Berliner Kurier 04.03.2019

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SPORT 23

Hoeneß-Plan

Torwart-TitanKahn

will den besten Job

im deutschen Fußball

Zwei Tore noch!

Bayern ist der

BVB-Alptraum

Dortmunds Vorsprung von einst neun Punkten fast verspielt

München/Dortmund – Uli

Hoeneß rieb sich zufrieden

die Hände und verließ die

Arena mit einem glücklichen

Lächeln im Gesicht. „So, geh'

ma“, rief der Präsident von

Bayern München nach dem

eindrucksvollen 5:1 (2:1) bei

Borussia Mönchengladbach

und gab damit die Richtung

vor: Nachdem der Rekordmeister

jetzt punktgleich mit

Tabellenführer Borussia

Dortmund ist, will er sich auf

dem Weg zum 29. Meistertitel

von nichts und niemandem

mehr aufhalten lassen.

Glückwünsche zur Meisterschaft

„nehmen wir aber noch

nicht an“, versicherte Vorstandschef

Karl-Heinz Rummenigge,

weil „wir noch nicht

Tabellenführer sind und es

noch zehn Spieltage gibt“. Der

Rekordmeister tue „gut daran,

für den Moment zufrieden zu

sein und am Sonnabend gegen

Wolfsburg nachzulegen“. Thomas

Müller gab immerhin zu,

„dass das Momentum jetzt auf

unserer Seite ist“ – und er

sprach genüsslich von einem

„Top-Spieltag für uns“.

Mitte Dezember noch hatten

die Bayern neun Punkte Rückstand

auf den BVB gehabt, jetzt

trennen sie gerade einmal zwei

Tore von den schwächelnden

Dortmundern. Die Borussia

hatte sich ein 1:2 in Augsburg

geleistet.„Die Situation war wie

gemalt für uns“, meinte Müller,

und Rummenigge stellte fest:

„Bayern München ist auch dafür

bekannt, dass, wenn man

uns einen Steilpass gibt, wir

den auch aufnehmen.“

Verwandeln wollen die Bayern

diesen Pass nun spätestens

im direkten Duell mit dem BVB

am 6. April in München und die

Fronten klären. Hoeneß hatte

den Dortmundern bereits die

„Hölle“ versprochen –Rummenigge

kommentierte diese Aussage

des Präsidenten mit einem

süffisanten Lächeln.

„Uli hat da eine martialische

Ausdrucksweise benutzt“, sagt

der 63-Jährige: „Wir tun ganz

gut daran, jetzt keine große

Klappe zu haben. Dortmund

hat uns, als wir die Krise hatten,

auch nicht gereizt oder gar kritisiert.“

Die Bayern müssen auch nicht

die Klappe aufreißen. Das tun

sie in Dortmund vor dem

Champions-League-Rückspiel

morgen gegen Tottenham eh

schon selbst laut genug. Matthias

Sammer, normalerweise

eher hinter den Kulissen Flüsterer

der Bosse, war im TV-Studio

laut geworden. Für ihn ist

der Moment da, die Defizite zu

thematisieren: „Wenn du nicht

irgendwann an den Punkt

kommst, wo du sagst: Jetzt ist

klar, das ist es –und jetzt alle

zusammenreißen –dann ist es

wie schleichendes Gift. Und das

ist immer gefährlich.“

München – Oliver Kahn steht

beim FC Bayern München in

den Startlöchern für eine

zweite Karriere. Nach ersten

Gesprächen mit Präsident Uli

Hoeneß forcieren alle Beteiligten

die Pläne für eine

Rückkehr des 49-Jährigen als

Nachfolger des Vorstandsvorsitzenden

Karl-Heinz

Rummenigge (63).

Foto: dpa

„So, wie das im Moment ausschaut,

geht das in die richtige

Richtung. Und jetzt muss man

halt schauen, wenn es konkreter

wird“, sagt Kahn. Das gilt

auch für Hoeneß (67), der das

Projekt Kahn im Aufsichtsrat,

der den Vorstand

beruft, gemeinsam

mit seinem Stellvertreter

und Ex-Adidas-Chef

Herbert

Hainer vorantreibt.

Und auch Rummenigge

scheint mit Hoeneß’

Wunschkandidaten

für seine Nachfolge sehr einverstanden.

„Ich traue Olli das

zu. Er war ein großer Spieler,

hat Ahnung vom Fußball und

hat sich auf seinem zweiten Bildungsweg

mit Finanzen und

der Wirtschaft seriös auseinandergesetzt.

Warum sollte er das

nicht schaffen?“, sagt Rummenigge,

seit 2002 als Vorstandschef

im Amt.

Überstürzen will aber insbesondere

Kahn nichts. „Ich glaube,

es ist sinnvoll, das langsam

anzugehen. Ich habe dem Verein

eine Menge zu verdanken.

Es ist nicht so eine einfache

Kopfentscheidung, sondern das

ist auch eine emotionale Entscheidung“,

betont Kahn.

Für Rummenigge ist „Vorstandsvorsitzender

bei Bayern

München zu werden das Beste,

was dir im deutschen Profifußball

passieren kann“. Auf

Wunsch von Hoeneß hatte der

63-Jährige seinen Ende dieses

Jahres auslaufenden Vertrag

noch einmal bis Ende 2021 verlängert.

Das würde Kahn eine

„Übergangszeit“ verschaffen,

die nicht nur er für sinnvoll und

unbedingt erforderlich hält.

Hoeneß hatte eine Probezeit

des designierten Rummenigge-

Nachfolgers angeregt. „Oliver

würde ein Jahr normales Vorstandsmitglied.

Da hat man

Zeit, sich zu beschnuppern.“

Die Probezeit könnte im

Januar 2020 beginnen.

Kahn würde das begrüßen,

auch weil er

anderweitig als Unternehmer

tätig ist.

Mit seiner jüngsten

Firma „Goalplay“

will er führender Anbieter

für Torwartprodukte

werden. Zudem arbeitet

er als Experte im TV. „Da

kann ich nicht Hals über Kopf

morgen sagen: ,So, hier bin ich

weg und fange jetzt beim FC

Bayern an‘“, sagt Kahn.

Bei Rummenigge würde er

gerne in die Lehre gehen. „Es

ist auch absolut für mich super,

dass Karl-Heinz noch mal verlängert

hat. Es gibt ja nichts

Besseres, als wenn man Stück

für Stück in so einen Verein hineinwächst

und von jemandem

lernen kann, der diese Aufgabe

viele Jahre macht.“ Rummenigge

begrüßt Kahns Sichtweise.

„Er muss schon eine gewisse

Zeit da gewesen sein, bevor ich

den Staffelstab übergebe“, sagte

der noch nicht amtsmüde Boss.

Karl-Heinz Rummenigge (l.) steht beim FC Bayern noch in der ersten Reihe,

Oliver Kahn hält sich lieber im Hintergrund.

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