Wagnereinmalig No. 8

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Das Buchmagazin der Wagner’schen Universitätsbuchhandlung — 03.2019

Wagner

eı˙nmalı˙g

#No. 8


Impressum

Herausgeber und für den Inhalt verantwortlich:

Wagner’sche Universitätsbuchhandlung, Medici Buchhandels GmbH,

Museumstraße 4, 6020 Innsbruck

info@wagnersche.at — www.wagnersche.at

Redaktion: Robert Renk

© der Textbeiträge bei den Autorinnen und Autoren

Grafische Ausstattung: himmel. Studio für Design und Kommunikation

Fotografie wenn nicht anders angegeben: Thomas Schrott

© der Abbildungen bei den jeweiligen Rechteinhabern

© Titelbild „Boyle“: pearceX

Fehler, Änderungen und Irrtümer vorbehalten.

2

© 03.2019 – alle Rechte vorbehalten

Bücher seit 1639

Wagner’sche.

Bücher seit 1639

Seit Oktober 2015 ist die

Wagner’sche Universitätsbuchhandlung

wieder eine

eigenständige Tiroler Buchhandlung.

Ein großes Ziel

bei der Übernahme war es,

gerade im Bereich der Veranstaltungen

und Lesungen

das Who is Who der Literatur

nach Innsbruck zu holen.

Mit dem absoluten Bestsellerautor

aus den USA,

T. C. Boyle, der am 12. Februar

im komplett ausverkauften

Treibhaus sein neues Buch

„Das Licht“ präsentiert hat,

ist uns eine kleine Sensation

gelungen. Übrigens war der

einzige Österreichtermin

bei uns zugleich auch die

Weltpremiere, da das Buch

in Amerika erst im Mai erscheint.

Mit John Wray,

Bernhard Aichner, Judith

W. Taschler, Joe Fischler,

Michael Köhlmeier, Eva

Rossmann, Vea Kaiser, Gary

Shteyngart und Thomas Brezina,

um einige zu nennen,

kommen im Frühling viele

andere Bestsellerautorinnen

und -autoren zu uns. Das neue

Magazin bietet eine Übersicht.

Markus Renk (re.), Markus Hatzer

Inhalt

6 Buchhandlung mit Büchern

Die Reihe „Erinnerungen an Innsbruck“ bringt drei weitere Titel

12 Krimi und Liebesgeschichte

Fürchten lernen in Tirol

14 Mords-Spaß

Michael Niavaranis Shakespeare-Bearbeitung auf der Bühne

des Tiroler Landestheaters

18 Sardinien im Herzen

Eva Rossmann im Gespräch und – mit Sardinienprodukten – zu Gast bei uns

20 17. Prosafestival

12 AutorInnen in Innsbruck zu Gast, u. a. Barbara Frischmuth

24 Ein Stilist wird 65

Karl-Markus Gauß mit seinem neuen Buch zu Gast bei uns

26 Einmal Kambodscha und zurück

Der neue Roman von Judith W. Taschler, am 16. April bei uns

28 Club 2 à la Wagner’sche

Renata Schmidtkunz & Michael Köhlmeier sprechen über …

30 Im Süden der Vergangenheit

Vea Kaiser mit ihrem lang erwarteten neuen Roman am 13. Mai bei uns zu Gast

32 Tom C. & Ruth P.

E ine Nachschau auf die Lesung von T. C. Boyle und eine Vorschau

auf die Fotografin Ruth Pearce

36 America first …

der Abschluss der Serie mit Gary Shteyngart & Ernst Gossner

38 Die 42. Wochenendgespräche

Das älteste Literaturfestival des Landes ist noch immer jung & frisch

und macht sich auf Reisen, unter anderem mit Andreas Altmann

44 Tschechien by train …

Tipps zum Buchmessenschwerpunkt: ein Gespräch mit Jaroslav Rudiš

46 W:ORTE feiert

mit Wondratschek

Das Lyrikfestival wird fünf, in der Wagner’schen liest

der großartige Wolf Wondratschek – eine Sensation

52 3×7 Best aber Seller

54 Mit den besten Empfehlungen


© Wirtschaftskammer Tirol

Lesen – die schönste

Freizeitbeschäftigung der Welt

»Wir kaufen nicht, was wir haben wollen, wir konsumieren,

was wir sein möchten.« – John Hegarty

Kundenservice

sollte nicht nur

eine Abteilung

sein, sondern

das gesamte

Unternehmen.

Markus Renk

4 5

Wagner’sche.

Bücher seit 1639

Ich habe in den letzten Wochen einige Vorstellungsgespräche

geführt und mit rund 40

BewerberInnen über die großartige Welt des

Buchhandels, aber auch über die Kraft der

Bücher gesprochen. Bücher sind einzigartig,

denn vielen gelingt es, uns in eine andere

Welt eintauchen zu lassen. Sie haben die

Kraft, uns aus dem Alltag zu reißen und

uns auf Abenteuerreisen zu schicken. Wir

können durch Bücher in andere Rollen

schlüpfen und Bücher haben uns in unserer

Kindheit und Jugend mit Helden versorgt,

die uns auch als Erwachsene noch prägen

und begleiten. Für mich ist Lesen die

schönste Freizeitbeschäftigung der Welt.

Wir entfliehen dem tristen Alltag und reisen

in die Welt der Fantasie. Doch fürs Lesen

spricht noch weitaus mehr. Wussten Sie,

dass Studien belegen, dass das Lesen gegen

Alzheimer vorbeugt, dies sieht man gut

an großen Schauspielerinnen und Schauspielern,

die oft durch das viele Auswendiglernen

der Rollentexte bis ins hohe Alter

geistig fit geblieben sind. Aber Lesen reduziert

auch Stress und entschleunigt. Gerade

die Entschleunigung ist heute wichtiger

denn je. Laut einer Umfrage fühlen sich

rund 70 % der SchülerInnen in Österreich

durch digitale Medien wie Handy und Co.

gestresst. Dass Lesen beim Schreiben hilft,

den Wortschatz erweitert, die Kreativität

ankurbelt und die soziale Kompetenz

fördert, ist hinlänglich bekannt. Dass Lesen

sexy macht, war mir neu, aber Umfragen

haben ergeben, dass Menschen, die in der

Öffentlichkeit lesen, intelligenter wirken.

Ein Buch in der Hand macht sie attraktiver

und begehrenswerter. Sie vermitteln

den Eindruck, dass sie ein interessanter

Gesprächspartner sind und Einfühlungsvermögen

mitbringen. Sie sehen, ein Besuch

in der Buchhandlung kann Ihnen viele

Vorteile bringen!

Unser Team startet

neu durch

Aber was ist mit den 40 BewerberInnen

geworden? Es freut mich sehr, dass wir

sieben davon in unser Team aufnehmen

konnten. Es gibt einen schönen Spruch:

„Veränderung ist am Anfang zwar schwer,

chaotisch in der Mitte, aber am Ende einfach

großartig.“ Nun, ich kann jetzt schon

sagen, dass die neuen Kolleginnen und

Kollegen die ersten beiden Etappen übersprungen

haben und bereits nach wenigen

Wochen voll im Team integriert sind und

viele positive Dinge einbringen.

Fachleute und Freaks in

der Wagner’schen

Aber wir möchten die Kompetenz nicht nur

durch neue Kolleginnen und Kollegen stärken,

sondern entwickeln gerade ein neues

Konzept, um externes Wissen verstärkt in

die Buchhandlung zu holen. Trotz der Aufstockung

im Team haben wir nicht für alle

Themenbereiche die absoluten „Fachleute“,

oder um es ein wenig pointierter auszudrücken,

die wahren „Freaks“, die sich

die ganze Woche mit besonderen Themen

beschäftigen. Daher erarbeiten wir gerade

einen Entwurf, wie wir solche Kenner in

die Buchhandlung holen können. Hierzu

soll eine Art Stundenplan dienen, auf dem

unsere Kunden sehen, dass z. B. am Donnerstag

von 15:00 bis 17:00 Uhr jemand

über Räuchern spricht, oder am Mittwoch

der Comic-Freak über Drac Novell sein

Wissen weitergibt. Aber auch Themen wie

Garten, Bildung, Kunst, Kochen, Reise,

E-Books, Kreativität, Gesundheit und

Sprachen können Inhalt des Stundenplans

sein. Sobald das Projekt startet, werden Sie

über Newsletter, Internet, Facebook und

Werbung im Geschäft informiert.

Unser Buchverlag

Lassen Sie mich nochmals zur Kraft der

Bücher zurückkommen. Die letzten beiden

Jahre haben wir uns intensiv mit der Positionierung

der Wagner’schen beschäftigt

und uns die Frage gestellt, was machen

wir besser als andere, wie können wir uns

positionieren, was macht uns einzigartig.

Aus diesen Überlegungen heraus ist z. B.

der Buchverlag der Wagner’schen Universitätsbuchhandlung

entstanden. Wir

alle sind Bücher mit tausenden von Seiten.

Der Wagner’sche Buchverlag hat es sich zur

Aufgabe gemacht, möglichst viele davon

in gedruckter Form festzuhalten. Unsere

Reihe „Erinnerungen an Innsbruck“ ist

exklusiv in der Wagner’schen erhältlich und

macht uns dadurch ein Stück besonders.

Bereits acht tolle Bücher sind erschienen,

aber auch ein historischer Kalender über

Innsbruck kommt jedes Jahr neu heraus.

Heuer kommen neun Neuerscheinungen

dazu, drei davon stellen wir Ihnen in diesem

Magazin vor. Abheben können wir uns aber

auch durch unsere besonderen Servicepakete

wie unser kostenloser Fahrrad-Zustelldienst

und unser eigenes Magazin.

Die neu eingeführten Serviceleistungen wie

„Buchhändler buchen“, „Buchgenuss nach

Ladenschluss“, die Leserreisen – heuer

z. B. nach Neapel auf den Spuren von

Elena Ferrante – und die Bücherabos

werden von unseren Kundinnen und

Kunden sehr gut angenommen.

Jetzt noch mehr Internet

Verbessern mussten wir unseren Internetauftritt,

als eigenständige Buchhandlung

sind wir hier auf Servicepartner angewiesen.

Um unseren Internetshop noch

kundenfreundlicher zu gestalten, sind wir

eine Kooperation mit dem Marketingverbund

Buchmedia eingegangen und haben

die Seite www.wagnersche.at komplett

neu aufgestellt. Die neue Seite bietet noch

mehr Information, mehr Buchtipps, einen

deutlich einfacheren Bestellprozess, eine

verbesserte Mobillösung, eine größere Titelauswahl,

Buchtrailer und ist weit übersichtlicher

als bisher. Schauen Sie sich die Seite

doch an, über Feedback würden wir uns

sehr freuen! Jedes Buch, welches in Tirol

und nicht bei Amazon bestellt wird, sichert

Arbeitsplätze im Land!

Ihr Markus Renk


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© Die Lichtbildnerei - Julia Hammerle

Beim Schreiben habe ich mich

in meinen Saggen neu verliebt

Wie vornehm der „vornehmste“ Stadtteil Innsbruck

wirklich war und was es dort zu entdecken gab und gibt,

davon erzählt die bekannte Radiomoderatorin

Sunny Rabl im Gespräch mit Robert Renk

Die

Bischofsmütze

hat mı·ch

nachhaltig

fasziniert.

Sunny Rabl

6 7

Wagner’sche.

Bücher seit 1639

Die erfolgreiche Reihe der Wagner’schen,

„Erinnerungen an Innsbruck“, geht weiter.

Band 9 dieser Reihe, in der die Innsbrucker

Stadtteile in Erinnerungen wieder aufleben,

wird Ende März in der Wagner’schen Universitätsbuchhandlung

präsentiert.

Sunny, du bist Radiomoderatorin und

Schauspielerin, wie kam es dazu, dass

du jetzt ein Buch geschrieben hast?

Ich wollte eigentlich immer schon mal

ein Buch schreiben, das sagen zwar viele

Menschen, aber ich hatte das Glück, dass

es mir leicht gemacht wurde, weil es ein vergleichsweise

leichter Einstieg ist, ein kleines

Büchlein über die eigene Kindheit und das

Aufwachsen in seinem Stadtteil zu verfassen:

in meinem Fall über den Saggen, den

„vornehmsten“ Stadtteil von Innsbruck.

Beim Vorbereiten auf eine

Radiosendung gehört ja die

Recherche auch zum Handwerk, wo

lag für dich der Unterschied beim

Schreiben?

Es war insofern eine neue, sehr spannende

und unheimlich befriedigende Aufgabe,

weil es bei einem Buch nicht auf die

Geschwindigkeit – wie beim Radio, dem

schnellsten Medium – ankommt, sondern

auf die Nachhaltigkeit. So ein Buch wird ja

im besten Fall auch noch in ein paar Jahren

gelesen.

Wie hast du dein

Saggenbuch aufgebaut?

Weil meine eigene Kindheit in den 1960er

Jahren eine sehr behütete war und in den

Garten des Hauses im Blocksaggen, in dem

ich aufwuchs, keine anderen Kinder zum

Spielen kommen durften und ich sie umgekehrt

auch nicht besuchen konnte,

es also nicht so wahnsinnig viel zu erzählen

gab, habe ich mit vielen Saggenerinnen und

Saggenern gesprochen und mir ihre Erinnerungen

an ihre Kindheit, an Hofspiele

und „gefährliche“ Entdeckungsreisen und

den Saggen ganz allgemein erzählen lassen.

Die Berichte gehen zurück bis in die 1940er

Jahre und reichen herauf bis heute.

Wie hast du dafür die

Auswahl getroffen?

Die passierte eher zufällig: ab dem Zeitpunkt,

an dem ich wusste, dass ich das Buch

„Kindheit im Saggen“ schreiben werde,

habe ich über dieses Projekt gesprochen

und bin auf Menschen gestoßen, die sich

spontan angeboten haben, mit mir einige

ihrer Erinnerungen zu teilen. Es waren ausgesprochen

angeregte Gespräche, denn gemeinsam

fallen einem viel mehr Dinge von

früher ein als alleine im stillen Kämmerchen,

respektive am Computer. Ich habe bei jedem

Gespräch mein Aufnahmegerät mitlaufen

lassen, sodass ich nachher beim Schreiben

kein Detail der häufig sprudelnd erzählten

Geschichten übersehen konnte.

Ich nehme an, dass auch etwas

über die Entstehung des Saggens in

deinem Buch zu erfahren ist?

Natürlich hat auch ein bisschen Geschichtliches

zum Saggen im Buch Platz gefunden.

Vor allem die „Bischofsmütze“ hat mich

nachhaltig fasziniert. Es handelt sich dabei

um Straßenzüge, die – von langer Hand

geplant und am Reißbrett entstanden – in

Form einer Bischofsmütze gebaut wurden.

Wer sich einen Stadtplan ansieht, wird sie

unschwer entdecken, und wer mein Buch

„Kindheit im Saggen“ liest, wird mehr

darüber erfahren können.

Eine Reise in die

Vergangenheit Innsbrucks –

lebendig in persönlichen

Erinnerungen!

Text folgt

Sunny Rabl, geboren 1958 in Innsbruck, wuchs

im Saggen auf und lebt seit 2010 wieder in diesem

„schönsten Stadtteil Innsbrucks“. Nach Matura

und Abi-Kurs sowie einigen Jahren als Sekretärin

absolvierte sie die Schauspielschule Cingl-Fröhlich.

Es folgten Theaterproduktionen am Innsbrucker

Kellertheater, im Treibhaus und an anderen Spielstätten.

Dann begann sie – eher zufällig – bei Radio

Arabella zu moderieren. Nach Radio Max, Antenne

Wien, Antenne Salzburg und Antenne Tirol ist sie

seit 2013 fast täglich auf Radio U1 Tirol zu hören.

Außerdem ist sie seit vielen Jahren als Stimm-, Atemund

Präsentationstrainerin tätig.

Sunny Rabl Kindheit im Saggen

ErinnE rungE n an Innsbruck

Sunny Rabl

Kindheit im

Saggen

Buchtipp:

Sunny Rabl:

Kindheit im Saggen

Erinnerungen an Innsbruck,

Band 9

Verlag der Wagner’schen

Universitätsbuchhandlung

144 S., € 12,95

Buchpräsentation:

Sunny Rabl:

Kindheit im Saggen

Moderation: Markus Renk

Mi., 27. März 2019, 19:30 Uhr

Wagner’sche

Universitätsbuchhandlung

Eintritt frei!


Aus dem Verlag der Wagner’schen Universitätsbuchhandlung :

Von Markus Renk

Der Verlag der Wagner’schen Universitätsbuchhandlung

hat mit seinen regionalen

Themen den Puls der Zeit getroffen. Bisher

haben sich alle Bände zu kleinen Bestsellern

entwickelt und sind teilweise bereits in der

zweiten und dritten Auflage. Das positive

Feedback unserer Kunden und Leser bestärkt

uns, diesen Weg weiter zu bestreiten. Bisher

sind neben unserem alljährlichen Kalender

„Innsbruck, wie es früher war“ von Lukas

Morscher bereits acht Bücher erschienen.

Alle unter dem Reihentitel „Erinnerungen an

Innsbruck“. Die meisten Bücher sind Kindheitserinnerungen

an gewisse Stadtteile Innsbrucks,

aber auch andere Themen erscheinen

in unserem Verlag. Folgende Bücher sind

derzeit lieferbar: Josef Wallinger: „Kindheit

in Pradl“ (3. Auflage), Hubert Flattinger:

„Kindheit in Hötting“ (2. Auflage), Gernot

Zimmermann: „Eine Million Kilometer

durch Innsbruck“ (2. Auflage), Ewald Strohmar-Mauler:

„Wahre Kriminalgeschichten

aus Innsbruck“ (2. Auflage), Markus Koschuh:

„Olympisches Dorf“, Bernd Schuchter:

„Aufwachsen in Innsbruck“, Martin

Kolozs: „Die Bischöfe von Innsbruck“ und

Gernot Zimmermann: „Ich war ein Reichenauer

Rattler“.

© Foto Hofer

Pfingstrosen am

Sieglanger

Susanne Leoncino über eine

Familie in Innsbruck

Erinnerungen, ob gut oder schlecht,

begleiten jeden Menschen. Mit den

Straßen und Gassen Innsbrucks verbindet

jeder seine ganz persönliche

Geschichte. Unsere Erinnerungen

verbinden wir mit Räumen, Büchern,

alten Bildern, Düften, Farben und

den Lebensgeschichten, die uns die

Stimmen unserer „Vorangegangenen“

zuflüstern. So Susanne Leoncino zu

ihrem Buch Pfingstrosen am Sieglanger.

Die Autorin erzählt die Lebensgeschichte

ihrer Großeltern. Die

Episoden aus deren Leben ereigneten

sich in einem Zeitbogen ab 1916 bis

in die frühen 1960er Jahre. Erlebnisse,

die sich während und zwischen den

beiden Weltkriegen abspielten und

die mit damaligen Lebensumständen

zwischen Frohsinn, Lebensmut und

Tragik berühren. Das Buch erzählt

von der Sinnlosigkeit des Krieges,

aber auch, dass Helden gerade in

diesen schwierigen Umständen entstehen,

es zeigt auf, wie jemand sein

Leben aufs Spiel setzt, um andere vor

dem sicheren Tod zu retten. Andererseits

bringt uns das Buch „Pfingstrosen

am Sieglanger“ Innsbruck in

der Zwischenkriegszeit näher und

lässt uns eintauchen in die Lebenssituation

der damaligen Innsbrucker

Bevölkerung.

Susanne Leoncino wurde 1956 in Innsbruck

geboren. Nach der Matura am Gymnasium

Sillgasse und Sprachstudien an der Universität

Innsbruck, zog sie 1985 nach Neapel

zu ihrem Mann. Gemeinsam arbeiteten

sie im Familienbetrieb für Busreisen. 2012

kehrte Susanne Leoncino wieder nach

Innsbruck zurück, um hier ein kleines Reisebüro

für Gruppenreisen in ganz Europa zu

führen. Mit ihrer Tätigkeit als Reiseleiterin

vermittelt sie Gästen aus vielen Ländern die

Schönheit und Einzigartigkeit Österreichs

und vieler anderer europäischer Länder.

Vielleicht waren es die vielen Eindrücke und

menschlichen Begegnungen auf diesen Reisen,

die sie dazu inspirierten, diese Geschichte

niederzuschreiben.

Buchtipp:

Susanne Leoncino:

Pfingstrosen am Sieglanger

Geschichte einer

Innsbrucker Familie

Erinnerungen an Innsbruck,

Band 10

Verlag der Wagner’schen

Universitätsbuchhandlung,

160 S., € 12,95

Erscheinungstermin:

18.4.2019

Bücher seit 1639

Erinnerungen

an Innsbruck

Bernadette Wieser über

die Kindheit in Igls

Alte Villen, schmucke Hotels, unter

Denkmalschutz stehende Bauernhäuser

und Kirchen prägen den Charakter des

Dorfes Igls. Malerisch auf dem südlichen

Sonnenplateau am Fuße des „Innsbrucker

Hausbergs“ Patscherkofel gelegen, ist Igls

seit 1942 ein Stadtteil von Innsbruck. Als

Luftkurort zog es zahlreiche Feriengäste

und Prominente an, die zwischen den

1960er und 90er Jahren in den vielen Hotels

und Pensionen logierten.

Bernadette Wieser erinnert sich in

diesem Buch an ihr Aufwachsen in Igls, das

sich trotz vieler Veränderungen seinen dörflichen

Charakter und seine idyllische Lage

Buchtipp:

Bernadette Wieser:

Kindheit in Igls

Erinnerungen an Innsbruck,

Band 11

Verlag der Wagner’schen

Universitätsbuchhandlung,

120 S., € 12,95

9Erscheinungstermin: 20.5.2019

bis heute erhalten hat. Die Umtriebigkeit

und Neugier ihres Vaters sowie die vielen

Veranstaltungen und Begegnungen, etwa

mit berühmten Gästen im Ort, machten

ihre Kindheit und Jugend in den 1960er

und 70er Jahren zu etwas Besonderem.

Die Familie Wieser ist eine der ältesten

in Igls. Schon der Großvater von Bernadette

Wieser verdiente mit Fuhrwerken

sein Geld. Nebenbei betrieb er noch eine

kleine Landwirtschaft. Die Elternhäuser

liegen mitten im Zentrum von Igls, direkt

vor der Kirche in der Engstelle der Hilberstraße.

„Überlieferungen sagen, dass die

Häuser Hilberstraße 9 + 11 im Jahre 1833

vom verheerenden Dorfbrand verschont

blieben. Der Sage nach war das Anwesen

auch das Zuhause der beiden Hirten, die in

Heiligwasser die Muttergottes-Erscheinung

hatten. Deshalb auch das Fresko auf unserer

Fassade.“ Dies und viele Interessante

Begegnungen erzählt Bernadette Wieser in

Ihrem Buch „Kindheit in Igls“.

Bernadette Wieser, geboren 1958 in Igls.

Seit 1990 bei der Neuen Heimat Tirol

tätig, seit 17 Jahren als Assistentin der

Geschäftsführung.

© Haymon Verlag

Buchpräsentationen:

Susanne Leoncino:

Pfingstrosen am Sieglanger

Moderation: Markus Renk

Di., 23. April 2019, 19:30 Uhr

Wagner’sche

Universitätsbuchhandlung

Eintritt frei!

Bernadette Wieser:

Kindheit in Igls

Moderation: Markus Renk

Di., 21. Mai 2019, 19:30 Uhr

Wagner’sche

Universitätsbuchhandlung

Eintritt frei!


Abendessen im

Sonnenuntergang

Normalerweise ist die Meierei ab 17:00 Uhr (Sa. ab 12:00 Uhr)

geschlossen, doch unser kulinarisches Schmuckstück im

ersten Stock ist eben nicht normal, sondern außergewöhnlich.

Und außergewöhnlich wird es immer, wenn Nina Rettenbacher

zum Abendessen einlädt! So auch am Samstag, den 22. Juni,

um 18:30 Uhr. — Ein viergängiges Menü mit Weinbegleitung

wartet auf die Gäste, bei Schönwetter auf der Terrasse.

Ninas

Pfannen-Feuerfleck mit

Bohnencreme + viel drauf

© Thomas Schrott

Frühlingsrezept:

Für den Feuerfleck:

500 g glattes Mehl

350–400 ml lauwarmes Wasser

4 EL gutes Olivenöl

1 Prise Salz

1 Pkg. Trockenhefe

Alle Zutaten in der Rührmaschine ca. 5 Minuten vermengen. Abdecken

und ca. 1 Stunde gehen lassen (der Teig ist sehr feucht). Aus dem Teig

8 gleichgroße Fladen formen und in einer beschichteten Pfanne

ca. 2–3 Minuten backen (wenden). Sofort belegen und servieren.

Für die Bohnencreme:

1 Dose (400 g) weiße Bohnen / kalt abspülen

2 Knoblauchzehen

Salz und Pfeffer

2–3 EL Weißer Balsamico

5–6 EL gutes Olivenöl

Alle Zutaten mit einem Pürierstab fein cuttern.

Zum Belegen:

Rucola, Honigtomaten, Mangostücke, Ziegenbällchen,

Rote Tropea-Zwiebel, Sesamsamen geröstet

Wer Fleisch mag – zusätzlich mit Kalbsnüsschen (ca. 100 g pro Person)

Fein aufschneiden, in Olivenöl scharf anbraten und

mit Salz und Pfeffer würzen

Wir glauben wetter unabhängig

an gute Gestaltung sowie die Schönheit

im Allgemeinen.

himmel. Studio für Design und Kommunikation

www.himmel.co.at

Bücher seit 1639

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Von einem, der auszog,

das Fürchten zu lehren

von Bernhard Sandbichler

Ein kleiner Roman

über die Liebe

… und über die schönste Nebensache im Leben.

Mit Bernhard Aichner im Gespräch: Dorothea Zanon

Buchtipp:

Joe Fischler:

Der Tote im Schnitzelparadies

KiWi Verlag, 304 S.,

€ 10,30

© Ingo Pertramer

Joe Fischler hat eine Schriftsteller-Karriere

wie im Märchenbuch hingelegt: Platz 1 der

E-Book-Charts 2013, fünf Veilchen-Krimis

im Haymon-Verlag 2015–18 (Gesamtabsatz

100.000 Stück), jetzt der Start einer neuen

Krimi-Reihe um Arno Bussi bei Kiepenheuer

& Witsch: chapeau, chapeau!

