Johann Nestroy Ring der Stadt Bad Ischl für Erni Mangold 2015

schodterer

DER JOHANN NESTROY RING DER STADT BAD ISCHL für ERNI MANGOLD Mit Erni Mangold erhält 2015 eine ausgesprochen vielseitige und beliebte Künstlerpersönlichkeit den Johann-Nestroy-Ring der Stadt Bad Ischl: Sie hat als Theater- und Filmschauspielerin unbestritten jene „außerordentlichen und herausragenden Leistungen im Geiste von Johann Nestroy“ erbracht, die laut Verleihungsstatuten Voraussetzung für die Zuerkennung des Nestroy-Rings sind. Und zu meiner besonderen Freude: Die Auszeichnung geht erstmals, seit sie Bad Ischl verleiht, an eine Frau! Seit dem Jahr 2005 führt die Stadtgemeinde Bad Ischl in Zusammenarbeit mit der Internationalen Johann Nestroy-Gesellschaft die Tradition der Verleihung des Nestroy-Rings fort. Als damals der erste Ring aus Bad Ischl an Erwin Steinhauer verliehen wurde, wussten viele Bad Ischlerinnen und Bad Ischler noch nicht, welche besondere und vielfältige Beziehung die Stadt zum großen österreichischen Schriftsteller und Schauspieler hat. Durch die Verleihung dieser besonderen Auszeichnung durch die Stadt Bad Ischl, die nunmehr zum siebten Mal hier in Bad Ischl erfolgt, ist es gelungen die Kaiser- und Kulturstadt auch zu einer Nestroystadt zu machen. Vor dem „Lehár-Theater“, in dem Nestroy auf der Bühne gestanden oder als Zuschauer bei Theateraufführungen in einer der Logen Platz genommen hat, steht heute eine Büste, die an ihn und sein Leben in Bad Ischl erinnert. Genauso übrigens, wie jene Villa am Nestroyweg, die Johann Nestroy, dessen Aufenthalte in Ischl bereits seit 1845 belegt sind, 1859 kaufte und rund um die er einen großzügigen Garten anlegte. Die ehemalige „Kaiser Franz Josef Knabenbürgerschule“ ist heute eine Neue Mittelschule und trägt den Namen „Johann Nestroy Schule“. Vielleicht auch, um mit Augenzwinkern an dessen Werk „Die schlimmen Buben in der Schule“ zu erinnern. Erwin Steinhauer, Karlheinz Hackl, Peter Turrini, Karl Markovics, Nicholas Ofczarek und Michael Niavarani konnten bereits ihren Nestroy-Ring im historischen Ambiente des „Lehár-Theaters“ entgegennehmen.

Johann-Nestroy-Ring

DER STADT BAD ISCHL

2015

© Fotos: Ring – Wolfgang Stadler / Prof. Erni Mangold – Josef Gallauer

Erni Mangold


JOHANN-NESTROY-RING

DER STADT BAD ISCHL

Der Nestroy-Ring der Stadt Bad Ischl und seine Trägerin

Mit Erni Mangold erhält heuer eine ausgesprochen vielseitige und beliebte

Künstlerpersönlichkeit den Johann-Nestroy-Ring der Stadt Bad Ischl: Sie hat

als Theater- und Filmschauspielerin unbestritten jene „außerordentlichen

und herausragenden Leistungen im Geiste von Johann Nestroy“ erbracht,

die laut Verleihungsstatuten Voraussetzung für die Zuerkennung des Nestroy-Rings

sind. Und zu meiner besonderen Freude: Die Auszeichnung geht

erstmals, seit sie Bad Ischl verleiht, an eine Frau!

Seit dem Jahr 2005 führt die Stadtgemeinde Bad Ischl in Zusammenarbeit

mit der Internationalen Johann Nestroy-Gesellschaft die Tradition der Verleihung

des Nestroy-Rings fort. Als damals der erste Ring aus Bad Ischl an

Erwin Steinhauer verliehen wurde, wussten viele Bad Ischlerinnen und Bad

Ischler noch nicht, welche besondere und vielfältige Beziehung die Stadt

zum großen österreichischen Schriftsteller und Schauspieler hat. Durch die

Verleihung dieser besonderen Auszeichnung durch die Stadt Bad Ischl, die

nunmehr zum siebten Mal hier in Bad Ischl erfolgt, ist es gelungen die Kaiser-

und Kulturstadt auch zu einer Nestroystadt zu machen.

