Fine 312 Sonderdruck San Leonardo 2

tretorri

AUSZUG AUS FINE 3|2012

S. Pellegrino und Acqua Panna

Moët & Chandon: Grand Vintage

Château Lynch-Bages

Alois Lageder

Champagne Egly-Ouriet

Stuart Pigott: Riesling, höchst ansteckend!

Markus Schneider

Michel Rolland

Steiermark: Sauvignon Blanc

S A N L E O N A R D O


»Eleganz mit Kraft,

Feinheit mit Struktur

verbinden …«

Zwischen Brenner-Eisenbahn und Brenner-Autobahn

entstehen auf der Tenuta San Leonardo bei Borghetto in

der trientinischen Vallagarina große Weine.

Mit seinem San Leonardo hat Marchese Carlo Guerrieri

Gonzaga einen der grossen Rotweine Italiens geschaffen.

Von Heinz-Joachim Fischer

Fotos Thilo Weimar

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F I N E 3 / 2012 F I N E T r e n t i n o


Zwischen den Bergen im engen Tal des Adige den weiten Horizont bewahren:

Marchese Carlo Guerrieri Gonzaga genießt die Lebendigkeit seines Reblandes

wie die intime Stille im Innenhof seiner Tenuta San Leonardo.

Er müsste das alles nicht tun, der Marchese

Carlo Guerrieri Gonzaga, Herr der Tenuta San

Leonardo, eines Weinguts von, sagen wir es sofort,

Weltrang; in Norditalien, genauer, in der Provinz Trient,

haarscharf an der Grenze zur Region Venetien im Süden

gelegen. Zum Beispiel, um fünf Uhr in der Frühe aufstehen.

Gewiss, der Jahrgang 1938 schläft nicht mehr so

gut; aber es drängt den Markgrafen einfach hinaus, nachzusehen,

was auf seinem Besitz in der Nacht geschehen,

was nun am Tag zu tun ist. Oder, am Vormittag gegen neun

Uhr, den Rasen mähen, als Padrone, vor der vor nehmen

Landvilla – sicher, nicht mehr nach Altväterweise mit

der Sense; die gebe es in einem eigenen Museum hier zu

sehen, in einer »Raccolta«, wie er sagt und herzeigt, einer

Sammlung alter Gerätschaften des Agrarischen in einem

ehemaligen Speicher. Auch das müsste nicht sein. Genau

so wenig wie der große Schmuck- und Nutz garten mit

herrlichen bunten Blumen und frischen Kräutern, mit

Salaten und diversen Gemüsen, weil es doch eigentlich

um die effiziente Produktion eines Topweins geht, wo

alles Überflüssige nur stören könnte.

sich. Die Tenuta umfasst dreihundert Hektar, von denen dreißig

für den Wein anbau genutzt werden. Genug Platz also für Hirsche,

Rehe, Gemsen und anderes Waldgetier, das freilich von den Reben

ferngehalten wird.

Macht der Marchese seinen Roten etwa nur nebenbei? Da

lächelt Luigino Tinelli, Direttore der Tenuta und die rechte

Hand des Marchese seit Jahrzehnten, Chef von (nur) zwanzig

Angestell ten – und unentbehrlich vor allem dann, wenn der

Nobile in Rom im Familien-Palazzo Taverna, nahe der Engelsburg,

residiert. Er lächelt so freundlich, wie er schon als Junge (auf

einem Foto in dem kleinen Museum) Ende der sechziger Jahre

in mitten der Arbeiter auf dem Gehöft geschaut hat. Er ist also

schon immer bei der harten Arbeit auf der Tenuta dabei gewesen.

Er blickt zurückhaltend, mit den verschmitzten Augen des

Trien tiner Tirolers, des Mannes aus den Bergen, des in ganz Italien

gerühmten »Montanaro«, der weiß, dass nur mit zähem, beständigem

Fleiß Erfolg zu erringen ist.

In diese Bergwelt kamen die Guerrieri Gonzaga von Süden her.