Rübe ab

Der Star-Hotelier von Vorderkitzlingen in

Tirol hat dran glauben müssen: Irgendwer

hat ihm den Kopf vom Rumpf getrennt.

Die bigotte Helga Kreuzveitl findet ihn, den

Kopf, in der Tiefkühltruhe der Resi Schupfgruber

vom Schnitzelparadies in Hinterkitzlingen.

Heiliger Bimbam! Wo der Rumpf

geblieben ist, weiß Gott, der, besonders

hier in Tirol, bekanntlich alles sieht!

Nennt mich nicht Bussi!

Kreuzveitl, Schupfgruber, Vorder- und

Hinterkitzlingen: Da wären wir schon bei

den Namen. „Alles, was man für einen

Krimi braucht, ist ein guter Anfang und ein

Telefonbuch, damit die Namen stimmen“,

hat der berühmte Ahnherr aller Krimi-

Autoren, Georges Simenon, einmal gesagt.

Hier findet man beides in einem: „Sein

Name ist Bussi. Arno Bussi.“ Das ist ein

Anfang, beinah so wuchtig wie der: „Nennt

mich Ismael.“ Oder, anders als bei Melville:

„Nennt mich nicht Ismael!“ – was ein Buchtitel

ist und eigentlich für Fischlers Bussi viel

besser passt. „Vom Kindergarten über die

Polizeischule bis zum Bundeskriminalamt

hat sich die ganze Welt über seinen Namen

lustig gemacht.“ Weil: nomen est omen, wie

der Lateiner sagt. Der 28-Jährige hat was

Südländisches und also mit Vorurteilen zu

kämpfen, wobei: Wenn man’s in den Genen

hat, weil der Opa Gondoliere war?

Karriere-Knick Kitzlingen

Dann kommen einem die Frauen einfach

in die Quere. Ist so, auch wenn man als

Mann gar nicht wirklich was dafür kann.

Wurscht, außer man kommt als Polizist

aus der Tiroler Provinz und wird dann als

gruppeninspektorischer Jungspund am

Bundeskriminalamt Wien im Bett (mit)

der Innenministergattin ertappt.

Das ist dann despektierlich und befördert

einen direkt zurück in die Tiroler Provinz,

ins hinterste Tal, nach Kitzlingen eben.

Schaudern mit Augenmaß –

und Augenzwinkern

Und dann diese finstere Idylle: Regen,

Regen, Regen, Murenabgänge, Stromausfall,

Talsperre. Von wegen Verstärkung aus

dem Landeskriminalamt Innsbruck! Bussi

muss das Sauschlachten in vier Tagen ganz

allein durchstehen. Kein Wunder, dass es

ihn vor lauter Gänsehaut nur so schüttelt.

Zwischendurch freilich läuft ihm da und

dort auch ein wohliger Schauder über den

Rücken. Das ist wegen der bildhübschen

Eva Schupfgruber, die ihm am Schluss auch

ein dickes Bussi auf die Wange drückt.

Oh Gott, nennt mich nicht … siehe oben!

Drei Kurzfragen an

den Autor:

Vorbilder unter den

zahlreichen Kolleg/innen?

Ich mag Autor/innen, die ihre Musikalität

in die Texte bringen: Alina Bronsky, Wolf

Haas, Hans Platzgumer. Der Rhythmus, in

dem etwas erzählt wird, ist mir sehr wichtig.

Verfilmung in Sicht?

Für die Veilchen-Krimis wurden die

Filmoptionen verkauft, Bussi muss erst

mal raus in die Welt. Aber ich hoffe!

Wann kommt der nächste Bussi?

Der zweite Bussi soll im kommenden

Frühjahr erscheinen und wird ziemlich

sicher am Achensee spielen.

12

Wagner’sche.

Bücher seit 1639

Bald die ganze Welt kennt Bernhard Aichner

als Thrillerautor, und das ist keineswegs

übertrieben. Mit seiner zum Kult gewordenen

„Totenfrau“-Trilogie und seinem aktuellen

Thriller „Bösland“ rangiert er in den

Bestsellerlisten neben anderen großen Krimistars.

Dass der charismatische Tiroler

auch ganz schön romantisch sein kann, zeigt

er in seinem neuen Buch „Kaschmirgefühl“

bei Haymon.

Schreibst du über die Liebe, um

dich von den Gräueltaten in deinen

Thrillern zu erholen?

So ist es wohl. Das viele Morden ist auf

Dauer ganz schön anstrengend, ein bisschen

Liebe und Erotik tut zwischendurch

sehr gut. Deshalb ist „Kaschmirgefühl“

ein absolut leichenfreies Buch geworden,

aber trotzdem spannend und aufregend.

Die Liebe hatte mich nach dem Erscheinen

von „Bösland“ voll im Griff. Wobei ein

bestimmtes Maß an Romantik ja auch in

meinen Thrillern vorkommt. Ich bin wohl

ein heilloser Romantiker.

Stichwort Sexhotline – damit fängt

alles an in „Kaschmirgefühl“.

Schöpfst du da aus eigener

Erfahrung? Also, rein aus

Recherchezwecken natürlich.

Ich gebe es zu: Ich habe mehrmals bei

solchen Nummern angerufen. Aber, auch

wenn man es mir jetzt nicht glauben mag,

tatsächlich nur zu Recherchezwecken. Ich

wollte wissen, wie es sich anfühlt, wie die

Sprache klingt, wie hoch das Tempo ist, das

vorgegeben wird. Ich hatte das Glück, mit

zwei wunderbaren Damen sprechen

zu dürfen. Beide haben es akzeptiert, dass

ich nur reden will, dass ich mein Geld

dafür ausgeben möchte, mehr über ihren

Beruf zu erfahren. Geduldig haben sie

meine Fragen beantwortet und mir

Einblicke in ihre Welt gewährt.

13

Wie betreibt man eine Sexhotline?

Wie schaut ihr Alltag aus? Stimmt es, dass

die Damen stricken oder Hausarbeit erledigen,

während sie Orgasmen vortäuschen?

Die Antworten, die ich bekommen habe,

waren sehr aufschlussreich und sind volley

in meine Geschichte eingeflossen …

Gottlieb und Marie, deine beiden

Protagonisten, sehen sich nicht, sie

sprechen am Telefon miteinander und

alles, was sie haben vom anderen, ist

die Stimme. Was verrät die Stimme

über einen Menschen?

Wenn man genau hinhört, kann man bestimmt

mehr hören, als man vermuten mag.

Aggression, Wut, Langeweile, gespieltes

oder echtes Interesse, Neugier, Lüge, Wahrheit.

Sich am Telefon kennenzulernen, ist

spannend, man weiß nichts vom anderen,

offenbart sich, verbirgt sich. In „Kaschmirgefühl“

geben sich meine beiden Helden

lustvoll einem Rausch hin. Sie kommen sich

von Minute zu Minute näher. Sie ziehen

sich gegenseitig an. Sie verlieben sich.

Kannst du dir das vorstellen, dich

in eine nackte Stimme zu verlieben?

Unbedingt. Man muss nur verrückt genug

sein, um sich darauf ein-zulassen. Gottlieb

und Marie sind das.

Gottlieb ist ein wenig schüchtern

und zurückhaltend, aber er nimmt

all seinen Mut zusammen, um

Marie für sich einzunehmen.

Hat er Züge von dir?

All meine Heldinnen und Helden haben

Züge von mir. So auch Marie und Gottlieb.

Er wagt etwas, springt über seinen Schatten,

lässt sich auf etwas Unerhörtes ein, er

riskiert alles und gewinnt. Marie tut das

auch. Gemeinsam spinnen sie Geschichten.

Am Ende auch ihre eigene. So stelle ich

mir vielleicht das Glück vor. Wenn man

danach greift, kann man es erlangen.

Wenn man das nicht tut, zieht es an einem

vorbei.

© Fotowerk Aichner

Bernhard Aichner, geboren 1972, lebt als Schriftsteller

und Fotograf in Innsbruck. Er ist einer der

bekanntesten deutschsprachigen Autoren. Seine

„Totenfrau-Trilogie“ wurde zum internationalen

Bestseller, seine Romane wurden in 16 Länder

verkauft. Mit dem Thriller „Bösland“ setzt er seine

Erfolgsgeschichte fort. Bei Haymon erschienen

mehrere Romane sowie die Max-Broll-Krimis, für

deren vierten Teil „Interview mit einem Mörder“

er den Friedrich-Glauser-Preis erhielt.

www.bernhard-aichner.at

Buchtipp:

Bernhard Aichner:

Kaschmirgefühl

Haymon Verlag, 188 S.,

€ 17,90


© www.guentheregger.at

Die Tragödie von Richard III.

… und wie der Shakespeare-Klassiker zur Komödie wird.

Das Tiroler Landestheater bringt Michael Niavaranis

Bearbeitung von Richard III. auf die Bühne. Von Désirée Walter

12 Schauspieler,

53 Rollen!

14

Wagner’sche.

„Ein Hoch auf Euch, edler, anmutiger,

wunderschöner Richard, dessen Buckel

man kaum sieht. Das ist ja nur ein Wimmerl.“

– Forrest, Die unglaubliche Tragödie

von Richard III.

Jahrelang hat sich Michael Niavarani,

Österreichs wohl populärster Komödiant,

tunlichst vom König der Dramatiker

ferngehalten, um jede Ansteckung zu vermeiden,

dann ist das Shakespeare-Virus

umso heftiger auf ihn übergesprungen.

Fieberhaft dachte er darüber nach, wie man

all die Weisheit, Derbheit und Verderbtheit,

das Leuchten und die Genialität in Shakespeares

Werk in die Gegenwart transferieren

könnte. So wurde die Tragödie „Richard

III.“ vom Tausendsassa höchstpersönlich

von Grund auf umgekrempelt. Die

Idee für die Umgestaltung des grausamen

Königsdramas kam Niavarani während der

Lektüre des Originalstücks. Er verliebte

sich in zwei der Randfiguren und beschloss,

das gesamte Stück aus der Sichtweise

dieser beiden komödiantischen Personen

zu erzählen. So erschuf er William Forrest

und Frederick Dighton; ein Schuster und

ein Koch sollen dem skrupellosen, machtgierigen

Richard beim Kampf um den

Königsthron helfen. Kaum wurden die zwei

mittellosen Lebemänner von Richard angeheuert,

stehen sie im Tower von London

und für Forrest und Dighton beginnt ein

Abenteuer, von dem sie niemals zu träumen

gewagt hätten. Die erfrischende Kombination

aus dem Originalstück und Komödie

bietet genau das, was eine Mischung aus

Shakespeare und Niavarani erwarten lässt

– versehen mit einem klassischen „Wiener

Schluss“. Für die Aufführungen ließ der

Großmeister der Kleinkunst ein eigenes,

dem Londoner Globe nachempfundenes

Theater in die Marx Halle bauen. Das

vermeintlich wahnwitzige Projekt wurde

eine Erfolgsstory – und das schon lange vor

der eigentlichen Premiere. Nach jeder der

stets ausverkauften Einspielvorstellungen

schraubte und feilte Niavarani an seiner

Neuschöpfung – ein Work in Progress also.

Rund 1.000 Menschen pilgerten täglich zum

Areal der ehemaligen Wiener Schlachthöfe

St. Marx, um Shakespeare zu sehen. Oder

eigentlich: um Shakespeare zu sehen, wie

Michael Niavarani ihn sieht.

Ab 16. März gibt es das Shakespeare’sche

Vergnügen auch im Westen Österreichs zu

sehen. Regisseurin Susi Weber inszeniert

das Erfolgsstück im Großen Haus des

Tiroler Landestheaters. Zwölf Schauspielerinnen

und Schauspieler übernehmen

darin nicht weniger als sage und schreibe

53 (!) Rollen. Und genauso viele Liter Blut

werden pro Vorstellung vergossen, es wird

ein Mords-Spaß, so viel ist sicher.

Rund um die Premiere von Michael

Niavaranis Komödie „Die unglaubliche

Tragödie von Richard III.“ gibt es zwei

interessante Zusatzveranstaltungen. Eine

Woche vor der Premiere, am Sonntag, dem

10. März, um 11:00 Uhr findet die Einführungsmatinee

zur Produktion statt. Dieses

Mal mit einem besonderen Ehrengast:

Der Autor selbst, Michael Niavarani, wird

auf dem Podium sitzen. Nachdem Regisseurin

Susi Weber und Ausstatterin Isabel

Graf Stück und Inszenierung kurz vorgestellt

haben, wird der Schauspieler und

Kabarettist in seiner Funktion als Theaterautor

über die Entstehung des Stücks

erzählen, über sein Wiener Globe-Theater

– und übers Theater überhaupt. Im Anschluss

an die Matinee findet im Foyer eine

Signierstunde mit Michael Niavarani statt.

Ein Büchertisch der Wagner’schen bietet

dafür eine Auswahl seiner Werke. Da mit

großem Besucherandrang gerechnet wird,

wurde die Matinee ins Große Haus verlegt.

Der Eintritt ist wie immer frei, Zählkarten

gibt es im Vorfeld an der Kassa.

Zwei Tage nach der Premiere lädt dann

das Tiroler Landestheater in der Wagner’schen

Buchhandlung zum Künstlergespräch.

Jan-Hinnerk Arnke und Kristoffer

Nowak, am Tiroler Landestheater als

NIMM2-Late-Night-Talker bekannt und

in Niavaranis Komödie das Komiker-Duo,

reden über Komik und Tragik, ungewollte

und beabsichtigte Lacher sowie die Balance

aus heiteren und ernsten Momenten –

vielleicht mit dem ein oder anderen

Überraschungsgast.

Buchtipp:

Michael Niavarani:

Ein Trottel kommt selten allein

Amalthea Signum Verlag,

448 S., € 25,–

Veranstaltungen:

Matinee mit Michael Niavarani

So., 10. März 2019,

11:00 Uhr

Tiroler Landestheater

Eintritt frei! Zählkarten

an der Kassa erhältlich.

Künstlergespräch

mit mit Jan-Hinnerk Arnke

und Kristoffer Nowak

Mo., 18. März 2019,

19:30 Uhr

Wagner’sche

Universitätsbuchhandlung

Eintritt frei!

Theatertipp:

Die unglaubliche Tragödie

von Richard III.

Premiere am 16. März 2019,

Tiroler Landestheater

Regie: Susi Weber

Bühne & Kostüme: Isabel Graf

Mit: Raphael Kübler, Kristoffer

Nowak, Jan-Hinnerk Arnke,

Janine Wegener, Ayla Antheunisse,

Marion Fuhs, Petra Alexandra

Pippan, Korbinian Josef

Müller, Phillip Henry Brehl,

Philipp Rudig, Stefan Riedl,

Johannes Gabl


© Edition A

Ich denke

einfach immer:

Ich liebe dich,

ich liebe dich,

ich liebe dich.

Thomas Brezina

16 17

Wagner’sche.

Bücher seit 1639

Nach Brezinas Comeback im vorletzten

Jahr hat sich der Kinderbuchautor nun auch

schon seit letztem Herbst Ratgebern für

Erwachsene zugewandt. Sein neuestes Buch

mit dem Titel „Die Freude Notfall Apotheke“

gibt 21 leicht anwendbare Tipps und

Tricks gegen graue Tage.

Herr Brezina, wie sind Sie auf

die Idee einer Freude Notfall

Apotheke gekommen?

Mein Buch „Tu es einfach und glaub

daran“ war eine Zusammenfassung meiner

Erfahrungen, wie wir unser Leben freudiger

gestalten können. Da haben mich dann viele

gefragt, was ich in Situationen, in denen

ich zum Beispiel Angst habe, mich überfordert

fühle oder einfach einen düsteren

Morgen habe, konkret mache, und so ist die

„Freude Notfall Apotheke“ als Ergänzung

entstanden. Über die Jahre habe ich diese

Tipps für meine schweren Momente gesammelt,

die ich damit nun weitergebe.

Thomas

Brezina

Die Wagner’sche

lädt zur Präsentation

des neuen Buchs

von Österreichs Botschafter

der Freude

ein. Für alle, die auch

der Freude auf der

Spur bleiben wollen.

Von Markus Renk

Wie bringen Sie Freude in

einen düsteren Morgen?

An Tagen, wo nichts funktionieren möchte

oder ich mir schon in der Früh denke, dass

ich mein Bett am liebsten gar nicht verlassen

möchte, habe ich einige Dinge, die

mir helfen. In meiner persönlichen „Freude

Apotheke“ sind in etwa ein Duschbad,

das nach Zitronengras riecht und mich an

Asien erinnert, oder eine Probe eines Parfums,

das ich besonders gerne habe, dabei.

Auf meinem Handy habe ich einen eigenen

Ordner für Fotos mit dem Titel „Freude“

und auch eine Musik-Playlist, die mich

sofort aufheitert. Und dann tu ich noch

etwas, da können auch alle gerne die Nase

rümpfen: Ich lese Witze. Das hilft mir.

Das heißt also, Sie sind auch

manchmal traurig oder bedrückt?

Aber natürlich. Ich bin ein Mensch

wie jeder andere und so fliegt auch mir

jeden Tag mal mehr, mal weniger Mist

um die Ohren. Auch in meinem Leben

passieren Dinge, die mich erschrecken,

mir Angst oder mich traurig machen. Und

natürlich jammere ich, ärgere mich oder

werde wütend. Es gibt niemanden auf der

Welt, der ausschließlich fröhlich ist.

Was ist Ihr Lieblingstipp?

Ein Tipp aus dem Buch, den ich wirklich

jedem ans Herz legen kann, es mal zu

probieren, habe ich aus der hawaiianischen

Technik Ho’oponopono abgeleitet. In jeder

Situation, die eine freudigere Stimmung

oder Verzeihen gut wäre, oder auch, wenn

ich in unangenehme Gespräche komme,

denke ich immer „Ich liebe dich, ich liebe

dich, ich liebe dich, …“. Das muss natürlich

auch aus tiefstem Herzen kommen. Ich

habe bemerkt, wie sich dadurch schwierige

Situationen auf einmal zum Besseren gewendet

haben und mein Gegenüber auch

nach einer Lösung des Problems gesucht

hat. Ich stelle mir dabei immer vor, ein

Leuchtturm zu sein, der diese Worte wie

ein Blinklicht ständig aussendet. Liebe ist

eine starke Energie und ich finde es nur

logisch, dass wir diese Energie selbst in

Gedanken vermitteln können.

Es überrascht schon, dass Sie

im Gegensatz zu früher nun doch

mehr Privates teilen.

Früher habe ich für Kinder geschrieben.

Jetzt, da meine Fans von damals auch

schon älter geworden sind, rede ich nun

als Erwachsener zu Erwachsenen. Mich

beschäftigt das Thema Freude und ein erfülltes

Leben zu haben schon seit 25 Jahren.

In dieser Zeit habe ich viel gelernt, es immer

wieder Bekannten erzählt und später eben

auch auf Instagram und Facebook geteilt

und es hat meine Fans interessiert. Es war

nie mein Ziel, den Menschen theoretische

Tipps zu geben und zu sagen: „Wenn ihr

das macht, geht es euch garantiert und sofort

besser.“ Ich erzähle, was mir in welcher

Situation selbst sehr geholfen hat, und biete

den Leuten an, diese Sachen selbst auszuprobieren.

Als Geschichtenerzähler erzähle

ich jetzt eben auch mal Geschichten aus

meinem Leben und wenn es meinen Lesern

etwas mit auf den Weg gibt, ist das umso

besser.

Thomas Brezina, geboren 1963, ist Buchautor,

TV-Produzent und TV-Moderator. Mit mehr als

560 Büchern, die in mehr als 35 Sprachen und

40 Ländern erschienen sind, gilt er als einer der

erfolgreichsten Autoren weltweit. Für diese Leistung

erhielt er unter anderem das „Goldene Verdienstzeichen

der Republik Österreich“.

Buchtipp:

Thomas Brezina:

Die Freude Notfall Apotheke

Edition A Verlag, 160 S., € 17.–

Buchpräsentation:

Die Freude Notfall Apotheke

Mit Thomas Brezina

Mi., 3. April 19:00 Uhr

Wagner’sche

Universitätsbuchhandlung

Eintritt € 9,– /

mit Kundenkarte € 7,-


© Barbara Pacejka Fotografie

Nicht allem

in Echtzeit

hinterherhetzen.

Liebe Eva, 1999, vor 20 Jahren,

ist mit „Wahlkampf“ der erste

Mira-Valensky-Krimi erschienen.

Seitdem legst du Jahr für Jahr einen

neuen Band vor. Gehen dir nicht

schön langsam die Themen aus?

Nein, da hab ich gar keine Sorge. Es tut sich

so viel, dass ich gar nicht mit dem Schreiben

nachkomme. Und es gibt jedes Jahr

zumindest ein Thema, das mich besonders

beschäftigt, über das ich selbst auch gerne

mehr wissen möchte und über das ich dann

schreiben will.

Was ich an deinen Krimis, neben

vielem anderen, besonders mag,

ist dein Engagement; weil du jedes

Mal ein gesellschaftlich und/oder

politisch heißes Eisen anfasst.

In „Im Netz“ geht es um Fake News,

um Hetze in den sozialen Medien und

ganz allgemein um die aufgeheizte

politische Stimmung hierzulande

und anderswo.

Ja, wir leben in aufgeregten Zeiten.

Ich versuche mit „Im Netz“ zu vermitteln,

dass sich Fake und Fakten sehr wohl

unterscheiden lassen – vorausgesetzt, man

sieht genau hin.

Donald Trump hat in einer

Wahlkampfrede in 60 Minuten

71 Falschaussagen untergebracht

(nachgewiesen von Journalisten

der New York Times und des New

Yorker); kann man das fiktional

überhaupt noch abbilden? Oder wirkt

das in einem Roman nicht schon

völlig unglaubwürdig?

Gewisse Typen kann man wirklich nicht

erfinden. Man sollte Trump sagen, dass er,

wenn er sich anstrengt, damit ins Guinness

Buch der Rekorde kommen könnte – vielleicht

interessiert ihn das mehr, als Präsident

zu sein, mit Diktatoren zu packeln und

Mauern gegen Menschen zu bauen.

Deine Krimis setzen sich nicht nur

mit gesellschaftlichen Entwicklungen

auseinander, die Themen sind auch

solide recherchiert. Angesichts der

rasanten Entwicklung des Internets

– Stichwort Big-Data-Diktatur in

China –, hinkt da das vergleichsweise

langsame Medium Buch nicht

hoffnungslos hinterher?

Eva

Rossmann

Sardinien; da kommt dann auch die

sardische Küche nicht zu kurz.

Ich liebe die sardische Küche! Und da will

ich dann natürlich auch gerne darüber

erzählen … Was besonders nett ist: Ich hab

schon vor einigen Jahren in meiner Begeisterung

über sardische Köstlichkeiten

geschaut, wo ich sie auch in Österreich

bekommen kann. Und bin auf sardinienprodukte.at

gestoßen. Ein Versand mit

persönlicher Note – zu hundert Prozent

anders als dieser internationale Allesverhökerer,

der dafür nicht einmal die üblichen

Steuern zahlt: Womit wir ja – auch – wieder

bei den Büchern wären. Inzwischen bin ich

übrigens in regelmäßigem Kontakt mit den

Carli-Brüdern; unsere Liebe zu Sardinien,

dieser ganz besonderen Insel, und seiner

Küche hat uns zusammengebracht. In Innsbruck

hat man es ja besonders gut, da kann

man die feinen Sardinien-Produkte direkt

vor Ort bekommen. Und ich freue mich riesig

darauf, wenn wir sie bei unserer Lesung

in der Wagner’schen dann gemeinsam verkosten.

Das Autorinnenleben kann schon

sehr schön sein!

Eva Rossmann, Verfassungsjuristin, Journalistin,

Autorin, Köchin, Moderatorin: Was in der Regel für

mehrere Biografien reicht, das bringt Eva Rossmann

alles unter einen Hut. Und seit aus der Juristin die

erfolgreiche Sachbuchautorin und aus dieser die

noch erfolgreichere Krimi-Autorin wurde, ist sie aus

der österreichischen (Kriminal-)Literaturlandschaft

nicht mehr wegzudenken.

Eva Rossmann

18 Wagner’sche.

In bislang

19 Fällen hat sie

ihr Ermittlerduo

Mira Valensky und

ihre Freundin, die

bosnischstämmige

Putzfrau Vesna

Krajner, bereits

auf Verbrecherjagd

geschickt.

Im neuesten Fall

verschlägt es sie

nach Sardinien.

Von Joe Rabl

Ich glaube, dass es sich gerade in unserer

Zeit lohnt, nicht allem in „Echtzeit“ hinterherzuhetzen.

Die Zeit ist immer echt, auch

wenn man für manches aus guten Gründen

länger braucht. Es geht ja nicht bloß um

die allerletzte Entwicklung, sondern auch

um Zusammenhänge, die Auswirkungen

auf uns Menschen und das Nachdenken

darüber.

Das heißt, wir müssen uns um Mira

Valensky und Vesna Krajner in

nächster Zeit keine Sorgen machen?

Jedenfalls sind sie am nächsten Thema

dran. Übrigens etwas, das einerseits enorm

aktuell und auf der anderen Seite seit Jahrzehnten

offensichtlich ist: die vom Menschen

verursachte Erderwärmung. Und

Populismus. Na ja, und ich hoffe, es wird

trotzdem auch einfach wieder ein spannender

Krimi.

Davon bin ich überzeugt. Und weil

Mira in jedem Buch auch gern und

gut kocht, sicher wieder mit einem

tollen Rezept zum Nachkochen

und Ausprobieren. „Im Netz“ führt

die beiden ja unter anderem nach

Buchtipp:

Eva Rossmann:

Im Netz.

Ein Mira-Valensky-Krimi

Folio Verlag, 322 S., € 22,–

Buchpräsentation:

Im Netz

Mit Eva Rossmann

Moderation: Joe Rabl

Kulinarischer Beitrag:

sardinienprodukte.at

Fr., 29. März 2019, 19:30 Uhr

Wagner’sche

Universitätsbuchhandlung

Eintritt: € 9,– /

mit Kundenkarte € 7,–

sardinienprodukte


© Christian Jungwirth

Dieses Buch ist

wie eine Sturzgeburt

aus mir

herausgefallen.

Barbara Frischmuth

20

Wagner’sche.

