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Industrieanzeiger 04.2019

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04.19<br />

18.02.2019 | 141. Jahrgang www.industrieanzeiger.de<br />

Standort Chancen und Risiken in China Seite 32<br />

Strategie Klassische Pneumatik war gestern Seite 24<br />

Digitalisierung Cloud-Anbindung inklusive Seite 40<br />

Kaeser-Geschäftsführer<br />

Thomas Kaeser über<br />

smarte Druckluft Seite 28<br />

Top- Thema<br />

Industrie 4.0<br />

<strong>Industrieanzeiger</strong> 04.19 1


info@pueschel-group.com<br />

www.pueschel-group.com<br />

2 <strong>Industrieanzeiger</strong> 04.19


meinung<br />

Robotics Kongress<br />

zeigt Trends auf<br />

PUSHING<br />

INNOVATIONS<br />

Was im Jahr 2012 als zartes Pflänzchen begann, treibt inzwischen<br />

kräftige Blüten. Die 8. Auflage des Robotics Kongress ging am 6.<br />

Februar 2019 auf dem Hannover Messegelände über die Bühne. Die<br />

Veranstaltung war mit 220 Teilnehmern restlos ausverkauft und der<br />

Veranstaltungsort, die Hannover Messe Technology Academy hinter<br />

der Halle 16, war voll bis unter das Dach. Das Kernthema des<br />

Kongresses, die Mensch-Roboter-Kollaboration, lockte Teilnehmer<br />

aus allen Branchen nach Hannover – vom Backofen-Hersteller bis<br />

zum Autobauer. Breit war auch die Palette der Teilnehmer. Unter<br />

den Gästen befanden sich gestandene Roboter-Integratoren, Automatisierungs-Profis,<br />

Marketing-Experten, Marktforscher und Einsteiger,<br />

die den Kongress nutzten, um einen<br />

Zugang in die Welt der Robotik zu finden.<br />

Als Keynote-Speaker konnten wir in diesem<br />

Jahr Prof. Torsten Kröger gewinnen. Er gehört<br />

zu den erfolgreichsten Robotik-Forschern<br />

in Deutschland und leitet das Institut<br />

für Anthropomatik und Robotik am KIT in<br />

Karlsruhe. Kernthema seines Vortrags war<br />

die zunehmende Lernfähigkeit der Roboter.<br />

Um den Fortschritt zu demonstrieren, hatte<br />

Kröger jede Menge Beispiele im Gepäck.<br />

Beim Greifen von unbekannten Objekten<br />

etwa können Roboter heute selbstständig<br />

Strategien entwickeln, um die Aufgabe immer<br />

besser zu lösen, ohne dass dafür auch<br />

nur eine Programmzeile geschrieben werden<br />

muss. Aber auch das herkömmliche Programmieren<br />

von Robotern ist längst nicht<br />

mehr ein Fall für den Spezialisten. Ein<br />

Vortrag des Unternehmens drag and bot<br />

aus Stuttgart zeigte auf, wie einfach das<br />

inzwischen mit Apps funktioniert. Mehr<br />

dazu lesen Sie in einer ausführlichen<br />

Reportage vom Robotics Kongress in<br />

Ausgabe 6. In der folgenden geht es erstmal<br />

um 4.0 und die Digitalisierung. •<br />

Themen 04.19<br />

06 Technik-Augenblicke<br />

08 Tipps der Redaktion<br />

10 Digitale Services<br />

14 IT-Grundschutz<br />

18 Menschen<br />

20 Storytelling<br />

24 Digitalisierung<br />

28 Druckluft<br />

32 Standort China<br />

40 Cloud-Anbindung<br />

44 Simulationstechnik<br />

50 Smarte Textilien<br />

54 Automatisierung<br />

56 Fertigungstechnik<br />

60 Produkte<br />

66 Glosse<br />

MICA.<br />

MACHT IHRE<br />

FERTIGUNG ZUM<br />

FLEXIBILITÄTS-<br />

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Datenverarbeitung zwischen<br />

Endgeräten und IT-System. Mica<br />

Modulare und offene Plattform für<br />

maximale Flexibilität in der Fertigung<br />

Individuell anpassbar zum Neuentwickeln<br />

und Nachrüsten von Maschinen und<br />

Produktionsanlagen<br />

Robust und wartungsfrei mit<br />

IP67 und EN 50155<br />

Rechenleistung, Infrastrukturverkabelung<br />

und Integration aus einer Hand<br />

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mailen Sie an de@HARTING.com<br />

Uwe Böttger<br />

Redakteur <strong>Industrieanzeiger</strong><br />

www.HARTING.de<br />

<strong>Industrieanzeiger</strong> 04.19 3


inhalt 04.19<br />

32 | Standort<br />

China ist für viele deutsche<br />

Industriefirmen die größte<br />

nationale Absatzregion. Jetzt<br />

strebt das Reich der Mitte<br />

bei wichtigen Zukunftstechnologien<br />

an die Weltspitze.<br />

24 | Digitalstrategie<br />

Per Dashboard lässt sich<br />

Condition Monitoring in der<br />

Cloud für Anwender einfach<br />

durchführen. Festo plant,<br />

vorkonfigurierte Dashboards<br />

passend zu einzelnen<br />

Komponenten anzubieten.<br />

28 | Interview<br />

Immer mehr Unternehmen<br />

kaufen Druckluft als Service.<br />

Thomas Kaeser, Vorstandsvorsitzender<br />

von Kaeser<br />

Kompressoren, spricht über<br />

die Herausforderungen.<br />

4 <strong>Industrieanzeiger</strong> 04.19


Exklusiv.<br />

ERP für Losgröße 1+<br />

News & Management<br />

03 Meinung<br />

Der Robotics Kongress in Hannover<br />

zieht Teilnehmer magisch an<br />

10 Digitalstrategie<br />

Aufholbedarf bei der Digitalisierung<br />

der Kundenschnittstellen<br />

12 Branchenkonjunktur<br />

Kapazitätsengpässe und flaue Marktnachfrage<br />

bremsen Maschinenbauer<br />

14 IT-Sicherheit<br />

Firmen und Behörden können sich<br />

IT-Grundschutz zertifizieren lassen<br />

15 Elektromobilität<br />

Der weltweite Bestand an E-Autos<br />

wächst – Deutschland auf Rang 8<br />

16 Messebilanz<br />

Gute Noten nach Torschluss des Leipziger<br />

Messedoppels Intec und Z<br />

20 Marketing<br />

Wie kreatives Storytelling differenziert<br />

und die Marke stärkt<br />

22 Digital Leader<br />

Digitalisierung verändert Strukturen<br />

wie auch die Führung<br />

24 Digitalstrategie<br />

Festo erweitert Pneumatik-Funktiona -<br />

lität und schafft zusätzliche Services<br />

●28 Interview<br />

Kaeser-Chef Thomas Kaeser zu den<br />

Entwicklungen durch Digitalisierung<br />

Technik & Wissen<br />

●32 Standortwettbewerb<br />

Die geregelte Wirtschaft Chinas bietet<br />

hiesigen Firmen Chancen wie Risken.<br />

Um künftig zu bestehen, muss Europa<br />

viel größer denken.<br />

38 Retrofit<br />

Steuerungstechnik von Beckhoff bringt<br />

Anlage auf aktuellen Technik-Stand<br />

40 Digitalisierung<br />

Bei einer Maschinen-Neu-Entwicklung<br />

setzt Rühle auf Cloud-Anbindung<br />

44 Automatisierung<br />

Fertigungsprozesse mit dem<br />

CNC-Simulator steuern<br />

46 ERP-Software<br />

Produktionsmaschinen direkt aus dem<br />

ERP-System ansteuern<br />

48 Software<br />

Digitaler Zwilling kann das Zusammenspiel<br />

von Komponenten testen<br />

50 Smarte Textilien<br />

Ein Anwenderforum transferiert neue<br />

Technikideen an KMU – Ende Februar<br />

52 Selbstlernende Software<br />

Wie Roboter bald eintönige<br />

Bürotätigkeiten übernehmen können<br />

54 Automatisierung<br />

Hersteller von Schneidwerkzeugen<br />

kriegt kleine Losgrößen in den Griff<br />

56 Fertigungstechnik<br />

Neues interdisziplinäres Forschungskonzept<br />

für innovative Prozesse<br />

Produkte & Service<br />

06 Augenblicke der Technik<br />

08 Tipps der Redaktion<br />

16 Veranstaltungen<br />

18 Menschen<br />

60 Produkte<br />

63 Buchtipps<br />

64 Vorschau<br />

64 Impressum<br />

65 Wir berichten über<br />

66 Zuletzt<br />

Zum Titelbild<br />

Roboter lernen Lernen. War ebenfalls ein<br />

Thema auf dem 8. Robotics Kongress des<br />

<strong>Industrieanzeiger</strong>s und der Robotation<br />

Academy in Hannover. So können Roboter<br />

heute selbstständig Strategien entwickeln,<br />

um unbekannte Objekte zu greifen. Bild:<br />

sdecoret/Fotolia<br />

Folgen Sie uns online für<br />

noch mehr News.<br />

Genialität<br />

verpflichtet<br />

INNOVATIONSPREIS-IT<br />

ams<br />

Die ERP-Lösung<br />

Prozesse verstehen. Transparenz gestalten.<br />

BEST OF 2018<br />

ERP<br />

<strong>Industrieanzeiger</strong> 04.19 5<br />

www.ams-erp.com


augenblicke der technik<br />

Der demografische Wandel stellt das Handwerk<br />

vor große Herausforderungen. So ist<br />

die Arbeit gerade für ältere Mitarbeiter oft<br />

eine große Belastung. Gefragt sind Hilfsmittel,<br />

mit denen der Mensch seinen Berufsalltag<br />

langfristig gesundheitsschonend meistern<br />

kann. Vor diesem Hintergrund hat der<br />

Hersteller Ottobock das Exoskelett Paexo<br />

entwickelt. Das Modell ist ein sogenanntes<br />

passives Exoskelett, das keine Energiezufuhr<br />

benötigt. Deshalb<br />

ist es auch mit 1,9 kg<br />

besonders leicht. Der<br />

Mitarbeiter trägt Paexo<br />

wie einen Rucksack eng am Körper. Das Gewicht<br />

der erhobenen Arme wird über die<br />

Armschalen und einer mechanischen Seilzugtechnik<br />

auf die Hüfte abgeleitet. Das<br />

schont die Muskeln und Gelenke im Schulterbereich.<br />

Speziell Tätigkeiten über Kopf<br />

lassen sich mit dieser Technik komfortabler<br />

ausführen. Das Design des Exoskeletts orientiert<br />

sich dabei an den natürlichen Bewegungen<br />

des Menschen. So kann der Anwender<br />

mit der Arbeitshilfe gehen, sitzen und<br />

Gegenstände aufheben. Das Modell ist in<br />

weniger als 20 s an- beziehungsweise abgelegt<br />

und lässt sich problemlos über 8 Stunden<br />

tragen. Bild: Ottobock<br />

6 <strong>Industrieanzeiger</strong> 04.19


<strong>Industrieanzeiger</strong> 04.19 7


Bild: Anki<br />

tipps der redaktion<br />

Kuschel-Kugel<br />

Bild: Tubes Radiatori/Max Zambelli<br />

Gut in Form<br />

Der mobile Heizkörper Eve vereint<br />

Wärme und Stimmungslicht<br />

in einem unkonventionellen<br />

Design. Die Formensprache des<br />

knuffigen Wärmespenders erinnert<br />

mehr an eine Vase als an<br />

eine Heizung. Ausgestattet mit<br />

dimmbarem Licht, wird die<br />

mobile Eve zum geradezu<br />

magischen Objekt, das eine<br />

persönliche Wärme erzeugt.<br />

Schick in Schale<br />

Hier fühlen sich Mobilgeräte<br />

gut aufgehoben und tanken<br />

neue Kraft: Über integrierte<br />

USB-Anschlüsse lädt die Bluelounge<br />

Sancturay4 zeitgleich bis<br />

zu vier Geräte jeder Art und<br />

Hersteller. Ein Tablet-Ständer<br />

mit einstellbarem Winkel<br />

sorgt dafür, dass Tablets aller<br />

Größen einen angemessenen<br />

Platz finden.<br />

Bild: Bluelounge<br />

Es hat sich ausgeklickt. Mit<br />

der Spacemouse compact<br />

können CAD-Anwender ihr<br />

Modell in einer einzigen fließenden<br />

Bewegung intuitiv<br />

zoomen, drehen und bewegen.<br />

Dabei ist die 3D-Maus<br />

nicht nur eine Wohltat für die Hand. Ihr Gebrauch<br />

führt beim User auch zu einer entspannten Sitzhaltung<br />

und macht ihn produktiver.<br />

Bild: 3Dconnexion<br />

@<br />

Eine<br />

Übersicht sowie weitere Informationen zu<br />

den einzelnen Tipps erhalten Sie hier:<br />

www.industrieanzeiger.de/tipps<br />

Mit Herz und Verstand<br />

Je häufiger man mit Cozmo spielt, desto mehr Erfahrung sammelt er und<br />

entwickelt neue Fähigkeiten. Am kleinen Roboter mit Mimik, Sprache<br />

und großem Verstand haben Experten aus Robotik, KI und Gamedesignin<br />

zusammengewirkt. Entstanden ist ein ausdrucksstarker Charakter. Die<br />

zugehörige App ist prall gefüllt mit Spielinhalten und neue Optionen, um<br />

mit dem schlauen Spielgefährten zu interagieren.<br />

8 <strong>Industrieanzeiger</strong> 04.19


| AT11-17G |<br />

Multiachs-Servosystem AX8000:<br />

Minimale Zykluszeit, maximale Leistung.<br />

Schneller Strom- und Lageregler:<br />

Stromregler-Reaktionszeit 1 μs<br />

Stromregler-Zykluszeit 62,5 μs (bis zu 16 μs)<br />

Drehzahlregel-Zykluszeit 62,5 μs (bis zu 32 μs)<br />

Lageregler-Zykluszeiten 62,5 μs<br />

EtherCAT-Zykluszeit 62,5 μs<br />

www.beckhoff.de/AX8000<br />

Das AX8000-System komplettiert die hochskalierbare Beckhoff Antriebstechnik. Das modular<br />

kombinierbare Multiachs-Servosystem AX8000 bringt Hochleistungs-Antriebstechnik mit<br />

optimierter Raumausnutzung in den Schaltschrank. Der AX8000 ermöglicht gleichmäßigere<br />

Bewegungsabläufe durch erhöhte Abtastraten und somit eine optimierte Produktqualität.<br />

Die Strommessung erfolgt innerhalb 1 μs in einem FPGA.<br />

Halle 9,<br />

Stand F06<br />

<strong>Industrieanzeiger</strong> 04.19 9


nachrichten<br />

Aufholbedarf bei der<br />

Kundenschnittstelle<br />

Digitalstrategie | Bei der Transformation ihrer<br />

Kundenschnittstellen mit Blick auf digitale Services<br />

haben Industrieunternehmen Aufholbedarf.<br />

Dies zeigt eine aktuelle Lünendonk-Studie.<br />

Digitale Services werden für die<br />

Industrie immer wichtiger. Neue<br />

datenbasierte Services zu entwickeln,<br />

Sensorendaten zu monetarisieren<br />

und sich in der globalen<br />

IoT-Plattform-Ökonomie zu<br />

positionieren, sind die großen<br />

Aufgaben. Bei alldem müssen<br />

die Unternehmen digitale Kanäle<br />

und Schnittstellen aufbauen,<br />

die Kunden als hochwertig<br />

wahrnehmen.<br />

Doch beim Umsetzen ihrer<br />

kundenzentrischen Digitalisierungsstrategien<br />

sind Firmen im<br />

Hintertreffen. Den aktuellen<br />

Stand zeigt die Lünendonk-Studie<br />

„Der Markt für Customer<br />

Experience Services in Deutschland“.<br />

Befragt wurden 19 Anbieter<br />

von Customer Experience<br />

Services sowie 109 Großunternehmen<br />

und Konzerne.<br />

„Ein benutzerfreundliches<br />

User Interface genügt den meisten<br />

Kundenansprüchen schon<br />

lange nicht mehr“, sagt Mario<br />

Zillmann, Partner von Lünendonk<br />

& Hossenfelder. So werde<br />

etwa erwartet, dass Prozesse wie<br />

E-Commerce und Kundenservice<br />

einen nahtlosen Wechsel<br />

zwischen mehreren Mobile<br />

Devices ermöglichten und alle<br />

relevanten Kundendaten aus<br />

den ERP- und CRM-Systemen<br />

abrufbar wären.<br />

Dies setzt jedoch eine moderne<br />

und schnittstellenoffene IT-<br />

Landschaft voraus, was aber für<br />

den Großteil der befragten Unternehmen<br />

noch ein Hindernis<br />

darstellt – nur 40 % gaben an,<br />

dass ihre IT-Systeme eine hohe<br />

Integrationsfähigkeit aufweisen.<br />

Zillmann sieht hier „noch Aufholbedarf“.<br />

28 % der Befragten<br />

sehen sich im Rückstand, wenn<br />

es um die Skalierung neuer Produkte<br />

und Services geht.<br />

Auch bei der Projektumsetzung<br />

hapert es. Zwei Drittel der<br />

befragten Führungskräfte räumen<br />

ein, dass geplante und initiierte<br />

Projekte zur Digitalisierung<br />

der Kundenschnittstellen<br />

sowie zur Entwicklung neuer<br />

Produkte und Geschäftsmodelle<br />

in ihrer Firma nicht umgesetzt<br />

wurden. Zu viele Projekte und<br />

Initiativen würden gleichzeitig<br />

laufen, zudem wären nicht genügend<br />

Fachkräfte verfügbar. •<br />

Ein benutzerfreundliches<br />

und ansprechendes User<br />

Interface genügt den<br />

meisten Kundenansprüchen<br />

nicht mehr. Bild:<br />

Westend61/Fotolia<br />

Auslandsfachkräfte dringend gesucht<br />

Fachkräfte aus Nicht-EU-Ländern werden<br />

wichtiger denn je. Bild: pressmaster/<br />

Fotolia<br />

Arbeitsmarkt | Der demographiebedingte<br />

Rückgang des Arbeitskräfteangebots in<br />

Deutschland erfordert, dass jährlich bis zum<br />

Jahr 2060 mindestens 260.000 Menschen<br />

zuwandern. Davon müssten im Jahresdurchschnitt<br />

etwa 146.000 Personen aus<br />

Drittstaaten außerhalb der EU einwandern.<br />

Dies geht aus einer aktuellen Studie des<br />

Instituts für Arbeitsmarkt und Berufsforschung<br />

(IAB) der Hochschule Coburg im<br />

Auftrag der Bertelsmann Stiftung hervor.<br />

Die Forscher berücksichtigten dabei auch<br />

die Potenziale der einheimischen Bevölkerung.<br />

Selbst wenn hierzulande eine Rente<br />

mit 70 eingeführt würde, könne der Fachkräftebedarf<br />

nicht mit inländischen Mitteln<br />

gedeckt werden, sagt Jörg Dräger, Vorstand<br />

der Bertelsmann Stiftung, und betont, dass<br />

Migration ein zentraler Schlüssel zu einer<br />

gelingenden Zukunft sei. Ein zunehmend<br />

digitalisierter Arbeitsmarkt erfordere nicht<br />

weniger Arbeitskräfte, sondern mehr Fachkräfte<br />

mit hoher Qualifikation, etwa Techniker,<br />

Meister und Akademiker. •<br />

10 <strong>Industrieanzeiger</strong> 04.19


enhance<br />

your automation thinking<br />

PLCnext Technology<br />

PLCnext Technology ermöglicht es, Automatisierungsprojekte ohne die Grenzen<br />

proprietärer Systeme zu realisieren. Sie arbeiten frei mit favorisierten Programmiersprachen<br />

und Entwicklungswerkzeugen, Open- Source- Software und Apps. Integrieren<br />

Sie individuell Cloud -Services und Zukunftstechnologien.<br />

Es ist Zeit für eine Plattform, die völlig neue Freiheitsgrade für die Automatisierung<br />

bietet. Es ist Zeit neue Wege zu denken. Es ist Zeit für PLCnext Technology.<br />

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<strong>Industrieanzeiger</strong> © PHOENIX CONTACT 04.19 2019<br />

11


nachrichten<br />

Ticker<br />

+++ Umzug | Die KraussMaffei<br />

Group (KraussMaffei) plant,<br />

das Hauptwerk und die Firmenzentrale<br />

von München-Allach<br />

nach Parsdorf/Vaterstetten im<br />

Osten von München zu verlegen.<br />

Der Umzug soll Mitte 2022<br />

beginnen und im Jahr 2027 abgeschlossen<br />

sein. +++<br />

Engpässe bei Kapazitäten<br />

bremsen Maschinenbauer<br />

❧<br />

+++ Service | Anlässlich des chinesischen<br />

Neujahrs am 5. Februar<br />

eröffnete die Kistler Gruppe<br />

ein neues Büro in Shanghai.<br />

Mit dem Gebäude wollen die<br />

schweizer Messtechnikexperten<br />

ihre Präsenz auf dem chinesischen<br />

Markt stärken und dem<br />

Kunden vor Ort Produkte und<br />

Services aus einer Hand bieten.<br />

Das Office ist zudem künftig<br />

das Drehkreuz für alle Projekte<br />

in China. +++<br />

❧<br />

+++ Preis | Continental hat den<br />

VDA Logistik Award 2019 gewonnen.<br />

Das Technologieunternehmen<br />

überzeugte die Jury mit<br />

seinen Lösungen für ein ganzheitliches<br />

Risiko- und Allokationsmanagement.<br />

+++<br />

❧<br />

+++ Kooperation | Der weltweit<br />

agierende Technologiekonzern<br />

Voith arbeitet künftig mit dem<br />

Münchner Technologie- und<br />

Softwareunternehmen Perfect-<br />

Pattern im Bereich der Künstlichen<br />

Intelligenz zusammen. Ziel<br />

der Kooperation ist es, die Prozesse<br />

und Planungen in industriellen<br />

Produktionsumgebungen<br />

zu optimieren. +++<br />

Die Dynamik im deutschen<br />

Maschinenbau hat<br />

sich zunehmend ins Inlandsgeschäft<br />

verlagert.<br />

Bild: Kadmy/Fotolia<br />

Konjunktur | Der Maschinenbau erwartet für 2019 ein<br />

Wachstum von 2 % – ein Wert, der im Vorjahr erreicht wurde,<br />

da die Schlussmonate unerwartet schwach verliefen.<br />

Der VDMA prognostiziert weiterhin<br />

ein Wachstum der Produktion<br />

von 2 % für 2019,<br />

obwohl sich die konjunkturellen<br />

Perspektiven seit der Veröffentlichung<br />

der Prognose im letzten<br />

September eher verschlechtert<br />

haben. Lag in den ersten zehn<br />

Monaten des Vorjahres das<br />

Wachstum der Produktion mit<br />

3,7 % noch auf Kurs, erwiesen<br />

sich die beiden Schlussmonate<br />

als unerwartet schwach. Im<br />

Dezember sank der Wert sogar<br />

um 8 %.<br />

Ursprünglich hatte der Auftragseingang<br />

ein deutlich dynamischeres<br />

Produktionswachstum<br />

signalisiert. Dem machten<br />

jedoch die Kapazitätsengpässe<br />

einen Strich durch die Rechnung.<br />

Laut Angaben litten 28 %<br />

der Maschinenbauer unter<br />

Materialknappheit, 27 % der<br />

Unternehmen unter Arbeitskräftemangel<br />

und 10 % unter Engpässen<br />

im eigenen Maschinenpark.<br />

Stand September 2018 reicht<br />

das Auftragspolster im Schnitt<br />

für 8,5 Produktionsmonate.<br />

Demnach würden viele Aufträge<br />

aus dem Vorjahr erst in diesem<br />

Jahr gefertigt, heißt es. 2018<br />

konnten die Maschinenbauer<br />

ihre Orderbücher um reale 5 %<br />

gegenüber Vorjahr füllen. Im<br />

Dezember jedoch verfehlte der<br />

Auftragseingang sein Vorjahresniveau<br />

um 8 %. „Besonders enttäuschend<br />

war dabei der Rückgang<br />

im Inland um zehn Prozent“,<br />

sagte VDMA-Konjunkturexperte<br />

Olaf Wortmann.<br />

Bezogen auf das Gesamtjahr<br />

legten jedoch die Inlandsorders<br />

um 6 % und die Bestellungen<br />

aus dem Ausland um 4 % zu. •<br />

12 <strong>Industrieanzeiger</strong> 04.19


Fraunhofer steigen kraftvoll in Forschung zu KI ein<br />

Künstliche Intelligenz | Mit der<br />

Gründung gleich zweier neuer<br />

Zentren will die Fraunhofer-<br />

Gesellschaft die Forschung im<br />

Bereich Kognitive Systeme und<br />

Künstliche Intelligenz (KI) forcieren<br />

– Schlüsseltechnologien<br />

für die Zukunftsfähigkeit des<br />

Standortes, wie sie sagen.<br />

So wurde jetzt das Fraun -<br />

hofer-Zentrum für Kognitive<br />

Produktionssystem CPS am<br />

Fraunhofer IWU gegründet, das<br />

in Dresden und Chemnitz aktiv<br />

wird. Ziel ist es, Stückzahl „1“<br />

umzusetzen und dafür eine mitwachsende<br />

Produk tionstechnik<br />

für KMU zu entwickeln.<br />

Gleichzeitig unterzeichneten<br />

die Fraunhofer mit der TU Dresden<br />

eine Absichtserklärung zur<br />

Gründung des Center for<br />

Explainable and Efficient AI<br />

Technologies (CEE). Schwerpunkt<br />

wird die KI-Forschung<br />

mit Stoßrichtung Anwerbung,<br />

Nachwuchsförderung, Lehre<br />

und Ausgründungen sein. •<br />

Schiess<br />

restrukturiert<br />

sich selbst<br />

Eigenverwaltung | Werkzeugmaschinenbauer<br />

Schiess in<br />

Achersleben nutzt ein Eigenverwaltungsverfahren,<br />

um sich neu<br />

aufzustellen. Das Amtsgericht<br />

Magdeburg hat dem Antrag der<br />

Geschäftsleitung zugestimmt.<br />

„Das Eigenverwaltungsverfahren<br />

hat keine Auswirkungen auf<br />

den Geschäftsbetrieb“, betont<br />

Dr. Robert Tobias von der Beratungsgesellschaft<br />

„Restrukturierungspartner“,<br />

der als Generalbevollmächtigter<br />

den Geschäftsführer<br />

Dongyan Mei unterstützt.<br />

„Wir produzieren in<br />

vollem Umfang weiter und erfüllen<br />

alle unsere Aufträge weiter<br />

pünktlich und in gewohnter<br />

Qualität.“ Löhne und Gehälter<br />

sind über das Insolvenzgeld bis<br />

Ende März gesichert.<br />

Anders als im regulären<br />

Insolvenzverfahren bleibt die<br />

unternehmerische Verantwortung<br />

bei der Geschäftsführung,<br />

die die Sanierung selbst steuert<br />

– eine Option, wenn ein Unternehmen<br />

früh selbst tätig wird<br />

und Handlungsspielraum für<br />

eine Lösung besteht. Schon vor<br />

Monaten hat Schiess mit einer<br />

Neuausrichtung begonnen, die<br />

eine Abkehr von kapitalintensiven<br />

Großprojekten vorsieht. Die<br />

ungekürzte Unternehmens- Info<br />

haben wir online veröffentlicht:<br />

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<strong>Industrieanzeiger</strong> 04.19 13


nachrichten<br />

Testat für<br />

IT-Grundschutz<br />

IT-Sicherheit | Ab sofort bietet TÜV-IT Firmen<br />

und Behörden die Möglichkeit, sich einen IT-<br />

Grundschutz zertifizieren zu lassen.<br />

Unternehmen und Behörden<br />

können sich von TÜV-IT, dem<br />

IT-Geschäftsbereich der TÜV-<br />

Nord-Gruppe, im Rahmen eines<br />

Testats nun die Basis-Absicherung<br />

aus der IT-Grundschutz-<br />

Methodik nachweisen lassen.<br />

Das Bundesamt für Sicherheit in<br />

der Informationstechnik (BSI)<br />

als Herausgeber des Standards<br />

lässt solche Testate ab sofort zu.<br />

TÜV-IT prüft dafür in einem<br />

Audit, inwieweit die Basis-Absicherung<br />

des IT-Grundschutzes<br />

umgesetzt wurde.<br />

Mit dem Testat können Firmen<br />

ihre erfolgreichen IT-<br />

Sicherheits-Aktivitäten nachweisen<br />

und gegenüber Dritten<br />

belegen. Zudem ermögliche die<br />

Basis-Absicherung einen einfachen<br />

Einstieg in den Aufbau<br />

eines Informationssicherheits-<br />

Managementsystems (ISMS).<br />

„Ein Nachweis der Basis-Absicherung<br />

bietet unseren Kunden<br />

einen großen Mehrwert.<br />

Der zugehörige Aufwand wird<br />

vergleichsweise wenig Zeit und<br />

personelle Ressourcen in Anspruch<br />

nehmen“, sagt Tobias<br />

Kippert, stellvertretender Abteilungsleiter<br />

Business Security &<br />

Privacy und vom BSI zugelassener<br />

Auditteamleiter für den<br />

Grundschutz bei der TÜV-IT. •<br />

Unternehmen können<br />

sich ab sofort ihre IT-<br />

Sicherheitsaktivitäten<br />

mit einem Testat als<br />

IT-Grundschutz<br />

zertifizieren lassen.<br />

Bild: Laymanzoom/Fotolia<br />

Elektrotankstelle für Mitarbeiter<br />

Ladeinfrastruktur | Der Ditzinger Werkzeugmaschinenhersteller<br />

Trumpf hat laut<br />

eigenen Angaben eine der größten Elektrotankstellen<br />

Deutschlands eröffnet. 86 Ladepunkte<br />

stehen den Mitarbeitern im neuen,<br />

firmeneigenen Parkhaus am Standort Ditzingen<br />

zur Verfügung. Die installierten<br />

Lade boxen haben gemeinsam eine Leistung<br />

von beinahe 1000 kW. Je Box lassen sich<br />

zwei Autos mit bis zu 22 kW am Stromnetz<br />

mit Energie betanken.<br />

„Die Anzahl an privaten E-Autofahrern<br />

bei Trumpf steigt. Wir möchten den Mitarbeitern<br />

die Möglichkeit geben, ihr Auto<br />

bequem während der Arbeitszeit zu laden“,<br />

erklärt Jürgen Schäfer, der die Bauvorhaben<br />

der Trumpf-Gruppe verantwortet.<br />

Die Zufahrt zu den Ladeboxen ist automatisiert<br />

geregelt – nur wer ein E-Kennzeichen<br />

hat, darf auf die entsprechende Etage<br />

fahren. Eine Kamera erkennt das Kennzeichen<br />

und öffnet die Schranke. Gestartet<br />

wird der Ladevorgang über den Firmen-<br />

Mitarbeiterausweis. Wenn der Bedarf an<br />

Ladepunkten steigt, können 300 zusätzliche<br />

schnell im unternehmenseignen Parkhaus<br />

installiert werden, heißt es. Bis zu insgesamt<br />

400 Ladepunkte sind laut Schäfer im Parkhaus<br />

möglich.<br />

•<br />

Im neuen Parkhaus in Ditzingen bei Stuttgart stehen<br />

den Mitarbeitern des Werkzeugmaschinenherstellers<br />

Trumpf 86 E-Ladepunkte zur Verfügung. Bild: Trumpf<br />

Rockwell baut<br />

Portfolio aus<br />

Übernahme | Der Anbieter von Automations-<br />

und IT-Lösungen, Rockwell<br />

Automation, hat Emulate 3D, einen<br />

Entwickler von Maschinen-Software,<br />

übernommen. Mit exakten Simula -<br />

tionsmodellen zur Verbesserung der<br />

Systemplanung und Entscheidungsfindung<br />

können Kunden mit der Software<br />

des britischen IT-Hauses Maschinen-<br />

und Systemdesigns virtuell<br />

entwickeln und testen. Durch die<br />

Übernahme will der US-Konzern sein<br />

Connected-Enterprise-Portfolio stärken.<br />

Damit will der Anbieter zudem<br />

Lösungen für das Handling von Automobil-,<br />

Logistik- und Materialsoftware<br />

sowie weitere industrielle Anwendungen<br />

ausbauen. •<br />

14 <strong>Industrieanzeiger</strong> 04.19


64 % mehr<br />

E-Autos als 2018<br />

Elektromobilität | Der globale Bestand an E-Autos steigt.<br />

Ganz vorne liegen liegen China und die USA. Deutschland<br />

hat laut einer ZSW-Studie noch Nachholbedarf.<br />

E-Autos auf den Straßen<br />

nehmen weltweit zu.<br />

Die beliebtesten Modelle<br />

sind von Tesla und<br />

chinesischen Marken.<br />

Bild: Wellnhofer Designs<br />

Anfang 2019 lag der Bestand an E-Autos weltweit bei<br />

5,6 Mio. 2018 lag dieser Wert noch bei rund 3,4 Mio.<br />

Stromern weltweit. Das haben Wissenschaftler des<br />

Zentrums für Sonnenenergie- und Wasserstoff-Forschung<br />

Baden-Württemberg (ZSW) herausgefunden.<br />

Markttreiber sind vor allem China und die USA:<br />

Das Reich der Mitte liegt bei den Gesamtzahlen mit<br />

etwa 2,6 Mio. E-Autos weiter unangefochten auf<br />

Platz 1 weltweit. Danach folgen die USA mit rund<br />

1,1 Mio. sowie Norwegen mit knapp 298.000 E-Autos.<br />

Allerdings fährt dort jeder zweite neue Pkw inzwischen<br />

elektrisch. Zum Vergleich: In China beträgt der<br />

Anteil von Elektroautos an den Neuzulassungen rund<br />

5 %, in den USA knapp 2 %.<br />

Performance<br />

neu defi niert<br />

Die aktuelle TS2-Baureihe –<br />

SCARA Design perfektioniert<br />

Erster vollkommen gekapselter Vierachs-Roboter<br />

Einzigartiger, zylindrischer Arbeitsbereich<br />

Überlegene Dynamik und Wiederholgenauigkeit<br />

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In Deutschland rollen jetzt knapp 142.000 Stromer<br />

