der steirer land ... Ausgabe 01/2019 KARL OSWALD

stil2016

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48. Ausgabe Nr. 01/ 2019 I EUR 5,00

5 JEDER MENSCH HAT SEINE ZEIT 5

Du erinnerst

dich auch!

Seite 4

Ein Brief

fürs Leben

lSeite 15

Nie den Kopf

heben!

lSeite 37

Junge Buam

und olti Steirer

lSeite 57


Sehr geehrte

Leserinnen und Leser

von ...der steirer land...,

das Leben kehrt zurück; die

ersten Frühlingsboten strecken

langsam ihre Köpfe

aus der Erde, die ersten Gräser

färben sich in ein frisches, zartes Grün und die

Knospen an den Bäumen verraten uns, dass nach der

Winterruhe wieder Kraft und Saft in jeden Zweig zurückkehren.

Und wir? Wie viel Kraft nehmen wir aus der natürlich

vorgegebenen Ruhezeit mit in das anbrechende Frühjahr

und wie viel Energie und Tatendrang schenken

uns die länger werdenden Tage und die erwachende

Kraft der Sonne. Manch einer würde sagen: „Gar

keine“, da das hektische Getriebe unserer Zeit keine

Ruhepausen mehr kennt. Leistung ist zu erbringen

und der Mensch hat zu funktionieren, immer und

zu jeder Zeit, fokussiert auf das, was zu tun ist, und

keinesfalls auf das, „was ist“. Nach links und rechts

schauen könnte von der Arbeit, vom Ziel, von dem,

was gefordert wird, ablenken. Links und rechts sind

aber die herrlich klaren Sonnenaufgänge, die gerade

im Frühling so merklich das Leben erwecken. Dort

ist dieses zarte und saftige Grün, jenes Grün, das nur

die neu erwachende Natur zu dieser Jahreszeit hervorbringt.

Und dort sind ein wenig Ruhe, ein wenig

Erdung und ein Hauch von Dankbarkeit dafür, dass

es immer wieder aufs Neue beginnt. Das Osterfest

der Natur, das in der Auferstehung, im Neuerwachen,

seinen Höhepunkt findet und dessen Zeugen wir sein

dürfen.

Neu ist auch wieder unser „Steirerland“. Vielleicht

lässt die eine oder andere Geschichte darin Sie zur

Ruhe kommen und vielleicht finden Sie dann den Augenblick,

die Kraft der erwachenden Natur zu sehen,

zu spüren und zum eigenen Wohl zu nutzen. Denn

schließlich und endlich sollen wir nicht nur funktionieren

– wir dürfen auch leben.

In diesem Sinn wünschen mein Team und ich euch

einen guten Start ins Frühjahr, ein wenig Zeit zum

Innehalten und viel Vergnügen bei eurer Reise durch

unsere Geschichten.

INHALT 5

Du erinnerst dich auch! 4

Aufbruch zum Leben 6

Holzausbringung 8

Bauernhände 10

Mundart 12

Ein Brief fürs Leben 15

Woaßt as noch? 18

Geschichtensammler 20

Naturpark Südsteiermark 23

Jeder zahlt einen 27

Ursache und Wirkung 30

Von Stipfeln und Scheiteln 32

Kräuter Rath 34

Nie den Kopf heben! 37

Gestickte Weisheiten 40

Steiermärkische Berg- und Naturwacht 43

Dirndl, wem gherst’n? 47

Das Lied vom Sulmtaler Bauern 52

Der Ameisler 54

Junge Buam und olti Steirer 57

Heriterra 60

Die Oma hot’s gwisst! 62

Buschenschänker 64

Veranstaltungen 67

Die nächste Ausgabe von

Ihr Karl Oswald

erscheint am 31. Mai 2019.

5


DU ERINNERST

DICH AUCH!

Immer wieder ist es eine kleine Berg- und Talfahrt, wenn ich mich aufmache,

um mit den Menschen über ihre Geschichten zu sprechen. Dass dabei nicht

nur Einzelschicksale erzählt werden, sondern auch die Lebensumstände

verschiedener Jahrzehnte, ergibt sich von selbst.

Am meisten fasziniert mich aber, dass selbst nach

so vielen Interviews und hunderten von Menschen,

die ich kennenlernen durfte, es immer noch jeder

Einzelne schafft, mich mit seinen Erlebnissen auf

eine Reise mitzunehmen, die stets in Ehrfurcht und

Bewunderung für die Leistungen der vorangegangenen

Generationen endet. Es ist einfach schön,

Menschen durch ihre Erinnerungen zu begleiten

und ihren Erzählungen zu lauschen. So manche

Gesprächspartner platzen förmlich mit ihren Geschichten

heraus, andere wiederum wollen zuerst

einiges von mir wissen, um abzuklären, ob ich denn

überhaupt verstehe, was sie mir sagen. Der Grund

dafür ist einfach: Obwohl selber schon ein halbes

Jahrhundert alt, glauben doch viele, dass ich zu

jung bin, um ihre Zeit zu verstehen. So reden wir

zuerst einmal darüber, wo ich herkomme und wie

ich aufgewachsen bin. Ich erzähle von meinen Erinnerungen

an das „Wasser fian“ mit den Kühen, das

„Woaz- und Kürbishauen“ und die Heuarbeit, die

bei uns daheim sehr lange Zeit von Hand gemacht

wurde. Natürlich kann ich auch vieles aus meinem

Erfahrungsschatz von weit über eintausend Erzählungen

berichten und von den steirischen Mundartausdrücken

sowieso. So tauschen wir uns aus

und wenn meine Geschichtenerzähler erkennen,

dass ich sehr wohl ein wenig mitreden kann, dann

geben auch sie mir ihre Erinnerungen preis. „Zu

jung“ ist also eine Eigenschaft, die ich immer wieder

erklären muss. Das ist die Regel bei vielen meiner

Interviews, doch im Herbst des letzten Jahres – ich

sammelte gerade Stoff für mein Buch „Hoamathulz“

– durfte ich die Ausnahme davon erleben. Es

war in Graz, wo ich mit einer wunderbaren Dame,

schon weit über 90, über ihre Geschichte sprechen

durfte. Diese spielte im Murtal und es war ein Genuss,

ihr beim Erzählen zuzuhören. Genau erinnerte

sie sich an die Lebensumstände nur wenige Jahre

nach dem Ersten Weltkrieg und liebevoll berichtete

sie mir von kleinen und großen Abenteuern aus ihrer

Kindheit. Als der Zweite Weltkrieg, begann war

sie 17 Jahre alt. Ich bewunderte die Detailgenauigkeit,

mit der sie mir Einzelheiten aus ihrem Leben

erzählte. Zwischendurch sah ich, wie sich der Glanz

in ihren Augen verstärkte, weil Erinnerungen an

liebe und verlorene Menschen dafür sorgten, dass

sie die Tränen kaum unterdrücken konnte. Und bald

darauf traten wieder die schönen Ereignisse in den

Vordergrund und ich bemerkte, dass viele ihrer Falten

nicht von Sorgen, sondern von der Freude und

vom Lachen herrührten.

Langsam arbeiteten wir uns Jahr für Jahr voran; am

meisten faszinierte mich, dass sie in allem – egal

was ihr widerfahren ist – etwas Positives und eine

Herausforderung sah. Kam etwas Neues auf sie zu,

so wurden ihre Augen, selbst nach so vielen Jahren

noch, größer und ich konnte richtig spüren, wie sie

vor Neugier sprühten und wie die Lebenslust sie

vorantrieb. Wir kamen mit ihrer Geschichte ins Jahr

1945. Sie erzählte mir, dass damals ihr erster Sohn

das Licht der Welt erblickt hatte. Weiters berichtete

sie davon, wie schwer es damals war: Es gab nichts

zu kaufen – alles konnte nur mit Lebensmittelmarken

bezogen werden. Ihre Mutter war ihr zu dieser

Zeit eine große Stütze, dank der sie den einen oder

anderen Bezugsschein zusätzlich ergatterte, um

für ihren Sohn das Wichtigste kaufen zu können.

6


Gespannt lauschte ich dem, was sie mir berichtete,

und meinte dann ganz nebenbei: „Jo, jo – damals

war das nicht so wie heute, dass man alles kaufen

konnte, was man will.“ Sie schaute mich ganz liebevoll

an, legte ihre Hand auf meinen Unterarm und

antwortete: „Gell, du kannst dich auch noch daran

erinnern.“

Im ersten Moment wusste ich nicht, wie mir geschah,

dann lachte ich heimlich, still und leise

in mich hinein. Dass man mir fünf bis zehn Jahre

weniger gibt, je nach Alter und Sehstärke meiner

Gesprächspartner, war ich gewöhnt; dass mir aber

jemand gleich mehr als 20 Jahre draufpackt, war

mir neu. Wir setzten unser Gespräch über „gemeinsame“

Nachkriegserinnerungen fort, obwohl diese

kleine Anekdote bewirkte, dass mein Grinsen für

den Rest des Gesprächs nicht mehr aus meinem Gesicht

verschwand. Eine wunderbare Geschichte von

einem sehr lieben Menschen entstand daraus und

ich bin, wie bei so vielen anderen Menschen auch,

stolz darauf, dass sie mir erzählt wurde und ich sie

bewahren darf.

Seither spreche ich immer wieder gern von dieser

kleinen Episode, nicht nur, weil sie lustig ist, sondern

auch, weil sie ein gutes Beispiel dafür bietet,

wie sehr sich die Menschen mit den Geschichten aus

„…der Steirer Land…“ und meinen Büchern identifizieren.

So sehr, dass sie beim Erzählen alles andere

vergessen, und so stark, dass sie mich nicht nur mit

ihren Geschichten, sondern auch hinsichtlich meines

Alters in ihre Zeit mitnehmen. Dankbar nehme ich

diese Einladung an.

Original

FEUERWEHR-LEDERHOSE

Mo-Fr 8.00-12.00 • 14.30-18.00

Sa 8.00-12.00 • TEL.: 03457/2295

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7


Die Hacken sind geschliffen, die Säge

geschärft; auf geht’s in den Wald, um

ein paar Bäume zu fällen und sie mit

dem Ross auszubringen. Dies ist nicht

der Beginn einer schönen alten Geschichte

über die Holzknechte und ihre Arbeit,

sondern jene Herausforderung, der sich

einige Jäger vor wenigen Wochen stellten.