Barbara Frischmuth ist aus der österreichischen

Literaturszene nicht wegzudenken.

Mit ihren Werken sorgt sie für

Überraschungen und Diskussionsstoff. Sie

ist eine Allround-Autorin, eine Cross-over-

Schriftstellerin, eine Kulturvermittlerin

zwischen Orient und Okzident, ihr gelingt

es, der Phantastik ebenso neue Seiten abzugewinnen

wie dem Sprachexperiment.

Sie verfasst sprachkritische und sprachverspielte

Werke. In Frischmuths Büchern geht

es oft um multikulturelles Leben, mögliche

Lebensmodelle zwischen Kind und Frau,

das Frau- und Kind-Sein an sich bzw. die Situation

der Frau in Familie und Arbeitswelt.

Markus Köhle: Die Erinnerung

ist unzuverlässig, heißt es in

„Verschüttete Milch“. Wie sehr

mussten Sie Ihre Phantasie bemühen,

um der Erinnerung auf die Sprünge

zu helfen, bzw. auf welche Quellen –

von den Fotos abgesehen – konnten

Sie bei der Recherche für dieses Buch

zurückgreifen?

Barbara Frischmuth: Da ich dieses Buch

jahrzehntelang vor mir hergeschoben habe,

ist es dann wie eine Sturzgeburt aus mir

herausgefallen. Allerdings habe ich mir

vieles aus den verschiedenen Familienchroniken

(schriftlich und mündlich bei

Verwandten) wieder vorgenommen und vor

allem das Historische frisch recherchiert

(Arisierungen z. B., aber auch, wer von den

„Bonzen“ wirklich aller da war und überhaupt).

Es gibt einiges an Literatur über die

Gegend, was brauchbar war. Alles andere

habe ich so erzählt, wie ich es in Erinnerung

hatte, und wenn die Erinnerung schwach

war, habe ich meine Fantasie benutzt, denn

schließlich sollte es in erster Linie ein Stück

Literatur sein, inspiriert von der Realität

Barbara

Frischmuth

Sie bereichert

seit über 50 Jahren

die österreichische

Literatur mit

Werken, die oft

die Genregrenzen

sprengen. Markus

Köhle hat sich in

das Werk von Barbara

Frischmuth

eingelesen und per

Mail gefragt, wie

ihr neuer Roman

entstanden ist.

und den Erinnerungen an die Kindheit, die

bei mir im Allgemeinen noch (oder wieder)

sehr stark sind.

Über 50 Bücher

veröffentlicht

Sehr stark ist auch Barbara Frischmuths

literarischer Output. Seit 1968 hat sie

über 50 Bücher veröffentlicht (Romane,

Erzählungen, Kinder-, Jugend- und Gartenbücher),

darüber hinaus wurden über

20 Stücke und Hörspiele sowie diverse

Verfilmungen realisiert.

Mit der Sternwieser-Trilogie in den

1970er Jahren („Die Mystifikationen der

Sophie Silber“, 1976; „Amy oder Die Metamorphose“,

1978; „Kai und die Liebe zu

den Modellen“, 1979) und der Demeter-

Trilogie 1986–1990 („Herrin der Tiere“,

„Über die Verhältnisse“, „Einander Kind“)

hat sie unverkennbare Wegmarker in die

Literaturlandschaft gesetzt und gezeigt,

wohin die Reise gehen kann. Dass sie die

Reise nach Innsbruck antritt, ehrt und freut

uns, zumal es in Altaussee zwar schön, aber

auch noch ganz schön winterlich ist.

Barbara Frischmuth beschreibt die

aktuelle Lage wie folgt:

Barbara Frischmuth: Ansonsten sitzen

wir noch immer im tiefsten Harsch mit

einigen mehrere Meter hohen Zuckerhüten

vor den Fenstern (dem Dachabschaufeln

geschuldet) und hoffen, dass der Schnee

sich mit dem Tauen Zeit lässt, um nicht als

Wildbach diverse Abhänge hinabzustürzen

und den Ort zu überschwemmen.

Wir hoffen, mit Geschichten rund um

Altaussee überschwemmt zu werden, und

freuen uns, dass Barbara Frischmuth

am Freitag, den 5. April 2019 um 20 Uhr

beim 17. Innsbrucker Prosa Festival in der

Wagner’schen Buchhandlung aus ihrem

aktuellen Roman „Verschüttete Milch“

lesen wird.

Barbara Frischmuth, geb. 1941 in Altaussee,

studierte Türkisch, Ungarisch und Orientalistik

und ist Schriftstellerin und Übersetzerin. Zuletzt

erschienen: „Der unwiderstehliche Garten“ (2015),

„Machtnix oder Der Lauf, den die Welt nahm“

(2018), „Verschüttete Milch“ (Aufbau 2019).

Buchtipp:

Barbara Frischmuth:

Verschüttete Milch

Aufbau Verlag, 286 S., € 22,00

Lesung:

Im Rahmen des

17. Prosafestivals

gm. mit Judith Schalansky,

Verena Roßbacher und

Martina Clavadetscher

Fr., 5. April 2019, 20:00 Uhr

Wagner’sche

Universitätsbuchhandlung

Eintritt frei!


Ein Fest der Sprache: Das

17. Innsbrucker Prosa Festival

Von Jesolo über Altaussee nach Usedom: Ja, Literatur ist auch

Urlaub im Kopf. Von Markus Köhle & Robert Renk

Do., 4. April, 20 Uhr

Stadtbibliothek

1 Jaroslav Rudiš (CZE)

2 Tanja Raich (I/A)

3 Markus Ramseier (CH)

4 Markus Bundi (CH)

© 8ung kultur

Fr., 5. April, 20 Uhr

Wagner’sche

1 Judith Schalansky (D)

2 Verena Roßbacher (A)

3 Barbara Frischmuth (A)

4 Martina Clavadetscher (CH)

Das Innsbrucker Prosa Festival ist in mehrerlei

Hinsicht etwas Besonderes. Bereits zum

17. Mal werden Autorinnen und Autoren

an drei Tagen, an drei unterschiedlichen

Orten aus ihren aktuellen Werken lesen. Die

Wagner’sche Universitätsbuchhandlung darf

dabei natürlich nicht fehlen.

Mit 17 hat man noch Träume, sang Peggy

March. Wir singen nicht, wir lesen und

unsere Träume realisieren wir seit 17

Jahren. Das Innsbrucker Prosa Festival ist

kein Problemteenager, es ist eine Erfolgsgeschichte,

die vom Verein 8ungKultur

ermöglicht wird.

Seit 2003 ist es Robert Renk und Markus

Köhle Ehre und Freude, Ihnen 12 Autorinnen

und Autoren aus dem gesamten deutschen

Sprachraum präsentieren zu dürfen.

Diesmal können wir sogar mit Autorinnen

und Autoren aus Tschechien und Italien

aufwarten.

Ihnen allen gemein ist, dass sie aus

den unterschiedlichsten Gründen in der

gegenwärtigen Literaturlandschaft herausragend

sind. Drei Tage, drei Orte, drei

Moderatoren, 12 Autorinnen und Autoren.

Das reimt sich noch immer und ist wie

immer gut, wird aber noch besser durch Sie

und Ihr Dabeisein.

Pro Abend lesen vier Autor_innen, es

gibt eine Pause, es gibt einleitende Gespräche

und es gibt außerdem – ein Spezifikum

des Festivals – für alle Autor_innen

ein zum Text passendes Geschenk. Das

Geschenk für Sie wiederum, liebes Publikum,

sind die Lesungen in angenehmer

Sa., 6. April 20 Uhr

BRUX

1 Rolf Hermann (CH)

2 Barbara Zeman (A)

3 Martin Peichl (A)

4 Anna Herzig (A)

Atmosphäre und adäquater Länge. So wie

sich das Festival in den letzten Jahren über

die ganze Stadt (vom Bierstindl über das

Literaturhaus, das Stadtarchiv bis zum

vierundeinzig) ausgebreitet hat, so hat

sich auch das Team erweitert und vergrößert.

Nicht mehr wegzudenken ist der

beste Literaturveranstaltungs-DJ Martin

Fritz der, (der Fritz’schen Klammer entsprechend)

am Donnerstag den ersten Gast,

Jaroslav Rudiš, anmoderieren wird. Unersetzlich

auch Carmen Sulzenbacher, die

dafür sorgt, dass alles reibungslos abläuft,

sich alle wohlfühlen und unvergessliche

Festivalatmosphäre entsteht. Lassen Sie

sich das nicht entgehen!

Lesen ist nicht nur Abenteuer im Kopf,

es ist auch wohltuendes Gehirn-Jogging.

Vorgelesen zu bekommen ist ein Kurzurlaub

ohne Kofferpacken. Also packen Sie

Ihre Sachen, kommen Sie zu uns, gönnen

Sie sich diesen Trip in angesagte und abgefahrene

literarische Welten und nehmen

Sie danach als Souvenir und gerne das eine

oder andere Buch als Urlaubsnachlese mit

nach Hause.

Lassen Sie sich von den geladenen Autorinnen

und Autoren entführen ins Hause

Hobbs, in unmöblierte Nächte und in den

Ausnahmezustand, folgen Sie uns nach

Jesolo, Usedom und Altaussee. Kurz und

gut: Betrachten Sie uns als Ihr flüchtiges

Zuhause und fühlen Sie sich bei uns wohl.

Ihr LiteratUrlaubs-Team Robert Renk,

Markus Köhle, Martin Fritz & Carmen

Sulzenbacher.

Der fast 100-jährige Wenzel

Winterberg und sein Pfleger

Jan Kraus reisen mit dem

Baedeker-Reiseführer Österreich-Ungarn

von 1913 von

Berlin über u. a. Königgrätz

nach Sarajevo und sind dabei

der bewegten Geschichte entlang

ihrer Route ebenso auf

der Spur wie ihren eigenen

tragischen Lebensgeschichten.

Diese melancholisch-lustigen

historischen Anfälle Winterbergs,

diese Liebeserklärung

ans Eisenbahnfahren und

Mitteluropa wurde vollkommen

zu Recht für den Preis der

Leipziger Buchmesse nominiert.

Martin Fritz

Jaroslav Rudiš:

Winterbergs letzte Reise

Luchterhand Verlag, 544 S.,

€ 24,70

In ihrem neuen Roman betreibt

die große Barbara Frischmuth

Erinnerungsarbeit und geht

ganz weit zurück in der persönlichen

Geschichte. Mittels Fotos

wird Vergessenes wach gekitzelt,

rekonstruiert und wunderbar

einfühlsam vermittelt. Aus

einer heutigen Perspektive wird

aber auch kommentiert. „Verschüttete

Milch“ ist ein autobiografisch

angelegter Roman,

der über die Kriegs- und Nachkriegszeit

am Land erzählt, wie

man es so abwechslungsreich,

unterhaltsam und informativ

noch nie gelesen hat. Markus Köhle

Barbara Frischmuth:

Verschüttete Milch

Aufbau Verlag, 286 S., € 22,–

Andrea ist Mitte dreißig, seit

Schulzeiten mit Georg zusammen

und jährlich wird in

Jesolo geurlaubt. Wöchentlich

schlafen sie dreimal bei ihr und

viermal bei ihm. Aber in den

zehn beschriebenen Monaten

ändert sich alles. Andrea ist

schwanger und wird von der

Flut des Vorgezeichneten überschwappt.

Frei, selbstbewusst

und gleichberechtigt war vorher.

Jetzt ist Schwangerschaft. Die

Rollenbildfalle schnappt zu,

das alte System greift und jeder

Kompromiss geht auf Kosten

der Frau. Ein überzeugendes

Debüt. Markus Köhle

Tanja Raich:

Jesolo

Blessing Verlag, 224 S., € 20,40

Erzählungen eines Aufwachsens

zwischen Schweizer Bergen.

Eine unterstützende Familie

und selbst gewählte Idylle in

schwierigen Zeiten. Es herrscht

ein behutsamer Ton in Rolf

Hermanns Geschichten. Eine

tiefe Sympathie für die Menschen

in den Tälern und für die

kraftvolle Natur und ihre scheuen

Bewohner. Ängste werden

geteilt, Traditionen gemeinsam

gebrochen. Das Leben mag

nicht immer einfach sein. Ein

Zuhause findet sich oft unerwartet.

In einer Begegnung,

einer Beobachtung oder der

Sprache. Katharina J. Ferner

Rolf Hermann:

Flüchtiges Zuhause

Rotpunkt Verlag, 128 S., € 22,90

Es ist das schönste Understatement

des letzten Jahres. Das

erkennt man am schlichten Titel

und am aufregend dezenten Äußeren.

Denn Judith Schalansky

schreibt nicht nur wunderbare

Bücher, sie gestaltet auch die

schönsten. Diesmal lässt sie

verschwundene Dinge sprachmächtig

und farbig wieder

aufleben. Der ausgestorbene

Kaspische Tiger z. B. wird noch

einmal auflaufen und in einer

römischen Arena gegen einen

Löwen antreten: Das schildert

Schalansky mitreißend und präzise,

nicht ohne uns diese Zeit

in allen Farben zu schildern.

Robert Renk

Judith Schalansky:

Verzeichnis einiger Verluste

Suhrkamp Verlag, 252 S., € 24,70

In ein künstlerisches Leben

hineingeworfen, sofort eingesponnen

in eine schräge,

sanft angespannte Atmosphäre.

Für die Lesenden geht es los,

für Immerjahn geht es abwärts.

Der reiche Erbe wohnt

in einem Haus, gelegen am

Hagebuttenberg, dem unheilvolle

Geschichten anhaften.

Ein unglaublich vielschichtiges

Debüt, wahnwitzige Spielerei

durch die Kunstepochen, fast

schon pompös in der Erzählart.

Barbara Zeman gelingt ein

musealer Roman, der sich in

seiner Farbenpracht ständig neu

erfindet. Katharina J. Ferner

Barbara Zeman:

Immerjahn

Hoffmann & Campe Verlag, 288 S.,

€ 22,70

Mit der Anstellung bei der

Familie Hobbs wird der

Butler-Neuling Christian Teil

eines liebenswürdig stilvollen

Haushalts. Durch die regelhaften

Tätigkeiten beginnt

sich auch sein eigenes Leben

zu ordnen. Aus dem Berufseinstieg

wird ein langjähriges

Dienstverhältnis. Die Tugend

der Diskretion trägt unmissverständliche

Spitzen. Ein launiges,

lustvoll komponiertes Lesevergnügen,

das rasant Fahrt

aufnimmt. Die Bruchstellen

vermehren sich. Auch ein Diener

kann nicht alles unter den

Teppich kehren. Katharina J. Ferner

Verena Roßbacher:

Ich war Diener im Hause Hobbs

Kiepenheuer & Witsch Verlag, 384 S.,

€ 22,70

Ein Debüt voll Sehnsucht

und Leidenschaft, voll Poesie

und Trennungsschmerz, voll

Tiefgründigkeit und formaler

Verspieltheit, voll Witz und

Waldviertel, voll bitter-süßer

Erinnerung und bissiger

Gegenwartsanalyse, voll Verlust

und mit diversen Getränken

vorübergehend aufgefüllten

Leerstellen, voll Sex und was

war da noch? Ach ja, Sucht.

Es ist auch ein Katalog von

immens wichtigen Kleinigkeiten

in Beziehungsdingen aller Art

und eine Geschichtsschreibung

durch Geschichtsvariation.

Ja: Wer verliebt ist, darf alles.

Markus Köhle

Martin Peichl:

Wie man Dinge repariert

Edition Atelier Verlag, 160 S., € 18,–


© Kurt Kaindl–bildrecht.at

Die „Abenteuerliche Reise durch mein

Zimmer“ ist ein sehr persönliches

Buch. Sie gewähren Einblicke in Ihr

Haus und in jenes Zimmer, in dem

so viele Ihrer Bücher entstanden

sind, aber auch in andere Zimmer

der Familienwohnung. Wie haben

Ihre Frau und Ihre (mittlerweile)

erwachsenen Kinder reagiert?

Meine Frau ist immer meine erste Leserin,

sie begleitet schon das entstehende Buch.

Sie findet, dass die persönliche, gleichsam

autobiographische – aber auch autofiktionale

Note meiner Bücher eine meiner

Stärken ist. Wenn man entlang der eigenen

Biographie schreibt, muss man aber als

Autor nicht nur wissen, was man schreibt,

sondern auch was man nicht schreibt.

Meinen Kindern habe ich, ehe ich das

Manuskript abgab, die zwei sie besonders

betreffenden Kapitel zum Lesen gegeben,

beide haben sich dabei sehr amüsiert und

mir, nachsichtig wie sie sind, die Erlaubnis

zu dieser Sicht der Dinge gegeben.

Diese Reise unterscheidet sich von

jenen, die wir von Ihnen kennen, und

doch kommt man gemeinsam mit

den Gegenständen weit hinaus in die

Welt. Vom Schreibtisch aus reisen

– was ist der Anreiz beim Schreiben

dieser Art des Unterwegs-Seins?

Als ich begann, mich in Gedanken und Tagträumen

mit diesem Buch zu beschäftigen,

wollte ich schon bald gleichsam eine Wette

mit mir selbst abschließen. Der eine in mir

glaubte, dass eine Reise ins Weite hinaus

schon zum Schreiben viel anregender ist als

eine Reise, für die man die eigene Wohnung

nicht verlassen muss. Der andere von mir

ging hingegen hochgemut davon aus, dass

diese Reise abenteuerlich sein und in alle

Welt hinaus führen werde und sowohl mich

als Autor als auch manche Leser und Leserinnen

erfreuen könnte. Ich hoffe, dieser hat

die Wette gegen jenen gewonnen.

Sie spinnen ein assoziatives Netz,

kommen vom Brieföffner und dessen

Geschichte über die Briefe und

einem Exkurs über das „Warten“

mich freuen, dass es mir gelungen ist, mich

selbst zu verführen. Am ehesten, glaube

ich, wird es übrigens das Buch mit dem

Titel „Alle meine Bücher, die ich nicht mehr

schreiben werde“ geben.

Die „Abenteuerliche Reise

durch mein Zimmer“ ist ein sehr

vergnügliches Buch. Wie sehr war

für Sie auch das Schreiben daran ein

Vergnügen?

Mitten in der Niederschrift des Buches bin

ich im letzten Frühjahr von einem schweren

Bandscheibenvorfall niedergeworfen

worden. An so was stirbt man bekanntlich

nicht, aber mindestens sechs Wochen lang

ist man vollauf damit beschäftigt, auf seine

Schmerzen zu lauschen. Ich bin, da an

längeren Schlaf nicht zu denken war, jede

Nacht irgendwann aufgestanden und habe

zwei, drei Stunden lang geschrieben. Schreiben

verlangt ja eine viel höhere Konzentration

als Lesen, Fernsehen etc., sodass man

am ehesten beim Schreiben eine Zeitlang

seine Schmerzen vergessen kann. Und was

hat sich nachträglich erwiesen? Dass die

Kapitel, die ich damals geschrieben habe,

die heitersten des ganzen Buches geworden

sind! Also, das ist schon allerhand.

Von jedem Satz

zum nächsten.

Karl-Markus

Gauß

Karl-Markus Gauß, geboren im Mai 1954 in Salzburg.

Herausgeber der Zeitschrift „Literatur und

Kritik“, einer der größten Stilisten deutscher Sprache,

verfasste mehrere Essays, Reisesammlungen,

Journale u. a. „Die Hundeesser von Svinia“, „Im

Wald der Metropolen“, „Zwanzig Lewa oder tot“

(alle Zsolnay Verlag). Viele – auch internationale –

Auszeichnungen, zuletzt den Jean-Améry-Preis 2018.

Karl-Markus Gauß

24

Wagner’sche.

Bücher seit 1639

Ein Stilist wird 65.

Über die Welthaltig

keit der eigenen

vier Wände, nicht

geschriebene

Bücher und das

beste aller Schmerzmittel:

das Schreiben,

spricht er mit

Anna Rottensteiner

25

zu einem Koffer … als Leser hat

man das Gefühl, dass alles innerlich

zusammengehalten ist. Wie sehr war

Ihnen die Komposition bei dieser

„Reise“ wichtig?

Beim Schreiben sind mir zwei Dinge am

wichtigsten: erstens die Sprache, von jedem

Satz zum nächsten; und zweitens die Komposition,

die es mir ermöglicht, viele disparate,

scheinbar nicht zusammenhängende

Dinge miteinander zu verbinden. Fast alle

meine Bücher sind ja auch Zeitreisen und in

gewissem Sinne sogar Bildungsreisen, und

da ist es entscheidend, die verschiedenen

Ebenen ineinander zu spiegeln und weit

voneinander entfernte Dinge aufeinander

zu beziehen. Das ist eine Frage der Komposition.

Ein besonders spannendes Kapitel ist jenen

Büchern gewidmet, die Sie nicht geschrieben

haben und die einander „in der Anhänglichkeit

ungeborener Geschwister verbunden

sind“. Was aber, wenn das eine oder andere

Projekt, das Sie erwähnen, doch noch

geschrieben werden wird?

Dann wird mich kein schlechtes Gewissen

quälen, weil ich etwas angekündigt habe,

das ich nicht einhalten konnte, eher wird es

Buchtipp:

Karl-Markus Gauß:

Abenteuerliche Reise

durch mein Zimmer

Zsolnay Verlag, 224 S., € 22,70

Buchpräsentation:

Abenteuerliche Reise

durch mein Zimmer

Mit Karl-Markus Gauß

Do., 11. April 2019, 19:30 Uhr

Wagner’sche

Universitätsbuchhandlung

Eintritt: 9,– /

mit Kundenkarte 7,–


© Maria-Noisternig

Jeder erlebt die

Dinge anders.

In „Das Geburtstagsfest“ geht es

zentral um die Terrorherrschaft

der Roten Khmer in den 1970er

Jahren. Was hat Sie an der Thematik

grundsätzlich interessiert?

Interessiert hat mich das Thema Kambodscha

und Rote-Khmer-Diktatur in erster

Linie deshalb, weil meine Eltern 1980 eine

Flüchtlingsfamilie von dort aufgenommen

haben, die fünf Jahre lang bei uns gewohnt

hat. Wir sieben Geschwister haben viel

Zeit mit den Kindern Nget, You, Li San,

Sophal und Maria verbracht. Dadurch war

natürlich der emotionale Bezug da und

auch schon einige Vorkenntnisse. Deshalb

habe ich mich immer ein bisschen mit dem

Land beschäftigt. Die wenigsten Leute in

Österreich wissen ja über die Zeit der Roten

Khmer Bescheid. In der Schule hören die

SchülerInnen nichts darüber.

Gab es einen konkreten Auslöser,

die Geschichte Kambodschas jetzt

literarisch zu bearbeiten?

Nein, den gab es nicht. Mir war aber schon

vor Jahren klar, dass ich eines Tages über

dieses Thema schreiben werde.

Vor fünf Jahren sind Sie mit einer

Freundin, die 1979 aus Kambodscha

fliehen konnte, einen Monat lang

durch Kambodscha gereist.

Wie kam es dazu?

Ich habe Chu und ihre Schwester Chea

während des Studiums in Innsbruck

kennengelernt. Sie war acht, als sie mit

ihren Eltern und der sechsjährigen Chea

aus dem völlig zerstörten Kambodscha

nach Vietnam geflohen ist. Die Familie

hat Glück gehabt und die Jahre im Arbeitslager

überlebt. In Saigon musste sie ein

Judith

W. Taschler

Im November hatte ich das Gefühl, mir

fehlt ganz viel Sommer.

„Das Geburtstagsfest“ ist keine

lineare Erzählung. Das titelgebende

Ereignis, das Geburtstagsfest

von Kim Mey, wird unterbrochen

von Erinnerungen, die den Leser

unmittelbar am Leben der Familien

Mey und Chhang in den 1970er

Jahren in Kambodscha teilnehmen

lassen. Diese Unmittelbarkeit scheint

Ihnen sehr wichtig zu sein.

Ja. Ich habe auch lange herumprobiert beim

Schreiben, wie ich das mit den Rückblenden

in Kims und Tevis Kindheit machen soll.

Es hat dann am besten mit dieser Unmittelbarkeit

funktioniert.

Die Lebenswege von Kim und Tevi,

die gemeinsam nach Österreich

geflohen sind, kreuzen und trennen

sich im Laufe ihres Lebens immer

wieder auf dramatische Weise.

Durch Tagebuchaufzeichnungen

und Rückblenden erhalten die

Leser unterschiedliche Blicke

auf die Ereignisse. Gibt es keine

Eindeutigkeit in der Erinnerung,

in der Geschichte?

Das muss man trennen, glaube ich. In der

Geschichte gibt es sehr wohl reale Tatsachen,

die geschehen sind bzw. geschehen,

und damit auch Eindeutigkeit, sprich Wahrheit

und Objektivität. In der Erinnerung ist

das etwas anderes. Jeder erlebt die Dinge

anders und verändert sie zumeist auch noch

unbewusst in seiner Erinnerung.

Buchtipp:

Judith W. Taschler

26 27

Judith W. Taschler:

Das Geburtstagsfest

Droemer/Knaur Verlag, 352 S.,

€ 22,70 Wagner’sche.

Bücher seit 1639

Über die Beweggründe,

sich in

ihrem neuen

Roman mit einem

grausamen Kapitel

in der Geschichte

Kambodschas zu

befassen. Ein

Gespräch mit

Susanne Gurschler

Jahr lang warten, bis sie Asyl in Österreich

erhielt. Später lebte sie in Steyr in Oberösterreich.

Nach der Matura sind die zwei

jungen Frauen nach Innsbruck gegangen,

um zu studieren. Im Herbst 2013 habe ich

Chu gefragt, ob sie mit mir nach Kambodscha

kommen möchte, und sie hat spontan

zugesagt. Sie war zum ersten Mal nach vierunddreißig

Jahren in ihrer Heimat!

Die Mitglieder der Roten Khmer

haben extreme Gräueltaten begangen.

Eine der Figuren ist Teil dieses

Terrorregimes. Wie nahe kam Ihnen

selbst das Grauen? Oder umgekehrt:

Wie schaffen Sie als Autorin die

nötige Distanz?

Die hat leider eh ein bisschen gefehlt.

Ich bin den ganzen Sommer und Herbst

am PC gesessen und habe über Gräueltaten

der Roten Khmer und Kindersoldaten

geschrieben. Ehrlich gesagt, war es schrecklich.