Durch Heirat – einem übrigens sehr probaten Mittel der Besitz-

Verschiebung und -Gewinnung. Drei Guerrieri, ursprünglich

aus den mittelitalienischen Marken, dem Grenzland des Römischen

Reiches Deutscher Nation, hatten den Gonzaga aus Mantua

Anfang des 16. Jahrhunderts gute Dienste geleistet und durften

deshalb ihrem kriegerischen Namen den der Gonzaga und den

Adels titel eines Marchese hinzufügen. Fast vier Jahr hunderte später,

1894, ehelichte Carlos Groß vater Tullo die Marchesa Gemma

de Gresti, zu deren Mitgift aus dem Adelsbesitz seit fast zwei

Jahrhunderten die Trientiner Tenuta gehörte. Freilich nur mit

mäßigem Wein; immerhin werden Riesling und Ruländer in der

Chronik erwähnt.

Man darf diese Familiengeschichte nicht zu verklärt sehen.

Denn politisch war es im Königreich Italien Ende des 19. Jahrhunderts

mit dem Besitz im Norden, direkt an der Grenze, doch

innerhalb des Habsburger Imperiums, ziemlich delikat. Ganz in

der Nähe hatte schon Goethe bei seiner Italienischen Reise ein

Jahrhundert zuvor (1786) in Malcesine am nahen Garda see die

Feindseligkeit zwischen dem österreichischen Welschtirol und

der italienischen Republik Venedig erfahren und war als Spion

verdächtigt worden. Italien hatte zwar 1882 – wegen seiner gegen

Frankreich gerichteten Kolonial politik in Afrika – einen Dreibund

mit Österreich- Ungarn und dem Deutschen Reich geschlossen,

fand dann jedoch immer mehr Gefallen an der Irredenta-Politik,

der »Erlösung« von Fremdherrschaft jener Gebiete im Norden der

Apennin-Halbinsel mit Italienern, eben auch des Trentino. So verlief,

weil Italien 1915 gegen Wien (und Berlin) in den Ersten Weltkrieg

eingetreten war, genau hier eine ziemlich blutige Grenze zwischen

dem kaiser lichen Österreich-Ungarn und dem königlichen

Italien, mit italienischen Soldaten auf beiden Seiten.

Damit ergab sich in Borghetto eine paradoxe Situation: Großvater

Tullo hatte noch als Arzt in der Königlichen Marine Italiens

gedient, war jedoch schon in jungen Jahren gestorben; Groß mutter

Gemma kümmerte sich im Krieg verdienstvoll um jene lokalen

italienischen »Untertanen«, die in österreichischer Uniform im

fernen Russland gefangen genommen worden waren. Für Vater

Anselmo, Freiwilliger unter italienischer Fahne, stellte sich die

Aufgabe, die Tenuta San Leonardo nach 1918 zu »erlösen«; doppelt,

politisch und wirtschaftlich. Zuviel Geschichte? Aber als italienischer

Weinpatriot finde ich, dass der zeitliche Vorsprung der

großen französischen Rotweine mit ihren, pardon, etwas hochstaplerischen

Chateaus und berühmten Lagen durch die reichere

Aber da sind wir mit der Tür wohl zu schnell in die Tenuta

ge fallen, in das aufgeräumte Gehöft, den eng bestellten

Garten, die umliegenden Weinfelder, Wiesen und Wälder – und

immer über uns die Berge! –, haben uns sogleich der bewährten

Höflichkeit, dem Charme, dem selbstbewussten Stolz des Hausherrn

ausgesetzt: Ein eleganter Nobile von gut bestandenen einundachtzig

Jahren, mit gewinnendem Lächeln und freundlichen

Augen. Gemach, gemach! Den Steckbrief seines Rotweins, des

»San Leonardo«, die wohl klingenden Lobpreisungen kannten

wir: Einer der besten Rossi Italiens, ja der Welt, der den (beabsichtigten)

Vergleich mit den großen Bordeaux-Weinen aus halten

könne, doch, was den Preis angehe »eher ein Schnäppchen« sei,

wie im Internet ver breitet wird, kurz, »ein wirklich gewaltiges

Spitzengewächs«.