über die Straßen. Damit liegt die Bundesrepublik weltweit<br />

auf Rang 8 beim Bestand und belegt den vierten<br />

Platz bei den Neuzulassungen. Die Wachstumsdynamik<br />

ist allerdings vergleichsweise gering, denn 2018<br />

wurden nur etwa 13.000 Fahrzeuge mehr neu zugelassen<br />

als im Jahr 2017. Gegenüber 2016 waren es noch<br />

rund 29.300 mehr.<br />

Nach Angaben des ZSW stammen die meisten Neuzulassungen<br />

weltweit – knapp 234.000 – von Tesla.<br />

Danach folgen die chinesischen Marken BYD und<br />

BAIC. Erfolgreichster deutscher Hersteller war BMW<br />

mit fast 87.000 Elektroautos auf Platz 6. VW liegt mit<br />

etwas über 53.000 neu zugelassenen -E-Autos auf<br />

Rang 9.<br />

•<br />

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<strong>Industrieanzeiger</strong> 04.19 15


nachrichten<br />

Veranstaltungen<br />

JEC World Composites Show,<br />

12. - 14. März, Paris<br />

Landesmesse Stuttgart, Stuttgart<br />

www.messe-stuttgart.de<br />

Leipziger Messedoppel<br />

entfaltet seine Strahlkraft<br />

❧<br />

Einführung in das Patentwesen, 18. März,<br />

Wuppertal<br />

Technische Akademie Wuppertal e. V.,<br />

Wuppertal<br />

www.taw.de<br />

❧<br />

Empolis Executive Forum 2019 / Service<br />

2020: Digital. Smart. Data-driven,<br />

18. - 19. März, Berlin<br />

Empolis Information Management,<br />

Kaiserslautern<br />

www.empolis.com<br />

Oberflächenmesstechnik, 19. - 20. März,<br />

Göttingen<br />

Technische Akademie Wuppertal e. V.,<br />

Wuppertal<br />

www.taw.de<br />

Fastener Fair, 19. - 21. März, Stuttgart<br />

Mack Brooks Exhibitions, St Albans<br />

www.fastenerfair.com<br />

Zerspantechnik, 20. - 21. März, Aachen<br />

Werkzeugmaschinenlabor WZL, Aachen<br />

www.basisseminare.de<br />

❧<br />

❧<br />

❧<br />

❧<br />

eltefa, 20. - 22. März, Stuttgart<br />

Landesmesse Stuttgart, Stuttgart<br />

www.messe-stuttgart.de<br />

❧<br />

Innovativen Produkten,<br />

Neuheiten und Weiterentwicklungen<br />

waren die<br />

Fachbesucher in Leipzig<br />

auf der Spur. Bild: Leipziger<br />

Messe/Tom Schulze<br />

Bilanz | Die Aussteller des Messverbunds Intec und Z<br />

haben eine positive Bilanz gezogen. Rund 24.400 Besucher<br />

haben sich über die Neuheiten der Branche informiert.<br />

Auf einer in Leipzig weiter<br />

gewachsenen Ausstellungsfläche<br />

von mehr als 70.000 m² stellten<br />

die 1324 Aussteller des soeben<br />

beendeten Messedoppels Intec<br />

und Z ihre Innovationskraft<br />

unter Beweis. Für die gezeigten<br />

Exponate – einerseits aus dem<br />

Bereich Werkzeugmaschinen sowie<br />

Fertigungs- und Automatisierungstechnik,<br />

andererseits<br />

aus dem Sektor Teile, Komponenten,<br />

Module und Technologien<br />

– interessierten sich laut<br />

Angaben der Leipziger Messe<br />

24.400 Besucher aus 35 Ländern.<br />

Das sind rund 200 mehr<br />

als bei der letzten Veranstaltung<br />

vor zwei Jahren.<br />

Jeder zweite Besucher zählte<br />

laut Befragung zur Gruppe der<br />

Entscheider in seinem Unternehmen.<br />

„Die hohe Qualität der<br />

Gespräche und Kundenkontakte<br />

auf den Messen haben ver-<br />

deutlicht, dass unser Messeduo<br />

zu den wichtigsten Branchen -<br />

terminen in Europa gehört“,<br />

so Markus Geisenberger, Geschäftsführer<br />

der Leipziger Messe.<br />

Vor allem aus Mitteldeutschland<br />

lockten Intec und Z viele<br />

Besucher an. Einmal mehr hat<br />

der Messeverbund auch seine<br />

Strahlkraft nach Osteuropa entfaltet.<br />

Die Besucher nutzten neben<br />

dem Ausstellerangebot auch<br />

das begleitende Fachprogramm,<br />

das die aktuellen Top-Themen<br />

der Branche aufgegriffen hat.<br />

Den zum 15. Mal verliehenen<br />

Intec-Preis sicherte sich Blum-<br />

Novotest in der Kategorie<br />

„Unternehmen über 100 Mitarbeiter“.<br />

In der Kategorie bis 100<br />

Mitarbeiter war Metrom Mechatronische<br />

Maschinen erfolgreich.<br />

Der erstmals ausgelobte<br />

Preis der Zuliefermesse Z ging<br />

an Memotec. •<br />

16 <strong>Industrieanzeiger</strong> 04.19


Kemper wächst über die Maßen<br />

Schweden ist digitaler Vorreiter<br />

Absaugtechnik | Die Kemper<br />

GmbH steigerte ihre Erlöse erneut<br />

mit einem Umsatzsprung<br />

von 13 % im Vergleich zu 2017<br />

und fährt mit über 40 Mio.<br />

Euro Gesamtumsatz das bisher<br />

beste Jahr der Firmen geschichte<br />

ein, gemessen an den Erlösen.<br />

Binnen acht Jahren sei es sogar<br />

gelungen, den Umsatz zu verdoppeln,<br />

so heißt es.<br />

Das Familienunternehmen<br />

wertet dies auch als Hinweis,<br />

dass der Stellenwert des Arbeitsschutzes<br />

in ganz Europa steigt.<br />

Während Deutschland der wichtigste<br />

Absatzmarkt für die<br />

Absaugtechnik von Kemper<br />

blieb, trugen 2018 insbesondere<br />

die europäischen Märkte Tschechien,<br />

Großbritannien, Frankreich,<br />

Niederlande, Polen und<br />

Spanien zum Unternehmens-<br />

wachstum bei. Dabei legte<br />

Kemper im Projektgeschäft zu:<br />

Im Vergleich zu 2017 wuchs der<br />

Verkauf von Absaug- und Filteranlagen<br />

um 25 %.<br />

Der Fachkräftemangel zeige<br />

sich dabei als einer der Haupttreiber.<br />

„Dadurch erhält der<br />

Arbeitsschutz eine neue Relevanz<br />

in produzierenden Unternehmen“,<br />

sagt Frederic Lanz,<br />

neuer Geschäftsführer Marketing<br />

& Vertrieb bei Kemper.<br />

„Betriebe, die hochwertige<br />

Technologie wie unsere einsetzen,<br />

signalisieren durch den<br />

Einsatz effektiver Absaugtechnik,<br />

dass ihnen die Gesundheit<br />

ihrer Mitarbeiter wichtig ist.“<br />

Das Unternehmen möchte an<br />

die guten Ergebnisse anknüpfen<br />

und bis 2025 seine Umsätze um<br />

die Hälfte weiter steigern. •<br />

Der Verkauf zentraler<br />

Filteranlagen stieg 2018<br />

um mehr als 25 % bei<br />

Kemper. Bild: Kemper<br />

Partnerland Hannover Messe |<br />

Schweden, das Partnerland der<br />

diesjährigen Hannover Messe,<br />

ist für die deutschen Maschinenbauer<br />

wichtiger Handelspartner<br />

und zugleich Vorreiter der digitalen<br />

Umgestaltung, teilt der<br />

Verband VDMA mit. Als Hochlohnland<br />

haben die Skandi -<br />

navier eine hohe Affinität zu<br />

Industrie-4.0- und Automatisierungslösungen.<br />

Hinzu kommt<br />

eine Forschungsquote von<br />

3,3 % des Bruttoinlands pro -<br />

dukts, die dem Land den Spitzenplatz<br />

in der EU sichert<br />

(Deutschland: 3 %, Rang 3).<br />

„Die Automatisierung hat Top-<br />

Priorität in Schweden, um international<br />

wettbewerbsfähig bleiben<br />

zu können“, erläutert Ulrich<br />

Ackermann, Leiter VDMA<br />

Außenwirtschaft. „Darüber<br />

hinaus ist Schweden auch ein<br />

wichtiger Partner im globalen<br />

Kampf für den freien Handel“,<br />

sagt er.<br />

Die schwedische Industrie<br />

mit ihren insgesamt 1,2 Millionen<br />

Unternehmen ist geprägt<br />

von starken Großkonzernen<br />

und vielen kleineren Firmen.<br />

Echte Mittelständler gibt es vergleichsweise<br />

wenige. Andererseits<br />

sind schwedische Produzenten<br />

und Kunden oft Trendsetter<br />

im Einsatz neuer Techno-<br />

Schweden wird sich in Hannover als<br />

technologisch führendes Land präsentieren<br />

können. Bild: vladuzn/Fotolia<br />

logien, teilt der VDMA mit –<br />

etwa von Künstlicher Intelligenz<br />

und „Machine Learning“.<br />

Hier liegt das nordeuropäische<br />

Land aus Sicht von Experten<br />

sogar ganz vorne in Europa.<br />

Auch beim Robotereinsatz in<br />

der Industrie wird Schweden in<br />

Europa nur von Deutschland<br />

übertroffen. Kamen in der<br />

Bundesrepublik im Jahr 2017<br />

auf 10.000 Industriearbeitsplätze<br />

322 Industrieroboter, waren<br />

es in Schweden 240. •<br />

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<strong>Industrieanzeiger</strong> 04.19 17


menschen<br />

CFO aus der<br />

3. Generation<br />

Wechsel im Festo-Vertrieb<br />

Jörg Kipper (li.) hat zum 1. Februar die alleinige<br />

Geschäftsführung der Festo Vertrieb GmbH &<br />

Co KG übernommen, die verantwortlich für den<br />

Vertrieb der Automatisierungsprodukte in<br />

Deutschland ist. Der bisherige Sales Manager<br />

übernimmt die Geschäftsführung der größten<br />

Festo-Landesgesellschaft von Frank Notz (mi.),<br />

der als Personalvorstand in die Festo AG wechselte.<br />

Neuer Sales Manager der Vertriebsgesellschaft<br />

Deutschland ist Axel Schümann (re.).<br />

Chefwechsel bei<br />

Turck-Österreich<br />

Bei der österreichischen<br />

Turck-<br />

Landesgesellschaft<br />

in Wien hat Herbert<br />

Salzgeber (Bild) im<br />

Januar die Leitung<br />

übernommen. Der<br />

51-jährige Automatisierungsspezialist<br />

verfügt über langjährige<br />

Vertriebserfahrung.<br />

Er folgt in<br />

seiner neuen Position bei der Turck GmbH auf<br />

Stephan Auerböck (47), der das Unternehmen<br />

nach mehr als 25 Jahren auf eigenen Wunsch<br />

verlassen hat, um sich außerhalb der Automatisierungsbranche<br />

neu zu orientieren.<br />

Neuer Geschäftsführer<br />

für Menzerna<br />

Seit Anfang des Jahres ist Philipp Lehner (Bild) neuer<br />

Chief Financial Officer (CFO) des österreichischen<br />

Verpackungsspezialisten Alpla GmbH & Co KG,<br />

Hardt, und verantwortet die Bereiche Finanzen,<br />

Informationstechnologie, Digitalisierung und Human<br />

Resources. Der 34-jährige Sohn von CEO Günther<br />

Lehner ist bereits seit Juni 2014 im Familienunternehmen<br />

tätig. Als CFO löst Lehner Georg Früh ab, der<br />

sich künftig Family Office Aufgaben widmen wird.<br />

Die deutsche Niederlassung des finnischen<br />

Schweißgeräteherstellers Kemppi<br />

Oy wird seit Mitte Januar wieder von<br />

Joachim Kalwe (Bild) geleitet. Der<br />

52-Jährige folgt Frederic Lanz, der sich<br />

neuen beruflichen Herausforderungen<br />

widmet. Kalwe war bereits von 2000 bis 2009<br />

Geschäftsführer der Kemppi GmbH in Langgöns<br />

und kehrt nun zum finnischen Familienunternehmen<br />

zurück.<br />

Stefan Sulzmaier (Bild) ist seit Januar Geschäftsführer<br />

der Menzerna Polishing Compounds<br />

GmbH & Co. KG, Ötigheim. Er leitet gemeinsam<br />

mit Dr. Tilo Franz die Geschäfte des Spezialisten<br />

für Polierprozesse. Sulzmaier verantwortet die<br />

Bereiche Vertrieb und Marketing, Franz ist für<br />

F&E, Produktion und kaufmännische Dienste<br />

zuständig.<br />

Rückkehr<br />

zu Kemppi<br />

18 <strong>Industrieanzeiger</strong> 04.19


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<strong>Industrieanzeiger</strong> 04.19 Das Stellenportal für Ihren Erfolg! 19


Gut aufbereitete Geschichten<br />

kommen an und bleiben in Erinnerung.<br />

Bild: Sergey Nivens/Fotolia<br />

Kreatives Storytelling differenziert und stärkt die Marke<br />

Echte Geschichten<br />

wecken E motionen<br />

Kundenkommunikation | Storytelling ist eines der<br />

wichtigsten Themen, wenn es um Marketing und PR<br />

geht. Warum diese Form des Erzählens nachhaltige<br />

Wahrnehmung bei Zielgruppen schafft.<br />

Storytelling ist gerade für den industriellen<br />

Mittelstand hoch relevant, wollen die Unternehmen<br />

nicht an Attraktivität einbüßen.<br />

Steigender Wettbewerb, gesättigte Märkte,<br />

der Kampf um hoch qualifizierte Köpfe und<br />

die digitale Transformation mit einer nie da<br />

gewesenen Vergleichbarkeit von Produkten<br />

und Dienstleistungen sind nur einige der<br />

Themen, die den Druck auf die Technologie-<br />

Unternehmen hierzulande erhöhen. Zudem<br />

ändert sich durch den wachsenden Einfluss<br />

der sozialen Medien das Rezeptionsverhalten.<br />

Faktoren wie Personalisierung, Emotionalisierung,<br />

Inszenierung, aber auch Dialog<br />

und Transparenz treten in den Vordergrund.<br />

In der Praxis wird Storytelling im Mittelstand<br />

jedoch noch nicht in dem Ausmaß genutzt,<br />

wie es sich angesichts dieser Herausforderungen<br />

vermuten ließe. Das zeigt eine<br />

aktuelle Untersuchung zu Corporate Storytelling<br />

im Mittelstand, die im Rahmen einer<br />

MBA-Arbeit entstanden ist und die Core<br />

Story von 100 Corporate-Webseiten mittelständischer<br />

Firmen analysiert hat. Hierzu<br />

wurden in einem interdisziplinären Ansatz<br />

aus PR, Markenkommunikation und Erzähltextanalyse<br />

die sogenannten Storywerte<br />

Protagonisten, Handlung, Ort/Raum, Zeit<br />

und Archetypische Plots analysiert.<br />

Die Auswertung zeigt: Beim Storytelling<br />

im Mittelstand fehlt es häufig an echten erzählerischen<br />

Elementen und die Geschichte<br />

wird nur von außen beschrieben. Dadurch<br />

werden Geschichte und Kernbotschaften<br />

nicht ausreichend inszeniert, was dazu führen<br />

kann, dass einzelne Elemente, wie die<br />

Werte des Unternehmens, austauschbar erscheinen.<br />

Häufig erschöpft sich die Wiedergabe<br />

der Firmengeschichte in einer Chronik,<br />

die rein faktisch die Gründung und Entwicklung<br />

nacherzählt. Dadurch wird die Chance<br />

vergeben, mithilfe einer Geschichte Komplexität<br />

zu reduzieren und Emotionen zu<br />

wecken, um bei Zielgruppen stärker wahrgenommen<br />

zu werden als die Konkurrenz.<br />

Wo liegen nun die Ansatzpunkte für Storytelling<br />

in der Industrie? Zunächst in der<br />

Frage nach dem Warum, also nach dem Antrieb<br />

von Unternehmen, ihrer intrinsischen<br />

Licence-to-Operate. Das geht über die Kommunikation<br />

von Produkteigenschaften und<br />

reine Rendite-Kennzahlen hinaus, ist aber<br />

essenziell, um sich von Wettbewerbern zu<br />

unterscheiden und eine Bindung zu Stakeholdern<br />

aufzubauen.<br />

Den Nutzen, den Storytelling hier bietet,<br />

ist vielfältig: Mit Geschichten lässt sich besonders<br />

wirkungsvoll Wissen vermitteln. Sie<br />

helfen komplexe Vorgänge verständlich zu<br />

erklären, einfache Fakten spannend zu gestalten<br />

und emotional aufzuladen. Der<br />

Grund, warum Storys so gut wirken ist, weil<br />

sie das Interesse und die Aufmerksamkeit<br />

20 <strong>Industrieanzeiger</strong> 04.19


news & management<br />

der Menschen aktivieren und sie mit der<br />

Geschichte verbinden. Geschichten helfen<br />

Unternehmen also eine klare Identität von<br />

sich selbst zu vermitteln, ein Image aufzubauen<br />

und so Glaubwürdigkeit, Vertrauen<br />

und Reputation zu gewinnen.<br />

Grundsätzlich sind hier narrative Text -<br />

arten wie Feature, Reportage und Porträt<br />

besonders geeignet. Gerade im Bereich der<br />

„owned media“ – sowohl in internen Medien<br />

wie Mitarbeiterzeitungen als auch in<br />

externen Medien wie Kundenmagazinen<br />

oder digitalen Plattformen mit multimedi -<br />

alen Angeboten kommt Storytelling wirkungsvoll<br />

zum Einsatz. Man denke etwa an<br />

den Hersteller für Bremsen und Zweirad-<br />

Komponenten Magura, der eine Art Road<br />

Trip quer durch Spanien inszenierte, um die<br />

Leistungsfähigkeit der Kupplungs- und<br />

Bremssysteme zu zeigen oder das Europä -<br />

ische Patentamt, das jährlich die persönlichen<br />

Geschichten profilierter Erfinder und<br />

somit die Geschichten hinter Innovationen<br />

in den Fokus rückt.<br />

DNA des Unternehmens in Erzählform<br />

Storytelling sollte dabei immer die Markenpositionierung<br />

mit differenzierenden Werten<br />

und Attributen reflektieren. Im Rahmen<br />

eines echten Storytelling-Ansatzes geht es<br />

darum, wie diese interpretiert und erzählt<br />

werden. Hier helfen sogenannte Archetypen<br />

und archetypische Plots wie etwa „David<br />

gegen Goliath“ und „vom Tellerwäscher<br />

zum Millionär“. Sie kommen aus der Psychologie<br />

und Erzähltheorie und stehen stellvertretend<br />

für Frames (Deutungsmuster)<br />

sowie Bilder von Protagonisten, die mit starken<br />

Gefühlen belegt sind und in denen sich<br />

Rezipienten direkt wiederfinden – etwa der<br />

Held, der Weise, der Abenteurer oder der<br />

30%<br />

20%<br />

10%<br />

0%<br />

Corporate Storytelling im Mittelstand<br />

23%<br />

Storytelling<br />

Text-Bild Chronik<br />

Unternehmens-<br />

Core-Story<br />

15% 14%<br />

Storytelling<br />

Gründermythos<br />

Wie Storytelling-Elemente wirken<br />

Elemente von Storytelling<br />

Narrative Erzählweise<br />

Archetypische Plots (Heldenreise)<br />

Archetypen (Held, Fürsorger, Weise)<br />

Frames (Personalisierung, Fortschritt)<br />

1%<br />

Storytelling<br />

Text Chronik<br />

Nur 15 % der 100 untersuchten<br />

Unternehmen aus<br />

dem industriellen Mittelstand<br />

setzen auf eine echte<br />

Core Story mit erzählerischen<br />

Momenten.<br />

Bild: Autor<br />

Nutzen von Storytelling<br />

Fokus liegt auf Handlung und Entstehungsprozessen<br />

Geschichten aktivieren Aufmerksamkeit und werden<br />

besser erinnert<br />

Kernbotschaften und Werte werden emotional<br />

inszeniert<br />

Vision des Unternehmens wird kommuniziert<br />

Fürsorger. Diese lassen sich auf eine Marke<br />

übertragen und helfen, ihre Persönlichkeit<br />

zu kommunizieren und den Werten eine<br />

Tonalität zu geben. In dieser Core Story geht<br />

es also um nichts weniger, als die DNA eines<br />

Unternehmens differenzierend in narrativer<br />

Form wiederzugeben.<br />

Wie die Analyse zeigt, setzen die meisten<br />

Unternehmen im industriellen Mittelstand<br />

hier auf einen Gründermythos, der die Geschichte<br />

des Gründers in den Vordergrund<br />

stellt. Dies geht mit einer starken Persona -<br />

lisierung des Unternehmensgründers einher.<br />

Dieser schlüpft, wenn es gut gemacht ist,<br />

gewissermaßen in die Rolle der Hauptfigur,<br />

der die Handlung des Gesamt-Narrativs<br />

trägt und vorantreibt. Damit einher geht<br />

zum einen eine detaillierte Beschreibung seiner<br />

Eigenschaften, etwa als Visionär oder<br />

Erfinder, die wiederum vertretend für die<br />

Marke stehen. Genauso dazu gehört die<br />

richtige Bühne für die Handlung – etwa der<br />

Firmensitz oder Ort der Gründung. Schließlich<br />

braucht es einen Spannungsbogen, der<br />

sich etwa im archetypischen Plot des Aufstiegs,<br />

des Underdogs oder der Verwandlung<br />

manifestieren lässt.<br />

Natürlich braucht es Mut, echte Geschichten<br />

zu erzählen. Dazu gehören auf der<br />

einen Seite selbstredend Erfolge, aber auch<br />

Niederlagen, Rivalitäten, Konflikte und<br />

Wendepunkte. Denn Storys dienen nicht nur<br />

der Identifikation und Selbstzuschreibung.<br />

Sie können technische Neuerungen und<br />

Erfindungen lebendig machen, zum Beispiel<br />

indem sie die Menschen, die ein bestimmtes<br />

Produkt entwickelt haben, in den Vordergrund<br />

rücken. Genauso helfen sie Veränderungen<br />

zu kommunizieren, und Krisen zu<br />

überwinden. Nicht zuletzt entsteht durch<br />

das Überwinden von Hindernissen eine<br />

Dramaturgie, die das Handeln von Unternehmen<br />

und ihren Protagonisten emotionalisiert.<br />

Damit eröffnet sich in der gegenwärtigen<br />

Lage die Chance, Transformationsprozesse<br />

im Zuge der Digitalisierung im Innenverhältnis<br />

nicht angstgetrieben – im Sinne<br />

eines Story-Plots Kamp auf Leben und Tod<br />

– zu erzählen.<br />

Vielmehr bietet sich die Chance, die Vision,<br />

wo es hingehen soll, so zu vermitteln,<br />

dass sie klare Orientierung gibt und identitätsstiftend<br />

wirkt. Auf diese Weise können<br />

Industrie-Unternehmen etwa die mit der<br />

Digitalisierung verbundenen Chancen und<br />

Entwicklungsmöglichkeiten klug transportieren.<br />

Dies entspricht einem intrinsischen<br />

Ansatz, der zu höherer Akzeptanz bei Mitarbeitern<br />

führt.<br />

•<br />

Philipp Nisster<br />

Leiter PR/content der Echolot Group in<br />

Stuttgart<br />

<strong>Industrieanzeiger</strong> 04.19 21


news & management<br />

Führungskräfte müssen<br />

in einem regelmäßigen,<br />

von Vertrauen geprägten<br />

Informationsaustausch<br />

mit ihren Mitarbeitern<br />

stehen und sie und ihre<br />

Mitarbeiter bereit sein,<br />

sich Fehlversuche einzugestehen.<br />

Bild: Wright-<br />

Studios<br />

Veränderte Strukturen erfordern veränderte Führung<br />

Der Weg zum<br />

Digital Leader<br />

Führungskräfteentwicklung | Im digitalen Zeitalter<br />

wandelt sich die Funktion von Führung. Also brauchen<br />

Führungskräfte neue Kompetenzen.<br />

Seit zwei, drei Jahren geistern die Begriffe „Digital<br />

Leadership“ oder „Digital Leader“ durch die Managementdiskussion.<br />

Sie stoßen auf eine große Resonanz,<br />

weil die Unternehmen zunehmend erkennen: Die fortschreitende<br />

Digitalisierung stellt außer unseren Organisationsstrukturen<br />

auch unsere Personalentwicklungskonzepte<br />

in Frage. Zudem wandelt sich die Funktion<br />

von Führung – unter anderem, weil heute in den meisten<br />

Unternehmen die bereichs- und hierarchie- und oft<br />

sogar unternehmensübergreifende Team- und Projekt -<br />

arbeit den Arbeitsalltag bestimmt.<br />

Das heißt: Die Bereichs- und Abteilungsgrenzen werden<br />

durchlässiger und verlieren an Bedeutung. Für die<br />

Führungskräfte bedeutet dies, zunehmend in vernetzten<br />

Strukturen denken zu müssen. Zudem müssen sie gute<br />

Netzwerker sein – unter anderem, damit sie bereichsübergreifend<br />

im Dialog mit ihren Kollegen die Arbeitsstrukturen<br />

und -beziehungen so gestalten können, dass<br />

die Ziele erreicht werden.<br />

Der zentrale Treiber dieser Entwicklung ist die Informationstechnologie.<br />

Deshalb müssen die Führungskräfte<br />

stärker in digitalen Zusammenhängen denken. Sie<br />

müssen zudem einschätzen können, was aktuell und in<br />

naher Zukunft technologisch möglich ist. Zugleich wird<br />

es verstärkt ihre Aufgabe, ihren Mitarbeitern vor Augen<br />

zu führen, welche Herausforderungen und Chancen<br />

sich hieraus ergeben; des Weiteren sie zu ermutigen,<br />

diese aktiv zu nutzen.<br />

Das setzt voraus, dass die Führungskräfte selbst<br />

bereit sind, ihre Denk- und Verhaltensgewohnheiten zu<br />

überdenken. Sie müssen sich zudem eingestehen, dass<br />

sie in der VUCA-Welt (Abkürzung der Worte Volatility,<br />

Uncertainty, Complexity und Ambiguity) allein oft nicht<br />

über die Kompetenz verfügen, adäquate Lösung zu entwerfen.<br />

Also müssen sie offen sein für Rat und Unterstützung<br />

– von Kollegen, externen Beratern oder Experten<br />

im eigenen Bereich, die einen Know-how- oder<br />

Erfahrungsvorsprung haben. Eine entsprechende Unterstützung<br />

müssen sie ihrerseits wiederum ihren Mitarbeiter<br />

gewähren – beim Lösen ihrer Aufgaben und Entwickeln<br />

ihrer Kompetenz.<br />

Verabschieden müssen sich Digital Leader zudem<br />

von der Fiktion: Veränderungen sind in der VUCA-Welt<br />

langfristig und im Detail planbar. In ihr ist vielmehr<br />

häufig ein ähnliches Vorgehen angesagt wie beim klassischen<br />

Lean Management, das auf eine kontinuierliche<br />

Verbesserung abzielt: Also ausgehend von einer vorläufigen<br />

Planung die ersten Schritte tun. Dann evaluieren:<br />

„Erzielen wir so die gewünschte Wirkung?“ Dann abhängig<br />

vom Ergebnis, den Kurs entweder korrigieren<br />

oder beibehalten. Das setzt voraus, dass Führungskräfte<br />

im regelmäßigen, von Vertrauen geprägten Informationsaustausch<br />

mit ihren Mitarbeitern stehen und beide<br />

Seiten bereit sind, sich Fehlversuche einzugestehen.<br />

22 <strong>Industrieanzeiger</strong> 04.19


Einen solchen, von Kooperation auf Augenhöhe und<br />

regelmäßiger (Selbst-)Reflexion geprägten Führungsstil<br />

praktizieren noch wenige Führungskräfte. Deshalb<br />

feilen zurzeit viele Unternehmen an neuen Führungskräfteentwicklungskonzepten.<br />

