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B.A.U.M.-Jahrbuch 2011: Ressourcenmanagement

Das neue Jahrbuch des Bundesdeutschen Arbeitskreises für umweltbewusstes Management (B.A.U.M.) e.V. erschien am 18. April 2011 erstmals im Münchener ALTOP Verlag und widmet sich der brennenden Frage wie unsere Wirtschaft mit der Problematik schwindender Ressourcen umgehen kann. Hochkarätige Beiträge beleuchten auf 272 Seiten das Thema Ressourcenmanagement aus Sicht der Politik, der Umwelt und der Wirtschaft. Bundeswirtschaftsminister Rainer Brüderle fordert eine nachhaltige Rohstoffpolitik als unverzichtbaren Bestandteil einer vorausschauenden Wirtschaftspolitik. Jochen Flasbarth, Präsident des deutschen Umweltbundesamts, zeigt die Perspektiven einer erfolgreichen Ressourcenpolitik aus der Sicht des Umweltschutzes und der gesellschaftlichen Verantwortung für künftige Generationen. Unternehmen zeigen wie sie der Herausforderung einer schwindenden Rohstoffverfügbarkeit durch neue Verfahren, Produkte und Technologien entgegentreten. Die ökologischen Aspekte des Ressourcenmanagements werden vertieft durch Bundesumweltminister Norbert Röttgen, Fritz Brickwedde, Generalsekretär der Deutschen Bundesstiftung Umwelt sowie Prof. Dr. Michael Braungart, den Begründer des Cradle to Cradle®-Konzepts. Zur sozialen Dimension äußert sich Entwicklungsminister Dirk Niebel in seinem Beitrag zur Ressourcengerechtigkeit. Weitere spannende Artikel geben Einblicke in Themen wie Urban Mining, Human Resources und innovative Produktion. Der Abenteurer und engagierte Menschenrechtskämpfer Rüdiger Nehberg schildert eindringlich seine Hautnah-Erlebnisse mit Ressourcenkonflikten im brasilianischen Dschungel. Darüber hinaus bietet das Jahrbuch einen umfassenden, informativen Überblick über die Aktivitäten des Verbandes und zahlreiche Portraits nachhaltiger und umweltorientierter Firmen. Zusammen mit dem Gesamtverzeichnis aller B.A.U.M.-Mitglieder bietet das Buch einen einzigartigen Überblick des Umweltengagements der deutschen Wirtschaft. Ergänzt mit wertvollen Serviceadressen ist das Jahrbuch eine Pflichtlektüre insbesondere für Politiker, Medienvertreter, Verbandsfunktionäre und Unternehmer. Es erscheint zweisprachig auf Deutsch und Englisch.

Das neue Jahrbuch des Bundesdeutschen Arbeitskreises für umweltbewusstes Management (B.A.U.M.) e.V. erschien am 18. April 2011 erstmals im Münchener ALTOP Verlag und widmet sich der brennenden Frage wie unsere Wirtschaft mit der Problematik schwindender Ressourcen umgehen kann. Hochkarätige Beiträge beleuchten auf 272 Seiten das Thema Ressourcenmanagement aus Sicht der Politik, der Umwelt und der Wirtschaft.

Bundeswirtschaftsminister Rainer Brüderle fordert eine nachhaltige Rohstoffpolitik als unverzichtbaren Bestandteil einer vorausschauenden Wirtschaftspolitik. Jochen Flasbarth, Präsident des deutschen Umweltbundesamts, zeigt die Perspektiven einer erfolgreichen Ressourcenpolitik aus der Sicht des Umweltschutzes und der gesellschaftlichen Verantwortung für künftige Generationen. Unternehmen zeigen wie sie der Herausforderung einer schwindenden Rohstoffverfügbarkeit durch neue Verfahren, Produkte und Technologien entgegentreten.
Die ökologischen Aspekte des Ressourcenmanagements werden vertieft durch Bundesumweltminister Norbert Röttgen, Fritz Brickwedde, Generalsekretär der Deutschen Bundesstiftung Umwelt sowie Prof. Dr. Michael Braungart, den Begründer des Cradle to Cradle®-Konzepts.

Zur sozialen Dimension äußert sich Entwicklungsminister Dirk Niebel in seinem Beitrag zur Ressourcengerechtigkeit. Weitere spannende Artikel geben Einblicke in Themen wie Urban Mining, Human Resources und innovative Produktion. Der Abenteurer und engagierte Menschenrechtskämpfer Rüdiger Nehberg schildert eindringlich seine Hautnah-Erlebnisse mit Ressourcenkonflikten im brasilianischen Dschungel.

Darüber hinaus bietet das Jahrbuch einen umfassenden, informativen Überblick über die Aktivitäten des Verbandes und zahlreiche Portraits nachhaltiger und umweltorientierter Firmen. Zusammen mit dem Gesamtverzeichnis aller B.A.U.M.-Mitglieder bietet das Buch einen einzigartigen Überblick des Umweltengagements der deutschen Wirtschaft.

Ergänzt mit wertvollen Serviceadressen ist das Jahrbuch eine Pflichtlektüre insbesondere für Politiker, Medienvertreter, Verbandsfunktionäre und Unternehmer. Es erscheint zweisprachig auf Deutsch und Englisch.

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<strong>Ressourcenmanagement</strong><br />

Resource Management<br />

B.A.U.M. e.V.<br />

<strong>Jahrbuch</strong><br />

<strong>2011</strong>


B.A.U.M. YeArBook <strong>2011</strong><br />

B.A.U.M. e.V.<br />

<strong>Jahrbuch</strong><br />

<strong>2011</strong><br />

<strong>Ressourcenmanagement</strong><br />

Resource Management<br />

1


B.A.U.M. <strong>Jahrbuch</strong> <strong>2011</strong><br />

Inhalt<br />

Table of contents<br />

Vorwort Foreword<br />

Dr. Norbert Röttgen, Bundesminister für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit ..................... 4<br />

Dr. Norbert Röttgen, Federal Minister of Environment, Nature Conservation and Nuclear Safety<br />

Rainer Brüderle, Bundesminister für Wirtschaft und Technologie ..................................................... 6<br />

Rainer Brüderle, Federal Minister of Economics and Technology<br />

Fritz Lietsch, Geschäftsführer ALTOP Verlags- und Vertriebsgesellschaft ........................................... 8<br />

Fritz Lietsch, Managing Director ALTOP Verlags- und Vertriebsgesellschaft<br />

<strong>Ressourcenmanagement</strong> Resource Management .................................................... 9<br />

Editorial Prof. Dr. Maximilian Gege, Martin Oldeland und Dieter Brübach, B.A.U.M. e.V. ............... 10<br />

Editorial Prof. Dr. Maximilian Gege, Martin Oldeland and Dieter Brübach, B.A.U.M. e.V.<br />

Energie rationell verwenden, Dr. Fritz Brickwedde, DBU ................................................................ 14<br />

Using Energy Efficiently, Dr. Fritz Brickwedde, DBU<br />

Cradle to Cradle ® – Ein Leben ohne Abfall, Prof. Dr. Michael Braungart, EPEA .............................. 16<br />

Cradle to Cradle ® – A Life without Waste, Prof. Dr. Michael Braungart, EPEA<br />

Rohstoffrückgewinnung aus Abfallmaterialien, Dr. Thomas U. Probst, bvse ................................... 19<br />

Recovering Raw Materials from Waste, Dr. Thomas U. Probst, bvse<br />

Nachwachsende Rohstoffe, Nicole Paul, FNR ................................................................................. 23<br />

Renewable Raw Materials, Nicole Paul, FNR<br />

Weltkulturerbe Yanomami!, Rüdiger Nehberg, TARGET e.V. .......................................................... 26<br />

Yanomami World Heritage!, Rüdiger Nehberg, TARGET e.V.<br />

Das Bauwerk als Bergwerk, Rainer Lucas, Wuppertal Institut für Klima, Umwelt und Energie ........ 28<br />

The Building as Mine, Rainer Lucas, Wuppertal Institut für Klima, Umwelt und Energie<br />

Energie- und Ressourceneffizienz, Prof. Dr. Maximilian Gege, B.A.U.M. e.V. .................................. 32<br />

Energy and Resource Efficiency, Prof. Dr. Maximilian Gege, B.A.U.M. e.V.<br />

„Wilde Buche“, Forest Finance Wild Beech, Forest Finance ........................................................... 36<br />

Elektroschrott, Dr. Rebecca Prelle, Berliner Stadtreinigung ............................................................. 38<br />

Electronic Waste, Dr. Rebecca Prelle, Berliner Stadtreinigung<br />

Umdenken und handeln, Jochen Flasbarth, UBA Rethink and Act, Jochen Flasbarth, UBA ............. 41<br />

Das Jahrhundert der nachhaltigen Entwicklung, Prof. Dr. Rolf Kreibich, IZT ................................... 44<br />

The Sustainable Development Century, Prof. Dr. Rolf Kreibich, IZT<br />

Arbeitsmittel zur Entwicklung ressourceneffizienter Produkte und Prozesse, ...................................49<br />

Werner Maass und Kerstin Noack, VDI-ZRE<br />

Means of Production for Developing Resource Efficient Products and Processes,<br />

Werner Maass und Kerstin Noack, VDI-ZRE<br />

Eine Übersicht zu Förderungen, Informationsquellen und Netzwerken für <strong>Ressourcenmanagement</strong> ..... 52<br />

An Overview of Furtherances, Information Sources and Networks of Resource Manangement<br />

Deutschland engagiert sich für gerechte Ressourcenverteilung, ........................................................ 56<br />

Dirk Niebel, Bundesminister für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung<br />

Germany’s Commitment in Equitable Resource Distribution,<br />

Dirk Niebel, Federal Minister of Economic Cooperation and Development<br />

Nationale Rohstoffstrategie, Heidi Feldt, Beraterin ........................................................................ 58<br />

National Raw Materials Strategy, Heidi Feldt, Consultant<br />

2


B.A.U.M. Yearbook <strong>2011</strong><br />

Für eine gerechte Ressourcenpolitik, Lili Fuhr, Heinrich-Böll-Stiftung .............................................. 62<br />

For a Just Resource Policy, Lili Fuhr, Heinrich-Böll-Stiftung<br />

B.A.U.M.-Portrait B.A.U.M. Portrait .............................................................................. 65<br />

B.A.U.M.-Jahresrückblick 2010 B.A.U.M. Annual Review 2010 ..................................................... 66<br />

B.A.U.M. 2010 im Spiegel der Presse B.A.U.M. 2010 in the Mirror of the Press ............................. 72<br />

In Memoriam Dr. Hermann Scheer ................................................................................................ 74<br />

In Memoriam Prof. Dr. h.c. Hannelore Schmidt ............................................................................. 75<br />

In Memoriam Wilhelm Kanne sen. ................................................................................................ 78<br />

B.A.U.M. denkt Wachstum neu B.A.U.M. Rethinks Growth ........................................................... 80<br />

Unternehmen und gesellschaftliche Verantwortung Companies and Social Responsibility .............. 86<br />

Umwelt- und Klimaschutz für Unternehmenspraktiker .................................................................. 94<br />

Environmental and Climate Protection for Business Practitioners<br />

Energieeffizienz Energy Efficiency ............................................................................................... 100<br />

Die Zukunftsfonds eG The Zukunftsfonds eG .............................................................................. 106<br />

Grünes Bauen Green Building ..................................................................................................... 110<br />

Mobilität beginnt im Kopf Mobility Begins in the Mind ............................................................... 114<br />

Biodiversität – Grundlage allen Lebens Biodiversity – Basis for all Life .......................................... 121<br />

Bildung für nachhaltige Entwicklung Education for Sustainable Development ............................. 128<br />

B.A.U.M.-Gipfelgespräch B.A.U.M.-Summit Meeting .................................................................. 132<br />

Öffentlichkeitsarbeit Public Relations .......................................................................................... 134<br />

Angebote Services ...................................................................................................................... 140<br />

B.A.U.M.-Ehrenkodex B.A.U.M. Ethical Code .............................................................................. 144<br />

Ehrungen und Auszeichnungen Honours and Awards ................................................................. 147<br />

Mitwirkungen und Funktionen Contributions and Functions ....................................................... 148<br />

B.A.U.M.-Gremien B.A.U.M. Boards ........................................................................................... 150<br />

Die B.A.U.M. Group The B.A.U.M. Group ................................................................................... 152<br />

Internationale Partnerschaft – INEM e.V. International Partnership – INEM e.V. ............................ 156<br />

Firmenportraits Company Portraits ............................................................................. 161<br />

Adressen / Service Adresses / Service ........................................................................ 251<br />

Mitgliederverzeichnis List of B.A.U.M. Members .................................................................................... 252<br />

Service-Addressen Directory ........................................................................................................ 268<br />

Adressverzeichnis B.A.U.M. e.V. Address List of B.A.U.M. e.V. ..................................................... 271<br />

Impressum Imprint ...................................................................................................................... 272<br />

3


B.A.U.M. <strong>Jahrbuch</strong> <strong>2011</strong><br />

Dr. Norbert Röttgen<br />

Bundesminister für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit<br />

Das Wachstum der Vergangenheit beruhte seit der Industrialisierung<br />

auf dem Verbrauch von Energie, von natürlichen und<br />

endlichen Ressourcen. Je mehr verbraucht wurde, umso mehr<br />

Wohlstand gab es. Das war die einfache Logik. Seit mehr als<br />

zwanzig Jahren steht allerdings fest, dass wir mehr verbrauchen,<br />

als der Planet regenerieren kann. Heute haben wir schon eine<br />

Weltbevölkerung von 7 Milliarden Menschen, bis 2050 werden<br />

es 9 Milliarden sein – Menschen, die alle den Anspruch auf<br />

Wohlstand, Bildung und Gesundheit wie in den hochentwickelten<br />

Gesellschaften haben. Eine Fortsetzung des business-as-usual, also<br />

eine hauptsächlich auf immer stärkerem Ressourcenverbrauch<br />

basierende Entwicklung, würde uns in die Sackgasse führen,<br />

in eine Welt großer Konflikte und Kriege um immer knappere<br />

Ressourcen. Die große Chance liegt darin, von einer Ressourcen<br />

verbrauchenden zu einer Ressourcen schonenden Wirtschafts- und Lebensweise zu gelangen. Hieran<br />

entscheidet sich unsere Verantwortung gegenüber der Zukunft.<br />

Darum ist Ressourceneffizienz heute so wichtig. Nur wenn wir unsere Ressourcen viel besser und<br />

effizienter nutzen, haben wir weniger Schadstoffe in der Luft, sind unsere Gewässer sauberer, unsere<br />

Wälder gesünder, unsere Böden fruchtbarer, haben wir weniger Treibhausgasemissionen, können<br />

wir eine intakte Natur erhalten, kurzum: Ohne Ressourceneffizienz gibt es keinen Umweltschutz, der<br />

diesen Namen verdient. Ressourceneffizienz ist aber nicht nur ein Gebot des Umweltschutzes, es ist<br />

auch ein Gebot der Wirtschaftlichkeit. Der Materialkostenanteil z.B. im verarbeitenden Gewerbe stieg<br />

in Deutschland von etwa 38 Prozent im Jahr 1993 auf fast 45 % 2006. Das sind absolut rund 500<br />

Milliarden Euro pro Jahr. Der Lohnkostenanteil fiel dagegen im gleichen Zeitraum von 27 auf etwa<br />

19 Prozent. Nach Schätzungen liegt das realisierbare Einsparpotenzial für die Wirtschaft bei rund 100<br />

Milliarden Euro! Es lohnt sich also, in ein ökologisches <strong>Ressourcenmanagement</strong> zu investieren.<br />

Deutschland hat als Vorreiter der Kreislaufwirtschaft und als Technologieführer in zahlreichen Umwelttechnologien<br />

das Potential, die ressourceneffizienteste Volkswirtschaft der Welt zu werden. Die<br />

Bundesregierung tut alles dafür, dass es dieses Potential auch verwirklicht. In der Nationalen Nachhaltigkeitsstrategie<br />

haben wir uns bereits das Ziel gesetzt, die Rohstoffproduktivität im Vergleich zu 1994 bis<br />

2020 zu verdoppeln. Um dieses ehrgeizige Ziel zu erreichen, erarbeitet das Bundesumweltministerium<br />

derzeit ein nationales Ressourceneffizienzprogramm.<br />

Ich freue mich, dass der B.A.U.M. mit seinen vielfältigen Aktivitäten einen wichtigen und unverzichtbaren<br />

Beitrag zum Ressourcenschutz leistet. Es ist ein großes Verdienst, dass er im vorliegenden <strong>Jahrbuch</strong> den<br />

Schwerpunkt auf das <strong>Ressourcenmanagement</strong> gelegt hat. Das ist vorbildlich. Die Lektüre, das versichere<br />

ich Ihnen, wird deshalb nicht nur höchst informativ, sondern auch sehr spannend sein.<br />

Es grüßt Sie herzlich<br />

Ihr<br />

Norbert Röttgen<br />

4


B.A.U.M. Yearbook <strong>2011</strong><br />

Dr. Norbert Röttgen<br />

Federal Minister of Environment, Nature Conservation and Nuclear Safety<br />

Since the industrial revolution, past growth has been based on the consumption of energy from<br />

limited natural resources. The more we used, the more we prospered. That was the simple logic. For<br />

more than twenty years now, one thing is certain. We are using more than the planet can regenerate.<br />

Today, we live in a world with more than seven billion people. By the year 2050, that number will<br />

reach nine billion. All of these people have the right to the prosperity, education and health that we<br />

have in our highly developed societies. Continuing with a ‘business-as-usual’ attitude, in other words,<br />

with development mainly based on ever-increasing resource consumption, will lead us to a dead end,<br />

to a world of large conflicts and wars about increasingly scarce resources. A great opportunity lies in<br />

transitioning from a resource consuming to a resource saving lifestyle and economy. Here our responsibility<br />

is to the future.<br />

For this reason, resource efficiency is so important right now. Only if we use our resources much better<br />

and more efficiently, will our air and water be cleaner, our forests healthier, our soil more fertile, our<br />

greenhouse gases lower. Only then can we keep nature intact. In short, without resource efficiency,<br />

there is no environmental protection that deserves to be called by that name. However, resource efficiency<br />

is not only a commandment of environmental protection, it is also a commandment of economic<br />

efficiency. Material costs, for example in the German manufacturing industry, rose from about 38%<br />

in 1993 to almost 45% in 2006. In absolute terms, that amounts to about 500 billion Euros per year.<br />

During the same time period, however, the labour cost ratio fell from 27% to about 19%. According<br />

to estimates, the feasible savings potential for the economy is around 100 billion Euros! Therefore, it<br />

is worth it to invest in ecological resource management.<br />

As a pioneer in recycling management and a technological leader in numerous environmental technologies,<br />

Germany has the potential to be the most resource efficient national economy in the world. The<br />

German government is doing everything it can to realise this potential. In the national sustainability<br />

strategy, we have already made it our objective to double the raw material productivity by 2020 in<br />

comparison to 1994. In order to achieve this ambitious goal, the Bundesumweltministerium (German<br />

Ministry of the Environment) is working on a national resource efficiency programme.<br />

I am pleased that B.A.U.M. is making an important and indispensible contribution to protecting our<br />

resources with its many activities. It is a great achievement to focus the current yearbook on resource<br />

management. This is exemplary. I assure you that the reading will not only be highly informative, but<br />

also very exciting.<br />

With kindest regards,<br />

Yours<br />

Norbert Röttgen<br />

5


B.A.U.M. <strong>Jahrbuch</strong> <strong>2011</strong><br />

Rainer Brüderle<br />

Bundesminister für Wirtschaft und Technologie<br />

Das Interesse an Rohstoffen wächst. Mit Rohstoffen beginnt<br />

die wirtschaftliche Wertschöpfung. Rohstoffe waren, sind und<br />

bleiben die unverzichtbare Grundlage für die industrielle Produktion.<br />

Aufgrund der demographischen und wirtschaftlichen<br />

Entwicklung rechnen Fachleute in den nächsten 30 Jahren mit<br />

einer Verdoppelung des weltweiten Ressourcenbedarfs. Mit der<br />

steigenden Nachfrage werden auch die Rohstoffpreise an den<br />

internationalen Märkten steigen. Für die deutsche Wirtschaft ist<br />

die Sicherung der Rohstoffversorgung ein wichtiger Standortfaktor.<br />

Deutschland ist eine führende Industrienation und ein High-<br />

Tech-Standort. Bei vielen Rohstoffen sind wir fast ausschließlich<br />

von Importen abhängig. Die Versorgungssicherheit spielt deshalb<br />

für die Energie- und Rohstoffpolitik der Bundesregierung neben<br />

Wirtschaftlichkeit und Umweltverträglichkeit eine zentrale Rolle.<br />

Nachhaltige Rohstoffpolitik ist integraler Bestandteil der Wirtschaftspolitik. Deshalb hat das Bundeswirtschaftsministerium<br />

im Oktober 2010 die „Rohstoffstrategie der Bundesregierung“ vorgelegt. Mit<br />

der Strategie liegt erstmals ein umfassender politischer, rechtlicher und institutioneller Rahmen für die<br />

Rohstoffversorgung der Zukunft vor. Die Strategie trägt zu einer nachhaltigen, international wettbewerbsfähigen<br />

Rohstoffversorgung der deutschen Industrie bei.<br />

Wichtige Kernziele sind:<br />

• Der Abbau von Handelshemmnissen und Wettbewerbsverzerrungen,<br />

• Die Unterstützung der Wirtschaft bei der Erschließung von Synergien durch nachhaltiges<br />

Wirtschaften und gesteigerte Materialeffizienz,<br />

• Eröffnung neuer Optionen durch Substitutions- und Materialforschung,<br />

• Fokussierung rohstoffbezogener Forschungsprogramme,<br />

• und der Aufbau bilateraler Rohstoffpartnerschaften mit ausgewählten Ländern.<br />

Die Bundesregierung verfolgt mit dieser Rohstoffstrategie einen ganzheitlichen rohstoffpolitischen<br />

Ansatz. Die Bundesregierung wird ökonomische, ökologische und soziale Belange einer nachhaltigen<br />

Rohstoffwirtschaft gleichrangig berücksichtigen. Alle nationalen und internationalen politischen Ebenen<br />

im Bereich der Rohstoffpolitik sollen eng verzahnt werden. Nun gilt es, die Rohstoffstrategie umzusetzen<br />

und mit Leben zu erfüllen. Rohstofffragen werden auch in den kommenden Jahren hoch oben auf der<br />

politischen Agenda bleiben. Entscheidend wird die weitere Entwicklung in aufstrebenden Schwellenländern<br />

wie China und Indien sein. Hier wird mit weiter steigendem Bedarf an Rohstoffen gerechnet.<br />

Deshalb gilt es den Nachhaltigkeitsgedanken sowie rohstoff- und materialeffizientes Wirtschaften weiter<br />

zu stärken Die vielfältigen Aktivitäten von B.A.U.M. werden dazu sicher einen wichtigen Beitrag leisten.<br />

Für das weitere Engagement Ihrer Mitgliedsunternehmen wünsche ich viel Erfolg.<br />

Ihr<br />

Rainer Brüderle<br />

6


B.A.U.M. Yearbook <strong>2011</strong><br />

Rainer Brüderle<br />

Federal Minister of Economics and Technology<br />

The interest in raw materials is growing. Commercial value creation begins with resources. They<br />

were, are and remain the indispensible basis for industrial production. Because of demographic and<br />

economic development, experts are expecting the world’s need for resources to double in the next<br />

30 years. With increasing demand, raw material prices will also increase in international markets. For<br />

the German economy, safeguarding the raw material supply is an important location-based factor.<br />

Germany is a leading industrial nation and a high-tech centre. We are almost completely dependent<br />

on imports for many resources. The security of supply therefore plays a central role in the energy and<br />

raw material policies of the German government, along with economic efficiency and environmental<br />

impact. Sustainable resource policies are an integral part of economic policy. Hence, the Federal Ministry<br />

of Economics and Technology adopted the federal government’s new raw materials strategy in<br />

October 2010. The strategy provides a comprehensive political, legal and institutional framework for<br />

the raw material supply of the future. It contributes to a sustainable, internationally competitive raw<br />

materials supply for German industry.<br />

Important objectives are:<br />

• to cutback trade barriers and inequitable competition,<br />

• to support the economy to leverage synergies with sustainable business and increased material<br />

efficiency,<br />

• to create new options with substitution and material research,<br />

• to focus on raw materials research programmes,<br />

• and to establish bilateral raw materials partnerships with chosen countries.<br />

The German government is taking an integrated approach to raw materials politics with this strategy.<br />

The government considers the economic, ecological and social needs of a sustainable raw materials<br />

economy to be equally important. All national and international political levels of raw materials policy<br />

should be closely integrated. Now it is time to implement the raw materials strategy and fill it with<br />

life. Questions of raw materials will remain high on the political agenda in the coming years. The next<br />

developments in industrialising countries, such as China and India, will be the crucial factor. We are<br />

expecting a persistent increase in demand for raw materials. Thus, we need to continue to strengthen<br />

the idea of sustainability as well as raw materials and material efficient management. B.A.U.M.’s many<br />

varied activities will certainly contribute to doing this. I wish you every success for the continued commitment<br />

of your member companies.<br />

Yours,<br />

Rainer Brüderle<br />

7


B.A.U.M. <strong>Jahrbuch</strong> <strong>2011</strong><br />

Fritz Lietsch<br />

Geschäftsführer ALTOP Verlag – Chefredakteur forum Nachhaltig Wirtschaften<br />

Managing Director, ALTOP Verlag – Editor-in-Chief, forum Nachhaltig Wirtschaften (forum CSR International)<br />

