Isherwood

heffter

Perspektivenkonzert 3 der Kulturring-Saison 18/19

algorithmisch verfremdet, transponiert, invertiert. Sie werden

polyphon zu Clustern geschichtet, die sich im Raum

bewegen und mitunter linear nach oben in der einen

Schicht, und nach unten in einer weiteren Schicht transponiert

fortgeschrieben werden. Refrains, die sich in der Wiederholung

polymorph, also in allen Parametern wandeln,

verweisen im Laufe des Stücks immer wieder auf den Ausgangspunkt

und sind zugleich entscheidender Träger des

Entwicklungsgedankens. Schritt für Schritt wird die Struktur

und die musikalische Morphologie auf polymorphe Art

bis ins scheinbar Absurde radikal verdichtet, sowohl vertikal

als auch horizontal. Horizontal mittels Engführung polyphoner

Einzelstimmen, zeitgleich in ständig zunehmender

Anzahl. Vertikal geschieht das über eine Schichtung ganzer

musikalischer Blöcke in sich polyphon, wiederum versetzt

disponiert und dies in wachsender Zahl.

Spätestens hier werden technische, musikalische wie auch

kompositorische Grenzen der Realisierbarkeit mit elektronischen

Mitteln erreicht, wenn nicht gar überschritten. Der

eigentliche Grund liegt darin, daß die Logik der Mediums

Elektronik im Grundsatz binär ist, die Polyphonie, mehr

noch die Polymorphie, wie das Komponieren überhaupt

in seiner Vielgestaltigkeit heterogen, diskontinuierlich und

daher im Urgrund dialektisch ist. Jene Vielgestaltigkeit

erscheint systemisch im Medium der Elektronik als struktureller

Ansatz in ihrer ihr inhärenten Komplexität nicht

abbildbar, was im Grunde genommen heißt, daß sich das

Komponieren in diesem Medium auf lineare, homophonklangfarbliche

und geräuschhafte Prozesse zu beschränken

hat. Eine der größten Schwierigkeiten im Laufe der

Realisierung dieses Stücks war folglich die Suche nach

einer Kompromißlösung, die diese Komplexität möglichst

annähernd abbildet, ohne daß der Komponist sich zum

ästhetischen Verrat seiner selbst genötigt sieht.

Es ist eine Verdichtung, die zu einem absichtsvoll herbeigeführten

Verlust einer Wahrnehmung musikalischer Einzelereignisse

und deren Morphologie führt, quasi zu einem

Schwarzen Loch verklumpt. Das damit verbundene Ende

der Materie, auch unserer Vorstellungskraft derselben geht

einher mit jenem Aggregatszustand von Sein, der sich mit

unserem Bewußtsein verbindet. Daß dies nicht das Ende

des Seinsalls bedeuten muß, wird spätestens klar, wenn

sich die Einzelmaterialien wieder dissoziieren und eine

Vision einer Welt nach der Vernichtung durch Verdichtung,

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