B.A.U.M.-Jahrbuch 2016: Nachhaltigkeit glaubwürdig und wirksam kommunizieren
Jetzt, wo der Klimawandel endgültig als wissenschaftliche Tatsache akzeptiert ist, wollen viele Firmen plötzlich klimafreundlich sein. Jetzt, wo nachgewiesen ist, dass Verbraucher Wert auf saubere Produkte und vertrauenswürdige Firmen legen, soll Nachhaltigkeit plötzlich mehr sein als nur ein Lippenbekenntnis. Der Bundesdeutsche Arbeitskreis für Umweltbewusstes Management (B.A.U.M.) e.V., das größte deutsche Netzwerk zur Förderung von Umwelt- und Nachhaltigkeitsengagement in der Wirtschaft, will zeigen, wie eine seriöse Kommunikation von Nachhaltigkeitsthemen funktioniert und wer sich in Deutschland engagiert. Im B.A.U.M.-Jahrbuch für 2016 informiert der Verband über den Stand der Green Economy in Deutschland. Die Zielgruppen des Jahrbuches sind Entscheider aus Wirtschaft, Politik, Wissenschaft und Verbänden. Der einleitende, redaktionelle Teil berichtet über konstruktiven Journalismus, ehrliches Berichtswesen, den erfolgreichen Dialog mit Anspruchsgruppen (Stakeholdern), die Gefahr des Greenwashing sowie den Zusammenhang zwischen Social Media und verantwortungsbewusstem Management (CSR). Bleibt zu hoffen, dass immer mehr Unternehmen die Zeichen der Zeit erkennen und durch den Zusammenschluss im Arbeitskreis eine starke Stimme für die Nachhaltigkeit in Wirtschaft, Politik und Gesellschaft erheben. Das B.A.U.M.-Jahrbuch entstand in Zusammenarbeit mit dem Münchener ALTOP Verlag, der als Herausgeber des Entscheider-Magazins „forum Nachhaltig Wirtschaften" große Expertise und ein starkes Netzwerk einbringt. Das Buch im Format DIN A4 ist durchgehend vierfarbig gedruckt, umfasst 240 Seiten und ist im Buchhandel unter der ISBN 978-3-925646-66-9 sowie direkt beim Verlag erhältlich.
Jetzt, wo der Klimawandel endgültig als wissenschaftliche Tatsache akzeptiert ist, wollen viele Firmen plötzlich klimafreundlich sein. Jetzt, wo nachgewiesen ist, dass Verbraucher Wert auf saubere Produkte und vertrauenswürdige Firmen legen, soll Nachhaltigkeit plötzlich mehr sein als nur ein Lippenbekenntnis. Der Bundesdeutsche Arbeitskreis für Umweltbewusstes Management (B.A.U.M.) e.V., das größte deutsche Netzwerk zur Förderung von Umwelt- und Nachhaltigkeitsengagement in der Wirtschaft, will zeigen, wie eine seriöse Kommunikation von Nachhaltigkeitsthemen funktioniert und wer sich in Deutschland engagiert.
Im B.A.U.M.-Jahrbuch für 2016 informiert der Verband über den Stand der Green Economy in Deutschland. Die Zielgruppen des Jahrbuches sind Entscheider aus Wirtschaft, Politik, Wissenschaft und Verbänden. Der einleitende, redaktionelle Teil berichtet über konstruktiven Journalismus, ehrliches Berichtswesen, den erfolgreichen Dialog mit Anspruchsgruppen (Stakeholdern), die Gefahr des Greenwashing sowie den Zusammenhang zwischen Social Media und verantwortungsbewusstem Management (CSR).
Bleibt zu hoffen, dass immer mehr Unternehmen die Zeichen der Zeit erkennen und durch den Zusammenschluss im Arbeitskreis eine starke Stimme für die Nachhaltigkeit in Wirtschaft, Politik und Gesellschaft erheben.
Das B.A.U.M.-Jahrbuch entstand in Zusammenarbeit mit dem Münchener ALTOP Verlag, der als Herausgeber des Entscheider-Magazins „forum Nachhaltig Wirtschaften" große Expertise und ein starkes Netzwerk einbringt.
Das Buch im Format DIN A4 ist durchgehend vierfarbig gedruckt, umfasst 240 Seiten und ist im Buchhandel unter der ISBN 978-3-925646-66-9 sowie direkt beim Verlag erhältlich.
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<strong>Nachhaltigkeit</strong> <strong>glaubwürdig</strong><br />
<strong>und</strong> <strong>wirksam</strong> <strong>kommunizieren</strong><br />
B.A.U.M. e. V.<br />
<strong>Jahrbuch</strong><br />
<strong>2016</strong>
Eine nachhaltige Entwicklung unserer Gesellschaft kann nur gelingen, wenn Unternehmen <strong>und</strong> öffentliche<br />
Verwaltung, aber auch jeder Einzelne seinen Teil dazu beiträgt. Dazu bedarf es zuverlässiger Informationen<br />
<strong>und</strong> einer Form der Kommunikation, die überzeugt <strong>und</strong> zu langfristigen Verhaltensänderungen bewegt.<br />
Im B.A.U.M.-<strong>Jahrbuch</strong> <strong>2016</strong> geht es um aktuelle Entwicklungen im Journalismus <strong>und</strong> die Frage, was <strong>Nachhaltigkeit</strong>sthemen<br />
für Medien attraktiv macht. Experten beleuchten, wie <strong>glaubwürdig</strong>e <strong>und</strong> erfolgreiche<br />
Unternehmenskommunikation zur <strong>Nachhaltigkeit</strong> aussehen kann. Und wir fragen, nicht zuletzt mit Blick<br />
auf die Konsumenten: Wie sieht <strong>wirksam</strong>e Kommunikation zur <strong>Nachhaltigkeit</strong> aus, die zum Umdenken<br />
<strong>und</strong> „Umhandeln“ führt?
B.A.U.M. e. V.<br />
<strong>Jahrbuch</strong><br />
<strong>2016</strong><br />
NACHHALTIGKEIT<br />
GLAUBWÜRDIG UND WIRKSAM<br />
KOMMUNIZIEREN<br />
1
B.A.U.M.-JAHRBUCH <strong>2016</strong> | INHALT<br />
Vorworte<br />
Maria Krautzberger, Präsidentin des Umweltb<strong>und</strong>esamtes ............................................................... 4<br />
Prof. Dr. Maximilian Gege, Dieter Brübach, Kristina Kara, Martin Oldeland, B.A.U.M. e. V. .................. 6<br />
<strong>Nachhaltigkeit</strong> <strong>glaubwürdig</strong> <strong>und</strong> <strong>wirksam</strong> <strong>kommunizieren</strong> ................................... 7<br />
<strong>Nachhaltigkeit</strong> – die Herausforderung des 21. Jahrh<strong>und</strong>erts .............................................................. 8<br />
Prof. Dr. Gerd Michelsen, Leuphana Universität Lüneburg<br />
Medien können Hoffnung machen! ................................................................................................ 11<br />
Fritz Lietsch, forum Nachhaltig Wirtschaften<br />
Welche Berichterstattung ist dem Thema „nachhaltiges Wirtschaften“ angemessen? ....................... 14<br />
Marc Winkelmann, enorm<br />
Was macht <strong>Nachhaltigkeit</strong>sthemen für die Medien attraktiv? .......................................................... 16<br />
Statements von Journalisten<br />
Wirksam <strong>und</strong> <strong>glaubwürdig</strong> <strong>kommunizieren</strong> ..................................................................................... 18<br />
Prof. Brigitte Biermann, triple innova GmbH<br />
Stakeholder-Einbindung – Von der Pflicht zur Kür ........................................................................... 22<br />
Dr. Norbert Taubken, Scholz & Friends Reputation<br />
Wer schweigt, verliert das Vertrauen seiner K<strong>und</strong>en ........................................................................ 25<br />
Joachim Schöpfer, Serviceplan Corporate Reputation GmbH & Co. KG<br />
Umwelt- <strong>und</strong> <strong>Nachhaltigkeit</strong>skommunikation für KMU .................................................................... 28<br />
Ludwig Karg <strong>und</strong> Kristin Petersen, B.A.U.M. Consult GmbH München<br />
Einmal grün anstreichen ................................................................................................................ 30<br />
Nick Reimer, klimaretter.info<br />
Kann Unternehmenskommunikation zu nachhaltigeren Konsummustern beitragen? ......................... 32<br />
Prof. Dr. Christa Liedtke, Julia Nordmann <strong>und</strong> Dr. Holger Berg, Wuppertal Institut für Klima,<br />
Umwelt, Energie<br />
CSR <strong>und</strong> Social Media .................................................................................................................... 35<br />
Dr. Tim Breitbarth, Bournemouth Universtity, <strong>und</strong> Riccardo Wagner, Better Relations<br />
Psychologie der Massen ................................................................................................................ 37<br />
Prof. Dr. Christian Klöckner, Norges teknisk-naturvitenskapelige universitet, Trondheim,<br />
im Interview mit Angela Imdahl, imdahl-institut<br />
Klimawandel erleben ..................................................................................................................... 40<br />
Arne Dunker, Klimahaus Bremerhaven 8° Ost<br />
Die Initiative „Gemeinsam bewegen“ ............................................................................................ 43<br />
Nico Briskorn, VfL Wolfsburg<br />
2
B.A.U.M.-JAHRBUCH <strong>2016</strong> | INHALT<br />
B.A.U.M.-Portrait .................................................................................................................. 45<br />
B.A.U.M.-Jahresrückblick 2015 ....................................................................................................... 46<br />
B.A.U.M. 2015 im Spiegel der Presse .............................................................................................. 48<br />
Wie werden wir künftig wirtschaften? ........................................................................................... 50<br />
Energie <strong>und</strong> Klimaschutz ................................................................................................................ 54<br />
Finanzierung von Klimaschutz <strong>und</strong> „grünem“ Wachstum in Europa .................................................. 58<br />
Prof. Dr. Maximilian Gege, B.A.U.M. e. V.<br />
Ressourcenschutz: ökonomisch <strong>und</strong> ökologisch sinnvoll .................................................................. 62<br />
Wege in die Zukunft – nachhaltige Mobilität für Unternehmen ....................................................... 65<br />
Gesellschaftliche Verantwortung von Unternehmen ........................................................................ 68<br />
Engagiert für <strong>Nachhaltigkeit</strong> .......................................................................................................... 71<br />
Angebote ...................................................................................................................................... 76<br />
B.A.U.M.-Ehrenkodex ..................................................................................................................... 77<br />
Langjährige Partner im B.A.U.M.-Netzwerk ..................................................................................... 79<br />
B.A.U.M.-Gremien .......................................................................................................................... 80<br />
Mitwirkungen <strong>und</strong> Funktionen ....................................................................................................... 81<br />
B.A.U.M.-Mitglieder: ausgezeichnet für <strong>Nachhaltigkeit</strong> .................................................................... 83<br />
Ehrungen <strong>und</strong> Auszeichnungen ....................................................................................................... 84<br />
Die B.A.U.M. Zukunftsgenossenschaft ............................................................................................. 86<br />
B.A.U.M. Consult ............................................................................................................................ 88<br />
Firmenportraits ...................................................................................................................... 91<br />
Mitgliederverzeichnis ........................................................................................................ 215<br />
Serviceverzeichnis ....................................................................................................................... 237<br />
Beitrittserklärung ........................................................................................................................ 239<br />
Impressum ....................................................................................................... innere Umschlagseite<br />
3
B.A.U.M.-JAHRBUCH <strong>2016</strong><br />
Maria Krautzberger<br />
Präsidentin des Umweltb<strong>und</strong>esamtes<br />
<strong>Nachhaltigkeit</strong> <strong>glaubwürdig</strong> <strong>und</strong> <strong>wirksam</strong> <strong>kommunizieren</strong><br />
Das Wort „<strong>Nachhaltigkeit</strong>“ werden Sie in diesem Buch noch<br />
häufiger lesen. Der Begriff zielt darauf ab, unsere Ressourcen<br />
nur in dem Maße zu nutzen, wie sie sich auf natürliche Art <strong>und</strong><br />
Weise auch wieder regenerieren können. Dieses Prinzip sollte das<br />
Selbstverständnis unseres Handelns bestimmen.<br />
„<strong>Nachhaltigkeit</strong> <strong>glaubwürdig</strong> <strong>und</strong> <strong>wirksam</strong> <strong>kommunizieren</strong>“<br />
lautet der Titel des <strong>Jahrbuch</strong>es. Meine erste Assoziation, die ich<br />
mit dem Titel verb<strong>und</strong>en habe, war: Tue Gutes <strong>und</strong> rede darüber.<br />
Das ist zwar nicht besonders originell, doch je länger ich darüber<br />
nachdenke, desto mehr komme ich zu der Überzeugung: Hier<br />
liegt der Schlüssel zur erfolgreichen Kommunikation.<br />
<strong>Nachhaltigkeit</strong> lässt sich nicht <strong>glaubwürdig</strong> vermitteln, ohne einen<br />
entsprechenden Beitrag dazu geleistet zu haben. Ansonsten<br />
entsteht zwar ein umweltfre<strong>und</strong>liches Image, die entsprechende<br />
Gr<strong>und</strong>lage dafür fehlt allerdings – man spricht dabei vom so genannten<br />
Greenwashing. Leider ist genau das oft die Realität. Ich<br />
habe den Eindruck, dass viele Unternehmen mehr <strong>kommunizieren</strong>, als überhaupt etwas Nachhaltiges<br />
zu tun. Das wiederum erschwert es den wirklich nachhaltigkeitsorientierten Unternehmen, mit ihrer<br />
Kommunikation Gehör zu finden.<br />
Wie sieht umweltfre<strong>und</strong>liches <strong>und</strong> nachhaltiges Handeln für ein Unternehmen aus? Hier will ich das<br />
Umweltb<strong>und</strong>esamt ins Spiel bringen. Wir haben lange mit Wissenschaftlern <strong>und</strong> Unternehmen über<br />
diese Fragen diskutiert. Und wir haben Antworten gef<strong>und</strong>en, die Unternehmerinnen <strong>und</strong> Unternehmern<br />
dabei helfen können, umweltfre<strong>und</strong>liche Produkte zu gestalten. Umweltbelastungen von Unternehmen<br />
können durch umweltfre<strong>und</strong>liche Produkte auf ein Minimum beschränkt werden; <strong>und</strong> dieser Einsatz der<br />
Unternehmen soll auch sichtbar gemacht werden. Umweltfre<strong>und</strong>liche Produkte sollen auf den ersten<br />
Blick erkennbar sein. Anspruchsvolle Umweltkennzeichen wie die EU-Energieverbrauchskennzeichnung<br />
oder das Umweltzeichen „Der Blaue Engel“ spielen dabei eine wichtige Rolle, sie stehen für Glaubwürdigkeit<br />
<strong>und</strong> fördern eine <strong>wirksam</strong>e Kommunikation. Auch der B<strong>und</strong>espreis „Ecodesign“ ist ein<br />
Beitrag, die Kommunikation für die umweltfre<strong>und</strong>lichen <strong>und</strong> nachhaltigen Produkte zu verbessern.<br />
Umweltmanagementsysteme wie EMAS sind ebenfalls geeignete Hilfsmittel, die wirklich guten Taten<br />
zu erkennen. Allerdings sollte <strong>Nachhaltigkeit</strong> nicht an der Unternehmensgrenze halt machen, denn:<br />
Umweltschutz beinhaltet Kollektivziele. Unternehmen streben nach Umweltkennzeichen, um sich am<br />
Markt von der Konkurrenz abzuheben. Umweltschutz erfordert aber, dass Umweltstandards mittel- bis<br />
langfristig für alle gelten. Das ist ein Kommunikationsdilemma für Unternehmen, das sie nur dann<br />
lösen können, wenn sie anders denken: weg von der Wettbewerbskonstellation hin zur Erarbeitung<br />
von sinnvollen, also nachhaltigkeitsfördernden Rahmenbedingungen.<br />
4
B.A.U.M.-JAHRBUCH <strong>2016</strong><br />
Verbände wie B. A. U. M. bieten hier nicht nur Orientierung, sie unterstützen auch die <strong>glaubwürdig</strong>e<br />
<strong>und</strong> <strong>wirksam</strong>e Kommunikation, zum Beispiel mit Firmenporträts, die Sie auch in diesem <strong>Jahrbuch</strong><br />
wiederfinden.<br />
Ich denke, wer das Gute tut, hat für eine <strong>glaubwürdig</strong>e <strong>und</strong> <strong>wirksam</strong>e Kommunikation schon viel<br />
geleistet. Die konkrete Kommunikation ist deshalb noch lange kein Kinderspiel, es gibt sicherlich viele<br />
Fragezeichen bei der konkreten Gestaltung. Aber wer das Gute tut, hat die nötige Sicherheit <strong>und</strong><br />
Gelassenheit, um unterschiedliche Kommunikationsmaßnahmen entwickeln <strong>und</strong> ausprobieren zu<br />
können. Ich bin sicher, dass Sie in diesem <strong>Jahrbuch</strong> viele hilfreiche Ideen finden werden <strong>und</strong> wünsche<br />
Ihnen viel Freude beim Lesen.<br />
Maria Krautzberger<br />
5
B.A.U.M.-JAHRBUCH <strong>2016</strong><br />
Ehrlich währt am längsten<br />
Gutes tun <strong>und</strong> darüber sprechen<br />
Liebe Leserinnen <strong>und</strong> Leser,<br />
zum Ende des vergangenen Jahres blickte die Welt nach Frankreich: Entsetzt von den Terroranschlägen<br />
f<strong>und</strong>amentalistischer Islamisten <strong>und</strong> erwartungsvoll auf den Weltklimagipfel, der nur kurze Zeit später<br />
stattfand. Die Folgen beider Ereignisse werden <strong>2016</strong> <strong>und</strong> die kommenden Jahre massiv beeinflussen,<br />
jedes auf seine Weise <strong>und</strong> doch auch gemeinsam. Alle Experten sind sich einig, dass die aktuellen<br />
Flüchtlingsströme keinem Vergleich mit den schon für die nahe Zukunft prognostizierten klimabedingten<br />
Migrationsbewegungen standhalten können. Unsere Welt steht vor einer Zerreißprobe. Die<br />
Wirtschaft sieht sich in der Pflicht. Vorweg gehen wie so häufig Unternehmen, die unter dem Dach von<br />
B.A.U.M. für eine nachhaltige Wirtschaftsweise plädieren, weil sie wissen, dass nur ein „enkelfähiges“<br />
Geschäftsgebaren ihre eigene Zukunft sichert.<br />
Doch wie funktioniert Kommunikation in diesem Zusammenhang? Wie viel dürfen <strong>und</strong> sollten Unternehmen<br />
über ihre <strong>Nachhaltigkeit</strong>saktivitäten berichten <strong>und</strong> wie? Das diesjährige B.A.U.M.-<strong>Jahrbuch</strong><br />
trägt den Titel „<strong>Nachhaltigkeit</strong> <strong>glaubwürdig</strong> <strong>und</strong> <strong>wirksam</strong> <strong>kommunizieren</strong>“. Kann ein mehr als 300<br />
Jahre alter Begriff überhaupt in die moderne Kommunikation passen? Namhafte Autoren beleuchten<br />
dieses Thema aus unterschiedlichen Perspektiven. Wie eine <strong>glaubwürdig</strong>e <strong>und</strong> erfolgreiche Unternehmenskommunikation<br />
zur <strong>Nachhaltigkeit</strong> aussieht <strong>und</strong> mit welchen Themen sie verstärkt öffentliche<br />
Aufmerksamkeit finden kann, erfahren Sie auf den Seiten 8-44.<br />
Nachhaltig <strong>kommunizieren</strong> bedeutet für Unternehmen nicht nur, eine Haltung zu entwickeln – sondern<br />
dieser auch treu zu bleiben. Stakeholder jeglicher Art, ob kritische Verbraucher, Geschäftspartner,<br />
Investoren oder staatliche Stellen erwarten Informationen zu den Aktivitäten eines Unternehmens,<br />
ob sie nachhaltig sind oder auch nicht. Interne Kommunikation mit den Mitarbeitern sorgt für innerbetriebliche<br />
Unterstützung, externe Kommunikation informiert die weiteren Interessengruppen über<br />
nachhaltiges Engagement von Unternehmen.<br />
Die Öffentlichkeit ist in den letzten Jahren erheblich sensibler <strong>und</strong> kritischer geworden. Konsumiert wird<br />
auch das, was Unternehmen <strong>kommunizieren</strong>. Deshalb sollte oberstes Gebot die Wahrhaftigkeit sein.<br />
Reputationsmessungen zeigen, dass Verbraucher vor allem konsequente Unternehmen schätzen, die<br />
dazu stehen, was sie tun. Wie etwa unsere B.A.U.M.-Mitglieder: Ab Seite 92 finden Sie Porträts von<br />
Unternehmen, die sich unserem Ehrenkodex verschrieben haben. Insofern sehen wir „Bäume“ unser<br />
<strong>Jahrbuch</strong> selbst als gelungenen Beitrag zur nachhaltigen Kommunikation.<br />
Wir wünschen Ihnen eine inspirierende Lektüre!<br />
