Johann Nestroy Ring der Stadt Bad Ischl für Michael Niavarani 2014

schodterer

JOHANN NESTROY RING der STADT BAD ISCHL für MICHAEL NIAVARANI 2014 Als im Jahre 2005 der erste Nestroy-Ring der Stadt Bad Ischl an Erwin Steinhauer verliehen wurde, wussten viele Bad Ischlerinnen und Bad Ischler nicht, welche besondere Beziehung die Stadt zum großen österreichischen Schriftsteller hat. Durch die nunmehr sechste Verleihung der besonderen Auszeichnung durch die und in der Stadt Bad Ischl, ist es gelungen die Kaiser- und Kulturstadt auch zu einer Nestroystadt zu machen. Vor dem „Lehár-Theater“, in dem Nestroy auf der Bühne gestanden, oder als Zuschauer bei Theateraufführungen in einer der Logen Platz genommen hat, steht heute eine Büste, die an ihn und sein Leben in Bad Ischl erinnert – genauso übrigens, wie jene Villa am Nestroyweg, die Johann Nestroy, dessen Aufenthalte in Ischl bereits seit 1845 belegt sind, 1859 kaufte und in der er einen großzügigen Garten anlegte. Die ehemalige „Kaiser Franz Josef Knabenbürgerschule“ ist heute eine Neue Mittelschule und trägt den Namen „Johann Nestroy Schule“. Vielleicht auch, um mit Augenzwinkern an dessen Werk „Die schlimmen Buben in der Schule“ zu erinnern. Erwin Steinhauer, Karlheinz Hackl, Peter Turrini, Karl Markovics und Nicholas Ofczarek konnten bereits ihren Nestroy-Ring im historischen Ambiente des „Lehár-Theaters“ entgegennehmen. Mit Michael Niavarani erhält eine vielseitige und beliebte Künstlerpersönlichkeit die Auszeichnung: Er hat als Theater- und Filmschauspieler, als Kabarettist und künstlerischer Leiter des „Simpl“ jene „außerordentlichen und herausragende Leistungen im Geiste von Johann Nestroy“ erbracht, die laut Verleihungsstatuten Voraussetzung für die Zuerkennung des Nestroy-Rings sind.

Johann-Nestroy-Ring

DeR staDt BaD ischl

2014

Fotos: Wolfgang Stadler / Karoline Schodterer

michael Niavarani

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JOhaNN-NestROY-RiNG

DeR staDt BaD ischl

Wer bekommt den Nestroy-Ring der stadt Bad ischl?

Als im Jahre 2005 der erste Nestroy-Ring der Stadt Bad Ischl an Erwin

Steinhauer verliehen wurde, wussten viele Bad Ischlerinnen und Bad

Ischler nicht, welche besondere Beziehung die Stadt zum großen

österreichischen Schriftsteller hat. Durch die nunmehr sechste Verleihung

der besonderen Auszeichnung durch die und in der Stadt

Bad Ischl, ist es gelungen die Kaiser- und Kulturstadt auch zu einer

Nestroystadt zu machen.

Vor dem „Lehár-Theater“, in dem Nestroy auf der Bühne gestanden,

oder als Zuschauer bei Theateraufführungen in einer der Logen

Platz genommen hat, steht heute eine Büste, die an ihn und sein

Leben in Bad Ischl erinnert – genauso übrigens, wie jene Villa am

Nestroyweg, die Johann Nestroy, dessen Aufenthalte in Ischl bereits

seit 1845 belegt sind, 1859 kaufte und in der er einen großzügigen

Garten anlegte.

Die ehemalige „Kaiser Franz Josef Knabenbürgerschule“ ist heute

eine Neue Mittelschule und trägt den Namen „Johann Nestroy

Schule“. Vielleicht auch, um mit Augenzwinkern an dessen Werk

„Die schlimmen Buben in der Schule“ zu erinnern.

Erwin Steinhauer, Karlheinz Hackl, Peter Turrini, Karl Markovics und

Nicholas Ofczarek konnten bereits ihren Nestroy-Ring im historischen

Ambiente des „Lehár-Theaters“ entgegennehmen. Am 24. Mai ist

es Michael Niavarani, für den Otto Schenk die Laudatio halten wird.

