BKKiNFORM 1.0 2019

ruvbkk

Kundenmagazin der R+V Betriebskrankenkasse

AUSGABE 01 2019

TITEL THEMA

Warum Zuversicht in Zeiten

des Wandels so wichtig ist

SERVICE LEISTUNGEN

Gesundheitsreisen mit Zuschuss:

Der neue AKON-Katalog ist da

GESUNDES WISSEN

Putzen Sie schon elektrisch?

Drei Zahnbürsten im Test

1


BKKiNFORM 01 2019

KURZ NOTIERT

IMPRESSUM & HINWEISE

04 Musik hören gegen den Tinnitus // Stabiler

Beitragssatz und Rückkehr zur Parität

Herausgeber

R+V Betriebskrankenkasse

65215 Wiesbaden

Tel. 0611 99909-0

Fax 0611 99909-119

NEUESTE NACHRICHTEN

Redaktion

Christian Fauth (V.i.S.d.P.),

R+V BKK

05 Kinderheldin erweitert tägliche Erreichbarkeit //

Neuer Vertrag zur Zweithaarversorgung //

Rauchfrei? Wir unterstützen Sie online!

Mitarbeit an dieser Ausgabe

Michaela Ansems

Artdirection & Layout

Karina Wilinski, R+V BKK

05

SERVICE LEISTUNGEN

06 Bis zu 120 Euro Zuschuss zu Osteopathie-Behandlungen

// Spielend besser Sehen lernen // AKON-

Gesundheitsreisen 2019

Fotoquellen

siehe einzelne Seiten

Bonolino

Klaus Wilinski (Illustrationen),

Tanja Zeitz (Text)

Korrektorat

b.st text, Berlin, www.best-text.de

Tel. 030 69 00 13 13

TITEL THEMA

08 Warum Zuversicht heute so wichtig ist – ZEIT-

Redakteur Ulrich Schnabel im Gespräch

Druck & Vertrieb

KKF-Verlag, Martin-Moser-

Straße 23, 84503 Altötting

Tel. 08671 5065-10

Auflage

98.500

08

15

GESUNDES WISSEN

15 Dress(ing)-Code für den Frühling // Putzen Sie

schon elektrisch? Unser Zahnbürsten-Check //

Gesunde Kinder in gesunden Familien

BUNT GEMISCHT

21 Bonolino und der Grüne Mann // Lesetipps zum

Frühlingsstart // Mafia schlägt Hawking – unsere

Buchgewinner

Erscheinungsweise

4-mal jährlich

Redaktionsschluss

28. Februar 2019

Bezugsquelle

R+V Betriebskrankenkasse

Die Angaben auf diesen Seiten

beschreiben eine Auswahl

unseres Leistungsangebotes.

Diese Auswahl erhebt keinen

Anspruch auf Vollständigkeit.

Bitte beachten Sie, dass nur der

gesetzliche Leistungskatalog

und unsere Satzung die R+V

BKK rechtlich binden. Wir

beraten und informieren Sie

gern ausführlich. Hinweis: Keine

Reproduktion des Inhalts ohne

schriftliche Genehmigung des

Herausgebers. Für unverlangt

eingesandte Manuskripte, Fotos

etc. übernimmt der Herausgeber

keine Haftung. Wir behalten uns

das Recht vor, Leserbeiträge

auszugsweise bzw. in gekürzter

Fassung zu veröffentlichen. Das

Magazin dient der BKK dazu, ihre

gesetzlichen Verpflichtungen

zur Aufklärung der Versicherten

über deren Rechte und Pflichten

in der Sozialversicherung zu

erfüllen. Rechtsverbindlich für

sozialrechtliche Themen sind

Gesetz und Satzung.

Fotos : Titel – Victor zastol‘skiyl/stock.adobe.com; Seite 2: ziablik; esthermm; Kaspars Grinvals/stock.adobe.com


BKKiNFORM 01 2019

VORWORT

Liebe Leserinnen,

liebe Leser,

wie erleben Sie die aktuelle Lage – in Deutschland, Europa,

weltweit? Manchmal habe ich den Eindruck, dass es in den

Medien nur noch schlechte Nachrichten gibt: Handelskrieg,

politisches Säbelrasseln zwischen den führenden Weltmächten,

ein erneut drohendes Wettrüsten, der Brexit und seine negativen

Folgen für die Wirtschaft, Menschen, die unter Krieg, Vertreibung

und Hunger leiden, der Klimawandel und die drohende

Zerstörung unserer Lebensgrundlage.

Das alles macht es schwer, zuversichtlich in die Zukunft zu

schauen. Dabei ist Zuversicht unverzichtbar, wenn es darum

geht, die Zukunft positiv zu gestalten und die eigenen Lebensgeister

vor der zersetzenden Kraft der Negativschlagzeilen zu

schützen. Der Zeit-Journalist und bekannte Buchautor Ulrich

Schnabel hat sich intensiv mit der Bedeutung der Zuversicht

in schwierigen Lebenssituationen und gesellschaftlichen

Krisenzeiten beschäftigt. Zu welchen Schlüssen er gekommen

ist, erfahren Sie in unserem Interview über sein neues Buch

„Zuversicht“.

Außerdem bieten wir Ihnen in unserer ersten Ausgabe in diesem

Jahr eine ganze Reihe an praktischen Informationen und Tipps

rund um die Gesundheit. So haben Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter

der R+V BKK elektrische Zahnbürsten für Sie getestet.

Ihre Erfahrungen und die Gründe, warum Zähneputzen mit einer

elektrischen ein besseres Ergebnis liefert als mit einer Handzahnbürste,

können Sie ebenso auf den folgenden Seiten nachlesen

wie unsere neuen Versorgungsverträge für Tinnitus-

Betroffene und Kinder, die unter der Sehschwäche Amblyopie

leiden.

Und wie stets zu Jahresbeginn können Sie bei uns den neuen

AKON Gesundheitsreisenkatalog 2019 bestellen. Dieses Mal

haben wir uns eine Besonderheit ausgedacht. Denn wenn Sie bei

unserem Fotowettbewerb mitmachen, können Sie eine Gesundheitsreise

für zwei Personen oder einen von neun Amazon-Gutscheinen

im Wert von 30 Euro gewinnen. Sie sehen, reinlesen

lohnt sich.

Genießen Sie die Frühlingssonne und nutzen Sie die wärmeren

Temperaturen, um nach den dunklen Wintermonaten Ihren Vitamin-D-Speicher

wiederaufzufüllen. Das stärkt nicht nur die Abwehrkräfte,

sondern hebt auch die Stimmung. Und das können

wir alle, denke ich, gut gebrauchen.

Herzlichst Ihre

Foto: © Frank-Lothar Lange

Iris Schmalfuß

Vorständin der R+V BKK

03


KURZ NOTIERT BKKiNFORM 01 2019

Musik hören gegen den Tinnitus

„Bitte endlich Ruhe!“ – das wünschen

sich viele Menschen, die an

chronischem Tinnitus erkrankt

sind. Ihre Zahl wird in Deutschland

auf drei Millionen geschätzt.

Jedes Jahr kommen etwa 300.000

hinzu. Betroffene Versicherte

der R+V BKK können jetzt eine

Behandlung mittels der digitalen

App „Tinnitracks“ im Rahmen eines

Versorgungsvertrages nutzen.

Auf der Basis der Erkenntnisse über

die Neuroplastizität des Gehirns

wurden neue Therapieansätze

entwickelt, die direkt auf die

Ursache des Tinnitus im Gehirn

zielen. Ein solcher Therapieansatz

ist die Behandlung des Tinnitus

durch das Hören von speziell

frequenzgefilterter Musik, auch

Tinnitracks Neuro-Therapie genannt.

Tinnitracks

ist ein

zertifiziertes

Medizinprodukt,

das

Betroffenen

Zugang zu einer

selbstbestimmten

Tinnitus-Therapie ermöglicht – wann

immer und wo immer sie wollen.

Geeignet ist die App für Menschen,

die an chronischem subjektivem

Tinnitus mit einer stabilen Frequenz

leiden.

Um die Tinnitracks-App nutzen zu

können, sind lediglich ein Smartphone

mit Internetzugang (ab Android

4.0 / iOS 7.0), ein Kopfhörer

mit linearem Frequenzgang und

die eigene Musiksammlung erforderlich.

Die App filtert automatisch

die individuelle Tinnitus-Frequenz,

die ein HNO-Arzt zuvor bestimmt

hat, aus der Musik heraus. Hört der

Betroffene diese speziell gefilterten

Songs 90 Minuten täglich über ein

Jahr lang, kann sich die Lautstärke

des belastenden Ohrengeräusches

deutlich verringern. Zu den Leistungen

der Tinnitracks-Therapie,

die R+V BKK Versicherten kostenlos

zur Verfügung steht, gehören:

eine HNO-ärztliche Eingangsund

Abschlussuntersuchung,

eine Tinnitracks-Jahreslizenz,

die präzise Frequenzbestimmung

Ihres Tinnitus

und regelmäßige Kontrolltermine

zur Überprüfung

der Tinnitus-Frequenz durch

einen teilnehmenden HNO-

Arzt.

Die Anmeldung zur Tinnitracks-

Therapie ist bei Hals-Nasen-Ohren-

Ärzten möglich, die an dem Versorgungsvertrag

teilnehmen.

Eine Liste dieser Ärzte finden Sie

unter www.tinnitracks.com/de/

professionals.

Weitere Informationen zu Tinnitracks

erhalten Sie im Internet

unter www.tinnitracks.com/

de/ruvbkk oder rufen Sie uns

unter 0800 255 7880 gebührenfrei

an.

Stabiler Beitragssatz und Rückkehr zur Parität

04

7,75% 7,75%

Arbeitgeberanteil/Rentenversicherung

Arbeitnehmeranteil/Rentner

Der Verwaltungsrat der R+V BKK hat

in seiner Sitzung am 11. Dezember

2018 beschlossen, den Beitragssatz

ab dem 1. Januar 2019 dank einer

guten Finanzlage unverändert bei

15,5 Prozent zu belassen. Die Entscheidung

berücksichtigt, dass die

Ausgaben in der Gesundheitsversorgung

auch in Zukunft weiter zunehmen

werden. Gründe hierfür sind

unter anderem die steigende Lebenserwartung

und die damit ebenfalls

steigende Inanspruchnahme

von Leistungen sowie neue, kostenintensive

Behandlungsmethoden, die

dank des medizinisch-technischen

Fortschritts möglich werden.

Auch wenn sich unser Beitragssatz

nicht ändert, ist der monatliche

Beitrag zur Krankenversicherung

um 0,45 Prozentpunkte gesunken.

Denn seit Beginn des neuen Jahres

gilt mit Inkrafttreten des GKV-Versichertenentlastungsgesetzes

(GKV-

VEG) wieder die Beitragssatzparität:

Arbeitnehmer und Arbeitgeber bzw.

Rentner und Rentenversicherung

teilen sich den Beitrag je zur Hälfte.

