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architekturonline.com

Architektur Fachmagazin - Heft 2 / 2019 - Februar März 2019 - Bauwirtschaft - Planer - Ingenieure - Architekten - Wissen - Bildung - Baukultur

architektur FACHMAGAZIN

02 2019

FACHMAGAZIN

WISSEN, BILDUNG, INFORMATION FÜR DIE BAUWIRTSCHAFT

Erscheinungsort Perchtoldsdorf, Verlagspostamt 2380 Perchtoldsdorf. P.b.b. 02Z033056; ISSN: 1606-4550

02

www.architektur-online.com

März/Apr. 2019

Technik &

Fassade

Technik & Fassade


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Technik & Fassade

3

Editorial

Diese Begriffe sind in der modernen Architektur kaum mehr voneinander zu trennen.

Zu sehr drängen sich die Bilder mit technisch komplizierten, aufgerüsteten

Fassaden in den Vordergrund, im Dekonstruktivismus, aber auch in der parametrischen

Architektur. Natürlich kann die Fassade eines Baus auch ein Wesentliches

zu seiner Performance (im Hinblick auf Effizienz) beitragen, aber manchmal ist sie

auch nur ein Image und verwischt damit den ursprünglichen Sinn einer Architektur

als schutzgebende Behausung.

Die Projekte in dieser Ausgabe des Fachmagazins

architektur befassen sich alle mit

speziellen Aspekten der Gebäudehülle.

Eine Arbeit der John Wardle architects

aus Australien zeigt eine gelungene Verbindung

eines historischen Komplexes mit

einem modernen Glaspalast mittels einer

sehr sensiblen Materialwahl bei der Fassadengestaltung.

Die äußere Hülle von Calgary´s Central Library,

entworfen von Snøhetta und DIALOG

stellt ein verbindendes Element im städtebaulichen

Dialog zweier getrennter Bezirke

dar. Das CT², entworfen von sop architekten,

zeigt die Reduktion einer Architektur

auf eine Minimalform bei gleichzeitiger

Transparenz und Signalwirkung.

Im Nová Ruda Kindergarten in der Tschechischen

Republik von Petr Stolín Architekt

s.r.o. wird das ganze Dilemma moderner

Materialen sichtbar: licht und hell, aber

doch Plastik.

The Towers of Bolueta der VArquitectos

im spanischen Bilbao sind mit ihren 28 Geschossen

das höchste, im Passivhaus-Standard

errichtete Wohngebäude der Welt und

das von Constantin Brodzki in den 70er

Jahren erbaute Bürogebäude – in Boitsfort

bei Brüssel gelegen – wurde durch eine Renovierung

zu einem attraktiven Büro mit

Coworking Spaces auf höchstem Niveau.

Aus Kanada kommt mit dem Beispiel des

Parq Vancouver von ACDF + Architecture49

und der IBI Group der Versuch, mit

einer gepixelten Metalloberfläche die Umgebung

widerzuspiegeln.

Im Magazin finden Sie jede Menge internationaler

Projekte, bei denen Farbe, Material,

Technik, aber auch Illusion und Abbild in der

Fassadengestaltung aufgenommen und in

unterschiedlichsten Weisen abgearbeitet

werden. Interessant ist auch ein Artikel über

Emotionales in der Architektur und deren

Wirkung oder der Nutzen der sozialen Netzwerke

auf die Zunft der Architekten.

Produkt News und die üblichen Kolumnen

ergänzen dieses Heft und ich wünsche Ihnen

viel Vergnügen und eine spannende Lektüre.

Peter Reischer

untermStrich® X2 – fitter. schicker. flexibler.

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architektur FACHMAGAZIN

Editorial 03

Start 06

Transformer-Architektur

Magazin 10

Internationale Konzepte

und Projekte

Bau & Recht 42

Architekturszene 44

Revival of the Betonmonster 48

Coworking Spaces / Brüssel /

Constantin Brodzki

Lernen und Forschen 54

im Kubus

CT² Center for Teaching and

Training / Aachen / sop

Kinder hinter Plastik 60

Nová Ruda Kindergarten /

Vratislavice nad Nisou /

Petr Stolín Architekt s.r.o.

Geknickt und durchdrungen 64

900 Ann St / Brisbane / John

Wardle Architects

Ein neuer Rekord 70

The Towers of Bolueta / Bilbao /

VArquitectos

Es lebe das Buch! 74

Calgary‘s Central Library / Calgary /

Snøhetta und DIALOG

Kupferzeit im hohen Norden 82

Parq Vancouver / ACDF +

Architecture49 und IBI Group

RETAIL architektur 88

Licht 100

Produkt News 102

edv 126

Büro-Software: Mieten oder kaufen?

48 60

64

70

82

74

MEDIENINHABER UND HERAUSGEBER Laser Verlag GmbH; Hochstraße 103, A-2380 Perchtoldsdorf, Österreich

CHEFREDAKTION Ing. Walter Laser (walter.laser@laserverlag.at) n REDAKTIONSLEITUNG mag. arch. Peter Reischer (rp)

MITARBEITER Mag. Heidrun Schwinger, DI Marian Behaneck, Dolores Stuttner, DI (FH) Aylin Derinsu (ad), Mag. Elisabeth Klokar

GESCHÄFTSLEITUNG Silvia Laser (silvia.laser@laserverlag.at) n LTG. PRODUKTREDAKTION Nicolas Paga (nicolas.paga@laserverlag.at) Tel.: +43-1-869 5829-14

MEDIASERVICE RETAILARCHITEKTUR Marion Allinger (marion.allinger@laserverlag.at)

GRAFISCHE GESTALTUNG Andreas Laser n WEB Michaela Strutzenberger n LEKTORAT Helena Prinz n DRUCK Bauer Medien & Handels GmbH

ABONNEMENTS Abonnement (jeweils 8 Ausgaben/Jahr): € 86,- / Ausland: € 106,-, bei Vorauszahlung direkt ab Verlag n Studentenabonnement (geg. Vorlage einer gültigen Inskriptionsbestätigung):

€ 56,- / Ausland: € 83,- (Das Abonnement verlängert sich automatisch, sofern nicht mind. 6 Wochen vor Erscheinen der letzten Ausgabe eine schriftliche Kündigung bei uns einlangt.)

EINZELHEFTPREIS € 12,- / Ausland € 13,50

BANKVERBINDUNG BAWAG Mödling, Konto Nr. 22610710917, BLZ 14000, IBAN AT 87 1400022610710917, BIC BAWAATWW n Bank Austria, Konto Nr. 51524477801, BLZ 12000

IBAN AT 231200051524477801, BIC BKAUTWW; UID-Nr. ATU52668304; DVR 0947 270; FN 199813 v; n ISSN: 1606-4550

Mit ++ gekennzeichnete Beiträge und Fotos sind entgeltliche Einschaltungen. Die Redaktion haftet nicht für unaufgefordert eingesandte Manuskripte und Fotos. Berichte, die nicht von einem Mitglied der

Redaktion gekennzeichnet sind, geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion wieder. Das Magazin und alle in ihm enthaltenen Beiträge sind urheberrechtlich geschützt.

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6

Start

(UMSA) in La Paz, und studierte anschließend

Bauingenieurswesen an der Universidad

Boliviana de Informática (UBI) in La Paz.

El Alto, auf einer baumlosen Hochebene (Altiplano)

in einer Höhe von 4000 m gelegen,

wird städtebaulich dominiert durch einfache

Backsteinbauten in rot, Asphaltbänder

in grau und unbefestigte Nebenstraßen in

braun. Unter der inzwischen mehr als zehn-

Transformer-

Architektur

Neben der Hauptstadt Boliviens La Paz ist El Alto eine der jüngsten Städte des

Landes, aber bevölkerungsmäßig bereits die zweitgrößte. Sie liegt in 4.000

Metern Höhe und die Mehrheit ihrer Bewohner stammt aus ländlichen Gebieten.

75% davon bezeichnen sich als Aymara, ein indigenes Volk, welches seine Tradition

von der andinen Hochkultur Tiwanaku (1580 v. Chr. bis 1172 n. Chr.) ableitet.

Text: Peter Reischer Fotos: Tatewaki Nio, Mattia Polisena

In der kleinen Aymara-Bergarbeitersiedlung

Catavi wurde 1971 Freddy Mamani Silvestre

geboren und und ist heute als einer der

auffallendsten Architekten in Südamerika

tätig. Mit 14 Jahren nahm er eine Tätigkeit

als Hilfsmaurer auf, begann dann im

darauffolgenden Jahr eine Ausbildung an

der technologischen Fakultät für Zivilbauten

der Universidad Mayor de San Andrés

jährigen Präsidentschaft von Evo Morales

haben die indigenen Bevölkerungsgruppen

des Landes ein neues Selbstbewusstsein

entwickelt, und Mamanis Architektur

drückt dieses erstarkte Selbstbewusstsein

in seiner Architektur und Fassadengestaltung

sichtbar aus.


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Start

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8

Start

Freddy Mamani ist als autodidaktischer

Architekt und durch seine auffälligen

Bauwerke „neoandiner Architektur“ (nueva

arquitectura andina) – auch genannt

–Transformer-Architektur (arquitectura

transformer) – bekannt geworden. Mittlerweile

gibt es in der bolivianischen Großstadt

El Alto mehr als siebzig seiner Projekte und

weitere 100 in ganz Bolivien verstreut. Er ist

also ein recht umtriebiger Bauschaffender.

Zu sehen war ein Teil seiner Arbeiten bis

Ende Februar 2019 in der Fondation Cartier

pour l’art contemporain in Paris.

In den tristen Straßen der Stadt wirken die

bunten Architekturen wie Landmarks, wie

Markierungen für eine zukünftige Stadtplanung.

Für die Häuser gibt es keine Pläne

aus Papier, Mamani skizziert auf einer Wand

oder gibt Anweisungen mündlich an seine

Mitarbeiter weiter. Computer kennt er nicht.

Im Durchschnitt kostet ein Haus 250.000

Dollar. Ohne Material. Marmor und Keramik

sind wesentliche Bestandteile. Er baut Häuser

für die Neureichen von El Alto und die

begreifen sie auch als ihre Statussymbole,

aber auch als identitätsstiftend.

In Bolivien wird dieser Typ des Hauses

„Cholet“ genannt, eine Mischung aus „Chalet“

und „Cholo“, einer geringschätzigen,

rassistischen Bezeichnung für die indigene

Bevölkerung. In der Bevölkerung jedoch

wird diese Bauweise sehr angenommen, und

die aufsteigende Bürgerschicht der Aymara

benutzen den Stil bereits, um sich mit ihrer

eigenen Kultur und Tradition zu identifizieren.

Die Cholets haben eine ganz bestimmte

Struktur: Auf der Erdgeschossebene findet

die kommerzielle Tätigkeit statt, Fleischer,

Wäschereien, Nahrungsmittelverkauf. Der

erste Stock beherbergt einen Ballsaal oder

Partyraum für gesellschaftliche und familiäre

Zusammenkünfte, während im zweiten

Stock Wohnungen vermietet werden und

der Besitzer im obersten Geschoss wohnt.

Diese Architekturen in El Alto sind ein Symbol

des geschäftlichen Erfolges und werden

dort auch in derselben Weise wie in rein

kapitalistischen Gesellschaften verstanden.

Seine Architekturen zeichnen sich durch

fantasievolle Lebendigkeit und Individualität

aus, mit deutlichen Anspielungen auf

die Traditionen der Aymara, der größten

Volksgruppe Boliviens. Die Farben ähneln

denen auf Ponchos und anderen Trachten

aus dem Altiplano, die Formen erinnern oft

an Schmetterlinge, Schlangen oder Kondore,

die in der Mythologie der Aymara eine

zentrale Rolle spielen. Die Ausstellung in

Paris beginnt auch mit einem spektakulären

Ballraum, voller glitzernder Luster und

mit in oft schreienden Farben dekorierten

Säulen, Verkleidungen und Paneelen.

Die Fassaden erzählen Jahrhunderte alte

Traditionen und entwickeln sich aus dem

formalen Vokabular der präkolumbianischen

und indigenen Kunst, die Farbigkeit bezieht

sich auf die Kleider und zeremoniellen Kostüme

der Aymara. Mamani versucht mit seiner

Architektur etwas Farbe in das Grau der

Stadt zu bringen, ähnlich dem Kampf Hundertwassers

gegen die Diktatur des rechten

Winkels und seinem Eintreten für eine

„menschengerechte“ Architektur. Und ein

bisschen erinnert diese Art der Architektur

auch an die Revolution und den Gleichberechtigungskampf

überall auf der Welt. Die

Aymara sind stolz auf „ihre“ Häuser.


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10

Magazin

Für Frieden

und Ökologie

Die ÁGORA-BOGOTÁ wurde im Jänner 2018 eröffnet. Sie soll, nach der Beendigung

des Bürgerkrieges mit der FARC (die größte und aktivste Guerillaorganisation

Lateinamerikas) ein Zeichen eines „neuen, friedlichen Kolumbiens“ sein. Entworfen

wurde das Zentrum von den Architekten des EstudioHerreros als ein Treffpunkt für

Tausende von Menschen.

Fotos: Enrique Guzmán, Javier Callejas

Das herausragendste Kennzeichen dieser Architektur

ist jedoch ihr Beitrag zum Kampf gegen den Klimawandel,

indem sie ausschließlich auf natürliche

Kühlung setzt und komplett auf Klimaanlagen verzichtet.

So werden die Energiekosten drastisch reduziert

und das ganze Gebäude wird in ein „belebtes

Gerät“ verwandelt, welches sich mit den klimatischen

Bedingungen arrangiert und ganz im Geiste und der

Philosophie der Architekten arbeitet.

Das Bauwerk besitzt 12.000 m 2 öffentliche Flächen

mit sozialen Funktionen und Eigenschaften. Seine

zehn Räume können in 18 umgewandelt werden,

dank mobiler Trennwandsysteme.

Es gibt noch drei weitere Gedanken, welche dieses Projekt

für die Zukunft wichtig machen:

• Sein Atrium wird als ein offener Innenbereich für

den öffentlichen Raum verstanden.

• Geneigte Auditorien sind durch ebene, mehrfach nutzbare

Räume ersetzt, hier können Messen, Kongresse,

Ausstellungen, Sportveranstaltungen, Feiern und Konzerte

stattfinden.

• Die vertikale Konfiguration der Programme ermöglichte

es den Architekten, eine ordentliche Menge

des öffentlichen Raumes an die Bürger zurück zu

geben. Eine radikale Alternative zu der üblichen Rolle

solcher Bauten als Landverschwender. Das entspricht

auch ganz der Haltung von estudioHerreros,

eine neue Ökologie zu pflegen, die nicht länger Natur

konsumiert und Grünflächen sterilisiert.


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11

Magazin

Limits?

Gibt es nicht.

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12

Magazin

Solargekühltes

Gebäude

An der Frankfurter Eschersheimer Landstraße steht das in Sachen Nachhaltigkeit

und Energieeffizienz eindrucksvoll konzipierte Turmcenter Frankfurt. Für das

seit 2005 lange leer stehende, entkernte Hochhaus von 1970 entwickelte Drees &

Sommer im Rahmen der TGA-Generalfachplanung ein nachhaltiges Energiekonzept,

das den Gebäudewert steigerte, indem es die Effizienz und Attraktivität der

Räume deutlich erhöht hat. Ziel des neuen Energiedesigns ist, ganzjährig vorhandene

Energiepotenziale und erneuerbare Energien bestmöglich zu verwenden.

Als erstes Bürogebäude in Deutschland nutzt es die komplette Glasfassade als

ganzjährigen „Energiesammler“.

Fotos: Benson Elliot

So greift das Turmcenter Frankfurt im Winter

und in der Übergangszeit auf das gebäudeinterne

Energieverschiebungs- und

-speichersystem zurück. Die Wärme der

Sonneneinstrahlung an der sonnenzugewandten

Seite wird dabei auf die sonnenabgewandte

Seite transportiert, wodurch

die Räume natürlich beheizt werden können.

Zusätzlich wird Abwärme aus IT- und

Besprechungsräumen im Süden in nördlich

ausgerichtete Flächen verschoben. Zusammen

mit Solarthermie, einer Wärmepumpe

und dem Wärmerecycling aus Sonne und

Abwärme erfolgt die Wärmeerzeugung zu

90 Prozent regenerativ. Man setzt auf weniger,

aber dafür innovative Technik und

steigert die Effizienz erheblich.

Mit der Kühlung des Gebäudes, die zu 65

Prozent durch Solarenergie erfolgt, nimmt

das Haus eine Vorreiterrolle in Europa ein.

Auch im Sommer wird die Sonnenstrahlung

über eine Solarthermie-Anlage auf dem

Dach upgecycelt und regenerativ Kälte

erzeugt. Das geschieht über das Verfahren

der adiabaten Kühlung mit einer sogenannten

DEC-Anlage, die Trocknungs- und

Verdunstungsprozesse beinhaltet. Auch

die bei der Kühldeckenkälte-Erzeugung

entstehende Abwärme wird zur Kälteerzeugung

für die Lüftungsanlage eingesetzt. Die

Architektur nutzt damit ganzjährig die sich

ihm bietenden Abwärme- und Energiepotenziale

und führt sie dem Gebäude selbst

im Rahmen von Energierecycling oder -upcycling

wieder zu. Die eingesetzte Technik

senkt die Energiekosten pro Quadratmeter

pro Monat auf deutlich unter einen Euro.

Zur Aufenthaltsqualität tragen zudem durch

den Verzicht auf eine durchgehende Abhangdecke

höhere lichte Räume und bodentiefe

Fenster anstelle einer Lochfassade bei.

Anstelle der Heiz- und Kühlfunktion über

ein umluftgesteuertes Ventilationssystem

sind Strahlungsdecken im Einsatz, die eine

hohe thermische Behaglichkeit ohne Überhitzung

und ohne Zugerscheinungen sicherstellen.

Hinzu kommen Befeuchtung im

Winter und Entfeuchtung im Sommer sowie

eine optimale Tageslichtnutzung. Ein Großteil

der Dachfläche war in der ursprünglichen

Planung mit Sprinkler- und Kältetechnik

belegt. Mit dem neuen Konzept wurde

Fläche für Technik auf dem Dach und in der

obersten Etage des Hochhauses eingespart,

die als zusätzliche Mietfläche zu einem Büropenthouse

mit vier Metern lichter Höhe

umgenutzt werden konnte. Möglich wurde

dies unter anderem auch durch den Entfall

konventioneller Sprinklertechnik und den

Einsatz einer Niederdrucknebellöschanlage

als stationäres System.


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13

Magazin

Gravity Project Columbus, USA | Architectural Alliance Inc. and NBBJ | Selbstportrait des berühmten Straßenkünstlers Eduardo Kobra

öko skin – die Leinwand eines Künstlers

| Fassadenlatten aus Glasfaserbeton

| Langlebiges Material, kein Schleifen und Streichen

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| Lebendiges Farbspiel an der Fassade

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14

Magazin

Wie ein

Kieselstein

In Taipeh, Taiwan, hat das von Aedas entworfene Lè Architecture bei den CTBUH 2019

Annual Awards eine Auszeichnung unter den besten Hochhäusern niedriger als 100

Meter bekommen. Und bei der Tall + Urban Innovation Conference im kommenden

April wird das Projekt ebenfalls teilnehmen.

Fotos: Aedas

Im Nangang-Distrikt von Taipeh definiert die Architektur

des Hochhauses die Stadtsilhouette neu. Dr.

Andy Wen, Designchef der Firma, ließ sich von den

Flusskieseln des Keelung River inspirieren und entwickelte

ein Konzept zwischen Rundheit und Eleganz,

ebenso wie Eindeutigkeit und Aussage. Seine eiförmige

Hülle evoziert die Assoziation eines Inkubators

für Wissen und intellektuelle Erneuerung – das passt

ganz gut in den lokalen Kontext als ein Meilenstein

der Erneuerung in dem sich rapide entwickelnden

Nangang-Distrikt. Das 60 Meter hohe Bürogebäude

beinhaltet diverse Strategien und Ansätze um

Grün einzubeziehen, vor allem bei der Fassade. Sein

Konzept richtet sich auf die Minimierung des Energieeinsatzes

und -verbrauches, das hat auch zur

LEED-Gold-Zertifizierung beigetragen.


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15

Magazin

Perfektes Raumklima

zu jeder Jahreszeit.

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Betondecke, sorgen für ein ausgewogenes Raumklima.

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Gut, dass man über die Speichermasse von Beton nicht

nur kühlen, sondern auch heizen kann. Das bedeutet eine

konstante Wohlfühlatmosphäre über das ganze Jahr –

vor allem im Winter bei tiefen Temperaturen.

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16

Magazin

Die Closed

Cavity Fassade

Der Ruf nach Nachhaltigkeit ist laut in der Architektur. Es sollen nicht nur die Energieeffizienz,

sondern ebenso die Tageslichtnutzung verbessert, Betriebs- und Wartungskosten

eines Gebäudes gesenkt und der Nutzerkomfort erhöht werden. Die Kriterien der Transparenz

bei Glasfassaden standen dabei in einem gewissen Widerspruch zum Wärmeschutz.

Um niedrige Ucw- und g-Werte zu erzielen, musste die Lichttransmission der Gläser durch

Sonnenschutzbeschichtungen, die zudem Farbwerte verändern, eingeschränkt werden.

Die erwähnten Probleme werden durch die Closed Cavity Fassaden (CCF) – eine Erfindung

von Josef Gartner – gelöst.

Fotos: Karin Gauch und Fabien Schwartz

Die Closed Cavity Façade ist eine Zweite-Haut-Fassade,

bei welcher der Zwischenraum zwischen Innenund

Außenhaut komplett geschlossen ist. Trockene,

saubere Luft wird konstant dem Fassadenzwischenraum

zugeführt, um Kondensat an der Fassade zu

vermeiden. Das Außenklima wird ständig durch die

Steuerelektronik überwacht und die erzeugte Trockenluftmenge

entsprechend angepasst. Dadurch

wird der Energieverbrauch auf ein Minimum redu-

ziert. Im Unterschied zu offenen zweischaligen Fassaden

muss der Zwischenraum auch nicht gereinigt

werden. Reflektive Oberflächen von Sonnenschutzanlagen

sind so dauerhaft wirksam. Außer des sehr

guten sommerlichen und winterlichen Wärmeschutzes

bietet die CCF eine Schalldämmung bis 50 Dezibel.

Da eine CCF im Vergleich zu offenen zweischaligen

Fassaden etwas günstiger ist, werden Green

Buildings zunehmend mit diesem Typ verkleidet.


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17

Magazin

Sowohl die Closed Cavity Façade als

auch die Self Conditioning Façade (SCF)

sind spezielle Varianten der Doppelfassade.

Beide werden dann gewählt, wenn

erhöhte Energieeffizienz und reduzierter

Reinigungsaufwand gefragt sind, und

immer dann, wenn Architekten oder

Bauherren auf der Suche nach etwas

Besonderem sind. Während die CCF von

Josef Gartner zur Marktreife entwickelt

wurde, stammt das autarke Belüftungssystem

der SCF von seele.

Die Zürcher Innenstadt gilt seit Jahrzehnten

als renommierter Geschäftsstandort.

Das Gebäudeensemble an der

Brandschenkestrasse aus den 1960er

und 1980er Jahren wurde nun durch die

AXA Winterthur nach einem Entwurf des

Zürcher Büros Romero & Schaefle Architekten

(heute Romero Schaefle Partner)

umfassend saniert – unter Einhaltung

strenger energetischer Standards wie

dem Schweizer Minergie. Entstanden

sind moderne, maximal flexible Büroflächen

in Neubauqualität. Ein besonderes

Glanzstück und zugleich einen Meilenstein

der Gebäudetechnologieist ein

CCF-Fassadenkonstruktion.

Die Konstruktion der Fassade stellte eine

besondere Herausforderung dar. Es galt,

auf die bestehende Beton-Struktur teilweise

eine doppelschalige Fassade aufzusetzen.

Während die Glasbrüstungen

konventionell hinterlüftet und gedämmt

wurden, sind die Kastenfenster als Closed

Cavity Fassade ausgeführt. Von den

rund 3.500 m 2 Fassadenfläche bestehen

zudem 365 m 2 aus gebogenen Gläsern.

Die energetische Performance des Gebäudes

zu berechnen und zu simulieren,

war daher ebenso aufwendig, wie die

Auswahl der idealen Glaskonstruktion.

Die geschwungenen Formen erforderten

exakt ausgeformte Übergänge von geraden

Schenkeln in eine Biegung und anschließend

wieder in die Gerade. Um die

Anforderungen an den Einbruchschutz

einzuhalten, wurde im Erdgeschoss eine

andere Glaskonstruktion gewählt. Der

ausgezeichnete Gesamtenergiedurchlassgrad

ist dabei für alle Glaseinheiten

der gesamten Fassade identisch.

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18

Magazin

Transluzentes

Experiment

Architekt Steven Holl sucht in seinen Projekten stets nach dem Geist und der

Geschichte eines Ortes. In Smithfield, England ließ er sich von Musik inspirieren.

Vorläufer des uns bekannten Notensystems waren im Mittelalter sogenannte Neumen;

ein Zeichensystem, bei dem Melodien in grafische Auf- und Abbewegungen

übersetzt wurden.

Fotos: Raf Makda


VERARBEITUNGSTEMPERATUR

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19

Magazin

KÜBEL AUF

UND LOS.

Dieses Bild hat Holl auf die Fassade des

Neubaus des dritten Maggie´s Centre in

London übertragen und farbige Felder

auf den horizontalen, transluzenten Glasbändern

rhythmisiert angeordnet – wie

das Auf und Ab einer Melodie. In dieser

Einrichtung (einer Stiftung) erhalten

krebskranke Menschen und ihre Familien

seelische und praktische Unterstützung.

Dass bei Heilungsprozessen auch die

umgebende Architektur eine relevante

Rolle spielt, belegen inzwischen zahlreiche

Studien. Deshalb wurde dem Einsatz

von Material, Farbe und Licht hier intensive

Beachtung geschenkt.

Als Teil des Ensembles grenzt der Neubau

von Steven Holl direkt an ein imposantes

Steingebäude aus dem 17.

Jahrhundert. Die gläserne Hülle mit

eingestreuten, farbigen Elementen entwickelt

mit ihrer sphärischen Anmutung

einen spannungsreichen Dialog zwischen

Alt und Neu. Besonders wirkungsvoll ist

die Ecklösung des Neubaus: Die gebogene

Verglasung hält respektvoll Abstand

und stellt die detaillierte Eckquaderung

des Altbaus wieder frei. Je nach Tageszeit

und je nach Standort des Betrachters

verändert sich die Fassade. Tagsüber wirken

die matten Gläser und die Farbfelder

sehr homogen, fast wie Alabaster, sodass

die Fassade mit den benachbarten Steingebäuden

harmoniert. Abends, wenn das

Kunstlicht eingeschaltet wird, leuchtet

der Baukörper von innen heraus. Das

Neue versucht nicht das Alte zu kopieren

oder zu dominieren, sondern verweist mit

einer eigenen Architektursprache auf die

Materialität und die charakteristischen

Eigenschaften des Umfeldes.

Im Innenraum erinnert die Strahlkraft der

Farbfelder in ihrer Wirkung an die meditative

Ausstrahlung von Kirchenfenstern.

Für diese wechselnde Anmutung nutzte

man spezielle Funktionsgläser. Im Scheibenzwischenraum

integrierte Kapillareinlagen

streuen das Tageslicht tief in den

Innenraum, leuchten ihn gleichmäßig,

weich und atmosphärisch aus und verstärken

darüber hinaus die Intensität der

farbigen Felder. Für das Projekt des Maggie´s

Centre hat man in einem intensiven

Austausch mit Steven Holl Architects

und dem Fassadenbauer gebogene Isoliergläser

mit farbigen Kapillareinlagen

hergestellt. Als besonders anspruchsvoll

in der Produktion erwies sich die Geometrie

der Gläser, bei denen eine gerade

Fläche direkt in eine gebogene übergeht.

Auch die Vielzahl an Sonderformaten war

außergewöhnlich groß.

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20

Magazin

Gekräuselte

Aluminiumfassade

Mitten in der von Lichtern und bunten Werbetafeln schillernden Stadt Hongkong

ist ein neues Highlight aufgetaucht: Das Xiqu Centre vom kanadischen Büro

Revery Architecture Inc. (in Partnerschaft mit Ronald Lu & Partners Ltd.) entworfen.

Im neuen West Kowloon Cultural District (WKCD) gelegen, ist es als eine Art

kulturelles Heiligtum für Kunst, Theater und Xiqu, der traditionelle chinesische

Oper gedacht. Architektonisch verbindet es ein kulturelles Erbe mit moderner,

zeitgemäßer Technologie.

Fotos: Ema Peter


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21

Magazin

Mit seiner brillanten Fassade stellt es eine Neuinterpretation

des üblichen chinesischen Mondtor-Motives

dar und markiert als Landmark den Eingang zum

WKCD. In seinem Inneren befindet sich ein atemberaubendes,

1.000 Sitze fassendes Theater. Es liegt in

der obersten Ebene des Gebäudes und ist von zwei

Dachgärten flankiert. Hier bieten sich imposante

Ausblicke auf den Victoriahafen und die Stadt. Die

Entscheidung, das Theater rund 27 Meter über dem

Erdboden anzusiedeln, stammt aus der Überlegung,

so die Besucher vom Lärm, der Vibration und dem

ganzen Geräuschpegel der Stadt etwas zu entrücken.

Die Anhebung des Theaters schafft ebenso

Raum für das Atrium mit seinen vielen Ebenen und

einen natürlich durchlüfteten Bereich mit zusätzlichen

Proberäumen. Auch ein Teehaus mit 200 Sitzplätzen

für eher privatere Performances und Lehrund

Verwaltungsräume sind so entstanden. Sie alle

überblicken den inneren Hof. Das „Qi“, der Fluss, wird

hier durch die komplexen, gekurvten Formen um das

kreisförmige Atrium ausgedrückt.

Die beeindruckend leuchtende Fassade des Xiqu soll

an Theatervorhänge und die wehenden Kleider der

Schauspieler erinnern. Sie bestehen aus einem modularen

System, mittels CNC gefräster Aluminiumrohre.

In unterschiedlichen Mustern sind sie an der Fassade

angeordnet und diese gekurvten Lamellen, zusammengesetzt

aus den Rohrteilen, erscheinen im Licht

wie ein perlenbestickter Bühnenvorhang. So wie es

vielleicht in der Vergangenheit gewesen sein mag. An

allen vier Ecken sind diese Vorhänge leicht zurückgezogen

und lassen das Licht hinausströmen, gleichzeitig

locken sie Besucher in das Innere des Gebäudes.

Dort, in dem hypnotisierenden, kreisförmigen, natürlich

belüfteten Atrium kann das Publikum Xiqu-Demonstrationen

oder Musik genießen – so wird diese

traditionelle chinesische Kunstform für neue Zielgruppen

und für zukünftige Generationen erlebbar.


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Magazin

Glashaut

mit Innenleben

Mitten im Herzen von Berlin entsteht derzeit der 100 Millionen Euro teure cube

berlin. Das „digitale“ Bürogebäude ist Teil der Europacity und befindet sich auf dem

Washingtonplatz, direkt am Berliner Hauptbahnhof und am Spreebogen, vis-à-vis

dem Regierungsviertel. Realisiert wird die Architektur, deren Entwurf vom Büro 3XN

aus Kopenhagen stammt, von der CA Immo als Bauherr.

Bilder: CA Immo, Reischer

Mit Unterstützung von Drees & Sommer

entwickelte das Unternehmen ein Digitalisierungskonzept

für das Berliner Bürogebäude.

CA Immo hat den cube berlin im

Rahmen eines Forward Deals an TH Real

Estate, einen großen institutionellen Fondsmanager,

veräußert. Das Gebäude wird von

CA Immo errichtet und vermietet und nach

Fertigstellung Ende 2019 an den Investor

übergeben. Der Bau startete 2017 und das

Gebäude wird voraussichtlich Ende 2019

fertiggestellt. Anhand der Fotos (Februar

2019) lässt sich sehr gut der momentane

Baufortschritt, die formgebende, zukünftige

Doppelfassade aus Glas erkennen.