Prof. Dr. Maximilian Gege Dieter Brübach Kristina Kara Martin Oldeland<br />
Vorsitzender Mitglied des Vorstands Mitglied des Vorstands Mitglied des Vorstands<br />
6
NACHHALTIGKEIT GLAUBWÜRDIG UND<br />
WIRKSAM KOMMUNIZIEREN<br />
7
NACHHALTIGKEIT GLAUBWÜRDIG UND WIRKSAM KOMMUNIZIEREN<br />
<strong>Nachhaltigkeit</strong> – die Herausforderung<br />
des 21. Jahrh<strong>und</strong>erts<br />
Von Prof. Dr. Gerd Michelsen, Seniorprofessor für <strong>Nachhaltigkeit</strong>sforschung an der Leuphana<br />
Universität Lüneburg<br />
Wer gegen <strong>Nachhaltigkeit</strong> ist, macht sich verdächtig. Warum? Wenn wir <strong>Nachhaltigkeit</strong> im Sinne der<br />
ehemaligen norwegischen Ministerpräsidentin Gro Harlem Br<strong>und</strong>tland verstehen, dann geht es darum,<br />
die Bedürfnisse der heutigen Generationen zu befriedigen, ohne zu riskieren, dass künftige Generationen<br />
ihre eigenen Bedürfnisse nicht befriedigen können. Oder kurz <strong>und</strong> bündig ausgedrückt: genug,<br />
für alle, für immer. Es geht bei der Idee der <strong>Nachhaltigkeit</strong> um die Frage von Grenzen des Wachstums,<br />
der Belastbarkeit unseres Planeten, der Verteilung von Wohlstand <strong>und</strong> auch um die Frage, wie wir die<br />
Befriedigung der menschlichen Bedürfnisse für alle Menschen auf der Erde gewährleisten können.<br />
Wer sich gegen diese Idee ausspricht, scheint offensichtlich nicht viel von Gerechtigkeit zu halten: von<br />
einer gerechteren Verteilung der endlichen Ressourcen auf der Erde oder von der Ermöglichung einer<br />
gerechteren Verteilung von Wohlstand innerhalb <strong>und</strong> zwischen den Generationen. Wer sich gegen<br />
<strong>Nachhaltigkeit</strong> ausspricht, für diejenigen scheint der eigene Nutzen <strong>und</strong> das eigene Wohlbefinden<br />
wichtiger zu sein als das Gemeinwohl.<br />
Wer einmal lügt, dem glaubt man nicht …<br />
In den letzten Jahren hat die Berichterstattung über <strong>Nachhaltigkeit</strong> im unternehmerischen Bereich<br />
zugenommen. So veröffentlichen mittlerweile alle DAX-30-Unternehmen <strong>Nachhaltigkeit</strong>sberichte <strong>und</strong><br />
rühmen sich ihrer Erfolge. Aber auch viele andere Groß- <strong>und</strong> mittelständische Unternehmen sehen<br />
die Notwendigkeit, über ihre <strong>Nachhaltigkeit</strong>saktivitäten zu berichten. Das ist auch gut so, schließlich<br />
ist die Wirtschaft neben der Politik in besonderem Maße gefordert, wenn es darum geht, den Prozess<br />
der nachhaltigen Entwicklung positiv zu befördern. Und ‚Klappern mit dem Geschirr‘ gehört nun mal<br />
zum Geschäft. Allerdings sind die entsprechenden Berichte kritisch zu hinterfragen, wenn mit deren<br />
Veröffentlichung in erster Linie „Greenwashing“ betrieben wird. Angesicht der in den letzten Monaten<br />
bekannt gewordenen Unregelmäßigkeiten eines bedeutenden deutschen Unternehmens erscheint<br />
es notwendig, sich noch einmal die Anforderungen vor Augen zu halten, wenn über <strong>Nachhaltigkeit</strong><br />
berichtet wird. Glaubwürdigkeit, Transparenz, Verständlichkeit <strong>und</strong> Nachvollziehbarkeit sind hierfür<br />
ganz zentrale Punkte. Wenn ein Unternehmen, eine Organisation oder ein Verein nicht <strong>glaubwürdig</strong><br />
ist, macht selbst die professionellste Berichterstattung keinen Sinn!<br />
Was für ein schreckliches Wort …<br />
Wenn wir den Umfragen in der Bevölkerung Glauben schenken, dann unterstützt die überwiegende<br />
Mehrheit die Idee der <strong>Nachhaltigkeit</strong> <strong>und</strong> den damit verb<strong>und</strong>enen politischen Prozess, den wir nachhaltige<br />
Entwicklung nennen. Ja, viele Menschen haben auch konkretere Vorstellungen davon, was sich<br />
hinter der Idee verbirgt. Von der jüngeren Generation wissen wir, dass sie sich bereits in der Schule<br />
mit Fragen zu einer nachhaltigen Entwicklung auseinandersetzt <strong>und</strong> sich ein differenziertes Bild hierzu<br />
8
NACHHALTIGKEIT GLAUBWÜRDIG UND WIRKSAM KOMMUNIZIEREN<br />
machen kann. Sie möchte auch einen konkreten Beitrag leisten, sich engagieren, aber weiß nicht immer,<br />
wie so etwas sinnvoll geschehen kann.<br />
Aber: Es gibt auch den Missbrauch, wenn von <strong>Nachhaltigkeit</strong> gesprochen wird. Vielfach wird nachhaltig<br />
im Sinne von andauernd oder lang anhaltend benutzt, ohne dass sich konkrete Inhalte dahinter verbergen.<br />
Wenn also über <strong>Nachhaltigkeit</strong> kommuniziert wird, ist sehr darauf zu achten, was diejenigen,<br />
die dieses Wort in den M<strong>und</strong> nehmen, damit konkret verbinden.<br />
Forum<br />
EUR 7,50 (D) | EUR 8,- (A) | CHF 12,50 | www.forum-csr.net 01/2013<br />
ISSN 1865-4266<br />
Mut zu Werten<br />
Immer wieder hört man deshalb, dass <strong>Nachhaltigkeit</strong> ein „sperriger Begriff“ sei. Alles <strong>und</strong> nichts kann<br />
man damit verbinden. Und es stimmt, <strong>Nachhaltigkeit</strong> ist nicht einfach zu <strong>kommunizieren</strong>. Die Ursachen<br />
einer nicht-nachhaltigen Entwicklung sind sehr komplex <strong>und</strong> die aus den Analysen abzuleitenden<br />
Lösungen außerordentlich vielfältig. Zusätzlich sind sie mit Risiken verb<strong>und</strong>en, da ihre langfristigen<br />
Wirkungen oft nicht in ihrer ganzen Breite abzuschätzen sind. Trotzdem <strong>und</strong> gerade deswegen sind<br />
unter diesen Bedingungen mutige Entscheidungen zu treffen – <strong>und</strong> diese sollten auch kompromisslos<br />
kommuniziert werden. Hierbei spielen die Medien <strong>und</strong> die dort arbeitenden Menschen eine wichtige<br />
Rolle, denn Sie können diese Themen <strong>und</strong> Lösungsansätze transportieren. Aber die Zusammenhänge<br />
von Journalismus <strong>und</strong> <strong>Nachhaltigkeit</strong> werden kontrovers diskutiert: Ein Journalist oder eine Journalistin<br />
macht sich eine „Sache“ nicht zu eigen, sondern berichtet „neutral“ über sie, ist eine Position.<br />
Eine andere Position vertritt die Auffassung, dass der Journalismus sich mit den Zusammenhängen<br />
auseinandersetzen <strong>und</strong> mit konkreten Projekten, Initiativen oder Prozessen vor Ort verbinden sowie<br />
die globalen Zusammenhänge aus der Perspektive einer nachhaltigen Entwicklung beleuchten muss.<br />
Aus dieser Sicht soll <strong>Nachhaltigkeit</strong>sjournalismus Mut machen <strong>und</strong> Lust auf Veränderung verbreiten.<br />
Nachhaltig Wirtschaften<br />
Zur Annäherung an die Idee von <strong>Nachhaltigkeit</strong> <strong>und</strong> deren Umsetzung Das Entscheider-Magazin gehört auch die Auseinandersetzung<br />
mit den eigenen Wertvorstellungen <strong>und</strong> Verhaltensweisen. Das ist nicht immer bequem, denn<br />
es geht im Kern darum, allen Menschen auf der Erde – heute <strong>und</strong> in Zukunft – ein gutes <strong>und</strong> friedvolles<br />
300 Jahre<br />
<strong>Nachhaltigkeit</strong> in Deutschland<br />
<strong>Nachhaltigkeit</strong>: Freiherr von Carlowitz<br />
hat den Begriff vor 300 Jahren<br />
geprägt. Heute wird dieser Begriff inflationär<br />
(miss-)braucht. Gro Harlem<br />
Br<strong>und</strong>tland, die ehemalige norwegische<br />
Ministerpräsidentin, brachte seine<br />
Bedeutung auf den Punkt: Es geht<br />
darum, die Bedürfnisse der heutigen<br />
Generationen zu befriedigen, ohne<br />
zu riskieren, dass künftige Generationen<br />
ihre eigenen Bedürfnisse nicht<br />
mehr befriedigen können.<br />
9
NACHHALTIGKEIT GLAUBWÜRDIG UND WIRKSAM KOMMUNIZIEREN<br />
Leben zu ermöglichen. Jeder ist somit gefordert, entsprechende ökologische wie auch wirtschaftliche,<br />
soziale <strong>und</strong> kulturelle Rahmenbedingungen zu schaffen, die von der Gemeinschaft mitgetragen werden.<br />
Nicht nur bei uns, sondern auch in Weltregionen, in denen kriegerische Auseinandersetzungen<br />
stattfinden oder in denen Hunger <strong>und</strong> Armut herrschen. Die dafür nötigen Veränderungen setzen bei<br />
den Menschen Veränderungen in den Köpfen voraus, ein Prozess, der leider nicht automatisch abläuft.<br />
Bildung kann hierzu einen wichtigen Beitrag leisten. Die Vereinten Nationen haben im September 2015<br />
die Ziele für eine nachhaltige Entwicklung verabschiedet, die sogenannten „Sustainable Development<br />
Goals“. Sie unterstreichen mit Nachdruck die Notwendigkeit, individuelle wie auch gesellschaftliche Veränderungsprozesse<br />
zu initiieren, zu unterstützen <strong>und</strong> fortzuführen, damit eine nachhaltige Entwicklung<br />
auf der Erde möglich wird. Dieser Herausforderung haben sich Politik, Wirtschaft <strong>und</strong> Verwaltung, aber<br />
auch die Zivilgesellschaft insgesamt zu stellen. Eine professionelle Kommunikation <strong>und</strong> die engagierte<br />
Berichterstattung sind dazu ein wichtiger Katalysator.<br />
Literatur<br />
Michelsen, Gerd / Grunenberg, Heiko / Mader, Clemens / Barth, Matthias (2015): Greenpeace <strong>Nachhaltigkeit</strong>sbarometer<br />
2015. <strong>Nachhaltigkeit</strong> bewegt die Jugend. Bad Homburg<br />
Michelsen, Gerd / Godemann, Jasmin (Hrsg.; 2007): Handbuch <strong>Nachhaltigkeit</strong>skommunikation.<br />
2. Aufl., München<br />
Prof. Dr. Gerd Michelsen ist Seniorprofessor für <strong>Nachhaltigkeit</strong>sforschung an der Leuphana Universität Lüneburg.<br />
Seine Arbeitsschwerpunkte sind Bildung für nachhaltige Entwicklung, <strong>Nachhaltigkeit</strong>skommunikation <strong>und</strong> nachhaltiger<br />
Konsum. Prof. Michelsen ist u. a. Vorstandsmitglied der Deutschen UNESCO-Kommission. Bereits 1998<br />
erhielt er den B.A.U.M.-Umweltpreis in der Kategorie „Wissenschaft“.<br />
10
NACHHALTIGKEIT GLAUBWÜRDIG UND WIRKSAM KOMMUNIZIEREN<br />
Medien können Hoffnung machen!<br />
Über gute Nachrichten <strong>und</strong> ermutigenden Journalismus<br />
Gute Nachrichten inspirieren. Sie machen Mut <strong>und</strong> geben Hoffnung. Schlechte Nachrichten verbreiten<br />
Angst. Sie erzeugen Lähmung <strong>und</strong> Widerstand. Konstruktiver Journalismus will hier Abhilfe schaffen.<br />
Von Fritz Lietsch, Chefredakteur forum Nachhaltig Wirtschaften<br />
„Only bad news are good news“ war ein ehernes Gesetz für quotenabhängige Medienmacher. Wir<br />
von ALTOP (All Love To Our Planet) sahen <strong>und</strong> sehen das anders: Wir brauchen gute Nachrichten, die<br />
inspirieren <strong>und</strong> ermutigen! Weil vor dreißig Jahren noch genüsslich die „bad news“ zelebriert wurden<br />
<strong>und</strong> wir mit unserer Ansicht allein auf weiter Flur standen, gründeten wir als junges Team kurzerhand<br />
ein eigenes Verlagshaus, um gute Nachrichten <strong>und</strong> gesellschaftliche Alternativen vorzustellen. Uns<br />
aktivierten bahnbrechende Bücher wie „Die Grenzen des Wachstums“. Uns begeisterten der Club of<br />
Rome <strong>und</strong> Zukunftsgestalter wie etwa Robert Jungk, der bereits 1948 in den USA den Pressedienst<br />
„Good News Bulletin“ anbot.<br />
Der Aufklärer <strong>und</strong> Visionär bekam 1986 den Alternativen Nobelpreis verliehen <strong>und</strong> veröffentlichte den<br />
„Katalog der Hoffnungen“. Im gleichen Jahr erschien nach zwei Jahren Vorarbeit unser erstes „Alternatives<br />
Branchenbuch“. Darin setzten wir nicht auf Negativmeldungen über Waldsterben, Umweltverschmutzung,<br />
Klimawandel <strong>und</strong> Ressourcenverschwendung, sondern auf positive Berichterstattung über<br />
Aufforstung, Kreislaufwirtschaft <strong>und</strong> nachhaltiges Handeln. Die aufgelisteten Bezugsquellen zeigten<br />
Alternativen zur herkömmlichen Wirtschaft auf <strong>und</strong> bald wurde das Buch zu einem unverzichtbaren<br />
Ratgeber für intelligente Einkäufer <strong>und</strong> bewusste Konsumenten. Gemeinsam mit unseren Lesern verhalfen<br />
wir den Bio-Produkten zum Siegeszug.<br />
Schlechte Nachrichten – perfektes Umfeld für die W<strong>und</strong>erwelt der Werbung?<br />
Da stellt sich die Frage, warum die Medien noch immer auf schlechte Nachrichten setzen: Ob das gar<br />
Kalkül ist <strong>und</strong> Verbraucher bewusst <strong>und</strong> mit einer bestimmten Absicht einer Welt aus medialen Gegensätzen<br />
ausgesetzt werden sollen? Auf der einen Seite: das triste Grau <strong>und</strong> die schrecklichen Gräuel<br />
der Alltagsnachrichten. Auf der anderen Seite „die Rettung“: fröhliche Reklamebotschaften, die eine<br />
heile Welt suggerieren, ...wenn man nur die richtigen Produkte konsumiert!<br />
Der Zeit voraus: Das Konzept für eine<br />
„Pro Future Show“ mit guten Nachrichten<br />
begeisterte RTL-Chef Thoma<br />
– aber er setzte dann doch lieber auf<br />
„nackte Tatsachen“ <strong>und</strong> erreichte ab<br />
1990 mit seiner „Tutti Frutti“ Show<br />
einen großen Publikumserfolg.<br />
11
NACHHALTIGKEIT GLAUBWÜRDIG UND WIRKSAM KOMMUNIZIEREN<br />
Aber immer mehr Menschen wollen die geballte Ladung von Katastrophenmeldungen, die verzerrte<br />
Darstellung unserer Realität <strong>und</strong> die Animation zu aberwitzigen Konsum nicht mehr aushalten <strong>und</strong><br />
fragen: Was ist mit solcher Art journalistischer Aufklärung gewonnen, wenn sie das Gegenteil bewirkt?<br />
Abstumpfung statt Begeisterung, Ablenkung statt Aktion können <strong>und</strong> sollen nicht das Ziel von Medien sein!<br />
Zurück zu konstruktiver Berichterstattung: Unsere anfangs belächelte Vision, „Bio“ aus der „Körnerecke“<br />
zu holen <strong>und</strong> Solarpaneele großflächig auf die Dächer zu bringen, gelang. Tausende von<br />
Unternehmen, die wie ALTOP gegründet wurden, um eine gesellschaftliche Änderung herbeizuführen,<br />
schrieben Erfolgsgeschichte. Aus den Bio-Pionieren von damals wurden erfolgreiche <strong>und</strong> vielfach<br />
ausgezeichnete Unternehmer.<br />
Als zweiten Schritt wollten wir auch die konventionelle Wirtschaft zum Wandel <strong>und</strong> zu verantwortungsbewusstem<br />
Handeln ermutigen. Mit dem crossmedialen Medienprojekt forum nachhaltig Wirtschaften<br />
inspirieren <strong>und</strong> ermutigen wir seit 2007 Entscheidungsträger in Wirtschaft, Politik <strong>und</strong> Zivilgesellschaft<br />
mit guten Beispielen zu innovativem, verantwortungsbewusstem Handeln. Damit blieben wir noch<br />
immer allein auf weiter Flur. Denn konservative Zeitungen haben nach wie vor wenig Interesse an der<br />
Verbreitung positiver Meldungen <strong>und</strong> eher linke Redaktionen fühlen sich der Kritik verpflichtet.<br />
Gute Nachrichten auf dem Vormarsch<br />
Dennoch wurde die Veränderung hin zu einem konstruktiven Journalismus bereits an verschiedenen<br />
Stellen spürbar. So erschienen 2009 <strong>und</strong> 2010 erstmals drei Sonderausgaben der taz mit ausschließlich<br />
positiven Projekten. Sie fanden reißenden Absatz – die erste mit dem Titel „Eine andere Welt wird sichtbar“<br />
wurde gar zur bestverkauften Ausgabe des Jahres. Doch dieses Experiment kam wohl dennoch zu früh<br />
<strong>und</strong> das engagierte Projekt um das Team von Ute Scheub <strong>und</strong> Annette Jensen wurde nicht fortgeführt.<br />
Zum Glück beginnt sich seit 2012 die Medienlandschaft zu wandeln – einigen Redaktionen ist das alte<br />
Spiel „only bad news are good news“ zu blöde geworden. In den USA entstanden in den letzten Jahren<br />
Initiativen des „lösungsorientierten Journalismus“, in Großbritannien, Spanien, Argentinien <strong>und</strong> anderen<br />
Ländern wurden Websites mit „Positive News“ gegründet. Dänemarks Sender DR Danmark praktiziert<br />
„konstruktiven Journalismus“ <strong>und</strong> TV2 News hat in seiner Nachtsendung „Yes We Can“-Stories integriert.<br />
In Österreich formierte sich die Mutmacherei, in der Schweiz berichtet der Zeitpunkt über konstruktive<br />
Alternativen, in Deutschland finden sich in forum Nachhaltig Wirtschaften, enorm oder brandeins Geschichten<br />
über engagierte Sozialunternehmen <strong>und</strong> positiv wirkende Betriebe <strong>und</strong> Menschen. Die Huffington<br />
Post experimentiert seit 2011 mit konstruktivem Journalismus <strong>und</strong> die Washington Post folgte 2014 mit<br />
einem „The Optimist“ genannten Onlinebereich. Last but not least haben sich Harald Welzer <strong>und</strong> sein<br />
Berliner Team in der Stiftung Zukunftsfähigkeit der Veröffentlichung von Geschichten des Gelingens<br />
verschrieben, die im Zukunftsalmanach <strong>und</strong> auf der Website von FuturZwei verbreitet werden.<br />
„If it succeeds, it leads“<br />
Wie schätzen Journalisten selbst den „Negativjournalismus“ unserer Zeit ein? Sind sie bereit für einen<br />
Wandel? Laut einer Umfrage des „constructive journalism projects“, eines in London ansässigen<br />
12
NACHHALTIGKEIT GLAUBWÜRDIG UND WIRKSAM KOMMUNIZIEREN<br />
Zusammenschlusses von Medien-Experten, fühlen sich viele Journalisten, nachdem sie die aktuelle<br />
Berichterstattung gelesen haben, hoffnungslos, traurig, überwältigt oder auch abgestumpft – was<br />
sich wiederum auf ihre eigene Berichterstattung auswirkt. Das Motto „if it bleeds, it leads“ hat nicht<br />
nur negative Auswirkungen auf den Leser, sondern auf den Schreiber selbst. Journalisten wollen wieder<br />
mit Motivation <strong>und</strong> Begeisterung schreiben. Sie wollen bewegen, aktivieren <strong>und</strong> inspirieren <strong>und</strong><br />
Konsumenten wollen lösungsorientierte <strong>und</strong> konstruktive Berichte lesen. Deswegen sollte der Slogan<br />
zukünftig heißen: „If it succeeds, it leads“.<br />
Aus meiner persönlichen Erfahrung sehe ich hier allerdings eine Herausforderung, die es zu bewältigen<br />
gilt: Geschichten des Gelingens bestehen vor allem aus der Beschreibung von Lösungsprozessen anstelle<br />
von tagesaktuellen News. Es geht nicht mehr nur darum, von Problemen <strong>und</strong> Konflikten zu berichten,<br />
sondern darum, wie man diese konstruktiv bearbeiten kann. Solche News drehen sich also nicht nur<br />
um Vergangenheitsbeschreibung, sondern auch um Projektionen in die Zukunft – das ist eine neue<br />
Dimension von Journalismus. Weil er nicht nur die Problemursachen ins Visier nimmt, sondern auch<br />
die neu entstehenden Ideen <strong>und</strong> Lösungsansätze vorstellt, die eine Gesellschaft auf einen besseren<br />
Weg führen, wird diese Art des Journalismus „konstruktiv“ genannt. Er will zeigen, dass ein Wandel<br />
der Verhältnisse möglich ist <strong>und</strong> dazu ermutigen, selbst aktiv zu werden.<br />
Für diese Art der Berichterstattung wurde ich oft von Chefredakteuren klassischer Medien mit dem<br />
Hinweis kritisiert, der Journalist sei nur der Wahrheit in der Berichterstattung verpflichtet <strong>und</strong> dürfe<br />
keine Partei ergreifen. Dem entgegne ich voller Überzeugung: Unsere Medienmaschinerie ergreift immer<br />
Partei <strong>und</strong> ist zusätzlich häufig dem Diktat der Profitmaximierung unterworfen. Somit ist es nur legitim,<br />
mit der Kraft der Medien nicht nur aktuelle Zustände zu beschreiben, sondern auch wünschenswerte<br />
„Zukünfte“ zu skizzieren <strong>und</strong> deren Protagonisten eine Bühne zu geben. Und… ist ein Bericht mit<br />
einem größeren Ausschnitt der Realität – weil nicht nur zurück, sondern auch vorwärts gerichtet – der<br />
Wahrheit nicht deutlich näher?<br />
www.futurzwei.org | www.enorm.de | www.brandeins.de | constructivejournalism.org<br />
www.mutmacherei.at |www.zeitpunkt.ch<br />
Trotzdem<br />
Jugendliche aus Marburg veröffentlichten eine Zeitung mit dem programmatischen Titel „Trotzdem“, in dem<br />
sie allesamt von „ermutigenden Projekten in Marburg“ berichteten. In ihrem Vorwort schrieben sie: „Der Titel<br />
‚Trotzdem‘ nimmt Bezug auf die Haltung, sich trotz aller schlechten Nachrichten auf die zukunftsweisenden<br />
‚Good News‘ zu konzentrieren.“ „Trotzdem“ – so lautet auch der Titel von Jungks Autobiografie. Und „trotzdem“<br />
könnte auch das Motto für alle sein, die ermutigenden oder konstruktiven Journalismus in seiner Tradition<br />