Damit sank der Anteil für Arbeitnehmer

und Rentner zum Jahreswechsel

von 8,2 Prozent auf 7,75

Prozent.

Foto: ©Axel Kock; Henrie; akr11_f/stock.adobecom


BKKiNFORM 01 2019

NEUESTE NACHRICHTEN

Kinderheldin erweitert tägliche Erreichbarkeit

Kinderheldin, unser Kooperationspartner

für die medizinische Beratung

per Online-Chat oder Telefon

rund um Schwangerschaft, Geburt,

Wochenbett und das erste Lebensjahr

Ihres Kindes, hat ihre Erreichbarkeitszeiten

ausgedehnt. Ab sofort

stehen ratsuchenden Eltern die

acht staatlich geprüften Hebammen

durchgehend von 7–22 Uhr, auch an

Wochenenden und Feiertagen, zur

Verfügung. Das Beratungsangebot

von Kinderheldin können Sie in

Anspruch nehmen, indem Sie über

unsere Homepage www.ruv-bkk.de

einen kostenfreien Gutscheincode

für ein einmonatiges Beratungspaket

anfordern. Geben Sie einfach auf der

Startseite in der Suchfunktion den

Begriff „Kinderheldin“ ein. Möchten

Sie den Service auch danach noch

nutzen, können Sie auf demselben

Weg erneut einen Gutscheincode

anfordern. Weitere Informationen zu

Kinderheldin sowie vielen Themen

rund um Schwangerschaft, Geburt

und die ersten Lebensmonate Ihres

Kindes finden Sie im Internet unter

www.kinderheldin.de.

Neuer Vertrag zur Zweithaarversorgung

Im Dezember 2018 haben wir

einen neuen Vertrag mit dem

Bundesverband der Zweithaarspezialisten

geschlossen. Der

Vertrag regelt die Versorgung

für Frauen und Kinder, die

krankheitsbedingt unter Haarausfall

leiden. Sie finden den

Vertragspartner in Ihrer Nähe

auf unserer Homepage unter:

Leistungen, Leistungen A-Z,

Hilfsmittel, Vertragspartnersuche.

Hier geben Sie bitte Ihre Postleitzahl

an und klicken im Feld Hilfsmittelbereich

in der Wörterliste

auf „Haarersatz“.

Sollten Sie keinen Vertragspartner

in Ihrer Nähe finden, rufen

Sie uns bitte an. Sie erreichen

uns gebührenfrei über unser

Kundentelefon 0800 255 7880.

Rauchfrei? Wir unterstützen Sie online!

Die meisten Raucher haben es

schon mindestens ein Mal versucht:

aufzuhören mit dem Rauchen.

Die Erfolgsaussichten, zu einem

rauchfreien Leben zurückzukehren,

sind mit professioneller Unterstützung

deutlich besser. Mit

den NichtraucherHelden haben

wir einen Kooperationspartner,

der diese Unterstützung sogar

online anbietet. Zur Auswahl

stehen zwei Kursvarianten: das

zehntägige Basic-Programm

sowie das Plus-Programm (10

Tage + 3 Monate). Die Anmeldung

und weitere Informationen finden

Sie auf unserer Homepage www.

ruv-bkk.de unter dem Suchbegriff:

NichtraucherHelden. Wir bezuschussen

beide Kursvarianten bei

regelmäßiger Teilnahme jeweils in

Höhe von 80 Prozent der Kursgebühr,

maximal 80 Euro. Näheres zu

unseren Präventionsleistungen

erfahren Sie gebührenfrei unter

0800 255 7880.

Foto: © Ramona Heim; vladimirflyod; Brian Jackson /stock.adobecom

Unser Service für Sie: Erreichbarkeit per Telefon und Internet

Kundentelefon:

Unabhängige Patientenberatung:

0800 255 7880 (gebührenfrei) Deutsch 0800 011 7722 (gebührenfrei)

Mo. bis Fr. 8 –22 Uhr, Sa. 8 –18 Uhr

Arzt-Terminservice:

Türkisch 0800 011 7723 (gebührenfrei)

0800 426 5446 (gebührenfrei)

Mo. bis Sa. 8 –18 Uhr

Beschwerdetelefon:

Russisch 0800 011 7724 (gebührenfrei)

0800 255 7880 (gebührenfrei) Mo. bis Sa. 8 –18 Uhr

Arabisch 0800 33 22 12 25 (gebührenfrei)

Di. 11 –13 Uhr, Do. 17–19 Uhr

www.ruv-bkk.de

info@ruv-bkk.de

www.facebook.com/ruvbkk

AUSKUNFT

Online-Mitgliedschaft:

https://mitgliedschaft.ruv-bkk.de

05


NEUESTE NACHRICHTEN BKKiNFORM 01 2019

Bis zu 120 Euro Zuschuss zu Osteopathie-Behandlungen

Ein verspannter Nacken, schmerzende

Schultern, Probleme mit den

Bandscheiben –

Muskel-Skelett-

Erkrankungen

gehören zu

den häufigsten

Volkskrankheiten.

Die aus den USA

stammende manuelle

Heilmethode

der Osteopathie löst körperliche Funktionsstörungen

und Blockaden mithilfe der Hände auf und mobilisiert

gleichzeitig die Selbstheilungskräfte.

Insgesamt erstatten wir unseren Versicherten nach

Vorlage der Originalrechnung sowie der ärztlichen

Verordnung im Jahr bis zu

drei Osteopathie-

Behandlungen

und maximal

40 Euro je Behandlung Voraussetzung

für die Erstattung ist,

dass die Behandlung von einem

Osteopathen durchgeführt wird, der Mitglied eines Berufsverbandes

der Osteopathen ist, wie z. B. dem Verband der

Osteopathen Deutschland e.V. oder dem Bundesverband

Osteopathie e. V., oder über eine Ausbildung verfügt, die

zum Beitritt in einen Berufsverband berechtigt.

Spielend besser Sehen lernen

Für Kinder im Alter von 6 bis 11 Jahren, die an der Sehschwäche

Amblyopie leiden, haben wir mit dem Medizintechnikhersteller

Caterna Vision GmbH aus Potsdam

den Versorgungsvertrag „Spielend besser sehen!“

abgeschlossen. Der Vertrag ermöglicht eine ergänzende,

zu Hause durchführbare Unterstützung zur Okklusionstherapie

– dem Abkleben des starken Auges mit

einem Augenpflaster –, um das Sehvermögen weiter zu

verbessern.

unter https://caterna.de/aerzteuebersicht im Internet.

An einer Teilnahme interessierte Eltern und Ärzte

können sich dort ausführlich informieren.

06

Die Amblyopie geht auf eine unzureichende Entwicklung

des Sehsystems in der frühen Kindheit zurück, die

eine Verminderung der Sehschärfe zumeist nur eines

Auges zur Folge hat, ohne das eine organische Ursache

vorliegt. Eine Brille oder Kontaktlinsen können

die Sehschwäche nur unzureichend korrigieren. Als

Standardbehandlung wenden Augenärzte die Okklusion

an, die allerdings in rund einem Drittel der Fälle nicht

zu einer Verbesserung der Sehschärfe führt. Vor allem

bei diesen Kindern kann die webbasierte Sehschulung

von „Spielend besser sehen!“ die Chancen auf Heilung

deutlich verbessern. Dabei nutzt die spielerisch angelegte

Stimulationstherapie die Attraktivität von Computerspielen:

Die kleinen Patienten sollen Spaß daran

haben, ihr Sehvermögen durch einfache und spannende

Übungen zu steigern.

Nach einer Untersuchung, Beratung und Einweisung in

einer am Versorgungsvertrag teilnehmenden Augenarztpraxis

spielen die Kinder zu Hause 90 Tage lang

jeweils ca. 30–45 Minuten mit einem auf sie individuell

zugeschnittenen Computerprogramm. Im Vordergrund

läuft dabei ein Spiel ab, das die Kinder an den Bildschirm

fesselt. Im Hintergrund erscheint ein spezielles

Wellenmuster, das das Gehirn dazu anregt, die Bilder

des schwachen Auges wieder zu verarbeiten.

Die Sehschule muss von einem am Versorgungsvertrag

teilnehmenden Augenarzt verschrieben werden.

Eine Übersicht der teilnehmenden Ärzte finden Sie

Foto: ©Waldemar Hölzer; Andrey Kuzmin/stock.adobecom; Montage: R+V BKK


BKKiNFORM 01 2019

SERVICE LEISTUNGEN

Die AKON-Gesundheitsreisen 2019

Machen Sie mit

bei unserem

Fotowettbewerb!

Einsendeschluss:

31. August 2019

Foto: © Andrey Armyagov/stock.adobecom; AKON-Reisen

Ob Entspannung, gesunde Ernährung

oder Rückentraining –

der neue Gesundheitsreisenkatalog

unseres Kooperationspartners

AKON hat für jeden,

vom Single bis zur Familie, das

passende Angebot.

Die AKON-Reisen bieten neben einem

hohen Erholungswert vielfältige Angebote

zur Gesundheitsförderung aus

den Bereichen Bewegung, Ernährung

und Entspannung. In der Regel

bestehen die Präventionsleistungen

am Urlaubsort aus zwei Kursen,

die wir bei regelmäßiger Teilnahme

(mind. 80 Prozent) mit bis zu 160 Euro

unterstützen. Bitte beachten Sie, dass

wir pro Jahr maximal zwei Präventionskurse

bezuschussen. Den neuen

Katalog, den Sie auch auf unserer

Homepage www.ruv-bkk.de unter

dem Suchbegriff „AKON“ finden,

können Sie bei uns per E-Mail an

info@ruv-bkk.de oder telefonisch

unter 0800 255 7880 bestellen. Online

können Sie die passende Reise und

den Wunschort suchen, direkt sehen,

welche Termine noch frei sind, und

auch gleich buchen.

Machen Sie mit bei unserem

Fotowettbewerb!

Für den AKON-Gesundheitsreisenkatalog

2020 haben wir uns etwas

Besonderes ausgedacht. Denn auf

dem Titelbild könnte Ihr Foto zu sehen

sein – vorausgesetzt, Sie machen bei

unserem Fotowettbewerb mit. Als

Hauptgewinn erwartet Sie eine Präventionsreise

ins Best Western Premier

Parkhotel Bad Mergentheim für

zwei Personen und drei Übernachtungen

im Wert von 598 Euro, gesponsert

von unserem Kooperationspartner

AKON. Die weiteren neun Preise sind

jeweils ein Amazon-Gutschein im Wert

von 30 Euro. Einsendeschluss für Ihre

maximal drei Fotos ist der

31. August 2019.

Der Rechtsweg ist ausgeschlossen.