Umso kritischer waren wir vor dem Ortstermin und gern

bereit, Makeln in diesen Hymnen nachzuspüren. Zudem irritierte

uns die geographische Lage des Weinguts: im Tal der Etsch an der

Brenner- Magistrale auf ungefähr einhundert fünfzig Metern Höhe,

in der Vallagarina, dem Teil des Adige-Tals zwischen Trient und

der Grenze zur Provinz Verona bei Borghetto, nahe der Städtchen

Rovereto, Ala und Avio. Das bedeutet, dass die Staatsstraße

zwischen Trient und Verona unmittelbar am Gehöft vorbeiführt.

Weiter drängen sich in dem etwa vier Kilometer breiten Talgrund

die breite Etsch und die Gleise der Brenner-Eisenbahnlinie, die

klotzige Autobahn A22 sowie Provinz straßen; darüber steil aufragend

im Osten die Monti Lessini der Alpen und im Westen das

Monte-Baldo-Massiv mit dem Monte Maggiore. Ziemlich eng also.

Doch im Innern der Tenuta sieht und hört man von all dem wenig.

»Ein einzigartiges Mikroklima«, fasst Marchese Carlo das für

ihn Entscheidende dieser Geographie zusammen. Tal, Fluss, gute

Böden, schützende Berge, die mittlere Höhenlage am Ausgang

(oder Beginn) der Alpen, den damit verbundenen Temperaturwechsel

zwischen Tag und Nacht, die Unterschiede der Jahreszeiten;

alles passt offenbar. Zum Beweis dieses besonderen Habitats

fährt er mit uns los, in einem kleinen Renault Kangoo, hinein in

seine Ländereien, auf und ab, an Wiesen vorbei, durch Mischwald

hindurch, an Kastanien vorüber – »leider etwas krank« –, notiert,

was an diesem Weg ausgebessert werden müsste – »ein mächtiges

Gewitter vor ein paar Tagen, mit viel Regen, zum Glück ohne

Hagel« –, prüft den Wasserstand der Tränke für das Wild, mustert

die Bienenstöcke – »ja, ja, auch Honig« – und freut sich, dass

am Ende der Rebenreihen noch Rosen stöcke blühen. Alles weitet

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F I N E 3 / 2012 F I N E T r e n t i n o


und längere Geschichtskultur oder Kulturgeschichte Italiens etwas

ausgeglichen werden darf.

Kurzum, erst Marchese Carlo nahm die Erlösung richtig in

Angriff. In Rom »unter dem Duce« Mussolini geboren, stand

er vor der Entscheidung: Karriere als Stadt-Nobile oder Land-

Edelmann – und wählte beides. Aus »Liebe zu großen Weinen«,

wie er sagt, speziell – etwas unpatriotisch, aber damals unvermeidlich

– zu den teuren Bordeaux- Weinen, studierte er Önologie

im schweizerischen Lausanne. Er sah wohl auch, dass in

Europa die Zukunft nicht der Milch gehören würde, überhaupt

nicht der herkömmlichen Land wirtschaft. So wollte er nach dem

Tod seines Vaters Anselmo (1974) aus der Tenuta San Leonardo

»etwas machen«. Aber was? Dies hier ist keine klassische italienische

Weinregion wie Piemont oder Toskana, hier hat man früher

bestenfalls einen Spumante aus dem Trientinischen, den Ferrari,

auch an der Tafel des italienischen Präsidenten für die Staatsgäste,

gelten lassen. Ansonsten rümpfte man die Nase, wie es der

Marchese noch heute beim Gedanken an die hiesigen Weine von

früher tut. Zum Vergessen!

Es traf sich jedoch, dass er jene Männer persönlich kannte, die

in den sechziger und siebziger Jahren die großen Rotweine der

Toskana, die Super-Tuscans, erfanden: die Marchesi Piero Antinori

und Mario (später sein Sohn Nicoló) Incisa della Rocchetta in

Bolgheri am Meer und dazu den Maestro der italienischen Önologen,

Giacomo Tachis. Deren Sassicaia, Tignanello und Solaia

sind legendär geworden, nicht nur weil es große Spitzenweine sind,

sondern weil sie vielen italienischen Wein-Herren, Winzern und

Önologen Mut gemacht haben, selbst neue bedeutende Gewächse

zu entwickeln. Und so auch dem Marchese Carlo. Mit Hilfe seiner

Freunde, das unterschlägt Carlo Guerrieri Gonzaga nicht, machte

er sich ans Werk.

