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FINE Das Weinmagazin - 01/2019

Themenschwerpunkte der 44. Ausgabe sind unter anderem: BORDEAUX Perfekte Liaison: Château Lafite Rothschild und Jean-Guillaume Prats Weitere Themen sind: BORDEAUX Perfekte Liaison: Château Lafite Rothschild und Jean-Guillaume Prats LANGUEDOC Erwachsen geworden: Die Domaine de Baronarques BURGUND Von Reims nach Beaune: Bouchard Père & Fils CHAMPAGNE Moët & Chandon: Der Jahrgang 2012 des Grand Vintage ISRAEL Weinbau in der Wüste ISRAEL Yatir Winery ISRAEL Tzora Vineyards ISRAEL Tulip Winery ISRAEL Bazelet HaGolan STEIERMARK Alles oder Nichts: Hartmut Aubell vom Rebenhof KAMPTAL Ein Suchender: Der Winzer Fred Loimer BURGENLAND Feintuning: Gerhard Kracher vom Weinlaubenhof Kracher DAS GROSSE DUTZEND Château Pavie WEIN & SPEISEN Jürgen Dollase im Restaurant Einsunternull in Berlin PORTRÄT Graue Eminenz: Giovanni Geddes da Filicaja SÜDTIROL Himmelwärts: Das Weingut Elena Walch SÜDTIROL Gipfelstürmer: Franziskus Haas vom Weingut Franz Haas FRAUEN IM WEIN Selbstsicher und unbeirrt: Viviana Malafarina DIE PIGOTT KOLUMNE 2018: Mein Jahr im Weinberg DIE WÜRTZ KOLUMNE Hellwach: Der Rheingau rührt sich WEIN UND ZEIT Die Mendelssohns: Eine einflussreiche Familie mit Liebe zum Wein (1) RHEINGAU Still oder spritzig: Das Wein- und Sektgut Barth GENIESSEN Zum Essen: Sekt

Themenschwerpunkte der 44. Ausgabe sind unter anderem:

BORDEAUX Perfekte Liaison: Château Lafite Rothschild und Jean-Guillaume Prats

Weitere Themen sind:
BORDEAUX Perfekte Liaison: Château Lafite Rothschild und Jean-Guillaume Prats
LANGUEDOC Erwachsen geworden: Die Domaine de Baronarques
BURGUND Von Reims nach Beaune: Bouchard Père & Fils
CHAMPAGNE Moët & Chandon: Der Jahrgang 2012 des Grand Vintage
ISRAEL Weinbau in der Wüste
ISRAEL Yatir Winery
ISRAEL Tzora Vineyards
ISRAEL Tulip Winery
ISRAEL Bazelet HaGolan
STEIERMARK Alles oder Nichts: Hartmut Aubell vom Rebenhof
KAMPTAL Ein Suchender: Der Winzer Fred Loimer
BURGENLAND Feintuning: Gerhard Kracher vom Weinlaubenhof Kracher
DAS GROSSE DUTZEND Château Pavie
WEIN & SPEISEN Jürgen Dollase im Restaurant Einsunternull in Berlin
PORTRÄT Graue Eminenz: Giovanni Geddes da Filicaja SÜDTIROL Himmelwärts: Das Weingut Elena Walch
SÜDTIROL Gipfelstürmer: Franziskus Haas vom Weingut Franz Haas FRAUEN IM WEIN Selbstsicher und unbeirrt: Viviana Malafarina
DIE PIGOTT KOLUMNE 2018: Mein Jahr im Weinberg
DIE WÜRTZ KOLUMNE Hellwach: Der Rheingau rührt sich
WEIN UND ZEIT Die Mendelssohns: Eine einflussreiche Familie mit Liebe zum Wein (1)
RHEINGAU Still oder spritzig: Das Wein- und Sektgut Barth
GENIESSEN Zum Essen: Sekt

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CHÂTEAU LAFITE ROTHSCHILD

D E R W E I N H I M M E L A U F E R D E N

Burgund Weinland Israel Südtirol Rheingau Österreich

Die Maison Zwischen Negev Die Tenuta Das Wein- und Das Weingut Kracher

Bouchard Père & Fils und Golan Franz Haas Sektgut Barth im Burgenland


FINE

DAS WEINMAGAZIN 1|2019

ISRAEL

YATIR WINERY 46

ISRAEL

TZORA VINEYARDS 50

ISRAEL

TULIP WINERY 54

ISRAEL

BAZELET HAGOLAN 58

DOMAINE DE BARONARQUES 20

CHÂTEAU LAFITE ROTHSCHILD 10

STEIERMARK

HARTMUT AUBELL 64

DAS WEINGUT

ELENA WALCH 100

KAMPTAL

FRED LOIMER 70

DAS WEINGUT

FRANZ HAAS 108

BURGENLAND

GERHARD KRACHER 76

DAS WEIN- UND SEKTGUT BARTH 134

BOUCHARD PÈRE & FILS 28

MOËT & CHANDON

GRAND VINTAGE 2012 36

7 FINE EDITORIAL _________________ Thomas Schröder

10 FINE BORDEAUX ________________ Perfekte Liaison:

Château Lafite Rothschild und Jean-Guillaume Prats

20 FINE LANGUEDOC ______________ Erwachsen geworden: Die Domaine de Baronarques

28 FINE BURGUND _________________ Von Reims nach Beaune: Bouchard Père & Fils

36 FINE CHAMPAGNE ______________ Moët & Chandon: Der Jahrgang 2012 des Grand Vintage

40 FINE ISRAEL _____________________ Weinbau in der Wüste

46 FINE ISRAEL _____________________ Yatir Winery

50 FINE ISRAEL _____________________ Tzora Vineyards

54 FINE ISRAEL _____________________ Tulip Winery

58 FINE ISRAEL _____________________ Bazelet HaGolan

64 FINE STEIERMARK ______________ Alles oder Nichts: Hartmut Aubell vom Rebenhof

70 FINE KAMPTAL __________________ Ein Suchender: Der Winzer Fred Loimer

76 FINE BURGENLAND _____________ Feintuning: Gerhard Kracher vom Weinlaubenhof Kracher

82 FINE DAS GROSSE DUTZEND ___ Château Pavie

86 FINE WEIN & SPEISEN __________ Jürgen Dollase im Restaurant Einsunternull in Berlin

96 FINE PORTRÄT __________________ Graue Eminenz: Giovanni Geddes da Filicaja

100 FINE SÜDTIROL _________________ Himmelwärts: Das Weingut Elena Walch

108 FINE SÜDTIROL _________________ Gipfelstürmer: Franziskus Haas vom Weingut Franz Haas

116 FINE FRAUEN IM WEIN __________ Selbstsicher und unbeirrt: Viviana Malafarina

122 FINE DIE PIGOTT KOLUMNE ____ 2018: Mein Jahr im Weinberg

126 FINE DIE WÜRTZ KOLUMNE ____ Hellwach: Der Rheingau rührt sich

128 FINE WEIN UND ZEIT ____________ Die Mendelssohns:

Eine einflussreiche Familie mit Liebe zum Wein (1)