Sie machen mit? Dann beachten Sie

bitte die folgenden Hinweise:

Zum Motiv

Die Gesundheitsreisen von AKON

führen in die schönsten Regionen

Deutschlands und des angrenzenden

deutschsprachigen Auslands. Wir

suchen daher Fotos von der Nordund

Ostsee bis zu den Alpen, die die

Schönheit der jeweiligen Landschaft

zeigen. Aktivitäten wie Wandern, Entspannungsübungen,

Radfahren oder

Nordic Walking können, müssen aber

nicht Teil des Fotomotivs sein. Wenn

Sie Personen abbilden, achten Sie

bitte aus urheberrechtlichen Gründen

darauf, dass sie nicht zu identifizieren

sind.

Zu den technischen Anforderungen

Ihr Foto sollte in Farbe sein und von

sehr guter Qualität. Das heißt: Die

Auflösung beträgt 300 dpi (2.600 x

1.850 Pixel). Das Querformatbild

von mindestens 22 cm (breit) x 15,5

cm (hoch) schicken Sie uns bitte im

Dateiformat jpg. Die Formate tiff,

png oder psd sind auch möglich.

Bitte verwenden Sie als Dateiname

für Ihre Fotos Ihren eigenen Namen,

z. B. HansSchmidt1, HansSchmidt2,

HansSchmidt3.

Wohin mit den Fotos?

Ihre Bilddateien schicken Sie per

E-Mail an: Fotoaktion@ruv-bkk.de.

Geben Sie bitte in der E-Mail Ihren

Namen, die Anschrift und Ihr Geburtsdatum

an. Wir freuen uns auf Ihre

Fotos und drücken die Daumen!

07


TITEL THEMA BKKiNFORM 01 2019

08

Elefanten sitzen nicht auf Bäumen! Sicher?

Die Welt verändert sich heute so radikal,

dass man aus dem Staunen gar nicht mehr

herauskommt. Vielleicht wundert sich in

50 Jahren niemand mehr über Elefanten,

die auf Bäumen sitzen.


BKKiNFORM 01 2019

TITEL THEMA

Warum Zuversicht

heute so wichtig ist

Die Zukunft ist ungewiss – diese Binsenweisheit

erfahren wir heute so intensiv wie schon seit

vielen Jahrzehnten nicht mehr, denn wir befinden

uns weltweit in einer Umbruchphase, in der

die Gewissheiten von gestern ihre Bedeutung

für die Gegenwart verlieren. Der Wissenschaftsjournalist

und ZEIT-Redakteur Ulrich Schnabel

geht in seinem Buch „Zuversicht“ der Frage

nach, wie uns die Gestaltung unserer Zukunft

gelingen kann.

BKKiNFORM: Herr Schnabel, wir leben in schwierigen

Zeiten, zumindest sehen das etliche Wissenschaftler so,

die, wie Sie in Ihrem Buch schreiben, von einer „großen

Transformation“ sprechen, einer Art Epochenumbruch.

Haben Sie die Zuversicht, dass alles gut gehen wird?

Foto © Orlando Florin Rosu/stock.adobe.com

Ulrich Schnabel: Ich gehe nicht davon aus, dass wir beruhigt

in die Zukunft blicken können, sondern ich bin überzeugt,

dass enorme Herausforderungen auf uns zukommen

bzw. schon da sind: Brexit, Donald Trump, Migration,

der Zustand der Europäischen Union... Wir haben massive

Umwelt- und Verteilungsprobleme. Konfliktherde, wie wir

sie z. B. im Nahen Osten, Iran, in Saudi Arabien oder Syrien

sehen, wären vor 50 Jahren für uns in Europa noch weit

weg gewesen, heute betreffen sie uns unmittelbar. Jeder,

der sich mit den wichtigen Fragen unserer Zeit beschäftigt

– Wissenschaftler, Politiker, Kulturschaffende –, spürt,

dass wir es mit Umbrüchen zu tun haben, die eine ganz

andere Dimension besitzen als das, womit wir in früheren

Jahrzehnten zu kämpfen hatten. Ein Beispiel: Der Fall der

Mauer 1989 beendete den Kalten Krieg und die aus Ostund

Westblock bestehende Nachkriegsordnung. Damit

endeten aber auch eine gewisse Sicherheit und Stabilität,

die von ihr ausgegangen waren. Früher wusste man: Auf

der einen Seite stehen die USA und ihre Verbündeten, und

auf der anderen Seite stehen die UdSSR und ihre Verbündeten.

Es war übersichtlich. Das ist heute passé. Wir

haben die Globalisierung, den Aufstieg neuer Mächte wie

China und Indien, international aufgestellte terroristische

Netzwerke, eine enge weltwirtschaftliche Verflechtung mit

weltweit agierenden Konzernen und vielen konfliktträchtigen

Aspekten. Alles ist enger miteinander verwoben. Die

Welt ist unübersichtlicher geworden. Das verunsichert.

Gibt Ihnen denn die Politik in Deutschland keinen

Grund zur Zuversicht?

Ulrich Schnabel: Ich glaube, die alten politischen

Parteien sind mit dieser Situation teilweise überfordert.

Am deutlichsten sieht man das an der SPD, die versucht,

09


TITEL THEMA BKKiNFORM 01 2019

Ein Hindernis blockiert den Weg in die Zukunft. Der Optimist sagt: Kein Problem, es wird schon alles gut werden. Zuversicht bedeutet

dagegen, den Ernst der Lage zu erkennen und den Spielraum zu finden, der zu einer Lösung führt.

10

mit den Antworten von gestern auf das Neue zu reagieren,

und die quasi mit jeder Wahl weiter an Zustimmung

verliert. In der heutigen Umbruchsituation brauchen wir

aber neue, große Entwürfe. Und für solche Entwürfe

brauchen wir die positive Energie der Zuversicht, die uns

sagen lässt: Obwohl die Lage schwierig ist, haben wir eine

bestimmte Vision, glauben wir an bestimmte Werte und

setzen uns dafür ein, sie zu verwirklichen. Und zwar ohne

zu wissen, ob wir damit Erfolg haben werden. Denn das ist

sozusagen das Wesen der Zuversicht: Auch wenn wir uns

nicht sicher sein können, ob unsere Bemühungen Erfolg

haben werden, geben wir nicht auf,

sondern verfolgen unser Ziel mit

aller Energie weiter. In meinem

Buch beende ich die einzelnen

Kapitel mit Porträts von Menschen,

die in ihrem Leben diese Art von

Zuversicht in beeindruckender

Weise gezeigt haben – so etwa

der Freiheitskämpfer Nelson

Mandela, der 27 Jahre im Gefängnis

verbrachte und dann der erste

schwarze Präsident Südafrikas

wurde.

Worin unterscheidet sich Zuversicht von Optimismus?

Ulrich Schnabel: Ursprünglich bedeutet Zuversicht „die

Voraussicht auf die Zukunft“, egal ob sie nun positiv oder

negativ ist. Während der Optimist davon ausgeht, dass

alles gut wird und die Zukunft durch eine rosarote Brille

sieht, macht sich der Zuversichtliche keine Illusionen und

sieht auch die Probleme. In dem Wort Zuversicht schwingt

also auch ein leiser Moll-Klang mit. Der Punkt ist, den

ganzen Ernst der Lage zu erfassen und trotzdem den

Spielraum zu erkennen, um die Entwicklung zum Guten zu

wenden.

» Der Punkt ist, den

ganzen Ernst der Lage zu

erfassen und trotzdem den

Spielraum zu erkennen, um

die Entwicklung zum

Guten zu wenden. «

In Deutschland sehen wir schon seit einigen Jahren das

Phänomen, dass die Stimmung bei vielen Menschen trotz

einer guten Wirtschaftslage von Sorgen und Ängsten

gekennzeichnet ist. Wie lässt sich das erklären?

Ulrich Schnabel: Ich glaube nicht, dass dieses Phänomen

speziell deutsch ist. Wir können das heute in so gut wie

allen reichen Industrieländern in der einen oder anderen

Ausprägung beobachten. Die Wahl von Donald Trump

zum US-Präsidenten war beispielsweise Ausdruck

einer massiven Verunsicherung und Verängstigung. Das

gilt in ähnlicher Weise auch für

die Menschen in Großbritannien

und ihr Votum für den Brexit

oder den Gelbwestenprotest in

Frankreich. Diese Diskrepanz

zwischen guter Wirtschaftslage

und schlechter Stimmung ist vor

allem für Menschen aus ärmeren

Ländern schwer zu verstehen. Ich

merke das immer dann, wenn die

Auslands-Korrespondenten der

ZEIT die Redaktion in Hamburg

besuchen. Kürzlich sagte mir der

Südamerika-Korrespondent: „Also,

sag mal, was ist eigentlich bei uns in Deutschland los.

In Südamerika gibt es wirklich massive Probleme, und

wenn ich hierherkomme, habe ich fast das Gefühl,

hier sei das Paradies. Und trotzdem ist die Stimmung

miserabel.“ Nun ist die Stimmung aber ein Gefühl,

und Gefühle kümmern sich nicht um wirtschaftliche

Kennzahlen, sondern reagieren auf wahrgenommene

oder vorausgesagte Veränderungen. Und tatsächlich

haben wir in Deutschland in den letzten Jahrzehnten,

was den Wohlstand angeht, ein sehr hohes Niveau

erreicht. Aber gerade deshalb ist auch klar, dass der

Lebensstandard nicht einfach immer weiter zunehmen

Foto ©Michael Rosskothen/stock.adobe.com


BKKiNFORM 01 2019

TITEL THEMA

Foto © mhp/stock.adobe.com; Montage: R+V BKK

kann. Die Zeiten großer Gehaltszuwächse sind vorbei. Und

so herrscht mit Blick auf die Zukunft eher die Angst vor,

dass es mit unserem Lebensstandard bergab geht. Viele

rechnen mit einer Veränderung zum Negativen, fürchten

gar einen sozialen Abstieg. Gleichzeitig sind wir in der

bereits erwähnten Umbruchsituation, und niemand weiß,

was in zwanzig Jahren sein wird.

Diese beiden Faktoren, massive

Veränderungen und gleichzeitig die

Angst, den Wohlstand zu verlieren,

tragen zu der verunsicherten, häufig

ängstlichen, manchmal sogar fast

panischen Stimmung bei, die wir in

Deutschland in Umfragen zu spüren

bekommen und die auch den Aufstieg

von Parteien wie der AfD erklärt,

die ja hauptsächlich mit Angst und

diesem Unsicherheitsgefühl arbeitet.

Sie erwähnen in Ihrem Buch eine wissenschaftliche

Studie, die zeigt, dass mit zunehmendem Wohlstand die

Angst vor einem Verlust größer ist als die Freude über

einen Zugewinn.

Ulrich Schnabel: Ja, das ist leider ein Grundzug unserer

Psyche, dass wir generell auf Gefahren, Verluste, Risiken

stärker reagieren als auf Gewinne oder mögliche positive

Entwicklungen. Das führt dazu, dass wir eher durch

einen negativen Filter auf die Welt blicken. Und das wird

durch die Medien noch einmal massiv verstärkt. Wenn

Sie sich Nachrichten oder die Schlagzeilen von Zeitungen

anschauen, dann sind etwa 80 Prozent negativ, weil Leser

und auch Journalisten auf negative Nachrichten schneller

anspringen – da ist sozusagen ein höheres Verkaufspotenzial.

