Australien_2010

gerhard.hochl

Australien

eine Rundreise

2010

© Bilder und Layout gerhard.hochl@gmx.at

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Sydney, die größte Stadt Australiens, entwickelte

sich von der im Jahr 1788 gegründeten Strafkolonie

der Engländer zu einer Wirtschaft- und Tourismusmetropole

ersten Ranges. Von der Skyline

über die Oper und der Harbour Bridge im riesigen

Naturhafen Port Jackson bis zum weltberühmten

Bondi Beach begeistert dieser traumhafte Ort

Besucher und Bewohner stets aufs Neue.

Die Gegend des heutigen Stadtgebietes war

schon vor ungefähr 20.000 Jahren von verschiedenen

Stämmen der Aborigines besiedelt.

Im Jahr 1770 entdeckte Captain James Cook die

Einfahrt zum Port Jackson und die Kartografen

an Bord der HMS Endeavour vermaßen zum ersten

Mal eine Bucht am Kontinent Australien.

Im Jänner 1788 wurde nach achtmonatiger Anreise,

der erste Strafgefangenentransport von

England hierher, mit der Errichtung der Kolonie in

der Bucht von Sidney Cove abgeschlossen. Etwa

800 Sträflinge sowie rund 500 Seeleute gingen in

der Nähe des heutigen Circular Quays von Bord

der elf britischen Schiffe und errichteten die erste

Siedlung europäischen Ursprungs.

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Bondi Beach ist

einer der

berühmtesten

Strände

Australiens.

Der beliebte Strand liegt etwa sieben

Kilometer vom Stadtzentrum

entfernt in östlicher Richtung. Er

ist mit dem Bus 333 als öffentliches

Verkehrsmittel erreichbar.

Tipp: An den Haltestellen muss

man per Handzeichen auf sich

aufmerksam machen, sonst fährt

der Bus einfach vorbei!

Der halbmondförmige Strand mit

dem weißen Sand zieht neben

den Badegästen auch unzählige

Surfer wegen der beständigen

mittelhohen Wellen an. Ein malerischer

Küstenweg führt von Bondi

bis zum Tamara Beach, der von

vielen Joggern und Spaziergängern

gerne benutzt wird.

Der Bondi Surf Bathers Life Saving

Club ist der älteste Wasserrettungs-Club

in Australien. Er

wurde 1907 gegründet. Der erste

Dienstplan wurde im August 1908

aufgestellt und es wurde ein Testschwimmen

als Voraussetzung für

die Clubmitgliedschaft eingeführt.

Das Ziel des Clubs ist es bis heu-

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te, „No Lives Lost“ am Bondi Beach

zu gewährleisten. Es handelt

sich um eine ehrenamtliche Organisation,

die von Oktober bis April

den Strand beaufsichtigt.

Im Jahr 1932 wurde die Harbour

Bridge eröffnet. Sie stellt die

Hauptverbindung zwischen den

Norden und den Süden Sydneys

dar. Seit 2007 ist die Brücke als

nationales Denkmal eingetragen,

symbolisiert sie doch die Entwicklung

des modernen und fortschrittlichen

Australiens.

Die Brücke ist über 500m lang.

Die Durchfahrtshöhe für Schiffe

beträgt 52m. Acht Fahrspuren, davon

2 Busspuren, zwei Bahngleise

und je ein Fuß- und Fahrradweg

teilen sich die 50m Breite. Die Bilder

des jährlichen Silvesterfeuerwerks

von hier aus gehen um die

Welt und bieten einen unverwechselbaren

Eindruck. Neben dem

Opernhaus wird auch dieses Bauwerk

als Wahrzeichen von Sydney

gesehen.


Auf der Nordseite der Bucht gegenüber

der Oper, liegt der Taronga

Zoo. Der 1916 gegründete Tierpark

wird in acht geografische Regionen

unterteilt und beherbergt über 2500

Tiere. Im Jahr vor unserem Besuch

kam der erste in Australien geborenen

Elefant zur Welt.

Das einfachste Verkehrsmittel um

zum Zoo zu gelangen ist die Fähre

die vom Circular Quay ablegt. Die

Fahrt dauert ca. 12 Minuten.

Der Koala ist ein in Australien beheimatetes

pflanzenfressendes Beuteltier.

Er kommt in den Küstengebieten

der östlichen und südlichen

Regionen des Festlandes vor und

bewohnt normalerweise offene Eukalyptuswälder.

Die Merkmale sind

ein robuster, schwanzloser Körper

und ein großer Kopf mit runden, flauschigen

Ohren und großer, löffelförmiger

Nase. Die Ernährung besteht

aus den Blättern der Eukalyptusbäume.

Da diese Eukalyptus-Diät einen

begrenzten Nährstoff- und Kaloriengehalt

hat, sind Koalas weitgehend

sesshaft und schlafen bis zu 20

Stunden pro Tag.

Der Steinkauz ist ein kleiner Vertreter

aus der Familie der Eulen. Das

Verbreitungsgebiet des Steinkauzes

erstreckt sich über ganz Australien

außerhalb der Dschungelgebiete. Er

ist ein charakteristischer Bewohner

der Baumsteppe mit spärlicher oder

niedriger Vegetation und jagt bevorzugt

auf dem Boden

Das australische Süßwasserkrokodil,

ist eine Krokodilart, die in den

nördlichen Regionen Australiens

beheimatet ist. Im Gegensatz zu ihren

viel größeren Verwandten den

Salzwasserkrokodilen, sind Süßwasserkrokodile

nicht als Menschenfresser

bekannt, obwohl sie bei einer

Selbstverteidigung durchaus zubeißen

können.

Giraffen sind die größenmäßig gesehenen

höchsten lebenden Landtiere.

Sie haben ihren Lebensraum in

den afrikanischen Steppen und kommen

in Australien in freier Wildbahn

nicht vor. Giraffen fressen bevorzugt

Akazienblätter. Dabei greifen die Tiere

einen Zweig mit ihrer bis zu 50 cm

langen Zunge, ziehen ihn ins Maul

und streifen durch Zurückziehen des

Kopfes die Blätter ab. Zunge und

Lippen sind so beschaffen, dass sie

trotz der dornigen Äste keinen Schaden

nehmen. Durch die hohe Bisskraft

und die massiven Mahlzähne

können die Äste, Blätter und Zweige

zügig kleingemahlen werden und rutschen

innerhalb kürzester Zeit den

bis zu 2,5 Meter langen Hals herab.

Jeden Tag nimmt eine Giraffe etwa

30 kg Nahrung auf.