Inzwischen wissen viele, wie es gemacht wird, zumindest theoretisch,

welche unzähligen Faktoren zu berücksichtigen sind –

oder einem in den Schoß fallen. Wenn uns heute – in der Zeit des

gesicherten Erfolgs – Guerrieri Gonzaga von jenen Monaten und

Jahren des Neubeginns auf der Tenuta erzählt, einer »Revolution,

jawohl, das war es«, mit dem Ausreißen der für nutzlos erachteten

Reben und dem Einpflanzen neuer, vom risiko reichen Experimentieren

mit unbekannten, kaum gesicherten Methoden, dem Ausbau

Zwischen der wechselvollen Geschichte der Adelsfamilie

und der Liebe zu agrarischer Tradition

den eigenen Standpunkt behaupten: Marchesa

und Marchese Guerrieri Gonzaga entspannen im

Salon ihres noblen Landhauses und beim Sammeln

historischer bäuerlicher Gerätschaften.

alter Keller, dem Erproben von Zement-Tanks und Eichenfässern,

vom Wagnis teurer Investitionen und vom Warten im langsamen

Gang des natürlichen Wachsens, von Frühling, Sommer, Herbst

und Winter, von einem Jahrgang auf den anderen – wenn er das

alles noch einmal, auch in der Raccolta, heraufbeschwört, bekommen

wir eine lehrreiche Vorstellung davon, dass große Weine eben

doch nicht in einem klinisch sauberen Laboratorium entstehen,

sondern dank menschlicher Hingabe, Passion und Professionalität.

Jedes Detail muss geprüft und verbessert, am besten neu erfunden

werden, »con estrema atten zione«, so Guerrieri Gonzaga, mit

äußerster Aufmerksamkeit.

Vielleicht irre ich mich. Aber mir scheint, dass der Marchese

der Carménère- Traube eine Schlüsselrolle bei der Geburt seines

»San Leonardo« zuschrieb. Oder doch zumindest eine gewisse

Bedeutung. Jener Traube, die nach der Reblauskatastrophe Mitte

des 19. Jahrhunderts im Bordelais etwas in Vergessen heit geraten

ist, oder wenigstens weit zurückgetreten hinter Sorten wie Cabernet

Sauvignon, Cabernet Franc, Merlot und andere. Man weiß ja,

dass diese Carménère-Weinstöcke in schwierigen Jahrgängen sehr

geringe Erträge liefern – was auch bedeutet, dass die ganze Rezeptur,

das Cuvée- Geheimnis, durcheinander gerät – und deshalb bei

vielen Winzern nicht so beliebt sind. Aber darauf ist Guerrieri

Gonzaga sogar stolz, dass er auf einige Jahrgänge, sieben wohl insgesamt

seit 1982, eben verzichtet hat und die Jahres produktion

auf siebzig- bis achtzigtausend Flaschen begrenzt. Nicht als Teil

einer raffinierten Marketing-Strategie, sondern weil ihm die unbestreitbare

Qualität wichtiger ist. Die Carménère-Traube lässt den

Wein erst nach vielen, etwa zehn Jahren ganz zur Reife kommen.

So lange muss man warten können.

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F I N E 3 / 2012 F I N E T r e n t i n o


1982 beginnt die Geschichte des »San Leonardo«. Der erste

ernstzu nehmende Jahrgang aus Borghetto kommt 1987 auf die

Bühne und gewinnt bald internationale Anerkennung unter Kennern,

weil, so der Marchese, dieser neue Rosso aus dem Trentino

»Eleganz mit Kraft, Feinheit mit Struktur verbindet«. Seitdem

gehört der »San Leonardo« zu den besten Rotweinen Italiens.

