine neue

Biozönose, also eine komplette Lebensgemeinschaft.

Dies hat enorme ökologische

Vorteile. Joe Engelhardt hat diese aufwändige

Methode entwickelt. Es ist ihm auf diese

Art und Weise schon häufiger gelungen,

selten gewordene Arten auf einen neuen

Standort zu „transplantieren“.

Es geht aber nicht nur um die seltenen

und die besonders attraktiven Arten. Mittlerweile

sind deutschlandweit auch die

früher gewöhnlichen, ursprünglich weit

verbreiteten Arten bedroht. Und gerade

auch mit den gewöhnlichen Arten verschwindet

mit rasanter Geschwindigkeit

die gesamte biologische Vielfalt aus unserer

Umwelt. Eine Begrünung wie bei Bodan

ist somit ein echter Beitrag, die biologische

Vielfalt der Region zu erhalten.

An steilen Böschungen leisten Magerrasenarten

aber auch technisch betrachtet

wertvolle Dienste: Ihre Wurzelmasse ist

um ein vielfaches höher als die oberirdische

Blattmasse. Und das hält den Boden

der Böschungen und schützt vor zu starker

Erosion. Durch die artenreiche Wiese,

die sich hier bei der Firma jetzt ungestört

entwickeln darf, wird der komplette Hang

langfristig gesichert, denn: Je artenreicher

die Vegetation, desto vielfältiger das Wurzelbild

und desto sicherer die Böschung!

Gleichzeitig verbleiben in Magerrasen oft

auch offene Bodenflächen. Diese dienen

der Artengemeinschaft selbst um sich durch

Aussaat immer wieder verjüngen zu können

und bieten außerdem den vielen bodennistenden

Wildbienenarten wertvollen

Lebensraum. Denn von den in Süddeutschland

lebenden 600 Wildbienen arten ist die

große Mehrheit, nämlich etwa zwei Drittel,

bodennistend. Ihnen nutzen unsere gut gemeinten

Wildbienen-Nisthilfen gar nichts.

Sie sind abhängig von einer Landschaft mit

offenen Böden, Trampelpfaden auf Lehmböden,

unbewachsenen Stellen eines Gemischs

aus Lehm und Sand. Auch Schmetterlinge

lieben diesen Lebensraum, sie

finden die für sie wichtigen Mineralien, die

sie mit ihrem Rüssel dem durch Morgentau

oder Regen angefeuchteten Lehm entnehmen.

Eine Vielzahl bunt blühender Wildblumen

kann sich hier in Ruhe etablieren und

dank der offen bleibenden Bodenstellen

immer wieder neu versamen und auf diese

Weise den Bestand verjüngen.

Was früher selbstverständlicher, völlig unbeachteter

Teil unserer Kulturlandschaft

war, ist am Schwinden … und mit dem

Schwinden von Strukturen, von einer gewissen

„Unordnung“ beispielsweise NICHT

angelegter, NICHT ordentlich gepflasterter

Wege und Hofstellen, werden unsere kleinen

unscheinbaren Mitbewohner lautlos

und fast unbemerkt schwinden …

Die ökologische

Böschungssanierung in

ihren Einzelschritten

p Entfernung von Bewuchs und Oberboden

auf der gesamten Fläche

p Abflachung der Böschung

p Einarbeiten von Bermen Schotter zur

gezielten Wasserableitung im Hang

p Ernte von Wildblumensamen auf

Spenderflächen für den Heudrusch

p Rohbodenbegrünung durch Mahdgutübertragung,

bzw. Ansaat der steilen

Böschung mit autochthonem (gebietsheimischem)

Heudrusch im Spätherbst

2013

p Erstellung Heudruschpass mit Artenliste

p Pflegebegleitung und Monitoring

52|FB Natur & Garten Oktober 2018

Natur & Garten Oktober 2018 FB|53


Faszination Naturgarten

Faszination Naturgarten

Oben: Spenderfläche im Deggenhausertal –

eine sehr artenreiche Orchideenwiese.

Rechts: Blick über den Obst- und Naschgarten

Richtung Firmengebäude.

Oben: Mehr als nur Deko: Schöne, große Natur -

steine ergänzen die Pflanzungen als dekorative

Solitäre und erwärmen gleichzeitig ihre Um -

gebung. Steiniger, warmer Boden ist für Wildblumen

ideal.

Links: Aus dem gewünschten Raucherplatz

wurde kurzerhand eine schöne Feuerstelle als

Grillplatz für Erntedankfest und mehr gestaltet.

Kurzporträt

Kontakt & Adresse:

Bodan GmbH –

Großhandel für Naturkost

Zum Degenhardt 26

D - 88662 Überlingen

Besichtigung auf Anfrage möglich:

Ja! Für Interessenten und zukünftige

Kunden und Projektpartner sowie für

Fachleute, nach Terminabsprache und

in meiner Begleitung jederzeit auch

kurzfristig möglich.

Aufgabenstellungen:

Part 1: Naturnahe, ökologisch wertvolle

und fachtechnisch korrekte Böschungssanierung,

2013

Part 2: Nasch- und Obstgarten mit

Feuerstelle und Grillplatz für die Mitarbeiter,

2016

Part 3: Vogelschutzhecke (Vogelschutzund

Vogelnährgehölze), 2015

Part 4: Ansaat diverser kleiner Nebenflächen

im Parkplatz- und LKW-Rangierbereich,

2012

Projekt: Böschungssanierung in einem

Gewerbegebiet der Stadt Überlingen,

Obstgarten für die Mitarbeiter eines

Logistikunternehmens für ökologische

Produkte Baujahr: Planung und Umsetzung

2012 bis 2016

Größe: Böschung etwa 5000 m², Obstgarten

etwa 1000 m², Vogelschutzhecke

integriert

Wildpflanzen:

Zu den Spenderflächen gehörten eine

magere Salbei-Glatthaferwiese mit

Wiesen-Salbei, Echter Schlüsselblume,

Zittergras und Mittlerem Wegerich und

ein mit 200 bis 300 Arten extrem artenreicher

Magerrasen (Orchideenwiese),

der durch sein Gefälle ähnlich steil ist

und somit auch ähnliche Anforderungen

an die Pflanzengemeinschaft stellt.

Sogar seltene Arten wie Enziane und

Orchideen waren auf diesen Spenderflächen

vertreten.

Pflanzplanung: Böschungsansaat als

Rohbodenbegrünung im Heudrusch-

Verfahren, Engelhardt-Ökologie,

www.heudrusch.de, Joe Engelhardt

(Gangkofen), Obstgehölze aus Sortenerhaltungsprogramm

Baumschule

Teuchert (Deggenhausertal). Heckenpflanzen,

autochthon, Baumschule

Scheerer (Bad Waldsee). Wildstauden

soweit möglich Bioland-Gärtnerei

Strickler (Alzey)

Wildblumen-Saatgut für Garten:

Hof-Berggarten (Herrischried), Syringa

(Hilzingen) und Rieger-Hofmann (Blaufelden)

Besondere Merkmale: Absolut autochthone

Ansaat mit Heudrusch einer

Orchideenwiese im Deggenhausertal

Zertifiziert: Ja

Von oben nach unten: Ein gemütliches Plätzchen

in der Blüte einer Flockenblume haben

sich diese Prächtigen Blattkäfer erobert.