134 FINE RHEINGAU _________________ Still oder spritzig: Das Wein- und Sektgut Barth

142 FINE GENIESSEN _______________ Zum Essen: Sekt

146 FINE ABGANG___________________ Ralf Frenzel

4 FINE 1 | 2019 INHALT INHALT FINE 1 | 2019 5


VEREHRTE LESERIN, LIEBER LESER,

Jugend ist Trunkenheit ohne Wein: In seinem

siebten Lebensjahrzehnt hatte Goethe wohl

die nötige Übersicht, um diese Feststellung

zu treffen. So recht er zu seiner Zeit gehabt

haben mag, so richtig ist sein Notat noch

heute – wenn auch in etwas anderem Sinn,

als der Dichter es vermutlich verstanden

haben wollte. Die Jugend, die der Mensch,

einem resigniert verärgerten Aperçu seines

nachmaligen Kollegen Shaw zufolge, in

einem Alter absolvieren muss, in dem er

nichts davon hat – diese Jugend will auch

heute keinen Wein, um trunken zu werden.

Allerdings berauscht sie sich nicht, wie der

alte Geheimrat in Weimar noch glaubte,

nur an sich selbst – sie verlangt nach Bier. Ausgerechnet.

Dieses von der Frankfurter Allgemeinen Zeitung jüngst in

die Welt getragene Faktum gibt der Brauwirtschaft gute

Nachricht. Aber unsere dem Wein verschworene Genussgemeinschaft

bekümmert’s: Wer soll denn die wohlsortierten

Keller dermaleinst austrinken, wenn sich der Nachwuchs

versagt? Es gebe aber Hoffnung: Die jungen Leute seien

noch in den Aromenzwängen der kindlichen Geschmacksprägung

gefangen. Mit wachsender Reife und Bildung und,

fügen wir hinzu, wachsendem Kontostand erwache das

Interesse an den diffzileren organoleptischen Erkundungen

der nun doch lockenden Weinwelt.

Aber wie beginnen? Und wo? Es muss ja nicht der

»Tiroler Bauerntrunk« aus der Zweiliter­ Flasche sein, mit

dem wir, lang ist es her, unsere Genuss­Karriere erwartungsfroh,

wenn auch sehr erdnah starteten. Aber schon ökonomischer

Kriterien wegen auch wohl besser nicht bei

den Kronjuwelen der Bordelaiser Weinwelt, von denen

Stefan Pegatzky eines besucht hat: Château Lafite, den

legendären Premier Grand Cru der Domaines Barons de

Rothschild in Pauillac, dessen Schicksal seit kurzem in den

Händen einer neuen Generation und eines welterfahrenen

Managers liegt. An der subtilen Tiefe dieses Weins wird

sich nichts ändern. Und gewiss sollte sich auch künftig nur

ein vielfach geprüfter Gaumen und wissender Trinker an

dem so geschichtsträchtigen wie immer neu verzaubernden

Wunderwein erproben.

Also nichts für Youngster! Vielleicht aber der hier: Der

andere, nicht minder beeindruckende weindynastische

Familienzweig der Rothschilds hat sein vor zwanzig Jahren

von der Baroness Philippine erworbenes, damals recht

heruntergewirtschaftetes Weingut Domaine de Baronarques

im Languedoc glänzend aufpoliert, wie Rainer Schäfer

findet. Nun kommt es nach durchgreifender Erneuerung

mit einem Rotwein auf den Markt, der den bäuerlichen

Charakter seiner Herkunft mit dem Schliff eines schönen

Bordeaux­Gewächses veredelt – ein faires Angebot für

Weinadepten und geübten Weinfreunden vielleicht eine

schöne Alternative als Wein für den einen oder anderen Tag.

Weil Neugier die Mutter aller Erfahrung ist, hat sich

Kristine Bäder nach Israel aufgemacht, um zu sehen, wie

eine Reihe wagemutiger Winzer dem biblischen Boden

unter extremen Bedingungen Weine abringen, die nun auf

Beachtung und Marktchancen hoffen. Dass hier schon einmal

Wasser in Wein verwandelt worden sei, wird glaubhafter

angesichts der unerhörten Anstrengungen und technischen

Wunder, die bei unermüdlicher Bewässerung Reben im

Wüstensand wachsen lassen. In diesem wie im kommenden

Heft stellt sie insgesamt acht Weinmacher vor, die Ihrer

Aufmerksamkeit wert sind.

Ja, die Weinwelt ist bunt und nie auf nur einen einzigen

Nenner zu bringen. Gottlob! Ob man wie Armin Diel

kennerisch die Bourgogne durchstreift und die Geschicke

der großen Weinhandelshäuser erkundet (mit der Maison

Bouchard Père & Fils beendet er die fünfteilige Serie), ob

Sie mit Till Ehrlich Spitzenwinzern in Südtirol und mit

Luzia Schrampf Großmeistern des österreichischen Weinbaus

nahekommen oder im Rheingau dem Charme eines

perfekten Winzersekts erliegen: Immer finden Sie Überragendes

und Überraschendes – und natürlich immer auch

den einfachen Wein, der handwerklich sauber gemacht ist

und weder den Gaumen beleidigt noch die Börse quält.

Niemand, der den Schritt in die geheimnisvolle Weinwelt

wagt, muss sich mehr ein Glas vom Tiroler Bauerntrunk

zumuten. Was ist gegen ein schönes kühles Bier zu sagen?

Nichts natürlich. Aber Wein ist ein hochgemuter Begleiter

durch das ganze Leben, das Vergnügen daran wird mit den

Jahren nur größer. Man kann, wenn man nur alt genug ist,

gar nicht jung genug sein, um damit zu beginnen.

Mein Rat also an die heranwachsenden Damen und

Herren: Trauen Sie sich! Und trauen Sie es sich zu. Das

Abenteuer Wein wird Sie nicht enttäuschen. Halten Sie sich

an das Wahrwort des Weingurus Hugh Johnson: »Weintrinker

sehen gut aus, sind intelligent, sexy und gesund.«

Mehr Zuspruch geht nicht.

