Eventisierung der Stadt

JovisVerlag

ISBN 978-3-86859-493-5
https://www.jovis.de/de/buecher/product/eventisierung_der_stadt.html

Event

isierung

der

Stadt

Gabriela Muri

Daniel Späti

Philipp Klaus

Francis Müller

(Hg.)


1 Einleitung 6

Die Eventisierung der Stadt: Eine multidisziplinäre Perspektive 8

Einführung ins Fallbeispiel Zürich 16

Daniel Späti

Boosting Events – Zürichs Entwicklung in Zahlen 21

Philipp Klaus

2 Eventdefinition 34

Events: Ein Begriff und seine Genese – Forschungsstand und aktuelle Debatten 36

Gabriela Muri

Ekstasen und Events: Alltägliche und außeralltägliche Wirklichkeiten 50

Francis Müller

3 Eventisierung der Gesellschaft 62

„Es ist alles eine temporäre Geschichte, es ist vergänglich“ 64

Francis Müller

Professionalisierungsprozesse: Ökonomisierung, Ausdifferenzierung,

Standardisierung 71

Daniel Späti

4 Events und räum liche Differen zierung:

Auf- und Abwertungs prozesse im städtischen Raum 86

Events im Wettbewerb der Städte 88

Philipp Klaus

EM, WM, Olympische Spiele & Co: Wirkungen von Mega-Events in den Städten 95

Philipp Klaus

Stadtidentität als Produkt: Cultural Brokers als Produzenten 100

Gabriela Muri

Eventisierung und Festivalisierung der Städte 110

Philipp Klaus

Stadt- und Sportevents im öffentlichen Raum: Inklusion durch Breitensport oder

Kommerzialisierung des Sports? 118

Gabriela Muri

5 Events und gesellschaftliche Differenzierung zwischen

Teilhabe, Konsum und Ausschluss 170

Symbolische Grenzmarkierung: Inklusion und Exklusion als Prozesse 172

Francis Müller

Das ästhetische Echo des Sozialen: Identitätskonstruktion durch Mikropraktiken

und kulturelle Ressourcen 183

Francis Müller

„Ich gehe ins Rinora, weil ich dort reinkomme und nicht wegen meiner Herkunft

ausgeschlossen werde“: Herkunftsspezifische Clubszenen am Rande der Stadt 192

Liv Christensen


Gentrifizierung und Exklusion am Beispiel Langstrasse 205

Laura D’Incau, Gabriela Muri

Raumaneignung auf privatem Grund: Subtile Formen der Re gulierung durch

Eventisierung und Differenzierung 218

Gabriela Muri

Eventisierung und Soziale Arbeit: Die Ausgestaltung beruflicher Praxis der

offenen Jugendarbeit im Spannungsfeld gesellschaftlicher Veränderungen 238

Martial Jossi

6 Eventproduktion und Erlebnisdesign 6 250

Sei ein E(ve)ntrepreneur! – Arbeiten in der Eventbranche 252

Martina Schilliger

Erlebnisdesign: „... und jetzt machen wir noch einen Höhepunkt!“ 270

Daniel Späti

Food-Events zwischen Lifestyle, Erlebnisgastronomie und ökologischem Gewissen:

„Ein großes Thema in Zürich und generell im Tourismus ist das Thema ‚Food-Tourismus‘.“ 288

Gabriela Muri, Luzius Hartmann

Management und Dramaturgie der Emotionen: „... eben auch ein Rahmenprogramm –

Essensstände, Tänze, Workouts und Goody Bags.“ 310

Gabriela Muri, Rowena Raths

7 Es geht um die Geschichte: Warme Kommu nikation 7 328

„Es geht also nie um das Produkt, sondern um die Geschichte rund herum“ –

Events als Live Communication und Werbetool 330

Philipp Klaus

Disneyland oder neue Formen sozialer Kohäsion: Eventisierung und die

Verschleierung des Politischen – Ein erfolgreiches Paar? 336

Gabriela Muri, Sereina Elmer

8 Ausblick – Event 3.0: Regulierung und Konfliktfelder 362

Konfliktfelder im öffentlichen Raum 364

Daniel Späti

Regulierungsinstrumente und Bewilligungspraxis der Stadt Zürich im Umgang mit Events 372

Liv Christensen

Zwischen Kultur und Kommerz – Wie kann eine vielfältige und attraktive Eventkultur

von der Stadt gefördert werden? 380

Daniel Späti

Anhang 398

Dank 401

Liste der Interviews mit Expertinnen und Experten 402

Verzeichnis der Autorinnen und Autoren 404

Bildnachweis 406

Impressum 407


1 Einleitung

EINLEITUNG

1


6

7

Die Eventisierung der Stadt: Eine

multidisziplinäre Perspektive — 8

Einführung ins Fallbeispiel Zürich — 16

Boosting Events – Zürichs Entwicklung

in Zahlen — 21


Einführung ins

Fallbeispiel Zürich

Daniel Späti

Im Zentrum dieses Buches steht die

Eventisierung der Stadt Zürich als

empi risches Fallbeispiel. Weshalb

eig net sich die Stadt Zürich als exem plarisches

Untersuchungsfeld zu Entwicklung

und Stand der Eventkultur sowie

deren Auswir kungen und Wechselbeziehungen

zur Stadtentwicklung? Die

Einführung gibt einen kurzen historischen

Überblick zu bedeutsamen Entwicklungsschritten

seit 1980, umreißt

die Protagonisten der Eventkultur im

Stadtgefüge und gibt Hinweise auf

die wichtigsten Spannungsfelder.


16

17

Wieso eine Stadt und wieso Zürich?

Die Stadt „… erscheint (heute) nicht mehr in erster Linie als Raum der

Produktion, des Verkehrs oder der Verwaltung, sondern wird vielmehr um des Erlebnisses

willen aufgesucht.“ (Bittner 2001: 15) Stadtkerne haben sich zu Orten des

Konsums, der Kultur und Unterhaltung entwickelt, wo sich das spezifisch urbane

Erlebnis herausbildet und sich differenzierte Lebensstile ausleben lassen (ebd.: 8).

Die sogenannten „Entertainment Cities“ (Baldauf 2008) können als Prototypen einer

städtischen Ökonomie gelten, in der die permanente Festival- und Eventkultur als

wesentliches Merkmal gilt.

Im vorliegenden Forschungsprojekt wurde die Stadt Zürich als exemplarischer

Untersuchungsraum gewählt. Während in bisher bekannten Eventstudien

mehrheitlich einzelne Veranstaltungen, spezifische Eventkategorien oder das Thema

auf einer allgemeinen Ebene beforscht wurde (u. a. Gebhardt/Hitzler/Pfadenhauer

2000; Hitzler 2011; Kirchner 2011, Beetz/Hitzler/Pfadenhauer 2011), haben wir uns

dafür entschieden, dem Phänomen übergreifend und vernetzt in einem exemplarischen

Stadtraum nachzugehen. Dies mit allen Vor- und Nachteilen, jedoch aus der

Überzeugung, dass damit wichtige Zusammenhänge sichtbar werden. Anhand des

eingegrenzten geografischen Raumes und des verdichteten sozialen Gefüges einer

Stadt lassen sich Spektrum und Wechselbeziehungen der Eventkultur als Gesamtes

betrachten: in den unterschiedlichen Kategorien vom Sportanlass bis zur illegalen

Party, im Umgang mit Events und Regulierungsformen seitens der Verwaltung, in

den Strategien der Erlebnisgestaltung seitens der Eventproduzentin bis hin zu den

Teilnehmenden und Bedürfnissen der Stadtbewohnerinnen und Stadtbewohner.

Historische Entwicklung Stadt Zürich

Die Stadt Zürich eignet sich für eine umfassende Untersuchung der Entwicklung

der Eventkultur, einerseits wegen ihrer überschaubaren Größe, aber insbesondere

aufgrund ihrer dynamischen Entwicklung in Bezug auf das Kultur- und

Unterhaltungsangebot seit 1980. Etwa seit den 1950er Jahren hinkte die kulturelle

Entwicklung der zunehmenden Bedeutung Zürichs im globalen ökonomischen Kontext

hinterher (Klaus 2006: 109 f.). Ausgelöst durch eine verstärkte Internationalisierung

der Stadt im wirtschaftlichen Sektor, so zum Beispiel die Ansiedelung europäischer

und internationaler Headquarters in der Region (Schmid 2006), und eine

weltweite kulturelle Liberalisierung bildete sich zu Beginn der 1980er Jahre eine

urbane soziale Bewegung. Diese forderte eine Öffnung, hatte die Förderung jenseits

etablierter Kulturinstitutionen (Autonomes Jugendzentrum, Rote Fabrik) 1 zum

Ziel und entfachte somit die Entwicklung Zürichs zu einer der Global Cities. Neue

Theater, Konzerthallen, Clubs und unzählige Festivals entstanden und prägten fortan

das Image der Stadt. Einige der heute immer noch bekannten Festivals und Clubs

stammen aus dieser Zeit (zum Beispiel Theaterspektakel, Palais X-tra, usw.). Auch

die Stadt wirbt mit dem Angebot auf ihrer Website: „Die heutige Vielfalt und Qualität

des Zürcher Kulturangebots ist beeindruckend. Bis Ende der siebziger Jahre noch

geprägt von Opernhaus, Schauspielhaus, Kunsthaus, Tonhalle und zahlreichen Kinosälen,

hat das kulturelle Leben in den letzten 25 Jahren in kaum geahntem Ausmass

an Farbe und Breite gewonnen“. (www.stadt-zuerich.ch 2018)

Ein entscheidender Wendepunkt war auch die Liberalisierung des Gastgewerbegesetzes

1997/98, mit der Aufhebung der Sperrstunde und der Abschaffung

des Wirte-Patents, was zu gewichtigen Umwälzungen und Verlagerungen führte.


1 Einleitung

Noga-

Codes

1995 2001 2008 2011 2014

562100 Event-Caterer 174 337 581 912 963

563002 Diskotheken, Dancings, Night Clubs 45 701 963 1 077 1014

823000

Messe-, Ausstellungs- und

Kongressveranstalter

164 314 610 846 882

900101 Theater- und Ballettgruppen 237 253 296 473 489

900102 Orchester, Chöre, Musiker 32 158 145 979 980

900302

900400

931900

932900

Sonstige künstlerische und schriftstellerische

Tätigkeiten und Darbietungen*

Betrieb von Kultur- und

Unterhaltungseinrichtungen

Erbringung von sonstigen Dienstleistungen

des Sports

Erbringung von Dienstleistungen der

Unterhaltung und der Erholung a.n.g.

85 65 42 178 221

725 889 1112 1834 1778

93 91 78 707 936

46 61 209 404 458

Total 1601 2869 4036 7410 7721

Tabelle 1: Beschäftigte im Eventsektor 1995–2014

Quellen: Bundesamt für Statistik BfS, Betriebszählungen 1995,

2001, 2008; Statistik Stadt Zürich, Strukturerhebungen 2011, 2014

Noga-

Codes

1995 2001 2008 2011 2014

562100 Event-Caterer 25 51 57 84 94

563002 Diskotheken, Dancings, Night Clubs 27 43 45 50 48

823000

Messe-, Ausstellungs- und

Kongressveranstalter

40 51 97 103 98

900101 Theater- und Ballettgruppen 17 16 18 165 201

900102 Orchester, Chöre, Musiker 11 17 7 402 550

900302

900400

931900

932900

Sonstige künstlerische und schriftstellerische

Tätigkeiten und Darbietungen*

Betrieb von Kultur- und

Unterhaltungseinrichtungen

Erbringung von sonstigen Dienstleistungen

des Sports

Erbringung von Dienstleistungen der

Unterhaltung und der Erholung a. n. g.

26 25 20 154 197

21 20 26 30 35

35 33 24 62 80

19 23 45 119 150

Total 221 279 339 1169 1453

Tabelle 2: Betriebe im Eventsektor 1995–2014

Quellen: Bundesamt für Statistik BfS, Betriebszählungen 1995,

2001, 2008; Statistik Stadt Zürich, Strukturerhebungen 2011, 2014


26

27

2000

1800

1600

1400

1200

1000

800

600

400

200

0

1995 2001 2008 2011 2014

Event-Caterer

Diskotheken, Dancings, Night Clubs

Messe-, Ausstellungs- und Kongressveranstalter

Betrieb von Kultur- und Unterhaltungseinrichtungen

Erbringung von sonstigen Dienstleistungen des Sports

Erbringung von Dienstleistungen der Unterhaltung und der Erholung a.n.g.

Grafik 3: Beschäftigte in

ausgewählten Branchen

des Eventsektors in Zürich

1995–2014

Quellen: Bundesamt für

Statistik BfS, Betriebszählungen

1995, 2001, 2008;

Statistik Stadt Zürich,

Struktur erhebungen 2011,

2014. Eigene Darstellung


Events: Ein Begriff und seine

Genese – Forschungsstand

und aktuelle Debatten

Gabriela Muri

Events sind ein fester Bestandteil

unseres Alltags geworden. Sie werden

professionell geplant, mittels ausgeklügelter

Dramaturgie gestaltet und

vermitteln das Gefühl von Exklusivität.

Wie lassen sie sich unterscheiden

und welche gemeinsamen Merkmale

weisen sie auf? Wie lassen sich die

Begriffe in sozial- und kulturwissenschaftliche

Debatten und gesamtgesellschaftliche

Entwicklungen einordnen?


36

37

Bei all seiner innovativen Brillanz und Zugkraft, die mit dem Versprechen

von immer exklusiveren und glanzvolleren Events in die Zukunft weist, ist der Eventbegriff

kein „traditionsloser“ Begriff. Er lässt sich zum einen einordnen in kulturwissenschaftliche

Fest- und Ritualforschung sowie volkskundliche Brauchforschung.

Feste, Bräuche und Rituale sind Vermittler „von Gruppen-Botschaften mit dem Anspruch,

sich nach innen wie nach außen hin zu erklären. Sie sind effektvolle sinnstiftende

Inszenierungen.“ (Risi 2003: 43–44) Als solche zeigen sie Zusammengehörigkeit

auf und repräsentieren ein bestimmtes Selbstverständnis des interessierten

Publikums. Der Eventbegriff steht darüber hinaus in Bezug zu Theorien der Außeralltäglichkeit.

Traditionelle Feste können wie Events als Pausen im Alltag bezeichnet

werden, die Sehnsucht nach freier Zeit, Gemeinschaft und Glück erfüllen.

Prozesse der Stadtentwicklung und urbaner Eventkulturen greifen zum anderen

ineinander. Damit beeinflussen aktuelle Debatten zur Konkurrenz der Städte

und zur Rolle der Kreativwirtschaft Praxen der Eventproduktion. Der Eventbegriff

steht daher für ein spezifisches Spannungsfeld zwischen ökonomischen Verwertungskontexten

und populären Praxisdimensionen. Vor dem Hintergrund seiner begrifflichen

Unschärfe bestand daher eines der Projektziele darin, den Eventbegriff im

Kontext wissenschaftlicher Debatten und empirischer Erkenntnisse neu zu positionieren.

