25.03.2019 Aufrufe

Inspiration - 02.2019

Erfolgreiche ePaper selbst erstellen

Machen Sie aus Ihren PDF Publikationen ein blätterbares Flipbook mit unserer einzigartigen Google optimierten e-Paper Software.

No 02 | 2019

DAS BERGSPORTMAGAZIN

INSPIRATION

REPORTAGE

ALPINKLETTERN: HIMMELS-

LEITERN AUS GRANIT

KAUFBERATUNG

LOCKER UND LEICHTFÜSSIG:

LEICHTE BERGSCHUHE


ZUSTIEG

RIBELLE OD > STABLE > LIGHT > DRY

AUF ZUM

NÄCHSTEN LEVEL

Auf die kurzen Wintertage mit viel Schnee und wenig Tageslicht

folgt der ersehnte Frühling. Er schenkt uns neue Energie. Das

Licht wird intensiver, die Farben froher und die Natur blüht auf,

entwickelt sich zu duftenden Landschaften. Es sind diese Tage,

die uns zu neuen Plänen für den Bergsommer inspirieren.

recommended by

NINA CAPREZ

switzerland

tonic _ black ceramic _ black blue _ tonic

“Ribelle OD unterstützt meine Schritte. Leichtigkeit und Komfort sind

absolut einzigartig und erleichtern meine Performance. Das System

Sock-Fit XT umhüllt meinen Fuss wie eine Socke. Ein sehr vielseitiger

Bergsportschuh mit revolutionären Gewichts- und Passformstandards“

ceramic _ black

«Das Verlangen

nach persönlicher

Entwicklung,

nach dem nächsten

Level, steckt wohl

in jedem von uns.»

Im Klettern ein neues Niveau erreichen? Unerschlossene Bergregionen

erkunden? Wandernd neue Horizonte entdecken –

vielleicht das Val da Mücc, das wir in dieser Ausgabe ab Seite 12

vorstellen? Das innere Verlangen nach persönlicher Entwicklung,

nach dem nächsten Level, steckt wohl in jedem von uns Menschen.

Bei aller Freude über die eigene Leistung will ich die Berge aber

auch erleben und geniessen können. Unser Bestreben gilt dem Ziel,

auch Sie auf diesem Weg kompetent und persönlich zu begleiten.

Passend zum Frühling ist eine erstklassige Auswahl von leichtgewichtigen

und multifunktionalen Produkten für Sie eingetroffen,

die höchste Performance bieten für Ihre nächsten Abenteuer.

Auch Bächli Bergsport entwickelt sich dieses Jahr weiter. Nach

16 Jahren im Schappe-Center eröffnen wir am 24. Mai in Kriens

Mattenhof eine grössere Filiale – und erreichen damit in der Zentralschweiz

ein neues Niveau, was das Angebot an Bergsportausrüstung

angeht. Und die Filiale Zürich Oerlikon wird sich ab Frühsommer

in neuem Glanz präsentieren. Mit welcher Strategie wir

in die Entwicklung unserer Geschäfte investieren, erfahren Sie auf

Seite 11. Wir freuen uns, Sie bald persönlich in einer unserer Filialen

zu begrüssen – oder Ihnen über unseren schnellen Webshop erstklassige

Produkte kostenlos nach Hause liefern zu dürfen.

HERZLICHST,

THOMAS MORAND, CEO BÄCHLI BERGSPORT AG

thomas.morand@baechli-bergsport.ch

WWW.NEWROCKSPORT.CH

INSPIRATION 02 / 2019

1


REPORTAGE

ALPINKLETTERN: HIMMELS-

LEITERN AUS GRANIT

No 02 | 2019

KAUFBERATUNG

LOCKER UND LEICHTFÜSSIG:

LEICHTE BERGSCHUHE

MOUNTAIN BOOTS

HANDCRAFTED WITH PASSION

BORN IN BAVARIA – WORN AROUND THE WORLD

AUSGABE

02 / 2019

INHALT

GIPFELTREFFEN

WEGWEISER

22

TAMARA LUNGER

Die erste Winterbesteigung des Nanga Parbat

verpasste Tamara Lunger denkbar knapp –

nur 70 Meter unter dem Gipfel kehrte sie um.

Die charakterstarke Südtirolerin im Interview.

32

AUSSICHT

Die schönste Seite der Berge 4

3 X 3

Produktneuheiten und Bergsport-News 8

WWW.HANWAG.COM

WEGWEISER

Im südlichsten Tal der Schweiz 12

Granit-Grate im Quartett 22

EXPERT

Leichte Bergschuhe 18

Helme für Bergsportler 28

GIPFELTREFFEN

Seelen-Reise statt Ego-Trip: Tamara Lunger 32

GRANIT-GRATE

Beste Felsqualität und irrwitzige Ausgesetztheit

– das versprechen Gratklettereien im Granit. Ralf

Gantzhorn stellt vier Paradetouren der Alpen vor.

HANWAG ALVERSTONE II GTX

Der wahrscheinlich vielseitigste Trekking-

Schuh, den wir je gebaut haben: Für

Alpenüberquerungen mit Gipfelambitionen.

Für Trekking in anspruchsvollem Terrain

und mit Gepäck. Für alle, die auf der Suche

nach einem stabilen, flexiblen und obendrein

leichten Trekkingschuh sind.

HOCHGENUSS

Wein in den Bergen 38

PARTNERCHECK

Bekleidungshersteller Ternua 42

AUSSTIEG 48

Impressum 48

INSPIRATION 02 / 2019

DAS BERGSPORTMAGAZIN

INSPIRATION

Titelseite: Endlich Sonne! Nach dem ewig

langen Aufstieg in der schattigen Westseite der

Grands Charmoz erreicht Sonja Schade den

Gipfelgrat und damit das wärmende Licht. Unterwegs

auf der Überschreitung von Charmoz

und Grépon, im Hintergrund Aiguille Verte und

Mer de Glace.

Foto: Ralf Gantzhorn

3


AUSSICHT

FARB

TUPFER

Bei welcher Alpentour ist nach 50

Seillängen noch nicht mal Halbzeit?

Klar, das geht nur beim «Peuterey

Intégral»: Aus dem Val Veny hinauf auf

die Aiguille Noire de Peuterey, über die

Aiguille Blanche in den Col de Peuterey

und 800 Höhenmeter hinauf zum Gipfel

des Mont Blanc. Als Belohnung warten

knapp drei Höhenkilometer Abstieg

ins Tal von Chamonix. Für die längste

Klettertour der Alpen veranschlagt der

Führer auch heute noch gute drei Tage

– Ueli Steck, hier im Bild, knipste sie

2013 in 16 Stunden und 9 Minuten ab.

Zwei Jahre sind vergangen, seit Ueli

Steck am 30. April 2017 in Nepal tödlich

abstürzte. Als der Unfall geschah,

reiste der Fotograf Röbi Bösch gerade

nach Kathmandu, um Stecks geplante

Überschreitung von Everest und Lhotse

mit der Kamera zu begleiten. «Seine

Stimme fehlt – auch in diesem Buch»,

schreibt Bösch im Vorwort seines

grossen Fotobandes «Mountains», aus

dem auch diese Aufnahme stammt.

Es ist trotzdem ein uneingeschränkt

lohnenswertes Buch geworden.

Röbi Böschs Bildband «Mountains» ist

auch bei Bächli Bergsport erhältlich:

www.baechli-bergsport.ch/

Mountains-Röbi-Bösch-Bildbände-De.htm

AIGUILLE NOIRE DE PEUTEREY,

SÜDGRAT, ITALIEN

ROBERT BÖSCH

(WWW.ROBERTBOESCH.CH)

4 INSPIRATION 02 / 2019

5


AUSSICHT

SONNEN

LOCH

Magic Wood? Knapp daneben! Dieses

Bild stammt aus dem tschechischen

Bouldergebiet Petrohrad.

Das namensgebende Dörfchen liegt

rund 80 Kilometer westlich von Prag,

auf halbem Weg zur bayerischen

Grenze. Sagenhafte 5000 Boulderprobleme

(und auch 500 Kletter

routen) sind über 18 Sektoren verteilt.

Die Schwierigkeiten reichen

von Fb 2 bis Fb 8c – Václav Kutil befindet

sich in «Hades» (7C+). Zur

Qualität des grössten tschechischen

Bouldergebiets muss eigentlich nur

erwähnt werden, dass kein geringerer

als Adam Ondra es als sein

Heimatgebiet bezeichnet.

Das Standardführerwerk «Petrohrad

and Surroundings» erläutert alle Boulderprobleme

auf englisch. www.pizbube.ch

PETROHRAD, MLÝNSKÝ VRCH,

TSCHECHISCHE REPUBLIK

JAKUB FRIC

(WWW.JAKUBFRIC.COM)

6 INSPIRATION 02 / 2019

7


3 X 3

NEUES AUS

DER WELT DES

BERGSPORTS

DOPPELT

HÄLT BESSER

Das Sicherungsgerät Giga Jul ist Autotuber und Tuber in einem. Durch Verschieben

des grünen Umschaltriegels lässt sich das Seil entweder im Autotuber-Modus

oder im Tuber-Modus in das Sicherungsgerät einlegen. Der Autotuber-Modus

hat eine bremskraftunterstützende Funktion und empfiehlt sich bei nahezu allen

Vorstiegs-Situationen. Der herkömmliche Tuber-Modus (ohne Bremskraftunterstützung)

hat dennoch seine Berechtigung: Er ist beim Nachsichern mit Doppelstrang,

beim Abseilen und beim Sichern vom Fixpunkt (Standplatz) deutlich komfortabler.

Für Einfachseile und Doppelseile von 7.8 – 10.0 mm geeignet. Gefertigt

aus Aluminium, mit robusten Stahleinlagen an besonders beanspruchten Stellen.

GIGA JUL

EDELRID

Gewicht ca. 100 g

Preis CHF 79.–

BERG UND

BOHNEN

WEISSE

VERFÜHRUNG

Schön zu beobachten: Jeder, wirklich jeder, der

den Whiteout von Exped zum ersten Mal in die

Hände bekommt, reibt das weisse Stöffchen

prüfend zwischen den Fingern. Nicht nötig, denn

das einzigartige Dyneema-Composite-Gewebe

ist zwar extrem leicht und dünn, aber auch 30

Prozent stärker als High-End-Gewebe aus Nylon

und zudem UV-stabil. Abgesehen vom Material

kommt der Whiteout 30 daher wie der bekannte

«Black Ice»: mit Daisy Chains, Kompressionsband

am Deckel (für Seil- oder Jackentransport) und

herausnehmbarer Rückenplatte aus PE-Schaumstoff.

Das Hauptfach ist vollständig getaped und

dank Rolltopverschluss und 20.000 mm Wassersäule

komplett wasserdicht. Zuladung: 13 kg.

WHITEOUT 30

EXPED

Gewicht ca. 695 g

Preis CHF 299.–

Der Outdoor-Ausrüster Schöffel setzt in seinen Bekleidungskollektionen verstärkt

auf das Spezialgarn S.Café. Bei der Herstellung wird recyceltes Polyester

mit eingesammeltem Kaffeesatz vermischt, was die geruchshemmenden

Eigenschaften des Materials verstärkt. Aus Schöffels Frühjahrskollektion ist

beispielsweise die Wetterschutzjacke «Neufundland2» mit dem S.Café-Material

ausgestattet. Der recycelte Kaffeesatz ist dabei auf der Jackeninnenseite als

Print aufgebracht, wo es den Tragekomfort erhöht und Geruchsbildung mindert.

Die «Neufundland2» ist aus 2,5-Lagen-Laminat geschneidert – das hält

Gewicht und Packmass der wasser- und winddichten Funktionsjacke niedrig.

Zum Saisonstart am 4. Mai versorgen Baristas die Kundschaft der Filialen Bern

und Zürich mit frischem Kaffee. Mehr Infos:

baechli-bergsport.ch/scafe

FLINKE

BEINE

Die beste Skitourenhose ist die, die man gar

nicht spürt. Dynafit kommt diesem Ziel mit den

Transalper Hybrid Pants schon ziemlich nahe:

191 Gramm leicht ist das Modell, und dank

Vier-Wege-Dynastretch-Material (16 Prozent

Elasthananteil!) auch enorm bewegungsfreundlich.

Der elastische Hüftbund rundet

das angenehme Tragegefühl ab. Auch die

Ausstattung stimmt: Ventilationsöffnungen, zwei

Eingrifftaschen, eine Reissverschlusstasche

und reflektierende Elemente sind mit an Bord.

Für solide Wetterfestigkeit sorgt das atmungsaktive,

wind- und wasserabweisende Softshellmaterial.

Lässt bei sportlichen Skibergsteigern

keine Wünsche offen.

TRANSALPER HYBRID PANTS

DYNAFIT

Gewicht 191 g

Preis CHF 105.–

KEINE

KOMPROMISSE

Mit dem Nachwuchs auf Tour zu gehen, gehört zu den schönsten Dingen, die es

gibt – solange Spass und Sicherheit nicht auf der Strecke bleiben. Beste Voraussetzungen

schaffen die frisch überarbeiteten Kindertragen Kid Comfort von Deuter

– vom Basismodell Kid Comfort über die besonders leichten Modelle Kid Comfort

Active und Active SL (speziell für Mütter) bis hin zum Topmodell Kid Comfort Pro,

das mit abnehmbarem Tagesrucksack, Sonnendach und Schlafkissen herausragt.

Alle Modelle haben ein stufenlos verstellbares und gut belüftetes Aircomfort-Rückensystem.

Tragekomfort und Lastübertragung entsprechen dem, was man vom

Rucksackspezialisten Deuter seit Jahrzehnten gewohnt ist. Im Spiegel lässt sich

sogar die Laune auf der Rückbank überprüfen. TÜV/GS-geprüft und PFC-frei.

KID COMFORT

DEUTER

Gewicht zwischen 2,6 und 3,6 kg

Preis ab CHF 269.–

MEHR

LICHT

Egal, ob Biker, Trailrunner oder Skitourengeher: Wer am Berg mit Tempo unterwegs

ist, braucht jederzeit perfekte Sichtverhältnisse. Danach strebt die Aerospeed

Reactive mit drei Features: Erstens, die XXL-Scheibe, die ein riesiges Sichtfeld und

Schutzschild bietet und dennoch windschnittig ist. Zweitens, die rahmenlose Konstruktion

mit seitlichen Öffnungen, durch die Luft zirkuliert und Beschlagen

verhindert. Drittens, die selbsttönenden Gläser, die sich automatisch an die Lichtverhältnisse

anpassen. In diesem Fall von Stufe 0 bis 3, damit ist die Brille sogar

nachttauglich. Die Maximalstufe vier empfiehlt sich nur im sonnigen Hochgebirge.

AEROSPEED REACTIVE 0-3

JULBO

Preis CHF 209.–

8 INSPIRATION 02 / 2019

9


3 X 3

ENDLICH

ENTSPANNUNG

Das Schönste nach einer langen Bergtour? Durst löschen! Das Zweitschönste?

Endlich raus aus den schweren Ski- oder engen Kletterschuhen und rein in die

Pantoletten! Im RX Slide 4.0 von Salomon können die geplagten Füsse nach der

Tour durchatmen. Das nahtlose, atmungsaktive Mesh-Obermaterial ist luftig

und gleichzeitig robust genug für den Outdoor-Einsatz (z. B. beim Sichern). Der

Sohlenaufbau besteht aus einem komfortablen Lederfussbett, einer EVA-

Zwischensohle und einer nicht abfärbenden Contagrip-Aussensohle.