Alois Kapun aus Kranach rief seine Jagdkollegen

aus Eichberg, Oberhaag, Schloßberg und Leutschach

zusammen, um mit ihnen gemeinsam die Erinnerungen

an die Holzausbringung von anno dazumal aufleben

zu lassen. Rudi Weiland trat mit seinem Hengst

Aron an, denn nicht nur Manneskraft ist bei der traditionellen

Holzarbeit gefordert, sondern auch die

Zugkraft eines Pferdes.

Wie es sich gehört, wurde zuerst das Werkzeug auf

Vordermann gebracht. Franz Strablegg, der Senior

der Gruppe, weiß nebenbei davon zu berichten, wie

mühsam früher die Arbeit in den steilen Gräben

der Südsteiermark war. Dabei ging es nicht nur ums

Können, sondern es brauchte mindestens ebenso

viel Geschick. Oft, so berichtete er, mussten sie mit

Schleuderketten und Pfosten erst ein Gerüst um den

Baum bauen, damit sie überhaupt einen Halt hatten,

um die Zugsäge ansetzen zu können. Lief es gut, so

war man auch durchaus zu Scherzen aufgelegt und

schnitt schon einmal einen Baum am Abend vor, damit

es am folgenden Tag bei Sonnenaufgang bereits

krachte, wenn ein 40-50 Meter hoher Riese sich seinen

Weg durch das Geäst auf den Waldboden bahnte.

Natürlich gab es dann viel Lob für den Fleiß der

Burschen; dass bereits so früh der erste Baum fiel,

war beeindruckend, da man doch etliche Stunden

dafür brauchte.

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Julia Kapun, Christian Peitler und Hans Walcher

machen die „Holzfällertruppe“ komplett. Nachdem

die Säge ordentlich geschränkt worden war,

damit die Sägespäne sauber ausgeworfen werden,

machten sie sich auf den Weg in den Wald. Bald

war der Schlag erreicht und die Arbeit konnte

beginnen. Jeder versuchte sich an der Zugsäge

und nur, wenn zwei miteinander harmonieren,

bringt man etwas weiter. Jeder zieht auf seiner

Seite; ja nicht schieben, weil es zu langsam geht,

denn dann passiert gar nichts. Egal ob mit Säge,

Hacke oder Sappel, jeder leistete seinen Beitrag

und bald war das Blochholz für die Ausbringung

vorbereitet. Jetzt kam Arons großer Auftritt. Am

Ortscheit seiner Zugriemen wurde ein Zottel, ein

Eisenring mit mehreren Ketten, befestigt und deren

Haken in die Bloche geschlagen. Es machte

dem Hengst sichtlich Spaß mit seiner Last den

alten Hohlweg entlangzutrotten. Nach mehreren

Ausziehungen war es geschafft. Zwischendurch

durften eine warme Decke für Aron und ein heißer

Tee für unsere Holzknechte natürlich nicht

fehlen. Zum Abschluss wurde jedes Bloch noch

auf Scheiterholzlänge zurechtgesägt, alles auf

den Fuhrwagen geladen und unser Hengst sorgte

köstliches

Frühstück

herzhafte

Jausenplatten

auf Bestellung

kleine Imbisse

hausgemachte

Mehlspeisen

&

leckerer

Illy Kaffee

verschiedene

Eisbecher

für eine angenehme Heimreise. Abgesehen davon,

dass in vielen Bergregionen wieder verstärkt

Pferde bei der waldschonenden Forstarbeit zum

Einsatz kommen, ist diese ruhige Art der Bewirtschaftung

natürlich auch für die Winterruhe des

Wildes von Vorteil. Sie sorgt obendrein dafür,

dass man nach händischer Bearbeitung den Wert

eines jeden Holzscheites, das man in den Ofen

steckt, viel mehr zu schätzen weiß. „Der Steirer

Land“ dankt den Akteuren für das Auflebenlassen

dieser alten Tradition.

Stimmungsvolles Ambiente im

400 Jahre alten Gewölbekeller.

22.06.2019, Sa., 19 Uhr,

Grillabend mit WESTWIND

27.07.2019, Sa., 19 Uhr,

Sommerfest mit den

„Große Chance Kandidaten“

Manuel Hafner & Nadjas Cello

KAPUNER GWÖLB

Wein Cafe GenussLADEN

8552 Eibiswald 82a

Tel. 0664/ 2085001

www.kapuner-gwoelb.at

9


Daniela Posch

Bauernhände

Er wäre früher nicht möglich gewesen, allein zu überleben.

Gegenseitig half man sich Jahrhunderte hindurch bei der

Meisterung großer Herausforderungen.

Ob es sich dabei um das Einbringen der Ernte, um

die Holzarbeit oder den Bau eines neuen Stall- oder

Wirtschaftsgebäudes handelte: Die „Bauernhände“

halfen sich immer gegenseitig. um ein Überleben

für alle zu gewährleisten. Viele Geschichten

erzählen davon, wie nach dem Weltkrieg die

Menschen zusammenstanden und jenen Familien

unter die Arme griffen, deren Männer oder Söhne

nicht mehr heimgekehrt waren. Sie erzählen, wie

bei großen Schicksalsschlägen die Nachbarn helfend

zur Stelle waren, um das Fortkommen ganzer

Familien zu sichern und um dafür zu sorgen,

dass Frauen mit ihren Kindern nicht ihr gesamtes

Hab und Gut verloren. Dass dies keine verklärte

Romantik aus längst vergangenen Tagen ist, wurde

uns erst vor wenigen Wochen wieder vor Augen

geführt. Das Jahr 2019 hat begonnen, es wird wärmer

und die ersten Frühlingsboten sprießen aus der

Erde. Die Bäuerinnen und Bauern arbeiten schon

fleißig auf dem Feld, um ihr Saatgut auszubringen

und so den Grundstock für die Ernte im Herbst zu

legen. Jedes Jahr wenden sie all ihre Kraft und große

Mühen auf, um den Fortbestand der heimischen

Landwirtschaft und die sichere Lebensmittelversorgung

der Menschen zu gewährleisten. Dabei

ist der Slogan „auf uns Bauern ist Verlass“ heutzutage

noch genauso tragend und stark wie vor 50,

60 oder 100 Jahren. Ein Beispiel dafür bieten die

schmerzlichen Erfahrungen des Jahresanfangs mit

seinen Wetterkapriolen. Viele Dörfer und Täler waren

aufgrund der Schneemengen und Lawinengefahr

von der Außenwelt abgeschnitten. Meterhohe

Schneemassen brachten viele Helfer in lebensbedrohliche

Situationen und vielerorts herrschte Ausnahmezustand.

Jeden Tag gab es Berichte über die

katastrophalen Zustände und die Machtlosigkeit

von Helfern und Einwohnern. Der Strom fiel aus,

Lebensmittel wurden knapp und neben den eigenen

Familien waren in den Urlaubsregionen auch

noch unsere Gäste zu versorgen. Und plötzlich gewann

das Allgegenwärtige – jene Leistungen, die

uns nicht mehr auffallen, weil sie einfach immer

da sind – wieder einen ganz besonderen Wert. Erbracht

von den Menschen vor Ort.

Es war erfreulicher jene Zeitungsartikel zu lesen,

die über den Zusammenhalt der Menschen und

über gegenseitige Hilfestellungen berichteten.

Bäuerinnen backten Brot, Bauern lieferten Milch

und versorgten die Bevölkerung mit dem Notwendigsten.

Sie halfen mit ihren Traktoren bei der

Schneeräumung, schufen Zufahrten zu abgelegenen

Siedlungen und halfen bei Aufräumarbeiten

nach Lawinenabgängen. Die Menschen waren in

10


Not und die Bauern mit allen ihren Leistungen

und Möglichkeiten zur Stelle. Egal wann und

wo, sei es bei der Lebensmittelversorgung, der

Brennholzbeschaffung oder bei anderen Hilfestellungen:

Die Bauernschaft stellte

ihre Verlässlichkeit unter Beweis

und ihre helfenden Hände in den

Dienst der Menschen vor Ort.

Es zweifelt wohl niemand an der Wichtigkeit

der Bauern und Bäuerinnen mitsamt ihren Betrieben,

doch gerade in solchen Extremsituationen

wird uns ihr Wert wieder besonders ins Bewusstsein

gebracht. Leider müssen oftmals erst

Katastrophen passieren, damit wir wieder die

Augen öffnen und uns auf den Wert dessen besinnen,

das vor Ort für uns da ist. Viel zu schnell

vergessen wir in unserer getriebenen Zeit, was

Menschlichkeit bedeutet, aber in der Not werden

uns der Wert der Gemeinschaft und der

Wert unserer Landwirtschaft erneut direkt vor

Augen geführt. Unermüdlich war der Einsatz

vieler freiwilliger Helfer und großen Respekt,

Anerkennung und Hochachtung zollen wir all

jenen, die uneigennützig ihre Kraft und Hilfe

zum Wohl der Allgemeinheit zur Verfügung

stellen. Es ist nicht selbstverständlich! Danke!

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Unsere Sprache - unsere Seele

ohbittn entschuldigen Es tuat mir load, drum mecht i Ohbitt leistn.

hal rutschig/glatt Wenn ‚ s noch költa wird, dann wird’s a hal.

Tristn Stapel Tua scheana schlichtn, wal sumst follt ums die Hulztristn

gach um.

oaletzi abgeschieden So oaletzi wia der haust is koa Wunder, dass man nia siacht.

vajeikn verjagen Wenn i hear, dass oana Fensterln kummt, dann vajeik i eam.

weatan schmerzende Stelle Genau mit meim weatan Zahn hob i draufbissn.

roumpfn streifen/abschürfen Heb den Tisch aun, sunst roumpfst den ganzn Boden oh.

Pölval Tablette Geh zan Dokta und hul mir ani Pölval gegen Kopfweh.

ibaschiaßn verprügeln Zerscht ham i eam ban Stöhln dawischt,

dann ham i eam ibaschoßn.

Oadaxl Eidechse A Oadaxl sitzt in da Sunn auf an woaman Stoa.

Regnguscha Feuersalamander Noch am Regn siachst, wia die Regnguscha untam Lab

hervorkemman.

notzn einnicken Die Kirchenbank is da folschi Plotz zum Notzn.

megazn meckern/kritisieren Wurscht wos i tua, du host imma wos zan megazn.

Lob gutmütiger Mensch Du bist a scheana Lob, wenn du dir des olls gfolln losst.

kreistn angestrengt atmen Host a Vastopfung, wal i di goa so kreistan hear?

Islschaufl Mistschaufel Zerscht kehrst zamm und dann trogst den Mist mit da

Islschaufl außi.

hülzan aus Holz gemacht Bring den hülzan, net den eisan Rechn auf die Wiesn.