Nachhaltig Wirtschaften<br />

Die Wirtschaft hat es in der Hand. Sie ist in der Lage, zum Motor<br />

einer nachhaltigen Entwicklung zu werden. Wenn energiesparende,<br />

umweltfreundliche Produkte gefragt sind - und das sind sie<br />

in Anbetracht der jüngsten Ereignisse mehr denn je - und wenn<br />

politische Rahmenbedingungen stimmen, dann ist sie schnell,<br />

kreativ und extrem innovativ. Deshalb sollten wir die Kraft der<br />

Wirtschaft zum Wandel nutzen.<br />

Deutsche Unternehmen sind in Sachen Nachhaltigkeit weltweit<br />

an der Spitze. Durch ein mutiges Voranschreiten in Sachen Corporate<br />

Responsibility können wir uns an der Spitze behaupten<br />

und weltweit Signale setzen.<br />

Wir unterstützen den Bundesdeutschen Arbeitskreis für umweltbewusstes Management (B.A.U.M. e.V.),<br />

weil sich hier die Vorreiter einer nachhaltigen Entwicklung zusammengeschlossen haben. Durch ein<br />

verantwortungsbewusstes, umweltorientiertes Wirtschaften aber auch mit gemeinsamer Lobbyarbeit<br />

treiben sie die Nachhaltigkeit unermüdlich voran. Aus diesem Grund haben wir unsere forum Redaktion<br />

und unsere Verlagskapazitäten mit großer Freude für B.A.U.M. e.V. zur Verfügung gestellt.<br />

Nachhaltiges Wirtschaften in Verbindung mit einer hohen Ressourcenproduktivität ist die Basis vieler<br />

erfolgreicher Innovationen! In diesem Sinne wünschen wir Ihnen viel Spaß mit der Lektüre des vorliegenden<br />

B.A.U.M.-<strong>Jahrbuch</strong>es sowie neue Erkenntnisse, Anregungen und Kontakte.<br />

Ihr Fritz Lietsch<br />

Sustainable Business Practices<br />

It is up to the business world. Business can very quickly become the driver for sustainable development.<br />

It is quick, creative and extremely innovative with the right set of policies in place and if energy saving,<br />

environmentally friendly products are in demand - and they are now more than ever in light of recent<br />

events. For this reason, we should use the power of the economy to make a change.<br />

German companies are world leaders in terms of sustainability. By boldly moving forward with corporate<br />

responsibility, we can maintain our top position and send out signals worldwide.<br />

We support the Bundesdeutschen Arbeitskreis für umweltbewusstes Management (B.A.U.M. e.V. /<br />

German Environmental Management Association) because the pioneers of sustainable development<br />

have gathered together in this association. They continually foster sustainability by using responsible<br />

and ecological business practices and by lobbying together. This is why we are happy to place our<br />

editorial staff and our publishing capacity at the disposal of B.A.U.M. e.V.<br />

Sustainable business practices coupled with resource productivity are the basis for many successful<br />

innovations! In this spirit, we hope you enjoy reading the present B.A.U.M. <strong>Jahrbuch</strong> (Yearbook) and<br />

discover new insights, ideas and contacts in its pages.<br />

Yours,<br />

Fritz Lietsch<br />

8


Resource Management<br />

<strong>Ressourcenmanagement</strong><br />

Resource Management<br />

9


<strong>Ressourcenmanagement</strong><br />

Editorial<br />

Zukunftsproblem „seltene Erden“: vermutlich werden nur die wenigsten alle metallischen Elemente<br />

aufzählen können, die als „seltene Erden“ bezeichnet werden. Durch die intensive Berichterstattung<br />

in den Medien haben jedoch viele Menschen eine ungefähre Vorstellung davon, dass es sich dabei<br />

um wichtige, aber eben auch vergleichsweise selten vorkommende Rohstoffe handelt, bei denen die<br />

Gefahr einer deutlichen Verknappung oder sogar der kompletten Nicht-Verfügbarkeit besteht. Nicht nur<br />

Einschränkungen durch geringere Exportquoten, wie sie z.B. China praktiziert, sind das Problem. Es ist<br />

vor allem die noch weiter steigende Weltbevölkerung mit über 9 Mrd. Menschen im Jahr 2050 sowie<br />

die voranschreitende Industriealisierung und Wohlstandssteigerung (mit steigendem Konsum). Beides<br />

ist verbunden mit einem immensen Hunger nach nur begrenzt vorhandenen Ressourcen aller Art.<br />

Droht schon bald ein Engpass bei den für Industrie- und Herstellungsprozesse wichtigen Rohstoffen?<br />

Stillstand bei der Produktion, weil Rohstoffe und wichtige Vorprodukte schlicht nicht mehr beschafft<br />

werden können? Ein Alptraum für unsere hochentwickelte Industriegesellschaft!<br />

Wirtschaft, Wissenschaft, Verbände und Politik sind alarmiert und suchen nach Auswegen aus der<br />

drohenden Versorgungskrise. Die Bundesregierung hat mit ihrer Rohstoffstrategie und der Gründung<br />

einer Rohstoff-Agentur im Herbst 2010 dieses Thema aktiv aufgegriffen. Auch die enormen Kosteneinsparpotenziale<br />

durch eine umfassende Ressourcen-Effizienzstrategie, die die Parlamentarische<br />

Staatssekretärin Katherina Reiche mit rd. 100 Mrd. Euro beziffert, rücken in die Diskussion.<br />

Lange Zeit war die Versorgung mit Rohstoffen kein wirkliches Problemthema in Wirtschaft und Gesellschaft.<br />

In den vergangenen 20-30 Jahren standen eher Entsorgungsthemen auf der Agenda: wohin<br />

mit dem Wohlstandsmüll, Nuklearabfällen und anderen Problemstoffen? Die Aufnahmefähigkeit des<br />

Ökosystems Erde war gefordert. Die letzten Jahre waren vor allem von der Sorge bestimmt, dass die<br />

ökologischen Senken für die vom Menschen verursachten Kohlendioxidemissionen nicht ausreichen<br />

könnten, um eine Erhöhung der globalen Durchschnittstemperatur auf zusätzlich maximal 2 Grad zu<br />

begrenzen.<br />

10


Resource Management<br />

Editorial<br />

Rare earth elements are a key issue for the future. Supposedly, only very few people know which<br />

metallic elements can count as rare earth elements. Due to intensive media reporting, however, many<br />

people have a general idea that we are talking about important, yet comparatively rare raw materials,<br />

which are at risk of becoming increasingly scarce or even completely unavailable. Supposedly only<br />

very few people know which metallic elements can count as rare eart elements. Restrictions on export<br />

quotas, such as in China, are not the only problem. The continued increase in world population with<br />

over 9 billion people by the year 2050 is above all an issue, as well as the ongoing industrialisation and<br />

increasing standards of living (with rising consumption). Both are connected with an immense hunger<br />

for all sorts of limited resources.<br />

Is an impending shortage of important raw materials needed in industrial and manufacturing processes<br />

looming on the horizon? A halt in production because raw materials and important primary products<br />

just cannot be produced? A nightmare for our highly developed industrial society!<br />

Business, science, associations and politicians are alarmed and looking for ways out of this threatening<br />

supply crisis. The German government has actively taken up this subject with its raw materials strategy<br />

and the founding of a raw materials agency in the fall of 2010. There are talks about a comprehensive<br />

resource efficiency strategy creating an enormous cost savings potential, which according to Parliamentary<br />

State Secretary Katherina Reiche amounts to about 100 billion Euros.<br />

For a long time, raw materials supply was not a very problematic topic in business or society. In the<br />

last 20-30 years, the issue of waste management was more often on the agenda. What do we do<br />

with all the garbage from our abundance, with the nuclear waste and other problematic refuse? The<br />

capacity of earth’s ecosystems was stretched. The last few years we were certainly more concerned<br />

that lowering the carbon dioxide emissions caused by man would not be enough to keep the average<br />

global temperatures from rising another two degrees.<br />

11


<strong>Ressourcenmanagement</strong><br />

Editorial<br />

Die Erde gerät zunehmend an Kapazitätsgrenzen. Stärker in den Fokus kommen dabei auch wieder<br />

die Rohstoffe. Die Versorgung der Wirtschaft mit Ressourcen ist von existenzieller Bedeutung, gerade<br />

auch für ein rohstoffarmes Land wie Deutschland. Das diesjährige <strong>Jahrbuch</strong> von B.A.U.M. e.V. widmet<br />

sich daher diesem hochaktuellen Thema und beleuchtet in zahlreichen Fachbeiträgen die Dimension<br />

der Problematik sowie Ansätze und Bemühungen, der sich abzeichnenden Verschärfung des Problems<br />

zu begegnen.<br />

Schon Anfang der 70er Jahre wurden in dem Bericht an den Club of Rome die „Grenzen des Wachstums“<br />

aufgezeigt. Auch wenn es lange Zeit gut zu gehen schien: es wird immer klarer, dass es zumindest eine<br />

uns allen bekannte „seltene Erde“ gibt: unseren Planet Erde, der immer mehr Menschen mit immer<br />

mehr Ansprüchen auch langfristig gerecht werden soll. Daher gilt es umso mehr, alle Möglichkeiten für<br />

ein effizienteres und ressourcenschonendes Wirtschaften und Konsumieren zu nutzen. Der sparsamere<br />

Umgang mit Energie, Wasser und anderen Ressourcen ist letztlich eine Überlebensfrage für unsere<br />

Gesellschaften und damit auch für die Unternehmen.<br />

Prof. Dr. Maximilian Gege<br />

Vorsitzender B.A.U.M. e.V.<br />

Martin Oldeland<br />

Mitglied des Vorstandes<br />

Dieter Brübach<br />

Mitglied des Vorstandes<br />

12


Resource Management<br />

Editorial<br />

Earth is increasingly being stretched to its capacity limitations. This makes us focus more on raw materials.<br />

Supplying the economy with resources is vitally important, especially for a country lacking in<br />

raw materials as in the case of Germany. B.A.U.M.‘s <strong>2011</strong> yearbook is dedicated to this highly topical<br />

issue. In numerous scientific and professional articles, it explores the dimensions of this problem, as<br />

well as approaches and efforts to confront the threat of exacerbation.<br />

Already in the early 70s, the limits of growth were pointed out in a report to the Club of Rome. Even<br />

though it seemed to be fine for a long time, it is becoming clearer that there is at least one rare earth<br />

of which we all know: our planet Earth. Our planet should sustain increasingly more people and meet<br />

increasingly more demands. Therefore, it is even more important to make use of all the possibilities we<br />

have to be economical and consume in an efficient and resource saving manner. The more prudent use<br />

of energy, water and other resources is ultimately a question of survival for our societies and therefore<br />

also for companies.<br />

13


<strong>Ressourcenmanagement</strong><br />

Energie rationell verwenden<br />

Von Dr. Fritz Brickwedde, Deutsche Bundesstiftung Umwelt (DBU)<br />

Zu den zentralen Herausforderungen des Umweltschutzes gehören der Klimaschutz und die Schonung<br />

begrenzter Ressourcen fossiler Energieträger. Hierzu müssen erneuerbare Energien stärker genutzt und<br />

der Energieverbrauch insgesamt weiter reduziert werden.<br />

Analysen zeigen, dass durch einen rationellen Energieeinsatz 35 bis 45 Prozent des derzeitigen Energieverbrauchs<br />

eingespart werden könnten, ohne dass an Energiedienstleistungen Abstriche gemacht<br />

werden müssten. Rationelle Energieverwendung bedeutet dabei, Energie schonend zu gewinnen,<br />

sparsam mit ihr umzugehen und die Chancen neuer, innovativer Technologien zu realisieren. Nicht nur<br />

in den privaten Haushalten und im Verkehr sind dabei erhebliche Einsparungen durch eine effizientere<br />

Technik möglich, sondern auch in Industrie und Gewerbe. Dass Umwelt- und Ressourcenschutz kein<br />

Selbstzweck ist, zeigt sich hier ganz besonders. Denn Unternehmen sparen durch den Einsatz effizienterer<br />

Technik angesichts steigender Preise für Energie und Ressourcen dauerhaft hohe Kosten. In allen<br />

Bereichen, von der Erzeugung und Umwandlung von Energie über die Produktion von Gütern bis zum<br />

Betrieb von Geräten und Anlagen, kann effizientere Technik eingesetzt werden.<br />

Top-Thema Energieeffizienz<br />

Seit Beginn ihrer Fördertätigkeit unterstützt die Deutsche Bundesstiftung Umwelt (DBU) die Entwicklung,<br />

Erprobung und Umsetzung energiesparender Produkte und Produktionsverfahren. Insgesamt hat die<br />

DBU seit 1991 über 7.700 modellhafte und innovative Projekte im Umweltbereich mit mehr als 1,35<br />

Milliarden Euro unterstützt.<br />

Die Spannweite der im Bereich der Energieeffizienz geförderten Projekte ist groß. Sie erstreckt sich von<br />

Mess- und Anzeigegeräten, die den Energieverbrauch auf ein Fünftel senken, über Wäschetrockner,<br />

die 50 Prozent weniger Strom verbrauchen bis hin zu High-Tech-Entwicklungen wie Induktionsheizer<br />

in der Metallindustrie auf Supraleiter-Basis, die über 50 Prozent weniger Energie verbrauchen – in<br />

einer Branche, die weltweit etwa drei Prozent des Stromverbrauchs ausmacht. In Architektur und<br />

Bauwesen hat die DBU bauökologische Leuchtturmprojekte mit Niedrigenergie- und Passivhäusern<br />

unterschiedlicher Art realisiert.<br />

Links<br />

Ein siebengeschossiges Mehrfamilienhaus<br />

in Holzbauweise, Berlin<br />

Rechts<br />

Robuste Enzyme zur Herstellung von<br />

Feinchemikalien: Reinigung neuer<br />

Amidasen<br />

14


Resource Management<br />

Energie rationell verwenden<br />

Optimierte Prozesse in Chemie und Biotechnologie<br />

Ein großes Potenzial zur Schonung der Ressourcen liegt auch im Bereich der Chemieindustrie: Bereits<br />

heute haben biotechnologisch hergestellte Produkte einen Anteil am weltweiten Umsatz der chemischen<br />

Industrie von fünf Prozent. Studien gehen davon aus, dass dieser Einfluss zukünftig weiter wachsen<br />

wird. Neue Rohstoffe, neue Produktionsprozesse, neue Produkte sind wesentliche Erfolgsfaktoren<br />

der Weißen (= industriellen) Biotechnologie. Nachwachsende Rohstoffe ersetzen dabei vielfach fossile<br />

Rohstoffe. Effiziente, ökonomisch wie ökologisch überlegene Produktionsprozesse auf Basis von<br />

Biokatalyse, Biotransformation und Fermentation lösen chemische Synthesen ab.<br />

So ermöglichen Effizienzmaßnahmen einen dauerhaften Ressourcenschutz bei gleichzeitiger Verbesserung<br />

der wirtschaftlichen Konkurrenzfähigkeit.<br />

Summary<br />

Using Energy Efficiently<br />

An important contribution to environmental protection is the efficient use of energy. This means<br />

generating environmentally friendly energy, using it sparingly in households, transportation, industry<br />

and business, and recognising opportunities to implement new and innovative technologies. The<br />

Deutsche Bundesstiftung Umwelt (DBU), the German Federal Environmental Foundation supports the<br />

development, testing and implementation of energy saving products and production processes. The<br />

chemicals industry in particular has a huge potential to conserve resources.<br />

Left<br />

Seven-story multiple-family dwelling<br />

in timber construction, Berlin<br />

Right<br />

Here, enzymes (new amidases) are<br />

purified for the production of fine<br />

chemicals.<br />

15


<strong>Ressourcenmanagement</strong><br />

Cradle to Cradle ® – Ein Leben ohne Abfall<br />

Verschwendung und Überfluss als Vorbild!<br />

Von Prof. Dr. Michael Braungart, Internationale Umweltforschung Gmbh (EPEA)<br />

Eine auf stetiges Wachstum ausgerichtete Welt stößt zunehmend an die fernab geglaubten Grenzen der<br />

Ressourcenentnahme. Gleichzeitig sind die ökologischen Systeme zunehmend durch Abfälle, Abwässer<br />

und Emissionen bedroht. Das derzeitige menschliche Wirtschaften zerstört die Umwelt, und auch die<br />

Menschen selber werden zunehmend Opfer ihrer Handlungsweisen.<br />

Aus diesem Empfinden heraus entstand die Auffassung, man müsse möglichst wenig Schlechtes tun.<br />

Es entstanden hocheffiziente Abfallbehandlungstechniken sowie Produkte, die etwas weniger giftig<br />

sind als ihre Vorgänger. Doch wer weniger zerstört, schützt nicht. Im Gegenteil: Wer falsche Systeme<br />

und Produkte optimiert, macht sie damit umso gründlicher falsch. So steckt heute beispielsweise<br />

weniger krebserregendes Antimon in PET-Flaschen als früher, in geringerer Konzentration ist dieser<br />

gesundheitsgefährdende Stoff aber weiterhin vorhanden.<br />

Recycling ist nicht automatisch umweltfreundlich<br />

Als ein zentrales Anliegen im Bemühen um eine Schonung der Umwelt wird oftmals das Recycling<br />

angesehen. Recycling spart Rohstoffe und Energie, doch ist Recycling ein dehnbarer Begriff und der<br />

Vorsatz einer möglichst langen Erhaltung von Wertstoffen innerhalb des derzeitigen Systems stößt an<br />

Grenzen.<br />

Die Tatsache, dass ein Material recycelt wurde, macht es nicht automatisch umweltfreundlich. Vor allem<br />

dann, wenn das Recycling bei seiner Herstellung nicht ausdrücklich mit eingeplant war, verlieren<br />

Materialien technologische Fähigkeiten, sie verlieren an „Intelligenz“. Die durch diese Prozesse entstehenden<br />

Produkte sind von geringerer Qualität als die Ausgangsstoffe. Dieser Kreislauf wird als so<br />

genanntes „downcycling“ bezeichnet.<br />

Erforderlich sind deshalb Systeme, bei denen die Materialien ihre Nutzbarkeit durch anschließende und<br />

nahezu unbegrenzte Lebenszyklen nicht nur aufrecht erhalten, sondern auch steigern können, wodurch<br />

ein Mehrwert geschaffen wird. Diesen Kreislauf nennt man dann „upcycling“.<br />

Das Cradle to Cradle © Design-<br />

Konzept feiert die Verschwendung,<br />

ebenso wie die Natur. Das beste und<br />

schönste Beispiel hierfür ist ein blühender<br />

Kirschbaum.<br />

16


Resource Management<br />

Cradle to Cradle ® – Ein Leben ohne Abfall<br />

Wirtschaften mit zyklischen Stoffkreisläufen<br />

Diese Idee wird durch das Cradle to Cradle ® Design-Konzept („Von der Wiege bis zur Wiege“) aufgegriffen<br />

und umgesetzt. Es nimmt die Natur zum Vorbild, in der alle Produkte eines Stoffwechsel-Prozesses<br />

für einen anderen Prozess von Nutzen sind. Das Laub eines Baumes ist beispielsweise Nahrung für<br />

ihn selbst und andere Pflanzen. Es ist Winterschlafplatz für Igel oder Versteck für Mäuse. Aus einer<br />

verschwenderischen Fülle von Kirschblüten entsteht eine neue Generation von Kirschbäumen. Jedes<br />

Produkt, mag es auch noch so sehr als Abfallprodukt erscheinen, ist nützlich.<br />

Nach dem Vorbild der Natur feiert dieses innovative Design-Konzept den Überschuss und die Verschwendung,<br />

bei der die eingesetzte Menge keine Rolle spielt.<br />

Cradle to Cradle ® bringt eine Industrie hervor, die sich beständig weiterverbessert und Leben und<br />

Wachstum ermöglicht. Den Prinzipien der Natur entsprechend, beruht das Cradle to Cradle ® Design-<br />

Konzept auf drei innovativen Prinzipien:<br />

• Jedes Produkt ist so konzipiert, dass es ein Nährstoff für ein anderes Produkt ist (Abfall = Nahrung).<br />

• Jedes Produkt wird durch die ständig vorhandene Kraft der Sonne erzeugt.<br />

• Jedes Produkt trägt zur Vielfalt bei – sei es im Hinblick auf Konzept, Kultur oder Biodiversität.<br />

Die daraus entstehenden Produkte sind hochwertiger und praktischer für den Nutzer sowie gesünder<br />

für alle, die mit dem Produkt in Berührung kommen – also von Vorteil für Umwelt und Wirtschaft.<br />

Nutzung statt Eigentum<br />

Produkte, die aus biologischen Nährstoffen bestehen, bezeichnet das Cradle to Cradle ® Design-Konzept<br />

als Verbrauchsgüter. Dabei handelt es sich um Produkte, die, wie der Name impliziert, verbraucht<br />

werden, die während ihrer Anwendung verschleißen und durch Abrieb oder (Ab-)Nutzung in die Umwelt<br />

gelangen. Beispielsweise werden Textilien so gestaltet und produziert, dass sie ohne schädliche<br />

chemische Zusatzstoffe auskommen und problemlos in biologischen Kreisläufen zirkulieren können,<br />

indem sie nach der Nutzung kompostiert werden und der Natur als Nährstoff dienen. Alle Inhaltsstoffe<br />

und Textilfarben werden daher positiv definiert.<br />

The Cradle to Cradle © Design concept<br />

celebrates waste, just like nature<br />

does. The best and most beautiful<br />

example of this is a blooming<br />

cherry tree.<br />

17


<strong>Ressourcenmanagement</strong><br />

Cradle to Cradle ® – Ein Leben ohne Abfall<br />

Dagegen werden Produkte, die aus technischen Nährstoffen hergestellt werden, als Gebrauchsgüter<br />

definiert und lediglich zur Nutzung an den Kunden ausgeliehen. Diese Strategie des Dienstleistungsprodukts<br />

ist sowohl für den Hersteller, als auch den Kunden von Vorteil. Der Hersteller bleibt Eigentümer<br />

der wertvollen Materialien, welche nach Demontage der Produkte wieder nahezu ohne Qualitätsverlust<br />

in den Produktionsprozess einfließen. Der Kunde nimmt nur die Dienstleistung des Produkts in Anspruch,<br />

ohne damit jegliche Art einer materiellen Verantwortung zu übernehmen. So werden beispielsweise<br />

Waschmaschinen für eine bestimmte Waschleistung gemietet, Teppiche werden geleast und nach<br />

Ablauf der vereinbarten Zeit vom Hersteller beim Kunden abgeholt. Nach diesem Prinzip gehen keine<br />

Materialien verloren, es entsteht kein Abfall und der Kunde muss sich nicht um die Entsorgung der<br />

Produkte bemühen. Dieses Prinzip lässt sich auf alle Gebrauchsgüter anwenden.<br />

Vielfach wird von Erzeugnissen ein Eigenschaftsprofil erwartet, das nicht durch einen einzigen Stoff<br />

abgedeckt werden kann, sondern die Kombination verschiedener Werkstoffcharakteristika notwendig<br />

macht. Damit Produkte, die sowohl aus biologischen, als auch technischen Nährstoffen bestehen, mit<br />

dem Cradle to Cradle ® -Szenario in Einklang gebracht werden können, werden bereits während der<br />

Entwicklungsphase die Lebenszyklen jedes einzelnen Bestandteils genau definiert (definierte Nutzungsbereiche<br />

„defined use period“) und für eine weitere Verwendung geplant. Um das Konzept von Cradle<br />

to Cradle ® flächendeckend anwenden zu können, gilt es Plattformen zu schaffen, um Innovationen<br />

kommunizierbar zu gestalten und voranzutreiben. Damit dies gelingt, bedarf es einer Kooperation aller<br />

an der Wertschöpfungskette beteiligten Akteure.<br />

Summary<br />

A Life without Waste<br />

Nature wastes and revels in abundance. With this thought as inspiration, the Cradle to Cradle ® Design<br />

concept defines a new way of handling resources and products. The idea that ‘less bad’ is good is<br />

revolutionised by this. The central focus of the idea is not “less”, but “better”. Waste is seen as nutrients<br />

for something new. Products developed using this concept are more practical and healthier for<br />

the user. They originate with the power of the sun and contribute to diversity in regards to concept,<br />

culture or biodiversity.<br />

18


Resource Management<br />

Rohstoffrückgewinnung aus Abfallmaterialien<br />

Von der Abfallwirtschaft über Sekundärrohstoffe zur Ressourcenwirtschaft<br />

Von Dr. Thomas U. Probst, Bundesverband Sekundärrohstoffe und Entsorgung – Papier e.V. (bvse )<br />

Der Umbau der Abfallwirtschaft zur Stoffstromwirtschaft, die Rohstoffe für eine hochentwickelte<br />