pflegen <strong>und</strong> fortführen wollen. Ich wünsche mir von meinen Kollegen <strong>und</strong> Journalistenfre<strong>und</strong>Innen viel mehr<br />
„trotzdems“ <strong>und</strong> ermuntere zur Lektüre des neuen Buches Zukunft gewinnen! In Erinnerung an Robert Jungk.<br />
Fritz Lietsch studierte BWL sowie Markt- <strong>und</strong> Werbepsychologie, um das Thema <strong>Nachhaltigkeit</strong> in die Unternehmen<br />
zu tragen. Als Sprachrohr nutzt er den eigens dafür gegründeten ALTOP Verlag <strong>und</strong> war mit verschiedenen<br />
Medien Wegbereiter einer Green Economy. Mit dem Magazin forum Nachhaltig Wirtschaften ermutigt er Entscheidungsträger,<br />
verantwortungsbewusst <strong>und</strong> zukunftsfähig zu handeln. Er ist gefragter Key Note Speaker <strong>und</strong><br />
Moderator zahlreicher Events.<br />
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NACHHALTIGKEIT GLAUBWÜRDIG UND WIRKSAM KOMMUNIZIEREN<br />
Welche Berichterstattung ist dem Thema<br />
„nachhaltiges Wirtschaften“ angemessen?<br />
Von Marc Winkelmann, Chefredakteur des Wirtschaftsmagazins enorm<br />
Als wir im Herbst 2009 in einer Bürogemeinschaft auf St. Pauli zusammensaßen <strong>und</strong> uns darüber<br />
Gedanken machten, wie ein Magazin aussehen könnte, das später dann den Namen enorm bekam,<br />
standen wir vor einer Entscheidung. Die Frage lautete: Machen (auch) wir Krisen- <strong>und</strong> Katastrophenjournalismus?<br />
Oder finden wir einen anderen Weg, über drängende gesellschaftliche Probleme zu<br />
berichten?<br />
Nur schlechte Nachrichten sind gute Nachrichten. Das ist die alte, bekannte <strong>und</strong> so oft kopierte Formel.<br />
Medien arbeiten seit Jahrzehnten danach. Es gehört zum Selbstverständnis von Journalisten, stets nach dem<br />
Fehler zu suchen, nach dem Haar in der Suppe, selbst in positiven Meldungen. Erst dann, sagen wir uns in der<br />
Branche, wird es interessant für die Leser, Zuschauer <strong>und</strong> Hörer <strong>und</strong> lukrativer für uns, weil sich Unsicherheit<br />
<strong>und</strong> Angst, die in negativen Geschichten mehr oder weniger stark mitschwingen, besser verkaufen lassen.<br />
Die Themen, die wir uns vornehmen wollten, passten dazu perfekt. Herbst 2009, das war nur ein<br />
Jahr nach Ausbruch der globalen Finanzkrise. Millionen von Girokontenbesitzern <strong>und</strong> Anlegern<br />
waren verunsichert <strong>und</strong> die tatsächlichen Folgen des Bankenkollapses noch nicht absehbar. Die<br />
Warnungen zum Klimawandel häuften sich <strong>und</strong> der jährliche Klimagipfel in Kopenhagen, in den<br />
so viele Hoffnungen gesteckt wurden, endete sehr ernüchternd. Die Elektromobilität kam auch<br />
schon damals nicht in die Gänge <strong>und</strong> auch in anderen Branchen machten Unternehmen mehr<br />
grüne Versprechungen, als sie tatsächlich einhielten. Kurzum: Es wäre nicht schwer gewesen, sich<br />
nur darauf zu stürzen.<br />
Wir haben es nicht gemacht. Oder sagen wir: nicht nur. Kritik zu äußern, gehört natürlich zu enorm.<br />
Aber wir haben uns damals zusätzlich zu der eingangs erwähnten Frage eine weitere gestellt, nämlich:<br />
Welche Berichterstattung ist dem Thema – öko-soziales Wirtschaften, das sich auch ökonomisch<br />
rechnet – angemessen?<br />
Wir sind auf drei Zutaten gekommen, die man benötigt. Erstens: die bereits erwähnte Kritik. Warum<br />
kommen Konzerne ihrer Verantwortung nicht nach? Wieso verlangen Verbraucher von der Wirtschaft,<br />
sich vorbildlich zu verhalten – obwohl sie selbst so nachlässig beim Thema <strong>Nachhaltigkeit</strong> sind? Und<br />
weshalb gelingt es den Parteien nicht, tatsächlich im Sinne zukünftiger Generationen zu handeln?<br />
Solchen Fragen gehen wir nach.<br />
Der zweite Punkt: Orientierung ist wichtig. Während Produktionen globaler, Logistikketten<br />
länger <strong>und</strong> Zusammenhänge komplexer werden, wachsen bei vielen Konsumenten die Zweifel<br />
<strong>und</strong> Fragen. Zeit aber, um selbst Experte in Themen wie Finanzen <strong>und</strong> Versicherungen, Mode,<br />
Ernährung, Mobilität, Job <strong>und</strong> Beruf, Energie <strong>und</strong> Erziehung zu werden – <strong>und</strong> das sind ja nur<br />
ein paar –, haben die wenigsten. Also wollen wir Abhilfe schaffen. Trotz oder gerade wegen der<br />
Vielzahl von Siegeln. Nur die wenigsten sind ja leider vertrauenswürdig <strong>und</strong> den Verbrauchern<br />
zugleich ein Begriff.<br />
14
NACHHALTIGKEIT GLAUBWÜRDIG UND WIRKSAM KOMMUNIZIEREN<br />
Die dritte Zutat kam hinzu, als wir begannen, uns in erste Geschichten einzuarbeiten. Wir stellten<br />
nämlich schnell fest, dass sich vor uns bereits eine Vielzahl von Menschen daran gemacht hatte, Antworten<br />
auf die jetzt aufkommenden Fragen zu suchen <strong>und</strong> zu geben. Sie hatten nicht nur faszinierende<br />
Geschichten zu erzählen, sie waren auch noch inspirierend <strong>und</strong> motivierend – <strong>und</strong> sie wurden, wie wir<br />
feststellen mussten, häufig von anderen Medien nicht beachtet. Also beschlossen wir, diese Menschen<br />
<strong>und</strong> Unternehmer zu einer weiteren Säule unserer Erzählung zu machen. Denn erst dann würde das<br />
Bild komplett sein. Nur auf negative Nachrichten zu setzen, zu dramatisieren, Angst zu schüren: Das<br />
allein bildete nicht die Realität ab, wie wir sie vorfanden.<br />
Wenn man so will, ist das seitdem unser Narrativ, unsere eigene Triple-Bottom-Line: kritisieren, orientieren,<br />
inspirieren. Und gerade auch der letzte Punkt kommt bei Lesern gut an. Immer wieder erhalten<br />
wir Mails, in denen uns von Projekten oder Gründungen berichtet wird, an denen wir – so wird uns<br />
erzählt – nicht ganz unschuldig gewesen sind, weil ein Bericht oder eine Reportage in enorm motivierend<br />
wirkte.<br />
Natürlich gab es immer schon Magazine, die sich dem guten Leben gewidmet <strong>und</strong> dem Mantra des<br />
„Nur schlechte Nachrichten sind gute Nachrichten“ verweigert haben. Ging es in der Vergangenheit<br />
allerdings vorwiegend um gesellschaftlich weniger relevante Themen, ist das inzwischen anders. Seit<br />
ein, zwei Jahren findet die Idee des sog. „Constructive Journalism“ immer mehr Anhänger. Im Kern<br />
geht es darum, Themen wie den Klimawandel oder die Umweltverschmutzung durch Verpackungsmüll<br />
nicht immer nur als Problem zu beschreiben, sondern auch Lösungen für eben diese Probleme<br />
vorzustellen. Konstruktive, positive Ansätze – die, ganz nebenbei, beim Lesen, Zuhören <strong>und</strong> Zuschauen<br />
auch mehr Spaß machen. Zahlreiche Medien, auch namhafte <strong>und</strong> etablierte, experimentieren damit<br />
inzwischen, neue gründen sich.<br />
Dass man sich von den Gründern <strong>und</strong> ihren Visionen, die an Lösungen arbeiten, nicht blenden lassen<br />
darf <strong>und</strong> auch sie hinterfragen muss, ist selbstredend. Journalisten, die sich mit <strong>Nachhaltigkeit</strong> beschäftigen,<br />
müssen offen für Widersprüche sein – das gilt für sie noch mehr als für Kollegen anderer<br />
Ressorts. Denn so alt der Begriff <strong>Nachhaltigkeit</strong> ist, so frisch ist die Debatte darüber noch. Wie man<br />
tatsächlich nachhaltig wirtschaftet, weiß keiner. Alle experimentieren. Auch die Journalisten, die<br />
diese Entwicklung begleitet. Aber zu diskutieren, wie es gehen könnte, das wollen wir seit damals,<br />
als wir uns zum ersten Mal zusammensetzten <strong>und</strong> überlegten, wie enorm aussehen sollte. Und das<br />
werden wir fortsetzen.<br />
Marc Winkelmann ist seit 2013 Chefredakteur des Wirtschaftsmagazins enorm. Davor hat er als freier Journalist<br />
für verschiedene Tageszeitungen <strong>und</strong> Magazine gearbeitet <strong>und</strong> 2009 enorm mitentwickelt.<br />
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NACHHALTIGKEIT GLAUBWÜRDIG UND WIRKSAM KOMMUNIZIEREN<br />
Was macht <strong>Nachhaltigkeit</strong>sthemen für<br />
die Medien attraktiv?<br />
<strong>Nachhaltigkeit</strong> muss ein Gesicht bekommen<br />
Nur sehr selten sind <strong>Nachhaltigkeit</strong>sthemen „per se“ für Medien<br />
attraktiv. Der Begriff besitzt keine Trennschärfe <strong>und</strong> wird zudem inflationär<br />
verwendet, meist mit „dauerhaft“ gleichgesetzt. Daher werden<br />
<strong>Nachhaltigkeit</strong>sthemen dann interessant, wenn sie mit Menschen in<br />
Verbindung zu bringen sind. Das zahlt auf unsere Neugier ein, ganz<br />
nach dem Motto: He, schau doch mal, was macht der/die denn da<br />
eigentlich…? Huch, das Projekt ist ein Erfolg – wie konnte das denn<br />
passieren? Unsere Umweltdokureihe „planet e.“ gibt daher einem<br />
ganz besonderen Typ Mensch immer wieder eine mediale Plattform:<br />
den Querdenkern <strong>und</strong> Andersmachern. Und, man ahnt es vielleicht<br />
schon, plötzlich hat <strong>Nachhaltigkeit</strong> ein Gesicht, hat Charme <strong>und</strong><br />
bietet Emotionen.<br />
Volker Angres,<br />
Redaktionsleiter von Umwelt/planet e., ZDF<br />
<strong>Nachhaltigkeit</strong> gut erzählen<br />
Gut erzählte <strong>Nachhaltigkeit</strong> ist die dritte Dimension jedes Themas. Sie<br />
verknüpft das War <strong>und</strong> Ist mit dem Werden, sie macht Konsequenzen<br />
unseres Tuns greifbar. Das macht Themen komplexer <strong>und</strong> schwieriger,<br />
aber für Medien <strong>und</strong> ihre Konsumenten zugleich reichhaltiger:<br />
Sie beschreiben nicht nur Zustände, sondern betten sie ein in den<br />
größeren Zusammenhang; sie knüpfen das Band zwischen den Generationen.<br />
Leser <strong>und</strong> Zuschauer sind dafür durchaus offen. Und für<br />
Journalisten kann <strong>Nachhaltigkeit</strong> zum Kompass werden im Dickicht<br />
der scheinbaren Sachzwänge, mit denen Interessenvertreter so gern<br />
<strong>und</strong> gekonnt argumentieren.<br />
Michael Bauchmüller,<br />
Korrespondent der Parlamentsredaktion Berlin, Süddeutsche Zeitung<br />
16
NACHHALTIGKEIT GLAUBWÜRDIG UND WIRKSAM KOMMUNIZIEREN<br />
Relevanz für das Geschäft <strong>und</strong> dessen Zukunftsfähigkeit verdeutlichen<br />
Zahlen – Daten – Fakten. Das wollen Journalisten. Unternehmen sollten<br />
darstellen, wie <strong>Nachhaltigkeit</strong>saspekte echte, messbare Werttreiber für<br />
ihr Geschäft sind. Nicht irgendwann, sondern zeitgleich <strong>und</strong> am besten<br />
integriert im Geschäftsbericht. Mit Erläuterungen, was genau sie tun,<br />
um das Potenzial zu heben. Verb<strong>und</strong>en mit ehrgeizigen Zielen <strong>und</strong><br />
kritischen Selbsteinschätzungen, die aufhorchen lassen. Davon sind die<br />
meisten Unternehmen meilenweit entfernt. Wer Medien jenseits von<br />
herkömmlichen Finanzziffern nur mager zu für die Zukunftsfähigkeit<br />
bedeutsamen Tatsachen <strong>und</strong> Entwicklungen informiert, muss sich<br />
nicht w<strong>und</strong>ern, dass sie sich nicht um <strong>Nachhaltigkeit</strong>sberichte scheren.<br />
Selbst gute öko-soziale Leistungen erscheinen dann so irrelevant, dass<br />
Journalisten bei (Bilanz-)Pressekonferenzen nicht danach fragen <strong>und</strong><br />
selbst in umfangreichen Firmenanalysen nicht darüber berichten. Aber<br />
vielleicht ist das von den Unternehmen ja genauso gewollt.<br />
Susanne Bergius, Leiterin des „Handelsblatt Business Briefing Nachhaltige<br />
Investments“ <strong>und</strong> Vorstandsvorsitzende des journalistischen<br />
„Netzwerk Weitblick e.V.“<br />
Alternativen in allen Lebens- <strong>und</strong> Politikbereichen aufzeigen<br />
Gesellschaftliche Bedeutung entfaltet nur, worüber geredet wird. Die<br />
Massenmedien haben in diesem Zusammenhang große Bedeutung.<br />
Tatsächlich sind sie heute aber oft mehr mit ihrem eigenen Überleben<br />
beschäftigt als mit der „Rettung“ der Erde beziehungsweise mit den<br />
Überlebensfragen der Menschheit. Soziale Netzwerke, die „Kaffeehäuser<br />
der digitalen Ära“, bieten zwar Ersatz, stellen aber nicht Öffentlichkeit<br />
her. Die inflationäre Nutzung des <strong>Nachhaltigkeit</strong>sbegriffes<br />
kann das Interesse der Medien sicher nicht wiederherstellen. Eine<br />
Chance liegt nur darin, nicht-nachhaltige Prozesse in allen Lebens- <strong>und</strong><br />
Politikbereichen sehr konkret zu beschreiben – <strong>und</strong> ebenso konkret<br />
bessere Alternativen aufzuzeigen.<br />
Dr. Fritz Vorholz,<br />
1988-2015 Redakteur bei DIE ZEIT<br />
17
NACHHALTIGKEIT GLAUBWÜRDIG UND WIRKSAM KOMMUNIZIEREN<br />
Wirksam <strong>und</strong> <strong>glaubwürdig</strong> <strong>kommunizieren</strong><br />
Das Reporting-Tagebuch von Annabel A. – Beispiel für einen Weg<br />
in das Berichtswesen der Zukunft?<br />
Von Prof. Brigitte Biermann, Geschäftsführerin der <strong>Nachhaltigkeit</strong>sagentur triple innova<br />
17. Dezember 2015<br />
Annabel A. verlässt das Meeting ein wenig irritiert. Als Controlling-Chefin des deutschen Mittelstandsunternehmens<br />
A-Z, das Pralinen produziert, hat sie Zahlen <strong>und</strong> Berichtswesen seit mehr als vier Jahren<br />
fest im Griff. Und nun, <strong>und</strong> das kurz vor Weihnachten, hat der Geschäftsführer sie damit überrascht,<br />
dass sie ab <strong>2016</strong> <strong>Nachhaltigkeit</strong>szahlen erheben soll. Damit die Kommunikationsleute daraus einen<br />
Bericht erstellen können; eine Vorversion soll im Herbst <strong>2016</strong> auf dem Tisch liegen. Die Geschäftsführung<br />
hat mit einem potenziellen Investor gesprochen, daher weht der Wind.<br />
26. Dezember 2015<br />
Annabel A. liebt Herausforderungen. Und während ihre Familie noch mit den Weihnachtsgeschenken<br />
befasst ist, arbeitet sie sich durch Stapel von <strong>Nachhaltigkeit</strong>sberichten. Au weh: Mit ihrer bisherigen<br />
Arbeit hat das wenig zu tun. Dabei ist sie sich eigentlich sicher, dass eine Integration der Finanz- mit den<br />
Umwelt- <strong>und</strong> sozialen Zahlen ideal wäre. Sie kennt die Möglichkeit von Einsparungen, die insbesondere<br />
bei Energie <strong>und</strong> Abfall auf der Hand liegen. Zudem würde sie gerne auch der Vermeidung sozialer<br />
Risiken einen finanziellen Wert zuordnen. In ihrem Fall produzieren gut ausgebildete Kakaoanbauer/<br />
innen qualitativ hochwertigeren Kakao <strong>und</strong> vermeiden reputationsschädigende Skandale, wenn sie<br />
mit weniger Arbeitsunfällen <strong>und</strong> ohne Kinderarbeit auskommen. Aber wie kann man das bewerten<br />
<strong>und</strong> in Zahlen abbilden?<br />
Einen wirklich „integrierten <strong>Nachhaltigkeit</strong>sbericht“ findet Annabel A. nicht. Dafür in der Mehrzahl<br />
Berichte, die alle möglichen Themen abbilden, diese unverb<strong>und</strong>en nebeneinander darstellen <strong>und</strong> in<br />
denen sehr viel Arbeit steckt. Mit der Frage, ob das so sein muss, kehrt sie im Januar ins Unternehmen<br />
zurück.<br />
4. Januar <strong>2016</strong><br />
Annabel A. trifft in der Kantine den Produktionsleiter, den Vertriebschef <strong>und</strong> die Kommunikations- <strong>und</strong><br />
Marketingleiterin. Sie berichtet von ihrer Lektüre. Eine spannende Diskussion geht los.<br />
22. Januar <strong>2016</strong><br />
Kick-off-Meeting zum <strong>Nachhaltigkeit</strong>sbericht. Außer den bisher Eingeweihten nehmen ein Geschäftsführer,<br />
Vertreter/innen von Einkauf, Qualität, Umwelt <strong>und</strong> Personal teil. Die Themen reichen von LED-<br />
Beleuchtung über vegane Schokolade, Greenpeace, Azubis, Kostendruck <strong>und</strong> Verpackungsoptimierung<br />
bis zu Kinderarbeit. Es wird der Beschluss gefasst, das Rad nicht neu zu erfinden <strong>und</strong> einen kompakten<br />
Bericht mit maximal 40 Seiten zu erarbeiten.<br />
10. März <strong>2016</strong><br />
Wesentlichkeits-Workshop bei A-Z. Annabel A. hat dafür gesorgt, dass externe <strong>Nachhaltigkeit</strong>sexpertise<br />
<strong>und</strong> professionelle Moderation vertreten sind. Zudem sollen vorhandene Reporting-Standards genutzt<br />
werden.<br />
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NACHHALTIGKEIT GLAUBWÜRDIG UND WIRKSAM KOMMUNIZIEREN<br />
Beim Thema Food Waste ist klar, dass mit zusätzlichen Messungen in der Produktion eine überzeugende<br />
Kommunikation geleistet werden kann. Schwieriger wird es bei Milch <strong>und</strong> Haselnüssen, da es hier noch<br />
an Transparenz bezüglich der eigenen Lieferanten fehlt. Kämen hier überhaupt Alternativanbieter in<br />
Frage?<br />
Ebenso beschäftigt sie das Thema Qualität. Bei A-Z wird über gesetzlich vorgegebene Standards hinaus<br />
geprüft, aber eigentlich stellt erst das Zusammenwirken mehrerer Abteilungen ein hohes Qualitätsniveau<br />
sicher. So deutlich hat das bisher noch niemand gesehen.<br />
Standards <strong>und</strong> Leitlinien, externe Expertise, Beratungsorganisationen <strong>und</strong> Studien können inhaltliche<br />
<strong>und</strong> methodische Hilfen geben. Jedoch kann <strong>und</strong> soll A-Z selbst entscheiden, was <strong>Nachhaltigkeit</strong> im<br />
Unternehmen ausmacht. Und das heißt, dass der <strong>Nachhaltigkeit</strong>sbericht konkret dazu dienen soll,<br />
mit den für A-Z relevanten Personen <strong>und</strong> Organisationen, also den „Stakeholdern“, ins Gespräch<br />
zu kommen.<br />
Ergebnis des Workshops ist, dass es sieben Themen sind, bei denen die größten <strong>Nachhaltigkeit</strong>s- <strong>und</strong><br />
Zukunftspotenziale liegen. Darüber hinaus herrscht größte Zufriedenheit bei den Beteiligten aus den<br />
verschiedenen Unternehmensbereichen: Ihre Expertise wird benötigt <strong>und</strong> fließt ein.<br />
27. Juni <strong>2016</strong><br />
Annabel A. hat ihr eigenes Unternehmen nochmal ganz neu kennen gelernt. Bei der Erhebung von<br />
Daten <strong>und</strong> Fakten in den Abteilungen, die mit den sieben Themen zu tun haben, wurde deutlich, dass<br />
kaum Zahlen vorhanden sind. Und ihr wurde klar, dass nachhaltigkeitsbezogene Zahlen nur verständlich<br />
werden, wenn die Abteilungen offenlegen, nach welchen Gr<strong>und</strong>sätzen <strong>und</strong> mit welchen Zielen<br />
sie alltäglich arbeiten.<br />
Sie ist erleichtert, dass sie eben nicht mit Excel-Sheets in allen Abteilungen abgefragt hat, was diese<br />
denn so unter <strong>Nachhaltigkeit</strong> verstehen. Und sie hat auch nicht eine der kursierenden Indikatorenlisten<br />
abgearbeitet. Stattdessen konnte sie sich auf die vereinbarten sieben Themen konzentrieren. Und sie<br />
hat mit den jeweiligen Fachleuten auf den Punkt gebracht, wo Risiken <strong>und</strong> Marktchancen mit diesen<br />
<strong>Nachhaltigkeit</strong>sthemen verb<strong>und</strong>en sind.<br />
5. September <strong>2016</strong><br />
Die Kommunikationsabteilung hat anhand von Annabel A.‘s Arbeitspapieren einen <strong>Nachhaltigkeit</strong>s-<br />
Flyer entworfen. Auch für sie ist neu, das Prinzip „Ausgewogenheit“ anzuwenden, also offene Fragen<br />
vorzustellen. Bisher wurden neben Erfolgsmeldungen nur solche Herausforderungen kommuniziert,<br />
die in Kürze perfekt bearbeitet <strong>und</strong> dann ad acta gelegt werden konnten.<br />
7. September <strong>2016</strong><br />
Annabel A. stellt der Geschäftsführung den Stand der Dinge vor. Die Geschäftsführer haben bereits<br />
gehört, dass bei A-Z nun <strong>Nachhaltigkeit</strong> mit unterschiedlichen Facetten diskutiert wird, finden den Flyer<br />
jedoch, gelinde ausgedrückt, gewöhnungsbedürftig. Es fehlen ihnen Themen, wo A-Z doch bereits gut<br />
aufgestellt sei. Und es fehlen Projekte, für die sie sich persönlich eingesetzt haben, zum Beispiel das<br />
Sponsoring des Jugendverbands. Außerdem enthält der Flyer fast keine Zahlen. Und was, wenn der<br />
Flyer so verstanden würde, dass das verwendete Milchpulver nicht vollständig von glücklichen Kühen<br />
auf grünen Weiden stammte?<br />
19
NACHHALTIGKEIT GLAUBWÜRDIG UND WIRKSAM KOMMUNIZIEREN<br />
Annabel A. antwortet, dass es genau so sei <strong>und</strong> deswegen sei es auch so formuliert. Daher müsse<br />