Kenner und Liebhaber sind sich darin einig, dass es ein sehr stimmiger

Wein ist, in seinen Geschmacks entfaltungen, wie subjektiv

diese immer wahrgenommen sein mögen, harmonisch in den

Tönen, aus gewogen in schein baren Gegensätzen – etwa weich

und kraftvoll zugleich –, bis hin zu dem maßvollen Alkohol gehalt

von 13 Prozent.

Unsere Geschichte mit dem »San Leonardo« fängt mit einem

1999er an, am Familientisch in der Villa beim Mittagessen

mit der Marchesa und den zwei Töchtern. Der Sohn Anselmo

lasse sich entschuldigen, er sei gerade in China; es gelte, die Interessen

des Unternehmens in mehr als vierzig Ländern zu vertreten,

was offenbar für ein relativ kleines Weingut ganz gut gelingt.

Wir sind in nicht geringer Verlegen heit, erst recht, als danach

Zwischen dem Anspruch an die eigene Leistung und der

Demut vor dem Wirken der Natur den Erfolg finden:

Marchese Guerrieri Gonzaga, anfangs von seinen Freunden,

den Marchesi Antinori und Incisa della Rocchetta, zum

Weinmachen ermutigt, hat mit seinem San Leonardo zu

deren Solaia und Sassicaia aufgeschlossen.

ein 2001er kredenzt wird. Wir hatten uns schließlich vorbereitet,

gelesen, dass eine Vielzahl von Aromen in dem 1999er schlummerten,

Anflüge von Pflaumen, Amarenakirschen und Johannisbeeren,

aber auch von Veilchen, Tabak, Lakritze, Vanille, Holzkohle,

Kakao, Eukalyptus, Paprika und Koriander. Und dass im

2001er noch Him beeren, Blaubeeren, Zimt und Eukalyptus hinzukämen.

Doch dann waren wir all der Aromen gar nicht so sicher,

wollten vor allem dem Marchese nicht anmaßend fach männisch

seinen Roten erklären.

Aber der Herr von San Leonardo prüft uns gar nicht, und wir

atmen tief durch, vor einem noch tieferen Schluck des 1999er,

etwa zu zartem feingeschnittenen Rindfleisch von glücklichen

Trentiner Bergkühen, nein, nicht Roastbeaf, nicht Tagliata oder

Carpaccio, sondern genau dazwischen, dazu mehrere Gemüse, al

dente und aus dem Tenuta- Garten, versteht sich. Zum Vergleich

bitten wir um den 2001er und lassen uns die wunder baren Tropfen

einfach schmecken. Bei läufig erwähnt der Gutsherr, dass es unter

dem Wappen der Guerrieri mit dem Löwen und den vier Adlern

noch die Rotweine Carmenère (sortenrein), »Villa Gresti« und

»Terre di San Lorenzo« sowie den Weißwein »Vette« und einen-

Riesling gibt. Dass Guerrieri Gonzaga auch mal bei einem Roten

»Villa Imperiale« geholfen hat, scheint mehr karitativen Motiven

für die Kunden deutscher Discount- Ketten entsprungen zu sein.

Warum nicht! Dass da neben noch eine Grappa destilliert wird,

scheint normal, aber auch noch eine »Grappa stravecchia«, etwas

ganz Besonderes.

Wir nehmen die tiefe Erkenntnis mit, dass vieles beim Marchese

nicht unbedingt sein müsste. Dass man überhaupt aus einem guten

Wein nicht zwingend einen immer noch besseren machen müsste.

Aber, wie wunderbar, dass Carlo Guerrieri Gonzaga genau das

mit seinem »San Leonardo« getan hat. Er hätte nicht müssen. >

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F I N E 3 / 2012


E X K L U S I V F Ü R F I N E L E S E R E X K L U S I V F Ü R F I N E L E S E R

San Leonardo,

Terre di San Leonardo und

Vette di San Leonardo

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DIE WELT VON

SAN LEONARDO

Seit 1724 ist die Familie der Guerrieri Gonzaga in Besitz der Tenuta San Leonardo.

Wie bei manch anderem Winzer Italiens gaben die Begeisterung für die großen

Bordeaux-Weine und die Überzeugung, mit den Bordeaux-Rebsorten auch in Italien

einen ähnlichen Stil erzeugen zu können, den Anstoß, neue Wege zu gehen.