Die hier gewählte Perspektive auf Prozesse der Stadtentwicklung und auf das

normative Potenzial von Mustern der Eventproduktion und -rezeption führt zur Exklusion

als Schlüsselbegriff. Der Begriff, so die Überzeugung der Projektverfasserinnen

und -verfasser, trägt entscheidend zu einem anderen Blick auf den Forschungsgegenstand

bei. Damit wird zum einen ein spezifischer Akzent auf eine gesellschaftliche

Entwicklung gelegt, der Stadtentwicklung und Eventproduktion als Treiber von

Exklusionsprozessen versteht. Zum anderen – und dies ist nicht weniger bedeutsam

–, verstehen wir Eventisierung im Einklang mit Hitzler, Gebhardt, Pfadenhauer

und anderen Mitautorinnen der kultursoziologischen Debatten als Ineinandergreifen

von Produktions- und Rezeptionsprozessen. Wir nehmen alle mehr oder weniger aktiv

an Prozessen der Eventisierung teil und nehmen sie meist auch dankbar hin. Sie

können, so zeigen die empirischen Ergebnisse, wesentlich zu einer emotionalen Verfasstheit

beitragen, die wir mit dem Begriff des Glücks umschreiben können (Muri

2015). Die Kehrseiten allerdings dieser ambivalenten Dimensionen der Eventisierung

und die Ungleichheiten, die sie hervorrufen, möchten wir herausarbeiten, um sie

sichtbar zu machen. Die folgende Aufarbeitung zu Begriffsgenese und Forschungsstand

setzt dabei einen ersten Schwerpunkt bei einer kulturwissenschaftlich orientierten

Festforschung und den kultursoziologisch geprägten Eventdebatten.

Feste, Rituale, Events

Feste und Feiern gliedern die Zeit in Zyklen, Perioden und Rhythmen. Sie

umfassen alle Bereiche des menschlichen Lebens – Beruf, Familie, Freizeit usw.

– und können daher als universale Vergemeinschaftungs- und Vergesellschaftungsformen

bezeichnet werden (vgl. zum Beispiel Jeggle u. a. 1986). Sie helfen den Menschen,

die Wirklichkeit und das Wesentliche der alltäglichen Erscheinungen festzuhalten

(Gebhardt 1987: 37–43). Sie heben sich durch besondere Bräuche, hohe

Emotionalität in Form von Anteilnahme, Freude, Begeisterung bis hin zu Ekstase,

aus dem Alltag heraus und führen den Menschen zu einem höheren Bewusstsein

seiner selbst (Gebhardt 2000: 24). Teilweise folgen sie strengen Regeln, gleichzeitig

können sie aber auch wilde, anarchische und gar destruktive Momente aufweisen.


„Es ist alles eine temporäre

Geschichte, es ist vergänglich“

Francis Müller

Die Event- und Partyszene hat sich seit

den 1990er Jahren in Zürich enorm verändert:

Verschiedene Party-Formate

haben in subkulturellen Szenen angefangen

und sind längst zu einer professionellen

und kommerziellen Event- und

Party-Kultur mutiert, was teils auch

Übersättigungstendenzen mit sich

bringt. Das Fallbeispiel Zürich zeigt, dass

diese Entwicklung zu einer Aufwertung

der Innenstadt führt – und dass an der

Peripherie der Stadt, wo die Mieten günstiger

sind, wiederum Neues entsteht.


64

65

In den 1980er Jahren konnte man die Lokale mit Nachtbewilligung in Zürich

noch an einer Hand abzählen. Eine restriktive Politik unterdrückte mit Polizeistunde,

einer Bedürfnisklausel und einem erforderlichen Wirte-Patent ein lebendiges

Nachtleben und eine attraktive Gastronomie. In den frühen 1980er Jahren fanden

in Zürich Jugendunruhen statt, bei denen ein Unbehagen an dieser Situation ausgedrückt

wurde und neue Freiheiten erkämpft wurden. In den späteren 1980er und früheren

1990er Jahren initiierten Szenegänger und Szenegängerinnen eine illegale und

subkulturell geprägte Bar-Szene. Diese illegale Bar-Szene war allerdings nur eingeweihten

Kreisen offen. Wer nicht über das soziale Kapital verfügte, blieb draußen vor

der Tür. Das war kein Marketinggag, sondern reine Notwendigkeit: Da die Betriebe in

einer Grauzone situiert waren und wie private Orte oder vielleicht auch Club geführt

wurden, hätte die Polizei jederzeit intervenieren können. Dies erhöhte natürlich den

Reiz und verlieh der Szene einen subversiven Hauch.

Partyclubs in ehemaligen Industriehallen

Diese lokalen Entwicklungen, die zeitgleich mit einer wirtschaftlichen und

gesellschaftlichen Liberalisierung einhergingen, trugen dazu bei, dass Wirte-Patente,

Bedürfnisklausel und die Polizeistunde in den 1990er Jahren abgeschafft wurden.

Anna Schindler, Direktorin der Stadtentwicklung Zürich, sieht die Liberalisierung

ambivalent. Einerseits sei das Nachtleben früher eine Einöde gewesen, „zugleich

ist durch die Liberalisierung aber auch eine Gleichmacherei entstanden“ (Interview

Anna Schindler, 19. Mai 2015). Im Gegensatz zur exklusiven und exkludierenden illegalen

Barszene ist die Partyszene in den 1990er Jahren heute offener, niedrigschwelliger

und gewissermaßen demokratisiert worden. Die Liberalisierung, so der

Partyorganisator „Styro2000“, habe aber auch zu einer Kannibalisierung der illegalen

Barszene geführt (Interview Styro2000, 2. September 2015).

Dieser sozialhistorische Demokratisierungsprozess hat das Nachtleben,

die Gastronomie und die Event-Landschaft in den 1990er Jahren fundamental verändert.

Im Zuge dieser Entwicklung sind neue Clubs in ehemaligen Industriehallen

im Kreis 5 entstanden, die nach der Abwanderung der Industrie so aufgewertet

wurden. „… die Liberalisierung war wirklich wie ein Auslöser, wo es begonnen hat

zu drehen und alle die Nachtcafés gekommen sind und das 24-Stunden-Leben gekommen

ist“, sagt Anna Schindler. Die Anzahl von Partyclubs und Diskotheken hat

sich in Zürich innerhalb von über einem Jahrzehnt fast verzehnfacht: von 27 (1995)

auf 248 (2008). 1 Besonders in den 1990er Jahren hat sich Zürich zu einem Hotspot

der internationalen Partyszene gemausert. Die Street Parade, die 1992 erstmals

als kleine, subversive Techno-Veranstaltung mit 1000 Teilnehmenden in der

Zürcher Altstadt stattfand und die im Jahr 2001 als kommerzielle Veranstaltung eine

Mio. Teilnehmende verzeichnete, bildet diese Entwicklung geradezu exemplarisch

ab. Techno wurde im Laufe der 1990er Jahre von einem Nischen- zu einem Massenphänomen.

Liberalisierung und beginnende Digitalisierung begünstigten diese

Entwicklung. Damit einhergehend fand ein Prozess der Kommerzialisierung statt:

Sponsoren unterstützten die Events, um an kaufkräftige, konsumfreudige und hedonistische

Zielgruppen zu gelangen. Dies führte teils zu Marketing-Anbiederungen:

Marken, die bisher wenig mit Jugendkultur zu tun hatten, gaben sich plötzlich einen

„technoiden“ Anstrich.


Events im Wettbewerb der Städte

Philipp Klaus

Die Planung und Ausrichtung von Events

ist eine Marketingaufgabe, die (Groß-)

Städte zu meistern haben. Sie stehen

im Wettbewerb um Investitionen, hochqualifizierte

Arbeitskräfte, Imagegewinn

und mediale Aufmerksamkeit. Erfolgsstrategien

müssen entworfen werden,

und es gilt genau zu überlegen, wie

das richtige Eventportfolio aussehen

soll, damit am Schluss nicht nur die

Bilanz stimmt, sondern auch die Emotionen

in positiver Erinnerung bleiben.


88

89

Events sind nicht nur eine Attraktion an sich, das heißt als einzelne Ereignisse

zu genau der Zeit und dem Ort, da sie stattfinden, sondern auch in ihrer Wirkung,

die sich weit über Stadtgrenzen hinaus und in der Zeit vor und nach dem

Event entfaltet. Dass sich Städte um Events wie Olympische Spiele, Filmfestivals

und Kunstereignisse wie die Manifesta bewerben, ist mit Motivationen wie wirtschaftlicher

Erfolg, Aufmerksamkeit, Attraktivität, aber auch Lebensqualität begründet.

In der weltweiten Konkurrenz der Städte um hochqualifizierte Arbeitskräfte,

Touristinnen und Investitionen spielen Events zusammen mit Leuchtturmarchitektur

und Kultureinrichtungen eine zentrale Rolle, indem die Städte Aufmerksamkeit erregen

wollen, um ökonomische Vorteile zu generieren (vgl. Richards/Wilson 2007;

Friedmann 2005; Klaus 2004; Hannigan 2003; Landry 2000).

Die Aufmerksamkeitsökonomie (Lash/Urry 1994) zeigt ihre Wirkung in

der Nachahmung von Strategien. Bekanntestes Beispiel für eine solche Strategie

ist Bilbao, die ehemalige Industriestadt am Golf von Biskaya, die mit dem Bau des

Guggenheim-Museums (Architekt: Frank Gehry) einen ökonomischen Aufschwung

erlebte, welcher als Bilbao-Effekt weltweit Nachahmungsversuche auslöste. Aber

auch die Austragung von Städtemarathons, von Kunst- und Architekturbiennalen sowie

unzähliger Musik-, Streetfood- und anderer Festivals gehört zu den Settings, die

die Städte voneinander kopieren. So wie Unternehmen Events als Werbewerkzeug

einsetzen, so sind Events nicht mehr aus dem Standortmarketing der Städte wegzudenken.

Der Erfolg des Engagements der Städte, namentlich der öffentlichen

Hand, mit der Ausrichtung von Events wirtschaftliches Wachstum zu erzielen, wird

unterschiedlich beurteilt. Unbestritten ist, dass Events Arbeitsplätze schaffen und

Einkommen generieren. Die Bilanzierung von Events ist nicht ganz einfach und hängt

unter anderem davon ab, wie weit die Wertschöpfungsketten reichen, die in die Analyse

einbezogen werden. Selbstverständlich ist der Tourismus ein zentraler Faktor,

und Gäste, die für Übernachtungen, Verpflegung und sonstige Konsumationen Geld

ausgeben, sind willkommen. Gerne wird auch mit dem Imagegewinn argumentiert,

wenn Bilanz gezogen wird. Allerdings ist es äußerst delikat, die Imagewirkung in

Zahlen auszudrücken, genauso Freude und Begeisterung.

An den Leichtathletik-Europameisterschaften 2014 in Zürich wurde von den

Veranstaltern und Behörden eine positive Schlussbilanz gezogen. Unerfreulich sei einzig

der schlechte Ticketverkauf gewesen (Bilanz, Schweizer Wirtschaftsmagazin vom

9.12.14); es wurden 60.000 Übernachtungen generiert und Umsätze von 146 Millionen

Franken in der Schweiz ausgelöst. Zum Budget von 33 Millionen trugen Bund,

Kanton und Stadt Zürich 10 Millionen Franken bei. Das Defizit betrug rund 3 Millionen.

2 Millionen dieses Defizits wurden durch das Eigenkapital der Organisatoren, der Rest

je zur Hälfte von Privaten und öffentlicher Hand getragen. Und weiter führt die Bilanz

aus: 358 Millionen Sportbegeisterte haben die Wettkämpfe am Fernsehen mitverfolgt.

Das ist laut Stadtrat Gerold Lauber, Vorsteher des Schul- und Sportdepartements, „unbezahlbares

Standortmarketing“. Auch gehe er davon aus, dass all die präsentierten

Zahlen „wahrscheinlich stimmen“. Aber ihm und vielen anderen Leuten blieben wohl

nicht Zahlen in Erinnerung, sondern der „wahnsinnige Marathon, der unverhoffte Sieg

von Kariem Hussein und das Pech der Staffel-Damen“.


4 Events und räum liche Differen zierung


140

141


4 Events und räum liche Differen zierung


144

145


4 Events und räum liche Differen zierung


152

153


4 Events und räum liche Differen zierung


164

165


Symbolische Grenzmarkierung:

Inklusion und Exklusion

als Prozesse

Francis Müller

Events haben ein zeitliches Davor und

ein Danach. Sie haben ein örtliches

und soziales Innen und Außen. Und

sie versprechen immer eine mehr oder

weniger deutlich formulierte Exklusivität.

Events inkludieren bestimmte

Personen – und sie exkludieren andere.

Dieser Artikel beleuchtet verschiedene

soziologische Theorien der

Exklusion und er zeigt, welche Inklusions-

und Exklusionsmecha nismen

bei Events zur Anwendung kommen,

um soziale Exklusivität herzustellen.


172

173

Der Begriff der Exklusion hat in den letzten Jahren in den Sozialwissenschaften

und der Sozialpolitik eine beträchtliche Karriere erfahren; etwa im Kontext

der „Überflüssigen“ – also den vom Arbeitsmarkt Exkludierten (Bude und Willisch

2008). Auch in anderen Feldern – etwa in der Migrations- und Bildungsforschung –

wird er häufig verwendet. Armin Nassehi führt die inflationäre Verwendung des Begriffs

unter anderem auf seine binäre Eindeutigkeit zurück (2008: 121 f.): Entweder

man gehört dazu – oder nicht. Der Begriff lässt keine Zwischenräume und Grautöne

zu, was ihm etwas Mechanisches verleiht. Allerdings muss hier ergänzt werden,

dass nur die Codierungstechnik binär ist; die Kriterien, nach denen diese vollzogen

wird, ändern sich historisch und situativ. Inklusion und Exklusion sind „in der Regel

zeitlich und sachlich limitiert und nur selten irreversibel“ (Bohn 2006: 20).

Diese Prozesse sind im Kontext der Eventforschung höchst relevant: Bei

Events wird immer eine mehr oder weniger breit gefasste soziale Exklusivität versprochen.