Goasacha mehrere Ziegen Die Goasacha san ausbrochn und rennan im Wold

oben herum.

Fipperl leichte Ohrfeige Du wirst so lang frech sein, bist amol a Fipperl kriagst.

daloabn erdulden Daloabn tua i eam, oba megn tua i ihn net.

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LEADER Südsteiermark

Vorrang für Innovation!

In den vergangenen Jahren entstanden aus

Visionen zahlreiche Projekte, die unsere Südsteiermark

nachhaltig stärken. Vielfach steckt dahinter die Förderschiene LEADER.

Der Nutzen von LEADER

Projekte, die mit diesen Fördermitteln umgesetzt

werden, sollen die regionale Identität stärken, Regionalbewusstsein

aufbauen, die Leistungsfähigkeit der

Region heben und das Einkommen der Bevölkerung

sichern. Das ist die Grundidee von LEADER: Aktive

Bürgerinnen und Bürger bei der Umsetzung ihrer Ideen

mit Förderungen zu unterstützen.

Was ist LEADER?

LEADER ist ein Regionalentwicklungsprogramm der

Europäischen Union, kofinanziert durch EU, Bund und

Länder. LEADER steht als Abkürzung für: Liaison

entre actions de développement de l’économie rurale.

Das heißt: Verbindung zwischen Aktionen zur Entwicklung

der ländlichen Wirtschaft. Unterstützt wird

dieses Vorhaben zur Entwicklung des ländlichen Raumes

2014-20 aus Mitteln der Europäischen Union, des

Bundes und des Landes Steiermark. Das LEADER-

Programm wird über das Regionalressort des Landes

Steiermark abgewickelt.

Beispiel LEADER-Projekt: Orts- und

Höfechronik Sulztal

Die Region Südsteiermark hat eine lange historische

Tradition. Im Zuge dieses Projektes von Otto Knaus

und Ursula Lechenauer wurde näher auf die Geschichte

der Katastralgemeinde Sulztal, die im unmittelbaren

Grenzbereich zu Slowenien liegt, sowie auf die

ersten urkundlichen Nennungen der in diesem Bereich

befindlichen Bauernhöfe eingegangen. Die meisten

davon wurden sogar bereits in den Jahren 1542/43

erstmals urkundlich erwähnt. Dafür wurde das Sulztal

von einem Historiker besucht. Bilder und Unterlagen

wurden akribisch gesammelt. Nach ergänzenden Recherchen

im Steiermärkischen Landesarchiv sowie im

Pokrajinski Arhiv (Regionalarchiv) in Maribor wurde

das Endprodukt – die Orts- und Höfechronik Sulztal –

präsentiert, die anhand von 30 historisch belegbaren

Höfen die Geschichte der Grenzregion bis in die Zwischenkriegszeit

erzählt. Dadurch wird die regionale

Identität gestärkt und die Verbundenheit zu unseren

slowenischen Nachbarn hervorgehoben. Die Chronik

steht online kostenlos zum Download auf der Homepage

des Regionalmanagements zur Verfügung.

Deine Ideen sind gefragt!

Wir freuen uns, gemeinsam mit den Menschen der

Region zukunftsweisende Projekte zu entwickeln und

umzusetzen! Insbesondere für diese Themenfelder

suchen wir noch innovative Ideen:

• Leerstandsnachnutzung

• Ortskernbelebung

• Projekte von, für und mit Jugendlichen

• bzw. Kindern

• Energie & nachhaltiger Wohnbau

REGIONALMANAGEMENT

Südweststeiermark GmbH – LAG Südsteiermark

Vorsitzender: Bgm. Reinhold Höflechner

LAG-Management: Ing. Elisabeth Reiterer, Bettina Rath

Grottenhof 1, 8430 Leibnitz

T +43 3452/84 510; M +43 664/96 89 606

e.reiterer@eu-regionalmanagement.at

www.eu-regionalmanagement.at

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Es sind die Erinnerungen

an große Momente, tiefe

Eindrücke und schöne

Augenblicke, die wahrhaften

Wert besitzen und

Zeit kostbar machen.

Josef Krisper – Goldschmied

Marktplatz 6, 8462 Gamlitz

M. +43 (0) 664 313 07 88

M. +43 (0) 664 968 96 68

www.krisper-gamlitz.at

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KRONJUWELEN-HOCHZEIT

EIN BRIEF

FÜRS LEBEN

Karl Klampfer, geboren 1936, übergab mir in Eibiswald

jenen Brief, der die Geschichte seiner Familie erst möglich machte.

Es ist ein Bekenntnis, das sein Vater „Friedl“ (1909-2008) an

die Mutter „Hedwig“ (1910-2007) richtete, um ihr damit alle

seine Gefühle, seine Wünsche und seine Liebe zu erklären.

der Steirer Land“ darf ihn als wertvolles Zeugnis einer Zuneigung,

die letztendlich über die Kronjuwelen-Hochzeit hinausreichte, bewahren.

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KRONJUWELEN-HOCHZEIT

Ein Brief fürs Leben

Unere Geschichte ereignete sich im Raum Straden.

Friedl war eines von 12 Kindern und weil er seinen

Vater früh verlor, blieb der Mutter nichts anderes

übrig, als ihn – damals drei Jahre alt – zu seinem

Onkel zu geben, wo er aufwuchs und später den

kleinen Hof übernahm. Im Winter stellte er bäuerliches

Werkzeug und Schi her, im Sommer verdiente

er sich als Strohdachdecker ein wenig Geld zur

Wirtschaft dazu. Er verliebte sich in Hedwig, eine

wunderschöne Bürgerstochter, und wusste, dass

er nicht viele Chancen auf ihre Liebe haben wird.

Zu viele Verehrer machten ihr den Hof; ein jeder

konnte ihr weit mehr bieten als der Keuschlerbub

Friedl. Doch das Glück ist ja bekanntlich dem Tapferen

hold und so setzte sich Friedl hin und verfasste

den Brief seines Lebens. Verlieren konnte er

nichts, aber zu gewinnen gab es viel:

Mein einzig geliebtes Herz! Ich grüße dich in

stiller Nacht bei hellem Sternenschein, wo

liebend noch mein Auge wacht für dich, du

einzig Eine! Denkst du an mich! Ich grüße

dich!

Liebste Hedwig!

Ist es vielleicht das letzte Mal, dass ich dich

so nennen darf? Jetzt kann ich es nicht fassen

und doch… Früher habe ich durch deine

klaren Augen in deine reine Seele schauen können.

Du hast so munter geplaudert mit mir,

dein Mund sprach von Liebe! Dein aufrichtiges,

liebes Benehmen, deine treuen Äugelein,

deine lieben Worte, sie erweckten in mir ein

Hoffen und Sehnen, ich träumte von einem

zukünftigen Glück. Und jetzt? Sollte alles

eine Täuschung sein??? Keine lieben Worte

hast du mehr für mich übrig, nur abweisende

Blicke, ein gezwungenes, eisernes Lächeln

und Worte hart wie Steine, die sich zentnerschwer

auf mein Herz legen und es zu

erdrücken scheinen.

Jetzt frage ich einmal: Womit habe ich solches

verdient? Was habe ich getan, dass du

kein gutes Wort mehr für mich übrighast?

16

Habe ich dich so arg gekränkt, dass du mir

jetzt mit einem Mal so abgeneigt bist, dass

ich überhaupt nicht in deiner Gegenwart sein

darf? Ich könnte mich wohl an nichts erinnern,

was ich gefehlt getan hätte, dass ich

dich dadurch so gekränkt habe. Hast du vielleicht

eines meiner Worte missverstanden,

anders aufgefasst, oder sollte mir wirklich

ein unbedachtes Wort entschlüpft sein, was

ich vielleicht gar nicht so gemeint hatte? Ist

vielleicht wieder etwas Schlechtes über mich

geredet worden, denn dass es Leute gibt, die

sich nur damit befassen, mich auszurichten

und zu verleumden, das weiß ich wohl. Dass

du aber solchen Reden Glauben schenkst, das

glaube ich gar nicht von dir. Oder warst du

überhaupt nur darauf bedacht, nur ein böses

Spiel mit meinem Herzen zu treiben? – Doch

nein, das glaube ich gar nicht von dir, du hast

ja auch deine Liebe zu mir gezeigt, das kann

ich ehrlich sagen.

Und als ich dir ins Auge sah, wie lag in deinem

Auge da ein unvergänglich Lieben. Es lag darin

die Zaubermacht, die nicht in meines Herzens

Nacht dein holdes Bild geschrieben…

Ja, dein Bild ist mir ins Herz gegraben. Immer…

meinen Augen. Dein aufrichtiges braves

Betragen hat in mir eine solche Liebe zu dir

entflammt, dass ich um keinen Preis ein anderes

Mädchen deinem edlen Charakter vorgezogen

hätte. Obwohl ich noch immer eine

gewisse Zurückhaltung zeigte, indem ich dir

noch nicht direkt meine Liebe zu dir erklärt

habe, so loderten doch schon lange die Flammen

der Liebe zu dir brennendheiß in meinem

Herzen. Es war mein Wunsch, einmal ein

braves, anständiges Mädchen mein Eigen nennen

zu können. Schon sah ich diesen meinen

Wunsch in Erfüllung gehen, doch jetzt…? All

mein Hoffen scheint in Nichts wieder zu vergehen.

Die Vergangenheit kommt mir vor wie

ein Traum, die Zukunft wie ein Trümmerhaufen.

Nichts ist mir geblieben als die Er-


innerung des Glückes, das ich geträumt. So

willst du mir meine Liebe zu dir vergelten? O,

hast du noch ein Fünkchen Liebe in deinem

Herzen, lass es wieder aufglühen zur hellen

Flamme. Bring wieder Friede und Glück in

meine schmerzerfüllte Brust. Warum hast

du mir deine Liebe gezeigt, wenn du jetzt die

Treue nicht halten willst? Du raubst mir dadurch

meine ganze Lebensfreude und störst

mir meinen Herzensfrieden. Fühlst du, was

es heißt, Scheiden? Scheiden für immer? …

Scheiden von dem, was meines Herzens Sehnen

ist? Schlägt nicht ein fühlendes Herz in

deiner Brust?

Hast du wirklich keine Liebe mehr zu mir?

Bin ich dir zu gering und zu arm? Dann, liebes

Herz, will ich mich dem Schicksal ergeben,

will ich abtreten, will Platz machen einem

Höheren, denn die Liebe lässt sich nicht erzwingen.