Mit ihm erhält eine vielseitige und beliebte Künstlerpersönlichkeit die

Auszeichnung: Er hat als Theater- und Filmschauspieler, als Kabarettist

und künstlerischer Leiter des „Simpl“ jene „außerordentlichen und

herausragende Leistungen im Geiste von Johann Nestroy“ erbracht,

die laut Verleihungsstatuten Voraussetzung für die Zuerkennung des

Nestroy-Rings sind.

In diesem Sinne bedanke ich mich bei Michael Niavarani für seine

satirisch kritische, phantasievolle künstlerische Auseinandersetzung

mit den gesellschaftlichen Anliegen unserer Zeit und gratuliere ihm

auf das Herzlichste zum Johann Nestroy Ring der Stadt Bad Ischl!

Hannes Heide - Bürgermeister der Stadt Bad Ischl

Fotos: Wolfgang Stadler / Gerhard Flohberger

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Bedeutungsvolle ehrung großer Persönlichkeiten

Michael Niavarani wird damit Teil einer langen Reihe großer

Persönlichkeiten wie Helmut Qualtinger, Leopold Lindtberg,

Gustav Manker, Hans Weigel, Gerhard Bronner, Alexander

Steinbrecher, Peter Wehle, Axel von Ambesser, Otto Basil, Elfriede

Ott, Attila und Paul Hörbiger, Herbert Lederer, Lukas Resetarits,

Werner Schneyder, Robert Löffler, Kurt Sowinetz, Hans Kann,

Heinz Petters, Lore Krainer, Fritz Muliar, Josef Meinrad, Erich Sokol,

Inge Konradi, Christine Nöstlinger, Trude Marzik, Manfred Deix,

Dolores Schmidinger, Helmuth Lohner, Hilde Sochor, Norbert

Pawlicki, Karl Paryla, Karl Schuster, Houchang Allahyari, Otto

Schenk, Gusti Wolf, Heli Deinboek, Robert Meyer, Roland

Neuwirth, Elizabeth T. Spira, Peter Gruber, Marianne Mendt, Willi

Resetarits, Otto Tausig, Brigitte Swoboda, H. C. Artmann, Louise

Martini, Susi Nicoletti, Gertraud Jesserer, Paul Angerer, Reinhard

Tramontana, Christine Ostermayer, Josef Hader, Gustav Peichl,

Erwin Steinhauer, Karlheinz Hackl, Karl Markovics und Nicholas

Ofczarek.

Sie alle sind Träger des Johann-Nestroy-Ringes, der - von der Internationalen

Nestroygesellschaft verliehen - von 1976 bis 1999

von der Stadt Wien zur Verfügung gestellt wurde. Seit 2005 wird

er von der Stadt Bad Ischl in Auftrag gegeben, zum Gedenken

an Johann Nestroy, der viele Sommer in seiner Ischler Villa lebte

und viel Zeit im Lehár-Theater sowohl als Gast im Publikum

als auch als Darsteller auf der Bühne verbrachte.

Die Stadt Bad Ischl, die den Nestroy-Ring als Auftraggeber von

der Internationalen Nestroygesellschaft zugesprochen bekam,

beauftragte den Ischler Goldschmied Gerold Schodterer, ein

neues Konzept zu entwickeln, das der Bedeutung dieses Preises

gerecht wird. Sein Entwurf stellt eine Verbindung zwischen

dem Genie Nestroys, der Stadt Bad Ischl, den Verleihungskriterien,

dem jeweiligen Preisträger, dessen Persönlichkeit und

dessen künstlerischem Anliegen her.

Bedeutungsvolle ehrung großer Persönlichkeiten

Fotos: Wolfgang Stadler / Petra Benovsky

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KONZePtiON und GestaltUNG

Gestalt ist mehr als die summer der einzelnen teile

Die Zahl 5 spielt im Konzept für den Johann-Nestroy-Ring

eine tragende und verbindende Rolle. 5 Kriterien werden

von der Jury als Grundlage für die Verleihung des Ehrenringes

herangezogen.

• Pflege von Nestroys Erbe

• Höchste künstlerische Ebene

• Zeitkritik

• Satire

• Phantasie

Das Werk Nestroys ruht auf den 5 Säulen seiner Begabungen.

Diese 5 Säulen bilden den Johann-Nestroy-Ring und

verbinden sein Werk, die Stadt Bad Ischl und die Kriterien,

die zur Wahl des Johann-Nestroy-Ring-Trägers führen.