Bodenbrütende Wildbienen benötigen offene

Böden keine Nisthilfen.

Eine Hornisse beim Abendbrot –

heute gibt es Blattläuse und deren Honigtau.

Part 2 und 3:

Ein Obst- und Naschgarten mit

Feuerstelle bzw. Grillplatz

Um den Mitarbeitern des Logistikunternehmens

eine Möglichkeit zum Zusammenkommen

im Freien zu schaffen, wurde ich

gebeten, auf einem verbliebenen „Zipfel“

des Grundstücks einen „Gartenraum“ zu

planen, der es möglich macht, auch mal

gemeinsam mit ihren Kindern beispielsweise

ein kleines Erntedankfest zu feiern.

Meine Idee dafür war, auf dem schmalen,

oben liegenden Geländerest einen Obstund

Naschgarten mit Feuerstelle und Sitzmöglichkeiten

zu schaffen. Da dieses spitz

zulaufende Dreieck eher zugig liegt, sollen

Beerensträucher wie Josta- und Johannisbeeren

sowie Zwerg-Felsenbirnen als Windschutz

den Platz spiralartig einrahmen.

Auch in diesem Garten bestehen alle Staudenpflanzungen

ausschließlich aus gebietsheimischen

Wildarten. Gesäumt wird

der Gartenraum von einem Kastanien-Staketenzaun

„Dolomiti“ mit unterschiedlich

hoher Lattung, daran Alpen-Clematis und

Platterbsen, ergänzt durch Hochstauden

wie Alant und Königskerzen. Da mein Liebling

Elsbeere als Hochstamm nicht mehr

lieferbar war, wachsen heute Richtung

Parkplatz zwei Ebereschen. Ein Speierling

dazu an der Grundstücksecke macht sich

schick. Als Obstbäume, um den heimeligen

Charakter einer Streuobstwiese aus dem

spitzwinkligen Dreieck heraus zu kitzeln,

wählte ich aus dem Sortenerhaltungsprogramm

unter anderen Haux-Apfel, Berner

Rosenapfel und Gelber Gravensteiner sowie

die Schweizer Wasserbirne, wie sie traditionell

in der Region immer schon vorkamen.

Diese Reihe Streuobst geht an ihrem

Ende in die Vogelschutzhecke über, die in

das obere Drittel der sanierten Böschung

mündet und bis in deren Biegung reicht.

Eigentlich haben wir seit Beginn des gesamten

Projekts bei Bodan am Bodensee

ausschließlich überraschend trockene

Winter und Sommer erlebt. Vielleicht wird

diese Region in Zukunft und durch den

Klimawandel häufiger von längeren Trockenperioden,

wie man sie bis vor 10 Jahren

in diesem Ausmaß und auch in dieser

Aneinanderreihung über die Jahre noch

nicht kannte, getroffen bzw. heimgesucht.

Die Niederschlagsmengen waren hier

zwar schon immer geringer als im Allgäu,

allerdings war die Region ursprünglich

und bisher kein Wassermangelgebiet.

Auch insofern denke ich, dass ich mit der

Art meiner Anlagen hier in der Bodenseeregion

richtig liege, denn selbst die S-Strategen

haben es hier phasenweise schwer,

sich zu etablieren – besonders eben auch

an sonnenexponierten Steilhängen.

Ich bin gespannt, was die Zukunft für diese

Region bereithält – im Moment habe ich

das deutliche Gefühl, dass wir ab April mit

mediterranem Klima rechnen dürfen.

Maria Stark

Naturgartenplanerin

Planungsbüro für ökologische

Grünraumkonzepte

Bombenbreite 32

D - 88693 Deggenhausertal

3 07555 927265 und 0151 41904250

www.naturgartenplanerin.bio

info@naturgartenplanerin.bio

www.facebook.com/naturnahegaerten

Fachbetrieb für Naturnahes Grün –

Empfohlen von Bioland: Planung

Maria Stark

54|FB Natur & Garten Oktober 2018

Natur & Garten Oktober 2018 FB|55


Faszination Naturgarten

Faszination Naturgarten

ginn des 2. Bauabschnittes wurde noch eine

Rutsche einbezogen. Es wurde ein „Schulhof-Forum“

mit Vertretern der Gemeinde,

des Bauhofs, der Eltern und der Lehrerschaft

einberufen Die Umsetzung des Projektes

sollte sich in zwei Schritten vollziehen.

Projekt-Umsetzung: Im ersten Bauabschnitt

2012 sollten die Süd- und die kleine

Fläche der Ostseite umgestaltet werden.

Ursprünglich sollte das gesamte Vorhaben

als „Mitmach“-Projekt mit Eltern, Schülern

und Lehrern durchgeführt werden. Ein Gemeindevertreter

hatte jedoch die Teilnahme

der Gemeinde als Gastgeber für junge Menschen

an einem sog. Workcamp initiiert, bei

dem die Teilnehmer in einem Land ihrer

Wahl an verschiedenen Projekten mitarbeiten

(z. B. Wald aufforsten, Spielplätze sanieren

etc.). Die Jugendlichen sollten beim

Bauhof der Gemeinde mitarbeiten, worüber

sich der Bauhofleiter, Herr Ohr, nicht unbedingt

begeistert zeigte. Ich wurde gefragt,

ob ein solches Workcamp auch im Rahmen

der Schulhof-Umgestaltung möglich sei.

Nachdem ich das begrüßte, waren Gemeinde

und Bauhofchef sichtlich erleichtert.

Der sehr engagierte und kooperative Roßtaler

Bauhof entfernte vor Projektbeginn

den Tartanbelag, die Betonrabatten und

U-Steine und baggerte die vorhandenen

Pflanzflächen aus, um Robinien-Nachwuchs

und Cotoneaster samt Wurzeln zu

beseitigen. In den Sommerferien kam dann

eine 15-köpfige Gruppe junger Menschen

im Alter von 16 – 25 Jahren aus verschiedenen

Ländern (Japan, Korea, Ukraine,

Russland, Georgien, Türkei, Frankreich und

Deutschland), um den 1. Teil des Schulhofs,

den Ruhebereich, umzugestalten. Es wurde

drei Wochen an je vier Tagen gearbeitet. Ein

Mitarbeiter des Bauhofs, Harald Gärtner,

war ständig beteiligt, andere, sobald sie

gebraucht wurden, z. B. für Materialnachschub.

Herr Gärtner war ein echter Glückstreffer,

sein Umgang mit den Jugendlichen

war einfach wunderbar. Die Verständigung

mit den jungen Leuten erfolgte auf Englisch.

Die Pflanzbeete wurden mit Mineralbeton

befüllt. Die Wege wurden mit sog.