Thomas Schröder

Chefredakteur

EDITORIAL FINE 1 | 2019 7


FINEAUTOREN

KRISTINE BÄDER Als Winzertochter aus Rhein hessen freut sie sich über die positive Entwicklung dieser Weinregion,

als ehemalige Chefredakteurin des Sommelier Magazins über die der deutschen Weine im Allge meinen.

Darüber hinaus hat die studierte Germanistin eine besondere Beziehung zu den Weinen aus Portugal.

DANIEL DECKERS Die Lage des deutschen Weins ist sein Thema – wenn er nicht gerade als Politik- Redakteur

der Frankfurter Allgemeinen Zeitung über Gott und die Welt, über Lateinamerika oder Rauschgift zur Feder

greift. An der Hochschule Geisenheim lehrt er Geschichte des Weinbaus und -handels. In seinem Buch »Wein.

Geschichte und Genuss« beleuchtet er durch mehr als dreitausend Jahre die Rolle dieses unschätzbaren Kulturguts

als Spiegel der Zeitläufte.

ARMIN DIEL Einerseits ist er Winzer – seine Weine von der Nahe spielen im nationalen wie im internationalen

Ranking eine Rolle. Andererseits ist er Publizist. Als einstiger Mitherausgeber des Wein-Gault-Millau hat er den

Guide an die Spitze der weinkritischen Publikationen in Deutschland gebracht.

JÜRGEN DOLLASE Kunst, Musik und Philosophie hat er in Düsseldorf und Köln studiert. Er war Rockmusiker

und Maler. Heute ist er der bei weitem einflussreichste Kritiker der kulinarischen Landschaft in Deutschland und

Europa. Vielbeachtet sind seine Bücher über die Kunst des Speisens; zuletzt erschien der Band »Geschmacksschule«

in der Reihe SZ Gourmet Edition (bei Tre Torri). Sein visionäres Kochbuch »Pur, präzise, sinnlich«

widmet sich der Zukunft des Essens.

TILL EHRLICH Der profilierte Weinkritiker und mehrfach ausgezeichnete Journalist hat sich als Autor von

unabhängigen Weinbüchern, kulinarischen Kolumnen und Essays einen Namen gemacht. Er kann Weine, Berge

und gedeckte Tafeln zum Sprechen bringen.

URSULA HEINZELMANN Die Gastronomin und gelernte Sommelière schreibt unter anderem für die

Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, für Efflee und Slow Food sowie Bücher zum Thema Essen und

Trinken. Das jüngste Buch, »China – Die Küche des Herrn Wu«, (bei Tre Torri) gibt tiefe Einblicke in die vielfältige

Kochkunst der Chinesen.

STEFAN PEGATZKY Der promovierte Germanist kam 1999 nach Berlin und erlebte hautnah mit, wie sich

die Metropole von der Bier- zur Weinstadt wandelte. Seit einigen Jahren schreibt er regelmäßig über Wein und

Genuss. In der Tre-Torri-Reihe »Beef!« erschien der Band »Raw. Meisterstücke für Männer«, in der »Gourmet

Edition – Kochlegenden« die Bücher zu Hans Haas und Marc Haeberlin.

STUART PIGOTT In der gehobenen Weinwelt ist er ein Begriff. Seit der 1960 in London geborene studierte

Kunsthistoriker und Maler im Wein, im deutschen Wein zumal, sein Lebensthema fand, hat er sich mit unkonventioneller

Betrachtungsweise in die Ränge der weltweit geachteten Autoren und Kritiker geschrieben. Sein

Buch »Planet Riesling« erschien bei Tre Torri.

RAINER SCHÄFER wuchs in Oberschwaben auf und lebt seit zwanzig Jahren in Hamburg, wo er über die

Dinge schreibt, die er am meisten liebt: Wein, gutes Essen und Fußball, stets neugierig auf schillernde Persönlichkeiten,

überraschende Erlebnisse und unbekannte Genüsse. Als Ko-Autor hat er über »100 Länder, 100 Frauen,

100 Räusche« berichtet.

LUZIA SCHRAMPF Sie weiß alles – zumindest über den österreichischen Wein. Über ihr Lebensthema

berichtet die Journalistin regelmäßig im Wiener Standard wie in der Süddeutschen, in World of Fine Wine und

Decanter. In ihrem Buch »Weinmacher« hat sie alle wichtigen Winzer ihres Landes porträtiert.

VERLEGER UND HERAUSGEBER

Ralf Frenzel

ralf.frenzel@fine-magazines.de

CHEFREDAKTEUR

Thomas Schröder

thomas.schroeder@fine-magazines.de

REDAKTION

Carola Hauck

ART DIRECTION

Guido Bittner

MITARBEITER DIESER AUSGABE

Kristine Bäder, Dr. Daniel Deckers, Armin

Diel, Jürgen Dollase, Till Ehrlich, Ursula

Heinzelmann, Dr. Stefan Pegatzky, Stuart

Pigott, Rainer Schäfer, Luzia Schrampf,

Dirk Würtz, Martin Wurzer-Berger

FOTOGRAFEN

Guido Bittner, Rui Camilo, Johannes

Grau, Marco Grundt, Alex Habermehl,

Marc Volk

VERLAG

Tre Torri Verlag GmbH

Sonnenberger Straße 43

65191 Wiesbaden

www.tretorri.de

Geschäftsführer: Ralf Frenzel

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Judith Völkel

Tre Torri Verlag GmbH

+49 611-57 990

anzeigen@fine-magazines.de

DRUCK

Eversfrank Berlin GmbH

FINE Das Weinmagazin erscheint

vierteljährlich zum Einzelheft-Preis

von € 15,– (D), € 16,90 (A),

CHF 30,– (CH), € 18,50 (I)

VERTRIEB

DPV Deutscher Pressevertrieb GmbH

www.dpv.de

Weingut Robert Weil – Riesling Großes Gewächs.

Einer der Großen Weine der Welt.

DIRK WÜRTZ ist eigentlich Winzer. Seit 2018 ist er in einer Beteiligungsgesellschaft zuständig für die Wein-

Sparte. In seinem Blog schreibt er seit zehn Jahren über alles rund um den Wein. Er hat das erste Live-Wein-TV-

Format im Internet produziert und mit dem Magazin Stern die Video-Weinschule zu zahlreichen Themen gedreht.

MARTIN WURZER-BERGER Der studierte Künstler und katholische Theologe arbeitet in Münster als Maler

und importiert Weine, vor allem französische. Er ist Chefredakteur und Herausgeber der Avantgarde-Zeitschrift

»Journal Culinaire. Kultur und Wissenschaft des Essens« und Vorsitzender der Deutschen Akademie für Kulinaristik.