• lehrtätigkeit

• schauspiel

• Gesang

• Komik

• Dichtkunst

i nstruktion

s chauspiel

c ouplets

h umor

l yrik

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Die Welt des Johann Nestroy war die Bühne

So schwebt über dem Ring eine Bühne, auf der der jeweilige

Johann-Nestroy-Ring-Träger auftritt. Form und Gestaltung der

Bühne werden individuell auf seine Persönlichkeit abgestimmt.

Unter der Bühne wirkt „Nestroys Geist“

Johann Nestroy, der es wie kein anderer verstand, den Menschen

seiner Zeit einen Spiegel vorzuhalten, der im Laufe der

Jahre nichts an Klarheit eingebüßt hat, gibt sich im Ring durch

den Spiegel zu erkennen.

Dieser Spiegel durchdringt aber auch die Bühne, wird an der

Oberfläche sichtbar und stellt so den Bezug zwischen Nestroys

Vermächtnis und dem Künstler und Ehrenring-Träger her.

Die außergewöhnliche und bizarre Formensprache des

Johann-Nestroy-Rings, mit seiner „schwebenden” Bühne,

unterstreicht die für Johann Nestroy so typische Ausdrucksweise

und nimmt Bezug auf seine unvergleichlichen Satzgebilde,

die trotz ihrer Tiefe und Treffsicherheit vollkommen leicht im

Raum zu schweben scheinen.

Johann Nestroys Welt war die Bühne

So wie Nestroy auf der Bühne stand und so wie jeder Preisträger,

der im Sinne Nestroys wirkt, sowohl auf der Bühne als

auch im Leben seinen Mann stellt, beweist auch der Johann-

Nestroy-Ring sein „Stehvermögen“ als Kleinskulptur, wenn er

nicht als Ring getragen wird.

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lachen ist ein lebensmittel

Fotos: Karoline Schodterer

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Lachen ist ein Lebensmittel

„Die Arbeit ist kein Has‘, die lauft nicht davon“, meint Johann Nepomuk Nestroy. „Mühsam, viel Arbeit, sehr

lustig, völlig sinnlos, schwierig nach den Aufführungen noch ein gutes Restaurant zu finden!“ meint Michael

Niavarani und beschreibt mit diesen Begriffen seinen Beruf, den er liebt und von dem er sagt, dass

es der einzige ist, den er sich vorstellen kann. „Denn“, so der Kabarettist wörtlich, „bei keinem anderen

kann man bis Mittag schlafen.“ Und wie schon Nestroy wusste, sie läuft ohnehin nicht davon, die Arbeit.

Aber fliegen tut sie manchmal, zumindest kommt einem das so vor, wenn Michael Niavarani auf der

Bühne steht. Da kommt jedes Wort, jeder Gedankengang so leicht daher, als ob ihm das gerade eingefallen

wäre, als ob ihm der Zufall die Worte gerade ins Ohr gesäuselt hätte. Dabei ist alles genauestens

einstudiert und geprobt, zumindest 95% des Programms werden immer so gespielt. „Alles sehr viel Arbeit

und viel Handwerk“, meint Michael Niavarani und führt weiter aus, dass die Kunst darin besteht, „auch

nach dem 20. Mal so zu spielen, als wäre mir das gerade eingefallen.“ Und einmal in Fahrt gekommen

erzählt er weiter: „In meinem Beruf muss man damit umgehen, dass alles unnatürlich ist. Schon allein die

Tatsache, dass Situationen gespielt werden, ist unnatürlich, die Bühne ist unnatürlich, die Zuschauer sind

unnatürlich, alles ist unnatürlich. Die Kunst ist es, das Geschehen auf der Bühne natürlich wirken zu lassen,

und das ist nicht einfach. Im Film ist das zum Beispiel um vieles leichter, da hat man ganz andere Voraussetzungen,

allein deshalb, weil man im Film normal sprechen kann, auf der Bühne müssen wir schreien,

das ist vollkommen unnatürlich. Man muss viel lauter sein, als es die Situation erfordert. Bringen sie einmal

in eine Liebesszene Gefühl hinein, wenn sie schreien müssen.“

Vom Auswendiglernen hält er nichts, bei ihm entsteht der Text während der Proben. „Da merke ich ihn mir

auch und das Stück wird dadurch viel lebendiger. Im Deutschen sagt man Schauspiel, ich finde der englische

