JB_03_05_2019

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Aufbrüche im Leben

Martina Merk

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Wir alle werden im Leben früher oder später mit kleinen oder großen Aufbrüchen konfrontiert.

Schon bei der Geburt brechen wir auf in unser Leben.

Aber was bedeutet „Aufbruch“ überhaupt? Beim Nachdenken über den tieferen Sinn

dieses Wortes gehen mir die unterschiedlichsten, verwandten Begriffe durch den Kopf:

aufbrechen zu neuen Ufern, wirtschaftlicher und politischer Umbruch, das Eis ist gebrochen,

geistlicher Aufbruch, aufgebrochener Asphalt, usw.. Die Liste ließe sich beliebig

lange fortsetzen. Doch eines wird deutlich: All diese Worte und Sätze sind verbunden

sowohl mit positiven als auch mit negativen Gefühlen und Erfahrungen!

Aufbruch bedeutet Veränderung, Neustart, aber auch Verlust von Vertrautem und Angst

vor Unbekanntem. Er kann etwas Endgültiges, ja manchmal sogar etwas Rebellisches an

sich haben. Wir verbinden damit Abschied, Ausbruch aus alten Krusten und festgefahrenen

Wegen sowie Erneuerung und Neuanfang. Für jeden von uns hat dieses Wort seine

ganz eigene Bedeutung. Wir alle brauchen dafür Mut und Vertrauen -in uns, in unsere

Nächsten und nicht zuletzt in Gott. Und wir brauchen die Hoffnung, die richtigen Entscheidungen

getroffen, die richtige Weggabelung genommen zu haben, um nicht in die

Irre zu gehen, oder sogar den Boden unter den Füßen zu verlieren. Jeder Aufbruch stellt

uns vor neue Herausforderungen und vor die Frage: „Was trägt mich durch? Was gibt

mir die Kraft, durchzuhalten?“

Für mich persönlich ist das Motto dieses Johannesboten so aktuell wie selten zuvor.

Schon im letzten Jahr war ich mit dem Auszug unserer Tochter zum Studium nach München

konfrontiert. Ein Neuanfang für sie, voller Energie und Tatendrang, ein Teilabschied

für mich. Loslassen, verbunden mit Trauer über das Ende eines Lebensabschnittes, aber

auch mit Spannung und Vorfreude auf das Kommende.

Im Herbst erfuhren wir von der bevorstehenden Hochzeit unseres Neffen im nächsten

Sommer. Für ihn wird es ein großer Aufbruch in ein völlig neues Leben in Kanada! Aber

eben auch ein Abschied von Freunden und Verwandten, von vertrauten Strukturen. Und

wir werden uns auf die spannende Reise nach Kanada machen. Für mich ein kleiner Aufbruch

in unbekanntes Terrain, aber voll großer Vorfreude.

Ende letzten Jahres schließlich kam meine Schwiegermutter ins Krankenhaus. Die Strapazen

einer dreijährigen Chemotherapie- und Bestrahlungstortur forderten nun ihren

Tribut. Anfangs ein Wechselbad der Gefühle: Wird sie an Weihnachten nach Hause kommen

oder feiern wir mit ihr im Krankenhaus? Dann die bittere Erkenntnis, dass es ein

Abschiednehmen für uns alle werden wird. Auch der Tod ist ein Aufbruch. Gerade hier

wurde mir wieder klar, wie sehr ich die tragende Kraft Gottes nötig habe! Und die Hoff-

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