Industrieanzeiger 04.2019
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04.19<br />
18.02.2019 | 141. Jahrgang www.industrieanzeiger.de<br />
Standort Chancen und Risiken in China Seite 32<br />
Strategie Klassische Pneumatik war gestern Seite 24<br />
Digitalisierung Cloud-Anbindung inklusive Seite 40<br />
Kaeser-Geschäftsführer<br />
Thomas Kaeser über<br />
smarte Druckluft Seite 28<br />
Top- Thema<br />
Industrie 4.0<br />
<strong>Industrieanzeiger</strong> 04.19 1
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2 <strong>Industrieanzeiger</strong> 04.19
meinung<br />
Robotics Kongress<br />
zeigt Trends auf<br />
PUSHING<br />
INNOVATIONS<br />
Was im Jahr 2012 als zartes Pflänzchen begann, treibt inzwischen<br />
kräftige Blüten. Die 8. Auflage des Robotics Kongress ging am 6.<br />
Februar 2019 auf dem Hannover Messegelände über die Bühne. Die<br />
Veranstaltung war mit 220 Teilnehmern restlos ausverkauft und der<br />
Veranstaltungsort, die Hannover Messe Technology Academy hinter<br />
der Halle 16, war voll bis unter das Dach. Das Kernthema des<br />
Kongresses, die Mensch-Roboter-Kollaboration, lockte Teilnehmer<br />
aus allen Branchen nach Hannover – vom Backofen-Hersteller bis<br />
zum Autobauer. Breit war auch die Palette der Teilnehmer. Unter<br />
den Gästen befanden sich gestandene Roboter-Integratoren, Automatisierungs-Profis,<br />
Marketing-Experten, Marktforscher und Einsteiger,<br />
die den Kongress nutzten, um einen<br />
Zugang in die Welt der Robotik zu finden.<br />
Als Keynote-Speaker konnten wir in diesem<br />
Jahr Prof. Torsten Kröger gewinnen. Er gehört<br />
zu den erfolgreichsten Robotik-Forschern<br />
in Deutschland und leitet das Institut<br />
für Anthropomatik und Robotik am KIT in<br />
Karlsruhe. Kernthema seines Vortrags war<br />
die zunehmende Lernfähigkeit der Roboter.<br />
Um den Fortschritt zu demonstrieren, hatte<br />
Kröger jede Menge Beispiele im Gepäck.<br />
Beim Greifen von unbekannten Objekten<br />
etwa können Roboter heute selbstständig<br />
Strategien entwickeln, um die Aufgabe immer<br />
besser zu lösen, ohne dass dafür auch<br />
nur eine Programmzeile geschrieben werden<br />
muss. Aber auch das herkömmliche Programmieren<br />
von Robotern ist längst nicht<br />
mehr ein Fall für den Spezialisten. Ein<br />
Vortrag des Unternehmens drag and bot<br />
aus Stuttgart zeigte auf, wie einfach das<br />
inzwischen mit Apps funktioniert. Mehr<br />
dazu lesen Sie in einer ausführlichen<br />
Reportage vom Robotics Kongress in<br />
Ausgabe 6. In der folgenden geht es erstmal<br />
um 4.0 und die Digitalisierung. •<br />
Themen 04.19<br />
06 Technik-Augenblicke<br />
08 Tipps der Redaktion<br />
10 Digitale Services<br />
14 IT-Grundschutz<br />
18 Menschen<br />
20 Storytelling<br />
24 Digitalisierung<br />
28 Druckluft<br />
32 Standort China<br />
40 Cloud-Anbindung<br />
44 Simulationstechnik<br />
50 Smarte Textilien<br />
54 Automatisierung<br />
56 Fertigungstechnik<br />
60 Produkte<br />
66 Glosse<br />
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FERTIGUNG ZUM<br />
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Uwe Böttger<br />
Redakteur <strong>Industrieanzeiger</strong><br />
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<strong>Industrieanzeiger</strong> 04.19 3
inhalt 04.19<br />
32 | Standort<br />
China ist für viele deutsche<br />
Industriefirmen die größte<br />
nationale Absatzregion. Jetzt<br />
strebt das Reich der Mitte<br />
bei wichtigen Zukunftstechnologien<br />
an die Weltspitze.<br />
24 | Digitalstrategie<br />
Per Dashboard lässt sich<br />
Condition Monitoring in der<br />
Cloud für Anwender einfach<br />
durchführen. Festo plant,<br />
vorkonfigurierte Dashboards<br />
passend zu einzelnen<br />
Komponenten anzubieten.<br />
28 | Interview<br />
Immer mehr Unternehmen<br />
kaufen Druckluft als Service.<br />
Thomas Kaeser, Vorstandsvorsitzender<br />
von Kaeser<br />
Kompressoren, spricht über<br />
die Herausforderungen.<br />
4 <strong>Industrieanzeiger</strong> 04.19
Exklusiv.<br />
ERP für Losgröße 1+<br />
News & Management<br />
03 Meinung<br />
Der Robotics Kongress in Hannover<br />
zieht Teilnehmer magisch an<br />
10 Digitalstrategie<br />
Aufholbedarf bei der Digitalisierung<br />
der Kundenschnittstellen<br />
12 Branchenkonjunktur<br />
Kapazitätsengpässe und flaue Marktnachfrage<br />
bremsen Maschinenbauer<br />
14 IT-Sicherheit<br />
Firmen und Behörden können sich<br />
IT-Grundschutz zertifizieren lassen<br />
15 Elektromobilität<br />
Der weltweite Bestand an E-Autos<br />
wächst – Deutschland auf Rang 8<br />
16 Messebilanz<br />
Gute Noten nach Torschluss des Leipziger<br />
Messedoppels Intec und Z<br />
20 Marketing<br />
Wie kreatives Storytelling differenziert<br />
und die Marke stärkt<br />
22 Digital Leader<br />
Digitalisierung verändert Strukturen<br />
wie auch die Führung<br />
24 Digitalstrategie<br />
Festo erweitert Pneumatik-Funktiona -<br />
lität und schafft zusätzliche Services<br />
●28 Interview<br />
Kaeser-Chef Thomas Kaeser zu den<br />
Entwicklungen durch Digitalisierung<br />
Technik & Wissen<br />
●32 Standortwettbewerb<br />
Die geregelte Wirtschaft Chinas bietet<br />
hiesigen Firmen Chancen wie Risken.<br />
Um künftig zu bestehen, muss Europa<br />
viel größer denken.<br />
38 Retrofit<br />
Steuerungstechnik von Beckhoff bringt<br />
Anlage auf aktuellen Technik-Stand<br />
40 Digitalisierung<br />
Bei einer Maschinen-Neu-Entwicklung<br />
setzt Rühle auf Cloud-Anbindung<br />
44 Automatisierung<br />
Fertigungsprozesse mit dem<br />
CNC-Simulator steuern<br />
46 ERP-Software<br />
Produktionsmaschinen direkt aus dem<br />
ERP-System ansteuern<br />
48 Software<br />
Digitaler Zwilling kann das Zusammenspiel<br />
von Komponenten testen<br />
50 Smarte Textilien<br />
Ein Anwenderforum transferiert neue<br />
Technikideen an KMU – Ende Februar<br />
52 Selbstlernende Software<br />
Wie Roboter bald eintönige<br />
Bürotätigkeiten übernehmen können<br />
54 Automatisierung<br />
Hersteller von Schneidwerkzeugen<br />
kriegt kleine Losgrößen in den Griff<br />
56 Fertigungstechnik<br />
Neues interdisziplinäres Forschungskonzept<br />
für innovative Prozesse<br />
Produkte & Service<br />
06 Augenblicke der Technik<br />
08 Tipps der Redaktion<br />
16 Veranstaltungen<br />
18 Menschen<br />
60 Produkte<br />
63 Buchtipps<br />
64 Vorschau<br />
64 Impressum<br />
65 Wir berichten über<br />
66 Zuletzt<br />
Zum Titelbild<br />
Roboter lernen Lernen. War ebenfalls ein<br />
Thema auf dem 8. Robotics Kongress des<br />
<strong>Industrieanzeiger</strong>s und der Robotation<br />
Academy in Hannover. So können Roboter<br />
heute selbstständig Strategien entwickeln,<br />
um unbekannte Objekte zu greifen. Bild:<br />
sdecoret/Fotolia<br />
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noch mehr News.<br />
Genialität<br />
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<strong>Industrieanzeiger</strong> 04.19 5<br />
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augenblicke der technik<br />
Der demografische Wandel stellt das Handwerk<br />
vor große Herausforderungen. So ist<br />
die Arbeit gerade für ältere Mitarbeiter oft<br />
eine große Belastung. Gefragt sind Hilfsmittel,<br />
mit denen der Mensch seinen Berufsalltag<br />
langfristig gesundheitsschonend meistern<br />
kann. Vor diesem Hintergrund hat der<br />
Hersteller Ottobock das Exoskelett Paexo<br />
entwickelt. Das Modell ist ein sogenanntes<br />
passives Exoskelett, das keine Energiezufuhr<br />
benötigt. Deshalb<br />
ist es auch mit 1,9 kg<br />
besonders leicht. Der<br />
Mitarbeiter trägt Paexo<br />
wie einen Rucksack eng am Körper. Das Gewicht<br />
der erhobenen Arme wird über die<br />
Armschalen und einer mechanischen Seilzugtechnik<br />
auf die Hüfte abgeleitet. Das<br />
schont die Muskeln und Gelenke im Schulterbereich.<br />
Speziell Tätigkeiten über Kopf<br />
lassen sich mit dieser Technik komfortabler<br />
ausführen. Das Design des Exoskeletts orientiert<br />
sich dabei an den natürlichen Bewegungen<br />
des Menschen. So kann der Anwender<br />
mit der Arbeitshilfe gehen, sitzen und<br />
Gegenstände aufheben. Das Modell ist in<br />
weniger als 20 s an- beziehungsweise abgelegt<br />
und lässt sich problemlos über 8 Stunden<br />
tragen. Bild: Ottobock<br />
6 <strong>Industrieanzeiger</strong> 04.19
<strong>Industrieanzeiger</strong> 04.19 7
Bild: Anki<br />
tipps der redaktion<br />
Kuschel-Kugel<br />
Bild: Tubes Radiatori/Max Zambelli<br />
Gut in Form<br />
Der mobile Heizkörper Eve vereint<br />
Wärme und Stimmungslicht<br />
in einem unkonventionellen<br />
Design. Die Formensprache des<br />
knuffigen Wärmespenders erinnert<br />
mehr an eine Vase als an<br />
eine Heizung. Ausgestattet mit<br />
dimmbarem Licht, wird die<br />
mobile Eve zum geradezu<br />
magischen Objekt, das eine<br />
persönliche Wärme erzeugt.<br />
Schick in Schale<br />
Hier fühlen sich Mobilgeräte<br />
gut aufgehoben und tanken<br />
neue Kraft: Über integrierte<br />
USB-Anschlüsse lädt die Bluelounge<br />
Sancturay4 zeitgleich bis<br />
zu vier Geräte jeder Art und<br />
Hersteller. Ein Tablet-Ständer<br />
mit einstellbarem Winkel<br />
sorgt dafür, dass Tablets aller<br />
Größen einen angemessenen<br />
Platz finden.<br />
Bild: Bluelounge<br />
Es hat sich ausgeklickt. Mit<br />
der Spacemouse compact<br />
können CAD-Anwender ihr<br />
Modell in einer einzigen fließenden<br />
Bewegung intuitiv<br />
zoomen, drehen und bewegen.<br />
Dabei ist die 3D-Maus<br />
nicht nur eine Wohltat für die Hand. Ihr Gebrauch<br />
führt beim User auch zu einer entspannten Sitzhaltung<br />
und macht ihn produktiver.<br />
Bild: 3Dconnexion<br />
@<br />
Eine<br />
Übersicht sowie weitere Informationen zu<br />
den einzelnen Tipps erhalten Sie hier:<br />
www.industrieanzeiger.de/tipps<br />
Mit Herz und Verstand<br />
Je häufiger man mit Cozmo spielt, desto mehr Erfahrung sammelt er und<br />
entwickelt neue Fähigkeiten. Am kleinen Roboter mit Mimik, Sprache<br />
und großem Verstand haben Experten aus Robotik, KI und Gamedesignin<br />
zusammengewirkt. Entstanden ist ein ausdrucksstarker Charakter. Die<br />
zugehörige App ist prall gefüllt mit Spielinhalten und neue Optionen, um<br />
mit dem schlauen Spielgefährten zu interagieren.<br />
8 <strong>Industrieanzeiger</strong> 04.19
| AT11-17G |<br />
Multiachs-Servosystem AX8000:<br />
Minimale Zykluszeit, maximale Leistung.<br />
Schneller Strom- und Lageregler:<br />
Stromregler-Reaktionszeit 1 μs<br />
Stromregler-Zykluszeit 62,5 μs (bis zu 16 μs)<br />
Drehzahlregel-Zykluszeit 62,5 μs (bis zu 32 μs)<br />
Lageregler-Zykluszeiten 62,5 μs<br />
EtherCAT-Zykluszeit 62,5 μs<br />
www.beckhoff.de/AX8000<br />
Das AX8000-System komplettiert die hochskalierbare Beckhoff Antriebstechnik. Das modular<br />
kombinierbare Multiachs-Servosystem AX8000 bringt Hochleistungs-Antriebstechnik mit<br />
optimierter Raumausnutzung in den Schaltschrank. Der AX8000 ermöglicht gleichmäßigere<br />
Bewegungsabläufe durch erhöhte Abtastraten und somit eine optimierte Produktqualität.<br />
Die Strommessung erfolgt innerhalb 1 μs in einem FPGA.<br />
Halle 9,<br />
Stand F06<br />
<strong>Industrieanzeiger</strong> 04.19 9
nachrichten<br />
Aufholbedarf bei der<br />
Kundenschnittstelle<br />
Digitalstrategie | Bei der Transformation ihrer<br />
Kundenschnittstellen mit Blick auf digitale Services<br />
haben Industrieunternehmen Aufholbedarf.<br />
Dies zeigt eine aktuelle Lünendonk-Studie.<br />
Digitale Services werden für die<br />
Industrie immer wichtiger. Neue<br />
datenbasierte Services zu entwickeln,<br />
Sensorendaten zu monetarisieren<br />
und sich in der globalen<br />
IoT-Plattform-Ökonomie zu<br />
positionieren, sind die großen<br />
Aufgaben. Bei alldem müssen<br />
die Unternehmen digitale Kanäle<br />
und Schnittstellen aufbauen,<br />
die Kunden als hochwertig<br />
wahrnehmen.<br />
Doch beim Umsetzen ihrer<br />
kundenzentrischen Digitalisierungsstrategien<br />
sind Firmen im<br />
Hintertreffen. Den aktuellen<br />
Stand zeigt die Lünendonk-Studie<br />
„Der Markt für Customer<br />
Experience Services in Deutschland“.<br />
Befragt wurden 19 Anbieter<br />
von Customer Experience<br />
Services sowie 109 Großunternehmen<br />
und Konzerne.<br />
„Ein benutzerfreundliches<br />
User Interface genügt den meisten<br />
Kundenansprüchen schon<br />
lange nicht mehr“, sagt Mario<br />
Zillmann, Partner von Lünendonk<br />
& Hossenfelder. So werde<br />
etwa erwartet, dass Prozesse wie<br />
E-Commerce und Kundenservice<br />
einen nahtlosen Wechsel<br />
zwischen mehreren Mobile<br />
Devices ermöglichten und alle<br />
relevanten Kundendaten aus<br />
den ERP- und CRM-Systemen<br />
abrufbar wären.<br />
Dies setzt jedoch eine moderne<br />
und schnittstellenoffene IT-<br />
Landschaft voraus, was aber für<br />
den Großteil der befragten Unternehmen<br />
noch ein Hindernis<br />
darstellt – nur 40 % gaben an,<br />
dass ihre IT-Systeme eine hohe<br />
Integrationsfähigkeit aufweisen.<br />
Zillmann sieht hier „noch Aufholbedarf“.<br />
28 % der Befragten<br />
sehen sich im Rückstand, wenn<br />
es um die Skalierung neuer Produkte<br />
und Services geht.<br />
Auch bei der Projektumsetzung<br />
hapert es. Zwei Drittel der<br />
befragten Führungskräfte räumen<br />
ein, dass geplante und initiierte<br />
Projekte zur Digitalisierung<br />
der Kundenschnittstellen<br />
sowie zur Entwicklung neuer<br />
Produkte und Geschäftsmodelle<br />
in ihrer Firma nicht umgesetzt<br />
wurden. Zu viele Projekte und<br />
Initiativen würden gleichzeitig<br />
laufen, zudem wären nicht genügend<br />
Fachkräfte verfügbar. •<br />
Ein benutzerfreundliches<br />
und ansprechendes User<br />
Interface genügt den<br />
meisten Kundenansprüchen<br />
nicht mehr. Bild:<br />
Westend61/Fotolia<br />
Auslandsfachkräfte dringend gesucht<br />
Fachkräfte aus Nicht-EU-Ländern werden<br />
wichtiger denn je. Bild: pressmaster/<br />
Fotolia<br />
Arbeitsmarkt | Der demographiebedingte<br />
Rückgang des Arbeitskräfteangebots in<br />
Deutschland erfordert, dass jährlich bis zum<br />
Jahr 2060 mindestens 260.000 Menschen<br />
zuwandern. Davon müssten im Jahresdurchschnitt<br />
etwa 146.000 Personen aus<br />
Drittstaaten außerhalb der EU einwandern.<br />
Dies geht aus einer aktuellen Studie des<br />
Instituts für Arbeitsmarkt und Berufsforschung<br />
(IAB) der Hochschule Coburg im<br />
Auftrag der Bertelsmann Stiftung hervor.<br />
Die Forscher berücksichtigten dabei auch<br />
die Potenziale der einheimischen Bevölkerung.<br />
Selbst wenn hierzulande eine Rente<br />
mit 70 eingeführt würde, könne der Fachkräftebedarf<br />
nicht mit inländischen Mitteln<br />
gedeckt werden, sagt Jörg Dräger, Vorstand<br />
der Bertelsmann Stiftung, und betont, dass<br />
Migration ein zentraler Schlüssel zu einer<br />
gelingenden Zukunft sei. Ein zunehmend<br />
digitalisierter Arbeitsmarkt erfordere nicht<br />
weniger Arbeitskräfte, sondern mehr Fachkräfte<br />
mit hoher Qualifikation, etwa Techniker,<br />
Meister und Akademiker. •<br />
10 <strong>Industrieanzeiger</strong> 04.19
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<strong>Industrieanzeiger</strong> © PHOENIX CONTACT 04.19 2019<br />
11
nachrichten<br />
Ticker<br />
+++ Umzug | Die KraussMaffei<br />
Group (KraussMaffei) plant,<br />
das Hauptwerk und die Firmenzentrale<br />
von München-Allach<br />
nach Parsdorf/Vaterstetten im<br />
Osten von München zu verlegen.<br />
Der Umzug soll Mitte 2022<br />
beginnen und im Jahr 2027 abgeschlossen<br />
sein. +++<br />
Engpässe bei Kapazitäten<br />
bremsen Maschinenbauer<br />
❧<br />
+++ Service | Anlässlich des chinesischen<br />
Neujahrs am 5. Februar<br />
eröffnete die Kistler Gruppe<br />
ein neues Büro in Shanghai.<br />
Mit dem Gebäude wollen die<br />
schweizer Messtechnikexperten<br />
ihre Präsenz auf dem chinesischen<br />
Markt stärken und dem<br />
Kunden vor Ort Produkte und<br />
Services aus einer Hand bieten.<br />
Das Office ist zudem künftig<br />
das Drehkreuz für alle Projekte<br />
in China. +++<br />
❧<br />
+++ Preis | Continental hat den<br />
VDA Logistik Award 2019 gewonnen.<br />
Das Technologieunternehmen<br />
überzeugte die Jury mit<br />
seinen Lösungen für ein ganzheitliches<br />
Risiko- und Allokationsmanagement.<br />
+++<br />
❧<br />
+++ Kooperation | Der weltweit<br />
agierende Technologiekonzern<br />
Voith arbeitet künftig mit dem<br />
Münchner Technologie- und<br />
Softwareunternehmen Perfect-<br />
Pattern im Bereich der Künstlichen<br />
Intelligenz zusammen. Ziel<br />
der Kooperation ist es, die Prozesse<br />
und Planungen in industriellen<br />
Produktionsumgebungen<br />
zu optimieren. +++<br />
Die Dynamik im deutschen<br />
Maschinenbau hat<br />
sich zunehmend ins Inlandsgeschäft<br />
verlagert.<br />
Bild: Kadmy/Fotolia<br />
Konjunktur | Der Maschinenbau erwartet für 2019 ein<br />
Wachstum von 2 % – ein Wert, der im Vorjahr erreicht wurde,<br />
da die Schlussmonate unerwartet schwach verliefen.<br />
Der VDMA prognostiziert weiterhin<br />
ein Wachstum der Produktion<br />
von 2 % für 2019,<br />
obwohl sich die konjunkturellen<br />
Perspektiven seit der Veröffentlichung<br />
der Prognose im letzten<br />
September eher verschlechtert<br />
haben. Lag in den ersten zehn<br />
Monaten des Vorjahres das<br />
Wachstum der Produktion mit<br />
3,7 % noch auf Kurs, erwiesen<br />
sich die beiden Schlussmonate<br />
als unerwartet schwach. Im<br />
Dezember sank der Wert sogar<br />
um 8 %.<br />
Ursprünglich hatte der Auftragseingang<br />
ein deutlich dynamischeres<br />
Produktionswachstum<br />
signalisiert. Dem machten<br />
jedoch die Kapazitätsengpässe<br />
einen Strich durch die Rechnung.<br />
Laut Angaben litten 28 %<br />
der Maschinenbauer unter<br />
Materialknappheit, 27 % der<br />
Unternehmen unter Arbeitskräftemangel<br />
und 10 % unter Engpässen<br />
im eigenen Maschinenpark.<br />
Stand September 2018 reicht<br />
das Auftragspolster im Schnitt<br />
für 8,5 Produktionsmonate.<br />
Demnach würden viele Aufträge<br />
aus dem Vorjahr erst in diesem<br />
Jahr gefertigt, heißt es. 2018<br />
konnten die Maschinenbauer<br />
ihre Orderbücher um reale 5 %<br />
gegenüber Vorjahr füllen. Im<br />
Dezember jedoch verfehlte der<br />
Auftragseingang sein Vorjahresniveau<br />
um 8 %. „Besonders enttäuschend<br />
war dabei der Rückgang<br />
im Inland um zehn Prozent“,<br />
sagte VDMA-Konjunkturexperte<br />
Olaf Wortmann.<br />
Bezogen auf das Gesamtjahr<br />
legten jedoch die Inlandsorders<br />
um 6 % und die Bestellungen<br />
aus dem Ausland um 4 % zu. •<br />
12 <strong>Industrieanzeiger</strong> 04.19
Fraunhofer steigen kraftvoll in Forschung zu KI ein<br />
Künstliche Intelligenz | Mit der<br />
Gründung gleich zweier neuer<br />
Zentren will die Fraunhofer-<br />
Gesellschaft die Forschung im<br />
Bereich Kognitive Systeme und<br />
Künstliche Intelligenz (KI) forcieren<br />
– Schlüsseltechnologien<br />
für die Zukunftsfähigkeit des<br />
Standortes, wie sie sagen.<br />
So wurde jetzt das Fraun -<br />
hofer-Zentrum für Kognitive<br />
Produktionssystem CPS am<br />
Fraunhofer IWU gegründet, das<br />
in Dresden und Chemnitz aktiv<br />
wird. Ziel ist es, Stückzahl „1“<br />
umzusetzen und dafür eine mitwachsende<br />
Produk tionstechnik<br />
für KMU zu entwickeln.<br />
Gleichzeitig unterzeichneten<br />
die Fraunhofer mit der TU Dresden<br />
eine Absichtserklärung zur<br />
Gründung des Center for<br />
Explainable and Efficient AI<br />
Technologies (CEE). Schwerpunkt<br />
wird die KI-Forschung<br />
mit Stoßrichtung Anwerbung,<br />
Nachwuchsförderung, Lehre<br />
und Ausgründungen sein. •<br />
Schiess<br />
restrukturiert<br />
sich selbst<br />
Eigenverwaltung | Werkzeugmaschinenbauer<br />
Schiess in<br />
Achersleben nutzt ein Eigenverwaltungsverfahren,<br />
um sich neu<br />
aufzustellen. Das Amtsgericht<br />
Magdeburg hat dem Antrag der<br />
Geschäftsleitung zugestimmt.<br />
„Das Eigenverwaltungsverfahren<br />
hat keine Auswirkungen auf<br />
den Geschäftsbetrieb“, betont<br />
Dr. Robert Tobias von der Beratungsgesellschaft<br />
„Restrukturierungspartner“,<br />
der als Generalbevollmächtigter<br />
den Geschäftsführer<br />
Dongyan Mei unterstützt.<br />
„Wir produzieren in<br />
vollem Umfang weiter und erfüllen<br />
alle unsere Aufträge weiter<br />
pünktlich und in gewohnter<br />
Qualität.“ Löhne und Gehälter<br />
sind über das Insolvenzgeld bis<br />
Ende März gesichert.<br />
Anders als im regulären<br />
Insolvenzverfahren bleibt die<br />
unternehmerische Verantwortung<br />
bei der Geschäftsführung,<br />
die die Sanierung selbst steuert<br />
– eine Option, wenn ein Unternehmen<br />
früh selbst tätig wird<br />
und Handlungsspielraum für<br />
eine Lösung besteht. Schon vor<br />
Monaten hat Schiess mit einer<br />
Neuausrichtung begonnen, die<br />
eine Abkehr von kapitalintensiven<br />
Großprojekten vorsieht. Die<br />
ungekürzte Unternehmens- Info<br />
haben wir online veröffentlicht:<br />
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3) Bonität vorausgesetzt<br />
<strong>Industrieanzeiger</strong> 04.19 13
nachrichten<br />
Testat für<br />
IT-Grundschutz<br />
IT-Sicherheit | Ab sofort bietet TÜV-IT Firmen<br />
und Behörden die Möglichkeit, sich einen IT-<br />
Grundschutz zertifizieren zu lassen.<br />
Unternehmen und Behörden<br />
können sich von TÜV-IT, dem<br />
IT-Geschäftsbereich der TÜV-<br />
Nord-Gruppe, im Rahmen eines<br />
Testats nun die Basis-Absicherung<br />
aus der IT-Grundschutz-<br />
Methodik nachweisen lassen.<br />
Das Bundesamt für Sicherheit in<br />
der Informationstechnik (BSI)<br />
als Herausgeber des Standards<br />
lässt solche Testate ab sofort zu.<br />
TÜV-IT prüft dafür in einem<br />
Audit, inwieweit die Basis-Absicherung<br />
des IT-Grundschutzes<br />
umgesetzt wurde.<br />
Mit dem Testat können Firmen<br />
ihre erfolgreichen IT-<br />
Sicherheits-Aktivitäten nachweisen<br />
und gegenüber Dritten<br />
belegen. Zudem ermögliche die<br />
Basis-Absicherung einen einfachen<br />
Einstieg in den Aufbau<br />
eines Informationssicherheits-<br />
Managementsystems (ISMS).<br />
„Ein Nachweis der Basis-Absicherung<br />
bietet unseren Kunden<br />
einen großen Mehrwert.<br />
Der zugehörige Aufwand wird<br />
vergleichsweise wenig Zeit und<br />
personelle Ressourcen in Anspruch<br />
nehmen“, sagt Tobias<br />
Kippert, stellvertretender Abteilungsleiter<br />
Business Security &<br />
Privacy und vom BSI zugelassener<br />
Auditteamleiter für den<br />
Grundschutz bei der TÜV-IT. •<br />
Unternehmen können<br />
sich ab sofort ihre IT-<br />
Sicherheitsaktivitäten<br />
mit einem Testat als<br />
IT-Grundschutz<br />
zertifizieren lassen.<br />
Bild: Laymanzoom/Fotolia<br />
Elektrotankstelle für Mitarbeiter<br />
Ladeinfrastruktur | Der Ditzinger Werkzeugmaschinenhersteller<br />
Trumpf hat laut<br />
eigenen Angaben eine der größten Elektrotankstellen<br />
Deutschlands eröffnet. 86 Ladepunkte<br />
stehen den Mitarbeitern im neuen,<br />
firmeneigenen Parkhaus am Standort Ditzingen<br />
zur Verfügung. Die installierten<br />
Lade boxen haben gemeinsam eine Leistung<br />
von beinahe 1000 kW. Je Box lassen sich<br />
zwei Autos mit bis zu 22 kW am Stromnetz<br />
mit Energie betanken.<br />
„Die Anzahl an privaten E-Autofahrern<br />
bei Trumpf steigt. Wir möchten den Mitarbeitern<br />
die Möglichkeit geben, ihr Auto<br />
bequem während der Arbeitszeit zu laden“,<br />
erklärt Jürgen Schäfer, der die Bauvorhaben<br />
der Trumpf-Gruppe verantwortet.<br />
Die Zufahrt zu den Ladeboxen ist automatisiert<br />
geregelt – nur wer ein E-Kennzeichen<br />
hat, darf auf die entsprechende Etage<br />
fahren. Eine Kamera erkennt das Kennzeichen<br />
und öffnet die Schranke. Gestartet<br />
wird der Ladevorgang über den Firmen-<br />
Mitarbeiterausweis. Wenn der Bedarf an<br />
Ladepunkten steigt, können 300 zusätzliche<br />
schnell im unternehmenseignen Parkhaus<br />
installiert werden, heißt es. Bis zu insgesamt<br />
400 Ladepunkte sind laut Schäfer im Parkhaus<br />
möglich.<br />
•<br />
Im neuen Parkhaus in Ditzingen bei Stuttgart stehen<br />
den Mitarbeitern des Werkzeugmaschinenherstellers<br />
Trumpf 86 E-Ladepunkte zur Verfügung. Bild: Trumpf<br />
Rockwell baut<br />
Portfolio aus<br />
Übernahme | Der Anbieter von Automations-<br />
und IT-Lösungen, Rockwell<br />
Automation, hat Emulate 3D, einen<br />
Entwickler von Maschinen-Software,<br />
übernommen. Mit exakten Simula -<br />
tionsmodellen zur Verbesserung der<br />