Vor dem „Lehár-Theater“, in dem Nestroy auf der Bühne gestanden oder als

Zuschauer bei Theateraufführungen in einer der Logen Platz genommen

hat, steht heute eine Büste, die an ihn und sein Leben in Bad Ischl erinnert.

Genauso übrigens, wie jene Villa am Nestroyweg, die Johann Nestroy, dessen

Aufenthalte in Ischl bereits seit 1845 belegt sind, 1859 kaufte und rund

um die er einen großzügigen Garten anlegte.

Die ehemalige „Kaiser Franz Josef Knabenbürgerschule“ ist heute eine

Neue Mittelschule und trägt den Namen „Johann Nestroy Schule“. Vielleicht

auch, um mit Augenzwinkern an dessen Werk „Die schlimmen Buben in der

Schule“ zu erinnern.

Erwin Steinhauer, Karlheinz Hackl, Peter Turrini, Karl Markovics, Nicholas Ofczarek

und Michael Niavarani konnten bereits ihren Nestroy-Ring im historischen

Ambiente des „Lehár-Theaters“ entgegennehmen. Am 25. Juni ist es Frau

Prof. Erni Mangold, für die Michael Schottenberg die Laudatio halten wird.

In diesem Sinne bedanke ich mich bei Erni Mangold für ihre satirisch kritische,

phantasievolle künstlerische Auseinandersetzung mit den gesellschaftlichen

Anliegen unserer Zeit, die Voraussetzung für die Verleihung des

Nestroy-Rings sind, und gratuliere ihr auf das Herzlichste zum Johann-Nestroy-Ring

der Stadt Bad Ischl!

Hannes Heide – Bürgermeister der Stadt Bad Ischl


Bedeutungsvolle Ehrung großer Persönlichkeiten

Erni Mangold wird damit Teil einer langen Reihe großer Persönlichkeiten

wie Helmut Qualtinger, Leopold Lindtberg, Gustav

Manker, Hans Weigel, Gerhard Bronner, Alexander Steinbrecher,

Peter Wehle, Axel von Ambesser, Otto Basil, Elfriede Ott, Attila

und Paul Hörbiger, Herbert Lederer, Lukas Resetarits, Werner

Schneyder, Robert Löffler, Kurt Sowinetz, Hans Kann, Heinz Petters,

Lore Krainer, Fritz Muliar, Josef Meinrad, Erich Sokol, Inge Konradi,

Christine Nöstlinger, Trude Marzik, Manfred Deix, Dolores

Schmidinger, Helmuth Lohner, Hilde Sochor, Norbert Pawlicki,

Karl Paryla, Karl Schuster, Houchang Allahyari, Otto Schenk,

Gusti Wolf, Heli Deinboek, Robert Meyer, Roland Neuwirth,

Elizabeth T. Spira, Peter Gruber, Marianne Mendt, Willi Resetarits,

Otto Tausig, Brigitte Swoboda, H. C. Artmann, Louise Martini,

Susi Nicoletti, Gertraud Jesserer, Paul Angerer, Reinhard

Tramontana, Christine Ostermayer, Josef Hader, Gustav Peichl,

Erwin Steinhauer, Karlheinz Hackl, Karl Markovics, Nicholas Ofczarek

und Michael Niavarani.

Sie alle sind Träger des Johann-Nestroy-Ringes, der - von der

Internationalen Nestroygesellschaft verliehen – von 1976 bis

1999 von der Stadt Wien zur Verfügung gestellt wurde. Seit 2005

wird er von der Stadt Bad Ischl in Auftrag gegeben, zum Gedenken

an Johann Nestroy, der viele Sommer in seiner Ischler

Villa lebte und viel Zeit im Lehár-Theater sowohl als Gast im

Publikum als auch als Darsteller auf der Bühne verbrachte.

Die Stadt Bad Ischl, die den Nestroy-Ring als Auftraggeber von

der Internationalen Nestroygesellschaft zugesprochen bekam,

beauftragte den Ischler Goldschmied Gerold Schodterer, ein

neues Konzept zu entwickeln, das der Bedeutung dieses Preises

gerecht wird. Sein Entwurf stellt eine Verbindung zwischen

dem Genie Nestroys, der Stadt Bad Ischl, den Verleihungskriterien,

dem jeweiligen Preisträger, dessen Persönlichkeit und

dessen künstlerischem Anliegen her.