RX SLIDE 4.0

SALOMON

Gewicht 384 g / Paar (Grösse 8.5)

Preis CHF 69.–

REISE

RÜSTUNG

Die britische Firma Craghoppers hat sich auf

Reisebekleidung mit integriertem Insektenschutz

spezialisiert. In das NosiLife-Gewebe ist Permethrin

eingearbeitet, das den Inhaltsstoff der

Chrysanthemen-Blüte nachahmt und 90 Prozent

aller Insekten in die Flucht schlägt. Weil der (für

den Menschen unbedenkliche) Stoff in die Faser

eingearbeitet ist, besteht kein direkter Hautkontakt

und er wäscht sich nicht aus. Zudem verfügt

das Textil über einen UV-Schutzfaktor von UPF 50+

und fünf Taschen, davon drei mit Reissverschluss.

Pflegeleicht, schnelltrocknend und antibakteriell

ausgerüstet. Eine locker geschnittene Reisehose

(nicht nur) für tropische Regionen.

NOSILIFE III W TROUSERS

CRAGHOPPERS

Preis CHF 95.–

SAISON

ERÖFFNUNG

Feiern Sie am 3./4. Mai mit uns den Saisonstart in

den Bergsommer 2019. In allen Filialen erwarten

Sie ein vielfältiges Rahmenprogramm, attraktive

Wettbewerbe, leckere Verpflegung und 10 % Rabatt

auf das gesamte Sortiment*. Wir freuen uns auf Sie!

* Ausgenommen sind Nettoartikel, Ski, Bindungen,

elektronische Geräte, Bücher, Karten,

Gutscheine, Reparatur- und Serviceleistungen.

Weitere Informationen unter:

baechli-bergsport.ch/saisonstart

BÄCHLI

BERGSPORT

IN ZAHLEN

264

MITARBEITERINNEN UND

MITARBEITER, DAVON 36

LEHRLINGE

12

FILIALEN IN DER GANZEN

SCHWEIZ

13

OUTLETS

350

SORGFÄLTIG AUSGEWÄHLTE

BERGSPORTMARKEN

6000

QUADRATMETER LOGISTIK-

FLÄCHE IM

ZENTRALLAGER NÄNIKON

FILIALERÖFFNUNG KRIENS

KRIENS ZIEHT

UM

16 Jahre sind genug: Unsere Filiale in

Kriens zieht um und vergrössert ihre Verkaufsfläche.

Wir feiern die Neueröffnung

am 24./25. Mai mit attraktiven Eröffnungsangeboten

und zahlreichen Attraktionen,

z. B. einer Teststrecke für Gore-Tex-

Membranen, dem Kaffeemobil von Schöffel

oder einer Wachsstation zum Auffrischen

Ihrer Fjällräven-Kleidung.

Neue Adresse: Am Mattenhof 2a, Kriens

Laufend neue Infos finden Sie auf:

www.baechli-bergsport.ch/kriens

IHRE VORTEILE

IM BÄCHLI-

WEBSHOP

• Bei Bestellungen über das

Bächli-Kundenkonto ist der

Economy-Versand gratis.

• Über das Bächli-Konto kann

jeder Kunde all seine Einkäufe jederzeit

rückvollziehen.

• innerhalb von fünf Tagen Rückgaberecht

in jeder Filiale oder per Post

• online bestellen und in einer

unserer Filialen abholen

• alle 40'000 Artikel auch online

im Webshop verfügbar

SERVICE-

LEISTUNGEN

IN UNSEREN

FILIALEN

• kostenloser, persönlicher Einkaufsbegleiter

(ohne Kaufpflicht)

• Schuhanpassung, Fellzuschnitt,

Bindungsmontage und -einstellung,

LVS-Test, Daunenreinigung, Eisschraubenschliff

u.v.m.

• Qualitätsgarantie von zwei Jahren auf

alle Produkte

• Mietprodukt bei Reparaturen, damit der

Bergsport nicht getrübt wird

• Umtauschgarantie bei max.

drei Gebrauchstagen bei Hauptgeschäftsartikeln

DER LADEN

LEBT!

Was vor 45 Jahren in der Stube

der Familie Bächli in Volketswil

begonnen hat, führen wir heute

in der zweiten Generation mit 12

Filialen über die gesamte Schweiz

verteilt. Bereits seit 16 Jahren

bieten wir als ergänzenden Kanal

einen Webshop an.

DER MENSCH MACHT DEN UNTERSCHIED

Als Bergsport-Spezialist im Einzelhandel verpflichten wir uns, in erster Linie in unsere Mitarbeiterinnen

und Mitarbeiter zu investieren. Wir bilden mit aktuell 36 Lehrlingen nicht nur

eigenen Nachwuchs aus, sondern setzen bei internen Ausbildungen in Theorie und Praxis

grossen Wert auf Fachwissen und praktische Kenntnisse der Anwendung der Produkte, auf

fachkundige Beratung, kundenorientierte Dienstleistung und zuvorkommenden Service.

WARUM NOCH FACHGESCHÄFTE?

Es ist unsere Überzeugung, den stationären Handel weiter zu pflegen. Warum? Weil wir

den persönlichen Kontakt mit den Kundinnen und Kunden nirgendwo sonst so bereichernd

erleben können, wie in einer unserer Filialen. Wir möchten da sein, wo die Kunden sind. Der

Austausch zwischen unserer Kundschaft und unseren Beraterinnen und Beratern über ihre

Erfahrungen mit den Produkten, aber auch über ihre Erlebnisse am Berg – das ist es, was

einen Filialbesuch bei Bächli Bergsport so wertvoll macht. Im direkten Gespräch können

wir am besten individuell auf die hohen Ansprüche der Kundschaft eingehen.

DAS BESTE AUS BEIDEN WELTEN

Warum aber setzen wir auf den stationären Handel, wo doch das Zeitalter des Online-Shoppings

längst Einzug gehalten hat? Nun, das eine schliesst das andere nicht aus: Bächli

Bergsport investiert parallel in beide Verkaufskanäle, um seiner Kundschaft das Beste aus

beiden Welten zu bieten. Etwa mit schnellsten und kostenlosen Lieferungen direkt nach

Hause. Viele Kunden machen von der Möglichkeit Gebrauch, bequem und online Artikel bestellen

zu können. Deshalb setzt unser Online-Team alles daran, den Webshop und die sozialen

Medien laufend weiterzuentwickeln. Die Filiale hingegen dient auch als erste Anlaufstelle

für Dienstleistungen und Services wie Mietartikel, Reparaturen oder als Abholstelle.

SORGFÄLTIG AUSGEWÄHLTES SORTIMENT

«Den persönlichen

Austausch mit den

Kunden stellen wir ins

Zentrum einer

kompetenten Beratung.»

THOMAS MORAND

CEO

Immer mehr Menschen treiben in ihrer Freizeit Bergsport, und das Angebot an Ausrüstung

wächst mit jedem Jahr. Unser höchst erfahrenes Produktmanager-Team trifft für die Bergsportlerinnen

und Bergsportler eine Auswahl. Als grösster Bergsport-Detaillist präsentieren

wir mit rund 350 Marken ein einmaliges Sortiment für alle alpinen Sportarten – top-aktuelle

Produkte im Hauptgeschäft, Auslaufprodukte im Outlet. Immer zu besten Preisen. Egal ob online

oder im direkten Kontakt: Den Unterschied bei Bächli Bergsport machen die Menschen,

unsere Mitarbeitenden. Deshalb setzen wir alles daran, sie als Kundin oder Kunde bestmöglich

zu unterstützen, damit sie ihr nächstes Erlebnis in den Bergen beruhigt angehen können.

10


WEGWEISER VALLE DI MUGGIO

TEXT & FOTOS IRIS KÜRSCHNER

Val da Mücc. Noch nie gehört? Mit

Sicherheit aber schon vorbeigefahren.

Beim nächsten Mal besser abbiegen

und die Wanderschuhe schnüren, denn

im südlichsten Tal der Schweiz warten

jede Menge Überraschungen.

WILDER

WINKEL

Einsamkeit am «Rigi des

Tessins». Man muss sich dem

Monte Generoso eben nur

12 von der richtigen Seite nähern.

INSPIRATION 02 / 2019

Als würde ein Vorhang aufgehen. Den Betrachter

um Jahrzehnte zurückversetzen, als noch kaum

Autos auf den Strassen fuhren, die Dörfer noch

ohne Neubausiedlungen auskamen und vor jedem Haus

ein üppiger Bauerngarten gedieh. So wirkt es, wenn man

es durch das Strassengewirr und die Einkaufszentren

zwischen Mendrisio und Chiasso im südlichsten Zipfel des

Tessins geschafft hat. Hinein ins Valle di Muggio. Weil jeder

möglichst schnell die hässlichen Verbauungen passieren

mag gen Süden oder Norden, biegt kaum jemand ab in das

37 Kilometer lange Seitental, das die Einheimischen Val

da Mücc nennen. Dort, hinter dem Chaos und der Hektik,

versteckt sich eine andere Welt – eine stille, archaische.

Es ist vielleicht der wildeste, mit Sicherheit aber der unschweizerischste

Winkel. Wo man es mit der Pünktlichkeit

der Postautolinien, der Ausschilderung der Wege, den Öffnungszeiten

von Restaurants nicht ganz so genau nimmt.

DER KÄSE, DEN KEINER KENNEN KANN

Das verschwiegene Tal gipfelt im Monte Generoso, den jeder

Tessin-Fan kennt. Schliesslich klettert eine Zahnradbahn

von Mendrisio auf den fulminanten Aussichtsberg, seit 2017

gekrönt mit der «Steinblume» vom Tessiner Stararchitekten

Mario Botta. Über seinen Sonnenhang vom Valle di Muggio

erobert man sich den Generoso indes in völliger Einsamkeit.

Schon der Ausgangspunkt Scudellate wirkt, als würde man

am Ende der Welt stehen: Ein paar Steinhäuser klemmen

am Steilhang, windschiefe Fensterläden, Rosenranken

klettern über abblätternden Putz. Moos krallt sich in das

Kopfsteinpflaster der engen Gassen, in die kaum ein Sonnenstrahl

einzudringen vermag. An vorderster Front steht

die Osteria Manciana – das Herz des 20-Seelen-Dorfes.

Auch, wenn es nicht so wirkt: Auf der Alpe Nadigh am

Monte Generoso wird noch gewirtschaftet.

Piera Piffaretti, die Wirtin, hat ein offenes Ohr für alle Sorgen

und Freuden, und in ihre Kochtöpfe kommt nur, was Garten

und Tal hergeben. La cucina povera: einfach und währschaft.

Legendär sind ihre Ossobuchi. Keine Kalbshaxen, wie in Italien

beim Ossobuco üblich, sondern vom Schwein. «Kühe waren,

aufgrund der Milch, viel zu wichtig, um geschlachtet zu werden»,

sagt die resolute 70-Jährige. Über vier Stunden lässt

sie das Fleisch in seinem Saft schmoren, es fällt förmlich

vom Knochen. Dazu wird Polenta aus der Mühle von Bruzella

gereicht. Um den Magen zu schliessen, folgt Käse, wie man

ihn sonst nirgends kennt: Zu gering ist die Ausbeute, um

ihn zu vermarkten. Zwischen den formaggini alti – kleinen,

säuerlich schmeckenden Frischkäseleibchen von den

Alpen des Monte Generoso – fällt der Zincarlin ins Auge.

Der kegel förmige, gepfefferte Rohmilchkäse wird während

seiner Reife zwei Monate täglich mit Weisswein eingerieben.

In Kom bination mit Honig mildert sich seine Schärfe

und sorgt für eine Geschmacksexplosion. 2004 wurde er

als erstes Slow-Food-Produkt der Schweiz ausgezeichnet.

Wenn sich Piera und ihr Mann Guerino an alte Zeiten

erinnern, kommen sie um Schmugglergeschichten nicht

herum. In den 1930er-Jahren zählte Scudellate noch

um die 150 Einwohner. «So gut wie jeder im Dorf war

13


WEGWEISER

VALLE DI MUGGIO

Gastwirte, Ladenbesitzer und Herbergseltern: An Piera und

Guerino Piffaretti kommt man in Scudellate nicht vorbei.

VALLE DI MUGGIO

IN ZAHLEN

72

HÖHLEN SIND ALLEIN AUF DER

SCHWEIZER SEITE DES MONTE

GENEROSO BEKANNT. DER BERG

WEIST DAS GRÖSSTE KARST-

SYSTEM DER SÜDSCHWEIZ AUF.

40

KINDER DRÜCKTEN IN SCUDELLATE

EINST DIE SCHULBANK. HEUTE DIENT

DIE SCHULE ALS JUGI.

70

NEVÈRE, SOGENANNTE SCHNEE-

HÄUSER, ZÄHLT DAS VALLE

DI MUGGIO, SO VIELE, WIE SONST

NIRGENDS IN DER SCHWEIZ.

Das Valle di Muggio ist

vielleicht der wildeste, mit

Sicherheit aber der unschweizerischste

Winkel

der Schweiz.

im Schmugglergeschäft tätig. Bis in die Siebzigerjahre

ging das», erzählt Guerino. «Mit ‹peduli›, aus Jutesäcken

zusammengenähten Schuhen, schlich man über die

Grenze hinterm Dorf durch die Berge zum Comer See. Ein

Sieben-Stunden-Marsch. Auf dem Buckel die ‹bricolla›,

vollgestopft mit 700 Zigarettenpaketen. 70 Franken betrug

der Lohn.» Piera und Guerino betreiben nicht nur die

Osteria, sondern auch noch einen Krämerladen im selben

Haus. Nach dem Zweiten Weltkrieg, als sich Chiasso und

Mendrisio zu wirtschaftlichen Zentren entwickelten, kam

die grosse Landflucht. Die Schule von Scudellate, wo einst

40 Kinder die Schulbank drückten, gleich neben der Osteria,

dient heute als Jugendherberge. Es liegt fast auf der

Hand: Piera und Guerino sind die Herbergseltern.

Auch Silvia Ghirlanda kommt immer wieder gerne für einen

Schwatz und ein gutes Essen in die Osteria Manciana. Mit

ihrem Mann Paolo Crivelli zählt sie zu den Pionieren des örtlichen

Ecomuseums, das sich 1980 als Verein formierte. Das

Museo etnografico della Valle di Muggio (MEVM) sah keinen

Zweck darin, historische Gegenstände in einem Gebäude

zu konservieren. Stattdessen bezog man das Kulturgut der

Landschaft mit ein. Repräsentative Bauten und Produktionsstätten

wurden restauriert, etwa die Mühle von Bruzella,

die seit 1996 wieder den roten Tessiner Mais mahlt. Die

Casa Cantoni, ein prächtiger Palazzo in Cabbio, richtete man

als Informationszentrum her. Besucher können sich dort

ein Bild verschaffen von den Schätzen des Valle di Muggio,

die es zu entdecken gibt: wie den Graa, die Dörrhäuser, die

Nevère, die Schneekeller, oder den Roccoli, die Vogelfangtürme.

Silvia Ghirlanda, die viele Jahre als Kuratorin die

Casa Cantoni verwaltete, sagt: «Vor allem wollten wir auch

den Einheimischen zeigen, wie wertvoll und schützenswert

ihr Tal ist. Sie dafür gewinnen, traditionell zu renovieren

und nicht alle möglichen Stile einzuführen, wie diese geschmacklosen

Betonklötze in Morbio am Eingang des Tals.»