Und in der Tat ist auch diese Ungleichheit in der

Wahrnehmung von Negativem und Positivem ein Grund

für die schlechte Stimmung in Deutschland, weil wir

natürlich durch die Medien aus jedem Winkel der Welt mit

enorm viel schlechten Nachrichten versorgt werden. Wir

erfahren von jeder Katastrophe, die irgendwo stattfindet.

» Mit Angst können Sie

gegen alles Mögliche sein,

aber um eine konstruktive

Zukunfstvision zu entwerfen,

brauchen Sie Zuversicht. «

Katastrophen sind meistens Einmal-Ereignisse. Sie

können präzise auf den Punkt gebracht werden, während

positive Entwicklungen, die es ja auch durchaus gibt,

häufig eher langfristig sind, also z.B. die Tatsache,

dass weltweit die Armut und die Kindersterblichkeit

zurückgegangen sind und das Bildungsniveau gestiegen

ist. Das sind alles positive

Entwicklungen, die aber nicht so

schlagzeilenträchtig sind, weil sie

über einen längeren Zeitraum gehen.

Wenn die Medien durch negative

Schlagzeilen Ängste verstärken,

tragen sie dann nicht dazu bei,

den Boden für populistisches und

polarisierendes Gedankengut zu

bereiten?

Ulrich Schnabel: Ja, da haben die

Medien eine nicht immer rühmliche Rolle. Sie verstärken

oft den Eindruck, dass wir in einer hochgradig unsicheren

Zeit leben, und befeuern damit die Ängste der Menschen.

Davon profitieren vor allem solche Parteien, die sich

von diesen Ängsten ernähren. Die dann Forderungen

aufstellen wie: Wir müssen die Grenzen dicht machen.

Das sind fast ausschließlich Forderungen gegen etwas.

Das ist ein typisches Kennzeichen populistischer Parteien,

dass sie hauptsächlich dadurch punkten, dass sie gegen

etwas sind, z.B. gegen Einwanderung und gegen globalen

Handel. Eine konstruktive Vision ist viel schwieriger

umzusetzen. Mit Angst können Sie gegen alles Mögliche

sein, aber um eine konstruktive Zukunftsvision zu

entwerfen, brauchen Sie Zuversicht.

Und wenn einem keine konstruktive Zukunftsvision

einfällt, dann bedient man sich einfach bei der Vergangenheit

und beschwört die guten alten Zeiten.

Ulrich Schnabel: Ja, so hat es zum Beispiel Donald

Trump im Wahlkampf gemacht. Bereits in seinem

Slogan „Make America great again“

(Macht Amerika wieder groß) steckt

dieses rückwärtsgewandte Element, der

Wunsch: Wir wollen wieder so großartig

sein, wie wir es früher einmal waren.

Gleiches gilt für Großbritannien und

den Brexit. Diese Haltung ist ja leicht zu

verstehen: Wenn man merkt, die Welt

ändert sich und man hat nicht mehr die

Bedeutung, die man früher einmal hatte,

dann versucht man mit aller Gewalt,

die Vergangenheit festzuhalten. Dieser

Versuch ist aber zum Scheitern verurteilt,

weil die weltweiten Bedingungen sich

geändert haben, weil z. B. mit China

Die Nachrichtenwelt ist überschwemmt

mit negativen Schlagzeilen (bad news). Sie

verstärken die schlechte Stimmung in der

Öffentlichkeit. Dabei gibt es auch good news –

die lassen sich nur nicht so gut verkaufen.

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TITEL THEMA BKKiNFORM 01 2019

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jetzt eine neue Weltmacht aufsteigt, die Amerika Paroli

bietet. Deshalb wird der Versuch, die alten Verhältnisse

wiederherzustellen, nicht funktionieren. Das werden

Trumps Wähler irgendwann auch merken. Aber bis

dahin kann er natürlich noch eine ganze Menge Unsinn

anrichten.

Wenn Sie mit Zuversicht in die Zukunft schauen, welche

Vision können Sie sich dann am ehesten vorstellen?

Ulrich Schnabel: Wir sehen heute immer deutlicher, dass

die Vision des wirtschaftlichen Wachstums, die bisher der

zentrale Wert unserer Vorstellung von Fortschritt war,

nicht mehr funktioniert. Wir müssen jetzt andere Werte

finden, die einen Fortschritt symbolisieren, der uns den

Weg in eine gute, lebenswerte Zukunft weist. Das bedeutet

z. B., dass wir uns Gedanken über ein umweltverträgliches

Wachstum machen, dass wir ein Leben führen, das sich

nicht so sehr an materiellen, dafür aber an menschlichen

Maßstäben orientiert, etwa an Fragen wie: Habe ich das

Gefühl, mein Leben ist sinnvoll, fühle ich mich in meinem

Leben wohl, bin ich in Harmonie mit meinen Mitmenschen,

gehöre ich zu jemandem oder bin ich vereinsamt?

Einsamkeit ist ja heute ein riesiges Thema. Ich glaube,

solche Werte wie Sinnhaftigkeit, Zusammenhalt oder Umweltverträglichkeit

müssen wir in der Postwachstumsgesellschaft

stärker ins Zentrum stellen.

In der modernen, digitalisierten Industriegesellschaft nimmt die Vereinzelung

der Menschen zu. Einsamkeit gilt heute als eines der am meisten unterschätzten

Gesundheitsrisiken. Die Sehnsucht nach echter Gemeinschaft und Zugehörigkeit

macht Menschen durch Populisten und politische Scharlatane verführbar.

Was hindert uns daran, diesen Wechsel von Werten zu

vollziehen?

Ulrich Schnabel: Viele Menschen tun sich damit sehr

schwer, weil es einen Bruch mit dem darstellt, was man

bisher immer hochgehalten hat. Und wie bereits erwähnt:

Veränderungen erzeugen Gefühle, in diesem Fall vor

allem Verunsicherung und Ängste. Es gibt zudem zu

wenig positive Vorbilder, die uns zeigen, wie es besser

geht und dass unsere Ängste unbegründet sind. Und es

fehlt uns vielleicht auch ein bisschen an der Visionsgabe.

Wir wagen uns nur ungern aus unserer gewohnten,

behaglichen Komfortzone heraus, wenn wir nicht wissen,

was uns erwartet. Wenn dann aber jemand kommt, der

diese Visionsgabe hat, dann zeigt sich, wie groß das

Begeisterungspotenzial in der Bevölkerung ist. Das hat

man in Deutschland gesehen, als Martin Schulz gerade

SPD-Kanzlerkandidat geworden war, oder auch bei der

letzten Präsidentenwahl in Frankreich bei Emmanuel

Macron und seiner Bewegung „La République en Marche“

(Die Republik in Bewegung). Wenn jemand kommt, der

auch nur den Anschein einer positiven Vision vermittelt,

kann das plötzlich unglaubliche Zustimmungswerte und

Energien auf sich ziehen. Da spürte man, wie groß das

Bedürfnis der Menschen nach jemandem ist, der ihnen

eine glaubhafte, positive Vision vermitteln kann.

Was vermissen die Menschen denn in den reichen

Industrieländern?

Ulrich Schnabel: Das Gefühl, gesehen zu werden, dazuzugehören

und einen wichtigen Beitrag zu leisten, das

vermissen, glaube ich, sehr viele Menschen. Wir haben ja

bisher vor allem über die materielle Seite, über Wohlstand

und die Angst gesprochen, den erreichten Lebensstandard

einzubüßen. Bei diesem Thema geht es um die seelischemotionale

Verfasstheit unserer Industrie- und

Wohlstandsgesellschaft. Und hierbei

spielt das Bedürfnis nach Zugehörigkeit,

das allen Menschen gemeinsam ist,

eine ganz wichtige Rolle. Das wird

heute, denke ich, allzu oft übersehen.

Wir haben im Zuge der Fixierung auf

materiellen Wohlstand und darauf, dass

jeder seines eigenen Glückes Schmied

ist, eine Ellenbogengesellschaft und

Mentalität der Vereinzelung geschaffen,

in der die Menschen massiv der Gefahr

der Vereinsamung und dem Gefühl der

Wert- und Wirkungslosigkeit ausgesetzt

sind. Der US-amerikanische Journalist

und Dokumentarfilmer Sebastian Junger

hat sich intensiv mit diesem Thema

befasst. Er verbrachte mehrere Monate

mit US-Soldaten einer kämpfenden

Einheit in einem der gefährlichsten

Gebiete Afghanistans. Die Soldaten

machten dort die Erfahrung eines enorm

starken sozialen Zusammenhalts, von

dem das Überleben jedes Einzelnen

abhing. Nach der Rückkehr in ihre

Heimat fanden sich viele von ihnen nicht mehr in ihrer

einst gewohnten Umgebung zurecht. Junger forschte

nach den Gründen und kam zu dem Schluss, dass es

weniger der Krieg war, der die Soldaten traumatisierte,

als vielmehr der Wiedereintritt in eine Gesellschaft, in der

sie sich nicht gebraucht und zugehörig fühlten. Obwohl

nur rund zehn Prozent der US-Soldaten in Afghanistan

in Kampfhandlungen verwickelt waren, stellten rund

50 Prozent aller Veteranen später einen Antrag auf

permanente Arbeitsunfähigkeit. Junger vertritt daher die

Foto ©Dmitriy Sladkov/stock.adobe.com


BKKiNFORM 01 2019

TITEL THEMA

Trapezkünstler meistern gemeinsam die Gefahr. „Jeder Mensch benötigt für sein seelisches Wohlergehen das Gefühl, für andere

wichtig zu sein“, sagt Ulrich Schnabel. Der US-Dokumentarfilmer Sebastian Junger ist überzeugt, dass unsere Gesellschaft „die Kunst

perfektioniert hat, den Menschen das Gefühl der Nutzlosigkeit zu geben“.

Foto © Tatiana Morozova/stock.adobe.com; Martina van Kann

These, dass für Menschen nichts so wichtig ist wie das

Gefühl des Gebrauchtwerdens und Eingebundenseins

und dass unsere Gesellschaft hier völlig versagt, weil

sie, wie er in seinem Buch „Tribe: Das verlorene Wissen

um Gemeinschaft und Menschlichkeit“ schreibt, „die

Kunst perfektioniert hat, den Menschen das Gefühl der

Nutzlosigkeit zu geben“.

Ich glaube, jeder Mensch benötigt für sein seelisch-emotionales

Wohlergehen das Gefühl, für andere wichtig zu

sein, dass es einen Unterschied macht, ob man da ist oder

nicht. Ohne das Gefühl, gebraucht zu werden, fühlt sich

das Leben sinnlos an, und das kann krank machen: Wir

erleben seit einiger Zeit eine drastische Zunahme psychischer

Erkrankungen wie Depressionen und Angststörungen.