entweder an den Lieferantenzertifizierungen oder an der Außendarstellung der Süßwarenindustrie<br />
insgesamt gearbeitet werden. Sie hat sich vorher Argumentationshilfe verschafft: Die Kommunikationsabteilung<br />
hat bei 15 A-Z-Mitarbeitern den Praxistest gemacht <strong>und</strong> ihnen den Flyer-Text im Layout eines<br />
Wettbewerbers vor die Nase gelegt. Elf der 15 äußerten sich positiv über die offene Kommunikation.<br />
12. September <strong>2016</strong><br />
Der Vorstand gibt den <strong>Nachhaltigkeit</strong>sflyer frei; er wird bei einer wichtigen Messe ausgelegt.<br />
15. September <strong>2016</strong><br />
Feedback von der Messe: positiv, dass <strong>Nachhaltigkeit</strong> von A-Z kommuniziert wird; negativ: Der Flyer<br />
verrät keine Details; ebenso wenig wie die Internetseite.<br />
22. November <strong>2016</strong><br />
Annabel A. hat Datenblätter <strong>und</strong> Schemata für weitere Informationsabfragen fertiggestellt. Eine<br />
Prüfschleife mit den Abteilungen, die mit den sieben <strong>Nachhaltigkeit</strong>sthemen zu tun haben, ergab nur<br />
noch geringfügige Anmerkungen. Die wichtigsten Aktivitäten zu den sieben <strong>Nachhaltigkeit</strong>sthemen bis<br />
30.10.<strong>2016</strong> sind bereits in einem Excel-Sheet dokumentiert. Die Kommunikationsabteilung hat einen<br />
Layout- <strong>und</strong> Gliederungsentwurf mit der Geschäftsführung abgestimmt.<br />
7. März 2017<br />
Annabel A. hat die <strong>2016</strong>er-Zahlen der verschiedenen Bereiche geprüft. Die Kommunikationsabteilung<br />
vervollständigt den Bericht.<br />
10. Mai 2017<br />
Der erste A-Z-<strong>Nachhaltigkeit</strong>sbericht wird veröffentlicht. Er umfasst 44 Seiten.<br />
18. Juni 2017<br />
Kick-off-Meeting für den zweiten A-Z-<strong>Nachhaltigkeit</strong>sbericht. Feedback zum Bericht hat es kaum gegeben;<br />
es gingen keine Anrufe in dem Tenor „Habt Ihr einen tollen Bericht rausgebracht!“ ein. Aber:<br />
Reporting als Schlüssel zum Erfolg:<br />
Der Weg zu einem gelungenen<br />
Reporting ist nicht immer leicht.<br />
Doch allein das Erheben der Gr<strong>und</strong>lagen<br />
aktiviert in vielen Firmen ein<br />
geschärftes Bewusstsein für Veränderungsmöglichkeiten<br />
<strong>und</strong> fördert eine<br />
neue Unternehmenskultur.<br />
20
NACHHALTIGKEIT GLAUBWÜRDIG UND WIRKSAM KOMMUNIZIEREN<br />
Fast alle Beteiligten konnten bereits Ausschnitte aus dem Bericht für die Beantwortung von Anfragen<br />
verwenden <strong>und</strong> einige haben bei Abfragen bereits mehrfach auf den Bericht verwiesen.<br />
Das Thema <strong>Nachhaltigkeit</strong> wird ab sofort in die allgemeine Unternehmenspräsentation aufgenommen.<br />
Über einige von K<strong>und</strong>en <strong>und</strong> Lieferanten angeregte zusätzliche Themen <strong>und</strong> deren Aufnahme in das<br />
<strong>Nachhaltigkeit</strong>s-Datenmaterial wird diskutiert.<br />
19. Juni 2017<br />
Annabel A. ist zufrieden. Die Abteilungen kennen mittlerweile die Anforderungen, die das <strong>Nachhaltigkeit</strong>sreporting<br />
für sie mit sich bringt; aber Dank des überschaubaren Datenpakets gibt es kaum Unmut.<br />
Und vor allem: eine hohe Datenqualität!<br />
Trotz der inhaltlichen Zuspitzung des Berichts ist er, wenn Infos zu Unternehmensstruktur <strong>und</strong> –strategie<br />
ergänzt werden, als konform mit den GRI G4-Leitlinien anzusehen. Und sollte A-Z zukünftig „von<br />
öffentlichem Interesse“ <strong>und</strong> somit berichtspflichtig nach EU-Vorgaben werden, so wäre auch diese<br />
Berichtspflicht weitgehend abgedeckt.<br />
Annabel A. freut sich auf ihre Dienstreise zu einem internationalen Kongress. Mit im Gepäck: die<br />
neuesten integrierten Geschäfts- <strong>und</strong> <strong>Nachhaltigkeit</strong>sberichte von Großunternehmen. Sie schmunzelt:<br />
An diese Herausforderung will sich A-Z ab 2018 auch heranwagen – zumindest, wenn das die<br />
Controlling-Chefin entscheiden könnte.<br />
Prof. Brigitte Biermann ist Geschäftsführerin der <strong>Nachhaltigkeit</strong>sagentur triple innova. Sie berät <strong>und</strong> schult Unternehmen<br />
darin, ihre wesentlichen Aktivitäten <strong>und</strong> Produkte nachhaltiger zu gestalten. Seit 2015 ist sie zudem Professorin<br />
für Nachhaltiges Produktmanagement an der Hochschule für Wirtschaft <strong>und</strong> Umwelt Nürtingen-Geislingen.<br />
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NACHHALTIGKEIT GLAUBWÜRDIG UND WIRKSAM KOMMUNIZIEREN<br />
Stakeholder-Einbindung<br />
Von der Pflicht zur Kür<br />
Von Dr. Norbert Taubken, Geschäftsleiter von Scholz & Friends Reputation<br />
Viele CR-Zuständige in Unternehmen haben seit einigen Jahren eine weitere Aufgabe: Sie sollen Stakeholder-<br />
Management gemäß vorgegebener Standards betreiben. Nach einer Phase, in der größere CR-Veranstaltungen<br />
als zentrales Werkzeug für Stakeholder-Dialoge eingesetzt wurden, setzen viele CR-Verantwortliche<br />
inzwischen auf Online-Surveys. Die Vorteile liegen auf der Hand: In den Fragebögen lassen sich beliebig<br />
viele <strong>Nachhaltigkeit</strong>saspekte in ihrer Relevanz vergleichen – <strong>und</strong> das bei niedrigen Kosten <strong>und</strong> einer scheinbar<br />
objektiven Gewichtung. Begrenzt wird die Aussagekraft derartiger Ergebnisse allerdings durch vier<br />
Aspekte, die auch bei anderen Formen der Stakeholder-Einbindung immer berücksichtigt werden sollten:<br />
• Repräsentativität der Befragten<br />
• Expertise der Befragten <strong>und</strong> ihre Kenntnisse über das Unternehmen<br />
• Auswahl der Ebenen <strong>und</strong> Themen<br />
• Skala zur Quantifizierung<br />
Die meisten Verfahren der Stakeholder-Befragung halten einer wissenschaftlichen Prüfung derzeit nicht<br />
stand. Quantitative Ergebnisse sind durchaus fragwürdig. Wie können Unternehmen also mit der unbefriedigenden<br />
Lage umgehen, eine Methode nutzen zu müssen, die vergleichbare Daten liefern soll,<br />
aber zugleich nicht zu validen Ergebnissen führt? Wie herauskommen aus der Survey-Falle?<br />
Schaubild: Herausforderungen bei Stakeholder-Surveys<br />
Jedes Unternehmen begegnet unterschiedlichen Partialinteressen von unterschiedlich relevanten Gruppen.<br />
Hier sollten in einer ersten Modularisierungsebene, durch Stakeholder-Segmentierung gezielter<br />
als bisher priorisiert, inhaltliche Interessen „bedient“ <strong>und</strong> idealerweise mit Feedback-Möglichkeiten<br />
22
NACHHALTIGKEIT GLAUBWÜRDIG UND WIRKSAM KOMMUNIZIEREN<br />
verknüpft werden. Letztere können in Form von thematisch fokussierten Mini-Surveys (als zweiter<br />
Ebene der Modularisierung) angeboten werden. Diese ermöglichen eine Quantifizierung im Sinne der<br />
Wesentlichkeitsbewertung. Die dritte Modularisierungsebene ist die Zeit. Deshalb sollten für die Modularisierung<br />
der Stakeholder-Kommunikation die Erfahrungen des Customer Relation Managements<br />
(CRM) genutzt werden. Professionelles CRM setzt auf eine Automatisierung <strong>und</strong> Taktung von Kommunikation,<br />
die den Erwartungen <strong>und</strong> Wünschen der Zielgruppe entspricht. So können überschaubare<br />
Informationspakete auf digitalem Wege regelmäßig bereitgestellt werden.<br />
Ein weiterer Ansatz, um aus der Survey-Falle herauszukommen, ist erneut kein streng wissenschaftlicher:<br />
Die meisten Unternehmen verbinden eine quantitative Methodik mit qualitativen Ansätzen. Auch wenn<br />
diese nicht repräsentativ <strong>und</strong> immer Momentaufnahmen sind: Inhaltliche Aussagen lassen sich nutzen,<br />
um Erkenntnisse über die Relevanz eines Themas, oder für den Umgang damit, zu gewinnen. Zugleich<br />
können sie als Korrektiv zu rein quantitativen Einordnungen dienen. Als Methode eignen sich geleitete<br />
Interviews, aber auch Begegnungsformate in kleiner R<strong>und</strong>e mit Workshop-Charakter.<br />
Begegnung schafft Vertrauen – <strong>und</strong> Lösungen<br />
Wenn der Gr<strong>und</strong>gedanke der Wesentlichkeit ernst genommen wird, sollten sich CR-Zuständige als<br />
kommunikative Mittler des Unternehmens gegenüber Anspruchsgruppen verstehen – <strong>und</strong> vor allem<br />
eine Plattform anbieten. Auf dieser können Unternehmensvertreter <strong>und</strong> Stakeholder-Gruppen zumindest<br />
offen sprechen, gegebenenfalls sogar gemeinsam sinnvolle Vorgehensweisen <strong>und</strong> Lösungen entwickeln.<br />
Will ein CR-Zuständiger diese Form konstruktiven Austausches anbieten, stellt sich sofort eine erfolgskritische<br />
Frage: Wie begeistere ich neben internen Schlüsselpersonen auch externe Stakeholder-Vertreter,<br />
für einen Dialog? Für sie ist Zeit ebenfalls ein knappes Gut <strong>und</strong> viele Vertreter des Non-Profit-Sektors sind<br />
mit der hohen Zahl an Einladungen sowohl überfordert, als auch gelangweilt von wiederkehrenden Abläufen<br />
<strong>und</strong> Formaten. Der größte Motivationstreiber für eine Mitwirkung heißt: Etwas bewegen können!<br />
Es gibt daher drei Kernfragen, deren Beantwortung der Schlüssel zu einem erfolgreichen Dialog ist:<br />
Zielstellung: Welche Art von Ergebnis sollen über ein Dialogformat erzielt werden?<br />
Einfluss: In welcher Weise werden erarbeitete Empfehlungen berücksichtigt oder gar umgesetzt?<br />
Perspektive: Wie wird der Dialogprozess weitergeführt?<br />
Dialog-Formate aus der Praxis<br />
Der Stakeholder-Beirat als So<strong>und</strong>ing Board<br />
Eine norddeutsche Drogeriemarktkette hat einen K<strong>und</strong>enbeirat gegründet. Er berät die Geschäftsführung<br />
jenseits von Partikularinteressen <strong>und</strong> stellt sicher, dass bei gesellschaftlich relevanten Fragestellungen<br />
Nicht-Regierungsorganisationen zu Wort kommen. Entscheidend für den Erfolg eines solchen<br />
Stakeholder-Gremiums ist seine strukturelle Verankerung. Durch eine kontinuierliche <strong>und</strong> vertrauensvolle<br />
Arbeit entstehen dabei oft gemeinsame Projekte <strong>und</strong> Ansätze.<br />
23
NACHHALTIGKEIT GLAUBWÜRDIG UND WIRKSAM KOMMUNIZIEREN<br />
Ein Ro<strong>und</strong>-Table, zur Weichenstellung<br />
Zum Ro<strong>und</strong>-Table-Gespräch eines internationalen Markt- <strong>und</strong> Technologieführers für Verbindungstechnik<br />
über die weitere Ausrichtung der Corporate Responsibility-Strategie, trafen sich 35 Experten<br />
aus gemeinnützigen Organisationen, Politik <strong>und</strong> Verbänden mit Unternehmensvertretern. Neben<br />
ausgewählten Spezialisten wurden vor allem bestehende Kontakte eingeladen, so dass Vorkenntnisse<br />
vorhanden waren <strong>und</strong> eine überdurchschnittliche Zusagequote erreicht wurde. Die CR-Roadmap 2018<br />
nahm viele Empfehlungen des Ro<strong>und</strong>-Tables auf <strong>und</strong> ist eine Weichenstellung, die ohne die Impulse<br />
von außen kaum möglich gewesen wäre.<br />
Der Themen-Dialog über geplante Programme<br />
Für eine weltweit operierende Handels- <strong>und</strong> Dienstleistungsgruppe sind faire Arbeitsbedingungen in<br />
der Lieferkette ein wichtiges Anliegen <strong>und</strong> eine große Herausforderung. Der Entwurf der Otto Group<br />
für ein neues Sozialprogramm wurde einer Gruppe unterschiedlicher Experten r<strong>und</strong> um die globalen<br />
Textilproduktionen – von Auditoren über Lieferanten bis zu Menschenrechtsorganisationen – vorgestellt.<br />
Diese sollten eine Kurzbewertung zum Programm erstellen. Auf dieser Gr<strong>und</strong>lage wurden bei<br />
einer folgenden Dialog-Veranstaltung Optimierungsmöglichkeiten <strong>und</strong> Rahmenbedingungen für eine<br />
wirkungsvolle Umsetzung des Programms diskutiert. Präsentationen, Arbeitsgruppen <strong>und</strong> Diskussion<br />
wechselten sich ab. Am Ende waren nicht nur die Empfehlungen hilfreich, sondern die Teilnehmer auch<br />
von den Chancen beeindruckt, die das neue Sozialprogramm für Produktionsbetriebe bieten kann.<br />
Eine Stakeholder-Werkstatt als Ideenschmiede<br />
Wie können Unternehmen ihre Verbraucher für mehr <strong>Nachhaltigkeit</strong> gewinnen? Unter dieser Fragestellung<br />
lud ein Getränkehersteller CR-Experten, Marketing-Fachleute sowie Verbraucherinnen <strong>und</strong><br />
Verbraucher zu einer Werkstatt ein. Dieser transdisziplinäre Ansatz setzt insbesondere auf die Einbindung<br />
von Laien. Das Finden eines gemeinsamen Problemverständnisses wird dabei zu einem zentralen Teil<br />
der gemeinsamen Lösung. Durch die ausgefeilte Methodik entwickelten die etwa 100 Teilnehmer der<br />
Werkstatt realistische Ansätze, wie „Marken mit Mission“ entstehen können.<br />
Allen Dialogvarianten ist gemein, dass sie keine Frontalveranstaltungen sind. Das Unternehmen agiert<br />
auf Augenhöhe mit den Anspruchsgruppen <strong>und</strong> muss bereit sein zuzuhören, <strong>und</strong> andere Sichtweisen<br />
nicht nur wahr- sondern auch ernst zu nehmen. Es hat sich herausgestellt, dass eine externe Moderation<br />
des Prozesses den Eindruck der Offenheit <strong>und</strong> Neutralität stärkt. Die Methodik sollte sehr genau<br />
auf die Zielstellung abgestimmt sein <strong>und</strong> dabei die unterschiedlichen Sichtweisen, Voraussetzungen<br />
<strong>und</strong> Interessen berücksichtigen. Aber bei allem Zuhören <strong>und</strong> Diskutieren: Ein Unternehmen kann keine<br />
betriebswirtschaftlichen Entscheidungen in die Hände seiner Stakeholder delegieren. Umso wichtiger<br />
ist es, sich vorher klar zu werden, welchen Einfluss ein Dialogergebnis haben kann. Auch diese Form<br />
der Transparenz gehört zur wechselseitigen Wertschätzung.<br />
Dr. Norbert Taubken leitet die CR-Beratung Scholz & Friends Reputation innerhalb der Kommunikationsagentur<br />
Scholz & Friends. Seit 2003 begleitet er CR-Strategieprozesse <strong>und</strong> -Projekte in Unternehmen. Taubken lehrt CR<br />
an der Hamburger School of Business Administration <strong>und</strong> der Deutschen Presseakademie.<br />
24
NACHHALTIGKEIT GLAUBWÜRDIG UND WIRKSAM KOMMUNIZIEREN<br />
Wer schweigt, verliert das Vertrauen<br />
seiner K<strong>und</strong>en<br />
Von Joachim Schöpfer, Geschäftsführer von Serviceplan Corporate Reputation<br />
Die <strong>Nachhaltigkeit</strong> von Unternehmen ist bislang ein Expertenthema. <strong>Nachhaltigkeit</strong>s-Experten<br />
arbeiten für Unternehmen, <strong>Nachhaltigkeit</strong>s-Experten beraten Unternehmen <strong>und</strong> <strong>Nachhaltigkeit</strong>s-<br />
Experten bewerten Unternehmen. Man könnte auch sagen, dass der Diskurs über <strong>Nachhaltigkeit</strong><br />
weitgehend unter Ausschluss der Öffentlichkeit stattfindet. Wir fanden, es ist an der Zeit, auch<br />
die Öffentlichkeit zu befragen. Deshalb haben wir den „Sustainability Image Score“ entwickelt.<br />
Er untersucht, was die bislang schweigende Mehrheit der Konsumenten über die <strong>Nachhaltigkeit</strong><br />
der Unternehmen denkt.<br />
SIS bittet Konsumenten zu Wort<br />
In der repräsentativen Untersuchung wurden 8.100 Verbraucher zu über 104 Unternehmen aus 16<br />
Branchen befragt. Die Fragen, die die Bereiche soziale, ökonomische <strong>und</strong> ökologische <strong>Nachhaltigkeit</strong><br />
abdecken, wurden so konkret wie möglich gestellt <strong>und</strong> reichen von „halten Sie das Unternehmen X<br />
für korruptionsanfällig?“ bis zu „werden Produkte von Y umweltfre<strong>und</strong>lich hergestellt?“. Außerdem<br />
bewertete jeder Befragte, welche Aspekte der <strong>Nachhaltigkeit</strong>, bezogen auf das jeweilige Unternehmen,<br />
für ihn wichtig bzw. weniger wichtig sind.<br />
Das so entstandene Unternehmensranking zeigt aus Verbrauchersicht branchenübergreifend<br />
Gewinner <strong>und</strong> Verlierer. In der jüngsten Untersuchung von 2015 reicht die Bandbreite vom Sieger<br />
Hipp bis zum Schlusslicht Burger King. Die Untersuchung zeigt auch, dass es in der Hand der Unternehmen<br />
liegt, ihr <strong>Nachhaltigkeit</strong>simage aufzubauen <strong>und</strong> zu pflegen. Audi (Platz 7) <strong>und</strong> BMW<br />
(Platz 12) ist das für Autobauer gute <strong>Nachhaltigkeit</strong>simage sicher nicht in den Schoß gefallen. Die<br />
Premiumhersteller bauen nun mal eher große, sportliche Autos, darunter SUVs, die für viele zum<br />
Öko-Menetekel geworden sind. Trotzdem punkten sie bei ihren K<strong>und</strong>en. Woran liegt das? Den<br />
K<strong>und</strong>en gefällt offensichtlich, was die Konzerne machen. Genannt seien Stichworte wie „Zukunft<br />
der Elektromobilität“, „Vorsprung durch Technik“ <strong>und</strong> „Efficient Dynamics“. Und das wird auch<br />
richtig <strong>und</strong> wahrnehmbar kommuniziert. <strong>Nachhaltigkeit</strong>sthemen haben eigene Kampagnen <strong>und</strong><br />
eigene Events. Automobilunternehmen, die zwar faktisch ökologischer sind, weil sie kleinere Autos<br />
herstellen, fallen dagegen ab, weil sie ihre Leistungen nicht richtig darstellen (z.B. Opel auf Platz<br />
63). Ob Audi den guten Platz behalten wird ist allerdings mehr als fraglich. Zum Zeitpunkt der<br />
Erhebung im Frühjahr 2015 war die Welt für den VW-Konzern noch in Ordnung. Bei der nächsten<br />
Erhebung wird der Skandal, der sich ja gerade um ein <strong>Nachhaltigkeit</strong>sthema dreht, vermutlich<br />
voll durchschlagen.<br />
Beispiele für stark divergierende Images innerhalb einer Branche finden sich übrigens auch bei den<br />
Banken – INGDiba (Platz 31) vs Deutsche Bank (Platz 103) – oder bei Tiefkühlkost – Frosta (Platz 6)<br />
vs Iglo (Platz 30). Es gibt aber auch Fälle, bei denen es ein dominierendes Branchenimage gibt. So<br />
rangieren alle Babynahrungshersteller unter den Top 5, während sich Lebensmitteldiscounter durch<br />
die Bank im letzten Viertel des Rankings bewegen.<br />
25
NACHHALTIGKEIT GLAUBWÜRDIG UND WIRKSAM KOMMUNIZIEREN<br />
Richtig <strong>kommunizieren</strong> <strong>und</strong> gewinnen<br />
<strong>Nachhaltigkeit</strong>simages sind von Kommunikation abhängig, denn faktische <strong>Nachhaltigkeit</strong> lässt sich<br />
schwer überprüfen. Wer schmeckt schon, ob Hipps Babybrei tatsächlich bio ist? Der K<strong>und</strong>e glaubt, was<br />
er <strong>glaubwürdig</strong> vermittelt bekommt. Vermittelt wird auf verschiedenen Kanälen, von Medienberichten<br />
bis zur Werbung. Wer also sein <strong>Nachhaltigkeit</strong>simage verbessern will, braucht nicht nur Substanz,<br />
sondern auch die richtige Kommunikation.<br />
Unternehmen scheinen da in den letzten Jahren gelernt zu haben. Als wir 2011 zum ersten Mal den<br />
Sustainability Image Score erhoben, war das <strong>Nachhaltigkeit</strong>simage im Keller – 9 von 16 Branchen<br />
schnitten schlecht ab. Heute hat sich die Zahl dieser „Flopbranchen“ auf zwei reduziert (Telekommunikation<br />
<strong>und</strong> Fast Food). Obwohl es natürlich unternehmensspezifisch nach wie vor Ausreißer nach<br />
oben <strong>und</strong> unten gibt.<br />
Ein Merkmal von Unternehmen mit gutem <strong>Nachhaltigkeit</strong>simage ist, dass <strong>Nachhaltigkeit</strong>s-Kommunikation<br />
tatsächlich stattfindet. Unternehmen im Mittelfeld <strong>kommunizieren</strong> wenig. Unternehmen im<br />
hinteren Bereich erleiden oft Kollateralschäden durch Skandale von anderen Branchenmitgliedern<br />
oder sind häufig selbst Vorwürfen ausgesetzt. Zudem gibt es Branchen, die ein „Zeitgeistproblem“<br />
haben – Fast Food <strong>und</strong> Discounter müssen sich beispielsweise sehr anstrengen, um zu beweisen, dass<br />
sie nachhaltig handeln.<br />
Ängstlichkeit macht viele Unternehmen stumm<br />
Viele Unternehmen <strong>kommunizieren</strong> ihr Engagement in Sachen <strong>Nachhaltigkeit</strong> nach wie vor zurückhaltend.<br />
Die Gründe dafür sind häufig Angst vor Negativpresse durch Greenwashing-Vorwürfe, negative<br />
Reaktionen von NGOs, oder „Troll-Attacken“ in den sozialen Netzen.<br />
Positiv wirkt diese Inaktivität selten. Im besten Fall passiert nichts – das <strong>Nachhaltigkeit</strong>simage spiegelt<br />