Titel-Foto: Château Lafite Rothschild, GUIDO BITTNER

8 FINE 1 | 2019 IMPRESSUM

Editorial-Foto: PEKKA NUIKKI

Namentlich gekennzeichnete Beiträge geben nicht

unbedingt die Meinung der Redaktion wieder. Der

Verlag haftet nicht für unverlangt eingereichte

Manuskripte, Dateien, Datenträger und Bilder.

Alle in diesem Magazin veröffentlichten Artikel

sind urheberrechtlich geschützt.

www.weingut-robert-weil.com


Kellermeister Fabrice Boullier

und Gutsdirektor Augustin

Deschamps geben sich selbstbewusst:

»Wir wissen, wie man

feine Rotweine erzeugt.«

ERWACHSEN GEWORDEN

FÜR DIE DOMAINE DE BARONARQUES, DAS EINSTIGE STIEFKIND

DES NAMHAFTEN FAMILIENUNTERNEHMENS BARON PHILIPPE

DE ROTHSCHILD, HAT EINE GROSSE ZUKUNFT BEGONNEN

Von RAINER SCHÄFER

Fotos MARCO GRUNDT

Als Nachzügler hat man mitunter ungünstige Voraussetzungen, um sich

zu behaupten: Die Geschwister sind älter, größer und zielstrebiger, als

Schlusslicht hinkt man hinterher, ohne große Aussicht, den Vorsprung

einholen zu können. Ähnlich wie in mancher Familie sah es auch im Wein-

Imperium der Rothschilds aus, die angesehene Weingüter auf verschiedenen

Kontinenten besitzen, neben dem weltberühmten Château Mouton Rothschild

auch die Châteaus Clerc Milon und d’Armailhac im Médoc. Das Portfolio des

Unternehmens Baron Philippe de Rothschild SA wurde Ende der 1970er Jahre

noch erweitert um Opus One, ein gemeinschaftliches Projekt mit Robert Mondavi

in Kalifornien; in den 1990ern folgte das Weingut Viña Almaviva in Chile.

Zuletzt stieß die Domaine de Baronarques im Süden Frankreichs dazu. Es war

die Baroness Philippine de Rothschild-Sereys, die das Landgut im Languedoc

1998 zur allgemeinen Verwunderung erwarb. Der Familie Rothschild wurde

immer ein Gespür für besondere Terroirs und Gelegenheiten nachgesagt, aber

Baronarques wollte nicht so recht in das Ensemble der erlesenen Châteaus und

Boutique-Weingüter passen. »Wir standen lange Zeit in der zweiten Reihe«,

20 FINE 1 | 2019 LANGUEDOC LANGUEDOC FINE 1 | 2019 21


Aus dem Dunkel der Kreidekeller

in Epernay ins Licht des Pariser

Restaurants Pavillon Ledoyen trat der

Jahrgang 2012 des Grand Vintage.

Hier fanden die Versionen in Rosé

und Weiß der prestigeträchtigsten

Cuvée von Moët & Chandon den

angemessenen Rahmen.

GROSS UND

GROSSZÜGIG

MOËT & CHANDON PRÄSENTIERT DEN

JAHRGANG 2012 DES GRAND VINTAGE BRUT

UND DES GRAND VINTAGE ROSÉ

Von TILL EHRLICH

Der Kreidekeller von Moët & Chandon in Epernay ist ein achtundzwanzig Kilometer langes unterirdisches

Labyrinth, in dem unzählige Champagnerflaschen auf vier Stockwerken lagern. Es ist kalt und dunkel, und

als Fremder ist man hier schnell verloren. Am Ende eines Gangs brennt ein Funzellicht; Benoît Gouez

degorgiert eine Magnum: »Wecken wir ihn auf, er hat lange geschlafen.« Es spritzt ein wenig, dann reicht

er mir ein Glas mit kostbarem Inhalt: ein reifer Champagne Grand Vintage. Der Chef de Cave schätzt lange

Flaschenreifung. »Aber es muss sinnvoll sein, der Champagner muss dadurch gewinnen«. Ein kleiner

Schluck beweist, wie wunderbar es sein kann, Geduld zu haben.

Fotos: Moët & Chandon

Vielleicht besteht die Kunst, einen seriösen Marken-

Champagner zu erzeugen, darin, ihn einerseits nicht

in einer elitären Nische verschwinden zu lassen und

ihm andererseits seine Seele nicht in der Beliebigkeit eines

Massenprodukts zu rauben. Erfolgreiche Champagner-Häuser

wie Moët & Chandon pflegen zwar ihren Marken-Mythos, vor

allem aber sind sie Meister einer stilistischen Balance: Sie sind

eng an den Zeitgeist gebunden, ohne sich ihm ganz zu ergeben.

Dieses existenzielle Gleichgewicht muss immer wieder neu

gefunden werden. Es gilt, mit jedem Jahrgang das Eigene in

einem globalen Markt zu verteidigen, der bei allem Nimbus auf

Vereinheitlichung und Konformität ausgerichtet ist.

Die Marke Moët scheint eine Formel dafür gefunden zu

haben. Verkörpert wird sie von einem überaus inspirierten Mann:

Benoît Gouez, seit 2005 als Chef de Cave für alle Champagner

des Hauses Moët & Chandon verantwortlich, ist ein innovationsfreudiger

Önologe und ein sympathischer, leidenschaftlicher

Genussmensch, der mit seinem jungen Team die berühmte

Marke gründlich entstaubt hat. Unter seiner Führung ist Moët

allerdings stilistisch auch wieder traditioneller geworden. Der

Achtundvierzigjährige steht für seriöse Cuvées in reduktivem,

ansprechendem Stil. Die Essenz von Moët bedeutet für ihn:

»Wenn wir etwas tun, dann mit Größe und Großzügigkeit«.

Etwa zehn Prozent der Produktion von Moët & Chandon

sind dem Vintage Champagner gewidmet, der prestigeträchtigsten

Cuvée des Hauses. Ein Grand Vintage, in zwei

eigenständigen Versionen als weiße und roséfarbene Cuvée

erzeugt, ist stilistisch auf den Jahrgang fokussiert und interpretiert

ihn emotionaler und individueller als die Multi-Vintage-

Cuvées Impérial Brut oder Rosé Impérial.