Systemplanung und Entscheidungsfindung<br />
können Kunden mit der Software<br />
des britischen IT-Hauses Maschinen-<br />
und Systemdesigns virtuell<br />
entwickeln und testen. Durch die<br />
Übernahme will der US-Konzern sein<br />
Connected-Enterprise-Portfolio stärken.<br />
Damit will der Anbieter zudem<br />
Lösungen für das Handling von Automobil-,<br />
Logistik- und Materialsoftware<br />
sowie weitere industrielle Anwendungen<br />
ausbauen. •<br />
14 <strong>Industrieanzeiger</strong> 04.19
64 % mehr<br />
E-Autos als 2018<br />
Elektromobilität | Der globale Bestand an E-Autos steigt.<br />
Ganz vorne liegen liegen China und die USA. Deutschland<br />
hat laut einer ZSW-Studie noch Nachholbedarf.<br />
E-Autos auf den Straßen<br />
nehmen weltweit zu.<br />
Die beliebtesten Modelle<br />
sind von Tesla und<br />
chinesischen Marken.<br />
Bild: Wellnhofer Designs<br />
Anfang 2019 lag der Bestand an E-Autos weltweit bei<br />
5,6 Mio. 2018 lag dieser Wert noch bei rund 3,4 Mio.<br />
Stromern weltweit. Das haben Wissenschaftler des<br />
Zentrums für Sonnenenergie- und Wasserstoff-Forschung<br />
Baden-Württemberg (ZSW) herausgefunden.<br />
Markttreiber sind vor allem China und die USA:<br />
Das Reich der Mitte liegt bei den Gesamtzahlen mit<br />
etwa 2,6 Mio. E-Autos weiter unangefochten auf<br />
Platz 1 weltweit. Danach folgen die USA mit rund<br />
1,1 Mio. sowie Norwegen mit knapp 298.000 E-Autos.<br />
Allerdings fährt dort jeder zweite neue Pkw inzwischen<br />
elektrisch. Zum Vergleich: In China beträgt der<br />
Anteil von Elektroautos an den Neuzulassungen rund<br />
5 %, in den USA knapp 2 %.<br />
Performance<br />
neu defi niert<br />
Die aktuelle TS2-Baureihe –<br />
SCARA Design perfektioniert<br />
Erster vollkommen gekapselter Vierachs-Roboter<br />
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In Deutschland rollen jetzt knapp 142.000 Stromer<br />
über die Straßen. Damit liegt die Bundesrepublik weltweit<br />
auf Rang 8 beim Bestand und belegt den vierten<br />
Platz bei den Neuzulassungen. Die Wachstumsdynamik<br />
ist allerdings vergleichsweise gering, denn 2018<br />
wurden nur etwa 13.000 Fahrzeuge mehr neu zugelassen<br />
als im Jahr 2017. Gegenüber 2016 waren es noch<br />
rund 29.300 mehr.<br />
Nach Angaben des ZSW stammen die meisten Neuzulassungen<br />
weltweit – knapp 234.000 – von Tesla.<br />
Danach folgen die chinesischen Marken BYD und<br />
BAIC. Erfolgreichster deutscher Hersteller war BMW<br />
mit fast 87.000 Elektroautos auf Platz 6. VW liegt mit<br />
etwas über 53.000 neu zugelassenen -E-Autos auf<br />
Rang 9.<br />
•<br />
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<strong>Industrieanzeiger</strong> 04.19 15
nachrichten<br />
Veranstaltungen<br />
JEC World Composites Show,<br />
12. - 14. März, Paris<br />
Landesmesse Stuttgart, Stuttgart<br />
www.messe-stuttgart.de<br />
Leipziger Messedoppel<br />
entfaltet seine Strahlkraft<br />
❧<br />
Einführung in das Patentwesen, 18. März,<br />
Wuppertal<br />
Technische Akademie Wuppertal e. V.,<br />
Wuppertal<br />
www.taw.de<br />
❧<br />
Empolis Executive Forum 2019 / Service<br />
2020: Digital. Smart. Data-driven,<br />
18. - 19. März, Berlin<br />
Empolis Information Management,<br />
Kaiserslautern<br />
www.empolis.com<br />
Oberflächenmesstechnik, 19. - 20. März,<br />
Göttingen<br />
Technische Akademie Wuppertal e. V.,<br />
Wuppertal<br />
www.taw.de<br />
Fastener Fair, 19. - 21. März, Stuttgart<br />
Mack Brooks Exhibitions, St Albans<br />
www.fastenerfair.com<br />
Zerspantechnik, 20. - 21. März, Aachen<br />
Werkzeugmaschinenlabor WZL, Aachen<br />
www.basisseminare.de<br />
❧<br />
❧<br />
❧<br />
❧<br />
eltefa, 20. - 22. März, Stuttgart<br />
Landesmesse Stuttgart, Stuttgart<br />
www.messe-stuttgart.de<br />
❧<br />
Innovativen Produkten,<br />
Neuheiten und Weiterentwicklungen<br />
waren die<br />
Fachbesucher in Leipzig<br />
auf der Spur. Bild: Leipziger<br />
Messe/Tom Schulze<br />
Bilanz | Die Aussteller des Messverbunds Intec und Z<br />
haben eine positive Bilanz gezogen. Rund 24.400 Besucher<br />
haben sich über die Neuheiten der Branche informiert.<br />
Auf einer in Leipzig weiter<br />
gewachsenen Ausstellungsfläche<br />
von mehr als 70.000 m² stellten<br />
die 1324 Aussteller des soeben<br />
beendeten Messedoppels Intec<br />
und Z ihre Innovationskraft<br />
unter Beweis. Für die gezeigten<br />
Exponate – einerseits aus dem<br />
Bereich Werkzeugmaschinen sowie<br />
Fertigungs- und Automatisierungstechnik,<br />
andererseits<br />
aus dem Sektor Teile, Komponenten,<br />
Module und Technologien<br />
– interessierten sich laut<br />
Angaben der Leipziger Messe<br />
24.400 Besucher aus 35 Ländern.<br />
Das sind rund 200 mehr<br />
als bei der letzten Veranstaltung<br />
vor zwei Jahren.<br />
Jeder zweite Besucher zählte<br />
laut Befragung zur Gruppe der<br />
Entscheider in seinem Unternehmen.<br />
„Die hohe Qualität der<br />
Gespräche und Kundenkontakte<br />
auf den Messen haben ver-<br />
deutlicht, dass unser Messeduo<br />
zu den wichtigsten Branchen -<br />
terminen in Europa gehört“,<br />
so Markus Geisenberger, Geschäftsführer<br />
der Leipziger Messe.<br />
Vor allem aus Mitteldeutschland<br />
lockten Intec und Z viele<br />
Besucher an. Einmal mehr hat<br />
der Messeverbund auch seine<br />
Strahlkraft nach Osteuropa entfaltet.<br />
Die Besucher nutzten neben<br />
dem Ausstellerangebot auch<br />
das begleitende Fachprogramm,<br />
das die aktuellen Top-Themen<br />
der Branche aufgegriffen hat.<br />
Den zum 15. Mal verliehenen<br />
Intec-Preis sicherte sich Blum-<br />
Novotest in der Kategorie<br />
„Unternehmen über 100 Mitarbeiter“.<br />
In der Kategorie bis 100<br />
Mitarbeiter war Metrom Mechatronische<br />
Maschinen erfolgreich.<br />
Der erstmals ausgelobte<br />
Preis der Zuliefermesse Z ging<br />
an Memotec. •<br />
16 <strong>Industrieanzeiger</strong> 04.19
Kemper wächst über die Maßen<br />
Schweden ist digitaler Vorreiter<br />
Absaugtechnik | Die Kemper<br />
GmbH steigerte ihre Erlöse erneut<br />
mit einem Umsatzsprung<br />
von 13 % im Vergleich zu 2017<br />
und fährt mit über 40 Mio.<br />
Euro Gesamtumsatz das bisher<br />
beste Jahr der Firmen geschichte<br />
ein, gemessen an den Erlösen.<br />
Binnen acht Jahren sei es sogar<br />
gelungen, den Umsatz zu verdoppeln,<br />
so heißt es.<br />
Das Familienunternehmen<br />
wertet dies auch als Hinweis,<br />
dass der Stellenwert des Arbeitsschutzes<br />
in ganz Europa steigt.<br />
Während Deutschland der wichtigste<br />
Absatzmarkt für die<br />
Absaugtechnik von Kemper<br />
blieb, trugen 2018 insbesondere<br />
die europäischen Märkte Tschechien,<br />
Großbritannien, Frankreich,<br />
Niederlande, Polen und<br />
Spanien zum Unternehmens-<br />
wachstum bei. Dabei legte<br />
Kemper im Projektgeschäft zu:<br />
Im Vergleich zu 2017 wuchs der<br />
Verkauf von Absaug- und Filteranlagen<br />
um 25 %.<br />
Der Fachkräftemangel zeige<br />
sich dabei als einer der Haupttreiber.<br />
„Dadurch erhält der<br />
Arbeitsschutz eine neue Relevanz<br />
in produzierenden Unternehmen“,<br />
sagt Frederic Lanz,<br />
neuer Geschäftsführer Marketing<br />
& Vertrieb bei Kemper.<br />
„Betriebe, die hochwertige<br />
Technologie wie unsere einsetzen,<br />
signalisieren durch den<br />
Einsatz effektiver Absaugtechnik,<br />
dass ihnen die Gesundheit<br />
ihrer Mitarbeiter wichtig ist.“<br />
Das Unternehmen möchte an<br />
die guten Ergebnisse anknüpfen<br />
und bis 2025 seine Umsätze um<br />
die Hälfte weiter steigern. •<br />
Der Verkauf zentraler<br />
Filteranlagen stieg 2018<br />
um mehr als 25 % bei<br />
Kemper. Bild: Kemper<br />
Partnerland Hannover Messe |<br />
Schweden, das Partnerland der<br />
diesjährigen Hannover Messe,<br />
ist für die deutschen Maschinenbauer<br />
wichtiger Handelspartner<br />
und zugleich Vorreiter der digitalen<br />
Umgestaltung, teilt der<br />
Verband VDMA mit. Als Hochlohnland<br />
haben die Skandi -<br />
navier eine hohe Affinität zu<br />
Industrie-4.0- und Automatisierungslösungen.<br />
Hinzu kommt<br />
eine Forschungsquote von<br />
3,3 % des Bruttoinlands pro -<br />
dukts, die dem Land den Spitzenplatz<br />
in der EU sichert<br />
(Deutschland: 3 %, Rang 3).<br />
„Die Automatisierung hat Top-<br />
Priorität in Schweden, um international<br />
wettbewerbsfähig bleiben<br />
zu können“, erläutert Ulrich<br />
Ackermann, Leiter VDMA<br />
Außenwirtschaft. „Darüber<br />
hinaus ist Schweden auch ein<br />
wichtiger Partner im globalen<br />
Kampf für den freien Handel“,<br />
sagt er.<br />
Die schwedische Industrie<br />
mit ihren insgesamt 1,2 Millionen<br />
Unternehmen ist geprägt<br />
von starken Großkonzernen<br />
und vielen kleineren Firmen.<br />
Echte Mittelständler gibt es vergleichsweise<br />
wenige. Andererseits<br />
sind schwedische Produzenten<br />
und Kunden oft Trendsetter<br />
im Einsatz neuer Techno-<br />
Schweden wird sich in Hannover als<br />
technologisch führendes Land präsentieren<br />
können. Bild: vladuzn/Fotolia<br />
logien, teilt der VDMA mit –<br />
etwa von Künstlicher Intelligenz<br />
und „Machine Learning“.<br />
Hier liegt das nordeuropäische<br />
Land aus Sicht von Experten<br />
sogar ganz vorne in Europa.<br />
Auch beim Robotereinsatz in<br />
der Industrie wird Schweden in<br />
Europa nur von Deutschland<br />
übertroffen. Kamen in der<br />
Bundesrepublik im Jahr 2017<br />
auf 10.000 Industriearbeitsplätze<br />
322 Industrieroboter, waren<br />
es in Schweden 240. •<br />
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<strong>Industrieanzeiger</strong> 04.19 17
menschen<br />
CFO aus der<br />
3. Generation<br />
Wechsel im Festo-Vertrieb<br />
Jörg Kipper (li.) hat zum 1. Februar die alleinige<br />
Geschäftsführung der Festo Vertrieb GmbH &<br />
Co KG übernommen, die verantwortlich für den<br />
Vertrieb der Automatisierungsprodukte in<br />
Deutschland ist. Der bisherige Sales Manager<br />
übernimmt die Geschäftsführung der größten<br />
Festo-Landesgesellschaft von Frank Notz (mi.),<br />
der als Personalvorstand in die Festo AG wechselte.<br />
Neuer Sales Manager der Vertriebsgesellschaft<br />
Deutschland ist Axel Schümann (re.).<br />
Chefwechsel bei<br />
Turck-Österreich<br />
Bei der österreichischen<br />
Turck-<br />
Landesgesellschaft<br />
in Wien hat Herbert<br />
Salzgeber (Bild) im<br />
Januar die Leitung<br />
übernommen. Der<br />
51-jährige Automatisierungsspezialist<br />
verfügt über langjährige<br />
Vertriebserfahrung.<br />
Er folgt in<br />
seiner neuen Position bei der Turck GmbH auf<br />
Stephan Auerböck (47), der das Unternehmen<br />
nach mehr als 25 Jahren auf eigenen Wunsch<br />
verlassen hat, um sich außerhalb der Automatisierungsbranche<br />
neu zu orientieren.<br />
Neuer Geschäftsführer<br />
für Menzerna<br />
Seit Anfang des Jahres ist Philipp Lehner (Bild) neuer<br />
Chief Financial Officer (CFO) des österreichischen<br />
Verpackungsspezialisten Alpla GmbH & Co KG,<br />
Hardt, und verantwortet die Bereiche Finanzen,<br />
Informationstechnologie, Digitalisierung und Human<br />
Resources. Der 34-jährige Sohn von CEO Günther<br />
Lehner ist bereits seit Juni 2014 im Familienunternehmen<br />
tätig. Als CFO löst Lehner Georg Früh ab, der<br />
sich künftig Family Office Aufgaben widmen wird.<br />
Die deutsche Niederlassung des finnischen<br />
Schweißgeräteherstellers Kemppi<br />
Oy wird seit Mitte Januar wieder von<br />
Joachim Kalwe (Bild) geleitet. Der<br />
52-Jährige folgt Frederic Lanz, der sich<br />
neuen beruflichen Herausforderungen<br />
widmet. Kalwe war bereits von 2000 bis 2009<br />
Geschäftsführer der Kemppi GmbH in Langgöns<br />
und kehrt nun zum finnischen Familienunternehmen<br />
zurück.<br />
Stefan Sulzmaier (Bild) ist seit Januar Geschäftsführer<br />
der Menzerna Polishing Compounds<br />
GmbH & Co. KG, Ötigheim. Er leitet gemeinsam<br />
mit Dr. Tilo Franz die Geschäfte des Spezialisten<br />
für Polierprozesse. Sulzmaier verantwortet die<br />
Bereiche Vertrieb und Marketing, Franz ist für<br />
F&E, Produktion und kaufmännische Dienste<br />
zuständig.<br />
Rückkehr<br />
zu Kemppi<br />
18 <strong>Industrieanzeiger</strong> 04.19
Industrie<br />
fachjobs24.de – hier finden Arbeitgeber<br />
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<strong>Industrieanzeiger</strong> 04.19 Das Stellenportal für Ihren Erfolg! 19
Gut aufbereitete Geschichten<br />
kommen an und bleiben in Erinnerung.<br />
Bild: Sergey Nivens/Fotolia<br />
Kreatives Storytelling differenziert und stärkt die Marke<br />
Echte Geschichten<br />
wecken E motionen<br />
Kundenkommunikation | Storytelling ist eines der<br />
wichtigsten Themen, wenn es um Marketing und PR<br />
geht. Warum diese Form des Erzählens nachhaltige<br />
Wahrnehmung bei Zielgruppen schafft.<br />
Storytelling ist gerade für den industriellen<br />
Mittelstand hoch relevant, wollen die Unternehmen<br />
nicht an Attraktivität einbüßen.<br />
Steigender Wettbewerb, gesättigte Märkte,<br />
der Kampf um hoch qualifizierte Köpfe und<br />
die digitale Transformation mit einer nie da<br />
gewesenen Vergleichbarkeit von Produkten<br />
und Dienstleistungen sind nur einige der<br />
Themen, die den Druck auf die Technologie-<br />
Unternehmen hierzulande erhöhen. Zudem<br />
ändert sich durch den wachsenden Einfluss<br />
der sozialen Medien das Rezeptionsverhalten.<br />
Faktoren wie Personalisierung, Emotionalisierung,<br />
Inszenierung, aber auch Dialog<br />
und Transparenz treten in den Vordergrund.<br />
In der Praxis wird Storytelling im Mittelstand<br />
jedoch noch nicht in dem Ausmaß genutzt,<br />
wie es sich angesichts dieser Herausforderungen<br />
vermuten ließe. Das zeigt eine<br />
aktuelle Untersuchung zu Corporate Storytelling<br />
im Mittelstand, die im Rahmen einer<br />
MBA-Arbeit entstanden ist und die Core<br />
Story von 100 Corporate-Webseiten mittelständischer<br />
Firmen analysiert hat. Hierzu<br />
wurden in einem interdisziplinären Ansatz<br />
aus PR, Markenkommunikation und Erzähltextanalyse<br />
die sogenannten Storywerte<br />
Protagonisten, Handlung, Ort/Raum, Zeit<br />
und Archetypische Plots analysiert.<br />
Die Auswertung zeigt: Beim Storytelling<br />
im Mittelstand fehlt es häufig an echten erzählerischen<br />
Elementen und die Geschichte<br />
wird nur von außen beschrieben. Dadurch<br />
werden Geschichte und Kernbotschaften<br />
nicht ausreichend inszeniert, was dazu führen<br />
kann, dass einzelne Elemente, wie die<br />
Werte des Unternehmens, austauschbar erscheinen.<br />
Häufig erschöpft sich die Wiedergabe<br />
der Firmengeschichte in einer Chronik,<br />
die rein faktisch die Gründung und Entwicklung<br />
nacherzählt. Dadurch wird die Chance<br />
vergeben, mithilfe einer Geschichte Komplexität<br />
zu reduzieren und Emotionen zu<br />
wecken, um bei Zielgruppen stärker wahrgenommen<br />
zu werden als die Konkurrenz.<br />
Wo liegen nun die Ansatzpunkte für Storytelling<br />
in der Industrie? Zunächst in der<br />
Frage nach dem Warum, also nach dem Antrieb<br />
von Unternehmen, ihrer intrinsischen<br />
Licence-to-Operate. Das geht über die Kommunikation<br />
von Produkteigenschaften und<br />
reine Rendite-Kennzahlen hinaus, ist aber<br />
essenziell, um sich von Wettbewerbern zu<br />
unterscheiden und eine Bindung zu Stakeholdern<br />
aufzubauen.<br />
Den Nutzen, den Storytelling hier bietet,<br />
ist vielfältig: Mit Geschichten lässt sich besonders<br />
wirkungsvoll Wissen vermitteln. Sie<br />
helfen komplexe Vorgänge verständlich zu<br />
erklären, einfache Fakten spannend zu gestalten<br />
und emotional aufzuladen. Der<br />
Grund, warum Storys so gut wirken ist, weil<br />
sie das Interesse und die Aufmerksamkeit<br />
20 <strong>Industrieanzeiger</strong> 04.19
news & management<br />
der Menschen aktivieren und sie mit der<br />
Geschichte verbinden. Geschichten helfen<br />
Unternehmen also eine klare Identität von<br />
sich selbst zu vermitteln, ein Image aufzubauen<br />
und so Glaubwürdigkeit, Vertrauen<br />
und Reputation zu gewinnen.<br />
Grundsätzlich sind hier narrative Text -<br />
arten wie Feature, Reportage und Porträt<br />
besonders geeignet. Gerade im Bereich der<br />
„owned media“ – sowohl in internen Medien<br />
wie Mitarbeiterzeitungen als auch in<br />
externen Medien wie Kundenmagazinen<br />
oder digitalen Plattformen mit multimedi -<br />
alen Angeboten kommt Storytelling wirkungsvoll<br />
zum Einsatz. Man denke etwa an<br />
den Hersteller für Bremsen und Zweirad-<br />
Komponenten Magura, der eine Art Road<br />
Trip quer durch Spanien inszenierte, um die<br />
Leistungsfähigkeit der Kupplungs- und<br />
Bremssysteme zu zeigen oder das Europä -<br />
ische Patentamt, das jährlich die persönlichen<br />
Geschichten profilierter Erfinder und<br />
somit die Geschichten hinter Innovationen<br />
in den Fokus rückt.<br />
DNA des Unternehmens in Erzählform<br />
Storytelling sollte dabei immer die Markenpositionierung<br />
mit differenzierenden Werten<br />
und Attributen reflektieren. Im Rahmen<br />
eines echten Storytelling-Ansatzes geht es<br />
darum, wie diese interpretiert und erzählt<br />
werden. Hier helfen sogenannte Archetypen<br />
und archetypische Plots wie etwa „David<br />
gegen Goliath“ und „vom Tellerwäscher<br />
zum Millionär“. Sie kommen aus der Psychologie<br />
und Erzähltheorie und stehen stellvertretend<br />
für Frames (Deutungsmuster)<br />
sowie Bilder von Protagonisten, die mit starken<br />
Gefühlen belegt sind und in denen sich<br />
Rezipienten direkt wiederfinden – etwa der<br />
Held, der Weise, der Abenteurer oder der<br />
30%<br />
20%<br />
10%<br />
0%<br />
Corporate Storytelling im Mittelstand<br />
23%<br />
Storytelling<br />
Text-Bild Chronik<br />
Unternehmens-<br />
Core-Story<br />
15% 14%<br />
Storytelling<br />
Gründermythos<br />
Wie Storytelling-Elemente wirken<br />
Elemente von Storytelling<br />
Narrative Erzählweise<br />
Archetypische Plots (Heldenreise)<br />
Archetypen (Held, Fürsorger, Weise)<br />
Frames (Personalisierung, Fortschritt)<br />
1%<br />
Storytelling<br />
Text Chronik<br />
Nur 15 % der 100 untersuchten<br />
Unternehmen aus<br />
dem industriellen Mittelstand<br />
setzen auf eine echte<br />
Core Story mit erzählerischen<br />
Momenten.<br />
Bild: Autor<br />
Nutzen von Storytelling<br />
Fokus liegt auf Handlung und Entstehungsprozessen<br />
Geschichten aktivieren Aufmerksamkeit und werden<br />
besser erinnert<br />
Kernbotschaften und Werte werden emotional<br />
inszeniert<br />
Vision des Unternehmens wird kommuniziert<br />
Fürsorger. Diese lassen sich auf eine Marke<br />
übertragen und helfen, ihre Persönlichkeit<br />
zu kommunizieren und den Werten eine<br />
Tonalität zu geben. In dieser Core Story geht<br />
es also um nichts weniger, als die DNA eines<br />
Unternehmens differenzierend in narrativer<br />
Form wiederzugeben.<br />
Wie die Analyse zeigt, setzen die meisten<br />
Unternehmen im industriellen Mittelstand<br />
hier auf einen Gründermythos, der die Geschichte<br />
des Gründers in den Vordergrund<br />
stellt. Dies geht mit einer starken Persona -<br />
lisierung des Unternehmensgründers einher.<br />
Dieser schlüpft, wenn es gut gemacht ist,<br />
gewissermaßen in die Rolle der Hauptfigur,<br />
der die Handlung des Gesamt-Narrativs<br />
trägt und vorantreibt. Damit einher geht<br />
zum einen eine detaillierte Beschreibung seiner<br />
Eigenschaften, etwa als Visionär oder<br />
Erfinder, die wiederum vertretend für die<br />
Marke stehen. Genauso dazu gehört die<br />
richtige Bühne für die Handlung – etwa der<br />
Firmensitz oder Ort der Gründung. Schließlich<br />
braucht es einen Spannungsbogen, der<br />
sich etwa im archetypischen Plot des Aufstiegs,<br />
des Underdogs oder der Verwandlung<br />
manifestieren lässt.<br />
Natürlich braucht es Mut, echte Geschichten<br />
zu erzählen. Dazu gehören auf der<br />
einen Seite selbstredend Erfolge, aber auch<br />
Niederlagen, Rivalitäten, Konflikte und<br />
Wendepunkte. Denn Storys dienen nicht nur<br />
der Identifikation und Selbstzuschreibung.<br />
Sie können technische Neuerungen und<br />
Erfindungen lebendig machen, zum Beispiel<br />
indem sie die Menschen, die ein bestimmtes<br />
Produkt entwickelt haben, in den Vordergrund<br />
rücken. Genauso helfen sie Veränderungen<br />
zu kommunizieren, und Krisen zu<br />
überwinden. Nicht zuletzt entsteht durch<br />
das Überwinden von Hindernissen eine<br />
Dramaturgie, die das Handeln von Unternehmen<br />
und ihren Protagonisten emotionalisiert.<br />
Damit eröffnet sich in der gegenwärtigen<br />
Lage die Chance, Transformationsprozesse<br />
im Zuge der Digitalisierung im Innenverhältnis<br />
nicht angstgetrieben – im Sinne<br />
eines Story-Plots Kamp auf Leben und Tod<br />
– zu erzählen.<br />
Vielmehr bietet sich die Chance, die Vision,<br />
wo es hingehen soll, so zu vermitteln,<br />
dass sie klare Orientierung gibt und identitätsstiftend<br />
wirkt. Auf diese Weise können<br />
Industrie-Unternehmen etwa die mit der<br />
Digitalisierung verbundenen Chancen und<br />
Entwicklungsmöglichkeiten klug transportieren.<br />
Dies entspricht einem intrinsischen<br />
Ansatz, der zu höherer Akzeptanz bei Mitarbeitern<br />
führt.<br />
•<br />
Philipp Nisster<br />
Leiter PR/content der Echolot Group in<br />
Stuttgart<br />
<strong>Industrieanzeiger</strong> 04.19 21
news & management<br />
Führungskräfte müssen<br />
in einem regelmäßigen,<br />
von Vertrauen geprägten<br />
Informationsaustausch<br />
mit ihren Mitarbeitern<br />
stehen und sie und ihre<br />
Mitarbeiter bereit sein,<br />
sich Fehlversuche einzugestehen.<br />
Bild: Wright-<br />
Studios<br />
Veränderte Strukturen erfordern veränderte Führung<br />
Der Weg zum<br />
Digital Leader<br />
Führungskräfteentwicklung | Im digitalen Zeitalter<br />
wandelt sich die Funktion von Führung. Also brauchen<br />
Führungskräfte neue Kompetenzen.<br />
Seit zwei, drei Jahren geistern die Begriffe „Digital<br />
Leadership“ oder „Digital Leader“ durch die Managementdiskussion.<br />
Sie stoßen auf eine große Resonanz,<br />
weil die Unternehmen zunehmend erkennen: Die fortschreitende<br />
Digitalisierung stellt außer unseren Organisationsstrukturen<br />
auch unsere Personalentwicklungskonzepte<br />
in Frage. Zudem wandelt sich die Funktion<br />
von Führung – unter anderem, weil heute in den meisten<br />
Unternehmen die bereichs- und hierarchie- und oft<br />
sogar unternehmensübergreifende Team- und Projekt -<br />
arbeit den Arbeitsalltag bestimmt.<br />
Das heißt: Die Bereichs- und Abteilungsgrenzen werden<br />
durchlässiger und verlieren an Bedeutung. Für die<br />
Führungskräfte bedeutet dies, zunehmend in vernetzten<br />
Strukturen denken zu müssen. Zudem müssen sie gute<br />
Netzwerker sein – unter anderem, damit sie bereichsübergreifend<br />
im Dialog mit ihren Kollegen die Arbeitsstrukturen<br />
und -beziehungen so gestalten können, dass<br />
die Ziele erreicht werden.<br />
Der zentrale Treiber dieser Entwicklung ist die Informationstechnologie.<br />
Deshalb müssen die Führungskräfte<br />
stärker in digitalen Zusammenhängen denken. Sie<br />
müssen zudem einschätzen können, was aktuell und in<br />
naher Zukunft technologisch möglich ist. Zugleich wird<br />
es verstärkt ihre Aufgabe, ihren Mitarbeitern vor Augen<br />
zu führen, welche Herausforderungen und Chancen<br />
sich hieraus ergeben; des Weiteren sie zu ermutigen,<br />
diese aktiv zu nutzen.<br />
Das setzt voraus, dass die Führungskräfte selbst<br />
bereit sind, ihre Denk- und Verhaltensgewohnheiten zu<br />
überdenken. Sie müssen sich zudem eingestehen, dass<br />
sie in der VUCA-Welt (Abkürzung der Worte Volatility,<br />
Uncertainty, Complexity und Ambiguity) allein oft nicht<br />
über die Kompetenz verfügen, adäquate Lösung zu entwerfen.<br />
Also müssen sie offen sein für Rat und Unterstützung<br />
– von Kollegen, externen Beratern oder Experten<br />
im eigenen Bereich, die einen Know-how- oder<br />
Erfahrungsvorsprung haben. Eine entsprechende Unterstützung<br />
müssen sie ihrerseits wiederum ihren Mitarbeiter<br />
gewähren – beim Lösen ihrer Aufgaben und Entwickeln<br />
ihrer Kompetenz.<br />
Verabschieden müssen sich Digital Leader zudem<br />
von der Fiktion: Veränderungen sind in der VUCA-Welt<br />
langfristig und im Detail planbar. In ihr ist vielmehr<br />
häufig ein ähnliches Vorgehen angesagt wie beim klassischen<br />
Lean Management, das auf eine kontinuierliche<br />
Verbesserung abzielt: Also ausgehend von einer vorläufigen<br />