Dabei orientieren sie sich<br />

häufig am Lean-Leadership-Development-Modell, das<br />

in der Kompetenzentwicklung von Führungskräften<br />

vier Stufen unterscheidet.<br />

Die Leadership-Kompetenz mit System entwickeln<br />

• Stufe 1: Sich als Führungskraft selbst entwickeln.<br />

Dahinter steckt die Annahme, dass in der VUCA-Welt<br />

eine Kernkompetenz von Führungskräften ist, das<br />

eigene Verhalten und Wirken zu reflektieren und die<br />

eigene Performance systematisch zu erhöhen.<br />

• Stufe 2: Andere Menschen coachen und entwickeln.<br />

Diese Kompetenz-Stufe besteht in der Fähigkeit, als<br />

Führungskraft andere Personen so zu entwickeln,<br />

dass diese ihrerseits die Kompetenz erwerben, ihr<br />

Verhalten und ihr Wirken zu reflektieren und eigene<br />

Lernprozesse zu initiieren.<br />

• Stufe 3: Das tägliche Sich-Verbessern (Kaizen) unterstützen.<br />

Hier geht es darum, Gruppen von Mitarbeitern<br />

(Teams, Abteilungen, Bereiche) in eine Richtung<br />

auszurichten und den kontinuierlichen Verbesserungsprozess<br />

zu sichern.<br />

• Stufe 4: Eine Vision schaffen und die Ziele abstimmen.<br />

In die letzte Entwicklungsstufe ist idealerweise<br />

die gesamte Organisation involviert. Nun geht es<br />

darum, bereichs- und hierarchieübergreifend alle<br />

Aktivitäten so aufeinander abzustimmen, dass die<br />

über geordneten Unternehmensziele erreicht werden<br />

und die Organisation eine High-Performance-<br />

Organisa tion wird oder bleibt.<br />

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LOGIMAT<br />

Halle 7 / Stand D80<br />

19. - 21. Februar 2019<br />

Unternehmen werden lernende Organisationen<br />

Von einer Führungskräfteentwicklung, die sich an diesem<br />

Kompetenz-Modell orientiert, versprechen sich die<br />

Unternehmen eine höhere Innovationskraft ihrer Organisation;<br />

außerdem, dass sie sukzessiv zu einer Entlastung<br />

der Führungskräfte führt – und zwar in dem<br />

Maße, wie ihre Mitarbeiter die Kompetenz entwickeln,<br />

eigenständig ihr Verhalten und ihre Wirkung zu reflektieren<br />

und sich zu entwickeln. Denn je mehr Mitarbeiter<br />

eine Routine im eigenständigen Erkennen und Lösen<br />

von „Problemen“ entwickelt haben, umso seltener müssen<br />

die Führungskräfte korrigierend und unterstützend<br />

eingreifen. Das entlastet sie. Und das Unternehmen? Es<br />

ist für die VUCA-Welt gewappnet, weil es sich zu einer<br />

lernenden Organisation entwickelt hat. •<br />

<br />

<br />

<br />

<br />

Dr. Daniela Kudernatsch<br />

Inhaberin der Unternehmensberatung Kudernatsch<br />

Consulting & Solutions in Straßlach bei München<br />

www.konradin-ad.de<br />

<strong>Industrieanzeiger</strong> 04.19 23


news & management<br />

Softwarebasierte Funktionalität und digitales Servicegeschäft<br />

Klassische Pneumatik<br />

war gestern<br />

Digitalisierung | Mit einer umfassenden Digital-<br />

Strategie erweitert Festo die Funktionalität seiner<br />

Pneumatik und schafft zusätzliche Services. Davon profitieren<br />

sowohl Endkunden als auch OEMs. ❧ Nico Schröder<br />

Via Dashboard lässt sich Condition<br />

Monitoring in der Cloud für Anwender<br />

bereits heute einfach durchführen. Künftig<br />

sollen vorkonfigurierte Dashboards<br />

passend zu einzelnen Komponenten angeboten<br />

werden. Bilder: Festo<br />

Für einen Zulieferer wie Festo geht es darum, digitale Produkte<br />

und Services zu entwickeln, die sowohl den End -<br />

kunden als auch den OEMs einen entscheidenden Mehrwert<br />

bieten. Die Voraussetzung hierfür schafft die unternehmensinterne<br />

digitale Transformation, die mit informationstechnologischer<br />

Infrastruktur und dem Bereich Personal verbunden<br />

ist.<br />

Eng verknüpft damit sind neue Vertriebs- und Kommunikationsstrategien,<br />

um Kunden bereits online abzuholen und<br />

ihnen den Mehrwert digitaler Funktionen zu vermitteln.<br />

Kunden sollen mit den Möglichkeiten digitaler Produkte<br />

und Services vertraut gemacht werden. Wiederum profitieren<br />

Hersteller beziehungsweise Zulieferer und OEMs von<br />

den Erfahrungen ihrer Kunden im Bereich Digitalisierung,<br />

wenn die Erfahrungswerte aus dem Feld zurück in die Produktentwicklung<br />

fließen können.<br />

Heiko Geng, Head of Product Management Digital Business<br />

bei Festo, spricht von einer „Digitalstrategie auf mehre-<br />

24 <strong>Industrieanzeiger</strong> 04.19


en Säulen“: Das Unternehmen richte sich ganzheitlich digital<br />

aus – eng verknüpft mit den Bereichen Sales, IT und Human<br />

Resources (HR). „Die Geschäftsbereiche Electric Automation,<br />

Process Automation, Pneumatic Automation sowie<br />

Life Tech entwickeln smarte Produkte, die es uns ermöglichen,<br />

digitale Produkte und Services nachzuschalten“,<br />

beschreibt Geng die Digitalstrategie innerhalb der Produktentwicklung.<br />

Hierfür seien vor allem die Fähigkeiten der<br />

Konnektivität, der Datengewinnung und des Datensammelns<br />

maßgeblich. All dies brächten neue Produkte als infrastrukturelle<br />

Voraussetzungen mit.<br />

Als „Digital Customer Journey“, als digitale Kunden-<br />

Reise, beschreibt Geng die Aufgabe, „Kunden entlang einer<br />

Online-Experience zu führen, um ihnen die Auswahl an Produkten<br />

intuitiv online zu ermöglichen“. Das Unternehmen<br />

habe früh erkannt, neue Kanäle zu nutzen, um digitale Produkte<br />

und Services auf den Markt zu bringen, die sich von<br />

stellt, das die Fertigung langfristig betreut, um Lernprozesse<br />

auf beiden Seiten zu unterstützen. Durch eine agile Produktentwicklung<br />

ist Festo bei digitalen Produkten und Services<br />

in der Lage, permanente Updates der Software darzustellen<br />

wie sie aus dem Consumer-Bereich bekannt sind. Fehler -<br />

behebungen werden über App-Stores verfügbar gehalten.<br />

Durch die agile Produktentwicklung haben Kunden die<br />

Möglichkeit, Einfluss auf die Produktentwicklung im Entwicklungsprozess<br />

zu nehmen – das Stichwort ist Co-Creation:<br />

Mit Kunden und Partnern wie Lieferanten und Bildungsinstituten<br />

werden Dialoge und Innovations-Laboratorien<br />

(Inno-Labs) aufgebaut, um die verschiedenen Stakeholder<br />

an einer gemeinsamen Idee mitwirken zu lassen.<br />

In der Produktentwicklungsphase werden Richtungsänderungen<br />

möglich. Agile Produktentwicklungsteams, die<br />

nach der Scrum-Methodik vorgehen und sich über Sprints<br />

schnell und agil bewegen, treiben eine mechatronische<br />

”<br />

Wir entwickeln smarte<br />

Produkte, die es uns<br />

ermöglichen, digitale<br />

Produkte und Services<br />

nachzuschalten.“<br />

Quelle: Heiko Geng,<br />

Leiter Product Management<br />

Digital Business<br />

der bisherigen Vertriebswelt unterscheiden. Für die Mitarbeiter<br />

im Vertrieb bedeute dies, über die Antriebslösungen<br />

hinaus vor allem Software zu verkaufen. Software-Vertrieb<br />

sei allerdings eine deutlich andere Herausforderung, sagt<br />

Eberhard Klotz, Head of Industry 4.0 Campaign bei Festo:<br />

„Die Kunden denken anders als jene, die bisher rein Pneumatik<br />

eingekauft haben.“<br />

Untrennbar: IT und Fertigung<br />

Der klassische Pneumatiker, der kundenseitig pneumatische<br />

Lösungen wie Ventilinseln konzeptionell erstellt und fest -<br />

gelegt hat, ist eher Vergangenheit als Gegenwart. Auch die<br />

Integration von Ventilinseln in Elektronik sowie die Feldbusintegration<br />

– verbunden mit der wichtigen Rolle der<br />

Elektro-Ingenieure – hat sich gewandelt.<br />

„Heute sind IT-Ingenieure und Applikationsprogrammierer<br />

maßgeblich. Sie treffen die Entscheidung darüber,<br />

wie einen Maschinenkonzept aussieht“, sagt Festo-Applikationsingenieur<br />

Frank Bayer. Um die IT nun stärker an Fertigungsbelange<br />

heranzuführen, wird IT-Personal bereitge-<br />

Produkt- und Fertigungswelt mit klarem Software-<br />

Schwerpunkt voran. Teil der Teams sind neben Konstrukteuren<br />

sowohl Experten mit Software- und KI-Know-how<br />

sowie Elekronikwissen als auch User-Experience- und User-<br />

Interface-Designer. Mechatronik-Entwickler im Produkt -<br />

management für Ventilinseln nutzen die Digitalstrategie<br />

konsequent – verbunden mit Fragestellungen wie: Welche<br />

Sensorik und Prozessorleistung braucht eine Geräte-Generation<br />

beispielsweise, um entsprechend analysefähige Daten<br />

generieren zu können? Oder in welchen Zyklenzeiten werden<br />

Daten für Anwendungen künstlicher Intelligenz (KI) benötigt?<br />

Digitalstrategie: Multi-IoT-Plattform-Ansatz<br />

Mit wenigen Schritten sollen Kunden in der Cloud arbeiten<br />

– verbunden mit zentraler Datenhaltung, weltweit verfügbarer<br />

Daten und im nächsten Schritt auch Data Analytics. Die<br />

Daten sollen gegeneinander vergleichbar und optimiert sein.<br />

Schwächen in den Prozessen sollen identifiziert und aufgelöst<br />

werden. Festo unterstützt mit diesem Mechanismus die<br />

<strong>Industrieanzeiger</strong> 04.19 25


news & management<br />

”<br />

Global<br />

Wenn die Standardisierung der<br />

IT-Infrastruktur vorangetrieben<br />

ist, wird die Datenanalyse<br />

einfacher.“<br />

Quelle: Eberhard Klotz,<br />

Sales Director Industry 4.0 and Digitalization<br />

eigene Cloud, die auf Microsoft Azure aufsetzt und deren<br />

Services nutzt. Andere Plattformen wie Siemens Mindsphere<br />

oder Plattformen, die im asiatischen Raum gängig sind,<br />

sollen ebenfalls unterstützt werden. Mit Rockwell ist eine<br />

On-Premises-Lösung vorbereitet. Weitere On-Premises-<br />

Lösungen mit einer individuell konfigurierbaren IoT-<br />

Gateway sind ebenfalls geplant.<br />

Die IT-Infrastruktur, aber auch die Akzeptanz und das<br />

Wissen um Daten sind heute derart ausgeprägt, um bloße<br />

Datenmengen in intelligente Dateninformationen überführen<br />

zu können. Früher wurden zum Beispiel Datenlogger<br />

aufwändig durch Spezialisten ausgewertet, die für jede Anlage<br />

Algorithmen entwickeln mussten, um Wartungsintervalle<br />

setzen zu können.<br />

Über das Dashboard und die Kanalisierung der Daten<br />

wird die Hemmschwelle zur Datenauswertung für Kunden<br />

niedriger. Tiefergehende Programmierkenntnisse sind bei<br />

den Dashboards aufgrund der intuitiven Benutzeroberfläche<br />

nicht notwendig. „Der Endkunde – und das ist für den Vertrieb<br />

wichtig – ist auch bereit, Geld dafür auszugeben, weil<br />

er den Nutzen erkennt“, sagt Bayer. Kunden bekämen ein<br />

intelligentes System, das präventives Eingreifen und eine<br />

optimierte Produktion ermögliche. Klotz erklärt: „Hier hilft<br />

die neue Technologie. Wenn die Standardisierung der IT-<br />

Infrastruktur vorangetrieben ist, wird die Datenanalyse einfacher,<br />

weil die Daten bezahlbar zu speichern, zu analysieren<br />

und zu visualisieren sind. Systemintegratoren werden an der<br />

Stelle verzichtbar.“<br />

Derzeit agiert Festo cloudbasiert. Der Trend gehe aber in<br />

die Richtung, die gesamte Rechenleistung on edge laufen zu<br />

lassen, da die Datenkommunikation in die Cloud teuer ist.<br />

Möglichst viel Rechenleistung soll daher komponentenseitig<br />

stattfinden. Dann würden nur noch Signale zu Anomalien in<br />

die Cloud weitergegeben. Damit würde die Datenmenge reduziert,<br />

die in die Cloud geht. Der Kunde könnte vom einfachen<br />

Teaching bei der Inbetriebnahme profitieren. •<br />

Teil der Digitalstrategie:<br />

Elektronische Intelligenz<br />

wird funktional über<br />

Apps erweitert, wobei die<br />

Hardware gleich bleibt –<br />

hier das Wartungsmanagement<br />

per Smartenance-<br />

App. Bilder: Festo<br />

26 <strong>Industrieanzeiger</strong> 04.19


Advertorial<br />

HANNOVER MESSE 2019:<br />

KI für die Industrie<br />

Informationstechnologien beherrschen die Industrie. In produzierenden Unternehmen steigt die Bedeutung von Themen wie<br />

Künstliche Intelligenz, Konnektivität und Plattformökonomien. Nur der Einsatz innovativer Technologien sichert die Wettbewerbsfähigkeit<br />

von Unternehmen und ermöglicht neue Geschäftsmodelle. Auf der HANNOVER MESSE erfahren Besucher, wie Fabriken<br />

und Anlagen noch intelligenter werden.<br />

Vom 1. bis zum 5. April 2019 öffnet die HANNOVER MESSE erneut nomien stehen Themen wie hybride Clouds, Augmented und<br />

ihre Tore. Rund 6.500 Aussteller präsentieren sich auf der Welt- Virtual Reality, 5G, Blockchain oder Digital Twin im Vordergrund.<br />

leitmesse der Industrie. Das Leitthema lautet „Integrated Industry Insgesamt zeigen dort mehr als 600 Aussteller ihre Lösungen<br />

– Industrial Intelligence“ und unterstreicht die zunehmende<br />

für integrierte Prozesse zur industriellen Anwendung.<br />

Bedeutung von maschinellem Lernen. Der Mensch nutzt künftig<br />

Das Partnerland Schweden passt perfekt in das Programm:<br />

Künstliche Intelligenz, damit Maschinen und Fabriken sich<br />

die schwedische Regierung setzt stark auf eine intelligente Inselber<br />

steuern. Es geht dabei sowohl um Prozessoptimierung als<br />

dustrie mit den Schwerpunkten Innovation, Nachhaltigkeit und<br />

auch um Themen wie Energieeffizienz, Schnittstellen, Protokolle<br />

Digitalisierung. Dabei fokussiert sich das Land auf schwedischund<br />

Sicherheit.<br />

deutsche Innovationspartnerschaften unter anderem in den<br />

„In der heutigen Industrie hat die Digitalisierung oberste Prio- Bereichen Mobilität, Testumfelder und Digitalisierung von KMUs.<br />

rität, denn erst sie ermöglicht die Vernetzung von Lieferanten, In Hannover präsentieren sich mehr als 100 schwedische Aus-<br />

Produzenten, Kunden und Partnern entlang der gesamten Wertschöpfungskette“,<br />

sagt Arno Reich, Geschäftsbereichsleiter der<br />

steller inmitten der Weltmarktführer in Sachen Industrie 4.0.<br />

HANNOVER MESSE. „Deshalb sind neue Software- und IT-Entwicklungen<br />

für Industrieunternehmen entscheidend.“<br />

Weitere Informationen:<br />

Diese Angebote finden sich in erster Linie in den Hallen der<br />

www.hannovermesse.de<br />

Digital Factory. Neben Künstlicher Intelligenz und Plattformöko-<br />

<strong>Industrieanzeiger</strong> 04.19 27


interview<br />

Thomas Kaeser, Vorstandsvorsitzender von Kaeser Kompressoren, über Druckluft-Trends<br />

„Druckluft als Service ist<br />

für viele Firmen attraktiv“<br />

Mehr Druckluft mit weniger Energie – dieses Ziel hat sich<br />

Kaeser Kompressoren auf die Fahnen geschrieben. Wie Firmen<br />

dies realisieren können, erklärt Thomas Kaeser, Vorstandsvorsitzender<br />

des Coburger Unternehmens ❧ Sabine Koll<br />

Thomas Kaeser ist der Enkel des Firmengründers<br />

Carl Kaeser senior. Seit<br />

dem Tod seines Vaters Carl Kaeser junior<br />

im Jahr 2009 bildet er gemeinsam<br />

seiner Frau Tina-Maria Vlantoussi-Kaeser<br />

den Vorstand des Coburger Unternehmens,<br />

das mehr als 6000 Mitarbeiter<br />

weltweit beschäftigt.<br />

Bilder: Kaeser Kompressoren<br />

Wir stehen kurz vor der Hannover Messe und mithin<br />

vor der Comvac. Welche Trends erwarten Sie dort generell<br />

in Sachen Druckluft?<br />

Im Fokus wird die Effizienz von einzelnen Maschinen<br />

und natürlich die Effizienz kompletter Druckluftstationen<br />

stehen. Es geht um die Druckluftqualität sowie natürlich<br />

auch um das Thema „Integrated Industry“, also<br />

die Integration von Druckluftsystemen mit Hilfe von<br />

Digitalisierung in dem kompletten Wertschöpfungsprozess<br />

der Industrie.<br />

Welche Themen werden bei Kaeser auf der Hannover<br />

Messe im Fokus stehen?<br />

Unser wichtigstes Thema Drucklufteffizienz, das wir<br />

schon seit Jahrzehnten mit unserem Motto „Mehr<br />

Druckluft mit weniger Energie“ darstellen, ist aktueller<br />

denn je. Natürlich ist eine Kette nur so stark wie ihr<br />

schwächstes Glied, und deswegen müssen auch die einzelnen<br />

Komponenten – das heißt Kompressoren, Drucklufttrockner<br />

und Filter – so effizient wie möglich sein.<br />

Jedes neu entwickelte Produkt ist deutlich effizienter als<br />

sein Vorgänger, aber zum Schluss kaufen die meisten<br />

Kunden nicht eine einzelne Komponente, sondern ein<br />

komplette Druckluftstation und diese muss natürlich<br />

richtig geplant, an den Bedarf des Kunden angepasst<br />

und so intelligent gesteuert werden, dass der gesamte<br />

Energieverbrauch möglichst niedrig ist. Mit unseren<br />

Werkzeugen Smart Engineering für die Digitalisierung<br />

28 <strong>Industrieanzeiger</strong> 04.19


der gesamten Druckluftstation und der simulationsbasierten<br />

maschinenübergreifende Steuerung Sigma Air<br />

Manager 4.0 gelingt es uns, die bestmöglichste Energieeffizienz<br />

jeder noch so individuellen Druckluftstation zu<br />

realisieren.<br />

Sie waren einer der ersten Druckluft-Spezialisten, die<br />

ein Contracting-Modell angeboten haben. Sie bieten<br />

Ihren Kunden sozusagen „Druckluft as a Service“ an.<br />

Wie hat sich dieser Bereich in den vergangenen beiden<br />

Jahren entwickelt?<br />

Dieser Bereich hat sich sehr gut entwickelt, da immer<br />

mehr Kunden an dem Konzept Druckluft als Energieform<br />

und daran, variable Kosten einzusetzen, interessiert<br />

sind. Die dadurch frei werdenden beziehungsweise<br />

nicht genutzten liquiden Mittel können dann für andere<br />

wichtige Themen wie Forschung und Entwicklung oder<br />

auch für Digitalisierung eingesetzt werden.<br />

Für welche Produkte, die für die Industrie interessant<br />

sind, steht der Service zur Verfügung?<br />

Grundsätzlich hat der Kunde die Möglichkeit, bei allen<br />

unseren Produkten diesen Service, also die Lieferung der<br />

Energieform Druckluft, zu nutzen. Der Schwerpunkt<br />

liegt jedoch bei industrieller Druckluft im größeren oder<br />

mittleren Bereich. Aber auch kleinere Kunden fangen<br />

an, diese Modelle zu nutzen.<br />

Kann ein Kunde auch Kompressoren aus seinem Bestand<br />

in den Vertrag einbinden?<br />

Grundsätzlich können wir auch Kompressoren aus dem<br />

Kundenbestand einbinden. Voraussetzung ist aber, dass<br />

es sich um ein Kaeser-Produkt handelt. Die hohe Verantwortung<br />

für die Verfügbarkeit des gesamten Systems<br />

fordert eine extrem kurze Lieferzeit für Ersatzteile, was<br />

wir nur mit Kaeser Produkten sicherstellen können. Bei<br />

einigen älteren Kaeser-Produkten, die man einbinden<br />

würde, hat man meist nur geringe oder keine Vorteile,<br />

da zwar die Kapitalkosten für die gesamte Station niedriger<br />

wären, die Strom- und die Servicekosten jedoch<br />

höher.<br />

Von welchen Branchen wird Druckluft Contracting besonders<br />

stark nachgefragt?<br />

Dieses Modell ist besonders interessant für Unternehmen,<br />

deren Aktivitäten besonderen Schwankungen unterlegen<br />

sind oder die immer wieder mit branchenorientierten<br />

Konjunkturschwankungen rechnen müssen. In<br />

der Krise 2009 haben uns viele Unternehmen aus der<br />

Automobilzulieferindustrie das Feedback gegeben, dass<br />

sie sich wirklich für das richtige Modell entschieden haben,<br />

weil ihre variablen Druckluftkosten deutlich gesunken<br />

sind.<br />

Welche Vorteile bietet „Druckluft as a Service“ für die<br />

Kunden?<br />

Er muss keine Investitionen tätigen, somit erhöht sich<br />

seine Liquidität. Daneben erhält er eine höchstmögliche<br />

Effizienz der gesamten Drucklufterzeugung und eine extrem<br />

hohe Verfügbarkeit der Druckluft, die durch die<br />

Digitalisierung noch weiter verbessert werden kann.<br />

Ein solch digitales Geschäftsmodell muss rundum<br />

funktionieren – angefangen bei der Remote-Überwaschung<br />

der Anlagen über den Aufbau von Ressourcen<br />

im Rechenzentrum bis hin zu den Service-Technikern,<br />

die schnell vor Ort beim Kunden sein müssen. Welche<br />

Maßnahmen genau haben Sie dafür in den vergangenen<br />

Jahren ergriffen?<br />

Neben beachtlichen IT-Investitionen an Hard- und Software<br />

ist es zusätzlich notwendig, über ein flächendeckendes<br />

und engmaschiges Servicenetz zu verfügen, da<br />

wir nicht Kompressoren, sondern Verfügbarkeit der<br />

Druckluft verkaufen. Die gesamte Planung und Errichtung<br />

der Druckluftstation muss voll digitalisiert werden,<br />

um die Potenziale des Monitorings und der Voraussage<br />

möglicher Ausfälle sicher zu stellen. Diese Techniken<br />

werden bei allen Contracting-Modellen angewandt.<br />

Alle Maschinen und Anlagen, die „nach Hause telefonieren“<br />

sind potenziell ein Risiko. Wie steht es um die<br />

Cybersicherheit bei diesem Modell? Welche Maßnahmen<br />

haben Sie ergriffen?<br />

Das Risiko eines Missbrauchs mit den Daten ist relativ<br />

gering: Alle unsere Steuerungen sind nämlich so konstruiert,<br />

dass die Daten nur in eine Richtung nämlich<br />

von der Steuerung zu unserem Server gehen können.<br />

Das ist der sogenannte Read-only-Modus. Ein Eingriff<br />

in die Steuerung von außen ist konstruktiv nicht vorgesehen<br />

und somit nicht möglich. Die Daten des Kunden ,<br />

die von uns gesammelt werden, sind erstens keine personenbezogenen<br />

Daten und zweitens in dem unwahrscheinlichen<br />

Fall, dass doch jemand die Daten abfangen<br />

sollte, für den Hacker vollkommen wertlos, da sie ohne<br />

den digitalen Zwilling über den nur wir verfügen, nicht<br />

interpretierbar sind.<br />

„Wenn wir die<br />

Verfügbarkeit<br />

der Druckluft<br />

verkaufen, muss<br />

die gesamte<br />

Planung und<br />

Errichtung der<br />

Druckluftstation<br />

voll digitalisiert<br />

werden.“<br />

<strong>Industrieanzeiger</strong> 04.19 29


Welche Potenziale bergen Druckhaltesysteme? Wie<br />

funktionieren sie?<br />

Das Druckhaltesystem stellt sicher, das insbesondere bei<br />

Schichtbeginn oder am Montagmorgen, wenn das gesamte<br />

Druckluftleistungssystem gefüllt wird, die Druckinterview<br />

Wie viel Prozent des Umsatzes erwirtschaften Sie derzeit<br />

mit diesem Service – und wie hoch soll der Prozentsatz<br />

in zehn Jahren sein?<br />

Der Anteil dieses Modells am Umsatz liegt noch deutlich<br />

unter 10 Prozent, ich bin jedoch überzeugt, dass gerade<br />

mit der Nutzung digitaler Instrumente in zehn Jahren<br />

30 bis 40 Prozent des Umsatzes möglich sind.<br />

Doch die Digitalisierung der Druckluftwelt ist nicht alles.<br />

Auch die Hardware muss stimmen. Die Kaeser-Philosophie<br />

lautet „Mehr Druckluft mit weniger Energie“.<br />

Wo sehen vor diesem Hintergrund die größten Potenziale<br />

für die Optimierung von Druckluft?<br />

Auch bei den einzelnen Komponenten und Kältetrocknern<br />

gibt es weitere Potenziale bei der Optimierung der<br />

Schraubenprofile, bei der Reduzierung von Druckverlusten,<br />

bei bedarfsorientierter Kühlung und bei der individuellen<br />

Maschinensteuerung, um die Effizienz weiter<br />

zu erhöhen.<br />

Schauen wir uns mal die gesamte Kette der Druckluftversorgung<br />

an: Wie schaut es mit den Motoren aus?<br />

Welche Möglichkeiten sehen Sie hier?<br />

Wir setzen bei unseren Komponenten grundsätzlich die<br />

effizientesten Motoren ein: IE3 und bei Neuentwicklungen<br />

wird die Effizienz noch durch die IE4-Motoren weiter<br />

verbessert. Frequenzgeregelte Kompressoren werden<br />

von Reluktanzmotoren angetrieben, das spart besonders<br />

im Teillastbetrieb viel Energie.<br />

Weitere Möglichkeiten zur Energieeinsparung bietet<br />

Ihr Kältetrockner Secotec. Was ist das Besondere und<br />

wie wird er weiterentwickelt?<br />

Unsere Secotec Kältetrockner sind richtige Energiesparer.<br />

Im Gegensatz zu den klassischen Kältetrocknern, bei<br />

denen meist der Kältekompressor durchläuft, egal ob<br />

mehr oder weniger Druckluft zu trocknen ist, nutzt der<br />

Secotec Trockner das Latent-Wärmespeicher-System,<br />

sodass im Teillastbereich der Kältekompressor nicht zu<br />

laufen braucht, aber der Kühlungsvorgang trotzdem reibungslos<br />

läuft. Auch hier gilt wieder „Mehr Druckluft<br />

mit weniger Energie“.<br />

Kaeser feiert 100. Geburtstag<br />

Das erste Kolben -<br />

kompressorenprogramm<br />

von Kaeser aus den<br />

1950er Jahren.<br />

Der Coburger Druckluftspezialist Kaeser Kompressoren wird in diesem Jahr<br />

100 Jahre alt. Angefangen hat alles in einer kleinen Werkstatt im Hahnweg<br />

in Coburg. Noch heute stehen dort die alten Gebäude, in denen Carl Kaeser<br />

Senior im Juni 1919 mit acht Mitarbeitern und zwei Auszubildenden begann,<br />

Ersatzteile und Motoren für Automobile zu fertigen, auch Zahnräder<br />

und Sondermaschinen für die Glasindustrie waren dabei. Das Geschäft lief<br />

gut. Das Unternehmen erreicht in wenigen Jahren einen Personalbestand von<br />

150 Mitarbeitern. Nach dem zweiten Weltkrieg brach nahezu der gesamte<br />

Kundenstamm weg, der überwiegend in Thüringen und Sachsen – und damit<br />

ab diesem Zeitpunkt hinter der Grenze – saß. Da das Know-how aus der Automobilindustrie<br />

vorhanden war, wurde die Produktion einfach auf ähnliche<br />

Produkte umgestellt: Kolbenkompressoren. Kaeser entdeckte so die Druckluft<br />

für sich. 1948 verließ der erst Kolbenkompressor den Hahnweg.<br />

Mitte der 1960er Jahre kamen die ersten Schraubenkompressoren auf den<br />

Markt – und Kaeser war dank einer Eigenentwicklung an der Spitze der Veränderung<br />

dabei. Das sogenannte Sigma Profil wurde geboren. Dies ist ein<br />

selbst entwickelter Schraubenkompressorblock mit einem damals völlig neuen<br />

energiesparenden Läuferprofil. Seitdem ist das Sigma Profil das Kernstück<br />

eines jeden Kaeser Schraubenkompressors und wird natürlich konsequent<br />

weiterentwickelt. Diese Innovationsfreude setzte sich bis heute fort. Dies gilt<br />

für die Hardware genauso wie für Software und Dienstleistungen. Vom Kältetrockner bis zu Steuerungen, vom<br />