Bedeutungsvolle Ehrung großer Persönlichkeiten

Fotos: Wolfgang Stadler / Walter Zemlicka / Gerhard Flohberger


KONZEPTION und GESTALTUNG

Gestalt ist mehr als die Summer der einzelnen Teile

Die Zahl 5 spielt im Konzept für den Johann-Nestroy-Ring

eine tragende und verbindende Rolle. 5 Kriterien werden

von der Jury als Grundlage für die Verleihung des Ehrenringes

herangezogen.

• Pflege von Nestroys Erbe

• Höchste künstlerische Ebene

• Zeitkritik

• Satire

• Phantasie

Das Werk Nestroys ruht auf den 5 Säulen seiner Begabungen.

Diese 5 Säulen bilden den Johann-Nestroy-Ring und

verbinden sein Werk, die Stadt Bad Ischl und die Kriterien,

die zur Wahl des Johann-Nestroy-Ring-Trägers führen.

• Lehrtätigkeit

• Schauspiel

• Gesang

• Komik

• Dichtkunst

I nstruktion

S chauspiel

C ouplets

H umor

L yrik


Die Welt des Johann Nestroy war die Bühne

So schwebt über dem Ring eine Bühne, auf der die jeweilige

Johann-Nestroy-Ring-Trägerin/der jeweilige Johann-Nestroy-

Ring-Träger auftritt. Form und Gestaltung der Bühne werden

individuell auf auf die jeweilige Persönlichkeit abgestimmt.

Unter der Bühne wirkt „Nestroys Geist“

Johann Nestroy, der es wie kein anderer verstand, den Menschen

seiner Zeit einen Spiegel vorzuhalten, der im Laufe der

Jahre nichts an Klarheit eingebüßt hat, gibt sich im Ring durch

den Spiegel zu erkennen.

Dieser Spiegel durchdringt aber auch die Bühne, wird an der

Oberfläche sichtbar und stellt so den Bezug zwischen Nestroys

Vermächtnis und der Künsterlin/dem Künstler und Ehrenring-

Trägerin/Träger her.

Die außergewöhnliche und bizarre Formensprache des

Johann-Nestroy-Rings, mit seiner „schwebenden” Bühne,

unterstreicht die für Johann Nestroy so typische Ausdrucksweise

und nimmt Bezug auf seine unvergleichlichen Satzgebilde,

die trotz ihrer Tiefe und Treffsicherheit vollkommen leicht im

Raum zu schweben scheinen.

Johann Nestroys Welt war die Bühne

So wie Nestroy auf der Bühne stand und so wie die Ausgezeichneten,

die im Sinne Nestroys wirken, sowohl auf der Bühne

als auch im Leben bestehen, beweist auch der Johann-

Nestroy-Ring sein „Stehvermögen“ als Kleinskulptur, wenn er

nicht als Ring getragen wird.

Fotos: Wolfgang Stadler / Walter Zemlicka / Nestroy-Gesellschaft Wien


... ICH SPIEL HALT GERN THEATER!

Ich bin halt ein Profi, ich spiel halt gern Theater!

„Ehrlich gesagt war ich sehr erstaunt, dass ich den Nestroyring

bekommen soll, denn ich hab ja nur drei- oder viermal Nestroy

gespielt“, meint Erni Mangold am Beginn unseres Gesprächs,

nachdem sie meine Frau und mich in ihrem Haus in St. Leonhard

herzlich und trotz der kalten Jahreszeit barfuß empfangen und

uns in ihrem Wohnzimmer Platz angeboten hat.

Nach einem Schluck Quellwasser, das sie sich in einem großen

Fass bringen lässt und von dem immer genug vorrätig sein

muss, fährt sie fort: „Politisch war Nestroy ein interessanter Mann,

was ich sehr schätze. Seine Rollen, die er für sich geschrieben

hat, waren sehr gut. Er war sehr zeitnah, hatte wunderbare

Philosophien in seiner Sprache, war hochintelligent und ein sehr

guter Schauspieler, Schriftsteller und Literat. Schade, dass er

nicht heute lebt! Was mich mit ihm verbindet, ist die Satire und

der Witz. Etwas satirisch hinüberzubringen hab ich sehr gerne. Es

ist sehr direkt und dahinter schlummert ein Witz, der bösartig sein

kann und in gewisser Weise humoristisch. Zynisch war Nestroy

nie, das hat er nicht notwendig gehabt.“

Auf meine Frage, was für sie größere Bedeutung hat, das Theater

oder der Film, meint Erni Mangold sehr bestimmt: „Es hat alles

einen Wert, das Theater, der Film, das Unterrichten und es hat

das Fernsehen einen Wert. Beim Theater muss man halt zwei

Stunden durchstehen, man kann nicht sagen, jetzt ist mir nicht

gut, man braucht viel Kraft und viel Konzentration. Auch beim

Film muss man sehr konzentriert sein, und zwar den ganzen Tag.