Einem Bericht der Weltgesundheitsorganisation WHO

zufolge leiden Menschen in den wohlhabenden Industrienationen

bis zu acht Mal häufiger an Depressionen als in

ärmeren Ländern, weshalb die Schwermut heute unter

Fachleuten als „Krankheit der Moderne“ gilt.

An das Gemeinschaftsgefühl appellieren ja auch gerne

Populisten, die dabei nicht immer das Wohlergehen der

Menschen im Blick haben.

Ulrich Schnabel: Das stimmt. In Deutschland sind wir

als Nation, was das Thema Gemeinschaftsgefühl angeht,

aufgrund der Ereignisse im Dritten Reich sozusagen

traumatisiert, denn die Nazis haben dieses Gefühl im

Sinne einer „Volksgemeinschaft“ für ihre fatalen Ziele

ausgenutzt. Sobald man an das Gemeinschaftsgefühl

appelliert, stößt man daher schnell auf Gegenwehr. Die

Kunst besteht aber darin, diese Zusammengehörigkeit zu

erleben, indem man sie auf ein positives Ziel richtet. Ich

glaube, das ist heute gerade in der Politik entscheidend,

dass man es versteht, Projekte zu lancieren, die viele

Leute einbinden und ihnen das Gefühl geben, hier kann

ich einen wertvollen Beitrag leisten. Auf diese Weise

machen sie die Erfahrung, gebraucht zu werden und

dazuzugehören. Die heutige Umbruchsituation bietet uns

also die Chance, das Gefühl des Gebrauchtwerdens und

Eingebundenseins in eine Gemeinschaft wieder erfahrbar

zu machen und so Ängste und Schwermut zu überwinden.

Was könnte es denn sein, was man gemeinsam in

Angriff nimmt?

Ulrich Schnabel: Ich glaube nicht, dass es den großen,

alles umfassenden Zukunftsentwurf gibt. Die Zukunft

wird sich aus vielen verschiedenen Entwürfen ergeben.

Das sieht man ja auch heute schon: Es gibt alle möglichen

Projekte von Kommunen, die neue Lebensformen

erproben, von Städten, die versuchen, neue Ideen umzusetzen.

Man kann im Kleinen anfangen und sich beispielsweise

gemeinsam mit Nachbarn überlegen, wie man

den Grünstreifen vor dem Haus bepflanzt. Auch kleine

Dinge können Zuversicht erzeugen und dadurch neue

ULRICH SCHNABEL

Ulrich Schnabel studierte Physik und Publizistik

und ist seit über 25 Jahren Wissenschaftsredakteur

bei der Wochenzeitung

DIE ZEIT. Er wurde für seine Arbeit mit mehreren

Preisen ausgezeichnet. In Ausgabe 1-2016 interviewten

wir ihn bereits zu seinem Buch „Was kostet ein

Lächeln? Von der Macht der Emotionen in unserer

Gesellschaft.“

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TITEL THEMA BKKiNFORM 01 2019

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Energie geben, für weitere, größere Projekt. Wichtig ist,

den ersten Schritt zu tun, egal wie groß er ist.

Wenn man ein Projekt in Angriff nimmt, hofft man ja,

dass es gelingt.

Man kann aber auch

scheitern. Studien

zeigen, dass hier

eine ausschließlich

optimistische

Einstellung sogar

negativ sein kann.

Ulrich Schnabel:

Absolut. Die Studien,

die Sie ansprechen,

kommen zum Teil aus

dem medizinischen

Bereich. Sie zeigen,

dass ein gewisses

Maß an Hoffnung und

Optimismus ganz ohne

Zweifel hilfreich für

die Bewältigung von

Krankheiten ist. Wer

eher positiv gestimmt

an eine Operation oder

die Bewältigung einer

Krankheit herangeht, hat bessere

Heilungschancen. Aber diese

Studien zeigen auch, dass ein

überschießender Optimismus, der

gar nicht zulässt, dass es vielleicht

auch Schwierigkeiten geben

könnte, eher kontraproduktiv

ist. Also, wenn Sie denken, vier

Wochen nach der Herz-OP laufe

ich wieder Marathon, und setzen Ihre ganze Hoffnung

darauf, dann werden Sie enttäuscht sein, wenn Sie nach

vier Wochen gerade mal am Stock die ersten Schritte

machen können. Deshalb sind Hoffnung und Optimismus

eine zweischneidige Sache, die man wie bei einem

Medikament sehr gut dosieren muss.

Und natürlich gibt es in der Medizin auch immer wieder

die Fälle, in denen es keine Hoffnung mehr gibt, in

denen der Krebs nicht geheilt wird, oder eine Lähmung

nicht wieder rückgängig gemacht werden kann. Nicht

zu verzweifeln, wenn es keine Heilung gibt, das ist

GEWINNEN SIE DAS BUCH „ZUVERSICHT“

» Jedes Ding hat drei Seiten:

eine positive, eine negative und

eine komische. «

Karl Valentin

ja die große Kunst. Der Heidelberger Mediziner und

Psychologe Rolf Verres, der viel mit todkranken Menschen

gearbeitet hat, sagt, selbst bei Todkranken, die keine

Hoffnung auf Heilung haben, kann es dennoch Hoffnung

geben: die Hoffnung

auf Begleitetwerden,

auf Geliebtwerden, auf

Versöhnung und einen

guten Abschied. Das

finde ich ganz wichtig,

weil es die Hoffnung von

der Erwartung des guten

Ausgangs loslöst. Noch

im Angesicht des Todes

zuversichtlich zu sein,

das wäre sozusagen

die Königsdisziplin der

Zuversicht.

Wenn man ein Interview

über Zuversicht führt, ist

es etwas unglücklich, es

mit dem Thema Tod zu

beenden. Sehen Sie hier

noch Spielraum für eine

positive Wendung?

Ulrich Schnabel: Ich

glaube schon. Das letzte Kapitel

meines Buches handelt von der

wichtigen Funktion, die der Humor

für die Zuversicht hat. Denn in ganz

aussichtslosen Lagen, wenn nichts

anderes mehr hilft, haben wir immer

noch den Humor, der uns einen Blick

auf die Dinge aus einer anderen

Perspektive erlaubt. So wie Karl

Valentin sagte: „Jedes Ding hat drei Seiten: eine positive,

eine negative und eine komische.“ Am Ende meines

Buches erzähle ich eine Szene aus der Comic-Serie

Peanuts, in der Charlie Brown und sein Hund Snoopy auf

einem Steg sitzen und auf das Wasser schauen. Charlie

Brown sagt traurig: „Eines Tages werden wir alle sterben,

Snoopy.“ Darauf erwidert Snoopy: „Ja, aber an allen

anderen Tagen leben wir.“

Vielen Dank, Herr Schnabel, für das Gespräch und

diesen schönen letzten Satz!

Unter unseren Versicherten verlosen wir drei Exemplare von Ulrich Schnabels Buch „Zuversicht.

Die Kraft der inneren Freiheit und warum sie heute wichtiger ist denn je“, erschienen im November 2018

im Blessing Verlag (ISBN 978 3 89667 513 2). Schicken Sie uns einfach mit dem Betreff „Zuversicht“ bis

zum 30. April 2019 eine E-Mail an gewinnspiel@ruv-bkk.de oder eine Postkarte an R+V BKK, BKKiNFORM,

65215 Wiesbaden. Besonders freuen wir uns, wenn Sie uns mitteilen, wie Ihnen unser Interview gefallen

hat. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen. Wir danken dem Blessing Verlag für die kostenlose Überlassung

der Bücher.

Foto © victor zastol‘skiy/stock.adobe.com; Blessing-Verlag


BKKiNFORM 01 2019

Dress(ing)- Code fur den Fruhling

..

..

GESUNDES WISSEN

Der Frühling macht Lust auf alles Frische – auf würzige Kräuter und knackige Salate.

Da darf die passende Sauce natürlich nicht fehlen. Wir haben drei Klassiker ausgesucht,

die mit kleinen Variationen eine besondere Note entfalten.

Foto © murziknata; Africa Studio/stock.adobe.com

Klassische Vinaigrette

Für die klassische Vinaigrette 3

EL Essig, Salz, Pfeffer und 1 Prise

Zucker verrühren. 4 EL Öl mit einem

Schneebesen darunterschlagen. Bei

Essig und Öl kann man ganz nach

Vorliebe wählen – dunklen oder

hellen Balsamicoessig, Apfelessig

oder einen anderen Fruchtessig, dazu

Raps-, Sonnenblumen- oder Olivenöl.

einfach alle Zutaten in ein Schraubglas

geben, verschließen und kräftig

schütteln. Die klassische Vinaigrette

lässt sich wunderbar variieren:

aromatisch: 2 EL gehackte Kräuter

und eine fein gewürfelte Schalotte

unterrühren,

scharf-süß: statt Zucker 1 TL Honig

und 1 TL Senf unterrühren,

fruchtig: statt Essig Orangensaft

nehmen und 1/2 TL geriebene Orangenschale

unterrühren.

J o g h urt dres sin g

Besonders für Kopf-, Karotten- oder

Gurkensalat sind feine Joghurtdressings

tolle Begleiter. Das Basis-Rezept

ist sehr einfach: 150 g Vollmilch-

Joghurt, 3 EL Weißwein-Essig, 3 EL

Öl (zum Beispiel Sonnenblumenöl),

1–2 TL Senf, je 1 Prise Salz und

Zucker gut verquirlen. Mit weißem

Pfeffer abschmecken. Variationen für

das Salatdressing mit Joghurt:

würzig: 1 fein gehackte Knoblauchzehe

unterrühren,

frühlingsfrisch: statt Essig Zitronensaft

nehmen, 2 EL Schnittlauchröllchen

und 1 TL rosa Pfefferbeeren

unterrühren,

asiatisch: 1 TL geriebenen Ingwer

und 2 EL gehackten Koriander

unterrühren und mit Cayennepfeffer

abschmecken.

..

Dressing fur Kartoffelsalat

Mayonnaise oder klassisch mit Brühe

– da hat jeder seinen eigenen

Favoriten. Wenn die Tage wärmer

werden und man den Kartoffelsalat

mit ins Freie nehmen kann, ist

in Sachen Haltbarkeit die Variante

ohne Mayonnaise sicher besser. Hier

das klassische Rezept für ein Kilo

Kartoffeln: 1 Zwiebel, 6 EL Öl (Sonnenblumen-

oder Rapsöl), 250 ml

Gemüsebrühe, 50 ml Weißweinessig,

Salz und Pfeffer, 1 TL Zucker, 2 TL

Senf. Zu dieser eher bayrischen Variante

passen ein paar Stängel glatter

Petersilie oder auch Schnittlauch

ganz nach Belieben. Im Norden der

Republik mag man den Kartoffelsalat

gerne cremiger. Hier die Variante:

norddeutsch: 150 ml Gemüsebrühe,

2 EL Senf, 2 EL Weißweinessig, 1EL

Gurkenflüssigkeit, 200 g Mayonnaise,

2 Zwiebeln, 2 Eier (hacken), etwas

Schnittlauch und Salz und Pfeffer.