Baukompressor bis zu völlig neuen Geschäftsmodellen, bei dem der Kunde sozusagen nur noch die Druckluft kauft<br />

oder Digitalisierung und Industrie 4.0 – Kaeser sieht sich mit innovativen und qualitativ hochwertigen Produkten<br />

und Dienstleistungen als Vorreiter in der Branche.<br />

30 <strong>Industrieanzeiger</strong> 04.19


luftaufbereitung nicht überfahren wird und dadurch<br />

Feuchtigkeit in das Leitungssystem eindringen könnte.<br />

Wir setzen das Druckhaltesystem in fast allen Fällen ein,<br />

um die Funktionsfähigkeit der Trocknungskomponenten<br />

auch in Extremfällen sicher zu stellen.<br />

Drehzahlgeregelte Kompressoren werden vielfach als<br />

die Lösung im Hinblick auf Energieeffizienz angepriesen.<br />

Stimmt das? Oder wann stoßen sie an ihre Grenzen?<br />

Technische Lösungen dürfen nie Ideologien sein. Die<br />

Auswahl der unterschiedlichen Systeme orientiert sich<br />

immer an der Individualität der Anwendungsfälle und<br />

dadurch am Verbrauchsprofil des Kunden. Die Entscheidung,<br />

welches System eingesetzt wird, orientiert<br />

sich also immer noch an der detaillierten Analyse des<br />

Druckluftbedarfs und nicht an den Wünschen des Anbieters.<br />

Welche Rolle spielen Leitsysteme wie Ihr Sigma Air<br />

Manager (SAM) im Hinblick auf Energieeffizienz?<br />

Maschinenübergreifende Steuerungen wie unser Sigma<br />

Air Manager 4.0 spielen eine immer größere Rolle, da<br />

wir unseren Kunden zweifelsfrei nachweisen können,<br />

dass durch ihren Einsatz die Energieeffizienz des gesamten<br />

Systems in den meisten Fällen weiter über zehn Prozent<br />

verbessert werden kann.<br />

„Auch wenn es<br />

zunehmend hydrau -<br />

lische oder elektrische<br />

Antriebe gibt,<br />

bin ich sicher, dass<br />

Druckluft auch<br />

langfristig eine der<br />

wichtigsten und<br />

sichersten Energieformen<br />

in der industriellen<br />

Wertschöpfung<br />

bleiben wird.“<br />

eine der wichtigsten und sichersten Energieformen in<br />

der industriellen Wertschöpfung bleiben wird.<br />

Kaeser feiert in diesem Jahr seinen 100. Geburtstag.<br />

Nochmals 100 Jahre weiter gedacht: Benötigt die Industrie<br />

dann immer noch Druckluft?<br />

Immer dann wenn produziert wird, wird Druckluft benötigt<br />

und das sicher auch in den nächsten 100 Jahren.<br />

Fast alle großen Kompressorenhersteller bieten Druckluftaudits<br />

an. Was bringen Sie? Unterscheiden sich die<br />

Audits von Kaeser von denen der Marktbegleiter?<br />

Bei professionellen Druckluftaudits wird die gesamte<br />

Druckluftsituation – also Verbrauch, Drucklufterzeugung,<br />

Effizienz der einzelnen Komponenten, Effizienz<br />

der bestehenden Druckluftstation, Leckagen und zukünftige<br />

Entwicklung – detailliert aufgenommen, digitalisiert<br />

und Vorschläge gemacht, wie die Gesamteffizienz<br />

verbessert, die Verfügbarkeit und Sicherheit der Druckluftstation<br />

erhöht und die Zukunftssicherheit des<br />

Druckluftbedarfs sichergestellt wird. Entscheidet sich<br />

der Kunde für eine Renovierung oder Neuinvestition<br />

seines Druckluftsystems, können wir auch hinterher<br />

klar dokumentieren, wie die spätere Realität mit der<br />

Planung übereinstimmt. Der Kunde hat dadurch einen<br />

eindeutigen Beleg über den Nutzen, den er durch diese<br />

Veränderungen erzielen konnte.<br />

Wir werden das beide nicht mehr erleben – aber was<br />

denken Sie, wo wird Kaeser in 100 Jahren stehen?<br />

Keiner kann die Zukunft voraus sehen, aber wir müssen<br />

uns heute so aufstellen, dass alle auch noch so unwahrscheinlichen<br />

Unwägbarkeiten der Zukunft gemeistert<br />

werden können: enger Kundenkontakt, kontinuierliche<br />

Innovation, Aus- und Weiterbildung, sowie die Nutzung<br />

der Digitalisierung in allen Bereichen sind wichtige Säulen<br />

für eine zukunftsorientierte Gestaltung. •<br />

Kaser baut und baut: Das<br />

neue Forschungs- und Innovationszentrum<br />

in Coburg<br />

wurde im Herbst<br />

2017 bezogen. Am Standort<br />

Gera entsteht derzeit<br />

eine neue Produktionshalle,<br />

in der Druckluftkältetrockner<br />

gebaut werden<br />

sollen.<br />

Heute werden aus Gründen der Energieeffizienz druckluftbetriebene<br />

Antriebe für Linearbewegungen vielfach<br />

durch elektrische Antriebe ersetzt. Wie sehen Sie die<br />

Zukunft der Druckluft im industriellen Umfeld?<br />

Natürlich fallen hier und da einige Anwendungen im<br />

Druckluftbereich weg und werden durch hydraulische<br />

oder elektrische Antriebe ersetzt. Aber wenn eine Anwendung<br />

wegfällt, kommen zwei oder drei Anwendungen<br />

dazu. Ich bin sicher, dass Druckluft auch langfristig<br />

<strong>Industrieanzeiger</strong> 04.19 31


technik & wissen<br />

Chancen und Risiken im Reich der Mitte<br />

China hat einen Plan,<br />

Europa keinen<br />

Standort | China ist für viele deutsche Industrieunternehmen<br />

die größte nationale Absatzregion. Das Reich der Mitte selbst<br />

strebt bei einigen Zukunftstechnologien an die Weltspitze. Die<br />

Herausforderungen, die sich aus der langfristig angelegten<br />

chinesischen Wirtschaftsstrategie ergeben, bedingen eine<br />

eigene Strategie der EU.<br />

32 <strong>Industrieanzeiger</strong> 04.19


Qualitativ hochwertiger Entwickler<br />

statt Werkbank der Welt – China strebt<br />

bei Zukunftstechnologien zur Welt -<br />

spitze. Bild: Maxim Kazmin/Fotolia<br />

Der Blick auf China ist oft von Extremen<br />

geprägt. Entweder stehen die gewaltigen<br />

Marktchancen, die beeindruckende Modernisierung<br />

im Vordergrund der Betrachtung,<br />

oder es werden Gefahren heraufbeschworen<br />

und unfaire Praktiken unterstellt. Doch China<br />

ist beides für die europäische Industrie:<br />

Chance und Risiko zugleich. Zunächst sollten<br />

deshalb die Chancen gesehen werden.<br />

Seit Beginn der Reform und Öffnungs -<br />

politik hat China sein Bruttosozialprodukt<br />

durch eine langfristig angelegte Wirtschaftsstrategie<br />

fast verhundertfacht. Zwar zeigte<br />

das Wachstum im Vorjahr mit 6,6 % den<br />

niedrigsten Wert seit 28 Jahren, war jedoch<br />

immer noch höher als von der chinesischen<br />

Regierung geplant. Allein die Steigerung um<br />

6,6 % entspricht 667 Mrd. US-Dollar. Das<br />

entspricht der gesamten Wirtschaftsleistung<br />

von Ländern wie Polen oder der Schweiz.<br />

Für 2019 haben Chinas Provinzen ihre<br />

Wachstumsziele für das Bruttoinlandsprodukt<br />

gesenkt, sodass mehr Raum für wirtschaftliche<br />

Umstrukturierungen bleibt, um<br />

eine qualitativ hochwertige Entwicklung<br />

anzustreben, melden chinesische Medien.<br />

Auf der Agenda steht jetzt nicht mehr<br />

Produktionssteigerung um jeden Preis, sondern<br />

eher eine bessere Qualität der Entwicklung.<br />

Der Plan „China 2025“ ist umfassender<br />

und soll der gesamten Wirtschaft und<br />

Infrastruktur des Landes in den nächsten<br />

Jahren in zehn Schlüsselsektoren (siehe Kasten)<br />

zu einer höheren Wertschöpfung und zu<br />

einer weltweiten Spitzenstellung bei Zukunftstechnologien<br />

verhelfen. Das Riesenreich<br />

kann dabei die verschiedenen Schritte<br />

zentral planen und zusammen mit Unternehmen,<br />

Behörden, Lokalregierungen und<br />

Forschungseinrichtungen umsetzen. Dies<br />

setzt zum einen gewaltige Ressourcen frei<br />

und schafft zum anderen eine ungeheurere<br />

Dynamik der Innovationsgeschwindigkeit.<br />

Es wäre jedoch ein Fehler anzunehmen,<br />

dass zentral von Beijing aus die notwendigen<br />

Schritte diktiert würden. Unternehmen,<br />

Wissenschaftseinrichtungen oder Kommunalregierungen<br />

bringen im Vorfeld ihre Erfahrungen<br />

und Vorstellungen in dieses Projekt<br />

ein. Und wenn auch das Ziel klar ist,<br />

wird das Programm laufend an die neuen<br />

Bedingungen angepasst. Die Zukunft lässt<br />

Chinas Marschrichtung<br />

zielt ab auf Zukunftstechniken<br />

wie künstliche<br />

Intelligenz, Robotertechnik<br />

und ökologisches<br />

Wirtschaften. Bild:<br />

ekkasit919/Fotolia<br />

Das Erfolgsmodell steht auf dem Spiel<br />

Dass Zukunftstechnik verstärkt in China erdacht<br />

wird, ist so neu nicht. Doch Aussagen, wie jene von<br />

VW-Chef Herbert Diess, der „Fähigkeiten, die wir<br />

heute nicht haben, vor allem in China aufbauen“<br />

will, lassen erahnen, wo das künftige internationale<br />

Kraftzentrum einer Zukunftsbranche angesiedelt<br />

sein wird. Europa tut gut daran,<br />

einen gemeinsamen Plan<br />

zu entwickeln. Nichtstun wäre<br />

der schlechteste aller denkbaren<br />

Pläne. Das Erfolgsmodell<br />

Europa steht auf dem Spiel.<br />

Dietmar Kieser<br />

Stv. Chefredakteur <strong>Industrieanzeiger</strong><br />

sich zwar nicht detailliert planen, aber die<br />

Marschrichtung ist klar: Zunftstechnik wie<br />

künstliche Intelligenz und Robotertechnik<br />

sowie ökologisches Wirtschaften. Die Treiber<br />

der Modernisierung sind hauptsächlich<br />

Privatunternehmen mit oft ausländischen<br />

Investoren an Bord.<br />

Internetkonzerne und künstliche<br />

Intelligenz<br />

Fast alle großen Industriekonzerne streben<br />

in China in diese neuen Bereiche, setzen auf<br />

künstliche Intelligenz, vernetzte Produktionssysteme<br />

und Anwendungen für Smart<br />

City. China habe den wichtigsten Rohstoff<br />

für künstliche Intelligenz: die Daten von<br />

1,4 Mrd. Menschen, von denen über 800<br />

Mio. das Internet nutzen, erklärt Kai-Fu<br />

Lee, der Googles Chinageschäft aufgebaut<br />

hat und heute einen milliardenschweren<br />

KI-Start-up-Fonds verwaltet. Bereits in fünf<br />

Jahren könnte China die USA bei den Zukunftstechnologien<br />

überholen, glaubt Lee.<br />

Chinas Staatsrat kündigte an, dieses Ziel bis<br />

2030 zu erreichen. Europa spielt in diesem<br />

Wettlauf kaum eine Rolle.<br />

Bereits 2017 warben Chinas KI-Start-ups<br />

mehr Kapital ein als ihre US-Rivalen.<br />

Shanghai buhlt mit Jahresvisa um Start-up-<br />

Gründer aus dem Ausland. Ähnliche Regelungen<br />

gibt es in Beijing oder der Provinz<br />

Yunnan. Fushan bietet Existenzgründern<br />

aus der IT-Branche kostenlos eine Wohnung<br />

für ein Jahr und ein monatliches Grundeinkommen.<br />

So wird im Reich der Mitte alle<br />

sieben Minuten ein Start-up gegründet.<br />

<strong>Industrieanzeiger</strong> 04.19 33


BDI und VDMA fordern China-Strategie<br />

In dem Grundsatzpapier fordert die deutsche<br />

Industrie einen gestärkten wirtschaftspolitischen<br />

Rahmen für den europäischen<br />

Binnenmarkt. „Die EU braucht eine ehr -<br />

geizige Industriepolitik für ihre starken<br />

Unternehmen, die sich auf Innovation, intelligente<br />

Regulierung, Sozialpartnerschaft,<br />

Infrastruktur und Freihandel konzentriert“,<br />

so Kempf. Kurz danach schloss sich der<br />

VDMA in einem Grundsatzpapier diesen<br />

Forderungen weitgehend an. Der Umbau<br />

der chinesischen Wirtschaft erfolge durch<br />

eine staatlich gelenkte nationale Industriepolitik.<br />

China bleibe somit ein politischer<br />

Markt, so der VDMA. Die deutsche Politik<br />

und Industrie müssten eine klare Strategie<br />

entwickeln, wie künftig mit dem wichtigen<br />

Partner China umgegangen werden soll.<br />

China ist für den Maschinen- und Anlagenbau<br />

in Deutschland seit Mitte 2018 wieder<br />

der wichtigste Exportmarkt und zweitwichtigster<br />

ausländischer Investitionsstandort.<br />

Das Interesse an diesem Markt sei ungebrochen,<br />

und der VDMA rechnet in der näheren<br />

Zukunft mit einem weiteren Ausbau<br />

der China-Aktivitäten seiner Mitglieder.<br />

Gerade die Modernisierungsbemühungen<br />

der chinesischen Industrie bieten kurzfristig<br />

gute Geschäftsmöglichkeiten. Doch<br />

die längerfristige Entwicklung des Marktes<br />

wird durch den aktuellen Umbau des Wirtschaftsmodells<br />

beeinflusst. Ziel der Regierung<br />

in Peking ist es, eigene chinesische<br />

Innovationen zu entwickeln und hochwertige<br />

Produkte auf den Markt zu bringen. Ausländische<br />

Technologien sollen vom Markt<br />

verdrängt und durch einheimische ersetzt<br />

werden. Dazu gehört auch, durch Firmenübernahmen<br />

in Europa – und hier vor allem<br />

in Deutschland – in den Besitz von hochwertigen<br />

Technologien zu gelangen, warnt der<br />

VDMA. Bundeswirtschaftsminister Peter<br />

Altmaier legte dazu seine „Nationale Industriestrategie<br />

2030“ vor. Damit soll die Sichetechnik<br />

& wissen<br />

Diese Gründerszene ist auch für ausländische<br />

Unternehmen interessant. Bosch hat<br />

sich soeben als Finanzinvestor in ein chinesisches<br />

Start-up eingekauft, das sich mit der<br />

Anwendung künstlicher Intelligenz im Auto<br />

befasst. Die Auto-AI Co. Ltd. ist im vorigen<br />

Frühjahr von dem Navigationsanbieter<br />

Navinfo ausgegliedert worden und beschäftigt<br />

fast 1000 Mitarbeiter in China mit der<br />

Entwicklung von Lösungen für das „Internet<br />

of Vehicles“, also der Nutzung von Internetdiensten<br />

in der Mobilität. Bosch ist<br />

dort in guter Gesellschaft. Andere Geldgeber<br />

sind Tencent und Didi, Nio Capital und<br />

Advantech.<br />

Umgekehrt beteiligen sich chinesische<br />

Internetgiganten an ausländischen Startups.<br />

Diesen Januar kaufte Alibaba das Berliner<br />

Unternehmen Data Artisans mit seinem<br />

Open-Source-Projekt Apache Flink. Gemeinsam<br />

mit den Teams von Alibaba will<br />

Data Artisans die Weiterentwicklung von<br />

Apache Flink noch intensiver vorantreiben,<br />

um Unternehmen neue sogenannte Stateful-<br />

Anwendungen wie Echtzeitanalysen und<br />

-betrugserkennung, maschinelles Lernen sowie<br />

Such- und Content-Ranking anbieten<br />

zu können – unter anderen auf Basis der<br />

hauseigenen Data-Artisans Plattform.<br />

Die Modernisierung der Industrie ist nur<br />

ein Teil des Masterplans China 2025. In wenigen<br />

Jahren hat das Land das größte Hochgeschwindigkeitsnetz<br />

der Welt und leistungsfähige<br />

Metrosysteme gebaut. Von Peking<br />

fährt der Hochgeschwindigkeitszug die<br />

1320 km nach Shanghai in viereinhalb<br />

BDI-Präsident Dieter Kempf warnt in einem<br />

Grundsatzpapier vor einem Systemwettbewerb<br />

und fordert einen härteren Kurs gegen<br />

China. Bild: BDI<br />

Chinas wichtige Zukunftsbereiche<br />

China setzt schwerpunktmäßig auf die Entwicklung von zehn Schlüssel -<br />

industrien:<br />

• Maschinen für die Landwirtschaft<br />

• Schiffbau und Meerestechnik<br />

• Energieeinsparung und Elektromobilität<br />

• Informations- und Kommunikationstechnologien der neuen Generation<br />

• Vernetzte Werkzeugmaschinensysteme und Robotertechnologie<br />

• Elektrizitätserzeugung und -versorgung<br />

• Anlagen für Luft- und Raumfahrttechnik<br />

• Neue Werkstoffe und Materialien<br />

• Moderne Anlagen für den Schienenverkehr<br />

• Biomedizin und High-Performance-Medizingeräte<br />

Stunden. Von Shanghai aus sind in weniger<br />

als einer Stunde 100 Mio. Menschen zu erreichen,<br />

ebenso in Guangzhou. „Wenn ich<br />

hier etwas Neues entwickeln möchte, habe<br />

ich eine unglaubliche Produktfülle oder Angebote<br />

für die Konstruktion. Und die sind<br />

schnell online oder mit dem Mobiltelefon<br />

bestellt und in kurzer Zeit in meinem Labor.<br />

Diese Dichte gibt es an keinem anderen Ort<br />

der Welt“, berichtete ein britischer Start-up-<br />

Pionier in Shenzhen.<br />

Die traditionellen Industrieländer sind<br />

nicht mehr alleinige Treiber der Modernisierung.<br />

Das schürt auch Ängste. China bleibe<br />

Treiber der Weltwirtschaft und für die deutsche<br />

Industrie wesentlicher Absatz- und<br />

Beschaffungsmarkt, so BDI-Präsident Dieter<br />

Kempf bei der Vorstellung eines China-<br />

Grundsatzpapiers Anfang dieses Jahres. Die<br />

deutsche Industrie wolle auch weiterhin die<br />

Chancen des wirtschaftlichen Austausches<br />

mit China nutzen. „Jedoch darf niemand<br />

die Herausforderungen, vor die China die<br />

EU und Deutschland stellt, einfach aus -<br />

blenden.“<br />

34 <strong>Industrieanzeiger</strong> 04.19


Das Investment von<br />

Bosch beim chinesichen<br />

Start-up Auto-AI zielt auf<br />

die Entwicklung von<br />

Lösungen für das „Internet<br />

of Vehicles“.<br />

Bild: Bosch<br />

tionstechnologien, Miao Wei, und betont,<br />

dass sich China im Vorjahr für ausländische<br />

Industrieunternehmen weiter öffnete und<br />

damit hohe Auslands investitionen anzog.<br />

„2018 wurden die Einschränkungen für den<br />

Marktzugang der ausländischen Anleger in<br />

rung beziehungsweise das Wiedererlangen<br />

der wirtschaftlichen und technologischen<br />

Führungsposition Deutschlands und der Europäischen<br />

Union gestärkt werden.<br />

Die Öffnung schreite zügig voran, erwidert<br />

der Minister für Industrie und Informaden<br />

Bereichen Schiffs- und Flugzeugherstellung<br />

abgeschafft. Auch die Beschränkung<br />

des Aktienanteils des auswärtigen Kapitals<br />

in Herstellung von Nutzfahrzeugen und<br />

Fahrzeugen mit erneuerbaren Energien als<br />

Triebkraft wurde aufgehoben“, sagte Miao.<br />

Gleichzeitig sei die Zeitplanung für die<br />

Marktöffnung anderer Autotypen klar fest -<br />

gelegt worden. Damit werde die allgemeine<br />

Fertigungsindustrie Chinas umfassend für<br />

Auslandsinvestitionen geöffnet. Mit den<br />

Öffnungsmaßnahmen haben laut Miao die<br />

real genutzten Auslandsinvestitionen in der<br />

Fertigungsindustrie 41,2 Mrd. US-Dollar erreicht.<br />

Dies entspricht einem Zuwachs von<br />

22,9 % im Vergleich zum Vorjahr.<br />

Zudem habe China im Jahr 2018 auch<br />

die Zölle der importierten Industrieprodukte<br />

gesenkt, so der Industrieminister. So sei<br />

der Zollsatz der importierten Fahrzeuge von<br />

25 auf 15 % gesenkt worden, während der<br />

Zollsatz der Automobilteile von 15 auf 6 %<br />

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<strong>Industrieanzeiger</strong> 04.19 35


technik & wissen<br />

reduziert worden sei. Gleichzeitig sei der<br />

Zoll von über 8000 industriellen Produkten<br />

gesunken. Gegenwärtig sei das Gesamtniveau<br />

der Zölle Chinas viel niedriger als das<br />

der anderen Entwicklungsländer der Welt.<br />

In einigen Bereichen liegt China sicherlich<br />

technologisch weit hinter der deutschen<br />

Industrie. Hier sind noch gute Geschäfte zu<br />

machen. Und auch in manchen ländlichen<br />

Regionen ist das Reich der Mitte noch Entwicklungsland.<br />

Dort sind Schutzmaßnahmen<br />

nachvollziehbar. China konnte seine<br />

Wirtschaft nur deshalb so weit entwickeln,<br />

da es diese partiell gegenüber der früher<br />

weit überlegenen ausländischen Wirtschaft<br />

schützte.<br />

Anders in Zukunftsbereichen: Bei künstlicher<br />

Intelligenz, Elektromobilität oder<br />

Daimler plant ein zweites Entwicklungs -<br />

center in Peking, das ein Meilenstein für die<br />

lokalen R&D-Bemühungen des Autobauers<br />

sein soll. Bild: Daimler<br />

Hochgeschwindigkeitszügen nimmt China<br />

eine Spitzenstellung ein. Die Pro-Kopf-Wirtschaftsleistung<br />

mancher südchinesischen<br />

Millionenstadt liegt weit über derjenigen<br />

einiger osteuropäischer EU-Staaten. Allein<br />

die Wirtschaftskraft der Provinz Guangdong<br />

erreicht fast die Leistung von Südkorea.<br />

Chinas Bevölkerung ist weit mehr als<br />

doppelt so groß wie die der EU. Deshalb<br />

muss regional und sektorial differenziert<br />

werden.<br />

Das Problem ist weniger, dass China<br />

einen Plan hat, Europa aber keinen. Problematisch<br />

wird es, wenn sich eine Branche<br />

kurzfristig nach Gewinnzahlen ausrichtet<br />

und nicht die zukünftigen Anforderungen<br />

sieht. Deutlich ist dies in der Automobilindustrie<br />

zu erkennen. Laut der China Passenger<br />

Car Association ist der Pkw-Einzelhandelsumsatz<br />

in China 2018 um 5,8 % auf<br />

22,35 Mio. gesunken. Dies ist der erste<br />

Rückgang seit 1990. Auch für die nächsten<br />

Jahre ist kaum noch mit hohen Wachstumsraten<br />

zu rechnen, und die Absatzstruktur<br />

verschiebt sich. In den boomenden Millionenmetropolen<br />

bestehen Beschränkungen<br />

bei Neuzulassungen, und die Verkäufe verlagern<br />

sich in ländliche Gebiete. Smart Cars<br />

und Elektroautos sind dabei in ganz China<br />

durch die Vorgaben der Industriepolitik besonders<br />

gefragt. Das Land ist weltweit Spitzenreiter<br />

bei diesen neuen Technologien.<br />

In Deutschland dagegen setzte die Branche<br />

auf die Optimierung der Dieseltechnologie<br />

und sperrt sich eher gegen die Einschränkung<br />

von Verbrennungsmotoren. „In<br />

keinem anderen Teil der Welt gibt es vergleichbar<br />

scharfe CO 2 -Ziele“, kritisierte<br />

jüngst Bernhard Mattes, Präsident des Verbandes<br />

der Automobilindustrie den EU-Vorschlag<br />

für die CO 2 -Regulierung für Pkw<br />

und leichte Nutzfahrzeuge für die Zeit nach<br />

2021. Doch ohne staatlichen Druck wie in<br />

China setzen die Autokonzerne zu spät auf<br />

die Zukunftstechniken; diese müssen die<br />

deutschen Konzerne jetzt aus China holen.<br />

So scheint es, dass durch die Lobbyarbeit<br />

der deutschen Automobilindustrie ein nötiger<br />

Innovationsschub in Europa verhindert<br />

wurde. Jene Konzerne, die gegen zu harte<br />

Umweltbestimmungen wetterten, bauen<br />

jedoch bereits F+E-Zentren in China auf<br />

und beklagen jetzt, solche guten Bedingungen<br />

in Europa nicht vorzufinden.<br />

Die Zukunft von Volkswagen entscheidet<br />

sich in China<br />

Das Riesenreich soll nach den Plänen von<br />

VW-Chef Herbert Diess künftig eine zentrale<br />

Rolle für den deutschen Autokonzern<br />

spielen. „Die Zukunft von Volkswagen wird<br />

sich auf dem chinesischen Markt entscheiden“,<br />

sagte Diess, der seit diesen Januar persönlich<br />

die strategische Führung des China-<br />

Geschäfts innehat.<br />

Über viele Jahre, so Diess, hätten internationale<br />

Autobauer ihre Technologie auf den<br />

chinesischen Markt gebracht. Doch nun<br />

spiele sich Innovation zunehmend direkt in<br />

China ab, wo Fähigkeiten etwa in der<br />

E-Mobilität oder bei selbst fahrenden Autos<br />

schon weit entwickelt seien. Dies sei auch<br />

Folge des klaren Plans der chinesischen Führung,<br />

die dabei sei, das Land zu einem internationalen<br />

Kraftzentrum der Autoindustrie<br />

zu entwickeln. „Wir werden Fähigkeiten,<br />

die wir heute nicht haben, vor allem in China<br />

aufbauen“, erklärte Diess. Und verbindet<br />

damit, die Beziehungen zu chinesischen<br />

Technologiekonzernen zu intensivieren.<br />

Daimler kündigte den Bau eines zweiten<br />

Research and Development (R&D) Tech<br />

Centers in Peking an. Mercedes will so neue<br />

Erkenntnisse etwa über Technologien, Emissionen<br />

und die Luftqualität im Innenraum<br />

von New Energy Vehicles gewinnen und erproben.<br />

Prof. Dr. Hans Georg Engel, Leiter<br />

von Mercedes-Benz Research and Development<br />

China, bezeichnet das neue Tech Center<br />

als Meilenstein für die lokalen R&D-<br />

Bemühungen des Unternehmens. „In Bereichen<br />

wie autonomes Fahren, Konnektivität<br />

und Elektroantrieb fungiert das chinesische<br />

Team zunehmend als treibende Kraft und ist<br />

zu einem zentralen Akteur in unserem globalen<br />

R&D-Netz geworden. Es wird erfolgreiche<br />

R&D-Aktivitäten mit zuverlässigen,<br />

effizienten und ausreichenden Ressourcen<br />

weiterhin sicherstellen“, so Engel.<br />

Nach dem im Juli 2018 zwischen BMW<br />

und Great Wall Motors unterzeichneten<br />

Joint-Venture-Vertrag errichten die Partner<br />

36 <strong>Industrieanzeiger</strong> 04.19


einen Fertigungsstandort in Zhangjiagang<br />

in der Provinz Jiangsu. Ab 2021 wollen<br />

Great Wall und BMW mit ihrer gemein -<br />

samen Firma Spotlight Automotive neue<br />

Elektrofahrzeuge auf den chinesischen<br />

Markt bringen. BMW wird als erster Premiumhersteller<br />

den intelligenten Sprachassistenten<br />

Tmall Genie der Alibaba A.I. Labs bis<br />

Ende 2019 in ausgewählte BMW-Modelle<br />

integrieren. Auch Zulieferer wie<br />

Bosch, Continental oder Festo<br />

ent wickeln Zukunftstechnik<br />

verstärkt in China und setzen<br />

auf Kooperationen mit chinesischen<br />

Hightech-Konzernen. Die<br />

Liste dieser Projekte wird jeden<br />

Tag länger.<br />

nung tragen, in China, aber auch in<br />

Deutschland. Eine Abschottung ist kontraproduktiv<br />

und würde Innovationen behindern.<br />

Deutlich zu sehen ist dies auch bei den<br />

chinesischen Investitionen in Deutschland<br />

oder den USA, die stark rückläufig sind – in<br />

Europa und den USA im Vorjahr um 73 %,<br />

so eine Datenanalyse der US-Anwaltskanzlei<br />

Baker McKenzie. Die chinesischen Konzerne<br />

drängen der westlichen Industrie nicht<br />

das Geld auf. Lieber kaufen sie jetzt kluge<br />

Köpfe und Start-ups oder bauen hierzulande<br />

Forschungszentren auf. •<br />

Dr. Thomas Kiefer<br />

Journalist in Aumühle<br />

Wettbewerb um kreative Köpfe<br />

Bereits vor Jahrzehnten kamen<br />

Warnungen auf, mit seinem Engagement<br />

in China verliere VW<br />

dort seine Technologie und würde<br />

kopiert. Heute ist das Land<br />

für die Wolfsburger immer noch<br />

der wichtigste Absatzmarkt, der<br />

über viele Jahre einen Großteil<br />

des Konzerngewinns beisteuerte.<br />

Die Kopie der Technologie<br />

wurde nicht zum Problem. Die<br />

zukünftige Herausforderung<br />

liegt in anderen Bereichen.<br />

Chinesische Konzerne werben<br />

intensiv um die kreativsten<br />

Köpfe der Branche, und viele<br />

Spitzenmanager deutscher Unternehmen<br />

wechselten zu chinesischen<br />

Start-ups. Nicht nur wegen<br />

der besseren Bezahlung. Sie<br />

würden auch spannendere Arbeitsbedingungen<br />

bieten, berichten<br />

die deutschen Spezialisten<br />

aus chinesischen Firmen. Wie<br />

etwa die beiden E-Autopioniere<br />

Byton und NIO, die auch ein<br />

Entwicklungszentrum in München<br />

unterhalten.<br />

Hinzu kommen zahlreiche<br />

finanzielle Kreuz- und Querbeteiligungen,<br />

die immer weniger<br />

erkennen lassen, ob es sich um<br />

ein deutsches oder chinesisches<br />

Unternehmen handelt. Die Konzerne<br />

werden global, das Denken<br />

jedoch bleibt national. Dem<br />

muss die Industriepolitik Rech-<br />

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<strong>Industrieanzeiger</strong> 04.19 37