Der Grand Vintage, der nicht in jedem Jahr erzeugt wird,

kommt erst nach mehrjähriger Flaschenreifung auf dem Hefelager

in den Verkauf. Beim aktuellen Grand Vintage sind es sieben

Jahre. Doch nicht alle Flaschen werden sofort freigegeben; ein

Teil bleibt im Kellerlabyrinth von Epernay und gelangt erst Jahre

später als Grand Vintage Collection auf den Markt.

Der 2012er ist der vierundsiebzigste Grand Vintage Jahrgang

seit 1842. Die Assemblage besteht zu einundvierzig

Prozent aus Chardonnay, dreiundreißig Prozent Pinot Noir

36 FINE 1 | 2019 CHAMPAGNE CHAMPAGNE FINE 1 | 2019 37


WEINBAU IN DER WÜSTE

IN ISRAEL STREBT EINE JUNGE WINZER-

GENERATION NACH DEN STERNEN

Von KRISTINE BÄDER

Fotos JOHANNES GRAU

Wenn im Winter der Regen kommt, füllen sich die Wadis der Negev unter Umständen mit solchen

Wassermengen, dass die Annahme, hier ertränken mehr Menschen als dass sie der Hitze zum Opfer

fielen, gar nicht so abwegig ist. Den Rest des Jahres zeigt die Wüste im Süden Israels das, was man

erwartet: Steine und Sand so weit das Auge reicht, mit wilden, faszinierenden Kratern, Tälern

und Gebirgen und einem dicken Staubfilm auf den vereinzelten Grasnarben, die nicht mehr als

knöchelhoch sind. Dass hier Wein wachsen soll, erscheint auf den ersten Blick völlig unmöglich.

Kontrastreich ist die Landschaft in Israel: Am nördlichen Rand

der Negev-Wüste hat der Staat in den 1960er Jahren mehr als

dreißig Quadratkilometer mit Bäumen bepflanzt, um die Ausbreitung

des Ödlands einzudämmen. Der Yatir Forest gehört

dazu, der die Weinberge der Yatir Winery beschützt.

42 FINE 1 | 2019 ISRAEL ISRAEL FINE 1 | 2019 43


Die besten Weingüter der Welt ...

Das Gute leben.

DAS WEINCABINETT

Als interessierter Weinliebhaber, der Sie aufgrund dieser Lektüre zu sein scheinen,

sollten Sie einmal das WeinCabinett in der Markthalle Braunschweig oder Krefeld

besuchen. Dort lagern Weine und Raritäten von einigen der besten Weingüter

der Welt und unsere Sommeliers freuen sich nur darauf, Sie kompetent und

inspirierend beraten zu können. Genießen Sie handverlesene Weine – gerne auch

zu einem kleinen Imbiss – direkt an unserer Weinbar.

WIR FREUEN UNS AUF IHREN BESUCH IN UNSEREN MARKTHALLEN

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ALLES

ODER

NICHTS

HARTMUT AUBELL, DER KONSEQUENTE BIO-WINZER AUS

DER SÜDSTEIERMARK, IST EIN FREIGEIST UND REBELL

Von LUZIA SCHRAMPF

Fotos JOHANNES GRAU

Vielleicht denkt Hartmut Aubell gerade darüber nach, ob

das Leben tatsächlich zu kurz sei für schlechten Wein.

Nicht nur so gesehen hat der entspannte Winzer, der auf

steirische Rebsorten setzt, alles richtig gemacht. Den

Quercus 328 baut er in Fûts cigare aus, langgezogenen

Fässern für dreihundertachtundzwanzig Liter, die er sich

bei Didier Dagueneau abgeschaut hat.

Hartmut Aubell zählt zur jungen Garde der

österreichischen Winzer, zu Österreich 2.0

sozusagen. Man entzieht sich zwar vielem,

was hierzulande zum guten Wein-Ton gehört, doch

Weintradition und Herkunftsverbundenheit sind

dennoch wichtige Themen. Die finden sich in den

ungewöhnlichen Weinen des Rebenhofs wieder, mit

denen der Winzer über die Landesgrenzen hinaus

Aufmerksamkeit erregt.

Der Rebenhof, Hartmut Aubells Basisstation,

liegt am höchsten Punkt der Südsteierischen Weinstraße,

deren südlicher Rand schon zu Slowenien

gehört. Zum Gehöft, anmutig auf einem besonders

steilen Hügelrücken gelegen, gehören ein Winzerhaus

mit einer Buschenschank und mehrere Wirtschaftsgebäude,

die zu Apartments für Gäste umgebaut

wurden. Wie viele alte Bauernhäuser wurde auch

der Rebenhof immer wieder erweitert, die ältesten

Gebäudeteile sind gut vierhundert Jahre alt. In alle

Himmelsrichtungen reicht der Blick von der Terrasse

der Buschenschank weit hinein in die südsteirische

Weinlandschaft und in die slowenischen Weinhügel.

Seit 1924 ist das Gehöft im Besitz der Familie

Aubell, die dem Wein – wenn auch nicht beruflich

–schon immer eng verbunden war. Hartmut

Aubells Großvater war Salinendirektor im oberösterreichischen

Ebensee, sein Vater schätzte Bordeaux,

auch wenn sein Arbeitsleben in der Bierstadt Leoben

stattfand. Der Hof wurde von einem Angestellten

bewirtschaftet. Die Familie verbrachte im Rebenhof

ihre Wochenenden und die Sommer, bis ihn die

Brüder Polz 1992 pachteten, die bis 2007 hier ihre

Rebenhof-Linie erzeugten.

Hartmut Aubell ist der erste der Familie, der den

Rebenhof selbst führt. Grund dafür waren jedoch

nicht die goldigen Erinnerungen an die Sommer und

Wochenenden seiner Kindheit und Jugend. Denn

seine Begeisterung für die schöne Südsteiermark

hielt sich seinerzeit in Grenzen, »weil es einfach

nichts gab. Schon als Kind hab ich gesagt, ich geh

nie hierher in meinem späteren Leben«. Doch als er

seinen Wehrdienst beim österreichischen Bundesheer

leistete und seine Wochenenden hier verbrachte,

wuchs ihm die Gegend ans Herz, und er beschloss,

hier Winzer zu werden. Dass sein Vater zwar Weinliebhaber,

aber kein Weinbauer war, sieht Hartmut

Aubell als Vorteil: »Ich kann tun und lassen, was ich

möchte. Dafür gibt es allerdings kein Lagenwissen,

das über Generationen weitergegeben wurde.«

Ein Studium an der Hochschule Geisenheim

wurde durch die Schule

abgebrochen, weil Hartmut

Aubell der schnöden

Theorie die Praktika bei

inspirierenden Winzern

vorzog: Didier Daguenau

an der Loire gehörte

dazu, die Familie Saahs

vom Nikolaihof und

Emmerich Knoll in der

Wachau, Forstmeister

Geltz Zilliken an der Saar,

Château l’Hermitage in

St.-Emilion und Sepp

Moser im Kremstal. »Ich

habe tolle Leute kennengelernt,

viele Kontakte bestehen heute noch«,

resümiert er seine Wanderjahre.