Industriegesellschaft liefert, bekommt durch die Aufmerksamkeit aus Öffentlichkeit und Politik gegenwärtig<br />

immer wieder einen neuen Schub. Fast täglich lesen wir über eine drohende Knappheit an<br />

strategisch bedeutsamen Rohstoffen, die durch von unterschiedlicher Seite vorgenommene Eingriffe<br />

in die Weltmärkte in Teilen zur Realität werden. Dies erinnert an den viel diskutierten Bericht „Limits<br />

to Growth“ des Club of Rome, der im Jahre 1972 erstmals Grenzen des Wachstums darstellte.<br />

Eine neue Haltung macht sich breit<br />

Trotz aller Unzulänglichkeiten der damals dargestellten Szenarien erhielt das beschriebene Szenario<br />

durch die Ölkrise im Oktober 1973 Bedeutung. In Folge der ersten Ölkrise wurde der Umgang mit Energieträgern<br />

deutlich verändert. Schließlich wurde die Idee eines nachhaltigen Umgangs mit Ressourcen,<br />

die die Bedürfnisse der heutigen wie auch künftiger Generationen berücksichtigt, entwickelt.<br />

Um Auswege aus der drohenden Rohstoffknappheit zu finden, werden die Exploration und das Erschließen<br />

von Ressourcen laufend verstärkt. Neben den Möglichkeiten, Rohstoffe bei der Produktion<br />

sparsamer einzusetzen und effizienter zu nutzen, versucht man die jeweils strategisch bedeutsamen<br />

Stoffanteile in den Produkten zu minimieren oder durch andere zu ersetzen. Darüber hinaus gilt es,<br />

neben den geogenen Lagerstätten auch die anthropogenen Lager zu erkennen und zu erschließen.<br />

Die anthropogenen Lager gelangen immer mehr in das Bewusstsein von Forschung und Entwicklung,<br />

von Öffentlichkeit und Politik sowie von Wirtschaft und Verwaltung. Als anthropogene Lager<br />

werden insbesondere Deponien (landfill mining) und Gebäude (urban mining) genannt. Gerade<br />

die in den Industrienationen laufend anfallenden sowie die rückgestellten Abfälle aus Haushaltungen,<br />

Gewerbe und Industrie scheinen für die Rohstoffrückgewinnung eine bislang häufig nur<br />

unzureichend genutzte Möglichkeit für eine Teilunabhängigkeit von deren Importen zu bieten.<br />

Recyclingbaustoffe finden Akzeptanz<br />

Das Erkennen, das Rückgewinnen und das Verwerten von bestimmten Sekundärrohstoffen – das sind<br />

vor allem Fe-Schrotte und Nicht-Eisen-Metalle, Glas, PPK (Papier, Pappe und Kartonagen), Kunststoffe<br />

sowie Textilien – wird in Deutschland vor allem durch die mittelständischen Unternehmen, die in Entsorgung<br />

und Recycling tätig sind, seit vielen Jahren ökologisch und ökonomisch durchgeführt. Die Tabelle<br />

auf Seite 22 gibt eine Übersicht über ausgewählte Sekundärstoffströme und ihre Verwertungsanteile<br />

aus einer Erhebung des Bundesverbands Sekundärrohstoffe und Entsorgung e.V. (bvse). Die Anteile<br />

der stofflichen Verwertung sind deshalb von Bedeutung, da spätestens hier ein entsprechend positiver<br />

Marktwert für die Aufbereiter und Verwerter der Sekundärrohstoffe erzielt wird. Allerdings findet hier<br />

bei einigen Marktteilnehmern wie auch in Teilen der Verwaltung der Beseitigungsgedanke für Siedlungs-<br />

und Gewerbeabfälle, die eine ergiebige Quelle für die Rückgewinnung von Sekundärrohstoffen<br />

sind, immer noch erstaunlichen Widerhall.<br />

19


<strong>Ressourcenmanagement</strong><br />

Rohstoffrückgewinnung aus Abfallmaterialien<br />

Die Bereiche Bau und Abbruch stellen mit 20,9 Mio. Tonnen das größte Mengenaufkommen an Abfällen.<br />

Schon geringe Eingriffe in diesen Stoffstrom können größere Mengen an Rohstoffen generieren.<br />

So finden inzwischen auch die Recyclingbaustoffe eine verstärkte Akzeptanz beim Neubau. Deutliche<br />

Entwicklungspotenziale bestehen auch bei den Bioabfällen. In Deutschland beträgt das Gesamtaufkommen<br />

an biogenen Reststoffen und Abfällen 8,9 Mio. Tonnen. Sehr unterschiedliche Verfahren – das<br />

sind insbesondere Kompostierung, Biogasgewinnung, Vererdung und Brennstoffe – werden für deren<br />

Verwertung eingesetzt.<br />

Die vorgenannten „klassischen“ Sekundärrohstoffe werden in der Kette „Sammeln, Sortieren, Aufbereiten<br />

und Verwerten“ national, europäisch oder weltweit in offenen Märkten gehandelt und vermarktet.<br />

Durch diese Internationalität können weltweit gültige Preise ermittelt werden, wodurch die<br />

Sekundärrohstoffe einerseits und die hieraus hergestellten Produkte anderseits in den Märkten Bestand<br />

haben. Darüber hinaus steigt durch internationale Vermarktung die Qualität der Sekundärrohstoffe<br />

stetig, da sie sich im Wettbewerb mit den Primärrohstoffen befinden.<br />

Neue Sekundärrohstoffe<br />

Aus übergeordneter Sicht verändert der Einsatz von anorganischen Stoffen in Produkten zwar deren<br />

chemische Form und deren Verteilung, sie gehen aber letztlich nicht verloren. Damit stellen sich aber<br />

die Fragen nach dem Verbleib der Stoffe, nach deren Nutzung in Produkten sowie nach den Möglichkeiten<br />

und Limitationen einer Aufbereitung und Rückgewinnung.<br />

Im Fokus der Öffentlichkeit, als so genannte neue Sekundärrohstoffe, stehen hierbei zur Zeit Metalle<br />

und Verbindungen, die für Stoffumsetzungen, als Legierungsbestandteile, in der Informations- und<br />

Kommunikationstechnologie oder für die Energiespeicherung (Strom, Licht, Wärme) von Bedeutung<br />

sind. Hierzu zählen neben anderen die Seltenen Erden, sowie die Übergangsmetalle, Metalle für Katalysatoren<br />

sowie die Dotierstoffe für Halbleiter aus den Hauptgruppenelementen.<br />

Links<br />

Die Rückgewinnung von Rohstoffen<br />

bietet die Möglichkeit zur Teilunabhängigkeit<br />

von deren Importen –<br />

wird aber noch zu selten benutzt.<br />

Rechts<br />

Hier stapeln sich die Möglichkeiten<br />

zur Rohstoffrückgewinnung – und<br />

damit auch zur Teilunabhängigkeit<br />

von Importen.<br />

20


Resource Management<br />

Rohstoffrückgewinnung aus Abfallmaterialien<br />

Als eine höchst ergiebige Quelle für die Rückgewinnung der „Neuen Sekundärrohstoffe“ gelten die<br />

Millionen von Elektro- und Elektronik-Altgeräten; hier verbreitet sich eine erstaunliche Goldgräberstimmung.<br />

Unbeachtet bleibt dabei allerdings, dass bei der Aufbereitung von Elektro- und Elektronikaltgeräten<br />

neben den Wertstoffen auch schwer verwertbare Fraktionen, das sind beispielsweise<br />

flammgeschützte Kunststoffe oder aufcachierte Träger, oder Schadstoffe anfallen, die umweltgerecht<br />

und teuer zu beseitigen sind.<br />

Im Gegensatz zu den „klassischen“ soll bei den „neuen Sekundärrohstoffen“ der weltweite Handel<br />

unterbleiben, einerseits, um die Versorgung von Europa mit den strategischen Materialen abzusichern<br />

und andererseits, um Schaden von Mensch und Umwelt abzuwenden, denn in Fernost wird z.B.das<br />

Recycling von Platinen und Leiterplatten häufig lediglich durch Abrösten auf offenen Feuern vorgenommen.<br />

Bewertung<br />

Als Trend zeigt sich, dass die Werthaltigkeit der Siedlungs- und Gewerbeabfälle beständig zunimmt.<br />

Dies ist darauf zurückzuführen, dass a) immer höherwertige Produkte mit einer größeren Fertigungstiefe<br />

hergestellt werden, b) die Aufbereitungs- und Verwertungstechniken immer effizienter werden und c)<br />

die Preise für Rohstoffe und Energie über die Jahre hinweg stetig steigen. Eine Voraussetzung für die<br />

Rückgewinnung von Rohstoffen aus den Produkten, die nach Gebrauch anfallen, ist, diese Materialien<br />

hochwertig über Getrenntsammlungen zu erfassen. Darüber hinaus ist die enge Kooperation von<br />

Forschung und Entwicklung sowie der Ministerien und Behörden mit der Entsorgungs- und Recyclingwirtschaft<br />

von erheblicher Bedeutung.<br />

Left<br />

Recovering raw materials provides<br />

the chance to be less dependent on<br />

importing them – it is still not used<br />

enough.<br />

Right<br />

Opportunities for raw material recovery<br />

are piling up here – and therefore<br />

also partial independence from<br />

imports.<br />

21


<strong>Ressourcenmanagement</strong><br />

Rohstoffrückgewinnung aus Abfallmaterialien<br />

Sekundärrohstoff<br />

Vermarktungsmenge<br />

in Mio. Tonnen<br />

Anteil stofflicher Verwertung<br />

in Mio. Tonnen<br />

Fe-Schrotte, 2008 22,98 1 20,72 2<br />

NE-Metalle (Cu, Al, Zn, Pb), 2005 2,821 2,69 3<br />

PPK, 2008 15,60 15,49<br />

Glas 4 , 2008 2,80 2,36<br />

Kunststoffe, 2009 4,93 2,06<br />

Holz, 2009 7,9 1,58<br />

Organischer Abfall, 2007 8,89 5,89 5<br />

Textilien, 2007 0,75 0,68<br />

Mineralöle, 2008 0,49 0,37<br />

Summe 67,2 51,8 (77 %)<br />

bvse-Erhebung zu ausgewählten Sekundärstoffströmen und ihren stofflichen Mindestverwertungsanteilen in Deutschland<br />

1: Inlandsaufkommen<br />

2: Stahlschrottverbrauch Rohstahl<br />

3: Einsatzmenge Inland<br />

4: Aufkommen an Behälterglas Inland<br />

5: Kompostierung und Stabilisierung (MA, MBA, MBS, MPS)<br />

Summary<br />

Recovering Raw Materials from Waste<br />

In particular, the waste produced in industrial nations (household, commercial, industrial) provides<br />

raw material recovery with an insufficiently exploited potential for partial independence from imports.<br />

The ‘classic’ secondary raw materials are traded nationally and internationally on the open market to<br />

ensure actual worldwide prices. Thus, secondary raw materials and the products made from them<br />

prevail in the market. The so-called ‘new’ secondary raw materials are currently metals and connections<br />

from information and communications technology or energy storage (electricity, light, heat).<br />

Here, worldwide trade should be stopped in order to secure strategic materials to supply Europe and<br />

to avert damage to man and environment because often recycling, for example in the Far East, does<br />

not meet safety standards.<br />

22


Resource Management<br />

Nachwachsende Rohstoffe<br />

Allround-Talent Biomasse<br />

Von Nicole Paul, Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe e.V. (FNR)<br />

Nachwachsende Rohstoffe (Nawaros) sind die Alleskönner unter den erneuerbaren Energien. Mittels<br />

diverser Verfahren kann man aus ihnen wahlweise oder kombiniert Strom, Wärme und Kraftstoffe<br />

gewinnen. Die einfachste Nutzungsform mit hoher Energieausbeute ist die Wärmeerzeugung.<br />

Nawaros sind aber nicht nur die Ausgangsbasis für Energie, sondern auch für viele Stoffe, Materialien<br />

und Produkte. So lassen sich z.B. aus Zucker Tenside, Antibiotika, Kunststoffe, Vitamine und Klebstoff-<br />

Bestandteile herstellen, aus Ölen und Fetten Schmierstoffe, Lacke, Farben sowie ebenfalls Kunststoffe<br />

und Tenside; Fasern bilden die Grundlage für Bau- und Dämmstoffe, Geotextilien, Vliese oder geben<br />

naturfaserverstärkten Kunststoffen ihren Halt. Die besonderen Inhaltsstoffe einiger Pflanzen eignen sich<br />

für Farben, Heil- und Arzneimittel und Kosmetika. Diese Aufzählung ließe sich noch weiter fortführen.<br />

Biomasse spart Treibhausgas (THG)-Emissionen ein: Bei ihrer energetischen Nutzung wird so viel CO 2<br />

frei,<br />

wie die jeweils geeigneten Pflanzen zuvor im Wachstum gebunden haben, zuzüglich der Emissionen,<br />

die Anbau und Herstellung verursachen. Auch jedes stofflich genutzte Produkt wird am Ende seines<br />

Lebensweges entsorgt oder energetisch verwertet, bei biogenen Produkten kommt es hier ebenfalls<br />

zur Einsparung von CO 2<br />

-Emissionen. Die energetische Nutzung im Anschluss an die stoffliche, die so<br />

genannte Kaskadennutzung, ist besonders sinnvoll, denn dabei werden zusätzlich fossile Energieträger<br />

ersetzt und weniger Anbauflächen benötigt.<br />

Nachhaltigkeit ist Voraussetzung<br />

Auch sonstige schwerwiegende Umweltschäden wären kontraproduktiv: Die Rodung von Urwäldern für<br />

Palm- oder Sojaölplantagen zur Herstellung von Biokraftstoffen und die „Vermaisung“ der Landschaft<br />

durch die wachsende Zahl der Biogasanlagen werden in diesem Zusammenhang öffentlich diskutiert.<br />

Wichtige Aufgabe der Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe (FNR), Projektträger des Bundesministeriums<br />

für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz (BMELV), ist es, hierfür Lösungsansätze<br />

über die Förderung von Forschungsprojekten zu entwickeln. Darüber hinaus steht die FNR als zentraler<br />

Ansprechpartner für Information und Beratung rund ums Thema Nawaro in Deutschland bereit.<br />

Zwei Beispiele<br />

1. Internationale Nachhaltigkeitszertifizierung von Biokraftstoff: Um sicherzustellen, dass Biomasse<br />

für Biokraftstoffe nicht von naturnahen, artenreichen Flächen wie Urwäldern stammt, hat die FNR<br />

im Auftrag des BMELV die Entwicklung eines Systems zur Nachhaltigkeitszertifizierung unterstützt.<br />

Urwälder speichern besonders viel Kohlenstoff, der bei einer Nutzungsänderung in Form von Treibhausgas<br />

(THG-)-Emissionen freigesetzt würde. Biokraftstoffe aus dieser Biomasse böten insofern<br />

keinen Beitrag zum Klimaschutz.<br />

Mit Hilfe des Systems „International Sustainability and Carbon Certification (ISCC)“ wird nun die<br />

gesamte Kette der Biokraftstoffherstellung überprüft und zertifiziert. Dabei spielen neben dem<br />

Schutz sensibler Flächen und Mindest-THG-Einsparungen auch soziale Kriterien eine Rolle. Den<br />

Ausschluss bestimmter Flächen stellt ISCC über eine Registratur von „No-go-Areas“ sicher, mit denen<br />

23


<strong>Ressourcenmanagement</strong><br />

Nachwachsende Rohstoffe<br />

die Zertifizierer die Anbauflächen der jeweiligen Betriebe, u. a. mit Hilfe von Satellitenaufnahmen,<br />

abgleichen. Weitere Stationen sind Händler, Lagerhäuser und Hersteller.<br />

Am Ende der Kette hat der „In-Verkehr-Bringer“ der Kraftstoffe ein Zertifikat vorzuweisen, das er<br />

nur erhält, wenn alle vorgeschalteten Stufen zertifiziert wurden. Die Mineralölwirtschaft kann nur<br />

derart zertifizierte Biokraftstoffe auf die gesetzlich vorgegebenen Biokraftstoff-Quoten anrechnen,<br />

außerdem ist die Zertifizierung Voraussetzung für eine fiskalische Förderung. Rechtliche Grundlage<br />

des Ganzen ist die Biokraftstoff-Nachhaltigkeitsverordnung, die in ähnlicher Form auch für Strom<br />

aus flüssiger Biomasse gilt.<br />

2. Wildpflanzen – Alternative zu Mais: Im Jahr 2007 endete das Projekt „Lebensraum Brache“ der<br />

Bayerischen Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau mit sieben Partnern, das wildtiergerechte<br />

Stilllegungsflächen angelegt und untersucht hatte. Dabei war den Forschern aufgefallen, dass viele<br />

der Wildpflanzen erstaunlich hohe Biomasseerträge bringen. Daraus entstand die Idee, Wildpflanzen-<br />

Mischungen als Alternative zum Biogas-Mais zu entwickeln. Das von der FNR geförderte Vorhaben,<br />

das schon jetzt auf großes Interesse bei Landwirten stößt, befindet sich am Anfang des dritten<br />

Versuchsjahres. Da die Pflanzenmischungen aus ein-, zwei- und mehrjährigen Arten (aus bekannten<br />

Gattungen wie Malven, Aster und Flockenblumen) bestehen, gibt es bislang nur vorläufige Ergebnisse:<br />

Die Biomasseerträge fielen je nach Mischung und Standort zum Teil höher aus als bei Mais,<br />

die Methangehalte im Biogasprozess lagen jedoch etwas niedriger. Die Forscher optimieren den<br />

Ansatz nun über die Stellschrauben Pflanzenarten, Saatgutmenge und Erntetermine. Interessant<br />

ist der Wildpflanzenansatz neben seinen ökologischen Vorteilen auch aus ökonomischer Sicht für<br />

den Landwirt. Der Wildpflanzen-Acker wird einmal ausgesät und kann dann bis zu fünf Jahre und<br />

länger beerntet werden – das spart Arbeit und Geld, schont aber auch den Boden und gewährt<br />

ökologische Nischen.<br />

Links<br />

Der Markt für nachwachsende Rohstoffe<br />

verzeichnet seit Jahren ein<br />

enormes Wachstum – angetrieben<br />

vor allem durch die Energieziele der<br />

Bundesregierung.<br />

Rechts<br />

Verschiedene Wildpflanzen könnten<br />

eine Alternative zum Mais für Biogasanlagen<br />

darstellen. Die Bayerische<br />

Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau<br />

untersucht diesen Ansatz.<br />

24


Resource Management<br />

Nachwachsende Rohstoffe<br />

Ausblick<br />

Biomasse ist vielseitig und sie bietet auch große einheimische Potenziale und damit Chancen, ländliche<br />

Räume zu entwickeln. Aktuell werden auf knapp 2,2 Millionen der insgesamt rund 12 Millionen<br />

Hektar Ackerfläche in Deutschland Energie- und Rohstoffpflanzen angebaut. Studien gehen davon<br />

aus, dass künftig zwischen 2,5 und 4,2 Millionen Hektar möglich sind. Hinzu kommen die Potenziale<br />

von Reststoffen aus der Landwirtschaft (wie Stroh, Gülle, Mist), aus organischen Abfällen (z.B. aus<br />

Haushalten) und Holz. Es gilt, diese nachhaltig, effizient und zügig zu erschließen. Ein Ziel im Rahmen<br />

des Energiekonzepts der Bundesregierung ist es, bis 2050 knapp 30 Prozent des Primärenergiebedarfs<br />

aus Bioenergie oder mit Energieträgern aus Biomasse zu decken. Um dies zuverlässig zu erreichen, wird<br />

darüber hinaus jedoch auch der Import von Biomasse unter Sicherung von Nachhaltigkeitskriterien<br />

erforderlich sein.<br />

Weiterführende Infos:<br />

• www.fnr.de mit 13 Themenportalen<br />

z.B. www.energiepflanzen.info; www.wege-zum-bioenergiedorf.de<br />

• www.iscc-system.org<br />

Summary<br />

Renewable Raw Materials<br />

Renewable raw materials, RRMs, are the renewable energies that can do everything. They generate<br />

electricity, heat and fuels, as well as surfactants, antibiotics, plastic, adhesives or geotextiles. Some<br />

plants are ideal for colours, remedies, medicines and cosmetics. Biomass cuts green house gas emissions.<br />

Cultivation and use should not in themselves cause any higher emissions than fossil sources. The<br />

Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe (FNR, Agency of Renewable Resources), project coordinator for<br />

the Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz (BMELV, Federal Ministry<br />

of Food, Agriculture and Consumer Protection), develops solutions by supporting research projects.<br />

Left<br />

The market for renewable resources<br />

has shown enormous growth –<br />

mainly driven by the energy objectives<br />

of the German government.<br />

Right<br />

Different wild plants can be an alternative<br />

to corn for biogas production<br />

plants. The Bayerische Landesanstalt<br />

für Weinbau und Gartenbau (Bavarian<br />

State Research Center for Viticulture<br />

and Horticulture) is investigating<br />

this approach.<br />

25


<strong>Ressourcenmanagement</strong><br />

Weltkulturerbe Yanomami!<br />

Waldbewohner als Vorbild für den richtigen Umgang mit Ressourcen<br />

Von Rüdiger Nehberg, TARGET e.V.<br />

Den Yanomami im nördlichen Regenwald Brasiliens steht ihr angestammtes Land laut Verfassung als<br />

zu schützendes Gebiet zu. Das wurde bis zur Jahrtausendwende massiv missachtet. Eine Armee von<br />

Goldsuchern war eingedrungen und verwandelte den Urwald in Wüste, tötete jeden, der Widerstand<br />

wagte. 65.000 Goldsucher gegen 20.000 Yanomami. Ein armer Teufel gegen den anderen. Indianer<br />

und Goldsucher – beide Opfer. Flinten gegen Pfeile. 120 illegale Landepisten, 400 Flugzeuge. Mafiös<br />

perfekt organisiert, von der Politik toleriert. „Man kann Völkerwanderungen nicht aufhalten“, so der<br />

zynische Kommentar des damaligen Gouverneurs Juca Filho. Klar, er verdiente gut daran. Auch das<br />

letzte Urvolk sollte nicht von der Vernichtung verschont bleiben.<br />

Ich war Augenzeuge dieses Bürgerkrieges im Regenwald geworden und habe 18 Jahre lang mit<br />

spektakulären Aktionen versucht, eine pro-indianische Lobby zu schaffen. Mit Büchern, TV-Filmen,<br />

Konsultation des Papstes, der Weltbank, der UNO. Vor allem mit Ausdauer und Fantasie ist das<br />

gelungen. Im Jahre 2000 war der Druck auf Brasilien ausreichend groß geworden. Die Yanomami<br />

erhielten einen akzeptablen Frieden. Den Goldsuchern wurde der Nachschub abgeriegelt, Flugzeuge<br />

wurden beschlagnahmt, wenn sie dennoch flogen. „Aber wir sterben trotzdem weiterhin“, klagte<br />

Davi Kopenawa Yanomami, der bemerkenswerteste Häuptling, „und zwar an den Krankheiten, die<br />

die Goldsucher eingeschleppt haben.“<br />

Wie schon immer. Seit Kolumbus. Denn Habgier und Egoismus der Menschheit waren und werden<br />

immer stärker sein als ihr Verstand und ihre Vernunft. Zwar ist da die „Affenliebe“ zu den eigenen<br />

Kindern, aber die ist sofort vergessen, wenn es um die Selbstbereicherung geht, um den momentanen<br />

Vorteil. Irgendwie klar. Nur der Beste und Stärkste überlebt, und der Einzelne hat es schwer, sich gegen<br />

den Strom zu behaupten. Erst Katastrophen werden uns zum Umdenken zwingen. Dann ist es für Viele<br />

und Vieles zu spät. Es geht der Welt und unserem Nachwuchs verloren. Dekadenz und Maßlosigkeit<br />

– daran sind schon ganz andere Kulturen zerbrochen.<br />

Als Augenzeuge dieser Verbrechen überkam mich maßlose Wut. Mein Vorteil: Wut macht mich kreativ.<br />

Sie lähmt mich nicht. „Wir werden zumindest das tun, was im Rahmen unserer Möglichkeiten liegt“,<br />

entschieden meine damalige Kampfgefährtin Christina Haverkamp und ich. „Wir bauen den Yanomami<br />

eine Krankenstation. Gesunde Indianer werden ihren Wald verteidigen.“ Das haben wir getan.<br />

Rechts<br />

Pfeil gegen Bulldozer: Yanomami<br />

im ewigen Kampf gegen die Goldsucher.<br />

Links<br />

Der Urwald, die Heimat der Yanomami,<br />

wird durch den Goldabbau völlig<br />

zerstört.<br />

26


Resource Management<br />

Weltkulturerbe Yanomami!<br />

Dennoch – immer wieder dringen Goldsucher ein. Kleine Gruppen, die sich Wochen lang zu Fuß durch<br />

den Wald schlagen. Pioniere, die, wenn man sie gewähren lässt, erneute Völkerwanderungen auslösen<br />

werden. Armut und Verzweiflung sind ihr Antrieb, aber keine Lösung.<br />

Deshalb treibt mich eine Idee um, und ich halte es mit Albert Einstein: „Wenn eine Idee am Anfang<br />

nicht absurd scheint“, soll er gesagt haben, „dann gibt es keine Chance für ihre Realisierung.“ Ich<br />

habe solch eine Idee. Sie sollte aller Erfahrung zum Trotz eine Chance haben:<br />