Findest du bei einem anderen Liebe

und Glück, dann denke auch manchmal an

mich zurück, denn ich werde dich nicht vergessen,

bis der Tod mein müdes Auge bricht…

Und wenn … den grünen Kranz ins Haar dir

flicht. Glück auf, ich liebe dich, doch sagen

durft ichs nicht…

Aber schau nur, dass du glücklich wirst,

denn mein sehnlichster Wunsch ist es ja,

dich einmal glücklich, recht glücklich zu sehen.

Härter als alles andere würde es mich

drücken, wenn du mich für schlecht und

charakterlos halten würdest. Denn das bin ich

bestimmt nicht, wenn es auch die Leute mit

ihrem Gerede so haben wollen. Hoffentlich

wird ihnen das Maul bald gestopft sein. Also

ich bitte dich, wenn du mir auch nicht mehr

deine Liebe schenkst, bewahre doch immer ein

gutes Andenken von mir. Das wird mein bester

Trost sein in den trüben Stunden meiner Zukunft.

Hast du aber noch ein Herz für mich,

so neige es wieder zu dem meinen, es soll dich

nicht reuen. Und noch eines bitte ich dich. Da

ich nämlich nicht weiß, was überhaupt der

Grund deiner Abneigung zu mir ist, so bitte

ich dich, gib mir einmal Gelegenheit mit dir

über diese Sache zu sprechen, kannst mir

alles ruhig sagen. Oder wenn es dir vielleicht

unangenehm ist, dass du mich vielleicht nicht

gern in deiner Nähe siehst, so bitte ich dich,

mir wenigstens schriftlich darüber Auskunft

zu geben. Lass mein Herz nicht länger dieser

Qual ausgesetzt sein. Entweder wieder eine

glückliche, reine Liebe oder… wie Gott will.

Schließlich sei noch auf das Herzlichste gegrüßt

und geküsst von deinem dich von ganzem

Herzen liebenden Friedl.

Wo liebend sich zwei Herzen einen nur eines

zu sein in Freud und Leid, da muss des Himmels

Sonne scheinen und heiter lächeln jede

Zeit.

Was mit diesem Brief begann, sollte weit über

die Kronjuwelen-Hochzeit hinaus halten. Obwohl

Hedwig wusste, dass schwere Arbeit für wenig

Lohn auf sie wartete, entschied sie sich für die

Liebe. Denn wenn ein Mann verzichtet, nur um

sie glücklich zu sehen, dann liebt er wirklich. Drei

Kindern und fünf Pflegekindern wies das gemeinsame

Glück ihren Weg durchs Leben und bis ins

hohe Alter hinein ließen beide nicht voneinander

ab. Als Hedwigs letzte Stunde kam, nach 76 ½

Ehejahren, lag sie im Bett und Friedl streichelte

ihr die Hand. Je kälter diese wurde, umso mehr

Tränen liefen über seine Wangen und selbst, als

sie ihren letzten Atemzug tat, ließ er sie nicht los.

Die ganze Nacht lang hielt er sie fest, hielt sie fest

und geleitete sie in Gottes Reich, an das Hedwig

so sehr glaubte. Ein halbes Jahr später begab auch

er sich auf seine letzte Reise, um wieder mit seiner

Liebe vereint zu sein.

17


WOAßT AS NOCH?

Über hunderte, ja sogar tausende von Jahren erfuhren die Werkzeuge des täglichen

Gebrauchs zwar eine ständige Weiterentwicklung, aber kaum eine entscheidende

Veränderung. Erst im letzten Jahrhundert wurden viele unserer Hilfsmittel durch

technische Errungenschaften abgelöst und beginnen seitdem langsam in Vergessenheit

zu geraten. Erinnern Sie sich noch an den Verwendungszweck

nachstehender Werkzeuge?

1 2

DER NÄCHSTE

WINTER

KOMMT BESTIMMT!

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3

1) Schnoatmesser

Nichts wurde verschwendet, jeder noch so

kleine Zweig war als Brennholz brauchbar.

Das Schnoatmesser, auch Praxen

genannt, ist eine Art Hackmesser, mit

dem man Äste entholzt. Dafür nimmt

man den Ast in die eine Hand und mit

der anderen „schnoatet“ man die kleinen

Stauden ab, um sie später mit der Handhacke

zu zerkleinern.

5

6

18


2) Wendehaken

Der klassische Wendehaken (Bloch Wendeeisen)

besteht aus einem Haken, der an einem Ring befestigt

ist. Durch diesen Ring wird dann ein stabiler

Hebel (oft ein Sappelstiel) gesteckt, um möglichst

große Kräfte zu übertragen. Er dient dazu, gefällte

Stämme zu bewegen, insbesondere zu drehen.

AKAZIENHOF

St. Andrä / Höch

3) Klobenrad

Das Klobenrad, die Umlenkrolle, ist ein unverzichtbares

Werkzeug, wenn es um die Holzbringung in

schwierigem Gelände geht. Mit dem Klobenrad hat

man die Möglichkeit, die Zugkraft des Seiles umzulenken,

um Baumstämme auszuseilen.

4) Wiegesäge

Diese Säge ersetzte einstmals die Hacke – was

waldwirtschaftlich gut war, weil dann beim Fällen

nicht so viel Holz als Ausschuss verloren ging. Für

die Holzknechte hieß es fortan schlicht und ergreifend,

effizienter zu arbeiten. Waren sie früher

mit der Hacke allein, so standen sie jetzt immer zu

zweit an der Wiegesäge – und mussten das Werkzeug,

dieses „Schinderblattl“, mit aller Kraft führen

und ziehen.

5) Hacken und Äxte

Die Fällhacke verfügt in der Regel über eine beidseitig

angeschliffene, mehr oder weniger schlanke

Klinge mit relativ spitzem Schneidenwinkel, um ein

leichtes Eindringen ins Holz zu ermöglichen. Ist die

Schneide besonders schlank, verwendet man die

Axt zum Entasten gefällter Bäume. Mit einer Spaltaxt

wird bereits zersägtes Holz gespalten, meist

zur Herstellung von Brennholz. Diese Äxte verfügen

über eine beidseitig angeschliffene, starke und

schwere Klinge mit relativ stumpfem Schneidenwinkel

für eine hohe Spaltwirkung. Solche Äxte

weisen somit einen deutlich größeren Keilwinkel

auf als Fälläxte oder Zimmermannsbeile.

6) Streifzottel

Der Streifzottel oder Blockstreifhaken besteht aus

einem Holzstück, an dessen Ende mehrere Eisenhaken

befestigt sind. Diese werden in die Holzstämme

geschlagen, so dass mehrere Stämme gemeinsam

ausgezogen werden können.

Die Exponate wurden uns von www.erinnerungshof-hermann.at

zur Verfügung gestellt.

Daheim in Neudorf im Sausal

Der Akazienhof steht für Plege und

Betreuung mit Herz und Qualität und

bietet seinen Bewohnerinnen und

Bewohnern ein familiäres Umfeld

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DIE GROßEN STEIRISCHEN

GESCHICHTEN-

SAMMLER

Zu jeder Zeit gab es Menschen, die den Wert des Erzählgutes ihrer Mitmenschen

erkannten, es aufzeichneten und so für die Nachwelt erhielten. Gemeinsam mit

Peter Stelzl wollen wir Ihnen diese Sammler und Chronisten näherbringen

und auszugsweise ihre Geschichten präsentieren.

DER BUCKLIGE BAUER

Viktor von Geramb (1884-1958)

Viktor Ritter von Geramb, 1884 in Deutschlandsberg

geboren, studierte nach der Matura

Germanistik, Geografie und Geschichte.

Er war außerordentlicher Professor für

Volkskunde an der Universität Graz. Dies

war die erste volkskundliche Professur im

deutschsprachigen Raum. 1934 gründete

er das „Steirische Heimatwerk“ und wurde

1949 ordentlicher Professor an der Uni

Graz. Er gilt als Pionier der wissenschaftlichen

Volkskunde und als Bewahrer der

steirischen Volkskultur. Auch die steirische

Märchenwelt faszinierte ihn ganz besonders.

Viele der großen Erzähler und Sammler

erhielten in Gerambs Buch „Kinder- und

Hausmärchen der Steiermark“ (Graz, Leykam

1941) wohl ihre erste besondere Wertschätzung.

Viktor von Geramb, Ehrenbürger

der Stadt Graz, verstarb 1958.

Es war einmal ein Bauer, der hatte einen großen

Buckel. Er wurde deswegen oft von den Leuten ausgelacht

und verspottet. Der Mann kränkte sich sehr

darüber. An einem Feierabend ging er auf sein Feld.

Da hörte er die Gebetsglocken, kniete nieder und betete.

Auf einmal sah er in seiner Nähe mehrere Zwerge

tanzen und hörte sie singen.„Montag, Dienstag,

Mittwoch, Montag, Dienstag, Mittwoch…“

Der Bauer wurde neugierig, ging auf sie zu und

fragte höflich: „Warum singt ihr nicht Donnerstag

und Freitag auch noch?“ Die Zwerge freuten sich

darüber und sagten zum Bauern, dass er sich etwas

wünschen könne, egal ob Geld oder Gut, kurzum:

was er wolle. „Geld und Gut brauche ich nicht! Aber

mein Buckel, den möchte ich gerne weghaben!“,

sagte er bescheiden. Da packten ihn die Zwerge,

warfen ihn mehrmals in die Luft, und als er wieder auf

seinen Füßen stand, war der Buckel verschwunden.

Der Mann war überglücklich, bedankte sich bei

den Zwergen und ging heim. Alle seine Bekannten

wunderten sich darüber, dass er nun ohne Buckel und

obendrein ein glücklicher Mensch war. Sein Nachbar,

ein neugieriger und reicher Bauer, der in der ganzen

Gegend als sehr geiziger Mensch bekannt war, fragte

ihn eines Tages, wie er den Buckel losgeworden sei.

Der gutmütige Bauer erzählte ihm offenherzig die

Geschichte mit den Zwergen. Noch am Abend des

gleichen Tages ging der geizige Bauer aufs Feld und

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sah wirklich die Zwerge tanzen und hörte sie dazu

singen: „Montag, Dienstag, Mittwoch, Donnerstag

und Freitag…“

Da rief ihnen der Bauer, der sich unterwegs einen

Vers ausgedacht hatte, laut zu: „Nehmt den Sonntag

auch dazu, am Sonntag geht die Welt zur Ruh!“

Da sprangen die Zwerge wieder vor Freude umher

und stellten auch ihm einen Wunsch frei. Er wollte

nicht gleich sagen, dass er sich viel Geld wünsche,

und überlegte eine Weile. Dann rief er ihnen zu:

„So wünsche ich mir das, was mein Nachbar nicht

haben wollte!“ Er meinte damit Geld und Gut, die

der bucklige Mann ja verschmäht hatte. Da packten

ihn die Zwerge und warfen auch ihn mehrmals

in die Luft. Als er wieder mit beiden Beinen auf

dem Boden stand, hatte er einen großen Buckel bekommen

– den gleichen, den sein Nachbar gehabt

hatte. So haben die Zwerge seinen Wunsch erfüllt

und der geizige Bauer musste Zeit seines Lebens

mit einem Buckel durch die Welt gehen, weil sich

keine Wunschzwerge fanden, die ihn davon wieder

erlöst hätten.