Odenwälder Felsenkies, eine Art Brechsand,

abgedeckt. Der lange, befahrbare Weg an

der Südseite wurde mit leichten Kurven

versehen. Auf der kleinen Fläche im Osten

wurden zwei Hochbeete (Trockenmauern)

für Küchenkräuter errichtet. Mit Naturstein-

Quadern aus Jura-Kalk gestalteten wir eine

zweistufige Sitzarena, die als Klassenzimmer

im Freien genutzt wird. Die Hecke an

der Grenze blieb erhalten, die Böschung

zum Haus und andere Flächen wurden mit

heimischen Wildpflanzen bepflanzt. Zusätzlich

wurden viele Einzelarten eingesät.

Am Ende wurde noch ein kleines Sträucher-

Labyrinth angelegt.

1 Fleißige Kinder mit ihren Eltern und

Lehrerinnen

2 Die Steinwüste wird bald ergrünen –

immer wieder zum Erstaunen aller

3 Fertig – aber noch völlig nackt

4 Der Weidenspezialist bei seinem Werk

Der Natur-Erlebnis-Schulhof

der Grundschule Roßtal

Zwischen den Sträuchern

die ersten Blüten

D - 90572 Roßtal

1

2

Ausgangslage: Das ca. 1700 m² große

Schulgelände war größtenteils mit einem

rötlichen Tartanbelag überzogen, auf der

Westseite entlang des Gebäudes in einem

breiten Streifen gepflastert. Im Westen befindet

sich auch der Hauptteil der Pausenhof-Fläche.

Dort waren ursprünglich zwei

kleine Bäume mit einer recht großen, quadratischen

Einfassung mit Betonrabatten

eingegrenzt. Bei der Erstbesichtigung war

nur noch einer der Bäume vorhanden. Die

einzigen Spielmöglichkeiten waren eine

Tischtennisplatte sowie drei einfache Reckstangen

zwischen vier maroden Holzpfosten,

sowie eine große, aber unattraktive

Sandgrube. Auf der schlauchartigen Fläche

der Südseite befand sich eine Sitzarena

aus Beton-U-Steinen. Die Pflanzfläche zwischen

Schulgebäude und Tartanbahn war

vollständig mit Cotoneaster-Sträuchern

bedeckt. Das einzig Attraktive für Kinder

auf dieser Seite ist eine an der Grundstücksgrenze

befindliche, langgestreckte Hecke

aus größtenteils heimischen Wildsträuchern,

die von den Kindern zum Verstecken

und für Rollenspiele genutzt wird. Diese

Hecke sollte natürlich erhalten bleiben. Die

sehr kleine Fläche auf der Ostseite war mit

wild wachsenden, bis zu drei Meter hohen

Robinien zugewuchert.

Planung: Mit der Schulleiterin, Frau Christine

Gerhardt, hatte ich bereits bei einem

großen Schulhof-Projekt in Cadolzburg-

Egersdorf 2001/02 zusammengearbeitet, als

sie damals die Grundschule leitete. Bereits

2010 fanden erste Planungsgespräche in

Roßtal statt und erste Planungen wurden

entworfen. Die Schule hatte bereits mit den

Schülern Modelle gebaut und die wichtigsten

Elemente für den Schulhof nach Befragungen

der Schüler zusammengestellt.

Gewünscht wurden ein Spielturm, Balancier-Baumstämme,

ein Weidentunnel, ein

Freiluft-Klassenzimmer, Sitzgelegenheiten

und eine Ballspielfläche. Erst kurz vor Baube-

3

4

56|FB Natur & Garten Oktober 2018

Natur & Garten Oktober 2018 FB|57


Faszination Naturgarten

Faszination Naturgarten

Kurzporträt

Kontakt & Adresse:

Grundschule Roßtal

Schulstraße 20

D - 90572 Roßtal

Besichtigung auf Anfrage: Ja

Baujahr / Bauzeit: Umgestaltung

2012 und 2013/14, Pflege 2 x/Jahr

Größe: ca. 1700 m²

Eingewachsen, schon ein Jahr später

Wildpflanzenarten: gepflanzt:

533 Gehölze und Stauden in

140 Arten, davon mehr als 80 %

biologisch /einheimisch

Wildpflanzensaatgut: Mischungen:

Blumen-Schotterrasen, Wärmeliebender

Saum; Einzelsaatgut in 28 Arten

(Hof Berggarten u. Rieger-Hofmann)

Besondere Merkmale / Naturmaterialien:

Trockenmauern aus

recycelten Pflastersteinen der historischen

Ortsmitte, Jurakalk-Steinblöcke,

Elemente aus Eiche und Robinien

Zertifizierung: 2015

Der Blick aus dem Büro auf den

Schaugarten mit Treppenaufgang aus

unregelmäßigen Natursteinstufen

Natur-Schaugarten an einem

Wohnhaus mit Bürogebäude

Das Werk von Heinz Krautwurst

Dem 2. Bauabschnitt 2013 ging ein weiteres

Treffen des Schulhof-Forums voraus.

Im Sommer sollte der Spiel- und

Bewegungsbereich mit Eltern, Schülern

und Lehrern gebaut werden. Der Bauhof

bereitete die Fläche vor und schüttete

Erdhügel auf die markierten Flächen. Mitte

Juni wurde dann eine Woche lang mit

Erwachsenen und Kindern gearbeitet. Es

entstanden im Wesentlichen drei Hügel

für Rutsche, Stelzenhaus und Kriechtunnel,

die über Eichenstämme zum Balancieren

miteinander verbunden sind. Für

die Trockenmauern, die die Hügel zum

größten Teil einfassen, wurden die großen

Pflastersteine aus der Altortsanierung

verwendet. Die obere Mauerreihe musste

jedoch wegen der geringen Größe der

Steine festgemörtelt werden. Für das Stelzenhaus

wurden vier Robinienstämme

einbetoniert. Zwei Hochbeete und die

Hügel wurden von den Grundschülern

mit heimischen Wildblumen und Wildgehölzen

bepflanzt. Letzte Arbeiten wie der

Einbau der Rutsche, Rutschenaufgang

etc. wurden an einem Wochenende im

Herbst erledigt. Das scheinbar schief stehende

Stelzenhaus wurde nach meinen

Plänen von einem Zimmermann gefertigt.

Im Frühjahr 2014 baute schließlich

der Weidenspezialist Robert List vom Kulturverein

Deberndorf zwei Wiedeniglus,

die durch einen Weidentunnel miteinander

verbunden sind. Zudem gestaltete

das Künstlerehepaar Krautwurst mit Eltern

und Schülern mit Mosaikfliesen beklebte

Sitzbänke am Kriechtunnel. Pflege

und Pflegeanleitung findet seit 2012 an

zwei Terminen im Jahr statt.