Begriff trifft es viel besser, da heißt es acting.“ Das Wichtigste ist für Michael Niavarani, die Menschen

zum Lachen zu bringen. Sie, wenn auch nur für kurze Zeit, „zumindest bis zu den nächsten Nachrichten“

aufzumuntern, meint er, denn „Lachen ist ein Lebensmittel.“

Gemeinsamkeiten mit Johann Nestroy gibt es einige, so zum Beispiel seine gesellschaftskritische Auseinandersetzung

in Verbindung mit Satire, wobei er letztere als ein Hilfsmittel beschreibt, um Beleidigungen

ins Lustige hinübergleiten, beziehungsweise die Wahrheit nicht als beleidigend wirken zu lassen. Eine

weitaus engere Verbindung zu Nestroy lässt den reisebegeisterten Kabarettisten, Schauspieler und Autor

weit in die Vergangenheit reisen, in die Zeit, als er noch ins Gymnasium ging. Da nämlich hat er sich

von einem Klassenkameraden 3.000 Schilling geborgt, denn von seinem Vater hätte er dafür kein Geld

bekommen, aber lassen wir Michael Niavarani selber erzählen: „Also, das war so, mit diesen 3.000 Schilling

habe ich mir damals eine Gesamtausgabe aller Nestroywerke gekauft, ich glaube, es waren zwölf

Bände, und in den Ferien habe ich auf unserem Balkon in der Sonne gelegen und alle Nestroystücke

gelesen, während meine Freunde baden gingen. In der Schule haben wir fast nur Nestroy gespielt, ein

wenig auch Raimund, danach hab ich mit Nestroy nichts mehr zu tun gehabt, aber die Gesamtausgabe,

die steht immer noch in meinem Bücherregal.“ Ob bei diesem intensiven Studium ein nestroyscher Funke

auf Niavarani übergesprungen ist?

„Die mit den 7000 Jahren Geschichte, das sind die Perser“, schreibt der wienerischste Perser Österreichs in

seiner Familiengeschichte ‚Vater Morgana‘. Beeinflussen die persischen Wurzeln seine Arbeit? „Eigentlich

nicht“, meint Michael Niavarani, „denn wächst man als Kind in beiden Kulturen auf, ist das das normale

Leben, da erkennt man keinen Unterschied, da ist man einfach Österreicher.“ Aber stolz ist er doch ein

wenig auf seine zweite Herkunft.

Angesprochen auf seine beiden Monatssteine und welchen der beiden, den Bergkristall oder den Diamanten,

er bevorzugen würde, meint er: „NooooJaaaa! Den Diamaaaaant!“ Und so bekommt er im

Nestroy-Ring auch seinen Diamanten, noch dazu einen zum Brillant geschliffenen, denn welcher Edelstein

könnte besser zu jemandem passen, der seinem Beruf so viele strahlende Facetten verleiht und

gleichzeitig dafür sorgt, dass so viele Gesichter im Publikum erstrahlen.

Lassen wir zum Abschluss noch einmal Nestroy zu

Wort kommen, der mit Michael Niavarani seine

wahre Freude hätte: „G’fallen sollen meine Sachen,

unterhalten, lachen sollen die Leut‘, und mir soll die

G’schicht a Geld tragen, dass ich auch lach.“

(Zusammenfassung des Gesprächs von Gerold Schodterer mit Michael Niavarani)

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Die sYmBOliK

im Kabarettisten-himmel

Die Leichtigkeit, mit der Michael Niavarani sein Publikum zum

Lachen bringt, findet im Nestroy-Ring in der Wahl des Bühnenbodens

ihre Resonanz, denn was könnte Leichtigkeit besser

symbolisieren, als ein fliegender Perserteppich, mit dem auch

gleich das väterliche und damit siebentausend Jahre alte Erbe

auf die Bühne kommt.

Die Gesamtausgabe von Nestroys Werken darf natürlich in diesem

Ring nicht fehlen, war dies doch ein ausdrücklicher Wunsch

Michael Niavaranis. Das Studium derselben hat, zumindest im

Unterbewusstsein, den Funken eines satirischen Wortfeuerwerks

hinterlassen, das nun wort- und ideenreich aus dem heutigen

Großmeister zeitgeistiger Gesellschaftskritik in Form von Lachattacken

erzeugenden Knallern einem begeisterten Publikum in

voller Intensität entgegenfliegt.