Das modernisierte Hochregallager<br />

für Bleche<br />

(Hintergrund) mit dem<br />

dazugehörigen Handlinggerät<br />

(Mitte) sowie der<br />

Wechseltisch des Laserschneidsystems<br />

(vorne)<br />

mit einem bearbeiteten<br />

Blech laufen seit dem<br />

Retrofit bei Bystronic<br />

steuerungstechnisch wie<br />

am Schnürchen.<br />

PC-based-Control beim Retrofit des Blechlagers von Bystronic<br />

Altanlage auf aktuellen<br />

Stand gepimpt<br />

Retrofit | Der Maschinenbauer Bystronic setzt in seinem<br />

Hochregallager eines Laserschneidsystems auf moderne<br />

Steuerungstechnik von Beckhoff. Das steigert die Verfügbarkeit<br />

und ermöglicht auch eine Fernwartung.<br />

Bystronic, ein Schweizer Lösungsanbieter<br />

für die Blechbearbeitung, betreibt sein eigenes<br />

Blechlager mit Hochregallager seit<br />

1998. Da war es Zeit für eine Modernisierung,<br />

betont Mario Duppenthaler, Head of<br />

Solution & Project Management. „Das aktuell<br />

modernisierte Hochregallager gehört<br />

zu einer Bearbeitungsanlage zur Herstellung<br />

unterschiedlichster Blechteile für die eigenen<br />

Laserschneidsysteme. Es besteht aus zwei<br />

9,64 m hohen Lagertürmen mit 83 Kassettenlagerplätzen<br />

im Format von 3 x 1,5 m.<br />

Unterbringen lassen sich darin maximal<br />

249 t Blechteile. Zu deren auftragsspezifischer<br />

Auslagerung fährt ein Regalbediengerät<br />

die entsprechende Lagerkassette an und<br />

übergibt diese an ein Handlinggerät, das das<br />

gewünschte Blechteil entnimmt und über<br />

einen automatisierten Transferwagen an den<br />

Wechseltisch des Laserschneidsystems – hier<br />

das By Sprint Fiber 3015 – übergibt.“<br />

Übernommen hat die Modernisierung<br />

des Blechlagers die Peter Huber AG im<br />

schweizerischen Alpnach. Der Komplettanbieter<br />

für Steuerungslösungen im Bereich<br />

der Blechbearbeitung ist bereits seit 2010<br />

Solution-Provider von Beckhoff und setzt<br />

PC-based-Control sowohl bei der Neukonzeption<br />

von Maschinen und Robotiksystemen<br />

als auch bei Anlagen-Retrofits ein.<br />

„Die Anlagenverfügbarkeit hängt mit wachsendem<br />

Alter der Anlagen auch von der Verfügbarkeit<br />

einzelner Steuerungskomponenten<br />

ab. Hier hilft der Einsatz der Beckhoff-<br />

Technik durch ihre Langzeitverfügbarkeit –<br />

gerade auch mit Blick auf die langfristige<br />

Anlagennutzung. So ersetzt PC-based Control<br />

bei dem Blechlager eine mittlerweile 20<br />

Jahre alte Technik, deren Komponenten<br />

zum einen heute nicht mehr erhältlich sind<br />

und deren Eprom-basierte Software sich<br />

zum anderen nicht an neue Anforderungen<br />

anpassen lässt. Hinzu kommt, dass sich mit<br />

PC-basierter Steuerungstechnik die bisher<br />

nicht gegebenen Möglichkeiten einer Fernwartung<br />

nutzen lassen“, erklärt Geschäftsführer<br />

Erich Schumacher.<br />

Moderne Lagersteuerung von Beckhoff<br />

erhöht Verfügbarkeit im Hochregallager<br />

Für den Geschäftsführer ist bei Retrofits<br />

besonders wichtig, dass sich ein System den<br />

jeweiligen Maschinengegebenheiten vor Ort<br />

anpassen lässt. „Durch das modulare Klemmensystem<br />

beispielsweise können kleine<br />

Schaltkästen genau dort platziert werden,<br />

wo sie für die Weiternutzung der vorhandenen<br />

Kabelstränge benötigt werden. Die aufwendige<br />

Neuverdrahtung der Maschine<br />

kann damit entfallen.“<br />

Kern der modernisierten Lagersteuerung<br />

– für alle Lagerabläufe und das Handlinggerät<br />

– ist ein Embedded-PC CX 5140 mit der<br />

Steuerungssoftware Twincat NC PTP sowie<br />

Twincat PLC HMI für die Visualisierung<br />

auf dem 12-Zoll-Multitouch-Control-Panel<br />

CP 2912. Für die präzise Ansteuerung der<br />

38 <strong>Industrieanzeiger</strong> 04.19


technik & wissen<br />

Das 10 m hohe Blechlager bei Bystronic verfügt über<br />

zwei Lagertürme mit insgesamt 83 Lagerplätzen.<br />

Bilder: Beckhoff Automation<br />

im Blechlager verbauten Motoren sorgen<br />

zwei Servoverstärker AX 5118 mit integrierter<br />

Twinsafe-Karte AX 5801. Die anwendungsgerecht<br />

aufgebaute I/O-Ebene<br />

umfasst vier Ethercat-Koppler des Typs<br />

EK 1100, zwei Ethercat-Abzweige EK 1122<br />

und 50 Ethercat-Klemmen, darunter etwa<br />

die kompakten High-Density-Digital-Einbeziehungsweise<br />

Ausgangsklemmen<br />

EL 1809 und E L2809, die Twinsafe-Logic<br />

EL 6900 sowie die Twinsafe-Ein- oder Ausgangsklemmen<br />

EL 1904 und EL 2904.<br />

Die systemintegrierte Sicherheitstechnik<br />

ist für Schumacher ein wichtiger Aspekt:<br />

„Der Safety-Bereich darf nicht von der restlichen<br />

Lagersteuerung abgekoppelt sein,<br />

denn bei etwaigen Problemen ist der datentechnische<br />

Überblick über die Gesamtanlage<br />

entscheidend. Daher sind alle Sicherheitsfunktionen,<br />

wie Not-Halt, Sicherheitstüren<br />

und -lichtschranken sowie die Positionsüberwachung<br />

der beiden Transferwagen<br />

zwischen Handlinggerät und Wechseltisch,<br />

über die Twinsafe-Klemmen und die Twinsafe-Karten<br />

der Servoumrichter realisiert.“<br />

„Für die Zukunft planen wir die stärkere<br />

Vernetzung des Blechlagers mit der übergeordneten<br />

Wirtschaftswarentechnik. So soll<br />

das Lager in das sogenannte Cockpit eingebunden<br />

werden – eine Live-Monitoring-<br />

Lösung, in der wir sämtliche Produk -<br />

tionsdaten visua lisieren. Zudem arbeiten<br />

wir an einer detaillierten Systemanalyse für<br />

das Blechlager, was vor allem für die vorbeugende<br />

Instandhaltung von großer Bedeutung<br />

ist. PC-based-Control bietet die Offenheit,<br />

alles auch nachträglich zu realisieren“,<br />

ergänzt Duppenthaler. •<br />

Stefan Ziegler<br />

Redaktionsleitung Presse,<br />

Beckhoff Automation, Verl<br />

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<strong>Industrieanzeiger</strong> 04.19 39


technik & wissen<br />

Traditioneller Maschinenbau trifft auf<br />

das Internet der Dinge: Maschinen mit<br />

Cloud-Anbindung erleichtern Wartungs -<br />

abläufe. Bild: Mimi Potter/Fotolia<br />

halben Jahrhundert auf den Bau von Maschinen<br />

spezialisiert, die in lebensmittelverarbeitenden<br />

Betrieben zum Einsatz kommen:<br />

Sie schneiden Käse, Fleisch und Wurst<br />

in Streifen, Würfel und Portionen. Ein neuer<br />

Halbautomat sollte bis zu 3000 kg Fleisch<br />

oder Käse pro Stunde in verkaufsfertige Portionen<br />

bringen. Vom Drucksystem über das<br />

Langwellenmesser wurde alles in der gewohnten<br />

Präzision geplant. Nur bei der<br />

Benutzeroberfläche und der Schnittstelle<br />

zwischen Mensch und Maschine – dem Human<br />

Machine Interface (HMI) – gab es zunächst<br />

ein großes Fragezeichen. Bisher hatten<br />

die Maschinen kleine ein- oder zweifarbige<br />

Displays. Diese waren zwar funktionstüchtig,<br />

aber aus Erfahrungsberichten heraus<br />

nicht unbedingt benutzerfreundlich für<br />

die Kunden aus der Lebensmittelbranche.<br />

Benutzerfreundliche Oberfläche erleichtert Maschinenbedienung<br />

Vom Touch-Panel<br />

in die Wolke<br />

Digitalisierung | Bei der Neu-Entwicklung einer<br />

Maschine setzt Rühle auf Technik des Industrial Internet<br />

of Things. Eine Cloud-Anbindung erleichtert nicht<br />

nur Maschinenführern die Bedienung, sondern sorgt<br />

auch für schnellere Wartungs- und Reparaturabläufe.<br />

Zeit ist nicht nur Geld, sondern kann vor<br />

allem in der Lebensmittelindustrie zu einem<br />

deutlichen Qualitätsverlust führen, wenn<br />

die Produkte verderben. Deshalb kommt es<br />

bei den Maschinen, die dort zum Einsatz<br />

kommen, auf Geschwindigkeit und Qualität<br />

an. Das weiß man im Familienunternehmen<br />

Rühle. Die Schwarzwälder sind seit einem<br />

Rühle setzt auf Expertenwissen aus einer<br />

Digital-Agentur<br />

Daher holten sich die Maschinenbauer zusätzliches<br />

grafisches und technisches Knowhow<br />

ins Haus und fragten bei der Kommunikationsagentur<br />

frau.wolf und bei den IT-<br />

Experten der Digital-Agentur Webschuppen<br />

an. Beide Firmen hatten zuvor bereits gemeinsam<br />

die Webseite von Rühle neu<br />

erdacht und entwickelt.<br />

Zunächst wurden die Anforderungen<br />

vonseiten des Maschinenbau-Unternehmens<br />

an die neue Benutzeroberfläche abgesteckt:<br />

• Die komplette Bedienoberfläche der<br />

Steuerung samt Schnittstelle zur Maschine<br />

sollte webbasiert umgesetzt werden.<br />

• Die Bedienoberfläche sollte optisch ansprechend<br />

zu einer Visitenkarte des Unternehmens<br />

werden.<br />

• Außerdem wichtig: Eine anwenderfreundliche<br />

Nutzung. Der zukünftige Kunde<br />

sollte die Maschine schnell und intuitiv<br />

bedienen können.<br />

Die Ingenieure von Rühle und die Programmierer<br />

der Digital-Agentur starteten mit<br />

ihrer Arbeit. Der eigentliche Maschinenbau<br />

fand dabei parallel zur Programmierung<br />

statt. Das IT-Team war somit besonders bei<br />

der technischen Konzeption und Programmierung<br />

der Bedienoberfläche gefordert.<br />

40 <strong>Industrieanzeiger</strong> 04.19


„Für uns gab es dabei mehrere technische<br />

Herausforderungen: Zunächst einmal<br />

das Programmieren einer reinen API-basierten<br />

Oberfläche, ausschließlich in den Auszeichnungs-<br />

und Programmiersprachen<br />

HTML 5, CSS 3 und Java-Script, die über<br />

die entscheidenden Schnittstellen dann mit<br />

der SPS zusammen funktionieren musste“,<br />

erinnert sich Martin Hollmann, Geschäftsführer<br />

von Webschuppen. „Zudem galt es,<br />

eine physisch sehr kleine Applikation zu<br />

entwickeln, die den verhältnismäßig geringen<br />

Speicherplatz nicht überschreitet. Und<br />

schließlich das Handling der Applikation so<br />

zu entwickeln und zu gestalten, dass sie<br />

intuitiv und ohne Bedienungsanleitung<br />

funktioniert“.<br />

Denn sie sollte für jedermann verständlich<br />

und nicht zu technisch sein – eine<br />

Anforderung, die dem Auftraggeber besonders<br />

wichtig war. Es sollte im Sinne einer<br />

klaren Handhabung komplett neu gedacht<br />

!<br />

Eine Herausforderung war, das Touch-<br />

Panel mit der Steuerungselektronik der<br />

Maschine zu „verheiraten“.<br />

werden. Und der zukünftige Nutzer sollte<br />

bei Problemen schnell Hilfe bekommen. So<br />

kam die Idee auf, eine Cloud sowie einen<br />

Chat einzubinden, mit deren Hilfe Probleme<br />

an der Maschine schnell gelöst werden können.<br />

Das Besondere der Touch-Events an der<br />

Oberfläche ist: Die Nutzer bedienen diese<br />

während der Arbeit an der Maschine anders,<br />

als wenn man einen Tablet-PC bequem<br />

auf dem Schoss hätte. Zudem können die<br />

Quelle: Martin Hollmann, Geschäftsführer von Webschuppen<br />

Tablets in der Produktionsumgebung<br />

schnell verschmutzen, genauso wie die Finger<br />

der Nutzer. Im Arbeitsalltag des Maschinenbau-Unternehmens<br />

werden andere<br />

Anforderungen an Oberflächen gestellt als<br />

bei Applikationen für den Heimgebrauch.<br />

Hier mussten zum Schutz und zur Art der<br />

Bedienung zahlreiche Tests durchgeführt<br />

und mit Pilotkunden verfeinert werden.<br />

Die IT-Dienstleister brachten Know-how<br />

im Bereich anwenderfreundlicher und ergo-<br />

<strong>Industrieanzeiger</strong> 04.19 41


technik & wissen<br />

nomischer Bedienoberflächen ein, das für<br />

das neue Display eine entscheidende Rolle<br />

spielen sollte. Auf diesem Grundgerüst von<br />

logischen Bedienabfolgen galt es, den optischen<br />

Leitfaden der Designer zu übertragen.<br />

Die anspruchsvollste Aufgabe in diesem<br />

IIoT-Projekt war laut der Entwickler, das<br />

nunmehr ansprechend aussehende Touch-<br />

Über ein eigens designtes<br />

Touch-Panel können<br />

Bediener direkt auf die<br />

Steuerungselektronik der<br />

Maschine von Rühle<br />

zugreifen.<br />

In Produktionsumgebungen<br />

müssen Touch-Panels<br />

Verschmutzungen standhalten<br />

können.<br />

Bilder: Rühle<br />

Panel mit der Steuerungselektronik<br />

der Maschine zu „verheiraten“.<br />

Das Ergebnis ist ein im<br />

Corporate Design des Maschinenbauers<br />

gestaltetes HMI. Das<br />

webbasierte Touch-Panel für die<br />

Maschine Original SR 2 Bi-<br />

Turbo von Rühle war geboren.<br />

Aufbau und Funktion von<br />

Human Machine Interfaces stehen<br />

im Mittelpunkt vieler betrieblicher<br />

Digitalisierungsprojekte: Branchen-Experten<br />

sehen in den kommenden fünf Jahren<br />

einen deutlichen Wachstumssprung für die<br />

HMI-Entwicklung und begleitende Dienstleistungen.<br />

Gemäß der Studie „Human<br />

Machine Interface (HMI) Market – Global<br />

Outlook and Forecast 2017-2022“ soll<br />

allein der europäische Markt für HMI bis<br />

2023 auf 1,7 Mrd. Euro wachsen.<br />

Bei Rühle ging es darum, dass die unterschiedlichen<br />

Maschinenablaufprogramme,<br />

die sich aus einer Vielzahl von Parametern<br />

definieren können, die Rohmasse ideal zum<br />

fertigen Produkt verarbeiten: So können<br />

Vorschubarten, Schneidewege, Gatterrahmen<br />

und Anfahrdrücke flexibel eingestellt<br />

und variiert werden, um Fleisch, Käse oder<br />

auch Gemüse zu verarbeiten. Den Entwicklern<br />

bei Webschuppen war es wichtig, dass<br />

diese einzelnen Parameter nun schnell und<br />

einfach per Touchscreen an die Maschine<br />

gesendet werden. So können die Lebensmittel<br />

einfach geschnitten und zum Verpacken<br />

vorbereitet werden.<br />

Über eine Cloud greifen Hersteller und<br />

Anwender auf Leistungsdaten zu<br />

Über eine Cloud-Anbindung bleibt der<br />

Maschinenbauer zudem mit seinem Kunden<br />

online auf Dauer in Verbindung. Das ermöglicht,<br />

Maschineneinstellungen aus dem<br />

Büro oder selbst vom heimischen PC<br />

aus vorzunehmen und Laufdaten jederzeit<br />

einzusehen.<br />

Mit einer eigens für Rühle entwickelten<br />

Cloud von der Digital-Agentur Webschuppen<br />

strebt der Maschinenbauer nicht nur<br />

eine intuitivere, schnellere und einfachere<br />

Bedienung der Maschinen an, sondern auch<br />

bessere Rückschlüsse zu Fehlern und Bedienung.<br />

Denn das Unternehmen benötigt den<br />

Kontakt zum Kunden, um Maschinen für<br />

bestimmte Anforderungen verbessern zu<br />

können. Die Lösung: Eine Cloud, die an die<br />

vorhandene SPS der Maschine andockt –<br />

und die bei der Neu-Entwicklung ebenfalls<br />

mit erdacht wurde. Auch Sensorik und<br />

Hydraulik sind für die Tätigkeiten der komplexen<br />

Maschine nötig und wurden speziell<br />

hierfür realisiert.<br />

Ebenfalls wichtig für Rühle war es, ein<br />

einheitliches Erscheinungsbild über alle<br />

Kanäle hinweg zu wahren. Diese Neu-Entwicklung<br />

dient nicht allein dem Marketing,<br />

sondern erleichtert auch dem Maschinenführer<br />

in den Betrieben der Kunden die<br />

Bedienung, heißt es. Intuitive Symbole und<br />

übersichtliche Grafiken auf dem Display<br />

ersetzen die bisher überwiegend zahlen -<br />

basierte Oberfläche. Dieses schnell erschließbare<br />

Handling und die Übersichtlichkeit<br />

bei der Steuerung sind wichtig für die<br />

Kundenzufriedenheit.<br />

Durch die im Cloud-System erhobenen<br />

Leistungsdaten weiß der Hersteller jederzeit,<br />

wie lange die Maschine gelaufen ist,<br />

wie viele Produktionsdurchläufe gefahren<br />

und wie viele Schnitte ausgeführt wurden.<br />

Das sind wichtige Informationen für den<br />

technischen Kundenservice, etwa bei Wartungen<br />

oder dem Ersetzen von Maschinenteilen.<br />

Auch Steuerprogramme für bestimmte<br />

Rezepturen sind bereits in der Cloud<br />

abgespeichert und können für die Lebensmittel-Verarbeitung<br />

genutzt werden.<br />

„Die Schnittstelle zwischen Mensch und<br />

Maschine sowie die neu gestaltete Oberfläche<br />

sorgen dafür, dass wir Maschinenführer<br />

wesentlich schneller einarbeiten können“,<br />

unterstreicht Geschäftsführer Claus Rühle<br />

den Vorteil des Digitalisierungsprojekts.<br />

„Außerdem sorgt die Verfügbarkeit von<br />

Daten für eine schnelle und zuverlässige<br />

Einsatzplanung unseres Kundendienstes“,<br />

so Rühle. Eine Chat-Funktion innerhalb der<br />

Maschine soll künftig noch folgen. (nu) •<br />

42 <strong>Industrieanzeiger</strong> 04.19


Industrie<br />

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<strong>Industrieanzeiger</strong> 04.19 43


technik & wissen<br />

Der CNC-Simulator von Tebis prüft<br />

Komponenten, Positionen und<br />

Bewegungen. Bild: Tebis<br />

Fertigungsprozesse steuern mit dem NC-Simulator<br />

Vom Schreibtisch in<br />

die Werkstatt<br />

Automatisierung | Die Simulationstechnik von Tebis<br />

verspricht die detailgetreue Abbildung der realen Fertigungsumgebung<br />

in der virtuellen Welt. So lassen<br />

sich Abläufe im Vorfeld prozesssicher planen.<br />

Moderne Fertigungsprozesse sind komplex.<br />

Da gibt es zunächst die reine „Hardware“,<br />

also Maschinen, Werkzeuge, Spannmittel,<br />

Aggregate, Werkzeugwechsler. Bei der Bearbeitung<br />

muss genau bekannt sein, welche<br />

Bauteile sich mit welchen Maschinen und<br />

Werkzeugen auf welche Weise kollisionsfrei<br />

fertigen lassen. Und schließlich müssen alle<br />

Aufträge übergreifend – im eigenen Unternehmen<br />

wie bei den Lieferanten – steuerbar<br />

sein. Nur so ist sichergestellt, dass sämtliche<br />

Ressourcen optimal genutzt werden.<br />

Ein Kennzeichen fortschrittlicher Simulationstechnologien<br />

ist, dass sich die reale Fertigungsumgebung<br />

detailgetreu in der virtuellen<br />

Welt abbilden lässt: Während in der<br />

Maschinenbibliothek des Anbieters alle<br />

marktüblichen Maschinentypen unterschiedlicher<br />

Hersteller mit ihren geometrischen<br />

und kinematischen Eigenschaften hinterlegt<br />

sind, enthält die Werkzeugbibliothek<br />

alle Werkzeuge, mit denen der Anwender<br />

arbeitet.<br />

Der CAD/CAM-Softwareanbieter Tebis<br />

berücksichtigt dabei die Konturen der<br />

Werkzeuge genau. Hochleistungswerkzeuge<br />

– zum Beispiel HPC-Fräser zum Schruppen,<br />

HFC-Fräser zum Schlichten und Vorschlichten<br />

oder Kreissegmentfräser zum Schlichten<br />

– lassen sich so bestmöglich nutzen. Seit<br />

dem Release 6 verfügt die Software zudem<br />

über eine Aggregate-Bibliothek für weitere<br />

Zusatzeinrichtungen wie Backenfutter,<br />

Lünette und Spitze sowie Maschinentische,<br />

Anbauten und Trennwände. Auch virtuelle<br />

Spannmittel sind Teil des CAD/CAM-Systems.<br />

Planen mit virtueller Maschine<br />

Die Simulationstechnik ermöglicht, dass bereits<br />

bei der Planung mögliche Kollisionen<br />

ermittelt und korrigiert werden. So startet<br />

die NC-Programmierung auf Anhieb mit<br />

den geeigneten Aufspannungen, Werkzeugen<br />

und Anstellrichtungen. Da der Simulator<br />

vollständig in die CAD/CAM-Umgebung<br />

integriert ist, lassen sich Simulation<br />

und Kollisionsprüfung noch vor dem Postprocessing<br />

durchführen. Das ist einfacher<br />

und effizienter als den NC-Code zu simulieren<br />

und Anpassungen im steuerungsspezifischen<br />

NC-Format durchzuführen.<br />

Der CNC-Simulator prüft das komplette<br />

Bearbeitungsszenario: Dazu gehören Maschinen,<br />

Köpfe, Spannmittel, Aggregate, Anbauten,<br />

Bauteil, Rohteil, Werkzeuge, Werkzeugwechsel,<br />

Gültigkeit der Arbeitsebenen,<br />

Aufspannungen, Startpunkte und Anschlussbedingungen,<br />

Endschalter-Limitationen,<br />

Achs- und Verfahrbewegungen mit<br />

sämtlichen Zustellungen und Zwischenbewegungen<br />

sowie die Bearbeitungsplausibilität.<br />

Der NC-Programmierer entscheidet anwendungsorientiert,<br />

ob er gefundene Kon-<br />

44 <strong>Industrieanzeiger</strong> 04.19


GrindTec<br />

flikte akzeptiert oder ohne Neuberechnung<br />

beheben möchte.<br />

In der Werkstatt informiert sich der<br />

Maschinenbediener über Roh- und Bauteilgeometrien,<br />

über Aufspannungen und die<br />

verwendeten Werkzeuge. Bei Bedarf lassen<br />

sich Technologiedaten wie Vorschübe oder<br />

Spindeldrehzahl, Aufspannungen oder die<br />

Abarbeitungsreihenfolge bis hin zu einem<br />

Maschinenwechsel schnell und einfach ändern.<br />

Die CAD/CAM-Software mag noch so<br />

gut sein – wer seine Aufträge digital und automatisiert<br />

planen, abwickeln und steuern<br />

möchte, kommt um eine integrierte MES-<br />

Lösung (Manufacturing Execution System)<br />

nicht herum. Proleis ist daher fester Bestandteil<br />

der Tebis-Software-Entwicklung.<br />

(Mehr Infos dazu im Kurz-Interview unten).<br />

Hier sind die Fertigungsumgebung, die Verfügbarkeit<br />

der Ressourcen, das Fertigungswissen,<br />

die Fertigungsdauer sowie die Erkenntnisse<br />

aus zurückliegenden Projekten<br />

gespeichert. Zudem sind Auftragsabläufe<br />

inklusive Materiallogistik und Terminen<br />

hinterlegt – sowohl die des eigenen Unternehmens,<br />

als auch die der Lieferanten und<br />

Dienstleister.<br />

•<br />

Reiner Schmid<br />

Leiter Produktmanagement bei Tebis in<br />

Martinsried<br />

GrindTec<br />

2020<br />

Robert Aulbur,<br />

„Sprung in die digitalisierte Fertigung“<br />

Geschäftsführer Tebis<br />

Proleis. Bild: Tebis<br />

Viele KMU scheuen sich noch<br />

vor dem Einstieg in Industrie<br />

4.0, weil er aufwendig und<br />

teuer erscheint. Was erwidern<br />

Sie?<br />

Sobald wir mit einem KMU-<br />

Anbieter sprechen und unsere<br />

Lösung konkret vorstellen, legen<br />

sich die Ängste meist rasch.<br />

Denn: Beim Sprung in die digitalisierte<br />

Fertigung bietet ein<br />

MES wie Proleis ganz unkomplizierte<br />

Einstiegshilfen auch für<br />

kleinere Firmen. Das Potenzial<br />

wird schnell ersichtlich. Die<br />

Software liefert aktuelle Daten<br />

in Echtzeit – über alle Bereiche<br />

des Unternehmens hinweg – und<br />

gibt einen exakten Überblick<br />

über die Fertigung. Das ist die<br />

Grundlage für eine wirtschaft -<br />

lichere Fertigung im Unternehmen.<br />

Hier versteht sich Proleis<br />

als Integrationsplattform in<br />

einer klassisch heterogenen Umgebung.<br />

Wie fange ich am besten an?<br />

Unserer Meinung nach ist es<br />

gut, – und auch strategisch clever<br />

– schrittweise anzufangen.<br />

Vor diesem Hintergrund haben<br />

wir unsere Lösung so ent -<br />

wickelt, dass sie unkompliziert<br />

Schritt für Schritt eingeführt<br />

werden kann. Erweiterungen<br />

sind auch mittelfristig möglich.<br />

Ein Konfigurator ermöglicht zudem,<br />

dass für jeden Rolleninhaber<br />

eine eigene Ansicht erstellt<br />

werden kann.<br />

Wann können Unternehmen<br />

mit ersten Erfolgen oder einem<br />

Return on Invest rechnen?<br />

Die ersten Erfolge können Unternehmen<br />

schon unmittelbar<br />

nach der Implementierung und<br />

Produktivschaltung der jeweiligen<br />

Software-Module auf Basis<br />

aller aktuell erhobenen, individuellen<br />

Daten und Statistiken<br />

erwarten. Darauf aufbauend ergeben<br />

sich dann die Ansatzpunkte<br />

für weitere wichtige Anpassungen.<br />

Vor diesem Hintergrund<br />

kann der Kunde sein Fertigungsmanagement<br />

zielgerichtet<br />

weiter digitalisieren und individualisieren.<br />

(kf)<br />

Weltleitmesse der<br />

Schleiftechnik<br />

18. – 21. März<br />

Messe Augsburg<br />

Top-Ergebnisse für die 643 Aus–<br />

steller, Bestnoten von den 19.100<br />

Besuchern aus 54 Nationen:<br />

91% 6 % 3 %<br />

91 % der Aussteller * vergaben für<br />

das geschäftliche Ergebnis ihrer<br />

Beteiligung die Noten 1 („sehr gut“),<br />

2 oder 3. Für eine 4 reichte es bei<br />

6 %. Nur 3 % waren unzufrieden, sie<br />

verteilten die Noten 5 oder 6.<br />

* Gelszus Messe-Marktforschung, Dortmund<br />

Informationen +<br />

Anmeldeunterlagen<br />

www.grindtec.de<br />

Fachlicher Träger: FDPW Fachverband der<br />

Präzisionswerkzeugmechaniker, www.fdpw.de<br />

Veranstalter: AFAG Messen u. Ausstellungen GmbH<br />

<strong>Industrieanzeiger</strong> 04.19 Am Messezentrum 5, 86159 Augsburg, www.grindtec.de 45