TÜRME FÜR DIE VOGELFÄNGER, KELLER

FÜR DIE MILCHBAUERN

Eine von Ghirlandas Lieblingstouren führt von Scudellate

mehr oder weniger flach nach Erbonne. Das Dorf liegt

bereits in Italien und ist nur zu Fuss erreichbar. Eine vom

MEVM restaurierte Trockenmauer begleitet den einsamen

Pfad, im Frühsommer wachsen wilde Erdbeeren in den

Ritzen. Ahnungslose Wanderer wundern sich über das

steinerne «Hochhaus», das sich auf halbem Weg im Wald

versteckt. «Um das Überleben zu sichern, musste man hier

in vielerlei Hinsicht erfinderisch sein», erzählt Ghirlanda.

Ein gutes Zubrot ergab der Vogelfang. Mit Lockvögeln verführte

man die Zugvögel zur Rast im Baumhain vor dem

Turm und erschreckte sie dann derart, dass sie in aufgespannte

Netze flogen. Wer den Roccolo, das dreistöckige

Turmhaus des Vogelfängers, besichtigen möchte, kann sich

den Schlüssel in der Osteria Manciana besorgen.

Bei weniger Bewölkung reicht

der Blick vom Höhenweg am

Monte Generoso bis zu den

Eisriesen der Walliser Alpen.

Auch auf den Pfaden gen Monte Generoso stösst man auf

überraschendes Kulturgut. Die Route über die Alpe di

Sella führt über kahle Hänge, die den Weitblick bis zur

Poebene öffnen. In den archaischen Alpsiedlungen, die

der Weg streift, fallen kreisrunde Gebäude auf. Wer hineinlugt,

sieht, dass sie zu drei Vierteln in den Untergrund

gebaut sind, kunstvoll in Trockenmauermanier. In diese

Nevère schaufelten die Bergbauern einst den letzten

Frühjahrsschnee. Gepresst und verdichtet diente er bis

in den Herbst zum Kühlen der Milch. Eine geniale Lösung

für das Karstgebirge, in dem kühlendes Quellwasser

fehlt. «Kreisrunde Schneehäuser – zumal in dieser Dichte

– gibt es sonst nirgends in der Schweiz», betont Ghirlanda.

Das MEVM inventarisierte rund 70 solcher Nevère, manche

sind an die 200 Jahre alt. Die schönste Wanderzeit am

Monte Generoso, schwärmt Ghirlanda, sei Ende Mai bis

Anfang Juni. Dann leuchten die weissen Blütenkerzen des

14

INSPIRATION 02 / 2019

15


WEGWEISER VALLE DI MUGGIO

Ziegen und Schneehäuser

für die Milch – auf der Alpe

Nadigh ticken die Uhren

noch etwas langsamer.

PLATZ

LASSEN

Für viele Wanderer dürfte das

Valle di Muggio eine terra incognita

darstellen. Und auch, wer schon

da war, nimmt lieber einen etwas

grösseren Rucksack mit. So findet

nicht nur genug Verpflegung für

die reichlich vorhandenen Pausenplätze

Platz, sondern auch das ein

oder andere kulinarische Souvenir.

«Ich liebe es, wenn ich

in der Schweiz neue alte

Welten entdecken kann.

Das gibt mir ein Gefühl

von Zeitlosigkeit.»

GISELA SCHMID

BERGSPORTBERATERIN

FILIALE PFÄFFIKON

BÄCHLI SERVICE

EINKAUFSBEGLEITER

Sie wünschen eine ausführliche Beratung beim

Kauf Ihrer Wanderausrüstung? Der Bächli

Bergsport Einkaufsbegleiter unterstützt Sie

gerne kostenfrei und unverbindlich. Am besten

gleich online einen Termin vereinbaren!

baechli-bergsport.ch/

einkaufsbegleiter

In die Nevère schaufelten

Bergbauern einst den

Frühjahrsschnee. Gepresst

diente er bis in den Herbst

zum Kühlen der Milch.

Affodill aus den Trockenwiesen heraus, und die in dieser

Höhe so seltenen wilden Pfingstrosen bilden rosafarbene

Meere. Den aussergewöhnlichen floristischen Reichtum

des Monte Generoso begründen Geologen mit seiner Inselfunktion

während der Eiszeiten. Weil der Voralpenberg

unvergletschert blieb, konnten diverse Arten überleben,

und so bleibt der schweisstreibende Weg zum 1701 Meter

hohen Gipfel ungemein abwechslungsreich. Rund um die

Bergstation bleibt der übliche Rummel nicht aus, doch es

gibt auch stille Aussichtsplätze entlang des bizarr modellierten

Gipfelkammes, sobald der eine oder andere Pfad

einen sicheren Tritt voraussetzt. Der Blick nach Westen

steht ganz im Kontrast zur Sonnenseite. In senkrechten

Felsfluchten stürzen zerklüftete Kalkwände in die Tiefe,

wie eine Krake gräbt der Lago di Lugano seine stahlblauen

Wasserarme ins Vorgebirge ein. Jenseits drapieren sich die

Walliser Viertausender, das Monte-Rosa-Massiv sticht als

weisse Torte heraus. Ver ständlich, dass diese Rundschau

dem Monte Generoso seinen Bei namen «Rigi des Tessins»

eingebracht hat.

Schon ein paar Minuten unterhalb der Bergstation auf dem

Weg zur Alpe Nadigh herrscht wieder purer Frieden. Gelber

Ginster säumt den Weg, spitze Steinplatten ragen senkrecht

aus dem Boden. «Damit trennte man das Vieh von den

Weiden, die für das Abmähen bestimmt waren», weiss Silvia

Ghirlanda, die sich mit ihrem Paolo auf der Alpe Genor eine

Oase für den Lebensabend aufbaut. Der Kühlschrank ist

quasi schon mitgeliefert, zwei Nevère gehören zum Grund.

Auch die nahe Alpe Nadigh zählt zwei Schneehäuser, meist

streunen neugierige Ziegen herum. Drei Brüder pflegen hier

noch die traditionelle Alpwirtschaft. Zurück in Scudellate

würde man gerne ein Bier trinken. Aber die Osteria Manciana

zeigt sich verschlossen. Piera und Guerino kennen da kein

Pardon. Sie gönnen sich ihre wohlverdiente Siesta. Und öffnen,

wann es ihnen beliebt. Zeit geniesst hier eine andere

Dimension – und das ist gut so.

Informationen zum Valle di Muggio finden Sie unter:

baechli-bergsport.ch/valledimuggio

DOPPEL

SIEG

Auf der letzten OutDoor-Messe in Friedrichshafen

hat dieses Rucksack-Pärchen den begehrten

Industry-Award abgeräumt. Herzstück

der beiden Trekkingrucksäcke ist die

FreeFloat-Aufhängung: Die Hüftgurte sind

so flexibel befestigt, dass sie den Körperbewegungen

beim Wandern folgen. Gute

Ventilation durch abgespannten Netzrücken,

grosser rundumlaufender U-Reissverschluss

ermöglicht schnellen Zugriff an der Front.

Integrierte Regenhülle, praktische Mesh-Einschübe

an Front und Seiten sowie grosse

Hüftgurttaschen, in denen sogar Kompaktkameras

Platz finden, komplettieren die Ausstattung.

Für mehrtägige Hüttentouren oder

grosse Tagestouren.

ZULU 40 / JADE 38

GREGORY

Gewicht 1,34 kg / 1,30 kg

Preis CHF 189.–

ALPINER

ALLROUNDER

Die Atom-Serie von Arc’teryx ist der Inbegriff

einer Ganzjahresjacke: technisch ausgereifte,

gut kombinierbare Midlayer mit leichter

Synthetik-Isolierung. Die steckt zudem unter

einer DWR-imprägnierten Hülle aus 20D-

Nylon. Am Rumpf wärmt 40 g/m2 leichtes Coreloft

– ein gekräuseltes, silikonisiertes Polyestergarn,

das feuchtigkeitsunempfindlich, leicht

und wasserdampfdurchlässig ist. Die Polygiene-

Ausstattung reduziert Gerüche. Der Schnitt

ist recht körpernah, die seitlichen Stretcheinsätze

und Unterarmzwickel bieten viel Bewegungsfreiheit.

Mit Windschutz am Kinn und

ungefütterter Kapuze. Komprimiert ist die

Atom SL in etwa so gross wie eine Grapefruit.

ATOM SL HOODY

ARC’TERYX

Gewicht ca. 230 g (Grösse M)

Preis CHF 215.–

SICHERER

AUFTRITT

Seit fast zwei Jahrzehnten sorgt Meindls «Air

Revolution»-Technologie für gut belüftete

Wanderfüsse. Sie basiert auf einer dreilagigen

Zunge, deren Materialkombination dampfdurchlässig

und dauerhaft polsternd ist. Die

Zunge ragt über den Schaft hinaus und ist

unten nur punktuell fixiert – das fördert die

Luftzirkulation im Schuh. Die bewährte Technik

steckt in einem zeitgemässen Schuh: Der

durchgehende PU-Dämpfungskeil verleiht

dem bayerischen Trekkingschuh viel Stabilität,

zugleich federt er die Lastspitzen effektiv

ab. Eine Gore-Tex-Membran macht den

Schuh wasserdicht, ohne dass das Fussklima

darunter leidet. Und die Multigrip-3-Sohle

von Vibram passt durch ihren definierten Hakenabsatz

und das selbstreinigende Profil genau

zum Einsatzzweck: bequemes Wandern

bis hinauf in leichtes alpines Gelände.

AIR REVOLUTION 3.7 LADY

MEINDL

Gewicht 1100 g / Paar (Grösse 8)

Preis CHF 319.–

16

17


EXPERT LEICHTE BERGSCHUHE

LEICHT

ZU HABEN

«300 Gramm weniger am Fuss spürt man genauso wie zwei Kilo

weniger im Rucksack» – sagt Produktberater Ernst Schärer von

Bächli Bergsport. Schön, dass das Angebot an leichten Bergschuhen

so vielfältig ist wie nie – die Auswahl muss damit aber noch

sorgfältiger getroffen werden.

ILLUSTRATION: SOPHIE KETTERER

TEXT THOMAS EBERT

Hand aufs Herz: Wir Bergsteiger haben

fast alle unsere Leichen im Keller. Ganz

egal, ob es die eigenen sind oder die

vom Grossvater: Ihre Entsorgung fällt einfach

schwer. Zu schön sind die Leichen aus braunem

Leder, mit ihren silbernen Ösen und roten

Schnürsenkeln – aber nicht nur schön, sondern

auch schön schwer. Selbst entstaubt bringt so

ein Bergschuh aus den 70er- oder gar 60er-

Jahren schnell mal das doppelte Gewicht eines

modernen Modells auf die Waage. Ein gut gemeinter

Rat: Lassen Sie Ihre Leichen dort unten

ruhen – es ist besser für alle Beteiligten.

«300 Gramm weniger am Fuss spürt man

genauso wie zwei Kilo weniger im Rucksack»

– Bächli-Produktberater Ernst Schärer führt

die entscheidende Faustregel für leichte Bergschuhe

gleich ins Feld. Warum sich das Leben

schwer machen, wenn es auch leichter geht?

So rhetorisch, wie diese Frage wirkt, ist sie gar

nicht: «In der Schweiz verkaufen wir immer

noch viele schwere Lederschuhe. Das hat mit

Tradition zu tun – man ‹braucht› eben einen

Lederschuh, wenn man in die Berge geht», erklärt

Schärer den Zeitgeist. Dennoch gehe der Trend

klar in Richtung Schuh-Diät: «Im heutigen

Bergsport geht es um Tempo. Es gibt Profis, die

teilweise mit besseren Turnschuhen über die

Viertausender rennen. Und die Schuhbranche

hat derzeit den Antrieb, das auch für den Normalbergsteiger

umzusetzen.»

Nur ein Beispiel: Zum kommenden Sommer

bringt Lowa gemeinsam mit Spitzenbergsteiger

David Göttler einen «athletischen, extrem leichten

Profibergstiefel, reduziert auf das Nötigste»

an den Start. Knöchelhoch und mit Kerbe für

Kipphebel-Steigeisen soll er in Grösse acht nur

1100 Gramm wiegen – pro Paar, wohlgemerkt.

So mancher Zustiegsschuh wiegt da mehr.

Wie sind solche Gewichtsersparnisse möglich?

«Leichter werden Bergschuhe derzeit vor allem

dadurch, indem man das Leder oder die Sohle

etwas dünner macht. Komplett neue Materialien,

wie etwa bei den Skitourenschuhen mit Grilamid

und Carbon, gibt es bei den Bergschuhen eher

nicht», sagt Ernst Schärer. Tatsächlich sind leichte

Futterstoffe aus Synthetik, Ösen aus Kunststoffen

oder hauchdünne, wasserdichte Membranen im

Schuhbau keine Revolution mehr. Für echten

Fortschritt muss man sich schon etwas einfallen

lassen, wie der Sohlenspezialist Vibram, der

im Sommer 2018 seine Litebase-Technologie

einführte. In Litebase-Sohlen wird ein vorgummiertes

Gewebe einvulkanisiert, welches die

Verbindung zwischen Profilstollen und Laufsohle

verstärkt. Im Gegenzug darf die Laufsohle

dünner werden: «Die Stärke wird dabei um bis zu

50 Prozent reduziert, also von 1,7 mm auf 0,5 –

0,9 mm, abhängig vom Sohlentyp. Das Gesamtgewicht

reduziert sich daher um bis zu 30 Prozent.

Im Ergebnis können wir somit eine professionelle

Vibram-Sohle bieten, die in punkto Grip, Traktion

und Haltbarkeit dieselben Eigenschaften bietet

wie eine herkömmliche Vibram-Sohle», erläutert

Davide Canciani, Global Marketing Director von

Vibram, die Technologie. Hersteller wie Scarpa,

Mammut und Dynafit nutzen die Technologie bereits,

das angesprochene Leichtmodell von Lowa

fusst ebenfalls auf einer Litebase-Sohle. Auch

Hanwag feilt an der Sohle, um Gewicht zu sparen:

Am überarbeiteten Alverstone II kommt die

hauseigene «3D Prism Base Technologie» zum

Einsatz, bei der die Laufsohle nicht eben, sondern

prismenförmig strukturiert ist. Das spart

Material und dadurch Gewicht – laut Hanwag

bis zu 32 Prozent.

AUF LEICHTEN SOHLEN

Wie sieht die Kehrseite der Medaille aus? Welche

Einbussen sind durch Sparmassnahmen

am Schuh in Kauf zu nehmen? Zum einen der

naturgemässe Gegenspieler jeder Gewichtsreduktion

– die Haltbarkeit. «Je leichter, desto

weniger robust – das ist definitiv so», sagt Ernst

Schärer. Denn dünneres und damit leichteres

Leder bedeutet natürlich auch, dass die Schuhe

schneller in Mitleidenschaft gezogen werden.

Bei manchem Modell wird der für Bergschuhe

typische und eminent wichtige Geröllschutzrand

gar nicht mehr als Stück montiert, sondern

INSPIRATION 02 / 2019

19


Mit ihrem leichten Gewicht

sind heutige Bergschuhe –

anders als die steifen, schweren

Schuhe von früher – auch

beim Wandern ein Genuss.

MÄCHTIGER

MIX

Immerhin 15 Prozent Gewicht konnte Hanwag beim Alverstone II GTX

im Vergleich zum ledernen Vorgänger sparen. Erreicht wurde das

durch den neuen Vibram Integral Light Sohlenaufbau – der Gummi

wird in speziellen Prismen geformt. Auch beim Material wurde viel

getüftelt: Neben äusserst robustem Perwanger-Leder kommt nun

auch Microfaser zum Einsatz. Hanwags LFX-Technologie verbessert

zudem die Beweglichkeit im Knöchelbereich. Die Gore-Tex-Membran

hält die Füsse von innen und aussen trocken. Praktische Click Clamps

ermöglichen die getrennte Schnürung von Vorfuss und Schaft.