Nach Walter Kainz in Viktor von Gerambs

„Kinder- und Hausmärchen“ (Graz, Leykam 1941).

Wiederentdeckt und neu bearbeitet von

Peter Stelzl, festgehalten in seinem Buch

„Steirischer Märchenschatz“.

www.peter-stelzl.at,

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Naturpark

Südsteiermark

© Naturpark Südsteiermark

© Naturpark Südsteiermark

© Naturpark Südsteiermark

© Naturpark Südsteiermark

7.000 Streuobstbäume wurden in

den letzten drei Jahren im Naturpark nachgesetzt.

Mitte März 2019 werden wieder über den Naturpark

Südsteiermark mit Unterstützung der Naturparkgemeinden

und der Naturschutzabteilung des

Landes Steiermark Jungbäume von alten regionalen

Obstsorten verteilt. Insgesamt wurden dieses

Jahr von den NaturparkbürgerInnen 1.800 Bäume

bestellt.

Gemeinsam mit der Berg- und Naturwacht, die

Nistkästen für gefährdete Vögel verteilt, den steirischen

BaumwärterInnen und mit Unterstützung

der NaturparkbürgerInnen kann der Naturpark

damit ein starkes Zeichen setzen, um dem für die

Südsteiermark so wichtigen Kulturlandschaftselement

der Streuobstwiese wieder mehr Bedeutung

zukommen zu lassen. Zählt man die Bestellungen

aus den Jahren 2017, 2018 und Einzelinitiativen wie

die sehr sehenswerte und informative Naturparkstreuobstwiese

beim Motorikpark in Gamlitz hinzu,

dann konnten in der Region knapp 7.000 Streuobstbäume

neu gesetzt werden. Der Natur- und Kulturlandschaftsschutz

stellt für den Naturpark Südsteiermark

die Basis seiner Arbeit dar – nur gemeinsam

mit den NaturparkbürgerInnen ist es möglich, das

touristisch so attraktive Landschaftsbild der Region

mit seiner großen ökologischen Artenvielfalt zu erhalten!

Regionalmanagement Südweststeiermark

GmbH - Naturpark Südsteiermark

Grottenhof 1, 8430 Leibnitz

T +43 3452 | 71305

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NATURPARK SÜDSTEIERMARK

5 gute Gründe,

warum der Naturpark Südsteiermark

für den Erhalt der Streuobstwiesen kämpft.

Die/der aufmerksame LeserIn unserer Artikel in

der Steirer Land… kann mit Sicherheit aus dem

Stegreif eine Menge Argumente liefern, was uns

Menschen die Streuobstwiesen mit ihren vielen

verschiedenen Früchten bieten. Ganz sicher bedeuten

sie aber auch für viele BaumbesitzerInnen eine

Menge an investierter Zeit und Arbeit, die immer

noch nicht entsprechend entlohnt werden. Was

motiviert daher viele SüdsteirerInnen trotzdem

dazu weiterhin ihre Wiesen und Bäume zu pflegen?

Die sieben Naturparke der Steiermark haben

dafür fünf überzeugende Gründe definiert:

1) DER GESCHMACK

In den Geschäften gibt es meist nur einen geschmacklichen

Obst-Einheitsbrei – auf Streuobstwiesen

findet man die unendliche Geschmackspalette

der alten Sorten. Das vielfältige Zusammenspiel

aus Zucker, Säure und Gerbstoffen, gepaart

mit sortentypischer Würze, ermöglicht eine Vielzahl

an Nutzungen. Langsam aber sicher finden

diese Geschmacksqualitäten Eingang in die Spitzengastronomie.

2) BIODIVERSITÄT UND LANDSCHAFTSBILD

Streuobstwiesen gelten als die artenreichsten Lebensräume

unserer Kulturlandschaft. Bis zu 5.000

Tier-, Pflanzen- und Pilzarten leben hier. Jahrhundertelang

versorgten Streuobstwiesen unsere Vorfahren

– ohne synthetischen Pflanzenschutz und

Dünger. Hier liegt die Genbank der Steiermark.

Während vor 100 Jahren noch über 2.000 Sorten

bei uns heimisch waren, beschränkt sich der Handel

heute freiwillig auf gut eine Handvoll Sorten.

3) GESUNDHEIT

Streuobst ist gesund,

weil voll von hunderten

Vitalstoffen und weil es

vollreif gegessen wird. Leider werden 40 Prozent

der Äpfel unmittelbar nach der Produktion als unbrauchbar

ausgeschieden. Falls Äpfel heute nämlich

einen Makel wie Rußtau oder Schorf haben

oder gar der Wurm drinnen ist, werden sie umgehend

aussortiert.

4) KLIMAWANDEL UND REGIONALITÄT

In Zeiten des Klimawandels ist eine regionale

Selbstversorgung mit kurzen Transportwegen das

Gebot der Stunde. C0 2 -Neutralität ist nur möglich,

wenn hier ein radikales Umdenken eintritt. Zudem

können nur durch die robusten Eigenschaften der

„alten Sorten“ neue, an den Klimawandel angepasste

Sorten gezüchtet werden.

5) FAIRNESS

LandwirtInnen stellen heute berechtigt die Frage,

warum sie sich angesichts von Niedrigstpreisen

überhaupt noch mit Streuobst befassen sollen.

„Sammeln Sie doch selbst einmal 1.000 Kilo auf,

um dann 40 Euro zu bekommen“, ist der legitime

Vorwurf. Solange KundInnen auf die billigsten Angebote

und der Handel auf maximale Gewinnspannen

lugen, wird es hier keine Änderungen geben.

Auf der Strecke bleibt die kleinstrukturierte Landwirtschaft.

Quellenangabe: Alois Wilfling: 5 Gründe für ein klares Bekenntnis

zu Streuobst & alten Obstsorten. https://www.naturparke-steiermark.at/medien/5-Gruende-fuer-Streuobst_2018_OIKOS.pdf.

24


NATURPARK SÜDSTEIERMARK

STIEGLITZ

© www.bodendorfer.com

BIODIVERSITÄT

fördert Nützlinge auf

Streuobstwiesen (Teil 2)

BUNTSPECHT

©pixabay

Eine unumstrittene Rolle als räuberische

Schädlingsvertilger in Gärten und auf

Streuobstwiesen spielen die Vögel.

Gefördert werden kann ihre Ansiedlung

durch Bereitstellung von Wasser und eine

jahreszeitlich abhängige Futterversorgung.

In Gärten und auf neu angelegten Streuobstwiesen

sind aber vor allem Nistkästen als Unterschlupf

unbedingt nötig, da die natürlichen Nistplätze wie

alte Bäume mit Baumhöhlen, Hecken etc. meist

nicht mehr vorhanden sind. Deshalb hat der Naturpark

die letzten Jahre hindurch zusätzlich zu den

Jungbaumausgaben mehrere hundert Nistkästen

ausgegeben. Im Folgenden ein paar Beispiele für

die Nützlingsleistungen verschiedener Vogelarten:

BLAUMEISE

©www.bodendorfer.com

DER BUNTSPECHT holt sich bekanntlich seine

Nahrung mit kräftigen Schnabelhieben unter der

Baumrinde hervor – vor allem Insekten und deren

Larven.

STIEGLITZE bedienen sich beim Brüten an verschiedensten

kleinen Insekten – besonders beliebt

in dieser Zeit sind aber Blattläuse.

KOHLMEISEN ernähren sich und ihre Jungen vorwiegend

von Raupen, Spinnentieren und Larven

von Käfern, Blattwespen und Co., je nach Angebot.

Zwischendurch futtern sie sogar Blattläuse!

Insgesamt können sie für die Aufzucht einer Brut

bis zu 10.000 Raupen und Insekten vertilgen.

AMSELN suchen ihr Fressen vorwiegend auf dem

Boden und lieben Würmer und Käfer.

Neben den Vögeln gibt es auf Wiesen bzw. Gärten

mit vielfältigen Lebensräumen und Unterschlupfmöglichkeiten

noch viele nützliche Tierarten. Das

Beutespektrum der nachts jagenden FLEDER-

MÄUSE umfasst ebenfalls viele Obst- und Forstschädlinge

(Apfelwickler, Pflaumenwickler, verschiedene

Spanner, Spinner, Eulen…).

u

25


NATURPARK SÜDSTEIERMARK

BLINDSCHLEICHE

©pixabay

Tagsüber finden manche Arten Unterschlupf in Nischen

und Spalten von Gebäuden (hinter Fensterläden,

Schindeln, Holzverschalungen etc.) oder sie

beziehen Quartiere in ruhigen Dachböden. Reptilien

wie die BLINDSCHLEICHE ernähren sich wiederum

oft von Asseln, Raupen, Käfern, aber auch

von Schnecken. Ebenfalls auf Schnecken haben es

manche Amphibienarten abgesehen, zum Beispiel

die ERDKRÖTE. Sie ist nachtaktiv und erbeutet bei

ihren nächtlichen Streifzügen vor allem Spinnen,

Insekten und eben auch Nacktschnecken. Erdkröten

sind für ihre Fortpflanzung wie die meisten

Amphibien auf Wasser angewiesen. Die erwachsenen

Tiere verbringen den Sommer in gut strukturierten

Landlebensräumen und verstecken sich

tagsüber an einem kühl-feuchten Ort (unter Steinen,

Reisighaufen, in Hecken etc.).

Wenn man schon von Schneckenvertilgern spricht,

muss man natürlich auch den IGEL erwähnen. Der

dämmerungs- und nachtaktive Geselle ernährt sich

von Regenwürmern, Erdraupen, Engerlingen und

Drahtwürmern. Igel bevorzugen abwechslungsreiche

Gärten mit genügend Versteckmöglichkeiten

(Laub- und Reisighaufen, dichte Pflanzenbestände).

Quellenangaben: Senatsverwaltung für Umwelt, Verkehr

und Klimaschutz, Pflanzenschutzamt Berlin (Hrsg.): Teil

8: Nützlinge. In: Berliner Pflanzen-Obstanbau im Garten.