Im Jahr 1978 pflanzte Carlo Guerrieri Gonzaga

die ersten Cabernet Sauvignon Reben, 1982

kam der erste Jahrgang des San Leonardo

auf den Markt. Nebenbei wurden im Weinberg

die Weichen für höhere Qualitäten gestellt,

indem man die regionaltypische Pergola durch

moderne Guyot-Erziehung ergänzte. Ab 1985

stieß der Oenologen und Berater Giacomo

Tachis zum Weingut und gemeinsam entwickelte

man den San Leonardo. Er gilt heute

als der erfolgreichste – und vielleicht sogar als

der beste - Bordeaux-Blend Italiens. Dabei ist

die Cuvée des San Leonardo gar nicht so klassisch

Bordeaux, wie man vermuten möchte.

Denn neben Cabernet Sauvignon und Merlot

ist es eben nicht Cabernet Franc oder Petit Verdot,

der die Assemblage vervollständigt, sondern

Carménère.

Heute leitet Sohn Anselmo das Weingut.

Dem Grundsatz, dass der San Leonardo

nur dann auf den Markt kommt, wenn er den

Ansprüchen der Marchesi genügt, ist aber auch

er treu geblieben. Das tat er beispielsweise nicht

in den Jahren 2002 und 2009. Auf diese Weise

wird der Wein seit Jahren mit höchsten Ehren

ausgezeichnet – und ist dabei trotzdem vergleichsweise

erschwinglich geblieben.

Alle Preise inklusive Mehrwertsteuer und zuzüglich Versand kosten (7,50 € innerhalb Deutschland). Nur solange der Vorrat reicht.

2013 San Leonardo

Das Flaggschiff des Weinguts wird in kleinen

Holzfässern aus französischer Eiche ausgebaut

und fasziniert mit einem vollen und warmen

Charakter. Ein herber Typ, der Duft ganz fein

und ätherisch, mit Aromen von dunkler Frucht,

dazu Würze, Pfeffer und florale Noten. Im Mund

mit betonter Säure, erdig-würzigen Noten, verhalten

auch Fruchtaromen von Schlehe und

Heidelbeere, mit seidiger Struktur. Noch jung,

aber mit reifen Tanninen, im Abgang dezent

Vanille.

Karton à 6 Flaschen € 300,–

2015 Terre di San Leonardo

Auch der kleine Bruder des San Leonardo ist

eine Bordeaux-Cuvée aus Cabernet Sauvignon,

Merlot und Carmenère. Nach 18 Monaten im

Holzfass hat er eine ausgewogene Fülle und

Intensität, die ihn nur in Nuancen vom San

Leonardo unterscheidet. Eine tolle Frucht

von reifen Pflaumen und Beeren, dazu eine

feine Würze und Aromen von Unterholz. Am

Gaumen weich und ausgewogen mit ätherischer

Kühle und Würze. Schmeckt lange nach

und hinterlässt den Geschmack reifer Früchte

und einer animierenden Säure.

Karton à 6 Flaschen € 85,–

2017 Vette di San Leonardo

Nur die reifen und gesunden Sauvignon blanc-

Trauben landen in diesem Wein. Von Hand gelesen,

entrappt und bei kühlen 12 Grad vergoren

entsteht ein frischer und zugleich sehr aromatischer

Wein. Der Duft von weißem Pfirsich und

Stachelbeere und etwas grünem Paprika in der

Nase, am Gaumen mit komplexer Mineralität,

Saftigkeit und einem ganz frischen und animierenden

Finale. Sauvignon blanc at its best.