Für seine Arbeitsaufenthalte habe er ganz

bewusst immer Weingüter »mit Familienanschluss«

ausgesucht, weil er sich austauschen wollte »und

so auch viel lernen konnte«, wie eben besonders

bei Dagueneau, einem Familienbetrieb, »dessen

Weine dreißig Jahre halten«, und bei Nikolaus Saahs,

der zum Freund wurde. Dessen Mutter Christine

Saahs, Biodynamie-Pionierin seit den 1970er Jahren,

beschreibt er »als ganz tolle Frau, mit der man

wunderbare Gespräche führen kann«.

Im Jahr 2008 übernahm Hartmut Aubell den

Rebenhof offziell. Zwei Jahrgänge lang arbeitete

er »comme il faut«, wie es das Schulwissen vermittelt.

»Ich hab im Jahrgang 2009 festgestellt,

dass meine Weine genauso schmecken wie die

64 FINE 1 | 2019 STEIERMARK STEIERMARK FINE 1 | 2019 65


DAS GROSSE DUTZEND

CHÂTEAU PAVIE

Von KRISTINE BÄDER

Fotos GUIDO BITTNER

Wohl kaum ein anderes Château des

Bordelais spaltet die Meinungen der

Kritiker und Weinliebhaber so sehr

wie Château Pavie. Während Einigkeit

über die Qualität des Terroirs

herrscht – die Reben sind in einer Art

nach Süden ausgerichtetem Amphitheater

auf den vorzüglichen Lagen

des Saint-Emilion-Plateaus gepflanzt –

gehen die Meinungen zum Stil der Weine

oft weit auseinander. Wie weit, zeigt

der legendäre verbale Schlagabtausch

zwischen Robert Parker und Jancis

Robinson, der um den Jahrgang 2003

entbrannte: Von Parker wurde er mit 99

Punkten bewertet, von Jancis Robinson

erhielt er nur 12 von 20 Punkten und

auch sonst ein eher vernichtendes Urteil.

84 FINE 1 | 2019 DAS GROSSE DUTZEND DAS GROSSE DUTZEND FINE 1 | 2019 85


FRAUEN IM WEIN XXXVII

SELBSTSICHER

UND UNBEIRRT

VIVIANA MALAFARINA IST GESICHT UND SEELE

DER AZIENDA BASILISCO IN DER BASILIKATA

Von RAINER SCHÄFER

Fotos RUI CAMILO

Manchmal, sagt Viviana Malafarina, sei sie fest entschlossen, ihr

Leben, in dem sich fast alles um Wein dreht, zu überdenken und

zu ändern. Jahrein, jahraus bestimme er ihre Gedanken, morgens

beginne sie den Tag damit und noch abends lasse er sie nicht los,

und manchmal komme sie kaum zum Atmen. In den vergangenen

Jahren hat sie nur selten die Basilikata verlassen, die Landschaft

weit im Süden zwischen Absatz und Sohle des italienischen Stiefels.

Früher zog sie von Ort zu Ort und von Job zu Job, jetzt ist sie an

ein abgelegenes Dorf gebunden, in dem sie als Fremde angesehen

wird. Aber was passiert an ihren freien Tagen, wenn sie die Gelegenheit

hätte, das Weingut Basilisco in Barile hinter sich zu lassen?

Dann steigt sie doch wieder von ihrer Wohnung direkt in den

Keller, um die Weine in den Fässern zu probieren, und vergisst

dabei die Zeit. »Es ist meine Schuld«, sagt die Winzerin, »ich

muss alles mit zweihundert Prozent Engagement erledigen, ich

kann einfach nicht anders.« Schuld ist aber auch der Aglianico del

Vulture, der Rotwein, dem man lange Zeit wenig zugetraut, der

sie jedoch »völlig in Beschlag genommen« hat. Die enge Bindung

der ungewöhnlichen Autodidaktin an die unterschätzte Rebsorte

lässt faszinierende Weine entstehen, wie man sie aus der Basilikata

bislang nicht kannte.

Als Viviana Malafarina 2010 nach Barile kam, sollte das nur eine weitere

Station sein in ihrem unsteten Wanderleben. »Ich wollte nur ein Jahr

bleiben«, erzählt sie, danach weiterziehen und reisen, so wie sie es

die Zeit davor schon gehalten hatte – eine Freiheit, die sie nicht mehr missen

wollte. Mit ihrem damaligen Freund, einem Koch, wollte sie die Locanda, das

Gasthaus des 1992 gegründeten Weinguts Basilisco, übernehmen und führen.

Er sollte kochen, sie wollte sich um die Gäste kümmern, unterhalb des lang

erloschenen Vulkans Vulture, der die bucklige Landschaft mit ihren in den Hügeln

aneinandergeschmiegten Häusern überragt. Aber dann dauerte es nicht lange,

bis sie im Weinkeller direkt neben der Locanda stand und sich immer mehr für

den Weinbau begeisterte. »Es hat mir schon immer gefallen, Unbekanntes in

Angriff zu nehmen«, sagt die Vierundvierzigjährige. Wissbegierig stürzte sie sich

in die Arbeit und wurde im Schnelldurchlauf zur Winzerin von Basilisco, das im

selben Jahr von dem bekannten Weingut Feudi di San Gregorio in Kampanien

übernommen wurde. Pierpaolo Sirch, dessen damaliger Direktor, bestärkte sie

darin, sich um den Keller zu kümmern, und auch Antonio Capaldo, der junge

Eigentümer, erkannte schnell das außergewöhnliche Talent der Norditalienerin.

Viviana Malafarina stammt aus der Hafenstadt Genua, ihr Vater Franco

arbeitete bis zur Pensionierung im Hafen, ihre Mutter Giannina unterrichtet

noch als Lehrerin. Dort studierte sie Kunst und slawische Sprachen; sie zählte

immer zu den Besten. Alles deutete auf eine wissenschaftliche Karriere hin,

auch als sie nach Kiew zog, um an der Universität zu unterrichten. Aber dann,

mit sechsundzwanzig, heuerte Viviana Malafarina von heute auf morgen als

Stewardess an und gab ihrem Leben damit eine unerwartete Wendung. Vor

allem ihr Vater reagierte schockiert auf diese Entscheidung. Es liege in ihrem

116 FINE 1 | 2019 FRAUEN IM WEIN FRAUEN IM WEIN FINE 1 | 2019 117


DIE STUART PIGOTT KOLUMNE

schlagartig abkühlte. Etwa eine Woche später berichtete Reiner Flick,

dass sich der Reifeprozess der Trauben verlangsamte, und am 7.