Man muss vor der Kamera sofort da sein, das finde ich auch eine

schöne Sache. Und wenn alles im Kasten ist, dann ist’s vorbei,

was beim Theater nicht der Fall ist, denn da muss man dann

noch vierzigmal spielen. Im Theater kann man sich langsam

entwickeln und sich steigern, da sehen sie mich in echt. Und

wenn einmal ein Scheinwerfer ausfällt, dann fällt er eben aus.

Also, es ist alles sehr lebendig, das haben sie im Film nicht, da

muss alles ganz exakt sein.“

Nach einem weiteren Schluck Wasser und einem Seitenblick zum

Fernseher, denn da wird gerade der Abfahrtslauf von Wengen

übertragen, fällt ihr Blick auf einige Manuskripte, die am Boden

neben dem Tisch liegen. Ein ganzer Stoß von am oberen linken

Eck zusammengehefteten Seiten, die nach oftmaligem Studium

aussehen, sticht mir nun ins Auge und Frau Mangold meint: „Da

liegt meine Arbeit für die nächsten Geschichten herum!“ Der

Text, so erzählt sie, ist für sie wichtig, weil sie ihn braucht und

weil sie eine „Langsam-Lernerin“ ist. „Der Text wird gegessen und

Fotos: Volkstheater – Lalo Jodlbauer „Geschichten aus dem Wiener Wald“ / Christoph Sebastian „Haben“


gegessen und gegessen, bis er eines Tages so rausrutscht, dass ich denke: Ja, das is’ es! Ohne dass

ich daran übe, um Gottes willen!“ schießt sie noch ziemlich resolut hinterher.

In ihrem Buch schreibt Erni Mangold, man muss sich immer daran erinnern, dass es nicht der eigene

Text ist, den man spricht. Im Gespräch geht sie nun näher darauf ein: „Ich gehe aus der Rolle zurück,

vereinbare mich nicht mit ihr, ich vergewaltige sie nicht. Ich gebe der Rolle ihren Glanz. Das hab ich

vor allem beim Unterrichten spitzgekriegt. Ich habe meinen Schülern immer gesagt: ‚Du musst dich

mit der Rolle nicht ins Bett legen. Aber wenn du mit der Rolle im Bett gelegen bist, was ja auch nicht

unwichtig ist, dann schubst du sie weg!‘ “

Wieder ein Seitenblick zum Fernseher, wo gerade ein furchtbarer Sturz zu sehen ist, aber weil der Ton

ausgeschaltet ist, bekommen wir nicht mit, wer da zu Sturz gekommen ist. Sie schenkt Wasser nach

und erzählt weiter in ihrer klaren, sehr geraden Art, die Berufserfahrung, Können und Selbstsicherheit

zum Ausdruck bringt.

„Wichtig ist eigentlich nicht meine Rolle, sondern der Kausalzusammenhang und da bin ich gut,

weil ich den sehr schnell intus habe. Im Grund genommen ist es so, dass die Rolle auch durch die

Anderen entsteht, auf die ich beim Spielen eingehe. Es ist nicht wichtig, dass man sich gegenseitig

in die Rolle hineinkrallt, wichtig ist, dass man dem Anderen zuhört, was der sagt. Man ist ja lebendig,

man ist ja ein Mensch. Jedes Mal, wenn wir ein Stück aufführen, ist es immer ein wenig anders.

Das hängt auch von den Strömungen ab, die aus dem Publikum heraufkommen. Das ist auch ein

Wechselspiel. Was die Leute heraufschicken, schick ich hinunter. Auch wenn man das Publikum nicht

sieht, weil einen die Scheinwerfer blenden, spürt man es und es entsteht eine eigene Energie.“

Das Unterrichten, meint sie nach einem Schluck Wasser, sei für sie eine sehr gute Erfahrung gewesen

und eine interessante dazu. „Da hab‘ ich viel über mich persönlich gelernt und für meinen Beruf!

