BLATTWERK AUSGABE No.9 – Jänner bis März 2019
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P. b.b. GZ 03Z034.973 M Offenes Haus Oberwart, Lisztgasse 12, 7400 Oberwart Josef 1/<strong>2019</strong> WERKAUSSCHNITT: PETER PONGRATZ<br />
<strong>BLATTWERK</strong><br />
ZEITSCHRIFT FÜR KUNST UND KULTUR AM ORT<br />
+ OHO-PROGRAMM JÄNNER BIS MÄRZ <strong>2019</strong><br />
No. 09<br />
KONTRAPUNKTE<br />
Zum Leben auf dem Lande<br />
30 JAHRE OFFENES HAUS OBERWART<br />
Das erste Jahrzehnt<br />
WOLFGANG R. KUBIZEK<br />
Komponist und politischer Kopf<br />
7<br />
12<br />
34
Sicherheit kommt<br />
mit dem Pannendienst.<br />
Der Pannendienst<br />
kommt mit Sicherheit.<br />
Die neue A-Klasse mit<br />
Wir sind<br />
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OHO<br />
LIEBE FREUNDINNEN<br />
UND FREUNDE DES<br />
WIE DAS ALLES SEINEN ANFANG NAHM<br />
„Südlich / ein Haus / offen“ hieß die Komposition von Wolfgang R.<br />
Kubizek, die anlässlich des ersten Jahresjubiläums des Offenen Haues<br />
Oberwart im Jahr 1990 uraufgeführt wurde. Dieses Haus war zwar davor<br />
bereits für Jugendliche geöffnet und unter dem Namen „Jugendhaus<br />
Oberwart“ wohl bekannt gewesen, allerdings hatte ihm ein unsäglicher<br />
Ruf angehaftet wie kaum etwas anderes davor und danach in der<br />
Oberwarter Gesellschaft.<br />
Es war das Jahr 1984, als ich als gebürtiger Nordburgenländer, in Wien<br />
lebend, das Südburgenland zu entdecken begann. Beeindruckt von der<br />
landschaftlichen Idylle und auch von der Tatsache, dass es damals im<br />
Südburgenland noch immer mehr Landwirtschaft gab als im Norden,<br />
konnte ich auch feststellen, dass es eine durchaus interessante junge<br />
Kunstszene gab. Auf dieser Entdeckungsreise machte ich u.a. Bekanntschaft<br />
mit dem Jugendhaus in der Lisztgasse in Oberwart <strong>–</strong> es war ein<br />
Konzertbesuch, und es blieb nicht der einzige.<br />
Bei diversen Gelegenheiten war es nahezu unmöglich, jener umtriebigen<br />
Person nicht zu begegnen, die nach dem allmählichen Dahinsterben<br />
des Jugendhauses etwa ab 1986 verantwortlich für sein weiteres<br />
Geschick zeichnete und mich einlud, im „Beisl“ des Hauses meine Bilder<br />
auszustellen. Es war Horst Horvath, damals Arbeitsmarktbetreuer und<br />
Aktivist. Ein anderer, der meine Aufmerksamkeit erregte, war Schriftsteller<br />
und ich lernte ihn, Peter Wagner, auch als Musiker kennen. Die<br />
zahlreichen Abende im Beisel an der Bar trugen sehr viel dazu bei, uns<br />
mit eigenen Ideen und Visionen in die Ideen und Visionen des Aktivisten<br />
Horst Horvath einzubringen. Er strotzte vor Tatendrang und wir<br />
sprühten vor künstlerischer Schubkraft.<br />
Es war großartig, ein derartiges Biotop vorzufinden und damit künstlerische<br />
Ambitionen zu verwirklichen. Und es hat funktioniert. Das OHO<br />
wurde geboren, die ersten großen Projekte wurden realisiert. Man<br />
kann sagen, dass man ohne Rücksicht auf Verluste agiert hat. Geld zu<br />
verdienen stand damals wahrlich nicht an oberster Stelle, denn es gab<br />
kaum welches. Ausschlaggebend war die Energie, die wir hier erzeugten<br />
und die weitere Künstler einlud, sich hier zu engagieren, wie den<br />
bereits eingangs erwähnten Komponisten Wolfgang R. Kubizek und<br />
später auch den bildenden Künstler Andreas Lehner.<br />
Über die Jahrzehnte seiner Existenz, dessen 30-jähriges Jubiläum das<br />
OHO im Jahr 2018 feiert, war eine große Anzahl von KünstlerInnen an<br />
vielen großartigen Projekten beteiligt. Sie haben diesem Haus sein über<br />
die Grenzen des Landes geschätztes künstlerisches Profil verliehen.<br />
Wolfgang Horwath<br />
Obmann Offenes Haus Oberwart<br />
INHALT<br />
04 OHO-Programm<br />
06 Und welche Augenfarbe habe ich?<br />
08 Ideen und Visionen für den<br />
Bezirk Oberwart<br />
10 Erinnerungsausstellung Bernd Irran<br />
12 OHO <strong>–</strong> das erste Jahrzent<br />
Erzählung in Fragen und Antworten<br />
22 Den Mut zu träumen und die<br />
Kraft zu kämpfen<br />
Horst Horvath im Interview<br />
26 Von der Künstlergruppe<br />
Burgenland zu KGB Polychrom<br />
30 Jahre OHO <strong>–</strong> Paraphrase 1<br />
28 Kunst muss unbequem sein dürfen<br />
Christa Prets im Interview<br />
30 Festvortrag zur Wiedereröffnung des<br />
OHO 1997 von Peter Wagner<br />
32 Ausstellung Peter Pongratz<br />
34 Zu Wolfgang R. Kubizek:<br />
Christoph Cech im Interview<br />
36 Statements zu Wolfgang R. Kubizek<br />
38 Buchtipps<br />
39 Weintipp<br />
Impressum: Medieninhaber und Verleger: Offenes Haus Oberwart,<br />
A-7400 Oberwart, Lisztgasse 12, Telefon +43 (0)3352 <strong>–</strong> 38555; DVR 0648281;<br />
ZVR 387081290; Verlagspostamt: 1230 Wien; Zulassungsnr.: GZ 03Z034973 M;<br />
Druck: Druckerei Schmidbauer, Oberwart; Fotos: zVg, Shutterstock;<br />
Gestaltung: RABOLD UND CO. / www.rabold.at;<br />
Redaktionelle Mitarbeit: Wolfgang Horwath, Alfred Masal,<br />
Ursula Neubauer, Katharina Tiwald, Peter Wagner, RABOLD UND CO.<br />
Lektorat: Sandra Grosz-Jusinger, Peter Wagner<br />
Stand bei Drucklegung, Änderungen und Ergänzungen vorbehalten.<br />
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3
AUSSTELLUNG PETER PONGRATZ<br />
DETAILLIERTE Informationen<br />
zu DIESEN UND WEITEREN<br />
Veranstaltungen auf<br />
www.OHO.at<br />
ODER telefonisch unter<br />
+43 (0)3352 <strong>–</strong> 38555<br />
Falls nicht anders angegeben, finden<br />
alle Veranstaltungen im OHO statt.<br />
HEARTS HEARTS<br />
Fr., 11.1.<br />
20:00 Uhr<br />
HEARTS HEARTS UND APOLLON’S RETURN<br />
Konzert: Indiepop / Experimental Rock<br />
Eintritt: VVK € 8,<strong>–</strong> / AK € 10,<strong>–</strong><br />
Die oberösterreichischen Senkrechtstarter und Gewinner<br />
des FM4-Awards von HEARTS HEARTS legen mit „Goods /<br />
Gods“ (Tomlab) ein rundum überzeugendes und erwachsenes<br />
Zweitwerk vor. Es ist sowohl ausgesprochen clever<br />
<strong>–</strong> vom Songwriting <strong>bis</strong> hin zur Instrumentierung <strong>–</strong> als auch<br />
an den richtigen Stellen höchst emotional. „Goods / Gods“<br />
strotzt nur so vor allerlei „Goods“, um auf dem Weg zum<br />
Alternative-Olymp den nächsten Schritt zu tun!<br />
Bereits der Opener „Phantom / Island“ beginnt mit einem<br />
angenehm abgedrehten Synthesizer und nimmt keine Gefangenen.<br />
Im nächsten Moment werden dann auch schon<br />
gekonnt Rhythmen à la Radiohead ausgespielt und die<br />
Aufmerksamkeit der musikalisch alternativorientierten Zuhörerschaft<br />
ist, gepaart mit einer stylischen Bühnenshow,<br />
im Handumdrehen hergestellt. „Kunstpop im besten Sinn“<br />
(Die Presse)<br />
APOLLON´S RETURN gehen mit wachen Augen durch die<br />
Welt, verbeißen sich gegen Alltagsrassismus, soziale Kälte<br />
und überhaupt: Krisen aller Art. In einer speziellen Spielart<br />
servieren Apollon’s Return Poeten-Rock mit Attitüde. Mit<br />
ihrer neuen CD „Kreise und Linien“ und dem Video ihrer<br />
Single „Träume der Kreise“ starten sie heuer durch.<br />
So., 13.1.<br />
20:00 Uhr * OFF Theater Wien<br />
TALKSHOW 1933 <strong>–</strong><br />
UND WELCHE AUGENFARBE HABEN SIE?<br />
Theater<br />
Eintritt: VVK € 16,<strong>–</strong> / AK € 19,<strong>–</strong> (ermäßigt VVK € 14,<strong>–</strong> / AK € 17,<strong>–</strong>)<br />
WEITERE VORSTELLUNG: Mo., 14.1. * 20:00 Uhr<br />
White Box, Kirchengasse 41, 1070 Wien<br />
Eine Produktion der Theaterinitiative Burgenland, der Roma<br />
Volkshochschule Burgenland und dem Offenen Haus Oberwart<br />
Do., 17.1.<br />
20:00 Uhr * ORF Landesstudio Eisenstadt<br />
TALKSHOW 1933 <strong>–</strong><br />
UND WELCHE AUGENFARBE HABEN SIE?<br />
Theater<br />
Eintritt: VVK € 16,<strong>–</strong> / AK € 19,<strong>–</strong> (ermäßigt VVK € 14,<strong>–</strong> / AK € 17,<strong>–</strong>)<br />
WEITERE VORSTELLUNG: Fr., 18.1. * 20:00 Uhr<br />
ORF Burgenland, Buchgraben 51, 7000 Eisenstadt<br />
Eine Produktion der Theaterinitiative Burgenland, der Roma<br />
Volkshochschule Burgenland und dem Offenen Haus Oberwart<br />
Mo., 28.1.<br />
19:00 Uhr<br />
KONTRAPUNKTE <strong>–</strong> VISIONEN ZUM LEBEN AUF DEM LANDE<br />
Vernissage der Ausstellung<br />
zur Raumplanung und Regionalentwicklung<br />
mit StudentInnen der TU Wien und KünstlerInnen<br />
Eintritt frei<br />
JÄNNER BIS MÄRZ <strong>2019</strong><br />
Fr., 22.2.<br />
19:30 Uhr<br />
BERND IRRAN UND<br />
DER PLANET DER KÖNIGE<br />
Vernissage der Erinnerungsausstellung für Bernd Irran<br />
Eintritt frei<br />
sA., 23.2.<br />
20:00 Uhr<br />
STANDBY COMEDY<br />
Kabarettpremiere von Markus Bittner<br />
Eintritt: VVK € 14,<strong>–</strong> / AK € 16,- (ermäßigt VVK € 12,<strong>–</strong> / AK € 14,<strong>–</strong>)<br />
Do., 28.2.<br />
19:30 Uhr<br />
DATENPOESIE CONTRA DIGITAL BEHAVIORISMUS<br />
Lesung und Diskussion<br />
Eintritt frei<br />
Eine Veranstaltung des OHO in Kooperation mit<br />
der GAV-Burgenland und dem Pen Club Burgenland<br />
sA., 2.3.<br />
20:00 Uhr<br />
BUY BUY BABY VON DAS PLANETENPARTY PRINZIP UND<br />
MELT DOWNER / SUPPORT: DEAD ENDS FRIENDS<br />
Noise-Rock-Konzept-Performance<br />
Eintritt: VVK € 8,<strong>–</strong> / AK € 10,<strong>–</strong><br />
Fr., 8.3.<br />
19:30 Uhr<br />
KÜNSTLERGRUPPE BURGENLAND <strong>–</strong> KGB POLYCHROM<br />
Vernissage der Ausstellung<br />
30 JAHRE OHO >> PARAPHRASE #1<br />
AUF DAS ERSTE JAHRZEHNT<br />
Eintritt frei<br />
Sa., 9.3.<br />
20:00 Uhr<br />
„LOLA BLAU” VON GEORG KREISLER<br />
Musical-Kabarett mit der Schauspielerin Tamara Stern<br />
Eintritt: VVK € 15,<strong>–</strong> / AK € 18,<strong>–</strong> (ermäßigt VVK € 13,<strong>–</strong> / AK € 15,<strong>–</strong>)<br />
fr., 15.3.<br />
20:00 Uhr<br />
„NEVER REACH THE END” <strong>–</strong> REFRAIN COLOR<br />
Konzert: Worldmusic<br />
Eintritt: VVK € 13,<strong>–</strong> / AK € 16,<strong>–</strong> (ermäßigt VVK € 11,<strong>–</strong> / AK € 13,<strong>–</strong>)<br />
Fr., 22.3.<br />
19:30 Uhr<br />
PETER PONGRATZ<br />
FEINE SALONKUNST FÜR DAS WOHNZIMMER<br />
Vernissage der Ausstellung<br />
Eintritt frei<br />
SA., 23.3.<br />
13:00 <strong>bis</strong> 18:00 Uhr * Rathaus Oberwart<br />
NS GEFÜHLSERBSCHAFTEN IM 21. JAHRHUNDERT<br />
Symposium<br />
Eintritt frei<br />
Eine Veranstaltung von RE.F.U.G.I.U.S. in Kooperation<br />
mit den Burgenländischen Volkshochschulen, K.B.K.<br />
SA., 23.3.<br />
20:00 Uhr<br />
HANNA I KÄTHE <strong>–</strong> DVI HRVATICE U OTPORU<br />
Eine Film-, Musik- und Leseperformance über<br />
zwei Burgenlandkroatinnen im Widerstand<br />
Eintritt: VVK € 15,<strong>–</strong> / AK € 18,<strong>–</strong> (ermäßigt VVK € 13,<strong>–</strong> / AK € 15,<strong>–</strong>)<br />
Eine zweisprachige Eigenproduktion der KUGA<br />
SA., 29.3.<br />
19:30 Uhr<br />
WOLFGANG R. KUBIZEK <strong>–</strong><br />
KOMPONIST UND POLITISCHER KOPF<br />
1959 <strong>–</strong> 2008<br />
Ein musikalisches Fest<br />
30 JAHRE OHO >> PARAPHRASE #2<br />
AUF DAS ERSTE JAHRZEHNT<br />
Eintritt: VVK € 16,<strong>–</strong> / AK € 19,<strong>–</strong> (ermäßigt VVK € 14,<strong>–</strong> / AK € 17,<strong>–</strong>)<br />
Eine Veranstaltung in Kooperation von OHO, RE.F.U.G.I.U.S.,<br />
KIBu, VHS, K.B.K. und Friedrich & Paul Gulda-Musikfonds<br />
* Ermäßigte Kartenpreise gelten für: OHO-Mitglieder,<br />
Ö1-Club-Mitglieder, Schülerinnen und Schüler, Lehrlinge,<br />
Studentinnen und Studenten, Zivil- & Präsenzdiener.<br />
THEATER<br />
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UND WELCHE<br />
AUGENFARBE<br />
HABE ICH?<br />
„Talkshow 1933 <strong>–</strong> Und welche Augenfarbe haben Sie“<br />
hieß die Produktion 2018 der „Theaterinitiative<br />
Burgenland“. Geschrieben hat das Stück Petra Piuk,<br />
inszeniert hat es Angelika Messner.<br />
Eine Publikumsbetrachtung.<br />
von Ursula Neubauer<br />
TALKSHOW 1933 <strong>–</strong> UND WELCHE<br />
AUGENFARBE HABEN SIE?<br />
Theater<br />
Eintritt: VVK € 16.<strong>–</strong> / AK € 19,<strong>–</strong> (ermäßigt VVK € 14,<strong>–</strong> / AK € 17,<strong>–</strong>)<br />
Stück: Petra Piuk<br />
Regie: Angelika Messner<br />
DarstellerInnen: Marie-Christine Friedrich, Alexander<br />
Braunshör, Jens Ole Schmieder, Sven Kaschte,<br />
David Wurawa, Johannes Steininger, Joseph Cyril<br />
Stoisits, Niki Kracher, Anna Maria Farcher<br />
Eine Produktion der Theaterinitiative Burgenland<br />
in Kooperation mit dem OHO und der<br />
Roma Volkshochschule Burgenland<br />
13. & 14.1.<br />
20:00 Uhr * OFF Theater Wien<br />
White Box, Kirchengasse 41, 1070 Wien<br />
17. & 18.1.<br />
20:00 Uhr * ORF Eisenstadt<br />
ORF Landesstudio Burgenland<br />
Buchgraben 51, 7000 Eisenstadt<br />
Da vorne ist ein Fernsehstudio aufgebaut. Das Publikum wird zuerst vom<br />
Einklatscher, dann von der Moderatorin Boulevarda begrüßt. Das<br />
Publikum, das Theaterpublikum. Das Publikum, das Talkshowpublikum.<br />
Denn die BesucherInnen sind beides. Die, die sich gemütlich denken können:<br />
Geht mich eh alles nix an, ist ja alles nur gespielt. Und gleichzeitig die, die<br />
irgendwie mitten ins Stück geholt werden und durchaus betroffen sind.<br />
„Wer von Ihnen im Studio hat denn blaue Augen? Bitte stehen Sie auf!“, ruft<br />
Boulevarda. In ihrer Talkshow wird das Problem der Blauäugigen diskutiert.<br />
Die sind nämlich zur Plage geworden. Hochrangige PolitikerInnen streiten,<br />
wie man bloß mit ihnen umgehen solle. Ihnen die Kinder wegnehmen? Sie<br />
auf Inseln internieren? Zitate aktueller Regierungsmitglieder kommen da<br />
genauso vor wie Verweise auf die historische Grundlage des Stücks: die<br />
„Verhandlungsschrift über die am 15. <strong>Jänner</strong> 1933 in Oberwart abgehaltene<br />
Tagung zur Zigeunerfrage im Burgenland“.<br />
ALLES NUR GESPIELT<br />
„Als wir da aufstehen sollten <strong>–</strong> ich habe blaue Augen <strong>–</strong> das war wirklich ein<br />
Moment, der mich sehr gepackt und betroffen gemacht hat“, sagt Lukas<br />
Sperlich. Er ist mit einem Freund aus Graz zur Aufführung nach Oberwart<br />
gekommen. „So deutlich zu sehen, wie man eine Gruppe trennen kann,<br />
war fast unheimlich.“ Das Publikum ist folgsam. Die Blauäugigen stehen<br />
wirklich auf und schauen sich um. Auch die Sitzengebliebenen schauen.<br />
Wer steht jetzt? Wer sitzt?<br />
Zu einem späteren Zeitpunkt im Stück <strong>–</strong> inzwischen hat eine Demonstrantin<br />
das Studio gestürmt und „We are not afraaaaaaid“ gesungen, ein Zukunftspolitiker<br />
hat erklärt, dass das mit den Blauäugigen in Zukunft gar nicht die zentrale<br />
Frage sein würde, sondern die Blondhaarigen das eigentliche Problem<br />
wären, und in einem Werbespot wurden „Vergiss-mein-schnell-Tabletten“<br />
gegen schlechtes Gewissen angepriesen <strong>–</strong> kommt Boulevarda wieder aufs<br />
Publikum zu. Diesmal möchte sie wissen, wer Kinder hat. Schließlich steht<br />
noch immer die Frage im Raum, ob es nicht gut wäre, den Blauäugigen die<br />
Kinder wegzunehmen. Nun will sich das Publikum aber auf nichts einlassen.<br />
Die Frage verneinen fast alle <strong>–</strong> auch mit „Dann sag ich jetzt mal: Ich hab keine“.<br />
WO IST DIE KLEINE EMPÖRUNG?<br />
Die Demonstrantin ist wieder da. Reißt mit, resigniert, sucht ihre Empörung.<br />
Der Studio-Praktikant wird abgeführt, er hat blaue Augen. Die Gesetze werden<br />
verschärft, die Moderatorin interessiert sich aber mehr für die Quoten.<br />
Es wird erzählt, dass der Praktikant nicht mehr lebt. Es wird hingenommen.<br />
Lukas Sperlich und sein Freund kommen auf jeden Fall sofort nach dem<br />
Schlussapplaus ins Diskutieren: Wie ist das mit der Empörung? Und haben<br />
wirklich alle Menschen die gleichen Rechte? Sollen sie sie haben? Sollen für<br />
die, die von woanders kommen, dieselben Ansprüche gelten wie für die, die<br />
schon immer hier waren?<br />
Die Diskussion der beiden<br />
wird hitziger. Der Saal<br />
hat sich geleert. Es brauche<br />
stabile Verhältnisse<br />
und verantwortungsvolle<br />
PolitikerInnen. Und dass<br />
sich die Masse, so ein Publikum<br />
wie hier, mehr aufrütteln<br />
lasse. Warum sind<br />
die Leute so gelassen, so<br />
träge? So gesättigt? Die<br />
zwei jungen Männer aus<br />
Graz mutmaßen: „Weil sie<br />
eh wissen, dass das nur<br />
gespielt ist.“<br />
Na Gott sei Dank.<br />
Kontrapunkte<br />
Michaela Putz<br />
VISIONEN ZUM LEBEN<br />
AUF DEM LANDE<br />
MO, 28.1.<br />
19:00 Uhr<br />
AUSSTELLUNG ZUR RAUMPLANUNG<br />
UND REGIONALENTWICKLUNG<br />
mit StudentInnen der TU Wien<br />
und KünstlerInnen<br />
Eintritt frei<br />
Anschließend laden wir zu einem kleinen Buffet.<br />
Es gibt zahlreiche raumplanerische Designkonzepte und -ansätze, nicht<br />
nur für die Stadtentwicklung, sondern gerade auch für ländliche Regionen.<br />
40 StudentInnen der TU Wien haben in monatelanger Arbeit sechs Regionalentwicklungskonzepte,<br />
als regionale Ergänzung zum Burgenländischen<br />
Landesentwicklungsplan LEP 2011, auf der Basis ihres raumplanerischen<br />
Wissens entwickelt. Dies geschah in Zusammenarbeit mit der Sektion Interkommunale<br />
Zusammenarbeit des Regionalmanagements Burgenland (RMB).<br />
Was schon bei der ersten Evaluierungspräsentation aufgefallen ist: Diese<br />
Konzepte und Leitbilder für den Bezirk Oberwart bergen ein enormes Zukunftspotential,<br />
versuchen sie doch die Probleme von heute in positiver<br />