Damit wird mehr oder weniger explizit eine Gruppe angesprochen und

eine andere exkludiert, womit eine Norm konstituiert wird. Das geschieht in konkreten

interaktiven Situationen; zum Beispiel im Eingangsbereich von Events, bei denen

Zeichen, Symbole, Sicherheitspersonal und Absperrungen territoriale und symbolische

Grenzen markieren (vgl. Lehmann 2016). Events setzen Grenzen zeitlicher Art:

Sie haben einen Anfang und ein Ende, womit es eine Zeit vor und eine Zeit nach dem

Event gibt. Und zugleich finden sie immer an einem Ort statt, der für eine bestimmte

Zeit von einer bestimmten Gruppe angeeignet wird – und bei dem andere exkludiert

werden. Dabei kann es sich um ein aktives Verweisen oder um ein subtiles, passives

Fernhalten mit Symbolen und Emblemen handeln. Insofern ist Exkludieren ein

aktives Produzieren von Bedeutung, womit Grenzen konstituiert und Ausgrenzung

legitim wird.

Drinnen und Draußen –

keine getrennten Universen

Robert Castel verweist im Kontext

von Exklusion auf ein Drinnen und ein Draußen, die jedoch

keine getrennten Universen sind, zumal in einer

Gesellschaft nie von Situationen außerhalb des Sozialen

zu sprechen sei. Castel interessiert sich dafür,

Drinnen und Draußen sind keine

statischen Zustände wie in stratifizierten Gesellschaften,

wo es weder sozioökonomischen Auf- noch Abstieg

gibt, sondern sie werden in modernen Gesellschaften in

kontinuierlichen Prozessen ausgehandelt. Das Leben in

modernen Gesellschaften droht prekär zu werden – und

zwar nicht nur am Rand, sondern gerade in ihrer Mitte:

Der Boden, auf dem die eigene Existenz bzw. das

unternehmerische Selbst (Bude 2008: 257) gebaut ist,

kann plötzlich einbrechen – zum Beispiel durch einen

Arbeitsplatzverlust. Castel spricht in diesem Zusammenhang

von Degradierung und Entkopplung (2008: 72 f.).

Diese Degradierungen reduzieren Zugangsprivilegien zu

bestimmten sozialen Netzwerken und Ressourcen.

„…das Kontinuum von

Positionen zu rekonstruieren,

durch das die

‚drinnen‘ und die ‚draußen’

verbunden sind, und

die Logik zu erfassen,

nach der die ‚drinnen‘ die

‚draußen‘ produzieren“

(Castel 2008: 73).


5 Events und gesellschaftliche Differenzierung zwischen Teilhabe, Konsum und Ausschluss

„Was mit einer Kamera

dokumentiert werden

kann, das ist das Geschehen

vor der Kamera.

Was unter Rückgriff auf

diverse (Filter)-Apps –

verstanden als Interpretationsinstrumente


erleichtert wird, das

ist die Objektivierung

(näherungsweise Sichtbarmachung)

dessen,

wie ich eine Situation

empfinde, und zwar in

situ.“ (Eisewicht/Grenz

2017: 130)

Hybride Identitäten in dritten Räumen

Dies zeigt sich auch an Bildern von Events

und Partys, deren Quantität seit dem Aufkommen vom

Web 2.0 und Smartphones enorm zugenommen hat (vgl.

Eberle 2017: 12 ff.). Schätzungen zufolge werden weltweit

täglich 1,8 Milliarden Fotos ins Internet geladen; auf

Snapchat 700 Millionen und auf Facebook 350 Millionen

(vgl. Stamm 2015). Diese App-Fotos werden während

der Aufnahmen bereits mit Software durch bestimmte

Aufnahmemodi verändert, sie werden mit Programmen

bearbeitet und sie werden danach geteilt, vergessen

oder archiviert, was Eisewicht und Grenz als „interpretative

Konservierung“ bezeichnen (2017: 129 f.):

Zugleich allerdings sind entsprechende Bilder

nicht nur Objektivationen subjektiver Empfindungen,

sondern an ihnen werden – besonders wenn sie

geteilt werden – soziale Identitäten ausgehandelt, denn

sie werden bewertet, kommentiert und diskutiert (vgl.

Muri, 2010b). Sie sind also gewissermaßen visuelle

Identitätsfolien und verallgemeinerte Andere von George

Herbert Mead.

Visualität als (sub-)kulturelle Ressource

Diese Fotos sind in „dritten Räumen“ angesiedelt (Bhabha 2000: 55 ff.),

also an Orten des Hybriden, wo mit traditionellen kulturellen Identitäten und Klassifikationsmustern

gebrochen wird. Diese Fotos werden unter ganz bestimmten

Umständen produziert: Die Fotografen und Fotografinnen bewegen sich mit einer

Kamera an einem Event und sind als solche erkennbar. Sie fragen Besucher und

Besucherinnen, ob diese für ein Foto bereit sind, die dann eingeübte Posen einnehmen.

Die Posen zeigen einerseits ein Individuum, andererseits aber auch einen verallgemeinerten

Anderen auf einer Vorderbühne (Goffman 2008: 99 ff.). Ein deviantes

Foto würde entweder nicht publiziert oder – noch schlimmer! – es würde (bei einer

Publikation) das Image der dargestellten Person beschädigen. Da dies der fotografierten

Person bewusst ist, wird sie automatisch eine Körperpose einnehmen, die

als vorteilhaft gilt. Die visuellen Ausdruckmittel beziehen sich also auf bereits akzeptierte

und nach Akzeptanz strebende Körperstandards (Raab 2008: 122).

Im Kontext von Partyfotos ist Visualität von Identität nicht Ausdruck einer

essentialistischen Kultur, sondern sie ist eine „(sub-kulturelle) Ressource vor dem

Hintergrund alters- und milieuspezifischer Voraussetzungen“ (Muri, 2010a: 80). Dabei

werden mit Collagen und Samplings (Bronfen et al., 1997: 14) verschiedene

kulturelle und szenespezifische Ressourcen miteinander verbunden. Es werden

Versatzstücke aus populärkulturellen, kulturmilieu- und szenespezifischen Kontexten

miteinander verbunden, womit Identitäten konstruiert und ausgehandelt sowie

Distinktionen gegenüber anderen Szenen und Identitätskonzepten markiert werden.

Dies ist ein raum- und zeittranszendierender Prozess, der einerseits in digitalen

Sphären und andererseits in realen Face-to-Face-Interaktionen an Events und in

Partyclubs ausgetragen wird.


188

189

Dabei zeigen zum Beispiel Partyfotos von verschiedenen Clubs oder

Events ganz unterschiedliche visuelle Identitäten, die mit Körperposen, Frisuren,

Schmuck, Kleidung oder einfach nur mit Dingen ästhetisiert und materialisiert werden.

Zuerst einmal bestätigt dies die These einer zunehmenden Ausdifferenzierung

von Stilen und von Diversität, was – zumindest im Bereich der Partykultur – die

These der stilistischen Vereinheitlichung widerlegt. Ganz offensichtlich gibt es dort

eine hohe Diversität von Stilen.

Ein ‚Dazwischen‘ und ‚Sowohl-als-Auch‘

der Kulturen und Lebensstile

Aber was wird da genau gezeigt? Auf der Webseite des Rinora4 fallen

unter anderem gendernormative Körperposen auf: Männer umarmen sich, machen

Handzeichen und stehen stets mit dem Körper frontal zur Kamera. Frauen hingegen

drehen den Körper seitlich ab und stehen oftmals hintereinander. Erotisches Kapital

(Hakim 2011) wird von beiden Geschlechtern offensiv gezeigt. Vergleicht man diese

Bilder zum Beispiel mit jenen vom Hive, einem seit Jahren angesagten „Schweizer

Club“ mit elektronischer Musik, so fällt dort auf, dass fast keine Körper und eher

Gegenstände – Ballons, Dekorationen, der Abfall am Morgen nach der Party – sichtbar

sind (Müller 2017: 317). Der Veröffentlichung geht ein Prozess voraus, bei dem

verschiedentlich szenespezifische Kurationen vorgenommen werden und der damit

auch nicht abgeschlossen ist, zumal die Fotos danach bewertet und kommentiert

werden. Wer produziert die szenetypischen Posen und Dinge? Es sind nicht nur die

Fotografen und Fotografinnen, es sind auch nicht nur die dargestellten Personen

und ebenfalls nicht nur diejenigen, die die Bilder weiterbearbeiten und ins Internet

laden – es ist auch das Kollektiv, das diese Bilder erzeugt. Deshalb unterscheiden

sich sie signifikant von jenen anderer Szenen.

Diese Art von Bildern sind „Teil und gleichzeitig Erzeugnis einer spezifischen

visuellen Ausdruckssprache im ‚Dazwischen‘ und ‚Sowohl-als-Auch‘ der Kulturen

und Lebensstile“ (Ritter 2010: 97). Körperposen und Dinge haben symbolische

Bedeutungen (Douglas 1985: 132; 2011: 82 ff.): Sie repräsentieren und erfüllen

bestimmte szenenspezifische Erwartungen – und grenzen sich deutlich von alternativen

Szenen ab. Entsprechend lässt sich festhalten, dass auf Fotos von Events

visuelle Identitäten konstruiert und ausgehandelt werden, wobei so Inklusions-, Exklusions-

und auch Distinktionsprozesse gehandhabt werden.

Entsprechend sind diese Fotos normativ: Sie weisen „weniger Dokumentationsfunktion

(zum Beispiel ‚So ist es tatsächlich im Feld‘), als vielmehr eine Inszenierungsfunktion

(im Sinne von: ‚So möchten wir einen Ausschnitt der Wirklichkeit

darstellen‘) auf“ (Kirchner und Betz, 2015: 182). Sie objektivieren einerseits eine

szenenspezifische Ästhetik und reproduzieren diese zugleich, wobei sie – aufgrund

von Einflüssen der Popkultur und aufgrund der notwendigen Distinktion gegen andere

Szenen – stets adaptiert und verändert werden. Sie illustrieren Soziales nicht

einfach, sondern sie führen zu neuen Formen des Sozialen – zu einem „ikonischen

Vergesellschaftungsprozess“ (Kanter 2013: 107). Dabei spielt die eingangs erwähnte

identitätsspezifische Paradoxie mit, was Elisabeth Bronfen am Portraitfoto veranschaulicht:

Das Portraitfoto schreibt einerseits Identität fest, zugleich führt es dazu,

dass diese Identität umgestaltet, umgedeutet und hybridisiert werden kann (2009:

237). Das ist bei Partyfotos insofern relevant, als diese ja auch kommentiert, bewertet

und kritisiert werden, was einen Einfluss auf zukünftige Körperposen etc. hat. So


5 Events und gesellschaftliche Differenzierung zwischen Teilhabe, Konsum und Ausschluss

Damit werden wissende Teilnehmende eingeschlossen und Passantinnen informell

ausgeschlossen. Ein Flashmob exkludiert auf subtile Weise und bietet je nach Form

und Dramaturgie Möglichkeiten der Teilhabe (Bauer 2010: 102).

Flashmobs als selbstregulative Aneignung des öffentlichen Raums

Grundlage für eine erste Analyse bildete eine Recherche zu ausgewählten

vergangenen Flashmobs, um beliebte Plätze in der Stadt Zürich zu eruieren. Als

beliebteste Plätze erwiesen sich dabei die Halle des Zürcher Hauptbahnhofs, der

Paradeplatz und die benachbarte Bahnhofsstrasse sowie das Gebiet beim Bellevueplatz

rund um den Zürichsee, das häufig als Bühne für Events mit internationaler

Ausstrahlung dient. Die Beliebtheit dieser drei öffentlichen Räume ist denn auch

mit dem hohen Grad an Öffentlichkeit und dem großen Laufpublikum zu erklären.

Ergänzend zu dieser ersten Analyse wurden mittels netnographischer Verfahren

(Kozinets 2002: 61–62) die Selbstkonstruktion und Selbstpräsentation von Organisatoren

und Teilnehmenden auf drei Facebook-Seiten untersucht: Der analysierte

Freezemob fand im Oktober 2010 am Paradeplatz statt, und die zwei Dancemobs

wurden beide 2015, zum einen im Hauptbahnhof und zum anderen am Zürcher Seebecken,

durchgeführt. Die Auswertung erfolgte einerseits in Anlehnung an Hitzlers

Eventmerkmale „Produktion bzw. die Organisation der Veranstaltung“, „Konstruktion

bzw. das Stattfinden im Vollzug“ und „Rekonstruktion bzw. die Bearbeitung

im Rückblick“ (Hitzler 2000: 401–412). Andererseits wurden in Anlehnung an Goffmans

Rahmenanalyse die Auswertungskategorien Rahmen und Konstruktion eines

Flashmobs, Verhalten und Rahmungswissen der Akteure, die Rekonstruktion des

Events in Internetforen sowie Narrative der Vergemeinschaftung untersucht (Goffman

1980).

Wie andere Events weisen Flasmobs einen ähnlichen Verlauf auf, den Jochen

als „stets der gleiche“ umschreibt: „Plötzlich und unerwartet erscheinen die

Akteure auf öffentlichen Plätzen, wo sie eine kurze, scheinbar sinnlose Handlung

durchführen, um sich danach wieder in alle Winde zu verstreuen.“ (Jochen 2011:

9) Maßgebend ist das unerwartete Entstehen und die genauso schnelle Auflösung

der Masse nach dem Flashmob. Das scheinbar zufällige Erscheinen im öffentlichen

Raum steht jedoch in enger Verbindung mit der Hinterbühne im virtuellen Raum, in

welchem der Flashmob überraschend detailliert geplant wird (ebd.: 57): Ein zentraler

Aspekt der Planung ist die Auswahl des öffentlichen Raumes. Der Bestimmung von

Ort und Zeitraum kommt eine zentrale Bedeutung zu, um einen möglichst großen

Kreis von Passanten anzusprechen (Bauer 2010: 144). Auffallend ist hier das Fallbeispiel

des christlichen Flashmobs „He’s alive“, bei welchem der Durchführungsort

mehrmals geändert wurde. Die Stadt als öffentliche Bühne für Interaktion ist somit

eine der wichtigsten Voraussetzungen für die Durchführung eines Flashmobs (ebd.:

71). Der Bestimmung eines Ortes, einer konkreten Zeit und einer spezifischen Form

folgen oftmals Beispiele vergangener Mobs zur Anschauung, um die Teilnehmenden

zu motivieren, den gesehenen Flashmob durch den eigenen zu überbieten. Die

Interaktion zwischen Teilnehmenden und passiven Zuschauern ermöglicht erst das

intensive Erleben der Flashmobber als exklusiv Mitwissende (ebd.: 144). Gabriele

Klein betrachtet die Stadt hier als Repräsentationsraum der Inszenierung von Macht

(Klein 2008: 15), auch wenn es bei Flashmobs meist nicht um politische Botschaften

geht. Es geht vielmehr „um ein Gefühl von Gemeinschaft“, den „Wunsch nach Provokation“,

um Momente „der Selbstermächtigung“ (Jochen 2011: 10), wie Jochen


230

231

formuliert, um den Fluss des Alltags zu unterbrechen und die Umsetzung vergangener

Flahsmobs zu übertreffen (Bauer 2010: 54).