Planung die ersten Schritte tun. Dann evaluieren:<br />
„Erzielen wir so die gewünschte Wirkung?“ Dann abhängig<br />
vom Ergebnis, den Kurs entweder korrigieren<br />
oder beibehalten. Das setzt voraus, dass Führungskräfte<br />
im regelmäßigen, von Vertrauen geprägten Informationsaustausch<br />
mit ihren Mitarbeitern stehen und beide<br />
Seiten bereit sind, sich Fehlversuche einzugestehen.<br />
22 <strong>Industrieanzeiger</strong> 04.19
Einen solchen, von Kooperation auf Augenhöhe und<br />
regelmäßiger (Selbst-)Reflexion geprägten Führungsstil<br />
praktizieren noch wenige Führungskräfte. Deshalb<br />
feilen zurzeit viele Unternehmen an neuen Führungskräfteentwicklungskonzepten.<br />
Dabei orientieren sie sich<br />
häufig am Lean-Leadership-Development-Modell, das<br />
in der Kompetenzentwicklung von Führungskräften<br />
vier Stufen unterscheidet.<br />
Die Leadership-Kompetenz mit System entwickeln<br />
• Stufe 1: Sich als Führungskraft selbst entwickeln.<br />
Dahinter steckt die Annahme, dass in der VUCA-Welt<br />
eine Kernkompetenz von Führungskräften ist, das<br />
eigene Verhalten und Wirken zu reflektieren und die<br />
eigene Performance systematisch zu erhöhen.<br />
• Stufe 2: Andere Menschen coachen und entwickeln.<br />
Diese Kompetenz-Stufe besteht in der Fähigkeit, als<br />
Führungskraft andere Personen so zu entwickeln,<br />
dass diese ihrerseits die Kompetenz erwerben, ihr<br />
Verhalten und ihr Wirken zu reflektieren und eigene<br />
Lernprozesse zu initiieren.<br />
• Stufe 3: Das tägliche Sich-Verbessern (Kaizen) unterstützen.<br />
Hier geht es darum, Gruppen von Mitarbeitern<br />
(Teams, Abteilungen, Bereiche) in eine Richtung<br />
auszurichten und den kontinuierlichen Verbesserungsprozess<br />
zu sichern.<br />
• Stufe 4: Eine Vision schaffen und die Ziele abstimmen.<br />
In die letzte Entwicklungsstufe ist idealerweise<br />
die gesamte Organisation involviert. Nun geht es<br />
darum, bereichs- und hierarchieübergreifend alle<br />
Aktivitäten so aufeinander abzustimmen, dass die<br />
über geordneten Unternehmensziele erreicht werden<br />
und die Organisation eine High-Performance-<br />
Organisa tion wird oder bleibt.<br />
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LOGIMAT<br />
Halle 7 / Stand D80<br />
19. - 21. Februar 2019<br />
Unternehmen werden lernende Organisationen<br />
Von einer Führungskräfteentwicklung, die sich an diesem<br />
Kompetenz-Modell orientiert, versprechen sich die<br />
Unternehmen eine höhere Innovationskraft ihrer Organisation;<br />
außerdem, dass sie sukzessiv zu einer Entlastung<br />
der Führungskräfte führt – und zwar in dem<br />
Maße, wie ihre Mitarbeiter die Kompetenz entwickeln,<br />
eigenständig ihr Verhalten und ihre Wirkung zu reflektieren<br />
und sich zu entwickeln. Denn je mehr Mitarbeiter<br />
eine Routine im eigenständigen Erkennen und Lösen<br />
von „Problemen“ entwickelt haben, umso seltener müssen<br />
die Führungskräfte korrigierend und unterstützend<br />
eingreifen. Das entlastet sie. Und das Unternehmen? Es<br />
ist für die VUCA-Welt gewappnet, weil es sich zu einer<br />
lernenden Organisation entwickelt hat. •<br />
<br />
<br />
<br />
<br />
Dr. Daniela Kudernatsch<br />
Inhaberin der Unternehmensberatung Kudernatsch<br />
Consulting & Solutions in Straßlach bei München<br />
www.konradin-ad.de<br />
<strong>Industrieanzeiger</strong> 04.19 23
news & management<br />
Softwarebasierte Funktionalität und digitales Servicegeschäft<br />
Klassische Pneumatik<br />
war gestern<br />
Digitalisierung | Mit einer umfassenden Digital-<br />
Strategie erweitert Festo die Funktionalität seiner<br />
Pneumatik und schafft zusätzliche Services. Davon profitieren<br />
sowohl Endkunden als auch OEMs. ❧ Nico Schröder<br />
Via Dashboard lässt sich Condition<br />
Monitoring in der Cloud für Anwender<br />
bereits heute einfach durchführen. Künftig<br />
sollen vorkonfigurierte Dashboards<br />
passend zu einzelnen Komponenten angeboten<br />
werden. Bilder: Festo<br />
Für einen Zulieferer wie Festo geht es darum, digitale Produkte<br />
und Services zu entwickeln, die sowohl den End -<br />
kunden als auch den OEMs einen entscheidenden Mehrwert<br />
bieten. Die Voraussetzung hierfür schafft die unternehmensinterne<br />
digitale Transformation, die mit informationstechnologischer<br />
Infrastruktur und dem Bereich Personal verbunden<br />
ist.<br />
Eng verknüpft damit sind neue Vertriebs- und Kommunikationsstrategien,<br />
um Kunden bereits online abzuholen und<br />
ihnen den Mehrwert digitaler Funktionen zu vermitteln.<br />
Kunden sollen mit den Möglichkeiten digitaler Produkte<br />
und Services vertraut gemacht werden. Wiederum profitieren<br />
Hersteller beziehungsweise Zulieferer und OEMs von<br />
den Erfahrungen ihrer Kunden im Bereich Digitalisierung,<br />
wenn die Erfahrungswerte aus dem Feld zurück in die Produktentwicklung<br />
fließen können.<br />
Heiko Geng, Head of Product Management Digital Business<br />
bei Festo, spricht von einer „Digitalstrategie auf mehre-<br />
24 <strong>Industrieanzeiger</strong> 04.19
en Säulen“: Das Unternehmen richte sich ganzheitlich digital<br />
aus – eng verknüpft mit den Bereichen Sales, IT und Human<br />
Resources (HR). „Die Geschäftsbereiche Electric Automation,<br />
Process Automation, Pneumatic Automation sowie<br />
Life Tech entwickeln smarte Produkte, die es uns ermöglichen,<br />
digitale Produkte und Services nachzuschalten“,<br />
beschreibt Geng die Digitalstrategie innerhalb der Produktentwicklung.<br />
Hierfür seien vor allem die Fähigkeiten der<br />
Konnektivität, der Datengewinnung und des Datensammelns<br />
maßgeblich. All dies brächten neue Produkte als infrastrukturelle<br />
Voraussetzungen mit.<br />
Als „Digital Customer Journey“, als digitale Kunden-<br />
Reise, beschreibt Geng die Aufgabe, „Kunden entlang einer<br />
Online-Experience zu führen, um ihnen die Auswahl an Produkten<br />
intuitiv online zu ermöglichen“. Das Unternehmen<br />
habe früh erkannt, neue Kanäle zu nutzen, um digitale Produkte<br />
und Services auf den Markt zu bringen, die sich von<br />
stellt, das die Fertigung langfristig betreut, um Lernprozesse<br />
auf beiden Seiten zu unterstützen. Durch eine agile Produktentwicklung<br />
ist Festo bei digitalen Produkten und Services<br />
in der Lage, permanente Updates der Software darzustellen<br />
wie sie aus dem Consumer-Bereich bekannt sind. Fehler -<br />
behebungen werden über App-Stores verfügbar gehalten.<br />
Durch die agile Produktentwicklung haben Kunden die<br />
Möglichkeit, Einfluss auf die Produktentwicklung im Entwicklungsprozess<br />
zu nehmen – das Stichwort ist Co-Creation:<br />
Mit Kunden und Partnern wie Lieferanten und Bildungsinstituten<br />
werden Dialoge und Innovations-Laboratorien<br />
(Inno-Labs) aufgebaut, um die verschiedenen Stakeholder<br />
an einer gemeinsamen Idee mitwirken zu lassen.<br />
In der Produktentwicklungsphase werden Richtungsänderungen<br />
möglich. Agile Produktentwicklungsteams, die<br />
nach der Scrum-Methodik vorgehen und sich über Sprints<br />
schnell und agil bewegen, treiben eine mechatronische<br />
”<br />
Wir entwickeln smarte<br />
Produkte, die es uns<br />
ermöglichen, digitale<br />
Produkte und Services<br />
nachzuschalten.“<br />
Quelle: Heiko Geng,<br />
Leiter Product Management<br />
Digital Business<br />
der bisherigen Vertriebswelt unterscheiden. Für die Mitarbeiter<br />
im Vertrieb bedeute dies, über die Antriebslösungen<br />
hinaus vor allem Software zu verkaufen. Software-Vertrieb<br />
sei allerdings eine deutlich andere Herausforderung, sagt<br />
Eberhard Klotz, Head of Industry 4.0 Campaign bei Festo:<br />
„Die Kunden denken anders als jene, die bisher rein Pneumatik<br />
eingekauft haben.“<br />
Untrennbar: IT und Fertigung<br />
Der klassische Pneumatiker, der kundenseitig pneumatische<br />
Lösungen wie Ventilinseln konzeptionell erstellt und fest -<br />
gelegt hat, ist eher Vergangenheit als Gegenwart. Auch die<br />
Integration von Ventilinseln in Elektronik sowie die Feldbusintegration<br />
– verbunden mit der wichtigen Rolle der<br />
Elektro-Ingenieure – hat sich gewandelt.<br />
„Heute sind IT-Ingenieure und Applikationsprogrammierer<br />
maßgeblich. Sie treffen die Entscheidung darüber,<br />
wie einen Maschinenkonzept aussieht“, sagt Festo-Applikationsingenieur<br />
Frank Bayer. Um die IT nun stärker an Fertigungsbelange<br />
heranzuführen, wird IT-Personal bereitge-<br />
Produkt- und Fertigungswelt mit klarem Software-<br />
Schwerpunkt voran. Teil der Teams sind neben Konstrukteuren<br />
sowohl Experten mit Software- und KI-Know-how<br />
sowie Elekronikwissen als auch User-Experience- und User-<br />
Interface-Designer. Mechatronik-Entwickler im Produkt -<br />
management für Ventilinseln nutzen die Digitalstrategie<br />
konsequent – verbunden mit Fragestellungen wie: Welche<br />
Sensorik und Prozessorleistung braucht eine Geräte-Generation<br />
beispielsweise, um entsprechend analysefähige Daten<br />
generieren zu können? Oder in welchen Zyklenzeiten werden<br />
Daten für Anwendungen künstlicher Intelligenz (KI) benötigt?<br />
Digitalstrategie: Multi-IoT-Plattform-Ansatz<br />
Mit wenigen Schritten sollen Kunden in der Cloud arbeiten<br />
– verbunden mit zentraler Datenhaltung, weltweit verfügbarer<br />
Daten und im nächsten Schritt auch Data Analytics. Die<br />
Daten sollen gegeneinander vergleichbar und optimiert sein.<br />
Schwächen in den Prozessen sollen identifiziert und aufgelöst<br />
werden. Festo unterstützt mit diesem Mechanismus die<br />
<strong>Industrieanzeiger</strong> 04.19 25
news & management<br />
”<br />
Global<br />
Wenn die Standardisierung der<br />
IT-Infrastruktur vorangetrieben<br />
ist, wird die Datenanalyse<br />
einfacher.“<br />
Quelle: Eberhard Klotz,<br />
Sales Director Industry 4.0 and Digitalization<br />
eigene Cloud, die auf Microsoft Azure aufsetzt und deren<br />
Services nutzt. Andere Plattformen wie Siemens Mindsphere<br />
oder Plattformen, die im asiatischen Raum gängig sind,<br />
sollen ebenfalls unterstützt werden. Mit Rockwell ist eine<br />
On-Premises-Lösung vorbereitet. Weitere On-Premises-<br />
Lösungen mit einer individuell konfigurierbaren IoT-<br />
Gateway sind ebenfalls geplant.<br />
Die IT-Infrastruktur, aber auch die Akzeptanz und das<br />
Wissen um Daten sind heute derart ausgeprägt, um bloße<br />
Datenmengen in intelligente Dateninformationen überführen<br />
zu können. Früher wurden zum Beispiel Datenlogger<br />
aufwändig durch Spezialisten ausgewertet, die für jede Anlage<br />
Algorithmen entwickeln mussten, um Wartungsintervalle<br />
setzen zu können.<br />
Über das Dashboard und die Kanalisierung der Daten<br />
wird die Hemmschwelle zur Datenauswertung für Kunden<br />
niedriger. Tiefergehende Programmierkenntnisse sind bei<br />
den Dashboards aufgrund der intuitiven Benutzeroberfläche<br />
nicht notwendig. „Der Endkunde – und das ist für den Vertrieb<br />
wichtig – ist auch bereit, Geld dafür auszugeben, weil<br />
er den Nutzen erkennt“, sagt Bayer. Kunden bekämen ein<br />
intelligentes System, das präventives Eingreifen und eine<br />
optimierte Produktion ermögliche. Klotz erklärt: „Hier hilft<br />
die neue Technologie. Wenn die Standardisierung der IT-<br />
Infrastruktur vorangetrieben ist, wird die Datenanalyse einfacher,<br />
weil die Daten bezahlbar zu speichern, zu analysieren<br />
und zu visualisieren sind. Systemintegratoren werden an der<br />
Stelle verzichtbar.“<br />
Derzeit agiert Festo cloudbasiert. Der Trend gehe aber in<br />
die Richtung, die gesamte Rechenleistung on edge laufen zu<br />
lassen, da die Datenkommunikation in die Cloud teuer ist.<br />
Möglichst viel Rechenleistung soll daher komponentenseitig<br />
stattfinden. Dann würden nur noch Signale zu Anomalien in<br />
die Cloud weitergegeben. Damit würde die Datenmenge reduziert,<br />
die in die Cloud geht. Der Kunde könnte vom einfachen<br />
Teaching bei der Inbetriebnahme profitieren. •<br />
Teil der Digitalstrategie:<br />
Elektronische Intelligenz<br />
wird funktional über<br />
Apps erweitert, wobei die<br />
Hardware gleich bleibt –<br />
hier das Wartungsmanagement<br />
per Smartenance-<br />
App. Bilder: Festo<br />
26 <strong>Industrieanzeiger</strong> 04.19
Advertorial<br />
HANNOVER MESSE 2019:<br />
KI für die Industrie<br />
Informationstechnologien beherrschen die Industrie. In produzierenden Unternehmen steigt die Bedeutung von Themen wie<br />
Künstliche Intelligenz, Konnektivität und Plattformökonomien. Nur der Einsatz innovativer Technologien sichert die Wettbewerbsfähigkeit<br />
von Unternehmen und ermöglicht neue Geschäftsmodelle. Auf der HANNOVER MESSE erfahren Besucher, wie Fabriken<br />
und Anlagen noch intelligenter werden.<br />
Vom 1. bis zum 5. April 2019 öffnet die HANNOVER MESSE erneut nomien stehen Themen wie hybride Clouds, Augmented und<br />
ihre Tore. Rund 6.500 Aussteller präsentieren sich auf der Welt- Virtual Reality, 5G, Blockchain oder Digital Twin im Vordergrund.<br />
leitmesse der Industrie. Das Leitthema lautet „Integrated Industry Insgesamt zeigen dort mehr als 600 Aussteller ihre Lösungen<br />
– Industrial Intelligence“ und unterstreicht die zunehmende<br />
für integrierte Prozesse zur industriellen Anwendung.<br />
Bedeutung von maschinellem Lernen. Der Mensch nutzt künftig<br />
Das Partnerland Schweden passt perfekt in das Programm:<br />
Künstliche Intelligenz, damit Maschinen und Fabriken sich<br />
die schwedische Regierung setzt stark auf eine intelligente Inselber<br />
steuern. Es geht dabei sowohl um Prozessoptimierung als<br />
dustrie mit den Schwerpunkten Innovation, Nachhaltigkeit und<br />
auch um Themen wie Energieeffizienz, Schnittstellen, Protokolle<br />
Digitalisierung. Dabei fokussiert sich das Land auf schwedischund<br />
Sicherheit.<br />
deutsche Innovationspartnerschaften unter anderem in den<br />
„In der heutigen Industrie hat die Digitalisierung oberste Prio- Bereichen Mobilität, Testumfelder und Digitalisierung von KMUs.<br />
rität, denn erst sie ermöglicht die Vernetzung von Lieferanten, In Hannover präsentieren sich mehr als 100 schwedische Aus-<br />
Produzenten, Kunden und Partnern entlang der gesamten Wertschöpfungskette“,<br />
sagt Arno Reich, Geschäftsbereichsleiter der<br />
steller inmitten der Weltmarktführer in Sachen Industrie 4.0.<br />
HANNOVER MESSE. „Deshalb sind neue Software- und IT-Entwicklungen<br />
für Industrieunternehmen entscheidend.“<br />
Weitere Informationen:<br />
Diese Angebote finden sich in erster Linie in den Hallen der<br />
www.hannovermesse.de<br />
Digital Factory. Neben Künstlicher Intelligenz und Plattformöko-<br />
<strong>Industrieanzeiger</strong> 04.19 27
interview<br />
Thomas Kaeser, Vorstandsvorsitzender von Kaeser Kompressoren, über Druckluft-Trends<br />
„Druckluft als Service ist<br />
für viele Firmen attraktiv“<br />
Mehr Druckluft mit weniger Energie – dieses Ziel hat sich<br />
Kaeser Kompressoren auf die Fahnen geschrieben. Wie Firmen<br />
dies realisieren können, erklärt Thomas Kaeser, Vorstandsvorsitzender<br />
des Coburger Unternehmens ❧ Sabine Koll<br />
Thomas Kaeser ist der Enkel des Firmengründers<br />
Carl Kaeser senior. Seit<br />
dem Tod seines Vaters Carl Kaeser junior<br />
im Jahr 2009 bildet er gemeinsam<br />
seiner Frau Tina-Maria Vlantoussi-Kaeser<br />
den Vorstand des Coburger Unternehmens,<br />
das mehr als 6000 Mitarbeiter<br />
weltweit beschäftigt.<br />
Bilder: Kaeser Kompressoren<br />
Wir stehen kurz vor der Hannover Messe und mithin<br />
vor der Comvac. Welche Trends erwarten Sie dort generell<br />
in Sachen Druckluft?<br />
Im Fokus wird die Effizienz von einzelnen Maschinen<br />
und natürlich die Effizienz kompletter Druckluftstationen<br />
stehen. Es geht um die Druckluftqualität sowie natürlich<br />
auch um das Thema „Integrated Industry“, also<br />
die Integration von Druckluftsystemen mit Hilfe von<br />
Digitalisierung in dem kompletten Wertschöpfungsprozess<br />
der Industrie.<br />
Welche Themen werden bei Kaeser auf der Hannover<br />
Messe im Fokus stehen?<br />
Unser wichtigstes Thema Drucklufteffizienz, das wir<br />
schon seit Jahrzehnten mit unserem Motto „Mehr<br />
Druckluft mit weniger Energie“ darstellen, ist aktueller<br />
denn je. Natürlich ist eine Kette nur so stark wie ihr<br />
schwächstes Glied, und deswegen müssen auch die einzelnen<br />
Komponenten – das heißt Kompressoren, Drucklufttrockner<br />
und Filter – so effizient wie möglich sein.<br />
Jedes neu entwickelte Produkt ist deutlich effizienter als<br />
sein Vorgänger, aber zum Schluss kaufen die meisten<br />
Kunden nicht eine einzelne Komponente, sondern ein<br />
komplette Druckluftstation und diese muss natürlich<br />
richtig geplant, an den Bedarf des Kunden angepasst<br />
und so intelligent gesteuert werden, dass der gesamte<br />
Energieverbrauch möglichst niedrig ist. Mit unseren<br />
Werkzeugen Smart Engineering für die Digitalisierung<br />
28 <strong>Industrieanzeiger</strong> 04.19
der gesamten Druckluftstation und der simulationsbasierten<br />
maschinenübergreifende Steuerung Sigma Air<br />
Manager 4.0 gelingt es uns, die bestmöglichste Energieeffizienz<br />
jeder noch so individuellen Druckluftstation zu<br />
realisieren.<br />
Sie waren einer der ersten Druckluft-Spezialisten, die<br />
ein Contracting-Modell angeboten haben. Sie bieten<br />
Ihren Kunden sozusagen „Druckluft as a Service“ an.<br />
Wie hat sich dieser Bereich in den vergangenen beiden<br />
Jahren entwickelt?<br />
Dieser Bereich hat sich sehr gut entwickelt, da immer<br />
mehr Kunden an dem Konzept Druckluft als Energieform<br />
und daran, variable Kosten einzusetzen, interessiert<br />
sind. Die dadurch frei werdenden beziehungsweise<br />
nicht genutzten liquiden Mittel können dann für andere<br />
wichtige Themen wie Forschung und Entwicklung oder<br />
auch für Digitalisierung eingesetzt werden.<br />
Für welche Produkte, die für die Industrie interessant<br />
sind, steht der Service zur Verfügung?<br />
Grundsätzlich hat der Kunde die Möglichkeit, bei allen<br />
unseren Produkten diesen Service, also die Lieferung der<br />
Energieform Druckluft, zu nutzen. Der Schwerpunkt<br />
liegt jedoch bei industrieller Druckluft im größeren oder<br />
mittleren Bereich. Aber auch kleinere Kunden fangen<br />
an, diese Modelle zu nutzen.<br />
Kann ein Kunde auch Kompressoren aus seinem Bestand<br />
in den Vertrag einbinden?<br />
Grundsätzlich können wir auch Kompressoren aus dem<br />
Kundenbestand einbinden. Voraussetzung ist aber, dass<br />
es sich um ein Kaeser-Produkt handelt. Die hohe Verantwortung<br />
für die Verfügbarkeit des gesamten Systems<br />
fordert eine extrem kurze Lieferzeit für Ersatzteile, was<br />
wir nur mit Kaeser Produkten sicherstellen können. Bei<br />
einigen älteren Kaeser-Produkten, die man einbinden<br />
würde, hat man meist nur geringe oder keine Vorteile,<br />
da zwar die Kapitalkosten für die gesamte Station niedriger<br />
wären, die Strom- und die Servicekosten jedoch<br />
höher.<br />
Von welchen Branchen wird Druckluft Contracting besonders<br />
stark nachgefragt?<br />
Dieses Modell ist besonders interessant für Unternehmen,<br />
deren Aktivitäten besonderen Schwankungen unterlegen<br />
sind oder die immer wieder mit branchenorientierten<br />
Konjunkturschwankungen rechnen müssen. In<br />
der Krise 2009 haben uns viele Unternehmen aus der<br />
Automobilzulieferindustrie das Feedback gegeben, dass<br />
sie sich wirklich für das richtige Modell entschieden haben,<br />
weil ihre variablen Druckluftkosten deutlich gesunken<br />
sind.<br />
Welche Vorteile bietet „Druckluft as a Service“ für die<br />
Kunden?<br />
Er muss keine Investitionen tätigen, somit erhöht sich<br />
seine Liquidität. Daneben erhält er eine höchstmögliche<br />
Effizienz der gesamten Drucklufterzeugung und eine extrem<br />
hohe Verfügbarkeit der Druckluft, die durch die<br />
Digitalisierung noch weiter verbessert werden kann.<br />
Ein solch digitales Geschäftsmodell muss rundum<br />
funktionieren – angefangen bei der Remote-Überwaschung<br />
der Anlagen über den Aufbau von Ressourcen<br />
im Rechenzentrum bis hin zu den Service-Technikern,<br />
die schnell vor Ort beim Kunden sein müssen. Welche<br />
Maßnahmen genau haben Sie dafür in den vergangenen<br />
Jahren ergriffen?<br />
Neben beachtlichen IT-Investitionen an Hard- und Software<br />
ist es zusätzlich notwendig, über ein flächendeckendes<br />
und engmaschiges Servicenetz zu verfügen, da<br />
wir nicht Kompressoren, sondern Verfügbarkeit der<br />
Druckluft verkaufen. Die gesamte Planung und Errichtung<br />
der Druckluftstation muss voll digitalisiert werden,<br />
um die Potenziale des Monitorings und der Voraussage<br />
möglicher Ausfälle sicher zu stellen. Diese Techniken<br />
werden bei allen Contracting-Modellen angewandt.<br />
Alle Maschinen und Anlagen, die „nach Hause telefonieren“<br />
sind potenziell ein Risiko. Wie steht es um die<br />
Cybersicherheit bei diesem Modell? Welche Maßnahmen<br />
haben Sie ergriffen?<br />
Das Risiko eines Missbrauchs mit den Daten ist relativ<br />
gering: Alle unsere Steuerungen sind nämlich so konstruiert,<br />
dass die Daten nur in eine Richtung nämlich<br />
von der Steuerung zu unserem Server gehen können.<br />
Das ist der sogenannte Read-only-Modus. Ein Eingriff<br />
in die Steuerung von außen ist konstruktiv nicht vorgesehen<br />
und somit nicht möglich. Die Daten des Kunden ,<br />
die von uns gesammelt werden, sind erstens keine personenbezogenen<br />
Daten und zweitens in dem unwahrscheinlichen<br />
Fall, dass doch jemand die Daten abfangen<br />
sollte, für den Hacker vollkommen wertlos, da sie ohne<br />
den digitalen Zwilling über den nur wir verfügen, nicht<br />
interpretierbar sind.<br />
„Wenn wir die<br />
Verfügbarkeit<br />
der Druckluft<br />
verkaufen, muss<br />
die gesamte<br />
Planung und<br />
Errichtung der<br />
Druckluftstation<br />
voll digitalisiert<br />
werden.“<br />
<strong>Industrieanzeiger</strong> 04.19 29
Welche Potenziale bergen Druckhaltesysteme? Wie<br />
funktionieren sie?<br />
Das Druckhaltesystem stellt sicher, das insbesondere bei<br />
Schichtbeginn oder am Montagmorgen, wenn das gesamte<br />
Druckluftleistungssystem gefüllt wird, die Druckinterview<br />
Wie viel Prozent des Umsatzes erwirtschaften Sie derzeit<br />
mit diesem Service – und wie hoch soll der Prozentsatz<br />
in zehn Jahren sein?<br />
Der Anteil dieses Modells am Umsatz liegt noch deutlich<br />
unter 10 Prozent, ich bin jedoch überzeugt, dass gerade<br />
mit der Nutzung digitaler Instrumente in zehn Jahren<br />
30 bis 40 Prozent des Umsatzes möglich sind.<br />
Doch die Digitalisierung der Druckluftwelt ist nicht alles.<br />
Auch die Hardware muss stimmen. Die Kaeser-Philosophie<br />
lautet „Mehr Druckluft mit weniger Energie“.<br />
Wo sehen vor diesem Hintergrund die größten Potenziale<br />
für die Optimierung von Druckluft?<br />
Auch bei den einzelnen Komponenten und Kältetrocknern<br />
gibt es weitere Potenziale bei der Optimierung der<br />
Schraubenprofile, bei der Reduzierung von Druckverlusten,<br />
bei bedarfsorientierter Kühlung und bei der individuellen<br />
Maschinensteuerung, um die Effizienz weiter<br />
zu erhöhen.<br />
Schauen wir uns mal die gesamte Kette der Druckluftversorgung<br />
an: Wie schaut es mit den Motoren aus?<br />
Welche Möglichkeiten sehen Sie hier?<br />
Wir setzen bei unseren Komponenten grundsätzlich die<br />
effizientesten Motoren ein: IE3 und bei Neuentwicklungen<br />
wird die Effizienz noch durch die IE4-Motoren weiter<br />
verbessert. Frequenzgeregelte Kompressoren werden<br />
von Reluktanzmotoren angetrieben, das spart besonders<br />
im Teillastbetrieb viel Energie.<br />
Weitere Möglichkeiten zur Energieeinsparung bietet<br />
Ihr Kältetrockner Secotec. Was ist das Besondere und<br />
wie wird er weiterentwickelt?<br />
Unsere Secotec Kältetrockner sind richtige Energiesparer.<br />
Im Gegensatz zu den klassischen Kältetrocknern, bei<br />
denen meist der Kältekompressor durchläuft, egal ob<br />
mehr oder weniger Druckluft zu trocknen ist, nutzt der<br />
Secotec Trockner das Latent-Wärmespeicher-System,<br />
sodass im Teillastbereich der Kältekompressor nicht zu<br />
laufen braucht, aber der Kühlungsvorgang trotzdem reibungslos<br />
läuft. Auch hier gilt wieder „Mehr Druckluft<br />
mit weniger Energie“.<br />
Kaeser feiert 100. Geburtstag<br />
Das erste Kolben -<br />
kompressorenprogramm<br />
von Kaeser aus den<br />
1950er Jahren.<br />
