02 | 2017 msg Studienband

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IT-Konsolidierung und Digitalisierung in der öffentlichen Verwaltung

Zusammenfassung

Durch die zunehmende Technisierung und Digitalisierung ergibt sich eine

Fülle von neuen Handlungsfeldern und Aufgaben für den Staat.

Im Rahmen der Neuordnung des Bund-Länder-Finanzausgleichs hat die Bundesregierung

am 1. Juni 2017 ein Mammutprojekt auf den Weg gebracht, mit

dem 13 Änderungen des Grundgesetzes einhergingen. Eine der Änderungen

betraf Artikel 91c, der um einen Absatz 5 erweitert wurde. Mit diesem Zusatz

erhielt der Bund die ausschließliche Gesetzgebungskompetenz für die Ausgestaltung

des Zugangs zu Behördendiensten.

Verabschiedet wurde am 1. Juni 2017 auch das Onlinezugangsverbesserungsgesetz

(OZG), das Bund und Länder einschließlich Städten und Gemeinden

dazu verpflichtet, alle „rechtlich und tatsächlich geeigneten Verwaltungsleistungen“

bis Ende 2022 auch online anzubieten und über einen Portalverbund

zugänglich zu machen.

Die vorliegende Studie knüpft an unsere DLZ-Studie aus dem Jahr 2015 an.

Dazu wurden im Frühjahr 2017 insgesamt 144 Verantwortliche aus Fachbehörden

des Bundes, der Länder und Institutionen ausgewählter Großstädte

befragt. Ergänzt werden die Befragungen der Fachbehörden, die Bedarfsträger

von IT-Dienstleistungen sind, auch diesmal wieder durch über 20

Befragungen und Interviews hoher Vertreter der Dienstleistungszentren, die

Dienstleistungen für ihre Kunden, die Fachbehörden, erbringen. Im Fokus

dieser Interviews standen die besonderen Herausforderungen, die angesichts

der Digitalisierung gesehen werden.

Wegen der Bedeutung der Digitalisierung für den Wirtschaftsstandort und

die Verwaltung haben wir die Studie dieses Jahr erstmalig zusätzlich durch

durch Interviews mit Vertretern der politischen Verwaltung ergänzt. Besonders

interessierte uns dabei, welche Rahmenbedingungen sie für notwendig

erachten, damit die Digitalisierungsbemühungen in der öffentlichen Verwaltung

gelingen.

Somit liefert die aktuelle DLZ-Studie 2017 ein Stimmungsbild im Hinblick

auf die Digitalisierung für die Bereiche der ausführenden (Fachbehörden,

IT-DLZ) und der politischen Verwaltung (Ministerien) in Deutschland.

Folgende Ergebnisse kristallisierten sich heraus:

Personal für Digitalisierung ist der große Engpass

Die Meinungen von Fachbehörden, IT-Dienstleistungszentren und politischer

Verwaltung gehen in die gleiche Richtung: Fachpersonal zur Unterstützung

der Digitalisierung ist nicht ausreichend vorhanden, es ist auch

nicht absehbar, dass die Situation sich bessert. Gegenüber der Studie aus

dem Jahr 2015 hat sich die Situation aus Sicht der Befragten sogar deutlich

verschlechtert, und zwar bei Bund, Land und Kommune.

IT-Sicherheit und Datenschutz für Bedarfsträger an erster Stelle

Sowohl auf Bundesebene als auch bei den Ländern und Kommunen steht

dieses Thema mit deutlichem Abstand an erster Stelle der Topherausforderungen.

Gegenüber der Befragung im Jahr 2015 ist die Bedeutung noch

einmal deutlich gestiegen. Vorfälle durch Angriffe in der letzten Zeit haben

hier offensichtlich die Sensibilität erhöht.

Bedeutung von Prozessautomatisierung und Standardisierung gestiegen

Auf Platz 2 der Topherausforderungen der IT werden bei Bedarfsträgern des Bundes

die Einführung von mehr Standards sowie die Automatisierung von Prozessen

gesehen. Auch auf der Landes- und Kommunalebene werden diese Themen bei einer

signifikanten Anzahl der Befragten als besonders wichtig und bei der Mehrheit

der Befragten dieser Ebene als „größte mittelgroße Herausforderung“ bewertet.

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