Das Rahmungswissen der Flashmob-Teilnehmenden

Das gemeinsame Wissen oder das Geheimnis des bevorstehenden

Flashmobs bindet die meist unbekannten Teilnehmenden zu einer kollektiven

Gruppe zusammen, die sich deutlich von der Außenwelt abgrenzt. Dies lässt sich bei

allen drei untersuchten Flashmobs feststellen, da die Flashmobber sich durch Kommentare

und „Gefällt mir“-Tasten frühzeitig in die Planung einbringen können. Als

Beispiel sei hier die Ankündigung auf der Facebook-Seite des European Freeze mob

in Zürich aufgeführt: Öffentliche Veranstaltung für Flashmob Zürich; Zeit: Samstag,

23. Oktober 2010 15:00–15:30; Ort: Paradeplatz Zürich; Gäste: Eingeladen (3.808),

Gastgeber (1), Zusagen (811), Teilnahme unsicher (1), Absagen (25), Alle (4.620):

Damit werden bereits im virtuellen

Raum ein Gemeinschaftsgefühl und Exklusivität erzeugt:

„Die Flashmobber sind Komplizen, die über einen

Wissensvorsprung gegenüber den zufällig vorbeikommenden

Passanten verfügen. Sie wollen die Außenstehenden

zwar unterhalten, zugleich aber auch verwirren.“

(Jochen 2011: 89) In der Fernsehberichterstattung eines

lokalen TV-Senders wird der Flashmob vom 25. Oktober

2010 auf dem Zürcher Paradeplatz folgendermaßen beschrieben:

„Letzten Samstag erstarrten am Paradeplatz

um Punkt drei Uhr über hundert Leute. Die Passanten

schauten verwirrt umher und fragten sich, was passiert

war. Sie befanden sich nicht in einem Film über den

Weltuntergang, sondern der Paradeplatz wurde Teil des

europaweiten Freezemobs. Leute, die sich nicht kennen,

machen über Facebook Ort und Zeit aus und erstarren

gleichzeitig für fünf Minuten. Am letzten Samstag

erstarrten Leute in mehreren europäischen Städten

gleichzeitig. Kurz vor 15:00 Uhr, an einem Samstag, wie

jeder andere. Leute warten auf das Tram, beraten sich

oder laufen gehetzt vorbei. Doch plötzlich bleiben einige

wie eingefroren stehen. Der Paradeplatz ist Teil vom

europaweiten Freezemob geworden. Das heißt, über

Facebook wird eine Zeit und ein Ort abgemacht, jeder

kommt dann unabhängig voneinander dort hin, und nach

einem kurzen Pfiff bleiben alle auf einmal stehen. Jeder

hat sich eine besondere Pose ausgesucht und versucht,

sich fünf Minuten nicht zu bewegen. Die meisten

Leute kennen einander nicht, und nach einem weiteren

Pfiff um 5 nach 15:00 Uhr sind alle wieder zum Leben

erwacht und jeder geht seiner Wege.“(Zürich TV 2010)

Die Stimmen einzelner Freezemob-Teilnehmer aus einer

nachfolgenden Fernsehsendung zeigen die Erfahrung

des Freezemobs als Gestaltung eines gemeinsamen

„Ihr Lieben. Zürich wird

Teil eines europaweiten

Freezemobs. Beteiligte

quer durch Europa werden

zur selben Zeit erstarren.

So sah das in NYC aus:

http://www.youtube.com/

watch?v=jwMj3PJDxuo.

Tragt Euch das Datum ein

und ladet all Eure Freunde

ein, es wird nur spassig,

wenn möglichst viele

Leute mitmachen. Mehr

zum Zürich-Mob folgt.

Allgemeine Infos zum

Europaweiten Mob erseht

Ihr unter http://www.

facebook.com/group.

hp?gid=100279573363968.

Beste Grüsse A.“ (Freezemob

Zürich 2010)


6 Eventproduktion und Erlebnisdesign

fixe Vertrag, wo man schön immer ein bisschen mehr verdient und alle Sozialversicherungen

abgedeckt und Ferien bezahlt sind.“ (Interview Katharina Prelicz-Huber,

30. Juni 2016))

In den folgenden zwei Porträts kommen die genannten Spezifika und Ambivalenzen

des Arbeitens in der Eventbranche in ihrer Kombination zum Ausdruck.

Dominik: „Alles ist etwas komplizierter und schwieriger,

aber irgendwie cool.“

Dominik arbeitet als Montageleiter bei Aroma Productions Zürich.

Die „führende Kreativagentur für dreidimensionale Kommunikation“

(Aroma Productions) bietet ihren Kundinnen und Kunden

alle Dienstleistungen von der Beratung über die Planung bis zur

Produktion und Logistik von Events. Das Unternehmen beschäftigt

rund 80 Mitarbeitende aus den Bereichen Kommunikation,

Beratung, Werbetechnik, Kreation, Design, Planung, Konstruktion,

Schreinerei, Architektur, Szenografie, Styling, Floristik und Logistik

(Aroma Productions). Dominik war nicht von Anfang an Montageleiter,

er begann als Freelancer auf Abruf in der Montage und hat

sich danach hochgearbeitet:

„Ich arbeitete vorher nie sonst in dieser Branche, außer ein

bisschen im Gastro. Dann begann ich als Freelancer auf Abruf,

wie es so läuft. Dann erhältst du Aufgebote. Je besser du bist,

desto mehr Aufgebote ... Je flexibler du bist, desto mehr Aufgebote

erhältst du. Dann zählen noch ein bisschen die Fähigkeiten,

die du hast. Das beginnt bei Kleinigkeiten. Wenn du die Autoprüfung

hast, bist du, blöd gesagt, schon wertvoller oder vielseitiger

einsatzbar. Das ging bei mir relativ schnell, dann arbeitete ich

eigentlich immer ein bisschen.“

Da die Arbeit als Freelancer ihn nicht vollständig auslastete und

die Firma ihm zu jener Zeit „nicht mehr garantieren“ konnte,

arbeitete Dominik zwischenzeitlich einen Sommer lang wieder

wie schon zuvor auf dem Bau. Während der Arbeit auf dem Bau

rief ihn die Firma jedoch immer wieder an und bot ihm eine

Freelancer- Tätigkeit als Montageleiter an. Er ging also wieder

zurück und ein halbes Jahr später stellte ihn die Firma fest an.

Seither ist er zu 100 Prozent als Montageleiter angestellt, sein

Arbeitsverhältnis ist unbefristet, er hat einen festen Vertrag.

„Das Modell war eigentlich für mich perfekt. Ich konnte mich so

durch meine Leistung und Arbeitsweise beweisen und durfte

dann immer mehr machen. Nicht so klassisch mit Papieren,

hey, du hast jetzt diese Ausbildung, du darfst jetzt das machen.

Sondern ich konnte mich so raufarbeiten, wie man es nennen

möchte, mehr Verantwortung in gewisser Weise übernehmen.“

Dominiks Arbeitstage dauern in der Regel länger als normale

Bürotage, nämlich zwischen 9 und 12 Stunden. „… du hast

schon eher viel Überzeit. Arbeitest definitiv mehr als in anderen

Branchen.“ Die Arbeitszeiten sind flexibel und auf die jeweiligen

Events ausgerichtet:


262

263

„Du arbeitest viel an Wochenenden und an Zeiten, an denen

andere nicht arbeiten. Dann hast du irgendwie am Abend um

19 Uhr ein Galadinner. Dann baust du den ganzen Tag … auf, dann

ist der Anlass am Abend (ca. von 18–24 Uhr) und dann fährst

du meistens schon wieder ein und baust ab. Denn die Kunden

wollen natürlich die Halle nicht bezahlen, dass du am nächsten

Tag schön wieder am Morgen um 7, 8 Uhr beginnst und nochmals

einen ganzen Tag benötigst. Dann kommst du dann in der Nacht

wieder auf 24 Uhr, 1 Uhr und baust bis morgens um 8 Uhr ab,

dann gehst du vielleicht noch schnell ins Lager, ladest ab, gehst

schnell ins Büro, lässt die Rapporte der Freelancer visieren, gibst

diese noch ab. Dann gehst du um 9 Uhr morgens nach Hause

und gehst schlafen.“

Dementsprechend schläft Dominik oft zwischen zwei Arbeitstagen

nur drei oder vier Stunden und hat nach intensiven

Arbeitsphasen dafür wieder etwas länger frei. Ebenso wie die

Arbeitszeiten sind auch die Arbeitsorte flexibel; die Mitarbeitenden

von Aroma Productions können viel von zu Hause aus

arbeiten. Auch vor Ort sind die Arbeitsplätze auf Flexibilität

ausgerichtet; die meisten Mitarbeitenden haben keine fixen

Arbeitsplätze, sondern setzen sich mit ihren Laptops jeweils an

einen freien Arbeitsplatz.

Auf die Spezifika der Eventbranche angesprochen, kommt

Dominik ebenfalls auf die Flexibilität zu sprechen: „Jemand der

nicht flexibel ist, das wird sehr schwierig.“ Zur Flexibilität gehört

auch die Kurzfristigkeit und Unvorhersehbarkeit der Einsätze. Es

komme vor, dass ein so genannter Key-Client drei Tage vor einem

Event realisiere, was alles noch benötigt werde, dann springe

man natürlich ein: „Dann muss man dann halt so flexibel sein.

Gut, als Freelancer musst du nicht, jedoch möchtest du ja Geld

verdienen und das gehört dann einfach so ein bisschen dazu.“

Es sei manchmal sehr streng und mühsam und verlange ein

großes Maß an Ausdauer und Durchhaltevermögen. Dominik

ist daher froh, dass er seine Überzeit aufschreiben kann. Auch

Nacht zuschläge gewährt die Firma: „Aroma bezahlt ab 23 Uhr bis

6 Uhr 50 Prozent mehr. Als Freelancer hast du dann 50 Prozent

mehr Lohn, als Festangestellter schreibst du eineinhalb Stunden

anstelle einer Stunde. Aber es ist jede Stunde bezahlt und am

Sonntag gibt es immer Zuschlag, das ist ein Feiertag mit eineinhalbfacher

Bezahlung. Von dem her ist es noch okay.“ Dank der

Überzeit, die dadurch entsteht, kann Dominik mehr Ferien nehmen.

Um wirklich abschalten zu können, benötige er mindestens

zweieinhalb Wochen. Er lege das Telefon dann jeweils bewusst

weg und genieße es, „nicht immer so auf Draht zu sein“.

Ob er seinen Job auch ausüben könnte, wenn er Familie hätte?

„Ja, es hat paar Leute da, die Familien haben. Sicher geht es. Klar

nimmst du dich dann bei gewissen Sachen einfach eher raus,

das ist so. Oder du musst es einfach anders aufgleisen ... Ich


6 Eventproduktion und Erlebnisdesign

Unter den Mitarbeitenden im Kongresshaus gab es auch einige

Festangestellte, so beispielsweise einige etwas ältere Frauen

„aus der Zentralschweiz“. Gemäß Laura war dies der Kern, „der

wirklich alles kannte und wusste, wo alles ist und wie man es

macht, was man für welchen Anlass braucht, wie man die Gläser

für welchen Anlass braucht, wie man die Tische aufbaut, welche

Tischtücher“. Im Service arbeiteten vor allem Frauen, aber der

Chef de Service war ein festangestellter Mann. In der Küche

arbeiteten Laura zufolge vorwiegend Männer, die vom Kongresshaus

fest angestellt waren.

Während dem festangestellten Personal regelmäßige Arbeit garantiert

ist, gestaltet sich die Arbeit als Mitarbeiterin auf Stundenlohnbasis

als sehr viel unvorhersehbarer. Insbesondere die Tätigkeit

im Piazza ist von Wetterabhängigkeit geprägt. Während eines

guten Sommers konnte Laura wegen des guten Wetters sehr viel

arbeiten. Im schlechtesten Sommer habe sie nur an sieben Tagen

arbeiten können: „Du verdienst halt nur, wenn es schönes Wetter

ist.“ Um die Unsicherheit abzufedern, hat Laura während der

ersten zwei Jahre zusätzlich nebenbei als Nanny gearbeitet. Während

dieser Zeit war sie im Piazza nur mit einem Teilzeitpensum

angestellt und hatte so mehrere Standbeine. Schwieriger wurde

es im dritten Jahr, als sie nur im Piazza tätig war:

„Und dann im dritten Jahr, als ich Vollzeit im Piazza gearbeitet

habe, war es ein mega schlimmer Sommer, und da hat es mich

dann schon auch genervt, weil ich hatte dann überhaupt nicht

genug Geld auf der Seite. Ich hatte mit eingeplant, dass ich halt

arbeiten gehen kann. Und es ist halt schon sehr unberechenbar.

Und dann habe ich halt das Praktikum angefangen ohne

die Erspar nisse, die ich mir erhofft hatte. … Ja, wir hatten null

Sicherheit.“

Auf die Frage nach weiteren Spezifika der Eventgastronomie antwortet

Laura: „Ich glaube, es ist halt eine unterbezahlte Branche.“

Sie habe zwischen 22 und 23 Franken pro Stunde erhalten und

auch diese im Falle des Piazza nur bei Schönwetter. „Es ist also

recht niedrig, und am Sonntag haben wir auch keinen Zuschlag

erhalten, erst nach Mitternacht.“ Inzwischen hat Laura einen

„normalen Job“ und verdient genug, ohne zusätzlich am Wochenende

noch im Kongresshaus arbeiten zu müssen. Das sei bei den

meisten Studierenden so, dass sie „diese Arbeit während des

Studiums machen und nachher ist es vorbei“.

Fazit und Ausblick

Sowohl Risiken als auch Chancen der neuen, flexiblen, auf Selbstverantwortung

ausgerichteten Arbeitsverhältnisse in der Eventbranche decken sich

weitgehend mit denjenigen der „neuen Arbeitswelt“ generell, in der unternehmerisches

und selbstverantwortliches Handeln als oberste Maxime gelten. Besonders

gut vergleichbar sind die vorteilhaften und nachteiligen Aspekte von beruflichen

Tätigkeiten im Eventbereich mit denjenigen der Kulturbranche. Einige Chancen und


266

267

Risiken kommen in der Eventbranche gleichermaßen idealtypisch zum Ausdruck,

nämlich 1. die Heterogenität und der zeitlich limitierte und flexible Charakter der

Arbeitsverhältnisse, 2. die „Coolness“ der Branche (Teil eines größeren Ganzen

sein, sich selbst verwirklichen) bei gleichzeitig hohen Ansprüchen an das „unternehmerische

Selbst“ und 3. die Risikofaktoren Alter und Gesundheit. Auffallend

ist die Ambivalenz von neuen biografischen Möglichkeiten auf der einen Seite und

Sach- und Selbstoptimierungszwängen sowie einer prekären sozialen Absicherung

auf der anderen Seite.