Weise als Chance für die Region zu betrachten. Die StudentInnen bieten<br />
Strategien an, die in die Zukunft weisen, in denen aber genug Raum für die<br />
einzelnen AkteurInnen <strong>–</strong> wie Gemeinden, Institutionen und Einzelpersonen<br />
<strong>–</strong> besteht, sich mit eigenen Ideen einzubringen.<br />
Es wäre keine Präsentation im OHO, würden wir diesen sieben Regionalentwicklungskonzepten,<br />
die vor allem auf die Notwendigkeit vernetzten und<br />
systemischen Denkens aufmerksam machen, nicht Werke von KünstlerInnen,<br />
die sich im weitesten Sinne mit Land-Art beschäftigten, als Kontrapunkt<br />
gegenüberstellen. Sie werden Installationen, künstlerische Raumvermessungen<br />
und Land-Art-„Landmarks“, persönliche Blickwinkel mittels Fotografie,<br />
Bild, Installation, Video, Sounds in die Ausstellung einbringen und somit<br />
eine ganz eigene Kartografie der Region erstellen.<br />
Die beteiligten KünstlerInnen: Doris Dittrich, Wolfgang Horwath,<br />
Andreas Lehner, Michaela Putz, Christian Ringbauer,<br />
Alexander Pongracz<br />
In diesem Spannungsfeld künstlerischer und konzeptueller Arbeit präsentieren<br />
die TU Wien, das RMB und das OHO die Arbeiten der StudentInnen<br />
und laden Sie ein, mit uns gemeinsam über Zukunftsstrategien des Bezirkes<br />
Oberwart zu diskutieren.<br />
6<br />
Details zum Stück auf www.oho.at<br />
7
Ideen und Visionen<br />
für den Bezirk Oberwart<br />
Im Zuge unserer Recherchen zur Problematik der Land-<br />
bzw. Stadtflucht und zu den demografischen und wirtschaftlichen<br />
Folgen ergab sich eine freundschaftliche<br />
Zusammenarbeit mit dem Department für Raumplanung,<br />
Fachbereich Regionalplanung und Regionalentwicklung,<br />
der Technischen Universität Wien. Daraus entwickelte sich<br />
ein Projekt, das sich wunderbar in unseren zweiten Teil des<br />
letztjährigen Heimatschwerpunktes, der sich mit der Realität<br />
und Zukunft des Landlebens beschäftigte, einfügt.<br />
Die TU Wien machte dem Regionalmanagement Burgenland<br />
(RMB) und dem Offenen Haus Oberwart das Angebot, mit StudentInnen<br />
eine Studie über den Bezirk Oberwart durchzuführen,<br />
mit dem Ziel, im Rahmen eines Bachelorseminars auf Grundlage<br />
von Raumplanungsvorgaben mehrere Regionalentwicklungspläne<br />
für die Region Oberwart zu erstellen.<br />
Am 9. Oktober 2018 war es so weit: Unter Führung des RMB<br />
begaben sich die StudentInnen und Lehrenden der TU Wien auf<br />
eine Recherchefahrt durch das Burgenland, um mit BürgermeisterInnen<br />
und maßgeblichen Persönlichkeiten des Bezirkes Gespräche<br />
zu führen. Dipl. Ing. Gerhard Pongracz, Beauftragter<br />
für Interkommunale Zusammenarbeit im Regionalmanagement<br />
Burgenland und verantwortlicher Koordinator und Auftraggeber<br />
für diese Forschungsarbeit, führte die StudentInnen durch die<br />
Region und kümmerte sich um die notwendigen Kontakte und<br />
das Wohl der RechercheteilnehmerInnen.<br />
Unterstützt durch Workshops, Vorträge und Präsentationen arbeiteten<br />
die StudentInnen eine Woche im OHO und in der Region.<br />
Nach weiteren Analyseschritten wurden während des Bachelorseminars<br />
an der Universität sieben Leitbilder und Konzeptideen<br />
entwickelt und in einer späteren Evaluationspräsentation am 27.<br />
November mit Verantwortlichen und BesucherInnen des OHO<br />
diskutiert. Nun ging es in die Endphase der Ausarbeitung und<br />
Fertigstellung dieser sieben Regionalentwicklungskonzepte.<br />
Am Montag, dem 28.1.<strong>2019</strong>, präsentieren wir diese Ergebnisse<br />
der StudentInnen in einer großen Ausstellung unter dem Titel<br />
„Kontrapunkt <strong>–</strong> Ideen und Visionen für das Leben am Lande“, bei<br />
der wir auch KünstlerInnen eingeladen haben, sich mit künstlerischen<br />
Arbeiten zum Thema Land Art und Architektur zu beteiligen.<br />
Um die Kraft gestalterischer Designentwürfe im Bereich der<br />
Raumplanung und Regionalentwicklung besser vermitteln zu<br />
können, haben wir die ProfessorInnen, leitenden WissenschaftlerInnen<br />
und StudentInnen des Fachbereichs Regionalplanung<br />
und Regionalentwicklung gebeten, diese Forschungsarbeit näher<br />
zu erläutern. Die Stellungnahmen haben wir hier für Sie zusammengefasst.<br />
Auf der OHO-Homepage (www.oho.at) stellen wir<br />
Ihnen, auf einer eigenen Seite, den gesamten Text zur Verfügung.<br />
VON DER RAUMPLANUNG<br />
ZUR REGIONALENTWICKLUNG<br />
Aufgabe der Raumplanung ist die Koordination der Raum- und<br />
Nutzungsansprüche von Gesellschaft und Wirtschaft (Wohnen,<br />
Bildung, Arbeiten, Freizeit) und des beschränkten und nicht vermehrbaren<br />
Raumpotentials, dem Boden. Die bestmögliche Abstimmung<br />
der Nutzungen erfolgt in einem laufenden Prozess, der<br />
auf politischen Zielvorstellungen basiert.<br />
Dabei werden Planungsräume zumeist durch politisch-administrative<br />
Grenzen definiert, am häufigsten auf Gemeindeebene<br />
mit dem/der Bürgermeister/in als Baubehörde erster Instanz.<br />
Unser Lebens- und Wirtschaftsraum ist jedoch von funktionalen<br />
Zusammenhängen wie Einzugsbereichen, von sozialer Infrastruktur,<br />
von Handel und Dienstleistungen sowie Alltagsmobilität und<br />
räumlichen Identitäten geprägt und bezieht sich überwiegend auf<br />
die regionale Ebene.<br />
Daher ist es längst Zeit, auf der regionalen Ebene zu denken und<br />
zu handeln. Regionale Raumentwicklungskonzepte sind dafür<br />
ein höchst geeignetes Instrumentarium. Sie bilden den Rahmen<br />
für die örtliche Raumplanung und können Antworten auf Problemstellungen<br />
bieten, die auf örtlichen Ebenen nicht oder nicht<br />
ausreichend gelöst werden können.<br />
PROJEKT P2 IN DER REGION OBERWART <strong>–</strong><br />
WERT DER FORSCHUNGSARBEIT VOR ORT<br />
Das Projekt P2 ist eine der wichtigsten Lehrveranstaltungen in<br />
der Raumplanungsausbildung der TU Wien. Seit es diese Ausbildung<br />
an der TU gibt, ist es gute Tradition, Lehrveranstaltungen in<br />
Zusammenarbeit mit PraxispartnerInnen vor Ort durchzuführen.<br />
Die sieben Gruppen hatten heuer alle die Aufgabe, ein „Integriertes<br />
regionales Entwicklungskonzept“ für die kommenden<br />
zehn <strong>bis</strong> fünfzehn Jahre zu erstellen. Das heißt, dass sie sich alle<br />
mit allen räumlichen Belangen und Verflechtungen in „ihrer“ Region<br />
auseinandersetzen mussten: mit dem Leben vor Ort, den<br />
Menschen und gesellschaftlichen Trends, dem Naturraum und<br />
der Siedlungsentwicklung, mit Fragen zur Versorgung und der<br />
Mobilität, mit Fragen zur wirtschaftlichen Entwicklung und dem<br />
Tourismus, der Kultur und wie alle gut zusammenarbeiten können<br />
… Das Spannende an den studentischen Konzepten ist, dass<br />
jede Gruppe eine andere Lösungsstrategie erarbeitete. Also unterschiedliche<br />
thematische Zugänge, wie die vielen Aufgaben in<br />
der Region zielgerichtet gelöst werden können.<br />
Die Rückmeldungen unserer P2-PartnerInnen aus den vergangenen<br />
Jahren belegen, dass viele Ideen der Studierenden praktikable<br />
Lösungsvorschläge darstellen: Lösungen, die so <strong>bis</strong>her in der Region<br />
noch nicht gedacht wurden, die aber eine gute Grundlage für<br />
reale Entwicklungsprojekte sind. Sie können schlagend werden,<br />
wenn die Menschen in der Region die Anregungen aufgreifen und<br />
gemeinsam weiterentwickeln.<br />
SECHS LEITBILDER DER STUDIERENDEN<br />
Glücksregion Oberwart.<br />
Eine Region übernimmt Verantwortung.<br />
Glück ist ein für jeden Menschen erstrebenswerter Zustand, der<br />
durch Indikatoren messbar ist. Aufbauend auf vorhandenen<br />
räumlichen Potentialen werden die Teilgebiete Natur, Tradition,<br />
Ruhe und Begegnung definiert, die die thematischen Schwerpunkte<br />
der Glücksregion darstellen. Dieses Projekt legt den Fokus auf<br />
intensive BürgerInnenbeteiligung. Gemeinschaftlich soll Oberwart<br />
zum glücklichsten Bezirk Österreichs entwickelt werden.<br />
Einen Schritt voraus …<br />
Klimatische Veränderungen, die Notwendigkeit eines Umdenkens<br />
in der Flächenbeanspruchung sowie die Versorgung einer stetig<br />
wachsenden Bevölkerung mit Nahrung, Energie und Wohnraum<br />
in einer rundum vernetzten Gesellschaft stellen neue Anforderungen<br />
an die regionale Raumplanung. Oberwart soll hierbei<br />
urbane und rurale Konzepte aus aller Welt aufgreifen, anpassen,<br />
umsetzen, weiterentwickeln und sich dabei als Forschungslabor<br />
für neue Ideen im Bereich der Landwirtschaft, Wirtschaft, Infrastruktur<br />
und des Sozialraumes etablieren.<br />
LAND]schaft[STADT<br />
Sie genießen noch nicht die Qualitäten einer zentralen Lage, wie<br />
etwa fußläufig erreichbare Nahversorger, und einen öffentlichen<br />
Verkehr, der Sie zu all Ihren regionalen und überregionalen Zielen<br />
bringt? Wir wollen wachsende Gemeinden unterstützen, deren<br />
Potentiale bündeln und stärken, während die Siedlungsräume der<br />
schrumpfenden Gemeinden langfristig ihre Nutzung als Wohnräume<br />
verlieren. Dialoge sollen die Menschen sowohl im Umland<br />
als auch in der Stadt unterstützend begleiten.<br />
Energie weiterdenken<br />
Unser Leitbild baut auf dem Schwerpunkt Lebensenergie auf.<br />
Um den Alltag der EinwohnerInnen möglichst nachhaltig zu gestalten<br />
und eine Work-Life-Balance zu erreichen, muss hier ein<br />
Gleichgewicht geschaffen werden. Es sollen Siedlungsstrukturen<br />
entstehen, die durch kurze Wege und intelligente Vernetzungen<br />
den Menschen zum Einsparen von Lebenskraft verhelfen. Die<br />
Region übernimmt somit eine Vorreiterrolle bezüglich Entschleunigung<br />
und Energieeinsparung.<br />
Gesundheitsregion Oberwart<br />
Im Jahr 2030 sehen wir Oberwart als die Gesundheits- und Entspannungsregion<br />
im Osten Österreichs. Den EinwohnerInnen<br />
möchten wir die Chance bieten, so gesund wie möglich leben und<br />
arbeiten zu können. Pflegebedürftigen Menschen soll die Möglichkeit<br />
geboten werden, sich optimal rehabilitieren und pflegen<br />
zu lassen. TouristInnen soll die Chance geboten werden, aktive<br />
und abwechslungsreiche Urlaube in der Region zu verbringen.<br />
Durchatmen <strong>–</strong> in Oberwart Natur leben<br />
Oberwart zeichnet sich durch heterogene und vielschichtige<br />
Kulturlandschaften aus. Die teils unberührte Natur ist maßgebend<br />
für die weitere Entwicklung der Region. Unter dem Motto<br />
„Durchatmen“ möchten wir Oberwart zeigen, dass man die Region<br />
mit Ruhe und Bedacht optimal voranbringen kann. „Durchatmen“<br />
und zur Ruhe kommen kann man am besten in der Natur. Deshalb<br />
steht der Natur- und Klimaschutz als Querschnittsmaterie<br />
im Zentrum der Entwicklung.<br />
8 9
Die Ausstellung ist von 23.2. <strong>bis</strong> zum 5.3.<strong>2019</strong> zu<br />
besichtigen: von Montag <strong>bis</strong> Freitag zwischen<br />
9:00 und 16:00 Uhr, vor Veranstaltungen<br />
SA., 23.2.<br />
20:00 Uhr<br />
STANDBY COMEDY<br />
Kabarettpremiere von Markus Bittner<br />
Eintritt: VVK € 14,<strong>–</strong> / AK € 16,- (ermäßigt VVK € 12,<strong>–</strong> / AK € 14,<strong>–</strong>)<br />
Bernd Irran wurde 1943 in Wien geboren und lebte in verschiedenen<br />
Orten der Steiermark und in Pinkafeld. Nach der Matura in Graz studierte<br />
er an der Akademie der Bildenden Künste in Wien. 1966 wurde ihm<br />
der Meisterschulpreis zuerkannt. 1968 schloss er sein Studium mit dem<br />
Akademiediplom ab und erwarb damit den Titel Magister artium. Bis zu<br />
seinem frühen Tod im Jahr 1986 lebte er mit seiner Familie in Pinkafeld. Er<br />
war als Professor für Bildnerische Erziehung am BG/BRG Oberschützen und<br />
als freischaffender Künstler tätig.<br />
Neben seiner künstlerischen Präsenz in Österreich brachten ihm Ausstellungen<br />
in der Schweiz und in Deutschland sowie Science-Fiction-Buchillustrationen<br />
auch internationale Anerkennung.<br />
Was macht ein Kabarett-Newcomer, wenn seine gesamte Familie, Freunde, Verwandte<br />
und ArbeitskollegInnen sein erstes Programm gesehen haben? <strong>–</strong> Er<br />
schreibt ein neues Programm. Ausgangspunkt ist sein großes satirisches Idol Ephraim<br />
Kishon, der einmal sagte: „Ein guter Humorist ist einfach nur ein guter Reporter.“ Die<br />
lustigen Geschichten kann einer sich eben nicht ausdenken <strong>–</strong> die passieren.<br />
So kommt es, dass Bittners zweites Programm ein sehr persönliches ist, das er nicht<br />
im Stil des Stand-ups, sondern im Modus des Standbys vorträgt. Er erzählt dabei<br />
über sein Hobby des Fußballschiedsrichterns, seine Kindheit am Stammtisch des familiengeführten<br />
Beisels sowie über Kuriositäten seines Brotberufs als Chemiker. Die<br />
Erzählperspektive ist die Vogelperspektive. Denn wer sich freiwillig als Schiedsrichter<br />
aufstellt, sich mit Chemie beschäftigt und dann auch noch auf eine Bühne geht, der<br />
muss doch einen Vogel haben.<br />
und nach Vereinbarung.<br />
Fr., 22.2.<br />
19:30 Uhr<br />
BERND IRRAN UND DER PLANET DER KÖNIGE<br />
Vernissage der Erinnerungsausstellung für Bernd Irran<br />
Eintritt frei<br />
Mit seiner Phantasie entführt Bernd Irran alle, denen es gelingt, den Rahmen<br />
der sichtbaren Realität zu überschreiten, in eine erdachte Welt voll Unbekanntem,<br />
Unerwartetem, manchmal scheinbar Gefährlichem, aber immer<br />
ästhetisch Anspruchsvollem. Er sammelte seltene Muscheln, Wurzeln, Steine<br />
… Diese oft skurril anmutenden Objekte vermittelten ihm besondere Inspirationen.<br />
Wesentliche Anregungen fand er in seiner Begeisterung für Science-Fiction-Literatur,<br />
vor allem in den Büchern von Stanislaw Lem, Sterling E.<br />
Lanier, Frank Herbert, Isaac Asimov oder in den Fantasy-Stories von J. R. R.<br />
Tolkien. Seine „Ansichten von anderswo“ sind reine Fiktion, bevorzugt ausgedrückt<br />
mit den traditionellen Mitteln der Zeichnung. Aus diesem Gegensatz<br />
entsteht eine faszinierende Spannung, die es möglich macht, den Künstler<br />
bei seinen „Expeditionen nach innen“ zu begleiten. (Dr. Gottfried Reszner)<br />
do., 28.2.<br />
19:30 Uhr<br />
DATENPOESIE CONTRA DIGITAL BEHAVIORISMUS<br />
Der digitale Salon <strong>–</strong> Lesung und Diskussion<br />
mit Jörg Piringer und Katharina Tiwald<br />
Eintritt frei<br />
Mit dem „digitalen Salon“ möchte das OHO ein neues Format eröffnen, das sich<br />
mit den veränderten Arbeitsweisen, Einflüssen und Spielarten in einer digitalen<br />
Welt auseinandersetzt. Dass hier genreübergreifend diskutiert und präsentiert<br />
wird, versteht sich in einer „Multitasking“-Gesellschaft von selbst. Wenn wir die<br />
heutige Situation von der 30-jährigen Geschichte des Hauses aus betrachten, so<br />
sehen wir eine massive gesellschaftliche Veränderung und eine andere Rezeption<br />
künstlerischen Schaffens, die sich vom Interesse am Entstehen eines Werkes<br />
und an seinen Bezügen zur jeweiligen Schaffensperiode hin zur Präsentation<br />
und Aussage des Werkes verlagert hat. Um es im Sinne des Behaviorismus zu<br />
formulieren: Nicht die Verarbeitung und Umsetzung künstlerischer Arbeit ist<br />
wichtig geworden, sondern der Output. Der innere Schaffensprozess ist zur<br />
Blackbox geworden, der tunlichst nicht in den Vordergrund rücken soll. Vielleicht<br />
ist das der Grund, warum diese Welt so „glatt“ geworden ist.<br />
In diesem ersten „digitalen Salon“ liest Jörg Piringer, einer der hervorragendsten<br />
Künstler auf dem Sektor digitale Kunst, wenn wir das so nennen wollen, aus<br />
seinem neuen Buch „datenpoesie“ und diskutiert mit Katharina Tiwald über die<br />
Frage: Können Lyrik und Poesie dieser glatten und auf brauchbare, verkaufbare<br />
Ergebnisse fokussierten Welt etwas entgegensetzen?<br />
Jörg Piringer versteht die Produktion von Computerliteratur als künstlerische<br />
Forschung und explorative Programmierung, die den subjektiven Aspekt und<br />
den persönlichen Erkenntnisgewinn betonen. Beispiele seines umfangreichen<br />
digital-literarischen Werks legt der Autor, soweit dieses gedruckt dargestellt<br />
werden kann, nun erstmals in Buchform gesammelt vor. Piringers Arbeiten,<br />
die in der Regel das Schreiben oder Umformen eines Computerprogramms<br />
und das Befüllen von diesem mit geeignetem Textmaterial umfassen, sind von<br />
konzeptioneller Raffinesse und einem „coolen“ Humor geprägt.<br />
Eine Veranstaltung des OHO in Kooperation<br />
mit der GAV-Burgenland und dem Pen Club Burgenland<br />
SA., 2.3.<br />
20:00 Uhr<br />
„BUY BUY BABY“ VON DAS PLANETENPARTY<br />
PRINZIP UND MELT DOWNER<br />
SUPPORT: DEAD ENDS FRIENDS<br />
Eine Noise-Rock-Konzept-Performance<br />
über das Konsumieren, eingepackt<br />
in eine Dauerwerbesendung.<br />
Eintritt: VVK € 8,<strong>–</strong> / AK € 10,<strong>–</strong><br />
In einer Zeit des Massenkonsums und des nie enden<br />
wollenden paradiesischen Lebens einer Gesellschaft, die<br />
alles hat, verliert man leicht den Überblick. Den Überblick<br />
über das, was man schon hat, und das, was man noch<br />
gern hätte. Über das, was man unbedingt will, und über<br />
das, was man wirklich braucht.<br />
Drei Frauen, die ohne Ende verkaufen, anbieten, anpreisen,<br />
vorstellen, vorzeigen, werben, verkaufen. „Wer<br />
jetzt nicht kauft, ist selber schuld!“ Man wird beeinflusst,<br />
bezaubert, bezirzt. Ein nie enden wollendes Vorführen<br />
und Lobpreisen von Produkten. Für die Verkäuferinnen,<br />