Draußen das herrlichste Wetter, von

dem ich nicht viel mitbekommen habe,

drinnen quasi das Grauen, wenn man zum

Beispiel recherchiert, wie den Gefangenen

bei lebendigem Leib die Leber herausgeschnitten

wird, um diese dann zu braten.

Judith W. Taschler, 1970 in Linz geboren, aufgewachsen

in einer sehr großen Familie mit vielen

Geschwistern und 5 Jahre lang mit einer Flüchtlingsfamilie

aus Kambodscha.Nach ihrem erfolgreichen

Debut „Sommer wie Winter“ von 2011 wurde sie

freischaffende Autorin. Ihr Roman „Die Deutschlehrerin“

kommt am 14.6.2019 auf die Bühne des

Tiroler Landestheaters! Judith W. Taschler lebt mit

ihrer Familie in Innsbruck.

Buchpräsentation:

Das Geburtstagsfest

Judith W. Taschler

Moderation & Gespräch:

Margit Bacher (TT)

Musik: Bernd Lumassegger

alias Dr. Idoo

(didgeridoo und anderes)

Di., 16. April 2019, 19:30 Uhr

Wagner’sche

Universitätsbuchhandlung

Eintritt: € 9,– /

mit Kundenkarte € 7,–


© edition a

Mit der

Unendlichkeit

über uns gehen

wir fröhlicher

durchs Leben.

Renata Schmidtkunz

28

Wagner’sche.

Bücher seit 1639

Frau Schmidtkunz, Sie schreiben

in Ihrem Buch, dass uns die

Transzendenz abhanden kommt.

Wie und warum passiert das?

Ich glaube, dass das gerade in den vergangenen

dreißig Jahren passiert ist, weil

uns so viel ständig beschäftigt, Dinge

wie Fernsehen, Radio, und insbesondere

das Internet. Dadurch kommt es zu einer

ständigen Verfügbarkeit, oder scheinbaren

Verfügbarkeit, einem unaufhörlichen

Ad-hoc-Reagieren und Haben-Wollen und

auch Befriedigen-Können. Beispielsweise

durch Firmen wie Amazon, bei denen wir

Tag und Nacht bestellen können und die

uns alles nach Hause liefern. Transcedere

bedeutet so viel wie Grenzen überschreiten,

doch Grenzen gehen uns in dieser Art von

Welt verloren. Damit geht uns auch das

Bewusstsein dafür verloren, dass es mehr

als diese materielle, diese „absolute“ Welt

gibt. Zudem haben Dinge wie Ruhe und

Kontemplation, die wir brauchen, um uns

zu sammeln, keinen Wert mehr. Wert haben

dagegen Mobilität und Multitasking.

Die Theologin,

Redakteurin und

Dokumentarfilm-Regisseurin

über ihr neues Buch

„Himmlisch frei –

Warum wir wieder

mehr Transzendenz

brauchen“ – das

Gespräch führte

Cajetan Hammerl

Sie kommen aus einer evangelischen

Pfarrersfamilie, und haben doch

Abschied vom traditionellen

Gottesbild genommen und sich auf

die Suche nach einem neuen Gott

gemacht, wie Sie schreiben. Was

haben Sie gefunden?

Zunächst die Erkenntnis, dass Fragen wichtiger

sind als Antworten. Wer viele Fragen

hat, muss sich auf die Suche nach dem machen,

was Menschen vor ihm schon darüber

gedacht haben. Ich habe dabei für mich

entdeckt: Das eine Wesentliche in unserem

Leben ist, dass wir leben, und das andere,

dass möglichst viele Menschen gut leben.

Damit habe ich mich noch einmal an das

mir überbrachte, traditionelle christliche

Gedankengut herangemacht und entdeckt,

dass die Grundsätze fast jeder Religion das

Leben selbst und die Liebe sind. Liebe in

einem Sinn, der mir lange nicht klar war.

Lange habe ich mich gefragt, was genau

dieses Wort meint. Die erotische Liebe? Die

Elternliebe? Die Freundschaftsliebe? Welche

Liebe ist das denn, von der alle religiösen

Renata

Schmidtkunz

29

Schriften schreiben? Ich glaube, es ist eine

lebens-bejahende Liebe, deren Zweck es ist,

Leben zu ermöglichen und gutes Leben zu

erschaffen. Ich anerkenne die historischen

Gefäße der verschiedenen Weltreligionen,

ihre Entstehungsgeschichten und ihre

Unterschiede, aber das, was alle verbindet,

ist die Absicht, das Leben zu befördern.

Aus diesem Grund sind die

Weltreligionen entstanden?

Ich glaube schon. Damit es eine Instanz

gibt, die uns das Zusammenleben auf diesem

Planeten erst ermöglicht. Der deutsche

Politiker Gregor Gysi sagt immer: „Ich bin

nicht religiös, aber ich fürchte mich vor

einer Welt ohne Religion“. Gerade in einer

Zeit, in der „Religions-Bashing“ sozusagen

auf der Tagesordnung steht, ist es wichtig,

uns daran zu erinnern, dass alle Religionen

der Welt viel über Empathie, Liebe,

Solidarität, Menschlichkeit, Würde und

die Unantastbarkeit jedes Einzelnen sagen.

Daran sollten wir uns gerade vor dem

Hintergrund des Neoliberalismus erinnern,

denn er erzählt uns jeden Tag, wir hätten

keine Alternativen, Religion sei unbrauchbar,

brauchbar sei nur, was Profit bringt.

Sie selbst ordnen sich politisch

eher dem linken Lager zu. Ist

das nicht auch ein Widerspruch

zu Transzendenz und der Auseinandersetzung

mit dem Göttlichen?

Das ist zumindest ein Widerspruch für

bestimmte Kreise innerhalb der Linken, die

Anfang des 20. Jahrhunderts gesagt haben:

Wir sind moderne Menschen, wir wollen

eine moderne Gesellschaft, wir haben genug

von Geistergeschichten und Unterdrückung

durch Religion mit Angstmacherei, wir

sind Menschen, die an Bildung glauben,

an die Gleichwertigkeit von Mann und

Frau. Was wir heute Atheismus nennen,

ist ein Konzept aus jener Zeit. Für mich

bedeutet links, dass ich in einer gerechten

Welt leben möchte, in der alle Menschen

Zugang haben zu lebenswichtigen Gütern,

Bildung und medizinischer Versorgung,

dass sie sich frei entfalten und autonom

leben können. Das ist für mich links, und

das überschneidet sich bestimmt auch mit

den Vorstellungen vieler Menschen, die sich

als konservativ bezeichnen.

Renata Schmidtkunz, geboren 1964 in Hattingen/

Ruhr. Aufgewachsen in einem evangelischen

Pfarrhaus in Niederösterreich, Oberösterreich und

Kärnten. Studium der Evangelischen Theologie in

Wien und Montpellier/Frankreich. Seit Januar 1990

als Moderatorin, Redakteurin und Dokumentarfilm-Regisseurin

beim ORF: erst in der Abteilung

Religion im Fernsehen, wo sie zahlreiche, heute noch

existierende Sendungen (mit)erfunden, gestaltet und

moderiert hat. Zum Beispiel „kreuz und quer“ oder

die „Religionen der Welt“. Fünf Jahre lang war sie

Gastgeberin im „Club 2“ (2008 bis 2012).

Buchtipp:

Renata Schmidtkunz:

Himmlisch frei –

Warum wir wieder mehr

Transzendenz brauchen

edition a, 192 S., € 22,00

Lesung:

Himmlisch frei

Mit Renata Schmidtkunz

Moderation: Michael Köhlmeier

Do., 18. April 2019, 19:30 Uhr

Wagner’sche

Universitätsbuchhandlung

Eintritt: € 9,– /

mit Kundenkarte € 7,–


© Ingo Pertramer

Was sind Manen, Vea Kaiser?

Von Doris (Mieze Medusa) Mitterbacher

Österreichs

erfolgreichste

„Gschichtl

druckerin“

Vea Kaiser

30 Wagner’sche.

Bücher seit 1639

Die deutschsprachige Gegenwartsliteratur

hat manchmal so große Scheu davor, zu

unterhalten. Als wäre Unterhaltung und

literarischer Anspruch ein Gegensatz.

Vea Kaiser liefert den Gegenbeweis.

Rückwärtswalzer –

A damn good read

„Es geht nicht darum, ob du gut oder

schlecht bist. Es geht nur darum, dass

du damit keinen Erfolg hast.“, entgegnet

Onkel Willi seinem Neffen Lorenz. Der

hat sich bei seinen Tanten zum Essen eingeladen,

weil er Geld schnorren will. Er

ist Schauspieler mit einer „quasi genetisch

bedingten Schwäche für Sonderangebote“

und deshalb so richtig erleichtert, weil das

Läuten an seiner Wohnungstür doch nicht

der Exekutor ist, sondern der GIS-Mensch.

Den Fernseher hat Lorenz ein paar Tage

davor verkauft. Er brauchte das Geld.

Roadmovie durch

unsere Geschichte

Lorenz hat das erste Wort, er ist aber nicht

der Alleinunterhalter des Romans. Im

Fokus ist die Familie Prischinger. Vater

Prischinger ist nicht aus dem Krieg zurückgekehrt,

Mutter Prischinger müht sich allein

auf dem Hof und mit den fünf Kindern ab.

Mirl, Sepp, Wetti und die Zwillinge Hedi

und Nenerl.

Treffsicher bringt Vea Kaiser den

Zeitgeist der Jahrzehnte aufs Papier. Wie

nebenbei verwandelt sich Wien von trister

K&K-Nostalgie in eine europäische Großstadt

und eigentlich bleibt alles gleich: Alle

kommen von überall her und reden durcheinander.

Wenn man im ersten Wiener Gemeindebezirk

einkaufen geht, wird man mit

dem Titel des Ehemannes gegrüßt: „Grüß

Gott, Frau Unterrevident!“

Aus lauter Begeisterung über den fantastisch

erzählten Österreich-Roman haben wir

Vea Kaiser eine Triade Fragen gestellt:

31

Weise Frauen kommen oft zu dritt:

Erinnern Hedi, Wetti und Mirl an

die Nornen der Edda, die Triade

der großen Göttin, die drei Hexen

bei Macbeth oder zählen wir die

beiden Brüder dazu und erhalten eine

Popgroup à la Spice Girls?

Tatsächlich könnte man unendlich viele

Beispiele für die Trias dreier wichtiger

Frauen nennen. Aber für mich sind Wetti,

Hedi und Mirl so einzigartig, dass ich sie

gar nicht vergleichen kann.

Wetti Prischinger gilt als schwachsinnig.

Sie ist aber schon als Kind

eine wache Beobachterin (der Natur)

und sehr diskursbegabt … Was ist

Bildung? Was ist Wissen?

Bildung ist die Fähigkeit, Wissen zu erwerben

und erworbenes Wissen zu managen.

Aber ob diese Bildung aus der Schule,

dem Leben oder der eigenen Aneignung

kommt, ist meines Erachtens nicht so

wichtig. Das Beispiel von Wetti zeigt, dass

Neugier das Elementarste ist. Denn Neugier

behält uns offen und interessiert.

Was haben Latein und

Popkultur gemein?

Popkultur bedient sich manchmal des

Lateinischen, aber auch in der lateinischen

Antike gab es sowas wie Popkultur. Vereinfacht

könnte man wahrscheinlich zusammenfassen:

Beides kann nerven, beides

kann irrsinnig Spaß machen.

Zwischen Manen und Titanic

Obwohl der Roman mit Wissen glänzt,

will er vor allem eines: unterhalten. Bevor

besagter Lorenz Schauspieler wird, studiert

er Latein. Allerdings interessiert er sich eher

für die Praxis: Er umwirbt seine Kommilitoninnen

mit Ovidzitaten. In die eine,

die sich bei Ovid besser auskennt, verliebt

er sich. Stephie schreibt ihre Dissertation

unter dem Titel: Wenn Manen mahnen.

Kommunikation zwischen Lebenden und

Toten in der römischen Literatur.

Und schon wissen wir, was Manen

sind: „Totengeister, die den Hinterbliebenen

den Weg wiesen, wenn sie

versöhnt wurden, oder aber die Menschen

verfolgten, wenn man sie nicht gebührend

ehrte.“ Das ist nicht nur interessant, es ist

auch für den Roman wichtig.

Latein und Alt-Griechisch in der

Literatur wieder sexy zu machen, dafür

wurde Vea Kaiser schon bei ihren früheren

Büchern gerühmt. Doch auch Titanic,

Netflix-Abos, Tupperware, Ikea und

Referenzen zu John Irvings Wien-Roman

„Lasst die Bären los“ finden Platz. Nebenbei

entwirft Vea Kaiser ein präzises Bild

von Wien: Alle jammern, als wären sie in

einem Dickensroman. Dabei ist eh alles

leiwand.

Vea Kaiser nennt sich lieber „Gschichtldruckerin“

als Autorin. Mit „Blasmusikpop oder Wie die

Wissenschaft in die Berge kam“ (2012) gelang ihr

international der Durchbruch. 2015 erschien

„Makarionissi oder Die Insel der Seligen“. Auf

facebook schreibt sie: „Bissi weniger als drei Jahre

dran gearbeitet, 8 Fassungen verworfen, tausende

Seiten zur Recherche gelesen, fünftausend Kilometer

zur Recherche gefahren und soeben beendet.

Der dritte Roman.“ Endlich!

Buchtipp:

Vea Kaiser:

Rückwärtswalzer oder Die

Manen der Familie Prischinger

Kiepenheuer & Witsch Verlag,

432 S., € 22,70

Buchpräsentation:

Vea Kaiser:

Rückwärtswalzer

Moderation: Robert Renk

Mo., 13. Mai, 19:30 Uhr

Wagner’sche

Universitätsbuchhandlung

Eintritt: 9,– /

mit Kundenkarte 7,–


© pearceX

7 × Fragen an Ruth Pearce

Sie begleitete T. C. Boyle bei seinem Innsbruckaufenthalt

(siehe Titelbild) und beherrscht die Kamera in vielen Facetten.

Digital arbeitet sie im Stubaital unter fotoruth und ist spezialisiert

auf Baby- und Familienfotos. Ihr künstlerisches Herz

schlägt schwarz/weiß und analog! Dann entwickelt sie in der

Dunkelkammer gerne Künstlerportraits (u. a. Boyle, Fink,

Jimmy Tenor etc.) und signiert mit pearceX. Von Robert Renk

Schokokuchen

wäre erlaubt.

Ruth Pearce

Womit kann man Sie

bestechen?

Im Prinzip ist jede/r bestechlich.

Es ist alles eine Frage

des Preises. Schokokuchen

wär erlaubt.

Wobei vergessen Sie

völlig die Zeit?

Nächtens in der Dunkelkammer

beim Entwickeln.

Die meiste Zeit besteht darin,

im Dunkeln zu warten und

Musik zu hören. Die beste

Entschleunigung.

Was bewundern Sie an

anderen Frauen?

Disziplin, Ordnung und

guten, schwarzen Humor.

Worauf hoffen Sie?

Hoffnung hat mit einer

Erwartungshaltung zu tun.

Ich mache lieber.

Mit welcher berühmten

Person, lebend oder schon

gestorben, würden Sie

gerne noch ein Gläschen

heben?

Da gäbe es viele Persönlichkeiten,

die ich gerne kennenlernen

würde. Momentan

könnte ich ein Date mit Tom

Misch nicht ausschlagen.

Sie verbringen eine Nacht

in der Wagner’schen.

Über welches Buch

gebeugt würde man Sie

in der Früh finden?

Mich interessieren Sachbücher.

In einen tiefen Schlaf falle ich

bei einem langweiligen Roman.

Auf Seite 2.

Ruth Pearce, geborene Innsbruckerin, porträtiert

unter dem Namen pearceX Charaktere nach

persönlichem Gefallen. Ihr Lieblingsmotiv ist die

Lamakünstlerin Zoe P. Sie arbeitet independent

und genießt dadurch völlige Entscheidungsfreiheit.

Ausstellungen finden spontan an ungewöhnlichen

Locations statt.

(www.fotoruth.at, www.pearceX.space)

Buchtipp:

32 Wagner’sche.

Bücher seit 1639

33

Wim van Sinderen:

Anton Corbijn 1-2-3-4

Prestel Verlag, 400 S., € 71,–


America first …

Eine Rückschau auf die Lesungen

von T. C. Boyle und John Wray im Februar

in der Wagner’schen.

© ruth pearce/wagnersche

Bücher seit 1639

35


© Brigitte Lacombe 2018

Make reading great again

Mit „Lake Success“ legt Gary Shteyngart eine großartige

Geschichte, die widersprüchlich, lustig und erschreckend

zugleich ist, vor. Eine Rezension von Dave Bullock

If you want to

be a hedge-fund

manager, you

have to be a

storyteller first

and last.

Gary Shteyngart

36

Wagner’sche.

Bücher seit 1639

Der Titel dieser Rezension hat bedingt mit

der aktuellen Literaturserie von 8ungKultur

zu tun, zu der, mit einem beeindruckenden

Auftakt mit T. C. Boyle, amerikanische

Schriftsteller unter dem Titel „Make

reading great again“ eingeladen wurden.

Nicht schwer zu erahnen, dass der Titel der

Vorlesungsreihe Replik auf die Trump’sche

„Make America great again“-Präsidentschaft

nimmt. Gary Shteyngart nimmt in

seinem neuen Roman „Lake Success“ ebenfalls

Replik auf dieses Amerika, mit Barry,

dem Hedgefonds-Manager als integrativer

Beobachter dieses Amerikas.

Der 43-jährige Barry Cohen hatte gerade

einen heftigen Streit mit seiner Frau

und der Nanny über seinen autistischen

Sohn. Er schleppt sich zu einem Greyhound-Bus-Terminal

und verlässt so ein

früheres Leben. Barry hat beschlossen, so

zu reisen, wie er im College, wie er zuletzt

mit seiner damaligen Freundin gereist

ist. Er flüchtet vor seinem gegenwärtigen

Leben in die Vergangenheit und bleibt

in der amerikanischen Gegenwart hängen.

Er will seine damalige Freundin auf

seiner langen Bus-Odyssee, die von New

York über Richmond und Atlanta nach

El Paso und schließlich nach Kalifornien

führt, wieder finden. Diese Reise, auf der

Barry, der ständig bestrebt ist, alles unter

Kontrolle zu haben, nur mehr einer vor

dem Gesetz und seinem Leben fliehender

Passagier ist, bringt nicht nur seinen Blick

auf die Welt durcheinander, sie bringt ihn

in ein völlig verwirrtes Land: Der Roadtrip

findet genau zu der Zeit statt, in der sich

Amerika auf die Wahl des 45. Präsidenten

der Vereinigten Staaten vorbereitet – eine

Wahl zwischen Hillary Clinton und Donald

Trump. Barry selbst wählte bereits seit

seinem 18. Lebensjahr republikanisch.

Er ist Kapitalist und hat in einer Welt von

33.000 Dollar-Whiskey-Flaschen gelebt.

Er verwaltet ungeheure Vermögen, worauf

er stolz ist.

37

Aber Donald Trump macht ihm Angst.

Und dieser Trump mit seiner Vision von

Amerika wird in diesem Roadtrip verhört.

In der Erzählung muss man den

Menschen misstrauen. Die Zerrissenheit

der Leute, ja der gesamten US-amerikanischen

Gesellschaft in diesem Sommer

2016, zeigt sich in den Charakteren, auf

die Barry trifft. Wie etwa die junge Kellnerin,

die, wie Barry, wie die Geschichte, wie

Amerika widersprüchlich und persönlichkeitsgespalten

ist: „Socially I’m a bit more

liberal,“ she said. „But Trump ’s going to

rebuild the economy to where it should be

…“ Es ist die Hoffnung, die diesen Sommer

bestimmt – ohne aber zu wissen, auf

was gehofft werden darf. Es ist auch die

Geschichte von Lügen, Misstrauen und

die Geschichte einer Parallelgesellschaft,

zu Hause in New York bei Barry’s Ehefrau

Seema, in der Reichtum alles durchdringt.

Es ist aber auch die Geschichte, die hoffen

lässt. Auf jeden Fall ist es eine Geschichte,

die versteht.

Der Protagonist Barry ist in sich eine

erstaunliche Figur: Beflügelt und zugleich

verfolgt von Vergangenheit, Gegenwart und

Zukunft. Völlig widersprüchlich schwankt

er zwischen Sentimentalität und Hoffnungslosigkeit

hin zu seinem gewinnorientierten

kapitalistischen Positivismus, aber hin auch

zum Guten mit Hoffnung auf ein anderes

Leben, das er einmal geführt hat. Vielleicht

ist sein Problem, dass er eigentlich

ein Schriftsteller ist und mit der Schande

leben muss, dass er seine Gelder nach Scott

Fitzgerald benannte, denn: „If you want to

be a hedge-fund manager, you have to be

a storyteller first and last. That’s why my

fund is called This side of Capital. After the

Fitzgerald novel. That’s why I have a minor

in creative writing …“

Der Widerspruch, der sich in diesem

Satz manifestiert, zeichnet nicht nur Barrys

Leben. Shteyngart „makes reading great“.

In der großartigen Geschichte, die widersprüchlich,

lustig und erschreckend zugleich

ist, wirft er einen Blick auf das Land, der

abwechselnd bemitleidend und traurig, boshaft

und satirisch, hoffend und inspirierend

ist. Die Erzählung hilft, so erstaunlich es

klingt, das Amerika unter Präsident

Donald Trump zu verstehen.

Gary Shteyngart: Der 1972 geborene Gary Shteyngart

verbrachte „die ersten sieben Jahre seiner Kindheit

auf einem Platz, der von einer riesigen Statue

von Wladimir I. Lenin im heutigen St. Petersburg,

Russland, dominiert wird (er nennt es abwechselnd

‚St. Leningrad‘ oder ‚St. Leninsburg‘).“ Er stammt

aus einer jüdischen Familie mit einem ethnisch

russischen Großelternteil mütterlicherseits und

bezeichnet seine Familie als typisch sowjetisch. Als

er fünf Jahre alt war, schrieb er einen 100-seitigen

Comic-Roman. Die Familie Shteyngart emigrierte

1979 in die Vereinigten Staaten und Gary wurde in

Queens, New York, ohne Fernseher in der Wohnung,

in der er lebte, aufgezogen. Er hat seinen starken

russischen Akzent erst im Alter von 14 Jahren abgelegt.

Nach seinem Studium am Oberlin-College in

Ohio arbeitete er als Schreiber für Non-Profit-Organisationen

in New York. Shteyngart unternahm

Anfang der 1990er Jahre eine Reise nach Prag. Diese

Erfahrung inspirierte ihn zu seinem ersten Roman

„The Russian Debutante’s Handbook“, der in der

fiktiven europäischen Stadt Prava spielt.

(Quelle: wikipedia)

Buchtipp:

Gary Shteyngart:

Lake Success

Penguin UK, 352 S., € 18,70

Buchpräsentation:

Gary Shteyngart: Lesung

Ernst Gossner: Moderation

und deutsche Stimme

Mi., 8. Mai 2019, 19:30 Uhr

Wagner’sche

Universitätsbuchhandlung

Eintritt: 9,– /

mit Kundenkarte 7,–


© Nathalie Bauer

Buchtipp:

nicht dort

entlangtrampeln,

wo alle

anderen schon

getrampelt sind

Andreas Altmann

38 39

Andreas Altmann:

In Mexiko. Reise durch

ein hitziges Land

Piper Verlag, 288 S., € 20,60 Wagner’sche.

Bücher seit 1639

Andreas Altmann, Ihre Reisen

führten Sie u. a. von Kairo in den

Süden Afrikas, mit dem Greyhound

von New York nach San Francisco,

mit dem Zug durch Indien, zu Fuß

und ohne Geld von Paris nach Berlin,

durch Südostasien, nach Südamerika,

Australien, Palästina und – zuletzt

– nach Mexiko. Kann es sein, dass

Sie am liebsten abseits ausgetretener

Pfade unterwegs sind?

Nun, wie soll ein passabel kluges Buch entstehen,

wenn ich da entlangtrample, wo alle

anderen schon getrampelt sind?

Stefan Zweig hat einmal die

Unterscheidung zwischen „Reisen“

und „Gereist-Werden“ getroffen und

ein Plädoyer für das Unbequeme,

das Lästige, das Ärgerliche auf

Reisen gehalten, im Gegensatz

zum Komfortablen, dem mühelos

Erreichten, das dem wirklichen

Erleben im Wege stehe. Sind Sie

schon einmal „gereist worden“?

Andreas

Altmann

Über privates

und berufliches

Reisen, große

Gefahren und

kleines Gepäck.

Ein Gespräch mit

Joe Rabl

Ach, ich bin nicht als Held auf die Welt

gekommen, ich mag es durchaus, wenn es

einen Tag lang nicht lästig und mühselig ist.

Ja, ich bin schon gereist worden, auf einem

Kreuzfahrtschiff. Ich war eingeladen worden,

um an ein paar Abenden vorzulesen.

Die Woche war äußerst erkenntnisreich:

Nie wieder!

Was gibt eigentlich – abseits von

Aufträgen von Magazinen und

Verlagen – den Ausschlag für das

jeweilige Reiseziel? In Mexiko

waren Sie zuletzt mehrere Monate

unterwegs, da muss es wohl gute

Gründe geben, so viel Zeit eben

gerade dort zu verbringen und nicht

woanders.

Den Ausschlag gebe ich. Wenn ich denke,

ich traue mir ein Land zu, dann informiere

ich den Verlag und wir setzen die Konditionen

auf. Gewiss: Große Reisen, siehe

Mexiko, mache ich nur, wenn ich vorher

einen Vertrag unterschrieben habe. Dazwischen

unternehme ich „kleine Reisen“,

alle paar Wochen. Seit Jahren plagt mich

der Wahn, alle europäischen Hauptstädte

zu sehen: So buche ich jeweils eine Woche,

fliege los, setze mich in ein Hotel, schreibe

dort an dem Buch, das ich als nächstes

abliefern muss. Und gehe nachmittags

flanieren: schauen, empfinden, hören, lesen,

etwas lernen.

Wie sieht die Vorbereitung für Ihre

Reisen aus? Bereiten Sie sich intensiv

darauf vor, zum Beispiel durch

Lektüre, Studium von Karten und

Reiserouten? Oder gehen Sie es eher

spontan an und lassen sich unterwegs

anregen und überraschen?