Die beiden Porträts von Dominik und Laura bringen die Ambivalenzen der

Tätigkeit im Eventbereich exemplarisch zum Ausdruck: Dominiks Situation ist durch

neue berufliche Möglichkeiten geprägt, er hat sich als Eventrepreneur von einem

Arbeitsverhältnis als Freelancer auf Abruf zum Montageleiter mit einem fixen Arbeitsvertrag

hochgearbeitet. Seine berufliche Situation ist vergleichsweise sicher. Er

weiß mit den Flexibilitätsanforderungen gut umzugehen, und für seinen „coolen“

Job nimmt er einen geringeren Verdienst gerne in Kauf. Seine berufliche Zukunft

ist allerdings unklar. Lauras Porträt steht für die Ambivalenz von atypischen Arbeitsverhältnissen

in der Eventbranche. Sie ist während ihres Studiums einerseits froh

um den temporären und flexiblen Charakter ihrer Arbeit, andererseits ist ihr Arbeitsverhältnis

prekär und „schönwetterabhängig“. Um diese Unsicherheit abzufedern,

setzt sie als Solo-Selbstständige auf mehrere Standbeine und arbeitet zusätzlich

als Nanny. Für Laura ist die Tätigkeit in der Eventbranche nur vorübergehend, durch

ihre gute Ausbildung ist sie inzwischen in ihrem Fachbereich in einem fixen Anstellungsverhältnis.

Dank ihrer Bildungsnähe wird die prekäre Anstellung während

der Ausbildung langfristig gesehen abgefedert. Der Schluss liegt nahe, dass ähnlich

wie für die flexible neue Arbeitswelt insgesamt auch für die Eventbranche gilt, dass

eine qualifizierte Grund- und Fachausbildung die Chancen erheblich verbessert, die

positiven Potenziale der Flexibilisierung nutzen zu können. Um breiter abgestützte

Erkenntnisse über mögliche Personenprofile analog der Studie der TA Swiss für den

Eventbereich eruieren zu können, sind jedoch weitere Forschungen notwendig.

Ob von den positiven Aspekten der Flexibilisierung in Zukunft nicht nur

gut ausgebildete Personen profitieren können, ist abhängig von der Ausgestaltung

der neuen Arbeitsformen. Die Studie der TA Swiss empfiehlt eine Anpassung der

(insbesondere rechtlichen) Rahmenbedingungen an die Realitäten der neuen Arbeitswelt.

Da Arbeitsverhältnisse im Eventbereich durch die Eventisierung zugenommen

haben, erscheint diese Forderung umso dringlicher. Zu den Empfehlungen

der TA Swiss gehört, dass Arbeitgebende zusammen mit den Sozialpartnern

die Möglichkeit haben sollten, innerhalb der gesetzlichen Leitplanken lokale und

der jeweiligen Branche angepasste Lösungen auszuarbeiten, welche der Flexibilisierung

gerecht werden. Zudem seien neben vermehrter Sensibilisierungsarbeit

arbeitsrechtliche Verbesserungen und Überprüfungen notwendig, unter anderem

hinsichtlich:

• „Arbeitszeitregelungen, da das Arbeitsrecht beispielsweise Mindestruhezeiten

und Maximalarbeitszeiten vorschreibt, die auf abweichende Arbeitszeitmodelle

schwer anwendbar sind;

der Sozialversicherungsdefizite bei Kurz-Arbeitseinsätzen, weil sich schwankende

Einkommen negativ auswirken können, unter anderem auf die Invalidenrente;


Food-Events zwischen Lifestyle,

Erlebnisgastronomie und

ökologischem Gewissen:

„Ein großes Thema in Zürich und

generell im Tourismus ist das

Thema ‚Food-Tourismus‘.“

Gabriela Muri, Luzius Hartmann

Food-Messen in Städten, neue Formen

der Erlebnisgastronomie und halböffentliche

Food-Events wie Running Dinners

boomen. Oft gehen sie einher mit Vorstellungen

einer multikulturell und

ethisch korrekten Ernährung, aber auch

mit der ästhetischen Inszenierung des

Essens in sozialen Medien. Was zeichnet

diese Formen aus? Wie lassen sie

sich unterscheiden und welche gemeinsamen

Merkmale weisen sie auf? Wie

lassen sie sich in gesamtgesellschaftliche

Entwicklungen einordnen?


288

289

Food-Messen, Food-Events, Food-

Blogs sowie einer der Schwerpunkte der kantonalen

Tourismusförderung verdeutlichen, dass Essen und

seine vielfältigen Ausprägungen und Inszenierungen

zu einem zukunftsweisenden Sektor der Eventkultur

geworden sind. Martin Sturzenegger, Direktor von Zürich

Tourismus, betont die zunehmende Bedeutung des

Food-Tourismus:

Am vordergründig banalen Alltagsthema

Essen lässt sich der Frage nachgehen, ob

Eventisierung Inhalte oder „Gesellschaftsthemen“ generiert

oder vielmehr gesellschaftliche Entwicklungen

aufgreift und in reziproken Aushandlungsprozessen beeinflusst.

Steht die Eventisierung des Essens lediglich

für Trends an der Oberfläche gesellschaftlichen Wandels,

den sie, selektiv und auf Repräsentation ausgerichtet,

nur darstellt und glänzen lässt, oder zeugt sie

von Bedürfnissen nach Genuss oder gar neuen sozialen

Formen des Zusammenseins? Der vorliegende Artikel

greift diese Fragen auf und analysiert sie anhand von

drei ausgewählten Fallbeispielen.

Food als Trendthema ist schon seit

einigen Jahren auf der Agenda von Events in Zürich und

anderen europäischen Städten. Zum „Hype“, wie Sturzenegger

den Trend bezeichnet, gehören Streetfood

als eine Form von Gourmet-Fastfood und die Idee der

Foodtrucks oder andere „Food“-Anlässe. In Europa gibt

es seit zwölf Jahren das „Copenhagen Cooking“, das

2016 unter dem neuen Titel „Copenhagen Cooking and

Food Festival“ erweitert wurde, und in Berlin seit 2015

die „Berlin Food Week“. In Zürich hebt Sturzenegger

die wachsende Bedeutung des Street Food Festivals

hervor: „... das sieht man nun auch beim ‚Street Food

Festival‘, als eines der neueren Events in Zürich. Beim

ersten Mal war es so erfolgreich, dass sie es nun im

Puls 5 mit über 30.000 Zuschauern durchgeführt haben.

Und im nächsten Jahr möchten wir zum ersten

Mal in Richtung Entwicklung eines Events gehen. Wir

möchten bündeln und etwas Größeres machen, das

während zwei, drei Wochen stattfindet. ... dazu haben

wir mit allen Veranstaltern, die heute mit ‚Food-Events‘

unterwegs sind, Gespräche geführt und möchten auf

das nächste Jahr eine ‚FOOD ZURICH‘ ins Leben rufen.“

(Interview, 16. Mai 2015)

„Ein großes Thema in

Zürich und generell im

Tourismus ist das Thema

‚Food-Tourismus‘. ... Vor

zwanzig, dreißig Jahren

war es vielleicht so, dass

man nach Mailand gereist

ist, um in die Scala zu

gehen. Heute verliert die

Hochkultur an Bedeutung,

den heute 40- bis

50-Jährigen sind häufig

Rockmusik oder Techno

näher ... Kombiniert mit

hedonistischen Verhaltensmustern

spielt das Essen

eine zentrale Rolle. Man

reist wegen Sterneköchen

nach San Sebastián. Essen

und Tourismus, der Kult

um Essen, Restaurants,

Gastronomie nehmen

enorme Formen an.“

(Interview, 16. Mai 2015)

Die kantonale Tourismusförderung sieht sich als Markendach und am

Event selbst als Homebase für aktuelle Trends im Food-Bereich: „... überall finden

dann verschiedene Festivals statt. Diese sind mit ihrem eigenen ‚Brand‘ vertreten,


6 Eventproduktion und Erlebnisdesign

Reiseerlebnisse besteht die Tendenz, mittels standardisierter Abläufe Sicher heiten

oder „ein Gefühl wie zuhause“ zu vermitteln und das Erlebte als positiv zu rekonstruieren,

das „funktioniert in der Regel auch relativ gut“ (Geschäftsführer Big Ben

Westside).

Dinner mit Fremden. Ein einzigartiger Event

Die FOOD ZÜRICH, das Street Food Festival und die eventisierte Gastrokultur

gehören zu klassischen Produktionssegmenten der Eventbranche. Das Thema

Food oder Essen eignet sich jedoch darüber hinaus, um Zusammenhänge zwischen

Eventkulturen und neuen Formen der Begegnungskultur zwischen Fremden aufzuzeigen.

6 Im Zuge einer Eventisierung des Alltags und eines Überangebotes an Veranstaltungen

in der Stadt Zürich müssen Events immer exklusiver und ausgefallener

werden, um das Versprechen neuer Erfahrungen bieten zu können (Hartmann 2015:

2–4). Running Dinners sind denn auch Abendessen mit Fremden, die als einzigartige

Events zum Thema Essen, Menschen, die sich nicht kennen, zusammenführen.

Running Dinners werden über Onlineplattformen wie das Label organisiert (www.

rudirockt.de). Im Laufe eines Abends wird ein Drei-Gang-Menü in drei verschiedenen

Wohnungen gekocht. Gekocht wird in 2er-Teams und jeder Gang wird in einer

anderen Küche serviert. Der erste Gang wird für vier fremde Gäste gekocht, für den

zweiten und dritten Gang geht man zweimal auf Besuch. Danach trifft man sich

an einer After-Dinner-Party. Die Anmeldung ist kostenlos und der Aufwand an Geld

oder Zeit für die Vorbereitung des Essens bleibt den Teilnehmenden überlassen. In

Aachen, wo rudirockt entwickelt wurde, nahmen beispielsweise am 26. März 2015

über 1100 Personen teil. An der Veranstaltung in Zürich am Samstag den 25. April

2015 traten 25 2er-Teams an.

Running Dinners können nicht als planmäßig erzeugte Events von professionellen

Veranstaltern bezeichnet werden. Die Organisation dahinter ist nicht

kommerziell motiviert, sondern grundsätzlich durch „weltanschauliche Interessen“

geprägt: rudirockt wird durch den Verein Viva con Agua organisiert. Die ursprüngliche

Idee dahinter ist, durch das Organisieren der After-Dinner-Party Fundraising zu

betreiben und die Bekanntheit von Viva con Agua zu steigern. „Der zu vermittelnde

Sinn“ wird jedoch verdrängt und uminterpretiert, der Aspekt des Fundraisings „ist

nicht der Hauptaspekt“ 7 . Weil die Teilnehmerzahl der meisten Ver anstaltungen in der

Schweiz zu gering ist, um eine eigene Party zu organisieren und damit Spendengelder

zu generieren, ist dies kein sinnstiftender Aspekt der Veranstaltung. Aus Sicht der

Teilnehmenden bleibt das Engagement von Viva con Agua verschleiert. Hinweise

auf den Verein finden sich zwar an unterschiedlichen Stellen: etwa auf der Internetseite,

auf der sich alle Teilnehmenden anmelden, oder auf dem spezifischen Eventflyer

(www.rudirockt.de), auf dem die Veranstaltung von der „Viva con Agua Local

Crew“ präsentiert wird. Außerdem erhielten am 25. April alle teilnehmenden Teams

eine Bügelflaschenpost, geschmückt mit Viva con Agua-Buttons und Etikett in den

Briefkasten gelegt. Darin befand sich eine Botschaft des Vereins, der viel Spaß am

Event wünschte und nochmals auf die Organisation verwies. Dennoch bleibt für die

Teilnehmenden unklar, inwiefern der Verein Viva con Agua involviert ist. Die Koppelung

von Event und Fundraising ist grundsätzlich problematisch, weil einerseits durch

den finanziellen Aufwand zur Inszenierung Kapital dem eigentlichen Zweck abhandenkommt

und andererseits sich oftmals Firmen und Organisationen durch solche

Events ein humanitäres Image als PR-Stunt aneignen. Bei rudirockt handelt es sich


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allerdings um eine No-Budget-Produktion. Die Ausgaben auf Organisatorenseite sind

minimal, für die Teilnehmenden gibt es keine Gebühren, die Ausgaben für das Kochen

können grundsätzlich frei nach eigenen Mitteln gestaltet werden. Daher erscheint die

Kopplung von Event und Fundraising hier unproblematisch. Viel mehr verfolgt Viva

con Agua eine Form von Fundraising als Nebenprodukt einer eventisierten Spaßgesellschaft.

Beispielsweise ist Viva con Agua auch an Musikfestivals, wie dem Zürich

Openair, vertreten. Dort werden anstelle von Geldbeträgen Depotjetons als Spenden

gesammelt: „Also [geht es] nicht primär ums Spenden sammeln, sondern es geht

mehr um den Anlass an sich, um den Spaß.“ (Teilnehmerin MC) Die Verschiebung

der Grenzen zwischen politischer Ausrichtung eines Events und dem „Schleier der

Spaßmaxime“ ist eine Folge der Eventisierung, so eine These unseres Projektes.

Ausführlicher wird diese These in „Disneyland oder neue Formen sozialer Kohäsion“

(S. 336–360) anhand von drei Fallbeispielen vertieft.

Grundsätzlich ist das Running Dinner zwar ein „planmäßig erzeugte[s]

Ereignis“ (Gebhardt 2000: 19), welches jedoch seinen Teilnehmenden „Gestaltungsspielräume“

innerhalb exakt definierter, zeitlicher Grenzen bietet. Genau dieser Spielraum

konstituiert den Event und macht maßgebend seine Form aus. „Für Events

charakteristisch ist, dass sie Anstrengungen unternehmen ihre ‚Besonderheit‘ und

‚Einzigartigkeit‘ auch mehr oder weniger theoretisch zu begründen, also anzugeben,

warum es sich lohnt, gerade an diesem Event teilzuhaben.“ (ebd.: 22) Auch die

rudirockt-Veranstaltung vom 25. April in Zürich wird von der Veranstalterin im Superlativ

als „Ereignis des Jahres“ (www.rudirockt.de) angepriesen. Die Bildung einer

Gemeinschaft beim Dinner mit Fremden ist der „distinktionsfähige Inhalt“: Die Begegnung

mit Unbekannten ist erklärtes Ziel, schließlich sei rudirockt „die leckerste

Art neue Leute zu treffen“ (ebd.). Die Bildung einer Gemeinschaft macht die „Einzigartigkeit“

und „exklusive Natur“ des Ereignisses aus. Der Spaßfaktor ist zusammen

mit dem Versprechen, „neue Leute kennenzulernen“, das Hauptargument mitzumachen

und macht die Einzigartigkeit des Events aus: „Ich glaube, der Reiz ist sicher,

neue Leute kennen zulernen. Man kommt auch in neue Umgebungen, in neue Wohnungen,

in die man sonst nicht so kommen würde. Man kommt zu fremden Leuten.

