AQUANAUT next generation - SUDAN, Best of RED SEA

Tauchtraeume

Sudan, best of Red Sea, Guadeloupe, Norwegen

[Sudan-Special]

Reine Nervensache:

Das

Vordringen

bis in den

Maschinenraum

der

Umbria bleibt

den Profis

vorbehalten

testen Wracks der Erde: Die „Umbria“. Schon in den Anfängen

der Sporttaucherei war dieser 155m lange ehemalige

Frachter ein begehrtes Ziel für Abenteurer. Somit war es

auch kein geringerer als der berühmte österreichische Naturforscher

Hans Hass, der hier 1949 auf seiner legendären

Xarifa-Expedition als Erster seine Bahnen zog. In Erinnerung

an diese Pionierleistung konnten sich Hans Hass und seine

Frau Lotte auf einer Revival-Tour im Jahr 2007 nochmals ein

Bild von den Veränderungen an Bord machen.

Und wie präsentiert sich die Umbria heute? Immer noch

weitgehend unversehrt liegt das Wrack auf der Backbordseite

in einer gut betauchbaren Tiefe zwischen 38 und 0 Metern

und stets bevölkert von unzähligen überhaupt nicht scheuen

Fischen. Auch fast 80 Jahre nach ihrem Untergang kann

man in den offenen Frachträumen die Überreste ihrer Ladung

besichtigen: Unzählige Rotweinflaschen, mehrere gepanzerte

FIAT-1100 Lunga-PKW und vor allem 360.000 Bomben,

die für die italienischen Truppen in Ostafrika bestimmt

waren, diese aber nie erreichen sollten.

Aufgrund der Hafennähe ist die Sicht wie üblich nicht berauschend.

Dennoch ist der Stahlriese alleine schon aufgrund

seiner Historie, seiner Ladung und seiner schieren

Grösse immer noch DAS Highlight im Roten Meer. Auch anspruchsvolle

Fotografen finden hier tolle Perspektiven ohne

Ende, sodass man hier auch seinen gesamten Tauchurlaub

verbringen könnte.

Tief im Inneren steuern wir über einen kaum bekannten

Pfad hinein in den Maschinenraum, der immer noch in Teilen

erhalten ist. Welch ein Erlebnis hier vor den Instrumenten

und Gerätschaften zu verweilen und sich dabei gedanklich

in die Zeit des Untergangs zurückzuversetzen. Weniger

pietätvolle Zeitgenossen sind bei diesem Anblick aufgrund

der hohen Rohstoffpreise schon auf ganze andere Gedanken

gekommen…

Als Fazit dieses denkwürdigen Tauchgangs stellen wir erfreut

fest, dass die Umbria immer noch ein wunderschön bewachsenes

künstliches Riff darstellt, an dem sich seine zahlreichen

Fisch-Bewohner gerne als Unterwasserfotomodels

üben.

NICHTS IST UNMÖGLICH...

Nach einer Kollision mit dem Riff war die „Blue Belt“ am

6. Dezember 1977 am Shaab Suedi gesunken. Bei der Havarie

war eine ganze Reihe von Fahrzeugen der japanischen

Marke Toyota aus dem Frachtschiff heraus gepurzelt, was

dem versunkenen Pott den Namen „Toyota Wrack“ einbrachte.

„Nichts ist unmöglich“, mögen sich die Taucher der folgenden

30 Jahre gedacht haben, die das bemerkenswerte

Wrack gerne angesteuert haben – allerdings nur bei optimalen

Wetterbedingungen. Eine auf hoher See eher ungewöhnliche

LKW-Achse oben auf dem Riffdach wies und weist auch

heute noch den Weg. Allerdings hat sich das mächtige

Wrack, das lange kieloben zwischen 15 und 80 Meter Tiefe

auf dem schrägen Riffhang wie festgenagelt schien, in einem

Sturm eines Besseren besonnen und in unerreichbare

Tiefen verabschiedet. Vorbei also die von mir und ungezählten

anderen Tauchern so gerne genutzte Möglichkeit mittschiffs

in etwa 40 Metern Tiefe unter dem Wrack hindurch zu

tauchen und dort auch gleich dem hier lebenden XXXL-

Zacki artig guten Tag zu sagen.

Was man heute noch vor Ort findet, sind die Fahrgestelle

und andere Überreste der Autos und Lastkraftwagen, die

einst unmittelbar neben dem Wrack standen. Welch ein

ungewöhnlicher Schrottplatz – mit Garantie für ebenso ungewöhnliche

Begegnungen! Das Lenkrad eines schweren

LKW lädt mich immer noch zu einer Probefahrt – sässe dort

nicht bereits ein Rotfeuerfisch auf dem Fahrersitz. Hinter

den letzten Resten einer Pkw-Stoßstange lebt eine wenig

vertrauenserweckende Riesenmuräne. Und aus den Ballonreifen

eines Bulldozers wachsen gigantische rote Weichkorallen.

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