Der tasmanische Teufel ist ein

fleischfressendes Beuteltier. Er war

einst auf dem australischen Festland

heimisch und lebt heute nur noch auf

der Insel Tasmanien. Der tasmanische

Teufel hat die Größe eines kleinen

Hundes und wurde nach dem

Aussterben des Beutelwolf im Jahr

1936 zum größten fleischfressenden

Beuteltier der Welt. Er zeichnet

sich durch einen gedrungenen und

muskulösen Körperbau, schwarzes

Fell, einen starken Geruchssinn und

Wildheit beim Fressen aus. Er jagt

Beute und frisst Aas sowie Hausrat,

wenn Menschen in der Nähe leben.

Das menschenscheue Tier wird aber

sehr selten in freier Natur gesichtet.

In der Nähe des Entertainment Centers

Darling Harbour findet der Besucher

eine phantastische Präsentation

der Tierwelt unter Wasser.

Der Weiße Hai, dessen Name sich

auf die auffällig helle Bauchfärbung

der Tiere bezieht. Die Art kommt fast

weltweit vor und besiedelt bevorzugt

gemäßigte Küstengewässer.

Als die größte Haiart, die sich nicht

von Plankton ernährt, ist der Weiße

Hai der größte Raubfisch. Er wird im

gesamten Verbreitungsgebiet immer

seltener. Durch den kommerziellen

Fischfang, wo er oft als unerwünschter

Beifang verendet und über Bord

geworfen wird, sowie die gezielte Bejagung

zum Erhalt von Flossen, die

im asiatischen Raum aus Irrglauben

als Potenzverstärker gelten, wird der

Bestand weltweit bedroht.

Der Graue Riffhai bewohnt weltweit

Lagunen und Außenriffe der tropischen

Regionen. Der Hai wird max.

2,5 m lang und schwimmt in kleinen

Gruppen die Riffwand entlang meist

gegen die Strömung um Beute aufzustöbern.

Durch verendende oder

harpunierte Fische werden die Haie

auf Grund von Druckwellen der letzten

Zuckungen von den Beutefischen

angelockt. Es kann in solchen Fällen

eine Fressorgie ausgelöst werden,

bei der auch Taucher gefährdet sind

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Das Australian National Maritime

Museum ist ein staatlich

betriebenes Schifffahrtsmuseum

in Darling Harbour

gegenüber dem Aquarium.

Die Sammlung besteht aus

einigen Schiffen, wobei drei

der Öffentlichkeit zugänglich

sind: der Nachbau der HM

Bark Endeavor (Schiff von

James Cook), der Zerstörer

HMAS (Her Majesty‘s Australian

Ship) Vampire und das

U-Boot HMAS Onslow. Im

Gebäude wird die Geschichte

der Australischen-Britischen

Seefahrt dokumentiert, weiters

die etwas jüngeren Beziehungen

zur amerikanischen

Navy. Eine Ausstellung von

verschiedenen Leuchtfeuern

komplettiert die Schau.

Darling Harbour ist ein

großes Erholungsgebiet

mit Restaurants,

Theatern, Museen,

Bars und zum Großteil

ist dort Fußgängerzone

Darling Harbour wurde benannt

nach Ralph Darling, der um 1830

Gouverneur von New South Wales

war. Ursprünglich befand sich

hier ein Teil des Handelshafens von

Sydney mit Schiffsanlegeplätzen,

zahlreichen Lagerhäusern, Verladeeinrichtungen,

Fabriken und

mit eigenem Bahnanschluss.

Lagerhäuser wurden nicht mehr genutzt

und verfielen. Da dieser entstehende

Schandfleck im Stadtbild

nahe dem Stadtzentrum lag und

von den Wolkenkratzern zu sehen

war, kam der Wunsch nach einer

Umgestaltung und Neunutzung der

Hafenanlagen auf. Zu Beginn der

1980er Jahre begann die Umgestaltung

des Stadtviertels.

Eine mehrstündige Rundfahrt mit einem Katamaran

führte uns zu den Höhepunkten des Hafens.

Dazu gehörten der Luna Park, die alten Lagerhäuser

in Kirribilli, das Opernhaus, die Harbour

Bridge, North Harbour und Hornby Lighthous.

Wir erfuhren interessante Fakten zu den Sehenswürdigkeiten

und gewannen einen authentischen

Eindruck durch den Live-Kommentar. Wir

genossen ein Picknick und zum Abschluss gab es

ausgezeichnete Cocktails.

Der Hafen Port Jackson dehnt sich auf eine Fläche

von 55 km² aus. Die mittlere Wassertiefe beträgt

13 m, das bedeutet, dass bei stärkeren Wind

eine unangenehme Grundsee (hohe steile Wellen)

entstehen.

Auf der Nordseite des Hafens gibt es noch große

Grundstücke mit viktorianischen prachtvollen Gebäuden.

Sehr zum Unterschied zu den Wohnhäusern,

die zwar aus der gleichen Epoche stammen,

aber dichtgedrängt und zwischen den modernen

Hochhäusern eingepfercht liegen.

In den 1960er Jahren begann die

Gegend um Darling Harbour zu verkommen.

Viele Hafenanlagen und zum Marine Museum.

Über die Drehbrücke gelangt man

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Bei der Begegnung mit einigen anderen

Wasserfahrzeugen, waren wir eigentlich

ganz froh, das unser Reisebüro einen gemütlichen

Motorkatamaran gechartert hatte.

Die anderen waren zwar schneller, aber es

ging wesentlich feuchter und ruppiger zu. Am

Ende der Rundfahrt konnten wir das Highlight

des Hafens von allen Seiten bewundern.

Das Sydney Opera House ist eines

der markantesten und berühmtesten

Gebäude des 20. Jahrhunderts und

das Wahrzeichen von Sydney. Es

geht auf den Entwurf des dänischen

Architekten Jørn Utzon (1918–2008)

zurück. Das Gebäude wurde im Jahr

2007 in die Liste des UNESCO-Welterbes

eingetragen.

Die Baukosten der Oper erhöhten

sich während der Bauphase um den

Faktor 14 und die Fertigstellung verzögerte

sich um mehrere Jahre.

Utzon sollte mit den Bauarbeiten

beginnen, bevor sämtliche Kostenanalysen

und alle technischen Probleme

gelöst waren. Daher waren

weder eine genaue Kostenberechnung

noch eine Planung der Bauzeit

möglich. Dies trug dazu bei, dass die

ursprünglich eingeplanten Baukosten

von 3,5 Mio. auf über 50 Mio.£ (60

Mio. €) wuchsen und sich der Fertigstellungstermin

von 1965 bis in das

Jahr 1973 verzögerte.