„Erklärt die Yanomami zum Weltkulturerbe!“<br />

Das erhöht ihren Bekanntheitsgrad, steigert ihr Ansehen und hilft, durch eine breitere Öffentlichkeit<br />

den Status Quo zu wahren, der sie schützt. Es hat mich von der ersten Begegnung an beeindruckt,<br />

ein Volk zu erleben, das ohne Hilfe von außen eine absolut autarke Lebensform entwickelt hat, angepasst<br />

an seine Welt, den Regenwald. Es ist nicht nur das Leben von und mit dem Wald. Es ist auch<br />

die enorme Handwerkskunst, die es mit dem Bau seiner Häuser, Waffen und Arbeitsgeräte beweist.<br />

Natur und Mensch – eine homogene Einheit. Ein gelebtes Beispiel für uns, die wir uns im aktuellen<br />

Internationalen Jahr der Wälder wie so oft nur an Worte klammern können.<br />

Weltkulturerbe Yanomami – es wäre auch für Brasilien ein Ruhmesblatt nie da gewesener Dimension,<br />

ein unvergängliches Denkmal für die neue Staatspräsidentin Dilma Rouseff. Ich finde es beglückend<br />

und hoffnungsvoll, dass forum Nachhaltig Wirtschaften und B.A.U.M. e.V. sich mit mir dieses Ziel auf<br />

die Fahnen geschrieben haben und wünsche uns und diesem Volk jeden Erfolg.<br />

Summary<br />

Yanomami World Heritage!<br />

The Yanomami in the northern Brazilian rainforest have always fought against the intrusion of people<br />

seeking gold. As a witness to this civil war, Rüdiger Nehberg tried to help with campaigns, such as<br />

building an infirmary to fight the diseases brought in by the gold seekers. His objective now is to declare<br />

the Yanomami a World Cultural Heritage site in order to block the gold seekers and to provide the<br />

Yanomami with the protection they need and to sustain the homogenous entity of nature and man.<br />

Left<br />

Arrows vs. Bulldozers: Yanomami<br />

in eternal struggle against the gold<br />

seekers.<br />

Right<br />

The jungle, home to the Yanomami,<br />

is being completely destroyed by<br />

gold mining.<br />

27


<strong>Ressourcenmanagement</strong><br />

Das Bauwerk als Bergwerk<br />

Urban Mining – der neue Weg der Rohstoffbeschaffung<br />

Von Rainer Lucas, Wuppertal Institut für Klima, Umwelt und Energie<br />

Angesichts steigender Rohstoffpreise und sich abzeichnender Ressourcenknappheiten, vor allem im<br />

Bereich seltener Metalle, gewinnt eine neue Rohstoffquelle an Bedeutung: das Bauwerk als Bergwerk.<br />

Die Erschließung der sogenannten „sekundären Lagerstätten“ (Gebäude, Deponien und Infrastrukturen)<br />

wird in der wissenschaftlichen Diskussion als „Urban Mining“ bezeichnet und ist ein neuer Ansatz zur<br />

Bewältigung zukünftiger Ressourcenengpässe.<br />

Auf Schatzsuche<br />

Mit dem Heben der verborgenen Schätze im Urban Mining sind Zielsetzungen verbunden, die deutlich<br />

über das bisherige Recyclingverständnis in der Abfallwirtschaft hinausgehen. In den Mittelpunkt wird<br />

die rohstoffliche Verwertungsperspektive gerückt. Dies bedeutet, dass bereits genutzte Rohstoffe als<br />

sogenannte sekundäre Rohstoffe möglichst ohne Verluste erneut in Produkten zum Einsatz kommen.<br />

Dafür ist erfordlich, dass diese Wiederverwertung frühzeitig geplant wird. Um die schlummernden<br />

Schätze rechtzeitig zu entdecken, darf die Suche nach den sekundären Rohstoffen nicht erst am Ende<br />

der Nutzungsphase – zum Beispiel eines Bauwerks – erfolgen, vielmehr sollte der gesamte Bau- und<br />

Infrastrukturbestand einer Volkswirtschaft bereits jetzt als potenzielle Lagerstätte angesehen und analysiert<br />

werden. Urban Mining wird langfristig viel stärker als das abfallwirtschaftliche Recycling von der<br />

Rohstoffnachfrage getrieben. Hier müssen keine Recyclingquoten festgelegt werden, weil der Markt<br />

bei steigenden Preisen diese Sekundärrohstoffe nachfragen wird.<br />

Achtung Rosinenpicker<br />

Mit dieser Grundvoraussetzung steht das Urban Mining in einem Spannungsfeld zur herkömmlichen<br />

Abfallwirtschaft: Zum einen werden sicherlich die bestehenden Ansätze, die Abfallwirtschaft zur Ressourcenwirtschaft<br />

weiterzuentwickeln, unterstützt, zum anderen besteht die Gefahr des „Rosinenpickens“.<br />

Links<br />

Sogenannte „sekundäre Rohstoffe“<br />

auf dem Weg zur Wiederverwendung.<br />

Damit sie möglichst ohne<br />

Verluste eingesetzt werden können,<br />

sollte dieser Weg besonders früh geplant<br />

werden.<br />

Rechts<br />

Das deutsche Stromnetz stellt mit<br />

seinem Bestand an Metallen ein großes<br />

Potenzial für Urban Mining dar.<br />

28


Resource Management<br />

Das Bauwerk als Bergwerk<br />

Wertvolle Metalle werden zurückgewonnen und zurück bleiben Mischabfälle, deren Entsorgung nach<br />

gesetzlichen Vorgaben mit erheblichen Kosten verbunden ist. Vor diesem Hintergrund sind integrierte,<br />

ganzheitliche Geschäftsmodelle im Urban Mining Management notwendig, die sich am Gesamtziel<br />

einer nachhaltigen Ressourcenwirtschaft orientieren.<br />

Urban Mining als innovative Herausforderung<br />

Urban Mining ist für alle Beteiligten eine innovative Herausforderung. Dies fängt bei der Bauplanung<br />

und Stadtentwicklung an, wo es darum geht, möglichst recycling- und kreislauffähige Materialien<br />

einzusetzen, und endet bei den auf Rückbau spezialisierten Unternehmen, die mit neuen Technologien<br />

immer mehr wertvolle Materialien zurückgewinnen können. Allerdings sind aus diversen Gründen noch<br />

nicht alle Effizienzpotenziale erschlossen.<br />

Gebäude und Deponien als Rohstofflager<br />

Das Bauschuttrecycling ist vom Tagesgeschäft und von den gesetzlichen Vorgaben bestimmt, strategische<br />

Aspekte der Rohstoffrückgewinnung sind bei den handelnden Akteuren nur in geringem Maße<br />

verankert. Die Kooperationsbeziehungen zwischen Recycling- und Rohstoffwirtschaft sind schwach<br />

ausgeprägt. Bezogen auf die Potenziale gibt es erhebliche Informationsdefizite. In verschiedenen Arbeiten<br />

wurden zwar erste Status quo-Abschätzungen getroffen, welche Materialien wo verbaut wurden.<br />

Diese Analysen konzentrieren sich aber auf die Hauptmasseströme (Steine, Beton, Massenmetalle),<br />

wohingegen man über die eingesetzten seltenen Metalle recht wenig weiß. Auch die Veränderungen<br />

im Bestand durch technische und energetische Modernisierung der Gebäude und Infrastrukturen sind<br />

bisher nicht nachvollzogen.<br />

Für die Lagerstätten „Deponien“ und „Gebäude“ wurden inzwischen erste Potenzialabschätzungen<br />

durchgeführt (siehe Kasten). Das Bauschuttrecycling hat die mineralischen Baustoffe (Steine, Erden,<br />

Beton) im Fokus, die nach Rückgewinnung vor allem im Straßen- und Erdbau eingesetzt werden. Über<br />

Materialbestand Metalle im Stromnetz in 1000t<br />

Left<br />

So-called ‘secondary raw materials’<br />

on the path to recycling. This path<br />

should be planned quite early so that<br />

the materials can be used without<br />

wasting anything.<br />

Quelle: MaRess Endbericht<br />

Right<br />

The German electricity grid presents<br />

a huge potential for urban mining<br />

with all of its metal.<br />

29


<strong>Ressourcenmanagement</strong><br />

Das Bauwerk als Bergwerk<br />

die weitere Verwendung der zurückgewonnenen Metalle liegen keine Erkenntnisse vor. Eine nahezu<br />

komplette stoffspezifische Erfassung wäre nach dem Stand der Technik möglich. Auch die direkte<br />

Wiederverwertung von Bauelementen und -komponenten ist erprobt. Dennoch ist in der Praxis eine<br />

geringere Demontagetiefe anzutreffen, für planvolles Vorgehen fehlt häufig die Zeit und ein Teil des<br />

Materials wird noch immer deponiert, da dies kostengünstiger und einfacher ist.<br />

Verborgene Schätze …<br />

... in Deponien<br />

• Deponierter Hausmüll: 960 Millionen Tonnen, davon Fe- und Ne-Metalle: 32 Millionen Tonnen. Nach Rettenberger<br />

(2010) sind alleine in deutschen Hausmüll- bzw. hausmüllähnlichen Gewerbeabfall-Deponien folgende<br />

Ressourcenpotenziale anzutreffen: 8 Millionen Terajoule Heizwert (oder 2300 Terawattstunden Energieinhalt)<br />

sowie 26 Millionen Tonnen Eisen-, 850.000 Tonnen Kupfer- und 500.000 Tonnen Aluminiumschrott. Der<br />

Fe-Metall-Anteil liegt bei rund 3,5 Prozent und der Anteil der Ne-Metalle bei zusammen etwa 0,2 Prozent.<br />

• Deponierter Klärschlamm: 10 Millionen Tonnen, davon Phosphat: 1 Million Tonnen.<br />

• Deponierte Eisenschlacke: 50 Millionen Tonnen, davon Zink: 70.000 Tonnen, Blei: 25.000 Tonnen.<br />

…in Gebäuden<br />

Ca. 50 Milliarden Tonnen mineralische Baustoffe und weitere Rohstoffe sind im Baubestand gebunden. Allerdings<br />

sind lediglich Wohngebäude differenzierter untersucht. Erste Schätzungen haben ergeben, dass ca. 10,5<br />

Milliarden Tonnen mineralische Baustoffe, ca. 220 Millionen Tonnen Holz und ca. 100 Millionen Tonnen Metalle<br />

verbaut wurden.<br />

Infrastrukturen als Rohstofflager<br />

Im Forschungsprojekt MaRess, das vom BMU und dem Umweltbundesamt gefördert wurde, sind seitens<br />

des Wuppertal Instituts weitere Untersuchungen durchgeführt worden, um den Materialbestand<br />

in ausgewählten Infrastrukturnetzen zu ermitteln. Insbesondere das deutsche Stromnetz weist einen<br />

enormen Bestand an Metallen auf, die unter dem Gesichtspunkt des Urban Mining ein interessantes<br />

Potenzial darstellen. Unsicherheiten für einen gezielten Rückbau können entstehen, wenn die Verweildauer<br />

dieser Materialien in den verschiedenen Funktionen nicht bekannt ist.<br />

30


Resource Management<br />

Das Bauwerk als Bergwerk<br />

Perspektiven des Urban Mining<br />

Nach derzeitigem Stand wird in Deutschland noch kein systematisches Urban Mining betrieben. Für<br />

eine Transformation der derzeitigen abfallwirtschaftlichen Praxis bedarf es einer präziseren staatlichen<br />

Rahmensetzung und verbesserter Informationsgrundlagen. Insbesondere sind folgende Schritte notwendig:<br />

• Verbindliche Zielkonzeption auf der Bundesebene unter Berücksichtigung ökologischer, sozialer<br />

und ökonomischer Aspekte,<br />

• Systematisches Monitoring von sekundären Lagerstätten,<br />

• Bewertung des Bestandes in Form von Kosten-Nutzen-Analysen und Risikobewertungen insbesondere<br />

bezüglich der Öffnung alter Deponien,<br />

• Vorgaben für den besten Stand der Technik zur Rückgewinnung strategischer und seltener Metalle<br />

sowie eine Beschreibung optimaler Verwertungspfade,<br />

• Förderung und Erprobung neuer Managementstrategien und Geschäftsmodelle in den sekundären<br />

Wertschöpfungsketten,<br />

• Beteiligung der Recyclingdienstleister in der Wertschöpfungskette am rohstofflichen Ertrag, um die<br />

Anreize für ein hochwertiges Urban Mining zu erhöhen.<br />

Wird dies in den nächsten fünf Jahren auf den Weg gebracht, so besteht die Aussicht, dass durch das<br />

Urban Mining neue Rohstoffpotenziale erschlossen werden und damit auch ein Beitrag zur Rohstoffversorgung<br />

und -sicherheit geleistet werden kann.<br />

Summary<br />

The Building as Mine<br />

In his paper “Das Bauwerk als Bergwerk” (The Building as Mine), Rainer Lucas describes a new way of<br />

extracting raw materials called urban mining. The development of secondary deposit dumps, buildings<br />

and infrastructure has many advantages over existing waste management and could be the way to<br />

a resource economy. The right potential already exists. In order for Germany to implement it, what is<br />

needed is a policy framework and a better informational foundation.<br />

31


<strong>Ressourcenmanagement</strong><br />

Energie- und Ressourceneffizienz<br />

Nicht nur für das Klima von Vorteil<br />

Von Prof. Dr. Maximilian Gege, B.A.U.M. e.V.<br />

Vor gut vierzig Jahren (1970) mussten für ein Barrel Rohöl (159 Liter) knapp drei US Dollar, für einen<br />

Liter Heizöl 12 Pfennig bezahlt werden. Der Durchschnittspreis für eine Kilowattstunde Haushaltsstrom<br />

schlug mit umgerechnet 0,06 Euro zu Buche, Normalbenzin kostete ca. 0,29 Euro pro Liter. Damals<br />

lebten 3,7 Milliarden Menschen auf der Erde.<br />

Heute – im Frühjahr <strong>2011</strong> – kostet das Barrel Rohöl rund 113 US Dollar (Stand 24.3.<strong>2011</strong>), also circa<br />

37 mal so viel, der Liter Heizöl liegt bei circa 80 Cent, also 13 Mal so hoch, für eine Kilowattstunde<br />

Haushaltsstrom sind circa 25 Cent zu bezahlen und das Normalbenzin kostet fast 1,50 Euro, also fast<br />

sechs Mal so viel wie 1970.<br />

Die atomare Katastrophe in Japan hat uns deutlich vor Augen geführt, dass die Kernenergie immer<br />

mit einem „Restrisiko“ verbunden ist. Neben den sowieso schon vorhandenen Risiken wie der langfristigen<br />

Verfügbarkeit von Uran und vor allem der ungeklärten Entsorgung des strahlenden Mülls<br />

oder auch terroristischen Anschlägen kann menschliches/technisches Versagen nie ausgeschlossen<br />

werden. Auch in Deutschland stehen Atommeiler in erdbebengefährdeten Gebieten. Wir haben schon<br />

immer darauf hingewiesen, solche Risiken wenn irgend möglich zu vermeiden und in den Einsatz<br />

erneuerbarer Energien, das Energiesparen und Energieeffizienzmaßnahmen zu intensivieren, um damit<br />

die Produktion von Atomstrom zu kompensieren. Die jetzt abgeschalteten 7 Atommeiler lieferten ca.<br />

7 Prozent des Stroms in Deutschland, alle 17 ca. 23 Prozent. Aussagen, wonach jetzt höhere Preise<br />

wegen der Abschaltung befürchtet werden oder auch ein Zubau von Kohle- oder Gaskraftwerken<br />

notwendig wird, halten wir nicht für zielorientiert. Entscheidend ist jetzt, endlich alle Einsparpotenziale<br />

durch Energiesparen, Einsatz der erneuerbaren Energien und Energieeffizienzmaßnahmen konsequent<br />

und umfassend zu nutzen.<br />

Im Jahr <strong>2011</strong> wird die Weltbevölkerung die Sieben-Milliarden-Marke überschreiten. Die Ölvorräte<br />

neigen sich dem Ende zu. Dies belegt unter anderem Matthew R. Simmons in seinem aufrüttelnden<br />

Buch „Wenn der Wüste das Öl ausgeht“. Dabei nimmt die weltweite Nachfrage nach Öl weiter zu.<br />

Der Einsatz erneuerbarer Energien<br />

ist ein Schritt zur immer wichtiger<br />

werdenden Energie- und Ressourceneffizienz.<br />

Using renewable energies is a<br />

step towards energy and resource<br />

efficien cy, which is becoming increasingly<br />

important.<br />

32


Resource Management<br />

Energie- und Ressourceneffizienz<br />

Dramatische Preissteigerungen sind die Konsequenz. Schon in einem „Current Policies Scenario“, das<br />

heißt „bei gleichbleibenden Gegebenheiten“, prognostiziert die Internationale Energieagentur Ölpreissteigerungen<br />

bis 2035 um 126,4 Prozent. Die Weltbevölkerung wird bis 2050 auf über neun Milliarden<br />

Menschen zunehmen, mit einer massiven Nachfrage nach Energie, Rohstoffen, Wasser, Flächen, Nahrungsmitteln<br />

etc. Auch die Preise für Gas, Wasser, Nahrungsmittel, Rohstoffe, seltene Erden werden<br />

durch diese massive Nachfrage enorm steigen. Ob bei der erwarteten Zunahme der Weltbevölkerung<br />

auf neun Milliarden Menschen bis 2050 und der damit verbundenen extrem steigenden Nachfrage<br />

nach Öl, Gas, Rohstoffen etc. das Zwei-Grad-Ziel der maximalen Klimaerwärmung erreicht werden<br />

kann, ist mehr als fraglich.<br />

Zahlreiche Studien sprechen eine klare Sprache. Auch die 1109 von B.A.U.M. im Rahmen von „Ökoprofit“<br />

untersuchten Unternehmen zeigten Einsparpotenziale von durchschnittlich 47.000 Euro und<br />

180 Tonnen CO 2<br />

p.a. sowie 518.000 kWh beim Stromverbrauch. Und dies bei Investitionen von durchschnittlich<br />

135.000 Euro. Eine Rentabilität von rund 35 Prozent pro Jahr – bei gleichzeitigem Klimaschutz.<br />

Dabei handelt es sich nicht um Großunternehmen, sondern um Betriebe mit durchschnittlich<br />

270 Mitarbeitern. Wenn das keine Win-win-Strategie ist?<br />

Aber auch in kleinen Unternehmen mit bis zu 50 oder mittleren Unternehmen mit bis zu 100-250 und<br />

mehr Mitarbeitern lohnt sich die Einführung eines gezielten Energie- und <strong>Ressourcenmanagement</strong>s.<br />

Genauso wie bei den öffentlichen Einrichtungen. Ansonsten verschenken wir Jahr für Jahr insgesamt,<br />

das heißt auch unter Berücksichtigung der rund 40 Millionen privaten Haushalte, 30 bis 50 Milliarden<br />

Euro und die gleichzeitig wirklich massive Reduktion der CO 2<br />

-Belastungen.<br />

Zur schnellen Realisierung benötigen wir:<br />

• das konkrete Wissen um die Chancen der Energie-Ressourcen-Effizienz,<br />

• die organisatorischen Voraussetzungen, das heißt den „Kümmerer“ im Unternehmen (Fachpromoter),<br />

der von oben (dem Machtpromoter) entsprechend gestützt wird, und<br />

• das erforderliche Kapital zur Durchführung der Investitionen. Dieses Kapital kann auch durch das<br />

neue Konzept des Zukunftsfonds bereitgestellt werden.<br />

33


<strong>Ressourcenmanagement</strong><br />

Energie- und Ressourceneffizienz<br />

Warum sollte nicht verstärkt privates Kapital genau für diese Maßnahmen eingesetzt werden? Bei den<br />

relativ sicheren und hohen Energiekosteneinsparungen kann dieser Zukunftsfonds problemlos eine<br />

Rendite von fünf Prozent ausschütten und eine professionelle Beratung mitfinanzieren. Günstige staatliche<br />

Rahmenbedingungen, zum Beispiel Teilfinanzierung durch ein gezieltes Fördermittelprogramm,<br />

zum Beispiel bei der energetischen Sanierung oder steuerliche Sonderabschreibungen/Zuschüsse bei<br />

Investitionen in Effizienzmaßnahmen würden die massive Nutzung von Energie-Ressourcen-Effizienz in<br />

allen Bereichen der Gesellschaft beschleunigen. Und auch der Staat wäre, neben den Unternehmen, den<br />

privaten Haushalten und öffentlichen Einrichtungen und natürlich dem Klima, der klare Gewinner.<br />

Allein der schnelle Austausch von zum Beispiel fünf Millionen alten, völlig ineffizienten und klimabelastenden<br />

Heizkesseln durch effiziente Heizsysteme in Verbindung mit erneuerbaren Energien<br />

würde – bei zum Beispiel einem durchschnittlichen Anschaffungspreis von 12.000 Euro – rund 11,4<br />

Milliarden Euro als zusätzliche Mehrwertsteuer in die Kassen spülen, neben den positiven Effekten für<br />

Arbeitsplätze, Umsätze für Industrie und Handwerk und damit verbundenen Erträgen und zusätzlichen<br />

Einkommens- und Gewerbesteuern. Dieselben Effekte ergeben sich beim Austausch von Millionen<br />

alter Pumpen, Elektromotoren, Waschmaschinen, Kühlschränken, Geschirrspülern, Thermostatventilen,<br />

Beleuchtungskörpern, Druckluftanlagen, IT, bei der energetischen Sanierung von Gebäuden oder dem<br />

verstärkten Einsatz von Mess-, Steuerungs- und Regelungstechnik.<br />

Es funktioniert, wir müssen es nur wollen.<br />

Wie sonst sollen die auch unter Klimaaspekten zwingend wichtigen Ziele einer CO 2<br />

-Reduktion von 40<br />

Prozent bis 2020 und 80-95 Prozent bis 2050 überhaupt erfolgreich realisiert werden?<br />

Und wie wollen wir die Sicherung und die Wettbewerbsfähigkeit des Wirtschaftsstandorts Deutschland<br />

gewährleisten?<br />

34


Resource Management<br />

Energie- und Ressourceneffizienz<br />

Wir haben keine Rohstoffe und sind deshalb primär auf Importe angewiesen – egal zu welchen Preisen!<br />

Eine Strategie der Energie- und Ressourceneffizienz und letztlich der Kreislaufwirtschaft mit einer<br />

umfassenden Weiterverwertung/Nutzung der eingesetzten Rohstoffe nach Gebrauch ist der Schlüssel<br />

zu langfristigem Erfolg. Auch Konzepte wie „Cradle to Cradle ® “, von Michael Braungart entwickelt<br />

und von zahlreichen internationalen Unternehmen bereits genutzt, sind hier absolut hilfreich und<br />

wegweisend.<br />

Aber letztendlich kommt es auf den Willen zur Veränderung an. „Alles was wir heute tun, wird entscheiden,<br />

wie die Welt morgen aussehen wird“ (Boris Pasternak). Deshalb: Lassen Sie uns starten und<br />

die Riesenpotenziale nutzen! Zum Wohle der Unternehmen, der Mitarbeiter, der Gesellschaft und des<br />

Klimas!<br />

Summary<br />

Energy and Resource Efficiency – Not only Good for the Climate<br />

Because of nuclear energy production risks and the increasing demand for raw materials from a growing<br />

world population, it is important to maximise our savings potential by consistently and comprehensively<br />

saving energy, using renewable power sources and putting energy efficiency measures into effect. It is<br />

possible to turn this into reality with the right conditions in place, so that companies, private households,<br />

public institutions, and even the government can benefit from it. The most important thing is to have<br />

the will to change and to use the potential that exists.<br />

35


<strong>Ressourcenmanagement</strong><br />

„Wilde Buche“<br />

Deutscher „Urwald“ für Unternehmen<br />

ForestFinance<br />

Alte Buchenwälder mit 200 Jahre alten Bäumen sind in Deutschland fast verschwunden. Im Rahmen<br />

eines einzigartigen Waldschutzprojekts von B.A.U.M. e.V. und ForestFinance können engagierte Unternehmen<br />

jetzt im „Internationalen Jahr der Wälder“ helfen, verbleibende Reservate zu schützen.<br />

Es gilt als eines der letzten seiner Art in Deutschland. Im Waldreservat „Wilde Buche“ in der rheinlandpfälzischen<br />

Gemeinde Hümmel stehen bis zu 200 Jahre alte Buchen und niemand rührt sie an. Der Wald<br />

bleibt sich selbst überlassen, wird nicht forstlich genutzt oder bearbeitet. Im Laufe der Jahrzehnte ist<br />

so eine beachtenswert biodiverse Flora und Fauna entstanden. „Wilde Buche“ ist Lebensraum für eine<br />

Vielzahl seltener einheimischer Tier- und Pflanzenarten wie Wildkatzen und bis zu 30.000 Insektenund<br />

Pilzarten. Solche einzigartigen „Ur-Buchenwälder“ stehen in Deutschland nur noch auf weniger<br />

als einem Prozent der gesamten Waldfläche.<br />

Vorteile für die Umwelt<br />

Laubwälder wie die Buchen in Hümmel haben neben ihrer klimarelevanten Rolle als CO 2<br />

-Speicher<br />

viele weitere Funktionen für eine intakte Umwelt: Neben dem schützenden Lebensraum für zahlreiche<br />