Die Architektur gilt als denkendes und intelligentes

Bauwerk, lernt von den Menschen,

die in ihm arbeiten aber auch durch

den Betrieb selbst und durch die Umwelt.

Eine intelligente Gebäudetechnik erkennt

die Anforderungen und Wünsche jedes

Nutzers an jedem Ort und passt sich individuellen

Bedürfnissen optimal an. Das Ganze

verbirgt sich hinter dem Begriff „Smart

Commercial Building“. Dabei soll ein mit

IoT-Technologien ausgestattetes Gebäude

einen sowohl ökonomischen als auch ökologischen

Mehrwert generieren. Eine Gewerke

übergreifende Kommunikation der

Gebäudetechnik wird durch eine selbstlernende

und selbstoptimierende künstliche

Intelligenz (KI) und vernetzte Sensorik

realisiert. Durch eine zentrale Steuerungseinheit

in Form einer künstlichen Intelligenz,

als „Brain“ bezeichnet, können alle

Gebäudeautomationssysteme und eingesetzte

Technologien miteinander vernetzt

werden. Durch die Erfassung, Analyse und


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Magazin

Bewertung aller Informationen und Daten

wird eine Vernetzung und Interoperabilität

der Systeme ermöglicht, wodurch eine gezielte

Prozesssteuerung und -optimierung

erfolgen kann. Die im Gebäude installierten

3.750 Sensoren, 750 Beacons (Sender

mit Bluetooth Low Energy) und 140 Mobilfunkantennen

ermöglichen ein Tracking of

Everything nach den Vorgaben der DSGVO.

Sogenannte Heat Maps können die Raumbelegungen

abbilden, die Bewegungen verfolgen

und die Auslastung visualisieren, die

dann auch zur Prozessoptimierung genutzt

werden kann. Das reicht vom Buchungssystem

bis hin zur individuellen Bedienung des

Arbeitsplatzes und der Behaglichkeit.

Weitere Features des Gebäudes sind: Berechtigungsvergabe

und -entzug in Echtzeit

und online, Smartphone (Bluetooth) als

IF-Merkmal, Prozessoptimierung, Zutrittsmanagement,

Infrastruktur für Tracking

von Personen (via Bluetooth-Device) und

Assets (via Beacon – DSGVO-konform),

Platzbuchung bei Desk-Sharing, Belegungs-Heatmaps

zur Optimierung von

Bürokonzepten (anonymisiert und personalisiert),

Ermittlung der Hauptbewegungspfade,

Darstellung der Auslastung,

Steigerung der Energieeffizienz, ortsbezogene

Dienste (Push Nachrichten), Darstellung

von anlagenbezogenen Informationen

und allgemeine Informationsbereitstellung,

nutzerindividuelle Steuerung von Beleuchtung,

Jalousie, Temperatur per Smartphone

(=BYOD), Navigation im Gebäude zu

Räumlichkeiten oder Personen, Lockersystem

für die Postsendungen, Desk Sharing

und Clean-Desk-Philosophie, E-Mobilität

als Teil des aktiven (elektrischen) Lastmanagements,

Elektroauto als Speicher zum

Laden und Entladen um Lastspitzen des

Gebäudes zu vermeiden, Buchungssystem

mit Integration in Outlook, Buchungssystem

für Parkplätze zur Mehrfach-Nutzung

(Parkplatz-Sharing).

Die Grundlagen für das digitale System

waren im Demozentrum der Cluster Smart

Logistik auf dem Campus der RWTH Aachen

– der mittlerweile als Silicon Valley

Deutschlands gilt – geschaffen worden.

Hier konnte das Zusammenspiel verschiedener

Digitalisierungsbausteine aus den

Bereichen Hard- und Software bereits vor

Inbetriebnahme des cube berlin im Modell

abgebildet und hinsichtlich vieler Kriterien

getestet werden. Peter Reischer konnte im

Sommer 2018 eine Demonstration der wichtigsten

Merkmale in Aachen miterleben und

auch Fragen dazu stellen.

Die Frage, ob der cube berlin aufgrund seiner

„Intelligenz“ nicht vielleicht nach dem

Vorbild von HAL 9000 aus Stanley Kubricks

Weltraumepos „2001: Odyssee im

Weltraum“ die komplette Steuerung des

cube übernehmen könnte, und die Menschen

somit als Geiseln der Architektur

behandeln – konnte (oder wollte) niemand

beantworten. Ebenso erhielt man auf die

Frage, welche Auswirkungen die Tausenden

verlegten Leitungen durch ihre Strahlung

auf den menschlichen Organismus heben

werden nur die lapidare Antwort: Das ist zu

evaluieren! Interessant ist auch die Verbindung

von Sicherheit und Datenschutz. Hier

erhielt man die Auskunft, dass man in Zusammenarbeit

mit Juristen des Bauherrn/

Investors Digitalisierungskonzepte erarbeite,

die der Datenschutz-Grundverordnung

(DSGVO) entsprechen. In sogenannten

Penetration-Tests ermittelt man die

Empfindlichkeit des zu testenden Systems

(Software) gegen Angriffe. Das Prinzip „Security

by Design“ ist bereits bei der Planung

digitalisierter Gebäude unerlässlich. Schon

während der Planungsphase eines Gebäudes

müssen Sicherheitsanforderungen an

Soft- und Hardware berücksichtigt werden,

um spätere Sicherheitslücken zu verhindern.

Nach Inbetriebnahme ist das Thema

Cyber Security jedoch nicht abgeschlossen.

Die Investoren und Bauherren benötigen

eine fortlaufende Cyber-Security-Organisationseinheit,

die einen sicheren Betrieb des

Gebäudes gewährleisten.


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Magazin

Wie ein

Bücherregal

Die neue Produktions- und Verwaltungsarchitektur für NBD Biblion, eine Organisation,

die Services für öffentliche Bibliotheken und Multimedia-Zentren anbietet,

ist in Holland von den LIAG architects entworfen und kürzlich eröffnet worden.

Ein farbenfrohes und sehr nachhaltiges Bauwerk, das in seiner ganzen Fassadengestaltung

stark an Buchreihen mit farbigen Rücken erinnert.

Fotos: Ben Aarts

Das neue Gebäude ist komplett auf eine zügige Logistik

und die unterbrechungsfreie, direkte Kommunikation

der Mitarbeiter gestaltet. Natürlich auch im

Hinblick darauf, Produktionskosten und Mitarbeiterzahlen

zu reduzieren. Vor allem auf eine direkte Verbindung

zwischen dem Lektorat, der Redaktion und

der Produktion wurde geachtet. Die Effektivität wird

auch von einer größtmöglichen Ausnützung des Tageslichtes

zur Förderung einer gesunden Arbeitsumgebung

in den Produktionsstätten unterstützt.

Die Flächenaufteilung in dem Neubau setzt sich aus

9.300 m 2 Produktionsflächen und 4.700 m 2 Büroflächen

zusammen. Durch die Verlagerung der Parkplätze

auf das Dach wurde der ökologische Fußabdruck

verkleinert. Die Architektur passt sich in ihrer Form

an die unmittelbare Umgebung an – flach und horizontal.

Die weißen Bänder der Fassade – sie bestehen

aus weißen Aluminiumpaneelen – mit den bunten

Teilungen zwischen den Fenstern, referieren an Bücherregale.

Auch die geschwungene Abgrenzung des

Liefer- und Expeditbereiches hat eine papierähnliche

Anmutung. Die bunten Teile in der Fassade trennen

jedoch nicht nur die Fensteröffnungen, sie haben

auch die Funktion des Sonnenschutzes und in ihnen

sind auch Ventilationsmechanismen integriert.


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Magazin

Um das Gebäude energieeffizient zu machen, wurden

folgende Maßnahmen ergriffen: Ein unterirdisches

Speichersystem und Wärmepumpen, die mit wassergefüllten

Rohren auf der Laderampe verbunden sind,

führen zu und von den Parkflächen auf dem Dach. Sie

generieren Wärme im Winter und Kälte im Sommer

und sorgen auch für schnee- und eisfreie Flächen

in der kalten Jahreszeit. Durch die langen Fensterbänder

gelangt genügend Tageslicht in die Architektur,

wenn nötig schaltet man eine LED-Beleuchtung

dazu. Im Zentrum des Hauses bietet ein luftiges Atrium

mit einer Zwischenebene und Holzboden reichlich

Raum für kurze Unterbrechungen und Treffen

während der Arbeit.

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Magazin

Der Blick

nach Osten

Der Bau eines Weingutes ist immer eine interessante Angelegenheit. Sowohl Stararchitekten

wie auch Newcomer und arrivierte Büros versuchen sich in diesem Metier.

Und heute, im Anbetracht von Klimawandel, Nachhaltigkeitsdebatten und Effizienz

ist diese Bauaufgabe immer für Überraschungen gut.

Fotos: Rui Camilo

Architects Collective aus Wien entwarfen für eine

deutsche Weinbauernfamilie in der Pfalz einen

kompletten Neubau, der alle Produktionsabläufe

als auch Verkauf, Lager, Büro und Wohnraum für

die Besitzer beinhaltet. Die Architektur mit den

Maßen von 60 mal 80 Metern ist eine in Leichtbau

ausgeführte Außenhülle aus Holz, welche

hier einen massiven Innenausbau aus Bims-Beton

umhüllt. Die Verwendung dieser ökologisch hochwertigen

Baumaterialien ist ein Vorgriff auf die

Qualität der erlesenen Weine, die hier produziert

werden, und wirkt sich darüber hinaus nachhaltig

auf den Lebenszyklus des Gebäudes aus.


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Magazin

Zwei längs gerichtete Körper bilden den Raum für die

nötigen Funktionen, an beiden Enden sind transparente

Abschlüsse, welche die (auch optische) Verbindung

zum Umraum gewähren. Zwischen den beiden

Volumina ergibt sich der Fahrbereich und Manipulationsraum.

Die Tragstruktur der Hallen besteht aus 32

Stück Brettschichtholzträgern, die sich stützenfrei in

Spannweiten von bis zu 25 Metern über den riesigen

Komplex erstrecken, sodass alle Flächen völlig frei

gehalten werden. So ist auch in Zukunft eine flexible

Raumgestaltung bei geänderter Nutzung möglich.

Bei der Fassade des, in eine Kulturlandschaft aus

Weingärten, Acker- und Wiesenflächeneingebetteten,

Weingutes orientierten sich die Architekten nach Osten.

Die spezielle Behandlung der großflächigen Holzaußenwände

in Shou-Sugi-Ban, einer Jahrtausende

alten japanischen Holztechnik, bei der die Oberfläche

durch Ankohlen geschützt wird, verleiht dem eher

einfachen Baukörper eine enorme Ausdruckskraft.

Bei diesem Verfahren wurde die angekohlte Oberfläche

des Holzes durch Bürsten und Ölen weiter behandelt

und äußerst widerstandsfähig gemacht.


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Magazin

Kreisrund

am Strand

Es hat weniger als fünf Meter im Durchmesser, steht als eine euklidische Form

wie ein Objekt auf dem sandigen, teils felsigen Boden der Strandlandschaft auf

der Victoria Mornington Halbinsel in Australien. Die Architektur, entworfen von

Austin Maynard Architects, bietet jedoch alle Annehmlichkeiten, die man sich

für einen Ferienaufenthalt wünschen kann.

Fotos. Derek Swalwell

Die Australier besitzen einige der größten Eigenheime

auf der Welt und ihre Ferienhäuser sind teilweise

Blaupausen der Stadthäuser – riesig! Der Eigentümer

des St Andrews Beach House genannten Anwesens

war sich dieses Umstands bewusst und beauftragte

die Architekten, eine einfache, bescheidene, kleine

„Hütte“ zu errichten. In der Nähe des Bauplatzes gibt

es weder Einkaufszentren noch Restaurants, nur Natur

und Abgeschiedenheit. Autos und Stress bleiben

bei der Einfahrt des Grundstückes zurück.

Das im Dezember 2018 fertiggestellte St Andrews

Beach House ist ein zweigeschossiger Rundbau, der

sich durch die rundherum offenen Blickrichtungen

auszeichnet. Das Gebäude steht alleine mitten in den

Büschen, Sanddünen und Felsen. Eine Architektur

mit zwei Schlafzimmern und Wohnbereich, Küche,

Bad und diversen Nebenräumen war gefragt. Ihre

Form entstand aus den Panoramaausblicken und

einem Wunsch nach Vermeidung von Erschließungszonen

im Inneren. Das korridorfreie Haus führte

schlüssig zum Rundbau. Er integriert sich sensibel in

die natürliche Umgebung und drückt das auch durch

die Verwendung von Holz als fast ausschließliches

Baumaterial aus. Sein Grundriss entspricht einer

präzisen Geometrie, ein Kreis, der sich zu einem Zylinder

extrudiert. Im Inneren teilen Leichtwände und

Vorhänge die notwendigen Bereiche ab, eine Wendeltreppe

in der Mitte dient der Erschließung und bringt

gleichzeitig Licht, aber auch Gemütlichkeit.


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Magazin

Die gesamte Tragkonstruktion ist aus Holz, alles

ist sichtbar und wird im Lauf der Zeit ebenso verwittern

und patinieren wie ein alter Schiffsrumpf.

Alle Fenster haben eine Doppelverglasung, etwas,

das sich langsam auch in Australien durchzusetzen

scheint. Solarenergie dient der Aufwertung des Entwurfes

in Hinblick auf Nachhaltigkeit. Solarpaneele

mit Kleinst-Wechselrichtern bedecken das Dach und

sorgen für elektrische Energie – kein Öl, kein Gas. Ein

großer Zylinder als Wassertank markiert den Eingang

zum Grundstück, er sammelt Regenwasser für Toilettenspülungen

und die Gartenbewässerung. Und

die ist auch wichtig, denn die existierende Natur und

Fauna soll und muss erhalten bleiben, um die Architektur

vor Sandverwehungen zu schützen.

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30

Magazin

Rosa Kieselsteine

Während der „Kulturrevolution“ unter Mao Zedong war in China jede Religionsausübung

verboten. Doch insgeheim lasen viele Christen trotzdem die Bibel

oder feierten geheime Gottesdienste. Nach dem Ende der Kulturrevolution 1976

bekamen die Kirchen wieder vermehrt Zulauf.

Fotos: Shi Kai

So auch die methodistische Huaxiang Gemeinde, die

im Jahre 1938 ihre erste Kirche im Zentrum der südchinesischen

Stadt Fuzhou errichtete. Damals überragte

der Turm weithin das Häusermeer, heute ist die

kleine Kirche erdrückt von Shoppingmalls, Hochhäusern

und Glaspalästen. Das, und der dringend benötigte

Raum für den Gottesdienst waren die Gründe

für einen Neubau, ein Gemeindezentrum unmittelbar

neben dem alten Gebäude.

Das in historischer Nachbarschaft gelegene

Grundstück unterlag vielfältigen behördlichen Flächen-

und Höhenbeschränkungen. Aufgrund der

umgebenden Bebauung war die Sichtbarkeit des

künftigen Gebäudes auf die oberen Ebenen beschränkt.

Schlussendlich ging es auch darum, inmitten

der Ansammlung östlicher und westlicher

Architekturen eine klare Positionierung und selbstbewusste

Formensprache zu zeigen.

Und das ist Architekt Dirk U. Moench vom Büro IN-

UCE auch gelungen. Der neue Körper passt sich

durch seine Faltungen und Gliederungen der Proportion

der alten Kirche an. Er ist praktisch ein Mediator

zwischen alt und neu. Hoch beginnend fällt das

Gemeindezentrum zum Bestandsbau immer weiter

ab, wodurch der Glockenturm exponiert wird und

der Eindruck einer organisch gewachsenen Stadtsilhouette

entsteht.


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Magazin

Als Kontrast zu den Glanz und Macht ausstrahlenden

Spiegelfassaden der umliegenden Malls, hat die

Kirche eine Haut aus roten Kieselsteinen, die mittels

einer traditionellen Putztechnik angebracht wurde.

Diese Technik verleiht der Oberfläche einen haptischen

Touch, eine Wärme, eine Menschlichkeit, fordert

zum Angreifen und Berühren auf. Im Umfeld der

architektonischen Spitzenleistungen tritt sie durch

eine Bescheidenheit hervor.

Bei diesem Konzept der Architektur spielen auch die

Dachflächen eine zentrale Rolle: Sie sind als öffentlich

zugängliche Freilicht-Amphitheater konzipiert und

ermöglichen es der Gemeinde, Gottesdienste unter

freiem Himmel abzuhalten. Von den benachbarten

Gebäuden aus gesehen, bilden die Amphitheater jedoch

eine dramatische Bühne urbanen Ausmaßes,

auf welcher die Gemeinde sich selbst darstellen kann.


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32

Magazin

Die große Welle

Es gibt in Wien auch einige Wandmalereien, die über die Größe von Graffitis hinausgehen,

aber keine hat derartig monumentale Ausmaße wie die Fassadengestaltung

in Etalon City, in der südlichen Butovoregion südwestlich von Moskau gelegen. Es

ist eine sehr gut entwickelte Wohngegend, die von den Qualitäten der umgebenden

Natur profitiert. Die Siedlung umfasst neun Wohngebäude der sogenannten Komfortklasse,

Geschäfte und soziale Infrastruktur.

Fotos: Etalon Group

Ein besonderer Aspekt des Komplexes – der an und

für sich nur kastenförmige Wohnsilos der schlimmsten

Ausprägung besitzt – ist, dass jedes der Häuser

in seiner Fassade eine bestimmte, internationale

Großstadt zeigen soll. Die ersten geplanten Ansichten

reproduzieren die Silhouetten von New York,

Chicago, Barcelona und Monaco. In weiterer Folge

des Fassadendesigns sollen diese Themen auch in

der Gestaltung der öffentlichen Bereiche und in der

Landschaftsgestaltung um die Architektur ihren Niederschlag

finden.


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33

Magazin

Die leistungsstarke Betonschraube für

höchsten Montagekomfort

Die neue ULTRACUT FBS II 6

Katsushika Hokusai‘s ikonenhafte „Great Wave“ hat

nun ihren Weg auf die Fassaden von sechs dieser

Wohnhochhäuser in der Nähe von Moskau gefunden,

und zwar in der Form einer gigantischen Wandmalerei.

Die sechs Bauten sind ein Teil des oben beschriebenen

Bauvorhabens. Die Architekten (Etalon Group)

hinter diesem Immobilienprojekt versuchten, neue

Lösungen für die Ansichten ihrer Bauvorhaben zu

finden. Deshalb wählten sie das Bild des japanischen

Künstlers und übertrugen es auf die rechteckigen Ansichten

der Wohnblöcke, die entlang einer Autobahn

situiert und somit unübersehbar sind. Die Gesamtfläche

der bemalten Fassaden beträgt fast 60.000 Quadratmeter.

Hokusai hat 60 Jahre lang gemalt, bis er

dieses Werk, eher am Ende seines Lebens, schuf. Sein

Original ist ca. 30 x 35 Zentimeter groß und hat viele,

unter anderem auch Van Gogh, inspiriert. Tausendfach

kopiert und vervielfältigt, ist es letztendlich auch

an russischen Hausmauern zu sehen.

www.fischer.at


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34

Magazin

Interdisziplinärer Wettbewerb

Eine Brücke zwischen Architektur- und

Bauingenieurstudenten schlägt wieder

die diesjährige Concrete Student

Trophy: Das interdisziplinäre Arbeiten

ist Grundgedanke des Wettbewerbs.

Denn Bauen bedeutet Teamplaying, es

bedarf der Zusammenarbeit von Spezialisten

in Planung und Ausführung. Die

Vereinigung der Österreichischen Zementindustrie

(VÖZ) lobt die Concrete

Student Trophy heuer zum 14. Mal aus.

Das Thema ist der Entwurf einer neuen barrierefreien

Fuß- und Radwegbrücke über

den Donaukanal und die Ostautobahn. Damit

soll die Verbindung aus dem Industriegebiet

mit Fabriken und Kraftwerksanlagen

sowie dem Wohngebiet in Simmering zum

Freizeit- und Erholungsgebiet des Wiener

Praters im 2. Wiener Gemeindebezirk mit

seinen Kleingartenanlagen, Reitställen,

dem Katzenheim und der Galopprennbahn

Freudenau verbessert werden. Eine Brücke

stellt immer auch eine soziale Verbindung

zwischen den Uferbereichen her und kann

so für die Menschen, die hier wohnen, arbeiten

oder ihre Freizeit verbringen, neue

Qualitäten schaffen.

An der Ostbahnbrücke der ÖBB ist stromabwärts

des Donaukanals ein Steg für Fußgänger

integriert, Räder können in diesem

Bereich nur geschoben werden. Zu- und

Abgänge zu dieser Steganlage sowie die

Steganlage selbst entsprechen nicht mehr

den derzeitigen Vorgaben seitens der Stadt

Wien. Die nächste Querungsmöglichkeit für

Fußgänger und Radfahrer über den Donaukanal

und die A4, der sogenannte Gaswerksteg,

befindet sich in ca. einem Kilometer

Entfernung stromaufwärts.

Teilnehmen dürfen ausschließlich Teams

aus mindestens zwei Studienrichtungen

(Architektur, Bauingenieurwesen, Kulturtechnik

und Wasserwirtschaft). Durch anspruchsvolle

interdisziplinäre Zusammenarbeit

sollen die Studierenden heuer einen

Steg als neue Verbindung generieren, der

die Identität des Gebiets im Sinne einer innovativen

„Landmark“ stärkt.

Ausschreibungsunterlagen, allgemeine

Teilnahmebedingungen und technische

Details unter:

www.zement.at/concretestudenttrophy.

Optische Täuschung

Berlin ist immer eine Reise wert und

für interessante Bilder, Projekte und

Architekturen gut. Man muss gar nicht

gezielt zu den vielen bekannten Landmarks

wandern, es genügt einfach die

Augen offen zu halten und schon sind

sie da: Fassaden, Täuschungen und

optische Illusionen.

In der Nähe des (neuen) Hauptbahnhofes

am Weg zum ehemaligen Kopfbahnhof

der Strecke Berlin-Hamburg, dem Museum

Hamburger Bahnhof, schaut man über eine

Baugrube, Kräne und Autobusse, zwischen

zwei, an der Straße errichteten Wohnblöcken

hindurch auf ein klassizistisches

Gebäude im Hintergrund – man glaubt es

zumindest. Aber die Fassaden der Feuermauern

im Vordergrund sind so täuschend

echt bemalt, dass man auf den ersten Blick

nicht weiß, was vorne, hinten, echt und unecht

ist. Erst bei näherer Inspektion ergibt

sich der wahre Sachverhalt.

© Reischer


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35

Magazin

Klimaschonende Sanierung

Das Justizgebäude in Salzburg ist

ein Vorzeigeprojekt für die gelungene,

klimaschonende Kombination von

saniertem Altbestand und Neubau: Der

denkmalgeschützte Teil des Gebäudes

wurde nach höchsten energetischen und

ökologischen Standards umgebaut und

saniert, ein moderner Zubau verbindet

die beiden Gebäudetrakte miteinander.

Und auf der Dachterrasse bietet ein

öffentliches Café freien Blick auf die

Festung Hohensalzburg.

Das Projekt wurde vom Wiener Architekturbüro

Franz&Sue geplant und unter der

Bauherrschaft der BIG (Bundesimmobiliengesellschaft)

umgesetzt. Die über hundert

Jahre alte Gebäudestruktur und die Außenfassaden

blieben fast gänzlich erhalten. Um

die alten Zelltrakte in moderne, einladende

Büroflächen umzuwandeln, wurden Wände

versetzt, Oberflächen erneuert, Fenstergitter

abgenommen und die Belichtungsverhältnisse

durch kleine Eingriffe in der

© Lukas Schaller

Fassade verbessert. Die eingebaute Komfortlüftung

mit Wärmerückgewinnung sorgt

für sehr gute Luftqualität. Eine zentrale

Vorgabe war zudem die Verwendung ausschließlich

ökologisch unbedenklicher Produkte.

Mit 971 von 1.000 möglichen Punkten

erreicht das Gebäude den klimaaktiv

Gold Standard.

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36

Magazin

© Fa. Strussnig

Achtsamkeit

in der Architektur

Hydro Building Systems Austria mit seiner Marke WICONA lädt zur Trendveranstaltung

„Die neue Achtsamkeit in der Architektur“ ein. Das Event findet am

25. April 2019 im Apothekertrakt im Schloß Schönbrunn statt. Der Produzent

und seine Kooperationspartner Geze, Warema, Pilkington, HD Wahl und s:stebler

beschäftigen sich zu diesem Anlass mit den Themen Nachhaltigkeit und Kreislaufwirtschaft

(Circular Economy).

Als Key Note Speaker und Moderatorin

fungiert DI.in Dr.in techn. Margit Ulama.

Den Gästen werden neben einer kompakten

Ausstellung Impulsvorträge mit Beispielen

innovativer Lösungen für Projekte

mit architektonischer Relevanz geboten.

„WICONA spielt mit Produkten aus rezyklierten

Materialien eine Vorreiterrolle auf

dem Gebiet der Nachhaltigkeit. Verantwortungsvoller

Umgang mit Ressourcen ist ein

Hauptthema für die zukünftige Entwicklung

des Unternehmens“, erklärt Dipl.-Wi.-

Ing. (FH) Jörg Meiche, Vertriebsleiter Hydro

Building Systems Austria.

Denn in der Architektur und im Bauwesen

spielt Nachhaltigkeit eine immer größere

Rolle. WICONA hat mit dem „Infinite Aluminium

by WICONA“-Programm einen wichtigen

Schritt in diese Richtung gemacht.

Systemlösungen mit Inifinite Aluminium

by WICONA haben den höchsten Anteil

an wiederverwerteten End-of-life-Materialien

am Markt. Konkret liegt der Anteil

bei 75 Prozent und mehr. Damit werden

ca. 20.000 Tonnen CO 2 pro Jahr gespart

und der CO 2 -Fußabdruck um 30 Prozent

gesenkt. Aluminium ist der optimale Werkstoff

für Recycling. Es kann immer wieder

verwendet werden, ohne Einbußen bei Qualität

oder Materialeigenschaften. End-of-life-Aluminium

verbraucht darüber hinaus

nur 5 Prozent der Energie, die bei der Herstellung

von Primäraluminium benötigt

wird. Bis Jahresende will man 40 Prozent

des Programms auf dieses Verfahren umstellen,

verlautbarte das Unternehmen.

25. April – Wien, Apothekertrakt Schönbrunn

Ab 13:30 bis 18:00h

Anmeldungen sind erbeten unter:

Petra.koenig@hydro.com

WICONA

Hydro Building Systems Austria GmbH

T +43 (0)6212 20000

info@wicona.at

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© DIE VORSORGR WOHNUNGEN IMMOBILIENMAKLER GMBH


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37

Magazin

Verarbeitungsrichtlinie für

Wärmedämmverbundsysteme

Kostenreduktion und Wohlgefühl rund

ums Jahr: Das sind zwei der zahlreichen

Zusicherungen eines Wärmedämmverbundsystems

(WDVS). Damit

diese Versprechen halten können, ist

jedoch eine fachgerechte Planung und

Verarbeitung notwendig.

Denn nur eine professionelle Planung und

Ausführung eines komplexen WDVS kann

vor künftigen Schäden schützen und den

Nutzern langfristig Energie- und Kostenersparnisse

sichern. Die Erarbeitung einer

Verarbeitungsrichtlinie lag daher auf der

Hand und bereits 1985 erschien die erste

VAR für WDVS. Über die Jahre hat sie sich

zu einem Standardwerk entwickelt.

Der zertifizierte Fachverarbeiter wird mit

der VAR an Österreichs BAUAkademien

geschult. Basis der Richtlinien sind die aktuellen

Normen und Vorschriften in Österreich

sowie Richtlinien und Merkblätter, die

das Thema WDVS beinhalten. Im Gegensatz

zur Norm, der anerkannten Regel der

Technik, gibt eine Verarbeitungsrichtlinie

weiter gehende und erklärende Information.

Das ist notwendig, weil bei einem WDVS

viele Gewerke zusammenlaufen und das

ist fehleranfällig bei mangelnder Planung

und unsachgemäßer Verarbeitung. Die aktualisierte

Verarbeitungsrichtlinie (VAR)

für Wärmedämmverbundsysteme (WDVS)

steht nun als E-Book kostenlos unter der

Webadresse var.waermedaemmsysteme.at

zum Download zur Verfügung.

DI Dr. Clemens Hecht

Sprecher der Arbeitsgemeinschaft

Qualitätsgruppe Wärmedämmsysteme.

Andreas Jäger

Klimaexperte

Nur wahre Klimaschützer

erhalten das Österreichische

Umweltzeichen.

Es gibt viele Wege, das Klima zu

schützen. Eine gute Wärmedämmung

gehört zu den effektivsten – vor allem,

wenn sie auch noch umweltfreundlich

produziert wird. Kein Wunder also,

dass wir von Austrotherm uns

als einziger Produzent über das

Österreichische Umweltzeichen für

Austrotherm XPS ® freuen dürfen.

Und unsere Partner mit uns.

austrotherm.com

Gutes Klima. Gutes Leben.


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38

Magazin

© Schüco

Mit zwölf unterschiedlichen Öffnungsvarianten bietet das Schiebesystem Schüco ASE 80.HI TipTronic

einzigartige Gestaltungsfreiheiten bei automatisch angetriebenen Schiebesystemen.

© Hueck

HUECK: Hoher Schallschutz für den Einsatz

im lärmbelasteten Umfeld.

Praxisorientierte und

innovative Lösungen

Der Gewerke übergreifende universelle Ansatz der BAU 2019 in München macht

sie zum wichtigsten Branchentreffpunkt für alle, die professionell mit dem Planen

und Bauen zu tun haben. Sie setzt immer wieder qualitative wie quantitative

Maßstäbe, ebenso wie die Aluminium-Profilsystem-Anbieter Alukönigstahl GmbH

(System SCHÜCO) und Hueck Aluminium GmbH (System HUECK), die in Österreich

die Gemeinschaftsmarke ALU-FENSTER führen. Im Rahmen der diesjährigen

Fachmesse wurden bei Schüco und Hueck zahlreiche Innovationen vorgestellt.

Bei Schüco nahmen Smart Building Lösungen eine

wichtige Rolle bei komfortablen, sicheren und barrierefrei

gestalteten Lebens- und Arbeitsräumen ein

sowie das Thema Digitalisierung. Schüco AWS Fenstersysteme

bieten für Fenstertüren die innovative

Null-Niveau-Schwelle, verfügbar in 70, 75 und 90 mm

Bautiefe. Mit den Schiebesystem-Plattformen Schüco

ASE 60/80 TipTronic sowie Schüco ASE 67 PD

und Schüco ASS 77 PD lassen sich architektonisch

anspruchsvolle Schiebe- und Hebe-Schiebe-Lösungen

fertigen. Im Bereich Digitalisation & Fabrikation

finden Planer, Architekten, Verarbeiter und

Bauherren digitale Lösungen für alle Phasen eines

Bauprojektes. Schüco Fabrication macht es sich zur

Aufgabe, Metallbaupartnern das Arbeiten durch ein

optimal aufeinander abgestimmtes Lösungspaket

aus Software, Hardware, Services und Daten für Fertigungsmaschinen

zu erleichtern.