LEICHTES

LEDER

Mit der Entwicklung der Ribelle-Serie hat Scarpa vor knapp zwei Jahren

einen Volltreffer gelandet. Jetzt gibt es den leichten Allround-Bergschuh

auch mit einem Innenfutter aus Leder, welches nicht nur sehr bequem

ist, sondern auch für ein ausgeglichenes Fussklima sorgt. Aussen schützt

robustes Perwanger-Leder (2,4 – 2,6 mm stark) den Fuss, die OutDry-

Membran hält ihn dabei trocken. Die Pentax Precision III Sohle von Vibram

ist für den Einsatz in Fels und Eis konzipiert. Die 4 mm starke Zwischensohle

aus Fiberglass sorgt für ordentlich Torsionssteifigkeit auf kleinen

Tritten. Geeignet für Steigeisen mit Kipphebelbindung.

RIBELLE HD LEATHER

SCARPA

Gewicht ca. 1450 g / Paar (Grösse 42)

Preis CHF 439.–

aufgespritzt – eine Zuspitzung des Trends, den

Schärer gegenwärtig im Schuhbau erkennt:

«Bergschuhe werden immer häufiger gebaut wie

Wanderschuhe, nur mit einer Bergsohle.» Zum

anderen kann Leichtbau auch einen Verlust von

Steifigkeit bedeuten. Denn natürlich funktioniert

das Prinzip auch umgekehrt: In Form steigeisenfester

Bergschuhe, deren weiche Sohle zwar

wunderbar abrollt und beim Wandern ein Genuss

ist, auf kleinen Tritten oder im Eis aber die

letzten Prozent Steifigkeit vermissen lässt.

PASSEN MUSS ER – AUCH ZUM ZWECK

Klar ist: Das eigentliche «Problem», den die

fortschreitende Diversifizierung des Bergschuhregals

mit sich bringt, besteht in der Qual der

Wahl. «Leider ist es so, dass viele Leute mit zu

leichtem, zu weichem Schuhwerk unterwegs

sind – angesichts der Touren, die sie angehen»,

sagt Schärer, «bei Damen ist das noch eher der

Fall als bei Herren, die nebenbei oft noch einen

härteren Schuh haben.» Mit ihrer gestrobelten

Machart und angespritzten Sohle überzeugen

Leichtbergschuhe im Laden auf Anhieb: Sie sind

am Fuss kaum spürbar und vor allem bequem –

und erfüllen damit das jahrzehntelange Mantra

des Schuhverkäufers: «Passen muss er!» Das

stimmt. Passen müssen heutige Multifunktionsmodelle

aber nicht nur am Fuss des Kunden,

sondern auch zum Einsatzzweck und zum

individuellen Leistungsvermögen. «Im weglosen

Geröll wird die Standhaftigkeit mit einem zu

leichten Schuh sehr schnell schwierig, und anstrengend

noch dazu», so Schärer. «Jemand mit

gut ausgebauter Muskulatur, der schnell und oft

geht, fühlt sich in solch einem Gelände auch mit

leichteren Schuhen wohl. Der Durchschnittsbergsteiger

ist da schneller ermüdet.»

Es ist gut, dass wir die Zeit der bleischweren

und bocksteifen Schuhe, die völlig geländeunabhängig

auf jeder Bergtour zum Einsatz kamen,

hinter uns gelassen haben. Die riesige Auswahl

von heute bedeutet aber auch: Der Schuhkauf ist

beratungsintensiver denn je. Beim Blick auf die

kommenden Kollektionen ist Schärer einerseits

begeistert, andererseits auch etwas besorgt.

«Nehmen wir beispielsweise den Veloce GTX von

Dolomite. Das ist ein tiefes Modell, aber mit

steigeisenfester Sohle und kleiner Gamasche.

Theoretisch könnte man mit dem Velo zum Berg,

dann Wandern, über Felsgelände aufsteigen und

mit Steigeisen über einen Firngrat zum Gipfel –

alles mit einem Schuh. Aber für mich ist das ein

Spezialistenschuh – ich denke nicht, dass jeder

damit umgehen kann.» Neben einem ehrlichen

Blick auf das eigene Können hat Schärer aber

auch noch einen konkreten Tipp parat: «Für einen

sicheren Abstieg rate ich wirklich stark zu einem

Schuh mit Absatz. Der bringt einfach sehr viel

Halt gegen Rutschen.»

FOTO: LOWA / BERND RITSCHEL

ALVERSTONE II GTX

HANWAG

Gewicht 1460 g / Paar (Grösse 8)

Preis CHF 335.–


RUBRIK UNTERRUBRIK

WEGWEISER GRAT-KLETTERN

GIB MIR

DIE KANTE

GRANDS CHARMOZ –

AIGUILLE DU GRÉPON

IN HISTORISCHE HÖHEN

Charakter: Lang, anstrengend, und die gesamte

Klaviatur des Alpinismus bespielend. Die Überschreitung

von Charmoz und Grépon gehört zu

den grossen Touren oberhalb von Chamonix –

trotz ihrer relativ geringen Gipfelhöhe (3482 m).

Schwierigkeiten: Firn bis 45°, Stelle VI (5c),

z.T. anstrengende Riss- und Verschneidungskletterei.

Lang!

Ausrüstung: Doppelseil (50 m), 8-10 Expressschlingen,

Bandschlingen, Satz Keile, Satz

Friends (1-3), Abseilgerät.

Beste Jahreszeit: Mitte Juni bis Anfang August,

zuvor liegt zu viel Schnee, danach wird der Bergschrund

heikel.

Abstieg: Abseilpiste vom Grépon, dann über

Gletscher und Wanderweg zurück zur Midi-Bahn.

nismus darstellt. Mit der Begehung des Mummery-Risses

wurden Schwierigkeiten bewältigt, die man bis dato nicht

für vorstellbar hielt. Steckt man heute im ebenso abweisenden

wie berühmten Mummery-Riss, kann man sich

wiederum nicht vorstellen, wieso dieser Riss früher nur

mit dem IV. Grad bewertet wurde. «Gefühlt 6b», orakelte

ein Begeher nach vollbrachter Tat. Letztlich ist der Mummery-

Riss aber nur der Höhepunkt der Tour; das i-Tüpfelchen

in einem der schönsten und komplettesten Wege im gesamten

Mont-Blanc-Gebiet. Charmoz-Grépon – eigentlich

nur zwei kurze Worte. Und doch spiegeln sie die ganze

Welt des Alpinismus oberhalb von Chamonix wieder.

Hat man den Mummery-Riss

geschafft, wartet die Belohnung

in Form eines ebenen Standoder

besser: Sitzplatzes.

TEXT & FOTOS RALF GANTZHORN

Feldspat, Quarz und Glimmer – die vergess’ ich nimmer! Wer für

die Bestandteile von Granit einen Merkspruch braucht,

sollte diese vier Granit-Grate unter die Sohlen nehmen. Eindrücklicher

kann man die Geologie der Alpen schlicht nicht studieren.

Kurz vor dem Gipfel von Turm

2 bei der Überschreitung des

Salbitschijen-Westgrates. Die

Urner Zentralalpen mit Galenstock

(ganz links), Dammastock

und Sustenhorn im Hintergrund.

Als Albert Frederick Mummery zum dritten Mal auf

der Aiguille du Grépon stand, prägte er scherzhaft

die drei Stadien eines jeden Berges: «Ein unersteigbarer

Gipfel – die schwierigste Route in den Alpen –

an easy day for a lady». Hintergrund dieses wunderbaren

Ausspruchs war, dass die stolze Granitnadel über Chamonix

im 19. Jahrhundert jahrelang vergeblich versucht

wurde. Bis zum 5. August 1881, als Mummery, geführt

von den Schweizer Bergführern Burgener und Venetz, als

erster den Gipfel des Grépon erreichte. Nur wenige Jahre

später führte Mummery zwei der ersten fünf Wiederholungen

durch, diesmal als Erster am Seil. Die Leichtigkeit,

mit der Miss Bristow, eine seiner Seilpartnerinnen in jenen

Tagen, die Schlüsselstelle der Tour, eben den «Mummery-

Riss» meisterte, könnte den o.g. Ausspruch geprägt haben.

Zumal Miss Bristow auch noch einen der damals unglaublich

unförmigen Fotoapparate durch die Tour mitschleifte,

und damit Mummery in seinem berühmten Riss

für die Ewigkeit festhielt. Andererseits schrieb Mummery

nur wenige Zeilen später, dass er die Route als eine der

Schwierigsten betrachte, die er jemals gemacht habe.

Was also erwartet einen bei der Überschreitung von Grands

Charmoz und Grépon? Fakt ist, dass die Erstbesteigung

des Grépon den Beginn einer neuen Entwicklung im Alpi-

«Gefühlt 6b: Kaum

vorstellbar, dass der

Mummery-Riss

früher mit dem IV. Grad

bewertet wurde.»

22 INSPIRATION 02 / 2019

23


WEGWEISER

GRAT-KLETTERN

SCIORA DAFORA –

FUORIKANTE

DER JÜNGSTE GRANIT

DER ALPEN

Hinweis: Seit dem Bergsturz am Cengalo ist das

Bondasca-Tal offiziell gesperrt!

Charakter: Herrlich ausgesetzte Kletterei an

einer (gefühlt) rasiermesserscharfen Kante.

Schwierigkeiten: VII+ oder VI, A1; 21 Seillängen.

Die unteren 12 Seillängen wurden 1998 mit

Bohrhaken eingerichtet.

Ausrüstung: Doppelseil, 10 Expressschlingen,

Bandschlingen, Satz Keile, Satz Friends, Abseilgerät.

Beste Jahreszeit: Juli bis September.

Die Tour: Die Kletterei folgt im unteren Teil den

Bohrhaken. Der obere Teil ist unglaublich ausgesetzt

und verläuft direkt auf der Kante bzw. etwas

links davon. Schlüsselstelle ist eine Bohrhakenreihe,

die mithilfe von Schlingen überwunden

wird. Frei ist diese Seillänge mit VII+ eingestuft.

Abstieg: Der Abstieg erfolgt entweder klassisch

über den Normalweg am Ostgrat und den

Cacciabella-Pass (lang) oder abseilend über die Via

Noemi am Torre Innominata. Auch hier muss man

durch Bergsturzgelände queren. Achtung! Manchmal

müssen noch Schneefelder gequert werden,

die Mitnahme eines Pickels erscheint ratsam.

Eine der luftigsten

Kletterstellen der

Alpen: Micha Stacheder

an der Fuori-Kante.

GROSS FURKAHORN –

OSTSÜDOSTGRAT

HIMMELSLEITER IM

HERZ DER ALPEN

Charakter: Wunderschöne Genusskletterei in

bestem Furka-Granit. Aufgrund der relativ geringen

Schwierigkeiten an sonnigen Wochenenden

ziemlich beliebt. Der perfekte Einstieg in die Welt

der alpinen Granitgrate.

Schwierigkeiten: IV+, rund 750 Klettermeter.

Ausrüstung: Seil (50 m), 6-8 Expressschlingen,

Bandschlingen, Satz Keile, 3-4 mittlere Friends

(1-3), Abseilgerät.

Beste Jahreszeit: Anfang Juli – Mitte September.

Die Tour: Der Einstieg zum Grat befindet sich

ostseitig wenige Meter rechts der Kante. Danach

folgt man durchgehend der Kante. Ausnahme ist

ein roter Turm nach ca. sechs Seillängen, der im

Normalfall südseitig umgangen wird. Die Gipfelnadel

erreicht man von Norden.

Abstieg: Von der Gipfelnadel nach Süden abseilen.

Anschliessend über Geröll und Blöcke zum

grossen Band in der Südwand. Nochmals 40 m

bzw. 20 m abseilen und über einen steilen Graspfad

zum Einstieg. Anschliessend auf bekanntem

Weg zurück zum Pass.

Schaut man auf eine Karte der Alpen, fällt der Blick

aller Wahrscheinlichkeit nach ohne grosse Umschweife

auf das Gross Furkahorn. Nicht, dass es

als solches irgendwie markiert wäre und man es damit

einwandfrei lokalisieren könnte, nein – dafür ist der

Berg nicht bedeutend genug. Aber das Furkahorn hat einen

Vorteil – es liegt nämlich mittendrin. Heisst, von

seinem Gipfel kann man so ziemlich alles, was Rang und

Namen hat, prima erkennen. Vom Finsteraarhorn über

die Walliser Riesen bis hin zum nahe gelegenen Galenstock

macht das Gipfelpanorama (besser Nadelpanorama)

einiges her. Mittendrin heisst aber auch, dass sich

so ziemlich jede Regenwolke, egal ob von Süden oder

Norden kommend, hier entleert. Man studiere also gut

den Wetterbericht, bevor man sich in die Furkaregion

aufmacht. Stabiles Hochdruckwetter ist Pflicht. Scheint

jedoch die Sonne, erlebt man Klettergenuss, wie man

ihn angesichts des von unten etwas schrofig wirkenden

Berges nicht vermuten würde.

Bester Granit, wahrscheinlich vom vielen Wasser poliert,

erwartet den Aspiranten. Nie wirklich schwer und voller

griffiger Überraschungen. Schön auch, dass sich Berge

steigern können, denn die schönsten Meter kommen zum

Schluss: Die Gipfelnadel verdient ihren Namen, bietet sie

doch nicht mal Platz für eine Seilschaft. Schade, denn

mittendrin geniesst man die Aussicht besser zu zweit.

Die Bondasca: Ein Tal von herber, nordisch anmutender

Schönheit oberhalb von pittoresken Dörfern,

mit wundervollen Kastanienhainen und einem

Hauch mediterranen Charmes. Zentraler Blickpunkt im

Kranz seiner Umrahmung ist natürlich der berühmte Piz

Badile, aber die Natur hat auch einen zauberhaften Kontrapunkt

gesetzt: Die Nadeln und Türme der Sciora-

Gruppe. Sciora Dafora, Punta Pioda, Ago di Sciora. Und

dazwischen der höchste Berg der Gegend: der Piz

Cengalo. Der hat in den letzten Jahren leider mehrfach

für negative Schlagzeilen gesorgt, zuletzt 2017.

Am 23. August brachen über 3 Millionen Kubikmeter Gestein

aus einer instabilen Zone der Nordwand, Muren

verwüsteten das gesamte Bondasca-Tal. Acht Menschen

gelten seitdem als vermisst. Dieses Ereignis hat das Leben

im Bergell nachhaltig verändert. Der Piz Cengalo ist

noch immer nicht zur Ruhe gekommen, die Zufahrtsstrasse

ins Tal ist zerstört und die beiden Ausgangshüt-

ten für sämtliche Kletterrouten im Gebiet, die Sasc-Furäbzw.

die Sciora-Hütte, sind bis auf weiteres geschlossen.

Ob sich das 2019 ändern wird, ist derzeit unklar. Und somit

ist auch der Zustieg zu unserer Route an der Sciora

Dafora im Moment nur über das Albigna-Tal und den

Cacciabella-Pass möglich. Und sie erfordert ein Biwak.

Wer diese Mühen auf sich nimmt, darf sich auf die vielleicht

spektakulärste Kante der Alpen freuen. Der untere

Teil wurde 1998 durchgehend mit Bohrhaken eingerichtet.

Man umgeht damit einen weiteren Bergsturz,

der Ende der 60er-Jahre die ursprüngliche Route verwüstete.

Weiter oben wird die Hakendichte deutlich geringer,

dafür warten einige sehr luftige Kletterstellen auf

den Vorsteiger. Nur mit Samtpfoten mag man sich dort

festhalten, denn genau von hier lösten sich damals die

jetzt im Tal befindlichen Felsbrocken. Ein mulmiges Gefühl,

denn selten wird einem so drastisch vor Augen geführt,

dass auch der jüngste Granit der Alpen (mit 30

Millionen Jahren) vergänglich ist.

