02 | 2017 msg Studienband

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IT-Konsolidierung und Digitalisierung in der öffentlichen Verwaltung

Zusammenfassung

Die Welt entwickelt sich in rasantem Tempo. Deshalb wird

es notwendig sein, hier weiterzuarbeiten. Wir haben früher

das MP3-Format erfunden. Wir haben den ersten Computer

gebaut. Aber wir wollen als Deutschland nicht im Technikmuseum

enden, sondern wir wollen vorne dabei sein, wenn es um

die Entwicklung neuer Güter und neuer Produktionsmöglichkeiten

geht. Da haben wir viel zu tun. Das bedeutet auch, dass

wir seitens des Staates und seitens der Verwaltung vorangehen

müssen.“

Bundeskanzlerin Angela Merkel am 5. September 2017 bei einer Rede vor dem

Deutschen Bundestag.

Elektronische Aktenführung und elektronische Vorgangsbearbeitung

weiterhin Topthema

Wie in der Befragung 2015 werden vor allem elektronische Aktenführung

und elektronische Vorgangsbearbeitung sowie die Umsetzung politischer

Entscheidungen in IT-unterstützte Verwaltungsabläufe als Topherausforderungen

genannt. Während beim Bund die Bedeutung dieser Themen in

etwa gleich geblieben ist, haben sie bei den Ländern sichtbar an Bedeutung

gewonnen. Bei den Kommunen werden Onlinezugänge und Bezahloptionen

für Bürger und Unternehmen als Topherausforderungen gesehen.

Bedarfsträger wollen Fachverfahren weiterhin selbst entwickeln und

betreiben

Die Fachbehörden wollen – trotz IT-Konsolidierung – auch in Zukunft mehrheitlich

Fachanwendungen selbst betreiben und auch die Entwicklung von

Fachverfahren in Eigenregie durchführen. Diese Tendenz ist bei Bundesbehörden

ausgeprägter als bei Landesbehörden oder bei Kommunen.

Gesetzte politische Rahmenbedingungen für Digitalisierung nicht

ausreichend

Auf Bundesebene fehlen im Hinblick auf die Umsetzung von Digitalvorhaben

geeignete Strukturen und Prozesse für Programm-, Projekt- und Architekturmanagement.

Die im Bund verteilten Zuständigkeiten für Digitalisierung müssen

gebündelt und es muss endlich eine gemeinsame Strategie der Bundesregierung

für die Digitalisierung der öffentlichen Verwaltung erstellt werden.

Die Vernetzung der Behörden und die Möglichkeiten zur Kollaboration müssen

dringend ausgebaut werden. Bei neuen Gesetzesvorhaben muss die erforderliche

Umsetzung mithilfe von behördenübergreifenden IT-Verfahren bereits

von der Politik berücksichtigt werden.

Die Verwaltung hat insgesamt zu wenig IT-Personal. Daher müssen die Rahmenbedingungen

zur Einstellung qualifizierter IT-Spezialisten für die Verwaltung

verbessert werden.

Zur besseren Abstimmung zwischen Fachverwaltung und IT müssen die Verwaltungsexperten

zusätzlich in Bezug auf Digitalisierung der öffentlichen Verwaltung

ausgebildet werden. Doch diese Ausbildungsinhalte fehlen derzeit noch.

Bei der Einrichtung des Informationstechnikzentrums Bund (ITZBund) wurden

von der Politik hohe Erwartungen erzeugt, die für den IT-Dienstleister derzeit

aufgrund des Aufgabenzuwachses nur schwer zu erfüllen sind.

Sowohl Fachbehörden als auch IT-Dienstleister werden sich künftig viel

stärker hinsichtlich ihrer Strategien und Prozesse synchronisieren müssen,

um sich sowohl als Dienstleister als auch als Kunden professioneller

aufzustellen.

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