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GESUNDES WISSEN BKKiNFORM 01 2019

Der Zahnbürsten-Check

Schöne Zähne sind Sympathieträger. Sie steigern die Attraktivität eines Menschen in hohem

Maße. Und – das haben Untersuchungen ergeben – sie entscheiden sogar in vielen Unternehmen

mit darüber, wer die Karriereleiter höherklettert. Die Pflege schöner Zähne beginnt im frühsten

Kindesalter. Doch was können die neuesten High-Tech-Modelle? Wir haben es ausprobiert.

Foto © Anton84/stock.adobe.com;

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Was ist besser: die Zähne elektrisch

oder manuell mit der Handzahnbürste

zu putzen? Darüber lassen

die Experten mittlerweile keinen

Zweifel mehr. Die elektrische Zahnbürste

hat in Sachen Putzergebnis

die Bürste klar vorne. Schon allein,

weil mit ihr durch eingebaute Timer

nachweislich länger geputzt wird

als mit einer Handzahnbürste. Untersuchungen

zeigten, dass mit einer

Handzahnbürste im Schnitt nur

65 Sekunden geputzt wird, mit der

elektrischen halten die Nutzer dagegen

in der Regel die von Zahnärzten

empfohlenen zwei Minuten ein.

Auch aufgrund des hohen Maßes

an Schwingungen und Rotationen

reinigt die elektrische Zahnbürste

deutlich gründlicher und effektiver.

Wer allerdings sorgfältig nach

zahnärztlichen Richtlinien putzt und

das mindestens zwei Mal am Tag

zwei Minuten lang, wird auch mit

einer Handzahnbürste seine Zähne

ausreichend pflegen. Doch egal,

ob elektrisch oder mit der Hand:

Der Einsatz von Zahnseide oder

Interdentalbürsten für die Zahnzwischenräume

wird von Fachleuten

zusätzlich empfohlen.

Während Kinder erst ab drei Jahren

mit einer elektrischen Kinderzahnbürste

putzen sollten, wird Erwachsenen

von Zahnärzten zunehmend

geraten, elektrisch zu putzen. Die

so gepflegten Zähne sind nachweislich

sauberer. Ob dabei „oszillierendrotierende“

Bürsten mit runden

Köpfen, die halbkreisförmig hin- und

herschwingen, oder „schallaktive“

Zahnbürsten mit länglichen Köpfen,

die durch Vibration des Bürstenkopfes

reinigen, oder aber – recht

neu im Markt – Ultraschall genutzt

werden, hängt von den persönlichen

Putzvorlieben ab.

Wir haben drei der „Sportwagen“

unter den elektrischen Zahnbürsten

getestet und unsere ganz persönlichen

Erfahrungen hier wiedergegeben.

Wir, das sind Eva Kühn, Teamleiterin

Zahnleistungen, Christian

Ott aus dem Produktmanagement

und Michaela Ansems aus dem

Marketing. Schon vorab lässt sich

als Urteil sagen: Die teuren Zahnbürsten

sind wirklich sehr gut, was

das Putzergebnis betrifft, aber auch

günstigere Modelle mit etwas weniger

Technikausstattung sind eine

gute Alternative.

MICHAELA ANSEMS testet die

Oral B Genius 9000S

Auffallend ist der enorme Lieferumfang,

den dieses Modell hat. Es

gibt neben der elektrischen Bürste

selbst ein Ladegerät, ein Reiseetui

mit integrierter USB-Ladefunktion,

dazu ein extra Kabel zum Aufladen

des Reiseetuis, vier Aufsteckbürsten

(zwei Mal Ultra Thron, ein Mal

CrossAction, ein Mal 3D White),

eine Aufbewahrungsbox für die

Bürstenköpfe, eine Halterung für

das Smartphone zwecks Nutzung

der kostenlosen Oral B-App, eine

Kurzanleitung und eine ausführliche

Bedienungsanleitung.

An dieser Zahnbürste ist vieles

sehr smart. Angefangen mit einem

Leuchtring an der Bürste, der während

des Putzens sofort rot aufleuchtet,

wenn der Druck auf Zähne

und Zahnfleisch zu stark wird.

Tolle Sache, denn ist das der Fall,

schaltet die Bürste automatisch

in das langsamere Sensitiv Programm

(eins von insgesamt sechs

Programmen) um. Diese Andruckkontrolle

finde ich persönlich sehr

gut, da durch zu heftiges Putzen

Schäden an Zahnfleisch und auch

Läsionen (kleine Einkerbungen) an

den Zähnen entstehen können, die

auf Dauer die Zähne schädigen. Der

Leuchtring ist auch als kleine

Spielerei nutzbar. Denn ist die

Zahnbürste per App mit dem Smartphone

verbunden, kann man je nach

Stimmung diesen Ring in

12 unterschiedlichen Farben

leuchten lassen.

Auch mit der kostenlosen

Oral B-App,

die sich via Bluetooth

mit der

Bürste verbindet,

können

Technikverliebte

noch

so

einiges

anstellen.

Vorweg:

Das Handy

ist in der

Halterung

wirklich

sicher,

denn

diese hält

bombenfest

an jeder

glatten Oberfläche.

Mithilfe der App und

der Smartphone-Kamera

kann man sehen, welche

Bereiche im Mund wie lange

geputzt und welche Bereiche

vergessen wurden. Die App

zeichnet auch das Putzverhalten auf

und lässt sich quasi wie ein Putztagebuch

nutzen, um den Reinigungserfolg

zu verbessern. Außerdem

erinnert sie einen daran, die Zähne

zu putzen, Zahnseide zu benutzen


BKKiNFORM 01 2019

GESUNDES WISSEN

oder den Bürstenkopf zu wechseln.

Es gibt sogar News zu lesen: Das

Wetter wird angezeigt, Stimmungsbilder,

Zitate und noch einiges mehr.

Aber das ist ein Add-on, das ich

nicht wirklich genutzt habe.

Es gab immer wieder Kritik an dieser

App, weil sie zumindest in der

Android-Version zu viele Daten senden

würde. Hier muss jeder selbst

entscheiden, ob und in welchem

Umfang er die App nutzt. Ich fand

es nach einiger Zeit zu viel, und es

lenkte mich auch gerade morgens,

wenn ich es etwas eiliger habe, vom

Putzen ab.

Was die Zahnreinigung

betrifft, bin ich ein absoluter

Fan der Oral

B 9000 S. Die Zähne

fühlen sich glatt

und sauber an.

Als Schwarztee-

Trinkerin stelle

ich fest, dass

sich auch die

typischen

Verfärbungen

gut

wegputzen lassen, und Zahnfleischbluten

ist dank der Andruckkontrolle

kein Thema. Außerdem punktet

die Oral B 9000 S mit einer Akku-

Laufzeit von bis zu zwölf Tagen.

EVA KÜHN testet die Philips

Sonicare DiamondClean Smart

Beim Auspacken bin ich gleich von

dem edlen dunkelblauen Design

der Philips Sonicare beeindruckt.

Das Zubehör ist üppig. Es gibt drei

verschiedene Bürstenköpfe: einen

zur Plaque-Entfernung, einen zur

Reinigung und Pflege des Zahnfleisches

und einen zur Aufhellung der

Zähne. Sie sind mit einer Mikrochip-

Erkennungstechnologie ausgestattet.

Nach dem Aufstecken auf das

Handstück wählt die Schallzahnbürste

automatisch den passenden

Putzmodus und schlägt eine der

drei Intensitätsstufen vor. Außerdem

im Lieferumfang: der Zungenreiniger-Aufsatz

Tonguecare+, ein

Ladeglas und ein Reiseladeetui mit

USB-Anschluss.

Auch hier wird es smart: Mit der

kostenlosen Sonicare-App hat man

seinen „Personal Trainer“

in Sachen Zahnpflege.

Hier bekommt man ein Echtzeit-

Feedback zur Optimierung der

Putztechnik und Hilfestellung zur

Verbesserung der Zahnpflege.

Übersehene Mundpartien werden

angezeigt und Problembereiche

hervorgehoben. Für die Bürstenköpfe

gibt es dann auch noch einen

Nachbestell-Service. Die App ist

alles in allem eine tolle Sache, nur

im Alltag manchmal etwas umständlich.

Richtig klasse ist die Andruck-

Kontrolle. Bei zu heftigem Druck

leuchtet unten am Handstück ein

Ring auf, und die Bürste vibriert als

zusätzliches Warnsignal. Als ehemalige

Zahnarzt-Helferin weiß ich,

wie viel Schaden Zähne und Zahnfleisch

nehmen können, wenn beim

Putzen zu stark aufgedrückt wird.

Auch die Akku-Laufzeit ist hervorragend.

Bis zu zwei Wochen lang bei

zwei Mal täglich zwei Minuten Putzen.

Die Ladezeit von 12 Stunden ist

dann zwar lang, aber ok.

Am Putzergebnis

gibt es

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GESUNDES WISSEN BKKiNFORM 01 2019

bei dieser Schallzahnbürste auch

nichts zu mäkeln. Schon nach dem

ersten Putzen im Programm White+

(eins von fünf Programmen) spürt

man, wie glatt und sauber die Zähne

sind. Auch oberflächliche Verfärbungen

durch Tee, Kaffee oder

Rotwein verschwinden.

CHRISTIAN OTT testet die emmident

Platinum

Die Platinum von emmi-dent kommt

mit etwas weniger Zubehör daher

als die beiden anderen Bürsten.

Neben der Zahnbürste waren ein Ladegerät,

ein Bürstenkopf sowie eine

spezielle Ultraschall-Zahncreme

enthalten. Zusätzlich habe ich noch

eine weitere Whitening Zahncreme

erhalten. In der Anleitung findet sich

ein QR-Code für eine Videoanleitung.

Das Video sollte man sich ansehen,

da sich die emmi-dent sehr von den

elektrischen Zahnbürsten unterscheidet,

die den meisten bekannt

sein dürften. Denn die Art der

Reinigung ist völlig neuartig. Bei der

ersten Nutzung irritierte mich zum

Beispiel die Tatsache, dass sich die

Zahnbürste nicht bewegt.

tergezogen habe. Nach der ersten

Anwendung hatte ich erst einmal

nicht das Gefühl, mir überhaupt

die Zähne geputzt zu haben. Wie

gesagt – bei dieser neuen Art der

elektrischen Zahnbürste braucht es

etwas Eingewöhnungszeit. Doch die

lohnt sich. Mittlerweile komme ich

sehr gut mit der Ultraschalltechnik

klar und habe jeden Tag ein Gefühl

von sehr sauberen Zähnen und auch

frischem Atem.