Freude jetzt, Pause später! An

der Gipfelnadel des Gross Furkahorn.

Sitzen geht erst nach

der Abseilerei...

24 INSPIRATION 02 / 2019

25


WEGWEISER GRAT-KLETTERN

SALBITSCHIJEN-

WESTGRAT

TRUMPF IM GRAT-

QUARTETT

Charakter: Der «Rolls-Royce» unter den Granitgraten,

ein extravagantes Klettervergnügen für

ausdauernde und schnelle Seilschaften.

Schwierigkeiten: VII, A1, ca. 34 SL. Obwohl die

Tour mit Bohrhaken eingerichtet ist, definitiv

kein Plaisir-Vergnügen.

Ausrüstung: Doppelseil (50 m), 10-12 Expressschlingen,

Bandschlingen, Satz Keile, Satz

Friends (1-3), Abseilgerät.

GESTEIN

OHNE

GNADE

Rauhe Granitrouten fordern ihren

Tribut von Mensch und Material.

Wer sich durch gemeine Offwidth-

Risse quält und über rasiermesserscharfe

Himmelsleitern tanzt,

braucht ordentliche Ausrüstung.

Unsere Tipps für Klettern im Granit.

«Granitgrate sind für mich

Abenteuer pur! Auf dem Gipfel

entlädt sich die hohe Anspannung

von unterwegs und macht

tiefer Genugtuung Platz.»

ANDREA GREINER

BERGSPORTBERATERIN

FILIALE AARAU

BÄCHLI

ON TOUR

Lust auf Granitgrate, aber noch nicht das

nötige Know-how? Bächli Bergsport bietet

mehrmals im Jahr Grundkurse für das Klettern

von Mehrseillängen-Routen. Dabei

stehen von der Materialkunde über die richtige

Taktik bis zum Standplatzbau viele Inhalte

auf dem Lehrplan – etwa vom 25. bis 26. Mai

2019 im Tessiner Maggiatal. Alle Infos und

noch mehr Kurse und Tourenangebote unter:

baechli-bergsport.ch/

de/baechliontour

Der Swing an der Gipfelnadel

ist der Höhepunkt

jeder Begehung des

Salbitschijen.

Beste Jahreszeit: Mitte Juni bis Anfang September.

Zuvor liegt zu viel Schnee, danach werden

die Tage zu kurz.

Abstieg: Auf abgesichertem Weg zunächst am

Ostgrat und dann nach Norden zurück zur Hütte.

Achtung bei Neuschnee!

W

enn es einen Preis für die schönsten Klettergrate

der Alpen geben würde – der «Salbit»

wäre mit Süd- und Westgrat gleich doppelt unter

den Top 5. Welcher ist der Schönere? Deutlich kürzer

und harmonischer ist der Südgrat, eine «Symphonie in

Granit», wie ihn Hans Berger einst betitelte, der ehemalige

Hüttenwart der Salbithütte und Hausmeister des Gebietes.

Sehr viel länger und schwerer, teils aber auch recht

ruppig, ist der Salbit-Westgrat. Er wäre der Trumpf in jedem

Grat-Quartett: Über 30 Seillängen, nicht wenige im

VI. Grad und darüber, knapp 1400 Klettermeter und sieben

Abseilstellen, verteilt auf sechs Türme. Beginnen sollte

man daher in der Dämmerung. Ob man vom Biwak direkt

unterhalb des Grates startet oder von der etwa anderthalb

Stunden entfernten Hütte, ist Geschmackssache. Letztere

bietet ein gutes Frühstück und wird beim Abstieg über den

Normalweg ohnehin passiert. Ab etwa Mitte Juli gibt es

im Biwak keinen Schnee mehr, das Wasser muss dann

selbst mitgebracht werden.

Wach wird man gleich in der ersten Seillänge. Der siebte

Grad erfordert herzhaftes Zupacken im Schein der Stirnlampe.

Wer hier Schwierigkeiten hat, sollte abseilen. Danach

wird es etwas gemütlicher und man erreicht den

ersten Turm. Auf den zweiten gelangt man durch einen

traumhaften Riss – vielleicht der edelste Teil des Gesamtkunstwerkes.

Die schwierigste Stelle ist in den meisten

Topos gar nicht markiert: ein kleines, ca. fünf Meter hohes

Wändchen auf dem Weg zum dritten Turm. Ich persönlich

kenne niemanden, der hier nicht in den optimal angebrachten

Haken gegriffen hat. Höhepunkt am Salbit ist

die Gipfelnadel, wo sich die beiden Grate zum absoluten

Höhepunkt treffen. Wie am Furkahorn ist auch diese Nadel

zu spitz für Gipfelgenuss in Zweisamkeit.

Informationen zum Grat-Klettern

finden Sie unter:

baechli-bergsport.ch/grat-klettern

SCHLAUE

SCHALE

Der Mammut Wall Rider MIPS ist als erster

Helm mit der patentierten und preisgekrönten

(ISPO Award 2018) MIPS-Technologie ausgestattet.

Dabei wird eine 0,5 bis 0,7 mm dünne,

reibungsarme Gleitschicht im Helm verbaut,

die seitlich auftreffende Kräfte – niemand

stürzt immer kerzengerade – teilweise umlenken

kann. Das reduziert vor allem die Gefahr

einer Hirnverletzung. Beim Tragen merkt man

davon aber nichts: Der Wall Rider MIPS ist

komfortabel wie eh und je und auch das Gewicht

wird durch die MIPS-Technologie kaum

höher. Die MIPS-Technologie wird seit 1996 in

Schweden erforscht. Mit Clips zur Stirnlampenbefestigung,

zertifiziert nach EN 12492.

WALL RIDER MIPS

MAMMUT

Gewicht 225 g

Preis CHF 205.–

GRANIT

GREIFER

Camalots, wie Black Diamond seine Klemmgeräte

nennt, haben einen legendären Ruf.

Der Grund: Mit ihren zwei Achsen setzte der

C4 neue Masstäbe, weil er einen grösseren

Klemmbereich abdeckte. Bei der überarbeiteten

Version ermöglichen optimierte Ausfräsungen

an den Klemmbacken ein geringeres

Gewicht bei gleicher Festigkeit. Weitere News:

Die kleinen Grössen haben nun zweifarbige

Schlingen. Und die grossen Grössen No. 4, 5

und 6 können mithilfe einer Klammer nun im

gespannten Zustand fixiert werden. Ein leichter

Zug am Klemmbügel löst die Klammer

wieder und das Klemmgerät kann sofort platziert

werden. Das verringert den Platzbedarf

am Klettergurt und erleichtert die Handhabung

am Fels enorm.

CAMALOT C4

BLACK DIAMOND

Gewicht 124 g (No. 1)

Preis ab CHF 72.–

ROT UND

ROBUST

Dann empfiehlt sich eine Hose wie die Mantra,

bei der La Sportiva den Fokus auf die beiden

wichtigsten Dinge gelegt hat: Bewegungsfreiheit

und Langlebigkeit. Erreicht wird das aus

einem Materialmix aus 96 Prozent Nylon und

vier Prozent Spandex, der zudem leicht und

schnelltrocknend ist. Der elastische Taillenbund

sitzt bequem und rutscht nicht, vorgeformte

Kniepartien erleichtern das Klettern in

akrobatischen Zügen. Die seitliche Tasche für

die Boulder-Bürste und die integrierte Schlaufe

für den Magnesiabeutel machen die Mantra

Pants zur ersten Wahl fürs Bouldern oder

Klettern. Hier stimmen Funktion und Farbe!

MANTRA W PANTS

LA SPORTIVA

Gewicht ca. 416 g

Preis CHF 125.–

26

27


EXPERT BERGSTEIGERHELME

SCHÜTZENDE

SCHALE

TEXT ALEXANDRA SCHWEIKART

Es knallt, es rasselt, instinktiv drückt sich der Körper

gegen den Fels. Ein dumpfer Schlag knallt gegen

den Helm. Der Kopf brummt. Am Berg kommt

nicht alles Gute von oben: Steine, Eisschlag oder

der Karabiner des Seilpartners. Daher gehören

Schutzhelme schon seit langer Zeit zur Standardausrüstung

in den Bergen. Der Helm gehört zur

sogenannten persönlichen Schutzausrüstung, kurz

PSA, der Kategorie zwei. Definiert als Ausrüstung,

die Bergsteiger vor «grossen Gefahren» bewahren

soll. Die Zeiten, dass der Helm wie ein überdimensioniertes

Plastik-Ei am Kopf drückte, sind glücklicherweise

lange vorbei. Heute werden verschiedenste

Materialien und Technologien aus der Kunststoffindustrie

verwendet, die die Helme leicht und

extrem robust machen. So verbaut Mammut seit

diesem Jahr erstmals das in Bike- und Skihelmen

längst etablierte MIPS-System in seinem Topmodell.

Auch für die Puristen unter den Sportkletterern

gibt es also keine Ausreden mehr.

keine Verletzungen an Kopf und Halswirbelsäule

erleidet. Ebenfalls wird die Energieaufnahme von

der Seite, von vorne und von hinten gemessen. Einen

Durchschlagstest mit einem spitzen Kegel

aus einem Meter Höhe muss jeder Helm ebenfalls

absolvieren. Ein weiterer Test prüft die Festigkeit der

Bänder und Schnallen und den Halt des Helmes

auf dem Kopf, wenn daran gezogen wird.

«Ob man eher einen robusten Hartschalenhelm

oder einen federleichten

In-Mold-Helm mit grossen Belüftungsöffnungen

braucht, hängt vom Einsatzort

ab. Bei alpinen, steinschlaggefährdeten

Touren empfehlen wir eher kleine Öffnungen

für maximalen Kopfschutz.»

Für die meisten Kletterer gehört er fix zur Tour: der Helm.

Manche Modelle sind wahre Multisportler, andere sind eher etwas

für Grammjäger. Das passende Modell hängt nicht nur

vom persönlichen Einsatz ab, sondern vor allem von der Passform.

ILLUSTRATION: SOPHIE KETTERER

Expertentipp: In den Bergen herrscht keine «allgemeine

Helmpflicht». Experten raten aber dazu,

in allen Fällen einen Helm zu tragen, in denen

Stein- oder Eisschlag vorkommen kann oder aber

die Möglichkeit von unkontrollierten oder weiten

Stürzen nicht ausgeschlossen werden kann.

«Ich hab doch schon einen Helm zum Biken, braucht

es da einen zusätzlichen zum Klettern?», mag

manch einer sich fragen. Die Antwort ist kurz und

eindeutig: Ja! Zum einen ist ein Bergsteigerhelm

kein klassischer Sturzhelm, sondern schützt von seiner

Machart her gegen herabfallende Gegenstände.

Im Gegensatz zu einem Velo-Helm ist er daher nicht

rund herum belüftet, sondern verfügt nur über mehr

oder weniger grosse Öffnungen an den Seiten. Im

Zentral- und Stirnbereich ist die Schale von Bergsteigerhelmen

geschlossen, da hier die Hauptaufprallstellen

für herabfallende Gegenstände oder

Steinschlag sind. Der Kopfschutz für alpine Disziplinen

muss die Normprüfung nach EN 12492 und die

strengere, jedoch freiwillige UIAA-Norm 106 bestehen.

Hier müssen die Helme den definierten Aufprall

eines aus zwei Meter vertikal fallenden Prüfkörpers

mit 5 Kilogramm standhalten. Die übertragene Energie

auf den Kopf darf maximal 10 kN (EN) beziehungsweise

8 kN (UIAA) betragen, damit der Träger

MATTHIAS SCHMID

PRODUKTMANAGER

PASSFORM

Entscheidend für den Komfort auf einer langen

Tour ist die richtige Passform des Helmes, die

Polsterung – und natürlich auch das Gewicht.

Viele Helme gibt es in zwei verschiedenen Grössen.

Für einen perfekten Sitz lassen sich die Gurte an

den Ohren und am Kinn sowie das Kopfband am

Hinterkopf anpassen. Nicht jeder Helm passt auf

jeden Kopf, daher ist es sinnvoll, verschiedene Modelle

vor dem Kauf anzuprobieren und ihn auch

mit Mütze zu testen, falls ein Einsatz im Winter

oder in den Übergangsjahreszeiten vorgesehen

ist. Denn nur, wenn ein Helm passt und angenehm

sitzt, ist er automatisch mit dabei. Denn ein Helm

zuhause im Schrank schützt nicht.

Expertentipp: Man sollte verschiedene Helme in einer

der zwölf Bächli Bergsport Filialen anprobieren,

auf seinen Kopf einstellen und damit umhergehen.

Wichtig ist, dass der Helm nicht verrutscht und

dass man nach oben blicken kann, ohne dass er die

Sicht einschränkt. Und: Auch mit Mütze muss der

Helm gut passen, wenn man an kalten Tagen oder

in Eis und Schnee unterwegs sein möchte.

28

INSPIRATION 02 / 2019

29


EXPERT BERGSTEIGERHELME

RÜCKZUG AUS DER WAND

WIE LANGE HÄLT

EIN KLETTERHELM?

Generell gilt die Angabe des Herstellers in der

Gebrauchsanleitung, die dem Helm beiliegt

oder online gelesen werden kann. Meistens

wird dort eine maximale Lebensdauer von

zehn Jahren ab Herstellung angegeben. Hier

gibt es zweierlei zu beachten: das Datum des

Kaufs und das Datum der Herstellung sind

nicht dasselbe. Zweitens gilt die maximale

Lebensdauer nur, solange das Produkte keine

Schäden durch Stürze, Steinschlag, Chemikalien,

Batteriesäure, Hitze oder scharfe Kanten

erlitten hat. Nach solch einer Beschädigung

muss der Helm sofort getauscht werden. Die

Lebensdauer des Helmes kann sich also auf

eine einzige Bergtour reduzieren!

Als Faustregel gilt: Hegt man den geringsten

Zweifel an der Sicherheit eines Helms, sollte

man sich einen neuen zulegen. Daher sollte

der Kletterhelm regelmässig überprüft werden,

jedoch mindestens einmal pro Jahr. Zur Überprüfung

kann man entweder die nächste Bächli

Bergsport Filiale aufsuchen oder folgendermassen

vorgehen:

1. Überprüfung der Kennzeichnung

und des Herstellungsjahres

(Aufdruck oder Aufkleber im Helm):

Hier sind die Basisinformationen aufgelistet:

Hersteller, Handelsname, Typ, Modellbezeichnung,

EN 12492, Herstellungsjahr und Quartal,

Grösse oder Grössenbereich, CE-Kennzeichnung.

Manche Hersteller haben eine spezielle Seriennummer,

die sich mit Hilfe der Gebrauchsanleitung

entziffern lässt.

2. Sicht- und Funktionsprüfung:

DIE VERSCHIEDENEN HELMTYPEN

Hartschalenhelme

Hartschalenhelme, wie beispielsweise der Petzl Elia,

bestehen aus einer harten Kunststoffschale mit einem

Tragesystem aus Bandmaterial. Bei einem Aufprall

dehnen sich die Bänder und die Schale wird

elastisch verformt – die Aufprallenergie wird so absorbiert.

Diese Helme halten auch sogenannten

Multi-Impact-Situationen stand, wie einem schwereren

Steinschlag. Oft haben diese Helme einen zusätzlichen

Einsatz aus EPS oder EPP im Zentrum,

der zusätzlich die Aufprallenergie absorbiert.

robuste Helme, Multi-Impact-resistent

schwer, oft nicht so gut belüftet

Hybridhelme

Hybridhelme, wie der Petzl Boreo, verfügen über

eine harte Kunststoffschale aussen, kombiniert mit

einem Hartschaumeinsatz aus EPP und/oder EPS.