Zwischen den Bänden, dem Geist Nestroys, schwebt ein brillantgeschliffener

Diamant, der in einem Feuer sich spiegelnder

Facetten die künstlerische Vielfalt Michael Niavaranis wiedergibt

und einerseits auf die Herangehensweise des Künstlers beim Erarbeiten

seiner Rollen eingeht, in dem er den englischen Begriff

„acting“ zum uneingeschränkten Inhalt seines Tuns macht. Zum

anderen steht dieser Brillant für die Hauptarbeit Michael Niavaranis,

für das Reflektieren der menschlichen Seele. Denn durch

den Brillantschliff reflektiert der Diamant alles Licht, nichts davon

bleibt im Stein, nichts fällt durch ihn hindurch.

Und natürlich darf der Wurm nicht fehlen, der im Nestroy-Ring

nicht der ist, der einen „Vogel“ hat, sondern der späte, der herauskommt,

wenn der Vogel längst fortgeflogen ist. Denn Michael

Niavarani identifiziert sich eher mit dem Wurm und tut alles, um

dem Gefressenwerden zu entgehen. Auch langes Schlafen

gehört da wie selbstverständlich dazu. Der Wurm kriecht in der

Geschichte des Ringes vollkommen ausgeschlafen aus einem

der Nestroywerke und wird so zum Bücherwurm, hat Nestroy

sozusagen im Schlaf mitbekommen und macht sich auf

den Weg zu seinem geistigen Schöpfer, der genauso

belesen ist wie er, egal ob es sich um Physik, Lyrik

oder Literatur handelt.

Denn durch Zufall erreicht man den „Kabarettisten–

Himmel“ nicht. Da ist viel Wissen, viel Einfühlungsvermögen,

viel Realitätsbezug und viel genaues Hinsehen

gefragt, gepaart mit einer übergroßen Portion

Begabung. Oder wie Nestroy treffsicher meint: „Die

Kunst ist und bleibt einmal eine Leidenschaft“.

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Michael Niavarani

wurde am 29. April 1968 als Sohn einer Österreicherin und eines

Persers in Wien geboren und ist auch in Wien aufgewachsen.

Schon während seiner Schulzeit spielt Michael Niavarani Theater.

Christoph Wagner-Trenkwitz, heutiger Chefdramaturg der Volksoper

Wien, ist einer der Ersten der sein Talent erkennt: „Ich erinnere

mich an seine unglaubliche Stimme! Eine Stimme, die nicht

zu diesem jungen Burschen gepasst hat. Eine große, dunkle,

männliche Stimme mit unglaublichen Möglichkeiten. Er konnte

damals schon so komisch kolorieren. Das war beeindruckend.“

Er ist es auch, der den damals 14-Jährigen in die Theatergruppe

„Die Demoasten“ holt, wo Niavarani als Möbelpacker in dem

Max Frisch Stück „Die große Wut des Philipp Hotz“ reüssiert. Eine

stumme Rolle – eigentlich: „Schon am zweiten Abend ist mir das

zu langweilig geworden und beim Abgang konnte ich mir nicht

verkneifen zu sagen: Na dann hau‘ ma’s ausse, des Kramuri!“

erinnert sich Michael Niavarani. „Die Demoasten“ erfahren, dass

der Schauspieler Michael Mohapp einen Kellerraum hat, aus

dem er ein Theater machen will. Gemeinsam renovieren sie,

malen aus, verlegen den Boden und beginnen dort Theater zu

spielen. Das „Graumanntheater“ ist geboren.

Erst 16-jährig nimmt er – statt in die Schule zu gehen – Schauspielunterricht

bei Michael Mohapp und Dany Sigl. Ersterer ist es

dann auch der ihn Martin Flossmann, dem damaligen Simpl-

Chef, ans Herz legt. Für die Simpl-Revue „Leben, Lieben, Lachen“

wird Michael Niavarani engagiert. Nach einer Saison kehrt er ans

Graumanntheater zurück: „Kabarett interessierte mich zu diesem

Zeitpunkt nicht, ich wollte Theater spielen, Schauspieler sein.