technik & wissen<br />

Der langjährige Proalpha-Kunde<br />

Spelsberg führte den „Proof of Concept“<br />

der ERP-basierten Steuerung auf zwei<br />

Fertigungsmaschinen durch.<br />

Produktionsmaschinen direkt aus dem ERP-System ansteuern<br />

Maschine rüstet<br />

sich allein<br />

ERP-System | Proalpha hat einen Prototyp für eine<br />

ERP-basierte Maschinensteuerung auf Basis eines<br />

Raspberry Pi entwickelt und beim Pilotkunden Spelsberg<br />

auf die Probe gestellt. Damit verkürzt dieser<br />

Rüstzeiten und entlastet Mitarbeiter. ❧ Karin Faulstroh<br />

Es begann auf einem Proalpha-Workshop. Vor dem<br />

Hintergrund, dass ERP-Systeme immer mehr Fertigungsprozesse<br />

eigenständig übernehmen können, tauchte<br />

die Frage auf, ob und wie sich die Software unmittelbar<br />

zur Maschinensteuerung und zur Erfassung von<br />

Produktionszuständen einsetzen ließe. Ein Team aus<br />

Beratern, Entwicklern und dem Vertrieb von Proalpha<br />

entwickelte daraufhin einen Prototypen auf Basis eines<br />

Raspberry-Pi-PC. Er soll die direkte Ansteuerung von<br />

Produktionsmaschinen aus dem ERP-System heraus<br />

möglich machen.<br />

Der Einplatinenrechner empfängt Produktionsbefehle,<br />

verarbeitet sie und leitet sie an die Maschine weiter.<br />

Zunächst galt es jedoch, dem ERP-System den Umgang<br />

mit Maschinendaten „beizubringen“. Dazu erweiterte<br />

das Team die Software um Maschinenkommunikationsdaten,<br />

beispielsweise Start- und Stopp-Befehlen, Transportprotokoll<br />

und IP-Adressen. Ebenso wurde die unternehmenseigene<br />

Schnittstellenplattform INWB um<br />

einen neuen Nachrichtentyp ergänzt. Pax-Pi kümmert<br />

sich um die Kommunikation zwischen ERP-System und<br />

Raspberry Pi. Technisch sieht das so aus: Das ERP-System<br />

schickt eine Nachricht an die Plattform. Dort wird<br />

der Maschinenbefehl zusammengesetzt und an den Einplatinen-PC<br />

gesendet. Dieser kommuniziert mit der<br />

Maschine über die Netzwerkprotokolle TCP/IP.<br />

Gemeinsam mit dem Pilotkunden des Systems, dem<br />

Familienunternehmen Spelsberg mit Sitz in Schalksmühle,<br />

entwickelte das Team außerdem ein Konzept für<br />

einen Rückkanal, der einen Informationsfluss von der<br />

Maschine an das ERP ermöglicht.<br />

Spelsberg ist als Hersteller vor allem im Bereich der<br />

Elektroinstallations- und Gehäusetechnik tätig. Täglich<br />

werden in den Produktionsstätten in Schalksmühle<br />

(Nordrhein-Westfalen) und Buttstädt (Thüringen) rund<br />

150.000 Kunststoffgehäuse produziert. Das Thema<br />

ERP-basierte Maschinensteuerung stand bei dem Proalpha-Kunden<br />

schon länger im Raum.<br />

„Im Zuge unseres Industrie-4.0-Projekts, in dem ich<br />

das Produktionsportal auf Basis des Proalpha-Webportals<br />

erstellt habe, hatten wir uns bereits mit dem Thema<br />

Maschinenkommunikation über das ERP-System beschäftigt“,<br />

erläutert Cynthia Schmeißer, ERP-Beauftrage<br />

bei Spelsberg. „Die Mitarbeiter sollten sich so wenig<br />

46 <strong>Industrieanzeiger</strong> 04.19


nicht dieselbe Sprache sprechen, gekoppelt werden<br />

mussten“, erinnert sich Schmeißer. Die ersten Tests wurden<br />

daher mit einem Maschinensimulator durchgeführt.<br />

„Es war nicht ersichtlich, wieso die Maschine keine<br />

Daten empfängt, obwohl wir welche gesendet hatten“,<br />

erklärt Schmeißer. „Mit dem Maschinensimulator<br />

konnten wir sichergehen, dass die übermittelten Daten<br />

richtig sind.“<br />

Häufiges Problem nämlich, so Schmeißer, sei die<br />

Übermittlung falscher Daten an die Maschine, da die<br />

Maschinenhersteller den Aufbau definieren. Nachdem<br />

der Kommunikationsweg stand, wurden erste Mitarbeiter<br />

auf die neuen Maschinen geschult und durften Er-<br />

„Die Mitarbeiter haben sich mit dem<br />

System angefreundet und es kommt<br />

positives Feedback verbunden mit dem<br />

Wunsch, weitere Maschinen einzubinden“,<br />

freut sich Cynthia Schmeißer, ERP-<br />

Verantwortliche bei Spelsberg.<br />

wie möglich mit dem Umrüsten der Maschinen aufhalten<br />

und gleich loslegen können. Daher wollten wir, dass<br />

Proalpha die Informationen direkt an die Maschinen<br />

gibt, die sich daraufhin von alleine rüsten.“ Da es bei<br />

dem ERP-Anbieter bis dahin nicht die Möglichkeit einer<br />

Maschinenkommunikation gab, ließ sich Spelsberg dies<br />

zunächst als Anpassung programmieren. „Als wir dann<br />

hörten, dass Proalpha die Maschinenkommunikation<br />

als Standard umsetzen möchte und dafür Pilotkunden<br />

sucht, haben wir uns direkt angeboten, da wir bereits<br />

Erfahrungen in dem Bereich gesammelt haben“, fährt<br />

Schmeißer fort.<br />

Vom Konzept zum Prototyp<br />

Die Erprobung des Prototyps fand im Januar 2018<br />

statt. Spelsberg führte den „Proof of Concept“ auf zwei<br />

Fertigungsmaschinen aus der Produktion durch. Die<br />

eine Maschine versieht die vorbereiteten Gehäuse mit<br />

der Produktionsnummer und setzt, wenn notwendig,<br />

Stopfen ein. Die zweite Maschine montiert – gesteuert<br />

durch Proalpha – Schrauben in den Deckel. Der jeweilige<br />

Produktionsfortschritt wird automatisiert über den<br />

Rückkanal an das ERP-System gemeldet. Die Software<br />

steuert damit die Fertigung auf Basis von Echtzeitdaten.<br />

„Der Anfang war sehr schwer, da zwei Systeme, die<br />

fahrungen im Echtbetrieb sammeln. Nach einigen Startschwierigkeiten<br />

freundeten sie sich mit dem System an.<br />

„Mittlerweile merken wir die Vorteile des Systems,<br />

welche primär die niedrigeren Rüstzeiten sind“, so<br />

Schmeißer. Denn: Das ERP startet und beendet nicht<br />

nur Aufträge, sondern kümmert sich auch um die passende<br />

Werkzeugauswahl – eine Entlastung für die Maschinenführung.<br />

„Aus der Belegschaft kommt positives<br />

Feedback und der Wunsch, weitere Maschinen einzubinden.“<br />

Dies soll geschehen, sobald die Pilotprogramme<br />

freigegeben werden. „Sobald die Umstellung erfolgreich<br />

durchgeführt wurde, werden wir die Kommunikation<br />

für weitere Maschinen einstellen“, so Schmeißer.<br />

Zudem soll eine automatische Fertigmeldung durchgeführt<br />

werden. „Der Prototyp läuft bereits im Produk -<br />

tionsportal von Spelsberg“, freut sich die ERP-Beauftragte.<br />

Das Portal bietet eine Übersicht aller verfügbaren<br />

Produktionsaufträge und benötigten Materialien<br />

und dient als Schaltzentrale der Fertigung. „Wenn wir<br />

auf den Button zum Starten des Auftrags klicken, leitet<br />

das Portal den Befehl zum Ausführen der Maschinenkommunikation<br />

an Proalpha weiter“, beschreibt sie den<br />

Mehrwert des Systems, das nicht nur für die Mitarbeiter<br />

am Band, sondern auch in der Administration eine deutliche<br />

Erleichterung darstellt.<br />

•<br />

Der Prototyp ist bereits<br />

im Spelsberg-Produk -<br />

tionsportal eingebunden.<br />

Bilder: Spelsberg<br />

<strong>Industrieanzeiger</strong> 04.19 47


technik & wissen<br />

Rückrufaktionen sparen und frühzeitig<br />

das Produkt und die Produktion verbessern:<br />

Der digitale Zwilling macht das möglich.<br />

Bild: Gorodenkoff/Fotolia<br />

Simulation kann das Zusammenspiel von Komponenten testen<br />

Virtueller Zwilling<br />

spart Kosten<br />

Software | Fehlerhafte Komponenten oder Störungen<br />

können Unternehmen in Rückrufaktionen viel Geld<br />

kosten. Abhilfe leistet der digitale Zwilling, der vorab<br />

genaue Tests ermöglicht.<br />

Die Schlagzeilen machen Sorgen: Rückorderung<br />

von 2,4 Mio. Fahrzeugen eines japanischen<br />

Autobauers oder Rückruf von<br />

140.000 Autos in China eines deutschen<br />

Herstellers. Gründe dafür waren jeweils fehlerhafte<br />

Teile oder Störungen. Die Rückrufe<br />

kosten Hersteller viel Geld und schädigen<br />

die Reputation. Solche Aktionen könnte<br />

zukünftig der digitale Zwilling vermeiden.<br />

Ein digitaler Zwilling ist die virtuelle<br />

Kopie realer Produkte, Maschinen oder Prozesse.<br />

Um diese Kopien anzufertigen, erfassen<br />

Sensoren fortlaufend Daten in der rea-<br />

len Welt und speichern diese in einer<br />

(Cloud-)Datenbank. „Der Zwilling repräsentiert<br />

dann in der digitalen Welt dieselben<br />

Eigenschaften und Informationen wie sein<br />

Pendant in der realen Welt“, sagt Georg<br />

Rätker, Vice President Auto/Mi Solutions<br />

und Geschäftsführer bei T-Onsite Service,<br />

einer IT-Service-Tochtergesellschaft von<br />

T-Systems.<br />

Digitalen Doppelgänger nahtlos in<br />

bestehende IT-Systeme einbinden<br />

Mithilfe des digitalen Zwillings können<br />

Zustand, Eigenschaften und Verhalten des<br />

physischen Objekts auf Basis des dynamischen<br />

Datenmodells jederzeit visualisiert,<br />

analysiert, vorhergesagt und angepasst werden.<br />

Produkte lassen sich so direkt ‚richtig‘<br />

designen, umfassend testen und kontinuierlich<br />

verbessern. Außerdem lässt sich der<br />

digitale Zwilling nahtlos in bestehende<br />

PLM-, ERP-, MES- und CRM-Systeme integrieren.<br />

So können beispielsweise Autobauer<br />

das virtuelle Abbild nutzen, um ihre Fahrzeuge<br />

auf Grundlage der vernetzten Daten<br />

konsequent weiterzuentwickeln.<br />

Die Anwendungsmöglichkeiten des virtuellen<br />

Doppelgängers kennen keine Grenzen<br />

48 <strong>Industrieanzeiger</strong> 04.19


und beginnen schon in der Design- und Entwicklungsphase:<br />

Mittels digitaler Produktentwürfe<br />

simulieren Ingenieure etwa verschiedene<br />

Lastszenarien an Autoteilen oder<br />

kompletten Fahrzeugen – bis hin zum virtuellen<br />

Crashtest. Damit sind weniger physische<br />

Prototypen nötig. Erst wenn der Hersteller<br />

mit den digitalen Tests zufrieden ist,<br />

nutzt er diese zur Verifizierung. Material-,<br />

Zeit- und Kostenaufwand sinken so deutlich.<br />

Digitale Zwillinge helfen Unternehmen,<br />

sich durch die Auswertung von Echtdaten<br />

in Simulationsmodellen und Tests der<br />

wir nachbessern? Antworten liefert die virtuelle<br />

Kopie der Komponenten.<br />

Auch in der Produktion sorgt der digitale<br />

Zwilling für mehr Transparenz. Er zeigt in<br />

Echtzeit, welche Teile im Fahrzeug verbaut<br />

und welche Arbeiten erledigt sind. So kann<br />

die Bauzeit deutlich verkürzt werden, da<br />

Sensoren die Produktionsfortschritte kontinuierlich<br />

erfassen und intelligente IT-Systeme<br />

diese aufbereiten – ohne, dass die Arbeiter<br />

die einzelnen Schritte zurückmelden<br />

müssen. Damit sinken Kosten und Aufwand<br />

für das manuelle Erfassen der Arbeitsab -<br />

Softwarearchitekten jederzeit Zugriff auf<br />

die aktuellen Betriebsdaten erhalten. „Sie<br />

sehen direkt in einem grafischen Dashboard,<br />

was mit der Bremse im Testumfeld oder<br />

in der realen Welt los ist. Anhand der sich<br />

ständig verändernden Parameter können die<br />

Entwickler ihre bisherigen Annahmen überprüfen<br />

und notfalls korrigieren – für das<br />

Design einer noch besseren, widerstandfähigeren<br />

Bremse“, erläutert Leidig. So lassen<br />

sich theoretisch auch alle anderen Fahrzeugkomponenten<br />

sukzessive optimieren und<br />

letztlich zuverlässigere Autos bauen.<br />

Anhand eines virtuellen Zwillings<br />

einer Autobremse sammeln T-Systems<br />

und PTC aktuelle Betriebsdaten in<br />

einer digitalen Fahrzeugakte.<br />

Entwickler können so ihre<br />

Annahmen direkt überprüfen und<br />

gegebenenfalls korrigieren.<br />

Bild: T-Systems<br />

Realität noch stärker anzunähern. Designer<br />

und Ingenieure können zudem das Zusammenspiel<br />

tausender Fahrzeugteile auf Auffälligkeiten<br />

untersuchen, am Rechner neu<br />

simulieren, testen und optimieren. Wie verhalten<br />

sich Motor, Bremse und Achse untereinander?<br />

Was harmoniert gut? Wo müssen<br />

Fakten zum<br />

digitalen Zwilling<br />

Laut einer Studie vom Beratungshaus Gartner<br />

gehört der digitale Zwilling zu den zehn<br />

wichtigsten strategischen Technologietrends:<br />

• Bis 2021 werde die Hälfte aller großen<br />

Unternehmen Digital Twins nutzen.<br />

• Die Effektivität von Unternehmen steigere<br />

sich um 10 %.<br />

• Prognose: Bis 2020 werden 21 Mrd. Sensoren<br />

und Endpunkte angeschlossen, um<br />

digitale Zwillinge erstellen zu können.<br />

läufe und gleichzeitig die Risiken für eine<br />

Produktionsverzögerung.<br />

Das Potenzial des digitalen Zwillings<br />

reicht weit über den Entwicklungs- und Produktionsprozess<br />

hinaus. Selbst in der Betriebsphase<br />

eines Fahrzeugs kann das virtuelle<br />

Abbild Realdaten an den Autobauer zurückspielen.<br />

Indem der PKW während des<br />

laufenden Betriebs permanent Fahrzeugdaten<br />

an seine virtuelle Kopie sendet, liefert<br />

die Technik viele neue Business-Ansätze für<br />

die Zukunft. Ein Einsatzbeispiel hat T-Systems<br />

gemeinsam mit PTC realisiert. „Wir<br />

haben eine Autobremse aus einem Van mit<br />

Sensoren ausgestattet. Diese lesen Zustandsund<br />

Verbrauchswerte wie die Drehgeschwindigkeit<br />

und Temperatur der Bremsscheibe,<br />

den Druck auf das Bremspedal oder<br />

den daraus resultierenden Bremsdruck in<br />

Echtzeit aus. Die Daten werden dem Hersteller<br />

dann in einer Cloud-IoT-Plattform<br />

oder auch direkt in der Arbeitsumgebung<br />

des Bremsen-Ingenieurs – etwa einem CAD-<br />

System – bereitgestellt“, erklärt Sascha Leidig,<br />

Leiter des PLM-Kompetenzzentrums<br />

von T-Systems.<br />

So entsteht eine digitale Fahrzeugakte,<br />

über die alle Ingenieure, Elektroniker und<br />

Auch die vorausschauende Wartung von<br />

Fahrzeugen lässt sich durch echte Betriebsdaten<br />

signifikant verbessern, etwa indem<br />

künstliche Intelligenz (KI) hinzukommt.<br />

„Die KI-Analyse hilft den Herstellern,<br />

etwaige Abweichungen, sogenannte Anomalien,<br />

vom normalen, zu erwartenden Verhalten<br />

der Bremse automatisch zu erkennen“,<br />

sagt Leidig. „Dadurch können sicherheitskritische<br />

Indikationen schon direkt im Entwicklungsprozess<br />

berücksichtigt werden,<br />

um die Bremse nachzubessern.“<br />

Rätker von T-Onsite Service ergänzt:<br />

„Das Interesse aus der Industrie ist groß:<br />

Auf der Zulieferermesse IZB in Wolfsburg<br />

im Oktober 2018 hat unser Demonstrator<br />

für etliche Nachfragen und gute Gespräche<br />

gesorgt.“ Außerdem liefert die KI-Technik<br />

auch ein noch genaueres Bild vom Verschleiß<br />

der Autoteile. Dank des ständigen<br />

Datenaustauschs zwischen Auto und virtueller<br />

Kopie sind weitaus zuverlässigere<br />

Prognosen möglich. Die Hersteller sehen so,<br />

welche Komponenten am PKW wie schnell<br />

verschleißen und wann sie ausgetauscht<br />

werden sollten, bevor es zum Schaden oder<br />

gar Ausfall des Fahrzeugs kommt. (nu) •<br />

<strong>Industrieanzeiger</strong> 04.19 49


technik & wissen<br />

Die neuartige, Industrie-4.0-konforme<br />

Flachstricktechnologie von Stoll profiliert<br />

sich mit ihren besonderen Formbildungs -<br />

fähigkeiten. Bild: Stoll<br />

7. Anwenderforum<br />

Smart Textiles<br />

Wann: 27. und 28. Februar 2019<br />

Wo: Bad Waldsee<br />

Programm: https://bit.ly/2rv2ESt<br />

Infos: Sabine Keller,<br />

Tel. +49 711 9340-505,<br />

E-Mail: veranstaltung@ditf.de<br />

Anwenderforum Smart Textiles: Impulse für Innovationen<br />

Textilien<br />

mit Intelligenz<br />

Smarte Textilien | Ideen und Impulse für Innovationen<br />

sind die Perlen, die Mittelständler auf dem 7. Anwenderforum<br />

Smart Textiles sammeln können. Sie ergeben<br />

sich fast zwangsläufig aus den F+E-Ergebnissen deutscher<br />

Textilforscher.<br />

Intelligente Textilien halten neuerdings<br />

Einzug in Produktion und Logistik. Ob<br />

Hightech-Handschuhe für den Einsatz im<br />

Fahrzeugbau, textile Touchscreens zum<br />

Steuern von Maschinen oder auch textile<br />

Sensoren für das Screening von Bauteilen<br />

oder menschlichen Gesundheitsdaten: Smarte<br />

Textilien sind im Kommen und erfahren<br />

als Bereich der Technischen Textilien<br />

starken Input insbesondere aus dem<br />

deutschsprachigen Raum.<br />

Die jüngsten Trends stellt Ende Februar<br />

das 7. Anwenderforum Smart Textiles in<br />

Bad Waldsee vor. Auch der gastgebende<br />

Caravan- und Reisemobilhersteller Hymer<br />

zeigt sich interessiert an den neuesten<br />

Forschungsergebnissen für Produkte mit<br />

intelligenten Funktionen, wie sie die Textilforschungsinstitute<br />

wie Denkendorf (DITF),<br />

Aachen (ITA), Chemnitz (STFI), Dresden<br />

(ITM) oder Greiz (TITV) liefern.<br />

„Das interdisziplinäre Forum will Anregungen<br />

für neue Produkte, Dienstleistungen<br />

und Technologien geben und zugleich die<br />

Smart-Textiles-Kompetenzen in der Dach-<br />

Region bündeln“, sagt Veranstalter Professor<br />

Götz T. Gresser von den Deutschen<br />

Instituten für Textil- und Faserforschung<br />

(DITF). Jüngste smarttextile Lösung am<br />

größten europäischen Forschungsstandort<br />

ist zum Beispiel „SensHand“ – ein senso -<br />

rischer Handschuh, der Lageristen beim<br />

Heben von Lasten unterstützt.<br />

Die deutsche Textilindustrie hat sich<br />

nach tiefgreifendem Strukturwandel im<br />

50 <strong>Industrieanzeiger</strong> 04.19


Die „SensHand“ bietet eine Lösung zur<br />

Entlastung des Logistikpersonals:<br />

Schweres Heben ist passé. Bild: DITF<br />

Textilien mit homogenem Leuchten: Die<br />

LED-Lösung von Eschler wird in Bad Waldsee<br />

gezeigt werden. Bild: Eschler Textil<br />

vergleichsweise jungen Geschäftsfeld Technische<br />

Textilien eine international führende<br />

Position erarbeitet. Analysten sind sich weltweit<br />

einig, trotz unterschiedlicher Zahlenansätze:<br />

Dieser Markt wird weiter stark<br />

anwachsen.<br />

Prognosen zufolge wird die Nachfrage<br />

aus Anwendungsfeldern wie Architektur,<br />

Fashion, Automotive, Verteidigung, Sport<br />

und Fitness oder dem Medizinbereich für<br />

Europa bis 2022 ein durchschnittliches jährliches<br />

Wachstum von über 25 % bringen.<br />

Neue technologische Möglichkeiten etwa<br />

bei der textilen Sensorik, Thermoenergie -<br />

erzeugung oder bei technotextilen Beleuchtungslösungen<br />

sollen schon bis 2021 eine<br />

Verdopplung des Weltmarktvolumens gegenüber<br />

2016 bewirken.<br />

Damit Deutschland seine Spitzenposition<br />

hält, muss vor allem beim Transfer der<br />

Lösungen in den Markt Tempo aufgenommen<br />

werden. Das hilft auch Mittelständlern,<br />

die nach innovativen Ansätzen in ihren<br />

Produktfeldern und neuartige Anwendungen<br />

suchen. Zu diesem Zweck stellen<br />

Entwickler ihre smarttextilen Innovationen<br />

in Bad Waldsee vor:<br />

Larissa Pogacnik, Produktmanagerin mit<br />

Schwerpunkt Smart Textiles bei Eschler in<br />

Balingen, wird neue Lösungen bei elektrisch<br />

leitfähigen Gewirken präsentieren, die heizen,<br />

leuchten oder sensorische Eigenschaften<br />

besitzen. Dazu gehört ein gemeinsam<br />

mit der Schoeller Textil AG entwickeltes beheizbares<br />

Softshell-Material. Konzipiert als<br />

Meterware, lässt es sich individuell zuschneiden.<br />

Für textile Beleuchtungslösungen entstand<br />

ein intelligenter Schichtaufbau, der<br />

das ursprünglich punktuelle Licht integrierter<br />

LEDs homogen verteilt und so ein<br />

stimmungsvolles Ambiente erzeugt. Dank<br />

strukturierter Stoffe lässt sich die Oberfläche<br />

dabei individuell gestalten.<br />

Die smarte Servicewelt von morgen wird<br />

in der Storefactory von Adidas erlebbar. Als<br />

Branchenbeispiel für Industrialisierung 4.0<br />

wurde in Berlin der Produktionsprozess<br />

Stricken in der gesamten Prozesskette<br />

digital abgebildet. Dr. Timm Wagner vom<br />

Adidas-Future-Team erläutert in Bad Waldsee,<br />

wie Losgrößen 1 möglich werden: Die<br />

Storefactory bietet dem Kunden die Möglichkeit,<br />

Produkte im Laden nach eigenen<br />

Wünschen zu gestalten und sofort produzieren<br />

zu lassen.<br />

Nach dem Motto „Challenging Limits –<br />

vom Sensor zum Geschäftsmodell“ steht die<br />

intelligente Interpretation technotextiler<br />

Sensordaten im Mittelpunkt des Beitrags<br />

von Christian Wenner. Der Bereichsleiter<br />

Strategie & Portfoliomanagement der<br />

Kapsch BusinessCom AG, Wien, geht auf<br />

Entwicklungsmöglichkeiten von End-2-<br />

End-L ösungen in der gesamten Breite<br />

textiler Anwendungsfälle ein – darunter das<br />

Monitoring menschlicher Vitaldaten, die<br />

Überwachung von Dachbelastungen mit<br />

Schnee oder Feuchtigkeit oder die textil -<br />

basierte Überwachung von Maschinen.<br />

Martin Legner informiert bei dem Expertentreffen<br />

über die neuartige Flachstricktechnologie<br />

der H. Stoll AG & Co. KG. Der<br />

Bereichsleiter Technical Textiles Application<br />

des Reutlinger Unternehmens geht dabei<br />

besonders auf die Formbildungsfähigkeiten<br />

und Optionen zur Strukturausgestaltung<br />

ein, die fortgeschrittene Halb- oder Fertigprodukte<br />