die Propagandistinnen ihrer Produkte, zählen nur Zahlen.<br />
So viel verkaufen wie geht, Quantität vor Qualität!<br />
Daneben eine Band. Die Musik von Melt Downer gibt<br />
den Rhythmus vor und bildet mit ihren harten Noise-Rock-Klängen<br />
gleichzeitig einen Gegensatz zur<br />
vergnüglichen Verkaufsshow. „Buy Buy Baby” positioniert<br />
sich zwischen Konzert und Theaterperformance und<br />
konfrontiert das Publikum mit Fragen nach dem eigenen<br />
Konsumverhalten und dem der Gesellschaft, in der wir leben.<br />
Besonderes Augenmerk liegt auf der Rolle von Frauen<br />
in einer Welt des Massenkonsums. Außerdem wird die<br />
Kommerzialisierung von Kunst kritisch hinterfragt.<br />
Konzept / Performance:<br />
Victoria Fux, Nora Köhler, Alexandra Schmidt<br />
Musik / Performance:<br />
Melt Downer <strong>–</strong> Wolfgang Möstl,<br />
Mario Zangl, Florian Giessauf<br />
10 11
OHO<br />
DAS ERSTE<br />
JAHRZEHNT<br />
stoßen. Wir waren davon beseelt, unsere künstlerischen<br />
Ambitionen und Ideen in dem Raum, in dem wir lebten umzusetzen.<br />
Somit war die inhaltliche Richtung vorgezeichnet.<br />
Drittens spielte die Dürre im Bereich der zeitgenössischen<br />
Kunst in diesem Kulturraum eine wesentliche Rolle: Es gab<br />
keine Galerie für zeitgenössische Kunst, kein entsprechendes<br />
Theater <strong>–</strong> nichts, was auf Aktivitäten im zeitgenössischen<br />
Kunstbereich in einem adäquaten Rahmen hätte<br />
1 „Nazi-Herrschaft und was uns blieb“ <strong>–</strong> Die erste Ausstellung<br />
im ersten Jahr des OHO sorgte für nervöse Stimmung<br />
unter Ewiggestrigen, 44 Jahre nach dem Krieg. Nicht<br />
zufällig brachte der Entwurf von Wolfgang Horwath das<br />
Anschlussdenkmal von Oberschützen in eine Art Schieflage.<br />
2 Zwei Jahre nach dem Fall des sog. Eisernen Vorhangs<br />
verordnete eine Ausstellung des slowakischen Künstlerkollektivs<br />
Cenkovej Deti dem Publikum eine Packung Konsumkritik.<br />
schließen lassen.<br />
1<br />
aufgrund seines äußerst heterogenen Sprach- und Religionsmixes.<br />
Ende der Siebziger hatte ich aber auch Kontakt<br />
Du hast dir deine allerersten Meriten im Kulturbetrieb<br />
als Mitarbeiter im OHO verdient. Wann und wie <strong>bis</strong>t du<br />
überhaupt an das OHO geraten?<br />
GEORG HOANZL Über Wolfgang Horvath, den ich in einem<br />
Kaffeehaus in Oberwart getroffen habe. Er hat mich gleich<br />
vom Kaffeehaus ins OHO gebracht, wo ich dann Horst Horvath<br />
kennengelernt habe und, wie ich glaube, am gleichen<br />
Tag noch angefangen habe, mit den Leuten im OHO zu<br />
arbeiten. Peter Wagner, Wolfgang R. Kubizek, Trixi Rehm<br />
und Hedi Chaloupka <strong>–</strong> und viele andere lässige Menschen,<br />
an die ich mich sehr gerne erinnere <strong>–</strong> waren auch gleich<br />
Das OHO war von Anfang an durch ein starkes Engagement<br />
und eine offenbar unbezwingbare Leidenschaft<br />
für das Tun und Machen im zeitgenössischen Kulturschaffen<br />
gekennzeichnet. Wie hast du diese Zeit für<br />
dich persönlich erlebt?<br />
BEATRIX REHM Ein Neubeginn, dynamisch, ausufernd, herausfordernd,<br />
grenzwertig und <strong>–</strong>überschreitend.<br />
Ein Ort, der Platz für Engagement für das bot, was mir damals<br />
am Herzen lag <strong>–</strong> sowohl im Kunstausdruck als auch<br />
gesellschaftspolitisch.<br />
zu der Berliner Hausbesetzerszene und dort Bekanntschaft<br />
mit diversen Philosophien autonom verwalteter Kulturund<br />
Jugendzentren gemacht. So entstand die Idee zu einem<br />
Jugendhaus in Oberwart, was als Einforderung im<br />
Stunden danach mit ihrem ganzen Elan und ihrer Schaffenskraft<br />
rund um mich. So haben wir uns jahrelang gemeinsam<br />
und vielfältig für aus meiner Sicht sehr lässige<br />
Projekte eingesetzt.<br />
Worin hat deine Arbeit im OHO bestanden?<br />
BEATRIX REHM Meine Berufsbezeichnung damals war organisatorisch-administrative<br />
Leiterin. Zusammenfassend,<br />
im Hintergrund arbeitend <strong>–</strong> auch unzählige Male selbstaus-<br />
NIcht nur die Bemalung des Jugenhauses, aber vor<br />
allem auch sie erregte die Gemüter in Oberwart.<br />
Jahr 1979 und 1980 noch viel absurder war, als es heute<br />
den Anschein haben mag. Die Geschichte der Realisierung<br />
dieses Jugendhauses ab 1980 muss erst noch geschrieben<br />
werden, denn da waren ja doch eine Menge verschiedener<br />
Menschen, Kräfte, Energien und Fantasien beteiligt, nicht<br />
zuletzt die Politik. Diese hat dem Unternehmen allerdings<br />
Was waren die allerersten Anforderungen, denen das<br />
Unternehmen OHO ausgesetzt war?<br />
GEORG HOANZL Das wird sich, glaube ich, nicht geändert<br />
haben und ist das Problem und die größte Aufgabe aller<br />
Kultureinrichtungen, außer den ganz großen, übermäch-<br />
beutend und die Familie in den Hintergrund stellend, um<br />
Kunstprojekte verwirklichen zu helfen und zu administrieren,<br />
eben der Sache dienend, wie viele andere ebenso. Untergeordnet<br />
dem Willen und Wollen von Kunstschaffenden<br />
und <strong>–</strong>managenden.<br />
nach einigen Jahren die Liebe entzogen, sprich: den Geld-<br />
tigen, staatsnahen Kulturinstitutionen: die Finanzierung<br />
... EINES AUTONOMEN KUNST-<br />
UND KULTURHAUSES DER PROVINZ<br />
Eine Erzählung in Fragen und Antworten<br />
hahn zugedreht, worauf dieses schicksalsbehaftete Haus in<br />
der Lisztgasse 12 plötzlich leer gestanden ist. Zufällig aber<br />
hat sich vis-à-vis von ihm ein junger Arbeitsmarktbetreuer,<br />
der Horstl, angesiedelt, der instinktsicher sofort ein begehrliches<br />
Auge auf das Objekt geworfen hat. Sein Konzept<br />
für ein autonomes Kulturhaus hat mich überrascht, und<br />
und die damit verbundenen Bemühungen, die engagierten<br />
Projekte über Eintrittseinnahmen, Sponsorgelder, Subventionen<br />
und andere Ressourcen zu ermöglichen. Der Großteil<br />
ist und war immer die unentgeltliche oder sehr gering<br />
entlohnte Arbeit aller Mitwirkenden. Da leisten sehr viele<br />
seit Anbeginn sehr Großes.<br />
Du <strong>bis</strong>t damals mit einem sehr „modernen“ Konzept<br />
an deine Arbeit herangegangen. Worin hat dieses bestanden?<br />
GEORG HOANZL Begeisterung. Und im Gefühl, gemeinsam<br />
mit anderen an etwas Sinnvollem zu arbeiten. So meine ich<br />
so war es nur folgerichtig, mich nun auch ins OHO einzu-<br />
es jetzt wirklich. Ich verstehe aber die Frage natürlich auch<br />
klinken. Horst und ich waren uns schließlich schon bei der<br />
anders und habe neben dieser stärkenden emotionalen<br />
Organisation einer großen Anti-NDP-Demonstration 1982<br />
Herangehensweise auch versucht, analytisch und struktu-<br />
in Eisenstadt einig über unsere gesellschaftspolitischen<br />
riert an die uns gestellten Aufgaben heranzugehen. Das ist<br />
Was hat dich als junger Mensch angetrieben, dich im<br />
Jugendhaus und dann später im OHO zu engagieren?<br />
Selbstverwirklichung als Künstler, politisches Denken,<br />
Vorstellungen und Zielsetzungen.<br />
2<br />
gerade im Kreativbereich ein scheinbarer Widerspruch, der<br />
aber sehr viel an künstlerischem Potential zu provozieren<br />
imstande ist.<br />
Rebellion, eine Mischung aus allem?<br />
Erzähle uns etwas von Stimmung und Energetik, die<br />
das OHO in den ersten Jahren seiner Existenz geprägt<br />
PETER WAGNER Folgender Versuch: Aus irgendwelchen<br />
Gründen stand ich mit Oberwart spätestens seit meinem<br />
Hörspiel „Purdy Pista sagt, die Cymbal ist tot“ (1975) auf<br />
Kriegsfuß. Ich hatte nach meiner Matura ein Hörspiel über<br />
den KZ-Überlebenden Stefan Horvath aus Oberwart geschrieben,<br />
nach dessen Ausstrahlung meine Eltern wochenlangen<br />
Telefonterror hatten. Andererseits waren für<br />
mich schon als Gymnasiast in Oberschützen Oberwart<br />
und Umgebung ein spannendes Biotop, vorrangig wohl<br />
haben.<br />
WOLFGANG HORWATH Ich würde sie auf drei wesentliche<br />
Punkte zurückführen. Zum einen ist es der Tatsache zu<br />
verdanken, dass ein umtriebiger Arbeitsmarktbetreuer<br />
namens Horst Horvath auf der Suche nach Projekten war<br />
und das damalige Jugendhaus, das sich in einem Stadium<br />
der Auflösung befand, zu retten versuchte.<br />
Zum zweiten ist er im Dunstkreis dieses Hauses auf Künstler<br />
wie Peter Wagner, Wolfgang R. Kubizek oder mich ge-<br />
Die ersten Jahre des OHO waren geprägt davon, sich<br />
finanziell nach der Decke zu strecken. Hatte das Einfluss<br />
auf die Planung des Veranstaltungsprogramms<br />
im Sinne von „so viel wie möglich“, um mehr Einnahmen<br />
zu lukrieren? Oder achtete man von Beginn an<br />
auf ein anspruchsvolles Programm mit künstlerischer<br />
Handschrift?<br />
PETER WAGNER Es wird wohl beides der Fall gewesen sein,<br />
wobei mich persönlich Einnahmen, Förderungen und der-<br />
12 13
Die erste Theatereigenproduktion des OHO im Jahr 1991. Wolfgang Horwath ließ einen<br />
Teil der Fassade der <strong>bis</strong> dahin baufälligen Ruine der St. Emmerichskirche am ungarischösterreichischen<br />
Grenzzaun ins OHO bauen. Das Stück dazu hieß „Grenzgänger" und stammte,<br />
angelehnt an ein Hörspiel von Jan Rys, von Peter Wagner; Musik: Wolfgang R. Kubizek.<br />
rückhaltung geprägt ist, ist es unvergleichlich schwieriger,<br />
breite Anerkennung in der Gesellschaft zu finden.<br />
Man spricht davon, dass ein Prozent der Bevölkerung an<br />
bildender Kunst interessiert ist ... Also von diesem Gesichtspunkt<br />
aus betrachtet ist es sehr schwierig, diesbezüglich<br />
Interesse und Akzeptanz zu steigern. Dennoch ist es uns<br />
gelungen, die Situation über die Jahre zu verbessern. Ich<br />
bin überzeugt, dass das auf konsequente Qualität und die<br />
Konzeption im Ausstellungsbereich zurückzuführen ist.<br />
Im Übrigen initiierte das OHO 1990 den „1. Burgenländischen<br />
Wettbewerb für bildende Kunst“, der mittlerweile zu<br />
einer fixen Einrichtung in der burgenländischen Förderpolitik<br />
geworden ist!<br />
färbte sein konsequentes Engagement, das eine engstirnige<br />
Provinzialität zugunsten einer emanzipierten Provinz<br />
aufzubrechen versuchte, ab (siehe dazu das von Kubizek<br />
entworfene Plakat in der Beschreibung der Paraphrase<br />
#2 auf das erste Jahrzehnt <strong>–</strong> Künstlergruppe Burgenland <strong>–</strong><br />
kgb polychrom). So war er beispielsweise treibende Kraft<br />
hinter der Gründung des Vereins „KIBu <strong>–</strong> Komponisten<br />
und Interpreten im Burgenland“. Ab Mitte der Neunzigerjahre<br />
engagierte er sich auch in der Gedenkinitiative<br />
RE.F.U.G.I.U.S., später im Bereich der VHS und im Vorstand<br />
des MKÖ (Mauthausen Komitee Österreich). Im OHO selbst<br />
entwarf, organisierte und betrieb er die Reihe „Die andere<br />
Kammermusik“, die die damalige Avantgarde aus den<br />
Wie war die Situation der Frauen in der Kunstszene<br />
rund ums OHO in den 1990er-Jahren überhaupt?<br />
BEATRIX REHM Im Schatten oder im Clinch mit den Dominierenden<br />
<strong>–</strong> hauptsächlich männlich <strong>–</strong> in der Kunstszene. Ich<br />
erinnere mich aber auch an manch mächtig Gute <strong>–</strong> weiblich<br />
<strong>–</strong> in der darstellenden Kunst. Kommunikation mit der männlichen<br />
Dominanz aufzunehmen schien öfters nicht möglich.<br />
STATT EINES INTERVIEWS:<br />
Wolfgang R. Kubizek (1959-2008)<br />
Am 28. Juni 1990, dem ersten, zünftig gefeierten Geburtstag<br />
des OHO, wurde dem Haus seitens des Komponisten<br />
Wolfgang R. Kubizek eine besondere Würdigung zuteil. Das<br />
weltbekannte Artis-Quartett brachte Kubizeks Streichquartett,<br />
das schon im Titel auf das Offene Haus Oberwart ver-<br />
Nach der Schändung des jüdischen Friedhofs 1992 in Eisenstadt entschloss man sich im<br />
gleichen nie wirklich interessiert haben. Ich wollte das zu<br />
der damaligen Zeit völlig Undenkbare: ein zeitgenössisches<br />
Uraufführungstheater am Arsch der Welt! In diesem Anspruch<br />
war ich beinahe blindwütig, wahrscheinlich auch<br />
halbwegs egoman. Es gab im ersten Jahrzehnt des OHO<br />
Jahre, in denen ich drei <strong>bis</strong> vier Theaterstücke geschrieben<br />
und jedes Jahr auch ein <strong>bis</strong> zwei davon im OHO inszeniert<br />
habe. Das Land bietet durch seine archetypische Grenzlandlage<br />
mehr an Themen, als man glaubt! Und das Theater<br />
ist eine fantastische Möglichkeit, sie auf das Terrain einer<br />
überregionalen Wertigkeit zu heben, ohne damit im Quasi-<br />
Provinziellen stecken bleiben zu müssen.<br />
Welchen Einfluss hatte deine Tätigkeit im OHO auf dein<br />
künstlerisches Schaffen (als Musiker, Dramatiker, Literat)?<br />
Gab oder gibt es in deinem Portfolio Werke, die du<br />
ausschließlich auf dein Wirken im OHO zurückführst?<br />
PETER WAGNER Gut die Hälfte meiner Stücke in den Neunzigerjahren<br />
ist mit der gezielten Absicht, sie im OHO zu<br />
realisieren, entstanden, weil sie ja auch thematisch auf<br />
das Grenzland fokussiert waren. Die andere Hälfte ist auswärts,<br />
vornehmlich in Wien umgesetzt worden, wobei wir<br />
zumindest bei zwei oder drei Stücken Koproduktionen mit<br />
Wiener Theatern hatten. Allerdings ist es dem OHO und<br />
mir nicht gelungen, dem zeitgenössischen Theaterschaffen<br />
im Burgenland einen Rahmen zu schaffen, der von der<br />
Kulturpolitik finanziell adäquat bedient worden wäre, und<br />
damit so etwas wie ein Landestheater der Uraufführungen<br />
zu etablieren. Obwohl das OHO durch die Bank gezeigt hat,<br />
wie man sowohl mit technischen als auch dramaturgischen<br />
und ästhetischen Anforderungen an große Produktionen<br />
fertig wird, blieb die Kulturphilosophie des Landes auf diesem<br />
Sektor <strong>bis</strong> heute der Ausrichtung auf Festspiele und<br />
Tourismus verhaftet. Man muss heute noch genauso um<br />
die Finanzierung jeder einzelnen Produktion raufen wie<br />
vor dreißig Jahren. Das halte ich im Grunde auch für eine<br />
persönliche Niederlage.<br />
Dein Kampf um erhöhte gesellschaftliche Akzeptanz<br />
der bildenden Kunst <strong>–</strong> war er von Erfolg gekrönt, zumal<br />
natürlich auch als Zugewinn für ein Kunsthaus der<br />
Provinz wie das OHO?<br />
WOLFGANG HORWATH Man kann bei der bildenden Kunst<br />
nicht von einem Zugewinn für das Haus sprechen, weil sie<br />
von Anfang an ein Bestand des Programms war. Da die<br />
bildende Kunst in der Präsentation eher von Stille und Zu-<br />
weist, zur Uraufführung: „Südlich / ein Haus / offen“ (siehe<br />
dazu Paraphrase #2 auf das erste Jahrzehnt <strong>–</strong> Wolfgang<br />
R. Kubizek <strong>–</strong> Komponist und politischer Kopf). Anderthalb<br />
Jahre später wurde das für den OHO-Schwerpunkt „Das<br />
Land im Land im Land“ komponierte große Orchesterwerk<br />
„4 Stationen für Orchester“ unter der Leitung von Bernhard<br />
Klebel im Kulturzentrum Oberschützen aufgeführt. Es folgten<br />
Kompositionen im Jahrestakt, die Kubizek sowohl für<br />
verschiedene Instrumentalensembles als auch für im OHO<br />
uraufgeführte Theaterproduktionen schrieb, so etwa für<br />
die erste diesbezügliche Eigenproduktion des OHO „Grenzgänger“<br />
(Stück und Inszenierung: Peter Wagner nach dem<br />
Hörspiel von Jan Rys, Bühne: Wolfgang Horwath) sowie für<br />
das in einem zerborstenen Schiff (Bühne: Wolfgang Horwath)<br />
inszenierte Stück „Ein leiser Abend über den Krieg“<br />
(Regie: Peter Wagner). 1996 erfolgte unter der Leitung von<br />
Christoph Cech die erfolgreiche Uraufführung von Kubizeks<br />
„Monolog mit einem Schatten. Eine Windoper“ (Libretto:<br />
Peter Wagner; Bühne: Wolfgang Horwath, Inszenierung:<br />
Michael Sturminger) als Koproduktion von Wiener Konzerthaus<br />
und OHO.<br />
Kubizek erwies sich allerdings nicht nur in seinen Kompositionen<br />
als hochpolitischer, von einem klaren, unbestechlichen<br />
Verstand geprägter Künstler und Mensch. Auch auf<br />
seine vielfältigen Aktivitäten im Bereich der Kulturarbeit<br />
OHO, Jugendliche aus dem BORG in Oberschützen über Krieg und Gewalt schreiben zu<br />
lassen. „Ein leiser Abend über den Krieg" hieß die Produktion und stellte, quasi als Bühne<br />
und Zuschauerraum in einem, ein in der Mitte zerbrochenes Schiff in den OHO-Saal.<br />
Inszenierung: Peter Wagner, Musik: Wolfgang R. Kubizek, Bühne: Wolfgang Horwath.<br />
Bereichen Jazz und experimentelle Musik ins südburgenländische<br />
Oberwart brachte. Sein energisches und oftmals<br />
auch sehr einsames Engagement für zeitgenössisch-avantgardistische<br />
Musik war durchdrungen vom Glauben an die<br />
gesellschaftliche Bedeutung von Musik, auch wenn sich<br />
dieser oftmals ausnahm wie ein Kampf gegen Windmühlen.<br />
Du <strong>bis</strong>t in vielen Bereichen erzählerischer Konzepte<br />
rund um das Kulturland Burgenland und weiterhin als<br />
Künstler tätig. Konntest du für deine jetzige Arbeit von<br />
den Erfahrungen aus deiner (Mit)Arbeit im OHO zehren<br />
bzw. ist dir diese zugute gekommen, und wenn ja: wie?<br />
ANDREAS LEHNER Schwere Frage: Ich muss sie etwas<br />
schwammig und allgemein beantworten: Jede Erfahrung,<br />
die bewusst verarbeitet wird, kommt der nächsten Aufgabe<br />
zugute. Ich hatte in meiner aktiven Zeit im OHO sehr<br />
positive und sehr negative Erfahrungen.<br />
Aber es ist mir wichtig, auf eine Erfahrung hinzuweisen,<br />
14 15
Für den 20. Jahrestag des Attentats von<br />
Oberwart fertigte der Maler Manfred<br />
