AQUANAUT next generation - SUDAN, Best of RED SEA

Tauchtraeume

Sudan, best of Red Sea, Guadeloupe, Norwegen

[Sudan-Special]

SUDAN UND DER RED SEA STATE:

Ali Ahmed

Hamid Ali:

Audienz

beim Red

Sea State

Gouverneur

Das Ablichten von strategischen und

militärischen Örtlichkeiten ist im

Sudan strengstens verboten – was bis

in jüngere Vergangenheit auch für den

Hafen von Port Sudan galt. Heute

kräht hier kein Hahn mehr über ein von

den Kreuzfahrtschiffen geschossenes

Bild. Auch das Fotografieren von Sudanesen

konnte noch vor wenigen Jahren

zu grossen Schwierigkeiten führen.

Heute ist’s den meisten Sudanesen vollkommen

egal. Wer nicht mit seiner

Ablichtung einverstanden ist, bekundet

dies mit einer unmissverständlichen

Geste. Junge Sudanesinnen nehmen es

auch mit den Kleidervorschriften nicht

mehr so genau. Ergebnis der lockeren

Gesetzesauslegung: Das Kopftuch zu

weit nach hinten verschoben und die

Haare deutlich sichtbar. Auch der Autor

dieses Berichts wird bei der Einreisekontrolle

mit der neuen Koketterie konfrontiert:

„Auf Deinem Passbild hattest

Du aber noch schwarze Haare“…

Jahrzehntelang tobte an den Südgrenzen

ein blutiger Bürgerkrieg mit mehr

als 3 Millionen Toten. Diesem folgte

nahtlos die Krise Darfur im Westen des

Landes. Heute sind beide Hotspots der

internationalen Presse nur mehr selten

ein paar Zeilen wert. An den touristisch

frequentierten Regionen rund um Port

Sudan waren allerdings auch noch nie

Auswirkungen dieser Konflikte spürbar.

Schliesslich liegt die Hafenstadt vom

Süden und Westen des Landes weiter

entfernt als Ex-Jugoslawien von

Deutschland. Durch die in jüngster Zeit

eingeläuteten Liberalisierungstendenzen

und die Zurückdrängung des einst

allmächtigen Bürokratismus nimmt der

Tourismus inzwischen deutlich an Fahrt

auf – selbst wenn der Präsident Al-Baschir

nach wie vor per internationalem

Haftbefehl gesucht wird. Alle einstigen

Probleme scheinen mittlerweile ganz

weit entfernt vom Red Sea State, wie

sich die Küstenprovinz nennt, deren

Hauptstadt Port Sudan ist. In 2017

wurden sogar die Wirtschaftssanktionen

der USA aufgehoben. Nun können

die Touristen also kommen. 2017 waren

es bereits 5600 und damit deutlich

mehr als die 3–4000, die es noch vor

wenigen Jahren anreisten. Beinahe alle

kommen sie hier her, um sich im sudanesischen

Teil des Roten Meeres unter

Wasser umzusehen – abseits der ägyptischen

Massen.

Ali Ahmed Hamid, der Gouverneur

vom Red Sea State freut sich über den

positiven Schwung. Nun gilt es „nur“

noch die einstmals von nubischen Herrschern

erbauten Pyramiden entlang

des Nils den interessierten Travellern ins

Bewusstsein zu rücken. In al-Kurru, in

Nuri, in Meroe oder beim Jebel Barkal.

Personenfotos

waren

einst absolut

tabu. Heute

freuen sich

die Menschen

im

Sudan über

das Interesse

der Gäste

64 Aquanaut next generation 1l2019

Weitere Magazine dieses Users