Die steigenden Baukosten führten

zum Zerwürfnis zwischen der Regierung

und dem Architekten. Schließlich

wurden Utzon die Gelder gesperrt

und er verließ seine Baustelle 1966.

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Das Gebäude ist 184 Meter

lang, 118 Meter breit und bedeckt

eine Fläche von etwa

1,8 Hektar. Sein unverwechselbares

Dach ragt 67 Meter

hoch auf und ist mit 1.100.000

glasierten, weißen, glänzenden

Keramikfliesen verkleidet, die

aus Schweden importiert wurden.

580 Pfähle, die 25 Meter

tief im Boden verankert wurden,

tragen das etwa 160.000 Tonnen

schwere Bauwerk.

Das Opernhaus enthält fünf

Theater mit insgesamt 5541

Sitzplätzen: Die Concert Hall

(Konzerthalle) mit 2688 Sitzen,

das Joan Sutherland Theatre

(Operntheater) mit 1547 Sitzen,

das Drama Theatre (Schauspielhaus)

mit 544 Sitzen, das

Playhouse mit 398 Sitzen und

das Studio Theatre mit 364 Sitzen.

Insgesamt gibt es rund 100

Räume, darunter fünf Probestudios,

ein Kino, 60 Umkleideräume,

vier Restaurants, sechs

Bars und zahlreiche Andenkenläden.

Die Stromversorgung

wäre ausreichend für eine Stadt

mit 25.000 Einwohnern und umfasst

645 Kilometer an elektrischen

Kabeln, mit denen unter

anderem über 6000 Leuchten

mit Strom versorgt werden.

Im Rahmen einer Führung

durch das Haus lernten wir auch

die verschiedenen Innenräume

kennen.

Die Finanzierung des komplexen

Veranstaltungszentrums

wäre ohne Sponsoring nicht

möglich. Man muss eben akzeptieren,

das ganz gezielte

Werbung in das Bühnenbild eingebaut

wird oder während der

Aufführung die Schauspieler mit

Einlagen und Couplets durch

Nennung von Firmen oder Produkten

Werbung betreiben.

Ganze Abende mit Getränke-Einladungen

und Vor- und

Nachfeiern werden von großen

australischen Firmen finanziert.

Die Opernaufführung ist manchmal

gar nicht die Hauptsache.

Der Eventcharakter hat eindeutig

die Oberhand.

Der botanische Garten liegt direkt östlich

vom Opernhaus und dem Circular Quay.

Seine Fläche beträgt über 30 Hektar. Der

erste Bauernhof Australiens wurde 1788

an der Farm Cove errichtet. Obwohl der

Hof nur kurze Zeit bewirtschaftet wurde, ist

der Boden dort immer fruchtbar gewesen.

Der botanische Garten wurde 1816 gegründet

und er war ein Teil des Gartens

von der angrenzenden Gouverneurs-Villa.

Mit dem ersten Botaniker der noch jungen

Kolonie, Charles Frazer, der nahezu 3000

Pflanzen aus Großbritannien erfolgreich

anbaute, begann 1817 eine lange Geschichte

des Sammelns und des Studiums

der Pflanzen.

Der botanische Garten von Sydney ist damit

die älteste wissenschaftliche Institution

in Australien und spielte eine wichtige

Rolle in der Ansiedlung von Pflanzen aus

anderen Regionen.

Seit dem Jahr 1965 wurden viele Teile des

Gartens neugestaltet und erweitert. Das

tropische Gewächshaus, der Rosengarten,

der orientalische Garten und der Farngarten

wurden neu gestaltet.w

Viele Tiere fanden Ihre Heimat in diesem

geschützten Bereich der City.

Der botanische Garten

als Refugium der Natur

mitten in der Großstadt

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Das Queen Victoria Building

ist heute ein großes modernes

Einkaufszentrum in einer

geschichtsträchtigen Hülle.

Der Graukopf-Flughund ist eine der

größten Fledermausarten, die in Australien

vorkommen.

Seine Flügelspannweite umfasst

oft einen Meter. Der Körper erreicht

durchschnittlich 25 Zentimeter Länge

und ist dunkelgrau, der Kopf ist

hellgrau mit einem auffälligen rotbraunen

Schulterbereich. Die Flughäute

sind schwarz und er besitzt keinen

Schwanz.

Die nachtaktiven Tiere hängen tagsüber

in den Ästen von Laubbäumen

und in der Abenddämmerung verlassen

sie die Ruheplätze und begeben

sich auf Nahrungssuche.

Sie sind beim Flug auf die großen

Augen angewiesen und haben keine

Echoortung über ihr Gehörorgan, daher

haben sie auch keine großen Ohren

wie ihre Fledermausverwandten.

Die Art Gallery ist

das bedeutendste

Museum in Sydney.

Das 1897 gegründete Museum befindet

sich auf dem Gelände ostseitig

des botanischen Gartens.

Das Museum zeigt Arbeiten zahlreicher

bedeutender Künstler, einschließlich

des 20. Jahrhunderts.

Das Queen Victoria Building oder

QVB ist ein prunkvolles viktorianisches

Gebäude im Zentrum von Sydney.

Die neoromanische Architektur

des schottisch-australischen Architekten

George McRae bildet einen

starken Kontrast zu den modernen

Bauten der Umgebung.

Das QVB, 190 m lang und 30 m breit,

füllt einen ganzen Block zwischen

George Street, Market Street, York

Street und Druitt Street aus.

Der 1898 fertiggestellte Bau wurde

Freier Eintritt zu den Ausstellungen Am Dach gibt es ein nettes Café mit

zuerst George Street Market genannt.

mit Werken australischer und europäischer

Kunst (von der europäischen haus und den Hafen.

großartiger Aussicht auf das Opern-

Das Gebäude beherbergte eine Kon-

14

Besiedlung bis zur Gegenwart)

15

zerthalle; in den inneren Arkaden befanden

sich Kaffeestuben und Läden

von Schneidern, Textilhändlern, Frisören

und Blumenhändlern.

Über die Jahrzehnte kam es zu vielen

Änderungen. Aus der Konzerthalle

wurde die öffentliche Bücherei, die

Büros der Stadtverwaltung verdrängten

viele der Händler.

Nach und nach verfiel das Gebäude

und sollte schließlich 1959 abgerissen

werden, doch in den 1970er Jahren

wurde es restauriert und ist heute

Sitz einer Vielfalt von Geschäften und

Markenboutiquen.