Karton à 6 Flaschen € 78,–


DAS

GROSSE DUTZEND

SAN LEONARDO

Von KRISTINE BÄDER

Fotos GUIDO BITTNER

Er gilt als der erfolgreichste – und

vielleicht sogar als der beste –

Bordeaux- Blend Italiens. Dabei

ist die Cuvée des San Leonardo gar nicht

so klassisch Bordeaux, wie man vermuten

möchte. Denn neben Cabernet Sauvignon

und Merlot ist es eben nicht Cabernet Franc

oder Petit Verdot, der die Assemblage vervollständigt,

sondern Carménère. Während

sie im Bordelais heute nur noch eine untergeordnete

Rolle spielt, weil man nach der

Reblausplage anderen Rebsorten den Vorzug

gab, ist man auf der Tenuta San Leonardo so

sehr von der Sorte überzeugt, dass man ihr

mit einem reinsortigen Carménère neben

dem Flaggschiff San Leonardo einen eigenen

Auftritt gibt. Dabei verdanken die Marchesi

Guerrieri Gonzaga diese Weine einem Missverständnis.

Denn lange hielt man die Sorte

für Cabernet Franc. Erst ein Gentest brachte

die Wahrheit ans Licht. Da waren die Markgrafen

allerdings schon so von ihr überzeugt,

dass sie bis heute keinen Anlass sahen, an

der Bepflanzung ihrer Weinberge etwas zu

ändern.

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F I N E 3 / 2012 F I N E D A S R O S S E D T E N D


DAS

GROSSE DUTZEND

Seit 1724 ist die Familie der Guerrieri

Gonzaga im Besitz der Tenuta San

Leonardo. Wie bei manch anderem

italienischen Winzer gaben die Begeisterung

für die großen Bordeaux-Weine und

die Überzeugung, mit deren Rebsorten

auch in Italien einen ähnlichen Stil erzeugen

zu können, den Anstoß, neue Wege zu

gehen. Carlo Guerrieri Gonzaga war der

erste studierte Önologe der Familie. Mit seinen

neuen kellerwirtschaftlichen Kenntnissen

konnte er zuhause aber zunächst nichts

anfangen, denn sein Vater setzte auf einen

anderen Weinmacher. So sammelte Carlo

zunächst einige Erfahrungen als Winzer

und kehrte erst nach dem Tod des Vaters

in den heimischen Betrieb zurück.

Seine Veränderungen waren überschaubar.

Im Jahr 1978 pflanzte er die ersten

Cabernet-Sauvignon-Reben, 1982 kam

der erste Jahrgang des San Leonardo auf

den Markt. Nebenbei wurde die regionaltypische

Pergola durch moderne Guyot-

Erziehung ergänzt. Doch ganz abgerückt

ist man – zumindest bei Carménère und

Merlot – davon bis heute nicht. »Die Trauben

werden im Sommer gut beschattet und

sind im Winter vor Frost geschützt«, erklärt

Anselmo Guerrieri Gonzaga die Vorteile.

Er ist überzeugt, dass die Weine durch die

Pergola ihre besondere Frische erhalten.

Sein Vater Carlo arbeitete ab 1985 mit dem

legendären Önologen und Berater Giacomo

Tachis zusammen; gemeinsam entwickelten

sie den San Leonardo, den man in Anlehnung

an die Pendants aus der Toskana als

Super-Trentiner bezeichnen könnte. Auch

wenn heute Anselmo das Weingut leitet, gilt

weiter der Grundsatz, dass der San Leonardo

nur dann auf den Markt kommt, wenn

er den Ansprüchen der Marchesi genügt.

Das tat er beispielsweise nicht in den Jahren

2002 und 2009. Auf diese Weise wird

der Wein seit Jahren mit höchsten Ehren

bedacht – und ist dennoch vergleichsweise

erschwinglich geblieben.

Die Verkostung von zwölf Jahrgängen

zeigt den eindeutigen Charakter der Weine,

die weniger von Frucht und Fülle als von

zeitloser Eleganz und geradliniger Struktur

geprägt sind.

2001 San Leonardo

Füllige, etwas fruchtigere Nase mit Aromen von Schlehe und Heidelbeere,

dazu auch etwas Schokolade. Am Gaumen saftig und

kräuterwürzig. Spürbarer Holzeinsatz, auch sehr präsente Säure,

dunkle, fast süßliche Aromen von Ramazotti, Teer und Süßholz.

Geradlinig bis zum Abgang.