Damals dachte ich, das eine schließt das andere aus.“

Anfang der 90er meldet sich Martin Flossmann wieder und fragt

Michael Niavarani, ob er Simpl-Chef werden will: „Ich war erst

fassungslos, und erst nachdem mich meine damalige Freundin

Sigrid Hauser und mein Freund und Kollege Leo Bauer fast

genötigt haben zuzusagen, hab ich Ja gesagt.“ 1993 hat die

erste Simpl-Revue unter der künstlerischen Leitung von Michael

Niavarani Premiere. „Hundert Jahre Ketchup“ ist der Titel, sein

Team besteht großteils aus den Graumanntheater-Mitgliedern.

Im Fernsehen läuft „Wer lacht, gewinnt!“, im Kino „I love Vienna“

und „Höhenangst“. Seine erste Hauptrolle spielt er im „Kaisermühlen

Blues“ (1996), auch heute noch ein Publikumsmagnet.

1999 folgt sein erstes Soloprogramm „Niavaranis Kühlschrank“, im

Programmheft zur Show ist zu lesen: „Die Einsamkeit des Solokabarettisten

gehört für mich immer schon zu den faszinierendsten

Stimmungen, in denen man sich befinden kann. Nur ich

und 280 Menschen. Man muss schon Egomane sein, um so

etwas zu machen.“

Michael Niavarani

Foto: Petra Benovsky

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michael Niavarani

Zum Publikumsliebling wird Michael Niavarani mit der Serie

„Dolce Vita & Co“ unter anderem an der Seite von Elke Winkens,

Gundula Rapsch, Andreas Vitásek, Kurt Sobotka, Erwin Steinhauer,

Roland Düringer und Marianne Mendt: „Die Serie war

sehr beliebt, aber die Leute konnten meistens meinen Nachnamen

nicht aussprechen und haben mir deshalb auf der Straße

‚Dolce Vita‘ oder ‚Lustiga‘ hinterhergerufen.“ Dieses Problem löst

sich 2004 als die ORF-Rateshow „Was gibt es Neues?“ startet und

ganz Österreich – angeregt durch den amikalen Umgang des

Rateteams – Michael Niavarani von nun an einfach „Nia“ nennt.

Michael Niavarani wird 2006 mit der ROMY als beliebtester männlicher

Seriendarsteller ausgezeichnet, 2007 und 2008 folgen noch

zwei ROMYs als beliebtester Kabarettist. Seit Graumanntheater-

Zeiten ist Michael Niavarani mit Viktor Gernot befreundet. Auch

im Kabarett Simpl sind sie 1993 schon zusammen auf der Bühne

gestanden und fürs Fernsehen haben sie 1999 gemeinsam

„Wodka Orange“ entwickelt. 2005 folgt das erste gemeinsame

Kabarett „Gefühlsecht“, das ein voller Erfolg wird, ebenso wie das

Soloprogramm „Encyclopaedia Niavaranica“ (2008) und das

zweite Programm mit Viktor Gernot „Zwei Musterknaben“, das 2010

mit dem „Österreichischen Kabarettpreis“ ausgezeichnet wird.

Dass Michael Niavarani kein Kabarettist im eigentlichen Sinn ist,

sondern ein vielseitiger Künstler, beweist er einmal mehr 2008 als

er die Serie „Ex – Eine romantische Komödie“ schreibt, inszeniert,

spielt und produziert: „Ich sehe mich als Geschichtenerzähler.

Ob ich diese Geschichten selbst erzähle, spiele, inszeniere oder

niederschreibe und die Menschen sie lesen, macht für mich

keinen Unterschied. Es hat für mich jede Form seinen eigenen Reiz.

Aber meistens interessiert mich gerade das, was ich im Moment

nicht tue.“ Sein Publikum sieht das genau so: 2009 erobert sein

erster Roman „Vater Morgana“ Wochen lang die Bestsellerlisten.

2011 folgt sein zweites Buch, der Erzählband „Der frühe Wurm hat

einen Vogel“, und wird ebenfalls ein Bestseller. Michael Niavarani

wird deshalb 2010 und 2012 zum „Buchliebling“ gewählt.