Zwei große mechanische Uhren mit

beweglichen Figuren dominieren die

beiden Gebäudeflügel und sind von

der obersten Etage aus der Nähe zu

sehen. Die Royal Clock zeigt Szenen

aus dem englischen Königreich von

der Unterzeichnung der Magna Carta

durch Johann Ohneland bis zur Hinrichtung

von König Charles I.

Die Great Australian Clock wurde

von Chris Cook gestaltet und wiegt

vier Tonnen. Sie zeigt 33 Szenen aus

der australischen Geschichte, sowohl

aus europäischer wie auch aus der

Sicht der Aboriginals. Ein Aboriginal-Jäger

umkreist die Uhr und symbolisiert

damit den unendlichen Lauf

der Zeit.

Der Abschied von

Sydney fiel uns

nicht leicht, aber es

stand ja noch eine

tolle Rundreise am

Programm. Der

erste Zielflughafen

war Alice Springs.

Alice Springs ist einer der trockensten

Orte dieser Erde. Das stand zumindest

auf einem Aufsteller in unserem Hotelzimmer.

In Wirklichkeit standen die Straßen

zum Teil unter Wasser und es regnete

in Strömen. Das machte eine Änderung

unserer geplanten Besichtigungen notwendig.

Es gab zuerst die Tour durch die Museen

und in das Reptilien Center und dann

die Rundfahrt, nachdem der heftige Niederschlag

weniger wurde.

Alice Springs ist abgelegen im australischen

Bundesterritorium Northern Territory

und liegt auf halbem Weg zwischen

Darwin und Adelaide, die je 1.500 km

entfernt sind.

Alice Springs Airport wurde der Flughafen

offiziell ab 1958 genannt. Heute

ist er neben dem unmittelbar am Ayers

Rock gelegenen Connellan Airport ein

möglicher Ausgangspunkt für Reisende

auf dem Weg in den Uluru-Kata-Tjuta-Nationalpark.

Bevor die weißen Siedler nach Alice

Springs kamen, lebten hier die Gruppe

der Arrernte Aborigines. 1862 schaffte

es Entdecker John McDouall Stuart

als erster Europäer, das rote Center zu

durchqueren und bis zu zur Nordküste

zu gelangen.

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The Flying Doctors

nennt sich eine gemeinnützige

Organisation

die mit Flugzeugen

die ärztliche

Versorgung sichert.

Das Alice Springs Reptile Center ist

ein privat betriebenes Reptilienzentrum

und eine Umweltbildungsstätte.

Es hat die größte Sammlung von

Reptilien im Northern Territory.

Das Zentrum ist ein beliebtes Touristenziel

und für Kinder gibt es eigene

Fortbildungslehrgänge um ihnen den

richtigen und angstfreien Umgang mit

den einheimischen Reptilien näher

zu bringen.

Die Mitarbeiter betreiben auch ein

Call Center für Schlangenfunde in den

Häusern der Gegend. Das Personal

ist geschult im Entfernen von giftigen

Schlangen. Diese werden entweder

in den Terrarien gepflegt oder weit

weg von der Zivilisation ausgesetzt.

Der Royal Flying Doctor Service of Australia

ist eine gemeinnützige Institution, die für

Menschen in den wenig besiedelten Gebieten

Australiens mit Hilfe von Flugzeugen ärztliche

Versorgung gewährleistet oder in vielen Fällen

auch per Telefon oder Funkgerät ärztliche Ratschläge

erteilt. Der Dienst arbeitet rund um die

Uhr und leistet Hilfe sowohl im Notfall als auch

in der allgemeinen Gesundheitspflege.

Der RFDS besitzt etwa 63 Flugzeuge an 21

Standorten mit insgesamt fast 1000 Mitarbeitern.

Ärztliche Beratungen erfolgen nach Bedarf.

Anrufe per Telefon oder Sprechfunk werden

im Kontrollzentrum entgegengenommen

und dann bei Bedarf direkt zu einem Arzt zur

medizinischen Beratung weitergeleitet. Heute

wird der Funk in den meisten Fällen nur noch

als Ersatz bei Ausfall des Telefons eingesetzt.

Durch die School of the Air ist eine Schulbildung

auf einer Fläche von 1 Mill. km² möglich.

School of the Air ist eine spezielle Schulform

in den dünn besiedelten Regionen

Australiens. Schüler der Primarstufe und

der unteren Sekundarstufe werden dabei

im Fernunterricht unterrichtet.

Die Übermittlung erfolgte anfangs mittels

Kurzwellenfunk und ist nun auf das

Skypen mit dem Internet umgestellt. Die

Hausaufgaben werden per E-Mail oder

ebenfalls per Internet zum Lehrer gesendet.

Jeder Schüler erhält pro Tag etwa eine

Stunde Gruppen- oder Einzelunterricht.

Den Rest des Tages lernt er mit den zugesandten

Materialien, unter Anleitung

der Eltern oder älterer Geschwister.

Die Schule in Alice Springs war die erste

Schule dieser Art und wurde 1951 gegründet.

Sie hat zurzeit etwa 120 Schüler, die

sich auf eine Fläche von 1.000.000 km²

verteilen. Etwa 15 Prozent dieser Kinder

sind Aborigines. Die Familien bekommen

die notwendigen Unterrichtmittel von der

Schule zur Verfügung gestellt

In einem Besucherzentrum kann man die

morgendlichen Übertragungen verfolgen.

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Die alte Telegraphen Station der Überland

Linie von Adelaide über Alice Springs nach

Darwin wurde 1872 fertiggestellt.

Mit der Errichtung der sogenannten Overland Telegraph

Line von Adelaide über Alice Springs nach

Darwin im Jahre 1872 wurde der Grundstein zur

Entstehung der Stadt gesetzt.

Ein Bevölkerungsboom trat jedoch erst 15 Jahre

später ein, als 1887 circa 100km östlich der Siedlung

Gold gefunden wurde.

Die nächste nennenswerte Vergrößerung der Wüstensiedlung

trat im Jahre 1929 ein, als die Great

Northern Railway eine Verbindung zwischen Alice

Springs und Adelaide herstellte.

Im Jahr 1934 wurde das Kriegerdenkmal Anzac Hill

errichtet, das den Gefallenen des ersten Weltkrieges

gewidmet ist.

Zeltlager mitten in der Australischen Wildnis

Auf unserem Reiseplan war für hier

ein Zeltlager im Outback geplant. Mit

gemischten Gefühlen checkten wir

an der Rezeption ein und waren erleichtert

als wir unser „Zelt“ bezogen.

Am Abend wurde im Hauptgebäude

von dem Verwalter-Ehepaar gegrillt.