Ich hab mich oft gefragt: ‚Was ist das Handwerk, das man lehrt?‘ Ich finde das Psychische nicht so

wichtig, ich hab mich mehr auf die physischen Sachen konzentriert. In jeder Handlung kommen

physische Sachen vor, da muss man eine Palette aufbauen. Auch wenn nicht gesprochen wird,

wenn man nur dasitzt.

Bei mir spielt sich das in einer ganz bestimmten Form ab. Das ist ein gewisser Zugang, der fast

unbewusst ist. Ich hab da eine Begabung, die man Begabung nennen kann, ansonsten hab ich das

Wort nicht so gerne. Ich sehe mich auf der Bühne und das läuft dann im Kopf ab wie ein Film. Das

hat einen kausalen Zusammenhang und ich merke sofort, das ist gut oder nicht gut. Es ist nämlich

in unserem Beruf oft der Fall, dass ein Gang oder ein Hinsetzen völlig falsch sein kann, und das wirkt

dann für den Zuschauer unstimmig. Heute weiß ich, dass Bewegungen wichtiger sein können, als das

gesprochene Wort, weil die Leute bei einer Bewegung, die ihnen neu erscheint, mehr aufnehmen

und spüren.“

Auf ihre Lieblingsfarbe angesprochen meint sie ein wenig grübelnd: „Rot und Blau, aber eher Blau.“

Zum Abschluss führt uns Erni Mangold noch durch Haus und Garten, läuft mit ihren 88 Jahren spielend

die steile Holztreppe nach oben und mahnt uns aufzupassen, denn die Stufen seien rutschig. Viele

Erinnerungsstücke stehen auf Kommoden und Aquarelle hängen an den Wänden, die von ihrem

Vater stammen. Darunter ist ein Portrait, das ihr Vater von ihr malte. Steine liebt sie über alles und

sie liegen auch überall auf dem Boden und auf Fensterbänken und von allen weiß sie, woher sie

stammen. Denn wo sie auch ist, sie nimmt sich zur Erinnerung einige Steine mit nach Hause.

(Zusammenfassung des Gesprächs von Gerold Schodterer mit Erni Mangold)

Fotos: Amalthea Signum Verlag / Lalo Jodlbauer – Volkstheater „Sommernachtstraum“


DIE SYMBOLIK

Der Rolle ihren Glanz geben!

„Ich find es schön, wenn ein Ring aus drei Dingen

besteht,“ meint Erni Mangold und ergänzt: „Für mich

sollte er einfach sein.“

So besteht die Symbolik für ihren Nestroyring aus drei

Dingen: dem Bühnenboden, der Figur und einem Stein.

Nur, ganz so einfach kann der Nestroyring allein schon

wegen seiner ausdrucksstarken Formensprache nicht

werden. Angesichts des reichen Erfahrungsschatzes, den

die große Schauspielerin ihr Eigen nennen kann, und

der Vielzahl bedeutender Aussagen, die in der Gestaltung

des Ringes ihr Echo finden, musste dann doch die

Schlichtheit ein wenig zurückstehen, um der Fülle ihren

Raum lassen.

Nimmt man den Ring in Augenschein, so fällt der Blick

sofort auf die sitzende Figur, die jedoch erst bei genauem

Hinschauen ihr Geheimnis preisgibt und erzählt, wie sie

mit der Geschichte Erni Mangolds verbunden ist.

Sie stellt sowohl eine Lesende und somit Lernende, das

Gelesene in sich Aufnehmende, als auch eine Rezitierende

dar. Das sich in einen Text Vertiefen gehört wohl

zu den wichtigsten Aufgaben des Schauspielers und so

sagt Erni Mangold auch: „Der Text wird von mir gegessen

und gegessen, bis er eines Tages so rausrutscht, dass

ich denke, ja, das ist es!“

Die Kunst, das Aufgenommene wiederzugeben, die

Gedanken des Autors hörbar, sichtbar und vor allem

fühlbar zu machen, sie mit Leben zu erfüllen, Texte also

so vorzutragen, dass sie das Publikum berühren, gehört

zum Beruf des Schauspielers und den liebt Erni Mangold.