Bockelmann diese Porträts der vier<br />
ermordeten Roma an. Die Ausstellung<br />
im OHO wurde von Bundespräsident<br />
Dr. Heinz Fischer eröffnet. Bereits 10 Jahre<br />
davor wurden die Überreste der Sprengfalle,<br />
die die Männer in den Tod gerissen<br />
hatte, ebenfalls bei einer Ausstellung<br />
im OHO gezeigt.<br />
Der „Sargdeckel" des alten OHO verbarg unter seiner Oberfläche nicht nur<br />
großräumige Ausstellungen, sondern auch tonnenschwere Bühnenbilder, wie<br />
hier jenes von Wolfgang Horwath zu Peter Wagners „<strong>März</strong>. Der 24." Das Stück<br />
setzte sich, wenige Wochen nach dem Attentat von Oberwart im Jahr 1995, mit<br />
den Geschehnissen rund um das Massaker an etwa 200 jüdischen Zwangsarbeitern<br />
zu Kriegsende in Rechnitz auseinander. Musik: Otto Lechner.<br />
gernis <strong>–</strong> wie auch schon das Jugendhaus<br />
davor <strong>–</strong>, so ist es für Oberwart<br />
spätestens durch die Abwicklung<br />
des Rundherums direkt nach dem<br />
Attentat, vornehmlich durch den<br />
damaligen Geschäftsführer Horst<br />
Horvath und das OHO-Umfeld, zum<br />
lebenswichtigen Instrumentarium<br />
geworden. Wir wissen das. Oberwart<br />
selbst weiß es nicht, <strong>bis</strong> heute nicht. Man hatte auch nicht<br />
den Eindruck, dass die Würdigung des Hauses mit dem<br />
Österreichischen Kunstpreis 2013, vom damaligen Bundespräsidenten<br />
Dr. Heinz Fischer in der Hofburg überreicht,<br />
die Oberwarter Bevölkerung besonders stolz auf sein<br />
Kunsthaus gemacht hätte. Immerhin aber muss man der<br />
Stadtpolitik respektive den Bürgermeistern (Michael Racz,<br />
Gerhard Pongracz, Georg Rosner, Anm.) zugutehalten, dass<br />
sie dem OHO jedenfalls positiv gegenübergestanden sind,<br />
trotz der wahrscheinlich auch bei ihnen vorhandenen Vor-<br />
sich damals als einer der wenigen meiner<br />
Ansicht angeschlossen. Und obwohl dem<br />
damaligen Geschäftsführer Horst Horvath<br />
wohl das Herz blutete, hat er <strong>–</strong> trotz eines<br />
eindeutigen Vorstandsbeschlusses <strong>–</strong> die Planung<br />
von Neuem begonnen. Das Ergebnis ist<br />
heute noch zu sehen.<br />
behalte.<br />
Ich selbst inszeniere ja in den letzten Jahren vornehmlich in<br />
die mein Bewusstsein und viele meiner künstlerischen und<br />
Klagenfurt. Auch aus diesem Eck Österreichs sind seitdem<br />
Hotel- und Wirtshausrechnungen in Oberwart bezahlt worden,<br />
die ohne das OHO nicht bezahlt worden wären. Man<br />
soll also auch den wirtschaftlichen Aspekt des OHO nicht<br />
außer Betracht lassen. Der überwiegende Teil des Geldes,<br />
das dem OHO aus Fördermitteln von Bund, Land und Stadt<br />
zukommt, bleibt in der Region.<br />
Denkwürdige Momente im OHO für dich?<br />
PETER WAGNER Der Entschluss, den Neubau<br />
zu riskieren, zumal mit allen dazugehörigen<br />
finanziellen Unwägbarkeiten. Ich war<br />
ja damals Obmann des Vereins. Allerdings<br />
gehörte für mich auch die Trauer dazu,<br />
Abschied vom alten „Sargdeckel“, als den<br />
persönlichen Entscheidungen <strong>bis</strong> heute geprägt hat.<br />
Es war die Zeit unmittelbar nach dem Attentat auf die Roma-Siedlung<br />
im Feber 1995. Wohl alle Aktiven im OHO<br />
haben sofort die Tragweite dieses Verbrechens erfasst,<br />
lange bevor Politik, Verwaltung und Exekutive die richtigen<br />
Schlüsse zogen und dementsprechend reagierten. Das<br />
OHO mutierte in diesem Augenblick vom provinziellen experimentellen<br />
Kunsthaus zur Schalt- und Koordinationsstelle<br />
für fast alle relevanten Fragen, nachdem die offiziellen<br />
Stellen mehr oder weniger paralysiert waren. In dieser<br />
Zeit war die Aufmerksamkeit Österreichs und der Medien<br />
vieler Länder auf uns gerichtet. Es ist dem Team rund um<br />
Horst Horvath gelungen, Struktur in das Chaos zu bringen<br />
und wesentliche Entscheidungen nachhaltig positiv zu beeinflussen.<br />
In diesem Moment <strong>–</strong> in diesen Tagen <strong>–</strong> haben<br />
sich die Bedeutung und die Position des OHO nicht nur für<br />
Oberwart, sondern für die ganze Republik manifestiert.<br />
Wie wichtig ist das OHO für die Stadtgemeinde Oberwart?<br />
PETER WAGNER Nun, Oberwart ist der Öffentlichkeit vornehmlich<br />
durch das Attentat an den Roma 1995 bekannt.<br />
War das OHO der Stadtgemeinde <strong>bis</strong> dahin eher ein Är-<br />
Was war dein Beitrag zum weiteren Aufbau des OHO<br />
bzw. deine Funktion?<br />
ANDREAS LEHNER Ich möchte meinen Beitrag nicht überbewerten.<br />
Dennoch konnte ich vor allem gemeinsam mit<br />
Wolfgang Horwath eine Reihe von wirklich spannenden<br />
Ausstellungen bildender KünstlerInnen koordinieren.<br />
Leider ist es nicht gelungen, das OHO als Institution für<br />
hochqualitative, kontroversielle und experimentelle bildende<br />
Kunst zu etablieren. Die Konzessionen an einen<br />
vermeintlichen Publikumsgeschmack oder hypothetische<br />
Verbindlichkeiten haben dieses Ziel weitgehend verfehlen<br />
lassen, obwohl es natürlich immer wieder sehr spannende<br />
Kunstprojekte gab und gibt.<br />
Besonders wichtig war mir auch die Arbeit im Zusammenhang<br />
mit der Volksgruppe der Roma. In diesem Bereich<br />
konnte ich wichtige, wahrscheinlich sogar richtungsweisende<br />
Projekte gemeinsam mit einer Reihe von MitstreiterInnen<br />
realisieren.<br />
Einen kleinen Beitrag konnte ich auch zum derzeitigen<br />
Aussehen des OHO leisten. Als der erste Umbauentwurf<br />
zur Entscheidung im Vorstand vorgelegt wurde, habe ich<br />
dagegen argumentiert und gestimmt. Peter Wagner hat<br />
Wolfgang Horwath den alten OHO-Saal bezeichnet hatte,<br />
nehmen zu müssen. Mir waren die veranstaltungstechnischen<br />
Unzulänglichkeiten des „Sargdeckels“ durchaus<br />
bewusst. Dennoch hatte er auch eine gewisse Würde in<br />
seinen Defiziten. Das habe ich sehr geschätzt an ihm: Seine<br />
Resistenz jedweden Vereinnahmungen, seine Sperrigkeit,<br />
seine Trotzigkeit den Zeitläufen und deren (technischen)<br />
Anforderungen gegenüber. Natürlich bin ich nach vielen<br />
weiteren Produktionen froh darüber, mit dem OHO-Neu<br />
ab 1997 einen äußerst probat bearbeitbaren Saal bespielen<br />
zu dürfen <strong>–</strong> der ja vor allem durch Alfred Masals Zutun sich<br />
immer weiter entwickelt hat -, ohne dass dieser gleich mit<br />
der Etikette eines miefigen Multifunktionalismus behaftet<br />
werden kann. Insofern ist es uns gelungen, der Würde<br />
des alten Saales die ganz andere Würde des neuen Saales<br />
hinzuzufügen.<br />
In der Summe der möglichen „denkwürdigen Momente“<br />
im künstlerischen Bereich fällt es schwer, einen gesondert<br />
hervorzuheben, weil es derer wirklich etliche gegeben hat.<br />
Denkwürdig ist alles, was einen Sieg des Unwahrscheinlichen<br />
über das Wahrscheinliche ausmacht. Es war die bare<br />
Lust, Dinge zu tun, die man <strong>bis</strong> dahin in diesem Land nicht<br />
getan hat. Auch weil wir uns, verzeihen Sie mir den Ausdruck,<br />
nichts geschissen haben.<br />
Für mich persönlich war jedenfalls jede einzelne Premiere<br />
meiner Stücke denkwürdig. Allen voran wahrscheinlich<br />
„<strong>März</strong>. Der 24.“ nur wenige Wochen nach dem Attentat,<br />
als sich zur Premiere plötzlich ein erklecklicher Teil des<br />
politischen Österreich im OHO versammelte.<br />
Es gab ja in den ersten Jahren auch Kritiken in den großen<br />
österreichischen Tageszeitungen und im überregionalen<br />
ORF. Aber als man z.B. bei Der Standard den Theaterkritikern<br />
die Fahrtkosten in die Provinz gestrichen hat, wie mir<br />
damals ein Journalist erzählte, sind die auch nicht mehr<br />
gekommen. Auch das ist eine Facette des zeitgenössischen<br />
Kunst- und Theaterschaffens in der Pampa.<br />
Was das OHO betrifft, so war sein erstes Lebensjahrzehnt<br />
ein durchaus ereignisreiches mit, wie wir vermuten,<br />
gewaltigem Adrenalinausstoß. Was hat das OHO zu<br />
jener Ausnahmeerscheinung gemacht, die sich letztlich<br />
den Österreichischen Kunstpreis 2013 verdient hat?<br />
WOLFGANG HORWATH Das OHO ist in seiner langjährigen<br />
Aktivität immer seinem ureigensten Satzgegenstand, nämlich<br />
der Kunst, treu geblieben und hat aktuelle Themen,<br />
Probleme und Phänomene, die die Gesellschaft beschäfti-<br />
16 17
„Cselley goes OHO" <strong>–</strong> Man kann die Beziehung zwischen den drei autonomen Kulturhäusern<br />
des Burgenlandes, Cselley-Mühle, KUGA und OHO, als gut <strong>bis</strong> herzlich bezeichnen.<br />
1998 gastierten die beiden Masterminds der Cselley-Mühle, Robert Schneider<br />
und Sepp Laubner, mit ihren Werken jedenfalls in der neuen Galerie des OHO.<br />
Du <strong>bis</strong>t zwischen 2010 und 2014 auch im Bundesbeirat<br />
für regionale Kulturinitiativen gesessen. Welche Funk-<br />
mehr zu einem unverzichtbaren Meilenstein im zeitgenössischen<br />
Kunstgeschehen in diesem Lande und darüber<br />
hinaus auch bleibt.<br />
tion haben Häuser wie das OHO ganz generell, zumal<br />
in heutiger Zeit, die sich <strong>–</strong> sieht man sich z.B. nur die<br />
rasante digitale Entwicklung an <strong>–</strong> ja doch gravierend<br />
Rückblickend: Wie lautet deine persönliche OHO-Bi-<br />
von den Gründungsjahren des OHO unterscheidet?<br />
lanz? Genugtuung und Dankbarkeit für das Erreichte<br />
ANDREAS LEHNER Das OHO unterscheidet sich von fast<br />
oder graue Haare und Gram für durchlebte Mühsal?<br />
allen ähnlichen Initiativen durch seine Eigenproduktionen,<br />
PETER WAGNER Weder noch. Ich habe einmal für mich<br />
die fast immer wichtige gesellschaftliche Entwicklungen<br />
folgende Überzeugung postuliert: Wüsste ich, dass ich mor-<br />
mit künstlerischen Mitteln reflektieren. Dabei kommen<br />
gen sterbe, müsste ich heute mit dem Leben beginnen.<br />
unterschiedliche Kunstsparten und Medien zum Einsatz.<br />
Das sollte auch für ein niemals vollendetes, vollendbares<br />
Das Haus nimmt damit noch immer eine Vorreiterrolle in<br />
Gesamtkunstwerk wie das OHO gelten: Jeder Tag könnte<br />
der Szene der autonomen Kulturzentren Österreichs ein,<br />
der letzte seines Lebens sein. Und also muss jeder neue<br />
die auch offiziell mit Auszeichnungen und Preisen gewür-<br />
Tag der Beginn des Lebens, des wirklichen Lebens sein.<br />
digt wurde.<br />
Kulturbetriebe, die nur der Routine eines reinen Veran-<br />
Doch um auf den zweiten Teil der Frage einzugehen, kann<br />
staltungsbetriebes folgen, können ohne dieses Selbstver-<br />
man konstatieren, dass vor allem die Entwicklungen und<br />
ständnis vielleicht überwintern, nicht aber in der Weise<br />
Fehlentwicklungen im Bereich der Social Media, aber auch<br />
überleben, dass sich eine Erinnerung an sie lohnte. Es ist ja<br />
die künstlerischen Entwicklungen im digitalen Bereich der-<br />
nicht so, dass das OHO nicht auch diese Phasen durchge-<br />
zeit wahrscheinlich zu wenig Resonanz finden.<br />
macht hätte, also Zeiten, die schlichtweg zu vergessen sind.<br />
Zum Glück ist es aber niemals in ihnen hängengeblieben.<br />
Welchen Weg soll das OHO deiner Meinung nach ein-<br />
Die OHO-Produktion „Die schwarze Kaiserin <strong>–</strong> I kali tschasarkija"<br />
im Sandbruch von Unterwart wurde von 10 Roma-Mädchen als<br />
choreografierte Performance dargeboten. Entwurf der<br />
Kupfermasken: Wolfgang Horwath; Stück und Regie: Peter Wagner;<br />
Musik: Jan Sokol und das Wiener Glasharmonika-Duo.<br />
gen, in der Sprache der Kunst artikuliert. Es erstaunt, welche<br />
Qualität das Haus in seinen Produktionen und in seinem<br />
gesamten Kulturprogramm zustande bringt, vor allem<br />
wenn man die budgetäre Knappheit im Auge hat und sie<br />
mit Produktionen in etablierten Kunstzentren vergleicht.<br />
Das ewige finanzielle Dilemma führt natürlich immer wieder<br />
zu Diskussionen, möglicherweise einen populäreren<br />
Weg im Kulturprogramm einzuschlagen. Dem zu widerstehen<br />
bedarf es einer gewissen Hartnäckigkeit an der Kunst<br />
festzuhalten, und das ist mit Sicherheit ein Aspekt, der das<br />
Haus zu einer Ausnahmeerscheinung macht und auch dazu<br />
geführt hat, seine Qualität wie auch die Professionalität zu<br />
steigern. Aber all das wäre ohne den unermüdlichen Einsatz<br />
<strong>bis</strong> an die Grenzen der Selbstausbeutung von KünstlerInnen,<br />
Angestellten und vielen engagierten Personen<br />
mit Sicherheit nicht möglich.<br />
Diskussion und Reflexion stellten. und natürlich die ungewöhnlichen<br />
Präsentationen und Aktionen im Bereich<br />
der Bildenden Kunst, die sich immer wieder mit anderen<br />
Kunstbereichen verschränkten.<br />
Du hast dich noch vor der Jahrtausendwende beruflich<br />
anders orientiert. Konntest du etwas von den Erfahrungen<br />
aus einem Kulturbetrieb wie dem OHO, der<br />
naturgemäß zwischen Chaos und Wahnsinn pendelt,<br />
für deine neue Tätigkeit sozusagen „mitnehmen“?<br />
BEATRIX REHM Sich durch Chaos nicht in den Wahnsinn<br />
oder sich vom Wahnsinn nicht in das Chaos treiben lassen.<br />
Einen roten Faden wahrnehmen, aufnehmen und die Arbeit<br />
in möglichst effektiver Reihenfolge daranknüpfen.<br />
Du hast dich nach deiner Lehrzeit im OHO zu dem wahrscheinlich<br />
bekanntesten Kulturmanager Österreichs<br />
entwickelt. Viele der Künstler aus der Blütezeit des<br />
Kabaretts der Neunzigerjahre stehen bei dir unter Vertrag.<br />
Wie stehst du zu den Künstlern?<br />
GEORG HOANZL Vertragslos, aber mit großer gegenseitiger<br />
Bindung und Dankbarkeit für die Arbeit der vergangenen<br />
drei Jahrzehnte und einem gemeinsamen Blick nach vorne.<br />
Nach 30 Jahren haben Kulturhäuser immerhin drei<br />
Jahrzehnte Entwicklung mit all ihren Problemen, Krisen,<br />
aber auch Highlights hinter sich. Du hast sie alle<br />
mehr oder weniger intensiv mitgemacht. Wie kann<br />
oder soll es weitergehen mit diesem Haus?<br />
WOLFGANG HORWATH Es gab jede Menge „up and downs“<br />
oder jede Menge Schleudergefahr auf diesem Weg. Zurzeit<br />
sage ich, dass sich dieses „Kunstvehikel“ auf einer sehr<br />
guten Fahrt befindet. Wie lange sie anhält und welche Veränderungen<br />
in der Zukunft auf das OHO<br />
zukommen, kann ich nicht abschätzen,<br />
nur soviel, dass Veränderungen Gewissheit<br />
sind. Wichtig sind jedenfalls jene<br />
Menschen, die hier Verantwortung<br />
übernehmen und arbeiten. Eine gewisse<br />
Unsicherheit besteht immer in dem<br />
Verhältnis zur Politik, da sich dieses im<br />
Zuge politischer Veränderungen auch<br />
jederzeit ändern kann.<br />
Es bleibt daher eigentlich nur die Hoffnung,<br />
dass die mühsam erlangte Wertschätzung<br />
für dieses Haus als solche<br />
nicht nur erhalten bleibt, sondern viel-<br />
schlagen, um den Ansprüchen eines zukunftsfähigen,<br />
modernen und offenen Kulturhauses gerecht zu werden?<br />
PETER WAGNER Bleiben, wie es ist, und sich immer neu<br />
erfinden, um das Alte hinter sich lassen zu können und<br />
nicht unbedingt bleiben zu müssen, wie es ist. Man hat<br />
ja schließlich dreißig Jahre lang bewiesen, dass man es<br />
nicht nötig hat, für die kalten Nester der Vergangenheit<br />
zu heizen.<br />
Verfolgst du mitunter noch die laufenden Aktivitäten<br />
des OHO?<br />
Die letzte Theatereigenproduktion im „alten<br />
Da du persönlich über einen künstlerischen Hintergrund<br />
verfügst: Worin hat für dich die tatsächliche<br />
künstlerische Wertigkeit des Hauses in diesem ersten<br />
Jahrzehnt bestanden?<br />
BEATRIX REHM Vor allem in den Eigenproduktionen, die<br />
kritisch Themen hinterfragten und in anderer Form zur<br />
GEORG HOANZL Ständig! Und ich freue mich dann immer<br />
über die fruchtbaren Impulse, die vom OHO ausgehen, wie<br />
wenn es noch immer mein Unternehmen wäre. Wenn ich<br />
es dann alle Ewigkeiten schaffe, vorbeizukommen, freue<br />
ich mich über die Lebendigkeit und Präsenz, die von dieser<br />
nicht nur für mich sehr wichtigen Plattform ausgehen.<br />
OHO": „Oberwart. Mon amour" von Peter<br />
Wagner, Bühne: Wolfgang Horwath. Im Bild<br />
Johanna Tomek, Chefin des koproduzierenden<br />
Theater.m.b.H., und Gregor Seberg. Die<br />
Produktion wurde im Frühjahr 1997 unter<br />
bereits halb abgerissenem Dach gespielt.<br />
Wenige Monate danach stand das „OHO neu".<br />
18 19
VERANSTALTUNGEN<br />
UND SCHWERPUNKTE<br />
IM OHO VON 1989 BIS 1998<br />
OHO 1989<br />
19 Konzerte<br />
2 Partys<br />
5 Ausstellungen bildender Kunst<br />
8 Kinderveranstaltungen<br />
15 Treffen und Vorträge<br />
3 Kurse, Workshops, Seminare<br />
9 Lesungen<br />
9 Diskussionen<br />
2 Feste<br />
SCHWERPUNKTE<br />
1. Eröffnung des Offenen Hauses<br />
Oberwart am 23. Juni 1989<br />
2. „Nazi-Herrschaft und was uns blieb“ <strong>–</strong><br />
historische Ausstellung<br />
3. „Burgenland: Im Osten geht die Sonne<br />
auf und die bildende Kunst unter“ <strong>–</strong><br />
Podiumsdiskussion<br />
4. „Wir leben im Verborgenen“ <strong>–</strong><br />
Lesung Ceija Stojka und Diskussion<br />
OHO 1990<br />
29 Konzerte<br />
3 Partys<br />
8 Ausstellungen bildender Kunst<br />
9 Kinderveranstaltungen<br />
31 Treffen und Vorträge<br />
7 Kabaretts und Theater<br />
7 Kurse, Workshops, Seminare<br />
4 Lesungen<br />
7 Diskussionen<br />
1 Fest<br />
1 Ausstellung<br />
SCHWERPUNKTE<br />
1. Theatereigenproduktion „Grenzgänger <strong>–</strong> Das<br />
lange Sterben des Hörspielautors Jan Rys aus<br />