Hueck präsentierte auf vier Themeninseln seine

Kernkompetenzen als Systemanbieter für praxisgerechte

Fenster und Türen, Fassaden, Schiebelemente

und Brandschutzkonstruktionen. Der große

Vorteil liegt im übergreifenden Gleichteile-Konzept

und in der Kombinierbarkeit untereinander. Mit dem

Fenster- und Türensystem WS/DS 075, dem innovativen

Schallschutzfenster Lambda Silent Air, den

zertifizierten Brand- und Rauchschutzlösungen der

Serie Lava in Kombination mit Einbruchhemmung

und Panikfunktion, der Schiebeserie Volato SLS 075,

sowie dem neuen Fassadensystem Trigon FS und

der Fassadenlösung Trigon GSP mit Glas Sandwich

Paneelen bis zu 16m Länge zeigte das Systemhaus

seine Weiterentwicklungen und Optimierungen im

Systembereich. Mit neuen digitalen Werkzeugen in

den Bereichen Dokumentation und BIM-Objekten für

Hueck-Serien WS/DS 075 stellt sich das Unternehmen

den zukünftigen Herausforderungen.

www.alufenster.at


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© Jakub Skokan, Martin Tůma

Die Ansicht

der Landschaft

Nicht nur von unten, sondern auch von oben kann man

Landschaften bewundern. Deshalb hat das Büro Huť architektury

Martin Rajniš s.r.o (MgA. David Kubík) einen

Aussichtsturm für das Skiresort Kraličák in Tschechien

entworfen.

Der 35 Meter hohe Bau steht auf einem Stahlbetonfundament,

wurde 2018 eröffnet und ist das ganze Jahr über zugänglich.

Der Turm steht als Obelisk in der Landschaft und als Konstruktionsmaterial

für die vertikalen Teile verwendete man druckimprägnierte

Lärchenbalken. Das Bauwerk ist seitlich mit Stahlkabeln

gesichert und verspannt, wobei die Kabelabspannungen

in Betonfundamenten ca. 15 Meter seitlich der Architektur

im Boden verankert sind. Stahlbolzen verbinden die jeweils 5

Meter langen senkrechten Balken. Die Aussichtsplattform an

ihrem oberen Ende ist durch Sicherheitsglasscheiben wettergeschützt

ausgeführt. In der Mitte des Turmes hängt eine hölzerne

Wendeltreppe, über deren 152 Stufen die Plattform über

den Wipfeln des umgebenden Waldes erreichbar ist – nur noch

überragt von einem roten Signallicht und einer Windfahne.

riesig geSTAHLtet

die ehemaligen Werkshallen der Marinebasis in Brest

erstrahlen in neuem Glanz

• die riesigen Tore lassen viel natürliches Licht in den Raum fliessen

und garantieren gleichzeitig eine exzellente Wärmedämmung

• Profilsystem: forster unico

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architektur FACHMAGAZIN

40

Magazin

Ein abgehängter

Raum aus Holz

Die Schweizer Architekten Furrer Jud haben mit großem Geschick die geforderten

Sozialräume einer Firma in deren bestehender Werkhalle in Gwatt bei Thun/Schweiz

untergebracht. Den Kubus aus Stahl, Glas und Holz für das geforderte Volumen hängten

die Architekten in die bestehende Tragstruktur der Halle. Böden und Decken

bestehen aus Flächenelementen aus Holz. Der passende Ort für den Würfel wurde

in der südwestlichen Hallenecke gefunden. Hier konnte ein Kran stillgelegt und das

überdimensionierte Tragwerk für den Einbau genutzt werden. Auf einer Nutzfläche

von 280 Quadratmetern beherbergt der dreistöckige Kubus auf jeweils einer Ebene

eine Garderobe, einen Schulungsraum sowie einen Aufenthaltsraum.

Fotos: Furrer Jud Architekten


www.architektur-online.com

41

Magazin

Während das Erdgeschoss gemauert wurde, planten

die Architekten die beiden Obergeschosse als leichte

Hybridkonstruktion aus Stahl, Glas und Holz und

hängten diese in die Kranbahn ein. Eine umlaufende

50 Zentimeter hohe Einfachverglasung verbindet

den gemauerten Sockel mit den hängenden Obergeschossen.

So gelangt einerseits Tageslicht in die Garderobe,

andererseits gleicht die Glasfuge, als verbindendes

Element zwischen gemauertem Sockel und

darüber liegendem Stahlkörper Unterschiede aus. Im

Zuge der Erweiterung wurde zudem die Fassade der

Halle im Südwesten geöffnet und mit einer gebäudehohen

Verglasung versehen. Das sorgt nicht nur für

den Einfall von Tageslicht in Halle und Kubus, auch

ist der Raumstapel so von außen sichtbar und Blickbeziehungen

nach draußen sind möglich.

Für Böden und Decken kamen Elemente aus Holz

zum Einsatz. Als großer Vorteil dieser Bauweise gegenüber

einer klassischen Betonverbunddecke stellt

sich die Gewichtseinsparung dar. Innerhalb des Kubus

sind die Deckenelemente 320 Millimeter hoch und

spannen frei über 7,5 Meter. Sie sind in Sichtqualität

ausgeführt und ihr Brandwiderstand erfüllt die Forderungen

der EU Brandschutznorm (REI 30). Hölzerne

Flächenelemente kamen auch als Deckenabschluss

über dem Laubengang im zweiten Obergeschoss

sowie über der Treppe zwischen Erd- und erstem

Obergeschoss zum Einsatz, dort mit einer Bauhöhe

von 180 Millimetern. Mit ihrer Lochung auf der Untersicht

und hinterlegten Absorberplatten sorgen

die Flächen elemente für beste Schallabsorption und

optimale Raumakustik in den neuen Räumen. Darüber

hinaus sind in die Deckenelemente bereits Sprinklerköpfe

und Einbaulampen eingelassen, die Anschlussleitungen

werden innerhalb der Elemente geführt.

Alle zum Einbau nötigen Anschlüsse, wie auch die Nut

zur Aufnahme der raumhohen Festverglasungen wurden

bereits vorgefertigt. So mussten auf der Baustelle

die Bauteile nur noch auf die vorbereiteten Auflager

gelegt und anschließend befestigt werden.


architektur FACHMAGAZIN

42

Bau & Recht

Die teuren Folgen von

falschen Nutzwertgutachten

Verkauf von Wohnungen, deren Aufteilung im Erbfall oder die richtige Zuordnung

von Kostenanteilen – etwa bei Sanierungen oder der jährlichen Betriebskostenabrechnung

– brauchen eine exakte Berechnungsbasis: die Nutzfläche oder den

Nutzwert. Dieser Nutzwert wird von Sachverständigen festgestellt, im Nutzwertgutachten

dokumentiert, in den Wohnungseigentumsvertrag übernommen, und

dann im Grundbuch verbüchert. Ist das Nutzwertgutachten falsch, kann das teuer

werden. architektur sprach über diesen Themenbereich mit der Expertin Arch. DI

Regina M. Lettner, Geschäftsführerin der baukult ZT GmbH - Architektur und Realitätenconsulting.

Parifizierung erfordert

hohe Fachkompetenz

Entspricht der Grundbucheintrag nicht der

Realität, führt das im schlimmsten Fall zur

Auflösung der WohnungseigentümerInnengemeinschaft

oder Rückabwicklung

des Kaufvertrages. Geregelt ist das im

Wohnungseigentumsgesetz [WEG 2002].

Auf Antrag sind die Nutzwerte vom Gericht

insbesondere dann abweichend vom

Nutzwertgutachten festzusetzen, wenn das

Gutachten gegen zwingende Grundsätze

der Nutzwertberechnung verstößt, oder bei

einem Wohnungseigentumsobjekt um mehr

als 3 Prozent von den tatsächlichen Gegebenheiten

abweicht.

Die Architektin und Sachverständige Regina

Lettner weiß, welche Fehler gemacht

werden und wie sie zu vermeiden sind. Sie

meint, dass es im Bewertungsverfahren viele

Punkte gibt, die mehr Beachtung erfordern,

als sie vielfach bekommen. Man sieht

oft falsche Nutzwertgutachten und den

Rattenschwanz an rechtlichen Folgen, den

diese nach sich ziehen. Daher rät sie, Bewertungen

nur von Profis machen zu lassen.

Klare Vorgaben im

Wohnungseigentumsgesetz

Was genau zu tun ist, steht ebenfalls im

Wohnungseigentumsgesetz. Auch Regelwerke

wie die Vorgaben des Hauptverbandes

der allgemein beeideten und gerichtlich

zertifizierten Sachverständigen oder jene

des Magistrats der Stadt Wien, der MA 25

geben Aufschluss über Anforderungen und

Bewertungsmethoden. Die häufigsten Fehlerquellen

sind:

• Keine (persönliche) Befundaufnahme

• Divergenzen zwischen Bauplan und Bestand

und/oder sonstigen Unterlagen

• Das Bestandsobjekt ist nicht wohnungseigentumstauglich

• Falsche Nutzflächenberechnung

• Falsch gerechnete Zuschläge

• Fehlende oder unrichtige Zu- und Abstriche

• Die Zuordenbarkeit ist nicht gegeben

• Die Regelwohnung ist eine virtuell angenommene

• U. v. a. m.

Mit der persönlichen Befundung aller Wohnungseigentumsobjekte

lassen sich Fehler

vermeiden, etwa die Divergenzen zwischen

Bauplan und Bestand, die alltäglich auftreten,

wie Regina Lettner feststellt. Sie kenne

kein einziges Zinshaus, bei dem der baubehördlich

bewilligte Konsens mit der Realität

übereinstimmt. Daher ist die häufig geübte

Praxis riskant, die Raumnutzungen oder die

Nutzfläche ohne Überprüfung einfach aus

den baubehördlich bewilligten Plänen oder

auch aus Verkaufsplänen zu übernehmen.

Man muss nur zu oft feststellen, dass viele

Flächensummen unrichtig sind oder einzelne

Flächen falsch ausgewiesen werden – zu den

„Klassikern“ gehört die falsche Bezeichnung

von Balkon oder Loggia. Oft zeigen Verkaufspläne

auch Flächen, die Allgemeinflächen

sind, wie zum Beispiel Flachdächer oder Vorbereiche

von Wohnungseingangstüren. Solche

Abweichungen sind unbedingt zu klären.

Auch der OGH hat in einem Urteil festgestellt,

dass eine persönliche Befundung bei

Gutachten unabdingbar ist.

© Redtenbacher

Der Nutzwertcheck als Online-Tool

EigentümerInnen empfiehlt die Expertin,

sich vorab selbst schlau zu machen, worum

es hier überhaupt geht. Dazu hat baukult

ein Tool entwickelt, mit dem man selbst den

Nutzwert einer Wohnung näherungsweise

berechnen kann. Dieser selbsterklärende

Online-Check navigiert in vier Schritten

durch das Programm:

Schritt 1: Eingabe der Objektdaten

Schritt 2: Eingabe der Nutzflächen von

Wohnräumen, Keller, Lagerflächen, Balkonen,

Terrassen, etc.

Schritt 3: Wahl der Zu- und Abschläge, beispielsweise

Zuschläge für die Lage an einer

verkehrsarmen Straße oder Abschläge für

eine Wohnung im fünften Obergeschoss

ohne Lift.

Schritt 4: Automatische Berechnung des

Nutzwertes der einzelnen Wohnung

Selbstcheck ersetzt kein Gutachten

Klarerweise ist dieser Check kein Ersatz für

das Nutzwertgutachten – wie auch ein Online-Kreditrechner

von Banken kein Angebot

für eine Kreditvereinbarung ist. Lettner

betont, dass das Ziel aller Verantwortlichen

sein muss, „richtige“ Eigentumsanteile auszuweisen,

um den langen Rattenschwanz

an rechtliche Konsequenzen zu vermeiden.


www.architektur-online.com

| BA12-17G |

Das Gebäude der Zukunft

kann auch so aussehen.

Ideal für Modernisierungen: Die offene,

PC-basierte Gebäudeautomation

von Beckhoff.

Magazin

© Steve Hall

Chicago

Architecture

Biennial

Die Chicago Architektur Biennale – 19. September 2019

bis 5. Jänner 2020 – ist eine Plattform, welche das Verständnis

für die Organisation der Gesellschaft durch die

Untersuchung unserer gebauten Umwelt fördern will.

Als Ausgangspunkt für eine globale Diskussion wählte sie sich

Chicago. Deswegen hat das Kuratorenteam – Yesomi Umolu,

Sepake Angiama und Paulo Tavares – für 2019 bereits im Vorjahr

eine Untersuchung über die räumlichen, historischen und

sozioökonomischen Bedingungen in Chicago initiiert. Themen

wie ein alternatives Design oder die Verbindung zwischen Natur,

Gesellschaft und gebauter Umwelt, Erscheinen und Verschwinden

von Gedenkplätzen und politischer Erinnerung, Orte

als Zeichen der Vergangenheit, Sichtbares und Unsichtbares

versprechen eine interessante Auseinandersetzung der Teilnehmer.

Auch der Begriff des Common Ground steht wieder

einmal auf der Agenda.

www.beckhoff.at/building

So wird wertvolle Bausubstanz nicht nur erhalten, sondern zukunftsfi t

gemacht: Mit der integralen Gebäudeautomation von Beckhoff

implementieren Sie alle Möglichkeiten der Kommunikations- und

Steuerungstechnik – angepasst an die individuellen Bedürfnisse der

Immobilie. Alle Gewerke werden von einer einheitlichen Hard- und

Softwareplattform gesteuert: Ganz gleich, ob es um die nutzungsgerechte

Beleuchtung, die komfortable Raumautomation oder

die hocheffi ziente HLK-Regelung geht. Für alle Gewerke stehen

vordefi nierte Softwarebausteine zur Verfügung, die das Engineering

enorm vereinfachen. Funktionserweiterungen oder -änderungen sind

jederzeit möglich. Das Ergebnis: Durch die optimale Abstimmung aller

Gewerke werden die Energieeinsparpotenziale voll ausgeschöpft und

die Effi zienz der Bewirtschaftung deutlich erhöht.

Diese Forschungsinitiative soll auch Beziehungen und Auseinandersetzung

über das Thema zwischen vier Städten fördern:

Chicago, SãoPaulo, Johannesburg und Vancouver. Diese

vier Städte hat man ausgesucht, als Orte und Räume, in denen

die o.a. Themen in einer interessanten und auch diversen Art

auftauchen, vielleicht auch ein Problem sind. So soll im Forum

der Biennale 2019 eine Reihe von Perspektiven, gelebten Experimenten

und Voraussagungen zu sehen sein. Adressiert ist

das Event an Architekten, Stadtplaner, Urbanisten, Designer,

Schriftsteller, Künstler und alle Bürger dieser Städte.

Das historische Chicago Cultural Center im Herzen von Downtown

Chicago mit mehr als 6.500 Quadratmetern Ausstellungsfläche

dient als Drehscheibe für die Aktivitäten der Biennale

und ist auch Ort der Hauptshow.

Die ganzheitliche Automatisierungslösung

von Beckhoff:

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Visualisierung/

Bedienung

Skalierbare Steuerungstechnik,

modulare I/O-

Busklemmen

Modulare

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architektur FACHMAGAZIN

44

Social Media

Emotionales in die

Architektur einbinden

Soziale Medien verändern unsere Wahrnehmung auf Räume – Gestaltung wird

immer wichtiger. architektur sprach mit Andreea Cebuc von C’est Design über

Veränderungen in der Architektur, Herausforderungen und Chancen, die soziale

Netzwerke mit sich bringen.

Text: Mag. Elisabeth Klokar

Sie sind der Ansicht, Social Media verändere

die Architektur der Zukunft. Wie können wir

uns das vorstellen?

Heute gibt es kostenfreie Tools wie Instagram,

Facebook, Pinterest und Co, um

sein Image aufzubauen, Projekte zu publizieren

und sich miteinander zu vernetzen.

Auf schnelle Art und Weise erreicht man

viele Interessenten – vom Endkunden bis

zum Bauherrn, denn Social Media funktioniert

weltweit und disziplinenübergreifend,

nicht nur punktuell. Vieles ist selbst steuerbar

und Agenturen und klassische Werbung

sind nicht mehr die einzigen Anlaufstellen,

um bekannt zu werden.

Wie können Architekten soziale Netzwerke

für sich nutzen?

Jede Plattform hat ihre Besonderheiten –

eine Strategie ist entscheidend. Zu Beginn

wird die Zielgruppe definiert. Netzwerke und

passender Content richten sich in weiterer

Folge danach aus. Zum Beispiel Instagram –

dieses Tool ist eine Art digitales Fotoalbum.

Es können Bilder, Videos und Live-Storys

gepostet werden, von Hochglanz-Bildern bis

hin zu persönlichen (Büro-)Einblicken. Mittels

Hashtags und Geotags wiederum wird

man gefunden. So wurden bereits Lokale,

Geschäfte, Hotels oder ganze Regionen zu

Besuchermagneten.

#instagrammable - ein Wort dass in der Instagram-Blase

nicht zu vernachlässigen ist.

Sie sprechen in diesem Zusammenhang von

der perfekten Kulisse für Fotos. Gibt es Kriterien

dafür?

Architektur ist ein weites Feld – von der

Eventgestaltung bis hin zur Stadtplanung.

Für Andreea Cebuc ist Architektur eine Bühne

und Interiordesign die Kulisse. Soziale Medien

spielen in ihrem Gestaltungsansatz als

„digitale Visitenkarte” eine wesentliche Rolle.

Und so vielfältig sind auch die „Kulissen“.

Das können öffentliche Plätze, farbenfrohe

Innenräume oder markante Gebäudefassaden

sein. Geteilt wird heute das, wo Menschen

sich wohlfühlen, etwas individuell gestalten

oder mit etwas interagieren können

und einen einzigartigen Rahmen für Fotos

vorfinden. Es geht um Emotionalität in der

Architektur.

Wächst der Druck auf Architekten dadurch?

Ja und Nein. Ein Architekt trägt immer Verantwortung,

er kreiert (nutzbare) Umgebungen.

Ich denke, der Leitsatz „form follows

function“ bleibt meiner Ansicht nach weiterhin

die Basis. Auf Grund von gesellschaftlichen

und ökologischen Veränderungen

entstehen jedoch neue Bedürfnisse – besonders

die junge Generation wird bestimmender

und legt Wert auf Gestaltung und

Persönlichkeit. Geändert hat sich auf alle

Fälle die Rezension – in Zeiten der globalen

Vernetzung wird viel schneller publik, was

funktioniert und was nicht. Der Beruf des

Architekten ist heute flexibler, beweglicher

geworden. Und Soziale Netzwerke sind dafür

gute (Analyse-)Tools, da sie näher am

Menschen und direkt aus dem Leben gegriffen

sind.

Ist Social Media also Herausforderung und

Chance zugleich?

Ich sehe die Tools auf alle Fälle als Chance!

Mittlerweile gibt es bereits Projekte, die

eigens dafür entworfen wurden, etwa das

Paradiso Ibiza Art Hotel oder Casa Malca in

Tulum. Sie sind treffende Beispiele, wie Social

Media auch den Tourismus ankurbeln

kann. Weiters bieten die bereits erwähnten

Geotags Hinweise auf Orte, die oft gepostet

und demnach frequentiert werden – eine

Möglichkeit, sich Anregungen für zukünftige

(Um-)Gestaltungen zu holen. Instagram ist

eine riesige Datenbank, die analysierbar ist.

Konzipieren für Soziale Netzwerke? Besteht

die Gefahr, dass Entwürfe dann zu reinen

„Landmarks“ werden?

Ein falscher Ansatz wäre es, nur die Oberfläche

zu gestalten. Das hält sich kurzfristig,

wird aber auf Dauer nicht funktionieren. Es

muss immer weiter gedacht und eine Nutzung

einplant werden.


www.architektur-online.com

45

Social Media

In welchem Stadium der Planung sollte auf

„Social Media-Tauglichkeit“ geachtet werden?

Generell von Beginn an. Je nach Projekt gibt

es verschiedenste Bereiche, die sehr individuell

zu handhaben sind; etwa die Lichtplanung

in Innenräumen, denn meist werden

Fotos mit dem Handy gemacht. Hintergründe

sind immer eine Herausforderung. Eine

fototaugliche Wand, auch in kleinen Räumen,

ist sehr effektiv. Kooperationen mit

anderen Branchenplayern können ebenfalls

helfen, die Bekanntheit zu erhöhen.

Was ist Social Media für die Architektur nicht?

Der Ersatz für die Wahrnehmung vor Ort.

Fotos können niemals das tatsächliche Erlebnis

– den Moment – transportieren.

Soziale Medien und deren Trends ändern

sich rasch und sind schnelllebig. Wie passt

das generell zur Architektur?

Sie sind immer als Ergänzung zu sehen, als

ein zusätzliches mediales Sprachrohr. Die

Differenz zwischen Realität versus Account

© Patrick Domingo

Sneak In, Wien

Als Kulisse für Social Media wurde in diesem Shop eigens eine

flexibel anpassbare Präsentationswand für die rasch wechselnde

Präsentation der Produkte errichtet.

sollte aber möglichst gering gehalten werden.

Nur so entstehen Glaubwürdigkeit und

Vertrauen. Und Architektur ist immer ein

Prozess – soziale Medien können diesen

Metabolismus abbilden: Einblicke in Planungsschritte

schaffen Nähe, damit werden

Architekten wie auch die Projekte für Menschen

greifbarer.

www.cest-design.at

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architektur FACHMAGAZIN

46

architekturszene

Bauhaus

Baukunst oder Bausünde?

Mit dem Jahr 2019 ist das sogenannte „Bauhausjahr“ angebrochen. Denn schließlich

feiert die einst und auch heute noch prägende Strömung heuer ihr 100-jähriges

Jubiläum. Dadurch ergibt sich die Gelegenheit, die wohl berühmteste Kunstschule der

Moderne kritisch zu hinterfragen, aber auch deren positive Seiten zu durchleuchten.

Text: Dolores Stuttner

Ein kostensparender Baustil, der sich nach

den Bedürfnissen seiner Bewohner richtet.

Nach diesen Grundsätzen arbeiteten die

Anhänger der Bauhaus-Schule. Heute ist

das historische Bauhaus als einflussreichste

Bildungsstätte in der Sparte der Architektur

im 20. Jahrhundert bekannt. Die von 1919

bis 1933 bestehende Einrichtung gilt daneben

als Gründungsstätte der Avantgarde in

der Klassischen Moderne. Und auch heute

noch lassen sich Einflüsse des Bauhaus in

den modernistischen Strömungen der Baubranche

erkennen.

Unverkennbarer Stil oder

experimentelle Kunst?

Seinen Ursprung fand die Idee des Bauhaus

in der gleichnamigen Schule für Architektur

und Kunst. Der Architekt Walter Gropius

gründete sie im Jahr 1919 in Weimar, um

das Experimentieren mit neuen Formen und

Stilen zu ermöglichen – neben der Baulehre

wurden Malerei, Grafik, Tanz, Bühnenkunst

und Fotografie unterrichtet. Ab 1927 trat

aber der praktische Ansatz und mit ihm die

Architektur in den Vordergrund – sowohl

für das Design als auch für bildnerische

Tätigkeiten sollte der Bau stets das Endziel

sein. Der Grundgedanke des Gründers

Walter Gropius war, das Kunsthandwerk und

mit ihm einen auf Funktionalität hin ausgerichteten

Stil wiederzubeleben. Damit entwickelte

er eine Gegenströmung zum auf

Ästhetik ausgerichteten Historismus mit

seinen verzierten Gründerzeithäusern.

Gleich drei Direktoren – Walter Gropius, Mies

van der Rohe und Hannes Meyer – machten

sich mit ihren Baustilen, die allesamt Teil

der Kunstströmung der 1920er-Jahre waren,

einen Namen. Die Meister verfolgten

aber jeweils unterschiedliche Ziele. So ging

es Walter Gropius in erster Linie darum, das

kostensparende Bauen mit Fertigteilen voranzutreiben.

Mies van der Rohe wollte die

Grenzen zwischen Innen- und Außenraum

verschwimmen lassen, während Hannes

Meyer bei seinen Arbeiten stets die Bedürfnisse

der Bewohner in den Mittelpunkt

stellte. Ein einheitlicher oder gar unverkennbarer

Stil hat sich aufgrund der unterschiedlichen

Strömungen also nie etabliert.

Und doch fand die Idee des Bauhaus im internationalen

Raum Verbreitung. Da viele

Absolventen nach der Auflösung der Schule

durch die Nationalsozialisten auswanderten,

wurden die Lehren nicht nur in deutschsprachigen

Ländern, sondern auch in den USA

und in Israel angewendet. So gilt Tel Aviv

© Peter Kuley

auch heute noch als die Bauhausmetropole

schlechthin.

„Form follows Function“

Eine Verbindung aus Kunst und Industrie,

modern und sachlich zugleich – so lässt

sich Bauhaus als Baustil beschreiben. Es

galt, die Unterscheidung zwischen Künstler

und Handwerker aufzuheben und rationale

Entwürfe in den Vordergrund zu stellen. Der

Grundgedanke vom Bauhaus bestand darin,

das Bauen zu industrialisieren. Wohnbauten

sollten – in Anlehnung an die Autoproduktion

Henry Fords der 1920er-Jahre – wie auf

dem Fließband entstehen und so für die Allgemeinheit

leistbar sein. So schuf die Strömung

erstmals die Grundlage für anonymisiertes

Wohnen.


www.architektur-online.com

47

architekturszene

© Harald909

© Talmoryair

Das Bauhaus steckte sich seine Ziele dabei

sehr hoch – viele davon erreichte es nicht.

Eine Bestrebung der Anhänger war es, lebenswerten

und leistbaren Wohnraum für

„alle“ zu schaffen. Die Umsetzung dieser

Idee scheiterte bereits bei den „Vorzeigeprojekten“.

Zu erwähnen ist hier unter anderem

die Wohnsiedlung in Dessau-Törten. Die

Bau- und damit die Wohnkosten fielen hier

im Endeffekt deutlich höher als ursprünglich

geplant aus; schuld daran war eine

Fehlplanung, die aus technischen Mängeln

resultierte. Beauftragt wurde Walter Gropius

von der Stadt Dessau, weil er versprach,

nicht nur effizienter, sondern auch billiger

als die Konkurrenz zu sein. Da er damals auf

modernste Fertigungsprozesse setzte, war

das Tempo, in welchem die Siedlung gebaut

wurde, tatsächlich beeindruckend. Leider

wiesen die Wohnbauten Konstruktionsfehler

auf. So fielen die Wände viel zu dünn und

auch die Wärmedämmung unzureichend

aus. Weitere bauliche Maßnahmen – darunter

das Errichten von Vormauern – waren

notwendig, um diese Mängel zu beheben.

Dies führte wiederum zu Rissen zwischen

Fenstern und Deckenbalken. Das Experiment

mit der innovativen Bauweise erwies

sich letzten Endes als ziemlich teuer. Da es

sich um Eigenheime handelte, musste die

Bevölkerung für die Kosten der Umbauten

selbst aufkommen. Viele Bürger konnten

sich dies nicht leisten – Proteste seitens

der Bevölkerung, aber auch der Politik waren

die Folge. Für die Sozialdemokratie war

diese Entwicklung ein Drama. Daher kam es

zwischen den Sozialdemokraten und dem

Bauhaus zu einer Entfremdung, die unter

der nationalsozialistischen Diktatur im Jahr

1933 schließlich zur Schließung der Schule

führen sollte.

Lehren aus der Schule „Bauhaus“ ziehen

Ihr Ziel erreichte die sachliche Strömung

in der Architektur also nur bedingt. Zwar

schaffte es Walter Gropius, Projekte zu

realisieren, die erste Lösungsansätze für

die Wohnungsnot im Deutschland der

1920er-Jahre lieferten. In mehreren Städten

errichtete der Architekt Massenwohnbauten,

deren Gestaltung den Prinzipien

des Bauhauses entsprach. Das Problem der

Wohnungsknappheit wurde in vielen Orten

so tatsächlich gelöst. Allerdings kam es hier

auch zu unvorhersehbaren Entwicklungen.

Walter Gropius bedachte nämlich nicht,

dass die kühle, auf Anonymität ausgerichtete

Gestaltung der Bauten letztendlich zum

sozialen Zerfall der betreffenden Ortsteile

beitragen würde. Auch die Anpreisung des

Punkthochhauses als ideale Wohnform ging

auf das Konto der Lehren des Planers. Architekten

wie Dankwart Guratzsch üben

daran heute Kritik. Ironischerweise ist die

vom Bauhaus kritisierte Blockbauweise der

Gründerzeit als Wohnform viel eher geeignet.

Die verzierten Wohnbauten strahlen

Individualität aus und sind auch in ihrer Erhaltung

wirtschaftlicher.

Was den Wohnbau im Bauhaus betrifft,

waren für die Allgemeinheit auch nur die

wenigsten der in den 1920er-Jahren realisierten

Objekte erschwinglich. Lediglich

Designprojekte wie die Bauhaustapete oder

die Schreibtischlampe der Firma Kandem

gingen in die Massenproduktion, sind durch

Imitate noch heute bekannt und waren tatsächlich

für die breite Öffentlichkeit leistbar.

Nichtsdestotrotz leben die Ideen des Bauhaus

in der heutigen Architektur weiter. So

zeichnet sich vor allem der moderne Wohnbau,

der sich ab den 1950er-Jahren etablierte,

durch eine schlichte, praktische und oft

quadratische Gestaltung aus – auch wenn

gerade dieser Stil von vielen Experten kritisiert

wird. Gemäß dem Architekten und

Stadtplaner Christoph Mäkler sei die Prämisse

des Bauhaus, dass die Form der Funktion

folgen solle, für den sozialen Verfall vieler

Siedlungen am Stadtrand verantwortlich.

Die oft einheitlich gestalteten Vorstädte der

heutigen Zeit wirken auf den Professor klinisch

und abweisend.

Und doch ist die Schuld für diese Entwicklungen

im Wohnbau nicht alleine bei der

Weimarer Kunstschule zu suchen. Immerhin

hatte das Bauhaus selbst nur wenig Zeit,

um sich zu etablieren und weiterzuentwickeln.

Die Strömung sah sich von Beginn

an als Experiment. Dazu gehörte auch das

Eingehen von Risiken. Dies taten sowohl die

Lehrenden als auch die Schüler durch die

Umsetzung ihrer Ideen. Faszinierend sind

am Bauhaus nicht alleine die technischen

Errungenschaften, sondern vor allem die

Ideologien hinter den Projekten. Mit der vorzeitigen

Auflösung der Bildungseinrichtung

ging mit Sicherheit viel Potenzial verloren

– mit dem Fortschreiten der Technik hätte

die Schule durchaus die Möglichkeit gehabt,

ihre Idee weiterzuentwickeln.


architektur FACHMAGAZIN

48

Technik & Fassade

Revival of the

Betonmonster

Coworking Spaces & Serviced Offices / Brüssel / Constantin Brodzki

Fotos: Luis Asín, Paredes Pedrosa Arquitectos

Neun Geschosse Beton, lauter gleiche, ovale Fenster mit

gelblichen Glasscheiben erinnern an alte Scifi-Filme.

Der Bau von Architekt Constantin Brodzki, in der Nähe

von Brüssel gelegen, wurde renoviert und mit einem

Konzept der Innenarchitekten vom Studio Going East

in aufregende Coworking Spaces und Serviced Offices

für Fosbury & Son – einem Unternehmen, das sich mit

der Kreation von neuen Arbeitskonzepten befasst –

transformiert.

Wie bei jeder Wiedergeburt kann man auch hier staunen:

Das von Constantin Brodzki in den 70er Jahren

erbaute Bürogebäude mit den ovalen Fenstern, in

Boitsfort bei Brüssel gelegen, könnte auch aus einem

Scifi-Film stammen. Perfekt und seriell ist die Gestaltung,

ein Musterbeispiel einer Brutalismusikone mit einem

doch sensiblen Charme. Der noch lebende, heute

94 Jahre alte Brodzki kann die Wiedergeburt und Neubenutzung

dieses Stahlbetonbaus noch genießen und

sich darüber freuen, dass vom Studio Going East für

Fosbury & Sons in diesem neungeschossigen Hochhaus

stilvolle Coworking Spaces gestaltet wurden.

Einige der Innenräume wirken in ihrer Eleganz und Gestyltheit

ebenso fast einem Film entnommen.