September maß Peam etwa 90 Grad Oechsle in unserem Weinberg.

Nach sorgfältigem Studium der Wettervorhersage beschloss ich

schweren Herzens, unsere Weinlese am Montag, den 17. September,

stattfinden zu lassen, einhundertzehn Tage nach der Blüte. Ein

wichtiger Entscheidungsfaktor waren die für den 18. September

vorhergesagten 30 Grad. Die Trauben hatten bereits siebenunddreißig

solcher Tage erlebt, weitaus mehr als normal. Aber möglicherweise

wird das die neue Norm werden.

Obwohl die Lesemannschaft von Reiner Flick sehr geübt

ist, wollte ich ein eigenes kleines Team, um die Trauben

sehr exakt nach Problemen zu durchkämmen und solches

Material zu entfernen. Durch einen glücklichen Zufall lernte ich

Wilfried Racke kennen, einen Rentner, der wie ich ein Jahr als Gasthörer

an der Wein-Uni in Geisenheim studiert hatte. Außerdem

Fast jede Traube war perfekt,

und während der nächsten zwei

Stunden hatte ich mehr Käfer als

faule Beeren entfernt.

nahmen wir Oliver Donnecker ins Team auf, dessen Restaurant

Heimat in Frankfurt ein wichtiger Drehort für »Wein Weiblich«

ist. Wir verabredeten uns für acht Uhr morgens im Nonnberg am

Montag, den 17. September.

Um 6.20 Uhr stieg ich aus dem Bett und wurde von einem

klaren Himmel begrüßt. Trotz meiner Eile auf dem E-Bike verspätete

ich mich um wenige Minuten. Da war die Lese schon in

vollem Gang. Ich hastete zum Anhänger, wo die ersten Trauben

bereits in einen Bottich gekippt wurden. Fast jede Traube war

perfekt, und während der nächsten zwei Stunden hatte ich mehr

Käfer als faule Beeren entfernt. Dass die Trauben zur Hälfte goldgelb

waren und vollreif schmeckten, zur anderen Hälfte aber noch

grünlich mit weitaus mehr Frische, war sehr erfreulich. Letzteres

war bestimmt eine Folge meines Schatten spendenden Dschungels.

Schnell füllte sich ein Bottich nach dem anderen, und mir wurde

klar, dass wir wohl genug für zwei Tonneaus hatten, mehr als für

nur ein Einzelfass, wie geplant. Aber würde wirklich so viel Saft

aus den Trauben fließen?

Kurz nach zehn Uhr fuhren wir die wenigen hundert Meter

zum Weingut Flick, wo wir die Trauben vor der Kamera auf ein

Förderband zur Traubenmühle schaufelten, von wo sie in die Kelter

fielen. Um Punkt elf Uhr war diese Aktion beendet, und ich entschied,

den Trauben eine kurze Maischestandzeit zu gönnen, um

etwas Gerbstoff aus den Beerenhäuten in den Most zu ziehen, was

dem Wein zumindest in der Theorie mehr Rückgrat verleihen

sollte. Währenddessen machten wir ein Picknick im weitläufigen

Garten des Weinguts. Dazu gab es Reiner Flicks konzentriertes

und elegantes 2017er Nonnberg Vier Morgen Großes Gewächs,

von dem wir alle begeistert waren. Würde unser Wein mithalten

können, oder würde er dafür zu fett schmecken?

Um 13.20 Uhr lief der erste Most von der Kelter. Wir verkosteten

alle sofort. »Da ist so was wie Kräuterfrische«, bemerkte

Peam, und ich dachte an die grünlichen Trauben. Dann wurden

Werte gemessen, wobei wir uns bei der Säure auf den pH-Wert verließen,

da er mehr über die geschmackliche Wirkung aussagt als

der Säurewert in Promille. Ich dachte aber auch an die mikrobielle

Dimension: Bis zu einem pH-Wert von 3,25 ist Wein mikrobiell eher

stabil, darüber fängt es an, wackelig zu werden, ab etwa 3,65 wird

es sehr gefährlich. Als ich 3,5 auf dem Display des pH-Meters las,

bekam ich einen ziemlichen Schreck. Das erforderte einen Weinsäurezusatz

von 1,5 Promille, um zumindest einen Teil des Mosts

spontan, also ohne Zusatz von Reinzuchthefe, zu vergären. Nach

diesem unumgänglichen Eingriff setzte um 13.30 Uhr die Klärung

des Mosts durch die Schwerkraft ein. Dann hieß es einige Stunden

abzuwarten, wie gut dieser Prozess verlaufen würde. Insgesamt war

ein Ertrag von fünfundsiebzig Hektolitern pro Hektar berechnet

worden – im Kontext von 2018 eine eher verhaltene Erwartung.

Kurz nach dem Abendessen zu Hause kam ein Anruf von

Reiner Flick: Der Most hatte sich sehr gut geklärt und konnte

den Gärfässern zugeführt werden. Als ich später wieder im Weingut

Flick eintraf, hatte Reiner den Edelstahltank mit dem Most

schon auf einen Gabelstapler gepackt und ihn zum Eingang des

Kellers gebracht, wo wir den klaren Most per Falldruck durch

einen Schlauch in – tatsächlich! – zwei Tonneaus laufen ließen.

Dann wurde etwas Reinzuchthefe mit ein wenig Most angerührt

und einem der Fässer zugesetzt. Das andere Fass blieb ungeimpft

und steuerte – hoffentlich! – auf eine Spontangärung zu.

Natürlich fand die erste Verkostung der fertig vergorenen

Rieslinge am Vormittag des 24. Oktober vor der Kamera

statt. Die Werte beider Fässer waren erstaunlich normal

und damit ermutigend: 12,65 Prozent Alkoholgehalt, etwas über

sieben Promille Säure und so gut wie kein unvergorener Zucker. Aber

schmeckten sie überhaupt? Jetzt kam der Augenblick der Wahrheit!