Naturnahe Grünplanung

Norbert Steininger

Pfarrfeldstraße 12, 96050 Bamberg

3 0951 9176343

n.steininger@arcor.de

Fachbetrieb für Naturnahes Grün –

Empfohlen von Bioland: Planung

Norbert Steininger

Der Neubau von Wohnhaus und Bürogebäude

am Dorfrand Kleinerlbach als eingemeindeter

Stadtteil von Neustadt a. d.

Aisch und direkt an einer Ausgleichsfläche

des angrenzenden Baugebietes gelegen,

hatte fast zwangsläufig eine naturnahe Gestaltung

der Außenanlagen zur Folge. Der

fließende Übergang in die Landschaft bzw.

hin zur Ausgleichsfläche bot außerdem die

Chance, den eigentlichen privaten Gartenraum

optisch zu vergrößern. Da ein Teil des

Grundstückes auch für den Bau des Bürogebäudes

genutzt werden musste und damit

einen halböffentlichen Charakter hat, war

ein anspruchsvoller Kompromiss zwischen

D - 91413 Neustadt a. d. Aisch

naturnah und ästhetisch ansprechend gefordert.

Auch sollten Wohnhaus, Garage und

Büro als eine typisch fränkische Hofstelle

arrangiert und Materialien verwendet werden,

die möglichst regional sein sollten und

gestalterisch gut miteinander harmonieren.

Der Muschelkalk wurde als Leitgestein ausgewählt.

Daraus sind alle Trockenmauern,

Treppenstufen, Sitzquader, Gartenwege

und Gabionen gebaut. Die Pflasterbeläge

im öffentlichen Bereich des Hofes und am

Bürozugang sind mit einem Betonpflasterbelag

in Muschelkalkoptik ausgeführt. Vor

den Mauern wurden die Pflastersteine bewusst

nicht zugeschnitten, sondern bilden

einen unregelmäßigen Abschluss auf einem

Schotterbankett. Der Stellplatz am Büro wurde

mit Rasenfugen verlegt. Die Fugenverfüllung

ist mit extensivem Dachsubstrat und

der Fugenmischung von Rieger-Hofmann

ausgeführt worden. Hier hat sich vor allem

der Thymian durchgesetzt. Das extensive

Dachsubstrat wurde auch auf den Flachdächern

von Büro und Garage verwendet und

mit Sedumsprossen begrünt. Die äußerst

geringe Schichtdicke von 4 – 6 cm und die

extreme Trockenheit in der Region erlauben

wohl dauerhaft eher eine Mischung aus

Sedum und Moos, da auf Düngung bislang

58|FB Natur & Garten Oktober 2018

Natur & Garten Oktober 2018 FB|59


Faszination Naturgarten

Faszination Naturgarten

1

1 Extensive Dachbegrünung auf dem Bürogebäude

mit einer minimalen Substratauflage von

5 cm reicht für Sedum & Co.

2 Damit der Hof nicht zu klein wirkt, wurde auf

eine Doppelgarage verzichtet und ein Carport

gebaut. In Richtung Bürogebäude wird der Hof

grüner und bunter – ein beabsichtigter Effekt.

3 Das Hochbeet überbrückt den Höhenunterschied

zwischen Hof und dem Bürogebäude.

4 Der Waldgeißbart bildet den höchsten Punkt

der halbschattigen Bepflanzung auf der eher

schwierigen Nord-Ost-Seite.

verzichtet wird. Dafür ist hier auch so gut

wie kein Pflegeaufwand notwendig.

Ein mit Trockenmauern eingefasstes Beet

vor der Büro-Nordseite ist als halbschattiges

Wildstaudenbeet angelegt worden. Die

Zwischenräume wurden mit Silene armeria

angesät, was sich wenige Wochen nach der

Ansaat zu einem pinkfarbenen Teppich entwickelt

hat. Inzwischen haben die Stauden

die Flächen komplett eingenommen.

Der Blick aus den großen Bürofenstern in

Richtung Westen richtet sich auf eine unregelmäßige

Treppenanlage aus gesägten

Muschelkalkstufen, die Vorderseite gebrochen.

Den Treppenaufgang in den privaten

Gartenbereich flankieren beidseitig mit

Zugsteinen (unregelmäßig tiefe Muschelkalksteine)

terrassierte Pflanzflächen mit

vor allem Polsterstauden. Die Aufweitungen

der Treppenanlage sind mit großen

Krustenplatten gestaltet, deren Fugen mit

Blumenschotterrasen angesät worden sind.

Aufgrund der Geländesituation waren

größere Höhensprünge zu überwinden,

die aus statischen und Platzgründen als

senkrechte Mauern mit Betonelementen

gebaut worden sind. Diese sind mit Gabionen

verblendet worden, die teilweise

als Rankhilfen für Kletterpflanzen dienen.

Solch eine Gabionenwand prägt auch den

Zugang zum Büroeingang.

Der benachbarte öffentliche Grund, als

Ausgleichsfläche im B-Plan konzipiert und

als Blumenwiese angelegt, wurde zumindest

entlang der Büro-Südseite als ein

ca. 3 m breiter Wall mit wärmeliebendem

Saum angesät und dadurch artenreicher als

der Rest der Fläche entwickelt. Dazwischen

wachsen Wildrosen, die langfristig eine Rosenhecke

als Sichtschutz zur Büroterrasse

bilden sollen. Da die Ausgleichsfläche auch

3 6

5

nur einmal im Jahr gemäht wird, haben

sich die Saumarten auch in die Wiesenflächen

hinein gesät und machen damit einen

Übergangsstreifen deutlich artenreicher

als den Rest der Fläche. Durch individuelle

Mahd von Streifen kann die Entwicklung

der Artenvielfalt gesteuert werden.

Der obere rein privat genutzte Gartenbereich

hat noch ein Sitzatrium als Feuerstelle

und einen Gartenteich. Die Rasenfläche

wurde mit einer Blumenrasenmischung angesät,

die noch mit einzelnen Blumenarten,

u. a. Wiesensalbei ergänzt worden ist.

Die zahlreichen Fugen und Mauerritzen

wurden sofort besiedelt. Bereits ein Jahr

nach der Anlage konnten Zauneidechsen

beobachtet werden. Inzwischen sind diese

sehr zahlreich vorhanden. Wildbienen und

Schmetterlinge sind regelmäßige Gäste

und Bewohner. Als Schmetterlinge konnten

vor allem Schachbrettfalter, Kleiner Fuchs,

Bläulinge und leider immer nur einmal pro

Jahr ein Schwalbenschwanz beobachtet

werden. Regelmäßig kommt eine Gruppe

Distelfinken als Nahrungsgäste und versorgt

sich an den Hochstauden der Säume.