Berlin 2017, 13 S. Land Salzburg – A13 – Naturschutz

(Hrsg.): Nützlinge im Garten – Natur in Salzburgs

Gärten. Salzburg 2009, 16 S.

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NATURSCHUTZ AKADEMIE

STEIERMARK

22. 3. 2019 - Europaschutzgebiet Steirische Grenzmur

Dem Burgherren auf der Spur - Spaziergang durch ein

Biberrevier an der Mur.

30. 3. 2019 - Naturpark Südsteiermark

Herpetologische Exkursion im Naturpark Südsteiermark

26. 4. 2019 - Naturpark Südsteiermark

Auwaldwanderung an der Sulm

Samstag, 11. 5. 2019 - Naturpark Südsteiermark

Taranteln, Kreuzspinnen und Panzerkanker – Die Vielfalt

heimischer Spinnen und Weberknechte

24. 5. 2019 - Naturpark Südsteiermark

Artenreiche Wiesen im Sausal – Lebensraum für Pflanzen

& Tiere, Vertragsnaturschutz für Menschen?

25. 5. 2019 - Naturpark Südsteiermark

Vogelstimmenwanderung

1. 6. 2019 - Naturpark Südsteiermark

Kräutln und Viecher am Poachat

5. 7. 2019 - Naturpark Südsteiermark

Naturjuwel in der südlichsten Steiermark - Flora und Fauna

der Heiligengeistklamm

25. 10. 2019 - Naturpark Südsteiermark

Fledermäuse im Naturpark Südsteiermark

Anmeldung: www.naturschutzakademie.com

FOTOKURSE

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30.5. - 1.6.2019: Frühling im Naturpark:

Orchideen-Expedition. € 190.-. 4 Halbtage

2.- 4.8.2019: Sommer im Naturpark. € 190.- ,

4 Halbtage

14.9.2019: Einführung in die Vogelbeobachtung.

€ 70.-, ganztägig

15.9.2019: Einführung in die Vogelfotografie.

€ 50.-, halbtägig.

18. - 20.10. 2019: Herbstlicher Farbenrausch in

der Illyrischen Mischkultur. € 220.-, 4 Halbtage

Anmeldung: www.boedendorfer.com


DER SCHUH MUSS PASSEN.

Jeder zahlt einen

In Prenning erblickte im Jahre 1921 Theresia Kacin

das Licht der Welt. Sie weiß davon zu berichten, dass es nicht

immer ganz einfach war, die passenden „Schuhe“ zu finden,

mit denen sie durchs Leben gehen konnte.

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DER SCHUH MUSS PASSEN.

Jeder zahlt einen

Ich kam, so beginnt Theresia, am Schockn-Hof,

dem Geburtshaus meiner Mutter, zur Welt. Hier

lebten wir als Großfamilie zusammen und ich

konnte frei und unbeschwert die ersten Jahre meines

Lebens verbringen. Als ich fünf Jahre alt war,

heirateten Vater und Mutter, und mit sieben holten

sie mich nach Frohnleiten, wo der Vater in einer Papierfabrik

arbeitete. Schwer trennte ich mich von

den Verwandten und noch schwerer war die erste

Zeit. Ich war es gewöhnt, durch ein großes Bauernhaus

zu laufen, und konnte mich, abgesehen von

meinen kleinen Arbeiten, ungezwungen bewegen.

Jetzt hausten wir in einem „Vorzimmer“, einer

Wohnung, die nur aus einem Raum bestand, in

dem wir kochten, uns wuschen und auch schliefen.

Außerhalb unserer vier Wände durfte ich ebenfalls

nirgendwo hin, nicht herumtollen und schon gar

nicht fremde Sachen anfassen. Zu allem Überfluss

machten uns noch die Kinder jener Hausbesitzer,

denen unsere Wohnung gehörte, ständig darauf

aufmerksam, dass wir nichts hatten. Besser wurde

es erst, als die Eltern ein kleines Häuschen kauften.

Hier hatten wir mehr Platz. Hühner, Hasen und

Ziegen legten wir uns ebenfalls zu. Trotz allem war

ich erst wieder so richtig glücklich, als meine Schulzeit

vorüber war und ich mit 14 Jahren zurück zum

Schockn ging. Zwei Jahre lang blieb ich dort; dann

wurde es Zeit, mich nach einer Arbeit umzusehen.

Die Schwester meiner Mutter und deren Mann waren

kinderlos, betrieben aber in Übelbach ein kleines

Soderwasser- und Kracherlgeschäft. Weiters

arbeitete der Onkel noch als Schmied; die Werkstatt

dafür befand sich ebenfalls in ihrem Haus.

Im Jahr 1937 machte ich mich mit dem Leiterwagen

und allen meinen Habseligkeiten auf den Weg

und ging nach Übelbach. Gar so gerne mochte ich

das Getränkegeschäft nicht. Es war eine schwere

Arbeit: Holzkisten mit Flaschen waren zu schleppen,

alles war nass und klebrig und wenn wir die

Flaschen wuschen, war es besonders mühevoll.

Auch die Zustellung hatte es in sich. Es gab kein

Geld für ein Fahrzeug und so musste ich mit dem

„Ziachgoan“ Kracherlkisten, Sodaflaschen und

Kohlensäure ausliefern. Mein Weg führte mich in

die umliegenden Gemeinden und sogar zu einem

Gasthaus in Richtung Gleinalpe. Die Gasthäuser

machten damals gute Geschäfte, denn sehr viele

Gäste, vor allem aus Wien, verbrachten zu jener

Zeit ihre Sommerfrische hier bei uns. Wenn alle

Beherbergungsbetriebe ausgebucht waren, kam

es mehr als einmal vor, dass mein Zimmer an Urlaubsgäste

vermietet wurde. Dann schlief ich halt

für die nächsten Wochen in der Küche und auf diese

Weise verdienten sich viele Hausbesitzer etwas

28


dazu. Besonders anstrengend waren die Ball- und

Festveranstaltungen. Da kam es immer wieder

vor, dass die Wirte zu wenig bestellt hatten und

ich in der Nacht ausrücken musste. Unser Haus war

nie versperrt; im Eingangsbereich befand sich eine

Ziehglocke. Wurde ich aus meinem wohlverdienten

Schlaf gerissen, weil sie läutete, so wusste ich,

dass es jetzt darum ging, meinen Handkarren zu

beladen und bei finsterster Nacht zum nächsten

Gasthaus zu marschieren. Verdient habe ich dort

nichts, ich bekam, was ich brauchte, aber Bargeld

gab es nur selten. Zwar war mein Lohn in der

Buchhaltung des Onkels angeführt, nur den Weg in

meinen Säckel fand er nicht. Aber das spielte keine

große Rolle, denn so wie mir ging es damals vielen

jungen Menschen. Ich war gerne hier in Übelbach,

wir hatten eine gute Gemeinschaft und wenn wir

zusammenkamen, wurde gelacht, getanzt und

gesungen. Harmonikaspielen

konnte damals fast jeder junge

Bursche. Betrat einer ein

Gasthaus, so wurde gleich

hereingesungen und alle

stimmten ein. Meist saßen wir

so dicht gedrängt in der Gaststube

beisammen, dass die

Wirtin kaum durchkonnte.

Immer, wenn ich frei hatte, ging ich zum Schockn-

Hof, um zu helfen oder einfach nur, um bei meiner

Familie zu sein. Als die Kriegsjahre kamen, merkten

wir das in unserer Region nicht sonderlich, einzig

über die Nachrichten erfuhr man, was in der

Welt geschah. Erst gegen Ende bekamen auch wir

seine Auswirkungen zu spüren. Immer mehr fremde

Soldaten waren bei uns. Als der Krieg vorüber

war, mussten meine Verwandten am Schockn-Hof

russische Besatzer einquartieren. Ich war damals

viel bei ihnen, denn meine Pflichten im Haushalt

von Onkel und Tante hatte ich bald erledigt und die

Kracherlproduktion stockte sowieso, da es keine

Grundstoffe dafür gab. Ich hatte mit den Besatzungssoldaten

nie Probleme; das lag wahrscheinlich

daran, dass ein Major bei uns untergebracht

war und so hatten alle Respekt. Aber provoziert

habe ich auch nichts und mich immer ganz bieder

mit langem Rock und Kopftuch bekleidet.

Am Hof schliefen wir alle in der Küche, der Rest

des Hauses gehörte den Russen. So kam es auch,

dass wir unsere guten Schuhe frühzeitig unter der

Holztriste versteckten, denn was nicht niet- und

nagelfest war, wurde mitgenommen. Was ich nicht

wusste war, dass auf dem Dachboden des Hofes

ein Versteck der nahegelegenen Schuhfabrik eingerichtet

war. Im Zwischenboden waren hunderte

Paar Schuhe versteckt, sie wurde aber von

den Besatzern gefunden, beim Giebelfenster hinausgeworfen,

auf ein Fuhrwerk verladen und abtransportiert.

Nur einzelne Schuhe blieben liegen

und so schaffte ich es sogar, für meine Mutter ein

Paar als Geschenk aufzulesen. Sie hatte eine große

Freude damit; es spielte gar keine Rolle, dass es

zwei verschiedene Schuhe waren. Nach wenigen

Monaten tauschten die Russen mit den Engländern

den Platz als Besatzer und langsam begann sich

das Leben wieder zu normalisieren.

Als der Onkel die Schmiede aus gesundheitlichen

Gründen nicht mehr betreiben konnte, verpachtete

er sie. So, wie er einen Pächter

bekam, bekam ich mit dem

neuen Schmied meinen ersten

Mann. Gar so gut ist die Ehe

nicht verlaufen, weil er leider

mehr Zeit im Gashaus als an

der Esse verbrachte. Geld hatten

wir auch keines und nur

allzu gut erinnere ich mich an

eine Episode, als ich – es war Anfang der 50er Jahre

– ein neues Paar Schuhe brauchte. Mein Mann

meinte, er bezahlt sie mir nicht, denn für was arbeitest

du eigentlich, wenn du nichts verdienst. Als

ich den Onkel darüber informierte, fragte er, für

was ich denn eigentlich geheiratet habe, wenn ich

nicht einmal ein Paar Schuhe von meinem Mann

bekomme. Wie die Sache ausging, weiß ich heute

nicht mehr, die Schuhe bekam ich jedenfalls

und es ist durchaus möglich, dass jeder der beiden

einen davon bezahlt hat. Unsere Ehe hat nicht

lange gehalten, aber mein erster Sohn wurde mir

damals geschenkt. Der zweite folgte Jahre später.