Dieses Projekt ist ein Beispiel für den Wandel, der

gerade in der Architekturszene stattfindet. Nicht nur,

dass immer öfter bestehende Bauten renoviert und

neuen Inhalten zugeführt (statt abgerissen) werden,

auch die Funktionen der Architektur sind nicht mehr

auf „nur“ Nutzen abgestimmt. So wird in diesem Projekt

zwar hochfunktioneller Büroraum geboten, aber

gleichzeitig kommt ein Service dazu, das einerseits

aus einem Marketinggedanken entspringt, aber auch

den Menschen wieder mehr in den Mittelpunkt rückt.

Es soll das Gefühl eines Zuhause-Seins, eines Willkommens

vermittelt werden. Denn so lassen sich in

unserer Welt, die vom IoT bestimmt ist, wieder Motivation

und Identität erzeugen.

u


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49

Constantin Brodzki


architektur FACHMAGAZIN

50

Technik & Fassade

Hier ist nicht nur eine Fassade bereinigt und erneuert,

sondern auch ein Platz für digitale Nomaden und

andere, die nicht nur auf Abgeschlossenheit bei der

Arbeit Wert legen, geschaffen worden. Alles in allem

befinden sich in dieser Architektur Räume für 600

Mitarbeiter und 250 Firmen auf 7.000 Quadratmetern

Bürofläche. Es gibt sowohl Suiten für kleine und

mittlere Unternehmen wie auch Großraumbüros und

zahlreiche weitere Arbeitsbereiche. Eine Lobby mit

Bar im Erdgeschoss wird nach Arbeitsschluss sehr

stark für Drinks und Imbisse frequentiert.

Die vielen, seriell angeordneten ovalen Fenster mit ihren

leicht bernsteinfarbenen Gläsern erinnern ein wenig

an einen Bienenstock – dahinter wird gearbeitet.

Hier mischt sich eben der Charme des Brutalismus

mit den Anforderungen des neuen Working Space.

Besser als ein völliger Neubau allemal. Die diversen

Arbeitsbereiche sind sehr geschickt mit einzelnen

Versatzstücken aus Vintage und klassischem Design

bestückt. Immer im bewussten Kontrast zu den

Sichtbetonflächen. Die Atmosphäre trägt die Handschrift

von Anaïs Torfs und Michiel Mertens, den

Innenarchitekten vom Studio Going East. Ein Glück

für die Raumakustik war, dass die Rippendecken des

Bestandes unverkleidet sind und eine hervorragende

Geräuschdämpfung abgeben. Auch die Originalfußböden

und Einbauschränke aus Kirschholz von

Brodzki konnten erhalten und restauriert werden.

Anstelle von unattraktivem Büroraum wird hier Office-Space

mit viel Stil, Service und Eventmöglichkeiten

geboten. Statt Petflaschen stehen hier auch

elegante Glasflaschen für Getränke auf den Pults.

Als Highlights sind – dank einer Kooperationen mit

Brüsseler Galerien und Künstlern – neben vereinzelten

extravaganten Leuchten in den Räumen viele

Kunstwerke zu sehen. Beim Büro der Zukunft geht

es nämlich darum, inspirierende Orte zu kreieren, die

eine angenehme, produktive Atmosphäre fürs Arbeiten

und Netzwerken schaffen.


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51

Constantin Brodzki

Früher war diese Architektur einmal das Headoffice

der Zementfirma CBR, hier passten Betonbrutalismus

und CI sehr gut zusammen. 756 konvexe Fenster

in ovalen Betonmodulen und die parallelen Linien

der bemerkenswerten Fassade verleihen dem neunstöckigen

Gebäude von Fosbury & Sons eine monolithische

Atmosphäre. Die senkrechten Linien und

die Betonmodule ziehen sich sogar ins Erdgeschoss

weiter, so lässt sich auch diskret der Eingang in das

Bürogebäude verstecken. Die Form dieses Baus hat

damals in Belgien einen ganzen Schwarm von Folgeprojekten

hervorgerufen. Das war auch ein Grund,

dass Brodzki als einziger belgischer Architekt bei der

Ausstellung „Transformations in Modern Architecture

1960-1980“ im Museum of Modern Art in New

York ausgestellt wurde.

u

Bilder, Kunst und die ovalen

Fenster schaffen eine

Atmosphäre mit einem

sowohl nostalgischen wie

auch modernen Touch.

Ein bisschen auch wie in

einem Raumschiff!


architektur FACHMAGAZIN

52

Technik & Fassade

Modernes Interieur mit alten Versatzstücken bilden

eine ideale Arbeitsatmosphäre für Gruppenund

Einzelarbeit auf hohem Niveau.


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53

Constantin Brodzki

Das Haus ist eine außergewöhnliche, historische

Architektur in dem Geist der Jahre, in denen es erbaut

wurde. Alles passt! Eine hervorragende Architektur

und auch sehr funktionell. Die 7.000 Quadratmeter

Nutzfläche verteilen sich auf sieben der

neun Geschosse, zusätzlich gibt es drei Ebenen für

Parkflächen unterirdisch. Der Immobilienbetreiber

stellt seinen Nutzern auch ein Restaurant und die

Bar „Giorgio“, welche einen Panoramablick aus dem

achten Stock bieten, zur Verfügung. Es gibt 15 bestausgestattete

Meetingräume, einen großen Veranstaltungssaal

in der Lobby und die Bar, welche von

Nutzern und auch Außenstehenden gemietet werden

können. Ein Auditorium mit 75 Sitzplätzen und Großbildschirm

steht ebenfalls zur Verfügung.

Zusätzlich bietet der Betreiber auch eine App für

Handys an. Sie dient dazu, Mitarbeiter und Mitglieder

zu vernetzen und ihre Kommunikation im realen

Leben zu stimulieren. Sie können sich so ihren Lieblings(gesprächs)partner

für einen Kaffee in der Bar

organisieren. Allerdings waren weder die Architekten

noch die Innenarchitekten oder die Auftraggeber

oder deren Pressestelle bereit, Grundriss, Schnitte

Ansichten oder grafisches Material zu diesem Projekt

zur Verfügung zu stellen: Soviel Geheimhaltung

trotz internationaler, medialer Präsenz? (rp)


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Technik & Fassade

Lernen und

Forschen im Kubus

CT² Center for Teaching and Training / Aachen /

slapa oberholz pszczulny | sop architekten

Fotos: B + E Fotografie

Ein Würfel, als einer der fünf platonischen Körper,

zum Torbogen von sop architekten geformt, bildet

den Eingang zum Campus Melaten auf dem RWTH

Aachen Campus. Verschiedenste Maßnahmen tragen

hier zu einer nachhaltigen und zukunftsweisenden

Architektur bei.


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slapa oberholz pszczulny | sop architekten

Der platonische Körper

Dieser Kubus wird nicht umsonst das „Tor zur Welt

der Biomedizin“ genannt. Das CT², entworfen von

slapa oberholz pszczulny | sop architekten für den

RWTH Aachen Campus, stellt städtebaulich den Auftakt

für den dahinter liegenden Campus Melaten dar.

Er gehört zum Cluster Biomedizintechnik, einem von

insgesamt 16, mit Büroflächen, Hallen und Laboreinrichtungen

für mehr als 10.000 Mitarbeiter konzipierten

Forschungsclustern, die in den kommenden Jahren

auf einer Fläche von rund 800.000 m² entstehen

werden. Und der architektonischen Leitidee folgend,

verkörpert das Gebäude mit seinen geschlossenen

Seiten und den transparenten, einladenden Glasfronten

auch genau das: ein Tor, eine Durchgangsgeste

zum dahinter liegenden Campus. Die Architektur bietet

durch die Verzahnung von Theorie und klinischer

Praxis hochmoderne Ausbildungsmöglichkeiten für

Studierende der Fachrichtungen Medizin, Zahnmedizin

sowie Biomedical Engineering.

u


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56

Technik & Fassade


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slapa oberholz pszczulny | sop architekten

Das Atrium mit seinen

großzügigen Gemeinschaftsflächen

ist ein

Herzstück der Anlage.

Die Architekten haben für den Entwurf die Form eines

Würfels gewählt: Ein Körper, der nach den Regeln

der fünf platonischen Körper nicht weiter reduziert

werden kann. Er steht frei auf einer Ebene und präsentiert

sich. Bewusst haben sie auch den Kontrast

der harten Form mit dem organischen Grün des Umraumes

gesucht, eine Architektur, die fast ein wenig

skulptural erscheint. Um die Proportionen des

Würfels und die Gleichheit aller beteiligten Kanten

(lt. Platon) einzuhalten, mussten die Gebäudehöhe

vergrößert und die Fassaden nach oben hin verlängert

werden. Dadurch konnte die auf dem Dach

aufgestellte Haustechnik hinter einer raumhohen

Attika verschwinden. So erbrachte die Verbesserung

der Gebäudeproportion gleichzeitig die Vermeidung

sichtbarer Dachzentralen und unschöner Aufbauten.

Der Eindruck einer Durchgangsgeste wird vor allem

optisch durch die vordere und die hintere Glasfront

erzielt. Die Rahmen dieser gläsernen Fassaden – aus

grauen hochqualitativen Betonfertigteilen bestehend

– werden an den seitlichen Flanken des Kubus mit

einem feinen Edelstahlgewebe zu einer fugenlosen

Fläche ergänzt. Die Haut der Flanken mit ihrer begrenzten

Transparenz verleiht dem Baukörper einen

geheimnisvollen Charakter – sie erinnert an die Hightech

Materialien der Medizin und Biomedizin und

macht den Innovations- und Forschungsgeist nach

außen hin sichtbar.

Optisch nahtlose Haut

Bei dem mit einem Investitionsvolumen von rund 20

Millionen Euro errichteten Bau werden die von Fensterbändern

durchzogenen seitlichen Fassaden – wie

schon erwähnt – von einer schimmernden Metallhaut

überspannt, welche eine optisch nahtlose Flächigkeit

erzeugt. Gleichzeitig bleiben durch die Gewebetransparenz

die dahinterliegenden Räume erkennbar und

die Räume erhalten genug Tageslicht. Gestaltet wird

diese Hülle aus zwölf Paneelen eines Edelstahlgewebes

– jede von ihnen 29,5 Meter lang und 5,4 Meter

breit. Für die Wahl der gewebten Membran sprachen

gleich mehrere Gründe: Die metallische Haut unterstreicht

den Hightech-Anspruch des Gebäudes und

gibt der Biomedizintechnik ein ebenso zeit- wie bedeutungsgemäßes

Gesicht und im Zusammenspiel

mit den Glasfassaden lässt sie Innen- und Außenraum

miteinander kommunizieren.

Die Art der Befestigung entspricht einem gestalterischen

Purismus. Das Stahlgewebe wird an Oberund

Unterkante nach einem patentierten System

zwischen zwei Flachprofilen in einen Spezialkleber

gebettet und damit verbunden. Spanngabeln sorgen

dafür, dass das Gewebe perfekt ausgerichtet werden

kann und mit der statisch erforderlichen Vorspannung

den zu erwartenden Wind- und Anpralllasten

widersteht. Die Paneele sind unten sichtbar an einem

durchlaufenden Stahlprofil befestigt. An der

Oberkante des Gebäudes wird das Gewebe dagegen

nach hinten umgelenkt, sodass dort nur eine feine

Gewebekante in Erscheinung tritt. Um bei einer Fassadenhöhe

von 29,5 Metern die Horizontalbewegung

und die Auflagerkräfte zu reduzieren, verlaufen horizontal

hinter dem Gewebe sieben Edelstahlrohre als

Zwischenbefestigungsebenen, an denen das Gewebe

von außen unsichtbar mit Drahtbügeln fixiert ist.

Die Edelstahlhülle dient auch als Sonnenschutz, der

die Oberflächentemperatur der Fassade reduziert.

Zugleich gewährleistet die offene Gewebestruktur

ungehinderten Tageslichteinfall und freie Aussicht.

So trägt sie nicht nur zur Verbesserung der Energiebilanz

des Gebäudes bei, sondern steigert auch den

Aufenthaltskomfort. Da Edelstahl am Ende der Nutzung

vollständig recycelt werden kann, unterstützt

die Membran zudem das anspruchsvolle Nachhaltigkeitskonzept

des Neubaus.

u


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Technik & Fassade

Die äußere Form des

Kubus spiegelt sich

auch in einer grafischen

Gestaltung und reduzierten

Farbgebung in den

Innenräumen wieder.

Das Innenleben

Die bereits von außen sichtbare Offenheit und Interaktion

wird durch das ausgeschnittene, lichtdurchflutete

Atrium im Inneren des Gebäudes konsequent fortgeführt.

Es befindet sich innerhalb des rund 30 Meter

langen Kubus und lässt durch zahlreiche Brücken,

breite Galerien und großflächige Lernbereiche eine

offene und kommunikative Welt der Lehre und Forschung

entstehen. In dieser Welt entstehen vielfältige

Blickbeziehungen mit und zwischen allen Geschossen.

Das Leitmotiv der Kommunikation und interdisziplinären

Zusammenarbeit wird so im ganzen Gebäude erlebbar.

Weitere Highlights sind ein 400 Personen fassender

Multifunktionssaal sowie ein, mit modernster

Technologie ausgestatteter, Demonstrations-Operationssaal.

Bei Bedarf können beide Funktionsräume mit

dem Foyer im Untergeschoss zu einem durchgängigen

Veranstaltungsbereich verbunden und beispielsweise

für Symposien genutzt werden.

Bei voller Betriebsauslastung fasst das Gebäude bis

zu 1.200 Personen. Das im Inneren geplante Farbund

Möblierungskonzept aus Sitzgruppen, elektrifizierten

Raumtrennern oder multifunktionalen Empfangstresen

und Garderoben, bricht bewusst die

rigide Geometrie des Gebäudes und erzeugt so eine

„Wohlfühl“-Atmosphäre für konzentriertes Arbeiten

und den Wissensaustausch unter den Studierenden.

Sitzgruppen mit speziellen Akustikstoffen, mobile

Hocker und die Raumtrenner stehen in den Lernbereichen

für Meetings oder konzentriertes Arbeiten

zur Verfügung.

Energie und Konstruktion

Im Projekt tragen verschiedene Anlagen und Einbauten

zu einer deutlichen Energieeinsparung bei. Die

durchgängige LED-Beleuchtung, die Nutzung von

Solarthermie sowie der Einbau eines Eisspeichers

steigerten zwar die Investitionskosten, senken nun

jedoch erheblich den Energieverbrauch. Besonders

hervorzuheben sind die Luftbrunnen zur natürlichen

Belüftung des zentralen Atriums. Dabei wird die Außenluft

über Erdkanäle geführt, die auch unterhalb

des Gebäudes verlaufen. Dort erzielt die Luft einen

Kältegewinn im Sommer und einen Wärmegewinn im

Winter von jeweils ca. 6 Grad. Dadurch reduziert sich

die übliche Erwärmung bzw. Kühlung der Zuluft um

diese Beträge vollkommen kostenfrei.

Die Freiflächen wurden so gestaltet, dass in den kommenden

Jahren weitere mögliche Baukörper errichtet

werden können. Die Grünflächen, Außenanlagen

und befestigten Wege wurden daher kostengünstig,

aber doch optisch hochwertig umgesetzt. (rp)


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slapa oberholz pszczulny | sop architekten

CT² Center for Teaching and Training

Aachen, Deutschland

Bauherr:

Planung:

Team:

Statik:

Unternehmensgruppe Frauenrath

sop architekten

Wolfgang Marcour

Kempen Krause Aachen

Grundstücksfläche: 8.550 m 2

Bebaute Fläche: 2.460 m 2

Nutzfläche: 3.610 m 2

Planungsbeginn: 01/2015

Bauzeit: 06/2016 - 07/2018

Fertigstellung: 10/2018


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Technik & Fassade

Kinder hinter

Plastik

Nová Ruda Kindergarten / Vratislavice nad Nisou / Petr Stolín Architekt s.r.o.

Fotos: Alaxandra Timpau


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Petr Stolín Architekt s.r.o.

Eine Architektur mit zwei

Fassaden stellt der Kindergarten

in der Stadt Liberec,

entworfen von Petr Stolín

Architekt s.r.o. dar: Eine

äußere aus transluzentem Fiberglas

fasst die Baumassen

zu einer Einheit zusammen.

Eine zweite, dahinter gelegene

und ebenfalls teilweise

transluzente, fungiert als

eigentliche Hülle. Dazwischen

ergibt sich ein Raum,

auf dem die Kinder ihre Welt

erkunden können.

Kindergärten sind notwendig, die Bevölkerung

wächst (zumindest noch in einigen Gebieten) und so

muss gebaut werden. Der Kindergarten Nová Ruda in

Vratislavice nad Nisou (Stadtteil von Liberec, ehem.

Reichenberg, Tschechische Republik) löst genau dieses

Problem, er schafft Platz für die Erziehung und

Freizeit von Kindern. Das Grundstück gehörte der

Stadt und war das geeignetste für eine neue Wohnbebauung

und den dazugehörigen Kindergarten. Es

ist noch nicht komplett erschlossen und der Großteil

der Fläche ist als Grüngebiet gewidmet. In unmittelbarer

Nachbarschaft befinden sich ein historisches

Gebäude, eine Kunstschule und einige Einfamilienhäuser

– alles in allem eine eher ländliche Gegend.

Ganz ideal war der Bauplatz nicht, da er eine nach

Norden gerichtete Hangsituation enthielt, im Schatten

des hohen Schulgebäudes lag und von mehreren

infrastrukturellen Trassen durchquert wurde. Weiters

wurde der bebaubare Platz durch einen Parkplatz

beschränkt. All diese Hindernisse, sowie die tschechischen

Standards für Vorschulbauten – genauso wie

das immer stärker werdende Bewusstsein für die Umwelt

und die Qualität einer Umgebung für Kinder, die ja

ihre Erziehung mitprägen soll – flossen in den Entwurf

der Architekten Petr Stolín und Alena Mičeková ein.

Der Kern der Architektur ist ein Ziegelbau auf einer

Fundierung mit Decken aus Stahlbeton. Die Planer

lösten das Raumprogramm in zwei längs gerichtete

Riegeln auf, verbunden mit einem Quertrakt, dazwischen

liegt ein Atrium. Der Raum zwischen den beiden

langen Körpern, dieses Atrium, fungiert als Terrasse

und öffentlicher Bereich. Er ist mit dem neuen

Parkplatz verbunden und sein Holzboden verlängert

sich entlang der Gebäudeachse nach außen. u


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Technik & Fassade

Die Helligkeit und

Transluzenz der Fassade

spiegelt sich auch in der

Atmosphäre der Innenräume

wider. Lichtbänder

und helle Farben dominieren

hier.

Alle einzelnen Gebäudeteile sind hinter einer Fassade

aus transluzentem Fiberglas versteckt, diese fasst

zusammen und lässt doch die Singularitäten erahnen.

Die einzelnen Paneele der Außenfassade wurden auf

einem Stahlgerüst montiert, dahinter ist ein schmaler

Raum, in dem verschiedene Laufstege – vor der eigentlichen,

zweiten, innerhalb liegenden Außenwand

aus Fiberglas – die Erkundung des Baukörpers von

außen ermöglichen. Das Konzept dieser Transparenz

vereinheitlicht die Architektur und schafft ein Gefühl

der Sicherheit für die Nutzer. Die Außenfassade ist

wie ein sanfter Vorhang, der eine innere Welt umarmt.

Das Haus benötigt keinen Zaun und in seinem

Inneren entstehen geschützte, angenehme Räume.

Die Absicht der Architekten war es, das Lernen und

die Wahrnehmung der Kinder durch verschiedene,

spezielle Konfigurationen, die in der Architektur implementiert

sind, zu bereichern. So können die Kinder

das Gebäude schrittweise erkunden und sich in

ihm, nach dem Eintreten, selbst orientieren. Das findet

den ganzen Tag statt, als eine ständige Entdeckungsreise

durch die Architektur. Wie weit Kinder

sich kreativ in orthogonalen, cool designten Räumen

entfalten können, ob sie nicht eher runde, weiche,

warme und organische Formen brauchen, wird die

Zukunft zeigen. Die Klassen sind jedenfalls keine gewöhnlichen

rechteckigen, abgeschlossenen Räume,

sondern ständig mit dem Umraum verbunden. Die visuelle

Verbindung erfolgt durch große Fenster, durch

die teilweise transluzente Fassade und durch die

verschiedenen Ebenen des Atriums. Einige der großen

Fenster sind in beiden Hüllebenen auf derselben

Achse und ermöglichen den Blick nach außen. Einige

blicken nur auf die Gänge an der Außenseite. In der

Nacht werden die Öffnungen jedoch alle sichtbar, da

sie hinter der äußeren Fassade zu glühen scheinen.

Die Materialien in den Innenräumen sind in hellen

Tönen gehalten und auf den Terrassen mit Glas und

Holz kombiniert.


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Petr Stolín Architekt s.r.o.

Die Aktivitäten der Kinder variieren und hängen vertikal

von der Gebäudehöhe ab: Im unteren Teil ist die

Bettenabteilung als ruhigster Platz, im Stock darüber

befindet sich der Spielraum. Auch hier bietet sich die

Möglichkeit, auf eine Terrasse hinauszugehen und

über die seitlichen Galerien, die hinter der Fassade

verlaufen, andere Räume aufzusuchen. (Das ganze

Haus ist ein bisschen wie ein Ameisenhaufen angelegt.)

Von hier können die Kinder auch den Hauptspielplatz,

der auf einer Terrasse über dem Speisesaal

situiert ist, erreichen. Das oberste Geschoss

hat die größte Raumhöhe und dient als Klassenzimmer.

Oberlichten versorgen ihn und auch den Essbereich

im Erdgeschoss mit Tageslicht.

Die Gebäudegröße ist für zweimal 25 Kinder ausgelegt,

zusätzlich gibt es ein Büro für vier Erzieher, einen

Raum für den Manager, einen Speisesaal für 30

Kinder und vier Erwachsene. Die Zubereitung der

Speisen, die Umkleide des Personals, Technik- und

Lagerräume befinden sich alle unter demselben Dach,

im gleichen Baukörper. Durch die verschiedenen Terrassen

werden – trotz Nordlage – die Spielbereiche

in die Sonne gerückt und natürlich gibt es auch im

Außenraum Lagermöglichkeiten für Spielsachen. Das

verbleibend Areal des Grundstückes wird als Grünfläche

und für die diversen Spiele benutzt. (rp)

Nová Ruda Kindergarten

Vratislavice nad Nisou, Tschechische Republik

Bauherr:

Planung:

Městský obvod Liberec - Vratislavice nad Nisou

Petr Stolín, Alena Mičeková

Grundstücksfläche: 4.710 m 2

Bebaute Fläche: 915 m 2

Nutzfläche:

425 m 2 + 770 m 2 Terrasse

Planungsbeginn: 2015

Bauzeit: 2017 - 2018

Fertigstellung: 10/2018

Baukosten:

1,5 Mio. Euro


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Technik & Fassade

Geknickt und

durchdrungen

900 Ann St / Brisbane / John Wardle Architects

Fotos: Christopher Frederick Jones

Auf den ersten Blick ist nicht ganz klar, ob der niedrige

Baukörper mit der Fassade aus Klinkerziegeln den

Glaskristall von unten her durchdringt, oder ob der

kristalline Glaskörper aus dem Ziegel herauswächst

und ihn verschlingt. Auf jeden Fall haben John Wardle

Architects in Brisbane, Australien ein – mit 53 Millionen

Euro – eher teures aber optisch interessantes

Projekt realisiert.

900 Ann Street ist ein Landmark-Bürogebäude im

Fortitude Valley, innerhalb des Holy Trinity Church

Bezirkes, einer sehr beliebten Arbeitsgegend und

auch einem – im Bezug auf städtische Grünflächen

– sehr attraktiven Gebiet im historischen Kontext

von Brisbane. Der rund 23.000 Quadratmeter Nutzfläche

umfassende Büroturm ist eine bemerkenswerte

Neubelebung eines Grundstückes, dessen Strukturen

und rechtliche Kriterien einen Turm mit einer

respektvollen Einbeziehung seiner Nachbarschaft

ermöglichten. Die im Kontext des Grundstückes stehende

Kirche und deren Anlagen sind aus diesem

Grund vorsichtig und sensibel restauriert worden, um

eine Oase für die Nutzung der Kirche wie auch für die

breitere Gemeinschaft zu erzeugen.

u

Einen Glaskristall,

der anscheinend aus

einem Ziegelkörper

entwächst, haben die

John Wardle Architects

in unmittelbarer Nähe

zur Nachbarschaft eines

denkmalgeschützten Kirchenensembles

entworfen.

Die Fassade ist eine

Vorhangfassade aus Glas

und bringt eine Einsparung

der CO 2 -Emissionen

wie auch eine annehmbare

Raumtemperatur mit

sich. Auch die Optik der

Rücksprünge und Glaskonten

sorgen für einen

Mehrwert.


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John Wardle Architects


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Technik & Fassade


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John Wardle Architects

Gut gelungen ist die Verbindung zum

Kirchengelände durch den eingeschobenen

Teil mit der Ziegelfassade.

Aus diesen Kriterien lässt sich nun auch eine Antwort

auf die eingangs gestellte Frage geben. Der niedrigere

Ziegelbau an der Nordostseite des Turmes antwortet

auf die Ziegelarchitektur der bestehenden

Kirche. Er spielt – als ein Verbindungsglied zwischen

Moderne und Erbe der Vergangenheit – nicht nur

räumlich, sondern auch durch das Aufnehmen von

Ziegelmustern und Giebelformen eine Mittlerrolle.

Die Seite des Turmes an der Brookes Street führt

den Blick und die Bewegung zur Parklandschaft der

Kirchenumgebung. Das Ende an der Church Street

bietet die Nähe zur Straße und führt direkt zur Kirche.

Die spitz wirkende Ecke des Glasturmes erhält

im Erdgeschoss durch die großzügigen Glasfassaden

einen direkten Bezug zum Umraum der Stadt.

Das Innere des 15 Geschosse hohen Turmes wird

von innovativen, kreativen und flexiblen Grundrissen

mit formalen und informellen Treffpunkten für Mitarbeiter

und Kommunikationszonen gekennzeichnet.

4.000 Stück Grünpflanzen in zahlreichen Wintergärten

schaffen im Inneren eine angenehme Atmosphäre.

Die angrenzenden Grünbereiche der Kirchengemeinde

im Außenraum können über den – aus

Ziegeln errichteten – Verbindungsteil mit Lobby und

Café jederzeit erreicht werden. In dieser Transitionszone

befindet sich auch die Verwaltung der Kirche.

Eine Terrasse aus Ziegeln begrenzt die Verbindung

im Außenraum und dient als Pufferzone zwischen

den verschiedenen Gebäuden.

Um den Kontrast zwischen Turm und Umgebung klein

zu halten, haben die Architekten nur eine minimale

Materialpalette verwendet: Glas und Ziegel definieren

die Architektur. Der Ziegel verbindet die Geschichte

der denkmalgeschützten Bauten der Gemeindehalle,

des Pfarramtes und Holy Trinity Church mit dem Neubau.

Hier wurde die australische Ziegelmarke Browal

in drei verschiedenen Farbtönungen verwendet, um

entsprechende Verlegemuster zu erzielen. u


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68

Technik & Fassade

Der kristallin wirkende Büroturm 900 Ann Street umgrenzt

seine Innenräume und Wintergärten mit einer

unregelmäßigen Form durch eine Vorhangfassade aus

Glas. Das hoch isolierende Verbundglas reduziert den

Hitzeeintrag durch die Sonnenbestrahlung und steigert

die Performance des Gebäudes. An der Süd- und

Nordseite faltet sich die Hülle zurück und bietet verblüffende

Glaskanten und Sichtachsen. Ein gefaltetes

Glasvordach an der Ann und der Brookes Street sorgt

für Wind- und Wetterschutz für die Fußgänger am Gehsteig

und auch für ein optisch interessantes Muster.

Solare Energie und jede Menge Sensoren werden

verwendet, um den Sonnenschutz und auch die

Raumtemperatur zu steuern. So erreichte man eine 5

Sterne Green Star und auch 5 Sterne NABERS Energy

Zertifizierung (beides sind australische Bewertungssysteme

für nachhaltiges, energieeffizientes Bauen).

Pro Jahr werden mit dieser Architektur 72,8 Tonnen

CO 2 vermieden. Auch das Regenwasser wird gesammelt

und für die Gartenbewässerung verwendet.

Strukturell und städtebaulich gesehen bietet der Büroturm

die Anbindung an die nächsten Stationen von

Bahn, Autobus und CityCat. Ebenso gibt es eine Station

für das CityCycle, ein Fahrradleihsystem und 154

eigene Plätze für Fahrräder – das soll die Nutzer dazu

ermutigen, mit dem Rad statt mit dem Auto zu kommen.

Entwickler und Architekten arbeiteten hier intensiv zusammen,

um sowohl der Kirche einen 7-Tage-Zugang zu

allen ihren Bereichen als auch den Nutzern der Büros

einen uneingeschränkten Zugang zu den Grün- und

Parkflächen des Kirchenareals zu gewähren. (rp)


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John Wardle Architects

900 Ann St

Brisbane, Australien

Bauherr:

Planung:

Mitarbeiter:

Statik:

Consolidated Properties Group

John Wardle Architects

Stefan Mee, Minnie Cade, Charlotte Churchill,

Barry Hayes, Jeff Arnold

ADG Consulting Engineers

Nutzfläche: 23.162 m 2

Bürofläche: 18.991 m 2

Kirchenverwaltung: 299 m 2

Planungsbeginn: 2015

Bauzeit: 2015 – 2018

Fertigstellung: 04/2018

Baukosten:

53 Mio. Euro


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Technik & Fassade

Ein neuer

Rekord

The Towers of Bolueta / Bilbao / VArquitectos

Fotos: VArquitectos, Agustín Albizu


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VArquitectos

Das spanische Büro der VArquitectos hat in Bilbao,

Spanien, einen Wohnbau entworfen, der wie ein einziger

Körper zu sein scheint, aber aus zwei Teilen besteht.

Wie König und Dame beim Schach „kleben“ sie

aneinander. Es ist ein Projekt mit 361 Sozialwohnungen,

die in einem 28 Stock (Dame) hohen und einem 21

Stock (König) hohen Körper miteinander verschmelzen.

Die dunklen Fassaden tun ihr Übriges dazu.

Diese Nachbarschaft im Norden Spaniens ist im Passivhausstandard

entworfen und das höchste, nach

diesem Standard zertifizierte Gebäude der Welt. 2012

hat das Büro der VArquitectos einen Wettbewerb für

Entwurf und Projektmanagement für die 361 Wohnungen

gewonnen. Es sollte zwar ein sehr effizientes

Gebäude, aber doch weit entfernt vom Passivhaus

werden. Heizung und Warmwasser sollten von einer

zentralen Anlage, die etwa 1.100 Häuser in Bolueta

versorgen sollte, bezogen werden. Ein Problem

entstand, als aufgrund der Wirtschaftskrise der Bau

dieser Anlage gestrichen wurde. Der Immobilienentwickler

bestand jedoch auf einer energieeffizienten

Bauweise mit einer A-Zertifizierung. Ab diesem Moment

begannen die VArquitectos die Umwandlung

des Projekts auf Passivhausstandard und damit die

Einhaltung der verlangten Effizienz zu prüfen. 2013

entwickelte man dann ein neues Projekt, eben mit

dem Ziel einer Passivhauszertifizierung.

Ein Wohnturm mit einer stellenweise beachtlichen

Höhe entstand. Die verwendeten Materialien mussten

den technischen Kriterien des Auftraggebers

Visesa und dessen Erfahrungen mit tausenden sozialen

Wohnbauten entsprechen. Stahlbeton wurde

für tragende Wände um den Lift herum und zur

Aussteifung gegen Windkräfte verwendet. Aufgrund

der spanischen Bauordnung besitzt das Gebäude als

Ausmauerung Ziegelwände mit einer außen liegenden

Isolierung, versteckt hinter einer hinterlüfteten

Aluminiumfassade. Die finale Stärke der Isolierung

aus Steinwolle beträgt außen 10 cm, zusätzlich

wurden an der Innenseite nochmals 5 cm Steinwolle

aufgebracht. Das war die beste Lösung, um den

Spagat zwischen Preis und Leistung zu bewältigen.