Man sieht in die intimsten – also einfach in die Wohnung rein, die man sonst immer

nur von außen sieht. Und auch in Quartiere, die man sonst nicht so kennt. Und dann

geht es auch ein wenig ums Essen, darum etwas Neues ausprobieren. … Aber das

ist eigentlich nicht der Hauptgrund. … Ich glaube, der Hauptfokus liegt darauf, mit

fremden Menschen zu Abend zu essen. Das ist etwas Abwechslungsreiches, etwas

Interessantes, Unterhaltsames.“ (Teilnehmerin MC)

Die „neue Wohnung“ von „fremden Menschen“ wird zur außergewöhnlichen,

aufregenden Location, was das Running vom normalen Dinner bei Freunden

unterscheidet und zum einzigartigen Ereignis macht. Der „Event durchbricht die

Routinen und Zwänge des Alltags, […] er offeriert das Ab- beziehungsweise Eintauchen

in eine neue, vom Alltag differierende […] Welt“ (Gebhardt 2000: 20).

Inwiefern sich Running Dinner als längerfristige Veranstaltungsform

durchsetzen kann, ist fragwürdig. Wie Gebhardt schreibt, ist ein Event, der nur das

Gleiche wie die vorher dagewesene Ausgabe bietet, zum Scheitern verurteilt (ebd.).

Die Teilnehmenden erleben diesen neuen Reiz aber nur bei der ersten Teilnahme, danach

ist es eine Repetition, welche maximal durch Variationen wie etwa eine „Weihnachts-

oder „Sommeredition“ verändert wird.


6 Eventproduktion und Erlebnisdesign

Lac und The Dolder Grand und das Opernhaus sind der Schauplatz verschiedener

Charity-Events.

Charity: Event und Emotionen

Bei Charity-Events steht eine spezifische Vermittlung und Herbeiführung

von Emotionen im Vordergrund. Es gibt verschiedene Auslöser für Emotionen: „Unter

einer Emotion verstehe ich affektiv getönte, aktuelle Zustände einer Person, die

eine spezifische Qualität und Intensität haben, auf einen bestimmten Gegenstand

gerichtet und an spezifische kognitive Voraussetzungen geknüpft sind und die eine

handlungsleitende Funktion besitzen.“ (Rudolph 2012: 3) Emotionen lösen Reaktionen

aus und können verschiedene Intensitäten haben. Sie spielen eine wichtige

Rolle für Marketingstrategien (ebd.: 4), denn sie weisen handlungsleitende Komponenten

auf: Wenn positive Emotionen hervorgerufen werden, wird ein Event bei der

nächsten Durchführung wieder aufgesucht (Steffen/Schabbing 2015: 105–106). Das

Erzeugen positiver Emotionen wird daher im Marketing bewusst eingesetzt: „Emotionen

sind das Trojanische Pferd, um Menschen (kognitiv) zu erreichen“ (ebd.: 106).

An einem Event sollen die Besucher emotional berührt und für Markenbotschaften

empfänglich werden. Events stellen eine Möglichkeit dar, um ein Kundenerlebnis

zu erzeugen. Sie sollen über die erzeugten Emotionen als positiv, einmalig und einzigartig

wahrgenommen werden (ebd.: 114). So schreibt Zanger, dass Events dazu

dienen, eine Emotionalisierung von Kundenbeziehungen zu erreichen (Zanger 2015:

6). Über eine emotionale Aktivierung des Kunden kann bei einem Marketingevent

das Gefühl der Einzigartigkeit eines Produktes oder einer Marke erzielt werden (Zanger

2007: 11). Durch die Organisation eines Events wird ein Ort der Begegnung

zwischen Zielgruppe und Organisation geschaffen: „Immer dort, wo etwas live in

einem Austausch stattfindet, ist es ein Event. Und die ‚Laureus Charity Night’ ist ein

Charity-Event, weil wir mit Tombola, Auktion und stiller Auktion Gelder generieren,

die in unsere Kinderprojekte fließen.“ (Alexandra Elser, Leiterin Fundraising/Events

Laureus Stiftung Schweiz) Die gesamte Dramaturgie einer Benefizveranstaltung

kreist um die Emotionalisierung der Gäste: „Du hast vorhin gefragt, ob es wichtig

ist, ein Event durchzuführen. Absolut, denn nur bei einer Begegnung kann eine emotionale

Bindung hergestellt werden.“ (Elser)

Strategien der Emotionalisierung

Recherchen haben gezeigt, dass bestimmte Strategien bei Charity-Events

immer wieder zum Einsatz kommen. Im Folgenden werden diese Strategien anhand

von Beispielen veranschaulicht.

Der Prix Caritas ist der größte Anlass von Caritas Schweiz und findet einmal

im Jahr im KKL Luzern statt. Es werden jeweils 600 bis 800 Spenderinnen und

Spender eingeladen. Der oder die Gewinnerin ist im Anlass persönlich anwesend.

So war auch am Prix Caritas 2016 die Gewinnerin Alice Achan aus Uganda anwesend

und nahm das Preisgeld auf der Bühne unter dem Applaus von Gästen persönlich

entgegen. Das Miterleben der festlichen Preisgeldübergabe löst bei den Zuschauern

Emotionen aus. Zudem bewirkt die Anwesenheit der Gewinnerin Empathie bei den

Spenderinnen und Spendern. Durch die Anwesenheit der Preisträgerin wird Anteilnahme

ausgelöst. Eine erste Strategie besteht demnach darin, die Anwesenheit von

„Betroffenen“ zu ermöglichen.


316

317

Eine zweite Strategie besteht darin, eine Geschichte zu erzählen. Beim

Prix Caritas 2016 wurde über verschiedene Medien die beeindruckende Lebensgeschichte

der Preisträgerin Alice Achan erzählt. Der abwechslungsreiche Einsatz verschiedener

Medien half dabei, die Aufmerksamkeit der Gäste zu erhalten (Schäfer-

Mehdi 2006: 102). Zum einen wurde auf der großen Leinwand über der Bühne mit

Bildern gearbeitet. Zum anderen wurde den Gästen ein Teil von Achans Leben über

einen Film vermittelt (Hepp/Vogelgesang 2000: 239). Auch die Preisträgerin selber

gewährte in ihrer emotionalen Rede auf der Bühne Einblicke in ihr Leben. Durch

das Erzählen ihrer Lebensgeschichte, mit dem Schwerpunkt der Gründung der Mädchenschulen,

steht nun hinter dem realen Menschen Alice Achan zusätzlich eine bewegende

Lebensgeschichte. Eine gelungene Geschichte bewegt ihre Zuhörer und

kann zu neuen Einsichten, Wissen und Verhalten führen (Nickel 2007: 84). Und dies

wurde am Prix Caritas über den Einsatz verschiedener

Erzählarten erreicht. Der Event wird durch mehrere musikalische

Beiträge ergänzt. Musik ist ein Auslöser für

bewegende Erlebnisse und ist daher ein beliebtes Instrument

der Emotionalisierung an Charity-Events (Steffen/Schabbing

2015: 107). Beim Prix Caritas entschied

man sich für unterhaltsame Musik, welche die Zuschauenden

in gute Stimmung versetzte und damit eine ideale

Ergänzung zur Lebensgeschichte der Preisträgerin

war. Der Prix Caritas wurde außerdem mit kulinarischen

Höhepunkten abgerundet. Der große Apéro am Schluss

fand auf der Terrasse des KKL mit einer Aussicht auf den

Vierwaldstättersee statt. Die Gäste unterhielten sich in

angeregter Stimmung bei einem Glas Weißwein. Auch

die Preisträgerin war anwesend und führte mit dem einen

oder anderen Gast ein persönliches Gespräch.

Die Laureus Switzerland Foundation

besteht seit zehn Jahren und veranstaltet bereits

seit ihrem Gründungsjahr einmal im Jahr eine „Laureus

Charity Night“. Die Stiftung fördert über Sport benachteiligte

Kinder und Jugendliche in der Schweiz. Eine

wichtige Strategie der „Charity Night“ ist auch hier das

Erzählen von Geschichten:

Der Event bedient sich also einerseits

der Strategie des Geschichtenerzählens und

andererseits der Präsenz von Betroffenen und auch berühmter

Persönlichkeiten. An der Charity Night runden

ein Galadinner, eine Tombola und verschiedene künstlerische

Beiträge die glamouröse und festliche Stimmung

ab. Gemäß Alexandra Elser wurde an der letztjährigen

Charity Night mit einer Tombola und einer Auktion die beachtliche

Summe von 1,1 Millionen Franken gesammelt.

„Es ist wichtig, dass wir

an unserer ‚Charity Night‘

die Kinder, unsere Pro tagonisten,

zu Wort kommen

lassen. So erhalten

die Gäste einen kurzen

Einblick in unsere Projekttätigkeit.

So suchen

wir jedes Jahr gezielt eine

Plattform für den Auftritt

der Jugendlichen. Ob

dies im Film geschieht,

bei einem Live-Interview,

Geschichtenerzählungen

oder Interaktion. Ein

Jahr hatten wir Fred, der

im Rollstuhl ist und der

mit seiner Mutter auf die

Bühne gekommen ist, weil

wir sagten, dass es auch

mal wichtig ist, von einer

Mutter zu hören, wie sie

den Alltag bestreitet. ...

Und das ist sehr gut angekommen.

Einmal hat Kurt

Aeschbacher Geschichten

erzählt. Er hatte dann

die Kinder bei sich auf

der Bühne. Kurt hat sie

interviewt. Dadurch haben

wir etwas mehr über diese

Kinder erfahren.“ (Elser)

Die Methoden der Tombola und der Auktion bedienen sich der interaktiven

Dramaturgie, da die Gäste dadurch aktiv in den Event eingebunden werden. Sie werden

zu Verbündeten untereinander und zu aktiven Teilnehmenden eines Ereignisses


„Es geht also nie um das Produkt,

sondern um die Geschichte

rund herum“ – Events als Live

Communication und Werbetool

Philipp Klaus

Die Zunahme der Events (vgl. „Einleitung“,

S. 8–32) hat unterschiedliche

Ursachen. Zum einen gehen sie auf

zunehmende gesellschaftliche Bedürfnisse

der Vergemeinschaftung und

Außergewöhnlichkeit zurück. Zum

anderen werden diese Bedürfnisse aber

auch gezielt, subtil und oft verschleiert

bei Events eingesetzt. Das Ansprechen

der Bedürfnisse dient der Übertragung

von Botschaften unterschiedlichster Art,

zum Beispiel politische oder religiöse.

Consumer-Events bedienen sich ebenso

gerne raffinierter Inszenierungen

und Dramaturgien (vgl. „Disneyland

oder neue Formen sozialer Kohäsion“,

S. 336–360) zum Productplacement

und zur Kundenbindung.


330

331

Wachstumsbranche Live Communication

Die Spezialisierung im Eventbusiness ist weit vorangeschritten. Die

Eventproduktion hat eine Professionalisierung und ein großes Wachstum erfahren.

Außergewöhnlichkeit, Wir-Gefühl, Erlebnissteigerung, Botschaft, Einzigartigkeit, Höhepunkte,

Exklusivität gehören zu den bestimmenden Attributen von Events. Sie

sind die Richtschnur, mit der Events geplant, designt und durchgeführt werden (vgl.

„Eventproduktion und Erlebnisdesign“, S. 250–327). Sie sind die Garanten für eine

erfolgreiche Durchführung von Events, sei dies an Feiern, Partys, Jubiläen, Festivals,

Jahresversammlungen, Charity- oder Consumer-Events. Gerade an Letzteren, den

Consumer-Events, werden sie eingesetzt, um Produkte und Marken zu positionieren

und durch Events unvergesslich zu machen. Das Event ist in diesen Fällen eine

Werbemaßnahme.

In der Werbebranche wird diese

Art von Werbung Live Communication genannt. Im Gabler

Wirtschaftslexikon (Springer-Verlag) wird sie wie folgt

definiert:

Treiber der Live Communication

Anzeigen in Zeitungen und Zeitschriften,

Werbespots im Fernsehen und im Radio,

Plakate und Flyer als herkömmliche Medien werden

als kalte Kommunikation bezeichnet (Interview Lukas

Meier). In neuerer Zeit sind sie durch Möglichkeiten

auf Online-Plattformen und in Social Media ergänzt

und erweitert worden. Gleichzeitig sind Events zentrale

Vermarktungselemente geworden, bei denen Werbung

entweder zusätzlich angeboten wird (Sponsoring, Product-Placement

etc.) oder Ausgangspunkt und Grund

des Events ist. Die wachsende Konkurrenz der Unternehmen

um Kunden und Marktanteile führt auch zu

immer neuen Lösungen in der Werbung. Insbesondere

ist aber die Wirkung der Werbung in herkömmlichen

Medien schwächer geworden: Der „zunehmende Werbedruck

und die damit verbundene sinkende Akzeptanz

gegenüber klassischen Kommunikationsmaßnahmen“

(Drengner 2003: 15) führt zu Vermeidungsverhalten bei

den Konsumentinnen und Konsumenten. Dieses Vermeidungsverhalten

äußert sich im Wegzappen der Fernsehzuschauer,

sobald Werbespots erscheinen. In Zahlen

ausgedrückt sind es 65–80 Prozent der Zuschauerinnen,

die nicht durch Fernsehwerbung erreicht würden

(ders.: 15). Ähnliches ist aus der Printwerbung bekannt.

„Dass dieses Vermeidungsverhalten letztlich zu einer

schwachen Erinnerung an die Kommunikationsmaßnahmen

und damit zu einer unzureichenden Werbewirkung

führt, erscheint plausibel.“ (ders.: 15) In den letzten Jah-

„Live Communication

ist der Oberbegriff für

Kommunikations instrumente,

die eine persönliche

Begegnung und

das aktive Erlebnis der

Zielgruppe mit dem Hersteller

und seiner Marke

in einem inszenierten und

häufig die Emotionen

ansprechenden Umfeld in

den Mittelpunkt stellen.

Das Zusammenwirken

dieser Elemente sowie

die direkte und persönliche

Interaktion zwischen

Hersteller und Zielgruppe

sollen zu einzigartigen

und nachhaltigen Erinnerungen

führen (Markenkenntnis,

Einstellung). Zu

den Instrumenten der Live

Communication zählen

v. a. Messen, Showrooms,

Events, Promotions und

spezifische Formen des

persönlichen Verkaufs.“ 1


7 Es geht um die Geschichte: Warme Kommu nikation

„Veranstaltung mit einem gewissen Highlight-Charakter“: Verschleierung

der politischen Botschaft?