dann in der Regel das Branchenimage wieder. Oft deuten K<strong>und</strong>en aber das Schweigen als Verschweigen<br />
Glaubwürdigkeit zählt: Nur wenn<br />
eine professionelle Kommunikation<br />
von langfristig <strong>glaubwürdig</strong>em Handeln<br />
begleitet wird, baut sich ein<br />
hohes Vertrauen zu einer Marke oder<br />
einem Unternehmen auf. Das Unternehmen<br />
der Familie Hipp konnte so<br />
bereits mehrfach in Folge Platz eins<br />
beim „Sustainability Image Score“<br />
erreichen.<br />
26
NACHHALTIGKEIT GLAUBWÜRDIG UND WIRKSAM KOMMUNIZIEREN<br />
– <strong>und</strong> wenden sich langfristig Konkurrenten zu, die aktiver sind. Tatsache ist, dass Konsumenten die<br />
Orientierung über <strong>Nachhaltigkeit</strong>s-Kommunikation suchen. Bis zu 10 Prozent des Umsatzes machen<br />
Unternehmen mit gutem <strong>Nachhaltigkeit</strong>simage eben durch diesen guten Ruf. Das führt auch dazu,<br />
dass die K<strong>und</strong>en treu bleiben. Die Loyalität zu Marken <strong>und</strong> Unternehmen mit gutem <strong>Nachhaltigkeit</strong>simage<br />
liegt sehr hoch.<br />
Wie umfassend sich die Profilierung durch <strong>Nachhaltigkeit</strong> für Unternehmen auszahlen kann, zeigt das<br />
Beispiel des Babynahrungsherstellers Hipp, dem Spitzenreiter in unserem Ranking. Mit konsequent<br />
praktizierter <strong>und</strong> kommunizierter <strong>Nachhaltigkeit</strong> hat Hipp die Marktführerschaft erobert <strong>und</strong> verkörpert<br />
wie kaum eine andere Marke ökologisches Verantwortungsbewusstsein. Und: Hipp hat den<br />
Markt gemacht. Die Mitbewerber wurden zuerst überholt <strong>und</strong> mussten dann in Sachen <strong>Nachhaltigkeit</strong><br />
mitziehen. Es wäre zu wünschen, dass der <strong>Nachhaltigkeit</strong>s-Wettbewerb auch in anderen Märkten eine<br />
ähnliche Dynamik entfaltet.<br />
Joachim Schöpfer ist Geschäftsführer der Serviceplan Corporate Reputation. Er hat lange Jahre als Kreativer in<br />
Agenturen gearbeitet <strong>und</strong> engagiert sich heute für <strong>Nachhaltigkeit</strong>sthemen. Zudem ist er Kolumnist z.B. in der<br />
WirtschaftsWoche, im forum Nachhaltig Wirtschaften, in Capital oder der FAZ. Der Sustainability Image Score<br />
wurde von ihm in Zusammenarbeit mit dem Marktforschungsinstitut facit entwickelt.<br />
Audi produziert neben dem A3<br />
e-tron unter anderem auch umwelttechnisch<br />
kritische SUVs. Eine starke<br />
<strong>Nachhaltigkeit</strong>skommunikation,<br />
gepaart mit hoher Innovationskraft,<br />
überzeugte die Konsumenten dennoch<br />
<strong>und</strong> sie wählten Audi auf Platz<br />
sieben. Ob der Dieselskandal das<br />
positive Image zerstört, bleibt abzuwarten.<br />
27
NACHHALTIGKEIT GLAUBWÜRDIG UND WIRKSAM KOMMUNIZIEREN<br />
Umwelt- <strong>und</strong> <strong>Nachhaltigkeit</strong>skommunikation<br />
für KMU<br />
Von Ludwig Karg <strong>und</strong> Kristin Petersen, B.A.U.M. Consult GmbH München<br />
Tue Gutes <strong>und</strong> rede darüber. Wer kennt nicht diesen Satz! Aber warum beherzigen wir es nicht öfter<br />
– speziell wenn wir Gutes im Umweltbereich tun? Vielleicht liegt es einfach daran, dass das leichter<br />
gesagt ist als getan. Um hier abzuhelfen, hat das Bayerische Staatsministeriums für Umwelt <strong>und</strong><br />
Verbraucherschutz zusammen mit B.A.U.M. Consult das Online-Tool „Marketing mit Umweltthemen<br />
– Tipps für Ihren Betrieb“ entwickelt.<br />
Viele kleine <strong>und</strong> mittlere Unternehmen (KMU) engagieren sich vorbildlich für Umwelt <strong>und</strong> Gesellschaft.<br />
Gerade auch kleine Handwerksbetriebe erbringen zahlreiche Umweltleistungen <strong>und</strong> setzen<br />
sich insbesondere in ihrer Region auf vielfältige Weise im sozialen Bereich ein. Damit stehen sie wie<br />
kein anderer Wirtschaftszweig für <strong>Nachhaltigkeit</strong> <strong>und</strong> regionales Engagement. Doch oft nutzen die<br />
Unternehmen nicht die Chancen, sich mit ihrer nachhaltigen <strong>und</strong> umweltverträglichen Wirtschaftsweise<br />
positiv zu präsentieren. Dabei könnten sie so weiteren Nutzen aus ihrem Engagement ziehen: Gute<br />
Kommunikation von Umweltleistungen steigert langfristig das Ansehen eines Unternehmens in der<br />
Gesellschaft – insbesondere bei K<strong>und</strong>en <strong>und</strong> Partnern – <strong>und</strong> trägt damit zum Unternehmenserfolg bei.<br />
Das nun vorgestellte Online-Tool soll kleine <strong>und</strong> mittlere Unternehmen inspirieren <strong>und</strong> motivieren, ihr<br />
beispielhaftes Engagement für ihre Außendarstellung zu nutzen.<br />
Praxisorientierte Tipps zur Stärkung des Umweltengagements<br />
B.A.U.M. <strong>und</strong> die Projektpartnerin alma grafica entwickelten ein Internet-Angebot mit zahlreichen Anleitungen,<br />
die KMU systematisch darin unterstützen <strong>und</strong> bestärken, ihr Umweltengagement stärker in der<br />
Kommunikation zu berücksichtigen. In zehn ausgewählten Themenbereichen vermittelt das Online-Tool<br />
praxisorientierte Ansätze <strong>und</strong> Anregungen, wie Betriebe ihr Umweltengagement <strong>und</strong> Umweltthemen in<br />
Kommunikationsaktivitäten wie Pressearbeit, klassische Werbung oder Auftritte auf Messen <strong>und</strong> Veranstaltungen<br />
integrieren können. Berücksichtigt wurden dabei sowohl die verschiedenen Voraussetzungen<br />
Marketing mit Umweltthemen:<br />
In zehn ausgewählten Themenbereichen<br />
vermittelt das Online-Tool<br />
praxisorientierte Ansätze <strong>und</strong> Anregungen,<br />
wie Betriebe ihr Umweltengagement<br />
besser <strong>kommunizieren</strong><br />
können.<br />
28
NACHHALTIGKEIT GLAUBWÜRDIG UND WIRKSAM KOMMUNIZIEREN<br />
<strong>und</strong> Vorkenntnisse, die die höchst heterogene Landschaft der KMU mit sich bringt, als auch die differenzierten<br />
Ansprüche der Stakeholder. So findet jeder Betrieb passende Instrumente: Neben konkreten Tipps<br />
gibt es Arbeitshilfen, wie etwa Checklisten, Links zu weiterführenden Informationen <strong>und</strong> viele Beispiele<br />
aus der Praxis. Positivbeispiele für eine erfolgreiche Umweltkommunikation lieferten unter anderem die<br />
B.A.U.M.-Mitgliedsunternehmen memo AG, Rapunzel Naturkost GmbH <strong>und</strong> GLS Bank eG.<br />
Unterstützung von Politik <strong>und</strong> Verbänden<br />
Das Online-Tool ist ein Projekt im Rahmen des Umweltpakts Bayern. Es unterstützt übergreifend das<br />
Anliegen des Umweltpakts – nämlich eigenverantwortlichem Umweltengagement <strong>und</strong> Umweltmanagementsystemen<br />
noch mehr positive Aufmerksamkeit zuteilwerden zu lassen <strong>und</strong> damit deren Verbreitung<br />
<strong>und</strong> Anwendung in der Wirtschaft weiter zu steigern. Partner des Vorhabens waren der Bayerische<br />
Industrie- <strong>und</strong> Handelskammertag (BIHK) sowie der Bayerische Handwerkstag (BHT).<br />
Anlässlich des offiziellen Starts stellte die Bayerische Umweltministerin Ulrike Scharf den Nutzen des<br />
Tools heraus: „Die bayerischen Unternehmen sind Vorbild im betrieblichen Umweltschutz. Über 4.200<br />
Unternehmen nehmen freiwillig am Umweltpakt Bayern teil. Das neue Tool hilft den Betrieben, diesen<br />
Einsatz für die Umwelt auch im Marketing einzusetzen <strong>und</strong> damit doppelt zu profitieren. Damit unterstützen<br />
wir besonders kleine <strong>und</strong> mittlere Unternehmen.“<br />
Dr. Lothar Semper, Hauptgeschäftsführer des Bayerischen Handwerkstags, betonte, das bayerische<br />
Handwerk beteilige sich gerne an dem Projekt, da man gerade durch die zahlreichen QuB-Betriebe in<br />
Bayern die Erfahrung gemacht habe, dass Handwerksbetriebe ihre zahlreichen Umweltleistungen kaum<br />
<strong>kommunizieren</strong> bzw. diese Leistungen den K<strong>und</strong>en nicht ausreichend vermitteln. „Damit entgeht ihnen<br />
die Chance, ihre nachhaltige <strong>und</strong> umweltverträgliche Wirtschaftsweise als Marketinginstrument für<br />
sich zu nutzen. Gerade sie sollten aber dem K<strong>und</strong>en gegenüber deutlich machen, dass das Handwerk<br />
aufgr<strong>und</strong> der örtlichen Nähe zum K<strong>und</strong>en, dem persönlichen Kontakt <strong>und</strong> seiner Tradition wie kein<br />
anderer Wirtschaftszweig <strong>Nachhaltigkeit</strong> <strong>und</strong> Standorttreue verkörpert.“<br />
Das Online-Angebot „Marketing mit Umweltthemen – Tipps für Ihren Betrieb“ steht allen interessierten<br />
Unternehmen auf den Seiten des Infozentrums Umwelt Wirtschaft (IZU) unter<br />
http://www.izu.bayern.de/marketing_kmu/ kostenfrei zur Verfügung.<br />
Ludwig Karg ist Gesellschafter-Geschäftsführer der B.A.U.M. Consult GmbH München / Berlin. Nach seinem<br />
Informatikstudium war er in leitender Funktion für Multimedia- <strong>und</strong> Netzwerklösungen bei Intel tätig. Mit Kristin<br />
Petersen <strong>und</strong> einem Team von weiteren Spezialisten berät er Unternehmen <strong>und</strong> entwickelt in großen Projekten<br />
Lösungen für eine nachhaltige Versorgung mit Material <strong>und</strong> Energie.<br />
29
NACHHALTIGKEIT GLAUBWÜRDIG UND WIRKSAM KOMMUNIZIEREN<br />
Einmal grün anstreichen<br />
Vom Lügendetektor entlarvt.<br />
Von Nick Reimer, Chefredakteur des Onlinemagazins klimaretter.info<br />
„Wissen Sie, ob wir über den Strompreis jetzt für den Atomausstieg bezahlen müssen – wie die Initiative<br />
Neue Soziale Marktwirtschaft behauptet?“ Harald Schumann ist Buchautor, investigativer Journalist<br />
<strong>und</strong> Jury-Mitglied des Otto-Brenner-Journalistenpreises der gleichnamigen Stiftung. „Wissen Sie,<br />
ob es wahr ist, dass Flugzeuge nur 3,5 Liter Sprit auf h<strong>und</strong>ert Passagierkilometer verbrauchen – der<br />
Flugverkehr also gar kein Klimakiller ist, wie Air Berlin verspricht?“ Mit diesen Fragen leitete Harald<br />
Schumann im Herbst 2012 seine Laudatio auf den Klima-Lügendetektor ein. „Ist es wirklich wahr,<br />
dass der Stromkonzern Vattenfall für Berlin die CO 2<br />
-Emissionen bis 2020 glatt halbieren wird – wie<br />
der Konzern in einer Anzeige k<strong>und</strong>tat?“<br />
Um die „Wahrheit hinter den Propaganda-Märchen“ zu erfahren, empfahl der Laudator den Klima-<br />
Lügendetektor anzusteuern, um innerhalb kürzester Zeit Bescheid zu wissen.<br />
Begonnen hatte alles mit dem 2007 erschienenen Buch „Wir Klimaretter – so ist die Wende noch zu<br />
schaffen“. „Wir haben ein kollektives Problem, das wir nur als Kollektiv lösen können“, so die Kernaussage<br />
der beiden Autoren Nick Reimer <strong>und</strong> Toralf Staud. „Die gesellschaftlichen Rahmenbedingungen<br />
sind klimaschädlich, <strong>und</strong> deshalb müssen sie geändert werden.“ Wer allerdings nicht warten wollte,<br />
bis sich das Kollektiv auf den Weg macht, für den gab es im Internet unter www.wir-klimaretter.de<br />
die ersten zehn Schritte zum persönlichen Klimaschutz. Einer dieser Schritte: Informieren Sie sich! Das<br />
war die Geburtsst<strong>und</strong>e des Nachrichtenmagazins klimaretter.info.<br />
Ein Lügendetektor für Klimaschwindler<br />
„Wir steckten nach der Bucharbeit sehr tief im Thema. Und dann bekommst du eine Pressemeldung<br />
auf den Tisch <strong>und</strong> denkst: Das ist doch gelogen!“, erinnert sich Toralf Staud. Dass ein Anzeigentext<br />
oder eine Firmenmitteilung falsch ist, sei aber keine Nachricht. „Wir haben gesagt: Das nervt! Wir<br />
drehen den Spieß um <strong>und</strong> machen aus der Nicht-Nachricht eine Nachricht.“ Die Geburtsst<strong>und</strong>e des<br />
Portals www.klima-luegendetektor.de.<br />
Seit Januar 2008 sind mehr als 400 Lügen von den Autorinnen <strong>und</strong> Autoren entlarvt worden. Wobei<br />
das Wort „Lügen“ nicht ganz zutreffend ist. Laut Wikipedia „werden beim Greenwashing die Techniken<br />
der Öffentlichkeitsarbeit, der Rhetorik <strong>und</strong> der Manipulation benutzt, um einer Firmengeschichte<br />
eine reine Weste zu verpassen”. Es sind nur selten glatte Lügen, mit denen heutzutage Grünfärberei<br />
betrieben wird. Vielmehr werden Informationen verdreht, weggelassen oder in irreführende<br />
Zusammen hänge gestellt.<br />
Ein Meisterstück solcher Grünfärberei lieferten die Lobbyisten der Atomindustrie. Auf der grünen Wiese<br />
grasen Schäfchen, am Horizont wacht ein Atomreaktor über das Naturidyll. Mit solchen Motiven warb<br />
das Deutsche Atomforum für den „Klimaschützer der Woche“. Unter der Adresse www.klimaschuetzer.de<br />
lief die begleitende Kampagne für „Deutschlands ungeliebte Klimaschützer“.<br />
30
NACHHALTIGKEIT GLAUBWÜRDIG UND WIRKSAM KOMMUNIZIEREN<br />
Auch der „B<strong>und</strong>esverband der Energie- <strong>und</strong> Wasserwirtschaft“ startete eine millionenschwere<br />
„Dialog“-Kampagne „Energie ist nicht schwarz-weiß“. So genannte „Denkwerkstätten“ <strong>und</strong> politische<br />
Stiftungen starteten „Studien“, in denen der volkswirtschaftliche <strong>und</strong> der Klima-Nutzen durch die<br />
Atomkraft „nachgewiesen“ wurde. Der Atomwirtschaft nahestehende Politiker erfanden das Märchen<br />
von der „Stromlücke“: Wer die AKWs ausschaltet, der sorge dafür, dass die Deutschen wieder<br />
mit der Kerze in kalten Wohnungen hocken, weil es einfach zu wenig Strom gibt. Viel Arbeit für den<br />
Klima-Lügendetektor.<br />
Klappern gehört zum Handwerk<br />
Der Mechanismus solcher „Grünfärberei“ ist immer gleich: Partikular-Interessen sollen als Interesse<br />
des Gemeinwohls ausgerufen werden. Kohlekonzerne, die durch das anhaltende „Verpesten“ der<br />
Atmosphäre mit Treibhausgasen die Stabilität unseres Klimasystems gefährden, sehen ihr „altes“<br />
Geschäftsmodell in Frage gestellt – präsentieren sich als Teil der Lösung („Wir liefern Ökostrom“). Das<br />
soll davon ablenken, dass sie das Problem sind. Auch Stahlkonzerne, die sich den Herausforderungen des<br />
Klimaschutzes verweigern, argumentieren mit dem Strompreis, der für die Allgemeinheit (<strong>und</strong> natürlich<br />
für sie im Speziellen) viel zu teuer würde. Aus der klimafre<strong>und</strong>licheren Alternative wird ein „Problem“<br />
gemacht, damit sich das Kollektiv nicht bewegt <strong>und</strong> das „alte Geschäftsmodell“ nicht angetastet wird.<br />
Leser als Klimadetektive<br />
Das Besondere an dem Projekt sei die Zusammenarbeit mit den Lesern, erklärte Laudator Harald<br />
Schumann 2012: „Wenn man wissen will, was gelogen ist <strong>und</strong> was nicht, kann man sich mit seinem<br />
Verdacht an die Redaktion wenden – <strong>und</strong> es wird einem geholfen“. Zweifelsfrei sei die tägliche Arbeit<br />
bei klimaretter.info hilfreich, sagt Toralf Staud: „Unser Anspruch ist, auf dem Nachrichtenmagazin all<br />
das zu präsentieren, was wichtig für die Klima- <strong>und</strong> Energiewende ist. Dadurch stehen wir tief im Stoff<br />
<strong>und</strong> sehen mehr, als andere Journalisten“. Zwar sei es nicht Aufgabe der Redaktion, das Kollektiv auf<br />
einen klimafre<strong>und</strong>licheren Weg zu bringen, sagt Staud. „Wenn aber unsere Informations-Arbeit dies<br />
als Nebeneffekt bewirkt, ist uns das auch Recht.“<br />
Nick Reimer studierte Umwelt- <strong>und</strong> Energieverfahrenstechnik <strong>und</strong> arbeitet seit 20 Jahren als Wirtschafts- <strong>und</strong><br />
Umweltjournalist. Aktuell ist er Chefredakteur des Onlinemagazins klimaretter.info. Zuletzt erschien von ihm das<br />
Buch „Schlusskonferenz – Geschichte <strong>und</strong> Zukunft der Klimadiplomatie“.<br />
31
NACHHALTIGKEIT GLAUBWÜRDIG UND WIRKSAM KOMMUNIZIEREN<br />
Kann Unternehmenskommunikation zu<br />
nachhaltigeren Konsummustern beitragen?<br />
Von Prof. Dr. Christa Liedtke, Julia Nordmann <strong>und</strong> Dr. Holger Berg, Wuppertal Institut für Klima,<br />
Umwelt, Energie<br />
Der stetig steigende Verbrauch von Energie <strong>und</strong> Ressourcen führt zu weltweit zunehmenden Umweltschäden,<br />
welche die Biosphäre an die Grenze der Belastbarkeit <strong>und</strong> darüber hinaus gebracht<br />
haben. Damit werden die für uns lebensnotwendigen Dienstleistungen der Natur derart reduziert <strong>und</strong><br />
verändert, dass Wirtschaften <strong>und</strong> (gutes) Leben auf der Erde in Zukunft immer stärkeren Einschränkungen<br />
unterliegen. Vor diesem Hintergr<strong>und</strong> brauchen wir neue Produktions- <strong>und</strong> Konsummuster <strong>und</strong><br />
nachhaltigeren Strategien. Das Zusammenspiel zwischen Produktionsstrategien <strong>und</strong> Konsummustern<br />
ist dabei ein wichtiger Anknüpfungspunkt, wobei Ökonomie, Ökologie <strong>und</strong> gesellschaftliche Aspekte<br />
stets zusammen gedacht werden müssen.<br />
Nachhaltige Konsum- <strong>und</strong> Produktionsmuster erfordern ein Umdenken bei<br />
Konsumenten <strong>und</strong> Unternehmen<br />
Für eine nachhaltige Entwicklung ist die Interaktion zwischen Produzenten <strong>und</strong> Konsumenten von großer<br />
Bedeutung. Es kommt darauf an, ob öko-intelligente Produkte <strong>und</strong> Dienstleistungen nachgefragt <strong>und</strong><br />
angeboten werden, ob sich der Besitz von (Massen-)Gütern oder der Erhalt gewünschter Dienstleistungen<br />
lohnt. Dies erfordert ein Umdenken <strong>und</strong> ein Wirtschaften in anderen, ressourceneffizienteren<br />
Strukturen, was sich auch in der Wettbewerbsfähigkeit <strong>und</strong> im Preis ressourceneffizienterer Produkte<br />
<strong>und</strong> Dienstleistungen widerspiegeln muss. In vielen Bereichen, bspw. Ernährung, Textil <strong>und</strong> Chemie,<br />
sind die (End-)K<strong>und</strong>en inzwischen für die <strong>Nachhaltigkeit</strong>swirkungen der Produkte sensibilisiert. Nach<br />
Fair Trade, Zusatzstoffen <strong>und</strong> chemischen Zusätzen wird aktiv gefragt <strong>und</strong> diese gehen vielfach in die<br />
Kaufentscheidung ein. Auch auf Investorenseite ergeben sich hier neue Erfordernisse. Der Trend zu<br />
Green Bonds <strong>und</strong> nachhaltigen Investmentstrategien bei institutionellen Investoren verpflichtet viele<br />
Unternehmen, entsprechend vorzugehen. Dies zeigt die strategischen Aspekte <strong>und</strong> Chancen der konsum-<br />
bzw. produktbezogenen <strong>Nachhaltigkeit</strong>skommunikation auf.<br />
Die große Transformation: Milliardenschwere<br />
Werbebudgets der Wirtschaft<br />
können dazu beitragen,<br />
Verbraucher aufzuklären <strong>und</strong> nachhaltige<br />
Konsummuster zu fördern.<br />
Werbung <strong>und</strong> Unternehmenskommunikation<br />
können im Zusammenspiel<br />
mit den Medien eine große<br />
Transformation bewirken.<br />
32
NACHHALTIGKEIT GLAUBWÜRDIG UND WIRKSAM KOMMUNIZIEREN<br />
Erfolgreich <strong>kommunizieren</strong><br />
Die <strong>Nachhaltigkeit</strong>skommunikation nimmt daher in Unternehmen eine zunehmend wichtige Rolle ein,<br />
um Veränderungsprozesse zu initiieren, voranzutreiben <strong>und</strong> über die erreichten Ergebnisse zu berichten.<br />
Ziel ist es, mittels Kommunikation einen breiten Konsens zwischen Unternehmen <strong>und</strong> Gesellschaft zu<br />
schaffen, wobei unterschiedliche Zielgruppen angesprochen werden müssen. Dies können im Rahmen<br />
der Stakeholderkommunikation Formen der Werbung bzw. des Sponsorings oder spielerische Formate<br />
wie Ausstellungen oder Wettbewerbe sein oder, gerade für institutionelle Anleger, das (obligatorische)<br />
Verfassen eines <strong>Nachhaltigkeit</strong>sberichts nach vorgegebenen Maßstäben wie GRI.<br />
Aufgr<strong>und</strong> der steigenden Bedeutung der <strong>Nachhaltigkeit</strong>skommunikation in der heutigen Geschäftswelt<br />
setzen insbesondere große Unternehmen eigens damit beauftragte Mitarbeiter <strong>und</strong> ganze Abteilungen<br />
ein. Form <strong>und</strong> Inhalte variieren dabei mitunter stark, insgesamt sollen sie aber die Leistungen des<br />