1995 San Leonardo

Zurückhaltend im Duft mit Röstaromen und feiner Holznote. Die

weiche Textur im Mund wird aufgebrochen durch eine auffallend

jugendliche Säurestruktur, geprägt von einer Salznote und angenehmer

Reife. Im Abgang ein eleganter Bitterton.

Kristine Bäder verkostet zwölf Jahrgänge San Leonardo von 2013 bis 1988

1999 San Leonardo

Nach knapp zwanzig Jahren immer noch grünliche Nase. Duftet

würzig nach Johannisbeerblättern, Bergamotte und hellem Tabak.

Auch am Gaumen immer noch auffallend jung und von Gegensätzen

geprägt: mit weicher Textur und frischer Säure, rauchig und

kühl, jugendlich und zugleich angenehm gereift.

1994 San Leonardo

Den Duft prägen vor allem röstige Aromen, Kaffee und Mokka,

dazu etwas grünliche Noten, Tabak und verhalten rote Sauerkirschfrucht.

Im Mund mit angenehmer Säure, guter Struktur und

Rückgrat. Kühler Holzeinfluss und eleganter Abgang.

2013 San Leonardo

Herber Typ, der Duft ganz fein und ätherisch, wenig Frucht, dafür

Würze, Pfeffer und florale Noten. Im Mund mit betonter Säure,

erdig-würzigen Noten, verhalten auch Fruchtaromen von Schlehe

und Heidelbeere, seidiger Struktur. Noch sehr jung, aber mit reifen

Tanninen, im Abgang dezent Vanille.

2006 San Leonardo

Ganz feine Nase: rauchig, ätherisch, duftet nach Graphit und Feuerstein.

Im Mund mild mit weicher Textur, toller Säure und Pfefferwürze,

dazu Röstaromen, Kaffee und dunkle Schokolade. Intensiv,

kompakt und fest in der Struktur mit geradlinigen Tanninen.

1997 San Leonardo

Grünliche Noten in der Nase und ätherischer Eukalyptusduft, elegant,

auch rauchig. Am Gaumen ebenfalls grünlich und rauchig,

ergänzt durch eine deutliche Säure und Aromen von grüner Paprika,

im Abgang frisch und kühl.

1990 San Leonardo

Fast dreißig Jahre und kein bisschen müde. Sehr klare Nase, geprägt

von roter Kirschfrucht und einer Graphitnote. Rauchig und ätherisch.

Würzig auch am Gaumen, sehr reduziert, fast karg und

zugleich konzentriert. Mit mürber Frucht und feiner Eleganz.

2011 San Leonardo

In der Nase verhaltene rote Frucht, dazu erdige Töne, ätherische

Noten von Lorbeer und Schwarztee, heller Tabak und deutlich

Pfeffer. Im Mund überraschend mild, mit geradezu öliger Textur.

Die Säure prägnant und von einem leichten, aber erfrischenden

Bitterton untermalt, im Abgang rauchig.

2004 San Leonardo

Duftige Nase mit Aromen von Eukalyptus und Thymian, würzig

und auch etwas floral. Schmeckt zunächst noch etwas grünlich,

zeigt dann aber samtige Fülle, Eleganz mit dunkler Beerennote,

Schokolade und Nuss-Nougat, von feinem Holzeinsatz getragen

und mit säurebetontem Abgang.

1996 San Leonardo

Eigenwilliger Duft nach Tabak, Eukalyptus, Paprikapulver und

Chicorée. Im Mund saftig mit weicher Textur, fleischig, mild, mit

deutlich salzig-jodigen Aromen. Wirkt jung und frisch und entwickelt

im Lauf der Zeit eine rauchige Note.

1988 San Leonardo

Der erste große Wein von Carlo Guerrieri Gonzaga. Die Trauben

aus Pergola-Erziehung konnten durch solche aus Guyot-Bewirtschaftung

ergänzt und ein Wein mit Fülle und Körper erzeugt

werden. Duftet nach Maggikraut, Graphit und gerösteten Pinienkernen,

würzig und sehr zurückhaltend, dazu noch erstaunlich

frisch.

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F I N E 3 / 2012 F I N E D A S R O S S E D T E N D


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