Der Wein aus dem mit Reinzuchthefe geimpften Fass war strahlend

und rassig mit viel Zitrusaroma. Gott sei Dank ist zumindest eins

gut gelungen, sagten wir alle. Dann ließ Reiner Flick den Riesling

aus dem spontan vergorenen Fass mittels eines schnöden Gummischlauchs

in unsere Gläser fließen. Wieder machten sich im Duft

die Kräuter bemerkbar und im Mund Vielschichtigkeit, aber auch

genug Säurefrische. Es hatte geklappt! Jetzt mussten beide Weine

nur noch bis zum nächsten Sommer im Holzfass auf der Hefe ruhen

und sich langsam entfalten.

Inzwischen ist mir klar, dass dies kein Einzelfall war. Der

gesamte Keller vom Weingut Flick schmeckt sehr gut, und viele

andere führende Weingüter – wie im übrigen auch die meiner

vier Protagonistinnen – sind ebenfalls glücklich mit dem neuen

Jahrgang, weil die Weine gar nicht so fett ausgefallen sind und

beachtliche Aromatik und Frische zeigen. Natürlich gibt es auch

Weine, die wegen der immensen Hitze und Dürre weniger gut

geraten sind, aber das können Sie bald alles selber schmecken. Ich

habe gelernt: Der Weg dahin ist lang und mit vielen Hindernissen

gepflastert, von denen diese Schlammklumpen bei weitem nicht

das größte waren.

A

uf 256 Seiten führt dieser opulente Band durch die einmaligen Weinberge des Kaiserstuhls direkt in Küche

und Weingut des Fritz Keller. Im Dialog mit seiner Familie und seinen zahlreichen Wegbegleitern, wirft das

Buch einen Blick auf das Phänomen Fritz Keller, auf die badische Küche und Weinkultur und auf eine in diesen

Tagen wertvoller denn je gewordene Bekenntnis zu Genuss, Gemeinschaft und zu durchgegorenem Burgunderwein.

FRITZ KELLER

WEIN & GENUSS

AM KAISERSTUHL

256 SEITEN

ZAHLR. FARBFOTOS

28,0 × 29,0 CM

€ 49,90 (D)

ISBN 978-3-96033-049-3

Tre Torri Verlag GmbH | Sonnenberger Straße 43 | 65191 Wiesbaden | info@tretorri.de | www.tretorri.de

124 FINE 1 | 2019 DIE PIGOTT KOLUMNE


STILL

ODER

SPRITZIG

DAS RHEINGAUER WEIN- UND SEKTGUT BARTH

LEGT HOHE MASSSTÄBE AN

Von MARTIN WURZER-BERGER

Fotos ALEX HABERMEHL

Kann passieren: Beim Degorgieren der

Sektflaschen entfernt Mark Barth den

Kronkorken mit dem Kapselheber, und

der Hefepfropfen schießt heraus – so

explosionsartig allerdings eher selten.

Die sanften Hügel des Rheingaus sind mit einer dünnen Schneedecke überpudert. Kontrastreiche Schraffuren

der Rebzeilen modellieren die Weinberge in eigentümlicher Weise. Es ist erstaunlich, wie ein wenig Schnee

die Wahrnehmung einer Landschaft bestimmt. Auf der Rheinuferstraße geht es heute ruhig dahin. Ein einsames,

tief liegendes Schiff müht sich mit seiner Last gegen den Strom. In Hattenheim mit seinen alten Gemäuern

und verwinkelten Sträßchen zwingt eine Bahnschranke zum Halten. Die Bahn aus Rüdesheim entlässt einen Schwung

Schulkinder. Als der rot-weiße Balken die Straße wieder freigibt, geht es links in den Bergweg. An seinem Ende

liegt auf der rechten Seite das Weingut Barth. Vor dem weißen Haus geht es in einen Innenhof. Man orientiert sich

schnell, alles ist zweckmäßig angeordnet und klar beschriftet. Aus dem modernen Verkaufs- und Verkostungsraum

134 FINE 1 | 2019 RHEINGAU RHEINGAU FINE 1 | 2019 135


FINEABGANG

WEGBEREITER

Sein Wein war Mitte der Achtziger wegweisend für die Toskana: Gianfranco

Soldera hat für den in die Jahre gekommenen, fast harzig anmutenden, vom

Holz geprägten Brunello di Montalcino einen modernen Stil gefunden. In

der Azienda Agricola Case Basse legte man Wert auf gekonnte Vinifizierung, die

einen dichten und vollmundigen Wein hervorbrachte. Für mich war das damals

eine Offenbarung. Und ich erkannte, dass es in Italien mehr gab als Ornellaia

und Tignanello, mehr als Conterno und Gaja. Niemand hatte bislang die Eigenständigkeit

einer einzelnen Region so präzise abgebildet wie dieser Winzer. Die

Brunellos von Case Basse waren legendär – und sie sind es noch immer.

Nun ist Gianfranco Soldera im Alter von zweiundachtzig Jahren gestorben. Der

Macher dieses Weins war eine ganz besondere Persönlichkeit: zurückhaltend

und geradlinig und mit einer sehr klaren Vorstellung davon, wie sein Brunello

sein sollte. Nicht nur wegen seiner bahnbrechenden Haltung wird der große Vordenker

in Erinnerung bleiben.

Ralf Frenzel

Herausgeber

Sophie von Baden, 1801–1865,

eine der 12 inspirierenden

Persönlichkeiten, denen wir die

neue Wein-Kollektion „Markgraf

von Baden“ gewidmet haben.

Ein neuer Auftritt mit klarer Botschaft. Gewidmet

herausragenden Persönlichkeiten des Hauses Baden.

Gewidmet der Liebe zum Weinmachen. Gewidmet

unserem Terroir, unseren besten Lagen, unserer Heimat

Baden. Gewidmet absoluter Qualität. Denn was die

Erde uns gibt, ist ein Geschenk. Was wir daraus machen

eine Botschaft. Genießen wir die Möglichkeiten.

DER ZUKUNFT GEWIDMET.

SEIT ÜBER 900 JAHREN.

www.markgraf-von-baden.de

146 FINE 1 | 2019 ABGANG


Ihre Kunstsammlung wird neidisch werden.

Der Unterschied heißt Gaggenau.

Eindrucksvolle Architektur verlangt nach einem gleichermaßen

beeindruckenden Inneren. Ihr Weinklimaschrank,

wie auch Ihre Kunstsammlung, sagen viel darüber aus,

wer Sie sind. Jedes Produkt von Gaggenau hat einen unverwechselbaren

Charakter, ist aus hochwertigen Materialien

gefertigt und überzeugt durch seine professionelle Leistung.

Seit 1683.

Setzen Sie ein Statement: gaggenau.com

Abgebildetes Produkt ist der RW 466 364| Energieeffzienzklasse: A |

auf einer Skala der Effzienzklassen von A+++ bis G.

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