Die Aufprallenergie wird absorbiert, indem die

Schale die auftretende Kraft verteilt und der Hartschaum

der Innenschale sich plastisch verformt.

Vorsicht: Diese Helme können nach einem Aufprall

äusserlich völlig intakt aussehen, durch die Aufprallenergie

ist der Schaum im Inneren aber beschädigt.

Unbedingt nach einem Aufprall überprüfen. Spannend:

Mammut hat seit 2018 einen Helm namens

«Wall Rider» mit MIPS-Technologie im Programm,

das den Kopf und speziell das Gehirn bei schrägen

Aufprallszenarien besser schützt.

leicht

Beschädigungen im Inneren

sind nicht so einfach zu sehen

Grym Evo Jacket

Der ideale Partner für alle kommenden Trekkingausflüge.

Die robuste und hochfunktionelle 3-Lagen-Shelljacke ist

aus sorgfältig ausgewählten, nachhaltigen Materialien

gefertigt. Ausgestattet mit der Haglöfs eigenen

PROOF ECO-Technologie aus recyceltem Polyamid mit

Ripstop besticht die Jacke durch seine herausragende

Wetterfestigkeit und Langlebigkeit – und nutzt eine

fluorcarbonfreie DWR. Haglöfs arbeitet bei der neuen

Jacke mit flachen, ultraschallverschweißten Nähten,

für einen optimalem Schutz und ein gleichzeitig stets

angenehmes Tragegefühl.

Our most sustainable

waterproof technology

Hier wird der Helm genau untersucht. Die

Schnalle muss sich öffnen und schliessen lassen,

die Bänder müssen verstellbar sein, dürfen

sich nicht von allein öffnen. Die Befestigungen

der Bänder am Helm dürfen nicht gebrochen

sein und die Bänder selbst dürfen keinerlei

Beschädigungen oder Schnitte aufweisen. Die

Aussenschale muss von aussen und innen kontorolliert

werden, dabei sollte man auf Kratzer,

Deformationen, Einschlagstellen, Risse, Brandstellen

und Abnutzungserscheinungen achten.

Die Innenschale oder der Hartschaumeinsatz

wird ebenfalls auf Risse oder Deformationen

untersucht. Kommt es zu Verfärbungen durch

intensive UV-Strahlung, Chemikalien oder

Farben, sollte der Helm ebenfalls getauscht

werden. Schaumstoffpolster sind oft abnehmbar

und können gewaschen werden.

In-Mold-Helme

Bei der Konstruktion dieser Helme (z. B. Black Diamond

Vector) wird im Spritzgussverfahren der EPSoder

EPP-Hartschaum in eine Schale (meistens aus

Polycarbonat) gespritzt. Die einzige Möglichkeit, die

Aufprallenergie zu absorbieren, liegt bei den Helmen

dieser Machart darin, dass sich der Hartschaum

plastisch verformt. Etwa wie bei einem Apfel, der

auf den Boden fällt: Die Schale reisst nicht ein, aber

es entsteht eine braune Delle im Fruchtfleisch.

leicht, gut belüftet

manchmal schon nach einem leichten Treffer beschädigt,

empfindlich im Rucksack oder Reisegepäck

30

www.haglofs.com

Dalarna Sweden Est.1914


GIPFELTREFFEN TAMARA LUNGER

Ganz entspannt – nach

harten Routen an den Achttausendern

hat Tamara

Lunger erkannt: «Ich

muss nicht immer den

härtesten Weg gehen.»

GIULIANO CAMERONI

«ICH FOLGE MEINEN

SCHMETTERLINGEN»

Für Höhenbergsteigerin Tamara Lunger (33) werden die Berge,

die sie getrieben haben, sich selbst zu treiben, mehr und

mehr zu einem Ruhepol. Die Südtirolerin über Schattenseiten

des Alpinismus und die Sonnenseiten des Berglebens mit

Helikopter, Paraglide-Schirm und Schmetterlingen im Bauch.

INTERVIEW CHRISTIAN PENNING

Tamara, deine Welt sind die Berge.

Tatsächlich warst du schon als Kind

ein Fan von Heidi – wie kommt’s?

Ach, man sieht’s ja im Film. Wenn

sie oben ist am Berg, strahlt sie, ist

glücklich und lacht. Die Stadt dagegen

erdrückt sie. So geht’s mir halt auch.

Auch jetzt noch, mit 33?

Ja. Aber ich habe aufgehört, mich mit

Heidi zu vergleichen (lacht) ..., weil ich

der Meinung bin, dass jeder speziell

und einzigartig ist. Jeder muss rausfinden,

wie er sein Leben am besten

lebt. Und da nützt auch kein grosses

Vorbild. Ich muss zuerst mich kennenlernen

und tief in mich hineinhören.

Was kann ich gut? Was wünsche ich

mir? Wo fühle ich die Schmetterlinge

im Bauch? Und dann geht’s auf ...

... zu den höchsten Gipfeln der Erde?

Die Achttausender haben die vergangenen

zehn Jahre eine sehr zentrale

Rolle in meinem Leben gespielt. In

der Öffentlichkeit bin ich das Mädel

von den Achttausendern. Da höre

ich ständig die gleiche Frage: Was

ist das nächste Projekt? Es ist, als

wäre ich eine Maschine, die immer

nur liefern, liefern, liefern muss. Ich

möchte nicht alleine darauf reduziert

werden. Es gibt noch so viel mehr als

die Berge, was die Schmetterlinge in

mir fliegen lässt. Wenn ich mit dem

Hubschrauber fliege oder male, fühle

ich ähnlich. Ich probiere alles zu tun,

was ich mir wünsche.

Du hast den Pilotenschein für

Hubschrauber. Wie bist du darauf

gekommen Heli zu fliegen?

Das spukte mir schon mit 14 Jahren

durch den Kopf. Aber ich war lange

nicht wirklich bereit, die Ausbildung

durchzuziehen. Als ich 2015 starke

Knieprobleme hatte, kam mein Bergsteigerkollege

und Expeditionspartner

Simone Moro auf mich zu. Er flog

damals schon sechs Jahre lang selbst

FOTO: CHRISTIAN PENNING

32 INSPIRATION 02 / 2018

33


GIPFELTREFFEN

TAMARA LUNGER GIPFELTREFFEN

Helikopter. Er sagte: «Ich kann dir

deine Knieschmerzen nicht nehmen.

Aber wenn du willst, lehre ich dich

das Fliegen.» Und da habe ich die

Schmetterlinge wieder gespürt. Ich

hatte wieder etwas, wo ich meine

ganze Energie, Konzentration und

Passion hineinstecken konnte.

Im Herbst 2017 hast du mit dem

Gleitschirm die Sechstausender

im indischen Himalaya umkreist.

Siehst du dir die Berge mittlerweile

lieber von oben an?

Ich bin mit Aaron Durogati aus Meran

im Tandem geflogen. Aaron ist zweifacher

Weltmeister im Paragliden.

Mir war zu diesem Zeitpunkt wichtig,

ohne grosses Ziel der Zeit ihren Lauf

zu lassen. Einen Monat lang haben wir

uns einfach treiben lassen. Ein tolles

Abenteuer, auch wenn es ganz anders

war als meine Achttausender-Expedi-

Lunger während der

ersten Winterbesteigung

des Nanga Parbat

2016, die sie denkbar

knapp aufgeben musste:

«Am Gipfeltag habe

ich nur gelitten.»

tionen. In Zukunft ergeben sich sicher

gute Möglichkeiten, Bergsteigen und

Paragliden zu kombinieren. Dieser

Trip hat mir ein Stück mehr Freiheit

eröffnet.

Ein paar Monate zuvor warst du

auf Achttausender-Expedition am

Kangchenjunga, wolltest danach

kürzer treten, dem Körper eine Pause

gönnen. Doch es gab noch andere

Gründe, die höchsten Himalaya-

Gipfel hinter dir zu lassen.

Wir sind in Indien über wilde Berge

geflogen, über Klöster und steile

Schluchten, sind mit Adlern durch die

Lüfte geschwebt. Dieser Trip hat mir

gezeigt, dass ich nicht nur auf 8000

Meter meine Freiheit und innere Ruhe

finden kann, sondern auch in anderen

Gegenden fernab der Zivilisation. Ich

habe bei meinen Achttausender-

Expeditionen immer wieder gespürt,

«Immer öfter

suche ich die

Einsamkeit. Ich

freue mich auf

das, was mich der

Berg lehrt.»

dass in der Beziehung zwischen den

Bergen und den Menschen, die aus

aller Welt dort hin pilgern, etwas nicht

stimmt. Diese Berggiganten ziehen

Leute an, die zuhause vielleicht gar

keine Berge besteigen und damit auch

keine entsprechenden Wertvorstellungen

entwickelt haben. Rücksicht

ist für viele ein Fremdwort. Egal ob

gegenüber der Natur oder gegenüber

anderen Bergsteigern. Kameradschaft?

In den Hochlagern wird gestohlen:

Essen, Gas, Ausrüstung. Einige

sind sogar so gewitzt, dass sie sagen:

Ich bin leicht und schnell unterwegs.

Ich verzichte auf ein Zelt. Dann legen

sie sich einfach ins Zelt eines anderen.

Mir ist das tatsächlich passiert. Dann

die ganzen Reibereien, Streitereien,

Eifersüchteleien, der Neid ...! Brutal!

Mir nimmt das viel Energie. Energie,

die ich eigentlich für den Berg bräuchte.

Auch eine Form von «urban mountaineering».

Da hat sich die Stadtwelt

auf die höchsten Berge verlagert.

All die Probleme der Gesellschaft

sind mittlerweile auch an diesen

heiligen Orten angekommen. Ich

versuche immer, eine Verbindung mit

dem Berg aufzubauen. Wenn ich

mich dann in so negativen Situatio-

FOTO: PRIVATARCHIV TAMARA LUNGER

FOTO: ARCHIV THE NORTH FACE / MATTEO ZANGA

nen wiederfinde, fühle ich mich dem

Berg gegenüber schuldig für die

Menschheit.

Dabei wird Bergsteigen immer als Paradedisziplin

des Teamgeists zitiert.

Bisweilen ist da wenig dran. Höhenbergsteigen

kann eine brutal egoistische

Sache sein. Das Leben eines

anderen zählt oft weniger als der

Gipfel. Am Kangchenjunga war ein

Sherpa einer anderen kommerziellen

Expedition im Hochlager 4 in Not.

Er konnte nicht mehr gehen. Als der

Sherpa-Chef im Basislager davon hörte,

spielte er auf seinem Smartphone

weiter in Facebook, anstatt sich um

die Rettung zu kümmern.

Stress am Berg gibt es nicht nur an

den Achttausendern. Im März 2018

warst du Teil eines internationalen

Athletenteams bei der von Red Bull

organisierten Ost-West-Alpendurchquerung

«Der lange Weg» von Wien

nach Nizza – 1721 Kilometer und fast

90̦000 Höhenmeter. Als ehemalige

U23-Weltmeisterin im Skibergsteigen

eigentlich genau dein Ding ...

Für mich war diese Durchquerung

das schlimmste Erlebnis in meinem

Leben. Ich hatte Alpträume und

jeden Tag 24 Stunden Stress. Zehn

Tage lang habe ich mich mit einer

Sehnenscheidenentzündung gequält.

Nach drei Wochen bin ich ausgestiegen.

Aber das war nicht das

eigentliche Problem. Täglich gab es

Streit, wie weit es gehen sollte. Die

einen wollten 70 Kilometer machen,

die anderen 45 oder 50. Von den 21

Tagen sind wir 16 oder 17 nur nach

GPS gegangen, weil das Wetter so

schlecht war. Nebel links, Nebel

rechts, von der Bergwelt haben wir

nichts gesehen. Ich habe mich oft

gefragt, was tu’ ich da eigentlich?

Mein Weg, die Berge zu leben und zu

erleben, ist ein ganz anderer.

Was suchst du am Berg?

Ich suche immer mehr die Einsamkeit.

Es geht mir darum, Zeit zu

haben für mich. Darum, mehr über

mich zu lernen, mich zu verstehen

und mich besser in die Natur eingliedern

zu können. Ich meditiere, versuche

mich mit der Energie am Berg

zu verbinden. Was soll ich tun, was

kann ich tun? Ist die Situation günstig

oder ungünstig? Bei aller Faszination

der Einsamkeit finde ich es natürlich

schön, mit einem Team unterwegs

zu sein. Das muss aber ein Team sein,

das ich mir ausgesucht habe, mit

dem ich mich super verstehe.

Eiskalt – bei ihrer jüngsten

Expedition zum Goa Pobeda in

Sibirien drohten Temperaturen

bis minus 70 Grad. Am Ende

waren es «nur» minus 50.

34 INSPIRATION 02 / 2019

35


GIPFELTREFFEN TAMARA LUNGER

In den Videos der Expeditionen mit

Simone Moro (51) wirkt ihr beide wie

ein lustiges Dreamteam.

(Lacht). Anfangs war das gar nicht so.

Er hat mich 2009 auf meine erste Höhenexpedition

zum Island Peak mitgenommen,

aber er war wie ein Vater.

Er hat mir immer gesagt, Tamara, du

musst dies tun, du musst jenes tun.

Er wollte einen zweiten Simone aus

mir machen. Beim Versuch unserer

Winterbesteigung des Manaslu 2015

schliesslich hat es sehr viel geschneit.

So hatten wir viel Zeit zu reden: über

Werte, übers Leben, über Einstellungen

– darüber, wie der Mensch am

Berg funktioniert. Wir haben herausgefunden,

dass wir einfach perfekt

zusammenpassen. Die Expedition war

zwar nicht so erfolgreich, aber für

mich war es trotzdem ein Erfolg: Wir

haben uns wirklich kennengelernt.

Deine aktuelle Expedition heisst

Gesundheit. Klingt erst mal nicht so

aufregend wie ein Achttausender.

Für mich ist das ein ganz spannender

neuer Weg. Seit meiner Jugend

an der Sportoberschule habe ich

meinen Körper geschunden. Mein

Körper war der Sklave meiner

mentalen Stärke, meines Kopfes,

der ihm keine Ruhe gönnen wollte.

Ich war total süchtig. Ich habe ja

Sport studiert und weiss, man muss

Pausen einhalten. Aber für mich

galt das nicht. Das ist doch krank!

Meine Knie, mein ganzer Körper

haben gelitten. Die Schmerzen

wurden immer häufiger und stärker.

Aber ich wollte es nicht einsehen –

bis mich im vergangenen Sommer

ein guter Freund zu einem intensiven

sportmedizinischen Check schickte.

Und das Ergebnis?

Die Ärzte haben mir sofort gesagt:

«Nein, du gehst diesen Winter nicht

auf Expedition.» Meine erste Reaktion

war: «Ha, das werden wir schon

sehen!» Aber nach einigen Stunden

der Reflexion habe ich mir gesagt:

«Ich habe genau zwei Möglichkeiten:

Entweder ich richte mich selbst

zugrunde. Oder ich bin das erste Mal

in meinem Leben gescheit genug

und entscheide mich für die Gesundheit.»

Das habe ich getan. Es war

ein Glücksgefühl, wie ich es selten

erlebt habe.

War das wirklich eine so spontane

Entscheidung? Oder ist da etwas in

dir gereift?