Die Aussagen von Schlüsselakteuren zur Entwicklung des Pink Apple weisen

Ähnlichkeiten mit den von Gebhardt und Hitzler entwickelten Eventmerkmalen

auf, zeigen jedoch auch Differenzierungen im Hinblick auf die ambivalente Entwicklung

des Filmfestivals. So wird Pink Apple zunehmend zu einer „Veranstaltung

mit einem gewissen Highlight-Charakter“ (KM, Festivalleitung), jedoch differenziert

Stadtrat André Odermatt im Hinblick auf die kulturelle Botschaft: „Ein Event, das

ist ein Anlass, an welchem viele Leute zusammenkommen, der aber nicht einfach

eine Massenveranstaltung ist, sondern ein spezielles, meistens kulturelles Erlebnis

bietet. Es muss irgendetwas Spezielles haben.“ (Odermatt) Nach Gebhardt zeichnet

sich die Einzigartigkeit eines Events unter anderem dadurch aus, dass zwischen

den einzelnen Events bemerkbare zeitliche Abstände liegen und damit die Spannung

steigt (Gebhardt 2000: 19).

Inklusion – Exklusion: „Wenn man einen Event machen möchte, dann will

man Aufmerksamkeit.“

Nach Gebhardt vermitteln Events das Gefühl von exklusiver Gemeinschaft

(ebd.: 21). Beim Pink Apple wird am Eröffnungsfest mit persönlichen Einladungen

für Exklusivität gesorgt: „Es war ausverkauft, aber sie müssen immer

Plätze für Sponsoren freihalten.“ (LB, Besucher) Schäfer spricht von einer VIP-Kultur

als Merkmal von Events (Betz/Hitzler/Pfadenhauer 2011: 36). Gleichzeitig verfolgt

die Festivalleitung auch aufklärerische Anliegen. Dies zeigt sich an einem Projekt,

das schwul-lesbische Anliegen in den Schulstoff integrieren möchte: „Wir haben

ein Kurzfilmprogramm zusammengestellt und das möchten wir in die Schulzimmer

bringen ..., um Berührungsängste abzubauen.“ (UT, Festivalleitung) Der Weg nach

außen, über Eventisierungselemente, fördert damit gleichzeitig die Inklusion des

Anliegens in der Gesellschaft: „Das hat dann wieder etwas, was Inklusion schafft

und nicht Exklusion. Es wird der Weg nach außen angetreten.“ (Odermatt) Dieser

Weg nach außen steht dem Bedürfnis des Publikums gegenüber, sich innerhalb der

Szene zu treffen: „Aber ... wenn jemand ... nicht mit anderen Schwulen oder Lesben

zusammen dorthin gehen würde, sondern wirklich isoliert für sich als ‚Heti’-Paar ...,

dann glaube ich schon, dass Blicke fallen würden.“ (LB, Besucher) Der Befragte bezeichnet

denn auch das Pink Apple als Hafenort und Heimat. Trotz Öffnung und Differenzierungstendenzen

bleibt das Gefühl eine große Familie zu bilden wesentlich:

„Das müssen ja nicht nur die Filme sein, sondern dann erwarte ich dort auch die

gemütlichen Stunden zwischen den Filmen, beim Weißweintrinken und ‚Gspöndli’

treffen ... Das ist schon ein Event, für mich.“ Auch die folgende Aussage zeigt, dass

am Pink Apple vorwiegend ein Szenenpublikum anzutreffen ist: „Du musst dich

nicht erklären. Sondern es ist einfach völlig selbstverständlich, dass man schwul ist

und für die Frauen, dass sie lesbisch sind. … das ist der Ort, an dem ich mich so

erlebe, wie das für die ‚Hetis’ sein muss.“ (LB, Besucher) Auch die Festivalleitung

betont, trotz einer zunehmenden Öffnung, die Bedeutung als Insideranlass: „Es ist

ein sehr klar definiertes Publikum, das wir haben. Und es ist eine starke Community

im Vergleich zu einem Zurich Film Festival.“ (HM) Hier führt Eventisierung dazu,

dass einerseits eine erhöhte Breitenwirkung entsteht und damit die politische Botschaft

der gesellschaftlichen Akzeptanz gefördert wird: „Aber grundsätzlich, wenn

man einen Event machen möchte, dann will man Aufmerksamkeit. Und wenn man


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Aufmerksamkeit und Exklusion paart, dann verliert man sie gerade wieder.“ (Odermatt)

Beim Pink Apple bleibt jedoch das Ziel, Inklusion zu ermöglichen: „Inklusion

wird über dieses identitätsbildende Moment gefördert. Man zeigt für die eigene

Community Filme.“ (ders.) Diese Entwicklung zeigt sich nicht nur beim Pink Apple,

sondern auch beim freestyle (vgl. „Stadt- und Sportevents im öffentlichen Raum“,

S. 118–134). „Grundsätzlich geht es am freestyle auch um Identitätsbildung, ganz

primär, für die eigene Szene. Und das ist beim Pink Apple auch der Fall. Aber ob

das jetzt im Kern ein Event ist?“ (ders.) Eventisierung steht für Öffnung, aber auch

für ein weniger inhaltliches Profil: „Das kann auch eine Galaveranstaltung des Zoos

sein oder der FIFA, die alle auch Eventcharakter haben.“ (ders.) Das Pink Apple

steht daher zwischen dem Bedarf, einen Treffpunkt für eine bestimmte Community

zu schaffen und mehr öffentlicher Wahrnehmung.

Event und Stadtimage: „Aber viele wollen einfach zum Event auch quasi

die Postkarte dazu.“

Ein Festival wie Pink Apple ist eingebettet in Prozesse der Stadtentwicklung

und des Standortmarketings. Die Festivalisierung von Städten bringt eine Verstaatlichung

des öffentlichen Raumes für Marketingzwecke mit sich. Öffentliche

Plätze und historische Stadtkerne werden zu Kulissen. Bereits 1977 wird von der

„Inszenierung der Alltagswelt“ als Element der Stadtgestaltung gesprochen (Schäfers

2011: 34): „Es gibt in den Kulturwissenschaften den Begriff der Bühne, und

darum haben wir auch in der Stadt Zürich sehr viele Events, die die Stadt als Bühne

brauchen. Es ist ja nicht die Stadt, die anbietet. Sondern die Stadt wird genutzt als

Bühne für Anbieter.“ (Odermatt) Die Stadt, die einem Event durch ihre zentrale und

außerordentliche Lage einen Eventcharakter verleiht. Jedoch ist es auch für eine

Stadt und ihr Image wichtig, dass Events stattfinden. „Aber meiner Meinung nach

ist der Imagegewinn sehr groß, wenn man von einem Pink Apple über die Street

Parade, das freestyle.ch oder das Zurich Film Festival auf eine Landkarte setzen

kann.“ (ders.) André Odermatt beobachtet einen Druck auf attraktive Zentrumslagen:

„Warum findet ein Großanlass nicht auch in Oerlikon draußen statt? ... Viele wollen

zum Event auch die Postkarte dazu. Also das geile ‚Bildchen’ mit dem freestyle, mit

dem See und dem Schnee und der Schanze.“ Das schwul-lesbische Festival profitiert

hier von attraktiven Kinosälen in Zentrumslage, es bietet jedoch auch „eine der Plattformen,

um zu zeigen, dass man weltoffen ist“ (NO, Besucherin). Die Stadt Zürich

positioniert sich durch das Pink Apple als weltoffene Stadt: „Ich glaube, für die Stadt

Zürich ist es sehr wichtig, dass sie Vielfalt ausdrückt. ... Und es ist die Geschichte

von Schwulen und Lesben in der Schweiz und in Zürich, das ist eng verbunden

und dieses Festival ist auch ein Ausdruck davon.“ (Odermatt)

Kommerzialisierung: „Wir sind uns gewohnt, dass wir

von Logos umgeben sind, wenn wir irgendwo hinkommen.“

Feste und Feiern unterliegen heutzutage immer mehr dem Prinzip der

Gewinnmaximierung (Gebhardt 2000: 26). Nach Meinung der Festivalleitung waren

noch nie so viele Sponsoren am Pink Apple vertreten wie 2014: „Es ist uns

auch aufgefallen, wir wissen, es muss Grenzen haben.“ (UT, Festivalleitung) Die

Sponsoren ermöglichen, das Filmfestival in der von ihnen gewünschten Dimension

über die Bühne zu bringen: „Es waren viele Give-aways, aber es sind eigentlich alles

Dinge, die die Leute gerne nehmen. Es sind auch Firmen, bei denen wir finden,


Zwischen Kultur und Kommerz

– Wie kann eine vielfältige und

attraktive Eventkultur von der

Stadt gefördert werden?

Daniel Späti

Nicht nur in Bezug auf Regulierung,

sondern auch in Bezug auf Förderung

stellt sich die Frage, was ein quantitativ

angemessenes und qualitativ angestrebtes

Eventangebot ist. Sind wir

im Begriff, den Zenit des Liberalismus

zu überschreiten, und ist das Angebot

bereits größer als die Nachfrage oder

dessen Akzeptanz bei der Stadtbevölkerung?

Auf jeden Fall ist man sich seitens

der Behörden des Problems bewusst, das

Thema wird regelmäßig in den Medien

verhandelt oder zusammengefasst: Alle

Seiten machen sich Gedanken zu einer

zukunftsweisenden Handhabung im

Umgang mit Fragen der Eventkultur.


380

381

Einige der lokalen Protagonisten

stellen eine gewisse Stagnation in der Eventlandschaft

der Stadt Zürich fest. Der beschränkte Platz wird durch

die bestehenden Events besetzt, welche zudem die Tendenz

haben zu wachsen. Es ist folglich wenig Veränderung

möglich, da es eine unausgesprochene „Bestandsgarantie“

für bestehende Veranstaltungen gibt. David

Weber, Wirstschaftsförderung Stadt Zürich, meint dazu:

Mehrmals wurden von den Interviewpartnern

Anregungen zu einem möglichen Rotationsprinzip

ins Spiel gebracht, welches eine gewisse

Erneuerung zulassen würde.

Braucht eine Stadt eine

Eventstrategie?

Die oben und in den vorherigen

Kapiteln beschriebenen Entwicklungen und deren Zusammenhänge

mit Stadtentwicklung und Lebensqualität

deuten darauf hin, dass die Stadt Zürich (wie auch

andere Städte) sich gezielt Gedanken zu Strategien im

Umgang mit Events machen muss. Die Diskussion sollte

dabei dahingehend geführt werden, welche Kriterien

für eine qualitätsvolle Entwicklung des Eventsektors

im Sinne der Stadt, ihrer Verwaltung, ihrer Bewohner

und Besucher sowie des betroffenen Kultur- und Wirtschaftssegments

gelten und wie diese umgesetzt oder

wirksam gemacht werden können.

Die Frage ist, welche und wie viele

Leitplanken (im Sinne von Förderung und Regulierung)

nötig sind, um eine attraktive und vielfältige Eventkultur

zu erhalten und die Interessen der betroffenen Gruppen

gebührend zu berücksichtigen, jedoch auch Grenzwerte

zu setzen und nötige Toleranzen zu definieren. Dabei

ist nicht primär davon auszugehen, dass eine starke

Regulierung auch zu mehr Qualität führen wird. Zudem

müssen auch durchaus einschneidende und unpopuläre

Maßnahmen geprüft werden, sei dies beispielsweise

zum Thema Lärm, wie sie Darko Soolfrank, Mitbegründer

der Maag Halle, vorschlägt: „Man müsste Zonen

definieren, in denen man etwas lauter sein darf und wo

man weiß, dass es dort auch um 22 Uhr noch etwas

lauter ist.“ (Interview Darko Soolfrank, 19. August 2015)

Noch weiter geht Plinio Bachmann

von der Kulturabteilung der Stadt Zürich, wenn

er über Maßnahmen nachdenkt, wie man einerseits

den Erhalt von wichtigen Traditionen sichert, andererseits

aber auch Raum für Neues schaffen kann:

„Die Veranstaltungslandschaft

ist historisch

gewachsen und längst

nicht alle bestehenden

Veranstaltungen entsprechen

der heutigen strategischen

Positionierung der

Stadt Zürich als Lebens-,

Kultur-, Wissenschaftsund

Wirtschaftsstadt. Verschiedene

wiederkehrende

Großveranstaltungen

sind jedes Jahr genau das

Gleiche. Folge davon ist,

dass für die Stadt aus einer

Gesamtoptik weniger

interessante Veranstaltungen

knappe Kapazitäten

belegen, welche interessanteren

Veranstaltungen

dann fehlen. Besonders

betroffen sind dabei neue

Veranstaltungen. Für

die Stadt besteht so die

Gefahr, dass neue und

innovative Veranstaltungen

nicht durchgeführt werden

können.“ (Interview David

Weber, 6. Juli 2015)


8 Ausblick – Event 3.0: Regulierung und Konfliktfelder

Werbung und die Musik in Clubs bis hin zum Styling und Tanzen der

Partygänger; viele Menschen betätigen sich für und in der Nacht kreativ;

und das ist ein nicht zu unterschätzend grosser Teil der Kulturkonsumenten

und -produzenten.

8. Entrückung ist gesellschaftsrelevant

Im Dunkel der Nacht fällt es vielen leicht, sich geistig zu regenerieren;

ob in Träumen oder beim Abgehen. Je grösser die Erwartung gegenüber

jedem Einzelnen ist, umso öfter wollen sich die Menschen

vorübergehend geistig ausklinken. Der Leistungsdruck ist bekanntlich

gerade in Zürich enorm hoch #Produktivität #Lebenshaltungskosten

9. Lebensraum für Nachtmenschen

Es gibt Menschen, die lieber nachts leben. Es steht Zürich gut an,

wenn es diesen Menschen eine grösstmögliche Entfaltung ermöglicht;

wenigstens genau dieselbe, wie die Mehrheit, die ihren Alltag

tagsüber bestreitet.

10. Party ist die Zukunft

Im Gegensatz zu den (zum Teil fürstlich subventionierten) Kulturangeboten

in der Stadt Zürich ist der Kern einer Party genau das, was das World

Wide Web ausmacht: Interaktion. Niemand erwartet von dir, dass du

in einem Theater oder Museum mitmachst; ohne Interaktion entsteht

jedoch keine Party. Das ist wohl mit ein wichtiger Grund, weshalb die

jungen Menschen Partys lieben: Sie können hier eine Rolle spielen.“

Politische Initiativen: Pro Nachtleben Zürich, Sechseläutenplatz

Zu guter Letzt gab es verschiedentlich politische Initiativen, welche sich

mit Regulierungs- und Förderungsanliegen im Bereich Event und Nachtleben bemerkbar

machten. So zum Beispiel ein bemerkenswerter Zusammenschluss beinahe aller

politischen Jungparteien zu „Pro Nachtleben Zürich“ (www.pro-nachtleben-züri.ch)

oder die weiter oben bereits erwähnte Initiative „Freier Sechseläutenplatz“ (www.

freier-sechselaeutenplatz.ch), welche verlangt, dass der Platz während 300 Tagen

(event-)frei bleiben soll.