jeweiligen Unternehmens in ökonomischer, ökologischer <strong>und</strong> sozialer Hinsicht aufzeigen. Je nach<br />
Unternehmen kann dies in unterschiedlicher Gewichtung <strong>und</strong> Schwerpunktsetzung <strong>und</strong> mit stark<br />
variierenden Durchdringungstiefen in das Unternehmen hinein erfolgen. So beschränken sich viele<br />
Unternehmen nach wie vor noch auf die (meist finanzielle) Unterstützung einzelner Projekte oder<br />
Aktivitäten um ihr Engagement aufzuzeigen. Darunter können Authentizität <strong>und</strong> Glaubwürdigkeit des<br />
Unternehmens leiden <strong>und</strong> die Unternehmenskommunikation riskiert den Vorwurf des Greenwashings.<br />
Andere Unternehmen integrieren die Idee der <strong>Nachhaltigkeit</strong> bereits in die Unternehmensabläufe<br />
selbst, in ihre Managementsysteme, Prozesse, Strategien <strong>und</strong> sorgen so für <strong>wirksam</strong>es Handeln <strong>und</strong><br />
einen überzeugenden Auftritt. Ein solcher kann dann auch die Konsum- <strong>und</strong> Verhaltensmuster der<br />
Abnehmer wie auch der Mitarbeiter positiv beeinflussen.<br />
Zweck <strong>und</strong> Aufgabe unternehmerischer <strong>Nachhaltigkeit</strong>skommunikation<br />
Die Zielgruppen einer unternehmerischen <strong>Nachhaltigkeit</strong>skommunikation können grob unterteilt<br />
werden in den Markt, die Gesellschaft <strong>und</strong> das Unternehmen selbst. In der Literatur spricht man<br />
von Marktkommunikation, Public Relations (PR) <strong>und</strong> Organisationskommunikation. Eine Definition<br />
kann von Zerfaß (1996) herangezogen werden: „Unternehmerische <strong>Nachhaltigkeit</strong>skommunikation<br />
umfasst alle kommunikativen Handlungen über soziales <strong>und</strong> ökologisches Engagement sowie über<br />
<strong>Nachhaltigkeit</strong>sbotschafter am Point<br />
of Sale: Handelsunternehmen können<br />
über ihr Kommunikationskanäle Millionen<br />
von Menschen in ihren Einkaufsentscheidungen<br />
beeinflussen. Über<br />
ihre <strong>Nachhaltigkeit</strong>sforderungen in den<br />
Lieferketten haben sie einen weiteren<br />
mächtigen Hebel.<br />
33
NACHHALTIGKEIT GLAUBWÜRDIG UND WIRKSAM KOMMUNIZIEREN<br />
die Zusammenhänge ökologischer, sozialer <strong>und</strong> ökonomischer Perspektiven in den drei Teilbereichen<br />
Marktkommunikation, Organisationskommunikation <strong>und</strong> Öffentlichkeitsarbeit, mit denen ein Beitrag<br />
zur Aufgabendefinition <strong>und</strong> -erfüllung in gewinnorientierten Wirtschaftseinheiten geleistet wird.“<br />
(Zerfaß, A. „Unternehmensführung <strong>und</strong> Öffentlichkeitsarbeit“,1996, S. 287).<br />
Die unternehmerische <strong>Nachhaltigkeit</strong>skommunikation dient damit in erster Linie dem Zweck, unternehmenseigene<br />
Themen <strong>und</strong> Leistungen nach innen <strong>und</strong> außen zu <strong>kommunizieren</strong>. Sie wird mitunter<br />
als „grüne“ Marketingstrategie genutzt <strong>und</strong> missverstanden, wobei dies, wie gezeigt, zu kurz greift<br />
<strong>und</strong> damit sogar finanziellen Ziele gefährden <strong>und</strong> Investoren abschrecken kann.<br />
Eine ganzheitliche Unternehmensstrategie überzeugt<br />
<strong>Nachhaltigkeit</strong>skommunikation muss daher ein gr<strong>und</strong>legendes Umdenken hin zu einem nachhaltigen<br />
Management repräsentieren <strong>und</strong> diese Veränderungsprozesse nach innen <strong>und</strong> außen <strong>kommunizieren</strong>.<br />
Dies fördert Transparenz, Verständnis <strong>und</strong> Partizipation im Unternehmen, in seinem direkten Umfeld<br />
<strong>und</strong> bei allen betroffenen Stakeholdern. Dieser Anspruch nimmt die Vermarktung nachhaltigerer<br />
Produkte <strong>und</strong> Dienstleistungen des jeweiligen Unternehmens mit auf, geht aber einen Schritt darüber<br />
hinaus. Dadurch sind Konsumenten <strong>und</strong> Stakeholder in der Lage, nicht nur zwischen unterschiedlichen<br />
Varianten eines Produktes auszuwählen, sondern können sich auch bewusst für das dahinterstehende<br />
Unternehmen mit seiner <strong>Nachhaltigkeit</strong>sleistung entscheiden. Die Mitarbeiter des Unternehmens werden<br />
gleichzeitig in die Lage versetzt, dies überzeugend zu <strong>kommunizieren</strong> <strong>und</strong> zu vertreten. So schafft das<br />
Unternehmen durch nachhaltiges Vorgehen <strong>und</strong> dessen gezielte Kommunikation Handlungsspielräume<br />
für sich selbst <strong>und</strong> für seine wichtigsten Stakeholder.<br />
Eine gelungene unternehmerische <strong>Nachhaltigkeit</strong>skommunikation kann also einen direkten Beitrag zu<br />
nachhaltigeren Konsummustern <strong>und</strong> Investitionen leisten, indem sie über die transparent kommunizierten<br />
<strong>Nachhaltigkeit</strong>sleistungen des Unternehmens <strong>und</strong> seiner Produkte oder Dienstleistungen das Bewusstsein<br />
für die Notwendigkeit nachhaltigen Wirtschaftens stärkt. Sie wird damit also nicht auf die oben genannte<br />
Marketing-Funktion für öko-effizientere Güter <strong>und</strong> Dienstleistungen reduziert, sondern umfasst auch eine<br />
gewissermaßen aufklärende <strong>und</strong> transformative Funktion. In Kombina tion kann dies eine erfolgreiche<br />
Vermarktung nachhaltiger Produkte <strong>und</strong> Dienstleistungen <strong>und</strong> einen bewussten <strong>und</strong> bedarfsgerechten<br />
Umgang befördern <strong>und</strong> so auch Auswirkungen in andere Bereiche der Wertschöpfungskette entwickeln.<br />
Prof. Dr. Christa Liedtke ist Leiterin der Forschungsgruppe Nachhaltiges Produzieren <strong>und</strong> Konsumieren am Wuppertal<br />
Institut für Klima, Umwelt, Energie, zudem Gast-Professorin für <strong>Nachhaltigkeit</strong>sforschung im Design an der<br />
Folkwang Universität der Künste.<br />
Julia Nordmann ist Projektleiterin in der Forschungsgruppe Nachhaltiges Produzieren <strong>und</strong> Konsumieren am<br />
Wupper tal Institut für Klima, Umwelt, Energie. Sie schreibt ihre Dissertation über <strong>Nachhaltigkeit</strong> in Unternehmensmanagement<br />
<strong>und</strong> -kommunikation am Beispiel der Autostadt GmbH.<br />
Dr. Holger Berg ist Projektkoordinator in der Forschungsgruppe Nachhaltiges Produzieren <strong>und</strong> Konsumieren am<br />
Wuppertal Institut für Klima, Umwelt, Energie. Sein Interesse gilt dem „ressourcenleichten Wirtschaften“ vor allem<br />
mit Verhaltensbezug, dem Entrepreneurship sowie nachhaltiger gesellschaftlicher Entwicklung.<br />
34
NACHHALTIGKEIT GLAUBWÜRDIG UND WIRKSAM KOMMUNIZIEREN<br />
CSR <strong>und</strong> Social Media<br />
Zwischen Euphorie <strong>und</strong> Enttäuschung<br />
Von Dr. Tim Breitbarth, <strong>und</strong> Riccardo Wagner,<br />
Organisatoren des 1. Deutschen CSR-Kommunikationskongresses 2015<br />
2001 wurde die Entwicklung von unternehmerischer Verantwortung maßgeblich durch die Publikation<br />
des „Grünbuch der Europäischen Kommission“ geprägt; im gleichen Jahr schaffte Wikipedia den internationalen<br />
Durchbruch. 2004 richtete das European Multi-Stakeholder Forum seine CSR-Empfehlungen<br />
an Unternehmen <strong>und</strong> Politik; 2004 wurde auch Facebook gegründet. Es ist also nur etwas länger als zehn<br />
Jahre her, dass sich zwei Themen Bahn gebrochen haben: CSR <strong>und</strong> Social Media. Mit beiden werden<br />
ähnliche Leitmotive verb<strong>und</strong>en: mehr Transparenz, Ehrlichkeit <strong>und</strong> Verbindlichkeit <strong>und</strong> die Hoffnung,<br />
durch aktive Netzwerke zu einer besseren Gesellschaft beizutragen. Doch die Nutzung der sozialen<br />
Netzwerke durch Unternehmen ist mit vielen Fallstricken verb<strong>und</strong>en. Daher wurde die Diskussion um<br />
die kommunikativen Möglichkeiten von Social Media im Kontext von CSR jüngst auch auf dem 1.<br />
Deutschen CSR Kommunikationskongress in Osnabrück (11.2015) als Schwerpunktthema aufgegriffen.<br />
Rennpferd versus Ackergaul<br />
Das soziale Netz ist extrem schnell <strong>und</strong> wirft Fragen schneller auf, als viele Unternehmen sie beantworten<br />
können. Wer zu spät oder falsch reagiert, für den gilt der alte Spruch, dass es schneller geht,<br />
einen guten Ruf zu verlieren, als ihn aufzubauen. Bei solch einem Risiko ist es nicht verw<strong>und</strong>erlich,<br />
dass sich Kommunikationsverantwortliche dem Thema mit einer Mischung aus Respekt, Ratlosigkeit,<br />
Enttäuschung <strong>und</strong> Skepsis nähern – insbesondere, wenn es darum geht, einen werblichen Kommunikationsansatz<br />
durch eine dialogische Haltung abzulösen. Als Gr<strong>und</strong> für das Ausklammern von Social<br />
Media-Aktivitäten insbesondere im Umfeld der CSR wird dann oft die Komplexität des CSR-Themas<br />
vorgeschoben – ein Argument, das auch als Mangel an Kommunikationskreativität ausgelegt werden<br />
könnte. Viele Unternehmen stehen somit vor einer doppelten organisatorischen Herausforderung:<br />
Sie müssen erstens die Schnittstellen zwischen CSR <strong>und</strong> Kommunikation herstellen <strong>und</strong> zweitens im<br />
Social Web laufen lernen.<br />
Im Social Media Dschungel: Die<br />
Nutzung der sozialen Medien durch<br />
Unternehmen ist nicht einfach.<br />
Kommunikationsverantwortliche<br />
nähern sich dem Thema mit einer<br />
Mischung aus Respekt <strong>und</strong><br />
Ratlosig keit.<br />
35
NACHHALTIGKEIT GLAUBWÜRDIG UND WIRKSAM KOMMUNIZIEREN<br />
Hier gelten neue Spielregeln<br />
In sozialen Medien sind alle gleichberechtigt <strong>und</strong> – potenziell – ist jeder mit jedem verb<strong>und</strong>en. Dies<br />
erfordert eine neue Kommunikationsstrategie <strong>und</strong> Kultur. Der Gewinn: verbesserte Akzeptanz für die<br />
<strong>Nachhaltigkeit</strong>s- <strong>und</strong> CSR-Bemühungen.<br />
Die Herausforderung: Nicht<strong>kommunizieren</strong> oder Quartalskommunikation sind im sozialen Netz keine<br />
Alternative. Die permanente Auseinandersetzung mit interessierten <strong>und</strong> möglicherweise kritischen<br />
internen oder externen Teil-Öffentlichkeiten muss als Bestandteil eines steten unternehmerischen Verbesserungsprozesses<br />
gesehen werden. Organisationen kommen nicht umhin, öfter als in der PR- <strong>und</strong><br />
Werbewelt kommunikativen Kontrollverlust zu erleben. Ihre Aufgabe ist es, diesen als Wegbegleiter<br />
anzunehmen <strong>und</strong> in einen Glaubwürdigkeitsgewinn umzumünzen. Es gilt, bewusst Erfahrungen zu<br />
sammeln, die de facto-Entgrenzung der Unternehmenskommunikation zu akzeptieren <strong>und</strong> daraus<br />
kreative Ansätze im Sinne einer Co-Creation zu entwickeln. Darin steckt für CSR-Kommunikation,<br />
Stakeholder-Dialog <strong>und</strong> CSR-Management ein großes Potenzial.<br />
„It takes two to tango“<br />
Die Dialogbereitschaft muss aber nicht nur auf Unternehmensseite vorliegen <strong>und</strong> die Erreichbarkeit von<br />
Stakeholdern über Social Media nicht naiv vorausgesetzt werden. Die Frage „Bringen Unternehmen<br />
die notwendigen Ressourcen für sinnvolle CSR-Kommunikation in <strong>und</strong> durch Social Media auf?“ muss<br />
ergänzt werden durch die Fragen „Sind meine Stakeholder erreichbar <strong>und</strong> dialogbereit sowie gewillt,<br />
meine Informationen als relevant anzuerkennen <strong>und</strong> im sozialen Netz zu teilen?“ Eine vielversprechende<br />
Möglichkeit ist hier die Nutzung von materiellem Storytelling <strong>und</strong> Content Marketing-Ansätzen. Hier<br />
könnte sich die Schlacht um Aufmerksamkeit entscheiden <strong>und</strong> da sollten Firmen mit professioneller<br />
CSR-Arbeit einige sehr spannende Kommunikationspfeile aus dem Köcher ziehen können.<br />
Riccardo Wagner ist Inhaber des Beratungsunternehmens BetterRelations mit den Schwerpunkten Kommunikation,<br />
Unternehmensverantwortung <strong>und</strong> Wirtschaftsethik. Er leitet den Arbeitskreis CSR Kommunikation der Deutschen<br />
Public Relations Gesellschaft <strong>und</strong> des Deutschen Netzwerk Wirtschaftsethik.<br />
Dr. Tim Breitbarth ist Principal Academic (Faculty of Management) an der Bournemouth University <strong>und</strong> Gastprofessor<br />
in Deutschland.<br />
36
NACHHALTIGKEIT GLAUBWÜRDIG UND WIRKSAM KOMMUNIZIEREN<br />
Psychologie der Massen<br />
So kann Elektromobilität in Deutschland funktionieren<br />
Prof. Dr. Christian Klöckner, Norges teknisk-naturvitenskapelige universitet, Trondheim, im Interview<br />
mit Angela Imdahl, imdahl-institut<br />
Elektromobilität kann funktionieren. Norwegen zeigt auf, wie das geht. Ausgerechnet das mit Erdöl <strong>und</strong><br />
Erdgas reich gesegnete Land, hat sich in den vergangenen Jahren zu einem Zentrum der Elektromobilität<br />
entwickelt. Nach Meinung des Umweltpsychologen Prof. Dr. Christian Klöckner vor allem deshalb, weil<br />
die finanzielle Förderung der E-Autos durch psychologische Anreize unterstützt wurde.<br />
Herr Klöckner, nirgendwo in Europa sind so viele Elektromobile unterwegs wie im Königreich Norwegen.<br />
Warum ist Elektromobilität bei Ihnen so erfolgreich?<br />
Die norwegische Regierung hat verstanden, dass es eben nicht ausreicht mit Barem zu winken, um die<br />
Menschen für die neue Art der Fortbewegung zu begeistern. Es sind im Gr<strong>und</strong>e viel subtilere Motive,<br />
die Menschen dazu bewegen, umweltbewusst zu handeln.<br />
Auf welche Motive spielen Sie an?<br />
Zentraler Baustein des Erfolges war es, bei der Routine der Menschen anzusetzen. Norwegen hat den<br />
Umstieg aufs E-Auto ganz konsequent belohnt, indem die Leute, die man gewinnen wollte, handfeste<br />
Vorteile im Alltag erhielten. Zum Beispiel beim allmorgendlichen Kampf durch den Stau auf dem Weg<br />
zum Arbeitsplatz. Während alle anderen auf den normalen Fahrspuren jeden Morgen im Stau stehen,<br />
dürfen Elektroautos die Busspuren nutzen. Das spart viel Zeit <strong>und</strong> entlastet den Fahrer. Darüber hinaus<br />
sprechen diese Sonderrechte das Statusdenken als zentrales Motiv an. Wer ganz legal auf der Busspur<br />
überholen darf zeigt, dass er zu einer Elite gehört – <strong>und</strong> ist stolz darauf. Die Entscheidung für ein E-<br />
Auto bringt damit tagtäglich die Bestätigung privilegiert zu sein.<br />
Es ist fast wie bei Asterix <strong>und</strong> Obelix: Ganz Europa lebt ohne Elektromobilität. Doch für das kleine<br />
Königreich am nördlichen Rand des Kontinents scheinen Herausforderungen wie hohe Kosten, geringe<br />
Reichweite oder fehlende Ladestationen, die im Rest Europas die E-Mobilität ausbremsen, gar nicht<br />
zu existieren. Woran liegt das?<br />
Die Regierung unterstützt Elektromobilität <strong>und</strong> investiert massiv in die Förderung von E-Autos <strong>und</strong><br />
Infrastruktur. Durch Anreize sollten 50.000 E-Autos auf die Straße gebracht oder aber bis 2017 die<br />
Förderung durchgezogen werden. Die Zahl der E-Autos ist schon heute fast erreicht <strong>und</strong> im Moment<br />
ist die Frage offen, ob man das Programm bis 2017 durchziehen soll. Die Zahlen zeigen, wie <strong>wirksam</strong><br />
das Programm war: 2009 kauften in Norwegen 3-4 Prozent der Leute ein E-Auto; heute, 2014, sind<br />
es schon 13-14 Prozent.<br />
Zahlen, von denen man in Deutschland nur träumt. Warum wirkt die Förderung so massiv?<br />
Man muss wissen, dass Autofahren in Norwegen sehr teuer ist. Die Regierung belastet Neuwagen<br />
mit einer extrem hohen Steuerlast, abhängig von Gewicht, Größe <strong>und</strong> Umweltbelastung. Das erhöht<br />
den Preis eines Autos um bis zu mehreren zehntausend Euro. Dazu kommt noch eine 24-prozentige<br />
Mehrwertsteuer, die den Preis weiter anhebt. Für Elektroautomobile entfallen diese Belastungen komplett.<br />
Darüber hinaus werden überall Ladestationen eingerichtet <strong>und</strong> private, öffentlich zugängliche,<br />
E-Tankstellen gefördert. 2020, so das Ziel, sollen in Norwegen insgesamt 1.780 Schnelllademöglich-<br />
37
NACHHALTIGKEIT GLAUBWÜRDIG UND WIRKSAM KOMMUNIZIEREN<br />
keiten stehen. Diese finanziellen Anreize sorgten als Anschubstruktur dafür, dass eine kritische Menge<br />
E-Fahrzeuge auf die Straße kommt. Viele Norweger kaufen heute ein E-Auto als Zweitwagen. Auch<br />
im Flottenverkehr, beispielsweise bei den Pflegediensten, wirken die Finanzanreize. Spannend ist die<br />
Frage, ob die auch beim nächsten Mal wieder ein E-Auto kaufen. Die Antwort ist noch offen.<br />
Jetzt geht es also darum, ob sich Elektromobilität auch im Massenmarkt durchsetzt. Welche Motive<br />
wirken aus Sicht der Umweltpsychologen an dieser Stelle?<br />
Bei der Entscheidung der Massen geht es vor allem um die Frage: „Kann ich die Autos im Alltag sehen?“<br />
Das ist das Ausschlag gebende Kaufmotiv. Den ganz normalen Mann auf der Straße, der nicht<br />
ausprobieren <strong>und</strong> auch kein Risiko eingehen will, interessiert vor allem: „Gibt es genug Leute, die so<br />
sind wie ich, <strong>und</strong> die auch ein E-Auto fahren?“ Also im Klartext: „Kann ich mich mit meinem Nachbarn<br />
über dessen Erfahrungen unterhalten?“ Ist man dort angekommen, ist das ein Signal, dass die<br />
neue Technologie den Alltag der Menschen erreicht hat. DAS ist ein Kaufmotiv für die breite Masse!<br />
Es geht dann also gar nicht mehr um Status oder Auszeichnung? Also darum, etwas Besonderes zu sein?<br />
Nein, ganz im Gegenteil! In der Umweltpsychologie gibt es dazu eine Theorie, die “Diffusion-of-Innovation<br />
Theory“. Sie besagt, dass zuerst die so genannten „Nerds“ kommen, die oft über gute Ressourcen<br />
verfügen, aber relativ wenig sozial vernetzt sind. Danach schließen sich die „earlyadopters“ an – oft<br />
zentrale Personen in sozialen Netzwerken. Dann geht es über zur „earlymajority“, den Innovatoren in<br />
der breiten Masse. In Norwegen sind wir gerade über die Schwelle von „earlyadopters“ zur „earlymajority“<br />
gesprungen. Und für die ist der „Nachbar“ dann in der Tat entscheidend. Für Regierungen <strong>und</strong><br />
Hersteller ist es daher besonders wichtig zu wissen, dass der Eintritt in den Massenmarkt nur gelingt,<br />
wenn diese kritische Schwelle überschritten ist!<br />
Und woran erkennt man, dass die kritische Schwelle überschritten ist?<br />
Das ist eine spannende Frage. Interessanterweise sieht man das an den Autos, die verkauft werden. Am<br />
Anfang hatten E-Autos ein besonderes Design damit jeder sehen konnte: „Ich fahre ein E-Fahrzeug!“<br />
Der Golf <strong>und</strong> der Nissan Leaf, die Verkaufsschlager unter den E-Autos in Norwegen, unterscheiden sich<br />
optisch überhaupt nicht mehr von ihren Verbrenner-Kollegen. Für die breite Masse ist genau das wichtig.<br />
Im Verb<strong>und</strong> besonders sinnvoll: Die<br />
sinnvolle Kombination öffentlicher<br />
Verkehrsmittel mit Leihfahrzeugen –<br />
vom E-Mobil bis zum Fahrrrad – ist<br />
die Moblitätslösung der Zukunft.<br />
Hilfreiche Apps bieten maximalen<br />
Komfort bei der multimodalen<br />
Fortbewegung.<br />
38
NACHHALTIGKEIT GLAUBWÜRDIG UND WIRKSAM KOMMUNIZIEREN<br />
Was heißt das für die Fahrzeugindustrie?<br />
Vor allem, dass Konzepte, die das Besondere am E-Auto in den Vordergr<strong>und</strong> stellen, eine überschaubare<br />
Halbwertzeit haben. Dahinter liegt eine einfache Erkenntnis: Auf lange Sicht soll das E-Auto auch nur ein<br />
Auto sein <strong>und</strong> keinesfalls ein Ausdruck von Lebensstil! Das psychologische Profil eines E-Auto- Käufers<br />
unterscheidet sich also nur sehr wenig vom Profil des Käufers konventioneller Fahrzeuge. Umweltschutz<br />
spielt zwar bei der Elektromobilität eine gewisse Rolle, aber das Auto muss vor allem funktionieren<br />
<strong>und</strong> auf die Anforderungen passen.<br />
Sei beschäftigen sich seit Jahren als Umweltpsychologe mit Elektromobilität. Was würden Sie der<br />
deutschen Regierung in Sachen Anreizsysteme raten?<br />
Die Erfahrungen in Norwegen zeigen vor allem, dass man mit der richtigen Anreizstruktur E-Mobilität<br />