Die Figur sitzt auf dem Bühnenboden,

lässt ein Bein von der Bühne baumeln,

während sie sich mit dem anderen auf der

darunterliegenden Spiegelfläche abstützt,

die Teil jenes Spiegels ist, der das Konterfei


Nestroys widergibt. In der Satire weiß Erni Mangold sich

mit Nestroy verbunden, denn sie sagt wörtlich: „Etwas

satirisch hinüberbringen mag ich sehr gerne!“ Die

Haltung der Figur bringt eine gewisse Körperspannung

zum Ausdruck und berücksichtigt damit Erni Mangolds

Erkenntnis, dass Bewegungen selbst im Sitzen wichtiger

sein können als Worte. Außerdem weist diese sitzende

Pose auf die Publikumsnähe hin, die der Schauspielerin

so wichtig ist, weil sie die Strömungen aus dem Publikum

aufzunehmen und in besonderer Weise zurückzugeben

vermag. „Was die Leute heraufschicken, schick’ ich

hinunter!“ meint sie schlicht.

Die wichtigste Erkenntnis, im Spielen nicht mit der

Rolle zu verschmelzen, sondern das Ego aus der Rolle

herauszunehmen, findet in der Figur darin ihren Ausdruck,

dass sie halb aus Weiß- und halb aus Gelbgold besteht.

Gemäß dem Kredo der Schauspielerin „Der Rolle ihren

Glanz geben!“ ist die glänzende, gelbgoldene Seite

dem Publikum zugewandt, während die weiße, matt

gehaltene bescheiden im Hintergrund bleibt.

Der Rolle ihren Glanz geben!

Steine liebt die Künstlerin über alles und Blau gehört zu

ihren bevorzugten Farben. Im Nestroyring ist es daher der

einen Fels darstellende Lapislazuli, auf den sie ihre Hand

legt, weil er Symbol für das Ruhen in sich, Beständigkeit

und – durch das intensive Blau für Tiefe und Klarheit ist.

Die Manuskripte, die sie ein Leben lang begleiten und

bei ihr im Wohnzimmer für intensive Beschäftigung sorgen,

bilden als Bühne die Grundlage für ihren Auftritt.

Denn nicht die Bretter, die die Welt bedeuten, sind ihr

wichtig, sondern die Blätter, die die Welt bedeuten, und

natürlich der Sinn, den diese enthalten. Und doch sind

sie nur Quelle, aber nicht Grund für einen tosenden

Applaus, der sich in vielen Ehrungen und nun auch im

Nestroyring der Stadt Bad Ischl manifestiert.

Fotos: Wolfgang Stadler / Amalthea Signum Verlag / Lalo Jodlbauer – Volkstheater „Tanzstunden“


ERNI MANGOLD

Kammerschauspielerin Prof. Erni Mangold wurde 1927 in Großweikersdorf,

Niederösterreich, geboren. Sie entstammt einer

Künstlerfamilie. Der Vater war Maler, die Mutter Pianistin. Ihre

Ausbildung erhielt sie an der Schauspielschule Krauss, die auch

Größen, wie Oskar Werner, Karzheinz Böhm und Kurt Sowinetz

ans Theater brachte.

Ihr Debü t gab sie im Wiener Renaissancetheater, danach

spielte sie am Theater in der Josefstadt. 1955 folgte sie dem

Ruf Gustaf Grü ndgens’ nach Hamburg ans Deutsche Schauspielhaus

und trat auch am Thalia Theater, am Dü sseldorfer

Schauspielhaus, in Berlin und Zü rich auf. Zurü ck in Österreich

unterrichtete sie, neben zahlreichen Engagements an

verschiedenen Theatern, bei Film und Fernsehen, am Salzburger

Mozarteum, an der Schauspielschule Krauss und am

Wiener Max Reinhardt Seminar. Mehr als 10 Jahre lehrte sie

an der Hochschule für Musik und darstellende Kunst in Wien.

Vor der Kamera stand sie seit den Fü nfzigerjahren mit allen

bedeutenden Schauspielern ihrer Zeit. Viele Zeitgenossen

erkannten die Unverwechselbarkeit und hohe Qualität ihrer

künstlerischen Potenz. Unter den Menschen, die ihren schauspielerischen

Weg begleiteten, finden sich klingende Namen

wie Heinz Stroux, Rainer Werner Fassbinder, Peter Patzak,

Werner Schwab und Xaver Schwarzenberger, Curd Jürgens,

Ernst Waldbrunn, Helmut Qualtinger, Heinrich Schweiger, O.W.