Pflanzen und Tiere produzieren sie im Vergleich zu Nadelwäldern erheblich mehr lebenswichtiges<br />

Trinkwasser – ein knapper Rohstoff auch hierzulande, was vielen Menschen nicht mehr bewusst ist.<br />

In Hümmel hat man sich deshalb dafür entschieden, Teile des Ur-Buchen-bewaldeten Gebiets der<br />

wirtschaftlichen Nutzung zu entziehen und auf eine kommerzielle Durchforstung fortan zu verzichten.<br />

Das Waldreservat „Wilde Buche“ wurde geschaffen, um als stillgelegter FSC-zertifizierter Wald seinem<br />

natürlichen Altern überlassen werden zu können.<br />

Das Waldreservat „Wilde Buche“: Ein<br />

unangetasteter Ort, der so seinem<br />

natürlichen Altern überlassen wird.<br />

The forest reserve, Wilde Buche (Wild<br />

Beech): an untouched place, left to<br />

its own natural aging process.<br />

36


Resource Management<br />

„Wilde Buche“<br />

ForestFinance und B.A.U.M. e.V. ermöglichen Waldschutz<br />

Um weiterhin Buchenwälder schützen zu können, ist die Gemeinde auf Projektpartner und externe<br />

Mittel angewiesen, verzichtet sie doch auf erhebliche Einnahmen – denn eigentlich würde die herkömmliche<br />

deutsche Forstwirtschaft von der Gemeinde verlangen, das Buchenholz einträglich zu<br />

vermarkten. Urwaldschutz kostet auch in Deutschland. Auf der Suche nach passenden Partnern wurde<br />

man schnell fündig: Die Bonner ForestFinance Gruppe - die über mehr als 15 Jahre Erfahrung in der<br />

nachhaltigen, FSC-zertifizierten Forstwirtschaft verfügt und weltweit über 3.000 Hektar Invest- und<br />

CO 2<br />

-Wälder ökologisch bewirtschaftet - und B.A.U.M. e.V. haben zusammen ein Konzept entwickelt,<br />

mit dem sich weitere Buchenflächen schützen lassen: Mit unterschiedlich hohen Beteiligungen können<br />

Mitgliedsorganisationen von B.A.U.M. e.V. dafür sorgen, dass weitere Buchenflächen in und um Hümmel<br />

stillgelegt werden und das Waldreservat weiter wächst. Mit allen genannten positiven Effekten<br />

für Umwelt, Biodiversität, Klima und Trinkwasser. Die zur Verfügung gestellten Mittel kommen der<br />

Gemeinde zugute, die im Gegenzug sowohl für den dauerhaften Schutz der seltenen Flächen einsteht,<br />

als auch langfristig weitere angrenzende Waldgebiete erwirbt, in das Waldschutzreservat aufnimmt<br />

und so aufwertet. Im Gegenzug werden die Unternehmen als offizielle Partner des Schutzwaldes<br />

„Wilde Buche“ geführt und können dies als CSR-Maßnahme Ihres Unternehmens kommunizieren.<br />

Hierfür stellen ForestFinance und B.A.U.M. e.V. umfangreiches Bild-, Karten- und Videomaterial zur<br />

Verfügung. Darüber hinaus ist der Wald als Naturschutzprojekt natürlich erlebbar – z.B. im Rahmen<br />

von Firmenexkursionen unter professioneller Führung.<br />

Summary<br />

Wilde Buche (Wild Beech)<br />

The forest reserve, Wilde Buche (Wild Beech), in the Rhineland-Palatinate town of Hümmel, contains 200<br />

year old beech trees, that are no longer available for economic purposes and have been left to themselves.<br />

This forest protection project was funded by ForestFinance Group, Bonn and B.A.U.M. e.V.. With<br />

investments, more beech tree acreage in and around Hümmel will be shut down and the forest reserve<br />

will grow, having a positive effect on the environment, biodiversity, climate and drinking water.<br />

37


<strong>Ressourcenmanagement</strong><br />

Elektroschrott<br />

Wertvolle Rohstoffe für Europa<br />

Von Dr. Rebecca Prelle, Berliner Stadtreinigung<br />

Der Abfallstrom an Altgeräten wächst. Daher sind dringend weitere effiziente Maßnahmen geboten,<br />

um die wertvollen Rohstoffe aus Altgeräten zu sichern, Ressourcen zu schonen und eine umweltverträgliche<br />

Entsorgung zu gewährleisten.<br />

Am 3. Februar <strong>2011</strong> hat das Europäische Parlament (EP) in erster Lesung der Novellierung der europäischen<br />

Altgeräterichtlinie von 2003 (WEEE-Richtlinie) für ein neues Sammelziel von 85 Prozent des<br />

angefallenen E-Schrotts ab 2016 zugestimmt. Der Entwurf der Kommission sah bisher eine Erfassungsquote<br />

von 65 Prozent als neue Zielsetzung vor. Mit weiteren Änderungen am Kommissionsentwurf<br />

von 2008 will das Parlament unter anderem erreichen, dass die Mitgliedsstaaten die Sammelziele und<br />

die Verwertung kontrollieren, sowie den illegalen Export von Elektroschrott aus der EU verhindern.<br />

„Wir haben Erkenntnisse aus Ländern mit großen Häfen gesammelt. Dort wurden 420 Container mit<br />

hochwertigem Elektronikschrott geprüft, und davon waren 360 illegal“, so der ehemalige Vorsitzende<br />

des Umweltausschusses, Karl-Heinz Florenz. Nun muss sich der Ministerrat zu dem EP-Beschluss äußern.<br />

Wann eine endgültige Verabschiedung der Änderungsrichtlinie zu erwarten ist, steht noch nicht fest.<br />

Was die Theorie verspricht …<br />

Die WEEE-Richtlinie wurde 2005 durch das Gesetz über das Inverkehrbringen, die Rücknahme und die<br />

umweltverträgliche Entsorgung von Elektro- und Elektronikgeräten (ElektroG) in Deutschland umgesetzt.<br />

Das Gesetz regelt die Produktverantwortung der Hersteller und bezweckt vorrangig die Vermeidung<br />

von Abfällen. Darüber hinaus regelt es die Wiederverwendung, die stoffliche Verwertung und andere<br />

Verwertungsformen, um die zu beseitigende Abfallmenge zu reduzieren, sowie den Eintrag von<br />

Schadstoffen aus Elektro- und Elektronikgeräten in Abfälle zu verringern. Das bis dahin in Deutschland<br />

geltende Entsorgungssystem wurde komplett geändert. Während die Kommunen nur für die Sammlung<br />

und Erfassung für Altgeräte aus privaten Haushalten zuständig waren, lag die Zuständigkeit für<br />

die Abholung der Altgeräte bei den kommunalen Sammelstellen sowie für deren Wiederverwendung,<br />

Berge, deren Wert erst noch erkannt<br />

werden muss: Noch werden viele<br />

Altgeräte als Gebrauchtgeräte zur<br />

Wiederverwendung deklariert, um<br />

das Abfallverbringungsrecht zu umgehen.<br />

The value of these mountains is yet<br />

to be discovered: many old appliances<br />

are still being declared as used<br />

appliances for recycling in order to<br />

avoid the waste shipment law.<br />

38


Resource Management<br />

Elektroschrott – Wertvolle Rohstoffe für Europa<br />

Behandlung, Verwertung und Beseitigung bei den Herstellern. Die Kommunen müssen den Bürgern die<br />

entgeltlose Abgabe an Sammelstellen ermöglichen und die Kosten der Erfassung tragen; die Hersteller<br />

wiederum tragen die Kostenlast für die Bereitstellung der Behälter an den kommunalen Sammelstellen,<br />

die Abholung und die Entsorgung der Altgeräte. Sämtliche Hersteller von Altgeräten müssen sich bei<br />

der Stiftung für Elektroaltgeräte (EAR) registrieren lassen und für die Entsorgung ihrer Altgeräte aus<br />

privaten Haushalten eine insolvenzsichere Garantie nachweisen. Die EAR berechnet die Abholpflichten<br />

der Hersteller und löst nach „Behälter voll“-Meldungen der Kommunen dementsprechend Abholanordnungen<br />

an die Hersteller aus. Bislang wird durch das Gesetz eine durchschnittliche Quote von<br />

vier Kilogramm getrennt gesammelter Altgeräte aus privaten Haushaltungen pro Einwohner und Jahr<br />

vorgegeben. Diese Quote wird schon seit 2005 durch die Bundesrepublik weit übertroffen.<br />

… kann die Praxis nicht halten!<br />

Die Praxis zeigt erhebliche Fehlentwicklungen. Die in dem Gesetz herausgehobene Wiederverwendung<br />

findet kaum statt. Die Geräte weisen durch den Einwurf in Container, Transporte und Umladungen einen<br />

hohen Beschädigungsgrad auf. Kommunen, Logistiker und Entsorger arbeiten mit einem immensen<br />

Kostendruck bis zu einer bestimmten Schnittstelle, an der die Verantwortlichkeit anderer beginnt, ohne<br />

die Folgen ihres Handelns für die Qualität der Geräte zu berücksichtigen. Mit jedem weiteren Handling<br />

der Altgeräte verschlechtert sich die Qualität der Geräte. Insbesondere bei Bildschirmgeräten wurden<br />

dramatische Zerstörungsgrade verzeichnet.<br />

Außerdem ist offensichtlich, dass viele Altgeräte nicht in dem Rücknahmesystem landen. Nach dem<br />

Bericht der Bundesregierung an die Europäische Kommission im Juli 2008 für das Jahr 2006 wurden<br />

in Deutschland ca. 1.836.913 Tonnen Elektro- und Elektronikgeräte auf den Markt gebracht, Altgeräte<br />

wurden ca. 753.900 Tonnen eingesammelt. Die Diskrepanz zwischen in den Verkehr gebrachten<br />

und eingesammelten Geräten erklärt sich aus dem Erfassungssystem (Bringsystem führt dazu, dass<br />

Kleingeräte im Restmüll landen), dem zunehmenden Markt für Elektrogeräte und vor allem auch<br />

durch hohe Mengen illegaler Exporte. Mehr als 155.000 Tonnen Elektroschrott werden nach einer vom<br />

39


<strong>Ressourcenmanagement</strong><br />

Elektroschrott – Wertvolle Rohstoffe für Europa<br />

Umweltbundesamt in Auftrag gegebenen Studie jedes Jahr aus Deutschland weitgehend illegal ins<br />

außereuropäische Ausland geschafft, darunter allein rund 50.000 Tonnen PC- und Fernseh-Bildschirme,<br />

die neben Metallen auch flammhemmende Bromverbindungen wie gefährliche polybromierte Diphenylether<br />

(PentaBDE) enthalten können. Tatsächlich ist von einer höheren Zahl auszugehen. Aus den<br />

Zahlen in der Folgenabschätzung der Europäischen Kommission geht hervor, dass gegenwärtig bereits<br />

65 Prozent der in den Verkehr gebrachten Elektro- und Elektronikgeräte getrennt gesammelt werden,<br />

davon aber mehr als die Hälfte entweder nicht normgerecht behandelt oder illegal ausgeführt werden.<br />

Ursächlich für die illegalen Exporte ist die fehlende rechtsverbindliche Abgrenzung von Altgeräten<br />

und Gebrauchtgeräten, so dass viele faktische Altgeräte als Gebrauchtgeräte zur Wiederverwendung<br />

deklariert werden, um das Abfallverbringungsrecht zu umgehen. Auch sind die Kontrollen durch<br />

Behörden nicht strikt genug. Neben den Gefahrstoffen, die so unkontrolliert die EU verlassen, gehen<br />

auch wichtige Rohstoffe verloren. „Kostbare Rohstoffe vernünftig zu recyceln, ist bei steigenden<br />

Weltmarktpreisen – gerade für viele Metalle – auch ein ökonomisches Gebot der Vernunft“, so UBA-<br />

Präsident Jochen Flasbarth.<br />

Die Probleme wurden durch die Europäische Kommission erkannt und sollen durch die Änderungsrichtlinie<br />

gelöst werden. Dabei hat das Europäische Parlament seine Forderungen für eine notwendige<br />

Rohstoffsicherung für Europa stärker formuliert. Der Umgang mit Altgeräten muss derart optimiert<br />

werden, dass die Erhaltung der Rohstoffe im Vordergrund steht. Um die Wiederverwendung zu fördern,<br />

muss die Beschädigung der Geräte vermindert werden. Im Interesse einer möglichst weitgehenden Wiederverwendung<br />

von ganzen Geräten sollen nach dem Änderungsvorschlag des EP die Mitgliedstaaten<br />

dafür sorgen, dass die Sammelsysteme vor jeder weiteren Verbringung die Trennung wiederverwendbarer<br />

Geräte von getrennt gesammelten Altgeräten direkt an den Rücknahmestellen ermöglichen. Der Verlust<br />

wichtiger Sekundärrohstoffe durch illegale Exporte muss durch stärkere Kontrollen und Sanktionen<br />

unterbunden werden, um Rohstoffe für Europa zu sichern und Anreize zur Investition in inländische<br />

Verwertungs- und Recyclingtechnologien aufrecht zu erhalten und zu verstärken.<br />

Summary<br />

Electronic Waste – Valuable Raw Materials für Europe<br />

The European Parliament voted for a new collection goal of 85% of the accumulated e-waste as of 2016.<br />

In theory, this looks like a good idea – the law of putting into circulation, redemption and eco-friendly<br />

disposal of electronic and electrical appliances – but what actually happens is different. The appliances<br />

are badly damaged when they are thrown into containers, transported and reloaded. Others do not<br />

even make it into the recycling system. Instead they are illegally exported, for example. The European<br />

Commission recognises these problems and would like to solve them by amending directives.<br />

40


Resource Management<br />

Umdenken und handeln<br />

Perspektiven einer erfolgreichen Ressourcenpolitik<br />

Eine erfolgreiche Ressourcenpolitik kann mehr, als der Wirtschaft aus der „Rohstoffklemme“ zu<br />

helfen. Sie sorgt nicht nur für den Schutz von Umwelt und Klima. Vielmehr senkt eine ressourcenschonende<br />

Wirtschafts- und Lebensweise den absoluten Rohstoffverbrauch und erhöht somit die<br />

Wettbewerbsfähigkeit.<br />

Von Jochen Flasbarth, Umweltbundesamt (UBA)<br />

Die Potenziale für mehr Ressourceneffizienz sind kaum zu übersehen. Querschnittstechnologien wie<br />

Dämmstoffsysteme oder Membrantechnologien zur Wasseraufbereitung können die Türen für weitere<br />

großtechnische Anwendungen öffnen. Ein anderer Schauplatz ist der Wachstumsmarkt der Informations-<br />

und Kommunikationstechnik. Hier benötigen wir einen effizienteren Umgang mit Rohstoffen. Von<br />

der Produktentwicklung bis zu den Geschäftsmodellen, überall gilt es, wertvolle Rohstoffe zu sparen.<br />

Obwohl technische und systemische Ansätze wie arbeitsplatzbezogene Computerlösungen, Produkt-<br />

Dienstleistungssysteme (PDL) und neuartige Werkstoffe für den Leichtbau bekannt sind, gibt es bisher<br />

zu wenig Investitionen in ressourceneffiziente Produkte und Produktionsprozesse. Deutschland und<br />

Europa kommen beim Ressourcenschutz zu langsam voran. Offenkundig fehlt es an Information und an<br />

geeigneten Institutionen, die die Ressourceneffizienz forcieren, sowie an Instrumenten und Anreizen,<br />

die in Deutschland und in Europa den Einstieg in eine entsprechende Wirtschaftsweise befördern. Diese<br />

ist schon allein aufgrund drohender Lieferengpässe, beispielsweise für Seltene Erden wie Neodym, das<br />

zur Herstellung von Permanentmagneten für Elektromotoren benötigt wird, dringend geboten.<br />

Auf gutem Wege?<br />

Die Politik nimmt die Herausforderung mittlerweile an. Die EU-Kommission wirbt mit ihrer Flagship-<br />

Initiative für ein ressourcenschonendes Europa und entwickelt seit 2008 schrittweise ihre Strategie<br />

für die Sicherung der Rohstoffversorgung. Die Bundesregierung verabschiedete im Oktober 2010 ihre<br />

Rohstoffstrategie und gründete die nationale Rohstoffagentur bei der Bundesanstalt für Geowissenschaften<br />

und Rohstoffe (BGR). Zeitgleich bekam das Bundesumweltministerium vom Bundeskabinett<br />

den Auftrag, ein nationales Ressourceneffizienzprogramm auszuarbeiten. Im Umfeld der TU Bergakademie<br />

Freiberg entsteht <strong>2011</strong> ein Institut für die angewandte Forschung und Entwicklung von<br />

Ressourcentechnologien.<br />

Noch nicht ganz!<br />

Es reicht allerdings nicht aus, lediglich die Ressourceneffizienz zu steigern. Nur mit einer Entkopplung<br />

des Ressourcenverbrauchs von der wirtschaftlichen Entwicklung und mit einer absoluten Senkung des<br />

Verbrauchs in einer Größenordnung von mindestens Faktor 10 können Umwelt und Klima entlastet<br />

werden. Eine erfolgreiche Ressourcenpolitik muss dabei ressort- und wahlperiodenübergreifende Strategien<br />

konzipieren und umsetzen. Dafür braucht sie die Unterstützung von unabhängigen, intermediären<br />

Institutionen und Netzwerken auf allen Ebenen.<br />

41


<strong>Ressourcenmanagement</strong><br />

Umdenken und handeln<br />

Die Lösung: bundesweite Agentur für Ressourceneffizienz<br />

Um das zu gewährleisten, unterstützen wir die Idee einer bundesweiten Agentur für Ressourceneffizienz.<br />

Die neu zu gründende Agentur soll unter anderem die öffentlichen Förderstrukturen und Finanzierungsangebote<br />

optimieren und bündeln. Darüber hinaus soll sie auch dafür sorgen, dass Innovationen<br />

– die eigentlichen Triebkräfte der wirtschaftlich-technischen Entwicklung – problemlösungsorientiert<br />

angelegt werden. D.h., Innovationen müssen technische und soziale Erneuerungsprozesse miteinander<br />

verbinden. Eine solche Kombination, gemeinsam durchgeführt von Akteuren aus dem Produktbereich<br />

und aus dem Dienstleistungsbereich, ist das Konzept „Nutzen statt Besitzen“, welches z.B. durch<br />

Leasingmodelle realisiert werden kann.<br />

Mit einem Innovations- und Markteinführungsprogramm sowie der Bereitstellung von Venture Capital<br />

für Ressourceneffizienzlösungen könnte die Politik Innovationen eine Richtung geben. Vor allem kleine<br />

und mittelständische Unternehmen (KMU), die bei Innovationsprozessen ihre Größennachteile gegenüber<br />

Großunternehmen ausgleichen müssen, würden davon profitieren. Auch der Finanzsektor selbst<br />

hat eine Schlüsselstellung für die ökologische Modernisierung und Steigerung der Ressourceneffizienz,<br />

da er mitentscheidet, ob und wie Innovationen in Unternehmen finanziert werden können.<br />

Der Staat muss natürlich auch selbst mit gutem Beispiel voran schreiten, z.B. was die Beschaffung<br />

ressourceneffizienter Produkte und Dienstleistungen angeht. Denn rund ein Viertel der Nachfrage<br />

nach Gütern und Dienstleistungen sowie zehn Prozent der Baunachfrage kommen von öffentlichen<br />

Aufraggebern. Hier muss ein Ziel sein, Lebenszykluskostenbetrachtungen als verpflichtendes Beschaffungskriterium<br />

zu etablieren. Ein weiteres Ziel sollte sein, den Aus- und Umbau sowie die Unterhaltung<br />

von staatlich bereitgestellten Infrastrukturen (z.B. für Verkehr, Trink- und Abwasser, Telekommunikation<br />

sowie Strom, Gas und Fernwärme) ressourceneffizient zu optimieren.<br />

Eine Steigerung der Ressourceneffizienz<br />

sollte damit einhergehen, den<br />

Verbrauch von der Wirtschaft zu entkoppeln<br />

und zu senken.<br />

An increase in resource efficiency<br />

should accompany decoupling usage<br />

from business and reduce consumption<br />

in the economy.<br />

42


Resource Management<br />

Umdenken und handeln<br />

Außerdem: Bewusstsein schaffen!<br />

Trotz einer latenten, aber weit verbreiteten Wahrnehmung innerhalb der Bevölkerung, dass die aktuellen<br />

Konsummuster nicht zukunftsfähig sind, werden die mit der Ressourceneffizienz verbundenen Chancen<br />

bisher kaum erkannt. Die Notwendigkeit der Schonung natürlicher Ressourcen ist – im Gegensatz<br />

zur Energieeffizienz – bei weitem noch nicht im Alltagsbewusstsein angekommen. Eine erfolgreiche<br />

Ressourcenpolitik muss hier klare, zielgruppenspezifische Angebote zum Wissenstransfer über Handlungs-<br />

und Mitgestaltungsmöglichkeiten für Bürgerinnen und Bürger schaffen.<br />

Lassen Sie uns gemeinsam an einer ressourcenschonenden Wirtschafts- und Lebensweise arbeiten –<br />

die Zeit drängt.<br />

Informationen für Unternehmen sind der Website des vom BMU und UBA geförderten Netzwerkes<br />

Ressourceneffizienz unter www.netzwerk-ressourceneffizienz.de/en zu entnehmen.<br />

Summary<br />

Rethink and Act<br />

The potential for resource efficiency already exists, but it is not yet sufficiently exploited. An increase<br />

in efficiency is not the only thing we need to strive towards. We also need to separate and reduce<br />

the use of resources in business. For this, independent, intermediary institutions and networks must<br />

support policies on all levels. A nationwide agency for resource efficiency could take on tasks such as<br />

optimising and grouping public funding structures and financial proposals. In addition, it is important<br />

to create more awareness of the necessity for conserving resources.<br />

43


<strong>Ressourcenmanagement</strong><br />

Das Jahrhundert der nachhaltigen Entwicklung<br />

Integriertes Roadmapping und Sustainable Value als Methoden<br />

zur Durchsetzung nachhaltiger Innovationen<br />

Von Prof. Dr. Rolf Kreibich, Institut für Zukunftsstudien und Technologiebewertung (IZT)<br />

Für die Entwicklung und Operationalisierung nachhaltiger Unternehmenskonzepte haben wir am IZT<br />

Berlin zwei Methoden entwickelt: Integriertes Roadmapping und Sustainable Value. Das zentrale Ziel<br />

beider Methoden sind Win-Win-Win-Strategien in doppelter Hinsicht: Erarbeitung von ökonomischen,<br />

ökologischen und sozialkulturellen Gewinnen sowie gleichzeitige Erwirtschaftung von Gewinnen für<br />

das Unternehmen, die Volkswirtschaft und die Allgemeinheit durch Ressourceneffizienz und -schonung<br />

sowie bessere Umwelt-, Arbeits-, Sozial- und Gesundheits bedingungen.<br />

Es hat sich – nach 30 harten Jahren – endlich erwiesen und allmählich herumgesprochen, dass Ökonomie<br />

und Ökologie keine Gegensätze sind, sondern sich in einer Welt der endlichen Ressourcen und<br />

verletzbaren Ökosysteme gegenseitig bedingen. Dass vernünftiges ökonomisches, ökologisches und<br />

soziales Handeln zusammengeht, beweist heute in geradezu klassischer Weise die Solarwirtschaft, die<br />

auf die Kraft der Sonne und die Effizienz moderner Wissenschaft und Technologie aufbaut. Auch die<br />

zahlreichen guten Beispiele erfolgreicher Kreislaufwirtschaft, in der die Wertstoffe und Ressourcen in<br />

die gleiche qualitativ hochwertige Produktion von Geräten oder Gebrauchsprodukten zurückgeführt<br />

werden, beweisen, dass nachhaltiges Wirtschaften möglich ist. Um noch schneller zum Ziel zu kommen,<br />

benötigen wir aber auch noch mehr Einsicht und Vernunft für ein ressourcensparendes Nachfrage- und<br />

Verbraucherverhalten in den Verbrauchssektoren Industrie, Haushalte, Dienstleistungen und Verkehr.<br />

Erfreuliches Engagement für Zukunftskonzepte<br />

Durch die guten Beispiele nachhaltig operierender Unternehmen ist die These der Mainstreampolitik<br />

und -wirtschaftswissenschaften widerlegt, dass die Unternehmen erst große Gewinne machen müssten,<br />

um mit diesen dann die Folgeschäden des überdimensionalen Ressourcen- und Energieverbrauchs<br />

fossiler und nuklearer Energieerzeugung reparieren zu können. Wir wissen seit Jahrzehnten, dass kein<br />

Gewinn dafür ausreichen würde. Zahlreiche Folgen wie die Vernichtung von Pflanzen- und Tierarten,<br />

massive Klimaveränderungen und radioaktive Verseuchungen sind überhaupt nicht reparierbar, sondern<br />

schlichtweg irreversibel.<br />

Für die Umsetzung nachhaltiger<br />

Unter nehmenskonzepte bedarf es<br />

nicht nur einer Idee. Integriertes<br />

Roadmapping und Sustainable Value<br />

liefern Ansätze zu ihrer Untersuchung<br />

und Entwicklung.<br />

44


Resource Management<br />

Das Jahrhundert der nachhaltigen Entwicklung<br />

In den letzten Jahren verzeichnen wir erfreulicherweise ein zunehmendes Engagement der Wirtschaft<br />

für nachhaltige Zukunftskonzepte. Heute gibt es bereits in fast allen Wirtschaftsbranchen kleine,<br />

mittlere und große Vorreiter-Unternehmen, die die Leitziele der nachhaltigen Entwicklung angenommen<br />

haben und hieran sowohl ihre langfristigen Ziele als auch die mittelfristigen Strategien und<br />

