2019_05_impuls

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impuls Magazin

Gute Ideen sind im Kopf, nicht im Computer

Der Ötztaler Architekt Hermann Holzknecht ist ein sympathischer Querdenker

Mitten im Leben stehen, aber

weder Handy noch Internet besitzen

– gibt es das heute noch?

Ja, der Ötztaler Hermann Holzknecht

ist so ein Mensch, dem

persönliche Freiräume wichtiger

sind als ständige Erreichbarkeit.

Dabei besitzt er durchaus kommunikatives

Talent, das auch in

seinem Beruf als gelernter Architekt

zum Tragen kommt. Bei

Bauprojekten sieht er sich vor allem

als Begleiter und Berater seiner

Kunden. Gemeinsam mit ihnen

herauszufinden, wo ihre Bedürfnisse

liegen, ist seiner Meinung

nach die Grundaufgabe eines

guten Architekten.

Manche Bauherren wundern sich,

dass er die Pläne nicht mit einem

elektronischen Programm entwirft,

sondern feinsinnig mit Bleistift

auf Papier zeichnet. Aber die

guten Ideen befinden sich im Kopf

und nicht in einem Computer.

Und bei einem persönlichen Gespräch

mit Hermann Holzknecht

24 19. März 2019

fällt einem plötzlich auf, wie angenehm

es ist, wenn man mit allen

Sinnen bei der Sache sein kann

und nicht ständig durch Handy-

Telefonate abgelenkt wird.

KUNSTHANDWERKMESSE

23./24. März 2019 im Salzlager in Hall in Tirol

Ca. 50 Künstler/innen stellen ihre Werke persönlich vor.

Ein spezieller Programmpunkt sind die „Lebenden Werkstätten“.

Regionale und internationale Künstler/innen beteiligen sich.

Infos unter: www.kunsthandwerk-art.com

Atelier Stidl, 83395 Freilassing, T +49/(0)8654/479165

Hermann Holzknecht verbindet in seinen Projekten Tradition und Moderne.

Bauernhäuser modernisiert

Aufs Wichtige konzentriert entstehen

schöne Bauprojekte, die Tradition

und Moderne miteinander

vereinen. Der Umbau des Rasthauses

am Timmelsjoch entstammt

zum Beispiel Hermann

Holzknechts Plänen. Zurzeit ist er

vorwiegend mit bäuerlichen Projekten

beschäftigt, was aber nicht

heißt, dass er sich nicht auch noch

anderen interessanten Bauaufgaben

widmet. Letztes Jahr wurde

der Umbau eines ca. 300 Jahre alten

Bauernhauses in Unterried

nach seinen Plänen abgeschlossen,

eine weitere Bauernhaus-Revitalisierung

erfolgte in unmittelbarer

Nachbarschaft und ein Projekt auf

Burgstein ist bereits fertig geplant.

„Solche alten Häuser mit Geschichte

haben Charakter und

Seele. Diese Ausstrahlung darf bei

einem Umbau und aller notwendigen

Modernisierung nicht verloren

gehen“, sagt Hermann Holzknecht.

Klischees zu bedienen,

wäre dabei fehl am Platz. Dass die

Häuser bloß hübsch bäuerlich aussehen

oder als touristischer Aufputz

dienen, das entspricht weder

seiner Auffassung noch der Geisteshaltung

der meisten seiner

Klienten. Auch traditionelle Architektur

verträgt starke zeitgemäße

Statements.

Altruistisch und empfindsam

Hermann Holzknecht ist ein altruistischer

Typ und einer, der

stolz darauf ist, keine dicke Haut

zu haben. Von einer Leistungs-,

Konsum- und Eventgesellschaft

hält er nicht viel, vor allem dann

nicht, wenn diese mit Humanitäts-

und Kulturverlust einhergeht.

Dieselbe Behutsamkeit wie

im Umgang mit Gebäuden legt

Hermann Holzknecht in der Begegnung

mit Menschen an den

Tag. Er wirkt auch dann nicht

missionarisch, wenn es um das

Thema „neue Medien“ geht. Er sei

keineswegs technikfeindlich, sagt

er über sich, er fahre mit Zug und

Auto und nicht mit der Kutsche,

es stecke bei seinem Verzicht auf

Handy und Internet auch keine

Ideologie oder die Angst vor

Handystrahlen dahinter. „Aber:

Die ständige Erreichbarkeit erzeugt

Abhängigkeit, Kontrollverhalten,

Ängstlichkeit und vor allem

Stress. Ich möchte die Geschwindigkeit

meines Lebens lieber

selber bestimmen und das soll

auch so bleiben“, führt er aus und

fügt schmunzelnd an: „Obwohl

das Handy jetzt schon an zehnter

Stelle auf meiner Wunschliste

steht.“ Jeder, der ihn kennt, weiß:

An dieser Position wird es auch

immer bleiben.

(ip)

Fotos: Thomas Defner

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