Weder noch. Da ich in vielen Ländern

gearbeitet habe, weiß ich ein bisschen Bescheid,

zudem – wenn zu Hause – lese ich

die Presse, interessiere mich, was in der Welt

passiert, verliere nie – ein Beispiel – mit Mexiko,

wo ich ja eine Zeit lang gelebt habe,

den Kontakt. Aber spontan? Gewiss nicht.

Sobald ich das Flugzeug betrete, beginnt

der Stress, der unbedingte Wille, Frauen

und Männer zu treffen, die etwas wissen,

wovon ich keine Ahnung habe.

Sie reisen, wie man Ihren Büchern

und Reportagen entnehmen kann, mit

leichtem Gepäck. Was haben Sie auf

jeden Fall dabei?

Die banalsten Dinge der Welt. Eine Grundausstattung

Wäsche, Toilettenartikel,

meinen MacAir, Zeitungen, ein Buch,

Spezialstöpsel für meine Ohren, Papier, kein

Handy, kein GPS, aber meine sieben Sinne

und den penetranten Wunsch, weniger doof

als bei der Abreise nach Paris zurückzukehren.

Maximalgewicht: acht Kilo. Ich

kann das, denn ich habe monatelang in

einem japanischen Zenkloster gelebt: auch,

um die Dinge zu erkennen, die wichtig sind,

und jene, die dein Leben beschweren, im

wörtlichen wie im übertragenen Sinn.

Würden Sie folgendem Satz

zustimmen: „Jede Reise, egal wohin

sie einen führt, ist immer auch eine

Reise zu sich selbst“?

Das steht sicher hinten auf einem Kalenderblatt.

Nee, das klingt mir zu eso-eselig. Die

Reise muss einen fordern, in Situationen

manövrieren, die dich zwingen, dich einzulassen.

Ähnlich wie beim körperlichen Training:

Einen Suppenteller heben wird den

Muskel nicht stärken, da muss schon mehr

her, dann reagiert das Fleisch, wächst, ändert

sich. Noch ein Beispiel: Die Reise von

Paris nach Innsbruck wird mir eine Freude

sein, aber am Ende möchte ich in der Stadt

ankommen und nicht bei mir.

Andreas Altmann hat sich in Vielem versucht, bevor

er begann, die Welt zu bereisen und darüber zu

berichten. Altmann ist Deutschlands bekanntester

„travel writer“ und schrieb mehrere Bestseller; ausgezeichnet

u. a. mit dem Egon-Erwin-Kisch-Preis,

dem Seume-Literaturpreis und dem Reisebuch-Preis.

Bücher (Auswahl): „Das Scheißleben meines Vaters,

das Scheißleben meiner Mutter und meine eigene

Scheißjugend“, „Gebrauchsanweisung für die Welt“,

„Verdammtes Land. Eine Reise durch Palästina“,

„Frauen. Geschichten.“, „Gebrauchsanweisung für

das Leben“, „In Mexiko. Reise durch ein hitziges

Land“

Lesung:

Andreas Altmann ist bei den

42. Innsbrucker Wochenendgespräche

am 24. und 25. Mai

zu Gast


42. Innsbrucker Wochenendgespräche

2019 packen die Innsbrucker Wochenendgespräche

ihre Koffer und begeben sich auf

Reisen: Was reizt uns eigentlich am Unterwegssein?

Warum wollen alle reisen, aber

niemand ist gerne Tourist? Stefan Zweig

hat für diese Unterscheidung übrigens das

schöne Begriffspaar „reisen“ und „gereist

werden“ geprägt. Und warum müssen wir

nach Ferienende den Daheimgebliebenen

im Detail von unseren Erlebnissen berichten?

Vielleicht weil auch die kleinste

Urlaubsreise noch den Mythos nährt, jede

Reise in die Fremde sei auch eine Reise zu

sich selbst?

Mehr zum Thema gibt es vom 23. bis 25.

Mai 2019 mit unserem „Reiseleiter“ Stefan

Slupetzky und den (Reise-)Autorinnen und

Autoren Andreas Altmann, Martin Amanshauser,

Manuela Di Franco, Tim Krohn,

Stefan Moster, Sascha Reh, Thomas Stangl,

Katharina Winkler und Tina Uebel.

Birgit Holzner & Joe Rabl

Do., 23. Mai

20:15 Uhr – ORF Tirol Studio 3, Rennweg 14

Lesung: Stefan Slupetzky, Thomas Stangl,

Katharina Winkler, Stefan Moster,

Sascha Reh

Moderation: Birgit Holzner

Fr., 24. Mai

Gespräche im Ensembleproberaum des Tiroler Landestheaters

(Eingang SoWi-Durchgang, neben dem Abo-Büro)

Moderation: Stefan Slupetzky

10:00–12:00 Uhr – Andreas Altmann, Martin Amanshauser, Tina Uebel

15:00–17:00 Uhr – Manuela Di Franco, Tim Krohn, Stefan Moster

Sa., 25. Mai

Gespräche im Ensembleproberaum des Tiroler Landestheaters

(Eingang SoWi-Durchgang, neben dem Abo-Büro)

Moderation: Stefan Slupetzky

10:00–12:00 Uhr – Sascha Reh, Thomas Stangl, Katharina Winkler

15:00–17:00 Uhr – Gespräch mit allen Autorinnen und Autoren

20:15 Uhr; ORF Tirol Studio 3, Rennweg 14

Lesung: Andreas Altmann, Tina Uebel, Tim Krohn,

Martin Amanshauser, Manuela Di Franco

Moderation: Joe Rabl

Heimat Osterfestival Tirol 40 Orte –

Momente des Innehaltens

© Daniel Töchterle

Im Vorfeld und während des Osterfestival

Tirol finden täglich (außer an Sonntagen)

um 15 Uhr die 40 Orte statt – Momente des

Innehaltens. Die Aktion ist unserer Gesellschaft

gewidmet, die noch immer in Krieg,

Unrecht, Elend und Leid versinkt. Text und

Musik lassen kurz aufhorchen, provozieren

Widerstand und das Aufleben der Utopie

der Harmonie über die Kunst. Jeden Tag

spielen und performen vor allem Tiroler

Künstler im und mit dem öffentlichen

Raum. Neben Museen oder Büchereien

werden auch soziale Einrichtungen besucht.

Seit letztem Jahr spielen sie vermehrt kurze

Werke Neuer Musik von Tiroler, österreichischen

und internationalen Komponistinnen

und Komponisten.

Die Autorin Roberta Dapunt beschäftigt

sich immer wieder mit dem Begriff Heimat,

der das diesjährige Motto des Osterfestival

Tirol ist. „Heimat ist viel eher Ursprung

von Innerlichkeit; es umfasst das ganze

Bündel, das unser Aufwachsen an einem

Ort ausmacht, zusammen mit unserer Familie.

[…] Mag Heimat auch ein Wort der

deutschen Sprache sein – was es beinhaltet,

gehört letztendlich keiner Sprache an, umso

weniger in Europa. Heimat ist mehr als Ort

und Sprache.“

Veranstaltung:

40 Orte im Rahmen des

31. Osterfestival Tirol

Roberta Dapunt – Lesung

Lea Kas – Querflöte

Werke von BACH, TELEMANN,

MOWER

Di., 16.4.2019, 15:00 Uhr

Wagner’sche

Universitätsbuchhandlung

Eintritt frei!

41

Bücher seit 1639

Vom 7. bis 10. März gab es in Frankfurt

einen groß angelegten Festivalkongress

zum Thema „Fokus Lyrik“. Mehr als 100

Akteure aus allen Ecken des kleinen, feinen

Lyrikbetriebes und aus dem gesamten

deutschsprachigen Raum gaben sich ein

Stelldichein und diskutierten auf verschiedenen

Podien zu aktuellen branchenspezifischen

Themen.

Bei Podiumsdiskussionen, die Tristan

Marquardt zusammengestellt hat, wurde

über die Poetik von Dichtkunst heute, ihre

Internationalität und Vielsprachigkeit sowie

die performative Wende gesprochen. Außerdem

befragte die Lyrikkritik ihr Selbstverständnis

und ihre Funktion; diskutierten

Literaturwissenschaftler, welche Rolle die

Gegenwartslyrik an den Universitäten

spielt; gaben Schulexperten einen Einblick

in die Vermittlung von aktueller Poesie im

Unterricht; debattierten Veranstalter den

Lesungsboom und evaluierten Förderer ihr

Engagement; wurde in einer öffentlichen

Jurysitzung das literarische Preiswesen

ebenso analysiert wie der Auswahlprozess

an einem Beispiel durchgespielt. Wichtige

Themen des Kongresses waren zudem die

Perspektiven der Verlagsförderung, die

Zukunft der Lyrikzeitschriften und das

Verkaufspotential von Gedichtbänden

im Buchhandel. Als Buchhändler zum

Festivalkongress geladen wurde Sortimentsleiter

Robert Renk von der Wagner’schen

Universitätsbuchhandlung, was uns sehr

freut und unser Bemühen um den Vertrieb

aktueller Lyrik unterstreicht.

Auch Lesungen selbst durften nicht fehlen

in einem wunderbaren Festivalprogramm,

das Monika Rinck verantwortet hat.

Diverse Entdeckungen unseres Sortimentleiters

finden Sie demnächst in unseren

Lyrikregalen!

FOKUS LYRIK

Die Wagner’sche –

eine Buchhandlung mit

ausgesuchtem Lyrikangebot –

eingeladen nach Frankfurt

© Alexander-Paul-Englert


Katja Gasser (ORF)

führte durch den

Abend, Robert Renk

hielt die Laudatio,

Benedikt Föger,

Präsident des

Hauptverbands des

Österreichischen

Buchhandels,

würdigte den Autor.

„Frieden und Toleranz sind die gesellschaftlichen

Eckpfeiler, auf denen jeder intellektuelle

Diskurs und jede Schaffung und

Auseinandersetzung von und mit Kunst fußt.

Es ist die ureigenste Eigenschaft, gerade von

Verlagen und Buchhandlungen, an die Utopie

einer gerechten und friedlichen Welt im Zeichen

von Toleranz im Denken und Handeln

zu glauben. Weltenbürger Ilija Trojanow, der

Preisträger des Ehrenpreises für Toleranz

in Denken und Handeln 2018, ist mit seiner

Lebensgeschichte und seinem literarischen

Schaffen der Idealtypus eines Menschen, der

diesen Preis verdient. In seiner Dankesrede

hat er sein (Un)Verständnis für die aktuelle

politische Situation und den Umgang mit

dem Fremden, dem Nichtvertrauten, auch

klar zum Ausdruck gebracht.“

Benedikt Föger

Präsident des Hauptverbandes des

Österreichischen Buchhandels

„Eigentlich bin ich extrem

intolerant. Intolerant gegenüber

Ungerechtigkeit, Verachtung,

Ressentiments und Dummheit.“

Am 25. November 2018 bekam Ilija Trojanow

in Spitz an der Donau den Ehrenpreis des

Österreichischen Buchhandels für Toleranz in

Denken und Handeln überreicht.

Ein Auszug aus der Laudatio * von Robert Renk.

Ich war also in den letzten Monaten auf

Reisen. Auf dem Trojanow-Kontinent.

Der ist mindestens so vielfältig wie

Indien. Und – da beißt sich die literarische

Katze aufs Schönste in den weltaffinen

Schwanz – die farbenprächtige Vielfalt

Indiens kenne ich ausschließlich aus den

Büchern von Ilija Trojanow. Jetzt kann ich

es zugeben: Es war eine der aufregendsten,

vielseitigsten und dennoch konsequentesten

Reisen meines Lebens. Und keines

der Bücher hätte ich missen wollen, jedes

Einzelne ist seine Reise wert: Ich saß mit

Alexandar und seinem rüstigen Patenonkel

Bai Dan auf dem Tandem … Ich war mit

Richard Francis Burton, dieser Ausnahmeerscheinung,

in Indien und Afrika, mehr

noch, hab ihn gespiegelt sehen dürfen, nicht

nur aus dem Blickwinkel seiner überheblichen

englischen Freunde, nein, auch durch

die Augen seiner indischen Diener oder

afrikanischen Führer. Etwas, das diesen

Roman „Weltensammler“ unter anderem so

außergewöhnlich macht.

Ich bin den Ganges entlang gegangen,

habe den Haddsch durchgeführt, bin quer

durch Bulgarien, sowohl geografisch, als

auch historisch, bin zu den dahin schmelzenden

Gletschern Tirols und auf einem

Kreuzfahrtschiff in die Antarktis gereist …

Und das alles, ohne meine zwei Zimmer

zu verlassen. Zusammenfassend kann ich

sagen: Die Welt ist unverständlich, doch

Rettung lauert im richtigen Buch!

Da passt es gut, dass uns der Meister

selbst in seiner Gebrauchsanweisung diese

Form des Reisens nahebringt: Er meint:

„Selbst ein einziger Ort kann Spielplatz

einer Entdeckungsreise werden. Eine Buchhandlung

etwa.“

* Die gesamte Laudatio kann man nachlesen in

der Zeitschrift Literatur und Kritik, Heft 531/532 –

März 2019 (Otto Müller, Hrsg. Karl-Markus Gauß)

© Hauptverbands des Österreichischen Buchhandels


Im Rhythmus der

Eisenbahn geschrieben

Martin Fritz im Gespräch mit Jaroslav Rudiš

Wer mit dem tschechischen Autor

Jaroslav Rudiš ins Gespräch kommt,

muss für gewöhnlich nicht lange warten, um

in den Genuss seines schier grenzenlosen,

enzyklopädischen Wissens über europäische

Geschichte zu kommen. Es gibt wohl keinen

Ort zwischen Zürich, Prag, Szeged und

Sarajevo, zu dem Rudiš nicht sofort die verblüffendsten

und unterhaltsamsten Schnurren

einfallen würden. Meistens weiß er mehr

als die Einheimischen über ihre Heimat. In

seinem aktuellen Roman „Winterbergs letzte

Reise“ hat er dieser Leidenschaft konsequent

freien Lauf gelaufen und lässt zwei exzentrische

Charaktere kreuz und quer durch

Mitteleuropa reisen und sie den historischen

Verbindungen und Schrecknissen ihrer Reiseroute

wie ihren eigenen Lebensgeschichten

nachspüren. Dieser wilde Eisenbahn- und

Assoziationsritt von der ersten Feuerhalle

Österreichs, die aber in Tschechien steht,

über den venezianischen Sohn albanischer

Eltern Carl Ritter von Ghega, den Architekten

der Semmeringbahn, und sein Ehren-

grab am Wiener Zentralfriedhof bis hin zum

unglücklichen Chauffeur Leopold Lojka und

dessen Gaststätte in Znojmo wurde nominiert

für den Preis der Leipziger Buchmesse.

Bevor Rudiš damit das Innsbrucker Prosafestival

eröffnen wird, hat er Martin Fritz im

Interview verraten, wie „Winterbergs letzte

Reise“ entstanden ist, warum er nicht Eisenbahner

geworden ist und was er abseits der

Literatur so treibt.

© Peter von Felbert

Der Protagonist deines letzten

Romans „Nationalstraße“ ist

sehr nah an einem tatsächlich

existierenden Menschen, den du

in einer Kneipe getroffen hast,

angelehnt. Gibt es für deine neue

Hauptfigur, den schrulligen,

geschichtsbesessenen Wenzel

Winterberg, ebenfalls reale

Vorbilder?

Ja, so ist es. Ein Freund vor mir leidet an

der Schlacht zwischen Preußen und Österreich

bei Königgrätz 1866, die sich in der

Gegend abspielte, wo ich aufgewachsen bin.

In der Landschaft sieht man bis heute noch

die Spuren der Schlacht. Ich war mit ihm

öfters da. Er weiß sehr viel über die Geschichte,

er hat viel Humor, aber auch viel

Melancholie. So ist Winterberg entstanden.

Er ist fast hundert Jahre alt und macht noch

eine letzte Eisenbahnreise durch die Geschichte

von Mitteleuropa. Von Berlin über

Königgrätz, Prag, Linz, Wien und Budapest

bis nach Sarajevo.

Winterberg und sein Pfleger Herr

Kraus reisen mit dem Baedeker

Reiseführer Österreich-Ungarn von

1913, was ihre Reise quer durch

Mitteleuropa auch ein bisschen zur

Zeitreise macht. Wie bist du auf diese

Idee gekommen? Und hast du es ihnen

zu Recherche-Zwecken gleich getan?

Sie sind unterwegs mit dem letzten Baedeker

vor dem Weltkrieg, danach war alles anders.

Der Freund von mir, der an der Geschichte

und an der Schlacht bei Königgrätz leidet,

reist immer mit diesem Buch in der Tasche.

So ist es entstanden. Man ist überrascht, wie

viel von damals noch da ist …

Eine wichtige Rolle spielt auf

Winterbergs Reise auch die

Eisenbahn. Als Autor bist du

sicher auch viel mit der Eisenbahn

unterwegs, fährst du selbst eigentlich

gern Bahn?

Klar. Ich komme aus einer alten Eisenbahnerfamilie

und nur meine dicke Brille

hat mich vor der Eisenbahn gerettet. Ich

habe es damals sehr bereut. Wenn mich

jemand fragt, was uns in Mitteleuropa

nach der alten Monarchie geblieben ist, ist

es die Eisenbahn. Ich habe an dem Roman

auch viel im Zug geschrieben, vor allem im

Speisewagen. Das hat sicher die Musikalität

des Buches beeinflusst. Es ist im Rhythmus

der Eisenbahn geschrieben.

„Winterbergs letzte Reise“ ist der

erste Roman, den du auf Deutsch

geschrieben hast. Wie kam es zu

diesem Sprachwechsel in deinem

Schreiben? Was ist beim Schreiben

auf Deutsch anders? War es

schwieriger oder leichter, als du vorab

gedacht hast?

Es hat Spaß gemacht und es fiel mir nicht

schwer. Mir ist diese Zweisprachigkeit sehr

wichtig, zu Böhmen, zu unserer Geschichte,

gehören einfach die beiden Sprachen. Ich

finde es sehr traurig, dass wir diese Zweisprachigkeit

verloren haben. Ich hole es mir

einfach zurück.

Darf die Konzentration auf die gemeinsame,

geteilte mitteleuropäische

Geschichte der Nachfolgestaaten der

Donaumonarchie – oder sollte ich wie

Winterberg sagen: der „Elbemoldaudonausavebosnamonarchie“

–, die in

deinen Romanen immer schon und in

„Winterbergs letzte Reise“ besonders

zu bemerken ist, auch gelesen und

verstanden werden als ein Kommentar

zu aktuellen anti-europäischen

Tendenzen, zu Nationalismus und

Abschottung?

Vielleicht ja! Winterberg und Kraus suchen

und finden eher das, was uns hier alle verbindet,

unsere Geschichte zum Beispiel, als

das, was uns trennt.

Tschechien ist das Gastland

der Leipziger Buchmesse 2019,

welche Bücher und AutorInnen aus

Tschechien kannst du uns besonders

empfehlen?

Ein großartiger Autor ist Jáchym Topol,

sein Roman „Ein empfindsamer Mensch“

ist wirklich ganz toll. Ich mag auch die Bücher

von Emil Hakl sehr. Oder die Romane

von Radka Denemarková, die sind auch

sehr stark.

Was sind deine nächsten Pläne?

Hast du schon einen neuen Roman

in Arbeit oder dürfen wir uns wieder

einmal auf eine Graphic Novel oder

gar Musik freuen?

Ja, im März erscheint die neue Platte

von der Kafka Band. Diesmal geht die

Reise nach Amerika. Mit Franz Kafka

natürlich..

Jaroslav Rudiš, geboren 1972, studierte Deutsch

und Geschichte in Liberec/Reichenberg, Zürich und

Berlin. Rudiš ist Schriftsteller (bisher 6 Romane

veröffentlicht, davon gleich einige verfilmt), Publizist

(u. a. für die Frankfurter Allgemeine Zeitung, den

Tschechischen Rundfunk und die BBC), Comicautor

(gemeinsam mit Illustrator Jaromír 99), Musiker (bei

der Kafka Band) und Eisenbahn-Fan.

Lesung:

Jaroslav Rudiš liest im

Rahmen des 17. Prosafestivals

am Do., 4. April 2019, 20:00 Uhr

in der Stadtbibliothek Innsbruck.

(Mehr zum diesjährigen Prosafestival

erfahren Sie auf S. 20 –24)

Eintritt frei!

Buchtipps:

Jaroslav Rudiš & Jaromír 99:

Alois Nebel – Leben nach

Fahrplan, Comic

Voland & Quist Verlag, 128 S.,

€ 25,80

Jáchym Topol:

Ein empfindsamer Mensch

Suhrkamp Verlag, 494 S.,

€ 25,70

Jaroslav Rudiš:

Winterbergs letzte Reise

Luchterhand Verlag, 544 S.,

€ 24,70

Radka Denemarková:

Ein Beitrag zur Geschichte

der Freude

Hoffmann & Campe Verlag,

336 S., € 24,70

Karel Čapek:

Seltsames England

Lenos Babel Verlag, 180 S.,

€ 17,–

Emil Hakl:

Kiras Version

Braumüller Verlag, 220 S.,

€ 24,–

Dora Čechová:

Ich wollte kein Lenin werden

Wieser Verlag, 120 S.,

€ 17,90

Jiří Kratochvil::

Die Causa Neufundländer

Wieser Verlag, 120 S.,

€ 17,90


© Privat

Alles Schreiben ist Selbstschutz

Zum 5-jährigen Jubiläum von W:ORTE, dem Lyrikfestival

Innsbruck, besucht einer der wichtigsten Autoren die Wagner’-

sche. Schön, dass seine gesammelten Gedichte allesamt neu

aufgelegt wurden und auch als Kassette zu haben sind. Eine

rühmliche Entscheidung des Ullstein Verlages. Ein Gespräch

mit Wolf Wondratschek von Siljarosa Schletterer

die Sprache

muss glühen

Wolf Wondratschek

Zu Beginn: Herzlichen Dank dafür,

dass Sie mir die Möglichkeit eines

Interviews geben.

Marcel Reich-Ranicki meinte einmal

über Sie, dass Sie die Lyrik der

68er Generation repräsentieren:

„Ich halte ihn als Vertreter dieser

Generation für einen wichtigen

Lyriker.“ (Literarisches Quartett

vom 5.3.1992) Was sagt Ihnen

heute dieser Satz?

Die Anerkennung eines Schwergewichts

wie Reich-Ranicki war nicht unangenehm,

hatte aber wenig bis keinen Einfluss auf

die Begeisterung der Leser für meine Gedichte

damals in den Siebziger Jahren. Die

haben mich gelesen wie sie Songs von Bob

Dylan hörten. Ich bezweifle, dass sie den

Namen Reich-Ranicki überhaupt je gehört

haben; und ganz sicher las keiner von denen

irgendwelche Zeitungen. Schöne Zeiten.

Lange her.

Adhoc eine Frage: Was könnte

heute zu einer erneuten Poesie-

Begeisterung führen?

Poesie-Begeisterung? Darunter kann ich

mir nichts Gutes vorstellen.

Wie würden Sie heute Ihren Antrieb

beschreiben, Lyrik zu schreiben?

Erst einmal: ich schreibe Gedichte, keine

Lyrik. Ich mag das Wort nicht. Habe es

noch nie gemocht. Mein Antrieb? Keine

Ahnung. Das Gefühl, in einer Welt übervoller

Informationen etwas Unnötiges zu

tun. Das Unbrauchbare, Überflüssige zu

rehabilitieren.

Was stört Sie am Begriff der Lyrik?

Das Unpersönlichere? Ich habe

darin immer die Unterstreichung des

musikalischen Partes gesehen (aus

griech.lyrikos „zum Spiel der Lyra

gehörig).

Wer hat noch eine Lyra zur Hand?

Griechenland ist verweht.

Welche Rolle spielt Musik für Sie

generell dabei?

Das Zusammenspiel der Vokale mit den

Konsonanten ist immer musikalisch. Es gibt

Momente, wo ich Rap schreibe, oder das

Gegenteil, eine Arie. Es gibt Tage, wo ich

singen will, und Tage, wo Schweigen den

Ton angibt. Es gibt nichts, worauf man sich

verlassen kann.

Sie meinten in einem Interview mit

Roger Willemsen, dass die Liebe

das einzige Reich sei, in dem wir

begreifen, dass wir nicht frei sind, und

weiter, dass wir in der Liebe nicht

unsre besten Fähigkeiten kultivieren

würden. Würden Sie das ähnlich für

die Poesie beschreiben? Oder gibt

es Aufgaben, höhere Ziele, die die

Poesie verfolgen sollte?

Ach, die Liebe. Was soll man darüber

noch sagen? Sie ist da, sie ist nicht da, sie

ist flüssig, sie ist der Stein, über den die

Wasser gehen. Sie redet mit sich selbst. Sie

ist Apfel und Schlange. Alles leicht nehmen.

Ich glaube, da gehts lang. Aber die Sprache

muss glühen.

Wolf Wondratschek wuchs in Karlsruhe auf und

lebt, nachdem er Literaturwissenschaft, Philosophie

und Soziologie studierte, seit 1967 als freier Schriftsteller

zunächst in München, gegenwärtig in Wien.

Seine radikale Opposition zum herkömmlichen

Literaturbetrieb war prägend. In den 1970er Jahren

veröffentlichte er eine Reihe von Gedichtbänden, mit

denen er außerordentlich große Auflagen erzielte.

Viele seiner Werke wurden in Musik gesetzt, unter

anderem von Wolfgang Rihm.

Buchtipp:

46

Wolf Wondratschek:

Gesammelte Gedichte in 13 Bände

Ullstein Verlag, € 59,70

Wagner’sche.

Dazu anschließend zwei weitere

Fragen: Inwiefern identifizieren

Sie sich heute mit der/ einer „68er

Generation“? Wieviel – falls man

das überhaupt so bezeichnen kann –

von einem „68er“ Geist steckt oder

sollte immer noch in der heutigen

Literaturlandschaft stecken?

Wenn man wie ich in den 68er Jahren in

Frankfurt lebte, also nahe am Geschehen,

bleiben Kontakte nicht aus, die aber

hauptsächlich privater Natur waren, keine

ideologischen. Wenn die Jungs von ihren

politischen Debatten genug hatten, legten

sie in meiner Wohnung eine Pause ein. Aber

natürlich war ich, wie man das strafrechtlich

später nannte, ein Sympathisant; mit wem

sonst hätte ich Sympathie haben sollen?