Maßnahmen ausrichten. Zahlreiche Nachhaltigkeitsberichte solcher Pionierunternehmen künden von<br />

den großen Innovationskräften, die in der Wirtschaft im Sinne der Nachhaltigkeit mobilisierbar sind.<br />

Vor diesem Hintergrund haben wir am IZT Berlin die wichtigsten internationalen Zukunftsstudien,<br />

Technikanalysen und -prognosen ausgewertet und herausgearbeitet, welche Schlüsseltechnologien<br />

und Innovationsfelder im Sinne der nachhaltigen Entwicklung in den kommenden Jahrzehnten von<br />

besonderer Relevanz sind.<br />

Welche Instrumente sind für den nachhaltigen Einsatz der prinzipiell leistungsfähigen Zukunftstechnologien<br />

im Sinne von Ressourceneffizienz und -management geeignet? Unsere Antwort: Das Integrierte<br />

Roadmapping und die Sustainable-Value-Methode.<br />

Integriertes Roadmapping<br />

Hintergrund des Integrierten Roadmappings sind die sich maßgeblich verändernden Innovations- und<br />

Produktionsbedingungen. Für die Unternehmen bargen diese Veränderungen zwar gewisse Unsicherheiten,<br />

eröffneten aber zugleich große Entwicklungschancen. So konnten mittel- und langfristige<br />

Zukunftsperspektiven in der Produktion und im Dienstleistungsbereich im Kontext künftiger Kundenanforderungen<br />

aufgezeigt, technologische Antworten auf sozio-ökonomische Trends und gesellschaftliche<br />

Zukunftsherausforderungen identifiziert und sozial-ökologisches Orientierungswissen für die strategische<br />

Gestaltung von Innovationsfeldern und -chancen bereitgestellt werden.<br />

Speziell für Unternehmenskooperationen und Verbände wurden Leitfäden zur Erstellung einer „Integrated<br />

Roadmap“ verfasst. Generell bezeichnet Roadmapping einen Suchprozess, der Darstellungen<br />

über den Stand der Umfeldbedingungen, Produkte, Produktion, Dienstleistungen, Märkte, Kundenwünsche,<br />

Innovationsperspektiven sowie möglicher Zukunftstechnologien und Ressourceneffizienz<br />

zur Stärkung der Wettbewerbssituation hervorbringt. Die Bedeutung des Roadmapping liegt in der<br />

To implement sustainable corporate<br />

concepts, you need more than just<br />

an idea. Integrated roadmapping and<br />

sustainable value provide approaches<br />

for your support and development.<br />

45


<strong>Ressourcenmanagement</strong><br />

Das Jahrhundert der nachhaltigen Entwicklung<br />

Bündelung dieser Einzelthemen, dem Identifizieren von Handlungsoptionen und dem Setzen von<br />

Prioritäten. So werden mögliche Zukunftstechnologien in einem Innovationskontext gebündelt und in<br />

Aktivitäten, Anforderungen und Meilensteine überführt. Der Hauptnutzen ist die Bereitstellung mittelbzw.<br />

langfristigen Orientierungs- und Handlungswissens für Unternehmensstrategien, Produktions- und<br />

Dienstleistungsentwicklungen.<br />

Sustainable Value<br />

Herausforderungen für Unternehmen liegen bekanntlich darin, ihre wirtschaftlichen Interessen so<br />

durchzusetzen, dass sie kurz-, mittel- und langfristig die Nachfrage bedienen und auf dem Markt<br />

erfolgreich sind. Immer mehr steht auch die Forderung im Zentrum, mit den vorhandenen Ressourcen<br />

nachhaltig im Sinne generationsübergreifender Gerechtigkeit umzugehen. Die zu berücksichtigenden<br />

Ressourcen umfassen Rohstoffe, Energie, Fläche, Wasser, Transportleistungen, Schadstoffverbringung,<br />

Werkstofferhaltung etc.. Sowohl im gesamtgesellschaftlichen und volkswirtschaftlichen, als auch im<br />

Unternehmensinteresse soll die Aufgabe nachhaltigen Wirtschaftens sein, die Umwelt- und Sozialleistungen<br />

zu optimieren und mit ökonomischem Erfolg zu verbinden.<br />

Der Sustainable-Value-Ansatz ist der erste wertbasierte Ansatz zur Messung und Steuerung unternehmerischer<br />

Nachhaltigkeitsleistungen. Er misst den Einsatz von Ressourcen genau so, wie Unternehmen<br />

heute den Kapitaleinsatz bewerten. Zur Berechnung des Sustainable Value eines Unternehmens wird<br />

die Ressourcen- oder Materialproduktivität des Unternehmens mit der eines Benchmarks (Vergleichsgruppe)<br />

verglichen:<br />

1 Wie effizient setzt das Unternehmen seine Ressourcen ein?<br />

2 Wie effizient setzt der Benchmark die Ressourcen ein?<br />

3 Setzt das Unternehmen seine Ressourcen effizienter ein als der Benchmark?<br />

4 Welche Ressourcen setzt das Unternehmen wertschaffend ein und welche nicht?<br />

5 Wie viel Sustainable Value schafft ein Unternehmen?<br />

Sustainable Value entsteht immer dann, wenn das Unternehmen seine Ressourcen effizienter im<br />

Sinne der Steigerung der ökonomischen, ökologischen und sozialen Nachhaltigkeitsziele einsetzt als<br />

der Benchmark.<br />

46


Resource Management<br />

Das Jahrhundert der nachhaltigen Entwicklung<br />

Gewinnen durch Nachhaltigkeit<br />

Der große Vorteil im Hinblick auf eine nachhaltige Entwicklung und Produktion in den Unternehmen<br />

besteht bei Anwendung des Sustainable-Value-Ansatzes und des Integrierten Roadmappings vor allem<br />

darin, dass alle Bereiche des Unternehmens in den Prozess der Nachhaltigkeit einbezogen werden.<br />

Nicht mehr nur die Umwelt- und Sozialbeauftragten des Unternehmens, die häufig ohnehin nur<br />

ökologische und soziale Feigenblätter sind, werden in die nachhaltigen Produktionen und Dienstleistungen<br />

einbezogen, sondern alle relevanten Unternehmensbereiche und Entscheider – vom Einkauf<br />

über die Forschung und Entwicklung, das Strategie- und Finanz-Management, das Marketing, die<br />

Kundenbetreuung usw..<br />

Ich selbst bin sicher, dass das 21. Jahrhundert das Jahrhundert der nachhaltigen Entwicklung und der<br />

Ressourceneffizienz werden muss. Nur durch konsequente Ressourcenschonung und nachwachsende<br />

Rohstoffe sowie den Einsatz von erneuerbaren Energien lassen sich die enormen Nachfragezuwächse<br />

nach Produkten, Dienstleistungen und Energie weltweit mit der Erhaltung der Biosphäre, der Verwirklichung<br />

eines effektiven Klimaschutzes und einer für alle Menschen akzeptablen Lebensqualität in<br />

Einklang bringen. Wenn das 20. Jahrhundert das Jahrhundert der Steigerung der Arbeitsproduktivität<br />

war, dann muss das 21. Jahrhundert das der Ressourcenproduktivität und der nachhaltigen Ökonomie<br />

werden.<br />

Summary<br />

The Sustainable Development Century<br />

In his paper, Prof. Dr. Rolf Kreibich describes two methods of developing and operationalising sustainable<br />

corporate concepts. Possible future technologies are bundled, options for action are identified<br />

and priorities are set by means of integrated roadmapping. Using the sustainable-value-method, the<br />

resource or material productivity of a company is compared with that of a benchmark in terms of<br />

sustainability.<br />

47


<strong>Ressourcenmanagement</strong><br />

999 Zeichen … 999 Characters …<br />

… für die Zukunft von Ressourcen … for the Future of Resources<br />

„Wir möchten die begrenzten Ressourcen dieser Welt so effizient wie möglich nutzen.<br />

Doch allen technischen Innovationen zum Trotz: Verbrauch, Verschwendung<br />

und Verschmutzung nehmen eher zu als ab. Woran liegt das? Auch am Faktor<br />

„Mensch“.<br />

Chantal Wagner<br />

Ein Beispiel: Es ist ökologischer, Leitungswasser statt Mineralwasser aus Flaschen zu<br />

trinken, denn Flaschenwasser verursacht 90 bis 1.000 Mal mehr Umweltbelastungen.<br />

Alle ökologischen Auswirkungen der Flaschenabfüllung, der Herstellung und Wartung<br />

von Wasserleitungen und des Mineralwasserkastentransports sind erfasst. Die<br />

Ökobilanz zeigt eindeutig, dass wir umweltfreundlicher Wasser trinken könnten.<br />

Eine Managerin entscheidet am Vormittag für eine ökologische Transportvariante<br />

der von ihrer Firma produzierten Waren, kauft aber am Abend Flaschenwasser, weil<br />

ihre Familie das mag: ein typischer Konflikt in Sachen Nachhaltigkeit.<br />

Der Umgang mit Ressourcen hängt von Menschen ab. Sie brauchen auf ihr alltägliches<br />

Leben abgestimmte Lösungen, um im Beruf und privat nachhaltig zu handeln. Wir<br />

wissen: Ressourceneffizienz ist auch ein sozialer Nachhaltigkeitsaspekt!“<br />

Chantal Wagner (M.B.A.), Sustainability Consultant and Researcher bei triple innova<br />

Dr. Brigitte Biermann, Geschäftsführerin von triple innova<br />

“We want to use the limited resources in this world as efficiently as possible. Despite<br />

all the technical innovations, consumption, waste and pollution are increasing rather<br />

than diminishing. What are the reasons for this? One reason is man.<br />

Dr. Brigitte Biermann<br />

An example: it is more ecological to drink tap water than bottled mineral water.<br />

Bottled water causes 90 to 1,000 times more environmental pollution. All the environmental<br />

effects of filling the bottles, manufacturing and maintaining the water<br />

pipes and transporting the crates of mineral water are taken into consideration.<br />

The environmental performance evaluation clearly shows that we could drink more<br />

environmentally friendly water.<br />

In the morning, a manager decides to transport her company’s goods in a more environmentally<br />

friendly way. In the evening, however, she buys bottled water, because<br />

her family likes it. This is a typical conflict when it comes to sustainability.<br />

How we use resources depends on us. We need solutions in our daily lives that<br />

allow us to act sustainably on the job as well as in private. We know that resource<br />

efficiency is also a social aspect of sustainability!”<br />

Chantal Wagner (M.B.A.), Sustainability Consultant and Researcher at triple innova<br />

Dr. Brigitte Biermann, Managing Director at triple innova<br />

48


Resource Management<br />

Arbeitsmittel zur Entwicklung ressourceneffizienter<br />

Produkte und Prozesse<br />

Ressourcen sind ein zwingend notwendiger Einsatzfaktor für viele Produktionsbereiche und somit<br />

von grundlegender Bedeutung innerhalb der Wertschöpfungsketten von produzierenden Unternehmen.<br />

Von Werner Maass und Kerstin Noack, VDI Zentrum Ressourceneffizienz GmbH (VDI-ZRE)<br />

Die steigende Nachfrage auf den globalen Rohstoffmärkten durch das Wachstum der Weltbevölkerung<br />

und den steigenden Konsum von Produktionsgütern auch in den Schwellenländern verstärkt den ohnehin<br />

zunehmenden weltweiten Bedarf an natürlichen Ressourcen. Dem steht die stetige Abnahme der<br />

Verfügbarkeit natürlicher Vorkommen gegenüber. Ressourcen unterliegen einer absoluten Begrenztheit<br />

– und auch wenn diese Grenzen noch nicht erreicht sind, spielen insbesondere die kurzfristige und<br />

verlässliche Verfügbarkeit der Ressourcen für die Produktion sowie kalkulierbare Preisschwankungen<br />

eine wichtige Rolle. Versorgungsengpässe, die durch Preisvolatilitäten und mangelhafte Erschließung<br />

ausgelöst werden, können ganze Wertschöpfungsketten gefährden. Ein nachhaltiger Lösungsansatz<br />

hinsichtlich dieser Problematik ist eine Steigerung der Ressourceneffizienz in allen Bereichen der Wertschöpfungskette<br />

– von der Produktgestaltung über die Produktion bis zum Recycling.<br />

Mehr Wertschöpfung durch Ressourceneffizienzstrategien<br />

Realisiert werden kann eine erhöhte Ressourceneffizienz im Wesentlichen durch zentrale Effizienzstrategien<br />

wie die Minimierung des Materialeinsatzes, Substitution und Recycling. Erfolgreiche Effizienzstrategien<br />

verfolgen das Ziel, durch verminderten Ressourceneinsatz bei gleicher Produktionsmenge bzw.<br />

bei einer Erhöhung der Produktionsmenge bei gleichbleibendem Ressourceneinsatz, die Wertschöpfung<br />

für einzelne Unternehmen, Branchen und die Volkswirtschaft real zu steigern. Insbesondere in Kleinen<br />

und Mittleren Unternehmen (KMU) finden sich dafür erhebliche Einsparpotenziale im Materialverbrauch<br />

und hinsichtlich der Prozessgestaltung. Material ist eindeutig der größte Kostenfaktor im verarbeitenden<br />

Gewerbe – er macht etwa 43 Prozent der Kosten aus, Personalkosten schlagen dagegen lediglich mit<br />

durchschnittlich etwa 18 Prozent zu Buche. Daher machen sich Effizienzsteigerungen durch Kosteneinsparungen<br />

im Materialbereich schnell als Wettbewerbsvorteil für das Unternehmen bemerkbar.<br />

Effizienzstrategien schließen die gesamte Kette des Produktlebenswegs – von der Werkstoffherstellung,<br />

der Optimierung des Produktionsprozesses bis hin zu Recyclingstrategien – mit ein. Hier gibt es<br />

unterschiedlichste Ansatzpunkte für die Einsparung von Ressourcen; und bereits eine Vielzahl unterschiedlicher<br />

Konzepte, erfolgreiche Praxisbeispiele sowie vielversprechende Forschungsarbeiten und<br />

Studien. Der breite Transfer in die Praxis fehlt bisher allerdings an vielen Stellen.<br />

Die allgemein verständliche und umfassende Darstellung, Förderung und die Anwendung dieses Wissens<br />

über den integrierten Einsatz von Umwelt-, Ressourcen- und Klimaschutztechnologien gehört zu<br />

den zentralen Aufgaben des VDI Zentrums Ressourceneffizienz (VDI ZRE). Das VDI ZRE ist eine Tochter<br />

der VDI GmbH und wurde 2009 mit Mitteln der Klimaschutzinitiative des Bundesumweltministeriums<br />

gegründet.<br />

49


<strong>Ressourcenmanagement</strong><br />

Arbeitsmittel zur Entwicklung ressourceneffizienter Produkte und Prozesse<br />

Betrachtung des gesamten Produktlebenswegs<br />

Kernaufgabe des VDI ZRE ist es, den integrierten Einsatz von Umwelt-, Ressourcen- und Klimaschutztechnologien<br />

allgemein verständlich und umfassend darzustellen und zu befördern. Informationen,<br />

Wissen und die Expertise im Hinblick auf den effizienten Einsatz von Ressourcen werden gebündelt,<br />

aufbereitet und auf breiter Basis anwenderbezogen zur Verfügung gestellt. Das geschieht zunächst vor<br />

allem durch webbasierte, öffentlich zugängliche Arbeitsmittel, die kosteneffizient und einfach genutzt<br />

werden können: Ein WebVideomagazin mit monatlich neuen Veröffentlichungen zeigt Best Practice<br />

Beispiele, gefilmt im Praxisumfeld; ein webbasierter Effizienzatlas bietet Informationen, um Anbieter in<br />

verschiedenen Bereichen der Ressourceneffizienz, z.B. auf Ressourceneffizienz-Beratung spezialisierte<br />

Experten, einfach zu identifizieren. Das sind nur einige Beispiele, wie der Transfer von bereits vorhandenem<br />

Wissen durch effektive Maßnahmen unterstützt und Ressourceneffizienz als allgemeines Thema<br />

verankert werden kann. Diese muss schon möglichst früh mit in den Produktentwicklungsprozess<br />

einbezogen werden. Je früher Aspekte der Ressourceneffizienz in der Planung von Produkten und<br />

Produktionsprozessen berücksichtigt werden, desto effektiver wirken sich die Effizienzstrategien aus.<br />

Deswegen will das VDI ZRE mit seinen Arbeitsmitteln bereits die Planung von Produkten und Prozessen<br />

bzw. die Anpassung von bestehenden Produktionen nach Gesichtspunkten der Ressourceneffizienz<br />

unterstützen. Ressourcenchecks, die Potenziale solcher Anpassungen offenlegen, können online<br />

selbstständig und unabhängig von KMUs durchgeführt werden. Um dem Ansatz der ganzheitlichen<br />

Betrachtung des kompletten Produktlebenswegs gerecht zu werden, beschäftigt sich das VDI ZRE auch<br />

mit der systematischen Erfassung und Darstellung von Prozessketten. So wird das Wissen anschaulich<br />

und leichter zugänglich, die Übertragbarkeit von technischen Ansätzen wird verdeutlicht.<br />

Diese an Prozessoptimierungen ausgerichteten Arbeitsmittel zeigen, dass globale Themen wie der steigende<br />

Ressourcenverbrauch vor allem technologische Herausforderungen sind. Die Verflechtung von<br />

Ressourceneffizienz und unterschiedlichen Technologiebereichen offenbart ein zentrales Handlungsfeld<br />

für Ingenieure. Der Verein Deutscher Ingenieure (VDI) verfolgt, gemeinsam mit anderen technischen<br />

Regelsetzern, z.B. auch das Ziel, Effizienzfragen fest in die Richtlinienarbeit einzubinden. Die Arbeit<br />

der Ingenieure bietet eine ideale Synergie zwischen Beschreibung des Standes der Technik, Forschung<br />

& Wissenschaft und der Praxisumsetzung.<br />

Insbesondere im Materialbereich<br />

lohnt sich Effizienzsteigerung durch<br />

Kosteneinsparungen.<br />

In particular with materials, it pays<br />

off to increase efficiency by saving<br />

costs.<br />

50


Resource Management<br />

Arbeitsmittel zur Entwicklung ressourceneffizienter Produkte und Prozesse<br />

Marktvorteile durch innovative Technologien<br />

Effizienztechnologien haben bereits heute einen hohen Marktwert und es ist davon auszugehen, dass<br />

sich diese Nachfrage mittel- und langfristig enorm erhöhen wird. Für deutsche Unternehmen ist die<br />

Entwicklung ressourceneffizienter Produkte und Prozesse gleichbedeutend mit aktiver Zukunftssicherung.<br />

Insbesondere in KMU stellt die Steigerung der Ressourceneffizienz daher ein zentrales Handlungsfeld<br />

dar. Ressourceneffizienz schützt nicht nur vor den Gefahren volatiler Preisentwicklungen<br />

auf den Weltmärkten, sondern bringt viele Vorteile für die Volkswirtschaft insgesamt mit sich. Neben<br />

der Reduzierung der Abhängigkeit von Rohstoffförderländern eröffnen sich Marktvorteile durch die<br />

Entwicklung und Nutzung überlegener innovativer Technologien, bis hin zur Schaffung neuer Produkte<br />

und Märkte. Darüber hinaus unterstützt die Entlastung der Umwelt – von Eingriffen durch Rohstoffentnahme<br />

einerseits und weniger Emissionen, Abfall und Abwasser auf der anderen Seite – eine<br />

nachhaltige ökonomische und ökologische Entwicklung.<br />

Summary<br />

Means of Production for Developing Resource Efficient Products and Processes<br />

An increase in resource efficiency all along the value chain, from product design to production to<br />

recycling, is the commandment of the hour. There is a significant savings potential in material use and<br />

in terms of process design, in particular in small and medium-sized businesses (SME). Materials are<br />

clearly the largest cost factor in manufacturing businesses. They account for about 43% of the costs,<br />

whereas personnel costs are only about 18%. Increases in efficiency based on savings in materials create<br />

a competitive advantage. The VDI Zentrum für Ressourceneffizienz (VDI ZRE, Association of German<br />

Engineers Centre for Resource Efficiency) passes on the relevant know-how.<br />

51


<strong>Ressourcenmanagement</strong><br />

Gut vernetzt<br />

Eine Übersicht über Förderungen, Informationsquellen<br />

und Netzwerke für <strong>Ressourcenmanagement</strong><br />

Die Deutsche Materialeffizienzagentur (demea)<br />

Eine Initiative des Bundesministeriums für Wirtschaft und Technologie (BMWi)<br />

demea will<br />

• das öffentliche Bewusstsein über die Bedeutung der Materialeffizienz schärfen und Informationen<br />

darüber zur Verfügung stellen.<br />

• Unternehmen dazu motivieren, Materialeffizienzpotenziale zu erschließen und sie mit dem Förderprogramm<br />

VerMat dabei unterstützen.<br />

• einen Pool von Materialeffizienzberatern betreuen, die den Unternehmen bei der Erkennung und<br />

Erschließung von Effizienzpotenzialen mit Rat und Tat zur Seite stehen.<br />

Darüber hinaus fördert demea Netzwerke zur Materialeffizienz und stellt dazu eine Datenbank zur<br />

Verfügung. Im Rahmen der Initiative vergibt das BMWi auch den Materialeffizienzpreis.<br />

www.demea.de<br />

Effizienzfabrik<br />

Eine Initiative von BMBF und VDMA<br />

Das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) unterstützt mit über 50 Millionen Euro die<br />

Entwicklung innovativer und ressourceneffizienter Produktionstechnologien. Die Effizienzfabrik kommuniziert<br />

die neuesten Forschungsergebnisse des entsprechenden BMBF-Förderschwerpunkts. In den<br />

31 Verbundprojekten arbeiten 200 Unternehmen und Forschungsinstitute zusammen.<br />

www.effizienzfabrik.de<br />

EPEA Internationale Umweltforschung GmbH<br />

EPEA ist ein internationales Forschungs- und Beratungsinstitut, das durch öko-effektives Design die<br />

Qualität und den Nutzwert von Materialien, Produkten und Dienstleistungen optimiert. EPEA leitet<br />

Beratungsprojekte zur Realisierung des Cradle to Cradle© Design-Konzeptes. Dinge werden im Hinblick<br />

auf ihren gesamten Lebenszyklus betrachtet und von Beginn an umwelt- und gesundheitsverträglich<br />

gestaltet, so dass sie nicht weniger schädlich, sondern nützlich für andere Lebewesen sein können. Das<br />

Unternehmen stellt sich auch der Herausforderung der Ressourcenknappheit und beschäftigt sich mit<br />

intelligentem Materials Pooling. Unternehmen wird dabei ermöglicht, materielle Ressourcen im Pool zu<br />

nutzen und ferner ihr spezialisiertes Wissen in Bezug auf Erwerb und Umwandlung verkauftechnischer<br />

Nährstoffe auszutauschen.<br />

www.epea.com<br />

52


Resource Management<br />

Gut vernetzt<br />

Förderschwerpunkt r²<br />

„Innovative Technologien für Ressourceneffizienz – rohstoffintensive Produktionsprozesse“<br />

In der nationalen Nachhaltigkeitsstrategie wurde das Ziel gesetzt, die Rohstoffproduktivität bis zum<br />

Jahr 2020 gegenüber 1994 zu verdoppeln. Im Rahmen der Hightech-Strategie und des Masterplans<br />

Umwelttechnologien unterstützt deshalb das BMBF die Entwicklung innovativer Effizienztechnologien.<br />

Im Fokus der Fördermaßnahme stehen rohstoffnahe Industrien mit hohem Materialeinsatz, da hier<br />

eine große Hebelwirkung erreicht werden kann. Hierzu zählen unter anderem die Chemieindustrie,<br />

die Metall- und Stahlproduktion sowie die Baustoffherstellung. Neben mengenmäßig bedeutsamen<br />

werden auch strategisch wichtige Rohstoffe betrachtet, die für hochwertige Technologien unersetzbar<br />

sind, beispielsweise Titan, Indium oder Ruthenium.<br />

www.r-zwei-innovation.de<br />

Materialeffizienz und Ressourcenschonung<br />

(MaRess)<br />

Vor dem Hintergrund zunehmender Ressourcenknappheit und der damit verbundenen Wettbewerbsnachteile<br />

für Unternehmen beauftragten das Bundesumweltministerium und das Umweltbundesamt<br />

31 Projektpartner unter Leitung des Wuppertal Instituts mit dem Forschungsprojekt „Materialeffizienz<br />

und Ressourcenschonung“ (MaRess). Das Projekt lief von Juli 2007 bis Dezember 2010 und stellt nun<br />

seinen Abschlussbericht vor.<br />

http://ressourcen.wupperinst.org<br />

Netzwerk Ressourceneffizienz<br />

Um das Know-how zum sparsameren Umgang mit Rohstoffen zu bündeln und die Kommunikation<br />

zwischen Wirtschaft, Wissenschaft und Politik zu intensivieren, hat das Umweltministerium ein<br />