Als Onkel und Tante nicht mehr waren, wurde mir

ihr Getränkehandel übergeben, den ich eigentlich

nie wollte und bei dem ich trotzdem 30 Jahre lang

gearbeitet habe. Später bekam ich bei der Gemeinde

und bei der Post die Möglichkeit, mein Geld zu

verdienen, und das habe ich gerne getan.

Heute gehe ich mit großen Schritten auf meinen

100er zu. Je älter ich wurde, umso besser passten

mir meine Schuhe und umso mehr konnte ich mir

mein Leben so einrichten, wie es für mich gut war.

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Einfach zum Nachdenken

Ursache und Wirkung

Warum immer ich? Warum trifft es immer mich, jenes Gedankenbild der

Benachteiligung! Warum haftet es wie ein böser Fluch an mir, zwingt mich

zur Auseinandersetzung, zerstört mein Traumbild des Augenblicks,

bringt mich dazu in die Knie zu gehen und macht mich krank?

Warum immer ich, warum nicht einmal die anderen?

Jene anderen, die nicht so gut sind wie ich, die

nicht so brav, so sauber, so hilfsbereit und so zuvorkommend

sind. Jene bösen und schlechten

Menschen, die sich so vieles zuschulden kommen

lassen, die einfach in den Tag hinein leben ohne

Verantwortung, ohne Pflichtbewusstsein und

ohne, dass sie so strahlend sind wie ich. Warum

trifft es immer die Guten, jene Guten, von denen

ich natürlich einer der besten bin. Jene Guten, die

die Welt am Laufen halten, die Vorbilder sind und

die sich streng an die Regeln halten – denn die,

ja genau die, kommen ja letztendlich in den Himmel.

Ist es nicht so, dass ich genau so viel wert bin wie

die Auswirkungen meines Tuns? Das heißt: Nicht

ich als Mensch mit meinem Charakter, mit meiner

Art und mit meinem Wesen, mit meinen guten

und schlechten Eigenschaften zähle, sondern einzig

und allein das, was ich anstoße – was ich von

mir aus in Bewegung setze und die damit verbundenen

Einflüsse auf andere. Und man richtet sie

aus, stößt an, hält sich an Gebote und Regeln und

doch erntet man dafür das Gleiche wie jene „nicht

guten Menschen“. Was für ein merkwürdiger

Gott, der nicht richtet und trennt, der immer und

einfach liebt – der nicht bestraft und verdammt,

der verzeiht und hinnimmt. Was für eine seltsame

Liebe, die da immer fließt, welch merkwürdiges

Geschenk, das allen zu gleichen Teilen zugestanden

wird. Neid keimt auf, Neid auf jene, die es

sich leicht machen, deren Bemühungen nicht erkennbar

sind und deren Handlungen nicht in das

Schema unserer Zeit passen. Zorn kommt hoch,

warum das andere toleriert wird, ja genauso mit

Zuneigung bedacht wird wie das eine, das meine,

das Richtige. Was für ein merkwürdiges Gottesgeschenk!

Verachtung wird spürbar, jenen gegenüber,

die nicht meine Grenzen beachten und deren

Handlungen nicht auf mein Wohl oder das Wohl

meiner Gruppe ausgerichtet sind. Und die Frage

steigt in mir hoch, wie klein ich doch geworden

bin. Wie selbstverherrlichend ich durchs Leben

schreite und mit wie viel Präpotenz ich doch auf

jene blicke, die einen Weg neben und abseits des

meinigen gewählt haben. Die Anmaßung, über

jene zu urteilen, die anders sind, anders denken

und anders handeln, grenzt an eine Selbstverliebtheit,

die nur mehr durch maßlose Dummheit

übertroffen werden kann. Eine Selbstverliebtheit,

die im Kleinen schon Schaden anrichtet und die

vor wenigen Jahrzehnten, im Großen, Millionen

von Opfern gefordert hat.

Wann habe ich mich so verloren, wann hat mein

Ego die Oberhand über mein Herz gewonnen,

30


GESCHICHTSTRACHTIG

wann wurde die Schlacht zwischen „ich gebe“ und

„ich will“ von Letzterem gewonnen? Und wann begann

das Fegefeuer in mir zu brennen? Jenes Feuer,

dessen Hitze mich rasend macht und dessen Glut

sich als Strafe für meine narzisstische Veranlagung

in meine Eingeweide brennt. Warum habe ich den

ersten Funken nicht bemerkt und wieso habe ich es

ignoriert, als daraus ein Brand wurde? Neid, Eifersucht,

Habgier und vieles mehr gewannen Kraft aus

diesem Feuer und führten letztendlich dazu, dass

ich sogar Gottes Liebe für mich gewinnen wollte,

für mich allein. Und das, obwohl sie doch allgegenwärtig

ist, mich umfließt und mich durchdringt.

Wann kam es dazu, dass ich mich für so viel besser

hielt, dass ich sie meinem Nächsten nicht mehr

vergönnte? Dabei wäre es genauso stumpfsinnig

für ein alleiniges Recht auf Atemluft zu plädieren.

Schuld suchen kann ich, wo ich will, finden werde

ich sie nur bei mir. Ein Eingeständnis, das nicht

dazu benutzt werden soll, um das Feuer meiner

selbstgewählten Hölle anzufachen, sondern das der

erste Tropfen des Löschwassers, das erste Nass der

Erlösung sein soll.

Noch hat niemand den Kampf zwischen, nennen

wir es Gut und Böse, in uns gewonnen und oft ist es

so, dass jene Eigenschaften, wie eben beschrieben,

uns kurzfristig zwar ein gutes Gefühl bescheren,

aber doch dem Negativen zugewandt sind, weil sie

in ihrer letzten Konsequenz Leid, Schmerz, Angst

und Trauer verursachen. Gewinnen wird diesen

Krieg jene Seite, der wir unsere Energie, unsere

Kraft und unsere Denkweise zur Verfügung stellen,

die wir zu unterstützen gewillt sind. Einer machte

es uns vor: Vor über 2.000 Jahren fand er Erlösung

durch völlige Hingabe, durch grenzenloses Vertrauen

auf Gott. Seinen Leidensweg zu beschreiten ist

nicht der Sinn, seine vorurteilsfreie, bedingungslose

Liebe zu leben jedoch erstrebenswertes Ziel.

Denn jeder ist Ursache und Wirkung; was man anstößt,

wird verändert. Die Richtung bestimmt die

Geisteshaltung und das Handeln. Und jeder, wirklich

jeder ist mehr wert als die Summe seiner Taten

und mehr, als der Kleingeist einem einreden will.

A

STEIRISCHES

G’WAND

GESCHICHTE UND

HEIMATVERBUNDENHEIT

TRADITION UND STOLZ

Unsere Tracht ist fixer Bestandteil des

Brauchtums der Steiermark. „Wir freuen uns,

wenn sich die Menschen für echte Trachten

und Trachtenmode interessieren.

Getreu unserem Motto:

Unser Trumpf ist die Vielfalt, führen wir alles,

was Tracht und Land zu bieten haben.“

Ihre Familie Trummer

Trachten Trummer in Dietersdorf

A-8093 St. Peter a.O., Dietersdorf 76 am Gnasbach

Tel. 03477/3150

Trachten Trummer am Kurpark

Kaiser-Franz-Josef-Straße 1 TOP 3

8344 Bad Gleichenberg, Tel. 03159/44604

www.trachten-trummer.at

31


GESTERN

NOCH

VON STIPFELN

UND SCHEITELN

Langsam gewinnen die Sonnenstrahlen des anbrechenden Frühlings an Kraft, der

Winter ist vorbei und somit auch die Winterarbeit. Wieder einmal haben wir die kalte

Jahreszeit dafür genutzt, um ein Stück des Waldes durchzuforsten und aufzuräumen.

Kranke und morsche Bäume wurden umgeschnitten und so manche alte Buche musste

für das nachkommende Jungholz ihren angestammten Platz räumen.

Alles wurde sorgfältig aufgeräumt: die Äste auf einen

Haufen geschichtet, damit wir sie später nach

Hause transportieren und zu Anheizholz zerhacken

konnten, die Baumstämme auf einen Haufen

gerollt und abgelängt. Auch das herumliegende

Totholz, morsche Zweige und abgebrochene Äste,

wurde auf einen Haufen geschmissen, damit wir

im Herbst, wenn die Streu zusammengerochen

wird, nicht zu viel herumliegen haben. Eine Arbeit

steht uns noch bevor und das ist das Aufspalten

der Stämme, damit sie ordentlich trocknen können.

Eine Motorsäge hat der Vater bereits besessen,

was das meterweise Abschneiden der Stämme

wesentlich erleichterte; dass es aber auch eine

Maschine gibt, die diese spaltet, davon haben wir

nur gehört. Es hätte auch keinen Sinn gehabt, denn

um sie anzutreiben, wäre ein Traktor erforderlich

gewesen und der kam erst einige Jahre später. Die

„Kliabhacken“ (Spaltäxte) waren unser Werkzeug

und mit zwei davon rückten wir aus. Ein dünner

„Briegel“ diente als Auflage für das eine Ende und

dann stellten wir uns vor und hinter dem Blöchl

auf. Meist hatten die Stämme schon einen leichten

Haarriss vom Fällen und dieser natürliche Bruch

war das Ziel. Ich, damals noch ein Kind, drehte den

Stamm so lange, bis der Riss senkrecht nach oben

zeigte und der Vater mir sagte, dass es jetzt passt.

Dann zog er seine Hacke hoch und mit der größtmöglichen

Kraft ließ er die Schneide auf das Bloch

niederfahren.

Traf er den Spalt, so zeichnete sich im Stamm eine

feine Bruchlinie ab und die war mein Ziel. So gut

ich konnte, schlug nun ich meine Axt in das Holz;

traf ich den Spalt, so weitete er sich wieder ein

wenig. Ging mein Hieb daneben, so musste man

aufpassen, dass die Hacke nicht zurückschnellte.

Saß mein Hieb, so lockerte sich Vaters Axt und er

konnte den nächsten Schlag setzen. Manches Mal

reichten zwei oder drei gutgesetzte Hiebe aus, um

das Meterblöchel zu halbieren, manchmal konnten

wir uns nur zentimeterweise vorarbeiten – hin und

wieder, wenn die Hacken sich dermaßen verkeilten,

dass wir sie nicht herausbekamen. Dann setzten

wir unseren Holzschlögel ein und trieben einen

Hackenkopf so weit hinein, bis sich die zweite

32


Hacke lösen ließ. Half das alles nichts, so trieben

wir einen Eisenkeil dazwischen. Viele Stämme ließen

sich problemlos spalten. Für mich als Kind war

es immer eine besondere Freude, wenn der zweite

Hieb – mein Hieb – das Bloch bereits halbierte.