Das Umdenken hat 2016 begonnen,

als ich 70 Meter unterhalb des Nanga

Parbat Gipfels umgekehrt bin. Ich

hatte mich beim Aufstieg ins letzte

Lager gut gefühlt. Doch am Gipfeltag

habe ich nur gelitten, musste mich

immer wieder übergeben. Kurz vor

dem Gipfel war es, als hätte mich

eine virtuelle SMS erreicht, in der

stand: «Wenn du weitergehst, wirst

du deine Familie nie mehr sehen.»

Obwohl ich sonst oft Entscheidungsschwierigkeiten

habe – in diesem

Moment war mir absolut klar, was

zu tun ist: Runtergehen! Absteigen!

«Letzendlich hatte ich unendlich

Glück.» Alex Txikon, Tamara Lunger,

Simone Moro und Ali Sadpara (v.l.)

im Februar 2016 am Nanga Parbat.

MEHR ALS NUR

ACHTTAUSENDER

Tamara Lunger zählt zu den

stärksten Alpinistinnen der Welt.

Seit ihrer Jugend hat sie Wettkampfsport

betrieben. 2008 holte

sie den Weltmeistertitel im Skibergsteigen

in der U23-Klasse.

Zwischen 2010 und 2017 hat

sie jedes Jahr mindestens eine

Achttausender-Expedition unternommen.

Ihr grösster Erfolg:

Die Besteigung des K2 ohne

Sauerstoff.

Alles über ihre Expeditionen

und Projekte:

www.tamaralunger.com

Lesestoff:

Tamara Lunger, Meine Glückseligkeit

an der Grenze zum Tod,

Tappeiner Verlag.

Video:

Paragliden im Himalaya mit Aaron

Durogati und Tamara Lunger,

https://youtu.be/iByBNlojrQk

FOTO: PRIVATARCHIV TAMARA LUNGER

FOTO: CHRISTIAN PENNING

Trotzdem hätte der Abstieg um ein

Haar tödlich geendet.

Beim Sprung über eine Gletscherspalte

bin ich gestrauchelt und den

Berg hinabgestürzt. Letztendlich

hatte ich unendlich Glück. Nach 200

Metern kam ich zum Stillstand –

ehe ich in 3000 Meter tiefes Absturzgelände

gerutscht wäre.

Wird man nach solch einem Erlebnis

noch demütiger, was schwierige

Projekte am Berg betrifft?

Die Natur ist eine so grosse Kraft.

Man muss sich mit ihr verbünden,

darf nicht gegen sie arbeiten. Das

probiere ich gerade. Ich muss nicht

immer den härtesten Weg gehen, wie

ich es mein bisheriges Leben lang

gemacht habe. Am Anfang hat mich

diese Erkenntnis fast erschreckt.

Aber ich bin zu 100 Prozent davon

überzeugt: Wenn ich von meiner

Expedition Gesundheit zurückkehre,

gehe ich ganz anders auf die Berge.

Ich bin nicht mehr auf dem Ego-Trip,

sondern auf dem Seelen-Trip. Ich

folge meinen Schmetterlingen. Und

da bin ich auf dem richtigen Weg.

Keine Angst vor Veränderungen:

Ihre Expeditionen haben Tamara

Lungers Urvertrauen gestärkt.

„Bergerlebnisse mit meiner Familie sind mir

genauso wertvoll wie Unternehmungen an Bergen

weltweit wie dem Fitz Roy. Deuter ist für mich eine

Marke mit Vergangenheit – und Zukunft!“

MICHI BÜCKERS MIT DEM NEUEN TRAIL 30

36


HOCHGENUSS WEIN IN DEN BERGEN

«LA LISTE»

12 GEHEIMTIPPS FÜR VINOPHILE HÖHENFLÜGE

Genuss mit Tradition:

Wein und Berge

haben eine lange gemeinsame

Geschichte

– nur der Rahmen ist

heute würdevoller.

TEXT THORSTEN KALETSCH

Alkohol auf der Bergtour?

Dagegen gibt es viele Argumente.

Nach der Tour ist gegen ein

gutes Glas Wein nichts einzuwenden.

Doch wie sieht es mit

dem Angebot in den Bergen aus?

Inspiration präsentiert eine

Auswahl der zwölf besten Weinkarten

auf über 2000 Metern.

GUTER KELLER, EXKLUSIVE AUSWAHL

Warme Dusche, Doppelzimmer, WLAN: Was den Komfort

der bergsteigenden und wandernden Gäste betrifft, hat

sich in den vergangenen Jahren in vielen SAC-Hütten einiges

geändert. Doch finden sich auch Hütten mit einer

Weinkarte, die diesen Namen tatsächlich verdient? Aber

sicher! Zum Beispiel die Silvrettahütte, unterhalb des

Silvrettagletschers, östlich von Klosters. Hüttenwart

Marco Brot hat auf 2341 Metern über Meer in drei Jahren

mit viel Herzblut eine Karte mit über 20 Weinen zusammengestellt.

«Das Leben ist zu kurz, um schlechten

Wein zu trinken», lautet sein Credo. Doch er gibt auch

zu: «Natürlich brauchen wir hauptsächlich die günstigeren

Weine, die um 25 Franken kosten. Es gibt aber immer

wieder Gäste, die auch etwas Exklusiveres schätzen.»

Warum Marco Brot diesen Aufwand betreibt? Der

Hüttenwart findet, Wein sei einfach ein spannendes Gebiet

und er habe auch das Glück, in der Hütte über einen

guten Keller zu verfügen.

FOTO LINKS: CHEZ VRONY, RECHTS: DIAVOLEZZA LAGALB AG / GIAN GIOVANOLI

Den Gipfelwein, den lasse sein: Einen feinen Tropfen

auf dem Gipfel zu entkorken, würde heute mindestens

ein ungläubiges Kopfschütteln der anderen

Bergsteiger provozieren. Doch in den Zeiten des Eroberungsalpinismus

im 19. Jahrhundert war dies gang und

gäbe. Damals prosteten sich die reichen Engländer auf

dem Gipfel mit einem Glas Wein zu, steckten eine Visitenkarte

in die leere Flasche und deponierten diese als

Besteigungsbeweis auf dem Berg. Ambitionierten Berggängerinnen

und Berggängern ist heute völlig klar, dass

man auf Alkohol während der Tour verzichten sollte. Er

vermindert nicht nur die Leistungsfähigkeit, sondern vor

allem auch die Aufmerksamkeit. Und das kann sich

beim Abstieg fatal auswirken.

WANDERN IM AUFTRAG DES GESCHMACKS

Doch nach der Tour oder dem Gipfelerfolg spricht nichts

gegen den Genuss eines guten Tropfens beim fröhlichen

Zusammensitzen in einer Berghütte oder einem Bergrestaurant.

Aber wo lohnt sich der Blick in die Weinkarte in

der Höhe ganz besonders? Inspiration hat sich auf den

Weg gemacht und nach den zwölf besten Weinkarten auf

über 2000 Metern über Meer gesucht. Klar, eine Recherche

im Auftrag des guten Geschmacks ist anstrengend

und aufwändig – das geflügelte Wort von der «Qual der

Wahl» ist hier mehr als passend. Zugegeben, die vorliegende

Top12-Liste ist eine subjektive Selektion. Es finden

sich Beispiele aus drei Kategorien: Klassische Ausflugsziele,

also Restaurants oder Hütten, die mit Bergbahnen

oder über Skipisten erreichbar sind, Restaurants auf

Pässen – und natürlich Berghütten.

In der Chamanna Coaz in der Berninagruppe setzt man

auf exquisite Tropfen. «Es gibt Gäste, die sich ärgern,

wenn ihnen in einer SAC-Hütte Weine für über 40 Franken

angeboten werden, aber es gibt auch die anderen, die

gerne einen etwas edleren Wein bestellen», sagt Hüttenwartin

Ursula Schranz. «Wir möchten, dass bei uns beide

Lager auf ihre Rechnung kommen.» Obwohl es nicht einfach

ist, die Weine in die Berghütten zu transportieren,

gibt es noch weitere SAC-Hütten, die diesen zwei Beispielen

folgen. Und Gäste, die zum Abendessen einen wirklich

guten Tropfen schätzen, gibt es definitiv auch!

Wer die Chamanna Coaz ganz am Ende

des Val Roseg in der Bernina-Gruppe erreicht

hat, hat sich Hochgenuss wahrlich verdient.

38 INSPIRATION 02 / 2019

39


HOCHGENUSS

WEIN IN DEN BERGEN

BERGHÜTTEN

1. Silvrettahütte SAC (2341 m)

Für die regionalen Speisen vom Holzherd

und das selbstgemachte Brot ist

die Hüttencrew bekannt – das Fünfgangmenü

mit Weinbegleitung ist legendär.

Der Satz auf der Website «In

keiner anderen SAC-Hütte triffst du

auf eine geschmackvollere Weinkultur»

ist nicht übertrieben. Auf der Weinkarte

gibt es über 20 Positionen, vor

allem Weine aus der Region Österreich

und Norditalien, die meisten zwischen

25 und 50 Franken. Trouvaillen sind

der Jeninser Blauburgunder von

Gianbattista von Tscharner oder die

Weine von Maurice Gay.

2. Chamanna Coaz SAC (2600 m)

Das Essen in der Hütte oberhalb des

Lej da Vadret im Val Roseg ist für die

Hüttenwarte Ursula und Ruedi Schranz

und die Assistentin Priscilla Nussbaumer

wichtig. Wenn immer möglich,

wird auf dem Holzofen gekocht. Highlights

sind neben der Gerstensuppe vor

allem die Pizzoccheri, als Dessert die

Schneecrème und der selbst angesetzte

Schnaps Iva. Auch das Weinangebot

mit zwei Weiss- und drei Rotweinen

lässt sich sehen, darunter auch ein

Syrah von Jean-René Germanier.

PÄSSE

3. Alpinhotel Grimsel Hospiz (1969 m)

30 Höhenmeter fehlen dem sorgfältig

restaurierten Viersternehotel zu 2000

Meter-Marke. Sein Felsenkeller mit

rund 300 Weinen gehört aber zum

Besten, was es auf dieser Höhe in der

Schweiz gibt. Attraktive Auswahl an

Offenweinen und viele Trouvaillen,

zum Beispiel ein Riesling Spätlese

von Gantenbein. Exzellenter Querschnitt

des Schweizer Weinschaffens,

dazu tolle Bordeaux, Burgunder und

Italiener sowie ein paar echte Raritäten

aus den 70er- und 80er-Jahren.

Ein gutes Glas

Rotwein, wie hier

im Berghaus Diavolezza,

schmeckt

auf fast 3000 Metern

über Meer.

4. Restaurant Vecchia Sosta,

Gotthardpass (2114 m)

Im ehemaligen Pferdestall in der «Alten

Sust» werden jetzt Gerichte für Feinschmecker

serviert, welche die traditionelle

Passroute unter die Füsse

oder unter die Räder genommen haben.

Auch die Weinkarte genügt höheren

Ansprüchen und enthält die eine oder

andere Trouvaille.

5. Albergo della posta,

Splügenpass (2113 m)

Gepflegter Speiseservice mit attraktiver

Weinkarte in der Albergo und als Zugabe

auf der italienischen Seite des

Passes die «Enoteca da Fausto», die

höchstgelegene Weinhandlung Europas.

Und allein deren Angebot an italienischen

Weinen ist eine Reise wert!

AUSFLUGSZIELE

6. Panoramarestaurant

Muottas Muragl (2456 m)

Seit Jahren bekannt für seine atemberaubende

Weinauswahl. Weinliebhaber

aus der ganzen Welt pilgern

auf den Ausflugsberg im Oberengadin.

Highlights: das Who is who aus

der Bündner Herrschaft und alles,

was das Herz von Wein-Fans begehrt,

Pétrus und Pingus inklusive.

7. Berghaus Diavolezza (2978 m)

Im «Stübli» und auf der Panoramaterrasse

gibt es schöne Offenweine,

Bündner Herrschäftler, Walliser und

vor allem Italiener, darunter ein

Tignanello 2014 für 128 Franken. Und

8. Moosalp VS (2048 m)

Viele Walliser Spezialitäten, neben

Petite Arvine, Heida, Ermitage, Resi,

Humagne Rouge und Cornalin auch lokale

Verrücktheiten wie ein Tempranillo

oder ein Malbec. Daneben eine kleine

Auswahl aus Italien, Spanien, Frankreich

und Portugal, darunter auch ein

Amarone von Corteforte für 89 Franken.

9. Wasserngrat, Gstaad (1920 m)

Das Lokal oberhalb von Gstaad liegt

zwar knapp nicht auf 2000 Metern,

wegen seiner exquisiten Weinkarte

drängt es sich aber als Ausnahme für

diese Top12-Liste auf. Exzellente Auswahl

von Schweizer Spitzenweinen,

dazu tolle Burgunder, Bordeaux und

Italiener, Rieslinge und Trouvaillen,

wie etwa ein 1989 Richebourg von

DRC oder ein Vega Sicilia Unico 1990.

10. Bergrestaurants Trutz, Suvretta

(2211 m) und Chasellas (1936 m)

Im Pistenrestaurant Trutz ist zwar

Self-Service angesagt, trotzdem finden

sich hier ansprechende Weine von

FOTO: SWISS-IMAGE.CH / CHRISTOF SONDEREGGER

Winzern wie Fromm, Heinrich oder

Antinori. Unternehmerisch gehört der

Betrieb zum 5-Sterne-Hotel Suvretta

House in St. Moritz. Genauso wie das

Restaurant Chasellas, das alles bietet,

was die Herzen von Weinkennern höherschlagen

lässt – Top Bordeaux und

Supertoskaner inklusive.

11. Hotel Chetzeron,

Crans-Montana (2112 m)

Im Luxushotel hoch über Crans-Montana

spielt der Genuss eine grosse

Rolle. Das spiegelt sich auch in der

Weinkarte, die vor allem attraktive

Gewächse aus dem Mittel- und dem

Unterwallis umfasst. Auch ein paar

gute Bordeaux sind zu finden, diese

jedoch zu stattlichen Preisen.

Die Karte für Wein-Highlights

Bern

4 5

9

3

11

8

1

6

7

10 2

40 INSPIRATION 02 / 2019

41


RUBRIK UNTERRUBRIK

PARTNERCHECK TERNUA

P A R T N E R C H E C K

DER BASKISCHE

LEUCHTTURM

Das baskische Unternehmen Ternua schickt sich an, höchste

Ansprüche an Nachhaltigkeit und Funktion in Einklang zu bringen.

Eine Erfolgsformel lautet: Regional denken!

TEXT THOMAS EBERT

T E R N U A

Plastico! Plastico!», ruft der Junge im Ausguck der

«Mater». Ein Dutzend 15-jähriger Jungen und

Mädchen beugt sich über die Reling und stochert

aufgeregt mit Keschern im Atlantik herum. Dann ist

der «Fang», ein ziegelsteingrosses Stück Styropor, im

Netz. Es bleibt die einzige nennenswerte Ausbeute, die

die Schülerinnen und Schüler aus San Sebastian heute

an Bord der «Mater» ziehen. «Normalerweise fangen

wir mehr. Der starke Südwind der letzten Tage hat den

Müll weit hinaus auf das Meer getrieben», meint Izaskun

Suberbiola. Die Vorsitzende des Vereins «Itsas Gela»

koordiniert die Ausflüge mit dem alten Fischerkahn und

zeigt Touristen, wie man die Meere sauber hält – und

Schülern, für die das sogar Teil des Lehrplans ist.