Unterrabnitz im Burgenland“ von Peter Wagner<br />
2. 1. Burgenländischer Wettbewerb für bildende<br />
Kunst im Burgenland<br />
3. „Südlich / ein haus / offen“ <strong>–</strong> Suite für<br />
Streichquartett von Wolfgang R. Kubizek,<br />
komponiert zum Jahresjubiläum<br />
4. Gründung des Vereins „Grenzlos“ zur<br />
Unterstützung, Beratung und Integration<br />
von Flüchtlingen und Ausländern<br />
5. „Künstlergruppe Burgenland“ <strong>–</strong> Ausstellung<br />
OHO 1991<br />
21 Konzerte<br />
12 Partys<br />
7 Ausstellungen bildender Kunst<br />
5 Kinderveranstaltungen<br />
34 Sitzungen, Treffen und Vorträge<br />
3 Kabarett- und Theatervorstellungen<br />
4 Kurse, Workshops und Seminare<br />
6 Lesungen<br />
2 Gesellschaftspolitische Ausstellungen<br />
3 Diskussionen<br />
1 Roma-&-Sinti-Ball<br />
SCHWERPUNKTE<br />
1. „1. Roma-&-Sinti-Ball“<br />
2. „Das Land im Land im Land <strong>–</strong> Reflexe zum<br />
Jubiläum Burgenland 1921<strong>–</strong>1991“ <strong>–</strong> 7-teilige<br />
Aktionsreihe<br />
3. Theatereigenproduktion „Burgenland.<br />
Eine Farce“ von Peter Wagner<br />
4. „Von Ost to East: 70 for 4“ <strong>–</strong> Ausstellung<br />
von Nyrom, Wolfgang Horvath, Herwig Koller,<br />
Andreas Lehner<br />
5. „Vor 71 Jahren <strong>–</strong> Das Land der Großväter“<br />
<strong>–</strong> akustisch<strong>–</strong>optische Installation von Karl<br />
Lichtenberger<br />
6. Orchesterkonzert im KUZ Oberschützen<br />
mit u. a. „4 Stationen für Orchester“<br />
von Wolfgang R. Kubizek<br />
7. „Von Ost to East: Das Objekt“ <strong>–</strong><br />
Ausstellung der Künstlergruppe Cenkovej Deti<br />
8. Gründung von „Geschriebenstein“ <strong>–</strong><br />
Zeitschrift für Gesellschaft und Kultur<br />
OHO 1992<br />
18 Konzerte<br />
9 Partys<br />
7 Ausstellungen bildender Kunst<br />
11 Kinderveranstaltungen<br />
34 Sitzungen, Treffen und Vorträge<br />
12 Kabarett- und Theatervorstellungen<br />
4 Lesungen und Videopräsentationen<br />
8 Diskussionen und Filmvorführungen<br />
5 Feste<br />
5 Die andere Kammermusik im OHO<br />
12 Jazz im Café<br />
SCHWERPUNKTE<br />
1. „Friedenskultur 1: Ein leiser Abend<br />
über den Krieg“ <strong>–</strong> Jugendliche schreiben,<br />
KünstlerInnen inszenieren<br />
2. „Die andere Kammermusik im OHO“ <strong>–</strong><br />
Jazz der Avantgarde<br />
3. Gründung des Verlags „edition lex<br />
liszt 12“ <strong>–</strong> Bücher zur Kultur-, Sozial- und<br />
Gesellschaftspolitik bzw. zu Geschichte/n<br />
der vier Zungen des Burgenlandes<br />
4. Gründung des Vereines „RE.F.U.G.I.U.S.“ <strong>–</strong><br />
Rechnitzer Flüchtlings- Und Gedenkinitiative<br />
Und Stiftung<br />
OHO 1993<br />
12 Konzerte<br />
3 Partys<br />
1 Ausstellung<br />
2 Kinderveranstaltungen<br />
4 Sitzungen, Treffen und Vorträge<br />
1 Theatervorstellung<br />
4 Diskussionen<br />
2 Feste<br />
5 Musik im Café<br />
SCHWERPUNKTE<br />
1. „Friedenskultur 2: Tanz im Spinnennetz:<br />
Das Prinzip Hoffnung“ <strong>–</strong> 7-teilige Aktionsreihe<br />
2. „Der Tanz im Spinnennetz“ <strong>–</strong> inszeniertes<br />
Oratorium nach Texten des bosnischen<br />
Dichters Kemal Mahmutefendic<br />
3. „Zaungäste“ <strong>–</strong> Eine Aktion bildender<br />
KünstlerInnen aus Bosnien, Serbien<br />
und Kroatien<br />
4. „Angst als politische Kategorie“ <strong>–</strong><br />
Muster für ein neues Prinzip Hoffnung<br />
5. „Zerstörte Jüdische Gemeinden im<br />
Burgenland“ <strong>–</strong> eine Spurensicherung<br />
6. Gründung der Plattform<br />
„SOS Mitmensch Burgenland“<br />
OHO 1994<br />
8 Konzerte<br />
4 Kabaretts<br />
9 U-Parties/ Project 94<br />
4 Ausstellungen ildende Kunst<br />
4 Die andere Kammermusik im OHO<br />
2 Kinderveranstaltungen<br />
3 Lesungen<br />
1 Projektpräsentation<br />
2 Diskussionen, Diavorträge<br />
2 Tanzprojekte<br />
4 Musik im Café<br />
SCHWERPUNKTE<br />
1. Angst als politische Kategorie 2:<br />
„Gewalt ist vorbereitet“ <strong>–</strong> Ausstellung in<br />
mehreren Orten des Burgenlandes<br />
2. Die andere Kammermusik im OHO:<br />
Bertl Mütter, Off-Beat, Trio Clarin,<br />
Jeannette de Boer und Julian Schutting<br />
3. „5 Jahre OHO“ <strong>–</strong> ein Fest<br />
4. „Letters of fear“ <strong>–</strong> ein Projekt von<br />
Andreas Lehner<br />
5. „Das braune Netzwerk“ <strong>–</strong> Film und Diskussion<br />
6. „Totschweigen“, „Im Dunstkreis“,<br />
„Geraubte Kindheit“ <strong>–</strong> Filmtag<br />
OHO 1995<br />
12 Konzerte<br />
1 Party<br />
4 Ausstellungen bildender Kunst<br />
22 Kinderveranstaltungen<br />
11 Diskussionen und Vorträge<br />
11 Kabarett- und Theatervorstellungen<br />
6 Lesungen und Buchpräsentationen<br />
4 Dia- und Filmvorführungen<br />
1 Benefizfest<br />
4 Die andere Kammermusik im OHO<br />
2 Veranstaltungen im Café<br />
7 Seminare<br />
3 CD- + Schallplattenbörsen<br />
SCHWERPUNKTE<br />
1. Aktionsreihen zu „1938-1988“<br />
und „1945-1995“<br />
2. Theatereigenproduktion<br />
„<strong>März</strong>. Der 24.“ von Peter Wagner<br />
3. „Tu was gegen Gewalt“ <strong>–</strong> Aktionswochenende<br />
4. „Innenbild Außenbild Außenbild Innenwelt“ <strong>–</strong><br />
Ausstellung von Elisabeth Kaziz-Hitz,<br />
Hans Lenes, Joachim Gartner, Lothar Gartner,<br />
Eva Riemer, Wolfgang Horwath<br />
OHO 1996<br />
25 Konzerte<br />
5 Kabaretts<br />
21 Diskussionen, Vorträge, Seminare<br />
3 Ausstellungen bildende Kunst<br />
4 Die andere Kammermusik im OHO<br />
14 Kinderveranstaltungen<br />
7 Lesungen, Buchpräsentationen<br />
1 Volksgruppenkongress<br />
1 Alternativbuchmesse<br />
3 Schulausstellungen<br />
2 Dia-, Filmvorführungen<br />
1 Jugendbandwettbewerb<br />
6 diverse Feste<br />
6 Veranstaltungen im Café<br />
SCHWERPUNKTE<br />
1. Operneigenproduktion „Monolog mit<br />
einem Schatten. Eine Windoper“ von<br />
Wolfgang R. Kubizek und Peter Wagner <strong>–</strong> in<br />
Koproduktion mit dem Konzerthaus Wien<br />
2. „Anne Frank <strong>–</strong> Eine Geschichte für<br />
heute“ <strong>–</strong> Ausstellung<br />
3. „Jugend & Politik im OHO“ <strong>–</strong><br />
Aktionswochenende im Gedenken an die<br />
ermordeten vier Roma in Oberwart.<br />
4. Ausstellungen: Josef Sulek <strong>–</strong> Skulpturen;<br />
Günter Pedrotti <strong>–</strong> Installation; Roseneder &<br />
Roseneder <strong>–</strong> „Wir bitten zu Tisch“<br />
5. Planung des OHO-Umbaus<br />
OHO 1997<br />
19 Konzerte + 1 Festival<br />
4 Kabaretts<br />
2 Filme, Diskussionen<br />
1 Ausstellung<br />
1 Jugend-Theater<br />
1 Kinderveranstaltung<br />
2 Lesungen, Buchpräsentationen<br />
1 OHO-Abschiedsfest<br />
1 Die andere Kammermusik im OHO<br />
2 CD-Präsentationen<br />
1 Musiktheater<br />
18 Theatervorstellungen „Oberwart.<br />
Mon amour.“<br />
SCHWERPUNKTE<br />
1. Theatereigenproduktion „Oberwart.<br />
Mon amour“ von Peter Wagner <strong>–</strong> in<br />
Koproduktion mit Theater m.b.H.<br />
2. „An der Grenze des Erlaubten“ <strong>–</strong><br />
Ausstellung im Stadtpark Oberwart<br />
über Kunst und Zensur in Österreich<br />
3. „Am Anfang des Endes des Anfangs“ <strong>–</strong><br />
Abschiedsfest vom OHO-Alt<br />
4. Umbau des OHO <strong>–</strong> April <strong>bis</strong> Oktober<br />
5. Theatereigenproduktion „Die Eiserne<br />
Grenze“ von Peter Wagner<br />
OHO 1998<br />
11 Konzerte<br />
3 Kabaretts<br />
3 Ausstellungen bildender Kunst<br />
4 CD-Präsentationen, DIA<br />
5 Die andere Kammermusik im OHO<br />
9 Theater<br />
5 Lesungen, Buchpräsentationen, Symposium<br />
1 Weinverkostung<br />
2 Partytime im Café<br />
2 Generalversammlungen<br />
8 Kinder und Jugend<br />
SCHWERPUNKTE<br />
1. Theater-Wiederaufführung „Jeder<br />
Tag ein Aschermittwoch und der Tag<br />
davor ein Karneval“ <strong>–</strong> in Zusammenarbeit<br />
mit der Volksschule Jabing<br />
2. Theatereigenproduktion „Die Schwarze<br />
Kaiserin“ von Peter Wagner, Musik Jan Sokol<br />
3. Die andere Kammermusik: „Über die<br />
Verführung von Engeln“ von und mit<br />
Paul Gulda; Boris Sinclair Hauf, Franz<br />
Hautzinger, Bertl Mütter.<br />
4. „Cselley goes OHO“ <strong>–</strong> Ausstellung<br />
mit Sepp Laubner und Robert Schneider<br />
5. „Pannonische Gespräche 1 + 2“ <strong>–</strong> Symposion<br />
6. „das ganz normale“ <strong>–</strong> Aktionsreihe über Rassismus<br />
und Vorurteile von VHS, SOS-Mitmensch<br />
Bgld., RE.F.U.G.I.U.S., Grüne Bildungswerkstatt<br />
Burgenland und OHO<br />
Szenenfoto aus „Monolog mit einem Schatten. Eine Windoper"; Musik: Wolfgang R.<br />
Kubizek, Libretto: Peter Wagner, Bühne: Wolfgang Horwath; Dirigent: Christoph Cech,<br />
Regie: Michael Sturminger. Eine Koproduktion des OHO mit dem Konzerthaus Wien.<br />
20 21
1 Mitglieder des Renovierungskurses und Horst Horvath vor dem noch<br />
als solches erkennbaren, jedoch bereits verblichenen Jugendhaus Oberwart.<br />
Das Jungendhaus: steter Stein des<br />
Anstoßes in Oberwart. Dem OHO erging<br />
es zunächst nicht besser. Es erwies<br />
sich letztlich aber als hartnäckiger,<br />
resistenter <strong>–</strong> und wohl auch als<br />
sattelfester in der Orthographie.<br />
2 Regiebesprechung bei Peter Wagner in Deutsch Kaltenbrunn. Nur<br />
Minuten vor Aufnahme dieses Fotos wurde bekannt, dass vier junge<br />
Roma-Männer in Oberwart Opfer eines Bombenattentats geworden waren.<br />
2<br />
1<br />
DEN MUT ZU TRÄUMEN UND<br />
DIE KRAFT ZU KÄMPFEN<br />
Er ist, wie man so sagt, ein Mochatschek, einer,<br />
der die Ärmel hochkrempelt, nicht viel fragt und<br />
einfach tut. So geschehen vor 30 Jahren, als er mit<br />
einer Gruppe Langzeitarbeitsloser das ehemalige<br />
Jugendhaus renovierte, um wenig später den Verein<br />
OHO zu gründen. Bis 1999 hat er als Obmann bzw.<br />
Geschäftsführer die Geschicke des Hauses gelenkt.<br />
Zahlreiche Initiativen und Projekte sind durch sein<br />
Engagement entstanden <strong>–</strong> Horst Horvath.<br />
Für das Blattwerk hat ihn Christian Keglovits<br />
zum Interview gebeten.<br />
Horst Horvath<br />
Wie kam es dazu, dass aus dem ehemaligen Jugendhaus<br />
das Offene Haus Oberwart entstanden ist?<br />
Ich stamme ursprünglich aus Neudörfl und bin im 1986er<br />
Jahr aus dem Nordburgenland ins Südburgenland gekommen,<br />
um als sogenannter Arbeitsmarktbetreuer unter<br />
Bundesminister Alfred Dallinger im Nonprofit-Bereich Jobs<br />
zu schaffen. Auf der Suche nach einem Büro führte mich<br />
der Zufall in die Lisztgasse. Die Steuerberatungskanzlei<br />
Sommer ist aus ihrem damaligen Büro, das vis-à-vis vom<br />
Jugendhaus lag, ausgezogen und ich bin dort eingezogen.<br />
Eines meiner ersten Arbeitslosen-Projekte war die Sanierung<br />
des Granariums der Burg Schlaining, wo es darum<br />
gegangen ist, langzeitarbeitslose Jugendliche und auch<br />
ältere Erwachsene gemeinsam arbeiten zu lassen, und<br />
die Jugendlichen von den Älteren lernen. Viele Roma aus<br />
dem Bezirk Oberwart waren mit dabei, und es war schon<br />
ein erster Schritt hin in Richtung Renovierung des Jugendhauses<br />
in Oberwart.<br />
Im November 1987 war eine Generalversammlung des Vereines<br />
Jugendhaus Oberwart angesetzt. Auf der Tagesordnung<br />
stand die Schließung des Hauses, weil man schlicht<br />
kein Geld mehr hatte, wobei man mir anfangs versicherte,<br />
dass der Schuldenstand eh nicht so hoch wäre. Wie sich<br />
später herausstellte waren die Außenstände aber doch<br />
beträchtlich. Jedenfalls hab ich <strong>–</strong> ich war damals auf dem<br />
Weg in die UdSSR <strong>–</strong> dem damaligen Vorstand einen Brief<br />
geschrieben <strong>–</strong> „Gewählt raus aus der Krise <strong>–</strong> packen wir´s<br />
an!“ -, mit der Bitte, man solle die Schließung überdenken,<br />
da man immerhin über ein Haus mit sehr günstiger Miete<br />
vom Bund verfügte.<br />
Ich hab damals schon so etwas wie ein Grundkonzept für<br />
ein offenes Haus mit 3 Schwerpunkten entworfen:<br />
Erstens ein offener Jugendhausbetrieb mit Café und Extraraum,<br />
zweitens eine Kultur- und Kunststätte im Saal und<br />
drittens ein Büro-, Informations- und Seminarzentrum im<br />
Obergeschoss als Drehscheibe. Das war überhaupt mein<br />
Grundansatz für die Idee zu einem neuen Haus, nämlich<br />
eine Drehscheibe nicht nur für junge Menschen, sondern<br />
auch für Erwachsene zu schaffen, nach dem Motto „Miteinander<br />
ist besser als Gegeneinander“. Anfangs hießen<br />
wir KuKuK (Kunst und Kultur und Kommunikation), bevor<br />
sich dann der Name „OHO <strong>–</strong> Offenes Haus Oberwart“ etabliert<br />
hat.<br />
Wie ist überhaupt der Name OHO entstanden?<br />
Ich hab in Wien beim Bundespräsidenten-Wahlkampf für<br />
Freda Meissner-Blau gearbeitet und hatte dort mit einem<br />
Werbetexter <strong>–</strong> Wilfried Uitz <strong>–</strong> zu tun, der auch für BMW<br />
tätig war. Und da sind wir eine ganze Nacht lang zusammengesessen<br />
und haben hunderte Namensvorschläge<br />
durchgekaut. Bis der mich schlussendlich fragte: „Was<br />
willst du denn eigentlich?“ Ich sagte: „Ich will ein Haus,<br />
das offen ist für Jung und Alt.“ Und er fragte, wo das Haus<br />
denn stehe. „In Oberwart.“ „Na dann heißt das Haus ´Offenes<br />
Haus Oberwart.´“ Fertig. Einen halben Tag später<br />
haben wir ein erstes Logo entwickelt und so ist das OHO<br />
entstanden.<br />
Wie ist es zu so etwas wie einem ersten Budget gekommen?<br />
Was waren die Grundlagen, ein Unternehmen<br />
wie dieses finanziell auf die Beine zu stellen <strong>–</strong> und<br />
letztlich auf den Beinen zu halten?<br />
Eine erste Ernüchterung war, dass die Schulden des Vereins<br />
Jugendhaus größer waren, als zuerst angegeben. Das<br />
ist mir nach und nach bewusst geworden. Der Ferry Sauerzopf<br />
hat uns tausend Schilling als Unterstützung gegeben,<br />
was damals viel Geld war. Die sind gleich mal beim<br />
Finanzamt gelandet. Wir haben dann bald mit dem Betrieb<br />
eines Cafés im Jugendhaus begonnen. Zum Arbeiten hab<br />
ich auch meine Freunde aus dem Nordburgenland, wie<br />
Helmut Paar, eingeladen. So ist z.B. eine neue Bar entstanden.<br />
Die Nemeth Isa, die auch heute noch im OHO<br />
tätig ist, hat damals ausgemalt und das Kaffeehaus eine<br />
Zeit lang betrieben. Dann lernte ich Wolfgang Horvath<br />
(heute Horwath) kennen, der einer der ersten Künstler<br />
war, der eine Ausstellung im Haus gemacht hat. Mit dem<br />
Kaffeehaus, Veranstaltungen und mit der Unterstützung<br />
von Sponsoren ist es nach und nach gelungen, die finanziellen<br />
Altlasten abzubauen, und so konnten wir letztlich<br />
durchstarten. 1988 konnten wir bereits den Verein OHO<br />
gründen, der damalige Vorstand bestand aus Sonja Kleinrath<br />
(Kassierin), Silvia Resch (Schriftführerin) und mir als<br />
Obmann. Im gleichen Jahr haben wir das Jugendhaus im<br />
Zuge eines Renovierungskurses mit arbeitslosen Jugendlichen<br />
von Grund auf saniert. 1989 haben wir das erneuerte<br />
Jugendhaus als Offenes Haus Oberwart neu eröffnet. In unserem<br />
ersten Jahr 1989 hatten wir 19 Konzerte, 2 Parties, 5<br />
Ausstellungen Bildender Kunst, 8 Kinderveranstaltungen,<br />
15 Treffen und Vorträge, 2 Kabaretts, 3 Kurse, Seminare,<br />
9 Lesungen usw.<br />
Mit von der Partie waren von Anfang 1989 neben den bereits<br />
erwähnten auch Georg Hoanzl, Christine Teuschler,<br />
Maria Kappel, Elisabeth Farkas, Thomas Unger, Christine<br />
Heindl und viele mehr.<br />
22 23
Lange Zeit eine Art Triumvirat im OHO:<br />
Wolfgang Horwath, Peter Wagner und Horst Horvath.<br />
Altbürgermeister<br />
Michael Racz<br />
2<br />
Peter Wagner gemacht, einen Preis für bildende Kunst mit<br />
Andreas Lehner und Wolfgang Horwath ins Leben gerufen,<br />
das Projekt mit Wolfgang R. Kubizek „Südlich / ein Haus /<br />
offen“, ebenso das Projekt „Das Land im Land“ anläss-<br />
GUTE ZEITEN,<br />
SPANNUNGSGELADENE<br />
ZEITEN<br />
1<br />
1 Vermessungsarbeiten am sog. Kreuzstadel in Rechnitz, einem<br />
der Brennpunkte der Aktivitäten von RE.F.U.G.I.U.S.<br />
2 Die edition lex liszt 12 hat sich zum umtriebigsten Verlagshaus<br />
des regionalen Verlagswesens im Burgenland entwickelt.<br />
lich 70 Jahre Burgenland. Wir gründeten die Zeitung „Geschriebenstein“<br />
und haben nach Jahren wieder den ersten<br />
Roma-Ball organisiert. Wir haben den Verlag „edition lex<br />
liszt 12“ („Gesetz der Lisztgasse 12“, Adresse des OHO)<br />
gegründet, auch den Verein RE.F.U.G.I.U.S. <strong>–</strong> Rechnitzer<br />
Flüchlings- und Gedenkinitiative <strong>–</strong> usw., also es war immer<br />
was los. Im Jahr des Roma-Attentates 1995 war es ganz<br />
wichtig, dass es uns gegeben hat, sonst wäre es in der<br />
War das schon ein Grund für das spätere Zerwürfnis,<br />
ehe es ab 1999 zu einer neuen Zeitrechnung kam,<br />
oder wie ist es aus deiner Sicht zu der damaligen Krise<br />
zwischen dir und einigen anderen Hauptakteuren<br />
gekommen?<br />
Sowohl die Eröffnung des OHO als auch der Umbau<br />
mit seiner Wiedereröffnung 1997 fallen in die<br />
Amtszeit des Oberwarter Altbürgermeisters Michael<br />
Racz. Er erinnert sich:<br />
Öffentlichkeit nicht in der weise aufgearbeitet worden,<br />
Aus meiner Sicht waren die Hauptgründe die Diskussion<br />
„Wenn ich spontan nach der Entstehung des OHO gefragt<br />
wie das schließlich geschehen ist. Und 1996 haben wir<br />
über die grundsätzliche Ausrichtung des Hauses und die<br />