Der Coburger Druckluftspezialist Kaeser Kompressoren wird in diesem Jahr<br />
100 Jahre alt. Angefangen hat alles in einer kleinen Werkstatt im Hahnweg<br />
in Coburg. Noch heute stehen dort die alten Gebäude, in denen Carl Kaeser<br />
Senior im Juni 1919 mit acht Mitarbeitern und zwei Auszubildenden begann,<br />
Ersatzteile und Motoren für Automobile zu fertigen, auch Zahnräder<br />
und Sondermaschinen für die Glasindustrie waren dabei. Das Geschäft lief<br />
gut. Das Unternehmen erreicht in wenigen Jahren einen Personalbestand von<br />
150 Mitarbeitern. Nach dem zweiten Weltkrieg brach nahezu der gesamte<br />
Kundenstamm weg, der überwiegend in Thüringen und Sachsen – und damit<br />
ab diesem Zeitpunkt hinter der Grenze – saß. Da das Know-how aus der Automobilindustrie<br />
vorhanden war, wurde die Produktion einfach auf ähnliche<br />
Produkte umgestellt: Kolbenkompressoren. Kaeser entdeckte so die Druckluft<br />
für sich. 1948 verließ der erst Kolbenkompressor den Hahnweg.<br />
Mitte der 1960er Jahre kamen die ersten Schraubenkompressoren auf den<br />
Markt – und Kaeser war dank einer Eigenentwicklung an der Spitze der Veränderung<br />
dabei. Das sogenannte Sigma Profil wurde geboren. Dies ist ein<br />
selbst entwickelter Schraubenkompressorblock mit einem damals völlig neuen<br />
energiesparenden Läuferprofil. Seitdem ist das Sigma Profil das Kernstück<br />
eines jeden Kaeser Schraubenkompressors und wird natürlich konsequent<br />
weiterentwickelt. Diese Innovationsfreude setzte sich bis heute fort. Dies gilt<br />
für die Hardware genauso wie für Software und Dienstleistungen. Vom Kältetrockner bis zu Steuerungen, vom<br />
Baukompressor bis zu völlig neuen Geschäftsmodellen, bei dem der Kunde sozusagen nur noch die Druckluft kauft<br />
oder Digitalisierung und Industrie 4.0 – Kaeser sieht sich mit innovativen und qualitativ hochwertigen Produkten<br />
und Dienstleistungen als Vorreiter in der Branche.<br />
30 <strong>Industrieanzeiger</strong> 04.19
luftaufbereitung nicht überfahren wird und dadurch<br />
Feuchtigkeit in das Leitungssystem eindringen könnte.<br />
Wir setzen das Druckhaltesystem in fast allen Fällen ein,<br />
um die Funktionsfähigkeit der Trocknungskomponenten<br />
auch in Extremfällen sicher zu stellen.<br />
Drehzahlgeregelte Kompressoren werden vielfach als<br />
die Lösung im Hinblick auf Energieeffizienz angepriesen.<br />
Stimmt das? Oder wann stoßen sie an ihre Grenzen?<br />
Technische Lösungen dürfen nie Ideologien sein. Die<br />
Auswahl der unterschiedlichen Systeme orientiert sich<br />
immer an der Individualität der Anwendungsfälle und<br />
dadurch am Verbrauchsprofil des Kunden. Die Entscheidung,<br />
welches System eingesetzt wird, orientiert<br />
sich also immer noch an der detaillierten Analyse des<br />
Druckluftbedarfs und nicht an den Wünschen des Anbieters.<br />
Welche Rolle spielen Leitsysteme wie Ihr Sigma Air<br />
Manager (SAM) im Hinblick auf Energieeffizienz?<br />
Maschinenübergreifende Steuerungen wie unser Sigma<br />
Air Manager 4.0 spielen eine immer größere Rolle, da<br />
wir unseren Kunden zweifelsfrei nachweisen können,<br />
dass durch ihren Einsatz die Energieeffizienz des gesamten<br />
Systems in den meisten Fällen weiter über zehn Prozent<br />
verbessert werden kann.<br />
„Auch wenn es<br />
zunehmend hydrau -<br />
lische oder elektrische<br />
Antriebe gibt,<br />
bin ich sicher, dass<br />
Druckluft auch<br />
langfristig eine der<br />
wichtigsten und<br />
sichersten Energieformen<br />
in der industriellen<br />
Wertschöpfung<br />
bleiben wird.“<br />
eine der wichtigsten und sichersten Energieformen in<br />
der industriellen Wertschöpfung bleiben wird.<br />
Kaeser feiert in diesem Jahr seinen 100. Geburtstag.<br />
Nochmals 100 Jahre weiter gedacht: Benötigt die Industrie<br />
dann immer noch Druckluft?<br />
Immer dann wenn produziert wird, wird Druckluft benötigt<br />
und das sicher auch in den nächsten 100 Jahren.<br />
Fast alle großen Kompressorenhersteller bieten Druckluftaudits<br />
an. Was bringen Sie? Unterscheiden sich die<br />
Audits von Kaeser von denen der Marktbegleiter?<br />
Bei professionellen Druckluftaudits wird die gesamte<br />
Druckluftsituation – also Verbrauch, Drucklufterzeugung,<br />
Effizienz der einzelnen Komponenten, Effizienz<br />
der bestehenden Druckluftstation, Leckagen und zukünftige<br />
Entwicklung – detailliert aufgenommen, digitalisiert<br />
und Vorschläge gemacht, wie die Gesamteffizienz<br />
verbessert, die Verfügbarkeit und Sicherheit der Druckluftstation<br />
erhöht und die Zukunftssicherheit des<br />
Druckluftbedarfs sichergestellt wird. Entscheidet sich<br />
der Kunde für eine Renovierung oder Neuinvestition<br />
seines Druckluftsystems, können wir auch hinterher<br />
klar dokumentieren, wie die spätere Realität mit der<br />
Planung übereinstimmt. Der Kunde hat dadurch einen<br />
eindeutigen Beleg über den Nutzen, den er durch diese<br />
Veränderungen erzielen konnte.<br />
Wir werden das beide nicht mehr erleben – aber was<br />
denken Sie, wo wird Kaeser in 100 Jahren stehen?<br />
Keiner kann die Zukunft voraus sehen, aber wir müssen<br />
uns heute so aufstellen, dass alle auch noch so unwahrscheinlichen<br />
Unwägbarkeiten der Zukunft gemeistert<br />
werden können: enger Kundenkontakt, kontinuierliche<br />
Innovation, Aus- und Weiterbildung, sowie die Nutzung<br />
der Digitalisierung in allen Bereichen sind wichtige Säulen<br />
für eine zukunftsorientierte Gestaltung. •<br />
Kaser baut und baut: Das<br />
neue Forschungs- und Innovationszentrum<br />
in Coburg<br />
wurde im Herbst<br />
2017 bezogen. Am Standort<br />
Gera entsteht derzeit<br />
eine neue Produktionshalle,<br />
in der Druckluftkältetrockner<br />
gebaut werden<br />
sollen.<br />
Heute werden aus Gründen der Energieeffizienz druckluftbetriebene<br />
Antriebe für Linearbewegungen vielfach<br />
durch elektrische Antriebe ersetzt. Wie sehen Sie die<br />
Zukunft der Druckluft im industriellen Umfeld?<br />
Natürlich fallen hier und da einige Anwendungen im<br />
Druckluftbereich weg und werden durch hydraulische<br />
oder elektrische Antriebe ersetzt. Aber wenn eine Anwendung<br />
wegfällt, kommen zwei oder drei Anwendungen<br />
dazu. Ich bin sicher, dass Druckluft auch langfristig<br />
<strong>Industrieanzeiger</strong> 04.19 31
technik & wissen<br />
Chancen und Risiken im Reich der Mitte<br />
China hat einen Plan,<br />
Europa keinen<br />
Standort | China ist für viele deutsche Industrieunternehmen<br />
die größte nationale Absatzregion. Das Reich der Mitte selbst<br />
strebt bei einigen Zukunftstechnologien an die Weltspitze. Die<br />
Herausforderungen, die sich aus der langfristig angelegten<br />
chinesischen Wirtschaftsstrategie ergeben, bedingen eine<br />
eigene Strategie der EU.<br />
32 <strong>Industrieanzeiger</strong> 04.19
Qualitativ hochwertiger Entwickler<br />
statt Werkbank der Welt – China strebt<br />
bei Zukunftstechnologien zur Welt -<br />
spitze. Bild: Maxim Kazmin/Fotolia<br />
Der Blick auf China ist oft von Extremen<br />
geprägt. Entweder stehen die gewaltigen<br />
Marktchancen, die beeindruckende Modernisierung<br />
im Vordergrund der Betrachtung,<br />
oder es werden Gefahren heraufbeschworen<br />
und unfaire Praktiken unterstellt. Doch China<br />
ist beides für die europäische Industrie:<br />
Chance und Risiko zugleich. Zunächst sollten<br />
deshalb die Chancen gesehen werden.<br />
Seit Beginn der Reform und Öffnungs -<br />
politik hat China sein Bruttosozialprodukt<br />
durch eine langfristig angelegte Wirtschaftsstrategie<br />
fast verhundertfacht. Zwar zeigte<br />
das Wachstum im Vorjahr mit 6,6 % den<br />
niedrigsten Wert seit 28 Jahren, war jedoch<br />
immer noch höher als von der chinesischen<br />
Regierung geplant. Allein die Steigerung um<br />
6,6 % entspricht 667 Mrd. US-Dollar. Das<br />
entspricht der gesamten Wirtschaftsleistung<br />
von Ländern wie Polen oder der Schweiz.<br />
Für 2019 haben Chinas Provinzen ihre<br />
Wachstumsziele für das Bruttoinlandsprodukt<br />
gesenkt, sodass mehr Raum für wirtschaftliche<br />
Umstrukturierungen bleibt, um<br />
eine qualitativ hochwertige Entwicklung<br />
anzustreben, melden chinesische Medien.<br />
Auf der Agenda steht jetzt nicht mehr<br />
Produktionssteigerung um jeden Preis, sondern<br />
eher eine bessere Qualität der Entwicklung.<br />
Der Plan „China 2025“ ist umfassender<br />
und soll der gesamten Wirtschaft und<br />
Infrastruktur des Landes in den nächsten<br />
Jahren in zehn Schlüsselsektoren (siehe Kasten)<br />
zu einer höheren Wertschöpfung und zu<br />
einer weltweiten Spitzenstellung bei Zukunftstechnologien<br />
verhelfen. Das Riesenreich<br />
kann dabei die verschiedenen Schritte<br />
zentral planen und zusammen mit Unternehmen,<br />
Behörden, Lokalregierungen und<br />
Forschungseinrichtungen umsetzen. Dies<br />
setzt zum einen gewaltige Ressourcen frei<br />
und schafft zum anderen eine ungeheurere<br />
Dynamik der Innovationsgeschwindigkeit.<br />
Es wäre jedoch ein Fehler anzunehmen,<br />
dass zentral von Beijing aus die notwendigen<br />
Schritte diktiert würden. Unternehmen,<br />
Wissenschaftseinrichtungen oder Kommunalregierungen<br />
bringen im Vorfeld ihre Erfahrungen<br />
und Vorstellungen in dieses Projekt<br />
ein. Und wenn auch das Ziel klar ist,<br />
wird das Programm laufend an die neuen<br />
Bedingungen angepasst. Die Zukunft lässt<br />
Chinas Marschrichtung<br />
zielt ab auf Zukunftstechniken<br />
wie künstliche<br />
Intelligenz, Robotertechnik<br />
und ökologisches<br />
Wirtschaften. Bild:<br />
ekkasit919/Fotolia<br />
Das Erfolgsmodell steht auf dem Spiel<br />
Dass Zukunftstechnik verstärkt in China erdacht<br />
wird, ist so neu nicht. Doch Aussagen, wie jene von<br />
VW-Chef Herbert Diess, der „Fähigkeiten, die wir<br />
heute nicht haben, vor allem in China aufbauen“<br />
will, lassen erahnen, wo das künftige internationale<br />
Kraftzentrum einer Zukunftsbranche angesiedelt<br />
sein wird. Europa tut gut daran,<br />
einen gemeinsamen Plan<br />
zu entwickeln. Nichtstun wäre<br />
der schlechteste aller denkbaren<br />
Pläne. Das Erfolgsmodell<br />
Europa steht auf dem Spiel.<br />
Dietmar Kieser<br />
Stv. Chefredakteur <strong>Industrieanzeiger</strong><br />
sich zwar nicht detailliert planen, aber die<br />
Marschrichtung ist klar: Zunftstechnik wie<br />
künstliche Intelligenz und Robotertechnik<br />
sowie ökologisches Wirtschaften. Die Treiber<br />
der Modernisierung sind hauptsächlich<br />
Privatunternehmen mit oft ausländischen<br />
Investoren an Bord.<br />
Internetkonzerne und künstliche<br />
Intelligenz<br />
Fast alle großen Industriekonzerne streben<br />
in China in diese neuen Bereiche, setzen auf<br />
künstliche Intelligenz, vernetzte Produktionssysteme<br />
und Anwendungen für Smart<br />
City. China habe den wichtigsten Rohstoff<br />
für künstliche Intelligenz: die Daten von<br />
1,4 Mrd. Menschen, von denen über 800<br />
Mio. das Internet nutzen, erklärt Kai-Fu<br />
Lee, der Googles Chinageschäft aufgebaut<br />
hat und heute einen milliardenschweren<br />
KI-Start-up-Fonds verwaltet. Bereits in fünf<br />
Jahren könnte China die USA bei den Zukunftstechnologien<br />
überholen, glaubt Lee.<br />
Chinas Staatsrat kündigte an, dieses Ziel bis<br />
2030 zu erreichen. Europa spielt in diesem<br />
Wettlauf kaum eine Rolle.<br />
Bereits 2017 warben Chinas KI-Start-ups<br />
mehr Kapital ein als ihre US-Rivalen.<br />
Shanghai buhlt mit Jahresvisa um Start-up-<br />
Gründer aus dem Ausland. Ähnliche Regelungen<br />
gibt es in Beijing oder der Provinz<br />
Yunnan. Fushan bietet Existenzgründern<br />
aus der IT-Branche kostenlos eine Wohnung<br />
für ein Jahr und ein monatliches Grundeinkommen.<br />
So wird im Reich der Mitte alle<br />
sieben Minuten ein Start-up gegründet.<br />
<strong>Industrieanzeiger</strong> 04.19 33
BDI und VDMA fordern China-Strategie<br />
In dem Grundsatzpapier fordert die deutsche<br />
Industrie einen gestärkten wirtschaftspolitischen<br />
Rahmen für den europäischen<br />
Binnenmarkt. „Die EU braucht eine ehr -<br />
geizige Industriepolitik für ihre starken<br />
Unternehmen, die sich auf Innovation, intelligente<br />
Regulierung, Sozialpartnerschaft,<br />
Infrastruktur und Freihandel konzentriert“,<br />
so Kempf. Kurz danach schloss sich der<br />
VDMA in einem Grundsatzpapier diesen<br />
Forderungen weitgehend an. Der Umbau<br />
der chinesischen Wirtschaft erfolge durch<br />
eine staatlich gelenkte nationale Industriepolitik.<br />
China bleibe somit ein politischer<br />
Markt, so der VDMA. Die deutsche Politik<br />
und Industrie müssten eine klare Strategie<br />
entwickeln, wie künftig mit dem wichtigen<br />
Partner China umgegangen werden soll.<br />
China ist für den Maschinen- und Anlagenbau<br />
in Deutschland seit Mitte 2018 wieder<br />
der wichtigste Exportmarkt und zweitwichtigster<br />
ausländischer Investitionsstandort.<br />
Das Interesse an diesem Markt sei ungebrochen,<br />
und der VDMA rechnet in der näheren<br />
Zukunft mit einem weiteren Ausbau<br />
der China-Aktivitäten seiner Mitglieder.<br />
Gerade die Modernisierungsbemühungen<br />
der chinesischen Industrie bieten kurzfristig<br />
gute Geschäftsmöglichkeiten. Doch<br />
die längerfristige Entwicklung des Marktes<br />
wird durch den aktuellen Umbau des Wirtschaftsmodells<br />
beeinflusst. Ziel der Regierung<br />
in Peking ist es, eigene chinesische<br />
Innovationen zu entwickeln und hochwertige<br />
Produkte auf den Markt zu bringen. Ausländische<br />
Technologien sollen vom Markt<br />
verdrängt und durch einheimische ersetzt<br />
werden. Dazu gehört auch, durch Firmenübernahmen<br />
in Europa – und hier vor allem<br />
in Deutschland – in den Besitz von hochwertigen<br />
Technologien zu gelangen, warnt der<br />
VDMA. Bundeswirtschaftsminister Peter<br />
Altmaier legte dazu seine „Nationale Industriestrategie<br />
2030“ vor. Damit soll die Sichetechnik<br />
& wissen<br />
Diese Gründerszene ist auch für ausländische<br />
Unternehmen interessant. Bosch hat<br />
sich soeben als Finanzinvestor in ein chinesisches<br />
Start-up eingekauft, das sich mit der<br />
Anwendung künstlicher Intelligenz im Auto<br />
befasst. Die Auto-AI Co. Ltd. ist im vorigen<br />
Frühjahr von dem Navigationsanbieter<br />
Navinfo ausgegliedert worden und beschäftigt<br />
fast 1000 Mitarbeiter in China mit der<br />
Entwicklung von Lösungen für das „Internet<br />
of Vehicles“, also der Nutzung von Internetdiensten<br />
in der Mobilität. Bosch ist<br />
dort in guter Gesellschaft. Andere Geldgeber<br />
sind Tencent und Didi, Nio Capital und<br />
Advantech.<br />
Umgekehrt beteiligen sich chinesische<br />
Internetgiganten an ausländischen Startups.<br />
Diesen Januar kaufte Alibaba das Berliner<br />
Unternehmen Data Artisans mit seinem<br />
Open-Source-Projekt Apache Flink. Gemeinsam<br />
mit den Teams von Alibaba will<br />
Data Artisans die Weiterentwicklung von<br />
Apache Flink noch intensiver vorantreiben,<br />
um Unternehmen neue sogenannte Stateful-<br />
Anwendungen wie Echtzeitanalysen und<br />
-betrugserkennung, maschinelles Lernen sowie<br />
Such- und Content-Ranking anbieten<br />
zu können – unter anderen auf Basis der<br />
hauseigenen Data-Artisans Plattform.<br />
Die Modernisierung der Industrie ist nur<br />
ein Teil des Masterplans China 2025. In wenigen<br />
Jahren hat das Land das größte Hochgeschwindigkeitsnetz<br />
der Welt und leistungsfähige<br />
Metrosysteme gebaut. Von Peking<br />
fährt der Hochgeschwindigkeitszug die<br />
1320 km nach Shanghai in viereinhalb<br />
BDI-Präsident Dieter Kempf warnt in einem<br />
Grundsatzpapier vor einem Systemwettbewerb<br />
und fordert einen härteren Kurs gegen<br />
China. Bild: BDI<br />
Chinas wichtige Zukunftsbereiche<br />
China setzt schwerpunktmäßig auf die Entwicklung von zehn Schlüssel -<br />
industrien:<br />
• Maschinen für die Landwirtschaft<br />
• Schiffbau und Meerestechnik<br />
• Energieeinsparung und Elektromobilität<br />
• Informations- und Kommunikationstechnologien der neuen Generation<br />
• Vernetzte Werkzeugmaschinensysteme und Robotertechnologie<br />
• Elektrizitätserzeugung und -versorgung<br />
• Anlagen für Luft- und Raumfahrttechnik<br />
• Neue Werkstoffe und Materialien<br />
• Moderne Anlagen für den Schienenverkehr<br />
• Biomedizin und High-Performance-Medizingeräte<br />
Stunden. Von Shanghai aus sind in weniger<br />
als einer Stunde 100 Mio. Menschen zu erreichen,<br />
ebenso in Guangzhou. „Wenn ich<br />
hier etwas Neues entwickeln möchte, habe<br />
ich eine unglaubliche Produktfülle oder Angebote<br />
für die Konstruktion. Und die sind<br />
schnell online oder mit dem Mobiltelefon<br />
bestellt und in kurzer Zeit in meinem Labor.<br />
Diese Dichte gibt es an keinem anderen Ort<br />
der Welt“, berichtete ein britischer Start-up-<br />
Pionier in Shenzhen.<br />
Die traditionellen Industrieländer sind<br />
nicht mehr alleinige Treiber der Modernisierung.<br />
Das schürt auch Ängste. China bleibe<br />
Treiber der Weltwirtschaft und für die deutsche<br />
Industrie wesentlicher Absatz- und<br />
Beschaffungsmarkt, so BDI-Präsident Dieter<br />
Kempf bei der Vorstellung eines China-<br />
Grundsatzpapiers Anfang dieses Jahres. Die<br />
deutsche Industrie wolle auch weiterhin die<br />
Chancen des wirtschaftlichen Austausches<br />
mit China nutzen. „Jedoch darf niemand<br />
die Herausforderungen, vor die China die<br />
EU und Deutschland stellt, einfach aus -<br />
blenden.“<br />
34 <strong>Industrieanzeiger</strong> 04.19
Das Investment von<br />
Bosch beim chinesichen<br />
Start-up Auto-AI zielt auf<br />
die Entwicklung von<br />
Lösungen für das „Internet<br />
of Vehicles“.<br />
Bild: Bosch<br />
tionstechnologien, Miao Wei, und betont,<br />
dass sich China im Vorjahr für ausländische<br />
Industrieunternehmen weiter öffnete und<br />
damit hohe Auslands investitionen anzog.<br />
„2018 wurden die Einschränkungen für den<br />
Marktzugang der ausländischen Anleger in<br />
rung beziehungsweise das Wiedererlangen<br />
der wirtschaftlichen und technologischen<br />
Führungsposition Deutschlands und der Europäischen<br />
Union gestärkt werden.<br />
Die Öffnung schreite zügig voran, erwidert<br />
der Minister für Industrie und Informaden<br />
Bereichen Schiffs- und Flugzeugherstellung<br />
abgeschafft. Auch die Beschränkung<br />
des Aktienanteils des auswärtigen Kapitals<br />
in Herstellung von Nutzfahrzeugen und<br />
Fahrzeugen mit erneuerbaren Energien als<br />
Triebkraft wurde aufgehoben“, sagte Miao.<br />
Gleichzeitig sei die Zeitplanung für die<br />
Marktöffnung anderer Autotypen klar fest -<br />
gelegt worden. Damit werde die allgemeine<br />
Fertigungsindustrie Chinas umfassend für<br />
Auslandsinvestitionen geöffnet. Mit den<br />
Öffnungsmaßnahmen haben laut Miao die<br />
real genutzten Auslandsinvestitionen in der<br />
Fertigungsindustrie 41,2 Mrd. US-Dollar erreicht.<br />
Dies entspricht einem Zuwachs von<br />
22,9 % im Vergleich zum Vorjahr.<br />
Zudem habe China im Jahr 2018 auch<br />
die Zölle der importierten Industrieprodukte<br />
gesenkt, so der Industrieminister. So sei<br />
der Zollsatz der importierten Fahrzeuge von<br />
25 auf 15 % gesenkt worden, während der<br />
Zollsatz der Automobilteile von 15 auf 6 %<br />
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<strong>Industrieanzeiger</strong> 04.19 35
technik & wissen<br />
reduziert worden sei. Gleichzeitig sei der<br />
Zoll von über 8000 industriellen Produkten<br />
gesunken. Gegenwärtig sei das Gesamtniveau<br />
der Zölle Chinas viel niedriger als das<br />
der anderen Entwicklungsländer der Welt.<br />
In einigen Bereichen liegt China sicherlich<br />
technologisch weit hinter der deutschen<br />
Industrie. Hier sind noch gute Geschäfte zu<br />
machen. Und auch in manchen ländlichen<br />
Regionen ist das Reich der Mitte noch Entwicklungsland.<br />
Dort sind Schutzmaßnahmen<br />
nachvollziehbar. China konnte seine<br />
Wirtschaft nur deshalb so weit entwickeln,<br />
da es diese partiell gegenüber der früher<br />
weit überlegenen ausländischen Wirtschaft<br />
schützte.<br />
Anders in Zukunftsbereichen: Bei künstlicher<br />
Intelligenz, Elektromobilität oder<br />
Daimler plant ein zweites Entwicklungs -<br />
center in Peking, das ein Meilenstein für die<br />
lokalen R&D-Bemühungen des Autobauers<br />
sein soll. Bild: Daimler<br />
Hochgeschwindigkeitszügen nimmt China<br />
eine Spitzenstellung ein. Die Pro-Kopf-Wirtschaftsleistung<br />
mancher südchinesischen<br />
Millionenstadt liegt weit über derjenigen<br />
einiger osteuropäischer EU-Staaten. Allein<br />
die Wirtschaftskraft der Provinz Guangdong<br />
erreicht fast die Leistung von Südkorea.<br />
Chinas Bevölkerung ist weit mehr als<br />
doppelt so groß wie die der EU. Deshalb<br />
muss regional und sektorial differenziert<br />
werden.<br />
Das Problem ist weniger, dass China<br />
einen Plan hat, Europa aber keinen. Problematisch<br />
wird es, wenn sich eine Branche<br />
kurzfristig nach Gewinnzahlen ausrichtet<br />
und nicht die zukünftigen Anforderungen<br />
sieht. Deutlich ist dies in der Automobilindustrie<br />
zu erkennen. Laut der China Passenger<br />
Car Association ist der Pkw-Einzelhandelsumsatz<br />
in China 2018 um 5,8 % auf<br />
22,35 Mio. gesunken. Dies ist der erste<br />
Rückgang seit 1990. Auch für die nächsten<br />
Jahre ist kaum noch mit hohen Wachstumsraten<br />
zu rechnen, und die Absatzstruktur<br />
verschiebt sich. In den boomenden Millionenmetropolen<br />
bestehen Beschränkungen<br />
bei Neuzulassungen, und die Verkäufe verlagern<br />
sich in ländliche Gebiete. Smart Cars<br />
und Elektroautos sind dabei in ganz China<br />
durch die Vorgaben der Industriepolitik besonders<br />
gefragt. Das Land ist weltweit Spitzenreiter<br />
bei diesen neuen Technologien.<br />
In Deutschland dagegen setzte die Branche<br />
auf die Optimierung der Dieseltechnologie<br />
und sperrt sich eher gegen die Einschränkung<br />
von Verbrennungsmotoren. „In<br />
keinem anderen Teil der Welt gibt es vergleichbar<br />
scharfe CO 2 -Ziele“, kritisierte<br />
jüngst Bernhard Mattes, Präsident des Verbandes<br />
der Automobilindustrie den EU-Vorschlag<br />
für die CO 2 -Regulierung für Pkw<br />
und leichte Nutzfahrzeuge für die Zeit nach<br />
2021. Doch ohne staatlichen Druck wie in<br />
China setzen die Autokonzerne zu spät auf<br />
die Zukunftstechniken; diese müssen die<br />
deutschen Konzerne jetzt aus China holen.<br />
So scheint es, dass durch die Lobbyarbeit<br />
der deutschen Automobilindustrie ein nötiger<br />
Innovationsschub in Europa verhindert<br />
wurde. Jene Konzerne, die gegen zu harte<br />
Umweltbestimmungen wetterten, bauen<br />
jedoch bereits F+E-Zentren in China auf<br />
und beklagen jetzt, solche guten Bedingungen<br />
in Europa nicht vorzufinden.<br />
Die Zukunft von Volkswagen entscheidet<br />
sich in China<br />
Das Riesenreich soll nach den Plänen von<br />
VW-Chef Herbert Diess künftig eine zentrale<br />
Rolle für den deutschen Autokonzern<br />
spielen. „Die Zukunft von Volkswagen wird<br />
sich auf dem chinesischen Markt entscheiden“,<br />
sagte Diess, der seit diesen Januar persönlich<br />
die strategische Führung des China-<br />
Geschäfts innehat.<br />
Über viele Jahre, so Diess, hätten internationale<br />
Autobauer ihre Technologie auf den<br />
chinesischen Markt gebracht. Doch nun<br />
spiele sich Innovation zunehmend direkt in<br />
China ab, wo Fähigkeiten etwa in der<br />
E-Mobilität oder bei selbst fahrenden Autos<br />
schon weit entwickelt seien. Dies sei auch<br />
Folge des klaren Plans der chinesischen Führung,<br />
die dabei sei, das Land zu einem internationalen<br />
Kraftzentrum der Autoindustrie<br />
zu entwickeln. „Wir werden Fähigkeiten,<br />
die wir heute nicht haben, vor allem in China<br />
aufbauen“, erklärte Diess. Und verbindet<br />
damit, die Beziehungen zu chinesischen<br />
Technologiekonzernen zu intensivieren.<br />
Daimler kündigte den Bau eines zweiten<br />
Research and Development (R&D) Tech<br />
Centers in Peking an. Mercedes will so neue<br />
Erkenntnisse etwa über Technologien, Emissionen<br />
und die Luftqualität im Innenraum<br />
von New Energy Vehicles gewinnen und erproben.<br />
Prof. Dr. Hans Georg Engel, Leiter<br />
von Mercedes-Benz Research and Development<br />
China, bezeichnet das neue Tech Center<br />
als Meilenstein für die lokalen R&D-<br />
Bemühungen des Unternehmens. „In Bereichen<br />
wie autonomes Fahren, Konnektivität<br />