ermöglichen. Sie bieten Eigenschaften<br />

zwischen gestrickten, gewirkten<br />

und gewebten Textilqualitäten. Die Breite<br />

der verwendbaren Materialien, ihre technologische<br />

Variabilität je nach Einsatzbereich<br />

der Produkte sowie die Industrie-4.0-<br />

Konformität der Fertigung spiegeln den<br />

Anspruch der Entwickler auf eine im<br />

Wortsinn smarte Lösung wider. •<br />

Hans-Werner Oertel<br />

Technologiejournalist in Berlin<br />

<strong>Industrieanzeiger</strong> 04.19 51


technik & wissen<br />

Vielleicht nicht ganz so<br />

fiktiv wie auf dem Bild,<br />

aber selbstlernende Software-Roboter<br />

sollen uns<br />

schon bald von einfachen<br />

Büroarbeiten erlösen.<br />

Bild: kinwun/Fotolia<br />

Fünf Forschungspartner entwickeln selbstlernende Software-Roboter<br />

Roboter, bitte zum<br />

Diktat<br />

Künstliche Intelligenz | In der modernen Fabrik gehört<br />

er längst zum Stamm-Personal. Jetzt meldet<br />

sich Kollege Roboter zum Dienst im Büro, um uns von<br />

Routinearbeiten zu befreien. Lösungen soll es bald<br />

auch für KMU geben.<br />

Nach der Automatisierung in der industriellen Produktion<br />

ist es mithilfe von Software-Robotern inzwischen<br />

auch möglich, wiederkehrende, regelbasierte digitale<br />

Prozesse im Büroalltag zu automatisieren. Die auf diese<br />

Weise von Routineaufgaben befreiten Mitarbeiter aus<br />

Fleisch und Blut sollen sich so anspruchsvolleren Tätigkeiten<br />

widmen können. Die Umsetzung dieser robotergestützten<br />

Prozessautomatisierung gilt bislang jedoch<br />

als aufwendig und teuer, denn vor dem Start müssen Geschäftsprozesse<br />

genau identifiziert und dokumentiert<br />

werden.<br />

Das vom Bundesministerium für Forschung und Bildung<br />

(BMFB) mit einem siebenstelligen Betrag geförderte<br />

Forschungsprojekt KI.RPA hat es sich zur Aufgabe<br />

gemacht, das zu ändern: Seit wenigen Monaten verfolgt<br />

das auf zweieinhalb Jahre angelegte Projekt einen vielversprechenden<br />

Lösungsansatz für autonome Prozessoptimierung.<br />

Grundlage ist eine, wie es heißt, bisher einmalige<br />

technologische Kombination von künstlicher Intelligenz<br />

(KI), Robotic Process Automation (RPA) und<br />

Process-Mining. Letzt genanntes ist eine Technik, um<br />

Geschäftsprozesse in Organisationen aufgrund von<br />

digitalen Spuren zu analysieren und zu rekonstruieren.<br />

Hinter dem Projekt steht ein Forschungskonsortium<br />

unter Leitung des Darmstädter Robotik-Spezialisten<br />

Servicetrace. Weitere Projektpartner sind das gemeinnützige<br />

August-Wilhelm-Scheer Institut für digitale Produkte<br />

und Prozesse (AWSi), das seine Kompetenzen in<br />

Desktop Mining und Prozessmanagement beisteuert,<br />

die Process Analytics Factory (PAF) als Spezialist und<br />

Lösungsanbieter für Process Mining, die TU Darmstadt<br />

(Telecooperation Lab) als Experte für die Verbindung<br />

von KI und Process Mining sowie die Deutsche Telekom<br />

Service (DTS) als Praxispartner.<br />

„Ziel des Forschungsprojekts ist es, ein innovatives<br />

Softwaresystem zu entwickeln, welches die Interaktion<br />

des Menschen mit dem Computer aus Sicht des Anwenders<br />

erfasst und analysiert“, erklärt Servicetrace-CEO<br />

Markus Duus. „Mit diesen Informationen ist das System<br />

dann in der Lage, mithilfe von Machine-Learning-<br />

Techniken selbstständig einen Prozessablauf zu identifizieren,<br />

zu konstruieren und zu automatisieren – ein<br />

selbstlernendes System.“ Mit ihm sollen Unternehmen<br />

künftig virtuelle Mitarbeiter-Pools auf Basis von RPA<br />

52 <strong>Industrieanzeiger</strong> 04.19


erschaffen können, die menschliche Mitarbeiter bei<br />

Routine-Aufgaben unterstützen. Dies jedoch ohne die<br />

Beschränkungen heutiger Software-Roboter, wie hohem<br />

Konfigurationsaufwand, starr vorgegebenen Abläufen<br />

sowie geringen Freiheitsgraden im Prozessablauf.<br />

Eine Zukunftsvision könnte wahr werden<br />

Das Projektteam hat dafür bereits ein neuartiges Softwaresystem<br />

entwickelt, das die Daten und Arbeitsschritte<br />

verschiedener End-to-End-Prozesse direkt an der<br />

menschlichen Schnittstelle erfasst und analysiert und<br />

den Prozess dann selbstständig lernt und ihn anschließend<br />

sogar selbst in einer optimierten Form ausführt.<br />

”<br />

Quelle:<br />

Es ist im Grunde der Traum jeder<br />

Industrie: Eine Technologie, die<br />

selbstständig lernt und handelt.“<br />

Tobias Rother, CEO Process Analytics Factory<br />

Das Process-Mining-Tool PAF-<br />

now liefert das datenbasierte<br />

technologische Grundgerüst<br />

für die robotergestützte Prozess-<br />

automatisierung.<br />

Bild: Process Analytics Factory<br />

Eine Zukunftsvision, so hoffen die Beteiligten, könnte<br />

Realität werden: Das geschlossene System, das vollständig<br />

autonom und sich selbst optimierend ohne Eingriffe<br />

von außen agiert. „Es ist im Grunde der Traum jeder<br />

Industrie: Eine Technologie, die selbstständig lernt und<br />

handelt. Mit unserem an jedem digitalen Arbeitsplatz<br />

einsetzbaren Process-Mining-Tool PAFnow liefern wir<br />

hierzu das datenbasierte technologische Grundgerüst<br />

und damit sozusagen die Denkstruktur des Systems“,<br />

erklärt PAF-CEO Tobias Rother die Rolle des Process-<br />

Mining-Verfahrens innerhalb der Lösung.<br />

Kernelement des Tools ist eine KI, die in der Lage ist,<br />

die manuellen Arbeitsschritte der menschlichen Anwender<br />

bei der Eingabemaske zu untersuchen. Rückgrat der<br />

Software werden eigens von KI.RPA auf Basis von<br />

Deep- und Machine Learning entwickelte Algorithmen<br />

sowie eine Process Robotics Engine sein. „Unsere Forschung<br />

verbindet KI mit Process Mining und fand schon<br />

mehrfach erfolgreich den Weg in die Praxis; das macht<br />

uns sehr zuversichtlich für die nächste Stufe, nämlich<br />

die KI-basierte Automation mühseliger Bildschirmarbeit<br />

für Unternehmensprozesse“, erklärt Dr. Max Mühlhäuser,<br />

Leiter Telecooperation Lab des Fachbereichs Informatik<br />

an der TU Darmstadt.<br />

Ein Software-Roboter entlastet fünf Mitarbeiter<br />

Das dahinterliegende Potenzial, so heißt es, sei enorm:<br />

Im Regelfall könne ein Software-Roboter bis zu fünf<br />

Mitarbeiter von repetitiven Abläufen entlasten. Der<br />

Mensch könne sich dann Aufgaben widmen, bei denen<br />

seine einzigartige Erfahrung und Entscheidungsfähigkeit<br />

gefragt seien. „Künstliche Intelligenz revolutioniert<br />

die klassische Büroarbeit. In KI.RPA entwickeln wir intelligente,<br />

selbstlernende Software-Roboter, die Prozesse<br />

strukturieren und automatisieren. Unternehmen werden<br />

effizienter, Mitarbeiter können freier und kreativer arbeiten“,<br />

so Dr. Christian Linn, Digitization Professional<br />

beim AWSi. Die von den Projektpartnern angestrebte<br />

Lösung richtet sich hierbei nicht nur an große, sondern<br />

auch an kleine und mittlere Unternehmen, denen RPA-<br />

Lösungen aufgrund des kostenintensiven, externen<br />

Beraterbedarfs bislang verwehrt blieben. (kf) •<br />

<strong>Industrieanzeiger</strong> 04.19 53


technik & wissen<br />

Zur kompletten Anlage gehört auch eine<br />

Station, wo die Werkstücke mit einer<br />

Genauigkeit von 0,02 mm vermessen<br />

werden. Bilder: Klaus Vollrath<br />

Scherenhersteller stellt sich der Produktvielfalt und kleinen Losgrößen<br />

Flexibler mit<br />

Machine Vision<br />

Automatisierung | Ein Hersteller von Schneidwerkzeugen<br />

trennte sich von seinen aufwendigen, mechanischen<br />

Vorrichtungen und erreichte mit einem neuen<br />

Konzept aus Bildverarbeitung, Robotik und Fördertechnik<br />

die erhoffte Flexibilität.<br />

Fertigungslinien bestehen in der Regel aus<br />

einzelnen Stationen, die miteinander verknüpft<br />

sind. Transport und lagerichtige<br />

Übergabe der Werkstücke erfolgen über aufwendige,<br />

bauteilspezifische Vorrichtungen.<br />

Produktwechsel ziehen einen hohen Umrüstaufwand<br />

nach sich. Vor dem Hintergrund<br />

der immer kleiner werdenden Losgrößen<br />

ist diese Technik alles andere als flexibel.<br />

Eine Alternative hierzu sind Lösungen<br />

mit kameragestützter Teileerkennung, Roboter<br />

und Linearförderer. Solche Systeme<br />

brauchen keine speziellen Vorrichtungen<br />

mehr und können trotzdem das Schüttgut<br />

vereinzeln, greifen, vermessen und präzise<br />

ablegen.<br />

„Unser Kunde ist ein Hersteller von Garten-<br />

und Astscheren für Landwirtschaft und<br />

Industrie“, erzählt David Leuzinger, Leiter<br />

Automation und Robotics bei der Compar<br />

AG in Pfäffikon. „Bei den Schneideklingen<br />

setzt das Unternehmen auf Qualität und<br />

spricht vor allem professionelle Anwender<br />

an.“ Dennoch sieht sich der Hersteller dem<br />

Preisdruck durch Billigfabrikate ausgesetzt.<br />

Um dem Kunden die Entscheidung für Qualität<br />

auch preislich zu erleichtern, wird in<br />

der Klingenfertigung jede Möglichkeit genutzt,<br />

die Kosten zu drücken. Die Klingenherstellung<br />

findet durchgängig auf automatisierten<br />

Anlagen mit hoher Produktivität<br />

statt.<br />

„Bei diesen automatisierten Linien ist neben<br />

der hohen Produktivität auch eine möglichst<br />

kurze Umrüstzeit entscheidend“, so<br />

Leuzinger. „Die Produkte müssen in immer<br />

mehr Varianten hergestellt werden, wodurch<br />

die Losgrößen schrumpfen.“ Hinzu<br />

kommen begrenzte Sonderaktionen und die<br />

Fertigung von Ersatzteilen in vergleichsweise<br />

geringen Stückzahlen. Kleinere Serienlosgrößen<br />

wirken sich durch hohe Umrüstzeiten<br />

nachteilig auf die Gesamtproduktivität<br />

aus. Das gilt auch für die Handling-Einrichtungen,<br />

die den Teilefluss vor, zwischen und<br />

hinter den Maschinen abwickeln. Früher<br />

kamen hier meist mechanische Vorrichtungen<br />

zum Einsatz, die exakt auf das jeweilige<br />

Produkt ausgelegt waren. Solche Systeme<br />

sind zwar robust und schnell, verursachen<br />

beim Produktwechsel allerdings längere<br />

Stillstände.<br />

Beim anstehenden Austausch einer älteren<br />

Produktionsanlage suchte der Scherenhersteller<br />

nach einer alternativen Lösung für<br />

die Zuführung der Bauteile, die als Schüttgut<br />

angeliefert werden. Das neue System<br />

sollte bei gleicher Zuverlässigkeit mit weniger<br />

Umrüstaufwand auskommen. Zudem<br />

wurde eine hohe Positioniergenauigkeit bei<br />

der Übergabe zum Nachfolgeprozess verlangt.<br />

„Wir haben hierfür ein Konzept entwickelt,<br />

das gerade mal aus drei Komponenten<br />

besteht, nämlich Kamera, Roboter und<br />

54 <strong>Industrieanzeiger</strong> 04.19


Feeder“, erläutert Leuzinger. Im praktischen<br />

Ablauf sind verschiedene Klingen für Scheren<br />

zu sortieren, die als rohe oder vorbearbeitete<br />

Stanzteile in Form von Schüttgut angeliefert<br />

werden. Die Teile gelangen über einen<br />

Steilförderer in einen Dosierbunker, von<br />

dem sie portionsweise auf eine Förderplattform<br />

gerüttelt werden. Auf dieser liegen sie<br />

nicht nur chaotisch neben- und aufeinander,<br />

sondern teilweise auch mit der Unterseite<br />

nach oben.<br />

Die Teile werden mit einem Scara-Roboter<br />

abgegriffen, dessen Vakuumgreifer ohne<br />

Austausch für das gesamte Teilespektrum<br />

eingesetzt werden kann. Der Boden der Förderplattform<br />

besteht aus einem speziellen<br />

Kunststoff, der für Infrarotlicht transparent<br />

ist. Da er von unten gleichmäßig mit IR-<br />

Licht beleuchtet wird, wirkt er für die oben<br />

angebrachte Kamera wie ein Lichttisch, auf<br />

dem sich die Konturen der darauf liegenden<br />

Teile scharf abzeichnen. Die Erkennung der<br />

Werkstücke erfolgt innerhalb von 200 ms.<br />

Ein von Compar entwickeltes Softwarepaket<br />

klassifiziert die Teile, die sich nicht mit<br />

anderen überdecken, nach den Kriterien<br />

„ok“, „gedreht und ok“ oder „unbekannt“.<br />

Zur dritten Kategorie gehören überdeckt<br />

liegende Teile und Falschteile.<br />

„Die taktzeitgerechte Versorgung des<br />

Folgeprozesses hat in dem System die<br />

höchste Priorität“, hebt Leuzinger hervor.<br />

Deshalb greift der Roboter zuerst die Teile,<br />

die in Ordnung sind und in der richtigen<br />

Klapplage liegen. Dafür wird der Greifer<br />

entsprechend der Lage des Teils gedreht und<br />

positioniert. Das gegriffene Werkstück wird<br />

anschließend zur nächsten Station verfahren<br />

und dort mit einer weiteren Kamera mit einer<br />

Genauigkeit von 0,02 mm vermessen. Je<br />

nach Ergebnis wird das Teil mit hoher Positionier-<br />

und Orientierungsgenauigkeit an<br />

den Folgeprozess übergeben, in einer Pufferstation<br />

mit vier Plätzen abgelegt oder im<br />

Ausschussbehälter entsorgt. Auch die gedreht<br />

liegenden Teile werden aufgenommen<br />

und zu einer Drehstation verbracht, wo sie<br />

mit einer Universal-Klemmvorrichtung gegriffen<br />

und in die richtige Lage gebracht<br />

werden. Anschließend greift der Roboter<br />

das Teil erneut und führt es zur Feinvermessung.<br />

„Ein weiterer Vorteil des Systems ist seine<br />

leichte Bedienbarkeit“, betont Leuzinger.<br />

Vor der Auslieferung wurde die Anlage auf<br />

die Erkennung von lediglich zwei Bauteilen<br />

trainiert. Die Erkennung weiterer Teile kann<br />

der Kunde selbst programmieren. Dazu<br />

wird das System mit den entsprechenden<br />

Komponenten belegt und ein Lernmodus<br />

aufgerufen. Einmal eingelernte Teile werden<br />

später im praktischen Betrieb über ihre<br />

Geometrie identifiziert. Zudem arbeitet das<br />

System auch bei Produktwechseln weitgehend<br />

autark, da keine mechanischen Umrüstungen<br />

erforderlich sind. Ein Produktwechsel<br />

dauert lediglich ein paar Minuten.<br />

Das Handling der Teile erfolgt über einen<br />

Scara-Roboter, der mit einem universell<br />

einsetzbaren Sauggreifer bestückt ist.<br />

So lange braucht es, bis die Förderstrecke<br />

leer gefahren und neu befüllt ist. Für den<br />

Programmwechsel selbst muss der Bediener<br />

nur ein paar Tasten drücken.<br />

Die Lösung bietet zudem eine vollwertige<br />

3D-Erkennung, so dass beispielsweise Teile<br />

mit verschiedenen Oberflächenstrukturen<br />

auch dann unterschieden werden können,<br />

wenn sie falsch herum liegen. Für diese Option<br />

muss lediglich eine zusätzliche Kamerastation<br />

installiert werden. Außerdem können<br />

Werkstücke nicht nur durch Einlernen<br />

identifiziert werden, sondern auch durch einen<br />

Vergleich der gemessenen Geometrie<br />

mit den vorhandenen CAD-Geometriedaten.<br />

Im Prinzip lassen sich mit dieser Technik<br />

gemischte Teile auch in kleinen Stückzahlen<br />

zuverlässig erkennen, prüfen und<br />

sortieren. (ub)<br />

•<br />

Die Stahlklingen für<br />

die Scheren fallen<br />

vom Dosierbunker in<br />

chaotischer Lage und<br />

Orientierung auf<br />

einen Lesetisch.<br />

In der Anlage werden<br />

die Teile vereinzelt,<br />

identifiziert, mit einem<br />

Scara-Roboter ge -<br />

griffen, feinvermessen<br />

und schließlich an<br />

den Folgeprozess übergeben.<br />

<strong>Industrieanzeiger</strong> 04.19 55


technik & wissen<br />

Am Beispiel der extrem anspruchsvollen<br />

Blisk-Fertigung wollen Aachener Forscher<br />

neue Prozesse für sicherheitskritische<br />

Bauteile entwickeln und später auf<br />

einfachere Anwendungen übertragen.<br />

Bilder: WZL/IPT<br />

Forscher arbeiten interdisziplinär an neuen Fertigungsprozessen<br />

Brutstätten für<br />

innovatives Denken<br />

Fertigungstechnik | Wissenschaftler verschiedener<br />

Disziplinen sollen gemeinsam neue Ansätze finden,<br />

um Fertigungsprozesse zu optimieren. Vier Pilotlinien<br />

an den Aachener Instituten WZL und IPT sollen dazu<br />

das passende Umfeld schaffen. ❧ Mona Willrett<br />

„Wir brauchen einen Raum, in dem Fertigungsspezialisten,<br />

Informatiker und Datenanalysten gemeinsam neue<br />

Ideen entwickeln, ausprobieren und auch verwerten<br />

können“, sagt Prof. Thomas Bergs. Dieses Umfeld will<br />

der Produktionswissenschaftler, der den Direktorien der<br />

Aachener Institute WZL und Fraunhofer-IPT angehört,<br />

durch ein neues Forschungskonzept schaffen. In vier<br />

Pilotlinien – so genannten Inkubatoren – stehen sowohl<br />

die personellen Rahmenbedingungen als auch die erforderliche<br />

Infrastruktur zur Verfügung, die es Forschern<br />

unterschiedlicher Fachrichtungen ermöglichen, interdisziplinär<br />

zusammenzuarbeiten. Als Schwerpunktthemen,<br />

die ein möglichst breites Spektrum fertigungstechnischer<br />

Herausforderungen abdecken sollen, definierten<br />

die Aachener Forscher:<br />

• die Entwicklung und Nutzung des digitalen Zwillings<br />

in der Fertigung von Blisken unter Nutzung der<br />

5G-Technologie,<br />

• Big-Data-Analysen beim Feinschneiden mit dem Ziel,<br />

einen digitalen Schatten zu erzeugen,<br />

• die hochflexible Auslegung individueller Prozessketten<br />

im Werkzeug- und Formenbau durch daten- und<br />

modellbasierte Prognosen sowie<br />

• App-basierte Optimierungstools am Beispiel vollständiger<br />

Prozessketten zur Fertigung von Zahnrädern.<br />

In der Pilotlinie „Turbo“ geht es um sicherheitsrelevante<br />

Prozesse für anspruchsvolle Bauteile in mittleren Serien,<br />

beim „Feinscheiden“ um die Großserienfertigung.<br />

Und während beim Inkubator „Werkzeugbau“ die Unikat-<br />

und Prototypfertigung im Fokus steht, arbeiten die<br />

Forscher in der Zahnrad-Linie an innovativen Lösungen<br />

für eine anspruchsvolle Serienproduktion.<br />

„Es ist viel effizienter, neue Prozesse an einem konkreten<br />

Beispiel zu erarbeiten und die Ergebnisse dann<br />

auf andere Bereiche zu übertragen, als von vornherein<br />

alle Eventualitäten berücksichtigen zu wollen“, begründet<br />

Bergs die sehr spezifisch definierten Aufgabenstellungen.<br />

Der Forscher betont: Die Digitalisierung werde<br />

schon viel zu lange abstrakt diskutiert. Jetzt sei es an der<br />

Zeit, Technologien und Verfahren zu entwickeln, um die<br />

digitale Vernetzung in Betrieben alltagstauglich und<br />

durchgängig umzusetzen.<br />

Praxisnähe ist zentrales Element des Konzepts<br />

Mit dem Inkubator-Konzept wollte Bergs typische<br />

Merkmale verschiedener Produktionsumfelder abbilden,<br />

so dass sich die Forschungsergebnisse hinsichtlich<br />

der Datennutzung und -verarbeitung später auf andere,<br />

ähnlich gelagerte Fertigungsaufgaben übertragen lassen.<br />

So könnten die Erkenntnisse aus der Turbo-Linie beispielsweise<br />

auch für die Automobilindustrie oder die<br />

Medizintechnik interessant sein. Und Dr. Sascha Gierlings,<br />

Leiter Prototypenfertigung und Geschäftsfeldentwicklung<br />

Turbomaschinen am Fraunhofer-Institut für<br />

Produktionstechnologie (IPT), bestätigt: „Die Blisk-Fertigung<br />

ist eine der anspruchsvollsten Produktionsauf -<br />

gaben. Wenn wir die neuen Prozesse hier beherrschen,<br />

dann lassen sich die gewonnenen Erkenntnisse relativ<br />

leicht auch auf andere Bereiche übertragen.“<br />

Um Praxisnähe zu gewährleisten, können sich auch<br />

ausgewählte Industriepartner an einzelnen Pilotlinien<br />

beteiligen. Sowohl Anbieter von Produktionslösungen<br />

als auch potenzielle Anwender sollen die Möglichkeit<br />

56 <strong>Industrieanzeiger</strong> 04.19


„Über digitale Vernetzung<br />

wird schon viel zu<br />

lange abstrakt diskutiert.<br />

Wir müssen endlich praxisgerechte<br />

Lösungen erarbeiten<br />

und umsetzen“,<br />

sagt Prof. Thomas Bergs,<br />

Direktor an den Instituten<br />

WZL und IPT.<br />

„Wenn wir die neuen<br />

Prozesse bei der Blisk-<br />

Fertigung beherrschen,<br />

dann können wir unsere<br />

Erkenntnisse relativ<br />

leicht auch auf andere<br />

Bereiche übertragen“,<br />

sagt Dr. Sascha Gierlings<br />

vom Fraunhofer-IPT.<br />

erhalten, ihre Ideen, Wünsche und Anforderungen ins<br />

Projekt einfließen zu lassen. Während Erstere ihre Produkte<br />

und Ideen in einem praxisnahen Umfeld einsetzen,<br />

testen und weiterentwickeln können, erfahren Nutzer,<br />

wie sich die Herausforderungen beim Implementieren<br />

digital vernetzter Prozesse meistern lassen.<br />

„Wir wollen digitale Innovatoren und Fertigungsspezialisten<br />

zusammenzubringen, so dass beide gemeinsam<br />

neue Ansätze und Lösungen entwickeln können“, sagt<br />

Bergs. „Wir sehen uns als eine Art Broker, der Angebot<br />

und Nachfrage aus Bereichen zusammen bringt, die bislang<br />

noch keine oder wenig Berührungspunkte hatten“,<br />

Industrie<br />

Das<br />

Kompetenz-<br />

Netzwerk<br />

der Industrie<br />

18 Medienmarken für alle wichtigen<br />

Branchen der Industrie<br />

Information, Inspiration und Vernetzung<br />

für Fach- und Führungskräfte in der Industrie<br />

Praxiswissen über alle Kanäle:<br />

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Die passenden Medien für Sie<br />