werde, dann muss ich sagen, da ist schon einiges verblasst,<br />
Eine erste große Geschichte, mit der wir uns gleich von<br />
dann begonnen, den neuen Umbau zu planen, für dessen<br />
Rollenaufteilung der beteiligten Personen. Es ist eine Neu-<br />
weil es schon so lange her ist. Es hat schöne Momente<br />
Beginn an einen Namen gemacht haben, war das Projekt<br />
Zustandekommen Peter Wagner einen sehr wichtigen Bei-<br />
ausrichtung im Raum gestanden: Wir müssen ein Kunst-<br />
gegeben, weil es ein Treffpunkt für junge Menschen war.<br />
„Naziherrschaft und was uns blieb“. Und da hat es dann<br />
trag mit seinem Brief nach Brüssel geleistet hat. Und beim<br />
haus sein. Das war die neue Idee, die im wesentlichen vom<br />
Das ist aber von der Nach-barschaft nicht freudig aufge-<br />
schon auch Hauptschuldirektoren gegeben, die bei uns<br />
damaligen Finanzminister und späteren Bundeskanzler<br />
Peter kam, der Wolfgang H. hat das dann mitgetragen. Ich<br />
nommen worden, denn wo Jugend ist, ist Leben und wo<br />
angerufen bzw. uns geschrieben und gemeint haben, wir<br />
Viktor Klima hab ich schließlich gemeinsam mit Kurt Kuch<br />
wollte das Haus offen lassen für alle Aktivitäten und nicht<br />
Leben ist, ist Lärm. Die größte Sorge war aber eigentlich<br />
sollten damit aufhören und endlich Ruhe geben.<br />
erreicht, dass wir, also der Verein OHO, das Haus samt<br />
nur für die Kunst. Die Frage ist immer, was bringt’s, was<br />
die finanzielle Situation. Der Gemeinde ist es wirtschaftlich<br />
Grundstück vom Bund zu einem erschwinglichen Preis<br />
kostet es? Natürlich haben wir auch viele Veranstaltungen<br />
auch nicht gut gegangen und man hat von der Gemein-<br />
Apropos: Gab es politisch und gesellschaftlich nur Ge-<br />
erwerben konnten.<br />
im Haus abgehalten, die mit Kunst und Kultur nichts zu<br />
deverwaltung entsprechende wirksame Unterstützung<br />
genwind oder hat es vor, bei und nach der Gründung<br />
tun gehabt haben wie diverse Feiern und Parties, aber die<br />
erwartet. Es war natürlich schwer, alle Wünsche und Er-<br />
des OHO auch positive Stimmen gegeben?<br />
Was hat das OHO am Leben erhalten?<br />
waren halt da, um Geld zu verdienen.<br />
wartungen zu erfüllen.<br />
Natürlich gab’s mehr Gegenwind, weil das Haus noch im-<br />
Den Mut zu träumen und die Kraft zu kämpfen. Wir haben<br />
Und dann die Idee, wir müssen uns einen künstlerischen<br />
mer den Ruf einer Haschbude gehabt hat. Wobei ich immer<br />
uns Dinge in den Kopf gesetzt und die haben wir dann<br />
Leiter holen <strong>–</strong> das wurde der Michael Muhr. Ich hätte mich<br />
Auf alle Fälle war und ist das OHO wichtig für Oberwart,<br />
gesagt habe, im Haus möchte ich das nicht haben, weil<br />
durchgezogen. In der ersten Phase waren das eben Peter<br />
nur um das Finanzielle kümmern sollen. Ich fand das keine<br />
vor allem als Integrationsort. Nach dem Umbau war ich<br />
ich das grundsätzlich ablehne. Es hat schon eine Weile<br />
Wagner, Wolfgang Horwath, den ich hinzugeholt habe,<br />
so gute Idee. Hedi Chaloupka, die jahrelang ehrenamtlich<br />
angenehm überrascht, weil die räumlichen Voraussetzun-<br />
gedauert, <strong>bis</strong> die große Anerkennung gekommen ist. Je<br />
um das frisch renovierte Café zu „behübschen“, und ich.<br />
die Verantwortung über die Kassa innehatte, hat dann<br />
gen geschaffen worden sind, um eine positive Entwicklung<br />
nach politischer Couleur mal mehr, mal gar keine Aner-<br />
Dann ist irgendwann Wolfgang R. Kubizek <strong>–</strong> „der Teufels-<br />
auch mit mir aufgehört. Wir ließen uns vom Finanzamt,<br />
gewährleisten zu können. Die Stimmung damals war span-<br />
kennung. Z.B. haben Schulprojekte einen wichtigen Beitrag<br />
geiger“ <strong>–</strong> dazugestoßen, genauso wie Andreas Lehner und<br />
von der Gebietskrankenkasse alles prüfen, haben das Haus<br />
nungsgeladen, würd ich sagen, zwischen den Betreibern<br />
dazu geleistet, Vorurteile der Elterngeneration abzubauen,<br />
viele andere. Zu den einzelnen Projekten haben wir dann<br />
für den Verein gekauft und es dann ruhigen Gewissens<br />
und jenen, denen diese Aufbruchstimmung etwas suspekt<br />
da diese <strong>–</strong> angelockt durch die Arbeiten ihrer Kinder <strong>–</strong> das<br />
unterschiedliche Leute dazu geholt. Das 3er-Team waren<br />
schuldenfrei übergeben.<br />
vorgekommen ist. Weil gewisse Misstöne laut wurden nach<br />
erste Mal ins OHO kamen und feststellten, dass es ja so<br />
an sich der Peter, der Wolfgang H. und ich.<br />
kritischen Äußerungen mancher im OHO Tätigen.<br />
schlimm nicht ist.<br />
Ihr habt das OHO nicht nur am Leben erhalten, son-<br />
Wie lautet dein persönliches Resümee über deine Jahre<br />
Zum Geburtstag wünsche ich dem OHO, dass die Entwick-<br />
Wie hast du dieses erste Jahrzehnt des OHO, das ja<br />
dern es hat eine stete Aufwärtsentwicklung genom-<br />
im OHO?<br />
lung weiterhin eine positive sei, dass weiterhin ordentliche<br />
auch wesentlich durch dich geprägt war, insgesamt<br />
men. War der große Umbau 1997 dann eine logische<br />
Es war eine sehr erfolgreiche Phase. Wir haben <strong>–</strong> was mir<br />
Arbeit geleistet wird, die so vielfältig ist, wie das Leben sich<br />
erlebt?<br />
Folge dieser Entwicklung?<br />
persönlich immer sehr wichtig war <strong>–</strong> gesellschaftspolitisch<br />
darstellt. Dass es weiterhin gelingt, solche Programme zu<br />
Es waren sehr bewegende, sehr aktive Jahre, ich hab das<br />
Jein, also ich hätte das in der Form nicht gebraucht. Ich<br />
viel erreicht und das immer in Verbindung mit Kunst und<br />
gestalten, die die verschiedensten Strömungen berück-<br />
alles sehr lange ehrenamtlich gemacht und kein Geld dafür<br />
glaube, dass das ein Einschnitt war. Wir haben gewusst,<br />
Kultur. Wir haben viele Pflänzchen zum Wachsen gebracht,<br />
sichtigen und das ist derzeit der Fall. Daher: Gratulation<br />
genommen bzw. Jobs gemacht, um mir mein Gehalt zu<br />
es gibt Geld von der EU (Ziel 1 Förderung), und wenn man<br />
es ist viel gesät worden und auch viel aufgegangen.<br />
und Anerkennung von meiner Seite!<br />
verdienen. Wir hatten jedes Jahr eine große Produktion auf<br />
das jetzt nicht in Anspruch nimmt, bietet sich die Chance<br />
die Beine gestellt und im 1990er Jahr den ersten Flücht-<br />
nicht mehr so schnell. Meine Meinung war: Sanieren ja<br />
lingsverein gegründet, das erste große Theaterstück mit<br />
natürlich, aber nicht in dem großen Stil umbauen.<br />
24 25
„Winterlandschaft" von Rudolf Klaudus, dem<br />
Begründer der „Künstlergruppe Burgenland" im Jahr 1956.<br />
PARAPHRASE #1<br />
die Gruppe gut zwei Jahrzehnte später unter dem Namen<br />
„kgb-polychrom“ neu formierte, präsentiert die Ausstellung<br />
ab 8. <strong>März</strong> <strong>2019</strong> nebst neuen Werken der Gruppe auch<br />
manche Arbeit bereits verstorbener Künstler.<br />
Bei der Gründung der Gruppe im Jahr 1956 gab ihr erster Präsident,<br />
Rudolf Klaudus, das Motto, „die Kunst im Burgenland<br />
aus dem Provinzialismus herauszuführen“, aus. Genau dieser<br />
Leitsatz klingt auch noch Jahrzehnte später wie jene Losung,<br />
der sich auch das OHO als seinem Auftrag verschrieben hat.<br />
Als symptomatisch dafür kann das von Wolfgang R. Kubizek<br />
Fr., 8.3.<br />
19:30 Uhr<br />
KÜNSTLERGRUPPE BURGENLAND <strong>–</strong><br />
KGB POLYCHROM<br />
Vernissage<br />
Eintritt frei<br />
entworfen Plakat mit der Aufschrift „Kultur aus der Provinz<br />
ist nicht gleich provinzielle Kultur“ gelten. So sehr die Provinz<br />
Thema vieler Kunstaktionen im OHO war und ist, so sehr war<br />
und ist es ihr erklärtes Ziel, den unter „Provizialismus“ subsumierten<br />
Begriff mit Qualität zu konterkarieren. Gewiss steht<br />
mittlerweile auch bei der „Künstlergruppe Burgenland <strong>–</strong> kgb polychrom“ die<br />
Befreiung vom Mief des Provinzialismus nicht mehr so sehr im Vordergrund<br />
wie einst, dennoch bleibt der Kampf um die Überwindung alter Vorurteile.<br />
Die Ausstellung ist von 9.3. <strong>bis</strong> zum 19.3.<strong>2019</strong> zu<br />
Denn nach wie vor behandeln gerade Kunstberichterstattung und <strong>–</strong>kritik die<br />
besichtigen: von Montag <strong>bis</strong> Freitag zwischen<br />
Erzeugnisse jenseits der urbanen Zentren äußerst stiefmütterlich. Das betrifft<br />
9:00 und 16:00 Uhr, vor Veranstaltungen<br />
natürlich nicht nur die bildende Kunst, doch gerade auch sie.<br />
und nach Vereinbarung.<br />
VON DER<br />
„KÜNSTLERGRUPPE<br />
BURGENLAND“ ZU<br />
„KGB-POLYCHROM“<br />
Am 28. Juni 1990 feierte das OHO seinen ersten Geburtstag. Das musste<br />
schon insofern zu einem tatsächlichen Fest geraten, als man zu diesem<br />
Zeitpunkt in keiner Weise wusste, wie lange es diesen Schandfleck in Oberwart<br />
überhaupt geben würde. Man durfte dem Kind daher zum Erreichen<br />
des ersten vollendeten Lebensjahres mit gutem Grund gratulieren. Und das<br />
mit einem besonderen Geschenk: Es wurde dem OHO zunächst durch die<br />
Uraufführung des Streichquartetts „Südlich / ein Haus / offen“ von Wolfgang<br />
R. Kubizek durch das weltbekannte Artis-Quartett unterbreitet. Das Stück<br />
wurde danach mehrfach in unterschiedlichen Konzertsälen aufgeführt und<br />
wird auch wieder am 29. <strong>März</strong> im Rahmen des Kubizek-Schwerpunktes im<br />
OHO zu hören sein, dieses Mal interpretiert vom Koehne-Quartett.<br />
(Siehe dazu 30 Jahre OHO <strong>–</strong> Paraphrase #2 auf das erste Jahrzehnt.)<br />
Neben der Rede „Zur Lage der Kulturnation“ von Peter Wagner durfte bei<br />
diesem Geburtstagsfest auch der bildende Sektor, von Wolfgang Horwath<br />
seit Anbeginn mit besonderem Nachdruck betrieben, nicht fehlen. Und<br />
Bei Gründung der „Künstlergruppe<br />
Burgenland", die sich ab 2013<br />
„kgb- polychrom" nannte, war<br />
Wolfgang R. Kubizek noch nicht<br />
geboren. Dennoch knüpft sein<br />
Plakat dreieinhalb Jahrzehnte später<br />
nahtlos an ein Problem an, mit dem<br />
sich KünstlerInnen in der Provinz<br />
auch heute noch konfrontiert sehen.<br />
Wir erlauben uns, an dieser Stelle einen Ausschnitt aus einem Artikel von<br />
Franz Probst in der BF (Burgenländische Freiheit) vom 4. Juli 1990 wiederzugeben,<br />
in dem er unter dem Titel „Zur Kultur: Ein Jahr OHO“ schrieb:<br />
„... Denn am Anfang einer lebendigen Kulturszene darf nicht die Subvention der<br />
Obrigkeit, sondern die Aktivität der Basis stehen. Jene Aktivität, die in Oberwart<br />
vom OHO bewiesen wurde, die vor dem Wagnis, vor Irrtümern und Irrwegen<br />
nicht zurückschreckt, sich nicht auf die Rezeption des ´Modernen´ und des<br />
Experiments beschränkt, sondern selbst ´Moderne´ und Experiment, Herausforderung<br />
und Provokation ist. OHO ist all dies in einem einzigen Jahr geworden<br />
und hat sich in dieser kurzen Zeit aus allen Bedrohungen und Irrtümern heraus,<br />
die seine Existenz in Frage stellten, zu einer ´Drehscheibe für gesellschaftspolitische,<br />
soziale und kulturelle Anliegen´ entwickelt. Und zu einem Kommunikationszentrum,<br />
das die Konfrontation und ´heiße Eisen´ nicht scheut, das auch Mut<br />
zum Unvollkommenen hat und in diesen 12 Monaten in ungeahntem Ausmaß<br />
literarische und bildnerische Kreativität einer ganzen Region geweckt hat. Oft ist<br />
es angestoßen, oft hat es Anstoß erregt durch seine Einsätze für die Minderheiten<br />
Eine Ausstellung als künstlerische Paraphrase<br />
auf das erste Jahrzehnt des OHO<br />
so richtete die „Künstlergruppe Burgenland“ eine der ersten Großausstellungen<br />
im OHO aus, was soviel besagte und <strong>bis</strong> heute besagt, dass<br />
das gesamte Haus einer Ausstellung zur Verfügung steht. Nachdem sich<br />
unseres Landes etwa oder die Offenlegung von Schuld und Verbrechen einer<br />
Zeit, und immer hat es Unbehagen bei den Satten hervorgerufen. Immer war es<br />
aber Stimme der Jungen, deren Recht es ist, anders zu sein als die Etablierten“<br />
26<br />
27
Kunst muss unbequem<br />
sein dürfen<br />
SA., 9.3.<br />
20:00 Uhr<br />
LOLA BLAU VON GEORG KREISLER“<br />
Musical-Kabarett mit<br />
der Schauspielerin Tamara Stern<br />
Eintritt: VVK € 15,<strong>–</strong> / AK € 18,<strong>–</strong><br />
(ermäßigt VVK € 13,<strong>–</strong> / AK € 15,<strong>–</strong>)<br />
Die starke Verbindung zwischen der jüdischen<br />
Schauspielerin Tamara Stern und der Figur<br />
Lola Blau stehen im Mittelpunkt dieses Abends. Das wohl<br />
bekannteste Wiener Ein-Frau-Musical des scharfzüngigen Satirikers<br />
Georg Kreisler erzählt die tragisch-humorvolle Lebensge-<br />
Es gibt einen alten ORF-Bericht zum Umbau, in dem<br />
Sie sagen, Kunst müsse unbequem sein dürfen.<br />
schichte einer jungen Wiener Schauspielerin, die 1938 vor den<br />
Nazis flüchten musste.<br />
Für dieses Mal scheint<br />
die Politik sogar mehr<br />
zu lachen als die für<br />
das OHO Verantwortlichen:<br />
Peter Wagner,<br />
Haben Sie das OHO als besonders unbequem erlebt?<br />
Das OHO spricht eine eigene, klare, sehr oft provokante<br />
Sprache und es vertritt ein Thema, nämlich das der Menschenrechte.<br />
Das Roma-Thema war immer sehr präsent,<br />
auch das Flüchtlingsthema. Im OHO ist man sehr direkt<br />
in allem, das finde ich gut. Und ja, das ist manchmal unbequem,<br />
weil man einen Spiegel vor die Nase gehalten<br />
bekommt, der aufzeigt, wo die Fehler im politischen Handeln<br />
sind oder in der Gesellschaft. Das ist nicht angenehm,<br />
aber notwendig.<br />
Mit seinen unvergleichlichen Liedern schildert Kreisler fast auto-<br />
biografisch den Weg einer Künstlerin in die Emigration, ihren<br />
Erfolg und die bittere Wiederkehr in eine Heimat, die ihr keine<br />
mehr sein kann und will!<br />
Es trinkt, spielt und singt: Tamara Stern<br />
Pianist: Marcelo Cardoso Gama<br />
Szenische Regie: Ernst Kurt Weigel<br />
Technik: Jennifer Skriwan<br />
Eine Produktion des Off Theaters Wien<br />
Horst Horvath,<br />
Christa Prets<br />
und LH Karl Stix<br />
bei der Eröffnung<br />
des neuen OHO<br />
1997<br />
Das OHO war in Oberwart <strong>–</strong> vielleicht auch genau<br />
wegen dieser Direktheit <strong>–</strong> lange Zeit umstritten.<br />
Waren Sie gern da, bei Veranstaltungen oder wenn<br />
Sie selbst etwas eröffnet haben?<br />
Diese Skepsis war mit ein Grund dafür, warum ich beson-<br />
Beim Spatenstich für das „OHO neu“ war sie<br />
als Kulturlandesrätin dabei. Immer wieder hat<br />
sie betont, dass es Kunst erlaubt sein müsse,<br />
unbequem zu sein. Und auch wenn das OHO<br />
Christa Prets zu ihrem Amtsantritt mit einer<br />
Provokation begrüßt hatte, ist zwischen der<br />
ehemaligen Kulturlandesrätin und den OHO-<br />
Verantwortlichen eine fast freundschaftliche<br />
Verbindung entstanden.<br />
Frau Prets, es muss ganz kurz nach Ihrer Angelobung<br />
als Landesrätin gewesen sein <strong>–</strong> da gab es einen<br />
Offenen Brief vom OHO an Sie. Wie erinnern Sie sich<br />
an diesen Start?<br />
Ich hab damals gar nicht gewusst, wie mir geschieht. Der<br />
Offene Brief hat mich sehr betroffen gemacht, weil ich mir<br />
gedacht hab: Was wollen die von mir? Kein Mensch kennt<br />
mich, die wissen nicht, wie ich bin oder arbeite und gehen<br />
einfach davon aus, dass ich nichts mit ihnen anzufangen<br />
wüsste. Ich hätte erwartet gehabt, dass man vorher zu mir<br />
kommt und man einander kennenlernt. Und ich war dann<br />
auch ziemlich nachtragend, also ich hatte eine Liste bei<br />
mir am Schreibtisch liegen mit den Namen von allen, die<br />
den Brief damals unterschrieben haben, weil ich gedacht<br />
hab: Na, irgendwann werden sie kommen und jeder wird<br />
irgendwas brauchen.<br />
Und war´s dann auch so?<br />
Ich hab wirklich jeden, der kam, sofort drauf angesprochen:<br />
Warum seid ihr nicht auf mich zugekommen? Aber<br />
das haben wir alles abgearbeitet, es hat sich alles gelegt<br />
und es sind dadurch auch, man kann schon fast sagen,<br />
Freundschaften entstanden. Es ist ein sehr gutes Klima<br />
geworden und ich erinnere mich gern an die vielen Abende<br />
bzw. auch Nächte, die wir durchdiskutiert haben, auch als<br />
es dann um den Umbau ging: Wie groß soll das sein? Was<br />
kann das Land dazu beitragen? Die Wünsche sind natürlich<br />
immer größer als das, was man dann an finanziellen<br />
Mitteln hat, und man muss sich irgendwo einigen. Das haben<br />
wir auch gemacht. Ein <strong>bis</strong>schen mehr ist es trotzdem<br />
geworden als zuerst vereinbart. Aber das haben die Schlitzohren<br />
schon mitbedacht gehabt (lacht). Die haben sich<br />
wahrscheinlich gedacht: „Wenn´s einmal fertig ist, kann<br />
man eh nichts mehr machen.“ Aber ich hab mich dann<br />
sehr gefreut, dass es geworden ist, wie es geworden ist.<br />
ders gerne hingefahren bin. Also ja, ich war immer sehr<br />
gern im OHO, weil grad das Provokante notwendig war,<br />
und man sieht ja auch, dass sich mit der Zeit vieles legt.<br />
Jetzt ist das OHO akzeptiert, und ich finde, dass man auch<br />
in der Funktion als Kulturpolitikerin oder Kulturpolitiker<br />
grade für solche Institutionen eintreten muss und für die<br />
Menschen, die in der Kritik stehen, weil sie anders denken<br />
und querdenken.<br />
Aus dem OHO hört man, dass man Sie nach Ihrer<br />
Zeit als zuständige Landesrätin dann sogar<br />
vermisst hat …<br />