Wie könnte eine zukunftsweisende Eventstrategie aussehen?

Im Folgenden werden verschiedene Punkte und Aspekte ausgewiesen,

welche in den Experteninterviews im Zusammenhang mit den Themen Förderung,

offensichtliche Mankos oder spezifische Wünsche zur Sprache gebracht wurden und

in einer weiteren Diskussion beachtet werden müssten:

Groß-Events vs. Dynamik & Dezentralisierung

Wie beschrieben, setzt die Stadt mit ihrer bisherigen Eventstrategie primär

auf Top-Events mit Außenwirkung (dabei soll nicht in Abrede gestellt werden,

dass große und traditionelle Events durchaus einen wichtigen Beitrag zur Identitätsstiftung

einer Stadt leisten). Gleichzeitig sind Nischen, kleinere und nicht-kommerzielle

Formate, oft von Förderungsmöglichkeiten ausgeschlossen (weil nicht wichtig,

also nicht groß genug). Die Stadt muss auf eine gewisse Balance achten, damit

nicht die immer gleichen Groß-Events immer mehr Platz einnehmen. Wiederum gilt

dazu aber auch, dass eine gewisse Lebendigkeit nicht zwingend „vorprogrammiert“

werden kann, worauf insbesondere Martin Sturzenegger, Direktor Zürich Tourismus,


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hinweist: „Wenn wir als Oberkommerzialisten versuchen würden, irgendwie Biotope

zu schaffen für die Alternativ-Kultur, da wären wir wahrscheinlich die denkbar

Falschen dafür.“ (Interview Martin Sturzenegger, 4. Mai 2015) Die Nischen müssten

sich folglich auch aus einem Bedürfnis heraus selbst schaffen und ihren Platz

suchen/nehmen. Mögliche Szenarien sind einerseits ein gewisses Rotationsprinzip,

also Überlegungen, welche die Bestandsgarantie einer Großveranstaltung nicht für

„immer und ewig“ als gegegeben annimmt, sondern alle paar Jahre eine Neubewertung

vorsieht und dabei andererseits auch dezentralere Standorte für gewisse

Events in Betracht gezogen werden.

Raumbedarf/Infrastruktur

Der Raumbedarf wird sowohl von der Eventindustrie als auch von der

Subkultur als Problem gesehen. So weist Carole Ramuz, Präsidentin des Live Communication-Verbands

Schweiz, darauf hin: „... wir haben in Zürich zu wenige Locations.

Hotels hat man jetzt ein bisschen nachgebaut. Aber es fehlt zum Teil einfach an

Infrastruktur. Und die Freiheit, irgendetwas im öffentlichen Raum zu machen, ist in

Zürich gar nicht möglich. Man kann nicht einfach am Bellevue einen Anlass machen,

es ist alles so streng reguliert.“ (Interview Carole Ramuz) Seitens Wirtschaftsförderung

wiederum wird vor allem die fehlende Kongress-Infrastruktur bemängelt, was

zu einer zu einseitigen Unterhaltungs-, Kultur- und Sport-Veranstaltungskultur führen

würde. Ähnliche Bedenken, wenn auch die räumlichen Bedürfnisse hier anders

gelagert sind, äußern Exponenten der Clubkultur (Chenaux/Schärer/Brugnoni 2013),

die besonders den wirtschaftlichen Druck in der Stadt Zürich dafür verantwortlich

machen, dass es schwierig sei, günstig und geeignete Räume zu finden, vor allem

in Sachen Erreichbarkeit und Lärm.

Zwischennutzungen

Ein (nach wie vor) wichtiges Mittel für eine lebendige und dynamische

Veranstaltungskultur scheinen Zwischennutzungen zu sein. Zürich ist hier der klare

Spitzenreiter in der Schweiz mit 417 Zwischennutzungen in den Jahren 2015/16

(www.tagesanzeiger.ch 2017). In diesem Bereich entstanden in den letzten Jahren

auch zunehmend professionelle Strukturen, also Organisationen, die sich darauf

spezialisieren, Zwischennutzungen (für unterschiedliche Zwecke) zu suchen und

zu bewirtschaften (zum Beispiel Agentur Kombo, spezialisiert auf „kulturelle Zwischennutzungen“).

Diese fallen aber bei den Förderinstitutionen zwischen Stuhl

und Bank, da es eine Form von Unterstützung für diese so noch nicht gibt, wie Jan

Flachsmann, Kulturveranstalter und Gründer von Kombo, feststellt. „Da sich unsere

Formen von niederschwelligen kulturellen Zwischennutzungen kaum rentieren,

wäre es für uns sehr wünschenswert, wenn wir in unserer Arbeit als ‚Bewirtschafter

günstiger Kultur- & Kreativ-Räume‘ finanzielle Unterstützung erhalten könnten.“ (Interview

Jan Flachsmann) Es gibt aber auch kritische Stimmen zum Thema Zwischennutzungen,

welche die Frage aufbringen, ob die Schaffung symbolischen Kapitals

durch Zwischennutzungen dem Besitzer schlussendlich umso mehr in die Hände

spielt, indem das Image einer Firma oder die Preise für die Liegenschaft dadurch

im weiteren Verlauf steigen (Evtixia Bibassis, Facebook, 20.5.2017). Jan Flachsmann

ist überzeugt, dass der Bereich Zwischennutzungen weiter boomen und bald im

Mainstream aufgehen wird, also auch hier ein Professionalisierungs- und Optimierungsprozess

stattfinden wird.


Liste der Interviews mit Expertinnen und Experten

Markus Assfalg, Leiter Standortförderung Kanton Zürich, Interview am 8. Juli 2015

Plinio Bachmann, Leiter Theaterförderung, Abteilung Kultur, Präsidial departement

Stadt Zürich. Interview am 15. Mai 2015

Jan Flachsmann, Kultur-/Eventmanagement & Produktionsleitung, Mit inhaber

Kombo – Kulturelle Zwischennutzungen, Interview am 17. August 2017

Alexandra Heeb, Delegierte Quartiersicherheit im Sicherheitsdepartement, Stadt

Zürich, Interview am 18. Mai 2015

Jean-Pierre Hoby, Präsident Verein Züri-Event; Direktor Kultur der Stadt Zürich von

1983 bis 2010, Interview am 19. August 2015

Lukas Meier, Inhaber Aroma, Interview am 16. September 2015

Katharina Prelicz-Huber, Präsidentin VPOD, Interview am 30. Juni 2016

Carole Ramuz, Präsidentin des Verbandes Expo-Event (2014–2017) und Partnerin der

Kreativagentur Brandsoul AG in Zürich, Interview am 13. Juli 2015

Tom Rist, Klub Helsinki, Interview am 13. Juli 2015

Hans-Jürg Rufener, Founder & Member of the Board of Directors RUFENER EVENTS,

Interview am 24. September 2015

Guido Rumi, Senior Consultat Innovation and Creativity bei der Eventagentur

Standing Ovation in Zürich, Interview am 15. Juli 2015

Anna Schindler, Direktorin Stadtentwicklung, Präsidialdepartement Stadt Zürich,

Interview am 19. Mai 2015

Darko Soolfrank, Maag Music & Arts AG, Development, Delegate of the Board, Interview

am 19. August 2015

Martin Sturzenegger, Direktor Zürich Tourismus, Interview am 4. Mai 2015

Styro2000, DJ und Veranstalter, Interview am 2. September 2015

David Weber, Projektleiter Wirtschaftsförderung, Stadt Zürich, Interview am 16. Juli

2015

Claudia Winkler, Chefin Büro für Veranstaltungen, Stadtpolizei Zürich, Interview am

4. November 2014

Richard Wolff, Stadtrat von Zürich, Vorsteher Sicherheitsdepartement, Interview am

29. Mai 2015

Expertinnen und Experten, die im Rahmen von Studierendenarbeiten

befragt wurden

Alexandra Elser, Leiterin Fundraising/Events Laureus Stiftung Schweiz, Interview am

19. September 2016

Christian Friker, Mitinhaber des Velobüros und Mitglied der Geschäftsleitung des

slowUp, Interview am 14. Juli 2014 Mitinhaber des Velobüros und Mitglied

der Geschäftsleitung des slowUp, Interview am 14. Juli 2014

Gianni Gozzi, Geschäftsführer des Big Ben Westside, Interview am 5. Juni 2015


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Simon Haldemann, Mitglied der Geschäftsleitung bei Appalooza, Interview am

2. Dezember 2014

Bruno Lafranchi, Präsident des Organisationskomitees des Zürich Marathons, Interview

am 10. April 2015

Luca Laurent, Standbetreiber Panda Buns, Interview am 29. Mai 2015

Neil Morgan, Projektleiter Freestyle, Interview am 17. Juni 2015

André Odermatt, Stadtrat Zürich, Vorsteher Hochbaudepartement, Interview am

2. Oktober 2015

Christoph Gysi, Betreiber Restaurant Les Halles / Präsident Vereinigung Kulturmeile,

Interview am 19. November 2017

Mischa, Kommunikationsexperte Street Food Festival, Interview am 29. Mai 2015

Thomas Wirth, Filialleiter Heilsarmee Brockenhaus Hardbrücke, Interview am 21. November

2014

Alex Zwalen, selbständiger Kunstmaler, Interview am 13. Dezember 2014

Zoe, Food-Bloggerin, Interview am 1. Juni 2015


Verzeichnis der Autorinnen und Autoren

Liv Christensen hat 2011 ihr Studium der Kulturanalyse und Populären

Kulturen an der Universität Zürich abgeschlossen. Gegenstand ihrer Masterarbeit

waren die zeitspezifischen Nutzungsmuster im Zürcher Hauptbahnhof. Nach vier

Jahren Tätigkeit bei der Stadtentwicklung Zürich arbeitete sie von 2014 bis 2016 als

wissenschaftliche Mitarbeiterin im SNF-Projekt „Eventkultur und Stadtentwicklung“.

Martial Jossi ist Wissenschaftlicher Mitarbeiter in Forschung und Lehre

am Institut für Vielfalt und Gesellschaftliche Teilhabe an der ZHAW Soziale Arbeit.

Seine Themenschwerpunkte liegen in den Bereichen Soziokulturelle Animation,

Stadtentwicklung und Gemeinwesenarbeit sowie Theorien und Methoden der Sozialen

Arbeit und der offenen Jugendarbeit. Nach langjähriger Tätigkeit in der Baubranche

absolvierte er auf dem zweiten Bildungsweg das Bachelorstudium in Sozialer

Arbeit. Währenddessen arbeitete er als Jugendarbeiter in der Offenen Jugendarbeit

Zürich OJA. Von 2014 bis 2017 arbeitete er als wissenschaftlicher Assistent an der

ZHAW Soziale Arbeit. 2017 hat er das Master-Studium ZFH in Sozialer Arbeit abgeschlossen.

Die Masterarbeit setzte sich mit dem Einfluss gesellschaftlicher Transformationsprozesse

auf die Soziale Arbeit auseinander.

Philipp Klaus ist Wirtschafts- und Sozialgeograf im INURA Zürich Institut.

Sein Arbeitsschwerpunkt ist die Stadtforschung, unter anderem zu kulturellen Entwicklungen

in den Städten, Gentrification (unter anderem in Belgrad), Zwischennutzungen

(zone*imaginaire), Planungsprozessen (Immodorado Zürich West). Ab 2014

war Philipp Klaus an der Forschung zu „Eventkultur und Stadtentwicklung“ und

ebenfalls am EU Projekt „MAZI, DIY-Networking for Communities“ beteiligt. Seit

1999 ist er Sekretär des International Network for Urban Research and Action (IN-

URA), seit 2010 Lehrbeauftragter an der ETH Zürich.

Francis Müller ist Dozent für Ethnografie und Kulturanthropologie im Departement

Design an der Zürcher Hochschule der Künste. Er hat Lehraufträge an den

Universitäten St. Gallen (HSG), Liechtenstein und Iberoamericana in Mexiko-Stadt.

Müller ist Vorstandsmitglied von Swissfuture und Mitglied des Editorial Boards des

Journals DIS in Mexiko. Er war Senior Researcher des Projekts „Eventkultur und

Stadtentwicklung“ und Redaktionsleiter der Buchpublikation.

Gabriela Muri war von 2016 bis 2018 Professorin am Institut für Vielfalt

und gesellschaftliche Teilhabe am Departement Soziale Arbeit der ZHAW sowie Privatdozentin

am Institut für Sozialanthropologie und Empirische Kulturwissenschaft

der Universität Zürich. Sie befasst sich seit über zwanzig Jahren in Forschung und

Lehre mit raum- und zeittheoretischen sowie alltagskulturellen Fragestellungen. Als

Leiterin des SNF-Projektes „Eventkulturen und Stadtentwicklung“ legte sie zudem

den Fokus auf ästhetische Ausprägungen und dramaturgische Elemente urbaner

Eventkulturen sowie Aushandlungs- und Exklusionsprozesse in Stadträumen.


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Martina Schilliger ist Soziologin und arbeitete von 2014 bis 2017 als wissenschaftliche

Mitarbeiterin am Institut für Vielfalt und gesellschaftliche Teilhabe der

ZHAW Soziale Arbeit. Ihre Themenschwerpunkte liegen in den Bereichen Soziokulturelle

Animation, Stadtentwicklung und Gemeinwesenarbeit.

Daniel Späti ist Designer, Kulturveranstalter und Dozent an der Zürcher

Hochschule der Künste (ZHdK). Für die ZHdK entwickelt und leitet er den Aufbau

einer transkulturellen und transdisziplinären Kooperationsplattform zwischen Ostasien

und Europa im Verbund mit internationalen Partnerhochschulen. Daniel Späti war

Co-Leiter des Projekts „Eventkultur und Stadtentwicklung“.

Co-Autorinnen und Autoren – Studierende am Institut für Sozialanthropologie

und Empirische Kulturwissenschaft: Forschungsseminare Master FS14/Bachelor

HS14/FS15/Masterarbeiten: Nina Bühlmann, Johanna Bregenzer, Sereina Elmer,

Ursina Fischer, Carmen Ferri, Daniela Funk, Laila Gutknecht, Luzius Hartmann, Laura

D’Incau, Eliane Leong, Milena Lussi, Lidija Matosevic, Muriel Odermatt, Césile Rasi,

Rowena Raths, Nora Schmid, Mirja Spano, Sandro Wehrle

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