Fischer, Prof. Heinz Reincke (mit dem sie lange Jahre verheiratet

war), Paula Wessely, Elisabeth Flickenschildt, Susi Nicoletti,

Nadja Tiller und Romy Schneider.

Einen ihrer jüngsten Erfolge feierte Sie mit dem Film „Der letzte

Tanz“ unter der Regie von Houchang Allahyari, für den Sie den

Österreichischen Filmpreis für die beste Schauspielerin erhielt.

Im Theater glänzte sie kürzllich in der Rolle der Großmutter in

„Geschichten aus dem Wienerwald“ von Ödön von Horvath

im Volkstheater. Aktuell steht sie eben dort im „Sommernachtstraum“

in der Rolle des Puck und in „Haben“ als die Hebamme

Frau Képes auf der Bühne.

Ausgezeichnet wurde sie u. a. mit der Kainz-Medaille,

dem Karl-Skraup-Preis des Wiener Volkstheaters, dem

Nestroy-Theaterpreis in der Kategorie Beste Nebenrolle,

dem Hamburger Inselpreis, dem Goldenen Ehrenzeichen

für Verdienste um das Land Wien, dem Großen

Ehrenzeichen für Verdienste um das Bundesland Niederösterreich

und dem Österreichischen Ehrenkreuz für

Wissenschaft und Kunst.

Teile der Biografie stammen aus Erni Mangolds Buch „Lassen Sie mich in Ruhe“, erschienen im Amalthea Verlag

Foto: Wolfgang Stadler


DIALOG wird GESTALT

Gerold Schodterer

Fotos: Walter Zemlicka


Die Johann-Nestroy-Ringe seit 2005

2005

Erwin Steinhauer

2007

Karlheinz Hackl

2008

Peter Turrini

2010

Karl Markovics

2012

Nicholas Ofczarek

2014

Michael Niavarani

„Ich will berühren, berühren auf allen drei Ebenen

die ich bespiele. Auf der Kleinbühne, auf der

ich begonnen habe, der Großbühne, wie dem

Burgtheater und der größten Bühne, dem Film.“

„Wenn ich mir mein Leben so anschau‘, ich

glaub‘, ich bin der Herr von Lips. Ich war schon

immer ein Zerrissener. Ich muss die Figuren im

Probieren erarbeiten, mich in die Rolle hinein

fühlen, nur mit dem Hirn allein kann ich niemals

Leben hineinbringen.“

„Im Grunde bin ich ein Handwerker wie mein

Vater, nur dass meine Werkzeuge Bleistift und

Schreibmaschine sind. Als ‚Katzlmacher-Bua‘

wurde ich immer ausgeschlossen, durfte nur

zuschauen – und daraus hab‘ ich eine Würde

gemacht und habe genauer hingeschaut.“

„Am liebsten sind mir wahrhaftige Rollen, die ich

mit Leben füllen kann, die ein Geheimnis haben.

In sie einzutauchen, um als Figur herauszuwachsen

aus dem Werk, den Menschen Erkennen

schenkend.“

„Können Sie sich eine Black Box vorstellen, so ein

Raum in dem völlige Dunkelheit herrscht und

durch diese Dunkelheit schneidet ein scharfer,

greller Lichtstrahl – das ist für mich das Idealbild

für vollkommene Klarheit und Struktur.“

Das Studium der Gesamtausgabe von Nestroys

Werken hat wohl einen Funken zum Überspringen

gebracht, der bei jedem Auftritt ein satirisches

Wortfeuerwerk entzündet, das geist- und ideenreich

aus dem Mund des heutigen Großmeisters

zeitgeistiger Gesellschaftskritik einem begeisterten

Publikum in voller Intensität entgegenfliegt.

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Goldschmiedeatelier Gerold und Karoline SCHODTERER

Atelier für fantasievolle Schmuckunikate und Unikat-Eheringe

4820 BAD ISCHL, Pfarrgasse 11, T +43 6132 23729-0, M +43 664 3575004 od. 2253646

office@schodterer.at / www.schodterer.at / www.unikat-eheringe.at

Öffnungszeiten: Mo. bis Fr. 9.30 bis 18.00 Uhr,

Sa. 9.30 bis 17.00 Uhr oder nach telefonischer Vereinbarung

Texte: Gerold Schodterer, BGM Hannes Heide / Gestaltung: Karoline Schodterer, ARTist Werbegestaltung, www.sinn-bilder.at / WIGODRUCK Bad Ischl

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