„Netzwerk Ressourceneffizienz“ ins Leben gerufen. Die branchenübergreifende offene Plattform stellt<br />

Informationen über relevante Technologien und wissenschaftliche Erkenntnisse bereit.<br />

Das Netzwerk<br />

• fördert in Produktion, im Handel und beim Konsum eine effizientere Ressourcennutzung von Produkten<br />

und Dienstleistungen.<br />

• führt Akteure aus Politik, Unternehmen, Verbänden, Gewerkschaften, Wissenschaft und Gesellschaft<br />

zusammen und koordiniert ihre Aktivitäten.<br />

• initiiert den Erfahrungsaustausch über Erfolg versprechende Ansätze, Ressourcen effizient zu nutzen.<br />

• entwickelt Vorschläge für die Gestaltung von Rahmenbedingungen, die Anreize geben und Hemmnisse<br />

abbauen.<br />

www.netzwerk-ressourceneffizienz.de<br />

53


<strong>Ressourcenmanagement</strong><br />

Gut vernetzt<br />

„Stoffflussmanagement in kleinen und mittleren Unternehmen“<br />

Nützliche Arbeitstools online<br />

Das Bayerische Staatsministerium für Umwelt und Gesundheit unterstützt Unternehmen bei der effizienten<br />

Gestaltung von betrieblichen Stoffströmen. Die in der Praxis ausgetesteten Arbeitsmaterialien<br />

(Leitfaden und EDV-Tool) stehen interessierten Unternehmen für die eigenständige Stoffflussanalyse<br />

kostenfrei im Web zur Verfügung.<br />

www.ipp-bayern.de<br />

Neues Forschungsinstitut<br />

Das „Ressourcentechnologie-Institut“ wird an der TU Bergakademie angesiedelt<br />

In Freiberg entsteht dieses Jahr ein neues Zentrum für Rohstoffforschung. Das Bundesministerium für<br />

Bildung und Forschung (BMBF) folgt damit dem Votum einer internationalen Gutachterkommission, die<br />

den gemeinsamen Vorschlag der Technischen Universität Bergakademie Freiberg und des zukünftigen<br />

Helmholtzzentrums Dresden-Rossendorf favorisiert. „Das neue Institut wird die Forschungslandschaft<br />

in den Neuen Bundesländern bereichern. Es wird einen entscheidenden Beitrag leisten für eine nachhaltige<br />

und sichere Rohstoffversorgung“, betonte Bundesforschungsministerin Annette Schavan.<br />

www.hzdr.de<br />

54


Resource Management<br />

999 Zeichen … 999 Characters …<br />

… für die Zukunft von Ressourcen … for the Future of Resources<br />

„Der verantwortungsbewusste und effiziente Umgang mit natürlichen Ressourcen<br />

stellt eine große Herausforderung dar und ist inzwischen zu einem wesentlichen<br />

Element der Unternehmenspolitik nachhaltig ausgerichteter Unternehmen geworden.<br />

Die nachhaltige Nutzung von Ressourcen schützt die Umwelt und sichert damit die<br />

Lebenschancen für kommende Generationen. Sie hat zudem auch einen ökonomischen<br />

Effekt, indem sie sich positiv auf die Kosten und ggf. auch die Erlöse des<br />

Unternehmens auswirkt. Zur internen Steuerung und zur Befriedigung der Informationsbedürfnisse<br />

der Stakeholder sollten Nachhaltigkeitsindikatoren fester Bestandteil<br />

der internen und externen Nachhaltigkeitsberichterstattung sein. Indikatoren wie<br />

beispielsweise der Anteil von Recyclingmaterialien am gesamten Materialeinsatz, der<br />

direkte bzw. indirekte Energieverbrauch aufgeschlüsselt nach Primärenergiequellen<br />

sowie der Wasserverbrauch geben Auskunft darüber, wie intensiv Energie und<br />

Rohstoffe vom Unternehmen genutzt werden.“<br />

Prof. Dr. Jochen R. Pampel, Head of Sustainability Services,<br />

KPMG AG Wirtschaftsprüfungsgesellschaft<br />

Prof. Dr. Jochen R. Pampel<br />

“The responsible and efficient treatment of resources presents a great challenge and<br />

has become one of the most important elements in corporate policy for companies<br />

that are taking a sustainable approach to business. Sustainable use of resources<br />

protects the environment and safeguards the prospects for future generations. In<br />

addition, it has an economic effect, by positively affecting costs and possibly also<br />

company revenue. Sustainable indicators should be an inherent part of internal and<br />

external sustainability reporting for internal management and to satisfy the information<br />

requirements of stakeholders. Indicators give information about how much<br />

energy and raw materials the company is using. Examples of indicators include,<br />

for example, the percentage of recycling materials used out of the entire material<br />

usage, the direct or indirect energy use broken down by primary energy source, as<br />

well as water usage.”<br />

Prof. Dr. Jochen R. Pampel, Head of Sustainability Services,<br />

KPMG AG Wirtschaftsprüfungsgesellschaft<br />

55


<strong>Ressourcenmanagement</strong><br />

Deutschland engagiert sich für<br />

gerechte Ressourcenverteilung<br />

Von Dirk Niebel, Bundesminister für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung<br />

Die Rio-Deklaration von 1992 betont das Recht auf Entwicklung und das Erfordernis der Armutsbekämpfung<br />

und spricht die besondere Verantwortung der Industrieländer als wesentliche Verursacher<br />

für bisher entstandene Umweltschäden an. Sie fordert mithin Gerechtigkeit bei der Verteilung von<br />

Einkommen und natürlichen Ressourcen. Die deutsche Entwicklungspolitik hat sich diesen Zielen verschrieben<br />

und engagiert sich in vielen Arbeitsbereichen dafür. Hier seien einige genannt.<br />

Entwicklungsländer waren bisher nur zu einem geringen Anteil Verursacher des Klimawandels – doch<br />

sie werden die Hauptleidtragenden sein. Die deutsche Entwicklungspolitik steht daher in der Verantwortung,<br />

die Partnerländer zu unterstützen bei der Minderung von Treibhausgasen, einschließlich des<br />

Waldschutzes und bei Maßnahmen der Anpassung an den Klimawandel.<br />

Im Sektor Wald bedeutet gerechte Ressourcenverteilung, die lokale Bevölkerung an dem Nutzen aus<br />

dem nachhaltigen Management und der nachhaltigen Bewirtschaftung ihrer Wälder zu beteiligen und<br />

ihnen den Zugang zu neuen Märkten zu ermöglichen. So konnten zum Beispiel in Vietnam seit den<br />

1990er Jahren insgesamt 100.000 Familien erreicht werden, die ihr Einkommen im Schnitt bereits um<br />

30 Prozent steigern konnten.<br />

Gerechte Ressourcenverteilung bedeutet auch einen rechtlich gesicherten Zugang zu Land. So standen<br />

in Kambodscha vier Fünftel der Bevölkerung nach Vernichtung aller Grundbuch- und Katasterunterlagen<br />

durch die Roten Khmer ohne verbriefte Eigentums- und Nutzungstitel auf das von ihnen bewirtschaftete<br />

Land da. Mit Unterstützung durch die deutsche Entwicklungszusammenarbeit erarbeitet<br />

die kambodschanische Regierung eine umfassende Landreform, damit Grund und Boden gerecht,<br />

transparent, effizient und vor allem auch nachhaltig verwaltet werden können. Bereits 15 Prozent aller<br />

Bodenparzellen sind heute mit rechtlich gesicherten Landtiteln in der Hand kleinbäuerlicher Familien,<br />

und die Landregistrierung schreitet voran.<br />

Dirk Niebel ist Bundesminister für<br />

wirtschaftliche Zusammenarbeit und<br />

Entwicklung.<br />

Dirk Niebel is the German Minister<br />

for Economic Cooperation and<br />

Development.<br />

56


Resource Management<br />

Deutschland engagiert sich für gerechte Ressourcenverteilung<br />

Bisweilen wird Ressourcenreichtum auch zum Fluch. Dies geschieht öfter in extraktiven Industrien,<br />

d.h. Öl, Gas und Mineralien. Hier fehlt vor allem die gerechte Verteilung der Rohstoffeinnahmen. Ein<br />

Lösungsansatz ist hier die Extractive Industries Transparency Initiative. In ihr werden die Finanzströme<br />

von Unternehmen an Regierungen offen gelegt und ein Dialog zwischen Staat, Privatwirtschaft und<br />

Zivilgesellschaft etabliert. Zudem beraten wir unsere Partner dabei, wie sie ihre Steuerbehörden schlagkräftiger<br />

und das Ausgabenmanagement effizienter machen.<br />

Die nächste VN-Konferenz für nachhaltige Entwicklung findet 2012 wieder in Rio de Janeiro statt. Die<br />

Aufgabe, die Nutzung der natürlichen Ressourcen gerechter und nachhaltiger zu gestalten, besteht<br />

nach wie vor. Deshalb wird der Schwerpunkt der Konferenz auf dem Thema „Green Economy“ liegen.<br />

Eine ökologische Wirtschaftsweise respektiert die ökologischen Grenzen im Sinne einer Erhaltung der<br />

natürlichen Lebensgrundlagen. Sie bewahrt und schafft damit Handlungsspielräume wohl für die gegenwärtige<br />

als auch für kommende Generationen. Das klingt ganz nach dem Motto für das 50-jährige<br />

Jubiläum unseres Ministeriums: Wir machen Zukunft. Machen Sie mit!<br />

Summary<br />

Germany’s Commitment in Equitable Resource Distribution<br />

The German Minister of Development Dirk Niebel describes what role German development policy<br />

plays in equitable resource distribution and utilisation. Although developing countries contributed very<br />

little to cause climate change, they are the main sufferers of its consequences. German development<br />

policy therefore supports sustainable forestry and adaptation to climate change with forest protection.<br />

In Cambodia, legally secured access to land is supported. Furthermore, the Ministry works with the<br />

Extractive Industries Transparency Initiative for a just distribution of raw material intake.<br />

57


<strong>Ressourcenmanagement</strong><br />

Nationale Rohstoffstrategie<br />

Die Entwicklung alternativer Rohstoffstrategien stellt aus menschenrechtlicher, entwicklungspolitischer,<br />

ökologischer und sozialer Sicht globale Anforderungen, die es konsequent und verantwortungsvoll<br />

zu erfüllen gilt, will man sich nicht auf Kosten rohstoffreicher Entwicklungsländer der<br />

Ausbeutung schuldig machen.<br />

Von Heidi Feldt, Beratung entwicklungs- und umweltpolitischer Prozesse<br />

Am 26. Oktober 2010 stellte die Bundesregierung auf dem BDI Kongress zu Rohstoffen ihre Rohstoffstrategie<br />

vor. Damit ging sie auf das Drängen der deutschen Wirtschaft ein, die bereits seit Jahren<br />

von der Politik fordert, außen-, handels- und entwicklungspolitische Instrumente der Politik für die<br />

Sicherung der Rohstoffversorgung der deutschen Industrie zu bündeln. In der Strategie geht es ausdrücklich<br />

nur um mineralische, nicht energetische Rohstoffe – Kohle, Uran, Erdöl und Erdgas sind also<br />

nicht einbezogen. Dies kann durchaus sinnvoll sein, da die Verantwortung der Politik in der Sicherung<br />

der Energieversorgung des Landes eine andere ist als in der Sicherung der Versorgung der Industrie.<br />

Eine Strategie für Selbstverständliches<br />

Es ist die erste Rohstoffstrategie des Landes, bisher war eine solche anscheinend nicht notwendig.<br />

Wofür bedarf es überhaupt einer Strategie? Worum geht es also?<br />

Ziel der Rohstoffstrategie ist laut Bundeswirtschaftsminister Brüderle die Sicherung der Zukunft des<br />

Hochtechnologiestandorts Deutschland, wobei die Versorgung mit bezahlbaren Industrierohstoffen<br />

von entscheidender Bedeutung ist, so eine Presseerklärung des BMWi vom 20. Oktober 2010. Dies ist<br />

als Antwort auf den schärfer werdenden internationalen Wettbewerb um wichtige Industrierohstoffe<br />

gedacht.<br />

Die deutsche Industrie sichert sich ihre Versorgung über langfristige Lieferverträge. Angesichts der<br />

zunehmenden Konkurrenz vor allem mit den Schwellenländern um Rohstoffe, ist die Industrie besorgt,<br />

den Zugang zu Rohstoffen aus eigener Kraft nicht sicherstellen zu können. Sie fordert flankierende<br />

Maßnahmen der Politik, die diese auch gewährt: Die Bestimmungen für Außenwirtschaftsförderung<br />

wurden erleichtert und die Bundesregierung sagte zu, im Rahmen der WTO, der EU sowie in bilateralen<br />

Entwicklungs“hilfe“ in die falsche<br />

Richtung: Mit der Rohstoffausbeute<br />

nehmen in den betroffenen Ländern<br />

meist auch Armut, Staatszerfall,<br />

Gewalt und Korruption zu.<br />

58


Resource Management<br />

Nationale Rohstoffstrategie<br />

Handels- und Investitionsabkommen gegen Handelsbeschränkungen wie Exportzölle zu wirken.<br />

Medienöffentlich wurde die Debatte um die Rohstoffversorgung mit der Exportbeschränkung für<br />

Seltene Erden (SE), die die chinesische Regierung 2009 und 2010 verhängte – die allerdings nicht zu<br />

Verknappungen im internationalen Handel mit SE geführt hat.<br />

Rohstoffförderung ja, Verantwortung nein<br />

Menschenrechte, Umweltstandards und entwicklungspolitische Überlegungen spielen dabei nur eine<br />

untergeordnete Rolle. Nicht, dass sie in der Strategie nicht erwähnt würden. Die Rohstoffstrategie<br />

geht durchaus auf Abbaubedingungen und die Rohstoffgovernance in den produzierenden Ländern<br />

ein. Die Strategie des BMZ zu Rohstoffen ist sogar noch expliziter und stellt gemäß des Auftrags des<br />

Ministeriums die entwicklungspolitischen Gesichtspunkte in den Vordergrund. Doch während die<br />

Strategie bzgl. der Handelsliberalisierung konkret mit Sanktionen wie dem WTO Schiedsgericht droht,<br />

bleibt die Verantwortung für die Abbaubedingungen, unter denen die begehrten Rohstoffe produziert<br />

werden, relativ unverbindlich.<br />

Um die Rohstoffgovernance zu verbessern und gleichzeitig die Versorgung der deutschen Industrie<br />

sicherzustellen, sollen bilaterale Rohstoffpartnerschaften aufgebaut werden. Es sollen „die Interessen<br />

sowohl der rohstofffördernden als auch der rohstoffimportierenden Länder wie Deutschland“ berücksichtigt,<br />

sinnvoll in Ausgleich gebracht und im Sinne gemeinsamer Vorteile fortentwickelt werden.<br />

Die unterschiedlichen Instrumente der deutschen Entwicklungszusammenarbeit sowie der Außen- und<br />

Wirtschaftspolitik sollen in diesen Partnerschaften eingesetzt werden und die deutsche Wirtschaft soll<br />

konkrete Rohstoffprojekte entwickeln und umsetzen. Es ist bestimmt nicht verkehrt, die verschiedenen<br />

Möglichkeiten der deutschen Entwicklungs- und Außenpolitik zur Verbesserung der Rohstoffgovernance<br />

in den produzierenden Entwicklungsländern zusammenzubringen, aber die Vorzeichen stimmen nicht:<br />

es wird von einer Interessenkonvergenz ausgegangen, die es so nicht gibt. So ist es das Anliegen Boliviens,<br />

seine Lithiumvorräte auch im Land selber weiterzuverarbeiten. In einem Pilotprojekt soll getestet<br />

werden, ob ein Großteil der Wertschöpfungskette inklusive der Herstellung der Lithiumbatterien im<br />

Land verbleiben kann. Unabhängig von der Realisierbarkeit des Vorhabens zeigt es doch, dass das<br />

Development “help” in the wrong<br />

direction: raw material exploitation<br />

in many cases also causes the rise of<br />

poverty, disintegration of the state,<br />

violence and corruption in the affected<br />

countries.<br />

59


<strong>Ressourcenmanagement</strong><br />

Nationale Rohstoffstrategie<br />

Interesse der rohstoffproduzierenden Entwicklungsländer nur begrenzt mit dem der Industrieländer<br />

identisch ist.<br />

Dazu kommt, dass Entwicklungspolitik unter das Primat der deutschen Wirtschaft gestellt wird. Das kann<br />

im Endeffekt bedeuten, dass nicht die Länder unterstützt werden, die den größten Reformwillen haben<br />

oder die die Förderung am dringendsten benötigen, sondern jene, deren Rohstoffe für die deutsche<br />

Industrie am meisten von Interesse sind. So ist eines der ersten Länder, mit denen eine Rohstoffpartnerschaft<br />

beschlossen wurde, Kasachstan. Kasachstan verfügt u.a. über Seltene Erden.<br />

Aus entwicklungspolitischer Sicht ist das Hauptproblem, dass in rohstoffreichen (Entwicklungs-)Ländern<br />

der Reichtum oft nicht für die Armutsbekämpfung eingesetzt wird. Paradoxerweise nehmen Armut,<br />

Staatszerfall, Gewalt und Korruption mit der Rohstoffausbeute oft sogar noch zu. Die Gewinne aus<br />

dem Rohstoffabbau und -export sind ungerecht verteilt, so dass die Mehrheit der Menschen in den<br />

Förderländern nicht am Reichtum teil hat. Meist bilden Bergbauvorhaben Enklaven heraus, die nur<br />

rudimentär in den regionalen Wirtschaftskreislauf eingebunden sind.<br />

Industrie und Politik in der Pflicht<br />

Nichtregierungsorganisationen haben daher aus menschenrechtlicher, ökologischer und entwicklungspolitischer<br />

Sicht Anforderungen an eine Rohstoffstrategie 1 formuliert. Damit die Rohstoffförderung<br />

künftig zu größerem Wohlstand der Bevölkerungsmehrheit in den rohstoffreichen Entwicklungsländern<br />

beiträgt und nicht wie bisher Menschenrechtsverletzungen, Gewaltkonflikte, Umweltzerstörung<br />

und Verarmung befördert, fordern sie, dass alle beteiligten Akteure – Regierungen, Unternehmen,<br />

Internationale Finanzinstitutionen, Kirchen, andere Organisationen der Zivilgesellschaft sowie kritische<br />

Verbraucherlnnen – Verantwortung übernehmen. Sie sehen auch die deutsche Industrie und die<br />

Bundesregierung in der Pflicht.<br />

1) Siehe Anforderungen an eine zukunftsfähige Rohstoffstrategie<br />

www.globalpolicy.org/images/pdfs/GPFEurope/Anforderungen_an_eine_zukunftsfhige_Rohstoffstrategie.pdf<br />

60


Resource Management<br />

Nationale Rohstoffstrategie<br />

Zentral ist dabei, dass die erforderlichen komplexen Lösungsstrategien nur im Zusammenwirken der<br />

unterschiedlichen Interessengruppen in Nord und Süd entwickelt werden können. Nationale Alleingänge<br />

zur Sicherung der Ressourcen – unabhängig davon, ob sie von der deutschen, der chinesischen oder<br />

der US-amerikanischen Industrie betrieben werden – drohen langfristig die Konflikte im Rohstoffsektor<br />

eher zu verschärfen.<br />

Eine umfassende internationale Regulierung des Rohstoffsektors fehlt bislang. Einzelne Institutionen<br />

wie das Wuppertal Institut schlagen internationale Abkommen oder Institutionen zum nachhaltigen<br />

<strong>Ressourcenmanagement</strong> vor mit dem Ziel, ein nachhaltiges und friedliches <strong>Ressourcenmanagement</strong><br />

und Prinzipien der Ressourcenschonung zu etablieren. Diese Vorschläge sind bisher noch sehr allgemein<br />

gehalten. Sie weiter zu konkretisieren sollte Aufgabe einer verantwortungsvollen und wirksamen<br />

Rohstoffstrategie sein.<br />

Summary<br />

National Raw Materials Strategy<br />

Heidi Feldt describes the background behind the first raw materials strategy in Germany. With this<br />

strategy, the German government is responding to the requirements of the German economy and<br />

combining foreign, trade and development policies to secure the supply of raw materials for German<br />

industry. However, this strategy comes under attack, in particular from a development policy standpoint.<br />

Conflicts of interest and a political influence that is too large are creating problems. This is why many<br />

believe the raw materials sector should be regulated internationally.<br />

61


<strong>Ressourcenmanagement</strong><br />

Für eine gerechte Ressourcenpolitik<br />

Ressourcen nachhaltig zu nutzen und global fair zu teilen, ist neben dem Klimawandel und der<br />

globalen Armut eine der größten Herausforderungen im 21. Jahrhundert.<br />

Von Lili Fuhr, Heinrich-Böll-Stiftung<br />

Noch vor wenigen Jahren galt Ressourcenpolitik als Thema, das es nur gelegentlich – etwa während der<br />

deutschen G8 Präsidentschaft 2007 – auf die politische Agenda und in die Weltöffentlichkeit geschafft<br />

hat. Doch seit mindestens zwei Jahren ist hier eine deutliche Trendumkehr erkennbar.<br />

Warum steht die Rohstoffpolitik nun auf der Top-Agenda?<br />

Einer der wichtigen Gründe ist die gestiegene Nachfrage aus Schwellenländern, ohne dass die Nachfrage<br />

aus den Industrieländern jemals nachgelassen hätte. Darüber hinaus ist eine massive Zunahme<br />

der Nachfrage nach strategischen Mineralstoffen zu verzeichnen, da Bereiche wie Telekommunikation,<br />

Klimaschutz oder Militär aus Industrie- und Schwellenländern auf Zukunftstechnologien angewiesen<br />

sind. Das Wachstum der großen Schwellenländer – die über einen nicht unerheblichen Anteil an<br />

Rohstoffen verfügen – stellt die etablierte internationale Arbeitsteilung in Frage und bedroht die Vormachtstellung<br />

der alten Industriemächte. Gleichzeitig ist deutlicher denn je, dass die Zeit des billigen<br />

Erdöls vorbei ist. Ebenso wie die Nachfrage anderer fossiler und energetischer Rohstoffe, allen voran<br />

Kohle und Uran, bald nicht mehr bedient werden kann und die Investitionen immer risikoreichere,<br />

teurere und schädlichere Ausmaße annehmen.<br />

Aggressive Rohstoffsicherung oder Investitionen in Ressourceneffizienz – das Senken des Ressourcenverbrauchs<br />

bis hin zum Verzicht – können als Alternativen genannt werden. Die rohstoffreichen<br />

Entwicklungsländer müssen sich der Frage stellen, ob sie ihren Rohstoffreichtum für die menschliche<br />

Entwicklung nutzen oder mit diesem Ausbeutung, Korruption, Staatszerfall, Umweltzerstörung und<br />

Menschenrechtsverletzungen verschärfen.<br />

Nachhaltige, (geschlechter-)gerechte und kohärente Ressourcenpolitik ist eine wichtige Voraussetzung<br />

für die globale Transformation des gängigen Wirtschafts- und Konsummodells, für menschliche Entwicklung,<br />

für Demokratie und Frieden in der Welt.<br />

In der Ressourcenpolitik sollte (Geschlechter-)Gerechtigkeit<br />

ebenso wie<br />

Nachhaltigkeit und Kohärenz im Vordergrund<br />

stehen. Dies sind wichtige<br />

Voraussetzungen für menschliche<br />

Entwicklung, Demokratie und Frieden<br />

in der Welt.<br />

(Gender) equality as well as sustainability<br />

and coherence should be of paramount<br />

importance in the resource<br />

policy. These are important prerequisites<br />

for human development, democracy<br />

and peace in the world.<br />

62


Resource Management<br />

Für eine gerechte Ressourcenpolitik<br />

Ganzheitliche Regulierungsansätze sind Mangelware<br />

Eine solche Ressourcenpolitik zählt zu den Schwerpunkten der Arbeit der Heinrich-Böll-Stiftung. Politische,<br />

globale und nationale Regulierungs- und Steuerungsansätze sind Mangelware. Die deutsche<br />

Bundesregierung und die Europäische Union haben ihre Rohstoffstrategien beschlossen oder zumindest<br />

in die Wege geleitet. Dabei steht die Sicherung von Rohstoffimporten, vor allem im nicht-energetischen<br />

Bereich, im Vordergrund. Die menschliche Entwicklung in den rohstoffreichen Ländern ist Nebenschauplatz,<br />

Lippenbekenntnis und allenfalls punktuell im Fokus.<br />

Als Heinrich-Böll-Stiftung treten wir für eine verantwortungsvolle, ökologisch gerechte und demokratisch<br />

orientierte Ressourcenpolitik ein. Der Run auf die Rohstoffe sowie die wirtschaftspolitische und<br />

geostrategische Rolle des Bergbausektors hat uns und unsere Partner vor Ort längst erreicht. Vielfältige<br />

Initiativen und Projekte wurden angestoßen. Unseren sektor- und disziplinübergreifenden Ansatz<br />

verbinden wir dabei mit einem Blickwinkel, der die Ressourcenkrise in die Multiplen Krisen einordnet.<br />

Wir suchen nach nachhaltigen und gerechten ressourcenpolitischen Lösungen im Kontext von Klima-,<br />