Aber was hat eine nach Plastik fischende Schulklasse

mit der baskischen Outdoormarke Ternua zu tun? Dazu

muss man etwas weiter ausholen. Als die Firma 1994

gegründet wurde, erinnerte man sich an baskische Walfänger,

die im 16. Jahrhundert sogar bis Neufundland

– auf Spanisch «Terranova», auf Baskisch «Ternua» –

vorstiessen. Natürlich sei es nicht Ternuas Ziel, den um

1900 eingestellten Walfang wiederzubeleben, sagt Imanol

Muñoz, Global Marketing Director bei Ternua. Vorbildhaft

war eher der Wagemut der Fischer gewesen, neue Wege

zu beschreiten: «Die Gründer wollten ein Unternehmen

formen, das anders ist. Zurück zur Natur, das war der

Grundgedanke», erzählt Muñoz. Noch im Gründungsjahr

übernahm Ternua bei der «Whale and Dolphin Conservation»

die Patenschaft für vier Buckelwale, die allesamt

noch in den Weltmeeren unterwegs sind.

DER KREISLAUF ALS MASSSTAB

Vor allem aber schrieb Ternua den Begriff der Nachhaltigkeit

dick und fett in die Unternehmensstrategie. Und

weil man im eingeschworenen Baskenland gerne regional

denkt, setzt man diese Strategie bei Ternua als erstes vor

der Haustüre um. Mit dem Red-, dem Nut- und dem Sea-

Cycle fahren die baskischen Bekleidungshersteller gleich

drei Programme, die zur Verbesserung der Produktions-

42 INSPIRATION 02 / 2019

43


PARTNERCHECK TERNUA

Entwicklungschef Eduardo «Edu»

Uribesalgo und ein Ballen Wolle

vom oveja latxa, um den sich der

nächste Wirtschaftskreislauf von

Ternua drehen soll.

«Wir wollen, dass die Menschen

ihre Kleidung mit

Stolz tragen. Einen anderen

Weg als Nachhaltigkeit

sehen wir nicht.»

EDUARDO URIBESALGO

INNOVATION DIRECTOR TERNUA

und Umweltbedingungen beitragen sollen. Der SeaCycle

etwa schliesst am EU-Projekt «Life Lema» an, dessen Ziel

es ist, innert drei Jahren 100 Tonnen Plastikmüll aus dem

Golf von Biskaya zu fischen. Baskische Fischer montieren

dafür Netze für Grob- und Mikroplastik an ihren Booten –

so, wie es auch auf der «Mater» anschaulich demonstriert

wird. Noch im Baskenland wird der Meeresmüll zu Flakes

geschreddert, später zu neuem Garn verarbeitet – und aus

diesem stellt Ternua beispielsweise T-Shirts her. Um das

2019 auslaufende Projekt am Leben zu halten, hat Ternua

es der European Outdoor Conservation Association zur

Förderung vorgeschlagen.

Der NutCycle basiert auf der Technik des Schweizer

Unternehmens Archroma, das aus organischen Resten

Färbemittel für Bekleidung herstellt. Die pflanzenbasierten

Farbstoffe belasten die Umwelt weniger, zudem

verbraucht die Methode weniger Wasser als die chemische

Färbung. Das Ausgangsmaterial fand Ternua in

den tief in der baskischen Kultur verankerten Sidrerías,

wo im Frühjahr nicht nur hektoliterweise Apfelwein

verkostet wird. Sondern auch rund 55'000 kg Walnüsse,

deren Schalen sich zum Färben eignen. Ternua stellte

gemeinsam mit der regionalen Umweltbehörde von

Gipuzkoa Behälter in die Cidre-Bars, um den Rohstoff

einzusammeln. «Wir haben selbst nur rund 500 kg der

gesammelten Schalen verwendet und damit 4500 Oberteile

gefärbt», erzählt Edu Uribesalgo, der «berrikuntza

zuzendaria», wie der Entwicklungschef auf Baskisch

heisst. «Wir wollen vor allem zeigen, dass das kein Müll

ist.» Tatsächlich greifen neben Ternua auch Patagonia

und das Unterwäschelabel Calida auf die EarthColors

von Archroma zurück. Weil künftig noch weitere organische

Stoffe zur Färbung dienen sollen, wird Ternua

seinen NutCycle in ColorCycle umbenennen.

NICHT NUR NACHHALTIG, SONDERN AUCH FUNKTIONELL

Es sind solche Leuchtturm-Projekte, mit denen Ternua

Stück für Stück ein Bewusstsein für mehr Nachhaltigkeit

schaffen will. Den nächsten Kreis möchte Uribesalgo mit

Wolle schliessen. Im Baskenland weiden unzählige Schafe,

die oveja latxa. Das Problem: Ihre Wolle ist zu rauh.

Rauher jedenfalls als die feine, langfaserige Merinowolle,

die derzeit in aller Munde ist. Seit die Wolle der oveja

latxa nicht einmal mehr als Dämmmaterial für Häuser

ver wendet wird, ist sie faktisch ein Abfallprodukt – was

Uribesalgo sichtlich missfällt, während er durch einen

Ballen Latxa-Wolle kämmt. «Hier stehen wir noch ganz

am Anfang», sagt Uribesalgo, «wir brauchen stärkere

Aussenmaterialien, damit die Wolle nicht durchsticht.

In Serie lässt Ternua in Asien produzieren –

entwickelt und entworfen wird aber nach wie

vor in der eigenen Näherei in Arrasate.

MEILENSTEINE

1986 1994 2004 2008

2015 2016 2017

2018

Eröffnung des

Arrasate Kirolak. Aus

dem Sportgeschäft

entsteht später die

Ternua Group.

Zur Gründung der

Marke Ternua werden

vier Wale über

das WDC-Programm

adoptiert.

Umzug der Produktion

nach Asien.

40 % der Stoffe

stammen weiterhin

aus Europa.

Neues Hochregallager

mit automatischer

Kommissionierung

und Platz für

4000 Paletten.

FOTOS: THOMAS EBERT / ARCHIV: TERNUA

Der baskische

Socken hersteller

Lorpen wird übernommen

und Teil

der Ternua Group S.L.

ISPO Gold Award für die

von der Füllung bis zur

Hülle recycelten, wasserdichten

Daunenjacke

Terranova Jacket.

Die Ride On Pants aus

recycelten Fischernetzen

gewinnt den

OutDoor Industry

Award in Gold.

45 % der Bekleidung

sind aus recycelten

Materialien, alle Imprägnierungen

frei

von PFC und PFOA.

44 INSPIRATION 02 / 2019

45


PARTNERCHECK TERNUA

FALKE · P.O.BOX 11 09 · D-57376 SCHMALLENBERG / GERMANY

UNTERRUBRIK RUBRIK

Auf dem Schulschiff «Mater

Museoa» erfahren Schulklassen,

wie an der baskischen

Küste nach Plastikmüll

gefischt wird. Der Fang wird

zu Polyester aufbereitet.

Funktionell und nachhaltig: Mit

dem Skitouren-Rennanzug

«Blackcomb» räumte Ternua auf

der ISPO 2019 einen Award ab.

Auch er besteht teilweise aus recycelten

Fischernetzen.

Aber nächstes Jahr werden wir zwei Jacken anbieten,

die mit dieser Wolle gefüllt sind.» Die Liste der Nachhaltigkeits-Projekte

bei Ternua liesse sich noch weiter

fortsetzen: Vom RedCycle, der ausgediente Fischernetze

in baskischen Häfen sammelt und der Firma Aquafil

zur Wiederverwertung zuführt; über Neokdun-Daunen, die

aus aussortierten Kissen und Bettdecken stammen und

wiederaufbereitet und PFC-frei imprägniert in den Expeditionsausrüstungen

von Ternua stecken – unter anderem

im 1300 Gramm leichten Overall des 8000er-Sammlers

Alberto Iñurrategi; bis hin zur PFC- und PFOA-freien

Produktion, die 2018 erreicht wurde. Bemerkenswert ist,

dass bei all dem Fokus auf Nachhaltigkeit auch die Funktion

nicht ausser Acht gelassen wird. Die Bergsport-

Kollektionen «ProTech» und «Adrenalite» sind gespickt

mit feinsten Materialien: Laminate von Gore-Tex, Aussenhüllen

aus Pertex Quantum, Füllungen aus Primaloft

Black Eco. Vergessen darf man darüber nicht, dass die

Ternua Group mit ihren drei Marken Ternua, die 2015

erworbene Firma Lorpen (hochtechnische Outdoor-Socken)

und die Gründungsmarke Astore (Bekleidung für den

baskischen Volkssport – Pelota) mit 175 Angestellten

und 35 Mio. Euro Umsatz im Jahr noch nicht in der ganz

oberen Liga mitspielt. Eine eigene, heimische Produktion

ist wirtschaftlich nicht darstellbar, «zumal nach dem

Niedergang der Textilindustrie in Spanien auch nicht mehr

die Technologien da sind, um mit Asien mitzuhalten», sagt

Imanol Muñoz. Seit 2004 werden die Bekleidungskollektionen

von Ternua in Asien produziert, Lorpen fertigt seine

Socken weiterhin im baskischen Etxalar sowie in Mexiko.

GENUSS

MITTEL

Färben mit Walnussschalen – das kennt manch einer vielleicht

noch von den Ostereiern zuhause. Aber wie funktioniert

das Färben von Bekleidung? Zum Saisonstart am 3. Mai

(Zürich) und 4. Mai (Basel) führt Ternua in den Bächli-Filialen

vor, wie man aus organischen Abfällen Farbe erzeugt. Dazu

werden galizische Spezialitäten wie Schinken, Käse und Cider

serviert – und natürlich Walnüsse.

TERNUA

BEI BÄCHLI

baechli-bergsport.ch/De/Marken/ternua

46 INSPIRATION 02 / 2019

FOTOS: THOMAS EBERT / ARCHIV: TERNUA

AUF EIGENEN WEGEN

In 50 Ländern ist Ternua inzwischen präsent –

Herz und Seele der Ternua Group sind unzweifelhaft

in Mondragon-Arrasate verankert. Mitten im baskischen

Hügelland, auf halbem Weg zwischen Bilbao

und San Sebastian, befindet sich die Zentrale der

spanischen Outdoor-Ausrüster. Mitbegründer Edu

Uribesalgo, dessen Geschwister Josu, Esteban,

Jose und Nerea ebenfalls bei Ternua arbeiten, erklärt

die spezielle Identität so: «Hier sind die

meisten Unternehmen entweder familiengeführt oder

als Kooperativen organisiert, in denen das Kapital

den Arbeitern gehört.» Und so verwundert es nicht,

dass Uribesalgo neben noch mehr Nachhaltigkeit

vor allem technische Unabhängigkeit zum strategischen

Ziel ausruft: «Die bekannten Markenzulieferer

sind nicht schlecht, aber das können wir

selber auch», gibt Uribesalgo selbstbewusst zu

Protokoll. Eigene Technologien wie «Shellstretch

ProWool» oder «Dryshell Active Flex» sollen nur

der Anfang sein. Den Weg dorthin sollen Begriffe

wie «Open Innovation» und «Co-Creation» ebnen:

Beim lokalen Trailrunning-Event Gorbeia Suzien

stattete Ternua kurzerhand alle Starter mit einem

Jacken-Prototyp und Fragebogen aus. 350 Rückmeldungen

flossen in die Produktion ein, so dass

die Dulau Jacket nun andere Taschen und eine

tiefere Kinnpartie besitzt. Dass sie aus recycelten

PET-Flaschen besteht, die mit wiederverwertetem

Kaffeesatz noch funktioneller gemacht wurden, ist

man von den Basken ja beinahe schon gewohnt.

FALKE TK2 Melange

· Bester Komfort für Wanderungen in leichtem Gelände

bei jeglichen Wetterbedingungen

· Merinowoll-Mix für gute Wärmeisolation

· Mittlere Polsterung für angepassten Schutz und guten

Schuhkontakt

· Perfekte Temperatur und Feuchtigkeitstransport durch

dreilagige Konstruktion

· Optimale Passform durch rechte und linke Polsterung

sowie Zehenbox


AUSSTIEG

TEXT RABEA ZÜHLKE,

FOTO UIAA / LEVI HARRELL

EIN BILD UND

SEINE GESCHICHTE

Yannick Glatthard positioniert den

linken Fuss, spreizt den rechten

auf das Volume aus. Atmet ein,

atmet aus. Und springt: Die Eisgeräte

landen präzise und elf Sekunden

schneller als die des Russen Nikolai

Kuzovlev auf dem letzten Griff – Gold!

Der Sieg beim Eiskletter-Weltcup in

Denver Ende Februar bedeutet die Krönung

einer herausragenden Saison.

Der 21-jährige Glatthard, der zuvor

schon im Parkhaus von Saas-Fee triumphierte,

schliesst sie auf dem dritten

Rang in der Gesamtwertung ab.

«Denver war mein Saison-Highlight.

Allein durch die vielen Zuschauer – es

ist der komplette Gegensatz zum

Bergsteigen», sagt Glatthard. Letzteres

ist die eigentliche Leidenschaft

des jungen Meiringers, der gerade

die Bergführer-Ausbildung absolviert.

Schon sein Grossvater Arnold Glatthard

gründete die erste Bergsteigerschule

der Welt, bildete Everest-Erstbesteiger

Tenzing Norgay aus und war

im Jahr 1936 beim berühmten Rettungsversuch

des in der Eiger-Nordwand

verunfallten Toni Kurz beteiligt.

«Das Wettkampfklettern ist ein Sprungbrett,

das mir ermöglicht, neue Orte

zu sehen, Kontakte zu knüpfen und

durch das Training fit zu bleiben», sagt

Glatthard. Doch allein das Wettkampfklettern

scheint den Schweizer keineswegs

auszulasten. Statt an Ruhetage

zu denken, klettert Glatthard zwei

Tage vor dem Weltcup in Denver mit

«Saphira» (M15-) mal eben eine der

schwierigsten Mixed-Routen weltweit.

Natürlich onsight.

Impressum

«Inspiration», die Kundenzeitschrift der

Bächli Bergsport AG, erscheint 4 x jährlich

und ist in allen Filialen kostenlos erhältlich.

Auflage: 130’000 Exemplare

Herausgeber

Bächli Bergsport AG

Gewerbestrasse 12, 8606 Nänikon

Telefon 044 826 76 76

E-Mail info@baechli-bergsport.ch

Redaktion, Layout & Konzept

Outdoor Publishing GmbH

Eichbergerstrasse 60, 9452 Hinterforst

Telefon 071 755 66 55

E-Mail redaktion@outdoor-publishing.com

Aboverwaltung & Information

E-Mail info@baechli-bergsport.ch

Druck

Bruhin Spühler AG, Neuhofstrasse 7, 8630 Rüti

Telefon 055 251 30 30

E-Mail info@bruhin-spuehler.ch

Copyright

Alle Beiträge sind urheberrechtlich geschützt.

Jede Verwendung ist ohne Zustimmung des

Herausgebers unzulässig und strafbar. Das gilt

insbesondere für Vervielfältigungen, Übersetzungen

und die Einspeicherung und Verarbeitung in

elek tronischen und multimedialen Systemen.

48


Become a La Sportiva fan

@lasportivatwitt

Roger Schäli, Profialpinist & Bergführer

ICH VERTRAUE BEI MEINEN TOUREN AUF SWISS ALPINETECH

BEKLEIDUNG VON LA SPORTIVA.

ALPINE GUIDE GTX

JACKET

ALPINE GUIDE

SOFTSHELL JACKET

ALPINE GUIDE

SOFTSHELL PANT

ACE alpine & climbing equipment AG

Obere Dorfstrasse 2 | 8873 Amden

info@acesport.ch | Tel. 055 611 61 61

www.acesport.ch

Hurra! Ihre Datei wurde hochgeladen und ist bereit für die Veröffentlichung.

Erfolgreich gespeichert!

Leider ist etwas schief gelaufen!