und Elektroantrieb fungiert das chinesische<br />
Team zunehmend als treibende Kraft und ist<br />
zu einem zentralen Akteur in unserem globalen<br />
R&D-Netz geworden. Es wird erfolgreiche<br />
R&D-Aktivitäten mit zuverlässigen,<br />
effizienten und ausreichenden Ressourcen<br />
weiterhin sicherstellen“, so Engel.<br />
Nach dem im Juli 2018 zwischen BMW<br />
und Great Wall Motors unterzeichneten<br />
Joint-Venture-Vertrag errichten die Partner<br />
36 <strong>Industrieanzeiger</strong> 04.19
einen Fertigungsstandort in Zhangjiagang<br />
in der Provinz Jiangsu. Ab 2021 wollen<br />
Great Wall und BMW mit ihrer gemein -<br />
samen Firma Spotlight Automotive neue<br />
Elektrofahrzeuge auf den chinesischen<br />
Markt bringen. BMW wird als erster Premiumhersteller<br />
den intelligenten Sprachassistenten<br />
Tmall Genie der Alibaba A.I. Labs bis<br />
Ende 2019 in ausgewählte BMW-Modelle<br />
integrieren. Auch Zulieferer wie<br />
Bosch, Continental oder Festo<br />
ent wickeln Zukunftstechnik<br />
verstärkt in China und setzen<br />
auf Kooperationen mit chinesischen<br />
Hightech-Konzernen. Die<br />
Liste dieser Projekte wird jeden<br />
Tag länger.<br />
nung tragen, in China, aber auch in<br />
Deutschland. Eine Abschottung ist kontraproduktiv<br />
und würde Innovationen behindern.<br />
Deutlich zu sehen ist dies auch bei den<br />
chinesischen Investitionen in Deutschland<br />
oder den USA, die stark rückläufig sind – in<br />
Europa und den USA im Vorjahr um 73 %,<br />
so eine Datenanalyse der US-Anwaltskanzlei<br />
Baker McKenzie. Die chinesischen Konzerne<br />
drängen der westlichen Industrie nicht<br />
das Geld auf. Lieber kaufen sie jetzt kluge<br />
Köpfe und Start-ups oder bauen hierzulande<br />
Forschungszentren auf. •<br />
Dr. Thomas Kiefer<br />
Journalist in Aumühle<br />
Wettbewerb um kreative Köpfe<br />
Bereits vor Jahrzehnten kamen<br />
Warnungen auf, mit seinem Engagement<br />
in China verliere VW<br />
dort seine Technologie und würde<br />
kopiert. Heute ist das Land<br />
für die Wolfsburger immer noch<br />
der wichtigste Absatzmarkt, der<br />
über viele Jahre einen Großteil<br />
des Konzerngewinns beisteuerte.<br />
Die Kopie der Technologie<br />
wurde nicht zum Problem. Die<br />
zukünftige Herausforderung<br />
liegt in anderen Bereichen.<br />
Chinesische Konzerne werben<br />
intensiv um die kreativsten<br />
Köpfe der Branche, und viele<br />
Spitzenmanager deutscher Unternehmen<br />
wechselten zu chinesischen<br />
Start-ups. Nicht nur wegen<br />
der besseren Bezahlung. Sie<br />
würden auch spannendere Arbeitsbedingungen<br />
bieten, berichten<br />
die deutschen Spezialisten<br />
aus chinesischen Firmen. Wie<br />
etwa die beiden E-Autopioniere<br />
Byton und NIO, die auch ein<br />
Entwicklungszentrum in München<br />
unterhalten.<br />
Hinzu kommen zahlreiche<br />
finanzielle Kreuz- und Querbeteiligungen,<br />
die immer weniger<br />
erkennen lassen, ob es sich um<br />
ein deutsches oder chinesisches<br />
Unternehmen handelt. Die Konzerne<br />
werden global, das Denken<br />
jedoch bleibt national. Dem<br />
muss die Industriepolitik Rech-<br />
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<strong>Industrieanzeiger</strong> 04.19 37
Das modernisierte Hochregallager<br />
für Bleche<br />
(Hintergrund) mit dem<br />
dazugehörigen Handlinggerät<br />
(Mitte) sowie der<br />
Wechseltisch des Laserschneidsystems<br />
(vorne)<br />
mit einem bearbeiteten<br />
Blech laufen seit dem<br />
Retrofit bei Bystronic<br />
steuerungstechnisch wie<br />
am Schnürchen.<br />
PC-based-Control beim Retrofit des Blechlagers von Bystronic<br />
Altanlage auf aktuellen<br />
Stand gepimpt<br />
Retrofit | Der Maschinenbauer Bystronic setzt in seinem<br />
Hochregallager eines Laserschneidsystems auf moderne<br />
Steuerungstechnik von Beckhoff. Das steigert die Verfügbarkeit<br />
und ermöglicht auch eine Fernwartung.<br />
Bystronic, ein Schweizer Lösungsanbieter<br />
für die Blechbearbeitung, betreibt sein eigenes<br />
Blechlager mit Hochregallager seit<br />
1998. Da war es Zeit für eine Modernisierung,<br />
betont Mario Duppenthaler, Head of<br />
Solution & Project Management. „Das aktuell<br />
modernisierte Hochregallager gehört<br />
zu einer Bearbeitungsanlage zur Herstellung<br />
unterschiedlichster Blechteile für die eigenen<br />
Laserschneidsysteme. Es besteht aus zwei<br />
9,64 m hohen Lagertürmen mit 83 Kassettenlagerplätzen<br />
im Format von 3 x 1,5 m.<br />
Unterbringen lassen sich darin maximal<br />
249 t Blechteile. Zu deren auftragsspezifischer<br />
Auslagerung fährt ein Regalbediengerät<br />
die entsprechende Lagerkassette an und<br />
übergibt diese an ein Handlinggerät, das das<br />
gewünschte Blechteil entnimmt und über<br />
einen automatisierten Transferwagen an den<br />
Wechseltisch des Laserschneidsystems – hier<br />
das By Sprint Fiber 3015 – übergibt.“<br />
Übernommen hat die Modernisierung<br />
des Blechlagers die Peter Huber AG im<br />
schweizerischen Alpnach. Der Komplettanbieter<br />
für Steuerungslösungen im Bereich<br />
der Blechbearbeitung ist bereits seit 2010<br />
Solution-Provider von Beckhoff und setzt<br />
PC-based-Control sowohl bei der Neukonzeption<br />
von Maschinen und Robotiksystemen<br />
als auch bei Anlagen-Retrofits ein.<br />
„Die Anlagenverfügbarkeit hängt mit wachsendem<br />
Alter der Anlagen auch von der Verfügbarkeit<br />
einzelner Steuerungskomponenten<br />
ab. Hier hilft der Einsatz der Beckhoff-<br />
Technik durch ihre Langzeitverfügbarkeit –<br />
gerade auch mit Blick auf die langfristige<br />
Anlagennutzung. So ersetzt PC-based Control<br />
bei dem Blechlager eine mittlerweile 20<br />
Jahre alte Technik, deren Komponenten<br />
zum einen heute nicht mehr erhältlich sind<br />
und deren Eprom-basierte Software sich<br />
zum anderen nicht an neue Anforderungen<br />
anpassen lässt. Hinzu kommt, dass sich mit<br />
PC-basierter Steuerungstechnik die bisher<br />
nicht gegebenen Möglichkeiten einer Fernwartung<br />
nutzen lassen“, erklärt Geschäftsführer<br />
Erich Schumacher.<br />
Moderne Lagersteuerung von Beckhoff<br />
erhöht Verfügbarkeit im Hochregallager<br />
Für den Geschäftsführer ist bei Retrofits<br />
besonders wichtig, dass sich ein System den<br />
jeweiligen Maschinengegebenheiten vor Ort<br />
anpassen lässt. „Durch das modulare Klemmensystem<br />
beispielsweise können kleine<br />
Schaltkästen genau dort platziert werden,<br />
wo sie für die Weiternutzung der vorhandenen<br />
Kabelstränge benötigt werden. Die aufwendige<br />
Neuverdrahtung der Maschine<br />
kann damit entfallen.“<br />
Kern der modernisierten Lagersteuerung<br />
– für alle Lagerabläufe und das Handlinggerät<br />
– ist ein Embedded-PC CX 5140 mit der<br />
Steuerungssoftware Twincat NC PTP sowie<br />
Twincat PLC HMI für die Visualisierung<br />
auf dem 12-Zoll-Multitouch-Control-Panel<br />
CP 2912. Für die präzise Ansteuerung der<br />
38 <strong>Industrieanzeiger</strong> 04.19
technik & wissen<br />
Das 10 m hohe Blechlager bei Bystronic verfügt über<br />
zwei Lagertürme mit insgesamt 83 Lagerplätzen.<br />
Bilder: Beckhoff Automation<br />
im Blechlager verbauten Motoren sorgen<br />
zwei Servoverstärker AX 5118 mit integrierter<br />
Twinsafe-Karte AX 5801. Die anwendungsgerecht<br />
aufgebaute I/O-Ebene<br />
umfasst vier Ethercat-Koppler des Typs<br />
EK 1100, zwei Ethercat-Abzweige EK 1122<br />
und 50 Ethercat-Klemmen, darunter etwa<br />
die kompakten High-Density-Digital-Einbeziehungsweise<br />
Ausgangsklemmen<br />
EL 1809 und E L2809, die Twinsafe-Logic<br />
EL 6900 sowie die Twinsafe-Ein- oder Ausgangsklemmen<br />
EL 1904 und EL 2904.<br />
Die systemintegrierte Sicherheitstechnik<br />
ist für Schumacher ein wichtiger Aspekt:<br />
„Der Safety-Bereich darf nicht von der restlichen<br />
Lagersteuerung abgekoppelt sein,<br />
denn bei etwaigen Problemen ist der datentechnische<br />
Überblick über die Gesamtanlage<br />
entscheidend. Daher sind alle Sicherheitsfunktionen,<br />
wie Not-Halt, Sicherheitstüren<br />
und -lichtschranken sowie die Positionsüberwachung<br />
der beiden Transferwagen<br />
zwischen Handlinggerät und Wechseltisch,<br />
über die Twinsafe-Klemmen und die Twinsafe-Karten<br />
der Servoumrichter realisiert.“<br />
„Für die Zukunft planen wir die stärkere<br />
Vernetzung des Blechlagers mit der übergeordneten<br />
Wirtschaftswarentechnik. So soll<br />
das Lager in das sogenannte Cockpit eingebunden<br />
werden – eine Live-Monitoring-<br />
Lösung, in der wir sämtliche Produk -<br />
tionsdaten visua lisieren. Zudem arbeiten<br />
wir an einer detaillierten Systemanalyse für<br />
das Blechlager, was vor allem für die vorbeugende<br />
Instandhaltung von großer Bedeutung<br />
ist. PC-based-Control bietet die Offenheit,<br />
alles auch nachträglich zu realisieren“,<br />
ergänzt Duppenthaler. •<br />
Stefan Ziegler<br />
Redaktionsleitung Presse,<br />
Beckhoff Automation, Verl<br />
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<strong>Industrieanzeiger</strong> 04.19 39
technik & wissen<br />
Traditioneller Maschinenbau trifft auf<br />
das Internet der Dinge: Maschinen mit<br />
Cloud-Anbindung erleichtern Wartungs -<br />
abläufe. Bild: Mimi Potter/Fotolia<br />
halben Jahrhundert auf den Bau von Maschinen<br />
spezialisiert, die in lebensmittelverarbeitenden<br />
Betrieben zum Einsatz kommen:<br />
Sie schneiden Käse, Fleisch und Wurst<br />
in Streifen, Würfel und Portionen. Ein neuer<br />
Halbautomat sollte bis zu 3000 kg Fleisch<br />
oder Käse pro Stunde in verkaufsfertige Portionen<br />
bringen. Vom Drucksystem über das<br />
Langwellenmesser wurde alles in der gewohnten<br />
Präzision geplant. Nur bei der<br />
Benutzeroberfläche und der Schnittstelle<br />
zwischen Mensch und Maschine – dem Human<br />
Machine Interface (HMI) – gab es zunächst<br />
ein großes Fragezeichen. Bisher hatten<br />
die Maschinen kleine ein- oder zweifarbige<br />
Displays. Diese waren zwar funktionstüchtig,<br />
aber aus Erfahrungsberichten heraus<br />
nicht unbedingt benutzerfreundlich für<br />
die Kunden aus der Lebensmittelbranche.<br />
Benutzerfreundliche Oberfläche erleichtert Maschinenbedienung<br />
Vom Touch-Panel<br />
in die Wolke<br />
Digitalisierung | Bei der Neu-Entwicklung einer<br />
Maschine setzt Rühle auf Technik des Industrial Internet<br />
of Things. Eine Cloud-Anbindung erleichtert nicht<br />
nur Maschinenführern die Bedienung, sondern sorgt<br />
auch für schnellere Wartungs- und Reparaturabläufe.<br />
Zeit ist nicht nur Geld, sondern kann vor<br />
allem in der Lebensmittelindustrie zu einem<br />
deutlichen Qualitätsverlust führen, wenn<br />
die Produkte verderben. Deshalb kommt es<br />
bei den Maschinen, die dort zum Einsatz<br />
kommen, auf Geschwindigkeit und Qualität<br />
an. Das weiß man im Familienunternehmen<br />
Rühle. Die Schwarzwälder sind seit einem<br />
Rühle setzt auf Expertenwissen aus einer<br />
Digital-Agentur<br />
Daher holten sich die Maschinenbauer zusätzliches<br />
grafisches und technisches Knowhow<br />
ins Haus und fragten bei der Kommunikationsagentur<br />
frau.wolf und bei den IT-<br />
Experten der Digital-Agentur Webschuppen<br />
an. Beide Firmen hatten zuvor bereits gemeinsam<br />
die Webseite von Rühle neu<br />
erdacht und entwickelt.<br />
Zunächst wurden die Anforderungen<br />
vonseiten des Maschinenbau-Unternehmens<br />
an die neue Benutzeroberfläche abgesteckt:<br />
• Die komplette Bedienoberfläche der<br />
Steuerung samt Schnittstelle zur Maschine<br />
sollte webbasiert umgesetzt werden.<br />
• Die Bedienoberfläche sollte optisch ansprechend<br />
zu einer Visitenkarte des Unternehmens<br />
werden.<br />
• Außerdem wichtig: Eine anwenderfreundliche<br />
Nutzung. Der zukünftige Kunde<br />
sollte die Maschine schnell und intuitiv<br />
bedienen können.<br />
Die Ingenieure von Rühle und die Programmierer<br />
der Digital-Agentur starteten mit<br />
ihrer Arbeit. Der eigentliche Maschinenbau<br />
fand dabei parallel zur Programmierung<br />
statt. Das IT-Team war somit besonders bei<br />
der technischen Konzeption und Programmierung<br />
der Bedienoberfläche gefordert.<br />
40 <strong>Industrieanzeiger</strong> 04.19
„Für uns gab es dabei mehrere technische<br />
Herausforderungen: Zunächst einmal<br />
das Programmieren einer reinen API-basierten<br />
Oberfläche, ausschließlich in den Auszeichnungs-<br />
und Programmiersprachen<br />
HTML 5, CSS 3 und Java-Script, die über<br />
die entscheidenden Schnittstellen dann mit<br />
der SPS zusammen funktionieren musste“,<br />
erinnert sich Martin Hollmann, Geschäftsführer<br />
von Webschuppen. „Zudem galt es,<br />
eine physisch sehr kleine Applikation zu<br />
entwickeln, die den verhältnismäßig geringen<br />
Speicherplatz nicht überschreitet. Und<br />
schließlich das Handling der Applikation so<br />
zu entwickeln und zu gestalten, dass sie<br />
intuitiv und ohne Bedienungsanleitung<br />
funktioniert“.<br />
Denn sie sollte für jedermann verständlich<br />
und nicht zu technisch sein – eine<br />
Anforderung, die dem Auftraggeber besonders<br />
wichtig war. Es sollte im Sinne einer<br />
klaren Handhabung komplett neu gedacht<br />
!<br />
Eine Herausforderung war, das Touch-<br />
Panel mit der Steuerungselektronik der<br />
Maschine zu „verheiraten“.<br />
werden. Und der zukünftige Nutzer sollte<br />
bei Problemen schnell Hilfe bekommen. So<br />
kam die Idee auf, eine Cloud sowie einen<br />
Chat einzubinden, mit deren Hilfe Probleme<br />
an der Maschine schnell gelöst werden können.<br />
Das Besondere der Touch-Events an der<br />
Oberfläche ist: Die Nutzer bedienen diese<br />
während der Arbeit an der Maschine anders,<br />
als wenn man einen Tablet-PC bequem<br />
auf dem Schoss hätte. Zudem können die<br />
Quelle: Martin Hollmann, Geschäftsführer von Webschuppen<br />
Tablets in der Produktionsumgebung<br />
schnell verschmutzen, genauso wie die Finger<br />
der Nutzer. Im Arbeitsalltag des Maschinenbau-Unternehmens<br />
werden andere<br />
Anforderungen an Oberflächen gestellt als<br />
bei Applikationen für den Heimgebrauch.<br />
Hier mussten zum Schutz und zur Art der<br />
Bedienung zahlreiche Tests durchgeführt<br />
und mit Pilotkunden verfeinert werden.<br />
Die IT-Dienstleister brachten Know-how<br />
im Bereich anwenderfreundlicher und ergo-<br />
<strong>Industrieanzeiger</strong> 04.19 41
technik & wissen<br />
nomischer Bedienoberflächen ein, das für<br />
das neue Display eine entscheidende Rolle<br />
spielen sollte. Auf diesem Grundgerüst von<br />
logischen Bedienabfolgen galt es, den optischen<br />
Leitfaden der Designer zu übertragen.<br />
Die anspruchsvollste Aufgabe in diesem<br />
IIoT-Projekt war laut der Entwickler, das<br />
nunmehr ansprechend aussehende Touch-<br />
Über ein eigens designtes<br />
Touch-Panel können<br />
Bediener direkt auf die<br />
Steuerungselektronik der<br />
Maschine von Rühle<br />
zugreifen.<br />
In Produktionsumgebungen<br />
müssen Touch-Panels<br />
Verschmutzungen standhalten<br />
können.<br />
Bilder: Rühle<br />
Panel mit der Steuerungselektronik<br />
der Maschine zu „verheiraten“.<br />
Das Ergebnis ist ein im<br />
Corporate Design des Maschinenbauers<br />
gestaltetes HMI. Das<br />
webbasierte Touch-Panel für die<br />
Maschine Original SR 2 Bi-<br />
Turbo von Rühle war geboren.<br />
Aufbau und Funktion von<br />
Human Machine Interfaces stehen<br />
im Mittelpunkt vieler betrieblicher<br />
Digitalisierungsprojekte: Branchen-Experten<br />
sehen in den kommenden fünf Jahren<br />
einen deutlichen Wachstumssprung für die<br />
HMI-Entwicklung und begleitende Dienstleistungen.<br />
Gemäß der Studie „Human<br />
Machine Interface (HMI) Market – Global<br />
Outlook and Forecast 2017-2022“ soll<br />
allein der europäische Markt für HMI bis<br />
2023 auf 1,7 Mrd. Euro wachsen.<br />
Bei Rühle ging es darum, dass die unterschiedlichen<br />
Maschinenablaufprogramme,<br />
die sich aus einer Vielzahl von Parametern<br />
definieren können, die Rohmasse ideal zum<br />
fertigen Produkt verarbeiten: So können<br />
Vorschubarten, Schneidewege, Gatterrahmen<br />
und Anfahrdrücke flexibel eingestellt<br />
und variiert werden, um Fleisch, Käse oder<br />
auch Gemüse zu verarbeiten. Den Entwicklern<br />
bei Webschuppen war es wichtig, dass<br />
diese einzelnen Parameter nun schnell und<br />
einfach per Touchscreen an die Maschine<br />
gesendet werden. So können die Lebensmittel<br />
einfach geschnitten und zum Verpacken<br />
vorbereitet werden.<br />
Über eine Cloud greifen Hersteller und<br />
Anwender auf Leistungsdaten zu<br />
Über eine Cloud-Anbindung bleibt der<br />
Maschinenbauer zudem mit seinem Kunden<br />
online auf Dauer in Verbindung. Das ermöglicht,<br />
Maschineneinstellungen aus dem<br />
Büro oder selbst vom heimischen PC<br />
aus vorzunehmen und Laufdaten jederzeit<br />
einzusehen.<br />
Mit einer eigens für Rühle entwickelten<br />
Cloud von der Digital-Agentur Webschuppen<br />
strebt der Maschinenbauer nicht nur<br />
eine intuitivere, schnellere und einfachere<br />
Bedienung der Maschinen an, sondern auch<br />
bessere Rückschlüsse zu Fehlern und Bedienung.<br />
Denn das Unternehmen benötigt den<br />
Kontakt zum Kunden, um Maschinen für<br />
bestimmte Anforderungen verbessern zu<br />
können. Die Lösung: Eine Cloud, die an die<br />
vorhandene SPS der Maschine andockt –<br />
und die bei der Neu-Entwicklung ebenfalls<br />
mit erdacht wurde. Auch Sensorik und<br />
Hydraulik sind für die Tätigkeiten der komplexen<br />
Maschine nötig und wurden speziell<br />
hierfür realisiert.<br />
Ebenfalls wichtig für Rühle war es, ein<br />
einheitliches Erscheinungsbild über alle<br />
Kanäle hinweg zu wahren. Diese Neu-Entwicklung<br />
dient nicht allein dem Marketing,<br />
sondern erleichtert auch dem Maschinenführer<br />
in den Betrieben der Kunden die<br />
Bedienung, heißt es. Intuitive Symbole und<br />
übersichtliche Grafiken auf dem Display<br />
ersetzen die bisher überwiegend zahlen -<br />
basierte Oberfläche. Dieses schnell erschließbare<br />
Handling und die Übersichtlichkeit<br />
bei der Steuerung sind wichtig für die<br />
Kundenzufriedenheit.<br />
Durch die im Cloud-System erhobenen<br />
Leistungsdaten weiß der Hersteller jederzeit,<br />
wie lange die Maschine gelaufen ist,<br />
wie viele Produktionsdurchläufe gefahren<br />
und wie viele Schnitte ausgeführt wurden.<br />
Das sind wichtige Informationen für den<br />
technischen Kundenservice, etwa bei Wartungen<br />
oder dem Ersetzen von Maschinenteilen.<br />
Auch Steuerprogramme für bestimmte<br />
Rezepturen sind bereits in der Cloud<br />
abgespeichert und können für die Lebensmittel-Verarbeitung<br />
genutzt werden.<br />
„Die Schnittstelle zwischen Mensch und<br />
Maschine sowie die neu gestaltete Oberfläche<br />
sorgen dafür, dass wir Maschinenführer<br />
wesentlich schneller einarbeiten können“,<br />
unterstreicht Geschäftsführer Claus Rühle<br />
den Vorteil des Digitalisierungsprojekts.<br />
„Außerdem sorgt die Verfügbarkeit von<br />
Daten für eine schnelle und zuverlässige<br />
Einsatzplanung unseres Kundendienstes“,<br />
so Rühle. Eine Chat-Funktion innerhalb der<br />
Maschine soll künftig noch folgen. (nu) •<br />
42 <strong>Industrieanzeiger</strong> 04.19
Industrie<br />
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<strong>Industrieanzeiger</strong> 04.19 43
technik & wissen<br />
Der CNC-Simulator von Tebis prüft<br />
Komponenten, Positionen und<br />
Bewegungen. Bild: Tebis<br />
Fertigungsprozesse steuern mit dem NC-Simulator<br />
Vom Schreibtisch in<br />
die Werkstatt<br />
Automatisierung | Die Simulationstechnik von Tebis<br />
verspricht die detailgetreue Abbildung der realen Fertigungsumgebung<br />
in der virtuellen Welt. So lassen<br />
sich Abläufe im Vorfeld prozesssicher planen.<br />
Moderne Fertigungsprozesse sind komplex.<br />
Da gibt es zunächst die reine „Hardware“,<br />
also Maschinen, Werkzeuge, Spannmittel,<br />
Aggregate, Werkzeugwechsler. Bei der Bearbeitung<br />
muss genau bekannt sein, welche<br />
Bauteile sich mit welchen Maschinen und<br />
Werkzeugen auf welche Weise kollisionsfrei<br />
fertigen lassen. Und schließlich müssen alle<br />
Aufträge übergreifend – im eigenen Unternehmen<br />
wie bei den Lieferanten – steuerbar<br />
sein. Nur so ist sichergestellt, dass sämtliche<br />
Ressourcen optimal genutzt werden.<br />
Ein Kennzeichen fortschrittlicher Simulationstechnologien<br />
ist, dass sich die reale Fertigungsumgebung<br />
detailgetreu in der virtuellen<br />
Welt abbilden lässt: Während in der<br />
Maschinenbibliothek des Anbieters alle<br />
marktüblichen Maschinentypen unterschiedlicher<br />
Hersteller mit ihren geometrischen<br />
und kinematischen Eigenschaften hinterlegt<br />
sind, enthält die Werkzeugbibliothek<br />
alle Werkzeuge, mit denen der Anwender<br />
arbeitet.<br />
Der CAD/CAM-Softwareanbieter Tebis<br />
berücksichtigt dabei die Konturen der<br />
Werkzeuge genau. Hochleistungswerkzeuge<br />
– zum Beispiel HPC-Fräser zum Schruppen,<br />
HFC-Fräser zum Schlichten und Vorschlichten<br />
oder Kreissegmentfräser zum Schlichten<br />
– lassen sich so bestmöglich nutzen. Seit<br />
dem Release 6 verfügt die Software zudem<br />
über eine Aggregate-Bibliothek für weitere<br />
Zusatzeinrichtungen wie Backenfutter,<br />
Lünette und Spitze sowie Maschinentische,<br />
Anbauten und Trennwände. Auch virtuelle<br />
Spannmittel sind Teil des CAD/CAM-Systems.<br />
Planen mit virtueller Maschine<br />
Die Simulationstechnik ermöglicht, dass bereits<br />
bei der Planung mögliche Kollisionen<br />
ermittelt und korrigiert werden. So startet<br />
die NC-Programmierung auf Anhieb mit<br />
den geeigneten Aufspannungen, Werkzeugen<br />
und Anstellrichtungen. Da der Simulator<br />
vollständig in die CAD/CAM-Umgebung<br />
integriert ist, lassen sich Simulation<br />
und Kollisionsprüfung noch vor dem Postprocessing<br />
durchführen. Das ist einfacher<br />
und effizienter als den NC-Code zu simulieren<br />
und Anpassungen im steuerungsspezifischen<br />
NC-Format durchzuführen.<br />
Der CNC-Simulator prüft das komplette<br />
Bearbeitungsszenario: Dazu gehören Maschinen,<br />
Köpfe, Spannmittel, Aggregate, Anbauten,<br />
Bauteil, Rohteil, Werkzeuge, Werkzeugwechsel,<br />
Gültigkeit der Arbeitsebenen,<br />
Aufspannungen, Startpunkte und Anschlussbedingungen,<br />
Endschalter-Limitationen,<br />
Achs- und Verfahrbewegungen mit<br />
sämtlichen Zustellungen und Zwischenbewegungen<br />
sowie die Bearbeitungsplausibilität.<br />
Der NC-Programmierer entscheidet anwendungsorientiert,<br />
ob er gefundene Kon-<br />
44 <strong>Industrieanzeiger</strong> 04.19
GrindTec<br />
flikte akzeptiert oder ohne Neuberechnung<br />
beheben möchte.<br />
In der Werkstatt informiert sich der<br />
Maschinenbediener über Roh- und Bauteilgeometrien,<br />
über Aufspannungen und die<br />
verwendeten Werkzeuge. Bei Bedarf lassen<br />
sich Technologiedaten wie Vorschübe oder<br />
Spindeldrehzahl, Aufspannungen oder die<br />
Abarbeitungsreihenfolge bis hin zu einem<br />
Maschinenwechsel schnell und einfach ändern.<br />
Die CAD/CAM-Software mag noch so<br />
gut sein – wer seine Aufträge digital und automatisiert<br />
planen, abwickeln und steuern<br />
möchte, kommt um eine integrierte MES-<br />
Lösung (Manufacturing Execution System)<br />
nicht herum. Proleis ist daher fester Bestandteil<br />
der Tebis-Software-Entwicklung.<br />
(Mehr Infos dazu im Kurz-Interview unten).<br />
Hier sind die Fertigungsumgebung, die Verfügbarkeit<br />
der Ressourcen, das Fertigungswissen,<br />
die Fertigungsdauer sowie die Erkenntnisse<br />
aus zurückliegenden Projekten<br />
gespeichert. Zudem sind Auftragsabläufe<br />
inklusive Materiallogistik und Terminen<br />
hinterlegt – sowohl die des eigenen Unternehmens,<br />
als auch die der Lieferanten und<br />
Dienstleister.<br />
•<br />
Reiner Schmid<br />
Leiter Produktmanagement bei Tebis in<br />
Martinsried<br />
GrindTec<br />
2020<br />
Robert Aulbur,<br />
„Sprung in die digitalisierte Fertigung“<br />
Geschäftsführer Tebis<br />
Proleis. Bild: Tebis<br />
Viele KMU scheuen sich noch<br />
vor dem Einstieg in Industrie<br />
4.0, weil er aufwendig und<br />
teuer erscheint. Was erwidern<br />
Sie?<br />
Sobald wir mit einem KMU-<br />
Anbieter sprechen und unsere<br />
Lösung konkret vorstellen, legen<br />
sich die Ängste meist rasch.<br />
Denn: Beim Sprung in die digitalisierte<br />
Fertigung bietet ein<br />
MES wie Proleis ganz unkomplizierte<br />
Einstiegshilfen auch für<br />