Das kann ich nur zurückgeben, auch ich habe alle sehr<br />
vermisst, weil der Kontakt natürlich mitunter durch meine<br />
Zeit in Brüssel weniger geworden ist. Ich denke noch<br />
immer gerne an die vielen Nächte, in denen wir diskutiert<br />
haben. Über verschiedene Themen und Positionen, wo ich<br />
in meiner Funktion als Mitglied der Landesregierung immer<br />
auch verschiedene Dinge abwägen musste. Vielleicht<br />
hat auch das eine oder andere Schnapserl geholfen, dass<br />
wir dann immer zusammengekommen sind (lacht). Ich<br />
bin auch noch immer OHO-Mitglied und finde, dass die<br />
Arbeit ganz, ganz wichtig ist, die dort gemacht wird. Ich<br />
verfolge das und schaue regelmäßig, was sich Aktuelles<br />
in Oberwart tut. Hoffentlich bleiben die OHO-Leute so<br />
kritisch, so eigen und so eigensinnig!<br />
FR., 15.3.<br />
20:00 Uhr<br />
„NEVER REACH THE END“ <strong>–</strong> REFRAIN COLOR<br />
Konzert: Worldmusic<br />
Eintritt: VVK € 13,<strong>–</strong> / AK € 16,<strong>–</strong> (ermäßigt VVK € 11,<strong>–</strong> / AK € 13,<strong>–</strong>)<br />
Wie facettenreich und vielschichtig man unter dem Begriff<br />
Weltmusik auch heute noch agieren kann, beweist die Band<br />
Refrain Color mit ihren südburgenländischen und südsteirischen<br />
Wurzeln auf ihrer soeben erschienenen CD „Never Reach<br />
the End“ (ATS Records) auf eindrucksvolle Art und Weise.<br />
Was die fünfköpfige Truppe auf den Weg bringt, ist Instrumentalmusik,<br />
bei der die Grenzen zwischen den einzelnen Spielformen<br />
und Stilen vollkommen aufgehoben zu sein scheinen.<br />
Die insgesamt zehn Stücke offenbaren sich als ein einziges<br />
faszinierendes und vielschichtiges klangliches Feuerwerk, das<br />
einfach fesselt und begeistert.<br />
Mecky Pilecky (Schlagzeug, Perkussion)<br />
Stefan Weiß (Melodeon, Drehleier, Harfe, Stimme)<br />
Manfred Gutmann (E-Gitarre)<br />
Thomas Klauber (E-Bass)<br />
Michi Bergbaur (Posaune, Tuba)<br />
28<br />
29
Sehr geehrte<br />
Damen und Herren,<br />
IV<br />
...<br />
Natürlich hängt auch die Provinz längst schon in der Globalisierungsfalle.<br />
Die elektronischen Medien und Kommunikationsmaschinen<br />
haben das Ihre getan, um räumliche<br />
Distanzen aufzuheben und die Welt zu einem einzigen Ort,<br />
respektive Nicht-Ort beinahe schon wahllos fließender Information<br />
zu machen.<br />
Insofern ist das überlieferte Bild der Provinz als Endstation<br />
des Zeitgeistes heute zumindest anzweifelbar. Provinz<br />
muss nicht zwangsläufig Provinz sein, die Wegstrecke<br />
zwischen modernistischer Urbanität und nachziehender,<br />
sich anbiedernder Provinz ist entfallen, der Geist der Zeit<br />
in Sekundenbruchteilschnelle zu transportieren <strong>–</strong> auch in<br />
die Provinz und aus der Provinz.<br />
Freilich bleibt noch immer die Frage offen, ob die Entwicklung<br />
in den Köpfen der Rasanz in den technischen Labors<br />
und industriellen Werkstätten noch einigermaßen standhalten<br />
kann. Provinz wird weiterhin existieren, solange sie<br />
eine Befindlichkeit in den Köpfen der Menschen darstellt.<br />
Man wird sagen können: Provinz hat nichts mehr mit der<br />
Unterscheidung Stadt-Land zu tun, sondern ausschließ-<br />
PETER WAGNER<br />
FESTVORTRAG ZUR WIEDERERÖFFNUNG<br />
DES OFFENEN HAUSES OBERWART<br />
AM 25. OKTOBER 1997 / AUSZUG<br />
LIEBE FREUNDE, MITGLIEDER,<br />
AKTEURE DES OHO!<br />
Der neue Saal des OHO erstmals gut gefüllt.<br />
Die Prominenz gastiert, wie üblich, in den ersten Reihen.<br />
lich mit einer ganz bestimmten Befindlichkeit. Provinz ist<br />
die Selbstgerechtigkeit des Kleinbürgers: Ob sie Thomas<br />
Bernhards „Heldenplatz“ mit dem Brustton der Empörung<br />
und dem so süffisanten wie verklemmten Schielen<br />
auf Wählerstimmen skandalisiert; ob sie anlässlich einer<br />
Nitsch-Ausstellung ihre Fäkalien ablädt; ob sie behauptet,<br />
wer Visionen habe, brauche einen Arzt; ob sie im Verein mit<br />
der Kirche an einem Schutzalter für Homosexuelle festhält;<br />
ob sie einen Achternbusch-Film über Jesus Christus per<br />
Gesetz österreichweit verbieten lässt; ob sie als tägliches<br />
Kleinformat die Herrschaft über den gesunden Menschenverstand<br />
antritt; ob sie das OHO als den wahren Schandfleck<br />
Oberwarts deklariert; ob sie in hunderttausendfacher<br />
Handschrift ein Ausländervolksbegehren unterschreibt;<br />
oder ob sie gleich eine Rohrbombe in die ewige Ungereimtheit<br />
österreichischer Identität platziert <strong>–</strong> die Provinz zieht<br />
sich flächendeckend durch das Seelenleben des gestrigen<br />
und heutigen Österreichs. Und: Die Provinz ist wieder dabei,<br />
sich zu emanzipieren, wo sie der Meinung ist, verloren<br />
gegangenes Terrain zurückgewinnen zu müssen. Da ihr<br />
die Moderne immer schon verdächtig war, hält sie die Zeit<br />
für reif, endlich wieder Schluss mit den Experimenten zu<br />
machen, den politischen, den künstlerischen, den existenziellen.<br />
Die Provinz ist das Credo der Selbstgerechten. Von<br />
Blau über Schwarz, Rot und Gelb <strong>bis</strong> Grün.<br />
Auch jener Teil der Kulturpolitik, der glaubt, zeitgenössische<br />
Kunst wäre lückenlos in das merkantile Netz und<br />
marktpolitische Gesetz einzuschleusen, frönt, auf durchaus<br />
salopp-zeitgeistige Weise, dem reaktionären Geist der<br />
Provinz. Die Provinz ist die Inthronisierung des Musters an<br />
der Stelle der Strategie.<br />
V<br />
Das Offene Haus Oberwart hat sich etabliert.<br />
In dieser lapidaren Feststellung liegen Fluch und Auftrag<br />
des Hauses in gleicher Weise. In ihr ist der Vulkan der Paradoxie<br />
verankert, der unter unseren Füßen arbeitet. Zwar<br />
werden wir nach wie vor von vielen Oberwartern sicher nicht<br />
geliebt, vom Großteil mit interessiertem Wegschauen als<br />
hinzunehmende Tatsache registriert, aber es ist dennoch<br />
unübersehbar geworden, dass das Offene Haus Oberwart<br />
über eine für seine Größe ansehnliche Öffentlichkeit verfügt,<br />
die längst die Grenzen des Burgenlandes sprengt. Die Erwartungshaltung<br />
auf die Qualität der Produktionsmaschine ist<br />
hoch. Darüber hinaus hat sich in den letzten Jahren so etwas<br />
wie ein Klischee auf gewisse Forderungen, die an dieses<br />
Haus gestellt werden, gebildet: Das OHO soll provokant sein.<br />
Hofnarren dürfen, was vielen anderen den Kopf kosten<br />
würde. Dennoch bleiben sie als Hofnarren in der Substanz<br />
ihrer Wirkung eher jämmerlich, gemessen an dem, was sie<br />
äußern dürfen. Abgesehen davon ist die Gefährdung, die<br />
dem Klischee des Provokanten wie ein Beiwagen ansitzt,<br />
beträchtlich. Wer provokant ist, weil er glaubt, es sein zu<br />
müssen, führt seine Kritik am Bestehenden selbst sehr<br />
schnell ad absurdum und noch schneller in die Peinlichkeit.<br />
Andererseits ist Provokation sehr wohl ein Auftrag. Er kann<br />
sich allerdings nur sehr mittelbar einlösen, wenn er einem<br />
Publikum tatsächlich zum Gewinn gereichen soll. Zum Beispiel<br />
in der Kunst. Je höher die Qualität der Kunst ist, die<br />
dem Publikum hier geboten wird, desto größer die Provokation.<br />
Denn Provokation heißt, das <strong>bis</strong>her Verdeckte und<br />
Versteckte hervorzurufen unter der Kruste persönlicher<br />
und gesellschaftlicher Konvention und Unterdrückung.<br />
Daher lautet der allererste Auftrag an dieses Haus: Wir<br />
müssen den Fluch, der auf uns lastet, ernst nehmen und<br />
Qualität produzieren. Obwohl und gerade weil unser Thema<br />
die Provinz ist. So gesehen liegt gerade in der Gründlichkeit<br />
einer Arbeit die größte Provokation.<br />
Qualität aber ist nicht umsonst. Und das in jeder Hinsicht.<br />
Wer nun einmal auf Geld angewiesen ist, der ist auch abhängig<br />
von ihm.<br />
Das Offene Haus Oberwart ist damit Teil des Establish-<br />
Peter Wagner stand 1996 <strong>bis</strong> 1998 sowie 2011 <strong>bis</strong> 2015 dem Offenes Haus<br />
Oberwart (OHO) als Obmann vor. In die erste Periode fiel der Umbau<br />
eines alten, in den Neunzehndreißigern erbauten Gebäudes mit Saal in<br />
einen modernen Kulturbau mit mannigfacher Nutzungsmöglichkeit vor<br />
allem in den Bereichen Theater, Musik, Tanz und bildende Kunst.<br />
Die vollständige Rede anlässlich der Wiedereröffnung des neu erbauten<br />
Offenen Hauses Oberwart am 25. Oktober 1997 ist nachzulesen in:<br />
Peter Wagner: Es ist eine Not mit uns, eine pannonische Polemik <strong>–</strong><br />
Kommentare, Reden, Offene Briefe, Zwischenspiele; edition lex liszt 12,<br />
Oberwart, 2016.<br />
ments. Weder die Verwaltung<br />
solch eines Kulturhauses noch<br />
die Kunst, die in ihm produziert<br />
wird, kann ohne das Geld, das<br />
das politische Establishment<br />
zur Verfügung stellt, existieren.<br />
Die Politik und nur die Politik trifft die Entscheidung,<br />
ob solch ein Unternehmen funktionieren darf oder nicht.<br />
Insofern brauchen wir die Umarmung der Kulturpolitik,<br />
insofern erwidern auch wir ihren Kuss.<br />
Die entscheidende Frage dabei lautet: Mit welcher Haltung<br />
begegnen wir dieser Tatsache? Sicher kann es nicht sein,<br />
dass uns unsere freiwillige oder unfreiwillige Mitgliedschaft<br />
im Establishment käuflich macht. Wenn wir uns kaufen<br />
lassen, wenn wir uns gar schon kaufen haben lassen, sind<br />
wir ohnedies verloren. Dann werden wir vielleicht ein Kulturhaus,<br />
dessen Neuerrichtung uns das Establishment<br />
ermöglicht hat, betreiben, nicht aber die Achtung vor uns<br />
selbst. Und es wird eine Menge von Verlogenheit diese<br />
Räume hier füllen, so oder so aufgemotzte Gefälligkeit,<br />
die überdies noch verlogener wird, sobald sie sich mit dem<br />
Mäntelchen des Provokanten tarnt.<br />
Sollte es aber so sein, dass wir uns noch nicht kaufen haben<br />
lassen und dieser Versuchung auch in Zukunft widerstehen<br />
werden können, so kann unsere Haltung unserer eigenen<br />
paradoxen Situation gegenüber nur in der prinzipiellen<br />
Unerschrockenheit unserer Entäußerungen bestehen, der<br />
ästhetischen, der inhaltlichen. Dann wird es an der Politik<br />
liegen, ein Credo abzulegen für die wertvolle Atemluft einer<br />
offenen Gesellschaft <strong>–</strong> oder ein Haus wie dieses sterben zu<br />
lassen bzw. anderen Händen zu übergeben.<br />
Unsere Entscheidung ist in jedem Fall eine prinzipielle und<br />
moralische.<br />
Die Entscheidung der Politik eine prinzipielle und faktische.<br />
Das ist der Fakt.<br />
Ich danke Euch allen, die Ihr am Entstehen dieses Baus<br />
beteiligt wart. Ich danke für die Verpflichtung, die wir damit<br />
übernommen haben.<br />
Ich danke von ganzem Herzen.<br />
Offenes Haus Oberwart, am 25. Oktober 1997<br />
30 31
Sa., 23.3.<br />
13:00-18:00 Uhr * Rathaus Oberwart<br />
NS GEFÜHLSERBSCHAFTEN IM 21. JAHRHUNDERT<br />
Symposium<br />
Eintritt frei<br />
In Europa befinden sich rechte Parteien im Aufwind, die Natio-<br />
fr., 22.3.<br />
nalismus und Fremdenfeindlichkeit mit autoritären Herrschaftsformen<br />
verknüpfen und teilweise eng mit faschistischen Kreisen<br />
verbunden sind. Die Unsicherheiten in der Bevölkerung werden<br />
19:30 Uhr<br />
PETER PONGRATZ<br />
Ausstellungseröffnung<br />
Eintritt frei<br />
instrumentalisiert, Scheinlösungen für komplexe Probleme angeboten<br />
und auf ein simples „MigrantInnen gegen InländerInnen“<br />
reduziert. Vor dem Hintergrund der zunehmenden Wahlerfolge<br />
solcher rechtspopulistischer Parteien in vielen europäischen<br />
Ländern rücken auch die etablierten Parteien immer<br />
weiter nach rechts.<br />
Was ist der Grund dafür, dass die WählerInnen sich für diese Par-<br />
FEINE SALONKUNST<br />
FÜR DAS<br />
WOHNZIMMER<br />
HANNA I<br />
KÄTHE<br />
teien entscheiden? Sind es u.a. sogenannte „NS-Gefühlserbschaften“?<br />
Besteht ein Zusammenhang zwischen Persönlichkeitsmerkmalen<br />
und politischen Einstellungen? Wirken die NS-Ideen von<br />
Volksgemeinschaft und Antisemitismus der Nazis auch noch auf<br />
die Enkelgeneration? Diese Themen und Fragestellungen sollen<br />
bei der Tagung behandelt und diskutiert werden.<br />
Eine Veranstaltung von RE.F.U.G.I.U.S. in Kooperation<br />
mit den Burgenländischen Volkshochschulen, K.B.K.<br />
Die Ausstellung ist von 23.3. <strong>bis</strong> zum<br />
2.4.<strong>2019</strong> zu besichtigen: von Montag <strong>bis</strong><br />
Freitag zwischen 9:00 und 16:00 Uhr,<br />
vor Veranstaltungen und nach<br />
Vereinbarung.<br />
Peter Pongratz, 1940 geboren in Eisenstadt,<br />
lebt und arbeitet in Wien und<br />
Korčula, Kroatien, und ist Mitglied der<br />
Künstlergruppe Burgenland. Der Maler,<br />
Musiker, Bühnenbildner und Autor war<br />
schon immer ein widerständiger Querdenker,<br />
der den Anspruch der Authentizität<br />
sowohl für sich als Person als auch<br />
für seine Kunst allem voranstellt.<br />
Peter Pongratz in einem Interview:<br />
Vom Zeitgeist werden Stil und Moden<br />
diktiert, was manchmal den Blick auf<br />
das Wesentliche verstellt. Im Grunde ist<br />
jedes Bild eines Malers, zumindestens<br />
eines Malers, der so malt wie ich, ein<br />
Selbstportrait; was anderes ist gar nicht<br />
möglich. Wenn ein Bild einen Blumenstock<br />
zeigt, ist das ein Selbstportrait, von<br />
dem der das Bild gemalt hat. Daneben<br />
ist alles, was die Malerei nicht direkt<br />
betrifft, nicht unbedingt notwendig. Ob<br />
es dem Zeitgeist entspricht, ob es Mode<br />
ist oder nicht, ist eigentlich wurscht.<br />
Wichtig ist lediglich die Feststellung der<br />
malerischen Qualität, so etwas ist in<br />
Österreich scheinbar nicht erreichbar.<br />
ganz einfach, sie ist hauptsächlich eine<br />
Sache der Erfahrung und des Gefühls.<br />
Natürlich kann man z.B. sagen: Die<br />
Farbabstimmung ist nach klassischen<br />
Kriterien richtig oder falsch, aber das<br />
macht die Qualität eines Kunstwerkes<br />
noch nicht aus, ganz im Gegenteil, wenn<br />
es gar zu harmonisch ist, wird es auch<br />
wieder fad. Ich muss ein Bild lieben; das<br />
ist meine Form zu kommunizieren. Wenn<br />
man über Bilder kommuniziert, schließt<br />
das einige Missverständnisse, die in der<br />
verbalen Kommunikation immer wieder<br />
passieren, aus, aber perfekt ist diese<br />
Form natürlich auch nicht. Gott sei Dank,<br />
so bleibt dem Betrachter immer noch<br />
ein beträchtlicher Spielraum für seine<br />
Fantasie.<br />
Peter Handke über Peter Pongratz:<br />
Er ist so hellwach, dass es fast erschreckend<br />
wirkt, aber das gehört zu ihm,<br />
weil es zu der Welt gehört, in der er lebt.<br />
Was er malt, ist nicht die Wirklichkeit,<br />
sondern die Wirkung dieser Wirklichkeit<br />
in ihm.<br />
Auch im Burgenland gab es, bescheiden, aber doch, politischen Widerstand<br />
gegen das Nazi-Regime. An vorderster Front finden sich dabei zwei Burgenlandkroatinnen,<br />
die ihren Kampf gegen den Terror der Nationalsozialisten<br />
nicht nur mit unerschütterlich zähem Engagement führten, sondern auch<br />
mit Gefängnis, Folter und einem brutalen Überlebenskampf im Konzentrationslager<br />
bezahlten.<br />
Beide Frauen überlebten den Terror. Hanna Sturm verewigte ihre Erinnerungen<br />
in dem Buch „Die Lebensgeschichte einer Arbeiterin; vom Burgenland<br />
nach Ravensbrück“, während Käthe Sasso im Zeitzeugenprogramm seit den<br />
Neunzigerjahren unzählige Veranstaltungen und Vorträge <strong>bis</strong> zum heutigen<br />
Tag absolviert. Für die Veranstaltung „Hanna und Käthe“ wurde ein Interview<br />
mit der mittlerweile 92-Jährigen aufgezeichnet.<br />
Aus diesem und weiteren Materialien über Käthe Sasso<br />
sowie aus dem Material des Buches und aus den auf<br />
Kroatisch geführten Interviews mit Hanna Sturm haben<br />
Josko Vlasich und Peter Wagner eine Erzählung über die<br />
beiden bemerkenswerten Frauen entwickelt, die filmisch,<br />
musikalisch und verbal aufbereitet den Bogen über ein<br />
gutes Jahrhundert Zeitgeschichte spannt.<br />
VERANSTALTUNGSHINWEIS:<br />
20:00 Uhr * OHO<br />
HANNA I KÄTHE <strong>–</strong> DVI HRVATICE U OTPORU<br />
Eine Film-, Musik- und Leseperformance über<br />
zwei Burgenlandkroatinnen im Widerstand<br />
Eintritt: VVK € 15,<strong>–</strong> / AK € 18,<strong>–</strong> (ermäßigt VVK € 13,<strong>–</strong> / AK € 15,<strong>–</strong>)<br />
Regie: Peter Wagner<br />
Musik: Marco Blascetta, Justin Kodnar, Nikola Zeichmann.<br />
Lesende: Claudia Fellinger, Andrea Kerstinger,<br />
Konstantin Vlasich, Josko Vlasich. Technik: Valentin<br />
Reumann, Kristijan Karall<br />
Eine zweisprachige Eigenproduktion der KUGA<br />
Bei uns braucht man immer einen Präzedenzfall,<br />
am besten aus Amerika, um<br />
ein Qualitätsurteil abstützen zu können.<br />
Das halte ich für Quatsch. Zugegeben,<br />
Qualität festzustellen ist nicht immer<br />
So., 24.3. * 14:00 Uhr<br />
Mahnmal Kreuzstadl Rechnitz<br />
GEDENKFEIER FÜR ALLE OPFER<br />
DES SÜDOSTWALLBAUS<br />
Eine Veranstaltung von RE.F.U.G.I.U.S.<br />
32<br />
33
Wolfgang R. Kubizek<br />
Christoph Cech<br />
Nach welchen Kriterien haben Sie die Stücke für das<br />
Programm ausgewählt?<br />
Was ich auf jeden Fall vermeiden wollte war, dass da eine<br />
bekümmerte Gesellschaft mit tieftraurigen Augen in ein<br />
PARAPHRASE #2<br />
Gedenkkonzert geht. Man muss das Leben in größeren<br />
Dimensionen sehen und den Wolfgang so feiern, als wär<br />
er unter uns, und das ist er ja in dem Fall auch mit seiner<br />