Der Gartenteich ist inzwischen auch Anziehungspunkt

von Amphibien. Neben Teichmolchen

haben nun auch Teichfrösche ihr

Domizil entdeckt. Und die inzwischen gut

etablierten Wildpflanzen wandern auch in

die Gärten und Randflächen der unmittelbaren

Umgebung …

Kurzporträt

Kontakt & Adresse:

Wolfgang Herch und Kerstin Gruber

D - 91413 Neustadt a. d. Aisch

Baujahr: 2014, Bau durch Fa. Luthardt

Sugenheim, geplant durch Kerstin

Gruber Freiraumplanung, Pflege erfolgt

durch Besitzer und Bewohner

Größe: Hofraum und halböffentlicher

Bereich am Büro ca. 250 m² (Grundstücksgröße

insgesamt ca. 800 m²)

Wildpflanzenarten: ca. 20 Wildsträucher

und Wildrosen, ca. 30 Wildstaudenarten,

7 Blumenzwiebelarten

Wildpflanzensaatgut: Blumenschotterrasen,

Wärmeliebender Saum, Saum

Sylphe, Blumenrasen, Blumenwiese,

Einzelsaatgut verschiedener Wildblumen

(u. a. Silene armeria, Primula veris,

Anthyllis vulneraria, Silene nutans, Petrorhagia

saxifraga, Myosotis sylvatica )

Besondere Merkmale: Verwendung

regionaler Natursteinmaterialien

(Muschelkalk)

Freiraumplanung Kerstin Gruber

Kleinerlbacher Ortsstraße 32

91413 Neustadt a.d. Aisch

3 09161 88350-12

kontakt@gruber-freiraumplanung.de

www.gruber-freiraumplanung.de

Fachbetrieb für Naturnahes Grün –

Empfohlen von Bioland: Planung

2 4 7

5 Der wärmeliebende Saum hat sich gut entwickelt

und die Artenvielfalt bereichert auch die

benachbarte Wiese.

6 Die Bauminsel im Wendehammer hat es

schwer – jedoch halten sich z. B. Wiesensalbei

und Wiesenflockenblumen tapfer.

7 Die Längsfugen vom Stellplatz sind mit Dachsubstrat

verfüllt und mit der Fugenmischung von

Rieger&Hofmann angesät. Thymian dominiert.

Kerstin Gruber

60|FB Natur & Garten Oktober 2018

Natur & Garten Oktober 2018 FB|61


Faszination Naturgarten

Faszination Naturgarten

Kurzporträt

Kontakt & Adresse:

Verantwortlich vor Ort: Kreisfachberater

für Obst- und Gartenbau beim

LRA Main-Spessart Hilmar Keller

D - 97267 Himmelstadt am Mainufer

Baujahr: 2017, Bau durch Fa. Müller

Landschaftsbau GmbH Arnstein,

ergänzt durch Bauhof Landkreis Main-

Spessart, geplant durch Kerstin Gruber

Freiraumplanung, Pflege erfolgt durch

Gemeinde/Bauhof Himmelstadt und

fachliche Betreuung durch Kreisfachberater

in regelmäßiger Abstimmung

mit Planer

Größe: 800 m²

Wildpflanzenarten: ca. 15 Wildsträucher,

ca. 70 Wildstaudenarten,

ca. 8 Blumenzwiebelarten

Wildpflanzensaatgut: Blumenschotterrasen,

Wärmeliebender Saum,

Blumenrasen, Blumenwiese, Einzelsaatgut

verschiedener Wildblumen

(Anthirrinum majus, Euphorbia cyparissias,

Linum perenne, Lunaria annua,

Primula veris, Thymus serpyllum)

NaturSchauGarten

Main-Spessart

D - 97267 Himmelstadt

In den letzten Jahren ist zu beobachten, dass

immer mehr Hausgärten einer Beton-, Pflaster-

oder Schotterdecke mit vereinzelten

ausdauernden Sträuchern zum Opfer fallen.

Dies ist u. a. darauf zurückzuführen, dass sich

die Gartenansprüche im Laufe der Zeit verändert

haben. Aus den einst pflegeintensiven

Gemüse- und Nutzgärten wurden in den

70er Jahren Ziergärten mit standortfremden

Pflanzen angelegt. In den letzten Jahren werden

immer mehr Gärten „pflegeleicht“ angelegt,

was in der Regel „geschottert“, „glatt

und mit dem Besen gut sauber zu halten“

oder „unverwüst liches einheitliches Dauergrün

ohne jegliche Artenvielfalt“ bedeutet

Diese doch sehr stark auseinanderdriftenden

Ansprüche

p pflegeleicht

p ausgleichende Funktion auf Klima, Boden

und Wasserhaushalt

p zusätzlicher naturnaher Lebensraum

in Einklang zu bringen, setzt sich das Projekt

„Natürlich Main-Spessart“ zum Ziel.

Hier soll in Zusammenarbeit zwischen dem

Landkreis Main-Spessart und der Gemeinde

Himmelstadt unter Einbeziehung von

Vertretern aus Naturschutz, der Imker und

der Gartenbauvereine demonstriert werden,

wie die ehemals intensiv bewirtschafteten

Nutzgärten mit standortgerechten

Pflanzen in natürliche Flächen umgewandelt

werden können, die wesentlich weniger

Arbeit, Wasser und Zeit erfordern und

trotzdem die für Mensch und Natur angeund

der Glaube besteht, man müsse solche

Gärten nicht regelmäßig gießen.

Die ehemaligen Gartenflächen werden damit

dem natürlichen Kreislauf entzogen,

verlieren ihre ausgleichende Funktion in

Bezug auf Temperatur und Luftfeuchtigkeit

sowie ihre positiven Auswirkungen auf den

Boden- und Wasserhaushalt, der sie im Vergleich

zu versiegelten Flächen im Klein klima

so wertvoll macht. Dieser Wert gewinnt mit

dem aktuellen Klimawandel (höhere Temperaturen

in der Vegetationsperiode bei

gleichzeitig zunehmender Trockenheit während

der Wachstumsphase) an Bedeutung.

Blick auf die Staudenmischpflanzung aus

einheimischen Wildstauden. Aus Gründen

des Hochwasserschutzes durften keine hohen

einfassungen gebaut werden. (Fotos, soweit

nicht anders gekennzeichnet: Saskia Nicolai)

Selbstverständlich hat der Hausgarten für

den Besitzer auch heute noch erwünschte

und wichtige Funktionen, die er v. a. im

gesellschaftlichen Bereich sieht. So ist der

eigene Garten ein Ort, an dem man sich

wohlfühlt, er soll als Refugium der Ruhe

und Entspannung dienen, wo man den

Alltag hinter sich lassen und neue Kraft

sammeln kann. Je nach jeweiligem Lebensabschnitt

muss der Garten für unterschiedliche

Zwecke dienen: Als Spielfläche für

Kinder, als Ort der Geselligkeit, als repräsentatives

Wohnzimmer im Grünen oder eben

als naturnaher, farbenfroher oder duftender

Lebensraum.

Besondere Merkmale: Totholz, Sitzbänke

aus Eichen-Schwartenbrettern,

Hochbeete mit regionaltyp. Pflanzenarten

der trockenen wärmeliebenden

und kalkreichen Mainhangkanten

Das Eingangsportal vor dem Zaun, gefertigt aus Spessart-Eiche und Robinienpfosten hat der

Landkreisbauhof selbst „gezimmert“. Der Eingangsplatz wurde mit Krustenplatten aus Muschelkalk

befestigt und die Fugen mit Thymian eingesät. (Foto Anja Soodt)

strebte stressreduzierende (gesundheitsfördernde)

Funktion erfüllen.

