AQUANAUT next generation - SUDAN, Best of RED SEA

Tauchtraeume

Sudan, best of Red Sea, Guadeloupe, Norwegen

[Reise]

Was bis vor wenigen Jahren noch kaum einer geahnt

hatte, wurde jetzt von der Wissenschaft bestätigt:

Von der Biomasse her können die Heringsschwärme

Nordnorwegens locker mit dem Sardine Run in Südafrika

mithalten. Und dieses riesige Nahrungsangebot ist es auch,

was seit jeher Orcas und Buckelwale anlockt. Die mächtigen

Meeressäuger kommen aus der Arktis und erreichen ihr Ziel

zumeist Anfang November.

Nach intensiver Recherche finden wir heraus, dass sich im

letzten Jahr neue riesige Heringsschwärme in den Fjorden

vor der Insel Skjervøy gebildet hatten – 450 km nördlich des

Polarkreises, was der geographischen Breite von Nord-Alaska

entspricht. Im Zuge des Klimawandels und der Erwärmung

der Meere selbst hier in Norwegen waren sie von den Fjorden

von Tromvik bzw. Tromsoe, wo man sie 5 Jahre lang antreffen

konnte, weiter gen Norden gezogen.

Am richtigen Fleck

Im Herzen des nördlichen Teils der Provinz Troms liegt umgeben

von alpin anmutenden Bergen und tiefen Fjorden

Skjervøy. Skjervøy ist Insel und Kommune zugleich – ein

typischer Fischerort, in dem die Meeresfrüchteindustrie,

Fischzucht und Aquakultur die Haupterwerbszweige darstellen.

Berühmt wurde Skjervøy als erste Anlaufstelle des

Expeditionsschiffes „Fram“ des Polarforschers Fridtjof Nansen.

Nach drei langen Jahren Expedition zum Nordpol landete

er dort auf seiner Rückkehr 1896 an.

Als Naturliebhaber, der pures Wildlife erleben will, ist man

dort auch heute noch am richtigen Ort. Anfang November

sind die Lichtverhältnisse noch gut. Es gibt etwa sechs Stunden

Tageslicht. Schon drei Wochen später sieht dies ganz

anders aus. Dann ist der Tag drei Stunden kürzer. Und ab

Ende November zeigt sich die Sonne gar nicht mehr, und die

Polarnacht beginnt. Wir wählen also einen relativ frühen

Zeitpunkt für unsere Reise - wohl ahnend, dass vielleicht

noch nicht so viele Wale vor Ort sind. Beim Fotografieren ist

aber nun mal das Licht der entscheidende Faktor.

Wer nun denkt, man fährt nach Nordnorwegen und hat dort

garantiert das ultimative Wal-Erlebnis, der liegt falsch.

Schon 2015 hatte ich es einmal versucht und musste frustriert

feststellen, dass zahlreiche Faktoren zusammen passen

müssen, damit ein Unterwasserfoto-Enthusiast wie ich

anschliessend zufrieden nach Hause fahren kann. Viele Fotografen

hatten es bis dahin über Jahre hinweg probiert,

aber noch nie das Glück gehabt, perfekte Bedingungen vorzufinden.

Aber wie sagt das Sprichwort? Wirklich „Aufgeben“

tut man nur eine Postkarte…

106 Aquanaut next generation 1l2019

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