Musik. Also das Fest soll ein Akt des Lebens sein. Und ich<br />
hab mir gedacht, was sind für mich seine stärksten Akzente<br />
und danach hab ich ausgewählt.<br />
Welche Facetten wird man also zu hören kriegen?<br />
Da gibt’s einerseits den Geiger und frühen Elektroniker<br />
Wolfgang R. Kubizek, der sozusagen ein Soloprogramm unter<br />
Einbezug von Loops und allem Möglichen fabriziert hat.<br />
Dann diese experimentelle Jazz-Seite, mit der Band Ostpol,<br />
schon auch Kritik gegeben, weil er das teilweise recht rigid<br />
verfolgt hat und nicht alle einverstanden waren mit manchen<br />
Auslegungen <strong>–</strong> etwa mit dem Bezug zur Sowjetunion.<br />
wo wir gemeinsam gespielt haben in den Frühzeiten <strong>–</strong> da<br />
fand ich, das sollte man auf jeden Fall quasi „reloaded“ auf<br />
die Bühne bringen. Und im Bereich der „klassischen“ Musikszenerie<br />
gibt´s Werke für Streicher, also Streichquartett<br />
oder noch kleiner besetzte Streicherduos <strong>–</strong> und da gehört<br />
unbedingt „Südlich / ein Haus / offen“ dazu, das er dem<br />
OHO gewidmet hat.<br />
Vom Komponisten Wolfgang R. Kubizek heißt es, er<br />
wäre „kantig“ gewesen. Wie haben Sie ihn als Menschen<br />
kennengelernt?<br />
Der Wolfgang war ein unglaublich herzlicher Gastgeber,<br />
hat gern gekocht und konnte aber auch ordentlich grantig<br />
werden und manchmal hat man gar nicht gewusst, warum<br />
er grantig ist. Er hat Stimmungsausschläge nach allen<br />
Sa, 29.3.<br />
19:30 Uhr (Einlass 19:00 Uhr)<br />
WOLFGANG R. KUBIZEK <strong>–</strong><br />
KOMPONIST UND POLITISCHER KOPF<br />
1959 <strong>–</strong> 2008<br />
Ein musikalisches Fest<br />
Eintritt: VVK € 16,<strong>–</strong> / AK € 19,<strong>–</strong> (ermäßigt VVK € 14,<strong>–</strong> / AK € 17,<strong>–</strong>)<br />
Wolfgang R. Kubizek gehört zu den Mitstreitern in der Riege der<br />
Aktivisten des Offenen Hauses Oberwart von Anfang an. Schon im<br />
Jugendhaus war er musikalisch mit verschiedenen Formationen<br />
aktiv, u.a. mit „Ostpol" und „Paganinis Kinder". Um seinem<br />
musikalischen Schaffen gerecht zu werden, haben unter der<br />
künstlerischen Leitung von Christoph Cech verschiedene Organisationen<br />
und Personen einen Abend zusammengestellt, mit dem<br />
anhand der großen Bandbreite des kompositorischen Schaffens<br />
von Wolfgang R. Kubizek sowohl zu einer Wiederbegegnung<br />
als auch zu einer Neuentdeckung dieses einzigartigen<br />
Künstlers und „politischen Kopfes“ eingeladen wird.<br />
Neben Foto- und Videodokumenten, die in den Pausen präsentiert<br />
werden, soll sich vor allem die Musik Kubizeks, chargierend<br />
zwischen Elektronik, klassischem Streichquartett und zünftigem<br />
Rock-Jazz, zu einer tatsächlichen Feierstunde entwickeln!<br />
Interpreten: Simon Frick <strong>–</strong> electric violin solo;<br />
Koehne-Quartett; QuartArt;<br />
„Ostpol reloaded“: Christoph Cech <strong>–</strong> Gesamtleitung und keyb.,<br />
Simon Frick <strong>–</strong> electric violin, Thomas Monetti <strong>–</strong> guit.,<br />
Mecky Pilecky <strong>–</strong> dr u.a., featuring Peter Wagner<br />
mit Rainer Paul <strong>–</strong> guit. für Paganinis Kinder<br />
Eine Veranstaltung in Kooperation von OHO, RE.F.U.G.I.U.S.,<br />
KIBu, VHS, K.B.K. und Friedrich & Paul Gulda-Musikfonds<br />
HERZLICHER GASTGEBER,<br />
AUFRÜTTELNDER KOMPONIST<br />
Am 29. <strong>März</strong> feiert man im OHO mit einem<br />
musikalischen Fest den 2008 verstorbenen<br />
Komponisten Wolfgang R. Kubizek. Gestaltet hat<br />
das Programm dafür Christoph Cech <strong>–</strong> Pianist,<br />
Komponist, Hochschullehrer <strong>–</strong> und in diesem Fall:<br />
Freund wie musikalischer Begleiter von Wolfgang<br />
R. Kubizek. Um das Programm zusammenzustellen,<br />
hat er in seinen Erinnerungen gegraben.<br />
Ursula Neubauer im Gespräch mit Christoph Cech<br />
Es gibt also ein breites Spektrum. Von wem ist er in<br />
seinem Schaffen denn am meisten beeinflusst worden?<br />
Naja, der Wolfgang war auf jeden Fall interessiert an neuer<br />
Musik. Sozialisiert Mitte des 20. Jahrhunderts mit Lutoslawski<br />
und Bartók, also nicht unbedingt mit der neuen<br />
Musik, wie man sie heute kennt. Ligeti darf man auch nicht<br />
vergessen, also eigentlich die Titanen, die klassische Moderne,<br />
haben ihn sehr beeinflusst. Auf der anderen Seite<br />
hatte er eine große Liebe zu Pop, Pop-Produktionen, zu<br />
einer gewissen Raubeinigkeit, und er hatte den Wunsch,<br />
zu provozieren und die Leute ein <strong>bis</strong>sl aus ihren Stühlen<br />
rauszudrücken. Das war ihm ein Anliegen.<br />
In einem Interview hat Wolfgang R. Kubizek ja auch<br />
einmal gesagt, er wolle mit seiner Musik „aufrütteln“<br />
und „erschüttern“ <strong>–</strong> was würde er heute komponieren?<br />
Ich denk mir, er würde nach wie vor alle elektronischen Mittel<br />
mit Begeisterung einbeziehen in sein Schaffen, vielleicht<br />
sogar einer der ersten sein, der irgendwelche Neuigkeiten<br />
besitzt und ausprobiert. Das war er auch immer, das hat<br />
auch dazu geführt, dass er viele viele Stunden damit beschäftigt<br />
war, sich zu ärgern, dass was nicht funktioniert hat<br />
(lacht). Ich glaub, von der musikalischen Sprache her war es<br />
immer ein abrupter Wechsel zwischen tonalen Strukturen<br />
und dem freien Improvisieren, dem Zerreißen der Tonalität<br />
und auch durchaus dem „Geräuschhaftwerden“. Er und wir<br />
waren immer schwer schubladisierbar, das wäre er heute<br />
nach wie vor.<br />
Und wäre er heute auch noch so ein „politischer Kopf“,<br />
wie er es gewesen sein muss?<br />
Bestimmt. Er war jemand, mit dem man viel reden und<br />
durchaus griffig diskutieren konnte. Also er hatte eine klare<br />
politische Haltung, die hat er auch innerhalb unseres<br />
Freundschaftskreises, Musikerkreises vertreten. Da hat es<br />
möglichen Richtungen gehabt. In unserer frühen Wiener<br />
Zeit, da war sein Zimmer im Studentenheim ein richtiger<br />
Meetingpoint. Da sind die leeren Bierflaschen unterm Bett<br />
dahingerollt und es gab eine riesige Rauchwolke in dem<br />
kleinen Raum <strong>–</strong> das kann man sich heute gar nicht mehr<br />
vorstellen. Später, wenn wir im OHO gespielt haben, haben<br />
wir auch oft nächtelang diskutiert <strong>–</strong> und den Rest kann man<br />
sich dazudenken (lacht). Als Komponist hat es mal eine längere<br />
Zeit gegeben, wo er wieder sehr klassisch geschrieben<br />
hat, auch für klassische Ensembles, mit dieser Phase war<br />
ich nicht so glücklich, weil der aufrüttelnde Effekt meiner<br />
Ansicht nach eine Zeit lang verlustig war und eigentlich hat<br />
ihn der Tod grade in einer Zeit aus dem Leben gerissen, wo<br />
er wieder so richtig kantig geworden ist. Und agil, so wie<br />
ich ihn kennengelernt hatte.<br />
CHRISTOPH CECH<br />
1960 in Wien geboren<br />
1967-83 Studien in Klavier, Rhythmik, Schlagwerk,<br />
Tonsatz und Jazztheorie am Konservatorium der Stadt Wien<br />
seit 1977 (Mit)gründer, Pianist, Dirigent und Komponist zahlreicher Ensembles:<br />
Jazz experimentell: Nouvelle Cuisine Bigband, Paganinis Kinder, Ostpol,<br />
Jubilo Elf, Striped Roses, Trio Mondautos, Mütter-Cech, Camerata Obscura,<br />
Giuffre Zone, Heginger-Herbert-Cech, ZaVoCC, Schausberger-Bless-Cech,<br />
Trio MIT, CC JOP Christoph Cech Jazz Orchestra Project<br />
Neue Musik: Janus Ensemble, Max Brand Ensemble<br />
Auftritte bei zahlreichen Festivals, rege Tourneetätigkeit<br />
Zahlreiche Auszeichnungen, darunter:<br />
2016 Kunstpreis der Republik Österreich in der Sparte Musik<br />
Auskünfte über sein umfangreiches kompositorisches Werk:<br />
www.christoph-cech.com<br />
34 35
Statements zum Musiker,<br />
Komponisten und Freund.<br />
... Was der Österreicher Wolfgang R. Kubizek damit macht,<br />
hat.... Mir ganz persönlich bleibt jedenfalls die Musik, die er mir<br />
hat internationales Format. Käme derlei aus New York <strong>–</strong> schon<br />
und meiner Arbeit in zwanzig Jahren künstlerischer Verbundenheit,<br />
wären sie da, die Habitués der Avantgarde ...<br />
wohl aber auch eines steten Ringens miteinander, geschenkt hat.<br />
Thomas Rothschild über die LP „Deine Farben“ in: Frankfurter<br />
Peter Wagner, Autor und Regisseur<br />
Rundschau vom 21.01.1989<br />
Wolfgang war ein hochbegabtes Kind, die Geige begleitete ihn<br />
seit früher Kindheit, sensibel und hellwach begegnete er seiner<br />
Umwelt. Er hat viele Schulen besucht und keine beendet … Nicht<br />
In der Reihe Komponistenportraits, die sich sorgfältige Dokumentation<br />
der vielfältigen österreichischen Musiklandschaft<br />
zum Ziel setzt, war ... der erfolgreiche und kompromißlose Außenseiter<br />
Wolfgang R. Kubizek zu Gast. Sich um naserümpfende<br />
Vollversion der Statements<br />
zu Wolfgang R. Kubizek auf<br />
www.oho.at<br />
er ist an diesen Ausbildungssystemen gescheitert, es waren wohl<br />
Avantgarde-Habitués nicht weiter scherend, schreibt dieser mit<br />
eher die Schulen, die seinem Talent nicht gerecht wurden. Kon-<br />
erstaunlicher Produktivität Stück auf Stück, das immer seine<br />
sequent und unbeirrbar folgte und lebte er seine Interessen, sein<br />
Interpreten findet ... Der Erfahrungshorizont: Ländliche Stille,<br />
junges Leben war gekennzeichnet von radikalen Brüchen und<br />
In-sich-Hineinhorchen, handwerklicher Werkbegriff gehen ihm<br />
immer neuen Anfängen.<br />
Annemarie Türk, Kulturmanagerin<br />
... excellent RUSH, which is an surprising and wounderful electronic-music<br />
work! ...<br />
George Munnshe, Barcelona, über die CD „RUSH ... oder wer<br />
schenkt mir ein Orchester?“<br />
Wolfgang konnte sich hineinknien in eine Sache wie kein anderer,<br />
wenn er von etwas überzeugt war, wie ein Leistungssportler, mit<br />
Haut und Haar, mit Allem. Es war wie eine Aufopferung seiner<br />
selbst, ein Gekreuzigtwerden ... Die antifaschistische politische<br />
Arbeit fand im Werk des Komponisten Kubizeks ständig ihren<br />
Niederschlag, und zwar in einer Zeit, die man in Österreich als<br />
gefühlten Vorbote der heutigen türkis-blauen Regierung sehen<br />
würde.<br />
Michael Pilecky, Musiker und Buchautor<br />
vor urbane Hektik und aufgesetzte Modernität ...<br />
Heinz Rögl über das Komponistenportrait in der Wiener<br />
Stadtinitiative in: Salzburger Nachrichten vom 27.09.1993<br />
In Zeiten des weltweiten konzernalen Kriegsgeheuls, der grassierenden<br />
Verdummung und der Verrohung im gesellschaftlichen<br />
Zusammenleben fehlst du. Humanistische Feingeister, die im<br />
kritischen Diskurs mit viel Geduld und Einfühlungskraft für eine<br />
bessere Welt kämpfen, sind rar geworden. A Luta continua <strong>–</strong> Unser<br />
Kampf geht weiter. Avante, Venceremos.<br />
Max Wachter, Journalist, Verleger und UHUDLA-Herausgeber<br />
... Ich möchte Ihnen doch sagen, daSS ich berührt und beeindruckt<br />
war...von der persönlichen, introvertierten Sprache Ihrer<br />
Musik ...<br />
Hans Petermandl über die CD „Goldberg-Ensemble:<br />
Karl M. / Wolfgang R. Kubizek“<br />
Das erste gemeinsame Projekt war der Versuch, unsere individuellen<br />
künstlerischen Positionen zusammenzuführen. Die bildende<br />
Kunst, die Literatur und die Musik.<br />
Bild <strong>–</strong> Wort <strong>–</strong> Ton! Peter W. hatte auch sofort den passenden Titel.<br />
Unter „ping, pong, pong“ gestalteten wir eine „literarisch-musikalische-bild-illustration“,<br />
wie wir es nannten und unternahmen<br />
dabei den Versuch, jeweils einer auf den anderen einzugehen ....<br />
Malerei als Performance. Wahrhaftig ein sehr schönes Erlebnis!<br />
Wolfgang Horwath, Bildender Künstler<br />
Ein konzise verschiedene Atmosphären ansteuerndes Opus,<br />
das zu Reflexionen über die politische Gegenwart einlädt und<br />
dabei... auch noch mit musikantischer Inspiration aufwartet.<br />
Walter Dobner über „Die Engel von Los Angeles“ in: <br />
Die Presse vom 02.05.1996<br />
Wolfgang Kubizek <strong>–</strong> von den Freunden salopp und liebevoll "Kubi"<br />
Verbunden hat uns mit Wolfgang das gesellschaftspolitische Interesse<br />
sowie sein Einsatz und unermüdliches Engagement für die<br />
politische Erwachsenenbildungsarbeit. Er war ein Anreger und<br />
Aufreger mit immer wieder neuen, manchmal auch provokanten<br />
Ideen, aber stets mit einer starken Sensibilität und besonderen<br />
Empfindung für das manchmal auch sehr Unangenehme, das man<br />
in seiner Brisanz in Wirklichkeit aber anpacken musste.<br />
Christine Teuschler, Geschäftsführerin<br />
Burgenländische Volkshochschulen<br />
... Und eklektisch ist wohl heute jede neu geschöpfte Musik.Ich<br />
halte dieses Werk für absolut gelungen, meditativ und sehr<br />
... da ist viel Kraft drinnen in Deinem Quartett und erfrischende<br />
Unbekümmertheit. Etwas, das einem alten Hasen wie ich einer<br />
bin natürlich wohltuend in die Ohren pfeift ...<br />
Otto M. Zykan über: „Südlich / ein Haus / offen <strong>–</strong> Suite für<br />
Streichquartett“<br />
Es fällt mir schwer, von der persönlichen Beziehung zu Wolfgang<br />
in der Weise zu abstrahieren, dass letztlich das übrig bleibt, was<br />
ihm das Wichtigste in egal welchem Urteil über seine Person war:<br />
durch seine Musik und ausschließlich durch diese verstanden und<br />
respektiert zu werden, wie er dies wiederholte Male eingefordert<br />
Er brachte die „Andere Kammermusik“ ins OHO. Bei vielen gesellschaftspolitischen<br />
Vereinen und Aktivitäten wie RE.F.U.G.I.U.S.,<br />
Antifa-Komitee, SOS-Mitmensch, edition lex liszt 12, den Burgenländischen<br />
Volkshochschulen und natürlich im OHO war er stets<br />
ein kreativer, kritischer, aufmüpfiger und engagierter Mitgestalter.<br />
Er fehlt in diesem Land <strong>–</strong> gerade auch jetzt in dieser kalten Zeit.<br />
Horst Horvath, Freund und Wegbegleiter<br />
In Erinnerung wird wohl die Musik von Wolfgang R. Kubizek<br />
bleiben <strong>–</strong> in ihrer stiloffenen Art vermittelt sie allerlei Ausdrucksvaleurs<br />
und wird zum suggestiven Text-Partner und <strong>–</strong> Kontrast.<br />
Da gehen feine Klangflächen, stilisierte Songs und rhythmisch<br />
prägnante Passagen dezent ineinander über.<br />
Lju<strong>bis</strong>a Tosic über „Monolog mit einem Schatten <strong>–</strong><br />
Eine Windoper“ in: Der Standard vom 18.03.1996<br />
genannt <strong>–</strong> war eine einzigartige Erscheinung, kaum in ein paar<br />
Worte zu fassen.<br />
Kraftvoll und verwundbar, kantig und gleichzeitig hoch empfindsam,<br />
witzig und tiefernst, seinem Leben als Zeitgenosse zugewandt<br />
und gleichzeitig intensiv mit den schrecklichen, prägenden<br />
Aspekten der Geschichte Österreichs verbunden.<br />
Paul Gulda, Pianist<br />
Die auf Fasslichkeit angelegte Musik rührt an, ist im besten Sinn<br />
uneitel und frei von jedem unnötigen Pathos, hervorragend<br />
instrumentiert, zuweilen auch mit kunstvollen kontrapunktischen<br />
Nebenstimmen bedacht, aber niemals auf blendenden<br />
Effekt aus.<br />
Heinz Rögl über die DCD „... und alle Toten starben<br />
friedlich ...“ auf www.mica.at, 06.02.2008<br />
streng, was gut so ist.Ich kenne nun wirklich viel Musik und sehr<br />
viele Dinge höre ich mir auf Konserve gar nicht an, weil ich sie nur<br />
im direkten Aufführungskontakt erleben kann. Dieses Oratorium<br />
habe ich jetzt dreimal gehört und beginne es zu mögen ...<br />
Dr. Harald Schischlik über die DCD „... und alle Toten starben<br />
friedlich ...“ 10.03.2008<br />
Was ich an Wolfgang persönlich besonders schätzte? Seinen trockenen<br />
Humor, die starke Emotionalität und gleichzeitig professionelle<br />
Ernsthaftigkeit, mit denen er an seine Projekte heranging,<br />
die pointierten und meist treffenden Formulierungen, die<br />
er wählte, wenn wir uns unterhielten, die Offenheit, mit der er<br />
über die Verletzungen, die er in seinem Leben erlitten hatte, über<br />
Schicksalsschläge, aber auch über seine eigenen Fehler berichtete.<br />
Vladimir Vertlib, Schriftsteller und Librettist<br />
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arbeitet. Die Mitglieder unterstützen durch ihren Beitrag eine<br />
Arbeit im Kunst- und Kulturbereich, die ohne öffentliche, aber<br />
auch private Förderung nicht denkbar ist.<br />
Mitglieder erhalten bei allen Veranstaltungen ermäßigten Eintritt.<br />
Der Mitgliedsbeitrag beträgt € 30,<strong>–</strong> im Jahr.<br />
Sie möchten Mitglied werden? Dann überweisen Sie den<br />
Mitgliedsbeitrag unter Angabe Ihres Namens und Ihrer<br />
Adresse auf folgendes Konto:<br />
BANKVERBINDUNG: BANK BURGENLAND,<br />
IBAN: AT 84 51000 902 1421 5900, BIC: EHBBAT2E<br />
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Telefon 03352-38555 / info@oho.at<br />
Der Kartenvorverkaufspreis gilt für eingelangte Kartenreservierungen/-bestellungen<br />
<strong>bis</strong> einen Werktag vor gewünschter<br />
Veranstaltung, wobei die Karten einen Werktag vor der<br />
Veranstaltung zu den angeführten Büroöffnungszeiten<br />
abgeholt werden müssen. Für reservierte, aber nicht abgeholte<br />
Karten, gilt der Abendkassapreis!<br />
Ermäßigte Kartenpreise gelten für: OHO-Mitglieder,<br />
Ö1-Club-Mitglieder, Schülerinnen und Schüler, Lehrlinge,<br />
Studentinnen und Studenten, Zivil- & Präsenzdiener.<br />
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