Im Vergleich zum ursprünglichen Projekt (im Nichtpassivhausstandard)

ist die Isolierung nur um 5 cm

gewachsen. Alleine diese Maßnahme aber bedeutet

eine Reduktion des Jahres-Wärmebedarfs von 56

kWh/m 2 auf 42 kWh/m 2 .

u

Das weltweit derzeit höchste Wohnhaus

in Passivhausqualität haben die VArquitectos

in Bilbao im Norden Spaniens

erreichtet. Aus einem ursprünglich

normal-effizienten Bau wurde nach

einer entsprechenden Umplanung und

nur 3% Mehrkosten ein hocheffizienter

Wohnturm mit 361 Sozialwohnungen in

Passivhausqualität.


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Technik & Fassade

Zusätzlich berechnete man alle Wärmebrücken und

entwickelte dementsprechende Detaillösungen zu

deren Vermeidung. Die äußere, isolierte Hülle ist

durchgängig ohne Balkone und vergleichsweise

schwierige Formen ausgeführt – so wurden schon

einmal die geometrischen Schwachstellen ausgeschlossen.

Dann wurden die Verbindungen zu den

mehr als 2.000 Fenstern genau beachtet. Ihre Rahmen

wurden isoliert, um die äußere Schutzhülle nicht

zu durchbrechen. Das brachte eine weitere Reduktion

der Heizenergie von 42 auf nun 34 kWh/m 2 pro Jahr.

Aufgrund der Höhe der Architektur und der akustischen

Parameter hatte das ursprüngliche Projekt

zwar High-Standard, aber keine höchst effizienten

Fenster mit einem Uw von nur 1,6 W/m 2 k. Das Klima

in Bilbao ist zwar mild, aber nach einigen Erfahrungen

mit PHPP (Energiebilanzierungs- und Planungstool

für effiziente Gebäude und Modernisierungen)

entschlossen sich die Architekten zu dreifachverglasten

Fenstern aus Kunststoff mit Argonfüllung.

Das bewirkte einen Uw


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73

VArquitectos

Um dann die maximale Effizienz zu erzielen, setzten

die Planer auf eine Lüftungsanlage mit Wärmerückgewinnung.

Die spanischen Gesetze verlangen zwar

eine Lüftung, aber keine mit Wärmerückgewinnung.

Im Winter hätte beim ursprünglichen Projektstatus

also die Frischluftzufuhr Außentemperatur gehabt,

was weder effizient noch angenehm, aber gesetzeskonform

gewesen wäre. In der jetzigen Ausführung

senkt die Wärmerückgewinnung den Heizbedarf von

25 kWh/m 2 auf 16 kWh/m 2 pro Jahr.

Als finale Maßnahme wurde Luftdichtheit für jede

Wohneinheit definiert. Im Inneren der einzelnen Wohnungen

hat man das mittels Putz auf den Ziegelwänden

erzielt. Sämtliche Unterbrechungen dieser Hülle

wurden mit speziellen Bändern versiegelt, ebenso

verwendete man mit großem Erfolg eine flüssige

Dichtmasse. Der Blower Door Test ergab einen Wert

von 0,38r/h, das ist recht anspruchsvoll und auch auf

die Stahlbetonscheiben mit ihrer ausgezeichneten

Luftdichtheit zurückzuführen.

Alle baulichen Verbesserungen zum ursprünglichen

Projekt ergaben nur eine Preissteigerung von 3%, ganz

abgesehen von der Verbesserung des Komforts, dem

Lärmschutz, der Wertsteigerung für die Zukunft. Besonders

für die Bewohner mit niedrigem Einkommen,

dem Großteil der Nutzer, bedeutet dies eine deutliche

Verbesserung durch die geringeren Energiekosten im

Betrieb. Für alle 361 Wohnungen lässt sich eine Einsparung

von 125.000 Euro pro Jahr berechnen. Das ist

ein Beweis, dass sozialer Wohnbau in dieser Qualität

in Spanien machbar ist. Allerdings nur mit Stahlbeton

und Ziegelwänden, alle anderen Materialien und Baumethoden

hätten eine deutliche Überschreitung der

vorgesehenen Kosten mit sich gebracht. (rp)

The Towers of Bolueta

Bilbao, Spanien

Bauherr:

Planung:

Statik:

VISESA

VArquitectos

Fhewr

Grundstücksfläche: 6.200 m 2

Nutzfläche: 27.670 m 2

Planungsbeginn: 2015

Fertigstellung: 2018 und 2019

Baukosten:

beide Türme 26 Mio. Euro


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Technik & Fassade

Es lebe

das Buch!

Calgary‘s Central Library / Calgary / Snøhetta und DIALOG

Fotos: Luis Asín, Paredes Pedrosa Arquitectos

Aaron Betsky, Präsident der School of Architecture

in Taliesin (ehem. Frank Lloyd Wright School of Architecture)

fragt sich öffentlich, warum nicht alle

Bibliotheken so warm und freundlich sein können,

wie diejenige, die Snøhetta und DIALOG in Calgary,

Kanada realisiert haben. Er hält diese Architektur für

ein „best practice“-Beispiel moderner Baudenkmäler.

Man muss ja nicht gleich in derartige Begeisterung

verfallen, aber das Bauwerk hat schon etwas an sich.

Die Calgary Public Library (CPL) ist Teil eines der

größten Bibliothekssysteme in Nordamerika, mehr

als die Hälfte der Stadtbewohner von Calgary besitzen

eine Dauerkarte für diese Institution – wahrscheinlich

lesen die Kanadier mehr als die Europäer.

Die Bibliotheksfläche wurde durch den Neubau auf

22.300 Quadratmeter vergrößert und nun erwartet

man jährlich doppelt so viele Nutzer als bisher. Die

Bücherei wird auch eine wichtige Rolle in der Entwicklung

des urbanen Lebens, der rapid wachsenden

Stadt, bilden. Auch ist sie Calgarys größte Investition

seit den Olympischen Spielen 1988 und somit signalisiert

sie den Beginn eines neuen Kapitels im kulturellen

und geistigen Leben für die Bevölkerung. u


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Snøhetta und DIALOG

Eine neue (statt der alten) Bibliothek hat Calgary in

Kanada bekommen. Entworfen von Snøhetta und DIALOG

ist sie eine Bereicherung für das städtische und kulturelle

Leben, aber auch ein Beweis, dass das Buch noch lebt und

nicht komplett vom Digitalen verdrängt wird. Die Fassade

der Architektur bietet von allen Seiten eine Hauptansicht

und so ist die Bibliothek auch das verbindende Puzzle für

zwei bisher getrennte Nachbarschaften.


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Technik & Fassade

Städtebauliche Situation

Die Architektur befindet sich mitten in einer sehr

komplexen städtebaulichen Situation: Eine in Betrieb

stehende Bahnlinie durchquert das Grundstück von

oben in eine tiefer liegende Ebene auf einer halbmondförmigen

Trasse, sie teilt gleichzeitig Downtown

und East Village. Als Antwort hoben die Planer

die Eingangsebene über die abgekapselte Bahnlinie.

Sanft geschwungene Terrassen – entsprechend den

unsichtbaren Bahntrassen – schrauben sich im Herz

des Baukörpers nach oben und erlauben den Menschen

den Zutritt, von welcher Seite auch immer

sie kommen, um in die Bibliothek zu gelangen. Außen

liegende Amphitheater, die sich in die Terrassen

einschmiegen, bieten Sitzplätze und auch Raum für

Programme der Bibliothek. Als Portal und auch als

Brücke verbindet der Baukörper nun die beiden, bis

jetzt getrennten, Bezirke und etabliert visuelle und

fußläufige Verbindungen zur jeweils anderen Seite.

Genügend Möglichkeiten

zum Lesen, Kommunizieren

oder sich Vertiefen

bieten die vielfältigen

Podeste und Stiegen des

Atriums.


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77

Snøhetta und DIALOG

Die Fassade

Die dynamische, dreifach verglaste Fassade ist in einem

modularen System von Sechsecken komponiert.

So soll sich der Anspruch der Bibliothek ausdrücken,

alle Menschen einzuladen, denn Teile dieses Musters

könnten als geöffnete Bücher, Schneeflocken, oder

ineinander verschachtelte Häuser gelesen werden

– sie verdeutlichen jedenfalls die Idee von Kollektiv

und Gemeinschaft. Ansammlungen der hexagonalen

Form verteilen sich auf der gekurvten Fassade, sie

wechseln sich mit gesinterten Glasteilen und manchmal

schillernden Aluminiumpaneelen ab. Wichtig ist

auch, dass die gesamte Fassade rundherum mit dem

gleichen Muster entworfen ist, so kann jede Seite der

Architektur als Hauptansicht fungieren. Diese visuelle

Sprache setzt sich auch in der Wegführung und

Signalisierung in den Innenräumen der CPL fort.

Die kristalline Geometrie der Fassade wölbt sich

über dem Eingang nach innen und gibt einen riesigen,

mit Holz verkleideten Bereich frei, der die

Besucher empfängt. Diese Umrahmung ist eine Referenz

an die sogenannten Chinook-Wolkenbögen

(Stratuswolkenformation), die für die Gegend typisch

sind. Die Wölbung ist komplett mit Brettern aus dem

Holz der roten Zeder gestaltet und mit ihrer doppelt

gekrümmten Kurve gehört sie zu den größten Freiformflächen

aus Holz auf der Welt. Die organische

Form und Textur des Eingangs schafft es, das große

Volumen der Architektur auf einen angenehmen

und freundlichen Maßstab zu reduzieren. Von außen

sichtbar fordert das Hauptatrium die Besucher zum

Eintreten auf. So wie sich der Eingang zur Lobby und

dem Atrium fortsetzt, so zieht sich auch das Holz

in seiner Gestaltung und Anwendung mittels einer

Spiralbewegung über 25 Meter nach oben zu einem

Auge in den Himmel. Holzlamellen zeichnen den Umfang

des Atriums wie bei spitzen Ellipsenbögen – sie

dienen einer schnellen Orientierung für die Besucher,

um einen Überblick über die Wegführung und innere,

organisatorische Logik der Bibliothek zu erlangen. u


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78

Technik & Fassade

Weiters sind im Inneren die Stahlbetonoberflächen unbehandelt

gelassen: Sparmaßnahme oder Open-End-

Anspruch? Der Rhythmus der tragenden Balken und

Säulen erinnert laut Aussage der Architekten an die

Stoa, als einen Platz des Zusammentreffens und des

intellektuellen Austausches. Diese Bezeichnung geht

auf eine Säulenhalle auf der Agora, dem Marktplatz

von Athen zurück. Auch so lässt sich Bedeutung und

Wichtigkeit in ein Projekt hineininterpretieren. Die Einfachheit

der Materialpalette in der Architektur soll den

Menschen den Sinn vermitteln, dass die Bibliothek ein

Ort der Arbeit und Aufmerksamkeit ist und nicht ein

sakrosankter Bücherspeicher.

Zeit zum Lesen

Nach den Kriterien von Vergnügen bis ernste Seriosität

sind die Bibliotheksprogramme dermaßen

organisiert, dass lebhaftere Publikumsaktivitäten

eher in den unteren Ebenen stattfinden. Graduell

bewegen sich die Bereiche für Studieren und Ruhe

spiralförmig nach oben. Auf der Straßenebene befinden

sich eine Reihe von Mehrzweckräumen, welche

die Verbindung zwischen innen und außen schaffen.

Im Mezzanin bietet eine Kinderbibliothek mit Spielhäusern

Raum für Handarbeit und Zeichenaktivität,

Leseübungen und einen Indoor-Spielbereich. Die gesamte

Kinderabteilung ist farbenfroh, mit grafischen

Tapeten und maßgefertigten Möbeln in kindgerechten

Dimensionen gestaltet.

u


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79

Snøhetta und DIALOG

Warme Farben und Holz

in allen möglichen Variationen

bestimmen das

Klima der Innenräume.


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80

Technik & Fassade

Auf den sechs oberen Ebenen häufen sich eine Menge

Bereiche für analoges und digitales Studieren, Lesen

und individuelle Interaktionen. Auf der obersten

Ebene befindet sich der große Lesesaal der öffentlichen

Bibliothek. Er ist als eine Art Schmuckstück

im Gebäude angelegt und bietet Raum für gezieltes

Studieren und Inspiration. Man betritt ihn über

einen Transitionsbereich mit abgedämpftem Licht

und geringer Geräuschkulisse. Sein Inneres wird von

senkrechten Holzlamellen abgetrennt, sie gewähren

Privatheit und auch Transparenz und definieren die

Grenze zwischen innen und außen, ohne massive

Wände zu benutzen. Naturlicht tritt durch die Lamellen

ein und sie ermöglichen auch eine Sichtachse

zwischen dem Atrium und der Westfassade.

Am nördlichsten Punkt der Architektur gelangt man

in das „Wohnzimmer“ der Bibliothek: Hier überblickt

der Besucher die Bahntrassen und den Treffpunkt

der zwei Nachbarschaften Downtown und East Village.

Lichtgefüllt und voller Aktivität ist dieser Punkt

nicht nur die Markierung und Signal für den Aufbruch

nach vorne, sondern auch ein Ort um rückwärts zu

blicken, auf den Einfluss dieser Architektur für die

Entwicklung der Stadt Calgary und ihrer Bürger. (rp)


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Snøhetta und DIALOG

Calgary‘s Central Library

Calgary, Kanada

Bauherr:

Design Architect:

Executive Architect:

Statik:

Calgary Municipal Land Corporation (CMLC)

Snøhetta

DIALOG

Entuitive

Grundstücksfläche: 22.300 m 2

Planungsbeginn: 06/2013

Bauzeit: 05/2015 - 11/2018

Fertigstellung: 11/2018

Baukosten:

164 Mio. Euro


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Technik & Fassade

Kupferzeit

im hohen Norden

Parq Vancouver / ACDF + Architecture49 und IBI Group

Fotos: Ema Peter

Wenn sich rund um den Bau eines Gebäudes

eine Community bildet, die jeden Tag Fotos

vom Baufortschritt macht und untereinander

austauscht, kann man getrost davon ausgehen,

dass dieses Design etwas Besonderes ist.


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ACDF + Architecture49 und IBI Group

Wie im Fall des Parq Vancouver, eines im Oktober 2017

eröffneten Projekts, das sich liebevoll begleitet von

seinen vielen design- und spielinteressierten Fans, innerhalb

eines Jahres in seinem kupferfarbenen Mantel

aus dem Erdboden erhob. Das Gebäude befindet

sich im Zentrum von Vancouver fast direkt am Wasser

des False Creek, zwischen den Bezirken Yaletown und

Gastown. Diese dicht besiedelten Teile von Vancouver

beherbergen neben dem historischen Zentrum die

modernsten Wolkenkratzer sowie eine Vielzahl von

Bars, Restaurants, Boutiquen und Sportzentren. u


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84

Technik & Fassade

Dieser von ACDF + Architecture49 und der IBI Group

geplante Gebäudekomplex beherbergt zwei Luxushotels,

ein Casino, verschiedene Restaurants, Fitness

Center mit Wellness-Bereich und einen 5.500 m 2 großen

Seminar- und Eventbereich. Im 5. Stock wurde

ein parkähnlicher Garten angelegt, eine grüne Oase

inmitten einer Hochhaussiedlung. Das Thema Natur

und Landschaft wird in den Gärten der sogenannten

Villen – die in Realität überdimensionale Suiten mit

eigenen Grünflächen sind – weitergeführt.

Die äußere Form des Gebäudes mit seinen vielfältigen

Kurven, Ebenen, Neigungen und Linien spiegelt

die umliegende Landschaft aus Bergen, Tälern,

Wasser und interessanten Gebäuden wider. Die Ostfassade

ist in Richtung der Wasser des False Creek

und der dahinterliegenden Landschaft ausgerichtet,

während die Westfassade die stylischen Wolkenkratzer

der Nachbarschaft spiegelt.

Die kupferfarbenen Vorhangfassaden an der Ostund

Westseite des Gebäudes sind mit scheinbar zufällig

angeordneten Lamellen aus Metall versehen.

Bei näherem Hinsehen wird jedoch klar, dass diese

Lamellen gemeinsam ein pixelartiges Muster bilden,

welches die umliegenden Berge darstellt. Diese

schimmernden Teilchen an der Fassade reflektieren

tagsüber das Sonnenlicht in verschiedenen Winkeln

auf die Glasfassade des Gebäudes und von dort auf

die umliegenden Wasser des pazifischen Ozeans.

Abends entstehen durch die Lichter der Großstadt

auf den Fassadenpixeln interessante Lichtspiele.

Die Struktur wird von schlanken

Betonsäulen getragen

Teile des Gebäudes erwecken den Eindruck, sie würden

über der Straße schweben, was dem ganzen

Komplex Leichtigkeit verleiht. Die Fassadengestaltung

wieder ist ein charmantes Wechselspiel aus

Kurven und sanften Rundungen aus gebogenem Glas

an den Gebäudeecken und klar strukturierten Kanten.

Parq wurde als Bindeglied zwischen der lebhaften

Umgebung des BC Place Stadiums und den trendigen

Unterhaltungsbezirken Yaletown und Gastown

konzipiert. „Unser Design stellt diese Verbindung

mühelos her und fängt gleichzeitig die Essenz dieser

Stadt mit ihrer atemberaubenden Umgebung ein“, so

Chefarchitekt Maxime Frappier.

Der Komplex besteht aus einem Mittelteil und drei

Türmen – in dem höchsten Turm, mit atemberaubendem

Ausblick, ist das JW Marriott untergebracht,

gewohnt klassisch und stilsicher mit luxuriösen Interieurs

in Gold- und Beigetönen. Der niedrigere Turm

an der Westseite beherbergt das The Douglas, ein

Boutique-Hotel mit atmosphärischem, ausgefallenem

Design, welches sich vieler natürlicher Materialien

und rohem Beton als Stilelement bedient.

Von den Hotelzimmern blickt man entweder auf

den Dachgarten und das dahinterliegende Stadion

oder auf der anderen Seite auf den Meeresarm False

Creek sowie auf die Skyscraper Silhouette der

Stadt und die dahinterliegenden Berge. Das Gebäude

selbst schmiegt sich dabei förmlich an das BC Place

Stadium an – der Turm des JW Marriott erinnert an

der schmalen Stirnseite in seiner Form an das ikonische

Flatiron Gebäude in New York.

u


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85

ACDF + Architecture49 und IBI Group

Das Parq Vancouver schmiegt sich an

das dahinterliegende Stadion. Die Form

dieses Turms erinnert an das ikonische

Flatiron Gebäude in New York.


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Technik & Fassade

Die Kurven und Schwünge

der Fassade sind von den

umliegenden Landschaften

inspiriert. Die großen

Glasflächen verbinden Innen

und Außen und laden

zum Eintreten ein.

Leben hinter der Fassade

Eine gelungene Mischung aus Klarglas, spiegelndem

Kupferglas und überdimensionierten Fenstern stellt

einen Bezug zwischen dem Leben im Inneren und

dem Äußeren des Gebäudes her. Gäste der Hotels,

Restaurants und des Casinos bleiben so in Verbindung

mit dem pulsierenden urbanen Leben der umliegenden

Straßen. Die elegante Hotellobby im 5. Stock

bietet zusätzlich einen Ausblick auf die üppige Natur

des Parkgartens, der auf dem Dach des Casino-Komplexes

angelegt ist. Dieser fast 3.000 m 2 große Garten

wurde mit 200 heimischen Douglastannen, sowie mit

15.000 weiteren heimischen Pflanzen begrünt.

Die spektakulären Interieurs sind passend zum

avantgardistischen Äußeren des Gebäudekomplexes

gediegen, außergewöhnlich und originell: Stiegenaufgänge

und Lobbies wie eis- und schneebedeckte

Landschaften wechseln einander mit warmen, erdigen

Höhlen ab. Oder die eigenwilligen Deckenkonstruktionen

mit Dreiecken aus Beton, die aus der holzverkleideten

Decke hervorlugen.

(ad)


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ACDF + Architecture49 und IBI Group

Parq Vancouver

Kanada

Bauherr:

Planung:

Paragon Gaming, 360 Vox, Dundee Corp

ACDF + Architecture49 und IBI Group

Bruttogeschossfläche: 72.481 m 2

Planungsbeginn: Juni 2015

Fertigstellung: Oktober 2017

Baukosten: ca. 400 Mio. $


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RETAIL architektur

Das Neudenken

von Architektur

Theo van Doesburg schrieb 1924 in seinem Manifest „Auf dem Weg zu einer plastischen

Architektur“: Die neue Architektur ist elementar, das heißt, sie entwickelt

sich aus den Elementen des Bauens im weitesten Sinn. Diese Elemente – wie

Funktion, Masse, Fläche, Zeit, Raum, Licht, Farbe, Material usw. – sind plastisch.

Van Doesburg ging es um die Zerlegung des umbauten Raumes mit dem Ziel der

Aufhebung von Innen und Außen.

Fotos: Laurent Clement

Ganz in diesem Sinne ist das Layout und Design des

neuen Shops in Les Champs-Elysées, Paris zu verstehen.

Die in Paris ansässige Firma Homecore erschuf

vor über 25 Jahren das erste Streetwear-Label in

Frankreich. Nun hat sie das Studio Malka Architecture

beauftragt, ihren neuen Retailstore zu designen.

Das Projekt ist von dem legendären Logo der Krylon-Spraydosen

und dem Farbtherapiekonzept von

Homecore beeinflusst und eine Mischung aus Graffiti

und einer Liebeserklärung an die „Friede, Liebe,

Spaß-Bewegung“ – eben ein fundamentales Bekenntnis

zu der damaligen Kultur.

Sieben Bögen bilden die Fassade; sie sind der Beginn

einer chromatischen Entwicklung, welche den Shop

durchläuft, wie projizierte, färbige Schatten eben die-

ser Bögen. Die Öffnungen der Fassade scheinen Newtonsche

Prismen zu sein, die das Licht in die Spektralfarben

aufspalten. Das Innere wird selbst zu einem

chromatischen Raum, eine physische Materialisation

des Farbkreises. Hier vermischen und addieren sich

die einzelnen Farben und schaffen so eine Relation

zwischen den Verkaufsbereichen. Die Überschneidungen

der Farben verursachen neue, additive Farben,

das ganze Projekt ist eine dreidimensionale Präsentation

des Farbkreises und gibt dem immateriellen

Farbraum eine begreifbare Struktur, wie zum Angreifen.

Die Innenarchitektur erlaubt der Farbe, einen organischen

Anschein in ihrer Beziehung zu Raum und

Zeit zu entfalten. Van Doesburg hätte sicher seine

Freude daran.


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RETAIL architektur


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RETAIL architektur

Brötchen

in Odessa

Eine wirklich mutige und farbenfrohe Palette von Farben und Einrichtungen

charakterisiert die Breadway Bakery mit angeschlossenem Kaffee im Zentrum

der historischen Hafenstadt Odessa in der Ukraine, entworfen haben sie die Architekten

Lera Brumina und Artem Trigubchak. Sie ist ein Mix aus Café, wo man

frühstücken kann, und Shop, wo man seine Brötchen als Take-away bekommt.

Die Planer sollten/wollten einen einladenden und in Erinnerung bleibenden Ort

gestalten, dazu verwendeten sie eine Reihe kontrastierender, kräftiger Farben

und Texturen. Eröffnet wurde der Shop Ende 2018.

Fotos: Mikhail Loskutov


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91

RETAIL architektur

Ursprünglich war hier eine Zahnklinik. Der Gesamtraum

ist, entsprechend seinen Funktionen, in drei

Teile gegliedert. Eine tiefblaue Take-away-Zone, ein

Wartebereich in der Mitte in einem rosa Design und

eine hellgraue Zone, in der man für ein Croissant und

einen Cappuccino verweilen kann. Die 85 Quadratmeter

große Lokalität ist von hohen Decken und großen

Fenstern gekennzeichnet. Um den Lichteinfall zu

verstärken, hat man an den Wänden mit glänzenden

Fliesen, gepaart mit einem breiten Goldstreifen gearbeitet.

Die Raumhöhe wird von speziell entworfenen

und handgefertigten, korallenfarbenen Lustern

betont. In der Verkaufszone sind die Wände tiefblau

und schaffen einen visuell angenehmen Kontrast zu

den Backwaren. Hinter dem rosafarbenen Pult mit

Vitrine befinden sich die Küche und die Bäckerei, geschützt

hinter bogenförmigen Öffnungen.

Auch alle eingebauten Möbel, Tische, Sofas sind extra

entworfen. Die pinken Sofas haben schmale, hohe Rückenlehnen,

welche den Blick nach oben lenken sollen.

In derselben Form, nur größer, ist der Eingang zu

den WCs gestaltet – so fällt er in der grau verfliesten

Wand weniger auf. Auch das Innere der Waschräume

ist in derselben Farbigkeit gestaltet, rosa Waschbecken

auf orangen Fliesen und blaue Unterschränke.


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92

RETAIL architektur

Nostalgisches für

Nachtschwärmer

Im Dezember 2018 hat in Rom ein neues Restaurant mit Cocktail-Bar eröffnet. Mit

der Bezeichnung LIÒN wäre das eigentlich nichts Außergewöhnliches, aber das Architekturbüro

COLLIDANIELARCHITETTO hat daraus eine Besonderheit gemacht.

Fotos: Matteo Piazza

Das Lokal sitzt in einem historischen Bau aus der Zeit

des Rationalismus mitten im Herzen Roms. Die mutigen

Linienführungen und die gedämpften Farben im

Maximalismus-Stil kontrastieren mit der Austerität

des Palazzos, der es beherbergt. Gleichzeitig bringen

sie Elemente des Dolce Vita wieder in die Stadt zurück.

Das Lokal ist nicht auf Touristen ausgerichtet,

sanftes Licht und verspiegelte Oberflächen bilden die

Bühne für einen sehr „sophisticated place“, dessen

Vorbereich den Largo della Sapienza überblickt.

Das LIÒN entwickelt sich auf zwei Ebenen: Das Erdgeschoss

enthält das Restaurant und ist völlig auf die

Öffentlichkeit orientiert, große Fenster, umrahmt von

dicken Balken aus Travertin – ein Kennzeichen des

Rationalismus – richten sich auf die Straße. Das Untergeschoss

– welches über eine Stiege aus Marmor,

geschmückt mit Messingteilen, erreichbar ist – beherbergt

die Serviceräume, die Küche und den Weinkeller.


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RETAIL architektur

Die Kreisform als dynamisches Element, bereits in

den schmiedeeisernen Gittern der Eingangstüre erkennbar,

zieht sich durch die gesamte Innengestaltung

und -einrichtung: von den Rückwänden hinter

der üppigen Ottomane in Türkis zu dem lackierten

Barschrank, von abgehängten Glasscheiben zur

Lichtgestaltung, von der Wandtäfelung bis zum Flaschenhalter

der Bar. Überall maßgefertigte Möbel,

bei denen sich Form und Funktion überschneiden,

Pop-Ästhetik trifft sich mit Kreisform.

Die Verwendung von farbig getöntem Glas in den

Elementen, welche über den schwarzen Platten der

Esstische aus Marmor hängen, ist eine Reminiszenz

an die frühen 20er Jahre; die Wahl geometrischer

Richtlinie im Design und die Grundfarben sind wiederum

von Wright´s Suche nach einer dynamischen

Beziehung zwischen Licht, Schutz und fließenden Innenräumen

inspiriert. Die dicken Säulen wurden mit

kleinstteiligem Mosaik bedeckt und die lange Bar mit

einer Kristallglasplatte, umrahmt von einer breiten

Messingleiste. Es ist ein Universum von Materialien,

Farben und Geometrien, die perfekt zueinanderpassen

und eine große Kohärenz bieten. Ein Erlebnis zwischen

Design und Küche.


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RETAIL architektur

Zitate aus

Mailand

Seit 1883 besteht der Feinkostladen Peck in der Via Spadari in Mailand. Heute gilt

Peck in Italien und weit darüber hinaus als Genusstempel italienischer Haute Cuisine

und besitzt Satellitenniederlassungen in Japan, Singapur, Südkorea und Taiwan.

Erstmals in unmittelbarer Nachbarschaft des Stammhauses eröffnete nun ein neuer

Standort im Mailänder Hochhaus CityLife. Das von Vudafieri-Saverino Partners

konzipierte Interior Design ist zugleich Basis künftiger Peck-Rollouts.

Fotos: Santi Caleca

Die Herausforderung bestand, so Leone Marzotto,

CEO des Familienunternehmens, vor allem darin, „unsere

extrem hohen Ansprüche an Qualität und Service

und unsere Leidenschaft einer neuen Kundenschicht

näher zu bringen: Mit zeitlosen Innovationen, die keinen

Trends hinterherjagen oder Modeerscheinungen

aufgreifen, die schnell wieder vergehen.“ Das neue

Peck befindet sich in einem rund 300 m² großen organisch

geformten Pavillon, zentral am Eingang zum

Einkaufsviertel CityLife und ist in zahlreichen unaufdringlichen

Zitaten als Tribut an Mailand und an die

Nachkriegszeit gestaltet. Also an jenen Ort und jene

Zeit, in der sich die Legende von Peck etablierte.

Der Boden orientiert sich an Ceppo di Gré, ein in der

Region vorkommendes Gestein mit großen Gerölleinschlüssen.

Die abgehängte Holzdecke zitiert die Villa

Necchi Campiglio des Mailänder Architekten Piero

Portaluppi und die Streben, die die Regale halten,

können als Hommage an die Torre Velasca gelesen

werden, jenes markante, von BBPR entworfene Hochhaus

südlich des Mailänder Domes. Die dekorativen

Lampen mit ihrem modernen, postindustriellen Look

erinnern wiederum an die ästhetische Tradition der

Mailänder Paläste.


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RETAIL architektur

Funktional präsentiert sich die Fläche als Hybrid aus

Bar, Restaurant und Feinkostladen mit einer großen,

hell erleuchteten Theke als einladende Geste im Eingangsbereich

und 70 Sitzplätzen, verteilt in dem lang

gestreckten und durch Pfeiler und Bögen strukturierten

Raum. Klapptische an der Theke und eine Reihe

versenkbarer Tische im Restaurantbereich ermöglichen

zudem eine alternative Bespielung des Raums.

In ihrem Rauten-Design fungieren die Tischflächen

– ebenso wie die tiefergehängte Holzdecke in Rauten-Maschen-Form

– als Hommage an die architektonische

Ästhetik der Stadt. Selbst die Musik, für die

Mailand international bekannt ist – man denke nur

an das bekannte Opernhaus – findet als Designzitat

ihren Platz. Wie einzelne Noten bilden ausgewählte

Flaschen in den Regalen an der Weinbar eine Metrik,

die sich zur Gesamtkomposition zusammenfügt.

Schlussendlich wird aber auch auf das historische

Peck selbst verwiesen. So sind etwa die blau-weißen

Fliesen in der Küche dieselben wie in der Küche der

Via Spadari. Und die Bar der Cocktailstation ist mit

handbemalten Porzellanfliesen überzogen, die eine

historische Fotografie des Peck-Hauptsitzes in der Via

Spadari aus den 1950er Jahren wiedergeben. Gemeinsam

mit ikonischen Materialien, wie Holz, schwarzem

Eisen und Kupfer, fügen sich vertraute Elemente des

historischen Feinkostladens zu einem zeitgenössischen

Ambiente, das das Potenzial hat, auch außerhalb

Italiens Mailänder Flair in die Läden zu bringen.


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RETAIL architektur

Zen & Salon

Längst hat der Koffer mit dem unverwechselbaren Rillendesign Kultstatus. Das

von dem deutschen Reisegepäckhersteller Rimowa entwickelte Design steht für

funktional cleanen Luxus und verlangt auch für seine Verkaufsräume nach einer

entsprechenden Inszenierung. Für diese zeichnet in Tokios Stadtteil Ginza das

Wiener Architekturbüro Labvert verantwortlich.