Schäden an Zähnen oder Zahnfleisch

durch zu starkes Andrücken können

hier nicht entstehen, da die

Zahnbürste mit einer sanften Ultraschalltechnologie

mit bis zu 96

Millionen Schwingungen pro Minute

arbeitet und fast ohne Zahnberührung

funktioniert. Positiv ist

zudem, dass die emmi-dent sehr

gut in der Hand liegt und mit ihrem

äußerst geringen Gewicht kaum zu

spüren ist. Auch die Handhabung

ist sehr gut: Die Zahnaufsätze

lassen sich problemlos

anbringen und abnehmen, sitzen

fest und wackeln auch während des

Putzens nicht. Die Ablage auf der

Ladestation für die Bürstenköpfe ist

äußerst praktisch.

Sehr positiv hat mich die Akku-Leistung

überrascht. Vor der erstmaligen

Nutzung muss die Zahnbürste zwar

mindestens 24 Stunden geladen

werden, aber das war in der dreiwöchigen

Testphase allerdings auch

das einzige Mal, dass ich den Akku

aufgeladen habe. Außerdem ist die

Zahnbürste äußerst geräuscharm,

und die sehr sanfte Vibration wirkt

sogar fast ein wenig beruhigend.

Ich bin sehr zufrieden mit dieser

Ultraschall-Zahnbürste. Ich habe

keinerlei Zahnfleischbluten, und

das Putzergebnis ist einwandfrei.

Außerdem verzichtet „die emmi“ (wie

ich sie nenne) auf unnötigen Schnick-

Schnack und konzentriert sich auf

das Wesentliche: saubere Zähne und

einen frischen Atem.

GEWINNEN SIE EINE EMMI-DENT PLATINUM

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Es war für mich daher anfangs eine

Umgewöhnung, auf diese Zahnbürste

umzusteigen. Ich nutze seit längerem

eine elektrische Zahnbürste

mit rotierenden Borsten, und somit

war der Vergleich zur Platinum von

emmi-dent gleich doppelt spannend

für mich. Beim Putzen kam ich mir

zunächst sehr passiv vor, da ich

die Zahnbürste nur auf die Zähne

gesetzt und bei jedem Signal wei-

Unter unseren Versicherten verlosen wir drei Ultraschall-

Zahnbürsten emmi-dent Platinum. Erleben Sie ein ganz besonderes

Zahnputzgefühl. Schicken Sie uns einfach mit dem

Betreff „Zahnbürste“ bis zum 30. April 2019 eine E-Mail an

gewinnspiel@ruv-bkk.de oder schreiben Sie uns eine Postkarte

an R+V BKK, Christian Fauth, 65215 Wiesbaden. Besonders

freuen wir uns, wenn Sie uns Ihre kleine Zahnbürsten-Weisheit

mitteilen. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen. Wir bedanken uns

bei der Emmi Ultrasonic GmbH aus Mörfelden-Walldorf für die

kostenlose Überlassung der Zahnbürsten. Das Los entscheidet.

Viel Glück!

Foto © crevis/stock.adobe.com


BKKiNFORM 01 2019 GESUNDES WISSEN

ORAL B PHILIPS EMMI-DENT

Oral B Genius 9000S

Philips Sonicare

DiamondClean Smart

emmi-dent Platinum

REINIGUNG ALLGEMEIN

Werden die Zähne sauber? Ja Ja Ja

Wie ist das Zahngefühl nach dem Putzen? Sehr gut Sehr gut Sehr gut

Zahnfleischbluten? Nein Nein Nein

HANDHABUNG

Putzsignal (Min.-Timer/Quadtranten-Timer) ● ● ●

Standfestigkeit der Zahnbürste Sehr gut Sehr gut Sehr gut

Reinung des Gerätes Gut Gut Gut

Wie liegt die Bürste in der Hand Sehr gut Sehr gut Sehr gut

AUSSTATTUNG

Gebrauchsanweisung ● ● ●

Ladestation ● ● ●

USB-Ladeanschluss ● ● ●

Transportbox ● ● ●

Andruckkontrolle ● ● ●

Anzahl Bürstenköpfe im Lieferumfang 4 3 1

SONSTIGES

Schwingungen pro Minute

8.800 (rotierend)

40.000 (pulsierend)

62.000 96 Mio. (Ultraschalltechnik)

Anzahl der Reinigungsprogramme 6 5 1

Mit preiswerten Bürsten kombinierbar? Nein Nein Nein

Fotos © Braun, Philips, emmi-dent

VOR- UND NACHTEILE

Reinigungsergebnis Sehr gut Sehr gut Sehr gut

Programmauswahl Sehr gut Sehr gut Nicht notwendig

Verarbeitung Sehr gut Sehr gut Sehr gut

Ladezeit Akku Sehr gut Sehr gut Sehr gut

Geräusche Gut Gut Sehr gut

Bürsten Sehr gut Sehr gut Sehr gut

Preis (in Euro) ca. 130,– ca. 180,– ca. 180,–

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GESUNDES WISSEN BKKiNFORM 01 2019

Gesunde Kinder in gesunden Familien

Die gemeinnützige Stiftung Gesundheitsservice

setzt sich dafür ein, die gesundheitliche

Entwicklung von Kindern zu fördern. R+V BKK

Vorständin Iris Schmalfuß unterstützt das

Engagement der Stiftung und ist Mitglied im

Stiftungsrat. Wir sprachen mit ihr und Detlef

Hellmers, dem Geschäftsführer der Stiftung

Gesundheitsservice, über die Initiative.

BKKiNFORM: Herr Hellmers, die Stiftung Gesundheitsservice

wurde 2009 vom Gesundheitsservice der Betriebskrankenkassen

gegründet. Mit welchem Ziel?

Detlef Hellmers: Die gemeinnützige Stiftung soll helfen,

die Gesundheitsversorgung und Lebensverhältnisse

von Kindern und Familien zu verbessern. Aus unserer

täglichen Arbeit in der Prävention und Rehabilitation für

Kinder und Familien wissen wir, dass diese heute vielfach

benachteiligt sind. Dagegen wollten wir etwas tun und

haben Verantwortliche von Betriebskrankenkassen angesprochen,

die uns ehrenamtlich unterstützen.

Frau Schmalfuß, Sie sind Mitglied des Stiftungsrates.

Welche Aufgaben nimmt der Rat wahr?

Iris Schmalfuß: Wir haben die Stiftung gemeinsam ins

Leben gerufen, um die Lebensverhältnisse von Familien

mit kranken Kindern zu verbessern – das war mir von

jeher ein Bedürfnis. Der Stiftungsrat übernimmt dabei

die Aufgabe, über die Finanzen zu wachen und ein Mal im

Jahr darüber zu entscheiden, welche Projekte gefördert

werden.

Die Stiftung Gesundheitsservice förderte den Verein „T21 –

Gesundes Leben mit Down-Syndrom e.V.“ im Januar 2019

mit 5.000 Euro. Bei der Scheckübergabe in der R+V BKK in

Wiesbaden (v.l.): Iris Schmalfuß, Vorständin R+V BKK und

Mitglied im Stiftungsrat, Dr. Andreas Lukas, 1. Vorsitzender

von T21, Detlef Hellmers, Vorstand der Stiftung Gesundheitsservice,

und Brigitte Luise Feucht, Geschäftsstelle T21.

So gab es ein Erlebniscamp für Kinder mit einer Organtransplantation,

die Förderung einer Behindertenschule,

Maßnahmen zur Vermeidung von Kopfschmerzen bei

Kindern oder auch ein Programm zur Unterstützung von

Alleinerziehenden. Im letzten Jahr ging der Förderpreis

an ein Projekt zur Verbesserung der medizinischen Versorgung

in Tansania und an ein Fußballcamp für Kinder

mit Down-Syndrom.

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Welche Ziele sollten Projekte, die sich um eine

Förderung bewerben, verfolgen?

Detlef Hellmers: Es gibt drei klar definierte Ziele:

Prävention für Kinder ausbauen, gesundheitliche

Chancengleichheit fördern und gesundheitliche Risiken

mindern. Da die Stiftung über einen überschaubaren

finanziellen Rahmen verfügt – für die ausgewählten

Projekte stehen jeweils rund 5.000 Euro zur Verfügung –,

werden vorrangig ehrenamtliche Initiativen unterstützt,

die nicht täglich in der Öffentlichkeit stehen. Denn es gibt

viele Menschen in Deutschland, die ein starkes soziales

Engagement zeigen. Wir helfen ihnen dabei, anderen

Menschen zu helfen.

Frau Schmalfuß, können Sie uns Beispiele für geförderte

Projekte nennen?

Iris Schmalfuß: Die Liste der Projekte, die wir in den

letzten Jahren gefördert haben, ist lang und vielfältig.

Gibt es schon Projekte für die Zukunft?

Detlef Hellmers: Wir halten weiter nach gemeinnützigen

Projekten Ausschau, die förderungswürdig sind, und freuen

uns über jede Anregung von Versicherten der R+V BKK.

Vielen Dank für das Gespräch!

FÖRDERPROJEKTE GESUCHT

Kennen Sie gemeinnützige Vereine oder Einrichtungen,

die gefördert werden sollen? Dann können Sie sich

an die Stiftung Gesundheitsservice, Dönhoffstraße 27,

51373 Leverkusen, wenden – gerne auch per E-Mail an:

info@gsm-gesund.de. Ausführliche Infos zur Stiftung

und den geförderten Projekten erhalten Sie unter

www.stiftung-gesundheitsservice.de im Internet.

Fotos © Karina Wilinski – R+V Betriebskrankenkasse


BKKiNFORM 01 2019

BUNT GEMISCHT

Bonolino und der Grune Mann

Katzen sind sehr vielseitig – das wusste ich schon immer.

Schließlich zählt MauMau zu meinen besten Freunden.

Gleichwohl war mir nicht bekannt, dass sie sich gelegentlich

auch als Hausmeister engagieren. So erhielt ich einen

Hilferuf von William aus Schottland, seines Zeichens Haus-,

Hof- und Kapellenkater der aus dem 15. Jahrhundert stammenden

Rosslyn-Kapelle in der Nähe von Edinburgh.

Gemeinsam mit MauMau machte ich mich auf den Weg.

William war fast genauso schwarz wie MauMau. Im Gegensatz

zu ihr hatte er aber weiße Pfoten und einen weißen

Brustfleck. Die beiden verstanden sich auf Anhieb – das

heißt, sie stupsten sich zur Begrüßung gegenseitig mit der

Nase und rieben die Köpfchen aneinander.

„Beleibt und belaubt. Er ist kräftig und am ganzen Körper

mit Blättern bedeckt. Es wächst ihm sogar Laub aus dem

Mund und aus den Ohren!“ Huh! Das hörte sich aber unheimlich

an!

„Ein Waldschrat!“, mutmaßte ich.