Das Essen dauerte mehr als 3 Stunden,

da jedes Gericht sorgsam und

ausführlich erklärt wurde. Mehr als

satt und kulinarisch belehrt schliefen

wir wider Erwarten ausgezeichnet.

Am nächsten Tag gab es, unter der

Führung eines Guides eine Wanderung

durch den Kings Canyon

Mit dem Geländewagen wurden wir

zum Eingang des Canyon gebracht.

Eine Belehrung über die Verhaltensweise

kam nicht nur aus dem Mund

unseres Guides, sondern es machte

auch noch eine Tafel auf die Risiken

aufmerksam.

Ohne Kopfbedeckung und ohne genügend

Trinkwasservorrat wird von

dem Besuch des Tales auf Grund der

hohen Temperaturen abgeraten.

Mit dem Greyhound Bus und später mit einem Geländewagen

fuhren wir 475 km nach Kings Canyon.

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Der Canyon selbst ist von einem

Plateau umgeben, das von interessanten

Felsformationen geprägt ist.

Teilweise ragen die hohen Felswände

über 100 Meter nach oben.

Ein Farbenspiel von rot und gelb bis

weiß beeindruckt die Besucher.

Teilweise steil bergauf führte der

Weg durch die Schlucht und bei gefühlten

40° C war das schon etwas

anstrengend. Aber die gewaltigen

Felsformationen entschädigten uns.

Durch die Felsschlucht zieht sich

der Kings Creek der, jahreszeitlich

abhängig, nicht immer Wasser

führt. Aber an seinem Ende gibt es

ein Wasserloch, komplett von hohen

Felswänden umgeben, wo bereits

die Aborigines das ganze Jahr über

Wasser fanden. Die hohen Felswänden

spenden Schatten und so entstand

ein Mikroklima, in dem viele

grüne Pflanzen wachsen. Bezeichnenderweise

ist der Name Garden of

Eden.

Am Ende des Canyon gibt es einen

Rastplatz mit toller Aussicht. Eine

Weiterwanderung ist untersagt, da

hier die Ureinwohner noch ihre Rituale

und Zeremonien abhalten.

Am nächsten Tag verließen wir Kings

Creek. Unser Koffer wurden mit dem

Quad zur Rezeption gebracht und

die Weiterreise nach Yulara begann.

Felsformationen

die den Aborigine-Kult

leichter

verstehen lassen.

Das Land rund um den Kings Canyon ist die Heimat

und die Kultstätte eines Aborigine-Stamms.

22 23


Ungefähr 300 km beträgt die Entfernung

nach Yulara, international meist

als Ayers Rock Resort bezeichnet.

Unterwegs sind die Raststationen

mit Grilleinrichtungen und ausreichenden

Müllbehältern ausgestattet.

Mit dem Bus zum Ayers Rock Resort

Weltkulturerbe Uluṟu (Ayas Rock)

und zu den Kata Tjuṯa (Olgas) immer

mehr zunahm.

Die Bevölkerung setzt sich zum

großen Teil aus touristischen Saisonarbeitern

zusammen. Nur wenige

Bewohner, wie die Boutique- und

Hoteleigentümer und deren enge

Mitarbeiter leben dauerhaft hier.

nachtungen aus, sind pro Tag ca.

3.300 Touristen hier, die sich auf

zwei Sehenswürdigkeiten aufteilen.

Leider sieht und spürt ein leidenschaftlicher

Fotograf das auch.

Mehr als 20 Reisebusse beim „Sun-

Set Fototermin“ waren Beweis genug.

Als dann noch einige Busse mit

asiatischen Gästen kamen, schafften

die es, den riesigen Monolithen zu-

Die Ansammlung von Hotels und

meist kleinen Verkaufsgeschäften

sind das Herz der Touristensiedlung

mit etwa 1.000 Einwohnern. Sie entstand

1984 als der Tourismus zum chen Verweildauer von zwei Übermindest

teilweise zu verdecken.

Geht man von einer durchschnittli-

24 25


Ein kleiner Teil der Felsenzeichnungen

kann besichtigt werden. Es

gibt Felszeichnungen in mehreren

Höhlen, die diese und jene Legenden

erzählen. Sie wurden im Laufe

der Jahrtausende viele Male immer

wieder durch Übermalen erneuert.

Für die Aborigines gilt der Berg als

heilig.

Der Uluṟu-Kata-Tjuṯa-Nationalpark

früher Ayers-Rock-Nationalpark umfasst

1326 Quadratkilometer. Teil

des Parkes ist der berühmte Felsen

Uluṟu (Ayers Rock) und 40 km westlich

davon die Kata Tjuṯa (Olgas).

Uluṟu ist das bekannteste natürliche

Wahrzeichen Australiens. Dieser

Berg erhebt sich 348 m über die umliegende

Steppenlandschaft.

Die Entstehung der Felsformationen

wurde uns von unserem Guide

erklärt. Ein ehemaliges Binnenmeer

lagerte hier vor vielen Millionen von

Jahren Sandstein in dicken Schichten

ab.

Durch mehrere Überschwemmungsphasen

wurden diese Ablagerungen

an einigen Stellen mehr oder weniger

hart verfestigt. Die Erosion hat

die weniger festen Teile im Laufe der

Jahrtausende abgetragen und der

Ayers Rock und die Olgas sind übriggeblieben.

Die rote bis rostbraune Färbung

dieser Gesteine wird von Hämatit,

einem Eisenoxid, hervorgerufen.

Der Felsen ist also rostig. Die Glätte

stammt von den stetigen Winden in

dieser Gegend.

Der durchschnittliche Niederschlag

liegt hier bei 307 Millimeter im Jahr.

Die Temperatur beträgt 45 °C im

Sommer und etwa −5 °C im Winter.

Wie schon in Alice Springs, hielt

sich das Wetter nicht an die durchschnittlichen

Werte und es regnete

bei uns am Ayers Rock. Die Rinnsale

am Felsen haben hier Seltenheitswert.

26 27


Das Besteigen des Ayers-Rock war auf Grund des Regens

offiziell verboten und die Zugänge waren gesperrt

Am nächsten Tag besichtigten wir

die 50km entfernte Felsformation,

schon von Weitem sichtbar

Die Olgas werden in der Sprache

der Aborigines Kata Tjuta genannt.

Übersetzt heißt das viele Köpfe.

Tatsächlich besteht die Formation

aus 36 Bergen, wobei der höchste

die stattliche Höhe von 1069m

erreicht. Wie der Uluru entstanden

die Olgas vor ca. 550 Millionen

Jahren. Auch sie bestehen aus sedimentären

Sandstein, der durch

die Erosion geformt wurde.