sehr schnell verbreiten kann. Aber auch, dass es sinnvoll ist, sich neben der finanziellen Förderung über<br />
die psychologischen Effekte <strong>und</strong> Wirkmechanismen Gedanken zu machen. Man kann den Systemwechsel<br />
hinkriegen, das ist das Gute, <strong>und</strong> Elektromobilität lässt sich relativ leicht verbreiten. Das heißt aber<br />
auch: Als Gesellschaft setzen wir damit weiterhin auf individuelle Mobilität! Über diese Konsequenz<br />
sollte man sich im Klaren sein. Und, was man nicht vergessen darf: Durch das E-Auto bekommt der<br />
Käufer ein reines Gewissen. Mit dem Effekt, dass viel mehr gefahren wird. In Norwegen beschäftigen<br />
wir uns zurzeit mit der Frage, wie man diesen so genannten „Rebo<strong>und</strong>-Effekt“ in den Griff bekommt.<br />
Und auch hier können Umweltpsychologen einen Beitrag leisten.<br />
Prof. Dr. Christian Klöckner von der Norwegischen Technisch-Naturwissenschaftlichen Universität in Trondheim,<br />
ist einer der renommiertesten Experten in Sachen Anreizsysteme. Er lebt <strong>und</strong> forscht seit 10 Jahren in Norwegen.<br />
Dort hat er die Markteinführung der E-Fahrzeuge begleitet <strong>und</strong> in zahlreichen Studien dokumentiert.<br />
Mit ihm sprach Angela Imdahl, Strategie- <strong>und</strong> Kommunikations-Expertin <strong>und</strong> Geschäftsführerin des imdahl-instituts.<br />
Flottenmanagement 2020: Nur ein<br />
engagiertes <strong>und</strong> zukunftsweisendes<br />
Flottenmanagement kann der E-<br />
Mobilität in Deutschland zum Durchbruch<br />
verhelfen <strong>und</strong> die ehrgeizigen<br />
Ziele der B<strong>und</strong>eskanzlerin realisieren.<br />
39
NACHHALTIGKEIT GLAUBWÜRDIG UND WIRKSAM KOMMUNIZIEREN<br />
Klimawandel erleben<br />
Einmal r<strong>und</strong> um den Globus<br />
Von Arne Dunker, Geschäftsführer des Klimahaus Bremerhaven 8° Ost<br />
Wie kann man Klima, Klimawandel <strong>und</strong> <strong>Nachhaltigkeit</strong> erklären <strong>und</strong> erlebbar machen? Mit einer<br />
außergewöhnlichen Weltreise durch die Klimazonen der Erde. Im „Klimahaus Bremerhaven 8° Ost“<br />
steigen die Besucher symbolisch in einen Zug <strong>und</strong> begeben sich auf eine Reise einmal um den Globus<br />
entlang des achten Längengrads Ost.<br />
Los geht es in der „Schweiz“: Kuhglocken läuten, ein Bergmassiv mit Gletscher ragt hoch in den Himmel<br />
hinauf. Hier wohnt Hedy Infanger, die jedes Jahr mit ihrer Familie <strong>und</strong> den Kühen auf eine Alm zieht.<br />
Der Sommer hoch oben in den Bergen ist für alle mit kräftezehrender Arbeit verb<strong>und</strong>en, ohne Strom<br />
<strong>und</strong> modernen Komfort, <strong>und</strong> dennoch ist es für Hedy eine genussvolle Zeit. Denn der Wechsel der<br />
Jahreszeiten <strong>und</strong> die Natur bestimmen noch immer das Leben der Almbauern. Ursprünglich, natürlich<br />
<strong>und</strong> nachhaltig. Doch die Natur verändert sich, das Gletschereis zieht sich zurück <strong>und</strong> gefährliche<br />
Steinschläge nehmen zu. Das bringt neue Herausforderungen für Hedy <strong>und</strong> ihre Familie mit sich.<br />
Weiter geht die Reise nach „Samoa“, vorbei an der Halbwüste im „Niger“ <strong>und</strong> dem Packeis der „Antarktis“.<br />
Der Besucher gelangt durch ein Dickicht aus grünen Pflanzen zum Strand <strong>und</strong> hört sanft die<br />
Wellen rauschen. In diesem Urlaubsparadies wohnt Vaniah Toloa. Er arbeitet als Musiker <strong>und</strong> Tauchlehrer<br />
im traditionsbewussten Samoa. Auf seinen Tauchgängen fallen Vaniah immer mehr ausgeblichene,<br />
d.h. abgestorbene, Korallenriffe auf. Die Inselbewohner sorgen sich um ihre Heimat. Der junge Mann<br />
erklärt, dass der Meeresspiegel steigt <strong>und</strong> das Wasser das Inselreich zu verschlucken droht. Eine ernst<br />
zu nehmende Bedrohung für alle – Mensch <strong>und</strong> Natur.<br />
Was haben der schmelzende Gletscher in der Schweiz <strong>und</strong> der Anstieg des Meeresspiegels in Samoa<br />
gemeinsam? Sie zeigen globale Zusammenhänge im Klimageschehen auf. Jede Reisestation erzählt ihre<br />
eigenen Geschichten <strong>und</strong> lässt die Besucher erleben, welche Auswirkungen die Klimaveränderung r<strong>und</strong><br />
um unseren Globus hat. Das Konzept ist gelungen, wie dieser Eintrag im Gästebuch der Wissens- <strong>und</strong><br />
Erlebniswelt zeigt: „Bei jedem erneuten Besuch freue ich mich wieder <strong>und</strong> wieder wie ein kleines Kind,<br />
entdecke Neues, bin begeistert, gerührt <strong>und</strong> nehme viel Wissenswertes mit.“<br />
Einmal r<strong>und</strong> um den Globus: Das<br />
Klimahaus in Bremerhaven lädt ein<br />
zu einer Weltreise in Sachen Klima.<br />
Auch für Firmen ist diese außergewöhnliche<br />
Einrichtung ein guter<br />
Rahmen – insbesondere für Events in<br />
Sachen Klimaschutz.<br />
40
NACHHALTIGKEIT GLAUBWÜRDIG UND WIRKSAM KOMMUNIZIEREN<br />
Veranstaltungsort Klimahaus<br />
Neben den jährlich r<strong>und</strong> 500.000 Tagesbesuchern kommen zahlreiche Firmen ins Klimahaus. Und das<br />
aus gutem Gr<strong>und</strong>. Im Herbst 2015 wurde es zur „Top-Tagungslocation“ Deutschlands gekürt.<br />
Insbesondere für Tagungen, Seminare <strong>und</strong> Workshops zum Thema <strong>Nachhaltigkeit</strong> nutzen Unternehmen<br />
die Veranstaltungsräume in der Wissens- <strong>und</strong> Erlebniswelt. Die Kombination aus klassischen Tagungsformaten<br />
<strong>und</strong> einem Rahmenprogramm in der Ausstellung macht den besonderen Reiz des Klimahauses<br />
aus. Für einen perfekten Ausklang eines anstrengenden Tages sorgt beispielsweise eine Strandparty<br />
auf „Samoa“. Wer nach der Denkarbeit den Gaumen verwöhnen möchte, kann kleine Köstlichkeiten<br />
oder große Menüs auf einer „kulinarischen Weltreise entlang des achten Längengrads“ in der neuen<br />
Eventküche kreieren. Ein geschmackvolles Erlebnis für Weltenbummler <strong>und</strong> Feinschmecker gleichermaßen.<br />
Darüber hinaus hat sich die Wissens- <strong>und</strong> Erlebniswelt mit eigenen Veranstaltungsformaten zu<br />
einem Kompetenzzentrum für <strong>Nachhaltigkeit</strong>skommunikation entwickelt. Die Bandbreite der Themen<br />
ist vielfältig. Das Angebot reicht vom Bildungsforum für Lehrkräfte <strong>und</strong> Pädagogen über Kongresse zu<br />
Süß- <strong>und</strong> Meerwasseraquaristik bis hin zum internationalen Symposium zu Klimagerechtigkeit. Vorträge,<br />
Expertengespräche <strong>und</strong> Workshops zu ausgewählten Fragestellungen r<strong>und</strong>en das Programm ab.<br />
Selbstverständlich setzt das Klimahaus auch im Betrieb auf <strong>Nachhaltigkeit</strong>: So werden zum Beispiel bei<br />
der Energienutzung verschiedene Techniken, von der Kraft-Wärme-Kopplung über Betonkernaktivierung<br />
<strong>und</strong> Fernwärme, miteinander kombiniert.<br />
Außerschulischer Lernort<br />
Mit seinem innovativen Ausstellungskonzept ist das Klimahaus ein anerkannter, von der UNESCO ausgezeichneter,<br />
außerschulischer Lernort. Ergänzend zur Schule vermittelt es Unterrichtsthemen interaktiv<br />
<strong>und</strong> macht diese mit allen Sinnen erfahrbar. Daneben engagiert sich die Wissens- <strong>und</strong> Erlebnis welt für<br />
das Weltaktionsprogramm „Bildung für nachhaltige Entwicklung“ der UNESCO, das vom B<strong>und</strong>esminis-<br />
Lernen in der Praxis: Dass man<br />
auch beim Kochen viel für den<br />
Klimaschutz leisten kann, lehrt das<br />
Klimahaus in einer Eventküche. Bio,<br />
regional <strong>und</strong> saisonal, das sollten<br />
unsere Lebensmittel sein.<br />
41
NACHHALTIGKEIT GLAUBWÜRDIG UND WIRKSAM KOMMUNIZIEREN<br />
terium für Bildung <strong>und</strong> Forschung koordiniert wird. Das Klimahaus beteiligt sich zudem am „Ausschuss<br />
Außerschulisches Lernen“ des didacta-Verbands der Bildungswirtschaft.<br />
So eröffnete im vergangenen Jahr die „FRoSTA-Kochschule“ im Klimahaus <strong>und</strong> hat damit auch das<br />
Thema klimafre<strong>und</strong>liche <strong>und</strong> nachhaltige Ernährung in die Wissens- <strong>und</strong> Erlebniswelt gebracht. In<br />
spannenden Koch-Workshops führt eine Ernährungswissenschaftlerin Kinder ab der vierten Klasse<br />
an einen selbstverständlichen Umgang mit frischem, saisonalem <strong>und</strong> regionalem Obst <strong>und</strong> Gemüse<br />
heran. Ganz nebenbei werden beim gemeinsamen Kochen <strong>und</strong> Aufräumen soziale Kompetenzen wie<br />
Teamfähigkeit, Kompromissbereitschaft, Hilfsbereitschaft <strong>und</strong> Konfliktfähigkeit gestärkt.<br />
Das erklärte Ziel des Klimahaus Bremerhaven 8° Ost ist nachhaltige Aufklärung. Die Wissens- <strong>und</strong><br />
Erlebniswelt öffnet den Blick dafür, wie sich das eigene Handeln auf künftige Generationen oder das<br />
Leben in anderen Weltregionen auswirkt. Sie fördert damit nachhaltiges Denken <strong>und</strong> Handeln <strong>und</strong><br />
versetzt ihre Besucher in die Lage, nachhaltige Entscheidungen für die Zukunft zu treffen.<br />
Arne Dunker ist Geschäftsführer <strong>und</strong> Mit-Entwickler des Klimahaus Bremerhaven 8° Ost sowie Initiator <strong>und</strong> Vorstand<br />
der 2009 gegründeten Deutschen KlimaStiftung. Zuvor war der Diplom-Kaufmann <strong>und</strong> Träger des Bremer<br />
Klimaschutzpreises in verschiedenen Führungspositionen tätig.<br />
Nur wenn junge Menschen frühzeitig<br />
Erkenntnisfortschritt mit Verhaltensänderung<br />
zu kombinieren lernen,<br />
besteht eine Chance, die globalen<br />
Klimaveränderungen im 2 Grad-<br />
Rahmen zu halten.<br />
42
NACHHALTIGKEIT GLAUBWÜRDIG UND WIRKSAM KOMMUNIZIEREN<br />
Die Initiative „Gemeinsam bewegen“<br />
<strong>Nachhaltigkeit</strong>skommunikation mit Fans <strong>und</strong> Besuchern<br />
Von Nico Briskorn, Abteilungsleiter Corporate Social Responsibility beim VfL Wolfsburg<br />
Der VfL Wolfsburg ist von hoher Bedeutung für die Stadt Wolfsburg <strong>und</strong> trägt maßgeblich zum positiven<br />
Image der Region bei. Für die Bewohner ist der Verein eine wichtige Institution mit identitätsstiftender<br />
Funktion. Die B<strong>und</strong>esligamannschaft erreichte nach sechsjähriger Pause wieder die Champions League<br />
<strong>und</strong> hat damit die Chance, noch mehr attraktive Begegnungen nach Wolfsburg zu holen sowie seine<br />
Medienpräsenz <strong>und</strong> Fanbindung zu stärken. Der Erfolg steigert die Strahlkraft des Vereins <strong>und</strong> macht<br />
ihn zum Vorbild. Dies befähigt den Verein, seine gesellschaftliche Verantwortung als Unternehmen<br />
(CSR) noch besser zu erfüllen <strong>und</strong> dabei möglichst viele Menschen einzubeziehen.<br />
Um die Öffentlichkeit emotional mitzunehmen, empfahl sich die Entwicklung einer CSR-Marke.<br />
Die Initiative „Gemeinsam bewegen“ bildet seit Anfang 2012 die große Klammer für sämtliche<br />
CSR-Aktivitäten des VfL Wolfsburg. Sie wurde gestartet, um zum einen das bereits existierende<br />
vielfältige nachhaltige Engagement des Vereins in der Öffentlichkeit besser sichtbar zu machen <strong>und</strong><br />
zum anderen, um Partner zu gewinnen, die den Verein bei der Gestaltung neuer, sinnvoller Projekte<br />
unterstützen. Der Name des umfangreichen Maßnahmenpakets macht deutlich, worauf es basiert:<br />
Verein, Fans, Sponsoren <strong>und</strong> Partner ziehen an einem Strang – das gesellschaftliche Engagement<br />
ist echte Teamarbeit.<br />
Transparenz schaffen<br />
Basis der mit <strong>Nachhaltigkeit</strong>saspekten aufgeladenen Kommunikation ist der Anfang 2013 veröffentlichte<br />
<strong>Nachhaltigkeit</strong>sbericht des VfL Wolfsburg. Unter der Überschrift „Gemeinsam bewegen“ hat<br />
der Verein als weltweit erster Fußballclub einen GRI-geprüften Bericht veröffentlicht. Damit folgt der<br />
VfL Wolfsburg den in der Wirtschaft üblichen Leitlinien der Global Reporting Initiative (GRI) <strong>und</strong> stellt<br />
die <strong>Nachhaltigkeit</strong>saspekte des laufenden Betriebs transparent dar. Mit dem Ende 2014 vorgestellten<br />
CSR-Fortschrittsbericht legt der VfL gegenüber seinen Anspruchsgruppen offen, welche Entwicklungsschritte<br />
er bei der Umsetzung seines 2012 verabschiedeten <strong>Nachhaltigkeit</strong>sprogramms bisher erreicht<br />
hat. 74 Prozent der Befragten einer Forsa-Umfrage aus dem Mai 2014 wollen, dass Fußballvereine die<br />
Öffentlichkeit über sich <strong>und</strong> ihr Handeln informieren.<br />
VfL Wolfsburg im Sturm: Mit einer<br />
Upcycling-Kollektion können Fans zu<br />
Botschaftern der nachhaltigen Marke<br />
VfL Wolfsburg werden. In den Social<br />
Media-Kanälen präsentierten die pieler/innen<br />
sowie B<strong>und</strong>esliga-Profi Naldo<br />
die einzigartigen Designerstücke.<br />
43
NACHHALTIGKEIT GLAUBWÜRDIG UND WIRKSAM KOMMUNIZIEREN<br />
Die Initiative „Gemeinsam bewegen“ ist darüber hinaus fester Bestandteil der Vereinskommunikation.<br />
Der News-Channel auf der Vereinswebsite präsentiert regelmäßig aktuelle Nachrichten mit einem<br />
der <strong>Nachhaltigkeit</strong>sschwerpunkte der Initiative. Bei Spieltags-Pressekonferenzen werden nachhaltige<br />
Maßnahmen <strong>und</strong> Aktivitäten vorgestellt. Darüber hinaus kommuniziert der Verein sein Engagement<br />
im vereinseigenen Wölfe-TV, im Stadionmagazin, im Fanartikelkatalog <strong>und</strong> in den umfangreichen<br />
Social Media-Kanälen. Dabei hat der Verein die Erfahrung gemacht, dass sich nachhaltige Themen am<br />
besten in den Tagen vor bzw. nach dem Spiel <strong>kommunizieren</strong> lassen. Am Spieltag zählen für den Fan<br />
in erster Linie die 90 Minuten auf dem Platz.<br />
Begeisterung teilen<br />
Dennoch spielen die Fans bei der Umsetzung der CSR-Ziele eine Schlüsselrolle, wie die Ergebnisse einer<br />
Forsa-Umfrage unterstreichen: 87 Prozent der Befragten waren der Meinung, die Fans sollten zum Mitmachen<br />
motiviert werden, damit die Clubs ihre gesteckten Ziele für ihr gesellschaftliches Engagement<br />
erreichen. Der VfL Wolfsburg setzt darum seine Kommunikation gezielt ein, um das CSR-Engagement<br />
der Fans zu steigern.<br />
So veranstaltete der VfL Wolfsburg am 27. April 2012 erstmals einen B<strong>und</strong>esliga-Spieltag unter dem<br />
Motto „Gemeinsam bewegen“. Den Bezug zur <strong>Nachhaltigkeit</strong> stellte er her, indem er seine Fans dazu<br />
aufrief, mit dem Fahrrad zum Spiel in der Volkswagen Arena anzureisen. Die Teilnehmer konnten ein<br />
Fahrrad gewinnen <strong>und</strong> ihren eigenen Drahtesel kostenlos durchchecken lassen. Parallel kommunizierte<br />
der Verein das Ziel, seine CO 2<br />
-Belastung bis zum Ende der Saison 2017/2018 um 25 Prozent zu senken.<br />
Zum Abschluss der vergangenen Spielzeit 2014/2015 pflanzten Dieter Hecking, Bas Dost sowie 100<br />
VfL-Fans unter dem Motto „Pro Tor ein Baum“ die ersten Bäume des „VfL-Waldes“. Dieser wird nach<br />
Fertigstellung 4.000 junge Laub- <strong>und</strong> Nadelbäume beherbergen.<br />
Um die Fans noch stärker in ihrer Lebenswelt abzuholen, werden Projekte initiiert, die <strong>Nachhaltigkeit</strong><br />
greifbar <strong>und</strong> erlebbar machen. Unter dem Titel „Wolf‘s Up“ hat der B<strong>und</strong>esligist eine aus Trikots <strong>und</strong><br />
Restbeständen recycelte Mode-Kollektion für Fans entworfen. Der VfL Wolfsburg ist dafür als erster<br />
Fußballverein in Deutschland eine Designkooperation eingegangen, in deren Vordergr<strong>und</strong> das Thema<br />
„Upcycling“ steht. Mit den Stücken der Upcycling-Kollektion werden Fans gleichzeitig zu Botschaftern<br />
der nachhaltigen Marke VfL Wolfsburg. In den Social Media-Kanälen präsentierten die Spieler/innen<br />
sowie B<strong>und</strong>esliga-Profi Naldo die einzigartigen Designerstücke.<br />
Nico Briskorn leitet seit Juli 2010 die Abteilung Corporate Social Responsibility des VfL Wolfsburg. Seine Kernaufgaben<br />
umfassen unter anderem die Weiterentwicklung der CSR-Initiative „Gemeinsam bewegen“ sowie<br />
die <strong>Nachhaltigkeit</strong>sberichterstattung. Der studierte Sportmanager ist in verschiedenen Gremien vertreten, unter<br />
anderem im Arbeitskreis für gesellschaftliches Engagement der B<strong>und</strong>esliga-Stiftung.<br />
44
Impressum<br />
Herausgeber<br />
B<strong>und</strong>esdeutscher Arbeitskreis für Umweltbewusstes Management<br />
(B.A.U.M.) e.V.<br />
www.baumev.de<br />
Verlag<br />
ALTOP Verlags- <strong>und</strong> Vertriebsgesellschaft für umweltfre<strong>und</strong>liche<br />
Produkte mbH<br />
www.forum-csr.net<br />
Projektteam B.A.U.M. e.V.<br />
Prof. Dr. Maximilian Gege (Projektleitung)<br />
Dr. Katrin Wippich (Projektkoordination)<br />
Dieter Brübach, Simone Frey, Rainer Kant, Kristina Kara,<br />
Christoph Kohler, Ute Landwehr-von Brock, Philip Mathies,<br />
Martin Oldeland, Lisa Söder, Christian Stöckmann, Meike<br />
Strecker, Jakob Wahl, Sandra Wolter (Redaktionsteam)<br />
redaktion@baumev.de<br />
Projektteam ALTOP<br />
Edda Langenmayr (Projektleitung, Koordination, Herstellung)<br />
Edda Langenmayr, Fritz Lietsch (Redaktionsteam)<br />
e.langenmayr@forum-csr.net<br />
Korrektorat<br />
Vera Schilffarth, Uta Dobler<br />
Layout <strong>und</strong> Satz<br />
dtp/layout<br />
www.dtp-layout.de<br />
Anzeigenbetreuung<br />
forum Büro Nord<br />
Dagmar Hermann, Hugo Quenzer, Daniela Günter, Felicitas<br />
Bittong , Dieter Möller, Rolf W<strong>und</strong>er, Erwin Metzger<br />
d.hermann@forum-csr.net<br />
Druck<br />
bonitasprint gmbh<br />
Klimaneutral gedruckt mit Druckfarben auf Basis nachwachsender<br />
Rohstoffe auf Cyclus Offset, 100 Prozent Recyclingpapier,<br />
ausgezeichnet mit dem Blauen Engel (Inhalt) <strong>und</strong> Satimat Green,<br />
hergestellt aus 60 Prozent Recyclingfasern sowie 40 Prozent<br />
FSC ® -zertifizierten Primärfasern (Umschlag).<br />
ISBN: ISBN 978-3-925646-66-9<br />
ISSN 0949-6661<br />
© <strong>2016</strong> by ALTOP Verlags- <strong>und</strong> Vertriebsgesellschaft für umweltfre<strong>und</strong>liche<br />
Produkte mbH<br />
Alle Rechte vorbehalten. Nachdruck <strong>und</strong> Vervielfältigung aller<br />
Texte, auch auszugsweise, nur mit schriftlicher Genehmigung<br />
des Verlags.<br />
Rechtlicher Hinweis<br />
Für die Richtigkeit der Angaben können Herausgeber <strong>und</strong> Verlag<br />
trotz sorgfältiger Recherche keine Gewähr übernehmen. Die<br />
Meinungen, die in den Artikeln im Buch geäußert werden,<br />
entsprechen nicht zwangsläufig denen des Herausgebers <strong>und</strong><br />
des Verlags. Der Herausgeber <strong>und</strong> der Verlag haften nicht für<br />
Copyright-Verletzungen von Autor/innen.<br />
Erscheinung<br />
Einmal jährlich<br />
Redaktionsschluss 11.12.2015<br />
Bildnachweise<br />
Gestaltung von Umschlag <strong>und</strong> Zwischenblättern unter Verwendung<br />
von Bildern von Herbert Köpnick<br />
Seite 9 © Ralf A. Hanke/Pixelio | 11 © imago/teutopress | 16<br />
© oben: V. Angres | 16 © unten: © Nathalie Balleis | 20 ©<br />
Alina Westenberger | 22 © Scholz & Friends Reputation | 26<br />
© Hipp | 27 © Audi | 28 © ALTOP Verlag/Quelle: Bayerisches<br />
Landesamt für Umwelt | 32 © Patagonia | 33 © EDEKA | 35 ©<br />
Trueffelpix/Fotolia | 38 © Deutsche Bahn | 39 © Nissan | 40 ©<br />
Klimahaus/Meyer | 41 © Klimahaus | 42 © Klimahaus- Müller<br />
| 43 © VfL Wolfsburg | 47 © B.A.U.M | | 50 © B.A.U.M. | 51<br />
© B.A.U.M. | 52 © B.A.U.M. | 53 © B.A.U.M. | 54 © Büro<br />
Julia Verlinden MdB | 55 © B.A.U.M. | 56 © B.A.U.M. | 57 ©<br />
oeding print | 62 © C H M S Rödental | 63 © B.A.U.M. | 64 ©<br />
B.A.U.M. | 65 © B.A.U.M. | 66 © B.A.U.M./Andreas Weiss | 67<br />
© mgf Gartenstadt Farmsen | 68 © B.A.U.M. | 69 © Barmenia |<br />
70 © B.A.U.M. | 71 © B.A.U.M. | 72 © B<strong>und</strong>esregierung/Jesco<br />
Denzel | 73 © B.A.U.M. | 74 © B.A.U.M. | 75 © B.A.U.M. | 76<br />
© Certified | 80 © B.A.U.M. | 82 © privat | 85 © B.A.U.M. | 87<br />
© B.A.U.M. | 88 © B.A.U.M./Andre Wagenzik | 89 © B.A.U.M.