und Ihre Branche:<br />

konradin.de/industrie<br />

<strong>Industrieanzeiger</strong> 04.19 media.industrie.de<br />

57


technik & wissen<br />

Bereits heute helfen kontextbasierte<br />

und produktbezogen<br />

aufbereitete Produktionsdaten,<br />

Effekte zu<br />

beschreiben und deren<br />

Auswirkungen zu diagnostizieren.<br />

Im Frühjahr<br />

2020 sollen Ansätze vorliegen,<br />

Entwicklungen<br />

vorherzusagen und sie<br />

letztlich zu beeinflussen.<br />

so der Inhaber des Lehrstuhls für Technologie der Fertigungsverfahren<br />

am Werkzeugmaschinenlabor (WZL)<br />

der RWTH Aachen. Wie das aussehen kann, zeige die<br />

Pilotlinie „Turbo“, die unter anderem die 5G-Technologie<br />

für die vernetzte, adaptive Produktion zum Fertigen<br />

von Blisken nutzbar machen soll. „Bei einer unserer Veranstaltungen<br />

trafen Vertreter von Ericsson und MTU<br />

zusammen. Im Gespräch erkannten die Ericsson-Leute,<br />

welch tolle Chance die Blisk-Fertigung bietet, um zu zeigen,<br />

was 5G kann. Und die MTU-Leute realisierten,<br />

welches Potenzial der Mobilfunkstandard in der Fertigung<br />

von Triebwerkskomponenten eröffnet. In solchem<br />

Zusammenwirken sehe ich die Zukunft fertigungstechnischer<br />

Innovation. Einrichtungen wie unsere Institute<br />

können verschiedene Welten zusammenzubringen.“<br />

Zu den besonderen Merkmalen der Blisk-Fertigung<br />

gehört – neben dem hohen Wert der Werkstücke – auch<br />

die Komplexität der Bauteile, die eine extrem dreidimensionale<br />

Geometrie haben. Zudem sind die Anforderungen<br />

an die Fertigungstoleranzen hoch – sie liegen im<br />

Bereich von 20 bis 30 μm –, und wegen der hohen thermischen<br />

und mechanischen Belastung kommen bei der<br />

Materialauswahl nur schwer zu bearbeitende Super -<br />

legierungen in Betracht. Hinzu kommt, dass es sich um<br />

sicherheitskritische Bauteile handelt, bei deren Versagen<br />

unmittelbar Menschenleben bedroht sind. Deshalb sind<br />

die Sicherheitsauflagen immens.<br />

Die Aachener Forscher sehen die Digitalisierung der<br />

Fertigungsumgebung als Voraussetzung, derart anspruchsvolle<br />

Teile auch künftig prozesssicher und wirtschaftlich<br />

herzustellen. Die komplexen Prozessketten<br />

sind geprägt von einer Vielzahl unterschiedlicher Einfluss-<br />

und Störgrößen, die am Ende zu einer Streuung<br />

der Bauteilausprägung und der Produktqualität führen.<br />

Die Aufgabe der Produktionsforscher ist, die Einflüsse<br />

und deren Auswirkungen auf das Produkt zunächst zu<br />

beschreiben. Im nächsten Schritt, der Diagnose, werden<br />

die Effekte und Wirkzusammenhänge analysiert und in<br />

Form von Modellen beschrieben. Sind die Wirkzusammenhänge<br />

verstanden und die Modelle validiert, ist es<br />

möglich dieses Wissen zu nutzen, um Vorhersagen über<br />

die zu erwartende Bauteilqualität zu treffen. Schlussendlich<br />

ist das Ziel, die Stellgrößen beim Abweichen vom<br />

Soll gezielt zu beeinflussen.<br />

Mehr als Kosten senken durch effizientere Prozesse<br />

Mittels digitaler Vernetzung und konsequentem Nutzen<br />

von Produktionsdaten lässt sich die Sequenz von der Beschreibung<br />

und Modellierung bis zur Prognose und der<br />

Reaktion auf Abweichungen ganz neu gestalten. Allerdings:<br />

Wird derzeit über die Vorteile einer digital vernetzten<br />

Produktion diskutiert, ist das meistgenannte<br />

Pro-Argument das Einsparen von Kosten durch<br />

effizientere Prozesse. Doch das greift zu kurz. Gerade<br />

bei sicherheitskritischen Teilen ist eine lückenlose<br />

Dokumentation aller Fertigungs- und<br />

Einsatzdaten nicht nur elementar, um im Schadensfall<br />

die Ursache zu ermitteln. Sie ist auch Basis<br />

für ein weiter wachsendes Prozess-Know-how<br />

und trägt dazu bei, künftige Generationen eines<br />

Bauteils zu optimieren und Störeinflüsse in der<br />

Produktion zu beherrschen.<br />

Schon heute ist klar: Damit die Flugtriebwerke<br />

2030 oder 2040 noch effizienter arbeiten, muss es<br />

gelingen, deutlich komplexere und enger tolerier-<br />

Komponenten prozesssicher zu fertigen. „Hin-<br />

te<br />

zu kommt, dass Prozesse heute fast ausschließlich<br />

aus technologischem und ökonomischem Blickwinkel<br />

optimiert werden“, gibt Gierlings zu bedenken.<br />

„Künftig wird aber die ökologische<br />

Sichtweise zunehmend an Bedeutung gewinnen.<br />

Wir müssen darauf achten, Mensch und Umwelt weniger<br />

zu belasten und weniger Ressourcen zu verbrauchen.“<br />

Das erfordere Simulationstechniken, mit deren<br />

Hilfe sich schnell und effizient jene Lösung mit dem<br />

günstigsten Gesamt-Footprint identifizieren lasse.<br />

Bergs und Gierlings betonen jedoch: Das bloße Sammeln<br />

und Bereitstellen von Prozessdaten reiche nicht<br />

aus. Weil die Abläufe hochkomplex sind und – im Vergleich<br />

zu Consumer-Anwendungen – nur geringe Datenmengen<br />

zur Verfügung stehen, sei es auch nicht immer<br />

erfolgversprechend, die Informationen mittels künstlicher<br />

Intelligenz auszuwerten. Die Aachener verfolgen einen<br />

anderen Ansatz. Er sieht vor, Produktionsdaten aus<br />

unterschiedlichen Quellen synchronisiert genau einem<br />

Produktionszeitpunkt und Produkt zuzuordnen, sie mithilfe<br />

bekannter Modelle und Wirkzusammenhänge anzureichern<br />

und dann kontextbasiert über einen Digitalen<br />

Schatten zur Verfügung zu stellen.<br />

In den Projektteams der Inkubatoren arbeiten – je<br />

nach Aufgabe – Ingenieurwissenschaftler, Produktionstechniker,<br />

Physiker, Informatiker und Informationstechniker<br />

zusammen. An der Schnittstelle zwischen dem<br />

58 <strong>Industrieanzeiger</strong> 04.19


PRÄZISION ÜBERZEUGT<br />

physikalischen Fertigungsprozess und der Datenwelt<br />

entsteht so ein neues interdisziplinäres Betätigungsfeld.<br />

Aktuell sind laut Bergs zwar keine weiteren Inkubatoren<br />

geplant, sollten sich jedoch künftig neue Facetten<br />

der Fertigungstechnik aufdrängen oder ergänzende Aufgabenstellungen<br />

– etwa aus der Medizintechnik – einen<br />

Mehrwert versprechen, sei es durchaus denkbar, zusätzliche<br />

Pilotlinien einzurichten und Wissenschaftler weiterer<br />

Disziplinen einzubinden, etwa Mediziner, Biologen<br />

oder Chemiker. Denkbar sei auch, einzelne Inkubatoren<br />

zu erweitern und etwa das Thema Turbo in Richtung<br />

anderer Triebwerkskomponenten zu öffnen.<br />

In speziellen Hallenbereichen wurden für jeden Inkubator<br />

die jeweils nötigen Prozessketten aufgebaut, bestehend<br />

aus Einzelanlagen oder Verbünden mehrerer<br />

PRÄZISIONS DREHTEILE<br />

CNC-Drehteile von ø 1 bis 120 mm<br />

Alle zerspanbaren Materialien<br />

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10.-12. April 2019<br />

Die Messe für<br />

Zerspanungstechnik<br />

Villingen-Schwenningen<br />

Messegelände<br />

<strong>Industrieanzeiger</strong> 04.19<br />

Um anspruchsvolle Fertigungsaufgaben sowohl technologisch<br />

und ökonomisch als auch aus ökologischer<br />

Sicht optimieren zu können, sind innovative Simulationstechniken<br />

eine zwingende Voraussetzung.<br />

Maschinen sowie dem entsprechenden IT-Umfeld. Auch<br />

die 5G-Antenne ist direkt in der Blisk-Fertigung installiert.<br />

Der Zugriff auf die Daten und die Möglichkeiten,<br />

sie auszuwerten, funktioniert hingegen dezentral. „Das<br />

alles ist sehr anwendungsnah ausgelegt“, betont Bergs.<br />

Für jede Pilotlinie existiert eine Art Technologie-<br />

Roadmap. „Wir haben konkrete Ziele und wissen genau,<br />

wo wir hinwollen“, sagt der Forscher. Die Umsetzung<br />

ist derzeit in den Bereichen Turbo und Feinschneiden<br />

am weitesten fortgeschritten. Bis zum nächsten Aachener<br />

Werkzeugmaschinen Kolloquium (AWK) im Mai<br />

2020 sollen erste Ergebnisse vorgestellt werden. Zudem<br />

sollen die Inkubatoren künftig enger mit anderen Forschungsaktivitäten<br />

verzahnt werden, etwa im Excellence<br />

Cluster „Internet of Production“.<br />

Doch die Forscher wollen nicht nur neue Erkenntnisse<br />

liefern. Die Aktivitäten sollen auch zeigen, dass Forschung<br />

durchaus praxisnah sein kann. Und das soll die<br />

Zusammenarbeit für Industriekunden – auch aus dem<br />

Mittelstand – noch attraktiver machen. •<br />

Zukunft für Kinder !<br />

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produkte<br />

Einfacher warten und konfigurieren<br />

Motorschutzschalter | Schneider Electric hat neue Motorschutzschalter<br />

für den Leistungsbereich von 0,25 bis 55 kW<br />

entwickelt. Dabei ermöglicht die NFC-Technologie eine vereinfachte<br />

Konfiguration und Wartung der Geräte.<br />

Robust, kompakt und multifunktional – so<br />

präsentieren sich die neuen Motorschutzschalter.<br />

Die GV4-Serie ist in drei Varianten<br />

mit einem Schaltvermögen von jeweils 25,<br />

50 oder 100 kA erhältlich. Die Baureihe<br />

umfasst den magnetischen Motorschutzschalter<br />

Tesys GV4 L sowie die Modelle Tesys<br />

GV4 P und GV4 PEM mit magnetischem<br />

und thermischem Schutz vor Kurz-<br />

Mit der NFC-Technologie können Gerätedaten wie Seriennummer,<br />

Datenblätter und Betriebsanleitungen per<br />

Smartphone-App direkt vom Gerät ausgelesen werden.<br />

Bild: Schneider Electric<br />

schluss und Überlast. Der GV4 PEM bietet<br />

zusätzliche Alarm- und Fehlerdifferenzierungsfunktionen<br />

wie etwa Voralarme, Erdschlussschutz<br />

oder gezielte Fernwiederanläufe<br />

bei Überlast.<br />

Ein weiteres Plus: Um die Wartung und<br />

Konfiguration für Anwender so einfach wie<br />

möglich zu gestalten, ist der Schalter mit<br />

NFC-Technologie ausgestattet. Gerätedaten<br />

wie Seriennummer, Datenblätter und Betriebsanleitungen<br />

können so ganz einfach<br />

per Smartphone-App direkt vom Gerät ausgelesen<br />

werden. Durch den direkten Zugriff<br />

auf Schutzeinstellungen oder die Fehlerhistorie<br />

können Maßnahmen zur Diagnose<br />

und vorausschauenden Wartung eingeleitet<br />

werden. Dank ihrer kompakten Bauweise<br />

können die Schalter mittels Ein-Klick-<br />

System auf einer Rückwand oder einer<br />

DIN-Hutschiene (35 oder 75 mm) montiert<br />

werden.<br />

•<br />

M8-Anschlusstechnik für<br />

enge Einbausituationen<br />

Antriebe für Gleichlauf<br />

und Fliegende Säge<br />

Passivverteiler | Turck hat<br />

sein Angebot an Mehrfach-<br />

Passivverteilern durch Varianten<br />

mit M8-Anschlüssen<br />

komplettiert. Die vollvergossenen<br />

TB-4M8 und<br />

TB-8M8 erfüllen die Vorgaben<br />

gemäß der Schutzart<br />

IP 67. Durch Befestigungslöcher<br />

in der Front und an<br />

den Seiten kann der Kunde<br />

die Verteiler variabel und passend zur jeweiligen Einbausituation<br />

montieren. Die M8-Anschlusstechnik<br />

wird insbesondere im Spezialmaschinenbau und anderen<br />

Branchen mit geringem Platzangebot eingesetzt.<br />

Die neue Produktgeneration entspricht nach<br />

den Anpassungen in Design und Aufbau den<br />

M12-Verteilern. Die M8-Boxen sind als 4- und<br />

8-fach-Varianten mit steckbaren M8-Anschlüssen<br />

und Metallgewinde erhältlich. Dabei kann der Kunde<br />

zwischen einer 3- und einer 4-poligen Ausführung<br />

wählen. Der Hauptanschluss kann als M12-Stecker<br />

oder Festkabelanschluss gewählt werden. •<br />

Frequenzumrichter | Mit den<br />

dezentralen Antrieben von Nord<br />

Drivesystems lassen sich anspruchsvolle<br />

Anwendungen wie<br />

Gleichlauf und Fliegende Säge<br />

umsetzen. Die Fliegende Säge ermöglicht<br />

ein Aufschalten und<br />

paralleles Führen einer Bearbeitungseinheit<br />

auf ein<br />

bewegliches Werkstück.<br />

Während der<br />

Materialtransport<br />

auf der Master-Achse<br />

weiterläuft, synchronisiert<br />

sich die Slave-<br />

Achse und führt ihren<br />

Bearbeitungsschritt<br />

aus, sobald<br />

Gleichlauf erreicht<br />

ist. Dank der internen<br />

PLC und der Positioniersteuerung<br />

Posicon in den Umrichtern<br />

Nordac Link und<br />

Nordac Flex können sich im<br />

Master-Slave-Betrieb mehrere<br />

Antriebe synchronisieren. Bis zu<br />

drei Slave-Umrichter lassen sich<br />

ohne übergeordnete Steuerung<br />

standardmäßig durch einen<br />

Master-Umrichter ansteuern. •<br />

60 <strong>Industrieanzeiger</strong> 04.19


über 60 Jahre Erfahrung<br />

für Ihre Sicherheit<br />

Bauformen mit extra<br />

großen Reichweiten<br />

Distanzsensoren |<br />

Mit ODS 110/HT<br />

110 und HRT 25B<br />

L erweitert Leuze<br />

Electronic seine Serie<br />

an Abstandssensoren<br />

und stellt<br />

seinen Kunden damit<br />

eine vielseitige<br />

Auswahl an verschiedenen<br />

Bauformen<br />

mit extra großen<br />

Reichweiten<br />

sowie mehreren Schaltpunkten<br />

zur Verfügung. Aufgrund ihrer<br />

kompakten Gehäusegröße und<br />

einer Reichweite bis 5 m eignen<br />

sie sich für den Einsatz in beengten<br />

Einbausituationen im Palettenlager<br />

sowie für Anwendungen<br />

im Bereich des automatisierten<br />

Materialflusses, für die mindestens<br />

zwei unterschiedliche<br />

Schaltpunkte erforderlich sind.<br />

Hierzu zählen neben der mehrfachtiefen<br />

Fachbelegkontrolle<br />

beispielsweise die Durchschuboder<br />

Auffahrsicherung in Shuttle-Anwendungen.<br />

Darüber hinaus<br />

zeichnen sich die Sensoren<br />

durch ihre Wiederholgenauigkeit<br />

von 3 mm für eine gute Positionierung<br />

aus. •<br />

Spielfrei auch bei häufigem<br />

Starten und Stoppen<br />

Kupplung | Die Servolamellenkupplung<br />

von R+W eignet sich für dynamische<br />

Antriebsaufgaben<br />

mit häufigem Starten und<br />

Stoppen sowie Reversierbetrieb,<br />

bei denen die absolute<br />

Positioniergenauigkeit im Fokus<br />

steht. Ihre Naben bestehen aus Aluminium,<br />

woraus ein geringes Gewicht und Massenträgheitsmoment<br />

resultieren. Die Lamellen selbst bestehen aus<br />

hochfestem Edelstahl und weisen eine hohe Leistungsdichte<br />

auf. Zur Befestigung des Lamellenpakets werden hochfeste<br />

Schrauben eingesetzt, die das Drehmoment über<br />

Reibschluss übertragen – absolut spielfrei. Es entstehen<br />

keine Mikrobewegungen in der Anbindung der Lamelle,<br />

was zu einer hohen Gesamtsteifigkeit führt. Die Welle-Nabe-Anbindung<br />

wird nur als kraftschlüssige Verbindung mit<br />

Klemmnabe, geteilter Klemmnabe und Konusklemmnaben<br />

angeboten.<br />

•<br />

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seit 1959.<br />

Wir sind schon lange weltweit vernetzt<br />

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<strong>Industrieanzeiger</strong> 04.19 61


produkte<br />

Absolut genau auch<br />

in Ex-Bereichen<br />

Drehgeber | Drehgeber für Anwendungen in explosionsgefährdeten<br />

Bereichen müssen robust und sicher sein. Hengstler<br />

bietet deshalb ein breites Programm an inkrementalen<br />

und absoluten Potentiometern mit Atex-Zertifizierung an.<br />

Mit einem Durchmesser von nur<br />

59 mm ist der Acuro AX65 ein<br />

besonders kompakter, druckfest<br />

gekapselter Absolut-Drehgeber.<br />

Pro Umdrehung verfügt er über<br />

eine Auflösung von 12 Bit, als<br />

Multiturn-Variante löst er zusätzlich<br />

bis 16-Bit-Umdrehungen<br />

auf. Die Elektronik wird<br />

durch ein Edelstahlgehäuse in<br />

Schutzart IP66/67 vor äußeren<br />

Einflüssen geschützt. Dazu zählen<br />

eine SSI- und eine Canopen-<br />

Schnittstelle. Der Kunde kann<br />

die Verkabelung selbst frei gestalten.<br />

Für gas- und staubexplo -<br />

sionsgefährdete Bereiche hat der<br />

Hersteller den Acuro AX73 entwickelt.<br />

Der optische Drehgeber<br />

überzeugt nicht nur durch hohe<br />

Präzision, sondern ist kompakt<br />

und einfach zu installieren. Der<br />

Encoder bietet Auflösungen von<br />

10 bis 22 Bit (Singleturn) und<br />

12 Bit (Multiturn), verfügt über<br />

die Atex- und IECEX-Zulassung<br />

und kommuniziert über Biss-B,<br />

Biss-C, SSI, Canopen oder Profibus-<br />

Schnittstelle.<br />

Wie beim AX65 basiert das<br />

Montagesystem beim AX73 auf<br />

korrosionsfreien Schrauben, die<br />

im Servicefall den leichten Austausch<br />

des Drehgebers ermöglichen.<br />

Für den Anschluss können<br />

Drehgebermontage und Kabelverlegung<br />

getrennt voneinander<br />

erfolgen. Der AX73 ist unempfindlich<br />

gegenüber Schwingungen,<br />

Stößen und Fremdmagnetfeldern.<br />

•<br />

Die Drehgeber punkten<br />

durch ein kompaktes Design,<br />

hohe Präzision und<br />

eine Atex-Zulassung. Die<br />

Elektronik wird durch ein<br />

Edelstahlgehäuse geschützt.<br />

Bild: Hengstler<br />

Minimale Schwankungen<br />

bei den Drehzahlen<br />

Motoren | Bei der<br />

BHX-Serie von<br />

Faulhaber handelt<br />

es sich um spaltlose,<br />

bürstenlose Hochleistungsmotoren<br />

in<br />

2-Pol-Technik mit<br />

16 mm Durchmesser.<br />

Die beiden Ausführungen<br />

weisen eine Länge von 60 mm auf und sind<br />

für hohe Drehzahlen und Drehmomente ausgelegt. Serie<br />

1660…BHS erreicht Drehzahlen bis 100.000 min -1 und<br />

liefert eine Leistung von 96 W. Serie 1660…BHS ist die<br />

Lösung für Geräte, die über einen langen Zeitraum laufen<br />

und bei denen die Gehäusetemperatur niedrig gehalten<br />

werden muss. Zudem liefert die Serie 1660…BHT<br />

ein Dauer-Abtriebsdrehmoment von knapp 19 mNm<br />

und beherrscht variable Lasten. Mit nur 95 min -1 /mNm<br />

trägt die flache Drehzahl-Drehmoment-Kennlinie zur<br />

Minimierung von Drehzahlschwankungen bei. Für spezielle<br />

Anwendungen kann der Motor ein Impulsdrehmoment<br />

von >30 mNm erzeugen. •<br />

Borosilikatglas schützt die<br />

Leuchte auf ganzer Länge<br />

LED-Rohrleuchte | Pfeifer und Seibel bietet mit der leistungsstarken<br />

Rohrleuchte PS Protect LED ideales Licht für jedes<br />

Maschinen und Anlagenkonzept. Sie erfüllt Schutzart IP67<br />

und bietet eine Fülle von Konfigurationsmöglichkeiten in<br />

Verbindung mit einer robusten Ausstattung. Sie lässt sich flexibel<br />

anpassen und in nahezu jedes Maschinen- und Anlagenkonzept<br />

integrieren. Die Rohrleuchte verfügt über einen<br />

M12-Stecker für die digitale Ansteuerung mit 24 V über eine<br />

Maschine oder Anlage, beispielsweise über eine SPS. Durch<br />

die optionale Durchgangsverdrahtung lassen sich mehrere<br />

Leuchten in Reihe schalten. Aufwendige Verdrahtungsarbeiten<br />

entfallen. Das wärmeabführende Aluminiumprofil sorgt<br />

für eine hohe Lebensdauer<br />

der<br />

LEDs von bis zu<br />

50.000 Stunden.<br />

Das Rohr aus Borosilikatglas<br />

schützt die Leuchte<br />

auf der gesamten<br />

Länge. •<br />

62 <strong>Industrieanzeiger</strong> 04.19


ücher<br />

Grundlagen<br />

der Digitaltechnik<br />

Digitaltechnik ist ein Kernthema des Studiums<br />

der Elektrotechnik und Informationstechnik.<br />

Es handelt von - Signalen, Konvertierungen und<br />

Zahlensystemen über Kryptographie und Datensicherheit<br />

bis zu Bussystemen und Schnittstellen<br />

und enthält eine Einführung in die Mikroprozessortechnik<br />

und Automatentheorie.<br />

Grundlagen der Digitaltechnik, Helmut Maier,<br />

VDE-Verlag 2018, 461, S., 34,00 Euro,<br />

ISBN: 978-3-8007-4536-4<br />

Veränderte Arbeitswelt<br />

KI und die Digitalisierung verändert unsere Arbeitsweise.<br />

Dieses Buch befasst sich mit den Zukunftsszenarien,<br />

zeigt Lösungen auf und definiert<br />

die Skills, die wichtig sind, um in der zukünftigen<br />

Arbeitswelt weiter gefragt zu sein.<br />

Der Zukunfts-Code, Katja Porsch, Peter Brandl,<br />

Goldegg Verlag, 2019, 240 S., 22,00 Euro,<br />

ISBN: 978‐3‐99060‐078-8<br />

Kunststoffverarbeitung<br />

Kunststoffe haben in der Ausbildung<br />

von Ingenieuren und<br />

Technikern einen festen Platz<br />

gefunden, weil sich bestimmte<br />

Anwendungen besser mit synthetischen<br />

Werkstoffen abdecken<br />

lassen. Kunststoffe verändern<br />

sich aber durch Verarbeitungsbedingungen<br />

und Formgebungsprozesse.<br />

Das Buch zeigt<br />

diese Zusammenhänge auf.<br />

Bemaßung und Tolerierung von<br />

Kunststoff-Bauteilen, B. Klein,<br />

Expert Verlag, 2018, 353 S.,<br />

69,80 Euro, ISBN:<br />

978-3-8169-3453-0<br />

Roboter unterstützt den Werker<br />

Bei der Mensch-Roboter-Kooperation<br />

geht es um Arbeitsplätze, an<br />

denen der Mensch ohne trennende<br />

Schutzeinrichtungen direkt mit einem<br />

Roboter zusammenarbeitet.<br />

Dadurch wird z.B. die höhere Flexibilität<br />

des Menschen mit der größeren<br />

Ausdauer und Genauigkeit<br />

der Maschine kombiniert. Zahlreiche<br />

Beispiele zeigen die verschiedenen<br />

Einsatzszenarien von kollaborativen<br />

Industrierobotern. Ein eigenes<br />

Kapitel widmet sich zukünftigen<br />

Anwendungen, unter anderem<br />

im Servicebereich.<br />

Handbuch Mensch-Roboter-Kollaboration,<br />

Müller, Franke, Henrich,<br />

Kuhlenkötter, Raatz, Hanser Verlag,<br />

2019, 800 S., 199,00 Euro,<br />

ISBN: 978-3-446-45429-3<br />

<strong>Industrieanzeiger</strong> 04.19 63


vorschau 05.19<br />

Metallersatz<br />

Es gibt viele Gründe, Metall zu substituieren –<br />

Gewicht und Kosten, aber auch die Funktion.<br />

Meist ist Kunststoff die erste Wahl und macht<br />

beispielsweise das Nachschmieren bewegter<br />

Teile überflüssig. Wie man beim Metallersatz<br />

am besten vorgeht, weiß Familienunternehmen<br />

Faigle vorzuführen mit einer langjährigen<br />

Praxiserfahrung und vielen Beispielen.<br />

Bild: TGW<br />

Nachhaltigkeit<br />

Nur etwa die Hälfte der Kunststoffabfälle wird<br />

derzeit wiederverwertet. Gefragt sind Recyclingverfahren<br />

für mehr Nachhaltigkeit im<br />

Umgang mit Ressourcen.<br />

Virtual Reality<br />

Anlagenbauer Amproma nutzt Virtual Reality,<br />

um Fabrikplanungen mit seinen Kunden abzustimmen.<br />

CEO Peter Simon entdeckte diese<br />

Möglichkeit über einen Presseartikel.<br />

erscheint montags Impressum<br />

ISSN 0019–9036<br />

Organ des Wirtschaftsverbands Stahl- und Metallverarbeitung<br />

e.V. (WSM), Düsseldorf, Hagen. Die Mitglieder<br />

des Verbandes erhalten den <strong>Industrieanzeiger</strong> im Rahmen ihrer<br />

Mitgliedschaft. Zusammenarbeit im Fachbereich der Gießereitechnik<br />

mit der Zentrale für Gussverwendung, Düsseldorf.<br />

Herausgeberin: Katja Kohlhammer<br />

Mitherausgeber: Prof. Dr.-Ing. Christian Brecher (Werkzeug-<br />

maschinen); Prof. Dr.-Ing. Thomas Bergs (Technologie der<br />

Fertigungsverfahren); Prof. Dr.-Ing. Robert Schmitt (Fertigungsmesstechnik<br />

und Qualitätsmanagement);<br />

Prof. Dr.-Ing. Dipl.-Wirt.-Ing. Günther Schuh (Produktions-<br />

systematik), WZL RWTH Aachen<br />

Verlag: Konradin-Verlag Robert Kohlhammer GmbH,<br />

Ernst-Mey-Straße 8, 70771 Leinfelden-Echterdingen, Germany<br />

Geschäftsführer: Peter Dilger<br />

Verlagsleiter: Peter Dilger<br />

Chefredakteur:<br />

Dipl.-Ing. (FH) Werner Götz (gö), Phone +49 711 7594–451<br />

Stellv. Chefredakteur:<br />

Dipl.-Betriebswirt (FH) Dietmar Kieser (dk),<br />

Phone +49 711 7594–454<br />

Redaktion:<br />

Dipl.-Inf. (FH) Uwe Böttger (ub), Phone +49 711 7594–458;<br />

M. Litt. Sanja Döttling (sd), Phone +49 711 7594–342;<br />

B. A. (FH) Nora Nuissl (nu), Phone +49 711 7594–391<br />

M. A. Nico Schröder (sc), Phone +49 170 6401879<br />

Susanne Schwab (su), Phone +49 711 7594–444;<br />

Dipl.-Ing. Olaf Stauß (os), Phone +49 711 7594–495;<br />

Dipl.-Ing. (FH), Dipl.-Infowirtin (FH) MonaWillrett (mw),<br />

Phone +49 711 7594–285<br />

Ständige freie Mitarbeiter:<br />

Dipl.-Ing. Volker Albrecht, Karin Faulstroh, Michael Grupp,<br />

Sabine Koll, Markus Strehlitz<br />

Redaktionsassistenz: Daniela Engel, Phone +49 711 7594–452,<br />

Fax –1452, E-Mail: daniela.engel@konradin.de<br />

Layout: Beate Böttner, Vera Müller, Helga Nass<br />

ANZEIGEN<br />

Gesamtanzeigenleiter:<br />

Joachim Linckh, Phone +49 711 7594–565, Fax –1565<br />

Auftragsmanagement:<br />

Matthias Rath, Phone +49 711 7594–323, Fax –1323<br />

Zurzeit gilt Preisliste 78 vom 1.10.2018.<br />

Anzeigen-Annahmeschluss für Gelegenheits anzeigen mittwochs,<br />

15 Uhr.<br />

Leserservice: Ute Krämer, Phone +49 711 7594–5850,<br />

Fax –15850, E-Mail: ute.kraemer@konradin.de<br />

Erscheinungsweise: montags (31 x jährlich)<br />

Bezugspreis: Inland jährlich 206,70 € inkl. Versandkosten und<br />

MwSt; Ausland 206,70 € inkl. Versandkosten. Einzelpreis 8,00 €<br />

(inkl. MwSt, zzgl. Versandkosten). Für Schüler, Studenten und<br />

Auszubildende gegen Nachweis: Inland 137,80 € inkl. MwSt.<br />

und Versandkosten, Ausland 137,80 € inkl. Versandkosten.<br />

Bestellungen erbitten wir an den Verlag.<br />

Sofern die Lieferung nicht für einen bestimmten Zeitraum ausdrücklich<br />

bestellt war, läuft das Abonnement bis auf Widerruf.<br />

Bezugszeit: Das Abonnement kann erstmals vier Wochen zum<br />

Ende des ersten Bezugsjahres gekündigt werden. Nach Ablauf<br />

des ersten Jahres gilt eine Kündigungsfrist von jeweils vier<br />

Wochen zum Quartalsende.<br />

Bei Nichterscheinen aus technischen Gründen oder höherer<br />

Gewalt entsteht kein Anspruch auf Ersatz.<br />

AUSLANDSVERTRETUNGEN<br />

Großbritannien/Irland: Jens Smith Partnership, The Court, Long<br />

Sutton, GB-Hook, Hampshire RG 29 1TA, Phone 01256<br />

862589, Fax 01256 862182, E-Mail: media@jens.demon.co.uk;<br />

Japan: Mediahouse Inc., Kudankita 2-Chome Building, 2–3–6,<br />

Kudankita, Chiyoda-ku, Tokyo 102, Phone 03 3234–2161,<br />

Fax 03 3234–1140; Belgien, Frankreich, Luxemburg, Italien,<br />

Switzerland IFF media ag, Frank Stoll, Technoparkstrasse 3,<br />

CH-8406 Winterthur, Tel: +41 52 633 08 88, Fax: +41 52 633<br />

08 99, e-mail: f.stoll@iff-media.ch; USA: D.A. Fox Advertising<br />

Sales, Inc. Detlef Fox, 5 Penn Plaza, 19th Floor, New York, NY<br />

10001, Phone +1 212 8963881, Fax +1 212 6293988, detlef<br />

fox@comcast.net<br />

Gekennzeichnete Artikel stellen die Meinung des Autors, nicht<br />

unbedingt die der Redaktion dar. Für unverlangt eingesandte<br />

Manuskripte keine Gewähr. Alle im <strong>Industrieanzeiger</strong> erscheinenden<br />

Beiträge sind urheberrechtlich geschützt. Alle Rechte,<br />

auch Übersetzungen, vorbehalten. Reproduktionen, gleich<br />

welcher Art, nur mit schriftlicher Genehmigung des Verlages.<br />

Erfüllungsort und Gerichtsstand ist Stuttgart.<br />

Druck: Konradin Druck, Leinfelden-Echterdingen<br />

Printed in Germany<br />

© 2019 by Konradin-Verlag Robert Kohlhammer GmbH,<br />

Leinfelden-Echterdingen<br />

64 <strong>Industrieanzeiger</strong> 04.19


markt<br />

Tieflochbohren auf CNC-Maschinen<br />

Platten und Wellen aller Art<br />

Durchmesser 4 mm – 25 mm<br />

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Institut für digitale Produkte<br />

und Prozesse ......................................... 52<br />

Auto-AI ................................................... 32<br />

Baker McKenzie ................................... 32<br />

BDI .......................................................... 32<br />

Beckhoff ................................................. 38<br />

Bertelsmann Stiftung ........................... 10<br />

Bluelounge .............................................. 8<br />

Blum-Novotest ...................................... 16<br />

BMW ...................................................... 32<br />

Bosch ..................................................... 32<br />

Bundesamt für Sicherheit in der<br />

Informationstechnik (BSI)...................<br />

14<br />

Bundesministerium für Forschung<br />

und Bildung ........................................... 52<br />

Bystronic ................................................ 38<br />

China Passenger Car Association ..... 32<br />

Compar ................................................... 54<br />

Continental ............................................ 12<br />

Daimler ................................................... 32<br />

Data Artisans ........................................ 32<br />

Deutsche Telekom Service ................. 52<br />

DITF ......................................................... 50<br />

drag and bot ............................................ 3<br />

Eschler ................................................... 50<br />

Faulhaber ............................................... 62<br />

Festo ................................................. 18, 24<br />

frau.wolf ................................................. 40<br />

Fraunhofer IWU .................................... 13<br />

Fraunhofer-Gesellschaft ..................... 13<br />

Gartner ................................................... 49<br />

Great Wall .............................................. 32<br />

H. Stoll ................................................... 50<br />

Hengstler ............................................... 62<br />

Institut für Arbeitsmarkt und<br />

Berufsforschung ................................... 10<br />

IPT ........................................................... 56<br />

Kaeser .................................................... 28<br />

Kapsch BusinessCom .......................... 50<br />

Kemper ................................................... 17<br />

Kistler ..................................................... 12<br />

KIT ............................................................. 3<br />

KraussMaffei ......................................... 12<br />

Leipziger Messe ................................... 16<br />

Leuze Electronic ................................... 61<br />

Lünendonk & Hossenfelder ................ 10<br />

Memotec ................................................ 16<br />

Menzerna ............................................... 18<br />

Metrom ................................................... 16<br />

Nord Drivesystems ............................... 60<br />

Ottobock ................................................... 6<br />

PerfectPattern ...................................... 12<br />

Peter Huber AG ..................................... 38<br />

Pfeifer und Seibel ................................. 62<br />

Proalpha ................................................. 46<br />

Process Analytics Factory .................. 52<br />

PTC .......................................................... 48<br />

R+W ........................................................ 61<br />

Rockwell Automation ........................... 14<br />

Rühle ....................................................... 40<br />

Schiess ................................................... 13<br />

Schneider Electric ................................ 60<br />

Schoeller Textil ..................................... 50<br />

Servicetrace .......................................... 52<br />

Spelsberg ............................................... 46<br />

SYMG ...................................................... 13<br />

Tebis ........................................................ 44<br />

T-Onsite Service ................................... 48<br />

Trumpf ..................................................... 14<br />

T-Systems .............................................. 48<br />

TU Darmstadt ........................................ 52<br />

TU Dresden ............................................ 13<br />

Tubes Radiatori ....................................... 8<br />

Turck ................................................. 18, 60<br />

TÜV-IT ..................................................... 14<br />

TÜV-Nord ............................................... 14<br />

VDMA ......................................... 12, 17, 32<br />

Voith ........................................................ 12<br />

Volkswagen ........................................... 32<br />

Webschuppen ....................................... 40<br />

WZL ......................................................... 56<br />

Zentrum für Sonnenenergie- und<br />

Wasserstoff-Forschung Baden-<br />

Württemberg (ZSW).............................<br />

15<br />

3Dconnexion ........................................... 8<br />

<strong>Industrieanzeiger</strong> 04.19 65


zuletzt ...<br />

Pssst<br />

Sie sind so hilfreich und clever.<br />

Anstatt, dass man sich die Finger<br />

wundtippt – und das gerade bei diesen<br />

eisigen Temperaturen – erzählt man<br />

seinem smarten Phone einfach, was<br />

man wissen möchte. Sprachassistenten wie Siri, Alexa, Cortana,<br />

Bixby oder wie sie alle heißen, erklären uns Menschen die Welt. Eine superpraktische<br />

Angelegenheit. Gut, als die Technik noch unausgereift war, führte<br />

das schon mal zu merkwürdigen Missverständnissen. Mittlerweile sind diese<br />

Startschwierig keiten zu großen Teilen ausgemerzt. Laut einer<br />

Studie, in der Ericsson die Consumer-Trends 2019 zusammenfasst, fahren wir<br />

voll auf die intelligenten Helferlein ab. Konsumenten erwarten künftig noch<br />

mehr smarte Lautsprecher, die wie normale Familienmitglieder an<br />

Diskussionen teilnehmen. Ein bisschen gruselig ist diese Vorstellung ja schon –<br />

mich erinnert das immer an die Werbung, bei der eine Familie nur noch per<br />

Zettel kommuniziert, um nicht von den Sprachsteuerungen belauscht zu werden.<br />

Aber die Studie geht noch weiter: So denken Nutzer virtueller Assistenten,<br />

dass Geräte, die unsere Gefühlslagen verstehen, in<br />

drei Jahren massentauglich sein werden. Diese<br />

sogenannten Awearables sollen uns unsere<br />

Emotionen bewusst machen. Auf der CES<br />

wurde Anfang 2019 zum Beispiel ein Armband<br />

vorgestellt, das anhand von Blutvolumenpuls,<br />

Hauttemperatur und Schweißdrüsenaktivität<br />

unsere Emotionen ermessen will. Was nun, wenn<br />

ich sportele und mein schlaues Armband erkennt<br />

das als gefährliche Belastung für meinen Körper?<br />

Ach, da war doch was: Sport ist Mord... nu<br />

Bild: ra2 studio/Fotolia<br />

66 <strong>Industrieanzeiger</strong> 04.19


C A M S y s t e m<br />

TECHNIK FÜR GEWINDE<br />

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Das Kompetenznetzwerk der Industrie<br />

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Werkzeugmaschinen & Industrie 4.0<br />

Werkzeuge<br />

Robotik & Automation<br />

Maschinenelemente & Automation<br />

Additive Manufacturing<br />

Informative Begleitausstellung<br />

Networking auf Augenhöhe<br />

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oder per E-Mail an: innovationsforum@konradin.de<br />

Bitte beachten Sie, dass bei der Anmeldung per E-Mail weitere Bestätigungsschritte notwendig sind.<br />

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<strong>Industrieanzeiger</strong> 04.19 67


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68 <strong>Industrieanzeiger</strong> 04.19

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