Die räumlichen

Rahmenbedingungen

Den Garten direkt am Mainufer in Himmelstadt

anzulegen, erschien zunächst nicht

besonders glücklich, da das Grundstück im

Bereich des 100-jährigen Hochwassers liegt

und dies mit Sicherheit einige Auflagen zur

Folge hätte. Da jedoch weitere Uferbereiche

des Mains auch schon öffentlich genutzt

sind und u. a. auch ein überregional

bedeutsamer Radweg dort vorbei führt,

wollte man am Standort festhalten.

Die wasserrechtliche Erlaubnis wurde unter

folgenden Auflagen erteilt:

p Entfernung Zaun und Einbauten (Schautafeln,

Eingangsportal) muss immer

möglich sein

p Möglichst keine Erhebungen planen,

wenn dann nur in Fließrichtung des

Mains. Für Erhebungen ist ein entsprechender

Retentionsraum an anderer

Stelle zu schaffen.

p Keine Fischfallen vorsehen, also keine

Mulden, in denen bei Rückzug von

Hochwasser Rückstände verbleiben.

p Außerdem sollte der Garten mit einem

möglichst ebenen behindertengerechten

Weg erschlossen werden. Eine Ebenmäßigkeit

war daher Voraussetzung.

Somit waren wesentliche Eckpunkte für die

Gestaltung gesetzt und der Entwurf hatte

nicht viel „naturnahen“ Spielraum. Auf

eine rahmende Geländemodellierung mit

Gehölzkulisse, die wir gerne um solch eine

Anlage geplant hätten, musste leider verzichtet

werde.

Die Planung

Dass der Schaugarten ein Naturgarten

werden sollte, ist allein das Verdienst des

Kreisfachberaters, der als überzeugter Naturgärtner

für den Landkreis Main-Spessart

ein aktives „naturnahes“ Zeichen setzen

wollte.

Der NaturSchauGarten soll ein Lehr- und

Anschauungsobjekt für eine überwiegend

durch heimische Pflanzen und Materialien

geprägte Gartenkultur sein und zur Nachahmung

anregen. Die Gartenanlage zeigt,

wie eine attraktive Grünflächengestaltung

mit geringem Pflege- und Ressourcenbedarf,

vor allem auch in Hinblick auf den

Klimawandel, im eigenen Garten gelingt.

62|FB Natur & Garten Oktober 2018

Natur & Garten Oktober 2018 FB|63


Faszination Naturgarten

Faszination Naturgarten

Das 1. Jahr nach der

Umgestaltung

Der Totholzplatz mit einer Schüttung aus Grobschotter in verschiedenen Körnungen. Blauer

Lein, Kartäusernelken und Natternkopf haben den Magerstandorte erstaunlich dicht besiedelt.

Wesentliche Bestandteile der Anlage sind

standortgerechte heimische Gehölze, Stauden,

Kräuter, regionaltypische Obstsorten

und vorwiegend regionale Baustoffe und

Bautechniken.

Zunächst erfolgte eine Vorauswahl von Naturgartenelementen,

die auch in den Hausgarten

übertragbar erschienen. Daraus

wurde der Entwurf entwickelt. Eine wassergebundene

Decke erschließt als Rundweg

die randlich angeordneten Bereiche und

Pflanzenstandorte. Die Mitte wird geprägt

durch eine Wiesen- bzw. Rasenfläche mit

regionalen Obstbaumsorten. Ein öfter gemähter

Rasenweg trennt Wiese und Blumenrasen.

An der nördlichen Längsseite sind Hochbeete

aus Trockenmauern angeordnet, die

einmal Duftstauden und Kräuter zeigen

und anderseits regionale kalkliebende

Pflanzenarten. Als Baumaterial wurde Muschelkalk

und Sandstein verwendet, der im

Landkreis gleichermaßen vorkommt.

Der Eingangsbereich wird geprägt durch

einen Belag aus polygonalen Muschelkalkplatten

mit Fugen, die mit Thymian angesät

worden sind.

Ein Gartenbeet zeigt auch den Anbau von

Nutzpflanzen, die teilweise in Vergessenheit

geraten sind.

Mit wassergebundener Wegedecke, Schotterrasenfläche,

Polygonalplatten mit bewachsenen

Fugen, Muschelkalkpflaster,

Rasenweg und Holzhäckselweg sind verschiedene

Oberflächen für naturnahe Wege

dargestellt. Steinhaufen und Totholz

sind Beispiele für Lebensräume bestimmter

Tierarten, die auch im Garten dekorativ in

Szene gesetzt werden können.

Für die Sitzauflagen wurde die Spessarteiche

als regionale Holzart verwendet.

Alle gezeigten Gartenelemente werden

durch Schautafeln erklärt. Zusätzliche Informationen

sind auf der Internetseite des

Landkreises veröffentlicht. Belebt wird der

Schaugarten durch ein interessantes Programm

mit zahlreichen saisonalen Veranstaltungen.

Das Projekt wurde realisiert mit Fördermitteln

aus dem LEADER-Programm.

Oben: Auf Schautafeln werden die einzelnen

Standorte erklärt.

Unten: Der Schotterrasen hat sich trotz Trockenheit

2018 prächtig entwickelt und bildet

bereits eine dichte Matte aus Wildpflanzen.

Freiraumplanung Kerstin Gruber

Kleinerlbacher Ortsstraße 32

91413 Neustadt a.d. Aisch

3 09161 88350-12

kontakt@gruber-freiraumplanung.de

www.gruber-freiraumplanung.de

Fachbetrieb für Naturnahes Grün –

Empfohlen von Bioland: Planung

Kerstin Gruber

Der Natur-Erlebnis-Schulhof der

Grundschule Hollstadt-Wollbach

D - 97618 Hollstadt

Ausgangslage: Das gesamte Gelände rund

um das Schulgebäude der Grundschule ist

etwa 2000 m² groß, die Größe des neu zu

gestaltenden Teils des Pausenhofes beträgt

ca. 1200 m². Auf diesem Bereich befand

sich eine große asphaltierte Fläche. Die

abschüssigen Flächen zum Schulhaus hin

waren frisch aufgeschüttet, kahl, zum Teil

mit Rasen bewachsen. Zwei Trauerweiden

befanden sich auf einem Teilstück, eine

davon wurde von der Gemeinde später wegen

Gefährdung durch abbrechende große

Äste entfernt. Die sehr abschüssige kleine

Fläche von der Straße zum Schulgebäude

hin war mit Gras bewachsen. Eine Sträucherhecke

um den asphaltierten Platz blieb

bei der Umgestaltung erhalten, wenngleich

zum Teil auch nichtheimische Gehölze darin

vorhanden sind. An die südliche Grenze

des Asphaltbereichs schließt sich ein stark

abschüssiger Wald an. Von der versiegelten

Fläche führt ein gepflasterter Weg über

eine Treppe am Gebäude entlang zum Eingangsbereich,

auch dieser Weg blieb bei

der Umgestaltung erhalten.