Kann das Schreiben von Gedichten

auch Selbstschutz sein?

Alles Schreiben ist Selbstschutz. Schon

die Entscheidung, eine Affäre mit dem

Schreiben zu beginnen, ist Selbstschutz.

Glück hat, wessen Affäre zu einer Liebesgeschichte

wird, noch dazu einer lebenslangen.

Da hat sich niemand einzumischen.

Sie schrieben, dass Sie verrückt

nach Frauen sind, die Sie verlassen.

Trifft dies auch für Momente der

„Inspiration“ oder der Poesie zu?

Frauen, die mich verlassen haben, zeigten,

dass sie kluge Wesen waren. Auf

jede war ich stolz. Ich habe jede, die ging,

bewundert. Ich war einverstanden. Wir

kommen und gehen. Wie Nächte auf Tage

folgen. Wir alle waren einmal mutig. Wir

hatten nichts zu verlieren.

Lesung:

Im Rahmen von W:ORTE –

5. Lyrikfestival Innsbruck

liest Wolf Wondratschek am

Fr., 14. Juni um 19:30 Uhr

Wagner’sche

Universitätsbuchhandlung

Eintritt frei!


W:ORTE – 5. Lyrikfestival

Der Herbst gehört dem Krimi, der ausgehende Frühling

aber gehört der Lyrik. Von Robert Renk

Veranstaltet von 8ungKultur und Literaturhaus am Inn

12. bis 19. Juni 2019

W:ORTE, das Innsbrucker Lyrikfestival,

wird FÜNF. Kaum zu glauben, wenn man

bedenkt, wie schwierig die Geburt war.

Jetzt – schon nach so kurzer Zeit – hat

sich das Festival zu einer der wichtigsten

Adressen im deutschsprachigen Raum

gemausert und Lyriklesungen mit mehr

als 100 ZuhörerInnen sind nicht die Ausnahme,

sondern die Regel. Zudem ist das

Innsbrucker Lyrikfestival auch das einzige

mit eigenem Kammerorchester! Denn

natürlich wird auch heuer die wunderbare

Zusammenarbeit mit dem Tiroler Kammerorchester

InnStrumenti fortgesetzt, wenn

am Samstag, den 15. Juni der Lyriker José

Oliver im ORF Studio 3 mit im Orchestergraben

steht und seine Gedichte – teils

mit Kompositionsauftragswerken vertont

– vom Autor selbst bzw. vom Orchester

interpretiert werden.

Zuvor aber gilt es eine Ausstellung zu

eröffnen und zu besuchen. W:ORTE 5 beginnt

heuer früher, nämlich schon (außertourlich)

mit der Ausstellungspräsentation

von Siegfried Höllrigl und seiner bibliophilen

Welt, der Offizin S. (der Handpresse

aus Meran) am 5. Juni im Literaturhaus!

Eine Woche später – am Mittwoch, den

12. Juni – beginnt das Festival offiziell, mit

einem Abend, an dem das SAAV-Projekt &

Foliobuch „Lyrischer Wille – Poesie einer

multilingualen Gesellschaft“ im Literaturhaus

präsentiert wird. Arno Dejaco &

Matthias Vieider präsentieren gemeinsam

mit am Projekt beteiligten AutorInnen das

eigens für diesen Abend kreierte Kettengedicht

aus dem Übersetzungsprojekt „Lyrischer

Wille“ (Folio Verlag; Besprechung

auf der rechten Seite).

Zum Fünften wird es auch international

– mehr:orte, mehr:worte, mehr:sprachen

heißt es, wenn Versepolis Einzug in Innsbruck

hält. Am Donnerstag wandert

das Festival in die schönen Räume der

Stadtbibliothek. Dort präsentiert werden

Ramunė Brundzaitė aus Litauen und

Maarten Inghels aus Flandern (beide angefragt),

die beide am europaweiten Pool

von Versepolis teilnehmen. Die deutsche

Stimme verleiht ihnen Stefan Wancura, den

man von der T. C.-Boyle-Lesung noch in

bester Erinnerung hat.

Der traditionelle Abend in der Wagner’-

schen gehört einem der ganz Großen im

Revier des Gedichts. Denn er schreibt keine

Lyrik, sondern Gedichte, wie man aus dem

Interview – geführt von Mitorganisatorin

Siljarosa Schletterer – auf Seite 46/47 erfährt.

Wolf Wondratschek kommt nach

Innsbruck. Sein Gedichtband „Chuck’s

Zimmer“ (1974) ist übrigens noch immer

der ungeschlagene Bestseller im Bereich

Lyrik und erreichte eine 6-stellige Auflage!

Der Samstag gehört ganz den

„klang_sprachen“!

Diese extra für das Festival entwickelte

Konzertreihe verkündet das Wort aus

dem Orchestergraben. Sie folgt dem Ansinnen

einer stärkeren interdisziplinären

Vernetzung von Kunstsparten in Tirol.

Bei „klang_sprachen“ kommt es zu einem

Brückenschlag zwischen zeitgenössischer

Musik und Literatur. Dort wird also in

Zusammenarbeit mit dem Tiroler Kammerorchester

InnStrumenti und dem ORF-

Tirol ein Abend musikalisch ganz einem

Lyriker gewidmet. Kompositionen,

Arrangements eines ganzen Kammerorchesters

und der Lyriker mitten drin!

(Samstag, 15. Juni um 20:15 Uhr im ORF

Studio 3). Wie eingangs schon erwähnt

steht der diesjährige Abend ganz im Zeichen

des deutsch-andalusischen Poeten José

F.A. Oliver. Das Tiroler Kammerorchester

InnStrumenti spielt u. a. Uraufführungen

von Morgana Petrik, Gunter Schneider,

Hannes Sprenger und Klex Wolf. Auch eine

Vertonung von Federico García Lorca wird

zu hören sein.

Dann geht es am Sonntag (16. Juni) exklusiv

an den W:ÖRTERSEE, der in unserer

Gegend nur Lanser See heißen kann. Im

wunderbaren Ambiente des seit drei Jahren

neu geführten See- und Kulturbetriebs erlebt

man ein sechsfaches ACH. ACH steht

nicht für die phänomenale Aussicht dort,

sondern für ein Treffen von je drei österreichischen

(A) und drei Schweizer (CH)

AutorInnen. Es lesen & performen: Anja

Utler (D/A), Christian Futscher (A), Isabella

Feimer (A), Christian Uetz (CH), Michelle

Steinbeck (CH) und Sascha Garzetti

(CH). Abgerundet wird der Abend am See

vom Literatur-DJ der Herzen: Martin Fritz.

An einem eigenen TRANSP:ORT wird mit

der IVB noch verhandelt, mehr demnächst

auf unseren websites (s. u.).

Und es geht gleich weiter, denn am Montag,

den 17. Juni macht das Festival W:ORTE

einen Ausflug nach Telfs in die wunderschöne

Villa Schindler (Obermarktstraße

45). Dort warten nicht nur ein wunderbarer

Bösendorfer auf das Publikum, sondern

auch U. Elisabeth Sarcletti & José F.A. Oliver.

Veranstaltet in der feinen Kooperation

mit der Bücherei&Spielothek Telfs.

Der Abschluss gehört dann, am Mittwoch,

den 19. Juni, dem Innsbrucker Limbus

Verlag, einem der inzwischen wichtigsten

Lyrikverlage im deutschsprachigen Raum:

Wir freuen uns, Katharina J. Ferner und

Daniela Chana (angefragt) präsentieren

zu können. Moderiert vom Verleger

Bernd Schuchter.

Genaues Programm ab Ende

März zu sehen unter:

lyrikfestival.wordpress.com

www.facebook.com/W-ORTE-

Lyrikfestival-Innsbruck

www.wagnersche.at

www.literaturhaus-am-inn.at

www.literaturtirol.at

Wenn das Wort plötzlich

körperlich erfahrbar wird, vermacht

uns Anja Utler gerade

neue Laute, zerstückelt sie

Sprache in Musik, vers-splittert

sie das Gedicht in Basallaute,

in Basalgefühle. Es ist

vielleicht eine Vertonung, eine

Verschriftlichung der Nachkriegsgeneration

mit all ihren

Brüchen, Lücken und Ungereimtheiten.

Da werden dann

Konsonanten und Vokale zu

den Molekülen des Gefühls.

Gerade die beigefügte CD

offenbart den zweigestückelten

Monolog, das atemlose Panoptikum,

das Klangmosaik.

Siljarosa Schletterer

Anja Utler:

jana, vermacht

Edition Korrespondenzen, 112 S.,

€ 20,50

55 AutorInnen, im Raum

Südtirol sozialisiert oder hier

lebend, beteiligen sich am multilingualen

Übersetzungsprojekt,

in dem ein Ausgangstext in

eine zweite, dieser dann in eine

nächste Sprache übersetzt wird

und so weiter: Deutsch, Albanisch,

Ladinisch, Italienisch,

Persisch, Südtiroler Dialekt,

Neapolitanischer Dialekt, Arabisch,

Englisch – so vielfältig

wie die Gesellschaft im überschaubaren

Raum Südtirol sind

auch die daraus entstandenen

poetischen Kettengedichte.

Anna Rottensteiner

SAAV:

Lyrischer Wille.

Folio Verlag, 413 S., € 18,40

Die Natur, den Tod, die Nacht,

und vor allem das Leben mit

einem Du schreibt Sascha Garzetti

in seinen neuesten Band

ein. Seine Zeilen fallen nicht

nur, wie der Schnee in seinen

Gedichten, der „Landschaft

auf den Mund“ (S.11), sondern

seine Mundvokabeln fallen

direkt ins Gespür und werden

dann vom Herzmuskel heraus

buchstabiert. So möchte man

nach dem Lesen in Anlehnung

an den ersten Gedichtzyklus

sagen: Vielleicht kann, wenn wir

(seine) Lyrik lesen, etwas aus

uns werden. Lese- und Fühlempfehlung!

Siljarosa Schletterer

Sascha Garzetti:

Und die Häuser fallen nicht um

Wolfbach Verlag, 88 S., € 19,–

„Alles außer Lyrik ist Irrsinn.“

Diesen Satz des Avantgarde-

Dichter Andreas Okopenko

stellt Christian Futscher seinem

Lyrikband voran. Der Wahnsinn

des täglichen Lebens kann

ja genauso gut im Gedicht stattfinden.

In wenigen Zeilen, mit

viel Witz und Sinn für das Absurde

bringt der Poet die Dinge

auf den Punkt und führt vor,

wie selbst das Unpoetischste zur

Poesie werden kann: Ein Ort

namens Bümpliz, ein fluchendes

Knie, ein Hosenkauf – man irrt

nicht, wenn man sich für diese

Lyrik entscheidet! Gabriele Wild

Christian Futscher:

Alles außer Lyrik. Gedichte.

Czernin Verlag, 192 S., € 20,–

Wie verhält sich „tiefschwarz“

zu „unsichtbar“? Isabella

Feimer durchwandert in ihren

Gedichten das Unfassbare:

„Seele ist […] auch nur ein

kleiner Fisch in einem viel zu

großen Aquarium“, heißt es in

einem der Gedichtzyklen, die

um Kindheit, Liebe und Tod

kreisen. Das Gefühl des Verlusts

wird im Privaten wie im

Politischen erkundet. Das Gedicht

„Ich bin Europa“ z. B. ist

eine scharfsinnige Betrachtung

der europäischen Seele. Im

tiefen Schwarz liegen viele

Farben – davon erzählen diese

Gedichte. Gabriele Wild

Isabella Feimer:

Tiefschwarz zu unsichtbar. Gedichte

mit zehn Fotografien von Manfred Poor

Limbus Verlag, 96 S., € 13,–

Selten hat das Lesen von

Gedichten so viel Spaß gemacht.

Beobachtungswitz

und Sprachgabe oder besser

Sprachlust erwartet einen hier!

Erfrischend, zynisch, frech und

frei heraus erzählt. Genussvoll

gedichtet und geträumt. Zum

Weiterdenken, Weiterlachen.

Ein selbstbewusster Spaziergang

durch Hoch- und Tiefstimmungen.

Schwungvolle

Abhandlungen von Liebes- und

Alltäglichkeiten. Würde man

Michelle Steinbeck nach ihren

Abendplänen fragen, würde

sie vermutlich antworten: eine

poetische Welteroberung.

Katharina J. Ferner

Michelle Steinbeck:

Eingesperrte Vögel singen mehr

Voland & Quist Verlag, 104 S., € 19,20

„Ich trinke dich in mich /

zurück“ (S. 12), heißt es gleich

zu Beginn und damit hat sich

Christian Uetz schon eingeschrieben

in den Sprachfühlmuskel.

Mit neologismenreicher

Worttrance umgarnt er die

Lesenden, egal ob seine Wörter

gerade einen mystischen Gott,

eine engelsgleiche Angebetete,

sein Kind, die eigene Poesie

oder doch alles gleichzeitig in

seinen Zeilen besingen. „Das ist

/ so göttlich der Wahnsinn“ (S.

104). Wer könnte solche Zeilen

nicht lieben? Jerry Maguire

würde vielleicht schreiben: You

had me at your first verse!

Siljarosa Schletterer

Christian Uetz:

Engel der Illusion

Edition Secession, 144 S., € 20,60

Erregend zärtlich. Im Augenschein

Atem erkundend. Im

Blick 1 Zuhören. Gedichte aus

dem filigran webenden Echo der

Weltenschöpfungen Katharina

J. Ferners. Ein Lyrikband,

der mindestens zweisprachig

ist. Erlauben Sie mir, dass ich

Dialekte auch als Sprachen

bezeichne. Das liegt an ihren

jeweiligen Seins-Formen, die

sich poetisch bew:orten. Ferner

streichelt das Leben wie seine

Komplizin. Verse im ahnenden

Wissen um die Sehnsucht, die

es anzunehmen gilt: wider alle

Wortverkrustungen. José F.A. Oliver

Katharina J. Ferner:

nur einmal fliegenpilz zum frühstück

Limbus Verlag, S. 96, € 13,–


Jung,

aber

oho!

Bücher

für

Kinder

und

Jugend:

„Dork diaries“ – die lustige

Comicreihe für Mädchen

geht weiter! Dates mit dem

Schwarm, eine Kunstreise nach

Paris und eine tolle Geburtstagsfeier

– besser kann es für

Nikki nicht laufen! Wären da

nicht ihre kleine Schwester und

eine doofe Tussi. Für Überraschungen

ist gesorgt. Ein weiterer

dramatischer und witziger

Band der erfolgreichen Kinderbuchreihe

ab 10. Lena Walder

Rachel Renée Russell:

Dork Diaries – Nikkis (nicht ganz so)

genialer Geburtstag

Schneiderbuch Verlag, 320 S., € 14,40

Am Hof von Familie Schluckewitz

ist immer was los, und

meistens duftet es nach Opas

leckeren Schokotörtchen.

Richtig rund geht’s aber dann,

als Wollschweinmama Fräulein

Stinkewitz sieben kleine Ferkel

zur Welt bringt. Mai bekommt

fast Schwierigkeiten, als ihre

kleine Schwester auf die Idee

kommt, ihr kleines Schweinchen

mit ins Zimmer zu nehmen.

Und dann taucht noch Abraxas

mit seiner Jugendbande auf, sie

bringen ihren Bruder Henry

in Schwierigkeiten. Sehr turbulente

neue Buchreihe. Andrea Scheiber

Anja Fröhlich:

Wir Kinder vom Kornblumenhof

Band. 1 – Ein Schwein im Baumhaus

Ravensburger Verlag, 168 S., € 10,30

In Orléans ist Schönheit alles

– und nur die Belles haben die

Macht, sie den Menschen zu

verleihen. Nachdem sie jahrelang

dafür trainiert hat, ist

Camelia endlich bereit, ihren

Dienst als Belle anzutreten.

Doch sie muss bald feststellen,

dass sich hinter den sorgsam

gepflegten Fassaden des Königreichs

Schreckliches verbirgt …

Der Beginn dieser spannenden

Reihe hinterfragt den allgegenwärtigen

Schönheitswahn und

ist gleichermaßen zuckersüß

und dunkel. Maria Neumayr

Dhonielle Clayton:

The Belles. Schönheit regiert

Planet Verlag, 512 S., € 19,60

Drei Kapitel eines Fragments

von Michael Ende rund um die

Figuren Raubritter Rodrigo

Raubein und seinem Knappen

Knirps hat Wieland Freund

fantastisch weitererzählt. Die

Geschichte spielt im „finsteren

Mittelalter“ und im dunklen,

großen „Bangewald“, voll von

alten Bäumen, Sumpfdruden

und Wurzelgnomen. Märchenhaft

setzt Freund diesen Figuren

einen König, eine Prinzessin,

einen Drachen und einen

Bösewicht hinzu. Endes Anfang

wird von Freund ausdrucksstark

und spannend zu Ende

erzählt. Silvia Spiegl

Michael Ende, Wieland Freund:

Rodrigo Raubein und Knirps, sein Knappe

Thienemann Verlag, 208 S., € 17,50

Nach dem Tod ihrer Mutter

lebt die 14 -jährige Terry mit

ihrem Frettchen Charly auf

dem Forschungs-U-Boot

Kopernikus bei ihrem Onkel.

Auf den Weg nach Grönland

machen sie Halt am Hafen

der Geburtsstadt von Terry in

Miami, und sie begibt sich zu

ihrem ehemaligen Elternhaus.

Was dann alles passiert, verrate

ich nicht, jedenfalls wird sie

entführt, denn man nimmt an,

dass sie weiß, woran ihre Mutter

gearbeitet hat, und dass sie

noch am Leben ist. Ein Wettlauf

mit der Zeit und mächtigen

Gegnern. Irre spannend von

Anfang an. Andrea Scheiber

Andreas Gruber:

Code Genesis,

Band 1: Sie werden dich finden

cbj Verlag, 336 S., € 13,40

Agatha ist eine leidenschaftliche

Detektivin und würde so gerne

einen richtigen Fall haben.

Eines Tages wird sie Zeugin

eines Verbrechens: Eine alte

Dame wird von einem Motorradfahrer

angefahren. Sie bemerkt

am Handgelenk des Opfers

ein geheimnisvolles Tattoo

und beginnt prompt mit ihrem

besten Freund zu recherchieren.

Dabei geraten die zwei schnell

in die dunklen Machenschaften

der Londoner Unterwelt. Ein

packender Detektiv-Roman mit

aktuellen Umwelt-Themen. Für

Fans von Ruby Redfort und

Young Sherlock Holmes.

Lena Walder

Lena Jones:

Agatha Oddly –

Das Verbrechen wartet nicht

Loewe Verlag, 368 S., € 15,40

50

Wagner’sche.

Flora Botterblom ist eine

11-jährige Abenteurerin – und

das wollte sie auch zu ihrem

Beruf machen. Jedoch ist sie

in eine Gärtnerfamilie hineingeboren.

Wie langweilig. Doch

als ihr Großvater ihr anvertraut,

dass sie Wunderpflanzen

anbauen und diese auch noch

gestohlen wurden, beginnt für

Flora das aufregendste Abenteuer

überhaupt. Der erste

wunderbare Band einer mehrteiligen

Kinderbuchreihe. Am

Ende des Buches findet man

noch ein kleines Lexikon. Auf

in den Garten! Lena Walder

Astrid Göpfrich:

Flora Botterblom – Die Wunderpeperoni

Magellan Verlag, 208 S., € 13,40

Rom, 94 n. Chr.: Vier Geschwister

müssen in der Nacht

aus ihrer Heimat fliehen, da

ihre Familie vom römischen

Kaiser Domitian des Hochverrats

angeklagt worden sind.

Für Juba, Ursula, Dora und

Fronto beginnt eine tödliche

Flucht quer durch das Land.

Sie sollen nach Britannien, dort

wartet ihr Onkel auf sie. Doch

dieser scheint selber in dunkle

Machenschaften verstrickt zu

sein. Liebevoll gezeichnete Charaktere

und historisches Wissen

verpackt in einen spannenden

Roman ab 10. Lena Walder

Caroline Lawrence:

Roman Quest – Flucht aus Rom

ars Edition Verlag, 288 S., € 15,50

Alfie Monk ist ein 11-jähriger

Junge. So sieht er auf alle Fälle

aus. Doch in Wirklichkeit ist

er 1000 Jahre alt. Er und seine

Mutter haben als Nimmertote

schon so einiges erlebt.

Die Wikinger in England zum

Beispiel. Sogar Charles Dickens

hat er persönlich getroffen.

Als seine Mutter jedoch bei

einem tragischen Unfall ums

Leben kommt, möchte Alfie

sein ewiges Leben loswerden.

Dabei bekommt er Hilfe von

seinen zwei neuen Freunden.

So beginnt ein rasantes und

nervenzerreißendes Abenteuer.

Lena Walder

Ross Welford:

Der 1000-jährige Junge

Coppenrath Verlag, 384 S., € 16,50

„I can see U“ ist das erste

Jugendbuch von BR-Journalist

Matthias Morgenroth – und

dieser Roman hat es in sich!

Ben ist der Neue in der Klasse

und Marie ist sofort hin und

weg. Doch schon bald geschehen

merkwürdige Dinge.

Es tauchen Fake-Bilder von

ihr auf und Geheimnisse ihrer

Mitschüler kommen ans Tageslicht.

Morgenroth greift aktuelle

Themen wie die Digitalisierung

und deren Möglichkeiten auf.

Verpackt in einem spannenden

und erschreckend realistischen

Roman. Lena Walder

Matthias Morgenroth:

I can see U

Coppenrath Verlag, 304 S., € 16,50

Willkommen in der Niemalswelt,

dem Limbus zwischen

Leben und Tod, in der fünf

Jugendliche dieselben 11,2 Stunden

in Endlosschlaufe durchleben.

Nur einer von ihnen

wird die Niemalswelt lebendig

verlassen. Die Freunde müssen

untereinander abstimmen, wer

diese Person sein soll. Je weiter

man in die Geschichte vordringt,

desto mehr Geheimnisse,

Lügen und Rätsel kommen ans

Tageslicht. Spannung bis zur

letzten Seite! Viele unerwartete

Wendungen und der flotte

Schreibstil machen das Buch zu

einem absoluten Muss!

Klaudia Grünfelder

Marisha Pessl:

Niemalswelt

Carlsen Verlag, 384 S., € 18,50

Ein plötzlicher Umzug nach

Norwegen, eine krebskranke

Schwester, ein mysteriöser

Junge, der von Wölfen großgezogen

wurde, ein kontrollsüchtiger

Vater und eine

verworrene Familiengeschichte.

Mittendrin: Nell, die ihre

eigene Freiheit will. Lukas

kann ihr diese Freiheit geben,

aber er würde alles tun, um sein

Rudel zu schützen. Alles. Die

beklemmende und düstere Atmosphäre

dieses Jugendbuches

ab 14 Jahren zieht den Leser

immer tiefer in eine Spirale aus

Manipulation und Lüge.

Klaudia Grünfelder

Lucy van Smit:

The Hurting – Als du mich gestohlen hast

Chicken House Verlag, 368 S., € 17,50


America first.

Make reading

great again

7 mal zwischen USA & Austria

(Tipps von John Wray)

Lesen

bis der

Arzt kommt

7 Romane über Ärzte

Jedes

Wort

zählt

7 lyrische Kostbarkeiten!

3×7

Best

aber

Seller:

52

Wagner’sche.

1

2

Multiple

3

Transit

4

Fiskadoro

5

Ich

6

Bluthunde

7

Komm,

Das babylonische Wörterbuch

Joaquim Maria Machado

de Assis

Manesse, € 20,60

Choice

Alejandro Zambra

Suhrkamp, € 18,50

der Venus

Shirley Hazzard

Ullstein, € 26,80

Denis Johnson

rororo, € 9,20

war Diener im Hause Hobbs

Verena Roßbacher

Kiepenheuer & Witsch, € 22,70

Don DeLillo

Kiepenheuer & Witsch, € 22,60

süßer Tod

Wolf Haas

Rowohlt Verlag, € 9,30

1

2

Löwen

3

Königin

4

Drehtür

5

Arztroman

6

Dr.

7

Doktor

Bevor wir verschwinden

David Fuchs

Haymon, € 19,90

wecken

Ayelet Gundar-Goshen

Kein & Aber, € 14,40

der Berge

Daniel Wisser

Jung und Jung, € 24,–

Katja Lange-Müller

Kiepenheuer&Witsch, € 11,40

Kristof Magnusson

Goldmann, € 10,30

Siri und die Geisterfrau

Colin Cotterill

Goldmann, € 10,30

Shiwago

Boris Pasternak

S.Fischer, € 11,40

1

2

in

3

alfabet/alphabet

4

Sieben

5

Gesammelte

6

Tandlerfundstücke

7

Rudert!

NOX

Ann Carson

NDbooks, € 54,–

fließenden übergängen

Gerhard Kofler

Haymon, € 24,90

Inger Christensen

Kleinheinrich, € 41,20

Zehntel eines Kopfes

Daniil Charms

Galiani, € 25,70

Gedichte

Robert Gernhardt

S.Fischer, € 18,50

Elfriede Gerstl

Droschl, € 29,00

Rudert!

Tomaž Šalamun

Edition Korrespondenzen, € 21,–


Mit

den

besten

Empfehlungen:

Dieses Buch erinnert an

„Miami Vice“ und „Baywatch“,

nur: es spielt in Finnland. Ein

Investor benennt einen Strandabschnitt

in Palm Beach um,

und in der Folge wird gesurft,

gemordet und geschmunzelt.

Antti Tuomainen ist für mich

DIE Krimi-Neuentdeckung

der letzten Jahre. Nach seinem

grandiosen Buch „Die letzten

Meter bis zum Friedhof“ und

seinem fulminanten Auftritt

beim Krimifest Tirol 2018 setzt

er mit seinem neuen Roman

noch eins drauf. Absurde

Komik, Spannung, schräge Figuren

– ein richtig cooler Finne

ist das! Bernhard Aichner

Antti Tuomainen:

Palm Beach, Finland

Rowohlt Verlag, 368 S., € 20,60

Ein Tycoon wird Präsident.

Und tags darauf stirbt ein Poet.

Ein Mädchen verschwindet.

Eine Freundin engagiert einen

Detektiv. Die Ermittlung verläuft

sich im „waste land“ Kaliforniens.