kleinere Firmen. Das Potenzial<br />
wird schnell ersichtlich. Die<br />
Software liefert aktuelle Daten<br />
in Echtzeit – über alle Bereiche<br />
des Unternehmens hinweg – und<br />
gibt einen exakten Überblick<br />
über die Fertigung. Das ist die<br />
Grundlage für eine wirtschaft -<br />
lichere Fertigung im Unternehmen.<br />
Hier versteht sich Proleis<br />
als Integrationsplattform in<br />
einer klassisch heterogenen Umgebung.<br />
Wie fange ich am besten an?<br />
Unserer Meinung nach ist es<br />
gut, – und auch strategisch clever<br />
– schrittweise anzufangen.<br />
Vor diesem Hintergrund haben<br />
wir unsere Lösung so ent -<br />
wickelt, dass sie unkompliziert<br />
Schritt für Schritt eingeführt<br />
werden kann. Erweiterungen<br />
sind auch mittelfristig möglich.<br />
Ein Konfigurator ermöglicht zudem,<br />
dass für jeden Rolleninhaber<br />
eine eigene Ansicht erstellt<br />
werden kann.<br />
Wann können Unternehmen<br />
mit ersten Erfolgen oder einem<br />
Return on Invest rechnen?<br />
Die ersten Erfolge können Unternehmen<br />
schon unmittelbar<br />
nach der Implementierung und<br />
Produktivschaltung der jeweiligen<br />
Software-Module auf Basis<br />
aller aktuell erhobenen, individuellen<br />
Daten und Statistiken<br />
erwarten. Darauf aufbauend ergeben<br />
sich dann die Ansatzpunkte<br />
für weitere wichtige Anpassungen.<br />
Vor diesem Hintergrund<br />
kann der Kunde sein Fertigungsmanagement<br />
zielgerichtet<br />
weiter digitalisieren und individualisieren.<br />
(kf)<br />
Weltleitmesse der<br />
Schleiftechnik<br />
18. – 21. März<br />
Messe Augsburg<br />
Top-Ergebnisse für die 643 Aus–<br />
steller, Bestnoten von den 19.100<br />
Besuchern aus 54 Nationen:<br />
91% 6 % 3 %<br />
91 % der Aussteller * vergaben für<br />
das geschäftliche Ergebnis ihrer<br />
Beteiligung die Noten 1 („sehr gut“),<br />
2 oder 3. Für eine 4 reichte es bei<br />
6 %. Nur 3 % waren unzufrieden, sie<br />
verteilten die Noten 5 oder 6.<br />
* Gelszus Messe-Marktforschung, Dortmund<br />
Informationen +<br />
Anmeldeunterlagen<br />
www.grindtec.de<br />
Fachlicher Träger: FDPW Fachverband der<br />
Präzisionswerkzeugmechaniker, www.fdpw.de<br />
Veranstalter: AFAG Messen u. Ausstellungen GmbH<br />
<strong>Industrieanzeiger</strong> 04.19 Am Messezentrum 5, 86159 Augsburg, www.grindtec.de 45
technik & wissen<br />
Der langjährige Proalpha-Kunde<br />
Spelsberg führte den „Proof of Concept“<br />
der ERP-basierten Steuerung auf zwei<br />
Fertigungsmaschinen durch.<br />
Produktionsmaschinen direkt aus dem ERP-System ansteuern<br />
Maschine rüstet<br />
sich allein<br />
ERP-System | Proalpha hat einen Prototyp für eine<br />
ERP-basierte Maschinensteuerung auf Basis eines<br />
Raspberry Pi entwickelt und beim Pilotkunden Spelsberg<br />
auf die Probe gestellt. Damit verkürzt dieser<br />
Rüstzeiten und entlastet Mitarbeiter. ❧ Karin Faulstroh<br />
Es begann auf einem Proalpha-Workshop. Vor dem<br />
Hintergrund, dass ERP-Systeme immer mehr Fertigungsprozesse<br />
eigenständig übernehmen können, tauchte<br />
die Frage auf, ob und wie sich die Software unmittelbar<br />
zur Maschinensteuerung und zur Erfassung von<br />
Produktionszuständen einsetzen ließe. Ein Team aus<br />
Beratern, Entwicklern und dem Vertrieb von Proalpha<br />
entwickelte daraufhin einen Prototypen auf Basis eines<br />
Raspberry-Pi-PC. Er soll die direkte Ansteuerung von<br />
Produktionsmaschinen aus dem ERP-System heraus<br />
möglich machen.<br />
Der Einplatinenrechner empfängt Produktionsbefehle,<br />
verarbeitet sie und leitet sie an die Maschine weiter.<br />
Zunächst galt es jedoch, dem ERP-System den Umgang<br />
mit Maschinendaten „beizubringen“. Dazu erweiterte<br />
das Team die Software um Maschinenkommunikationsdaten,<br />
beispielsweise Start- und Stopp-Befehlen, Transportprotokoll<br />
und IP-Adressen. Ebenso wurde die unternehmenseigene<br />
Schnittstellenplattform INWB um<br />
einen neuen Nachrichtentyp ergänzt. Pax-Pi kümmert<br />
sich um die Kommunikation zwischen ERP-System und<br />
Raspberry Pi. Technisch sieht das so aus: Das ERP-System<br />
schickt eine Nachricht an die Plattform. Dort wird<br />
der Maschinenbefehl zusammengesetzt und an den Einplatinen-PC<br />
gesendet. Dieser kommuniziert mit der<br />
Maschine über die Netzwerkprotokolle TCP/IP.<br />
Gemeinsam mit dem Pilotkunden des Systems, dem<br />
Familienunternehmen Spelsberg mit Sitz in Schalksmühle,<br />
entwickelte das Team außerdem ein Konzept für<br />
einen Rückkanal, der einen Informationsfluss von der<br />
Maschine an das ERP ermöglicht.<br />
Spelsberg ist als Hersteller vor allem im Bereich der<br />
Elektroinstallations- und Gehäusetechnik tätig. Täglich<br />
werden in den Produktionsstätten in Schalksmühle<br />
(Nordrhein-Westfalen) und Buttstädt (Thüringen) rund<br />
150.000 Kunststoffgehäuse produziert. Das Thema<br />
ERP-basierte Maschinensteuerung stand bei dem Proalpha-Kunden<br />
schon länger im Raum.<br />
„Im Zuge unseres Industrie-4.0-Projekts, in dem ich<br />
das Produktionsportal auf Basis des Proalpha-Webportals<br />
erstellt habe, hatten wir uns bereits mit dem Thema<br />
Maschinenkommunikation über das ERP-System beschäftigt“,<br />
erläutert Cynthia Schmeißer, ERP-Beauftrage<br />
bei Spelsberg. „Die Mitarbeiter sollten sich so wenig<br />
46 <strong>Industrieanzeiger</strong> 04.19
nicht dieselbe Sprache sprechen, gekoppelt werden<br />
mussten“, erinnert sich Schmeißer. Die ersten Tests wurden<br />
daher mit einem Maschinensimulator durchgeführt.<br />
„Es war nicht ersichtlich, wieso die Maschine keine<br />
Daten empfängt, obwohl wir welche gesendet hatten“,<br />
erklärt Schmeißer. „Mit dem Maschinensimulator<br />
konnten wir sichergehen, dass die übermittelten Daten<br />
richtig sind.“<br />
Häufiges Problem nämlich, so Schmeißer, sei die<br />
Übermittlung falscher Daten an die Maschine, da die<br />
Maschinenhersteller den Aufbau definieren. Nachdem<br />
der Kommunikationsweg stand, wurden erste Mitarbeiter<br />
auf die neuen Maschinen geschult und durften Er-<br />
„Die Mitarbeiter haben sich mit dem<br />
System angefreundet und es kommt<br />
positives Feedback verbunden mit dem<br />
Wunsch, weitere Maschinen einzubinden“,<br />
freut sich Cynthia Schmeißer, ERP-<br />
Verantwortliche bei Spelsberg.<br />
wie möglich mit dem Umrüsten der Maschinen aufhalten<br />
und gleich loslegen können. Daher wollten wir, dass<br />
Proalpha die Informationen direkt an die Maschinen<br />
gibt, die sich daraufhin von alleine rüsten.“ Da es bei<br />
dem ERP-Anbieter bis dahin nicht die Möglichkeit einer<br />
Maschinenkommunikation gab, ließ sich Spelsberg dies<br />
zunächst als Anpassung programmieren. „Als wir dann<br />
hörten, dass Proalpha die Maschinenkommunikation<br />
als Standard umsetzen möchte und dafür Pilotkunden<br />
sucht, haben wir uns direkt angeboten, da wir bereits<br />
Erfahrungen in dem Bereich gesammelt haben“, fährt<br />
Schmeißer fort.<br />
Vom Konzept zum Prototyp<br />
Die Erprobung des Prototyps fand im Januar 2018<br />
statt. Spelsberg führte den „Proof of Concept“ auf zwei<br />
Fertigungsmaschinen aus der Produktion durch. Die<br />
eine Maschine versieht die vorbereiteten Gehäuse mit<br />
der Produktionsnummer und setzt, wenn notwendig,<br />
Stopfen ein. Die zweite Maschine montiert – gesteuert<br />
durch Proalpha – Schrauben in den Deckel. Der jeweilige<br />
Produktionsfortschritt wird automatisiert über den<br />
Rückkanal an das ERP-System gemeldet. Die Software<br />
steuert damit die Fertigung auf Basis von Echtzeitdaten.<br />
„Der Anfang war sehr schwer, da zwei Systeme, die<br />
fahrungen im Echtbetrieb sammeln. Nach einigen Startschwierigkeiten<br />
freundeten sie sich mit dem System an.<br />
„Mittlerweile merken wir die Vorteile des Systems,<br />
welche primär die niedrigeren Rüstzeiten sind“, so<br />
Schmeißer. Denn: Das ERP startet und beendet nicht<br />
nur Aufträge, sondern kümmert sich auch um die passende<br />
Werkzeugauswahl – eine Entlastung für die Maschinenführung.<br />
„Aus der Belegschaft kommt positives<br />
Feedback und der Wunsch, weitere Maschinen einzubinden.“<br />
Dies soll geschehen, sobald die Pilotprogramme<br />
freigegeben werden. „Sobald die Umstellung erfolgreich<br />
durchgeführt wurde, werden wir die Kommunikation<br />
für weitere Maschinen einstellen“, so Schmeißer.<br />
Zudem soll eine automatische Fertigmeldung durchgeführt<br />
werden. „Der Prototyp läuft bereits im Produk -<br />
tionsportal von Spelsberg“, freut sich die ERP-Beauftragte.<br />
Das Portal bietet eine Übersicht aller verfügbaren<br />
Produktionsaufträge und benötigten Materialien<br />
und dient als Schaltzentrale der Fertigung. „Wenn wir<br />
auf den Button zum Starten des Auftrags klicken, leitet<br />
das Portal den Befehl zum Ausführen der Maschinenkommunikation<br />
an Proalpha weiter“, beschreibt sie den<br />
Mehrwert des Systems, das nicht nur für die Mitarbeiter<br />
am Band, sondern auch in der Administration eine deutliche<br />
Erleichterung darstellt.<br />
•<br />
Der Prototyp ist bereits<br />
im Spelsberg-Produk -<br />
tionsportal eingebunden.<br />
Bilder: Spelsberg<br />
<strong>Industrieanzeiger</strong> 04.19 47
technik & wissen<br />
Rückrufaktionen sparen und frühzeitig<br />
das Produkt und die Produktion verbessern:<br />
Der digitale Zwilling macht das möglich.<br />
Bild: Gorodenkoff/Fotolia<br />
Simulation kann das Zusammenspiel von Komponenten testen<br />
Virtueller Zwilling<br />
spart Kosten<br />
Software | Fehlerhafte Komponenten oder Störungen<br />
können Unternehmen in Rückrufaktionen viel Geld<br />
kosten. Abhilfe leistet der digitale Zwilling, der vorab<br />
genaue Tests ermöglicht.<br />
Die Schlagzeilen machen Sorgen: Rückorderung<br />
von 2,4 Mio. Fahrzeugen eines japanischen<br />
Autobauers oder Rückruf von<br />
140.000 Autos in China eines deutschen<br />
Herstellers. Gründe dafür waren jeweils fehlerhafte<br />
Teile oder Störungen. Die Rückrufe<br />
kosten Hersteller viel Geld und schädigen<br />
die Reputation. Solche Aktionen könnte<br />
zukünftig der digitale Zwilling vermeiden.<br />
Ein digitaler Zwilling ist die virtuelle<br />
Kopie realer Produkte, Maschinen oder Prozesse.<br />
Um diese Kopien anzufertigen, erfassen<br />
Sensoren fortlaufend Daten in der rea-<br />
len Welt und speichern diese in einer<br />
(Cloud-)Datenbank. „Der Zwilling repräsentiert<br />
dann in der digitalen Welt dieselben<br />
Eigenschaften und Informationen wie sein<br />
Pendant in der realen Welt“, sagt Georg<br />
Rätker, Vice President Auto/Mi Solutions<br />
und Geschäftsführer bei T-Onsite Service,<br />
einer IT-Service-Tochtergesellschaft von<br />
T-Systems.<br />
Digitalen Doppelgänger nahtlos in<br />
bestehende IT-Systeme einbinden<br />
Mithilfe des digitalen Zwillings können<br />
Zustand, Eigenschaften und Verhalten des<br />
physischen Objekts auf Basis des dynamischen<br />
Datenmodells jederzeit visualisiert,<br />
analysiert, vorhergesagt und angepasst werden.<br />
Produkte lassen sich so direkt ‚richtig‘<br />
designen, umfassend testen und kontinuierlich<br />
verbessern. Außerdem lässt sich der<br />
digitale Zwilling nahtlos in bestehende<br />
PLM-, ERP-, MES- und CRM-Systeme integrieren.<br />
So können beispielsweise Autobauer<br />
das virtuelle Abbild nutzen, um ihre Fahrzeuge<br />
auf Grundlage der vernetzten Daten<br />
konsequent weiterzuentwickeln.<br />
Die Anwendungsmöglichkeiten des virtuellen<br />
Doppelgängers kennen keine Grenzen<br />
48 <strong>Industrieanzeiger</strong> 04.19
und beginnen schon in der Design- und Entwicklungsphase:<br />
Mittels digitaler Produktentwürfe<br />
simulieren Ingenieure etwa verschiedene<br />
Lastszenarien an Autoteilen oder<br />
kompletten Fahrzeugen – bis hin zum virtuellen<br />
Crashtest. Damit sind weniger physische<br />
Prototypen nötig. Erst wenn der Hersteller<br />
mit den digitalen Tests zufrieden ist,<br />
nutzt er diese zur Verifizierung. Material-,<br />
Zeit- und Kostenaufwand sinken so deutlich.<br />
Digitale Zwillinge helfen Unternehmen,<br />
sich durch die Auswertung von Echtdaten<br />
in Simulationsmodellen und Tests der<br />
wir nachbessern? Antworten liefert die virtuelle<br />
Kopie der Komponenten.<br />
Auch in der Produktion sorgt der digitale<br />
Zwilling für mehr Transparenz. Er zeigt in<br />
Echtzeit, welche Teile im Fahrzeug verbaut<br />
und welche Arbeiten erledigt sind. So kann<br />
die Bauzeit deutlich verkürzt werden, da<br />
Sensoren die Produktionsfortschritte kontinuierlich<br />
erfassen und intelligente IT-Systeme<br />
diese aufbereiten – ohne, dass die Arbeiter<br />
die einzelnen Schritte zurückmelden<br />
müssen. Damit sinken Kosten und Aufwand<br />
für das manuelle Erfassen der Arbeitsab -<br />
Softwarearchitekten jederzeit Zugriff auf<br />
die aktuellen Betriebsdaten erhalten. „Sie<br />
sehen direkt in einem grafischen Dashboard,<br />
was mit der Bremse im Testumfeld oder<br />
in der realen Welt los ist. Anhand der sich<br />
ständig verändernden Parameter können die<br />
Entwickler ihre bisherigen Annahmen überprüfen<br />
und notfalls korrigieren – für das<br />
Design einer noch besseren, widerstandfähigeren<br />
Bremse“, erläutert Leidig. So lassen<br />
sich theoretisch auch alle anderen Fahrzeugkomponenten<br />
sukzessive optimieren und<br />
letztlich zuverlässigere Autos bauen.<br />
Anhand eines virtuellen Zwillings<br />
einer Autobremse sammeln T-Systems<br />
und PTC aktuelle Betriebsdaten in<br />
einer digitalen Fahrzeugakte.<br />
Entwickler können so ihre<br />
Annahmen direkt überprüfen und<br />
gegebenenfalls korrigieren.<br />
Bild: T-Systems<br />
Realität noch stärker anzunähern. Designer<br />
und Ingenieure können zudem das Zusammenspiel<br />
tausender Fahrzeugteile auf Auffälligkeiten<br />
untersuchen, am Rechner neu<br />
simulieren, testen und optimieren. Wie verhalten<br />
sich Motor, Bremse und Achse untereinander?<br />
Was harmoniert gut? Wo müssen<br />
Fakten zum<br />
digitalen Zwilling<br />
Laut einer Studie vom Beratungshaus Gartner<br />
gehört der digitale Zwilling zu den zehn<br />
wichtigsten strategischen Technologietrends:<br />
• Bis 2021 werde die Hälfte aller großen<br />
Unternehmen Digital Twins nutzen.<br />
• Die Effektivität von Unternehmen steigere<br />
sich um 10 %.<br />
• Prognose: Bis 2020 werden 21 Mrd. Sensoren<br />
und Endpunkte angeschlossen, um<br />
digitale Zwillinge erstellen zu können.<br />
läufe und gleichzeitig die Risiken für eine<br />
Produktionsverzögerung.<br />
Das Potenzial des digitalen Zwillings<br />
reicht weit über den Entwicklungs- und Produktionsprozess<br />
hinaus. Selbst in der Betriebsphase<br />
eines Fahrzeugs kann das virtuelle<br />
Abbild Realdaten an den Autobauer zurückspielen.<br />
Indem der PKW während des<br />
laufenden Betriebs permanent Fahrzeugdaten<br />
an seine virtuelle Kopie sendet, liefert<br />
die Technik viele neue Business-Ansätze für<br />
die Zukunft. Ein Einsatzbeispiel hat T-Systems<br />
gemeinsam mit PTC realisiert. „Wir<br />
haben eine Autobremse aus einem Van mit<br />
Sensoren ausgestattet. Diese lesen Zustandsund<br />
Verbrauchswerte wie die Drehgeschwindigkeit<br />
und Temperatur der Bremsscheibe,<br />
den Druck auf das Bremspedal oder<br />
den daraus resultierenden Bremsdruck in<br />
Echtzeit aus. Die Daten werden dem Hersteller<br />
dann in einer Cloud-IoT-Plattform<br />
oder auch direkt in der Arbeitsumgebung<br />
des Bremsen-Ingenieurs – etwa einem CAD-<br />
System – bereitgestellt“, erklärt Sascha Leidig,<br />
Leiter des PLM-Kompetenzzentrums<br />
von T-Systems.<br />
So entsteht eine digitale Fahrzeugakte,<br />
über die alle Ingenieure, Elektroniker und<br />
Auch die vorausschauende Wartung von<br />
Fahrzeugen lässt sich durch echte Betriebsdaten<br />
signifikant verbessern, etwa indem<br />
künstliche Intelligenz (KI) hinzukommt.<br />
„Die KI-Analyse hilft den Herstellern,<br />
etwaige Abweichungen, sogenannte Anomalien,<br />
vom normalen, zu erwartenden Verhalten<br />
der Bremse automatisch zu erkennen“,<br />
sagt Leidig. „Dadurch können sicherheitskritische<br />
Indikationen schon direkt im Entwicklungsprozess<br />
berücksichtigt werden,<br />
um die Bremse nachzubessern.“<br />
Rätker von T-Onsite Service ergänzt:<br />
„Das Interesse aus der Industrie ist groß:<br />
Auf der Zulieferermesse IZB in Wolfsburg<br />
im Oktober 2018 hat unser Demonstrator<br />
für etliche Nachfragen und gute Gespräche<br />
gesorgt.“ Außerdem liefert die KI-Technik<br />
auch ein noch genaueres Bild vom Verschleiß<br />
der Autoteile. Dank des ständigen<br />
Datenaustauschs zwischen Auto und virtueller<br />
Kopie sind weitaus zuverlässigere<br />
Prognosen möglich. Die Hersteller sehen so,<br />
welche Komponenten am PKW wie schnell<br />
verschleißen und wann sie ausgetauscht<br />
werden sollten, bevor es zum Schaden oder<br />
gar Ausfall des Fahrzeugs kommt. (nu) •<br />
<strong>Industrieanzeiger</strong> 04.19 49
technik & wissen<br />
Die neuartige, Industrie-4.0-konforme<br />
Flachstricktechnologie von Stoll profiliert<br />
sich mit ihren besonderen Formbildungs -<br />
fähigkeiten. Bild: Stoll<br />
7. Anwenderforum<br />
Smart Textiles<br />
Wann: 27. und 28. Februar 2019<br />
Wo: Bad Waldsee<br />
Programm: https://bit.ly/2rv2ESt<br />
Infos: Sabine Keller,<br />
Tel. +49 711 9340-505,<br />
E-Mail: veranstaltung@ditf.de<br />
Anwenderforum Smart Textiles: Impulse für Innovationen<br />
Textilien<br />
mit Intelligenz<br />
Smarte Textilien | Ideen und Impulse für Innovationen<br />
sind die Perlen, die Mittelständler auf dem 7. Anwenderforum<br />
Smart Textiles sammeln können. Sie ergeben<br />
sich fast zwangsläufig aus den F+E-Ergebnissen deutscher<br />
Textilforscher.<br />
Intelligente Textilien halten neuerdings<br />
Einzug in Produktion und Logistik. Ob<br />
Hightech-Handschuhe für den Einsatz im<br />
Fahrzeugbau, textile Touchscreens zum<br />
Steuern von Maschinen oder auch textile<br />
Sensoren für das Screening von Bauteilen<br />
oder menschlichen Gesundheitsdaten: Smarte<br />
Textilien sind im Kommen und erfahren<br />
als Bereich der Technischen Textilien<br />
starken Input insbesondere aus dem<br />
deutschsprachigen Raum.<br />
Die jüngsten Trends stellt Ende Februar<br />
das 7. Anwenderforum Smart Textiles in<br />
Bad Waldsee vor. Auch der gastgebende<br />
Caravan- und Reisemobilhersteller Hymer<br />
zeigt sich interessiert an den neuesten<br />
Forschungsergebnissen für Produkte mit<br />
intelligenten Funktionen, wie sie die Textilforschungsinstitute<br />
wie Denkendorf (DITF),<br />
Aachen (ITA), Chemnitz (STFI), Dresden<br />
(ITM) oder Greiz (TITV) liefern.<br />
„Das interdisziplinäre Forum will Anregungen<br />
für neue Produkte, Dienstleistungen<br />
und Technologien geben und zugleich die<br />
Smart-Textiles-Kompetenzen in der Dach-<br />
Region bündeln“, sagt Veranstalter Professor<br />
Götz T. Gresser von den Deutschen<br />
Instituten für Textil- und Faserforschung<br />
(DITF). Jüngste smarttextile Lösung am<br />
größten europäischen Forschungsstandort<br />
ist zum Beispiel „SensHand“ – ein senso -<br />
rischer Handschuh, der Lageristen beim<br />
Heben von Lasten unterstützt.<br />
Die deutsche Textilindustrie hat sich<br />
nach tiefgreifendem Strukturwandel im<br />
50 <strong>Industrieanzeiger</strong> 04.19
Die „SensHand“ bietet eine Lösung zur<br />
Entlastung des Logistikpersonals:<br />
Schweres Heben ist passé. Bild: DITF<br />
Textilien mit homogenem Leuchten: Die<br />
LED-Lösung von Eschler wird in Bad Waldsee<br />
gezeigt werden. Bild: Eschler Textil<br />
vergleichsweise jungen Geschäftsfeld Technische<br />
Textilien eine international führende<br />
Position erarbeitet. Analysten sind sich weltweit<br />
einig, trotz unterschiedlicher Zahlenansätze:<br />
Dieser Markt wird weiter stark<br />
anwachsen.<br />
Prognosen zufolge wird die Nachfrage<br />
aus Anwendungsfeldern wie Architektur,<br />
Fashion, Automotive, Verteidigung, Sport<br />
und Fitness oder dem Medizinbereich für<br />
Europa bis 2022 ein durchschnittliches jährliches<br />
Wachstum von über 25 % bringen.<br />
Neue technologische Möglichkeiten etwa<br />
bei der textilen Sensorik, Thermoenergie -<br />
erzeugung oder bei technotextilen Beleuchtungslösungen<br />
sollen schon bis 2021 eine<br />
Verdopplung des Weltmarktvolumens gegenüber<br />
2016 bewirken.<br />
Damit Deutschland seine Spitzenposition<br />
hält, muss vor allem beim Transfer der<br />
Lösungen in den Markt Tempo aufgenommen<br />
werden. Das hilft auch Mittelständlern,<br />
die nach innovativen Ansätzen in ihren<br />
Produktfeldern und neuartige Anwendungen<br />
suchen. Zu diesem Zweck stellen<br />
Entwickler ihre smarttextilen Innovationen<br />
in Bad Waldsee vor:<br />
Larissa Pogacnik, Produktmanagerin mit<br />
Schwerpunkt Smart Textiles bei Eschler in<br />
Balingen, wird neue Lösungen bei elektrisch<br />
leitfähigen Gewirken präsentieren, die heizen,<br />
leuchten oder sensorische Eigenschaften<br />
besitzen. Dazu gehört ein gemeinsam<br />
mit der Schoeller Textil AG entwickeltes beheizbares<br />
Softshell-Material. Konzipiert als<br />
Meterware, lässt es sich individuell zuschneiden.<br />
Für textile Beleuchtungslösungen entstand<br />
ein intelligenter Schichtaufbau, der<br />
das ursprünglich punktuelle Licht integrierter<br />
LEDs homogen verteilt und so ein<br />
stimmungsvolles Ambiente erzeugt. Dank<br />
strukturierter Stoffe lässt sich die Oberfläche<br />
dabei individuell gestalten.<br />
Die smarte Servicewelt von morgen wird<br />
in der Storefactory von Adidas erlebbar. Als<br />
Branchenbeispiel für Industrialisierung 4.0<br />
wurde in Berlin der Produktionsprozess<br />
Stricken in der gesamten Prozesskette<br />
digital abgebildet. Dr. Timm Wagner vom<br />
Adidas-Future-Team erläutert in Bad Waldsee,<br />
wie Losgrößen 1 möglich werden: Die<br />
Storefactory bietet dem Kunden die Möglichkeit,<br />
Produkte im Laden nach eigenen<br />
Wünschen zu gestalten und sofort produzieren<br />
zu lassen.<br />
Nach dem Motto „Challenging Limits –<br />
vom Sensor zum Geschäftsmodell“ steht die<br />
intelligente Interpretation technotextiler<br />
Sensordaten im Mittelpunkt des Beitrags<br />
von Christian Wenner. Der Bereichsleiter<br />
Strategie & Portfoliomanagement der<br />
Kapsch BusinessCom AG, Wien, geht auf<br />
Entwicklungsmöglichkeiten von End-2-<br />
End-L ösungen in der gesamten Breite<br />
textiler Anwendungsfälle ein – darunter das<br />
Monitoring menschlicher Vitaldaten, die<br />
Überwachung von Dachbelastungen mit<br />
Schnee oder Feuchtigkeit oder die textil -<br />
basierte Überwachung von Maschinen.<br />
Martin Legner informiert bei dem Expertentreffen<br />
über die neuartige Flachstricktechnologie<br />
der H. Stoll AG & Co. KG. Der<br />
Bereichsleiter Technical Textiles Application<br />
des Reutlinger Unternehmens geht dabei<br />
besonders auf die Formbildungsfähigkeiten<br />
und Optionen zur Strukturausgestaltung<br />
ein, die fortgeschrittene Halb- oder Fertigprodukte<br />
ermöglichen. Sie bieten Eigenschaften<br />
zwischen gestrickten, gewirkten<br />
und gewebten Textilqualitäten. Die Breite<br />
der verwendbaren Materialien, ihre technologische<br />
Variabilität je nach Einsatzbereich<br />
der Produkte sowie die Industrie-4.0-<br />
Konformität der Fertigung spiegeln den<br />
Anspruch der Entwickler auf eine im<br />
Wortsinn smarte Lösung wider. •<br />
Hans-Werner Oertel<br />
Technologiejournalist in Berlin<br />
<strong>Industrieanzeiger</strong> 04.19 51
technik & wissen<br />
Vielleicht nicht ganz so<br />
fiktiv wie auf dem Bild,<br />
aber selbstlernende Software-Roboter<br />
sollen uns<br />
schon bald von einfachen<br />
Büroarbeiten erlösen.<br />
Bild: kinwun/Fotolia<br />
Fünf Forschungspartner entwickeln selbstlernende Software-Roboter<br />
Roboter, bitte zum<br />
Diktat<br />
Künstliche Intelligenz | In der modernen Fabrik gehört<br />
er längst zum Stamm-Personal. Jetzt meldet<br />
sich Kollege Roboter zum Dienst im Büro, um uns von<br />
Routinearbeiten zu befreien. Lösungen soll es bald<br />
auch für KMU geben.<br />
Nach der Automatisierung in der industriellen Produktion<br />
ist es mithilfe von Software-Robotern inzwischen<br />
auch möglich, wiederkehrende, regelbasierte digitale<br />
Prozesse im Büroalltag zu automatisieren. Die auf diese<br />
Weise von Routineaufgaben befreiten Mitarbeiter aus<br />
Fleisch und Blut sollen sich so anspruchsvolleren Tätigkeiten<br />