Je astreicher der Stamm war, desto mühevoller

war das Spalten. Jedes Meterholz wurde so lange

aufgespalten, bis es die richtige Größe hatte, um

durch das Herdtürl zu passen. Dann schlichteten

wir alles sorgfältig zu einer Triste auf, immer darauf

achtend, dass alles schön gerade wird. Die

Trieste musste doch mindestens ein Jahr stehenbleiben,

bevor ihre Scheiter nach Hause gebracht

und mit der Kreissäge auf die richtige Länge zugeschnitten

wurden.

Es war keine ungefährliche Arbeit. Jeder musste

auf den anderen schauen und nebenbei musste

noch das Werkzeug im Auge behalten werden,

denn wenn sich die Hacke vom Stiel löste, konnte

das sehr schlimm enden. War ich mehr motiviert

als konzentriert, konnte es auch passieren, dass ich

mit meiner Hacke die des Vaters traf; es krachte

fürchterlich und ein paar mahnende Worte von wegen

„Werkzeug ruinieren“ sorgten dafür, dass ich

mich wieder ordentlich zusammenriss. Mehrere

Tage lang rückten der Vater und ich aus, bis genug

Brennholz für den übernächsten Winter gespalten

war, denn für die kommende kalte Jahreszeit wurde

ja die Holztrieste vom Vorjahr hergenommen.

Das Beste kam allerdings immer zum Schluss. Es

waren Achazienstämme mit einer Länge von gut

zweieinhalb Metern. Diese brauchten wir als Stipfel

für unsere Schwedenreiter, auf denen das Heu

aufgehängt wurde, und die hatten es wirklich in

sich. Waren auch die Harpfenstipfel fertig aufgespalten,

so konnten wir unsere „Kliabhacken“ wieder

für ein Jahr wegräumen.

Steirerreis

aus der Oststeiermark...

direkt nach Arnfels

in die Klapothek

Die Familie Fröhlich baut seit drei Jahren im

Südosten der Steiermark Mittelkornreis im

Trockenanbau an. Unter dem Namen Steirerreis

werden verschiedenste Naturreisprodukte

hergestellt.

Naturreis-Risotto

mit Käse und Spargel

Zubereitung:

250 g grünen Spargel schälen und in 3 cm

lange Stücke schneiden. In Salzwasser ca. 15

Minuten bissfest kochen. Dann die Zwiebelwürfel

einer mittelgroßen Zwiebel im Olivenbratöl

glasig anschwitzen und 120 g abgespülten

Steirerreis dazugeben. Diesen etwas mitschwitzen

lassen. 100 ml Gemüsebrühe und

100 ml Weißwein dazugießen und ca. 20 Minuten

köcheln lassen. Ordentlich rühren und dann

nach und nach weitere 100 ml Gemüsebrühe

nachgießen. 50 g Weichkäse in groben Würfeln

dazugeben und schmelzen lassen. Zum Schluss

den geschnittenen Spargel, 3 El gehackte Petersilie

und etwas kalte Butter unterheben.

EINLADUNG

Kundenverwöhntage

am Fr., 5.4., und Sa., 6.4.

Osterfleischverkostung, Osterbrotverkostung

(es kann schon Osterfleisch vorbestellt werden)

Kaffee und Kuchen

Vorbeikommen - verweilen - genießen

Margrit Sallfellner mit ihrem Team

8454 Arnfels, Leutschacher Straße 37

Tel: (03455) 6644 • info@klapothek.at

www.klapothek.at

33


OSTER-

KRÄUTERBRÄUCHE

Es gibt in unserer Region kaum eine Zeit, in der Bräuche noch so intensiv

gelebt werden wie zu Ostern. Gerade, weil Ostern auch die Zeit des

Erwachens der Natur, des Wachstums, der Wärme und der wundervollen

bunten Blütenwelt des Frühlings ist, werden die ersten Kräuter,

Gewürze und Blüten in diese Bräuche eingebunden.

Dies beginnt mit dem Palmbuschen, bestehend

aus Drachenweide oder Palmweiden (Palmkätzchen),

die mit Lebensbaum (Thuje) und Buchsbaum

zu einem Bund geformt und mit den berühmten

„Ringerln“ aus Weidenruten zusammengebunden

werden. Dreimal müssen die dünnen Weidenruten

um die Buschen gebunden werden, bevor sie festgesteckt

werden dürfen. Je mehr Ringerln dieser

Palmbuschen hat, desto mehr Eier bekommen die

Kinder von ihren Paten, wenn sie ihnen den geweihten

Palmbuschen überreichen. Deren Länge

ist traditionell von Region zu Region verschieden

und kann leicht einige Meter betragen.

Aber auch in die Osterdekoration werden frische

Blumen und Kräuter einbezogen. Die ersten

Blüten bereichern jedes Haus und jede Wohnung

mit Farbe und Duft. Besonders nett sehen z.B.

„Kresse Eier“ als Dekoration auf dem Esstisch aus.

Dazu leere Eierhälften mit Wasser reinigen und einen

kleinen Wattebausch in die Eihälfte legen. Nun

mit Wasser beträufeln und Kressesamen darauf

verstreuen. An die Fensterbank stellen und schon

nach vier bis fünf Tagen ist die lustige und leckere

Dekoration fertig – eine tolle Beschäftigung für

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Bettina Rath

Kräuterpädagogin

Ostereier

natürlich färben

Man benötigt je nach Vorliebe:

circa zwei Teelöffel Gewürzpulver,

100 g Wurzeln,

100 g Beeren oder Blüten bzw.

500 g Frischpflanzen oder Gemüse

für zwei Liter Farbsud.

Kinder in den Osterferien. Man kann sich hier

auch mit Straußeneiern tolle Pflanzenschalen

basteln. Traditionell finden sich in den Weihkörben

für die Segnung der Osterspeisen ebenfalls

erste Kräuter bzw. Kräutersalz, das die Speisen

das ganze Jahr hindurch würzen und segnen soll.

Selbst das Räucherfleisch wird mit einem Salzsud

aus Kräutern und Gewürzen wie Wacholder,

Thymian und Koriander auf die Räucherung vorbereitet.

Beim Räuchern ergeben z.B. Rosmarin

und Lavendel, auf das Räucherholz gelegt, ein besonderes

Aroma. Im Osterbrot darf „Anis-Wein“

als Geschmacksveredler nicht fehlen. Dazu einen

Teelöffel Anis mit einem Viertelliter guten Weißwein

circa drei Tage ansetzen, abseihen und damit

den Teig für das Osterbrot vorbereiten.

Natürlich werden immer öfter die Ostereier

wieder mit Pflanzenfarben gefärbt oder mit

gepressten Blüten und Blättern verziert. Da kann

man sich richtig austoben und es macht Kindern

ebenfalls großen Spaß. Besonders schöne Farben

erzielt man mit Holunderbeerensaft, Kurkumapulver,

roten Rüben, Löwenzahnblättern, Karotten

sowie gelben und roten Zwiebelschalen.

Diesen 30 bis 40 Minuten mit der zerkleinerten

Auswahl einweichen, dann weitere 30 bis 40 Minuten

kochen und filtern. Die Eier extra kochen,

mit kaltem Wasser abschrecken und mit Essigwasser

gut reinigen, danach etwa 30 Minuten in

den gefilterten Farbsud legen (Farbtiefe ist Zeitfaktor).

Beim Färben mit Zwiebelschalen kann

man die Eier mit frischen filigranen Blättern umlegen

und mit einem Nylonstrumpf befestigen;

nun in den Zwiebelabsud legen oder kurz mitkochen.

Danach den Strumpf und die Blätter entfernen

und wunderschöne Muster „ernten“.

s

Viel Spaß beim Ausprobieren

und „LEBEN“ der alten Traditionen

wünscht Bettina Rath.

35


Mundart

Jaus’n kafn

Mir knurrt am Vormittog da Mog’n –

drum wül i hiaz a Jaus , n hom,

im Gschäft sog i, i loss schea bittn,

hett gern a Semmal mit ana Leberkässchnittn.

Die Verkäuferin, dei frogt dann glei –

Weizen, Roggen oder laktosefrei?

A normali Semml, ruaf i durch den Gang –

dann frogt sie wieder: rund oder lang?

Jetzt moant sie weiter, i wüll neamd vawirrn –

owa den Hersteller muss ma no identifiziern.

Bevor i mi do denk hinein,

sogt , s: sulls Bio-, Öko- oder Vegana-Leberkäs sein?

Dann sog i wieda, sanns net bes, –

i hätt oafoch gern an Leberkäs,

sie draht ihr G , sicht jetzt zu mir um –

und sogt: Standard, Delüx oder Premium?

A Leberkas gamz ohni Denkn –

i wülls jo essn umd net weitaschenkn!

Dann locht sie; mir hom so vieles da –

Käse, Chilly oder Paprika.

Hiaz fang i schon bold au zan rearn –

umd sog, es sull a gamz normaler wearn.

Aus dem Ofen hult sie den Tremml –

umd frogt, wia dick sull werdn die Semml.

EU-genormt tuats mi belehrn –

sulls Medium oder X-Large wern.

So dick – zoag i – um wia schon böse –

drauf moant sie: des is a Extragröße.

Es geht glei weiter, i kauns nehma hearn –

sulls Ketchup, Senf oder Majo wearn?

Goarnix; sog i umd gib Gas –

i wüll oafoch nur an Leberkas!

Dann sogt sie drauf, umd des schea boschat –

bestöllns holt gscheit und wearns net goschat!

Es tuat mir load wegn so an Pemml –

kriag i hiaz bold mei Leberkassemml?

I pocks nur mehr ein, sogt sie za mir:

Wullns a Sackal oder doch Papier?

Nemmans glei des ersti hier –

umd sie frogt: braun, weiß oder Umwöltpapier?

A Alufolie kummt hiaz noch mit Gwold –

dann wird des Essn net glei kold.

Hiaz kummans bold zu Ihra Jausn –

die Glamzseitn innen oder doch liaba aussn?

Va lauta Hunga kau is kaum dawoartn –

do frogt’s: zohln Sie bar, mit Scheck oder Koartn?

Die Nerven san knopp vorm Zareißen –

dann sog i: „Na – i tat , s gern ibaweisn“.

So kumm i dann zur Mittogszeit –

zu meiner Jausn, wos fia a Freid,

und tram von meiner Kinderwölt –

wiast host noch kriagt, wost host bestöllt.

KARL OSWALD

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