Fotos: Dirk Weiblen

Ginza gilt als elitäre Flaniermeile, berühmt für seine

Edelkaufhäuser und Luxusmarken. Seit Januar 2019

werden hier auch die robusten Edelkoffer auf 500

Quadratmetern Verkaufsfläche in Szene gesetzt. Architekt

Stephan Vary und sein Team entschieden sich

dafür, den Flagshipstore als Konzentration auf das

Wesentliche und damit als minimalistisch gestalteten

Ort der Ruhe inmitten der geschäftigen Metropole zu

positionieren. Hier wird sowohl dem Produkt als auch

dem Kunden viel Raum gegeben. Die Einrichtung

zeigt sich betont zurückhaltend. Wenige, ausgesuchte

Materialien wie warmes Holz und kühles Metall und

der Wechsel von fließenden und eckigen Formen stellen

Kontraste in einen gemeinsamen Kontext.

Das Interieur im Erdgeschoss ist von japanischen

Steingärten, allen voran dem berühmten Zengarten

Ryoan-ji in der Nähe von Kyoto, inspiriert. Ein als geschwungene

Linie angelegter Weg führt durch den

Raum und vorbei an geflochtenen Raumteilern, einer

modernen Interpretation japanischen Handwerks und

eine Hommage an die Shoji, die traditionellen Schiebetüren

aus Bambus und durchscheinendem Papier.

Im Rimowa Flagship Store sind die kunstvollen Geflechte

aus filigranen Eichenholzlamellen und handgeschöpftem

Japanpapier gefertigt.


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RETAIL architektur

Salon im Obergeschoss

Als Fortsetzung der fließenden Linien führt eine geschwungene

Stiege ins Obergeschoss, wo sich das

Client Care Center befindet. Eine großzügige Glasfront

ermöglicht hier Einblicke in die store-eigene

Werkstatt. Hier werden Reparaturen durchgeführt

sowie neue Gepäckstücke individuell nach Kundenwunsch

gefertigt. Das Obergeschoss präsentiert sich

mit der stilvollen Sitzgruppe und Vintage-Modellen

aus der 120jährigen Geschichte der Koffer-Marke

als wohnlicher Salon – ganz im Stile der Wiener

Verkaufssalons Mitte des 19. Jahrhunderts. Die hier

ausgestellten Modelle wirken zeitlos und beständig

und kommunizieren so ganz unaufdringlich auch die

Markenbotschaft.

Mit der Kombination von Alt und Neu, Zengarten und

Salon ist den Wiener Architekten eine Symbiose von

Tradition und Moderne ebenso gelungen, wie ein Ineinandergreifen

von Ost und West, das sowohl die Markenidentität

Rimowa als auch die kulturellen Synergien

der europäischen Marke mit Japan erfahrbar macht.


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98

RETAIL architektur

Helles

Understatement

Einen Store, der für Pop-up Events, Veranstaltungen, Beautyservices und Videodrehs

genauso wie als Beautysalon oder Verkaufslokal seinen Dienst erfüllt – das

haben die Batek Architekten für Zalando kreiert.

Fotos: Marcus Wend

Der flexible und anpassbare Raum kann sich sogar als

Hintergrund eines Selfies sehen lassen, denn seine

Displays und Kulissen sind durchaus spannend. Beton,

SmartPlastics und Edelstahl sind die verwendeten

Materialien und die Farbgebung pendelt sich bei

gebrochenen, weißen, hellbeigen, grauen und Naturfarbtönen

ein. Zusammen mit dem zementgebundenen

Industrieboden ein durchaus stimmiges Konzept.

Verschiebbare Kuben aus Edelstahl lassen sich frei

im Raum verschieben und können für Warenpräsentationen

oder Zonierungen verwendet werden. Als

Blickfang für Ausstellungen dient ein langes weißes

Regal, welches von der Firma Smile Plastics aus

recycelten Plastikbechern hergestellt wurde. Drei

ovale, raumhohe Regale als Standdisplays aus po-

liertem Metall dienen als Raumteiler. Sie lassen sich

durch eine leichte Bewegung um ihre Achse drehen

und öffnen den Store mal zu einem Ganzen oder teilen

ihn in einen geräumigen Vorderraum und einen

sichtgeschützten, hinteren Bereich. Auf der Rückseite

angebrachte vollflächige Spiegel vergrößern

dann den Raum optisch. Zentral im vorderen Verkaufsraum

platziert befindet sich ein massiver Trog

aus Beton, der den Kunden als Waschbecken dient,

und im hinteren Teil des Raumes ist der vier Meter

lange Beauty-Service-Table aus Edelstahl mit seinen

versenkbaren Spiegeln ein Blickfang. Überall schafft

die Tageslicht simulierende Beleuchtung mit einem

hohen Farbwiedergabeindex eine Galeriesituation für

die ideale Präsentation der Beautyprodukte.


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| BA12-14G |

RETAIL architektur

Eine Steuerung

für alle Gewerke.

Integrale, PC-basierte Gebäudeautomation

von Beckhoff.

Microsoft Technology

Center, Köln:

Die integrale Gebäudeautomatisierung

wurde mit

PC- und Ethernet-basierter

Steuerungstechnik von

Beckhoff realisiert.

www.beckhoff.at/building

Die offene, PC-basierte Steuerungstechnik von Beckhoff bildet die

Grundlage einer integralen Gebäudeautomation, die alle Anforderungen

an eine nachhaltige und effi ziente Lösung erfüllt. Eine

einheitliche Hard- und Softwareplattform steuert alle Gewerke, von

der nutzungsgerechten Beleuchtung über die komfortable Raumautomation

bis zur hocheffi zienten HLK-Regelung. Das Ergebnis:

Durch die optimale Abstimmung aller Gewerke werden die

Energieeinsparpotenziale über die Energieeffi zienzklassen hinaus

voll ausgeschöpft. Darüber hinaus reduziert die integrale Gebäudeautomation

Hardware-, Software- und Betriebskosten. Für alle

Gewerke stehen vordefi nierte Softwarebausteine zur Verfügung,

die das Engineering enorm vereinfachen. Funktionserweiterungen

oder -änderungen sind jederzeit möglich.

Die ganzheitliche Automatisierungslösung

von Beckhoff:

Flexible

Visualisierung/

Bedienung

Skalierbare Steuerungstechnik,

modulare I/O-

Busklemmen

Modulare

Software-

Bibliotheken


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100

Licht

Eine Erleuchtung!

Ballett ist eine bewegte Sache, dachte sich offenbar das Team Peter Bilak und

Lukáš Timulak und entwarf für das Royal Swedish Ballet eine bewegte Lichtskulptur.

Man kann die vielarmige, von Computern gesteuerte und kontrollierte

Struktur nicht einfach als Licht oder Leuchter bezeichnen, zu geistig und kompliziert

ist der Anspruch an diese „Lichtkonstruktion“.

Text: Peter Reischer Fotos: Peter Bilak

Schon in den 20er Jahren des vorigen Jahrhunderts

integrierten die Ballets suédois

in Paris Musik, Visuelles, Drama, Film und

Poesie in ein holistisches Erlebnis für die

Besucher. Für die Premiere des Stückes

„Totality in Parts“ am 2. November 2018 in

Stockholm, entwickelten Bilak und Timulak

in Anlehnung daran ein ganz spezielles

Konzept. Statt von der Choreografie ausgehend,

das Stück visuell oder musikalisch zu

interpretieren, brachten beide von Beginn

an ihre Ideen ein. Sie luden diesmal auch die

Kostümdesignerin Annemarije van Harten,

den Komponisten Hauschka und den Lichtdesigner

Tom Visser ein, die Performance

von Anfang an mitzugestalten. Sie konzentrierten

sich auf organisatorische Prinzipien

der Natur, indem sie die Beziehungen zwischen

mathematischen Algorithmen und


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101

Licht

scheinbar freiem Ausdruck berücksichtigten.

Timulak hinterfragt hier die Untrennbarkeit

des Individuums von der Gruppe mit

ihren sozialen Zwängen. Mit nur minimalistischem

Ausdruck nimmt das Stück das Publikum

auf eine Reise in die Außenwelt aber

auch zum besseren Kennenlernen seiner

selbst mit.

Bilak hat die Bühnenausstattung zusammen

mit dem Choreografen Timulak entwickelt,

dieser war für die Produktion und die

Bewegungsabläufe während des Stückes

verantwortlich. Da die beiden schon ungefähr

15 Jahre zusammenarbeiten, lassen

sich ausgeklügelte Synergien erkennen. Die

sechs Meter große Anlage hängt über der

Bühne und besteht aus insgesamt 512 Lampen,

die entlang von 32 gebogenen Armen

in einer Kreisform angeordnet sind. Jedes

der 512 Lichter wird einzeln von von einem

separaten Multiplexsystemkanal (DMX) gesteuert.

Die Helligkeit jeder Glühbirne kann

entsprechend der Choreografie auf der

Bühne kontrolliert werden. Die Arme der Installation

öffnen und schließen sich wie die

Blütenblätter einer Sonnenblume während

der Performance des Royal Swedish Ballet

und schaffen so Lichtkonfigurationen mit

einer Spannweite über acht Meter. Obwohl

die Struktur eigentlich flach ist, erweckt

sie doch während der Aufführung den Anschein

einer dreidimensionalen Sphäre

mit einem kontrollierten Lichtausstoß und

wechselnder Farbigkeit.

Das Stück beginnt mit einem Tänzer, der

etwas später von einem zweiten begleitet

wird. Dann verdoppelt sich die Anzahl auf 4,

dann auf 8 und schließlich haben 16 Figuren

ihren Platz auf der Bühne. Durch fünfmalige

Verdoppelung der Zahl 16 (16 x 2 x 2 x 2 x 2 x

2) kommt man auch zu der Summe von 512

Leuchtkörpern über der Bühne. Diese Anzahl

als zentrales Element der Performance

lässt sich auch als Molekül, DNA, Blume, die

Erde, die Sonne oder das Universum interpretieren.

Die Aussage, dass wir trotz aller

Einzigartigkeit und Originalität doch ein Teil

von etwas Größerem sind, lässt sich sowohl

in den Tänzern wie auch in der Lichtinstallation

eindeutig ablesen. „Totality in Parts“

erforscht diese Verbindungen und zeigt, wie

alles Große aus Kleinem gemacht wird.

www.osram.com/lightingsolutions

Licht ist stilprägend

Litepole

Neues Licht für neue Lebensqualität in der Stadt

Licht ist OSRAM


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Produkt News

Foto: Qatar Railways

Lichtdesign für die Metro in Doha

Die Doha Metro in Qatar ist eines der weltweit größten Bauprojekte und ein wichtiger

Bestandteil der sogenannten «National Vision» der Golfregion. In enger Zusammenarbeit

mit den Architekten und Ingenieuren von Qatar Railways entwickelte das

Regent Lighting Team maßgeschneiderte Beleuchtungslösungen für die anspruchsvollen

Bauplätze. Das Ergebnis ist eine überwältigende Harmonie aus Licht und

Architektur, welche die Einzigartigkeit des Projekts hervorhebt.

Das neue Metro-Netz wird sich von der Hauptstadt

bis in die Vororte erstrecken, sodass alle wichtigen

Standorte leicht und bequem erreichbar sind. In einer

ersten Bauphase werden drei der insgesamt vier Linien

(Rot, Gold und Grün) mit 38 Stationen errichtet.

Das «Vault Space» Design aus gewölbten Räumen,

das sich an traditionellen Beduinenzelten orientiert,

macht die Bahnhöfe zu einem architektonischen

Spiegel des Kulturerbes des Landes.

Eine gelungene Inszenierung aus endlosen homogenen

Lichtlinien, dreieckigen Sterngebilden und quadratischen

Leuchten akzentuiert das symbolträchtige

Design der Architektur und erhellt den Untergrund

von Doha. Rund 20.000 Meter Lichtlinien und über

25.000 Leuchten werden in den zeitgleich entstehenden

Gebäuden installiert, die unter unvorstellbarem

Zeitdruck noch 2019 fertiggestellt werden sollen.

Es ist das Ergebnis einer zweijährigen engen Zusammenarbeit,

bei der man versuchte, das Lichtdesign

bestmöglich in das «Vault Space» Konzept zu integrieren,

um ein Teil des Erbes, der Kultur und der

nationalen Vision Qatars 2030 zu werden. Alle zum

Einsatz kommenden Leuchten sind aus robusten

und widerstandsfähigen Materialien gefertigt, bieten

IP54-Schutz gegen Staub und Feuchtigkeit und

garantieren eine hohe Beständigkeit und eine lange

Lebensdauer. Durch ihre hohe Schlagfestigkeit bis zu

IK08 sind die Leuchten auch für die Verwendung in

zugänglichen Bereichen des öffentlichen Raumes geeignet.

Die Leuchten sind mit DALI-dimmbaren Treibern

und hochwertigen LEDs ausgestattet, mit denen

eine hohe Farbwiedergabe von CRI ≥ 90 erreicht

wird. Der opale Foliendiffusor erlaubt perfekt homogene

und hochgradig ästhetische Lichtlinien ohne

Unterbrechung. Das Liniensystem kann nicht nur für

dekorative Zwecke eingesetzt werden, sondern ist

mit einem Lichtstrom bis zu 1000 Lumen pro Meter

auch hochfunktional. Ein speziell ausgearbeitetes

Profil aus Aluminium sorgt für eine hohe Robustheit

und ermöglicht eine unvergleichbare Flexibilität.

REGENT Licht GmbH

T +43 (0)1 879 12-10

info@regent-licht.at

www.regent.ch


www.architektur-online.com

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Produkt News

Extra Plus an Komfort für Gäste

Mit dem Stuttgarter Hotel SI-SUITES zeigt JUNG seine innovative Vielfalt im Bereich

Hospitality und Smart Building: Integriert in das moderne Freizeitareal des SI

Centrums (Stuttgart International Centrum), bietet das SI-SUITES mit der Nutzung

von Gebäudesystemtechnik seinen anspruchsvollen Gästen höchsten Komfort am

Puls der digitalen Zeit. Individuelle Bedürfnisse des Gastes – von Temperatur bis hin

zu eigenem „Gastprofil“ – werden so intelligent erfüllt.

Das SI-SUITES Hotel ist dafür sowohl mit

dem JUNG KNX-System als auch der innovativen

JUNG Visu Pro Software ausgestattet,

die im Rahmen der Gebäudeautomation

Visualisierung und Steuerung ermöglicht.

Eine intelligente Schnittstelle zwischen der

JUNG Gebäudetechnik sowie der Hotelsoftware

von Protel ermöglicht zusätzlich

diverse digitale Vorzüge für Gast, Hotelbetreiber

als auch Personal. Stammgäste

können sich etwa ihr eigenes Nutzerprofil

erstellen: Das System speichert die Wohlfühltemperatur

des letzten Aufenthaltes,

welche unmittelbar beim nächsten Check-

In abgerufen und eingestellt wird – das

Zimmer „merkt“ sich, was dem Gast behagt.

In Suiten und Zimmern können die Nutzer

zudem über intuitiv bedienbare Tastsensoren

Temperatur, Licht und Position der Jalousien

oder Behänge individuell einrichten

– sei es vom Badezimmer aus oder aber direkt

vom Bett. Weiteren Komfort verspricht

JUNG Bluetooth Connect: Darüber kann via

Bluetooth die eigene Playlist von Smartphone

oder Tablet im ganzen Hotelzimmer

gehört werden.

Technologie für den Gast durch das verbaute

JUNG Schalterdesign A creation,

das durch seine klare Form und exklusive

Materialität besticht. Ob farbige Glas- oder

Kunststoffrahmen: kombiniert mit den entsprechenden

Abdeckungen setzt A creation

durch seine reduzierte Anmutung und

hochwertige Materialität Akzente in jedem

Raum. Mittels individueller Beschriftung

der Bedienstellen ist die Anwendung spielend

leicht umsetzbar.

Euro Unitech

Elektrotechnik Gesellschaft .m.b.H.

T +43 (0)1 662 72 50

office@eurounitech.at

www.eurounitech.at

JUNG im SI-SUITES Hotel:

Designs und Technologien

Das KNX-System ist eine intelligente Gebäudesystemtechnik,

durch die höchste

Ansprüche an Komfort, Energieeffizienz

und Sicherheitsaspekte erfüllt werden.

Optisch in Erscheinung tritt die innovative


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Produkt News

Minimalismus in der Dusche

Das Produktdesign hat in der KEUCO-Philosophie viele Aspekte. Der Anspruch ist

ganzheitlich: Eine Design-Ikone zu schaffen und gleichzeitig ein Produkt relevant

zu verbessern, zu vereinfachen und alles Überflüssige wegzulassen. Dieser Minimalismus

in der Dusche heißt: IXMO_solo. Dank innovativer Technik vereint die

Armatur in einer einzigartigen Weise Thermostat, Absperrventil und Schlauchanschluss

in nur einem Modul.

Die Bedienung ist einfach und erschließt

sich intuitiv. Vorne wird die Wassermenge

geregelt, hinten wird die Temperatur eingestellt,

der Schlauchanschluss ist integriert.

So entsteht durch nur ein wasserführendes

Element an der Wand Freiheit in der Badgestaltung

und ein deutlich reduzierter

Montageaufwand. Vor allem der Einbau in

dünnen Wänden oder eine nachträgliche

Modernisierung sind problemlos möglich.

Die Einbautiefe lässt sich dank intelligentem

Tiefenausgleich von 65 mm bis zu 95

mm flexibel und stufenlos einstellen. Die

Absperrvorrichtung für die Rohbauphase

ist im Grundkörper integriert, ebenso eine

Einrichtung für vertauschte Wasserwege.

Damit ist für alle Fälle eine sichere Installation

garantiert.

Auch im Design ist das Thermostat einzigartig:

Mit einer Ausladung von lediglich

100 mm und einem Durchmesser bzw. einer

Kantenlänge der Rosette von nur 90 mm in

rund oder eckig ist es beeindruckend klein

und passt in jedes Bad. Mit der Kombination

von innovativer Technik und ausgezeichnetem

Design ergänzt es die Produktfamilie

auf beeindruckende Weise.

Ebenso minimalistisch, hoch funktional und

schnell installiert ist das IXMO Zubehör für

die komplette Duschlösung wie Brausehalter

und Brausestange. Die drei Oberflächen

in glänzendem Chrom, mattem Aluminiumfinish

oder hochwertigem Edelstahlfinish

eröffnen viel Gestaltungsfreiheit und weitere

individuelle Kombinationsmöglichkeiten.

Dem allgemeinen Trend nach minimalistischen

Duschlösungen folgend, erfüllt

der Brausehalter alle Anforderungen an

reduzierte Formgebung im Bad: Das formvollendete

Element bietet ergonomischen

Halt und Aufnahme in verschiedenen Positionen.

Die robuste Wandstange mit

Brauseschieber verbindet Langlebigkeit

mit ästhetischem Design und sinnhafter

Funktionalität. Der höhenverstellbare Brauseschieber

lässt sich mit einer Hand leicht

bedienen. Darüber hinaus lässt er sich 180°

drehen, je nachdem ob die Brause links oder

rechts der Stange eingesetzt werden soll.

KEUCO GmbH

T +43 (0)662 45 40 56-0

office@keuco.at

www.keuco.com

www.ixmo.de


www.architektur-online.com

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Produkt News

Man kann ein Bad immer

noch besser machen!

Weiterentwicklungen im Bad betreffen oft das Design von Produkten mit neuen

Formen, Farben und Funktionsverbesserungen. Geberit geht einen Schritt weiter

und bringt mit Geberit ONE ein Badkonzept auf den Markt, das die Bereiche hinter

und vor der Wand als Einheit neu definiert. Denn Bäder bestehen nicht nur aus

den sichtbaren Bereichen wie Waschplatz, Dusche oder WC, auch die verdeckten

Elemente spielen eine wichtige Rolle.

Das neue Konzept nutzt konsequent die

Vorteile der Vorwandinstallation und setzt

dabei auf das bewährte Installationssystem

Geberit Duofix. Alles, was vor der Wand

nicht unbedingt benötigt wird, wird in die

Ebene dahinter verlegt. Unschöne Siphons,

störende Halterungen oder Befestigungen

rücken damit aus dem Blickfeld.

So kann im neuen Badkonzept der Waschtisch

wahlweise frei schwebend oder in

Kombination mit einem Waschtischunterschrank

genutzt werden. Kombiniert wird

der Waschtisch dabei mit einer Wandarmatur,

wobei ein passendes Montageelement

in der Vorwand bereits bei der Planung die

genaue Lage der Armatur festlegt, sodass

der Waschtisch vollständig und sauber ausgespült

wird.

Auch der Spiegelschrank mit seiner kaum

sichtbaren Ausladung nutzt die Vorwand

geschickt aus und punktet mit einem beeindruckenden

Platzangebot. Als integraler

Teil der Vorwand wird er an vorgefertigten

Installationselementen befestigt. Die Position

des Schranks im Verhältnis zu Waschtisch

und Armatur wird bereits bei der Badplanung

festgelegt.

Für die Dusche bietet Geberit ein zusätz-

liches Element, das den Nutzerkomfort

deutlich erhöht: eine Nischenablagebox. Sie

bietet Platz für Shampoo, Duschbad und

andere Pflegeprodukte, die bei der Körperpflege

nötig sind. Herumstehende Behältnisse

in der Dusche gehören damit der

Vergangenheit an.

Technische Raffinesse, ansprechendes

Design und die Kombination von sichtbaren

und unsichtbaren Elementen zeichnen

auch das neue WC aus. Es ist perfekt proportioniert,

hat keine sichtbaren Befestigungsschrauben

und kann vom Fachmann

auch nachträglich in unterschiedlichen

Höhen mit einem Spielraum von -1 bis +3

Zentimetern installiert werden. Der WC-Sitz

in Slim-Optik ist sehr schlank und verleiht

der Toilette zusammen mit der geschlossenen

Keramik ein elegantes Aussehen. Die

hochwertige Veredelung mit der KeraTect

Spezialglasur sorgt für eine nahezu porenfreie

Keramikoberfläche, an der Schmutz

und Bakterien kaum Halt finden. Erweiterten

Komfort bietet das WC in Kombination

mit dem neuen DuoFresh Modul, das eine

effektive Geruchsabsaugung direkt in der

WC-Keramik ermöglicht.

Geberit Vertriebs GmbH & Co KG

T + 43 (0)2742 401 0

sales.at@geberit.com

www.geberit.at


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Produkt News

Eine saubere Sache

Was in dem Ziegelsteingebäude wie „aus der guten alten Zeit“, dem denkmalgeschützten

Sitz des Unternehmensverbandes der Metallindustrie in Dortmund

passiert, ist hochaktuell. Dabei geht es um wichtige und aktuelle Themen unserer

modernen Arbeitswelt. Der 1894 erbaute Gründerzeit-Bau mit der Fassaden-Ornamentik,

dem Gewölbeeingang, dem Erker darüber und den hohen Räumen war

die erste „Fabrikantenvilla“ des um das Jahr 1900 entstandenen wohlhabenden

Quartiers in der Prinz-Friedrich-Karl-Straße.

Doch entsprach die Residenz des Unternehmensverbandes

in puncto Technik und Nutzung nicht mehr

den zeitgemäßen Anforderungen. Umgebaut und

modernisiert hielt ein frisches Innenleben Einzug in

das dreistöckige Bürogebäude mit etwa 20 Räumen.

Türtechnologie von GEZE macht es noch „lebenswerter“,

denn es bietet allen Nutzern und Besuchern

modernen Türkomfort und optimale Sicherheit mit

dem geforderten Brandschutz.

Die Brandschutztüren sollten auch barrierefrei sein

und bei Bedarf offen gehalten werden können. Mit den

Funkfeststellanlagen FA GC 170 mussten für die zusätzlichen

Decken-Rauchmelder, die durch die hohen

Räume erforderlich wurden, keine Wände für Kabel

aufgestemmt werden. So konnte man die denkmalgeschützte

Gebäudeoptik belassen, verfügt nun gleichzeitig

über ein sicheres, zugelassenes Gesamtsystem

und konnte zudem Aufwand und Kosten sparen.

Schon im frühesten Projektstadium brachte man

alle beteiligten Gewerke-Akteure zusammen. Damit

keine Anforderung und keine Fragestellung vergessen

wurden, keine inspirierende Idee übersehen und

Abläufe in einem effizienten Netzwerk Hand in Hand

gehen konnten. Für das historische Gebäude mit seinen

spezifischen Gegebenheiten verwirklichte man

zusammen mit den Türexperten der Dömer Metallbau

GmbH in Nordwalde die Lösung: manuelle und

automatische Brandschutztüren und eine kabellose

Erweiterung der Feststellanlagen mit Funkmeldern in

einem kompletten System. Die Funkerweiterung hat

den großen Vorteil, dass sie keine zusätzlichen Leitungen

erfordert.

Die zusätzlichen Rauchmelder konnten durch den

Produzenten einfach an der Decke befestigt werden.

Alle Komponenten der Funkerweiterung wurden über

ein Funkmodul an das bestehende System angebunden.

FA GC 170 ist darum auch eine Nachrüstlösung:

Auch an weiteren Feststellanlagen im Gebäude können

Decken-Rauchmelder und Handauslösetaster

kabellos mit dem Funkmodul am Sturzmelder verbunden

werden.

GEZE Austria GmbH

T +43 (0)6225 87180

austria.at@geze.com

www.geze.at


www.architektur-online.com

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Produkt News

Nachhaltige Aufzüge

Eines der weltweit führenden Unternehmen der Aufzugs- und Rolltreppenindustrie,

die KONE Corporation, wurde für seine Maßnahmen und Strategien zur

Bekämpfung des Klimawandels ausgezeichnet. Es erhielt in der CDP 2018-Liste

der weltweit führenden Unternehmen im Bereich Umweltleistung eine Bewertung

von A- für Klimaschutz.

Die Bewertung reicht von A bis D, wobei A die bestmögliche

Bewertung ist. Dies basiert auf einer unabhängigen

Bewertung anhand der Bewertungskriterien

von CDP, einer internationalen gemeinnützigen

Organisation, die ein globales Offenlegungssystem

betreibt, das es Unternehmen, Städten, Staaten und

Regionen ermöglicht, ihre Umweltauswirkungen zu

messen und zu steuern.

Der Hersteller wurde von Corporate Knights Inc.,

einem führenden nachhaltigen Wirtschaftsmagazin

und Rankingunternehmen, auf Platz 43 der nachhaltigsten

Unternehmen der Welt eingestuft. Kone ist

damit das einzige Unternehmen der Aufzugs- und

Rolltreppenindustrie, welches Corporate Knights in

die „2019 Global 100 Most Sustainable Corporations

in the World“-Rangliste aufgenommen hat, die am

Rande des Weltwirtschaftsforums in Davos, Schweiz,

veröffentlicht wurde. Das Global 100 Ranking basiert

auf einer gründlichen Analyse von 7.500 Unternehmen

mit einem Umsatz von über 1 Milliarde US-Dollar.

Die Performance der auf der Liste aufgeführten

Unternehmen wird auch mit dem MSCI All Country

World Index verglichen, der die globale Börsenaktivität

misst und von Morgan Stanley Capital International

gepflegt wird.

Laut der Studie ist der Aufzugshersteller ein Spitzenreiter

in den Bereichen Umweltleistung und soziale

Verantwortung, wie Mitarbeiterbindung und Geschlechterdiversität

im Vorstand. In der Industriesparte

“Machinery Manufacturing” des Corporate Knights

Rankings belegt man gar den zweiten Platz unter den

443 globalen Unternehmen derselben Kategorie.

Bei KONE ist Nachhaltigkeit in die Unternehmenskultur

eingebettet. Der Hersteller ist Unterzeichner des

UN Global Compact und unterstützt die UN-Ziele für

nachhaltige Entwicklung. Der umfassenden Nachhaltigkeitsansatz

bezieht die gesamte Lieferkette und

auch die Lieferanten und Partner mit ein. Um verbleibende,

unvermeidliche Emissionen zu kompensieren,

unterstützt KONE Österreich zwei von der UNO zertifizierte

Klimaschutzprojekte, und ist damit das erste

offiziell klimaneutrale Unternehmen der Branche. Nur

so ist ein Wandel hin zu smarten, ökoeffizienten Städten

mit geringem CO 2 Wert und Nullenergie-Gebäuden

möglich.

KONE AG

T +43 (0)1 863 67-0

office.at@kone.com

www.kone.at


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Produkt News

Angenehme Raumatmosphäre,

Diskretion und Eleganz

In der modernen Architektur müssen sich vorhandene Räumlichkeiten permanent

an veränderte Nutzungen und Gruppengrößen anpassen lassen. Das Trennwandsystem

Variflex und Variflex Glas von DORMA Hüppe bietet hier bekanntermaßen

vielfältige und intelligente Lösungen. Da sich Glas- und blickdichte Elemente

des Systems miteinander kombinieren lassen, können Raumteilungen mit großer

Offenheit und gleichzeitig hohem Schallschutz realisiert werden – mit Variflex bis

Rw 59 dB, mit Variflex Glas bis Rw 52 dB.

Mehr Licht lässt jeden Raum freundlicher

erscheinen und hellt zugleich die Stimmung

von Kunden und Mitarbeitern auf. Dieses

Trennwandsystem besteht deshalb aus eleganten

Glaselementen, welche die Großzügigkeit

der Raumarchitektur unterstreichen

und die Arbeits- und Beratungsatmosphäre

positiv beeinflussen. Eine Durchgangstür

aus vollflächigem Glas sorgt in Trennwänden

oder Raum-in-Raum-Situationen für

eine helle, lichtdurchflutete Atmosphäre –

bei hervorragender Schalldämmung. Sehr

elegant ist auch die sogenannte „Extension“-Lösung

für T-förmig oder über Eck

zusammenlaufende Wände: Ein nur sehr

schmales Profil überlässt dem Glas den

großen Auftritt und sorgt für Offenheit und

Transparenz auf der ganzen Linie.

Gerade im Bankenwesen müssen Räume

aber gelegentlich auch Diskretion und

Sichtschutz gewährleisteten. Für diese Anforderung

bietet der Hersteller für alle Glaselemente

zwei elegante Lösungen: Zum einen

innenliegende Jalousien, die sich auch

als „Bottom-up“ von unten nach oben, optional

mit Zwischenstopp, bewegen lassen.

Zum andern Magic Glas, das sich einfach

per Wandschalter oder Fernbedienung auf

transparent oder transluzent schalten lässt.

Sehr praktisch, wenn gerade statt Offenheit

mehr Diskretion gewünscht wird.

Alle Variflex Trennwände können wahlweise

mit manueller, halb- oder vollautomatischer

Bedienung ausgestattet werden. Den höchsten

Bedienkomfort bietet ComfortDrive, die

vollautomatische Steuerung mit moderner

BUS-Technologie. Sie ist kundenspezifisch

individuell programmierbar und überzeugt

mit einer hohen Auf- und Abbaugeschwindigkeit

mit bis zu 250 mm/s.

DORMA Hüppe Austria GmbH

T +43 (0)732 600-451

office@dorma-hueppe.at

www.dorma-hueppe.at


www.architektur-online.com

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Produkt News

Der Umwelt verpflichtet

Ob Drehstuhl oder Schreibtisch, jedes dritte Fußgestell wird von Sedus Kunden in

der Ausführung „verchromt“ bestellt. Das hat nicht nur ästhetische sondern auch

qualitative Gründe, denn verchromte Oberflächen sind kratzfester und unempfindlicher

als die Alternativen mit Pulverbeschichtung, aus poliertem Alu oder auch Holz.

Das heute weltweit verbreitete Verfahren mit der Bezeichnung Chrom VI ist zwar

billig und einfach, aber dafür auch extrem toxisch und gesundheitsgefährdend.

In den 1960er Jahren, als die ersten als sicher

geltenden Galvanikanlagen entwickelt

wurden, entschloss sich Firmensenior Christof

Stoll, ein solches im Werk in Dogern

zu errichten und verchromte Oberflächen

anzubieten. Die zweite, hochmoderne Neuanlage

folgte im Jahr 2010 und gilt mit einer

Investitionssumme von 7,5 Mio. Euro als

größte Galvanik im süddeutschen Raum,

die auch als Lohngalvanik genutzt wird.