„Nein. Ein keltischer Naturgeist. Man nennt ihn den Grünen

Mann“, antwortete William. „Angeblich wurde er auch

schon in Irland, England, Frankreich und Deutschland

gesichtet.“

„Tatsächlich? Und wie kann ich dir in dieser Angelegenheit

helfen?“

Dann erklärte uns William sein Problem: „Ich kümmere

mich hier um das Notwendigste: versorge sowohl die armen

Kirchenmäuse als auch die hungrigen Dompfaffen. Ich verscheuche

freche Frettchen und halte das Unkraut im Zaum.

Na ja, das mit dem Grünzeug gelingt mir in letzter Zeit

nicht mehr so gut. Seltsame Sache. Seit ein paar Wochen

wuchern in der Kapelle an den unmöglichsten Stellen u. a.

Grinsekraut, Lachlauch und Kichererbsen. Wohlgemerkt IN

der Kapelle!“

„Tatsächlich? Und wie kommen die dahin?“, fragte ich

überrascht.

„Ein seltsamer, belaubter Mann springt dort herum und

pflanzt, was das Zeug hält.“

„Ein belaubter Mann?“

„Er soll mit dem Unfug aufhören! Mit diesem Guerilla

Gardening!“

„Hö? Was ist das denn?“

„Guerilla-Gärtnerei. Das ist so ähnlich wie Graffiti – nur

mit Pflanzen. Im Prinzip keine schlechte Idee, weil die Welt

mehr Blumen als Beton vertragen kann, aber doch nicht in

einer uralten Kapelle! Alles hat seine Zeit und seinen Ort.

Rede bitte mit ihm, auf mich hört er nicht!“ Die Drachen,

Engel, ein Elefant wie auch alle übrigen Steingestalten der

Rosslyn-Kapelle winkten mir von den Decken und Wänden

aus lächelnd zu.

Plötzlich kam der Grüne Mann um die Ecke gesprungen.

Überall, wo er mit den Füßen aufsetzte, sprossen mit einem

Mal Pflanzen hervor. Auch seine Hände hinterließen auf

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BUNT GEMISCHT

BKKiNFORM 01 2019

den Gegenständen, die

er berührte, eine Spur

grünen Wildwuchses. Er

verbreitete ein wachsendes

Chaos. Dabei schien es

nicht einmal absichtlich zu

sein. Es passierte einfach.

Fasziniert und gleichzeitig

erschrocken beobachtete

ich, wie sich Blätter

und Ranken

schlangengleich

aus seinem Mund,

seinen Ohren und

sogar aus den Augen

wanden. Ob das

wehtat? Sein Körper

war komplett mit

raschelndem

Laub bedeckt.

Tatsächlich kam

er mir fast wie ein

sprechender Baum vor. Oder eine botanische Medusa.

„Tach auch, Bonolino!“ Der Grüne Mann streckte mir

lachend seine blättrige Hand entgegen. Da ich aber lieber

blau bleiben statt grün werden wollte, ging ich ängstlich

einen Schritt rückwärts.

„Keine Bange. Auf Nilpferden wächst kein Gras. Zumindest

habe ich das noch nicht beobachtet.“ Der Grüne Mann

grinste mich breit an, und ich gab ihm vorsichtig die Hand.

„Was machst du denn hier?“, fragte ich ihn.

„Jetzt, wo du es gerade

sagst... Warum

forstet du nicht

die baumlosen

Gegenden

Schottlands auf?

Ist doch viel

schöner, als

sich mit alten

Bauwerken

rumzuärgern!

Und wenn dich

der Hafer sticht,

findest du in

den Städten

bestimmt

genügend

graue, häßliche

Fleckchen, die

du begrünen

kannst.“

Der Grüne Mann schaute mich einen Augenblick lang

nachdenklich an, dann klatschte er begeistert in die Hände

und rief: „Yep! Das ist eine großartige Idee, Bonolino! Ich

mache mich sofort ans Werk!“ Dann verschwand er in

einem blättrigen Wirbelsturm.

Kaum hatte sich der Grüne Mann aus dem Staub gemacht,

verschwanden auch die Pflanzen aus der Kapelle. An ihrer

Stelle ploppten steinerne Gesichter des Grünen Mannes auf

und grinsten frech durch die Gegend. Über hundert dieser

Gesichter kann man mittlerweile in der Rosslyn-Kapelle

bestaunen.

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„Ich bin Gärtner, Künstler und Freigeist. Der Robin Hood

der Natur. Rächer der Entwurzelten. Oder so.“

„Aha. Und warum witzelst, wurstelst und wurzelst du in der

Kapelle? Es gibt da doch viel bessere und geeignetere Orte.

Wie wäre es mit etwas Forstarbeit im Sherwood Forest,

hmm?“ Sherwood Forest heißt der Wald in England, in dem

seinerzeit Robin Hood sein Grünwesen trieb – zur Tarnung

soll er hauptsächlich blattfarbene Kleidung getragen

haben.

„Ich soll einen englischen Wald bepflanzen?“ Der Grüne

Mann schnaubte durch die Nase,

dass die Blätter nur so durcheinanderwirbelten.

„Du willst

mich wohl veräppeln! Außerdem

bin ich mit Schottland noch lange

nicht durch!“ Da musste ich ihm

leider Recht geben. Ehemals

waldreiche Gebiete wurden

im Laufe der Jahrhunderte

komplett abgeholzt. Die

Highlands reckten ihre

Gebirgsnasen fast

blank in die Luft.

William kicherte: „So ein dreister Kerl! Hoffentlich vertragen

sich die grünen Grinsegesichter mit den anderen

Steinfiguren der Kapelle. Aber ich werde schon ein Auge

auf sie haben!“

MauMau und ich machten uns wieder auf den Heimweg.

Zu Hause angekommen, setzen wir uns in meine Küche

und tranken grünen Tee.

„Ehrlich gesagt, finde ich das Guerilla-Gartending toll.

Natur pur! Und viel schöner als die ganzen Graffiti-

Schmierereien“, meinte MauMau nach einer Weile. Yep!

Gerade wollte ich ihr antworten, als plötzlich

auf meinem Küchentisch ein

paar Blätter aus dem Holz

wuchsen. Dann streckte ein

Löwenzahn seinen gelben

Kopf in die Höhe und lachte

mich an: „Tach auch,

Bonolino!“

>> www.ruv-bkk.

de/bonolino/index.

htm

BKKiNFORM 01 2019 / Text: Tanja Zeitz, Illustration: ©Klaus Wilinski, Mainz


BKKiNFORM 01 2019

BUNT GEMISCHT

Lesetipps zum Frühlingsstart

Fotos/Cover © C.H. Beck-Verlag;kailash-Verlag; Redline-Verlag/Rückseite: peterschreiber.media/stock.adobe.com; Montage: R+V BKK

Der letzte Herr des Waldes

Ein Indianerkrieger aus dem

Amazonas erzählt vom Kampf

gegen die Zerstörung seiner

Heimat und von den Geistern des

Urwalds, von Madarejúwa Tenharim

und Thomas Fischermann,

erschienen 2018 im Verlag

C.H. Beck, 205 Seiten, 19,95 Euro,

ISBN 978-3-406-72153-3.

Der junge Krieger Madarejúwa

Tenharim ist einer der letzten

Herren des Amazonaswaldes.

Sein traditionsreiches Volk umfasste

einmal mehr als 10.000

Menschen, heute sind es kaum

noch 1.000. Im Jahr 2013 ist ihm

der ZEIT-Journalist Thomas

Fischermann zum ersten Mal

auf einer Expedition begegnet.

Seitdem besuchte er ihn immer

wieder, wurde als erster Weißer

zu heiligen Stätten seines Volkes

geführt und hat am Leben der

Tenharim teilgenommen. Aus der

Ich-Perspektive Madarejúwas

erzählt Thomas Fischermann

Mafia schlägt Hawking

vom Leben des Kriegers und der

Bedeutung des Waldes für die

Tenharim, der ihnen Quelle für

Nahrung, Medizin, Identität und

Spiritualität ist.

Entdecke deine innere Stärke

Wahre Heimat in dir selbst und Verbundenheit

mit anderen finden, von

Brené Brown, erschienen 2018 im

Kailash Verlag, 192 Seiten, 20 Euro,

ISBN: 978-3-424-63171-5.

In einer Welt, die so schnelllebig und

flüchtig ist, in einer Zeit der Heimatlosigkeit

und emotionalen Entwurzelung,

ist es umso wichtiger zu

wissen, wo wir hingehören und woran

wir uns festhalten können. Die

renommierte US-Psychologin Brené

Brown zeigt, dass innere Stärke der

Raum ist, wo Liebe, Zugehörigkeit,

Freude und Kreativität entstehen.

Unter ihrer einfühlsamen Anleitung

entdecken wir unsere innere Verwurzelung

neu und entwickeln eine

kraftvolle Vision, die uns ermutigt,

Großes zu wagen.

Der Lügendetektor fürs

Business

Der praktische Ratgeber für den

Berufsalltag – so ticken Kollegen,

Chefs, Bewerber und Kunden, von

Niclas Lahmer, erschienen 2019

im Redline Verlag, 208 Seiten, 17,99

Euro, ISBN: 978-3-86881-740-9.

Menschen lügen, tagein, tagaus –

auch im Büro. Doch wir durchschauen

gerade einmal nur etwa

jede zweite Lüge. Keine wirklich

überzeugende Erfolgsquote, vor

allem dann nicht, wenn es um die

Auswahl eines geeigneten Bewerbers

geht, die Aussagen des

Vorgesetzten oder auch „nur“ um

die Einschätzung der Kollegen.

Niclas Lahmer, Ausbilder für

den zivilen und militärischen Bereich,

zeigt in seinem Buch „Der

Lügendetector fürs Business“

Techniken, wie man im Geschäftsalltag

Menschen entschlüsseln

kann und Wahres von Unwahrem

unterscheidet.

Zwei Mal drei Bücher gab es in unserer letzten Ausgabe zu gewinnen. Nach langer Zeit

stand außer einem Sachbuch auch wieder ein Krimi zur Verlosung an: „Der Consigliere.

In den Fängen der Mafia“ von unserem Mitglied Bernd Gerhard. Mit 177 Verlosungsteilnehmern

schlug damit das Thema Mafia recht deutlich unser zweites Verlosungsbuch

„Hawking in der Nussschale“ von Dr. Florian Freistetter, das auf 132 Bewerber kam.

Herzlichen Dank an alle, die ihr Glück versucht haben. Und denen, die ihr Glück gemacht

haben, gratulieren wir zum Buchgewinn. Die drei Krimis gehen an: G. Gaeta aus Stuttgart,

W. Röschl aus Sindelfingen und M. Stier-Salucci aus Wolfsburg. „Hawking in der Nussschale“ haben gewonnen:

C. Messerli aus Eltville-Martinsthal, L. Weidmann aus Schwäbisch Hall und T. Weiland aus Neusitz.

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65215 Wiesbaden

info@ruv-bkk.de

www.ruv-bkk.de

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Sagen Sie dem Papierkram Adieu.

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werden. Der einfachste Weg zur BKK:

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