Die Sonne brennt. Es

brodelt. „Der wilde Detektiv“

ist „hard-boiled“. Und überdreht.

Absolut undurchsichtig

und unnachahmlich gescheit.

Der Irrsinn feiert Urstände. Ein

Staat kollabiert. „Die ganz normale

beschissene Wirklichkeit“.

Mit „Der wilde Detektiv“ lässt

Lethem Dampf ab. Literatur als

Ventil. Befreiende Lektüre in

besch…eidenen Zeiten.

Joachim Leitner

Jonathan Lethem:

Der wilde Detektiv

Klett Cotta Verlag, 335 S., € 22,70

Österreich 2024, türkis-blau

ist Vergangenheit, LIMES verpasst

dem Land ein orbanitäres

Antlitz. Bobo Malte Dinger

stolpert über eine Fahrscheinkontrolle

in 25 Jahre Häfn,

Kommissar Groschen über

eine innerlich verbrühte Leiche

in korrupte Machenschaften.

Georgische Kriminelle, hysterische

Burschenschaftlerinnen,

Neonazis und Anarchisten

treffen sich schließlich zum

Finale infernale am Opernball.

Stilsicher, sprachgewandt,

wort- und lautverdrehend setzt

Anzfrobel eine neue Muftdarke

in die kottaneske Limikrandschaft.

Andreas Hauser

Franzobel:

Rechtswalzer

Zsolnay Verlag, 413 S., € 18,40

Bereits „Die Bücherdiebin“

hat die Leserschaft im Sturm

erobert. Markus Zusaks neuer

Roman beschreibt das Leben

der fünf Dunbar-Brüder. Die

Mutter ist tot, der Vater fort.

Dessen Rückkehr stellt die Brüder

auf die Probe und zwingt

sie dazu, Brücken zu bauen

– wortwörtlich. Zusak gelingt

die virtuose Verknüpfung aus

Vergangenheit und Gegenwart,

seine Sprache bannt die

Lesenden direkt am Geschehen.

Die Figuren werden zu Helden,

auch wenn nur die profansten

Haustiere Heroennamen aus

der Ilias tragen. Anja Moschen

Markus Zusak:

Nichts weniger als ein Wunder

Limes Verlag, 640 S., € 22,70

Art Keller at his best – Art Keller

in Hochform! Don Winslows

Abschluss der Trilogie um den

mexikanisch-amerikanischen

Drogenkrieg, ein Wiedersehen

mit Totgeglaubten und in Vergessenheit

geratenen Freunden,

Feinden und Drogen. Die

amerikanische Drogenpolitik

ist gescheitert und der Hunger

nach Heroin ist stärker als

jemals zuvor. Auch hier schafft

es Don Winslow wieder, seine

Geschichte spannend und nah

an der Realität zu erzählen.

Lena Kripahle-Wiek

Don Winslow:

Jahre des Jägers

Droemer Verlag, 992 S., € 26,80

Seit Fräulein Smilla hat

Peter Høeg einen Fixplatz im

Literaturuniversum. Der nun

vorgelegte neue Roman gefährdet

diesen Fixplatz nicht.

Es geht um Simon, Lisa und

Peter, um ihre Kinderfreundschaft

und ihre heutige Beziehung

und um Neurowissenschaft.

Vermutlich bringen nur

wenige andere AutorInnen das

alles unter einen Literatenhut.

Høeg kann das. „Durch deine

Augen“ ist unglaublich poetisch

und lehrreich zugleich. Dabei

spannend und ein echter „pageturner“.

Was will man mehr?

Michael Carli

Peter Høeg:

Durch deine Augen

Hanser Verlag, 336 S., € 24,–

54

Wagner’sche.

Leda beobachtet am Strand

ihres süditalienischen Urlaubsorts

eine neapolitanische

Großfamilie, besonders die

junge Nina und ihre Tochter

Elena. Die eigene Vergangenheit

drängt sich heftig in ihre

Erinnerung, und sie begeht eine

Tat, die ihr selbst unerklärlich

ist. Der Roman ist ein elegantes

Meisterwerk schonungsloser

und kristallscharfer Offenlegung

der Schönheit und Grausamkeit

in den Beziehungen zwischen

Müttern und Töchtern.

Spannung bis zum letzten Satz

bekommt man als Draufgabe

dazu. Anna Rottensteiner

Elena Ferrante:

Frau im Dunkeln

Suhrkamp Verlag, 444 S., € 20,60

Vor zehn Jahren hat der

Ich-Erzähler Belgrad fluchtartig

verlassen, nun kehrt er

zum Begräbnis der Großmutter

zurück und stellt sich den Dämonen

der Vergangenheit: den

Erinnerungen an die Bombardierung

Belgrads, den nationalistischen

Indoktrinationen

in Schule und Elternhaus, der

ewigen Spirale von Hass und

Gewalt und der bohrenden

Frage: Wie konnte es sein, dass

unsere Eltern das zugelassen

und mitgetragen haben? Marko

Dinić setzt einer vom Zerfall

Jugoslawiens traumatisierten

Generation ein sprachmächtiges

Denkmal. Joe Rabl

Marko Dinić:

Die guten Tage

Zsolnay Verlag, 239 S., € 22,70

„Widerstand“ und „Würstelstand“,

„Töchtersöhne“,

„Sternsingen“ und „Insel der

Seligen“. Als buchgewordenes

Bonusmaterial zum „Haus

der Geschichte Österreichs“

versammelt der Band Vor- und

Nachdenken über Österreich.

Aufgeschrieben von Professor*innen

und Poet*innen, ein

Who’s Who in Rot-Weiß-Rot. Es

eröffnen sich verblüffende Blickwinkel

auf ein kleines Land, auf

die Sehnsucht nach Weltgeltung

und Vernebelungsversuche der

eigenen Nichtigkeit. Kurzum:

Man lernt ungemütlich viel über

dieses ach so gemütliche Österreich.

Joachim Leitner

M. Sommer, H. Uhl und

K. Zeyringer (Hrsg.):

100 x Österreich

Kremayr & Scheriau Verlag,

400 S., € 29,90

Das neue Buch von Armin

Thurnher ist autobiografisch

und fiktional zugleich. Der

Roman reflektiert die reale

Reise des Autors in die USA

kurz vor dem symbolträchtigen

68er Jahr, aber Thurnher besteht

darauf, dass der Protagonist,

der im Präsens erzählt,

kein Alter Ego sei. Wir wollen

das gerne glauben, auch weil

ein Buch vorliegt, das witzig,

klug und liebevoll den kurzen

Studienaufenthalt in den USA

schildert. Ein Buch, das bei der

Lektüre Spaß macht, eines, das

man am Ende ungern weglegt.

Uneingeschränkte Leseempfehlung!

Michael Carli

Armin Thurnher:

Fähre nach Manhattan

Zsolnay Verlag, 208 S., € 20,60

Édouard Louis ist Mitte 20 –

und Frankreichs neuer Großdenker.

Seine Methode nennt

er „konfrontativ“. In „Wer hat

meinen Vater umgebracht“

macht er keine Gefangenen.

Der Text ist eine Abrechnung

mit dem Frankreich der Gegenwart.

Und der Vater eine Übermetapher:

ein einstiger Polterer,

ein Prügler, ein insgeheim

sentimentaler Täter und das abgewrackte

Opfer optimierungssüchtiger

Zeiten. Das Buch ist

aber auch die Geschichte einer

Annäherung. Zorn war selten

rührender. Und Rührung selten

aufschlussreicher. Joachim Leitner

Édouard Louis:

Wer hat meinen Vater umgebracht

S. Fischer Verlag, 80 S., € 16,50

Im Kurort mit dem sperrigen

Doppelnamen wird wieder

ermittelt! Ganz in der Maurer’schen

Manier beginnt der

Alpenkrimi beinahe gemütlich

und idyllisch. Schnell kristallisieren

sich mehrere scheinbar

unzusammenhängende

Handlungsstränge heraus, die

am Ende gekonnt zusammenlaufen.

Maurer schreibt mit

einer ordentlichen Portion

Humor, grandiosen Figuren

und überraschenden Wendungen.

Auch der Griff zum

Hörbuch lohnt sich: Fließend in

mehreren Dialekten gibt Maurer

jeder Figur eine unverkennbare

Stimme! Klaudia Grünfelder

Jörg Maurer:

Am Tatort bleibt man ungern liegen

Fischer Scherz Verlag, 432 S., € 17,50


Zum Träumen und Nachdenken

ist dieser zeitgemäße Roman, er

erzählt von fünf verschiedenen

Frauenschicksalen in abwechselnden

Zeitebenen. Da ist

Paula, sie findet ihr Glück bei

Ludger, zerbricht aber beinahe

am Verlust ihres Kindes. Ihre

Freundin Judith, Ärztin, sucht

hingegen ihr Liebesglück im

Internet. Brida ist besessen von

ihrer Liebe zu Götz. Auch die

Lebenslinien von Malika und

Jorinde kreuzen sich. Man ist

gefesselt von den Gefühlen,

Sehnsüchten, Höhen und Tiefen

der starken Protagonistinnen.

Astrid Eme

Daniela Krien:

Die Liebe im Ernstfall

Diogenes Verlag, 288 S., € 22,70

Eigentlich müsste er einem leidtun,

säße er nicht im Gefängnis,

da er mit Briefen alte Damen um

ihr Geld betrog. Denn Stärckle

stottert, ein störungsfreier

Satz kam nie über seine Lippen.

Folglich schreibt er, anfänglich

Aufsätze für den Klassenschläger,

später Manipulatives,

Hochstaplerisches & Kriminelles.

Auch in Haft schreibt er: an

den Pfarrer, Tagebuch, schriftstellerische

Fingerübungen, an

den Verleger, vor allem aber sein

Leben neu und um. Dichtung &

Wahrheit, sprachlich virtuos –

eine literarische Wohltat.

Andreas Hauser

Charles Lewinsky:

Der Stotterer

Diogenes Verlag, 416 S., € 24,70

Ulrich Woelks ebenso faszinierender

wie tragischer Roman

dreht sich um das erotische

Erwachen eines Elfjährigen im

Sommer der Mondlandung

1969. Die Liebe und die Mädchen

sind schwer erforschbares

Gebiet für den noch kindlichen

Tobi, der vom Nachbarmädchen

Rosa in die Geheimnisse

des Universums eingeführt

wird. Auch für Tobis Mutter

öffnet sich eine Welt in diesem

langen Sommer, doch das muffige,

konservative Nachkriegsdeutschland

ist noch meilenweit

entfernt von einem Summer of

Love. Gelungen! Bernd Schuchter

Ulrich Woelk:

Der Sommer meiner Mutter

C. H. Beck Verlag, 189 S., € 19,95

Seit „Blackout“ steht Marc

Elsberg für perfekten Mix aus

Thrill, Wissenschaft & Gesellschaftspolitik,

„Gier“ ist

eine Neuauflage dieser Bestseller-Kombi.

Jan wird in Berlin

Zeuge eines Mordes, das Opfer

ist Nobelpreisträger Thompson,

der sich auf dem Weg zu einer

wichtigen Rede befindet. Denn

die Welt steht am wirtschaftlichen

Abgrund, Thompson

hätte die Lösung, ein revolutionäres

neues Wirtschaftskonzept,

im Gepäck. Nicht im Sinne von

Hedgefonds, Heuschrecken &

Co, die eine mörderische Jagd

auf Jan beginnen. Andreas Hauser

Marc Elsberg:

Gier

Blanvalet Verlag, 448 S., € 24,70

Das wohl persönlichste Buch

des Autors. Könnte ein gemütlicher

Kaffeeplausch sein. Ist

es auch, und doch sehr ungemütlich.

„Würde & Einsamkeit“

könnte es auch heißen.

Erstmals gibt es Direktes über

den Großvater (Gauleiter und

Reichsstatthalter von Wien) zu

lesen. Die Einsamkeit aber zieht

sich von Beginn an durch dieses

schmale Meisterwerk. Schirach

schont sich nicht und berichtet

u. a. von seinem Suizidversuch,

in der Zeit, als er sich in einem

Jesuiteninternat nach dem Tod

des Vaters zum Sterben einsam

fühlte. Robert Renk

Ferdinand von Schirach:

Kaffee und Zigaretten

Luchterhand Verlag, 192 S., € 20,60

Nach dem Tod ihres Vaters

geht Nour mit ihrer Familie

zurück in das Heimatland

ihrer Eltern: Syrien. Doch nur

wenig später müssen sie bereits

vor den Schrecken des Krieges

fliehen. Auf der Suche nach

einem sicheren Ort wird Nour

von Geschichten begleitet – den

Abenteuern von Rawiya, die im

12. Jahrhundert als Lehrling des

Kartographen al-Idrisi die Welt

bereiste. Die Geschichten geben

Nour Kraft für ihre Suche nach

einer neuen Heimat. Malerisch,

erschreckend, wunderbar und

unsagbar traurig. Maria Neumayr

Jennifer Zeynab Joukhadar:

Die Karte der zerbrochenen Träume

Heyne Verlag, 448 S., € 22,70

Ein Roman, berührend und

schön, der viele Geheimnisse

hegt. Paris – die Seine droht

über das Ufer zu treten so wie

damals 1910, alles ist in Alarmbereitschaft.

Genau zu dieser

Zeit trifft sich Familie Melegrade,

um ein Jubiläum zu feiern.

Aber es wird nicht nur vom

Hochwasser überschattet, auch

der Vater fällt ins Koma. Sein

Sohn Linden hält wie die anderen

Wache am Krankenbett

und auch er hat vor dem Vater

was verschwiegen. Werden alle

Familiengeheimnisse gelüftet?

Wie kann da die Zukunft aussehen?

Andrea Scheiber

Tatiana de Rosnay:

Fünf Tage in Paris

C. Bertelsmann Verlag, 304 S., € 20,60

Der 7. Band von Schwedens

Krimi-Ehepaar Ahndoril,

bekannt unter dem Pseudonym

Lars Kepler: Joona Linna und

auch sonst alle in Schweden

denken, dass Jurek Walter

tot im Fluss landete. Diverse

Morde in ganz Europa und vor

allem der abgetrennte Kopf von

Linnas toter Ehefrau deuten

auf das genaue Gegenteil hin.

Grausig und spannend taucht

der Leser erneut ab in die

Abgründe des Serienmörders.

Lena Kripahle-Wiek

Lars Kepler:

Lazarus

Bastei Lübbe Verlag, 637 S., € 22,70

Im Nähatelier gibt sich Schneiderin

Jolie ihren Tagträumen

hin und notiert ihre geheimsten

Gedanken in ihr Auftragsbuch.

Der Verlust ihres Bruders

Franz, der mit 17 von einem

Badeausflug nicht mehr zurückkehrte,

überschattet ihr Dasein.

Für ihre Eltern organisiert

sie ein Fest, erträgt aber das

Schweigen der Familie nicht

länger. Jolie begibt sich auf die

Suche nach dem Verborgenen.

Könnte Franz vielleicht noch

am Leben sein? Angelika Waldis

schreibt, wie sich ein warmer

Sommerregen anfühlt.

Isabel Karoline Hörmann

Angelika Waldis:

Die geheimen Leben der Schneiderin

Wunderraum Verlag, 192 S., € 20,60

„Nur wenige Söhne sind wahrlich

gleich ihrem Vater, meistens

sind sie schlechter und nur

wenige besser“, zitiert der Autor

mehrmals aus Homers Odyssee,

anhand der David Mendelsohn

von seiner eigenen Reise zu

seinem Vater hin berichtet – von

der gemeinsamen Vorlesung

an der Universität, die das berühmte

Epos behandelt, über

eine gemeinsame Schiffsreise zu

den geschichtsträchtigen Schauplätzen

bis hin zur Erkenntnis,

dass man als Sohn den Vater

immer weniger kennt als der

einen selbst. Berührend.

Bernd Schuchter

Daniel Mendelsohn:

Eine Odyssee. Mein Vater,

ein Epos und ich

Siedler Verlag, 349 S., € 26,80

Acht Frauen einer streng

gläubigen Mennoniten-Gemeinde

in Kanada planen den

Aufstand. Gegen Männer.

Vergewaltiger, zum Teil aus den

eigenen Familien-Clans. Nichtstun,

bleiben und kämpfen,

gehen: Wofür werden sie sich

entscheiden? Miriam Toews,

preisgekrönte kanadische Autorin

Mitte 50, lässt die Protagonistinnen

in ihrem fulminanten

Roman-Kammerstück ebenso

naiv wie gewitzt zu Wort kommen.

„Women talking“ – so der

Originaltitel – ist ein lysistratischer

hochkomisch-philosophischer

Wurf!

Bernhard Sandbichler

Miriam Toews:

Die Aussprache

Hoffmann & Campe Verlag, 256 S.,

€ 22,70

Dieses Buch, so bekennt der

Autor gleich zu Beginn, gäbe

es nicht, wäre Donald Trump

nicht zum Präsidenten gewählt

worden. Für einen gestandenen

Liberalen wie Francis Fukuyama

wohl ein Alptraum. Dennoch

ist es keine Abrechnung

des US-Politologen, sondern

eine unaufgeregte Analyse, die

bei der Erklärung gegenwärtiger

Phänomene bis in die Antike

zurückgeht – eine überaus anregende

und fundierte Kritik

rechter wie linker Identitätspolitik.

Klaus Nüchtern

Francis Fukuyama:

Identität. Wie der Verlust der Würde

unsere Demokratie gefährdet

Hoffmann & Campe Verlag, 240 S.,

€ 22,70

Ein spannendes Epos über

eine moderne Familien- und

Firmendynastie in Indien vor

dem Hintergrund „König

Lears“. Taneja transferiert die

Geschichte des mächtigen alten

Mannes, der sein Erbe verteilt,

in eine Welt, in der Armut und

gigantischer Reichtum wie

nirgendwo sonst nebeneinander

existieren. In dem gefeierten

Romandebüt lässt die Tochter

indischer Migranten ihre Arbeit

als Menschenrechtsaktivistin

genauso einfließen wie ihre

Studien in englischer Literatur

und Kreativem Schreiben.

Verena Zankl

Preti Taneja:

Wir die wir jung sind

C. H. Beck Verlag, 629 S., € 26,80

Kritiker und Buchliebhaber

werden Vergleiche mit Dan

Brown anstellen, Denis Scheck

hat der Althistoriker und Lektor

bereits für sich gewonnen.

Von der Lahr verstrickt gekonnt

Wissenschaft mit Politik und

entführt uns in die Heimat der

Camorra. Wir starten allerdings

in Rom: Ein Zöllner wird überfahren

– der Mörder begeht

Selbstmord. Gleichzeitig wird

man in Neapel über das Fehlen

von Dokumenten eines früheren

Kardinals aufmerksam. Wer

möchte, kann sich auch den

Vorgängerroman „Das Grab

der Jungfrau“ zu Gemüte führen

– kein Muss. Evelyn Unterfrauner

Stefan von der Lahr:

Hochamt in Neapel

C. H. Beck Verlag, 365 S., € 20,60

„Es war die Zeit, in der zur realen

Grausamkeit der Menschen

noch die virtuelle hinzugefügt

wurde.“ Bumm, der Satz sitzt.

Und gibt die Richtung dieses

opulenten und blitzgescheiten

Romanes vor. Vier Kinder, die

sich im vom Neoliberalismus

zerfressenen England gegen das

System auflehnen. Eine krasse

Mischung zwischen Charles

Dickens, Brave New World

und American Psycho. Eine

Abrechnung mit YouTube, Casting-Shows

und Konsumzwang.

Ein hellsichtiges Pamphlet in

Romanform. Grandios!

Robert Renk

Sibylle Berg:

GRM

Kiepenheuer & Witsch Verlag,

592 S., € 24,70

Ein alter Mann blickt zurück

auf sein Verhältnis, das er mit

19 mit einer verheirateten, um

vieles älteren Frau hatte. Es

beginnt am Tennisplatz einer

piefigen Kleinstadt im Nachkriegsengland

und könnte Stoff

für launig-frivoles Fabulieren

sein. Nicht für Julian Barnes,

der hier keine pikante Affäre,

sondern eine Jahre andauernde

und tragisch verlaufende Love

Story diskret, aber mit unsentimentaler

analytischer

Präzision entrollt und die Frage

nach dem Verhältnis von Leiden

und Leidenschaft stellt.

Klaus Nüchtern

Julian Barnes:

Die einzige Geschichte

Kiepenheuer & Witsch Verlag,

304 S., € 22,70


40 Jahre stehen zwischen der

Geschichte von Kristina und

Ellie, zwei Frauen, die auf einer

kleinen Insel im Schärenmeer

vor der Küste Finnlands in Abgeschiedenheit

leben. Kristina

hat ihre beiden Kinder ertränkt

und landet deshalb auf Själö im

Heim für Frauen mit psychischen

Störungen. Ellie kommt

aus einem ganz anderen Grund

auf die Insel, will aber unter

keinen Umständen bleiben. Als

dritte Figur beschreibt Johanna

Holmström die Krankenschwester

Sigrid, für die die

abgeschiedene Insel ein wenig

zur Heimat geworden ist.

Evelyn Unterfrauner

Johanna Holmström:

Die Frauen von Själö

Ullstein Verlag, 368 S., € 22,70

Jedes Buch von Klaus Merz ist

ein komprimiertes Stück Glück.

Diesmal erzählt er Lebensgeschichte

an Hand der

Geschichte einer Firma. Weltgeschehen,

wie Prager Frühling,

Mauerfall, Finanzkrise

oder Fußballweltmeisterschaft

gespiegelt im Mikrokosmos

eine Firma. „Ein Buch, das die

Grundfragen unserer Existenz

und unserer Gegenwart

poetisch verdichtet und Klaus

Merz als einen zeigt, der in der

Verletzlichkeit die menschliche

Stärke sieht“, meint Katja Gasser

vom ORF. Wie recht sie hat!

Robert Renk

Klaus Merz:

firma

Haymon Verlag, 136 S., € 19,90

„Wenn dieses Attentat gelingt

und wir es richtig ausschlachten,

drehen wir die

Europawahlen. Und nicht nur

das – wir verändern Europa“,

so lautet ein Satz aus diesem

hochspannenden, politischen

Roman. Eine rechtsextreme

Organisation plant ein Attentat

auf einen sehr bekannten Mann

und möchte die Demokratie abschaffen.

Die Geschichte spannt

sich von Berlin bis nach Wien.

Als Dr. Hellberg mit seiner

Tochter nach Wien reist, um die

Beerdigung seiner Mutter zu organisieren,

beginnt ein Wettlauf

mit der Zeit. Andrea Scheiber

I.L. Callis:

Im Jahr der Finsternis

emons Verlag, 464 S., € 22,70

An der Schwelle zwischen

Leben und Tod, Mittelalter

und Neuzeit, kurioser Fiktion

und historischen Fakten: Die

Renaissance-Kriege drohen

auszubrechen, Flugmaschinen

werden erfunden und Kaufmann

Bernardino Bellapianta

findet einen schwerverletzten

Mailänder mit Gedächtnisverlust

– Pandolfo. Dieser versucht,

in den Wirren zwischen

Prunk, Gewalt und Intrigen die

Stränge seiner Erinnerung aufzulesen

und neu zu leben. Ein

faszinierender, amüsanter und

informativer Historienroman

von Michael Römling. Jenni Zeller

Michael Römling:

Pandolfo

Rowohlt Verlag, 544 S., € 24,70

„Worauf wir hoffen“ ist ein

wunderbares Debüt einer amerikanischen

Autorin mit indischen

Wurzeln. Sie bewegt sich

mit diesem Roman zwischen

Tradition und dem Wunsch,

den eigenen Weg zu finden.

Auf behutsame und doch

tiefgründige Weise beschreibt

Mìrza das Leben einer muslimischen

Familie, die sich über die

Jahre und durch verschiedene

Denkweisen auseinandergelebt

hat und versucht, wieder zusammenzufinden.

Ein vielschichtiges

und beinahe zartes

Buch über Kultur, Identität,

Zugehörigkeit und Familie.

Klaudia Grünfelder

Fatima Farheen Mìrza:

Worauf wir hoffen

dtv Verlag, 480 S., € 24,70

Michael Köhlmeier (Nachwort)

und Raoul Schrott (Übersetzung)

legen mit „An den

Mauern des Paradieses“ eine

literarische Schnitzeljagd vor,

um die Grenzen und Möglichkeiten

von Literatur auszuloten.

Was ist Fiktion und was

nicht in dieser Entdeckung des

Schriftstellers Martin Schneitewind,

dessen Manuskript quasi

ein Dachbodenfund ist. Der

Roman selbst ist ein pointierter

Krimi, die Geschichte seiner

Entstehung mutet – nun ja –

märchenhaft an. Bernd Schuchter

Martin Schneitewind:

An den Mauern des Paradieses

dtv Verlag, 395 S., € 24,70

Drei Frauen, drei Leben, drei

Sichtweisen – ein Haushalt.

Großmutter Gesuina küsst

bevorzugt junge Männer und

zeichnet ihre Gedanken auf

Band auf. Tochter Maria übersetzt

Klassiker, tagträumt und

schreibt lange Briefe. Enkelin

Lori revoltiert gegen alles, führt

Tagebuch und lässt sich vom

Freund ihrer Mutter schwängern.

Damit ist das Drama

angerichtet. Der Roman „Drei

Frauen“ von Dacia Maraini

liest sich fluffig-leicht, trägt

einem die Protagonistinnen

ins Herz – und streut, fast

unbemerkt, viel Lebensweisheit

drüber. Susanne Gurschler

Dacia Maraini:

Drei Frauen

Folio Verlag, 180 S., € 20,–

Bereits seit seinem ersten Buch

„Die Wahrheit über den Fall

Harry Quebert“ bin ich ein

großer Fan von Joël Dicker.

Er versteht es meisterlich die

Abgründe der sogenannten

besseren Gesellschaft aufzuzeigen.

Ein idyllischer Badeort

in den Hamptons wird durch

ein schreckliches Verbrechen

erschüttert. Jahrzehnte später

gibt es Zweifel an der Schuld

des Täters. Raffiniert zieht uns

Joël Dicker in ein Netzt aus

Intrigen. Joël Dicker ist zurück!

Markus Renk

Joël Dicker:

Das Verschwinden der Stephanie Mailer

Piper Verlag, 672 S., € 25,70

Alfred Russel Wallace hat mit

seinen Theorien die Welt auf

den Kopf gestellt. Ein anderer

aber erntet – mit nicht ganz

fairen Mitteln, wie man aus diesem

vergnüglichen, lehrreichen

Roman erfährt – die Lorbeeren.