Das Gelände des Nationalparks

befindet sich im Besitz der Anangu

Aborigines. Da laut deren

Mythologie die Kata Tjuṯa mit der

Traumzeit verbunden sind, nutzen

sie den Ort für Rituale. Aus diesem

Grund ist der Zutritt für Touristen

beschränkt.

Vom kleinen Flughafen Yulara nach Cairns an der Ostküste

brauchten wir 3 Stunden

28 29


Cairns ist eine Stadt mit 130.000

Einwohnern im tropischen Nord-Osten.

Aufgrund seiner Nähe zu vielen

Attraktionen ist Cairns ein beliebtes

Reiseziel für ausländische Touristen

geworden und gilt bei vielen Rucksacktouristen

als das Hauptreiseziel

in Australien. Die Strandstraße ist

von Bars und Restaurants gesäumt.

Natürliche Badestrände hat die

Stadt nicht, dafür eine künstliche

Salzwasserlagune. Während der

Öffnungszeiten ist es hier möglich,

unter Aufsicht von Bademeistern zu

schwimmen. Sogar organisierte Fitnessübungen

werden abgehalten.

Am Rande des Freizeitgeländes

gab es Barbeque-Grillplätze zur freien

Benutzung. Diesmal mit Gas betrieben.

Gegenüber der Lagune liegt der

Night Market, auf dem von Montag

bis Freitag (17:00 Uhr bis Mitternacht)

Souvenirs, Massagen und

asiatisches Essen erhältlich sind.

In Cairns herrscht tropisches Klima,

es wird von den feucht-heißen

Monsum-Winden bestimmt. Die

Temperaturen können in der Zeit von

November bis April rund 34 °C erreichen.

In dieser Zeit ist auch die Niederschlagshäufigkeit

am höchsten.

Monatswerte von 500 mm und mehr

sind keine Seltenheit.

Nordwestlich von Cairns

liegt der Daintree-Nationalpark

mit bergigen Regenwäldern,

Schluchten

und Stränden. Benannt ist

der Nationalpark nach dem

australischen Geologen

und Fotografen Richard

Daintree (1832-1878).

Teile des Regenwaldes

können die Besucher ganz

einfach über Holzstege erforschen.

Fächerpalmen,

Farne und Mammutbäume

prägen die Landschaft.

Wir erlebten bei unserem

Ausflug dorthin, eine

spannende und intensive

Einführung in die Geheimnisse

des australischen

Regenwaldes.

Während des australischen

Sommers beherrscht

auch hier die

Regenzeit das Wettergeschehen.

Monsunartige

Schauer sind an der Tagesordnung.

Der Nationalpark umfasst

122.000 Hektar. Er ist rund

135 Mio. Jahre alt und somit

der älteste bekannte

Regenwald der Welt. Er

beherbergt viele tausend

Tier- und Pflanzenarten.

430 verschiedene Vogelarten

haben hier ihre Heimat.

13 davon leben nirgendwo

sonst auf der Erde.

Beim Wandern hörten wir

ständig Geräusche aus

dem Wald. Schon aus

diesem Grund und um

ungestört fotografieren zu

können, hielten wir uns

von unserer Gruppe etwas

entfernt, was unserem

Guide nicht so ganz recht

war. Als Entschädigung für

die Rüge konnten wir aber

schöne Fotos schießen.

Regenwald

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Kuranda ist eine kleine Stadt mitten im

Regenwald. Eine historische Zugstrecke

verbindet den Ort mit Cairns, das ca.

30km entfernt ist.

Der Bau der Eisenbahn wurde 1891 abgeschlossen.

Die Bahn führt in eine Höhe

von 380m über den Meeresspiegel und

wurde am Anfang von den Goldsuchern

und Holzfällern benutzt. Die Kuranda

Scenic Railway fährt vom Bahnhof Cairns

etwas weniger als 2 Stunden bis zum

Bahnhof Kuranda. Die Strecke ist seit

dem Bau unverändert.

Wie schon erwähnt, ist der Zug eine

Stunde und 45 Minuten unterwegs. Das

ist aber zum Teil der zwei Zwischenstopps

geschuldet, die jeweils mehr als

15 Minuten betragen.

Die Aussicht auf den Regenwald und den

Barron Wasserfall berechtigen aber die

zwei Pausen durchaus.

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Die Bahnstrecke ist malerisch an die

Topografie angeglichen. Durch unzählige

Tunnel und über zahlreiche

Brücken fährt die Bahn gemütlich

bergauf.

Besonders die Station beim Barron

Wasserfall ist zur Regenzeit ein besonderer

Höhepunkt. Dann schießen

riesige Wassermengen aus einer

Höhe von über 250m in die Tiefe.

Bei uns gab es leider wesentlich weniger

Wasser.

Das Wasser rinnt in den Barron River,

der dann bei Cairns ins Meer

mündet. Der Namensgeber war ein

Polizeichef in Cairns um 1880.

Kuranda ist Ausflugsziel für Touristen

und einheimische Urlauber. Der

Touristenort, 1885 gegründet, zählt

heute 1600 Einwohner.

Lange Zeit war Kuranda bei Hochzeitpaaren

in den Flitterwochen beliebt,

bis andere Highlights mit mehr

Action das Rennen machten.

In den 70er Jahren gab es auch eine Hippiekommune

hier. Heute erinnert noch

ein Stadtteil mit kleinen Cafés, Kunsthandwerksboutiquen,

Friseur- und Massagesalons

an die damalige Epoche.

Kuranda und der Barron Wasserfall

Besonders ins Herz geschlossen hatten

wir das Petit Café. Das kleine Café wurde

von einem jungen netten Paar betrieben

und die Crêpes mit Eis und Früchten

hatten nicht nur ein sehr gutes Preis -

Leistungsverhältnis sondern schmeckten

auch ausgezeichnet.

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Die Skyrail oder Rainforst Cableway

ist eine 7,5 km lange Umlauf-Seilbahn,

die von Cairns nach Kuranda

führt. Die Strecke verläuft durch den

tropischen Regenwald, wobei die

6-Personen-Gondeln nur wenige Meter

über den Baumwipfeln schweben.

Die Fahrt dauert 1,5 Stunden. Bei

zwei Zwischenstationen kann man

ein- und aussteigen. Die Unterbrechung

der Fahrt ist kein Problem. Jederzeit

ist das Weiterfahren möglich.

Die Bahn wurde 1995 eröffnet und

hat heute 114 Gondeln.