30 Jahre nachhaltig Wirtschaften – Rückblick <strong>und</strong> Ausblick<br />
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B.A.U.M. e.V.<br />
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Schlagwort „New Work“ verbirgt <strong>und</strong> beleuchten Chancen <strong>und</strong><br />
Herausforderungen für Unternehmen, für deren Mitarbeiterinnen<br />
<strong>und</strong> Mitarbeiter sowie die Gesellschaft insgesamt.<br />
Im Fokus steht dabei die Frage, wie sich der Trend<br />
nachhaltig gestalten lässt: ökonomisch zukunftsfähig,<br />
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Resource Management<br />
Die Gesellschaft auf dem Weg<br />
zur <strong>Nachhaltigkeit</strong>.<br />
Wirtschaft <strong>und</strong> Transformation<br />
Energiewende<br />
1984 – 2014 – 2044<br />
<strong>Nachhaltigkeit</strong><br />
in der Lieferkette<br />
<strong>Nachhaltigkeit</strong> <strong>glaubwürdig</strong><br />
<strong>und</strong> <strong>wirksam</strong> <strong>kommunizieren</strong><br />
Digitalisierung <strong>und</strong><br />
<strong>Nachhaltigkeit</strong><br />
Nachhaltiges Investieren
Zukunft<br />
gestalten<br />
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<strong>und</strong> Corporate Social Responsibility!<br />
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Forum<br />
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Im Interview<br />
Richard David Precht, ist Fleischkonsum<br />
moralisch vertretbar?<br />
Die transparente Lieferkette<br />
Erfolgsfaktor oder Mythos?<br />
Innovationen<br />
Wie aus Mitarbeitern<br />
Erfinder werden<br />
03/2013<br />
ISSN 1865-4266<br />
Nachhaltig Wirtschaften<br />
Terminator als Klimaschützer<br />
„Auch Angeberautos<br />
können sauber sein“<br />
Experiment Ozean<br />
Forscher Mojib Latif:<br />
Da tickt eine Zeitbombe<br />
Grüner Luxus<br />
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Forum<br />
EUR 7,50 (D) | EUR 8,- (A) | CHF 12,50 | www.forum-csr.net 01/2014<br />
ISSN 1865-4266<br />
Die Food-Industrie<br />
Ökologisch, fett, transgen,<br />
regional, zuckersüß, tödlich.<br />
Wie verführbar is(s)t die Welt?<br />
04/2013<br />
ISSN 1865-4266<br />
Nachhaltig Wirtschaften<br />
Hallo Klimawandel<br />
Welche Promis dagegen kämpfen. Wie Unternehmen <strong>und</strong><br />
Städte sich anpassen. Was man selbst tun kann.<br />
02/2014<br />
ISSN 1865-4266<br />
Nachhaltig Wirtschaften<br />
Unter Strom<br />
Was Gründer wirklich brauchen<br />
Special Mobilität & Logistik<br />
Die Lkw-Branche holt auf<br />
Mit der Kraft des Islam<br />
Rüdiger Nehberg kämpft für Frauen<br />
Neu: Das Heft im Heft<br />
Wir – Menschen im Wandel<br />
VOLL TRANSPARENT, VOLL ENGAGIERT:<br />
Sustainable Entrepreneurship in Deutschland<br />
Das Entscheider-Magazin<br />
Das Entscheider-Magazin<br />
Das Entscheider-Magazin<br />
Nachhaltig Wirtschaften<br />
Medien <strong>und</strong> <strong>Nachhaltigkeit</strong><br />
Dürfen Journalisten<br />
Aktivisten sein?<br />
Todesursache:<br />
Geplanter Verschleiß<br />
Sozial-Finanzierung<br />
Wie Social Impact Bonds<br />
die Staatskasse schonen<br />
SMARTE PRODUKTE Autoreifen aus Löwenzahn,<br />
Fahrräder aus Bambus, Kaffeemaschinen aus alten CDs:<br />
Wenn Entwickler in Kreisläufen denken.<br />
Das Entscheider-Magazin<br />
Foto: © Vincent Callebaut Architectures<br />
EUR 7,50 (D) | EUR 8,- (A) | CHF 12,50 | www.forum-csr.net
Die Zukunft<br />
selbst in die Hand nehmen<br />
Albert Einstein sagte „Mehr als die Vergangenheit interessiert mich die Zukunft, denn in<br />
ihr gedenke ich zu leben.“<br />
Getreu diesem Motto hat Robert Jungk, dem dieses Buch gewidmet ist, mehrere Generationen<br />
<strong>und</strong> unzählige Pioniere entscheidend inspiriert. Er <strong>und</strong> seine Wegbegleiter haben<br />
in vielen Bereichen dazu beigetragen, dass wir heute so leben können, wie sie es damals<br />
initiiert haben. Vom Ausstieg aus der Atomenergie über Biolandwirtschaft, Solarenergie<br />
bis zu Partizipation, nachhaltiger Entwicklung <strong>und</strong> demokratischer Gestaltung. Geist <strong>und</strong><br />
Ideen Jungks sind heute aktueller als je zuvor.<br />
Nie zuvor hatten wir so viele Möglichkeiten, „Zukünfte“ zu gestalten.<br />
Rolf Kreibich, Fritz Lietsch (Hrsg.)<br />
Zukunft gewinnen!<br />
Die sanfte (R)evolution für das 21. Jahrh<strong>und</strong>ert – inspiriert vom Visionär Robert Jungk<br />
Zukunft gewinnen!<br />
Die sanfte (R)evolution für das 21. Jahrh<strong>und</strong>ert<br />
– inspiriert vom Visionär Robert Jungk<br />
1. Auflage<br />
Altop-Verlag 2015<br />
260 Seiten, zahlreiche Abbildungen<br />
EUR 24,80<br />
ISBN 978-3-925646-65-2<br />
Mit Beiträgen u.a. von Franz Alt; Maximilian Gege; Mathias Greffrath; Bärbel Höhn;<br />
Peter Stephan Jungk; Rolf Kreibich; Fritz Lietsch; Horst W. Opaschowski; Franz<br />
Josef Radermacher; Ortwin Renn; Angelica Schwall-Düren; Ernst-Ulrich von<br />
Weizsäcker; Sarah Wiener; Ulrike von Wiesenau<br />
Bestellen Sie im Buchhandel oder direkt<br />
unter www.forum-csr.net/Zukunft_gewinnen<br />
oder telefonisch unter 089 / 74 66 11 - 0
204<br />
FIRMENPORTRAITS
Prinzessin Laurentien beruft<br />
den „Rat der Kinder“<br />
EUR 7,50 (D) | EUR 8,- (A) | CHF 12,50 | 4. Quartal 2017<br />
04<br />
Ibrahim Abouleish – einer der<br />
größten Sozialpioniere<br />
EUR 7,50 (D) | EUR 8,- (A) | CHF 12,50 | 3. Quartal 2017<br />
ISSN 1865-4266<br />
03<br />
EUR 7,50 (D) | EUR 8,- (A) | CHF 12,50 | 2. Quartal 2017<br />
ISSN 1865-4266<br />
02<br />
Engagement für <strong>Nachhaltigkeit</strong><br />
wird belohnt <strong>und</strong> bejubelt<br />
Stefan Schulze-Hausmann<br />
Initiator des Deutschen <strong>Nachhaltigkeit</strong>spreises<br />
EUR 7,50 (D) | EUR 8,- (A) | CHF 12,50 | 1. Quartal 2017<br />
ISSN 1865-4266<br />
01<br />
Immer gut beraten<br />
Mit diesen Büchern haben Sie das notwendige Rüstzeug um Zukun zu gestalten.<br />
Im Leben <strong>und</strong> im Berufs alltag können Bücher wertvolle Ratgeber für Ihr Handeln<br />
sein. Lassen Sie sich deshalb inspirerend von unserem breiten Spektrum<br />
an Fachbüchern die alle ein Ziel verfolgen. Sie möchten Anregung sein, wie Sie<br />
Herausforderungen meistern <strong>und</strong> zu den Besten gehören.<br />
Rolf Kreibich, Fritz Lietsch (Hrsg.)<br />
Zukunft gewinnen!<br />
Die sanfte (R)evolution für das 21. Jahrh<strong>und</strong>ert – inspiriert vom Visionär Robert Jungk<br />
Mit Beiträgen u.a. von Franz Alt; Maximilian Gege; Mathias Greffrath; Bärbel Höhn;<br />
Peter Stephan Jungk; Rolf Kreibich; Fritz Lietsch; Horst W. Opaschowski; Franz<br />
Josef Radermacher; Ortwin Renn; Angelica Schwall-Düren; Ernst-Ulrich von<br />
Weizsäcker; Sarah Wiener; Ulrike von Wiesenau<br />
7 Tage CSR vom Kleinsten<br />
1. Auflage, ALTOP Verlag <strong>2016</strong>,<br />
80 Seiten, EUR 9,80<br />
ISBN 978-3-925646-68-3<br />
Die Kraft des Mitgefühls<br />
Leadership im Geist des Franz von Assisi<br />
Brigitte van Baren, 1. Auflage, Altop-Verlag<br />
2017, 182 Seiten, EUR 24,80<br />
ISBN 9783925646690<br />
Zukunft gewinnen!<br />
Die sanfte (R)evolution für das<br />
21. Jahrh<strong>und</strong>ert – inspiriert vom<br />
Visionär Robert Jungk<br />
1. Auflage, Altop-Verlag 2015,<br />
260 Seiten, zahlreiche Abbildungen,<br />
EUR 24,80<br />
ISBN 978-3-925646-65-2<br />
ker.<br />
ng<br />
n<br />
r<br />
rbsbewerten.<br />
Der CSR-Manager<br />
Dr. Dennis Lotter / Jerome Braun<br />
Der CSR-Manager<br />
Unternehmensverantwortung in der Praxis<br />
Dr. Dennis Lotter:<br />
Managing Partner der Benefit Identity GmbH<br />
<strong>und</strong> Studiengangleiter Master of Arts Sustainable<br />
Marketing & Leadership an der Hochschule<br />
Fresenius in Idstein. Der diplomierte Betriebswirt<br />
promovierte auf dem Themengebiet der<br />
verantwortlichen Unternehmensführung von<br />
Familienunternehmen <strong>und</strong> ist Experte für CSR<br />
<strong>und</strong> nachhaltige Markenführung.<br />
Jerome Braun:<br />
Geschäftsführer der Benefit Identity GmbH.<br />
Der diplomierte Betriebswirt <strong>und</strong> PR-Berater<br />
übernimmt seit vielen Jahren auch das ganzheitliche<br />
Management von Stiftungen <strong>und</strong> ist<br />
Experte für CSR <strong>und</strong> nachhaltige Markenkommunikation.<br />
Benefit Identity GmbH:<br />
Die Agentur für Markenintegrität <strong>und</strong> CSR<br />
unterstützt ihre K<strong>und</strong>en dabei das Profil als<br />
<strong>glaubwürdig</strong>e <strong>und</strong> vertrauensvolle Marke sowie<br />
als attraktiver Arbeitgeber zu stärken <strong>und</strong> vertrauensvolle<br />
Beziehungen zu den Interessensgruppen<br />
aufzubauen.<br />
Digitalisierung <strong>und</strong><br />
<strong>Nachhaltigkeit</strong><br />
B.A.U.M. e. V.<br />
<strong>Jahrbuch</strong><br />
2017<br />
3. überarbeitete Auflage<br />
978-3-925646-53-9<br />
Dr. Dennis Lotter<br />
<strong>und</strong> Jerome Braun<br />
www.benefitidentity.com<br />
Der CSR-Manager<br />
Unternehmensverantwortung in der Praxis<br />
3. überarbeitete Auflage, 236 Seiten, EUR 24,80<br />
B.A.U.M.-<strong>Jahrbuch</strong> 2017<br />
Digitalisierung <strong>und</strong> <strong>Nachhaltigkeit</strong><br />
228 Seiten, EUR 19,90<br />
ISBN 978-3-925646-67-6<br />
forum Nachhalg Wirtschaen – das Entscheider-Magazin für zukunftsfähige Unternehmen<br />
Jahresabonnement: 30,- EUR (Inland)<br />
04/2017<br />
ForumISSN 1865-4266<br />
Nachhaltig Wirtschaften<br />
Das Entscheider-Magazin<br />
Forum<br />
03/2017<br />
Nachhaltig Wirtschaften<br />
Das Entscheider-Magazin<br />
Forum<br />
02/2017<br />
Nachhaltig Wirtschaften<br />
Das Entscheider-Magazin<br />
Forum<br />
01/2017<br />
Nachhaltig Wirtschaften<br />
Das Entscheider-Magazin<br />
Kinder an die Macht<br />
Das W<strong>und</strong>er in der Wüste<br />
ÜberLebensmittel<br />
Bananen retten deutsche Dörfer<br />
Thomas D <strong>und</strong> Fanta4<br />
Verwüsten wir die Erde?<br />
Unser Lebensraum wird kleiner!<br />
Tierische Geschäfte<br />
Schutz durch Schießen?<br />
Design Thinking<br />
Revolution der Produktentwicklung?<br />
And the winner is …<br />
Awards <strong>und</strong> Auszeichnungen<br />
Blick zurück im Zorn<br />
25 Jahre nach Rio – eine Bilanz<br />
Entrepreneurship<br />
Aus dem Knast in den Chefsessel<br />
Blockchain<br />
Der virtuelle Quantensprung<br />
Politik mit Messer <strong>und</strong> Gabel<br />
Renate Künast zeigt die Zukunft<br />
Gutes Gewissen beim Reisen<br />
Nachhaltige Entwicklung durch Tourismus?<br />
Stadtbegrünung<br />
Grüne Lungen statt graue Straßen<br />
Mikrofinanz<br />
Ist sie noch nachhaltig?<br />
Von der Macht zum Mitgefühl<br />
Führungskultur im 21. Jahrh<strong>und</strong>ert<br />
Die Neuvermessung der Welt<br />
SGD – Ziele <strong>und</strong> Chancen für die Wirtschaft<br />
Weltzukunftsrat<br />
Die Stimme für unsere Kinder<br />
forum junior<br />
Eine Million Bäume pflanzen<br />
Nie wieder Krieg<br />
Ein Appell von Michail Gorbatschow<br />
Die Revolution der Mobilität<br />
Elektrisch, selbstfahrend, vernetzt, intermodal<br />
4 197564 507505<br />
Regionalität<br />
Die Vermarktung der Heimat<br />
4 197564 507505<br />
4 197564 507505<br />
Nutzen Sie die Chancen<br />
Digitalisierung <strong>und</strong> <strong>Nachhaltigkeit</strong><br />
4 197564 507505<br />
ALTOP Verlagsgesellschaft mbH | Gotzinger Straße 48 | D-81371 München | www.altop.de | info@altop.de
B<strong>und</strong>esdeutscher Arbeitskreis für Umweltbewusstes Management (B.A.U.M.) e. V.<br />
Osterstraße 58<br />
20259 Hamburg<br />
Tel. +49 (0)40 / 49 07 11 00<br />
Fax +49 (0)40 / 49 07 11 99<br />
info@baumev.de<br />
B.A.U.M.-Regionalbüro Hannover<br />
Asternstraße 16<br />
30167 Hannover<br />
Dieter Brübach<br />
Tel. +49 (0)511 / 1 65 00 21<br />
Fax +49 (0)511 / 7 10 05 83<br />
dieter.bruebach@baumev.de<br />
B.A.U.M.-Regionalbüro Reutlingen<br />
Helenenweg 7<br />
72764 Reutlingen<br />
Dr. Detlef Schreiber<br />
Tel. +49 (0)7121 / 2 05 56 24<br />
Fax +49 (0)7121 / 21 01 82<br />
detlef.schreiber@baumev.de<br />
B.A.U.M.-Regionalbüro Hamm<br />
Sachsenweg 9<br />
59073 Hamm<br />
Johannes Auge<br />
Tel. +49 (0)2381 / 30 72 11 70<br />
Fax +49 (0)2381 / 30 72 11 65<br />
j.auge@baumgroup.de<br />
B.A.U.M.-Regionalbüro Deutschland-Mitte<br />
Schleusinger Straße 33<br />
98527 Suhl<br />
Heiko Rittweger<br />
Tel. +49 (0)3681 / 80 33 - 0<br />
Fax +49 (0)3681 / 80 33 - 22<br />
heiko-rittweger@rittweger-team.de
19,90 EUR ISBN 978-3-925646-66-9 | ISSN 0949-6661