Die berühmte Evolutionstheorie

verbinden wir nicht mit

Wallace, sondern mit Charles

Darwin. Ein Museumsnachtwächter

wird auf das Schicksal

von Wallace aufmerksam und

möchte die Geschichte geraderücken.

Oelze erzählt wunderbar

mit beflügelter Phantasie

auf den erdigen Schwingen der

wissenschaftlichen Realität.

Robert Renk

Anselm Oelze:

Wallace

Schöffling Verlag, 262 S., € 20,70

Der Untertitel lautet „Politisch

unkorrekte Betrachtungen“ und

dass sich Livia Klingl kein Blatt

vor den Mund nimmt, ist kein

Geheimnis. Seit dem Wahlsieg

der türkis-blauen Koalition im

Oktober 2017 begleitet sie auf

Facebook das österreichische

Politgeschehen mit dem Projekt

„Biedermeiern“: tägliche

Meldungen, kritisch, satirisch,

menschlich und im besten Sinne

politisch unkorrekt. Von Kern

bis Kickl, von Kurz bis Strache

bleibt keiner vor Klingls spitzer

Feder verschont. Ein kleines

Buch voll großer Wahrheiten.

Robert Renk

Livia Klingl:

Biedermeiern

Kremayr & Scheriau Verlag,

128 S., € 12,90

Ein bis zwei skurille Liebesgeschichten,

deren Protagonisten

Erzählstoff von den

miterlebten Anfangsjahren der

Nazi-Zeit bis zur Erinnerung an

Gott, „ausgelöst durch die Geschichte

eines Juden, der Männer

liebt“, liefern. Die Suche

nach dem ehrlichen Selbst verwebt

Lea Singer geschickt mit

der Lebensgeschichte eines der

bekanntesten Pianisten des 20.

Jahrhunderts. Vor allem Liebhaber

klassischer Musik werden

sich nicht sattlesen können und

Schumanns „Träumerei“ durch

die Buchseiten hören.

Susanne Meier

Lea Singer:

Der Klavierschüler

Kampa Verlag, 223 S., € 22,–

Emil Hakl ist wohl eine der

eigenwilligsten Stimmen

der aktuellen tschechischen

Literatur. Er, der unter Pseudonym

schreibt, die Schule erst

nach einer 10-jährigen Pause,

wegen Drogenkonsums, abgeschlossen

hat, legt nun mit

„Kiras Version“ ein modernes

Robotermärchen vor. Ein sich

recht motivationsfrei durchs

Leben schlängelnder Typ wird

auserwählt, den Prototyp einer

künstlichen Frau zu testen. Was

künstlich beginnt, wird schnell

allzu menschlich. Flott zu lesen!

Robert Renk

Emil Hakl:

Kiras Version

Braumüller Verlag, 256 S., € 24,–

Was tun, wenn einen der Chef

vor das Ultimatum stellt, Stress

abzubauen oder gefeuert zu

werden? Mit Mama in den

Urlaub fahren natürlich! Nico

will die Chance nutzen und endlich

Zeit für sich und seine Familie

haben, allerdings ist Chaos

vorprogrammiert. Tommy Jaud

zeigt mit „Der Löwe büllt“

in seinem bekannten Stil, wie

wichtig Humor, Witz und

Sonnenschein für das Gemüt

sind. Bei dieser Lektüre werden

die Lachmuskeln ordentlich

trainiert und vielleicht hilft sie

sogar beim eigenen Stressabbau.

Klaudia Grünfelder

Tommy Jaud:

Der Löwe büllt

Fischer Scherz Verlag, 320 S., € 17,50

Der Kampa Verlag ist neu und

nicht neu. Denn Verleger Daniel

Kampa ist ein alter Hase. Mit

der Neuausgabe sämtlicher

Romane von Simenon hat

er für Aufsehen gesorgt und

alleine damit könnte man Jahre

zubringen. Doch damit nicht

genug, verlegt er z. B. auch

Man Booker Preisträgerin Olga

Tokarczuk oder den Schotten

William Boyd. Aber vor allem

hat er eine wunderschöne Reihe

mit Gesprächen aus der Taufe

gehoben. Und mit Peter Bichsel,

meinem Schweizer Liebling, ein

Highlight publiziert. Unbedingt

lesen! Robert Renk

Peter Bichsel:

Was wäre wenn?

Ein Gespräch mit Sieglinde Geisel

Kampa Verlag, 216 S., € 22,60

Das Asado-Grillbuch zeigt

die südamerikanische Art des

Grillens über offenem Feuer.

Maßgebliche Beiträge kommen

aber aus Tirol, u. a. von Franz

Größing vom Verein Grill-ABC

und von Leo Gradl („Leos

Grillschule“). Komplettiert wird

das Quartett von Adi Bittermann

und Jürgen Kernegger.

Nicht nur Fleisch und Fisch

kann man gut über Feuer zubereiten,

nein, auch Pancakes

oder Obstküchlein. Abgesehen

davon ist es anregend atmosphärisch,

am Lagerfeuer zusammen

zu sitzen. Grillen über

offenem Feuer ist knisterndes

Abenteuer. Robert Renk

A. Bittermann, F. Größing,

J. Kernegger, L. Gradl: Asado –

Ursprünglich Grillen über offenem Feuer

Brandstätter Verlag, 224 S., € 30,–

„Wen könnte es interessieren,

was von mir übrig bleibt, außerhalb

der Bücher“, hat Elena

Ferrante einmal auf die Frage

geantwortet wer sie sei. Nicola

Bardola versucht dennoch mit

diesem Buch durch die Analyse

ihrer Texte, ihrer Sprache und

anhand verschiedener „Interviews“,

die sie gegeben hat, E.

Ferrante eine fassbare Identität

zu geben. Ohne sich auf einen

der kursierenden, aber nicht

bestätigten Namen festzulegen.

Warum eigentlich? Weil Bücher

alleine nicht immer für sich

sprechen können. Peppino Brienza

Nicola Bardola:

Elena Ferrante – meine geniale Autorin

Reclam Verlag, 313 S., € 24,70


Hueber goes Austria!

Jeder Mensch hat seine eigne Sprache.

Sprache ist Ausdruck des Geistes.

durchgeführt werden. Wir sehen den Infopunkt

als Zentrum des Austausches und der

Kommunikation für alle Sprachbegeisterte.

Frau Wallner, Sie werden den

Hueber-Infopunkt künftig

betreuen. Wie können sich das

unsere Leser vorstellen?

Claudia Wallner: Ich freue mich natürlich

sehr darauf, dass ich als „Landsfrau“ den

ersten Hueber-Infopunkt eröffnen und

später betreuen darf. Wir haben unser Büro

seit vielen Jahren in Wien. Im Hueber-Infopunkt

in der Wagner’schen Universitätsbuchhandlung

werde ich Veranstaltungen

und Workshops durchführen. Selbstverständlich

werde ich auch dem Team der

Wagner’schen mit Rat und Tat zur Seite

stehen.

Buchtipps:

Go for it B1

Hueber Verlag

264 S., € 22,10

Chapeau A1

Hueber Verlag

248 S., € 27,30

Impresiones

Hueber Verlag

256 S., € 27,30

Am 11. April 2019 eröffnet der Hueber-

Infopunkt in der Wagner’schen Universitätsbuchhandlung

in Innsbruck. Dazu haben

wir ein Gespräch mit Verlegerin Michaela

Hueber, der Geschäftsführerin Marketing &

Vertrieb Sylvia Tobias sowie der Pädagogischen

Fachberaterin für Österreich,

Claudia Wallner, geführt.

Herzlich willkommen in Innsbruck!

Frau Hueber, vielleicht können Sie

unseren Kunden ein wenig über den

Hueber Verlag erzählen.

Michaela Hueber: Vielen Dank, sehr gerne!

Der Hueber Verlag mit Sitz in München

ist ein Familienunternehmen seit fast 100

Jahren in der dritten Generation. Wir sind

weltweiter Marktführer für Deutsch als

Fremdsprache/Deutsch als Zweitsprache

und bieten unseren Kunden mehr als 30

Sprachen an, sowohl für den Unterricht in

der Erwachsenenbildung als auch für das

autonome Lernen.

Wir sind seit vielen Jahren mit einem

Büro in Österreich vertreten, um die

Lehrenden zu informieren und auf neue

Anforderungen im Bildungsbereich zu schulen.

Zusätzlich dazu repräsentieren zwei

langjährige Vertreter den Hueber Verlag bei

allen Buchhandlungen in Österreich.

Frau Tobias, warum haben

Sie sich dazu entschlossen,

gemeinsam mit der Wagner’schen

Universitätsbuchhandlung einen

Hueber-Infopunkt einzurichten? Was

erwartet den Kunden bei uns?

Sylvia Tobias: Mit der Wagner’schen

Universitätsbuchhandlung verbindet uns

seit vielen Jahren eine partnerschaftliche

und herzliche Zusammenarbeit. Am 11.

April 2019 werden wir dort den Hueber-

Infopunkt in Österreich feierlich eröffnen.

Die Kunden erwarten auf drei Regalmeter

mehr als 1.300 Titel aus dem Institutionenund

Selbstlernbereich zum Anschauen,

Prüfen und Blättern. Die Priorität liegt hier

selbstverständlich auf dem Sortiment, das

für Ihre Kunden interessant sein wird. Das

bedeutet in der Praxis alle wichtigen Lehrwerke

und Kranzprodukte, inklusive den

Regionalausgaben, aber auch Selbstlernmaterialien

aus dem Hause Hueber sowie

unseren Partnern, von denen wir u. a. einund

zweisprachige Lektüren oder unsere attraktiven

Sprachspiele im Programm haben.

Der Sprachinteressierte findet hier immer

die brandaktuellen Titel, da das Regal von

uns regelmäßig um die Neuerscheinungen

ergänzt wird.

Wen spricht der

Hueber-Infopunkt an?

Sylvia Tobias: Der Hueber-Infopunkt ist

für interessierte Kunden und Lehrkräfte der

Erwachsenenbildung konzipiert. Hier finden

alle Lehrenden von Volkshochschulen,

Universitäten und weiteren Schulen das

perfekte Lehrmaterial für ihren Unterricht.

Im Hueber-Infopunkt finden regelmäßige

Veranstaltungen, Schulungen und

Workshops statt. Auch planen wir hier

gemeinsam mit der Wagner’schen Universitätsbuchhandlung

Events um aktuelle

Themen wie z. B. „Geistig fit durch

Sprachenlernen“, die von Top-Referenten

© AdobeStock

60 61

Wagner’sche.

Bücher seit 1639

Frau Tobias, können Sie uns

etwas zu den aktuellen Trends

beim Sprachenlernen sagen?

Sylvia Tobias: Sprachenlernen mit allen

Sinnen ist ein wichtiger Trend. Die neue

Generation von Selbstlernkursen folgt

den wissenschaftlichen Erkenntnissen der

Neurodidaktik und setzt auf mehrkanaliges

Lernen. Ein großes Plus dieser Sprachkurse

ist die Augmented Reality App, die das

Buch multimedial macht. Hier konnten wir

bereits bei unseren weltweit eingeführten

Lehrwerken wie Menschen und Schritte

Plus Neu starke Erfolge erzielen und bekamen

sowohl von den Lehrenden als auch

von den Lernenden positives Feedback.

Diese Erfahrungen haben wir in unseren

Selbstlernkurs Sprachkurs Plus übertragen.

Die Augmented Reality App bietet einen

sehr großen Mehrwert zum Sprachenlernen.

Alle Hörtexte und Filme sind jeweils passend

zur Lerneinheit im Buch immer und

überall über das Smartphone oder Tablet

abrufbar. Die neue Sprache wird dadurch

vom Lernenden nicht nur gehört, sondern

er sieht in den Videos parallel die Muttersprachler

sprechen und somit prägen sich

die Inhalte schneller und besser ein.

Wir freuen uns sehr darauf und danken

Ihnen für das Gespräch!

Spanisch

Redewendungen.

Como pez en el agua

Hueber Verlag

128 S., € 9,30

Schritte plus

Österreich Band 5

Hueber Verlag

208 S., € 17,–

Italienisch zum

Mitreden

Hueber Verlag

176 S., € 15,–

Nuovo Espresso A1

Hueber Verlag

264 S., € 30,90

Epsresso ragazzi 3

Hueber Verlag

200 S., € 25,20

Schritte plus

Österreich Band 6

Hueber Verlag

208 S., € 17,–

Sprachkurs Plus

Premium Englisch

Hueber Verlag

280 S., € 30,90

Die neue Power-

Grammatik Italienisch

Hueber Verlag

200 S., € 15,50

Sicher aktuell B2.1

Hueber Verlag

200 S., € 18,50


Der Kunde kauft hybrid

www.wagnersche.at – der neue Internetshop der Wagner’schen

Autorinnen und Autoren

dieser Ausgabe

Haben Sie sich schon einmal gefragt,

warum große Internetkonzerne wie Amazon,

Ebay oder Zalando neben ihren Internetplattformen

jetzt zusätzlich auch noch

Ladengeschäfte eröffnen? Weil nur online

den Kunden inzwischen zu wenig ist. Der

Kunde möchte sich nicht das Vergnügen

nehmen lassen, die Ware in die Hand zu

nehmen und im Geschäft zu gustieren,

dies gilt besonders für Buchhandlungen.

Dies gilt besonders für Bücher! Laut einer

Umfrage finden zwei Drittel der Befragten

Bücher-Kaufen im der Buchhandlung nicht

als Einkaufsstress, sondern als Freizeitvergnügen!

Das ist doch mal eine Message!

Der Kunde von heute kauft hybrid, einmal

stationär und dann wieder online.

Natürlich bietet auch die Wagner’sche

beide Lösungen für Buchliebhaber an!

Um das Einkaufen im Internetshop der

Wagner’schen jetzt noch komfortabler zu

gestalten, haben wir in den letzten Monaten

mit viel Elan an einem neuen Shop-Auftritt

gearbeitet und wir denken, das Ergebnis

kann sich sehen lassen. Rund 6 Millionen

Bücher finden Sie unter www.wagnersche.

at. Die neue Seite bietet noch mehr Information,

mehr Buchtipps, einen deutlich

einfacheren Bestellprozess, eine verbesserte

mobile Shop-Lösung und deutlich mehr

Übersicht. Somit können Sie auch online

bequem und regional Bücher bestellen

und unser kostenloser Fahrraddienst stellt

Ihnen lagernde Bücher in Innsbruck

innerhalb 3 Stunden zu.

Wir sind noch stärker geworden …

Es freut uns sehr, dass wir unser Team

kräftig verstärken konnten. Anfang des

Jahres haben wir in Summe sieben neue

Kolleginnen und Kollegen aufgenommen,

und die „jungen Wilden“ sprühen nur so

voll Elan – das tut dem Haus so richtig gut!

Was uns besonders freut, ist die Tatsache,

dass auch zwei Lehrlinge dabei sind, die

den Beruf des Buchhändlers vom Grunde

auf erlernen wollen. Ana Carolina begrüßt

derzeit unsere Kundinnen und Kunden bei

der Kasse und bei der Information. Florian

hilft kräftig in der Warenübernahme und in

der Verwaltung. Im Verkauf sind Susanne,

Maria, Jennifer, Anja und Helena.

© Wagnerʼsche

63

© Netzverschönerer

Bücher seit 1639

Bernhard Aichner, geboren 1972, lebt als Schriftsteller und

Fotograf in Innsbruck. Er schreibt Romane, Hörspiele und

Theaterstücke. Seine Totenfrau-Trilogie katapultierte ihn

auf die internationalen Bestsellerlisten. Soeben erschien sein

neuer Liebesroman „Kaschmirgefühl“ (Haymon).

Peppino Brienza, Innsbrucker aus Satriano di Lucania.

Unterrichtet Italienisch an verschiedenen Einrichtungen der

Erwachsenenbildung, u. a. Dante Alighieri Institut.

Dave Bullock, Englishman aus Tirol. Lebt in Pradl. Leser

und Arsenalfan.

Michael Carli, gelernter Kulturvermittler, Werber und

Lebensmittelhändler. Lebt in Innsbruck, liebt Sardinien.

Astrid Eme, vor 28 Jahren von NÖ nach Tirol übersiedelt.

Arbeitet seit 2008 in der Wagner’schen. Neben Kassa,

Nonbooks und Geschenkbuch betreut sie seit Herbst letzten

Jahres die Schaufenstergestaltung.

Katharina Johanna Ferner, geboren 1991, Autorin, Rezensentin

und Moderatorin. Lebt in Wien und Salzburg; sie ist

Redaktionsmitglied der Literaturzeitschrift &Radieschen

sowie der österreichischen Dialektzeitschrift Morgenschtean.

2017 Stadtschreiberin in Hausach. 2019 Lyrikstipendiatin

am Stuttgarter Schriftstellerhaus. Aktueller Gedichtband

„nur einmal fliegenpilz zum frühstück“ (Limbus).

Martin Fritz, geboren 1982, studierte Vergleichende

Literaturwissenschaft und Deutsche Philologie in Innsbruck,

hört sich in seiner Freizeit gerne DJ Patex’ Coverversion des

Songs „I Wish I Was Him“ an. War Teil der 1. Innsbrucker

Lesebühne „Text ohne Reiter“, ist Teil der Innsbrucker Lesebühne

„FHK5K“.

Klaudia Grünfelder, 1995 im schönen Südtirol geboren, ist

leidenschaftliche Buchhändlerin und hat immer ein Buch in

der Tasche. Im Moment unterstützt sie die Literaturabteilung

in der Wagner’schen und betreut die Fremdsprachen sowie

Jugendbuch, Fantasy und Manga.

Susanne Gurschler lebt als freie Journalistin und Autorin

in Innsbruck. Zuletzt erschienen: „111 Orte in Tirol, die

man gesehen haben muss“ und „111 Orte in Innsbruck,

die man gesehen haben muss“ (beide Emons Verlag) sowie

„Zeitblende Tirol. Defner Fotografien von 1925 bis heute“

zusammen mit Thomas Defner (Tyrolia Verlag). Weitere

Infos unter: www.susannegurschler.at

Cajetan Hammerl arbeitet im 6. Wiener Gemeindebezirk,

in der Esterházygasse, für den Sachbuchverlag edition a.

Andreas Hauser erbte die Liebe zur Kriminalliteratur von

seinem Vater, schrieb lang im Tiroler Magazin ECHO Beiträge

zu Wissenschaft und Zeitgeschichte, Empfehlungen von

Krimis, Thrillern und Literatur. Seit 2015 Mitarbeiter und

CP-Redakteur der KULTIG Werbeagentur in Innsbruck.

Birgit Holzner, 1974 in Innsbruck geboren, Studium der

Romanistik und Germanistik in Innsbruck, nach verschiedenen

längeren Auslandsaufenthalten seit 2008 Verlagsleiterin

der innsbruck university press und der edition

laurin, veranstaltet zusammen mit Joe Rabl die Innsbrucker

Wochenendgespräche.

Isabel Karoline Hörmann, geboren 1979 in Innsbruck, als

Texterin im Alpenresort Schwarz tätig. Lesehungrig, schreibverliebt,

fasziniert von Wort und Sprache.

Markus Köhle, geboren 1975 in Nassereith, ist Sprachinstallateur,

Literaturzeitschriftenaktivist und Papa Slam

Österreichs. Er schreibt, um gehört zu werden, ist aber auch

da und dort zu lesen. Aktuell: „Rohrköhlauer – Foto-Text-

Interferenzen“ (Sonderzahl 2019); www.autohr.at

Lena Kripahle-Wiek, Buchhändlerin im Mutterschutz und

seit Neuestem verheiratet. Neben Nähen von Babykleidung

immer noch süchtig nach Büchern und Hörbüchern.

Joachim Leitner, studierter Komparatistik, ist seit 2012

Kulturredakteur der Tiroler Tageszeitung – und macht gelegentlich

Radio.

Mieze Medusa (Doris Mitterbacher) ist Autorin, Poetry

Slammerin und Rap Fan. Seit ihrem Studium in Innsbruck

fühlt sie sich der Stadt besonders verbunden. Deshalb

kommt sie auch zum Prosafestival vom 4. bis 6. April. Zum

Zuhören. www.miezemedusa.com

Susanne Meier, geboren 1989 in Rathenow (Deutschland),

Politikwissenschaftlerin mit sozialpolitischem Schwerpunkt,

arbeitete als Journalistin und Kinderrechtsaktivistin

in Deutschland & Österreich, reiste u. a. durch Kanada,

Indien und Südamerika und arbeitet seit Februar 2019 in der

Wagner’schen.

Anja Moschen, geboren 1991, hat ihren Master in Germanistik

an der Universität Innsbruck erworben. Seit frühester

Kindheit begleitet sie die große Liebe zur Literatur, die sie

seit Beginn des Jahres 2019 auch als Mitarbeiterin in der

Wagner’schen ausleben darf.

Maria Neumayr, geboren 1994, studierte Germanistik

und Anglistik in Innsbruck. Liebt Bücher so lange sie sich

zurückerinnern kann und arbeitet seit Januar 2019 in der

Wagner’schen.

Klaus Nüchtern, geboren 1961 in Linz, lebt in Wien. Schreibt

seit 1989 für den Falter, dessen Feuilleton er 25 Jahre lang

geleitet hat; seine Kolumnen „Nüchtern betrachtet“ liegen

gesammelt in 5 Bänden vor. Zuletzt erschien „Kontinent

Doderer“ (Beck Verlag).

José F. A. Oliver, Dichter, Übersetzer und Kurator des Hausacher

LeseLenz. Unterrichtet Schreiben in Schulen in ganz

Deutschland ebenso wie u. a. an der Uni in Boston. Zuletzt

erschien „wundgewähr“ (Matthes & Seitz).

Ruth Pearce, geborene Innsbruckerin, porträtiert unter dem

Namen pearceX Charaktere nach persönlichem Gefallen.

Ausstellungen finden spontan an ungewöhnlichen Locations

statt. (www.fotoruth.at, www.pearceX.space)

Joe Rabl, geboren in Kufstein; Studium der Komparatistik

und Germanistik in Innsbruck; arbeitet als freier Lektor;

veranstaltet zusammen mit Birgit Holzner die Innsbrucker

Wochenendgespräche.

Markus Renk, seit 33 Jahren in der Buchbranche. Fachgruppen-Obmann

der Buch- und Medienwirtschaft Tirol

und seit Oktober 2015 neuer Chef der Wagner’schen.

Robert Renk, Buchhändler und Kulturveranstalter. Gastdozent

an der Uni Innsbruck. Sortimentsleiter in der

Wagner’schen. Gibt das Wagner-Magazin heraus.

Nina Rettenbacher brachte uns der Koch- und Gärtnerhimmel

in die Wagner’sche. Erste Stadtgärtnerin und

grandiose Köchin & Gastgeberin im 1. Stock.

Anna Rottensteiner, Autorin und Leiterin des Literaturhauses

am Inn. Publikationen: „Lithops. Lebende Steine“ (2013 und

demnächst als TB). „Nur ein Wimpernschlag“ (2016) – beide

ed. laurin.

Bernhard Sandbichler, geboren 1965, studierte Germanistik

und Romanistik in Innsbruck und Besançon. Literaturvermittler

und Sprach-Therapeut.

Andrea Scheiber, seit 1992 in der Wagner’schen Buchhandlung,

liest natürlich gerne Kinderbücher und Krimis,

liebt Backen und lange Spaziergänge.

Siljarosa Schletterer studiert u. a. Musikwissenschaft

(partiell Literaturwissenschaft); schreibt Rezensionen und

Kritiken in verschiedenen Magazinen; feiert den Widerstand,

die Kunst und die Poesie: u. a. Moderation der Lyriksendung

„wortflair“, Vorstand IG AutorinnenAutoren (Tirol), Betreuung

der Lyrikreihe „Auf Seiten der Menschlichkeit“.

Bernd Schuchter, geboren 1977 in Innsbruck, studierte

Germanistik, Geschichte und Philosophie an der Universität

Innsbruck. Autor und Verleger (Limbus Verlag). Zuletzt:

„Gebrauchsanweisung für Tirol“ (Piper) und „Aufwachsen

in Innsbruck“ (Wagner’sche).

Silvia Spiegl, Germanistin, seit 1991 Buchhändlerin

in der Wagner’schen.

Evelyn Unterfrauner, Programmleiterin bei Tirol TV und

Buchbloggerin im Netz und im TV. Sie schaffte es zwei Jahre

in Folge auf die Shortlist des Buchblog Awards und betreibt

den Blog Book Broker auf www.bookbroker.wordpress.com

Marlene Walder (Lena W.), geboren 1994. Seit 2013 in

der Wagnerschen. Steckt hinter den Blind Dates und ist

seit November 2017 Abteilungsleiterin für Ratgeber und

Kinderbuch.

Désirée Walter arbeitet im Tiroler Landestheater im Bereich

Medien und Öffentlichkeitsarbeit. Hat sales management

in Dublin (Business School Ireland) studiert und 2011 abgeschlossen.

Gabriele Wild studierte Germanistik und Slawistik in Innsbruck,

Berlin und anderen Städten, liest und liebt Gedichte,

arbeitet schon seit über 10 Jahren als Literaturvermittlerin

überwiegend in Innsbruck und hat ihren Arbeitsplatz im

Literaturhaus am Inn.

Verena Zankl, geboren 1980 in Lienz, Studium der Germanistik

in Innsbruck (Promotion 2014), freie Lektorin und

Literaturwissenschaftlerin.

Dorothea Zanon, geboren 1980, Studium der Literaturwissenschaft

in Innsbruck und Wien. Lektorin und

Programmleiterin im Haymon Verlag.

Jenni Zeller, geboren 1993. Von klein auf passionierte

Sprachliebhaberin, feierte ihr Debüt als Autorin mit Geburtstagsgedichten

für Mama und Papa. Liebt Bücher, Zeichnen,

Wandern und Kanada. Studiert im Master Konferenzdolmetschen

und Philosophie an der Uni Innsbruck. Freiberufliche

Journalistin bei der Oberländer Rundschau, seit

Februar 2019 in der Wagner’schen daheim.


Wagner’sche.

Bücher seit 1639

Museumstraße 4

6020 Innsbruck

T. +43 512 59505 0

info@wagnersche.at

www.wagnersche.at

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