mein/4 März 2019

meinviertel

Das „Haus der Würde des Menschen“

An der Prenzlauer Allee Ecke Grellstraße steht eine von Plakaten befreite Litfaßsäule, zum Abriss

vorbereitet. Berliner Zäsurgeschichte auf seinem Weg in die Moderne ebnet sich sachlich formal

seinem Weg durch alle Lebensbereiche.

Jörg Richert und Lutz Müller-Bohlen

Der alte Friseurladen um die Ecke, das Zigarettengeschäft,

oder eben Litfaßsäulen, nie weiß man, ob sie

nächste Woche noch da sind. Und so verändert sich

sachlich das Gesicht UNSERER STADT in rasender

Geschwindigkeit. Fassaden werden mit Dämmstoffen

überklebt und blass getüncht, Wohnungen zumeist

von osteuropäischen Arbeitern aufgeschickt, Mieten

und Häuser werden aufgestockt.

Insgesamt kommt es zu einem strukturellen Wandel.

Während 1950 noch 68 % der Menschen in Städten

wohnten, werden es 2030 80 % sein. Dabei vergrößert

sich der Wohnraum pro Kopf immer mehr. Waren es

um 1900 noch 10qm pro Kopf, sind es inzwischen

viermal so viel. Dabei ist Deutschland Vizeweltmeister

im Mieten, denn rund die Hälfte der Menschen

lebt in Mietwohnungen. Auch deswegen werden

Mietwohnungen rar und die Preise für Mietwohnungen

werden immer teurer. Der Begriff der Gentrifizierung

bahnt sich den Weg: Durch Sanierung

entsteht in Wechselwirkung ein immer attraktiveres

Milieu für zahlungskräftigere Menschen. Damit ver-

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