widmen können. Die Umsetzung dieser robotergestützten<br />
Prozessautomatisierung gilt bislang jedoch<br />
als aufwendig und teuer, denn vor dem Start müssen Geschäftsprozesse<br />
genau identifiziert und dokumentiert<br />
werden.<br />
Das vom Bundesministerium für Forschung und Bildung<br />
(BMFB) mit einem siebenstelligen Betrag geförderte<br />
Forschungsprojekt KI.RPA hat es sich zur Aufgabe<br />
gemacht, das zu ändern: Seit wenigen Monaten verfolgt<br />
das auf zweieinhalb Jahre angelegte Projekt einen vielversprechenden<br />
Lösungsansatz für autonome Prozessoptimierung.<br />
Grundlage ist eine, wie es heißt, bisher einmalige<br />
technologische Kombination von künstlicher Intelligenz<br />
(KI), Robotic Process Automation (RPA) und<br />
Process-Mining. Letzt genanntes ist eine Technik, um<br />
Geschäftsprozesse in Organisationen aufgrund von<br />
digitalen Spuren zu analysieren und zu rekonstruieren.<br />
Hinter dem Projekt steht ein Forschungskonsortium<br />
unter Leitung des Darmstädter Robotik-Spezialisten<br />
Servicetrace. Weitere Projektpartner sind das gemeinnützige<br />
August-Wilhelm-Scheer Institut für digitale Produkte<br />
und Prozesse (AWSi), das seine Kompetenzen in<br />
Desktop Mining und Prozessmanagement beisteuert,<br />
die Process Analytics Factory (PAF) als Spezialist und<br />
Lösungsanbieter für Process Mining, die TU Darmstadt<br />
(Telecooperation Lab) als Experte für die Verbindung<br />
von KI und Process Mining sowie die Deutsche Telekom<br />
Service (DTS) als Praxispartner.<br />
„Ziel des Forschungsprojekts ist es, ein innovatives<br />
Softwaresystem zu entwickeln, welches die Interaktion<br />
des Menschen mit dem Computer aus Sicht des Anwenders<br />
erfasst und analysiert“, erklärt Servicetrace-CEO<br />
Markus Duus. „Mit diesen Informationen ist das System<br />
dann in der Lage, mithilfe von Machine-Learning-<br />
Techniken selbstständig einen Prozessablauf zu identifizieren,<br />
zu konstruieren und zu automatisieren – ein<br />
selbstlernendes System.“ Mit ihm sollen Unternehmen<br />
künftig virtuelle Mitarbeiter-Pools auf Basis von RPA<br />
52 <strong>Industrieanzeiger</strong> 04.19
erschaffen können, die menschliche Mitarbeiter bei<br />
Routine-Aufgaben unterstützen. Dies jedoch ohne die<br />
Beschränkungen heutiger Software-Roboter, wie hohem<br />
Konfigurationsaufwand, starr vorgegebenen Abläufen<br />
sowie geringen Freiheitsgraden im Prozessablauf.<br />
Eine Zukunftsvision könnte wahr werden<br />
Das Projektteam hat dafür bereits ein neuartiges Softwaresystem<br />
entwickelt, das die Daten und Arbeitsschritte<br />
verschiedener End-to-End-Prozesse direkt an der<br />
menschlichen Schnittstelle erfasst und analysiert und<br />
den Prozess dann selbstständig lernt und ihn anschließend<br />
sogar selbst in einer optimierten Form ausführt.<br />
”<br />
Quelle:<br />
Es ist im Grunde der Traum jeder<br />
Industrie: Eine Technologie, die<br />
selbstständig lernt und handelt.“<br />
Tobias Rother, CEO Process Analytics Factory<br />
Das Process-Mining-Tool PAF-<br />
now liefert das datenbasierte<br />
technologische Grundgerüst<br />
für die robotergestützte Prozess-<br />
automatisierung.<br />
Bild: Process Analytics Factory<br />
Eine Zukunftsvision, so hoffen die Beteiligten, könnte<br />
Realität werden: Das geschlossene System, das vollständig<br />
autonom und sich selbst optimierend ohne Eingriffe<br />
von außen agiert. „Es ist im Grunde der Traum jeder<br />
Industrie: Eine Technologie, die selbstständig lernt und<br />
handelt. Mit unserem an jedem digitalen Arbeitsplatz<br />
einsetzbaren Process-Mining-Tool PAFnow liefern wir<br />
hierzu das datenbasierte technologische Grundgerüst<br />
und damit sozusagen die Denkstruktur des Systems“,<br />
erklärt PAF-CEO Tobias Rother die Rolle des Process-<br />
Mining-Verfahrens innerhalb der Lösung.<br />
Kernelement des Tools ist eine KI, die in der Lage ist,<br />
die manuellen Arbeitsschritte der menschlichen Anwender<br />
bei der Eingabemaske zu untersuchen. Rückgrat der<br />
Software werden eigens von KI.RPA auf Basis von<br />
Deep- und Machine Learning entwickelte Algorithmen<br />
sowie eine Process Robotics Engine sein. „Unsere Forschung<br />
verbindet KI mit Process Mining und fand schon<br />
mehrfach erfolgreich den Weg in die Praxis; das macht<br />
uns sehr zuversichtlich für die nächste Stufe, nämlich<br />
die KI-basierte Automation mühseliger Bildschirmarbeit<br />
für Unternehmensprozesse“, erklärt Dr. Max Mühlhäuser,<br />
Leiter Telecooperation Lab des Fachbereichs Informatik<br />
an der TU Darmstadt.<br />
Ein Software-Roboter entlastet fünf Mitarbeiter<br />
Das dahinterliegende Potenzial, so heißt es, sei enorm:<br />
Im Regelfall könne ein Software-Roboter bis zu fünf<br />
Mitarbeiter von repetitiven Abläufen entlasten. Der<br />
Mensch könne sich dann Aufgaben widmen, bei denen<br />
seine einzigartige Erfahrung und Entscheidungsfähigkeit<br />
gefragt seien. „Künstliche Intelligenz revolutioniert<br />
die klassische Büroarbeit. In KI.RPA entwickeln wir intelligente,<br />
selbstlernende Software-Roboter, die Prozesse<br />
strukturieren und automatisieren. Unternehmen werden<br />
effizienter, Mitarbeiter können freier und kreativer arbeiten“,<br />
so Dr. Christian Linn, Digitization Professional<br />
beim AWSi. Die von den Projektpartnern angestrebte<br />
Lösung richtet sich hierbei nicht nur an große, sondern<br />
auch an kleine und mittlere Unternehmen, denen RPA-<br />
Lösungen aufgrund des kostenintensiven, externen<br />
Beraterbedarfs bislang verwehrt blieben. (kf) •<br />
<strong>Industrieanzeiger</strong> 04.19 53
technik & wissen<br />
Zur kompletten Anlage gehört auch eine<br />
Station, wo die Werkstücke mit einer<br />
Genauigkeit von 0,02 mm vermessen<br />
werden. Bilder: Klaus Vollrath<br />
Scherenhersteller stellt sich der Produktvielfalt und kleinen Losgrößen<br />
Flexibler mit<br />
Machine Vision<br />
Automatisierung | Ein Hersteller von Schneidwerkzeugen<br />
trennte sich von seinen aufwendigen, mechanischen<br />
Vorrichtungen und erreichte mit einem neuen<br />
Konzept aus Bildverarbeitung, Robotik und Fördertechnik<br />
die erhoffte Flexibilität.<br />
Fertigungslinien bestehen in der Regel aus<br />
einzelnen Stationen, die miteinander verknüpft<br />
sind. Transport und lagerichtige<br />
Übergabe der Werkstücke erfolgen über aufwendige,<br />
bauteilspezifische Vorrichtungen.<br />
Produktwechsel ziehen einen hohen Umrüstaufwand<br />
nach sich. Vor dem Hintergrund<br />
der immer kleiner werdenden Losgrößen<br />
ist diese Technik alles andere als flexibel.<br />
Eine Alternative hierzu sind Lösungen<br />
mit kameragestützter Teileerkennung, Roboter<br />
und Linearförderer. Solche Systeme<br />
brauchen keine speziellen Vorrichtungen<br />
mehr und können trotzdem das Schüttgut<br />
vereinzeln, greifen, vermessen und präzise<br />
ablegen.<br />
„Unser Kunde ist ein Hersteller von Garten-<br />
und Astscheren für Landwirtschaft und<br />
Industrie“, erzählt David Leuzinger, Leiter<br />
Automation und Robotics bei der Compar<br />
AG in Pfäffikon. „Bei den Schneideklingen<br />
setzt das Unternehmen auf Qualität und<br />
spricht vor allem professionelle Anwender<br />
an.“ Dennoch sieht sich der Hersteller dem<br />
Preisdruck durch Billigfabrikate ausgesetzt.<br />
Um dem Kunden die Entscheidung für Qualität<br />
auch preislich zu erleichtern, wird in<br />
der Klingenfertigung jede Möglichkeit genutzt,<br />
die Kosten zu drücken. Die Klingenherstellung<br />
findet durchgängig auf automatisierten<br />
Anlagen mit hoher Produktivität<br />
statt.<br />
„Bei diesen automatisierten Linien ist neben<br />
der hohen Produktivität auch eine möglichst<br />
kurze Umrüstzeit entscheidend“, so<br />
Leuzinger. „Die Produkte müssen in immer<br />
mehr Varianten hergestellt werden, wodurch<br />
die Losgrößen schrumpfen.“ Hinzu<br />
kommen begrenzte Sonderaktionen und die<br />
Fertigung von Ersatzteilen in vergleichsweise<br />
geringen Stückzahlen. Kleinere Serienlosgrößen<br />
wirken sich durch hohe Umrüstzeiten<br />
nachteilig auf die Gesamtproduktivität<br />
aus. Das gilt auch für die Handling-Einrichtungen,<br />
die den Teilefluss vor, zwischen und<br />
hinter den Maschinen abwickeln. Früher<br />
kamen hier meist mechanische Vorrichtungen<br />
zum Einsatz, die exakt auf das jeweilige<br />
Produkt ausgelegt waren. Solche Systeme<br />
sind zwar robust und schnell, verursachen<br />
beim Produktwechsel allerdings längere<br />
Stillstände.<br />
Beim anstehenden Austausch einer älteren<br />
Produktionsanlage suchte der Scherenhersteller<br />
nach einer alternativen Lösung für<br />
die Zuführung der Bauteile, die als Schüttgut<br />
angeliefert werden. Das neue System<br />
sollte bei gleicher Zuverlässigkeit mit weniger<br />
Umrüstaufwand auskommen. Zudem<br />
wurde eine hohe Positioniergenauigkeit bei<br />
der Übergabe zum Nachfolgeprozess verlangt.<br />
„Wir haben hierfür ein Konzept entwickelt,<br />
das gerade mal aus drei Komponenten<br />
besteht, nämlich Kamera, Roboter und<br />
54 <strong>Industrieanzeiger</strong> 04.19
Feeder“, erläutert Leuzinger. Im praktischen<br />
Ablauf sind verschiedene Klingen für Scheren<br />
zu sortieren, die als rohe oder vorbearbeitete<br />
Stanzteile in Form von Schüttgut angeliefert<br />
werden. Die Teile gelangen über einen<br />
Steilförderer in einen Dosierbunker, von<br />
dem sie portionsweise auf eine Förderplattform<br />
gerüttelt werden. Auf dieser liegen sie<br />
nicht nur chaotisch neben- und aufeinander,<br />
sondern teilweise auch mit der Unterseite<br />
nach oben.<br />
Die Teile werden mit einem Scara-Roboter<br />
abgegriffen, dessen Vakuumgreifer ohne<br />
Austausch für das gesamte Teilespektrum<br />
eingesetzt werden kann. Der Boden der Förderplattform<br />
besteht aus einem speziellen<br />
Kunststoff, der für Infrarotlicht transparent<br />
ist. Da er von unten gleichmäßig mit IR-<br />
Licht beleuchtet wird, wirkt er für die oben<br />
angebrachte Kamera wie ein Lichttisch, auf<br />
dem sich die Konturen der darauf liegenden<br />
Teile scharf abzeichnen. Die Erkennung der<br />
Werkstücke erfolgt innerhalb von 200 ms.<br />
Ein von Compar entwickeltes Softwarepaket<br />
klassifiziert die Teile, die sich nicht mit<br />
anderen überdecken, nach den Kriterien<br />
„ok“, „gedreht und ok“ oder „unbekannt“.<br />
Zur dritten Kategorie gehören überdeckt<br />
liegende Teile und Falschteile.<br />
„Die taktzeitgerechte Versorgung des<br />
Folgeprozesses hat in dem System die<br />
höchste Priorität“, hebt Leuzinger hervor.<br />
Deshalb greift der Roboter zuerst die Teile,<br />
die in Ordnung sind und in der richtigen<br />
Klapplage liegen. Dafür wird der Greifer<br />
entsprechend der Lage des Teils gedreht und<br />
positioniert. Das gegriffene Werkstück wird<br />
anschließend zur nächsten Station verfahren<br />
und dort mit einer weiteren Kamera mit einer<br />
Genauigkeit von 0,02 mm vermessen. Je<br />
nach Ergebnis wird das Teil mit hoher Positionier-<br />
und Orientierungsgenauigkeit an<br />
den Folgeprozess übergeben, in einer Pufferstation<br />
mit vier Plätzen abgelegt oder im<br />
Ausschussbehälter entsorgt. Auch die gedreht<br />
liegenden Teile werden aufgenommen<br />
und zu einer Drehstation verbracht, wo sie<br />
mit einer Universal-Klemmvorrichtung gegriffen<br />
und in die richtige Lage gebracht<br />
werden. Anschließend greift der Roboter<br />
das Teil erneut und führt es zur Feinvermessung.<br />
„Ein weiterer Vorteil des Systems ist seine<br />
leichte Bedienbarkeit“, betont Leuzinger.<br />
Vor der Auslieferung wurde die Anlage auf<br />
die Erkennung von lediglich zwei Bauteilen<br />
trainiert. Die Erkennung weiterer Teile kann<br />
der Kunde selbst programmieren. Dazu<br />
wird das System mit den entsprechenden<br />
Komponenten belegt und ein Lernmodus<br />
aufgerufen. Einmal eingelernte Teile werden<br />
später im praktischen Betrieb über ihre<br />
Geometrie identifiziert. Zudem arbeitet das<br />
System auch bei Produktwechseln weitgehend<br />
autark, da keine mechanischen Umrüstungen<br />
erforderlich sind. Ein Produktwechsel<br />
dauert lediglich ein paar Minuten.<br />
Das Handling der Teile erfolgt über einen<br />
Scara-Roboter, der mit einem universell<br />
einsetzbaren Sauggreifer bestückt ist.<br />
So lange braucht es, bis die Förderstrecke<br />
leer gefahren und neu befüllt ist. Für den<br />
Programmwechsel selbst muss der Bediener<br />
nur ein paar Tasten drücken.<br />
Die Lösung bietet zudem eine vollwertige<br />
3D-Erkennung, so dass beispielsweise Teile<br />
mit verschiedenen Oberflächenstrukturen<br />
auch dann unterschieden werden können,<br />
wenn sie falsch herum liegen. Für diese Option<br />
muss lediglich eine zusätzliche Kamerastation<br />
installiert werden. Außerdem können<br />
Werkstücke nicht nur durch Einlernen<br />
identifiziert werden, sondern auch durch einen<br />
Vergleich der gemessenen Geometrie<br />
mit den vorhandenen CAD-Geometriedaten.<br />
Im Prinzip lassen sich mit dieser Technik<br />
gemischte Teile auch in kleinen Stückzahlen<br />
zuverlässig erkennen, prüfen und<br />
sortieren. (ub)<br />
•<br />
Die Stahlklingen für<br />
die Scheren fallen<br />
vom Dosierbunker in<br />
chaotischer Lage und<br />
Orientierung auf<br />
einen Lesetisch.<br />
In der Anlage werden<br />
die Teile vereinzelt,<br />
identifiziert, mit einem<br />
Scara-Roboter ge -<br />
griffen, feinvermessen<br />
und schließlich an<br />
den Folgeprozess übergeben.<br />
<strong>Industrieanzeiger</strong> 04.19 55
technik & wissen<br />
Am Beispiel der extrem anspruchsvollen<br />
Blisk-Fertigung wollen Aachener Forscher<br />
neue Prozesse für sicherheitskritische<br />
Bauteile entwickeln und später auf<br />
einfachere Anwendungen übertragen.<br />
Bilder: WZL/IPT<br />
Forscher arbeiten interdisziplinär an neuen Fertigungsprozessen<br />
Brutstätten für<br />
innovatives Denken<br />
Fertigungstechnik | Wissenschaftler verschiedener<br />
Disziplinen sollen gemeinsam neue Ansätze finden,<br />
um Fertigungsprozesse zu optimieren. Vier Pilotlinien<br />
an den Aachener Instituten WZL und IPT sollen dazu<br />
das passende Umfeld schaffen. ❧ Mona Willrett<br />
„Wir brauchen einen Raum, in dem Fertigungsspezialisten,<br />
Informatiker und Datenanalysten gemeinsam neue<br />
Ideen entwickeln, ausprobieren und auch verwerten<br />
können“, sagt Prof. Thomas Bergs. Dieses Umfeld will<br />
der Produktionswissenschaftler, der den Direktorien der<br />
Aachener Institute WZL und Fraunhofer-IPT angehört,<br />
durch ein neues Forschungskonzept schaffen. In vier<br />
Pilotlinien – so genannten Inkubatoren – stehen sowohl<br />
die personellen Rahmenbedingungen als auch die erforderliche<br />
Infrastruktur zur Verfügung, die es Forschern<br />
unterschiedlicher Fachrichtungen ermöglichen, interdisziplinär<br />
zusammenzuarbeiten. Als Schwerpunktthemen,<br />
die ein möglichst breites Spektrum fertigungstechnischer<br />
Herausforderungen abdecken sollen, definierten<br />
die Aachener Forscher:<br />
• die Entwicklung und Nutzung des digitalen Zwillings<br />
in der Fertigung von Blisken unter Nutzung der<br />
5G-Technologie,<br />
• Big-Data-Analysen beim Feinschneiden mit dem Ziel,<br />
einen digitalen Schatten zu erzeugen,<br />
• die hochflexible Auslegung individueller Prozessketten<br />
im Werkzeug- und Formenbau durch daten- und<br />
modellbasierte Prognosen sowie<br />
• App-basierte Optimierungstools am Beispiel vollständiger<br />
Prozessketten zur Fertigung von Zahnrädern.<br />
In der Pilotlinie „Turbo“ geht es um sicherheitsrelevante<br />
Prozesse für anspruchsvolle Bauteile in mittleren Serien,<br />
beim „Feinscheiden“ um die Großserienfertigung.<br />
Und während beim Inkubator „Werkzeugbau“ die Unikat-<br />
und Prototypfertigung im Fokus steht, arbeiten die<br />
Forscher in der Zahnrad-Linie an innovativen Lösungen<br />
für eine anspruchsvolle Serienproduktion.<br />
„Es ist viel effizienter, neue Prozesse an einem konkreten<br />
Beispiel zu erarbeiten und die Ergebnisse dann<br />
auf andere Bereiche zu übertragen, als von vornherein<br />
alle Eventualitäten berücksichtigen zu wollen“, begründet<br />
Bergs die sehr spezifisch definierten Aufgabenstellungen.<br />
Der Forscher betont: Die Digitalisierung werde<br />
schon viel zu lange abstrakt diskutiert. Jetzt sei es an der<br />
Zeit, Technologien und Verfahren zu entwickeln, um die<br />
digitale Vernetzung in Betrieben alltagstauglich und<br />
durchgängig umzusetzen.<br />
Praxisnähe ist zentrales Element des Konzepts<br />
Mit dem Inkubator-Konzept wollte Bergs typische<br />
Merkmale verschiedener Produktionsumfelder abbilden,<br />
so dass sich die Forschungsergebnisse hinsichtlich<br />
der Datennutzung und -verarbeitung später auf andere,<br />
ähnlich gelagerte Fertigungsaufgaben übertragen lassen.<br />
So könnten die Erkenntnisse aus der Turbo-Linie beispielsweise<br />
auch für die Automobilindustrie oder die<br />
Medizintechnik interessant sein. Und Dr. Sascha Gierlings,<br />
Leiter Prototypenfertigung und Geschäftsfeldentwicklung<br />
Turbomaschinen am Fraunhofer-Institut für<br />
Produktionstechnologie (IPT), bestätigt: „Die Blisk-Fertigung<br />
ist eine der anspruchsvollsten Produktionsauf -<br />
gaben. Wenn wir die neuen Prozesse hier beherrschen,<br />
dann lassen sich die gewonnenen Erkenntnisse relativ<br />
leicht auch auf andere Bereiche übertragen.“<br />
Um Praxisnähe zu gewährleisten, können sich auch<br />
ausgewählte Industriepartner an einzelnen Pilotlinien<br />
beteiligen. Sowohl Anbieter von Produktionslösungen<br />
als auch potenzielle Anwender sollen die Möglichkeit<br />
56 <strong>Industrieanzeiger</strong> 04.19
„Über digitale Vernetzung<br />
wird schon viel zu<br />
lange abstrakt diskutiert.<br />
Wir müssen endlich praxisgerechte<br />
Lösungen erarbeiten<br />
und umsetzen“,<br />
sagt Prof. Thomas Bergs,<br />
Direktor an den Instituten<br />
WZL und IPT.<br />
„Wenn wir die neuen<br />
Prozesse bei der Blisk-<br />
Fertigung beherrschen,<br />
dann können wir unsere<br />
Erkenntnisse relativ<br />
leicht auch auf andere<br />
Bereiche übertragen“,<br />
sagt Dr. Sascha Gierlings<br />
vom Fraunhofer-IPT.<br />
erhalten, ihre Ideen, Wünsche und Anforderungen ins<br />
Projekt einfließen zu lassen. Während Erstere ihre Produkte<br />
und Ideen in einem praxisnahen Umfeld einsetzen,<br />
testen und weiterentwickeln können, erfahren Nutzer,<br />
wie sich die Herausforderungen beim Implementieren<br />
digital vernetzter Prozesse meistern lassen.<br />
„Wir wollen digitale Innovatoren und Fertigungsspezialisten<br />
zusammenzubringen, so dass beide gemeinsam<br />
neue Ansätze und Lösungen entwickeln können“, sagt<br />
Bergs. „Wir sehen uns als eine Art Broker, der Angebot<br />
und Nachfrage aus Bereichen zusammen bringt, die bislang<br />
noch keine oder wenig Berührungspunkte hatten“,<br />
Industrie<br />
Das<br />
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<strong>Industrieanzeiger</strong> 04.19 media.industrie.de<br />
57
technik & wissen<br />
Bereits heute helfen kontextbasierte<br />
und produktbezogen<br />
aufbereitete Produktionsdaten,<br />
Effekte zu<br />
beschreiben und deren<br />
Auswirkungen zu diagnostizieren.<br />
Im Frühjahr<br />
2020 sollen Ansätze vorliegen,<br />
Entwicklungen<br />
vorherzusagen und sie<br />
letztlich zu beeinflussen.<br />
so der Inhaber des Lehrstuhls für Technologie der Fertigungsverfahren<br />
am Werkzeugmaschinenlabor (WZL)<br />
der RWTH Aachen. Wie das aussehen kann, zeige die<br />
Pilotlinie „Turbo“, die unter anderem die 5G-Technologie<br />
für die vernetzte, adaptive Produktion zum Fertigen<br />
von Blisken nutzbar machen soll. „Bei einer unserer Veranstaltungen<br />
trafen Vertreter von Ericsson und MTU<br />
zusammen. Im Gespräch erkannten die Ericsson-Leute,<br />
welch tolle Chance die Blisk-Fertigung bietet, um zu zeigen,<br />
was 5G kann. Und die MTU-Leute realisierten,<br />
welches Potenzial der Mobilfunkstandard in der Fertigung<br />
von Triebwerkskomponenten eröffnet. In solchem<br />
Zusammenwirken sehe ich die Zukunft fertigungstechnischer<br />
Innovation. Einrichtungen wie unsere Institute<br />
können verschiedene Welten zusammenzubringen.“<br />
Zu den besonderen Merkmalen der Blisk-Fertigung<br />
gehört – neben dem hohen Wert der Werkstücke – auch<br />
die Komplexität der Bauteile, die eine extrem dreidimensionale<br />
Geometrie haben. Zudem sind die Anforderungen<br />
an die Fertigungstoleranzen hoch – sie liegen im<br />
Bereich von 20 bis 30 μm –, und wegen der hohen thermischen<br />
und mechanischen Belastung kommen bei der<br />
Materialauswahl nur schwer zu bearbeitende Super -<br />
legierungen in Betracht. Hinzu kommt, dass es sich um<br />
sicherheitskritische Bauteile handelt, bei deren Versagen<br />
unmittelbar Menschenleben bedroht sind. Deshalb sind<br />
die Sicherheitsauflagen immens.<br />
Die Aachener Forscher sehen die Digitalisierung der<br />
Fertigungsumgebung als Voraussetzung, derart anspruchsvolle<br />
Teile auch künftig prozesssicher und wirtschaftlich<br />
herzustellen. Die komplexen Prozessketten<br />
sind geprägt von einer Vielzahl unterschiedlicher Einfluss-<br />
und Störgrößen, die am Ende zu einer Streuung<br />
der Bauteilausprägung und der Produktqualität führen.<br />
Die Aufgabe der Produktionsforscher ist, die Einflüsse<br />
und deren Auswirkungen auf das Produkt zunächst zu<br />
beschreiben. Im nächsten Schritt, der Diagnose, werden<br />
die Effekte und Wirkzusammenhänge analysiert und in<br />
Form von Modellen beschrieben. Sind die Wirkzusammenhänge<br />
verstanden und die Modelle validiert, ist es<br />
möglich dieses Wissen zu nutzen, um Vorhersagen über<br />
die zu erwartende Bauteilqualität zu treffen. Schlussendlich<br />
ist das Ziel, die Stellgrößen beim Abweichen vom<br />
Soll gezielt zu beeinflussen.<br />
Mehr als Kosten senken durch effizientere Prozesse<br />
Mittels digitaler Vernetzung und konsequentem Nutzen<br />
von Produktionsdaten lässt sich die Sequenz von der Beschreibung<br />
und Modellierung bis zur Prognose und der<br />
Reaktion auf Abweichungen ganz neu gestalten. Allerdings:<br />
Wird derzeit über die Vorteile einer digital vernetzten<br />
Produktion diskutiert, ist das meistgenannte<br />
Pro-Argument das Einsparen von Kosten durch<br />
effizientere Prozesse. Doch das greift zu kurz. Gerade<br />
bei sicherheitskritischen Teilen ist eine lückenlose<br />
Dokumentation aller Fertigungs- und<br />
Einsatzdaten nicht nur elementar, um im Schadensfall<br />
die Ursache zu ermitteln. Sie ist auch Basis<br />
für ein weiter wachsendes Prozess-Know-how<br />
und trägt dazu bei, künftige Generationen eines<br />
Bauteils zu optimieren und Störeinflüsse in der<br />
Produktion zu beherrschen.<br />
Schon heute ist klar: Damit die Flugtriebwerke<br />
2030 oder 2040 noch effizienter arbeiten, muss es<br />
gelingen, deutlich komplexere und enger tolerier-<br />
Komponenten prozesssicher zu fertigen. „Hin-<br />
te<br />
zu kommt, dass Prozesse heute fast ausschließlich<br />
aus technologischem und ökonomischem Blickwinkel<br />
optimiert werden“, gibt Gierlings zu bedenken.<br />
„Künftig wird aber die ökologische<br />
Sichtweise zunehmend an Bedeutung gewinnen.<br />
Wir müssen darauf achten, Mensch und Umwelt weniger<br />
zu belasten und weniger Ressourcen zu verbrauchen.“<br />
Das erfordere Simulationstechniken, mit deren<br />
Hilfe sich schnell und effizient jene Lösung mit dem<br />
günstigsten Gesamt-Footprint identifizieren lasse.<br />
Bergs und Gierlings betonen jedoch: Das bloße Sammeln<br />
und Bereitstellen von Prozessdaten reiche nicht<br />
aus. Weil die Abläufe hochkomplex sind und – im Vergleich<br />
zu Consumer-Anwendungen – nur geringe Datenmengen<br />
zur Verfügung stehen, sei es auch nicht immer<br />
erfolgversprechend, die Informationen mittels künstlicher<br />
Intelligenz auszuwerten. Die Aachener verfolgen einen<br />
anderen Ansatz. Er sieht vor, Produktionsdaten aus<br />
unterschiedlichen Quellen synchronisiert genau einem<br />
Produktionszeitpunkt und Produkt zuzuordnen, sie mithilfe<br />
bekannter Modelle und Wirkzusammenhänge anzureichern<br />
und dann kontextbasiert über einen Digitalen<br />
Schatten zur Verfügung zu stellen.<br />
In den Projektteams der Inkubatoren arbeiten – je<br />
nach Aufgabe – Ingenieurwissenschaftler, Produktionstechniker,<br />
Physiker, Informatiker und Informationstechniker<br />