Nicht nur in seinem Buch „Vater Morgana“ beschäftigt sich

Michael Niavarani mit seinen persischen Wurzeln: 2008 sucht der

in Deutschland lebende Regisseur Ali Samadi Ahadi persischstämmige

Schauspieler für seinen Film „Salami Aleikum“:

„Wir kannten uns vorher nicht, haben uns aber von Beginn

an sehr gut verstanden. Durch die Dreharbeiten sind

wir Freunde geworden.“ 2011 wurde er in der Sendung

„Österreich wählt“ zum „Lustigsten Österreicher“

gewählt. Seit 2011 ist Michael Niavarani Intendant der

Festspiele Berndorf. „Das perfekte Desaster Dinner“

von Marc Camoletti erreichte gleich in der ersten

Saison 36 ausverkaufte Vorstellungen im Stadttheater

Berndorf sowie in der Stadthalle Wien.

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34 meisteRJahRe

Gäbe es keinen Kalender, ich würde es nicht für möglich

halten. Obwohl ich mich jung fühle, sind doch schon 34 Jahre

vergangen, seit ich 1980 meine Meisterprüfung abgelegt habe.

Nach wie vor fließen die Ideen aus mir heraus und die Freude

an meinem Beruf hat sich nicht gelegt, sondern ist im Gegenteil

um vieles stärker geworden. Zu dieser Freude hat sich noch

ein weiteres Gefühl hinzu gesellt: die Dankbarkeit. Ja, ich

bin dankbar dafür, dass ich diesen Beruf erlernen durfte und

dass ich die Möglichkeit habe, ihn in dieser Weise auszuüben.

Vor allem, wenn mich Auftragswerke, wie der Nestroy-Ring,

fordern. Denn es ist für mich sehr spannend, mit dem designierten

Preisträger über sein künstlerisches Wirken zu sprechen

und die gewonnenen Eindrücke in eine Formensprache zu

übersetzen, die die Essenz seiner Aussagen widerspiegelt.

Gerold schodterer

DialOG wird Gestalt

Fotos: Wolfgang Stadler

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Die Johann-Nestroy-Ringe seit 2005:

2005

erwin steinhauer

2007

Karlheinz hackl

2008

Peter turrini

2010

Karl markovics

2012

Nicholas Ofczarek

„Ich will berühren, berühren auf allen drei

Ebenen die ich bespiele. Auf der Kleinbühne,

auf der ich begonnen habe, der Großbühne,

wie dem Burgtheater und der größten

Bühne, dem Film.“

„Wenn ich mir mein Leben so anschau‘, ich

glaub‘, ich bin der Herr von Lips. Ich war

schon immer ein Zerrissener. Ich muss die Figuren

im Probieren erarbeiten, mich in die

Rolle hinein fühlen, nur mit dem Hirn allein

kann ich niemals Leben hineinbringen.“

„Im Grunde bin ich ein Handwerker wie mein

Vater, nur dass meine Werkzeuge Bleistift und

Schreibmaschine sind. Als ‚Katzlmacher-Bua‘

wurde ich immer ausgeschlossen, durfte nur

zuschauen – und daraus hab‘ ich eine Würde

gemacht und habe genauer hingeschaut.“

„Am liebsten sind mir wahrhaftige Rollen, die

ich mit Leben füllen kann, die ein Geheimnis

haben. In sie einzutauchen, um als Figur

herauszuwachsen aus dem Werk, den Menschen

Erkennen schenkend.“

„Können Sie sich eine Black Box vorstellen,

so ein Raum in dem völlige Dunkelheit

herrscht und durch diese Dunkelheit

schneidet ein scharfer, greller Lichtstrahl

– das ist für mich das Idealbild für vollkommene

Klarheit und Struktur.“

Wenn sie gefunden haben, was sie nie suchten, waren sie bei uns...

Goldschmiedeatelier Gerold und Karoline schODteReR

Atelier für fantasievolle Schmuckunikate und Unikat-Eheringe

4820 BAD ISCHL, Pfarrgasse 11, T +43 6132 23729-0, M +43 664 3575004 od. 2253646

office@schodterer.at / www.schodterer.at / www.unikat-eheringe.at

Öffnungszeiten: Mo. bis Fr. 9.30 bis 18.00 Uhr,

Sa. 9.30 bis 17.00 Uhr oder nach telefonischer Vereinbarung

Fotos: Michael Niavarani - Petra Benovsky / Karoline Schodterer / Goldschmiede / Kultur - Wolfgang Stadler, www.artpaper-photo.at / Gerhard Flohberger

Texte: Gerold Schodterer, BGM Hannes Heide / Vita - www.niavarani.at / Gestaltung: Karoline Schodterer, ARTist Werbegestaltung, www.sinn-bilder.at

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