Energie-, Handel-, Agrar-, Wirtschafts-, Demokratisierungs-, Entwicklungs- und Außenpolitik, um so<br />

die größtmögliche Kohärenz zu erreichen. Der Gipfel „Rio+20“ bietet dafür für die nächsten zwei Jahre<br />

einen besonderen politischen Anlass.<br />

Summary<br />

For a Just Resource Policy<br />

Protecting raw material imports is of prime importance to the German government and the EU. Human<br />

development in the lands that are rich in raw materials is only selectively heeded. The developing<br />

countries rich in raw materials must ask themselves if they want to use their raw materials for human<br />

development or intensify corruption, the failure of government, environmental destruction and violation<br />

of human rights with this exploitation. For the Heinrich-Böll-Stiftung, a sustainable (gender) equality<br />

and a coherent resource policy is an important prerequisite for a global transformation of the current<br />

economic and consumption model, for human development, for democracy and peace in the world.<br />

63


<strong>Ressourcenmanagement</strong><br />

999 Zeichen … 999 Characters …<br />

… für die Zukunft von Ressourcen … for the Future of Resources<br />

Fritz Lietsch<br />

„Es sollte selbstverständlich sein, dass man Ressourcen sinnvoll einsetzt. Gerade<br />

im Medienbereich ärgert mich, dass 30 bis 40 Prozent der hergestellten Magazine<br />

ungelesen als sogenannte körperlose Remissionen im Müll landen und somit eine<br />

extreme Verschwendung darstellen. Durch meine Beschäftigung mit dem Thema<br />

Ressourcen bin ich ein großer Anhänger der Konzepte von Ernst Ulrich von Weizsäcker,<br />

der über steigende Ressourcenpreise die Effizienz maximal ankurbeln möchte<br />

und von Michael Braungart, der über das Schließen natürlicher und technischer<br />

Stoffkreisläufe einen intelligenten Umgang mit Ressourcen aufzeigt. Ganz besonders<br />

bedenkenswert erscheint mir jedoch das Phänomen, dass technische Fortschritte im<br />

Bereich der Ressourceneffizienz durch einen ständig steigenden Konsum und eine sich<br />

immer stärker ausweitende Gier wieder zunichte gemacht werden. Fazit: Erst wenn<br />

Rohstoffe in sinnvollen Kreisläufen genutzt werden, ist die von Braungart geforderte<br />

Fülle und natürliche Verschwendung ein nachhaltiger Weg in die Zukunft.“<br />

Fritz Lietsch, Geschäftsführer des ALTOP Verlags<br />

“It should be a matter of course that we use resources wisely. In particular, it annoys<br />

me that 30-40 percent of published magazines end up unread in the garbage as<br />

so-called returns on a return affidavit and are therefore extremely wasteful. Through<br />

my work on the subject of resources, I have become a big fan of the work of Ernst<br />

Ulrich von Weizsäcker and Michael Braungart. Von Weizsäcker would like to boost<br />

maximal efficiency by raising resource prices. Braungart demonstrates an intelligent<br />

use of resources by using closed loop natural and technical material cycles. The<br />

phenomenon that technical advances in resource efficiency are continually being<br />

defeated by an ever-increasing consumption and greed seems to me to be particularly<br />

worthy of consideration. The bottom line is that only after raw materials are used<br />

in appropriate cycles will the abundance and natural waste stipulated by Braungart<br />

be a sustainable approach to the future.”<br />

Fritz Lietsch, Managing Director at ALTOP Verlag<br />

64


mitgliederverzeichnis Impressum Imprint list of B.A.U.M. members<br />

Impressum<br />

Imprint<br />

Herausgeber Editor<br />

Bundesdeutscher Arbeitskreis für umweltbewusstes<br />

Management (B.A.U.M. e.V.)<br />

www.baumev.de<br />

Verlag Publisher<br />

ALTOP Verlags- und Vertriebsgesellschaft<br />

für umweltfreundliche Produkte mbH<br />

Geschäftsführer: Fritz Lietsch<br />

Gotzinger Str. 48<br />

81371 München<br />

Telefon: 089 - 74 66 11 16<br />

Telefax: 089 - 74 66 11 60<br />

www.forum-csr.net<br />

Projektteam Project Team<br />

B.A.U.M. e.V.<br />

Prof. Dr. Maximilian Gege<br />

(Projektleitung Project Management)<br />

Dr. Katrin Wippich<br />

(Koordination Coordination)<br />

Andreas Behm, Dieter Brübach, Rainer Kant, Christoph Kohler,<br />

Jens Koschel, Philip Mathies, Martin Oldeland, Kristina Wahl,<br />

Sandra Wolter<br />

(Redaktionsteam Editorial Staff)<br />

Projektteam Project Team<br />

ALTOP Verlag<br />

Sandra Lukatsch<br />

(Projektleitung & Koordination)<br />

(Project Management & Coordination)<br />

Edda Langenmayr<br />

(Druckmanagement & Koordination)<br />

(Print Management & Koordination)<br />

Kirstin Abitz, Uta Dobler, Lea Eggers, Tina Teucher,<br />

Dagmar Walser<br />

(Redaktionsteam Editorial Staff)<br />

Philipp Ledényi<br />

(Bildredaktion & Titelgestaltung)<br />

(Picture editor & Cover design)<br />

Klimaneutraler Druck Climate neutrally Print<br />

Lokay e.K.<br />

www.lokay.de<br />

Papier Paper<br />

Cyclus Offset, 100 g/m² ausgezeichnet mit dem „Blauen Engel“<br />

Vertrieb: Antalis GmbH<br />

Cyclus Offset, 100 g/m² certified with “Blauer Engel”<br />

Distribution: Antalis Gmbh<br />

Druckfarben Print Colours<br />

Auf Basis nachwachsender Rohstoffe<br />

Based on renewable raw materials<br />

ISBN 978-3-925646-51-5<br />

© <strong>2011</strong> by ALTOP Verlags- und Vertriebsgesellschaft<br />

für umweltfreundliche Produkte mbH<br />

Alle Rechte vorbehalten. Nachdruck und Vervielfältigung aller<br />

Texte, auch auszugsweise, nur mit schriftlicher Genehmigung<br />

des Verlags.<br />

All rights reserved. Reprinting and reproduction of all texts, even<br />

in extracts, only with the written consent of the publisher.<br />

Rechtlicher Hinweis Legal Notice<br />

Für die Richtigkeit der Angaben können Herausgeber und Verlag<br />

trotz sorgfältiger Recherche keine Gewähr übernehmen.<br />

Die Meinungen, die in den Artikeln im Buch geäußert werden,<br />

entsprechen nicht zwangsläufig denen der Herausgeber/des<br />

Verlags. Die Herausgeber und der Verlag haften nicht für<br />

Copyright-Verletzungen von Autor/innen.<br />

Despite careful research, the publisher and editor do not assume<br />

any responsibility for the accuracy of the information given.<br />

The opinions expressed in the articles contained in this book<br />

do not necessarily correspond to those of the publisher/editor.<br />

The publisher/editor shall not be liable for any infringements of<br />

copyright on the part of authors.<br />

Bildnachweise Picture Credits<br />

Cover: © Dominique Sarraute, gettyimages.de; © pics, Fotolia.<br />

com | 9 © Frank, fotolia.com | 14&15 © DBU-Archiv | 16&17<br />

© Petra Reinken, wortwolf.de | 20&21 © FUP AG | 24&25<br />

© Bayerische Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau |<br />

26&27 © TARGET-Nehberg | 28 © Messe Bremen – waste to<br />

energy+recycling | 29 © MaRess Endbericht | 32 © Rainer Sturm,<br />

pixelio.de | 34 © Thorben Wengert, pixelio.de | 36 © Julian Ekelhof,<br />

ForestFinance | 38 © FUP AG | 42 © Cisco Ripac, picelio.de<br />

| 44 © Brandtmarke, pixelio.de | 45 © Stephanie Hofschläger,<br />

pixelio.de | 50 © Rainer Sturm, pixelio.de | 56 © Thomas Ecke |<br />

58-60 © Pieter Hugo, <strong>2011</strong>| 62 © Carlo Schrodt, pixelio.de | 65<br />

© Mike Kiev, Fotolia.com | 161 © Adam Morg | 251 © Gerd-<br />

Altmann-dezignus.com, pixelio.de<br />

Preis Price<br />

19,90 EUR<br />

272


30 Jahre nachhaltig Wirtschaften – Rückblick und Ausblick<br />

Neu erschienen<br />

B.A.U.M. e.V.<br />

<strong>Jahrbuch</strong><br />

2019<br />

New Work<br />

Aufbruch in eine neue Arbeitswelt<br />

New Work: der Aufbruch in<br />

eine neue Arbeitswelt?<br />

Selbstbestimmtes Arbeiten hoch motivierter Mitarbeiterinnen und<br />

Mitarbeiter? Flexibilisierung der Arbeit zum Vorteil von Arbeitnehmern<br />

und Arbeitgebern? Kreativität und Innovationen für Unternehmen?<br />

Oder aber Beliebigkeit, Abstimmungsschwierigkeiten,<br />

hoher Ressourcenaufwand? Und für erwerbstätige Menschen<br />

ständige Verfügbarkeit und prekäre Arbeitsverhältnisse?<br />

Sie können das <strong>Jahrbuch</strong> 2019 von B.A.U.M. e.V. zum Preis<br />

von 19,90 EUR direkt im ALTOP Verlag bestellen:<br />

www.forum-csr.net/BAUM<strong>Jahrbuch</strong><br />

oder telefonisch unter +49 (0)89 / 74 66 11 - 0<br />

Ebenso erhältlich im Buchhandel : ISBN 978-3-925646-71-3<br />

Die Beiträge des B.A.U.M.-<strong>Jahrbuch</strong>s erkunden, was sich hinter dem<br />

Schlagwort „New Work“ verbirgt und beleuchten Chancen und<br />

Herausforderungen für Unternehmen, für deren Mitarbeiterinnen<br />

und Mitarbeiter sowie die Gesellschaft insgesamt.<br />

Im Fokus steht dabei die Frage, wie sich der Trend<br />

nachhaltig gestalten lässt: ökonomisch zukunftsfähig,<br />

sozial gerecht und mit Entlastungen für die<br />

Umwelt.<br />

Blättern Sie kostenlos in den E-Papers der bisherigen B.A.U.M.-Jahrbücher unter www.forum-csr.net/BAUM<strong>Jahrbuch</strong><br />

Dort finden Sie die komplette Ausgabe des <strong>Jahrbuch</strong>s 2018 sowie alle redaktionellen Beiträge der Ausgaben <strong>2011</strong> bis 2017.<br />

B.A.U.M. e.V.<br />

<strong>Jahrbuch</strong><br />

<strong>2011</strong><br />

B.A.U.M. e. V.<br />

<strong>Jahrbuch</strong><br />

2012<br />

B.A.U.M. e. V.<br />

<strong>Jahrbuch</strong><br />

2013<br />

B.A.U.M. e. V.<br />

<strong>Jahrbuch</strong><br />

2014<br />

B.A.U.M. e. V.<br />

<strong>Jahrbuch</strong><br />

2015<br />

B.A.U.M. e. V.<br />

<strong>Jahrbuch</strong><br />

2016<br />

B.A.U.M. e. V.<br />

<strong>Jahrbuch</strong><br />

2017<br />

B.A.U.M. e. V.<br />

<strong>Jahrbuch</strong><br />

2018<br />

<strong>Ressourcenmanagement</strong><br />

Resource Management<br />

Die Gesellschaft auf dem Weg<br />

zur Nachhaltigkeit.<br />

Wirtschaft und Transformation<br />

Energiewende<br />

1984 – 2014 – 2044<br />

Nachhaltigkeit<br />

in der Lieferkette<br />

Nachhaltigkeit glaubwürdig<br />

und wirksam kommunizieren<br />

Digitalisierung und<br />

Nachhaltigkeit<br />

Nachhaltiges Investieren


Zukunft<br />

gestalten<br />

Top informiert mit dem Entscheider-<br />

Magazin für nachhaltiges Wirtschaften<br />

und Corporate Social Responsibility!<br />

Jetzt<br />

abonnieren<br />

WWW.FORUM-CSR.NET/ABO<br />

Nur 30 EUR pro Jahr<br />

für Studenten nur 20 EUR<br />

Jetzt für 7,50 EUR am Kiosk oder<br />

unter www.forum-csr.net/abo oder<br />

E-Mail an abo@forum-csr.net.<br />

Auch als E-Magazin oder PDF.<br />

Forum<br />

Forum<br />

Forum<br />

Im Interview<br />

Richard David Precht, ist Fleischkonsum<br />

moralisch vertretbar?<br />

Die transparente Lieferkette<br />

Erfolgsfaktor oder Mythos?<br />

Innovationen<br />

Wie aus Mitarbeitern<br />

Erfinder werden<br />

03/2013<br />

ISSN 1865-4266<br />

Nachhaltig Wirtschaften<br />

Terminator als Klimaschützer<br />

„Auch Angeberautos<br />

können sauber sein“<br />

Experiment Ozean<br />

Forscher Mojib Latif:<br />

Da tickt eine Zeitbombe<br />

Grüner Luxus<br />

Qualität statt Bling Bling<br />

EUR 7,50 (D) | EUR 8,- (A) | CHF 12,50 | www.forum-csr.net<br />

EUR 7,50 (D) | EUR 8,- (A) | CHF 12,50 | www.forum-csr.net<br />

Forum<br />

EUR 7,50 (D) | EUR 8,- (A) | CHF 12,50 | www.forum-csr.net 01/2014<br />

ISSN 1865-4266<br />

Die Food-Industrie<br />

Ökologisch, fett, transgen,<br />

regional, zuckersüß, tödlich.<br />

Wie verführbar is(s)t die Welt?<br />

04/2013<br />

ISSN 1865-4266<br />

Nachhaltig Wirtschaften<br />

Hallo Klimawandel<br />

Welche Promis dagegen kämpfen. Wie Unternehmen und<br />

Städte sich anpassen. Was man selbst tun kann.<br />

02/2014<br />

ISSN 1865-4266<br />

Nachhaltig Wirtschaften<br />

Unter Strom<br />

Was Gründer wirklich brauchen<br />

Special Mobilität & Logistik<br />

Die Lkw-Branche holt auf<br />

Mit der Kraft des Islam<br />

Rüdiger Nehberg kämpft für Frauen<br />

Neu: Das Heft im Heft<br />

Wir – Menschen im Wandel<br />

VOLL TRANSPARENT, VOLL ENGAGIERT:<br />

Sustainable Entrepreneurship in Deutschland<br />

Das Entscheider-Magazin<br />

Das Entscheider-Magazin<br />

Das Entscheider-Magazin<br />

Nachhaltig Wirtschaften<br />

Medien und Nachhaltigkeit<br />

Dürfen Journalisten<br />

Aktivisten sein?<br />

Todesursache:<br />

Geplanter Verschleiß<br />

Sozial-Finanzierung<br />

Wie Social Impact Bonds<br />

die Staatskasse schonen<br />

SMARTE PRODUKTE Autoreifen aus Löwenzahn,<br />

Fahrräder aus Bambus, Kaffeemaschinen aus alten CDs:<br />

Wenn Entwickler in Kreisläufen denken.<br />

Das Entscheider-Magazin<br />

Foto: © Vincent Callebaut Architectures<br />

EUR 7,50 (D) | EUR 8,- (A) | CHF 12,50 | www.forum-csr.net


Die Zukunft<br />

selbst in die Hand nehmen<br />

Albert Einstein sagte „Mehr als die Vergangenheit interessiert mich die Zukunft, denn in<br />

ihr gedenke ich zu leben.“<br />

Getreu diesem Motto hat Robert Jungk, dem dieses Buch gewidmet ist, mehrere Generationen<br />

und unzählige Pioniere entscheidend inspiriert. Er und seine Wegbegleiter haben<br />

in vielen Bereichen dazu beigetragen, dass wir heute so leben können, wie sie es damals<br />

initiiert haben. Vom Ausstieg aus der Atomenergie über Biolandwirtschaft, Solarenergie<br />

bis zu Partizipation, nachhaltiger Entwicklung und demokratischer Gestaltung. Geist und<br />

Ideen Jungks sind heute aktueller als je zuvor.<br />

Nie zuvor hatten wir so viele Möglichkeiten, „Zukünfte“ zu gestalten.<br />

Rolf Kreibich, Fritz Lietsch (Hrsg.)<br />

Zukunft gewinnen!<br />

Die sanfte (R)evolution für das 21. Jahrhundert – inspiriert vom Visionär Robert Jungk<br />

Zukunft gewinnen!<br />

Die sanfte (R)evolution für das 21. Jahrhundert<br />

– inspiriert vom Visionär Robert Jungk<br />

1. Auflage<br />

Altop-Verlag 2015<br />

260 Seiten, zahlreiche Abbildungen<br />

EUR 24,80<br />

ISBN 978-3-925646-65-2<br />

Mit Beiträgen u.a. von Franz Alt; Maximilian Gege; Mathias Greffrath; Bärbel Höhn;<br />

Peter Stephan Jungk; Rolf Kreibich; Fritz Lietsch; Horst W. Opaschowski; Franz<br />

Josef Radermacher; Ortwin Renn; Angelica Schwall-Düren; Ernst-Ulrich von<br />

Weizsäcker; Sarah Wiener; Ulrike von Wiesenau<br />

Bestellen Sie im Buchhandel oder direkt<br />

unter www.forum-csr.net/Zukunft_gewinnen<br />

oder telefonisch unter 089 / 74 66 11 - 0


204<br />

FIRMENPORTRAITS


Prinzessin Laurentien beruft<br />

den „Rat der Kinder“<br />

EUR 7,50 (D) | EUR 8,- (A) | CHF 12,50 | 4. Quartal 2017<br />

04<br />

Ibrahim Abouleish – einer der<br />

größten Sozialpioniere<br />

EUR 7,50 (D) | EUR 8,- (A) | CHF 12,50 | 3. Quartal 2017<br />

ISSN 1865-4266<br />

03<br />

EUR 7,50 (D) | EUR 8,- (A) | CHF 12,50 | 2. Quartal 2017<br />

ISSN 1865-4266<br />

02<br />

Engagement für Nachhaltigkeit<br />

wird belohnt und bejubelt<br />

Stefan Schulze-Hausmann<br />

Initiator des Deutschen Nachhaltigkeitspreises<br />

EUR 7,50 (D) | EUR 8,- (A) | CHF 12,50 | 1. Quartal 2017<br />

ISSN 1865-4266<br />

01<br />

Immer gut beraten<br />

Mit diesen Büchern haben Sie das notwendige Rüstzeug um Zukun zu gestalten.<br />

Im Leben und im Berufs alltag können Bücher wertvolle Ratgeber für Ihr Handeln<br />

sein. Lassen Sie sich deshalb inspirerend von unserem breiten Spektrum<br />

an Fachbüchern die alle ein Ziel verfolgen. Sie möchten Anregung sein, wie Sie<br />

Herausforderungen meistern und zu den Besten gehören.<br />

Rolf Kreibich, Fritz Lietsch (Hrsg.)<br />

Zukunft gewinnen!<br />

Die sanfte (R)evolution für das 21. Jahrhundert – inspiriert vom Visionär Robert Jungk<br />

Mit Beiträgen u.a. von Franz Alt; Maximilian Gege; Mathias Greffrath; Bärbel Höhn;<br />

Peter Stephan Jungk; Rolf Kreibich; Fritz Lietsch; Horst W. Opaschowski; Franz<br />

Josef Radermacher; Ortwin Renn; Angelica Schwall-Düren; Ernst-Ulrich von<br />

Weizsäcker; Sarah Wiener; Ulrike von Wiesenau<br />

7 Tage CSR vom Kleinsten<br />

1. Auflage, ALTOP Verlag 2016,<br />

80 Seiten, EUR 9,80<br />

ISBN 978-3-925646-68-3<br />

Die Kraft des Mitgefühls<br />

Leadership im Geist des Franz von Assisi<br />

Brigitte van Baren, 1. Auflage, Altop-Verlag<br />

2017, 182 Seiten, EUR 24,80<br />

ISBN 9783925646690<br />

Zukunft gewinnen!<br />

Die sanfte (R)evolution für das<br />

21. Jahrhundert – inspiriert vom<br />

Visionär Robert Jungk<br />

1. Auflage, Altop-Verlag 2015,<br />

260 Seiten, zahlreiche Abbildungen,<br />

EUR 24,80<br />

ISBN 978-3-925646-65-2<br />

ker.<br />

ng<br />

n<br />

r<br />

rbsbewerten.<br />

Der CSR-Manager<br />

Dr. Dennis Lotter / Jerome Braun<br />

Der CSR-Manager<br />

Unternehmensverantwortung in der Praxis<br />

Dr. Dennis Lotter:<br />

Managing Partner der Benefit Identity GmbH<br />

und Studiengangleiter Master of Arts Sustainable<br />

Marketing & Leadership an der Hochschule<br />

Fresenius in Idstein. Der diplomierte Betriebswirt<br />

promovierte auf dem Themengebiet der<br />

verantwortlichen Unternehmensführung von<br />

Familienunternehmen und ist Experte für CSR<br />

und nachhaltige Markenführung.<br />

Jerome Braun:<br />

Geschäftsführer der Benefit Identity GmbH.<br />

Der diplomierte Betriebswirt und PR-Berater<br />

übernimmt seit vielen Jahren auch das ganzheitliche<br />

Management von Stiftungen und ist<br />

Experte für CSR und nachhaltige Markenkommunikation.<br />

Benefit Identity GmbH:<br />

Die Agentur für Markenintegrität und CSR<br />

unterstützt ihre Kunden dabei das Profil als<br />

glaubwürdige und vertrauensvolle Marke sowie<br />

als attraktiver Arbeitgeber zu stärken und vertrauensvolle<br />

Beziehungen zu den Interessensgruppen<br />

aufzubauen.<br />

Digitalisierung und<br />

Nachhaltigkeit<br />

B.A.U.M. e. V.<br />

<strong>Jahrbuch</strong><br />

2017<br />

3. überarbeitete Auflage<br />

978-3-925646-53-9<br />

Dr. Dennis Lotter<br />

und Jerome Braun<br />

www.benefitidentity.com<br />

Der CSR-Manager<br />

Unternehmensverantwortung in der Praxis<br />

3. überarbeitete Auflage, 236 Seiten, EUR 24,80<br />

B.A.U.M.-<strong>Jahrbuch</strong> 2017<br />

Digitalisierung und Nachhaltigkeit<br />

228 Seiten, EUR 19,90<br />

ISBN 978-3-925646-67-6<br />

forum Nachhalg Wirtschaen – das Entscheider-Magazin für zukunftsfähige Unternehmen<br />

Jahresabonnement: 30,- EUR (Inland)<br />

04/2017<br />

ForumISSN 1865-4266<br />

Nachhaltig Wirtschaften<br />

Das Entscheider-Magazin<br />

Forum<br />

03/2017<br />

Nachhaltig Wirtschaften<br />

Das Entscheider-Magazin<br />

Forum<br />

02/2017<br />

Nachhaltig Wirtschaften<br />

Das Entscheider-Magazin<br />

Forum<br />

01/2017<br />

Nachhaltig Wirtschaften<br />

Das Entscheider-Magazin<br />

Kinder an die Macht<br />

Das Wunder in der Wüste<br />

ÜberLebensmittel<br />

Bananen retten deutsche Dörfer<br />

Thomas D und Fanta4<br />

Verwüsten wir die Erde?<br />

Unser Lebensraum wird kleiner!<br />

Tierische Geschäfte<br />

Schutz durch Schießen?<br />

Design Thinking<br />

Revolution der Produktentwicklung?<br />

And the winner is …<br />

Awards und Auszeichnungen<br />

Blick zurück im Zorn<br />

25 Jahre nach Rio – eine Bilanz<br />

Entrepreneurship<br />

Aus dem Knast in den Chefsessel<br />

Blockchain<br />

Der virtuelle Quantensprung<br />

Politik mit Messer und Gabel<br />

Renate Künast zeigt die Zukunft<br />

Gutes Gewissen beim Reisen<br />

Nachhaltige Entwicklung durch Tourismus?<br />

Stadtbegrünung<br />

Grüne Lungen statt graue Straßen<br />

Mikrofinanz<br />

Ist sie noch nachhaltig?<br />

Von der Macht zum Mitgefühl<br />

Führungskultur im 21. Jahrhundert<br />

Die Neuvermessung der Welt<br />

SGD – Ziele und Chancen für die Wirtschaft<br />

Weltzukunftsrat<br />

Die Stimme für unsere Kinder<br />

forum junior<br />

Eine Million Bäume pflanzen<br />

Nie wieder Krieg<br />

Ein Appell von Michail Gorbatschow<br />

Die Revolution der Mobilität<br />

Elektrisch, selbstfahrend, vernetzt, intermodal<br />

4 197564 507505<br />

Regionalität<br />

Die Vermarktung der Heimat<br />

4 197564 507505<br />

4 197564 507505<br />

Nutzen Sie die Chancen<br />

Digitalisierung und Nachhaltigkeit<br />

4 197564 507505<br />

ALTOP Verlagsgesellschaft mbH | Gotzinger Straße 48 | D-81371 München | www.altop.de | info@altop.de


19,90 EUR ISBN 978-3-925646-51-5

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