Es war sehr gut gewählt, dass wir mit

dem Zug nach oben gefahren sind

und mit der Gondel nach unten. Die

beiden sehr unterschiedlichen Routen-Eindrücke

vergisst man nicht.

Die Gondelbahn endet in Smithfield

und von der Endstation zum Tjapukai

Aboriginal Cultural Park sind es nur

wenige Schritte.

Im Aborigine Kulturcenter konnten

wir die 40.000 Jahre alte Geschichte

und Traditionen der Ureinwohner

kennen lernen. Die Tjapukai oder

„Regenwaldmenschen“ sind die ursprünglichen

Bewohner des Landes,

auf dem der Park errichtet wurde.

Beim Eingang erhielten wir ein Programm,

auf den die Zeiten für die einzelnen

Präsentationen vermerkt waren.

Es gab z.B.: Jagdvorführungen

mit Einbeziehung des Publikums.

Interessierte lernten, wie ein Speer

richtig geworfen wird, welche Werkzeuge

schon vor vielen tausenden

von Jahren verwendet wurden und

wie die Wohngelegenheiten ausgestattet

waren.

Im Freilufttheater wurden traditionelle

Tänze und Didgeridoo-Musik

präsentiert. Ein Kinderprogramm mit

Bumerang werfen und Verkostung

von traditionellen Lebensmitteln gab

es auch. Die seriöse Präsentation ermöglichte

es uns, die Auswirkungen

der modernen Gesellschaft auf die

indigene Kultur zu studieren.

Als Abschluss gab es die Möglichkeit

am Buffet eine Jause einzunehmen

oder die Kunsthandwerke der

Aborigine käuflich zu erwerben. Die

Darsteller standen für Gespräche die

ganze Zeit zur Verfügung.

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Hartley Krokodilfarm

Bei der Vorführung auf der Farm

wurde die Fütterung der Krokodile

publikumswirksam inszeniert.

Der Tierhüter erklärte uns, dass es

notwendig sei, die Tiere durch diese

Methode in Bewegung zu halten.

Für uns Zuschauer ist diese Fütterung

und die Nähe zu den Tieren natürlich

spektakulär. Die Farm besteht

aber nicht nur aus den Show-Effekten

sondern hat auch einen kommerziellen

Hintergrund.

In der Farm werden Krokodile gewerbsmäßig

gezüchtet und dann an

Tierparks geliefert.

Nach der Führung haben wir uns auf

dem Gelände etwas umgesehen und

bemerkt, dass die Kängurus nicht

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Känguru und Emu

Wappen-Tiere

in Australien

einmal eingesperrt waren, sondern

überall auf dem Gelände frei herum

streunen konnten.

Sie ließen sich streicheln und füttern.

Fotos wurden gemacht und die

Erklärungen der Farm-Mitarbeiter

fanden nur wenige Zuhörer.

Kängurus sind die bekanntesten

Vertreter der Familie der Beuteltiere.

Sie sind Pflanzenfresser und

in freier Wildbahn sieht man sie

in der Dämmerung und Nachts.

Über 60 verschiedene Arten gibt

es in ihrem Verbreitungsgebiet

Australien mit den Inseln und in Neuguinea.

Die Tiere können sich auf zwei verschiedenen

Arten fortbewegen. Bei

höherem Tempo springen sie nur

auf den Hinterbeinen, der Schwanz

bleibt in der Luft. Er dient zur Balance.

Sie können kurzzeitig bis zu

50 km/h schnell springen. Bei langsamer

Gangart werden die langen

Hinterbeine, die kurzen Vorderpfoten

und der Schwanz verwendet.

Die Jungtiere bleiben 6 Monate im

Mutterbeutel.

Auf der Farm sahen wir auch noch

einen zahmen Dingo und mehrere

Emus. Der große flugunfähige Vogel

ist nach dem afrikanischen Strauß

der zweitgrößte Laufvogel.

Üblicherweise ist der Hafen das Tor

zum Great Barrier Reef für die Taucher.

Dieses Mal hatten wir ganz bewusst

darauf verzichtet. Ich war im

Jahr 1989 schon einmal hier.

Wir waren im Rahmen einer Quicksilver-Bootstour

7 Stunden unterwegs

- zwei Tauchgänge inklusive.

Diese beiden Tauchgänge waren

das absolutes Negativ-Erlebnis meiner

langjährigen Unterwassererfahrung.

Maximale Tiefe 10m, Dauer 30

Minuten, stressiger Tauchguide und

nichts gesehen. Preis p.P. € 160,00

Wir nahmen Abschied von Cairns

und den Abenteuern die wir rund um

diese Stadt erleben durften. Unser

Ziel war Sydney.

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Die Blue Mountains sind eine 90-minütige

Fahrt von Sydney entfernt und

leicht mit dem Auto erreichbar.

Die Region verdankt ihren Namen

dem allgegenwärtigen blauen Dunstschleier,

der durch das Zusammenspiel

von aufsteigenden ätherischen

Eukalyptusbaum-Ölen und dem

Sonnenlicht entsteht.

Die eindrucksvolle Landschaft umfasst

steile Felswände, Eukalyptuswälder,

Wasserfälle und vieles mehr.

Geologisch handelt es sich bei

den Blue Mountains um ein Sandstein-Plateau,

in das die Flüsse tiefe

Täler gegraben haben.

Im 19. Jahrhundert gab es hier einige

Kohle-Bergbau-Minen.

Scenic Skyway ist eine Seilbahn mit

Glasboden, die bei der Fahrt über

eine Schlucht einen Ausblick auf die

Three Sisters ermöglicht.

Weit aufregender war eine Fahrt mit

der steilsten Zahnradbahn der Welt.

Auf den Spuren der früheren Bergleute,

die mit der Bahn sich selbst und

die Kohle zum Talgrund transportierten,

erlebten wir eine rasante Fahrt.

Wir hatten Glück und konnten Kängurus

beim Grasen und einen seltenen

Eisvogel beobachten. Da zeigte

sich wieder einmal, dass eine kleine

Gruppe mehr sieht und erleben kann.

Wir waren inklusive Guide nur zu dritt.

Unser Guide war ein, nach Australien

ausgewanderter Holländer.

Wieder in Sydney angekommen

checkten wir auf dem Kreuzfahrtschiff

Rhapsody of the Seas ein und umrundeten

Neuseeland.

Aber das ist eine andere Geschichte.