Fertigungsleiter Dr.-Ing. Jens Bohnet ist

Verfechter des Verchromens auf Basis von

risikoärmeren chemischen Ausgangssubstanzen,

die seit wenigen Jahren für einen

großtechnischen Prozess zur Verfügung

stehen und heute die sehr viel giftigeren

und gefährlicheren Chrom VI Verfahren ablösen

können. Das neue Verfahren ist deutlich

komplizierter und deshalb auch teurer.

Die Umstellung auf Chrom III war für den

Stuhlproduzenten als ökologisch orientiertes

Unternehmen und aus technischer Sicht

eine willkommene Herausforderung. Die

Umrüstkosten von rund einer Viertelmillion

Euro werden sich in absehbarer Zeit wieder

amortisieren, denn man rechnet in den

nächsten Jahren mit steigenden Aufträgen.

Die europäische Umweltbehörde ECHA, die

seit einigen Jahren die Nutzung von Chemikalien

gesetzlich reguliert, hat das Ziel,

gesundheits- und umweltschädliche Chemikalien

zu überwachen und möglichst zu

ersetzen. Das bei der Galvanik eingesetzte

Chromtrioxid (Chrom VI) ist eine dieser kritischen

Substanzen, welche in Zukunft nur

noch unter bestimmten Voraussetzungen

und mit einer speziellen Genehmigung eingesetzt

werden darf. Bei Sedus stand man

vor der Entscheidung, entweder eine Genehmigung

für den weiteren Betrieb zu erwirken

oder die Chemikalie Chrom VI durch

die weniger kritische Chrom III-Verbindung

zu ersetzen. Da Chrom VI schon heute sehr

stark unter Überwachung steht und auch

für eine dekorative Anwendung nicht mehr

zwingend notwendig ist, hat man sich für

den umweltfreundlicheren, arbeits- und zukunftssicheren

Weg entschieden und auf

den Betrieb mit Chrom III umgerüstet. Die

Galvanikanlage im Werk Dogern ist eine der

bundesweit größten und ersten, die diesen

doch deutlich komplizierteren Prozess erfolgreich

für Serienprodukte anwendet.

Sedus Stoll GmbH

Showroom Wien

Gumpendorfer Straße 15/9, 1060 Wien

T +43 (0)1 982 94 17

sedus.at@sedus.com

www.sedus.com


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Produkt News

Denkmalgeschützt und barrierefrei

Die Technische Universität Wien (TU Wien) ist mit über 3.600 WissenschaftlerInnen

und knapp 30.000 Studierenden Österreichs größte Forschungs- und

Bildungseinrichtung für Technik und Naturwissenschaften. Heute und auch in

Zukunft soll hier „Technik für Menschen” erforscht und entwickelt werden. 2015

feierte die TU Wien ihr zweihundertjähriges Bestehen. Über die Jahre hinweg

wurden Gebäude und Infrastruktur laufend den aktuellen Gegebenheiten und den

stetig steigenden Studentenzahlen angepasst. Trotzdem schienen die zur Verfügung

stehenden Räumlichkeiten nie auszureichen.

Im historischen Hauptgebäude am Karlsplatz sind

heute die Institute für Architektur, Raumplanung,

Bauingenieurwesen und ein Teil der Verwaltung untergebracht.

Um die Rahmenbedingungen für Mitarbeitende

und Studierende weiter zu optimieren,

wurde die Stiege 2 im Hof 3 des Universitätscampus

in denkmalgeschützter Umgebung sicherheitstechnisch

saniert und erweitert. Bei den Sanierungs- und

Erweiterungsarbeiten spielten sowohl die Vorschriften

der Denkmalpflege als auch die sicherheitstechnischen

Anforderungen im Bereich Brandschutz entscheidende

Rollen. Zudem war es wichtig, der starken

dauerhaften Beanspruchung der Türen Rechnung zu

tragen sowie die Barrierefreiheit für Rollstuhlfahrer

zu gewährleisten.

Der neue Erweiterungsbau mit Lift erfüllt sämtliche

Anforderungen, schafft zusätzlichen Raum und

macht das Gebäude auch für Menschen mit Gehbehinderung

mühelos zugänglich. Die wärmegedämmten

Außentüren aus forster unico Stahlprofilen

können über einen Taster automatisch geöffnet

werden, sind absolut schwellenlos und barrierefrei

begehbar. Für maximalen Lichteinfall sorgen die wärmegedämmten

Fenster mit schlanken Rahmen, die

teilweise als RWA-Variante ausgeführt wurden. Die

Fenster passen dank ihrer schlanken Optik ausgezeichnet

zum Erscheinungsbild der angrenzenden

historischen Gebäude. Im Gebäudeinneren wurden

im Zuge der Sicherheitssanierung Brandschutztüren

und Brandschutzverglasungen eingebaut. Die forster

presto Brandschutztüren des Produzenten mit Seitenteilen

und Oberlichtern sind ebenfalls schwellenlos

konstruiert, womit die gewünschte Barrierefreiheit

auch im Innenraum gewährleistet ist.

Forster Profilsysteme GmbH

T +43 (0)2236 677 293

at@forster.ch

www.forster-profile.at


www.architektur-online.com

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Produkt News

Alleskönner Raffstore

Kaum ein anderes Sonnenschutzprodukt kann besser mit dem Medium Licht

umgehen, als der Raffstore. Und dieser wird bei HELLA ständig weiterentwickelt,

um mit vielen kleinen und großen technischen Details bei Design, Funktion und

Montage USPs zu schaffen, die es den Fachhändlern ermöglichen, bei den Kunden

maximal zu punkten.

Der Produzent bietet mit unterschiedlichen Lamellenformen

und zusätzlichen Funktionen, wie der Tageslichtlenkung

oder z. B. perforierten Lamellen, viele

Möglichkeiten, um auf individuelle Wünsche eingehen

zu können und auch bei tiefen Räumen ausreichende

Helligkeit zu schaffen. Damit werden im Sommer die

solaren Einträge reduziert und so Temperaturen im

Gebäude gesenkt, bzw. im Winter die solaren Einträge

perfekt gesteuert, um Heizkosten zu sparen.

Um den Raffstore auch optisch noch besser ins Gebäude

integrieren zu können, wurde die Farbpalette

mit zusätzlichen Trend-Lamellenfarben für die Modelle

AF80 und ARB80 in den Eloxalfarbtönen C31 - C35

erweitert. Passend zu den Eloxal-Farbnachbildungen

werden natürlich auch alle pulverbeschichteten Aluminiumteile

in den neuen Farbtönen geliefert. Zusammen

mit der 28 Standard-Lamellenfarben umfassenden

Farbpalette und der Möglichkeit, gegen Aufpreis

auch Sonderfarben auswählen zu können, gibt es

„fast“ keine Grenzen mehr.

Viel Detailarbeit hat man z. B. auch in den Schallschutz

gesteckt, um den steigenden Anforderungen

durch Normen und Richtlinien gerecht zu werden.

So liefert man für alle Distanzhalter optional Schalldämmplatten,

die mit einer verbesserten Schalldämmung

der thermischen Trennung zum Rahmen und

der erforderlichen Schlagregendichtigkeit gleich drei

Vorteile für den Fachhändler bieten. Ganz nebenbei

können die Schalldämmplatten sehr montagefreundlich

auf die Grundplatten aufgesteckt werden. Der

Klassiker bei den USPs in diesem Bereich ist die nach

unten geöffnete Oberschiene. Durch den Vertikalträger

VT1 sind die Trägerpositionen bei der Montage

variabel, und durch die optional geräuschgedämmte

Ausführung des Vertikalträgers VT1G wird eine Reduzierung

der Laufgeräusche durch eine reduzierte

Schallweiterleitung noch weiter optimiert.

Durch die umbördelte Tiefenstanzung und die damit

deutlich verminderte Reibung wird auch die Dauerhaftigkeit

der Aufzugsbänder bei den HELLA-Modellen

AF 80, ARB80, ARO65, AR63 und AR92 erhöht. Die

Raffstore-Ausführungen mit S- und Z-Lamellen bieten

durch das patentierte ECN-System (E=Edelstahl

/ C=Clip / N=Nockenband) ein exaktes Paketieren

durch Drehclip und damit geringstmögliche Pakethöhen.

Die optisch perfekte Schlaufenbildung stellt

einen weiteren Benefit für den Kunden im Bereich des

Designs dar.

HELLA Sonnen- und

Wetterschutztechnik GmbH

T +43 (0)4846 6555-0

office@hella.info

www.hella.info


architektur FACHMAGAZIN

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Produkt News

Städtische Wohnraumerweiterung

Es ist ein typisch holländisches Reihenhaus in einer der vornehmsten Straßen

in der Innenstadt von Rotterdam. Charakteristisch sind der niedrige Keller und

die kleinen Räume. Insgesamt sind die Innenräume sehr dunkel, kleine Fenster

lassen nur wenig Tageslicht ins Gebäudeinnere. Als das Haus vor wenigen Jahren

den Besitzer wechselte, sollte es sein Erscheinungsbild komplett verändern.

Der Wunsch des neuen Bauherrn war es, die ehemals zwei Wohneinheiten in ein

großzügiges, helles Haus zu verwandeln, das mehr Offenheit bietet. Gleichzeitig

sollte es den Charme des historischen Gebäudes nicht verlieren.

Für den Wunsch, die kleinen Räume groß

und hell zu gestalten und als Gesamtes

wirken zu lassen, musste massiv umgebaut

werden. Um die zeitgenössische Architektur

zu bewahren, wurden elegante, moderne

Elemente mit Originalzitaten und der Restaurierung

der Fassade im Originalzustand

kombiniert. Auf der Rückseite bot der Raum

unterhalb des Balkons Platz für einen zweistöckigen

Anbau. Die nur 1,5 Meter tiefe

Erweiterung sorgt dafür, dass die Küche im

Erdgeschoss anstatt im Keller angesiedelt

werden konnte, und schuf eine Verbindung

mit dem Wohnzimmer im ersten Stock.

Ursprünglich wollte man ein Klappfenster

einbauen. Doch schnell wurde klar, dass so

sowohl die Küche als auch das Wohnzimmer

wahrscheinlich nicht ausreichend hell

werden würden und die Beziehung zwischen

den beiden Etagen nicht offen genug

wäre. Deshalb fiel die Entscheidung auf die

Glas-Faltwand von Solarlux.

Mit der fast sechs Meter hohen Glas-Fassade

erscheinen die Innenräume in einem völlig

anderen Licht. Sie verleiht den Räumen

eine optische Weite und lässt die beiden

Geschosse sowie den Innen- und Außenraum

durch nahtlose Übergänge miteinander

verschmelzen. Denn obwohl sich das

Haus mitten in der Stadt befindet, hat es

einen kleinen anliegenden Garten, der miteinbezogen

wurde. So wirkt der angrenzende

Essbereich dank der Glas-Faltwand wie

eine grüne Oase.

Die Glasfassade erstreckt sich über zwei

Etagen. Im oberen Geschoss wurde eine

Festverglasung verbaut. Die ebenerdige

Fensterfront lässt sich über die gesamte

Breite öffnen und ermöglicht so den Zugang

zum Garten. Sie erfüllt den Wunsch des Bauherrn

nach einem fließenden Übergang zwischen

Drinnen und Draußen. Ungewöhnlich

weite Blickbezüge schafft die Glas-Faltwand

auch, wenn sie geschlossen ist. Denn die filigranen

Profile mit einer Ansichtsbreite von

nur 99 mm bieten maximale Durchsicht und

einen hohen Umgebungsbezug.

SOLARLUX AUSTRIA GmbH

T +43 (0)512 209 023

info@solarlux.at

www.solarlux.at


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Produkt News

Einzigartige Verschattungslösung

für Ganzglasecken

In der modernen Architektur sind Ganzglasecken ein stilbildendes Element, um

ein einmaliges Raumgefühl zu erzeugen. Minimalistisch in der Anmutung, mit

einem klaren, geometrischen Design erobern über Eck öffnende Schiebetüren

den Markt. Um die großen Glasfassaden ansprechend verschatten zu können,

hat der Sonnenschutzexperte Warema eine neue Lösung entwickelt: spezielle

Raffstoren für Ecksituationen.

Bei diesen Raffstoren stören keine Führungsschienen

oder Spannseile die Ästhetik der Ganzglasecke,

denn der Hersteller bietet hierfür gekuppelte Raffstoren

ohne Führungselemente an der Ecke. Unauffällige

Eckverbinder an den Lamellen sorgen für ein

stimmiges Gesamtbild der Sonnenschutzlösung. Die

Unterschienen sind starr verbunden und das Standardwendeverhalten

der Lamellen wird durch die

Verbindung nicht beeinträchtigt. Beide Behänge an

der Ecke wenden gleichzeitig und fahren parallel

hoch und tief.

Diese Verschattungslösung bietet eine hohe Stabilität

und zeichnet sich durch einfache Beratung,

Planung und Montage aus. Die Bewohner profitieren

zudem davon, dass der Durchgang ebenso wenig

wie die freie Sicht nach draußen durch Hindernisse

eingeschränkt werden. Sie genießen alle Vorteile

von professionellen, maßgefertigten Raffstoren, mit

denen sie das Lichtambiente nach ihren Wünschen

individuell steuern können.

WAREMA Austria GmbH

T +43 (0)662 853015-0

info@warema.at

www.warema.at


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Produkt News

„Cradle to Cradle“

Mit „Cradle to Cradle“ wird die Nachhaltigkeit eines Produkts über dessen gesamten

Lebenszyklus bewertet. Für die Zertifizierung muss das Produkt den strengen

Anforderungen in fünf Kategorien im Bereich Gesundheit und Umweltschutz

genügen: Materialgesundheit, Kreislauffähigkeit, erneuerbare Energien, Wasserverbrauch

und soziale Verantwortung.

Die AGC Gruppe mit AGC Interpane und

AGC Glass Europe ist der einzige Glashersteller,

der für sein großes Portfolio an Glasprodukten

nach „Cradle to Cradle“ zertifiziert

wurde und bietet damit das weltweit

umfassendste Portfolio an Glasprodukten,

die auf den Stufen Bronze, Silber und Gold

ausgezeichnet sind.

Zahlreiche Produktserien des Produzenten

wurden mit dem Nachhaltigkeitszertifikat

„Cradle to Cradle“ ausgezeichnet, darunter

Floatglas, magnetronbeschichtetes Glas

sowie dekorative und Verbundsicherheitsglasprodukte.

Die Zertifizierungen für iplus

Wärmedämm- und ipasol Sonnenschutzverglasungen

wurden jetzt um zwei Jahre

verlängert. Ferner wurde das Produkt Thermobel

Scena in die Zertifizierung integriert.

Die Gesamtbewertung für die Isolierglasprodukte

erreichte das Bronzezertifikat, in

den Unterkategorien „Erneuerbare Energie“

und „Wasserverbrauch“ wurden die Produkte

mit Silber und in puncto „Kreislauffähigkeit“

und „Soziale Verantwortung“ sogar mit

Gold bewertet. Im Gegensatz zu anderen

Glasprodukten sind bei der Zertifizierung

eines Isolierglases nach „Cradle to Cradle“

wesentlich mehr Beteiligte einzubinden, da

nicht nur das Glas zertifiziert wird. Auch alle

weiteren Komponenten, die für den Aufbau

einer Doppel- oder Dreifachverglasung

erforderlich sind, also beispielsweise Zwischenschichten,

Klebestoffe usw., müssen

wesentliche Kriterien erfüllen. Infolgedessen

umfasst der komplexe Zertifizierungsprozess

mehrere Dutzend Zulieferer und

alle an der Herstellung beteiligten Werke.

Die neuerliche Zertifizierung unterstreicht

das entschlossene Engagement der Gruppe

für Umwelt und Nachhaltigkeit.

INTERPANE GLAS INDUSTRIE AG

T +49 (0)5273 809-0

info@interpane.com

www.interpane.com


www.architektur-online.com

115

Produkt News

Perfekt bei

sommerlicher Brise

Garten, Dachterrasse, Poolbereich, Gastgarten

– die Outdoorbereiche wachsen und die

Ausstattungen werden immer wertvoller. Um

große Flächen vor einem Übermaß an Sonne

und Wärme zu schützen, hat VALETTA,

der Sonnenschutzprofi aus Österreich, die

ZIP-Beschattungsserie im Programm.

Die schlanke, aber dennoch robuste

HAITI-ZIP ist in einer Größe von bis zu 6 x 5

Metern erhältlich. Bei großen Anlagenbreiten

sorgt ein in der Fallschiene integriertes

Spannsystem für noch mehr Stabilität und

Tragkraft.

Die BAHAMA-ZIP ist eine besonders widerstandsfähige,

gestützte Terrassenbeschattung,

deren Stoff nicht nur im Bereich

der Welle und der Fallschiene fixiert ist,

sondern über die gesamte Führungsschienenlänge.

Sie ist in bis zu 6 x 5 Metern verfügbar

und kann wie auch alle anderen Beschattungen

im Winter stehen bleiben. Das

erspart das mühsame Auf- und Abbauen

sowie das Verstauen.

Die CUBA-ZIP wiederum ist eine frei stehende

Pergola, die auch an Fassaden oder Umzäunungen

montiert werden kann. Die Markise

ist in bis zu 6 x 4 Metern verfügbar und

lässt sich unendlich oft miteinander koppeln

– so bietet sie eine umfangreiche Variantenvielfalt

bei der Gestaltung. Das neigbare

Tuch ist ideal bei tief stehender Sonne und

lässt problemlos Regenwasser ablaufen.

Die Serie wurde vom ift-Rosenheim auf

ihre Windfestigkeit geprüft (Prüfcode

8-002041-PR01). Die getestete Anlage mit

2,5 x 4 m zeigte selbst bei der maximal

möglichen Prüfgeschwindigkeit von 126

km/h (35 m/s, Windstärke 12 Beaufort) keine

Einschränkungen der Funktion auf.

VALETTA Sonnenschutztechnik GmbH

T +43 (0)732 38 80-0

office@valetta.at

www.valetta.at

+

Zertifizierte Lawinenschutzfenster

Seit über 90 Jahren fertigt KAPO im oststeirischen

Pöllauer Tal Fenster und Türen

aus Holz und Holz-Alu nach Maß und ist

eines der wenigen österreichischen Unternehmen,

das Fenster und Türen in Lawinenschutz-Ausführung

anbietet.

Damit das Fenster dem gewaltigen Druck

einer Lawine standhält, werden angepasste

Beschläge und ein spezielles Verbund-Si-

cherheitsglas verwendet, das zusätzlich

verklebt wird. Wichtig sind zudem die Verwendung

von Holzarten mit hoher statischer

Festigkeit und die Fenstermontage

mit speziellen Zusatz-Verankerungen.

Wenn auch ein hundertprozentiger Schutz

vor Lawinen in gefährdeten Regionen nie

versprochen werden kann, soll durch die

Entwicklung und den Einsatz von Lawinenschutzfenstern

der Aufenthalt für Bewohner

und Winterurlauber in diesen Gebieten

sicherer werden.

KAPO Fenster und Türen GmbH

T +43 (0)3335 2094-0

office@kapo.co.at

www.kapo.co.at


architektur FACHMAGAZIN

116

Produkt News

Gründächer entlasten die Kanalisation

Die Liste der 2018 von Starkregen betroffenen Orte ist lang. Aber wohin mit den

Starkregenwassermengen, die viele kommunale Kanalsysteme überfordern?

Denn sind diese überlastet, kommt es zum Rückstau, zu überfluteten Straßen und

Kellern. Eine Möglichkeit sind begrünte Dachflächen mit entsprechenden Wasserspeichersystemen.

Viele Gebäude könnten mit überschaubarem Aufwand

begrünt werden und so einen Teil, der durch die

Bebauung versiegelten Flächen kompensieren. Der

Dachspezialist Bauder hat dafür das neue Retentionselement

RE 40 entwickelt. Dieses hält das Regenwasser

temporär zurück und lässt es verzögert abfließen.

Begrünte Dächer können eine wichtige Rolle für die

Verbesserung der Lebensqualität und des ökologischen

Gleichgewichts in unseren Städten spielen,

insbesondere bei den immer häufiger auftretenden

Starkregen-Ereignissen und bei der Entstehung von

Hitzeinseln. Dachbegrünungen fungieren außerdem

als natürliche Klimaanlage des Gebäudes, die im Sommer

vor Hitze und im Winter vor Kälte schützt. Versiegelte

Flächen am Boden werden durch die Grünfläche

in lichter Höhe ausgeglichen. Wasserrückhaltung und

Abflussverzögerung sind wesentliche Eigenschaften

von Dachbegrünungen. Der Gründachaufbau saugt

sich, einem Schwamm gleich, mit Wasser voll und verzögert

so den Abfluss. Durch Verdunstung gelangt

ein hoher Prozentsatz des Niederschlags wieder direkt

in den natürlichen Wasserkreislauf.

Dieser positive Effekt lässt sich bei Extensivbegrünungen

in mehrschichtiger Bauweise – mit dem neuen

Element, das die Abflussverzögerung zusätzlich optimiert

– noch verstärken. Dafür sorgen die mit einer

definierten Lochung am Boden perforierten Noppen.

So entsteht unabhängig von der Verlegerichtung und

ohne hydrostatischen Druck auf der Abdichtung ein

temporärer Wasserspeicher, der aus dem Retentionselement

im Gründachaufbau ein dynamisches System

macht. Das Speichervolumen in den Noppen steht bereits

nach kurzer Zeit wieder als Stauraum-Puffer für

den nächsten Starkregen zur Verfügung.

Das Abflussverhalten des Produktes wurde nach FLL

im Gründachaufbau geprüft. Je nach Schichtdicke

des Substrats liegt der Abflussbeiwert bei hervorragenden

Werten zwischen 0,24 und 0,10. Die Abfluss

verzögernde Wirkung des Gründachaufbaus wird

bei der Berechnung der Dachentwässerung im (Spitzen-)Abflussbeiwert

berücksichtigt. Der Abflussbeiwert

gibt das Verhältnis von Abfluss zu Niederschlag

an, als Spitzenabflussbeiwert bezogen auf einen Bemessungsregen

von 15 min Dauer.

Bauder GesmbH

T +43 (0)7229 69130-0

info@bauder.at

www.bauder.at


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117

Produkt News

Nahrung am Dach der Stadt

Die Nutzung urbaner Dachflächen nimmt weltweit zu (Urban Gardening / Urban

Farming). Das Konzept, in unmittelbarer Nähe der urbanen Bevölkerung Lebensmittel

zu produzieren, bringt neben den kurzen Transportwegen und dem positiven

Effekt auf das Mikroklima in der Stadt auch mehr Commitment der Bevölkerung

zu lokal produzierten Nahrungsmitteln. Die Nutzung von Dachflächen wird

– mit steigender Knappheit der Landressourcen – ständig bedeutsamer.

Im Science Tower Graz stehen im 13. Stockwerk – 60

Meter über der Erde – 19 Pflanztröge bereit, um einen

Ort der positiven Identifikation mit unserer Lebensgrundlage,

den Pflanzen, inmitten eines sehr urban

geprägten neuen Stadtteils zu schaffen. Das Projekt

soll einerseits die Varianten eines professionellen Anbaus

von Nutzpflanzen mit ihren Chancen und Risiken

erproben, die klimatischen Voraussetzungen erheben

und andererseits auf kleinem Raum erste Tests bzw.

Demonstrationen technologischer Entwicklungen im

Kontext dieses globalen Megatrends ermöglichen.

Hier bildet Liapor mit seinem Blähtongranulat in den

verschiedensten Formen, die ideale Basis um diesen

Anforderungen gerecht zu werden. Als Grund- und

Drainageschicht nimmt das rein mineralische und offenporige

Liapor-Substrat dauerhaft überschüssige

Feuchtigkeit und Nährstoffe auf, speichert sie und gibt

sie bei Bedarf wieder an die Pflanzen ab. Durch die

optimal abgestimmte Korngrößenverteilung ist eine

ausreichende Belüftung gewährleistet – Wasserstau,

Wurzelfäule und Schimmelbildung werden minimiert.

Unter der Koordination von JR-LIFE wird dieser

Dachgarten in Graz gemeinsam mit Forschungs- und

Wirtschaftspartnern bespielt und ein wirtschaftlich

tragfähiges Konzept der gemeinsamen Nutzung dieses

Ortes entwickelt. Vor Ort können unter anderem

Fragestellungen des Horticultural Lightings demonstriert

und erforscht werden. Weitere Forschungsthemen

sind:

• Klimatische Voraussetzung, Eignung des Dachklimas

für welche Pflanzen, Dauer der Vegetationsperiode,

klimatische Extreme (Hitze, Kälte, Einfluss

von zusätzlicher Beleuchtung insbesondere bei zunehmender

Dauer der Nächte)

• Thermische / mikroklimatische Vermessung des

Science Towers und des Kamineffektes durch die

zweite Dünnglasfassade

• Bepflanzungsvarianten, Probleme und Potenziale

eines Dachgartens, z. B. Pflanzengesundheit, Bestäubung.

• Spätfrost: Pilotversuche und Demonstration, z. B.

innovative Heiztextilien

• Forschungsprojekte zur optimierten Infrastruktur

eines städtischen Dachgartens um Ertrag und

Vegetationsperiode möglichst hoch zu halten

• Anwendungen / Möglichkeiten zur Verlängerung

der Vegetationszeit, Erhöhung des Ertrags durch

Horticultural Lighting

• Best Practice Beispiel für Dachgarten-Projekte im

langfristigen Betrieb

• Test optimaler Vertriebsvarianten

Lias Österreich GesmbH

T +43 (0)3155 2368-0

info@liapor.at

www.liapor.at


architektur FACHMAGAZIN

118

Produkt News

Sanierungsanforderungen

an die Abdichtung

Urban Gardening oder Rooftop Bars – Flachdächer werden immer öfter in besondere

Lebensräume umfunktioniert. Weniger exklusiv, aber ebenso anspruchsvoll

hinsichtlich baulicher Veränderungen, sind beispielsweise begrünte Dächer, private

Dachterrassen oder die Installation von Photovoltaik-Anlagen.

Bei allen Nutzungsänderungen von Flachdächern

bestehen komplexe Sanierungsanforderungen an die

Abdichtung: eine vollständige Haftung auf dem Untergrund,

Beständigkeit auch bei mechanischen und

witterungsbedingten Einflüssen sowie die sichere

Einbindung aller Anschlüsse und Durchdringungen.

Die verschiedenen Ansprüche erfüllen Abdichtungen

auf Polymethylmethacrylat-Basis (PMMA). Der Flüssigkunststoff

lässt sich schnell und einfach verarbeiten

und integriert selbst komplizierte Details nahtlos

in die Abdichtungsfläche. Dank seiner Widerstandsfähigkeit

sorgt das Material für langlebigen Schutz

vor eindringender Feuchtigkeit.

Um zukünftig Stromkosten zu sparen und mittels erneuerbarer

Energien den ökologischen Fußabdruck

zu verringern, errichten zum Beispiel immer mehr

Hausbesitzer und industrielle Betriebe nachträglich

eine Fotovoltaik-Anlage auf ihrem Flachdach. Damit

die einzelnen Module optimal ausgerichtet sind und

einen festen Stand haben, werden Unterkonstruktionen

auf der Dachfläche installiert. Je nach Aufbau

entstehen dabei Durchdringungen. Kleine Details

wie diese stellen das größte Risiko für eindringende

Feuchtigkeit dar. Die flüssige Verarbeitung von Spezialharzen

kommt der Abdichtung dieser Bereiche

besonders zugute. Kombiniert mit der Vliesarmierung

gewährt das elastische Material eine naht- und

fugenlose Verarbeitung.

Hersteller wie Triflex schulen und beraten Verarbeiter

in der Auswahl und Anwendung des Flüssigkunststoffs.

Gemeinsam finden die Partner Lösungen

für die Abdichtung von Solaranlagen, Dachterrassen

oder begrünten Flächen. Eine zuverlässige und

fachgerechte Abdichtung mit Flüssigkunststoff

ermöglicht nicht nur die langfristige Nutzung des

Flachdachs, sondern sichert auch den Bestand des

gesamten Gebäudes. Nur wenn Niederschlagswasser

keine Chance hat, in die Konstruktion einzudringen

und somit die Bausubstanz geschützt ist, profitieren

Bauherren von der Umgestaltung. Mit Flüssigkunststoff

ermöglichen Verarbeiter ihren Auftraggebern

sowohl ein dichtes Dach über dem Kopf als auch eine

effektive Nutzung ihres neuen Außenbereichs.

Triflex GesmbH

T +43 (0)6233 20089

info@triflex.at

www.triflex.at


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119

Produkt News

Photovoltaik und Gründach

Das Optigrün „SolarGrünDach“ wird als auflastgehaltenes System ohne Dachdurchdringung

installiert. Dazu werden die Sun-Root-Photovoltaikaufständerungen

mit der Last des Gründachaufbaus lage- und windsogsicher fixiert.

Ein Vorteil dieser Systemlösung ist, dass die Photovoltaikträger nicht in die

Dachkonstruktion und Dachabdichtung eingreifen und keine schweren Punktlasten

benötigen. Da die Dachabdichtung nicht durchbrochen wird, entfallen

schadensanfällige Dachabdichtungsarbeiten.

Zudem ist das auflastgehaltene System

aufgrund seiner weniger aufwendigen und

schnellen Verlegung kostengünstiger als

die herkömmlichen, in der Dachkonstruktion

befestigten Aufständerungen. Das „SolarGrünDach“

ist so ausgelegt, dass enge

Modulreihen und damit hohe Erträge auch

auf kleinem Raum möglich sind. Da die

Vegetation unterhalb der Module verläuft,

können trotzdem große Anteile der Dachflächen

begrünt werden.

Der Gründachaufbau wirkt als Schutzschicht

gegen Extremtemperaturen,

UV- und IR-Strahlung, Hagel und Witterungseinflüsse.

Die Lebensdauer der Dachabdichtung

wird verdoppelt und die sonst

üblichen Reparatur- und Sanierungsarbeiten

fallen im Vergleich zu einem unbegrünten

Dach erst viel später an. Dadurch

wird ein langer störungsfreier Betrieb der

Solaranlage ermöglicht. Ebenso schützt der

Gründachaufbau die empfindliche Dachabdichtung

bei den notwendigen Wartungsgängen

der Solaranlagen. Zu beachten ist

nur, dass die Photovoltaikmodule nicht

durch Pflanzen verschattet werden. Gegebenenfalls

müssen Kiesstreifen vor den Modulen

eingesetzt und höhere Pflanzen bei

der regelmäßigen Pflege entfernt werden.

Regenwasserrückhalt und Minderung

der Niederschlagswassergebühr

Schon dünnschichtige Extensivbegrünungen

halten je nach Standort 40-70% des

Jahresniederschlags zurück. Das zurück-

haltende Wasser wird zum großen Teil

wieder verdunstet mit den positiven Wirkungen

von Kühlung, Luftbefeuchtung und

Staubbindung. Die Kanalisation wird entlastet,

Abläufe können reduziert, Kanalrohre

geringer dimensioniert und Regenüberlaufbecken

eingespart werden.

Ertragssteigerung aufgrund der

Kühlleistung der Dachbegrünung

Die Betriebstemperatur der Solarmodule

beeinflusst ihre Leistungsfähigkeit. Temperaturen

über 25°C führen zu einem Leistungsrückgang,

die Modulhersteller gehen

dabei i. d. R. von einem Leistungsverlust

von etwa 0,5 % pro °C aus. Die nachgewiesene

Verdunstungskühlung von Dachbegrünungen

kann die Effizienz der Photovoltaikanlage

jedoch um bis zu 5 % erhöhen.