Planung: Erste Gespräche und Vorplanungen

fanden bereits im Jahr 2005 statt. Es

vergingen einige Jahre. Auf Initiative des

Bürgermeisters wurde in dieser Zeit auf ei-

ner der abschüssigen Flächen zum Gebäude

hin, ohne Absprache und ohne Bezug zu

den Vorplanungen, eine vierstufige Arena

aus Muschelkalkquadern vom Bauhof eingebaut.

Einige große Felsbrocken wurden

einfach auf den nicht versiegelten Flächen

verteilt. Erst 2009 wandte sich der sehr engagierte

Schulleiter, Herr Krug, wieder an

mich, um das Projekt nun endgültig durchzuführen

und gab die Ergebnisse der zwischenzeitlichen

Befragungen der Schüler

und Schülerinnen zur Kenntnis. Aufgezählt

waren u. a. Kletter- und Balanciermöglichkeiten,

Tischtennisplatten, Sitzplätze für

Kommunikation und ein Sträucherlaby-

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Natur & Garten Oktober 2018 FB|65


Faszination Naturgarten

Faszination Naturgarten

rinth. Eine völlig andere Planung war fällig,

die sich deutlich von den ersten Entwürfen

von 2005 unterschied. Aus Kostengründen

mussten etliche Elemente der ursprünglichen

Ideen gestrichen werden, einige Flächen

wurden komplett herausgenommen,

einige Spiel- und Bewegungsmöglichkeiten

für die Kinder entfielen. Die vom Bauhof

zwischenzeitlich gestaltete Arena wurde in

die neue Planung einbezogen, die beliebig

herumstehenden Felsbrocken konnten für

den Aufgang zum „Burgberg“ wiederverwendet

werden. Auf Wunsch der Schule

sollte ein kleiner Teil der Asphaltfläche für

die Aufstellung einer Tischtennisplatte erhalten

bleiben.

Kurzporträt

Kontakt & Adresse:

Grundschule Hollstadt-Wollbach

Schulstraße 5

D - 97618 Hollstadt

Besichtigung auf Anfrage:

Der Schulhof ist frei zugänglich

Baujahr / Bauzeit:

Umgestaltung in Etappen 2009 – 2014,

Pflege zweimal jährlich

Größe: ca. 1200 m²

Wildpflanzenarten: gepflanzt:

945 Gehölze u. Stauden in 163 Arten,

davon mehr als 80 % biologisch/einheimisch

Wildpflanzensaatgut: Mischungen:

Blumen-Schotterrasen (Hof-Berggarten),

Wärmeliebender Saum, Dachbegrünung

Halbschatten (Rieger-Hofmann);

Einzelsaatgut in 25 Arten

Besondere Merkmale / Naturmaterialien:

Muschelkalk-Steinblöcke

und Mauersteine

Zertifizierung: 2015

Projekt-Umsetzung: Nachdem die Gemeinde

das Gelände entsiegelt und den

Belag entsorgt hatte, wurde der 1. Bauabschnitt

im Jahr 2009 zusammen mit dem

sehr kooperativen Bauhof der Gemeinde

unter Bauhofleiter Herrn Schmitt und mit

Unterstützung des Baggerführers einer

Firma begonnen. Dabei entstand ein „Burgberg“

sowie ein langgestreckter Hügel mit

einem Kriechtunnel und einem Platz zwischen

den Muschelkalk-Trockenmauern.

Ein Muschelkalk-Steinbruch befindet sich

in unmittelbarer Nähe. Die vorhandenen

Steinblöcke wurden dabei als Kletterfelsen

für den Aufgang zum Burgberg verwendet,

und zwar so, dass auch die Stufen der

vorhandenen Arena mit als Aufstieg von

ganz unten dienen können. So beträgt

der Höhenunterschied auf der möglichen

Kletterpartie ca. 4 m. Die obere Plattform

des Burgbergs ist von einer Trockenmauer

umgeben, dahinter wurden heimische

Wildsträucher und Wildstauden gepflanzt.

Die dabei entstandenen Plätze und Flächen

wurden mit Blumen-Schotterrasen

eingesät. Ein langgestrecktes Hochbeet

mit Trockenmauern wurde als Raumteiler

längs über den ehemals versiegelten Platz

gebaut. Auf ihm fanden Wildstauden und

Bilder von oben nach unten:

Frisch gepflanzt und gesät –

vor dem 1. Pflegedurchgang

Schon bald wird es wildblumenbunt

Der schattige Hang am Haus tat sich anfangs

schwer, wird aber jetzt immer schöner

heimische Kleinsträucher Platz, die im Zuge

der Arbeiten für den 2. Bauabschnitt von

den Schülerinnen und Schülern gepflanzt

wurden.

An zwei Wochenenden (Fr/Sa) wurde der

2. Bauabschnitt mit enorm fleißigen Schülern,

Eltern und Lehrer/n/innen vollendet.

Nach Vorarbeiten mit einem Bagger, der

u. a. die vergrasten Flächen an den Hängen

abgrub, bauten die Beteiligten eine Trockenmauer

an der Böschung zur Straße sowie

zwei weitere Hochbeete als Raumteiler.

Auch der Bürgermeister, Herr Menninger,

arbeitete äußerst engagiert mit. Bepflanzt

wurden die Flächen mit naturnahen Rosen,

attraktiven Wildsträuchern und heimischen

Wildstauden. Der große, meist im

Schatten liegende Hang am Schulgebäude

auf der Nordseite wurde, abgesehen von

einigen Initialpflanzen, größtenteils mit

Einzel-Saatgut und einer Dachbegrünung

für Halbschatten von Rieger-Hofmann eingesät.

Die Einsaat an diesem schwierigen

Standort (steile Schotterfläche, Schatten)

benötigte 2 – 3 Jahre, um den Hang vollständig

zu begrünen, wurde dann aber zu

einem Glanzstück mit Schatten- und Halbschatten-Stauden.

Im Jahr 2012 baute der Bauhof noch einen

Hangrost und ein Baumstämme-Mikado.

2013/14 wurde mit Kindern und Eltern der

bis dahin wenig einladende Eingangsbereich

der Schule umgestaltet. Die Kinder

befüllten mit großem Einsatz Gabionen

Ein Hangrost – Lärche wächst

leider nicht krumm

mit kleinen Steinen, viele davon von ihnen

selbst bunt bemalt, als künftige Sitzgelegenheiten.

Dabei mussten sie zur Erheiterung

meinerseits mehrfach darauf hingewiesen

werden, die bemalten Steinchen im

sichtbaren Randbereich zu platzieren und

nicht einfach in die Mitte zu werfen.