zusammen. An der Schnittstelle zwischen dem<br />
58 <strong>Industrieanzeiger</strong> 04.19
PRÄZISION ÜBERZEUGT<br />
physikalischen Fertigungsprozess und der Datenwelt<br />
entsteht so ein neues interdisziplinäres Betätigungsfeld.<br />
Aktuell sind laut Bergs zwar keine weiteren Inkubatoren<br />
geplant, sollten sich jedoch künftig neue Facetten<br />
der Fertigungstechnik aufdrängen oder ergänzende Aufgabenstellungen<br />
– etwa aus der Medizintechnik – einen<br />
Mehrwert versprechen, sei es durchaus denkbar, zusätzliche<br />
Pilotlinien einzurichten und Wissenschaftler weiterer<br />
Disziplinen einzubinden, etwa Mediziner, Biologen<br />
oder Chemiker. Denkbar sei auch, einzelne Inkubatoren<br />
zu erweitern und etwa das Thema Turbo in Richtung<br />
anderer Triebwerkskomponenten zu öffnen.<br />
In speziellen Hallenbereichen wurden für jeden Inkubator<br />
die jeweils nötigen Prozessketten aufgebaut, bestehend<br />
aus Einzelanlagen oder Verbünden mehrerer<br />
PRÄZISIONS DREHTEILE<br />
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<strong>Industrieanzeiger</strong> 04.19<br />
Um anspruchsvolle Fertigungsaufgaben sowohl technologisch<br />
und ökonomisch als auch aus ökologischer<br />
Sicht optimieren zu können, sind innovative Simulationstechniken<br />
eine zwingende Voraussetzung.<br />
Maschinen sowie dem entsprechenden IT-Umfeld. Auch<br />
die 5G-Antenne ist direkt in der Blisk-Fertigung installiert.<br />
Der Zugriff auf die Daten und die Möglichkeiten,<br />
sie auszuwerten, funktioniert hingegen dezentral. „Das<br />
alles ist sehr anwendungsnah ausgelegt“, betont Bergs.<br />
Für jede Pilotlinie existiert eine Art Technologie-<br />
Roadmap. „Wir haben konkrete Ziele und wissen genau,<br />
wo wir hinwollen“, sagt der Forscher. Die Umsetzung<br />
ist derzeit in den Bereichen Turbo und Feinschneiden<br />
am weitesten fortgeschritten. Bis zum nächsten Aachener<br />
Werkzeugmaschinen Kolloquium (AWK) im Mai<br />
2020 sollen erste Ergebnisse vorgestellt werden. Zudem<br />
sollen die Inkubatoren künftig enger mit anderen Forschungsaktivitäten<br />
verzahnt werden, etwa im Excellence<br />
Cluster „Internet of Production“.<br />
Doch die Forscher wollen nicht nur neue Erkenntnisse<br />
liefern. Die Aktivitäten sollen auch zeigen, dass Forschung<br />
durchaus praxisnah sein kann. Und das soll die<br />
Zusammenarbeit für Industriekunden – auch aus dem<br />
Mittelstand – noch attraktiver machen. •<br />
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Einfacher warten und konfigurieren<br />
Motorschutzschalter | Schneider Electric hat neue Motorschutzschalter<br />
für den Leistungsbereich von 0,25 bis 55 kW<br />
entwickelt. Dabei ermöglicht die NFC-Technologie eine vereinfachte<br />
Konfiguration und Wartung der Geräte.<br />
Robust, kompakt und multifunktional – so<br />
präsentieren sich die neuen Motorschutzschalter.<br />
Die GV4-Serie ist in drei Varianten<br />
mit einem Schaltvermögen von jeweils 25,<br />
50 oder 100 kA erhältlich. Die Baureihe<br />
umfasst den magnetischen Motorschutzschalter<br />
Tesys GV4 L sowie die Modelle Tesys<br />
GV4 P und GV4 PEM mit magnetischem<br />
und thermischem Schutz vor Kurz-<br />
Mit der NFC-Technologie können Gerätedaten wie Seriennummer,<br />
Datenblätter und Betriebsanleitungen per<br />
Smartphone-App direkt vom Gerät ausgelesen werden.<br />
Bild: Schneider Electric<br />
schluss und Überlast. Der GV4 PEM bietet<br />
zusätzliche Alarm- und Fehlerdifferenzierungsfunktionen<br />
wie etwa Voralarme, Erdschlussschutz<br />
oder gezielte Fernwiederanläufe<br />
bei Überlast.<br />
Ein weiteres Plus: Um die Wartung und<br />
Konfiguration für Anwender so einfach wie<br />
möglich zu gestalten, ist der Schalter mit<br />
NFC-Technologie ausgestattet. Gerätedaten<br />
wie Seriennummer, Datenblätter und Betriebsanleitungen<br />
können so ganz einfach<br />
per Smartphone-App direkt vom Gerät ausgelesen<br />
werden. Durch den direkten Zugriff<br />
auf Schutzeinstellungen oder die Fehlerhistorie<br />
können Maßnahmen zur Diagnose<br />
und vorausschauenden Wartung eingeleitet<br />
werden. Dank ihrer kompakten Bauweise<br />
können die Schalter mittels Ein-Klick-<br />
System auf einer Rückwand oder einer<br />
DIN-Hutschiene (35 oder 75 mm) montiert<br />
werden.<br />
•<br />
M8-Anschlusstechnik für<br />
enge Einbausituationen<br />
Antriebe für Gleichlauf<br />
und Fliegende Säge<br />
Passivverteiler | Turck hat<br />
sein Angebot an Mehrfach-<br />
Passivverteilern durch Varianten<br />
mit M8-Anschlüssen<br />
komplettiert. Die vollvergossenen<br />
TB-4M8 und<br />
TB-8M8 erfüllen die Vorgaben<br />
gemäß der Schutzart<br />
IP 67. Durch Befestigungslöcher<br />
in der Front und an<br />
den Seiten kann der Kunde<br />
die Verteiler variabel und passend zur jeweiligen Einbausituation<br />
montieren. Die M8-Anschlusstechnik<br />
wird insbesondere im Spezialmaschinenbau und anderen<br />
Branchen mit geringem Platzangebot eingesetzt.<br />
Die neue Produktgeneration entspricht nach<br />
den Anpassungen in Design und Aufbau den<br />
M12-Verteilern. Die M8-Boxen sind als 4- und<br />
8-fach-Varianten mit steckbaren M8-Anschlüssen<br />
und Metallgewinde erhältlich. Dabei kann der Kunde<br />
zwischen einer 3- und einer 4-poligen Ausführung<br />
wählen. Der Hauptanschluss kann als M12-Stecker<br />
oder Festkabelanschluss gewählt werden. •<br />
Frequenzumrichter | Mit den<br />
dezentralen Antrieben von Nord<br />
Drivesystems lassen sich anspruchsvolle<br />
Anwendungen wie<br />
Gleichlauf und Fliegende Säge<br />
umsetzen. Die Fliegende Säge ermöglicht<br />
ein Aufschalten und<br />
paralleles Führen einer Bearbeitungseinheit<br />
auf ein<br />
bewegliches Werkstück.<br />
Während der<br />
Materialtransport<br />
auf der Master-Achse<br />
weiterläuft, synchronisiert<br />
sich die Slave-<br />
Achse und führt ihren<br />
Bearbeitungsschritt<br />
aus, sobald<br />
Gleichlauf erreicht<br />
ist. Dank der internen<br />
PLC und der Positioniersteuerung<br />
Posicon in den Umrichtern<br />
Nordac Link und<br />
Nordac Flex können sich im<br />
Master-Slave-Betrieb mehrere<br />
Antriebe synchronisieren. Bis zu<br />
drei Slave-Umrichter lassen sich<br />
ohne übergeordnete Steuerung<br />
standardmäßig durch einen<br />
Master-Umrichter ansteuern. •<br />
60 <strong>Industrieanzeiger</strong> 04.19
über 60 Jahre Erfahrung<br />
für Ihre Sicherheit<br />
Bauformen mit extra<br />
großen Reichweiten<br />
Distanzsensoren |<br />
Mit ODS 110/HT<br />
110 und HRT 25B<br />
L erweitert Leuze<br />
Electronic seine Serie<br />
an Abstandssensoren<br />
und stellt<br />
seinen Kunden damit<br />
eine vielseitige<br />
Auswahl an verschiedenen<br />
Bauformen<br />
mit extra großen<br />
Reichweiten<br />
sowie mehreren Schaltpunkten<br />
zur Verfügung. Aufgrund ihrer<br />
kompakten Gehäusegröße und<br />
einer Reichweite bis 5 m eignen<br />
sie sich für den Einsatz in beengten<br />
Einbausituationen im Palettenlager<br />
sowie für Anwendungen<br />
im Bereich des automatisierten<br />
Materialflusses, für die mindestens<br />
zwei unterschiedliche<br />
Schaltpunkte erforderlich sind.<br />
Hierzu zählen neben der mehrfachtiefen<br />
Fachbelegkontrolle<br />
beispielsweise die Durchschuboder<br />
Auffahrsicherung in Shuttle-Anwendungen.<br />
Darüber hinaus<br />
zeichnen sich die Sensoren<br />
durch ihre Wiederholgenauigkeit<br />
von 3 mm für eine gute Positionierung<br />
aus. •<br />
Spielfrei auch bei häufigem<br />
Starten und Stoppen<br />
Kupplung | Die Servolamellenkupplung<br />
von R+W eignet sich für dynamische<br />
Antriebsaufgaben<br />
mit häufigem Starten und<br />
Stoppen sowie Reversierbetrieb,<br />
bei denen die absolute<br />
Positioniergenauigkeit im Fokus<br />
steht. Ihre Naben bestehen aus Aluminium,<br />
woraus ein geringes Gewicht und Massenträgheitsmoment<br />
resultieren. Die Lamellen selbst bestehen aus<br />
hochfestem Edelstahl und weisen eine hohe Leistungsdichte<br />
auf. Zur Befestigung des Lamellenpakets werden hochfeste<br />
Schrauben eingesetzt, die das Drehmoment über<br />
Reibschluss übertragen – absolut spielfrei. Es entstehen<br />
keine Mikrobewegungen in der Anbindung der Lamelle,<br />
was zu einer hohen Gesamtsteifigkeit führt. Die Welle-Nabe-Anbindung<br />
wird nur als kraftschlüssige Verbindung mit<br />
Klemmnabe, geteilter Klemmnabe und Konusklemmnaben<br />
angeboten.<br />
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Wir sind schon lange weltweit vernetzt<br />
und teilen Ideen und Wissen mit<br />
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ausgegrenzte Menschen in Würde<br />
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<strong>Industrieanzeiger</strong> 04.19 61
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Absolut genau auch<br />
in Ex-Bereichen<br />
Drehgeber | Drehgeber für Anwendungen in explosionsgefährdeten<br />
Bereichen müssen robust und sicher sein. Hengstler<br />
bietet deshalb ein breites Programm an inkrementalen<br />
und absoluten Potentiometern mit Atex-Zertifizierung an.<br />
Mit einem Durchmesser von nur<br />
59 mm ist der Acuro AX65 ein<br />
besonders kompakter, druckfest<br />
gekapselter Absolut-Drehgeber.<br />
Pro Umdrehung verfügt er über<br />
eine Auflösung von 12 Bit, als<br />
Multiturn-Variante löst er zusätzlich<br />
bis 16-Bit-Umdrehungen<br />
auf. Die Elektronik wird<br />
durch ein Edelstahlgehäuse in<br />
Schutzart IP66/67 vor äußeren<br />
Einflüssen geschützt. Dazu zählen<br />
eine SSI- und eine Canopen-<br />
Schnittstelle. Der Kunde kann<br />
die Verkabelung selbst frei gestalten.<br />
Für gas- und staubexplo -<br />
sionsgefährdete Bereiche hat der<br />
Hersteller den Acuro AX73 entwickelt.<br />
Der optische Drehgeber<br />
überzeugt nicht nur durch hohe<br />
Präzision, sondern ist kompakt<br />
und einfach zu installieren. Der<br />
Encoder bietet Auflösungen von<br />
10 bis 22 Bit (Singleturn) und<br />
12 Bit (Multiturn), verfügt über<br />
die Atex- und IECEX-Zulassung<br />
und kommuniziert über Biss-B,<br />
Biss-C, SSI, Canopen oder Profibus-<br />
Schnittstelle.<br />
Wie beim AX65 basiert das<br />
Montagesystem beim AX73 auf<br />
korrosionsfreien Schrauben, die<br />
im Servicefall den leichten Austausch<br />
des Drehgebers ermöglichen.<br />
Für den Anschluss können<br />
Drehgebermontage und Kabelverlegung<br />
getrennt voneinander<br />
erfolgen. Der AX73 ist unempfindlich<br />
gegenüber Schwingungen,<br />
Stößen und Fremdmagnetfeldern.<br />
•<br />
Die Drehgeber punkten<br />
durch ein kompaktes Design,<br />
hohe Präzision und<br />
eine Atex-Zulassung. Die<br />
Elektronik wird durch ein<br />
Edelstahlgehäuse geschützt.<br />
Bild: Hengstler<br />
Minimale Schwankungen<br />
bei den Drehzahlen<br />
Motoren | Bei der<br />
BHX-Serie von<br />
Faulhaber handelt<br />
es sich um spaltlose,<br />
bürstenlose Hochleistungsmotoren<br />
in<br />
2-Pol-Technik mit<br />
16 mm Durchmesser.<br />
Die beiden Ausführungen<br />
weisen eine Länge von 60 mm auf und sind<br />
für hohe Drehzahlen und Drehmomente ausgelegt. Serie<br />
1660…BHS erreicht Drehzahlen bis 100.000 min -1 und<br />
liefert eine Leistung von 96 W. Serie 1660…BHS ist die<br />
Lösung für Geräte, die über einen langen Zeitraum laufen<br />
und bei denen die Gehäusetemperatur niedrig gehalten<br />
werden muss. Zudem liefert die Serie 1660…BHT<br />
ein Dauer-Abtriebsdrehmoment von knapp 19 mNm<br />
und beherrscht variable Lasten. Mit nur 95 min -1 /mNm<br />
trägt die flache Drehzahl-Drehmoment-Kennlinie zur<br />
Minimierung von Drehzahlschwankungen bei. Für spezielle<br />
Anwendungen kann der Motor ein Impulsdrehmoment<br />
von >30 mNm erzeugen. •<br />
Borosilikatglas schützt die<br />
Leuchte auf ganzer Länge<br />
LED-Rohrleuchte | Pfeifer und Seibel bietet mit der leistungsstarken<br />
Rohrleuchte PS Protect LED ideales Licht für jedes<br />
Maschinen und Anlagenkonzept. Sie erfüllt Schutzart IP67<br />
und bietet eine Fülle von Konfigurationsmöglichkeiten in<br />
Verbindung mit einer robusten Ausstattung. Sie lässt sich flexibel<br />
anpassen und in nahezu jedes Maschinen- und Anlagenkonzept<br />
integrieren. Die Rohrleuchte verfügt über einen<br />
M12-Stecker für die digitale Ansteuerung mit 24 V über eine<br />
Maschine oder Anlage, beispielsweise über eine SPS. Durch<br />
die optionale Durchgangsverdrahtung lassen sich mehrere<br />
Leuchten in Reihe schalten. Aufwendige Verdrahtungsarbeiten<br />
entfallen. Das wärmeabführende Aluminiumprofil sorgt<br />
für eine hohe Lebensdauer<br />
der<br />
LEDs von bis zu<br />
50.000 Stunden.<br />
Das Rohr aus Borosilikatglas<br />
schützt die Leuchte<br />
auf der gesamten<br />
Länge. •<br />
62 <strong>Industrieanzeiger</strong> 04.19
ücher<br />
Grundlagen<br />
der Digitaltechnik<br />
Digitaltechnik ist ein Kernthema des Studiums<br />
der Elektrotechnik und Informationstechnik.<br />
Es handelt von - Signalen, Konvertierungen und<br />
Zahlensystemen über Kryptographie und Datensicherheit<br />
bis zu Bussystemen und Schnittstellen<br />
und enthält eine Einführung in die Mikroprozessortechnik<br />
und Automatentheorie.<br />
Grundlagen der Digitaltechnik, Helmut Maier,<br />
VDE-Verlag 2018, 461, S., 34,00 Euro,<br />
ISBN: 978-3-8007-4536-4<br />
Veränderte Arbeitswelt<br />
KI und die Digitalisierung verändert unsere Arbeitsweise.<br />
Dieses Buch befasst sich mit den Zukunftsszenarien,<br />
zeigt Lösungen auf und definiert<br />
die Skills, die wichtig sind, um in der zukünftigen<br />
Arbeitswelt weiter gefragt zu sein.<br />
Der Zukunfts-Code, Katja Porsch, Peter Brandl,<br />
Goldegg Verlag, 2019, 240 S., 22,00 Euro,<br />
ISBN: 978‐3‐99060‐078-8<br />
Kunststoffverarbeitung<br />
Kunststoffe haben in der Ausbildung<br />
von Ingenieuren und<br />
Technikern einen festen Platz<br />
gefunden, weil sich bestimmte<br />
Anwendungen besser mit synthetischen<br />
Werkstoffen abdecken<br />
lassen. Kunststoffe verändern<br />
sich aber durch Verarbeitungsbedingungen<br />
und Formgebungsprozesse.<br />
Das Buch zeigt<br />
diese Zusammenhänge auf.<br />
Bemaßung und Tolerierung von<br />
Kunststoff-Bauteilen, B. Klein,<br />
Expert Verlag, 2018, 353 S.,<br />
69,80 Euro, ISBN:<br />
978-3-8169-3453-0<br />
Roboter unterstützt den Werker<br />
Bei der Mensch-Roboter-Kooperation<br />
geht es um Arbeitsplätze, an<br />
denen der Mensch ohne trennende<br />
Schutzeinrichtungen direkt mit einem<br />
Roboter zusammenarbeitet.<br />
Dadurch wird z.B. die höhere Flexibilität<br />
des Menschen mit der größeren<br />
Ausdauer und Genauigkeit<br />
der Maschine kombiniert. Zahlreiche<br />
Beispiele zeigen die verschiedenen<br />
Einsatzszenarien von kollaborativen<br />
Industrierobotern. Ein eigenes<br />
Kapitel widmet sich zukünftigen<br />
Anwendungen, unter anderem<br />
im Servicebereich.<br />
Handbuch Mensch-Roboter-Kollaboration,<br />
Müller, Franke, Henrich,<br />
Kuhlenkötter, Raatz, Hanser Verlag,<br />
2019, 800 S., 199,00 Euro,<br />
ISBN: 978-3-446-45429-3<br />
<strong>Industrieanzeiger</strong> 04.19 63
vorschau 05.19<br />
Metallersatz<br />
Es gibt viele Gründe, Metall zu substituieren –<br />
Gewicht und Kosten, aber auch die Funktion.<br />
Meist ist Kunststoff die erste Wahl und macht<br />
beispielsweise das Nachschmieren bewegter<br />
Teile überflüssig. Wie man beim Metallersatz<br />
am besten vorgeht, weiß Familienunternehmen<br />
Faigle vorzuführen mit einer langjährigen<br />
Praxiserfahrung und vielen Beispielen.<br />
Bild: TGW<br />
Nachhaltigkeit<br />
Nur etwa die Hälfte der Kunststoffabfälle wird<br />
derzeit wiederverwertet. Gefragt sind Recyclingverfahren<br />
für mehr Nachhaltigkeit im<br />
Umgang mit Ressourcen.<br />
Virtual Reality<br />
Anlagenbauer Amproma nutzt Virtual Reality,<br />
um Fabrikplanungen mit seinen Kunden abzustimmen.<br />
CEO Peter Simon entdeckte diese<br />
Möglichkeit über einen Presseartikel.<br />
erscheint montags Impressum<br />
ISSN 0019–9036<br />
Organ des Wirtschaftsverbands Stahl- und Metallverarbeitung<br />
e.V. (WSM), Düsseldorf, Hagen. Die Mitglieder<br />
des Verbandes erhalten den <strong>Industrieanzeiger</strong> im Rahmen ihrer<br />
Mitgliedschaft. Zusammenarbeit im Fachbereich der Gießereitechnik<br />
mit der Zentrale für Gussverwendung, Düsseldorf.<br />
Herausgeberin: Katja Kohlhammer<br />
Mitherausgeber: Prof. Dr.-Ing. Christian Brecher (Werkzeug-<br />
maschinen); Prof. Dr.-Ing. Thomas Bergs (Technologie der<br />
Fertigungsverfahren); Prof. Dr.-Ing. Robert Schmitt (Fertigungsmesstechnik<br />
und Qualitätsmanagement);<br />
Prof. Dr.-Ing. Dipl.-Wirt.-Ing. Günther Schuh (Produktions-<br />
systematik), WZL RWTH Aachen<br />
Verlag: Konradin-Verlag Robert Kohlhammer GmbH,<br />
Ernst-Mey-Straße 8, 70771 Leinfelden-Echterdingen, Germany<br />
Geschäftsführer: Peter Dilger<br />
Verlagsleiter: Peter Dilger<br />
Chefredakteur:<br />
Dipl.-Ing. (FH) Werner Götz (gö), Phone +49 711 7594–451<br />
Stellv. Chefredakteur:<br />
Dipl.-Betriebswirt (FH) Dietmar Kieser (dk),<br />
Phone +49 711 7594–454<br />
Redaktion:<br />
Dipl.-Inf. (FH) Uwe Böttger (ub), Phone +49 711 7594–458;<br />
M. Litt. Sanja Döttling (sd), Phone +49 711 7594–342;<br />
B. A. (FH) Nora Nuissl (nu), Phone +49 711 7594–391<br />
M. A. Nico Schröder (sc), Phone +49 170 6401879<br />
Susanne Schwab (su), Phone +49 711 7594–444;<br />
Dipl.-Ing. Olaf Stauß (os), Phone +49 711 7594–495;<br />
Dipl.-Ing. (FH), Dipl.-Infowirtin (FH) MonaWillrett (mw),<br />
Phone +49 711 7594–285<br />
Ständige freie Mitarbeiter:<br />
Dipl.-Ing. Volker Albrecht, Karin Faulstroh, Michael Grupp,<br />
Sabine Koll, Markus Strehlitz<br />
Redaktionsassistenz: Daniela Engel, Phone +49 711 7594–452,<br />
Fax –1452, E-Mail: daniela.engel@konradin.de<br />
Layout: Beate Böttner, Vera Müller, Helga Nass<br />
ANZEIGEN<br />
Gesamtanzeigenleiter:<br />
Joachim Linckh, Phone +49 711 7594–565, Fax –1565<br />
Auftragsmanagement:<br />
Matthias Rath, Phone +49 711 7594–323, Fax –1323<br />
Zurzeit gilt Preisliste 78 vom 1.10.2018.<br />
Anzeigen-Annahmeschluss für Gelegenheits anzeigen mittwochs,<br />
15 Uhr.<br />
Leserservice: Ute Krämer, Phone +49 711 7594–5850,<br />
Fax –15850, E-Mail: ute.kraemer@konradin.de<br />
Erscheinungsweise: montags (31 x jährlich)<br />
Bezugspreis: Inland jährlich 206,70 € inkl. Versandkosten und<br />
MwSt; Ausland 206,70 € inkl. Versandkosten. Einzelpreis 8,00 €<br />
(inkl. MwSt, zzgl. Versandkosten). Für Schüler, Studenten und<br />
Auszubildende gegen Nachweis: Inland 137,80 € inkl. MwSt.<br />
und Versandkosten, Ausland 137,80 € inkl. Versandkosten.<br />
Bestellungen erbitten wir an den Verlag.<br />
Sofern die Lieferung nicht für einen bestimmten Zeitraum ausdrücklich<br />
bestellt war, läuft das Abonnement bis auf Widerruf.<br />
Bezugszeit: Das Abonnement kann erstmals vier Wochen zum<br />
Ende des ersten Bezugsjahres gekündigt werden. Nach Ablauf<br />
des ersten Jahres gilt eine Kündigungsfrist von jeweils vier<br />
Wochen zum Quartalsende.<br />
Bei Nichterscheinen aus technischen Gründen oder höherer<br />
Gewalt entsteht kein Anspruch auf Ersatz.<br />
AUSLANDSVERTRETUNGEN<br />
Großbritannien/Irland: Jens Smith Partnership, The Court, Long<br />
Sutton, GB-Hook, Hampshire RG 29 1TA, Phone 01256<br />
862589, Fax 01256 862182, E-Mail: media@jens.demon.co.uk;<br />
Japan: Mediahouse Inc., Kudankita 2-Chome Building, 2–3–6,<br />
Kudankita, Chiyoda-ku, Tokyo 102, Phone 03 3234–2161,<br />
Fax 03 3234–1140; Belgien, Frankreich, Luxemburg, Italien,<br />
Switzerland IFF media ag, Frank Stoll, Technoparkstrasse 3,<br />
CH-8406 Winterthur, Tel: +41 52 633 08 88, Fax: +41 52 633<br />
08 99, e-mail: f.stoll@iff-media.ch; USA: D.A. Fox Advertising<br />
Sales, Inc. Detlef Fox, 5 Penn Plaza, 19th Floor, New York, NY<br />
10001, Phone +1 212 8963881, Fax +1 212 6293988, detlef<br />
fox@comcast.net<br />
Gekennzeichnete Artikel stellen die Meinung des Autors, nicht<br />
unbedingt die der Redaktion dar. Für unverlangt eingesandte<br />
Manuskripte keine Gewähr. Alle im <strong>Industrieanzeiger</strong> erscheinenden<br />
Beiträge sind urheberrechtlich geschützt. Alle Rechte,<br />
auch Übersetzungen, vorbehalten. Reproduktionen, gleich<br />
welcher Art, nur mit schriftlicher Genehmigung des Verlages.<br />
Erfüllungsort und Gerichtsstand ist Stuttgart.<br />
Druck: Konradin Druck, Leinfelden-Echterdingen<br />
Printed in Germany<br />
© 2019 by Konradin-Verlag Robert Kohlhammer GmbH,<br />
Leinfelden-Echterdingen<br />
64 <strong>Industrieanzeiger</strong> 04.19
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und Bildung ........................................... 52<br />
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Leuze Electronic ................................... 61<br />
Lünendonk & Hossenfelder ................ 10<br />
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Pfeifer und Seibel ................................. 62<br />
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Rühle ....................................................... 40<br />
Schiess ................................................... 13<br />
Schneider Electric ................................ 60<br />
Schoeller Textil ..................................... 50<br />
Servicetrace .......................................... 52<br />
Spelsberg ............................................... 46<br />
SYMG ...................................................... 13<br />
Tebis ........................................................ 44<br />
T-Onsite Service ................................... 48<br />
Trumpf ..................................................... 14<br />
T-Systems .............................................. 48<br />
TU Darmstadt ........................................ 52<br />
TU Dresden ............................................ 13<br />
Tubes Radiatori ....................................... 8<br />
Turck ................................................. 18, 60<br />
TÜV-IT ..................................................... 14<br />
TÜV-Nord ............................................... 14<br />
VDMA ......................................... 12, 17, 32<br />
Voith ........................................................ 12<br />
Volkswagen ........................................... 32<br />
Webschuppen ....................................... 40<br />
WZL ......................................................... 56<br />
Zentrum für Sonnenenergie- und<br />
Wasserstoff-Forschung Baden-<br />
Württemberg (ZSW).............................<br />
15<br />
3Dconnexion ........................................... 8<br />
<strong>Industrieanzeiger</strong> 04.19 65
zuletzt ...<br />
Pssst<br />
Sie sind so hilfreich und clever.<br />
Anstatt, dass man sich die Finger<br />
wundtippt – und das gerade bei diesen<br />
eisigen Temperaturen – erzählt man<br />
seinem smarten Phone einfach, was<br />
man wissen möchte. Sprachassistenten wie Siri, Alexa, Cortana,<br />
Bixby oder wie sie alle heißen, erklären uns Menschen die Welt. Eine superpraktische<br />
Angelegenheit. Gut, als die Technik noch unausgereift war, führte<br />
das schon mal zu merkwürdigen Missverständnissen. Mittlerweile sind diese<br />
Startschwierig keiten zu großen Teilen ausgemerzt. Laut einer<br />
Studie, in der Ericsson die Consumer-Trends 2019 zusammenfasst, fahren wir<br />
voll auf die intelligenten Helferlein ab. Konsumenten erwarten künftig noch<br />
mehr smarte Lautsprecher, die wie normale Familienmitglieder an<br />
Diskussionen teilnehmen. Ein bisschen gruselig ist diese Vorstellung ja schon –<br />
mich erinnert das immer an die Werbung, bei der eine Familie nur noch per<br />
Zettel kommuniziert, um nicht von den Sprachsteuerungen belauscht zu werden.<br />
Aber die Studie geht noch weiter: So denken Nutzer virtueller Assistenten,<br />
dass Geräte, die unsere Gefühlslagen verstehen, in<br />
drei Jahren massentauglich sein werden. Diese<br />
sogenannten Awearables sollen uns unsere<br />
Emotionen bewusst machen. Auf der CES<br />
wurde Anfang 2019 zum Beispiel ein Armband<br />
vorgestellt, das anhand von Blutvolumenpuls,<br />
Hauttemperatur und Schweißdrüsenaktivität<br />
unsere Emotionen ermessen will. Was nun, wenn<br />
ich sportele und mein schlaues Armband erkennt<br />
das als gefährliche Belastung für meinen Körper?<br />
Ach, da war doch was: Sport ist Mord... nu<br />
Bild: ra2 studio/Fotolia<br />
66 <strong>Industrieanzeiger</strong> 04.19
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68 <strong>Industrieanzeiger</strong> 04.19