Optigrün International AG

T +49 (0)7576 772-0

info@optigruen.de

www.optigruen.de


architektur FACHMAGAZIN

120

Produkt News

Klinker für das Weltkulturerbe

In der Hamburger Mönckebergstraße kommen nicht nur Shoppingfreunde,

sondern auch Architekturbegeisterte auf ihre Kosten. Die Gestaltung der zentral

gelegenen Haupteinkaufsstraße mit über einhundertjähriger Tradition zwischen

Hauptbahnhof und Rathaus wurde von Hamburgs Oberbaudirektor Fritz Schumacher

geprägt und bietet vielgestaltige Fassaden, die Abwechslung ins Straßenbild

bringen. Seit Herbst 2018 bildet das Gebäude Mönckebergstr. 1 für den Saturn

Markt mit einer neu interpretierten Art einer Klinkerfassade den westlichen Abschluss

des Unesco Weltkulturerbes „Kontorhausviertel“.

Das Gebäude wurde als Horten Warenhaus Ende der

60er Jahre im Corporate Design des Warenhausunternehmens

erstellt. Die an diesem prägnanten Standort

als „Superkiste“ geplante Vorhangfassade bestand

seinerzeit aus den von Egon Eiermann entwickelten,

markanten weißen Keramikbauteilen, die durch Korrosion

in den letzten Jahren an das Ende ihrer Standzeit

gekommen waren. Bereits im Jahre 1999 wurden deshalb

Teile durch eine Glasfassade ersetzt.

In direkter Nachbarschaft befindet sich das denkmalgeschützte

Klöpperhaus von Fritz Höger und so

sollte die neue Erscheinung der Architektur in Struktur,

Funktion und Proportion dem Ursprungsbau folgen

und das Welterbe-Ensemble urban und modern

nach Osten abschließen. Ein gebrannter roter Ziegel

wurde als Fassadenmaterial von der Stadt vorausgesetzt

und von Heine Architekten in besonderer Weise

inszeniert: Nicht in Mörtel verlegt, sondern mithilfe

einer neu entwickelten Konstruktion licht- und luftdurchlässig

aufgehängt, ergibt sich auf 4.000 Quadratmetern

eine hochwertige und moderne neue Ziegelstruktur

als Vorhangfassade.

Auf einem Aluminium-Tragsystem wurden je drei Klinkerbaguettes

in den Sonderformaten 575 x 150 x 71 mm

und 575 x 55 x 71 mm aufgefädelt und in unterschiedlicher

Höhe vorgehängt und hinterlüftet montiert. Die

fertig vormontierten Baguettes sind mit einem spezi-

ell entwickelten Klicksystem ausgestattet, sodass sie

als 1,75 m lange Elemente nur noch eingehängt werden

müssen. Die stumpf gestoßenen Klinkerbaguettes

wurden eigens für das Projekt zusammen mit dem

Hersteller GIMA (Girnghuber GmbH) entwickelt und

erwecken den Eindruck eines Superlangziegels, der

vor der Wand zu schweben scheint.

Das Farbspiel der Ziegelelemente wurde zusammen

mit den Architekten erarbeitet und mittels eines speziellen

Kohle-Salzbrandverfahrens erreicht. Dieses, heute

seltene, Brennverfahren gewährleistet eine hohe

Widerstandsfähigkeit gegen jegliche Umwelteinflüsse

und garantiert eine besondere Langlebigkeit der Fassade.

Je nach Lichteinfall changiert das Fassadenbild

und schafft eine besondere Lebendigkeit.

GIMA Girnghuber GmbH

T +49 (0)8732 24-0

info@gima-ziegel.de

www.gima-ziegel.de


www.architektur-online.com

121

Produkt News

Umweltbewusste Wärmedämmung

Die Österreicher achten – auch beim Wohnen – vermehrt auf die Umwelt. Besonders

jüngere und gut informierte Menschen wollen nachhaltig bauen. „Daher ist Nachhaltigkeit

auch immer häufiger beim Dämmen gefragt”, erklärt Werner Kopp, Produktverantwortlicher

von Saint-Gobain ISOVER Austria.

Uniroll Plus von ISOVER Austria entspricht diesem

Trend. Der Mineralwolle-Dämmstoff besteht aus

Recyclingglas, pflanzlichem Bindemittel und wird mit

Strom aus 100% zertifizierter Wasserkraft produziert.

Darüber hinaus kann ISOVER Uniroll Plus einfach

verarbeitet werden und spart Platz beim Transport.

ISOVER Uniroll Plus ist als „nicht brennbar“ in die

Euroklasse „A1“ eingestuft und eignet sich ideal zur

effizienten Wärme- und Schalldämmung zwischen

Sparren, in Holzriegel-Konstruktionen und im Trockenbau.

Durch die komprimierte Verpackung wird

bis zu 60% weniger Stellfläche in der Logistik benötigt,

was wiederum zu einer erheblichen Reduktion

der CO 2 -Bilanz führt.

Uniroll Plus auf einen Blick:

Mineralwolle-Dämmstoff aus 80% Recyclingglas

Mit rein pflanzlichem Bindemittel

Produziert mit 100% Öko-Strom

Ohne biozide Zusätze

Brandverhalten A1 gemäß ÖNORM EN 1305-1

Einfache Verarbeitung

Platzsparend beim Transport

Bei Saint-Gobain ISOVER sind die Produktionsprozesse

nachhaltig. Alle ISOVER Dämmstoffe werden

mit einem Anteil von 80 Prozent Recyclingglas hergestellt.

Das Unternehmen betreibt weltweit zwölf

Fachforschungszentren und rund 100 Entwicklungsabteilungen

mit insgesamt 3.700 Forschern und Ingenieuren,

die laufend an der Optimierung des Lebenszyklus

der Mineralwolle arbeiten.

Saint-Gobain ISOVER Austria GmbH

T +43 (0)2266 6060

isover-at.marketing@saint-gobain.com

www.isover.at


architektur FACHMAGAZIN

122

Produkt News

Rost ohne Rost

„Industrial Chic“ nennt sich diese trendige Form des architektonischen Ausdrucks.

Ein Hausherr in Maria Rain im Kärntner Rosental hat einen Teil der Hausfassade

mit dieser Dekor-Technik gestalten lassen. Das Ergebnis ist ein eindrucksvoller

Effekt, ohne Abfärbungen oder Abrieselungen wie bei echtem Rost und das

ganz ohne Stahlplatten.

Der Bungalow des Technikers ist ein Designerhaus

mit intelligentem Grundriss. Der hintere Teil wurde

vom Wernberger Handwerksbetrieb Gruber Estriche,

der auch die Dämmung, die Fassade und die Innenwandgestaltung

vornahm, in authentisch anmutender

Rostoptik ausgeführt.

Die wie edel gealtert wirkenden Wände passen erstaunlich

gut zum minimalistischen Design des Gebäudes.

Der Kontrast aus alt und neu, aus Rost und

makellosem Weiß wirkt sehr reizvoll. Der geradlinige

Architekturstil bekommt durch den rustikalen Charakter

der Farbe einen komplexen Gegenspieler und

Tiefe. Die warme Anmutung des Braunorangetons

passt perfekt zur Leichtigkeit des restlichen Gebäudes

mit den großen Fensterflächen. Die Rost-Anmutung

„erdet“ das Gebäude und verleiht einen organischen

Charakter.

Entscheidend für das Endergebnis ist der richtige

Untergrund. Dieser sollte glatt, sauber, trocken und

tragfähig sein. Ein geeigneter Untergrund ist z. B.

verputztes Mauerwerk, Beton, Gipskartonplatten,

Dispersionsaltanstriche und wie im gezeigten Objekt

ein Wärmedämmverbundsystem mit thermostabilem

Dämmstoff Mineralwolle oder alternativ Hanf.

Synthesa Chemie Gesellschaft m. b. H.

T +43 (0)7262 560-0

office@synthesa.at

www.synthesa.at

Erzielt wird der Kreativeffekt, der die Geschichte von

schön gealtertem Eisen erzählt, mit Hilfe von abgestimmten

Synthesa Fassadenprodukten: Nach einer

schwarzen Grundierung mit Muresko erfolgt die Beschichtung

mit Metallocryl Exterior vermengt mit feuergetrocknetem

Quarzsand, welcher der Oberfläche

den metallischen Glanz und die verwitterte Struktur

verleiht. Das changierende Farbspiel in Rostrot und

Rostgelb wird wiederum durch die matte Fassadenfarbe

Muresko erzielt. Diese Rost-Imitation kann man

auch im Innenbereich schnell und einfach einsetzen.

In diesem Fall nimmt man die entsprechenden Innenfarben

Premium Color und Metallocryl Interior.


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123

Produkt News

Geprüfte Sicherheit für Balkone und Stahlbeton-Bauteile

Der Schöck Isokorb minimiert in Österreich

seit beinahe vier Jahrzehnten zuverlässig

Wärmebrücken bei Balkonen und weiteren

Stahlbeton-Bauteilen. In das Jahr 2019 startet

Schöck nun mit der CE Kennzeichnung:

Sie bestätigt, dass das bewährte Produkt

die allgemeingültigen Anforderungen gemäß

EU-Bauprodukteverordnung erfüllt.

Für die dementsprechende Bewertung der

wesentlichen Leistungsmerkmale eines

Bauprodukts bietet die Europäische Technische

Bewertung (ETA) ein europaweit

einheitliches, unabhängiges Verfahren an.

Die durch das Deutsche Institut für Bautechnik

(DIBt) vergebene Zulassung ist

darin klar geregelt und damit EU-weit und

darüber hinaus in allen EOTA Mitgliedstaaten

gültig und anerkannt. Die ETA-17/0261

und ETA-17/0262 gelten für den Schöck Isokorb

seit dem 14. Mai 2018 mit unbefristeter

Gültigkeit und gewährleisten eine Nutzungsdauer

von mindestens 50 Jahren. Da

das ETA-Verfahren an ein „System zur Bewertung

und Überwachung der Leistungsbeständigkeit“

des geprüften Bauprodukts

gekoppelt ist, können sich alle am Bau Beteiligten

auf Produktionskontrollen durch

den Hersteller verlassen.

Schöck Bauteile Ges.m.b.H.

T +43 (0)1 786 5760

office@schoeck.at

www.schoeck.at

Im Zeichen des Streckmetalls

Auf über 260 m² präsentierte FURAL bei

seinem Messeauftritt auf der BAU 2019

verschiedene, bereits realisierte Deckenlösungen

live. Man widmete sich ganz der neu

eingeführten Produktlinie „Streckmetalldecken“.

Streckmetall ist ein hochwertiger Bestandteil

moderner Architektur und bietet

vielfältige Möglichkeiten, das Deckenbild

charaktervoll und einzigartig zu gestalten.

Ein weiteres Highlight war die Musterwand

mit zwei verschiedenen Beschichtungsvarianten.

Der Hersteller bietet als einziger

Produzent von Metalldecken zwei unterschiedliche

Verfahren an. Einerseits die

Standardvariante mit Pulverbeschichtung,

andererseits die matte PARZIFAL ® Hydroeinbrenn-Lackierung.

Sowohl Architekten

als auch Verarbeiter zeigten sich begeistert

vom matten Erscheinungsbild der Oberfläche.

Und dass bei Metalldecken gute

Akustik immer dabei ist, konnten die Besucherinnen

und Besucher am Messestand

ebenfalls live erleben. Im Akustikkubus

wurde der Effekt von guter Raumakustik

eindrucksvoll spürbar.

FURAL – SYSTEME IN METALL GmbH

T +43 (0)7612 74 851-0

fural@fural.at

www.fural.com


architektur FACHMAGAZIN

124

Produkt News

Massivdielen für die Terrasse

Terrasse, Wintergarten, Balkon – das Terrassensystem Terrace Massive Pro von

Inoutic / Deceuninck kann für die verschiedensten Outdoor-Projekte verwendet

werden. Im österreichischen Seeboden kamen die Dielen für die Terrassen einer

Penthouse-Wohnung zum Einsatz. Die Bewohner haben nun von ihrer neuen

Dach-Terrasse aus einen wunderbaren Blick auf den Millstätter See.

Das Terrassensystem war hier die ideale Lösung.

Die Massivdielen aus Twinson, einem patentierten

Holz-Kunststoffverbundwerkstoff, sind dank einer

zusätzlichen 360°-Kunststoffummantelung besonders

robust: Flecken können nicht in die Oberfläche

eindringen, Kratzer haben so gut wie keine Chance!

Die harte Kunststoff-Oberfläche eignet sich daher

ideal für hohe Beanspruchungen und ist absolut pflegeleicht.

Sie sondert kein Harz ab, splittert nicht und

bleibt über die Jahre hinweg frisch.

Eine Terrasse soll aber nicht nur langlebig und pflegeleicht

sein, sondern auch optisch überzeugen. Wie

gut das Produkt sämtliche architektonischen Anforderungen

erfüllt, ist im österreichischen Seeboden,

einer Marktgemeinde an der Westbucht des Millstätter

Sees, erkennbar. Da auf der oberen Terrasse ein

Whirl pool steht, war es für den Bauherrn sehr wichtig,

dass die Dielen einer hohen Belastung standhalten,

Wasser abweisen können und auch bei Nässe rutschfest

sind. Auch das Design spielte eine große Rolle bei

der Auswahl. Die Massivdielen überzeugen mit authentischer

Holzprägung und vier verschiedenen Farben,

zwei davon mit naturgetreuem Farbverlauf. Auch

nach mehreren Jahren ist die ursprüngliche Farbe

erhalten, aufwendiges Streichen ist somit überflüssig.

Auf der Terrasse der Penthouse-Wohnung wurden

Dielen in der Farbe Steingrau verlegt und harmonieren

nun perfekt mit den Möbeln und der Überdachung.

Neben Steingrau sind die Dielen auch noch

in den Farben Naturstein, Eiche antikbraun und Eiche

rauchgrau verfügbar.

Ein optisches Highlight der Terrasse in Seeboden sind

die wetterfesten LED-Lichter, die im überdachten Teil

der oberen Terrasse entlang der Mauer eingebaut

wurden. Sie spenden ein warmweißes Licht und haben

eine Einbautiefe von nur einem Zentimeter. Damit

wird die Atmosphäre auf der Terrasse nach Einbruch

der Dämmerung noch gemütlicher.

Inoutic/Deceuninck GmbH

T +49 (0)9422-8210-0

info@inoutic.com

www.inoutic.de/terrassen


www.architektur-online.com

125

Produkt News

Epoxidharz-Beschichtung

mit Noppenstruktur

Eines der Hauptargumente der Murexin Strukturbeschichtung

SB 2 ist ihre rasche Herstellung: Auf

den fertig vorbereiteten, grundierten Boden wird sie

1-lagig in einer Schichtdicke von ca. 1 mm aufgetragen.

Aufgrund ihrer thixotropen Einstellung kann sie

unmittelbar danach mit einer Strukturwalze nachgerollt

werden. Dadurch ergibt sich die noppenartige

Oberflächenstruktur. Zusätzlich zur farbigen Gestaltung

– es stehen elf verschiedene RAL-Farbtöne zur

Auswahl – können mit Einstreuchips einzigartige Designs

geschaffen werden. Die Oberfläche der genoppten

Beschichtung ist leicht rutschhemmend. Die Beschichtung

lässt sich wesentlich leichter reinigen als

vergleichsweise abgestreute Böden, einfach pflegen

und schützt den Boden vor unterschiedlichen Chemikalien

und mittleren mechanischen Belastungen.

Eine fertig nutzbare Fläche entsteht somit in wenigen

Stunden mit einer einzigen Anfahrt zur Baustelle!

Murexin GmbH

T +43 (0)2622 27401-0

info@murexin.com

www.murexin.com

Ein logischer Zusammenschluss

In über 88 Jahren und vier Eigentümer-Generationen hat sich

SONNHAUS zum umfassenden Anbieter von Vorhangstoffen (mit

eigenem Nähatelier), Möbelbezügen, Designböden, textilen Belägen

bis hin zu Belägen wie Parkett entwickelt und spezialisiert.

WOHNTEX wird in zweiter Generation geführt und konzentriert

sich in 43 Jahren Unternehmensgeschichte vorwiegend auf Deko,

Gardinen und Möbelstoffe sowie auf das hausinterne, professionelle

Nähatelier.

Mit 30. Juni 2019 übernimmt SONNHAUS das komplette Sortiment

von WOHNTEX – also sämtliche Stoffe/Artikel/Kollektionen

der Marken WOHNTEX, CAMATO sowie FR-ONE – und liefert diese

wie gewohnt weiter. Es ist selbstverständlich gewährleistet, dass

WOHNTEX bis zum Übergabezeitpunkt in gewohnter Art und Weise

lieferfähig bleibt und SONNHAUS durch Übernahme des gesamten

Warenlagers ab 1. Juli nahtlos weiterliefern kann. Der hohe Qualitätsanspruch

an Produkte und Service, sowie die generell hohe Kundenorientierung

stehen seit jeher im Fokus der beiden Familienunternehmen.

Für die Kunden ändert sich lediglich die Bestelladresse. Mit der

Übernahme setzt man einen weiteren, wichtigen Wachstumsschritt

in Österreich und Deutschland, und ergänzt beide Programme um

sehr erfolgreiche, qualitativ-hochwertige Kollektionen.

Sonnhaus GmbH

T +43 (0)7242 634-100

servicecenterwels@sonnhaus.at

www.sonnhaus.at


architektur FACHMAGAZIN

126

edv

Büro-Software:

Mieten oder kaufen?

Software ist nicht nur Arbeitsmittel, sondern auch ein erheblicher Kostenfaktor,

denn zum Softwarepreis kommen jährliche Wartungskosten hinzu. Welche Alternativen

gibt es zum Softwarekauf?

Text: Marian Behaneck

Ist die Wahl der richtigen Software schon

schwer genug, steht anschließend gleich

die nächste Entscheidung an: Neukauf, Gebrauchtkauf,

Miete, Mietkauf oder Leasing?

Software muss man heute nicht unbedingt

in Form einer CD besitzen. Mann kann sie

auch für eine befristete Zeit mieten und genau

dann nutzen und bezahlen, wenn man

sie auch tatsächlich braucht. Cloudlösungen

ermöglichen per Web-Browser sogar

einen plattformunabhängigen, stationären

oder mobilen Zugriff auf eine stets aktuelle

Software, ohne sie kaufen, installieren und

permanent aktualisieren zu müssen. Welche

Alternativen gibt es und was sind die

Vor- und Nachteile?

Software-Miete als Kaufalternative

Anwender von Mietsoftware können wahlweise

einzelne Module, Programme oder

ganze Softwarepakete über einen beliebigen

Zeitraum ab einem Monat mieten.

Unternehmen müssen so ihr Kapital nicht

langfristig in die Software-Anschaffung

binden, sind flexibler und können Auftragsspitzen

besser abfangen oder bei Auftragsflauten

ungenutzte Mietarbeitsplätze kündigen.

Außerdem sind Mietraten laufende

Betriebsausgaben, wodurch Steuervorteile

entstehen.

Die Mietkonditionen sind unterschiedlich

– in der Regel sind aber Softwareaktualisierungen

ebenso im Mietpreis enthalten

wie der Support. Manchmal werden auch

mehrere Monatsmieten angerechnet, wenn

man sich für einen Kauf entscheidet. Wichtig

ist, dass die Kosten individuell, je nach

Paket oder den eingesetzten Modulen berechnet

werden, sodass nur das bezahlt

wird, was auch tatsächlich genutzt wird.

Außerdem sollte der Mietvertrag kurzfristig

kündbar sein. Allerdings bieten nicht

alle Bausoftwarehersteller eine Mietoption

CAD-, AVA- oder BMSP-Programme sind in den Unternehmen wichtige

Arbeitswerkzeuge, aber auch Kostenfaktoren. © Microsoft

und meist muss man explizit danach fragen.

Immer häufiger wird eine andere Form der

„Mietsoftware“ offeriert – als SaaS-Mietlösung

(Software as a Service). Dabei wird

die Software als Online-Dienstleistung angeboten,

inklusive Wartung, Administration,

Konfiguration, Updates, Weiterentwicklung

und Support. Der Kunde hat mit der von ihm

genutzten Software direkt nichts mehr zu

tun – er nutzt nur ihre Funktionen und zahlt

nur die in Anspruch genommene Leistung

(pay per use). In der meist monatlichen

Pauschale sind meist alle Leistungen abgedeckt,

also neben der Softwarenutzung,

dem automatischen Update und dem Anwendersupport

auch eine begrenzte oder

unbegrenzte Projektgröße oder -anzahl,

Speicherplatzgröße usw. Werden auch die

Arbeitsdaten auf einem Cloud-Server gespeichert,

stehen sie zugriffsberechtigten

Anwendern zeit-, orts- und plattformunabhängig

zur Verfügung – etwa einem

Projektteam von unterschiedlichen Bürostandorten

aus. Dafür werden lediglich ein

Internetbrowser und eine stationäre oder

mobile Internetverbindung benötigt. Während

sich Cloud-Modelle bei Standardsoftware

schon durchgesetzt haben, werden

diese bei Bausoftware derzeit erst von einigen

Anbietern angeboten (z. B. von Autodesk,

Allplan, Graphisoft, RIB Software,

untermStrich etc.)

Mietkauf, Finanzkauf oder Leasing?

Neben der Software-Miete gibt es auch den

Mietkauf. Dabei räumt der Softwarevermieter

dem Mieter das Recht ein, innerhalb

einer bestimmten Zeitspanne die gemietete

Software zu einem vorher vereinbarten

Preis käuflich zu erwerben. Bereits gezahlte


www.architektur-online.com

127

edv

Noch kein Auslaufmodell: Die meisten Büroinhaber wollen ihre wichtigsten

Arbeitswerkzeuge immer noch in Form einer CD/DVD „besitzen“.

© Solar Computer

Mietbeträge werden angerechnet. Damit

ist der Mietkauf mit einer Ratenzahlung

vergleichbar. Im Unterschied zum Leasing,

ist der Mietkäufer in der Regel bereits mit

der ersten Mietzahlung auch der Eigentümer

und das wirtschaftliche Eigentum geht

sofort auf ihn über. Aktualisierungs- und

Supportbedingungen müssen meist separat

ausgehandelt werden, da sie in der

Regel nicht oder nur für einen begrenzten

Zeitraum in der Mietgebühr enthalten sind.

Bei Raten- oder Finanzkäufen wird der

Kaufpreis durch Teilzahlungen innerhalb

einer bestimmten Frist erbracht (z. B. zwölf

Monate). Das ist weniger aufwendig als ein

Bankkredit, allerdings sollte man vorher

prüfen, ob ein herkömmlicher Kredit nicht

günstiger ist als der Ratenkredit beim Verkäufer.

Das gilt auch für spezielle Existenzgründerangebote

von Softwareherstellern

mit längeren Laufzeiten (z. B. drei Jahre).

Auch das Leasen ist eine liquiditätsschonende

Finanzierungsalternative. Dabei wird

im Rahmen eines so genannten „Nutzungsüberlassungsvertrags“

die Software vom

Leasinggeber bereitgestellt und dem Leasingnehmer

gegen Zahlung eines vereinbarten

Leasingentgelts zur Nutzung überlassen.

Im Unterschied zum Mietkauf bleibt

der Leasinggeber Eigentümer der Software,

der auch für die Aktualisierung der Software

sorgen muss. Der Leasingnehmer erhält nur

die Nutzungsrechte an der Software. In der

Regel ist zwischen Softwareanbieter und

Leasingnehmer eine Leasinggesellschaft

als Vertragspartner des Softwareanbieters

zwischengeschaltet, die dem Kunden die

Nutzungsrechte an der Software verschafft

und dafür eine monatliche Leasinggebühr

verlangt. Da es zahlreiche Leasingvarianten

gibt, sind die Steuer- und Bilanzvorteile unterschiedlich,

wobei Leasingraten meist in

voller Höhe steuerlich absetzbar sind.

Dennoch nimmt Umfragen zufolge der Umsatz mit Cloudlösungen stetig zu.

© Experton Group, BITKOM

Wann ist „Gebrauchtsoftware“

eine Alternative?

Software nutzt sich nicht ab. Deshalb kann

auch „Gebrauchtsoftware“ eine Alternative

zum Kauf „neuer“ Software sein. Überschüssige

„vergessene“ Lizenzen, Systemaktualisierungen,

Umstrukturierungen, der

Abbau von Arbeitsplätzen, Insolvenzen,

aber auch Unzufriedenheit mit der Software

sind Gründe, warum gekaufte und

benutzte Programme wieder verkauft werden.

Software mit einem Vorbesitzer ist in

der Regel um 30 bis 75 Prozent günstiger,

bietet zwar nicht die neuesten Funktionen,

dafür aber meist alles, was man für die tägliche

Büroarbeit braucht. Zudem kann Gebrauchtsoftware

auch auf älteren Compu-


architektur FACHMAGAZIN

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edv

Cloud-Software ist flexibler, plattform- und standortunabhängig einsetzbar.

© untermStrich

Auch Büro-Zweigstellen oder Mitarbeiter auf der

Baustelle lassen sich per Cloud besser einbinden.

© Panasonic

tern verwendet werden. Der Weiterverkauf

„gebrauchter“ Computerprogramme ist

gemäß mehrerer Grundsatzurteile rechtmäßig

– unabhängig davon, wie die Software

erworben wurde: auf einem Datenträger

oder per Download. Auch das Aufteilen von

Volumenlizenzen, also im „Paket“ verkaufter

Einzellizenzen und deren teilweiser Weiterverkauf

sind zulässig. Laut einem Grundsatzurteil

des Europäischen Gerichtshofs

hat der Gebrauchtsoftwarekäufer auch

Anspruch auf Updates und Support. Allerdings

gehen bestehende Wartungsverträge

nicht automatisch auf den Gebrauchtsoftwarekäufer

über. Dazu muss er mit dem

Hersteller einen neuen Wartungsvertrag

abschließen. Da kein Hersteller gerne auf

Wartungsgebühren verzichtet und die Zufriedenheit

seiner Kunden zum Ziel haben

sollte, entstehen in der Regel keine Probleme.

Allerdings verlangen einige Softwarehäuser

eine Abtretungserklärung des

Erstbesitzers, in der er sich verpflichtet, die

Software nicht mehr zu nutzen.

Da der Gebrauchtsoftwaremarkt etwas unübersichtlich

ist und teilweise auch Raubkopien

illegal als Gebrauchtsoftware angeboten

werden, ist beim Kauf allerdings

Vorsicht geboten. Gebrauchtsoftware

sollte man möglichst inklusive Wartungsvertrag

nur von seriösen Händlern erwerben,

die sich auf den An- und Verkauf von

Nutzungsrechten für Gebrauchtsoftware

spezialisiert haben, wie beispielsweise

www.2ndsoft.at, www.lizenzdirekt.com,

www.relicense.eu, www.software-reuse.eu

oder www.usedsoft.com. Angeboten wird

meist Betriebssystem-, Office-, Grafik-, Bildbearbeitungs-

oder Publishing-Software,

Bausoftware praktisch überhaupt nicht.

Bausoftware wie CAD-, AVA-, BMSP- oder

Fachsoftware sollte sowohl technisch als

auch im Hinblick auf Gesetze, Normen und

Richtlinien stets auf aktuellem Stand sein.

Deshalb kommt ein Kauf „gebrauchter“ und

damit meist älterer Software ohnehin nur in

Ausnahmefällen in Betracht.

Softwarewartungsvertrag oder Individualupdate?

Wer seine Software nicht regelmäßig aktualisiert,

riskiert neben dem Aktualitätsverlust

irgendwann auch Inkompatibilitäten

mit neuer Hardware oder einem neuen Betriebssystem.

Schließt man mit dem Hersteller

einen Softwarewartungsvertrag

ab – auch Softwarepflege- oder Softwareservicevertrag

(SSV) genannt – bleibt die

Software kontinuierlich auf dem neuesten

Stand. Alternativ kann man Software auch

ohne Wartungsvertrag individuell aktualisieren

und beispielsweise eine Versionsnummer

überspringen. Allerdings muss die

übersprungene Version spätestens beim

nächsten Software-Upgrade „mitbezahlt“

Allerdings sollten sich die Rechenzentren für Cloud-Anwendungen in Europa befinden

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129

edv

werden. In der Regel kostengünstiger

fährt, wer regelmäßig per Wartungsvertrag

aktualisiert: Die jährlichen SSV-Kosten

betragen etwa 10 bis 15 Prozent des

Software-Listenpreises. Ohne Wartungsvertrag

liegen die Updatekosten etwa 5

Prozent höher, bei 15 bis 20 Prozent des

Software-Listenpreises seit dem Neukauf

bzw. dem letzten Upgradekauf.

Neben den vielen Leistungen für

SSV-Kunden wie Updates bzw. Upgrades,

Telefon- oder E-Mail-Support, Onlinefernwartung,

Onlineworkshops, Tutorials

oder Einarbeitungshilfen in neue Versionen

sprechen auch steuerliche Aspekte

für einen Wartungsvertrag: Er ist eine

Dienstleistung, die im selben Jahr in voller

Höhe als Aufwand geltend gemacht

werden kann. Dagegen muss der Kauf

einzelner Upgrades als Anlagevermögen

unter Umständen über mehrere Jahre

hinweg abgeschrieben werden. Dass sich

Softwarehäuser um die Aktualität ihrer

eingesetzten Software sorgen, ist nicht

ganz uneigennützig: Mit älteren Versionen

arbeitende Anwender generieren

nämlich Supportanfragen, die nicht sein

müssten, weil das betreffende Problem

mit der aktuellen Version längst behoben

wurde. Aus Updates/Upgrades bzw. Softwarewartungsverträgen

resultierende

Zahlungen stellen zudem eine wichtige

Einnahmequelle dar. Aus Anwendersicht

steigern Updates durch neue und bessere

Funktionen die Produktivität. Zuvor muss

der Anwender jedoch Zeit investieren

– in die Installation und nicht zuletzt in

das Einarbeiten in die neuen Funktionen,

was im Büroalltag nicht immer einfach ist.

Sofern die Leistungen stimmen und der

Gegenwert zum jährlichen SSV-Beitrag

erkennbar ist, sind Wartungsverträge

sinnvoll – vorausgesetzt man nutzt die

Neuerungen auch.

Anwender denken (noch)

konservativ

Noch kaufen Büroinhaber ihre Software

lieber und schließen meist auch gleich

einen Wartungsvertrag ab, auch wenn

dadurch für die verschiedenen Softwareprodukte

in mittleren und großen Büros

schnell mehrere Tausend Euro pro Jahr

zusammenkommen. Die Zurückhaltung

gegenüber Kaufalternativen liegt vermutlich

auch darin begründet, dass man

wichtige, täglich genutzte Arbeitsmittel

lieber sein Eigen nennen will. Dabei haben

browserbasierende Cloudlösungen Vorteile:

Softwarekosten werden reduziert

und lassen sich an die aktuelle Auftragssituation

besser anpassen. Der Aufwand

für Installation, Konfiguration, Aktualisierung

und Wartung entfällt. Die Software

ist flexibler, plattform- und standortunabhängig

einsetzbar. Unternehmen mit

mehreren Standorten können unkomplizierter

zusammenarbeiten, Mitarbeiter

können einfacher mobil arbeiten. Auch

im Homeoffice tätige Mitarbeiter lassen

sich besser integrieren. Entsprechen die

monatlichen Mietkosten den jährlichen

Wartungskosten einer Kaufsoftware, sind

sie auch finanziell eine echte Alternative.

Problematisch können – neben der

Arbeitsgeschwindigkeit (Antwortzeit) –

auch mögliche Serverausfälle oder lokale

Netzverbindungsprobleme sein. Viele Unternehmen

sind auch zurückhaltend, weil

sie vor allem Vorbehalte gegenüber der

Auslagerung ihrer Daten haben. Sicherheitsbedenken

versuchen Anbieter durch

Datenverschlüsselungstechniken oder

die Datenspeicherung in Rechenzentren

der EU mit ihren strengeren Sicherheitsund

Datenschutzstandards zu zerstreuen.

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Leitfaden Coud Computing, Bitkom 2010, Download: www.bitkom.org, Themen,

Technologie & Software, Cloud Computing, Publikationen

Leitfaden Handel mit „gebrauchter“ Software, Bitkom 2015, Download: www.bitkom.

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architektur FACHMAGAZIN

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