Zudem baute das Künstler-Ehepaar Krautwurst

im Eingangsbereich eine Mosaik-Eule

als Wahrzeichen der Schule, als Symbol für

Klugheit und auch wegen des wenige hundert

Meter entfernt in einem stillgelegten

Steinbruch brütenden Uhupaares. Auch

gestalteten sie zusammen mit Eltern und

Kindern eine Außenwand mit Mosaiken.

Im Jahr 2015 konnte der Schulhof zur großen

Freude des Schulleiters als ‚Naturgarten

– Empfohlen von Bioland‘ zertifiziert

werden. Dies war nochmals Anlass für

Schulleiter Gerhard Krug, in der Rhön-und

Saalepost einen Artikel unter der Teilüberschrift:

„… von Bioland als vorbildlich ausgezeichnet“

zu platzieren. Nach der vom

Schulleiter nachträglich geschilderten anfänglich

großen Skepsis von Eltern und

Ortsbewohnern gegenüber dem Projekt

kommen aber inzwischen immer wieder

Besucher, um die Blütenvielfalt zu bewundern.

Und viele Insekten und Vögel wie der

Stieglitz haben den Pausenhof als Refugium

für sich entdeckt.

Naturnahe Grünplanung

Norbert Steininger

Pfarrfeldstraße 12, 96050 Bamberg

3 0951 9176343

n.steininger@arcor.de

Fachbetrieb für Naturnahes Grün –

Empfohlen von Bioland: Planung

Norbert Steininger

66|FB Natur & Garten Oktober 2018

Natur & Garten Oktober 2018 FB|67


Naturnahes Grün fördert

die biologische Vielfalt durch …

p Erhalt und Vermehrung von Wildpflanzen

in ihrer Urform und arteigenen

Variabilität

p Einheimische Wildpflanzen, Sträucher

und Saatgut für jeden Standort

p Vielfältige Pflanzenarten und Pflanzengesellschaften

p Ganzjährige Blüten-, Blatt und

Fruchtangebote

p Essbare Wildpflanzen für eine gesunde

Ernährung

p Dynamik: Wildpflanzen vermehren sich

selbstständig und verändern das Bild

p Natürliche Gleichgewichte

p Natürliche Gartenbiotope mit jahreszeitlich

wechselnden Erscheinungsformen

(Naturteiche mit Wildpflanzen

in den Regenerationszonen, …)

p Artenvielfalt durch Achtsamkeit des

Menschen gegenüber Tieren und

Pflanzen

p Maximale Begrünung (Wege, Fugen,

Kiesstreifen am Haus…)

p Struktur- und Artenreichtum: Wildblumenbeete,

Hecken, Totholz, Teiche,

Kräuterrasen, Blumenschotterrasen,

Wildblumenwiesen

p Baustoffe und Naturmaterialien aus der

Region: Natursteine, Findlinge, Lesesteine,

Bruchsteine, Naturholz, Baumstämme,

Wurzelstämme, unbehandelte

Hölzer (Kastanie, Lärche, Eiche, …),

Kies, Sand, Schotter…

p Totholzbereiche und Habitatbäume

p Geschwungene Formen (Wege, Beete,

Trockenmauern, …)

p Vielfältige Lebensraumelemente und

Klein- und Oberflächenstrukturen für

Insekten, Kleinsäuger, Vögel, Amphibien,

Reptilien, Mikroorganismen

(Ritzen, Lücken, Fugen, Hohlräume,

Mauern, Wasserstellen, Natursteine,

Totholz, …)

p Unterschiedliche Geländestrukturen

(Hügel, Mulden, …)

p Zusätzliche Nisthilfen (Insektenhäuser,

Hummel- und Vogelkasten, Hornissenund

Fledermauskasten, …)

p Nahrung, Unterschlupf, Überwinterungs-

und Brutmöglichkeiten, Sitz-,

Sonnen- und Schlafplätze für Tiere

p Verzicht auf Pestizide, synthetische

Bodenhilfsstoffe oder Kunstdünger

p Naturnahe Pflege unter Beachtung

gartenökologischer Zusammenhänge

p Minimalen Ressourceneinsatz und

geringen, ökologischen Fußabdruck

Naturgärten schenken uns Schönheit, Duft und Farbenpracht.

Herausgeber: Naturgarten – Verein für naturnahe Garten- und Landschaftsgestaltung e. V.

Bundesgeschäftsstelle: Kernerstraße 64, 74076 Heilbronn / Telefon: +49 (0)7131- 64 9999 6 / Fax: +49 (0)7131- 64 9999 7 /

E-Mail: geschaeftsstelle@naturgarten.org / Internet: www.naturgarten.org / Facebook: https://www.facebook.com/naturgarten.ev /

Facebook-Gruppe Naturgartenforum: https://www.facebook.com/groups/1528123330813394 / Internet Fachbetriebe: www.naturgarten-fachbetriebe.de

Auflage: 1.050 Redaktion: Kerstin Lüchow, Reinhard Witt Verantwortlicher Vorstand: Ulrike Aufderheide

ISSN: 2199-7012 Lektorat: Kerstin Lüchow, Bildbearbeitung: Birgit Oesterle

Norbert Steininger, Ulrike Aufderheide Layout: Birgit Oesterle

Druck:

Druckerei Lokay e.K. Reinheim (www.lokay24.de). Lokay arbeitet als „nachhaltige, grüne Druckerei“ ausschließlich mit Ökostrom, wirtschaftet klimaneutral

in Produktion und Logistik, ist EMAS- und FSC-zertifiziert und bietet umweltfreundliche Recyclingpapiere an. Sie druckt mit Farben auf Pflanzenölbasis

nach DIN ISO 12647-2 und verzichtet auf den Einsatz von Isopropylalkohol (IPA).

Diese Mitgliederzeitschrift wurde ressourcenschonend mit Farben auf Basis nachwachsender Rohstoffe und dem Papier

„Lokay 3-32 hochweiß“ Recycling matt Bilderdruck, Umschlag 150 g/m² + Inhalt 115 g/m², 100 % FSC-Recycling hergestellt.

Nächste Ausgabe: Januar 2019: Querbeet

Redaktionsschluss: 1. November 2018 Erscheinungsdatum: 1. Januar 2019

Hinweise:

Für den Inhalt der Texte sind die jeweiligen Autoren verantwortlich. Bei Rückfragen stehen wir gern zur Verfügung (Geschäftsstelle Naturgarten e. V.)

Natur & Garten wird an Mitglieder des Naturgarten e. V. verschickt und ist im jährlichen Mitgliedsbeitrag enthalten. Weitere Exemplare können kostenpflichtig auf Anfrage bestellt

werden. Nutzen Sie auch unser Natur & Garten Geschenk-Abo, gültig für 1 Jahr (inkl. vier Ausgaben). Über Spenden, auch für bestimmte Projekte, freuen wir uns sehr. Alle

Mitgliedsbeiträge und Spenden sind steuerlich absetzbar, da der Verein gemeinnützig ist. Bankverbindung: KSK Heilbronn, BIC: HEISDE66, IBAN: DE15 6205 0000 0010 0696 22

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