Blue Mountains

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Australien - ein anderes Land

Nirgendwo auf der Erde gibt es diese

Einheit noch einmal: Australien ist ein

Erdteil und zugleich ein einziger Staat

mit nur einer Nation. Für den Europäer

ist dort alles ganz anders. Nicht

etwa, weil Weihnachten im Sommer

gefeiert wird und Ptingsten in den

Winter fällt - das trifft auf alle Länder

südlich des Äquators zu. Fremdartiger

als in der übrigen Welt sind seine

Pflanzen und Tiere; da zeigt sich viel

erdgeschichtliche Vergangenheit.

Vergangenheit

Aber ohne lange Vergangenheit ist

die australische Nation noch nicht

zwei Jahrhunderte alt. Deswegen

fehlen Ruinen, Burgen und Schlösser,

es gibt keine romantischen Kleinstädte

mit verwinkelten Gassen und

alten Patrizierhäusern, aber es gibt

auch kaum Elendsviertel und Proletariat.

Die Australier kennen keine

Standesdünkel, keine Klassenunterschiede,

weder nichts tuende Reiche

noch Bettler. Sie dulden nicht die Verzahnung

von Verwaltung und privaten

Geschäftsinteressen und sie haben

eine umfassende staatliche Sozialfürsorge

geschaffen. Zuallererst aber

sind sie absolute Demokraten und

Individualisten und fühlen sich noch

immer als die Enkel jener Pioniere,

die dieses Land kolonisiert und an

seiner Gesetzgebung selber maßgebend

mitgewirkt haben. Als im Zweiten

Weltkrieg vorsorglich die Lebensmittelrationierung

vorbereitet werden

sollte, ließen sich viele Australier

nicht in den Einwohnerlisten registrieren,

weil es niemanden etwas angeht,

wie ich heiße, was ich tue und wo ich

wohne.

Ausdehnung

Wie nun sieht dieses Land aus, das

die Einwanderer vorfanden und sich

untertan gemacht haben? Unter den

Kontinenten ist Australien zwar der

kleinste, doch würden alle europäischen

Staaten auf seiner Landfläche

anderthalbmal Platz finden. Aber neben

Afrika ist es von allen Erdteilen

am wenigsten gegliedert. Das Kartenbild

gleicht einem massigen, plumpen

Oval. Von der Ost- zur Westküste beträgt

die Ausdehnung 4100 km, von

der Nord- zur Südspitze 3200 km.

Die Ost- und die Südostküste verfügen

über gute natürliche Häfen. Hier

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befindet sich praktisch der Eingang

zum Kontinent, und hier lebt heute

auch mehr als die Hälfte der australischen

Bevölkerung. Etwas benachteiligt

ist lediglich der nördliche Teil

durch das vorgelagerte klippenreiche

Korallenmeer mit dem 2000 km

langen Großen Barriereriff. Von der

Kap-York Halbinsel bis nördlich von

Brisbane begleitet es die Küste in einer

Entfernung von 16 bis 240 km wie

ein breiter Wall. Insgesamt umfaßt

das Riff eine Meeresfläche von über

128.000 km². Es ist übersät mit mehr

als 6.000 Koralleninseln - bei Ebbe

ein Meeresgarten von unbeschreiblicher

Farbenpracht.

Ureinwohner

Die australischen Ureinwohner,

Aborigines genannt, erinnern durch

die niedere Stirn mit dem Knochenwulst

über den Augen an die Hominiden.

Sie gewannen ihre Nahrung

durch Sammeln, Jagen und Fischen.

Als Werkzeuge dienten Geräte aus

Stein, Muschelschalen und Knochen.

Nach Aussehen und Gebräuchen

kann man ungefähr 500 Stämme mit

eigener Sprache unterscheiden. Um

1800 gab es 300.000 dieser Ureinwohner,

heute sind es noch 50.000.

Die weißen Siedler hatten keinerlei

Verständnis für die Aborigines und

vertrieben oder vernichteten sie.

Heute lebt ein großer Teil in staatlich

überwachten Reservaten. Nur wenige

Aborigines schaffen es in der von

weißen dominierten Kultur- und Wirtschaftsszene

Fuß zu fassen, sehr

zum Unterschied zu den Natives, den

im Lande geborenen Weißen

Schafzucht

Durch den hohen Anteil an Naturweiden

ist die Viehzucht bedeutender als

der Ackerbau. Vor allem den Schafen

verdankt Australien seinen Wohlstand.

Hauptgebiete für die Schafhaltung

(besonders Merinoschafe) sind

östliches und westliches Australien,

vor allem Neusüdwales. Seit Beginn

des 19. Jh. hat der Schafbestand sich

enorm erhöht. Problematisch für die

Zucht sind die alle paar Jahre auftretenden

Dürrezeiten, die die Herden

stark dezimieren. Zu den australischen

Wollauktionen kommen Einkäufer

aus aller Welt, denn die Schafe

Australiens liefern etwa zwei Fünftel

des Rohwolleaufkommens der Welt.

Eine Herde umfasst 1.500 bis 50.000

Tiere. Während der Schurzeit fliegen

hochbezahlte Schafschererkolonnen

von Farm zu Farm, wo sie die Tiere

mit außerordentlicher Geschicklichkeit

von ihrem Pelzkleid befreien. Die

Wichtigkeit der Schafe für die Wirtschaft

des Landes wird durch besondere

Veranstaltungen unterstrichen,

wo die Tiere im Mittelpunkt stehen.

Einwanderer

Bis zum Ersten Weltkrieg nahm Australien

in der Hauptsache nur britische

Einwanderer auf, und man war sehr

stolz darauf, eine einheitliche australische

Nation zu sein. Weiß wollte

man bleiben und nur britisch. Die tiefe

Abneigung des Durchschnittsengländers

gegenüber dem kontinentalen

Europa hatte sich erhalten, und die

Idee, Europäer verschiedener Nationalität

nach amerikanischem Beispiel

als Einwanderer zuzulassen, war lange

Zeit überhaupt nicht diskutierbar.

Privat und im Geschäftsleben trifft

man noch heute oft auf die peinliche

Unterscheidung zwischen Australiern

und Ausländern, amtlich gemildert zu

Neuaustraliern.

Die Hälfte der Bevölkerung hat heute

zu der harten Vergangenheit keine

Bindung mehr, weder die jüngste Generation

der Australier, die behaglich

inmitten einer geborgenen Umwelt

aufwächst und die Annehmlichkeiten

eines leichteren Lebens als selbstverständlich

empfindet, noch die Millionen

Ausländer, die kaum merklich

neue Schattierungen in Sitten und

Gebräuche und in die gesellschaftliche

Haltung einfließen lassen. Die

Ära der Siedler geht zu Ende. Mit der

Industrialisierung hat auch für Australien

eine neue Zukunft bereits begonnen.

Auszüge aus der Bertelsmann Lexikonthek

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