03872_Vogt_Bibel_Leseprobe

neuland.chrismon

Fabian Vogt

BIBEL

für Neugierige

Das kleine Handbuch

göttlicher Geschichten


Fabian Vogt

Bibel für Neugierige





Fabian Vogt

Bibel für Neugierige

Das kleine Handbuch göttlicher Geschichten


Fabian Vogt, Dr. theol., Jahrgang 1967, hat

Theologie, Germanistik und Gesang studiert.

Er ist Pfarrer, Sachbuchautor und Kabarettist

(„Duo Camillo“) – und in allen drei Berufen

bekannt. Der vielseitige Autor gehört der Künstlervereinigung

„Das Rad“ an und wurde mit dem

„Deutschen Science-Fiction-Preis 2001“, der

„Honnefer Zündkerze 2010“ und dem „Wertheimer

Affen 2013“ (in Silber) ausgezeichnet. Vogt

lebt mit Frau und Kindern in Oberstedten.

Bibliographische Information der Deutschen Nationalbibliothek

Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der

Deutschen Nationalbibliographie; detaillierte bibliographische Daten

sind im Internet über http://dnb.dnb.de abrufbar.

© 2014 by Evangelische Verlagsanstalt GmbH · Leipzig

Printed in EU · H 7783

Das Werk einschließlich aller seiner Teile ist urheberrechtlich geschützt.

Jede Verwertung außerhalb der Grenzen des Urheberrechtsgesetzes ist ohne

Zustimmung des Verlags unzulässig und strafbar. Das gilt insbesondere für

Vervielfältigungen, Übersetzungen, Mikroverfilmungen und die Einspeicherung

und Verarbeitung in elektronischen Systemen.

Das Buch wurde auf alterungsbeständigem Papier gedruckt.

Gesamtgestaltung: Kai-Michael Gustmann, Leipzig

Titelillustration: Thees Carstens

Autorenfoto: Nicole Kohlhepp © 2011 Gemeinnützige MEDIENHAUS GmbH,

Frankfurt/M.

Druck und Binden: GRASPO CZ a.S., Zlín

ISBN 978-3-374-03872-5

www.eva-leipzig.de




Für alle,

die noch glauben können,

dass „wer sucht,

auch findet“. (Mt. 7,7)





Inhalt

Vorwort 9

Eine kleine Geschichte Israels 15

Gemeinsam sind wir stark

Der Bund zwischen Gott und den Menschen 27

Mit Gott auf Du und Du

Gott, der Schöpfer und Freund 43

Freiheit, die ich meine

Erlösende Taten eines Gottes, der zuhört 63

Durch dick und dünn

Gottes sanfte Menschlichkeit 75

Aus Hoffnung leben

Das bewusste, gesegnete Warten auf Gott 89

Fazit 1 107


Inhalt

Eine kleine Geschichte der ersten Christen 113

Von einem, der auszog, das Fürchten zu besiegen

Was wir von Jesus wirklich wissen 127

Schreib mal wieder!

Von der Macht der Briefe 147

Eine Geschichte, drei Leidenschaften

Was Markus, Matthäus und Lukas von Jesus erzählen 161

Lauter Missverständnisse und Herausforderungen?

Was Johannes von Jesus denkt 177

Warten auf Gott

Apokalyptische Freundlichkeiten 191

Fazit 2 205

Wegweisendes zum Schluss 211

Register 215


Vorwort

Warum musste Gott am Anfang erst mal das „Tohuwabohu“

aufräumen? Gilt Noah eigentlich als Archetyp? Wie war das

noch mit den biblischen Urvätern Abraham, Isaak und Jakob?

Wollte Jona Walfreiheit? Wer, bitteschön, heißt freiwillig

Nebukadnezar? Wieso war die Ehe von Samson und Delila bloß

so eine haarige Angelegenheit? Puh. Alles ganz schön kompliziert,

oder? Zudem gehen die Fragen im Neuen Testament ja

noch weiter: War Jesus Christ? Hatte Petrus wasserfeste Füße?

Werden Jünger älter? Gibt es auch Ungleichnisse? Wieso macht

der gute „Vater im Himmel“ zwei Testamente? Hätte nicht ein

Evangelium gereicht? Und: Wie kann ein 2000 Jahre altes Buch

heute noch aktuell sein?

Um ehrlich zu sein: Die Bibel ist ein ziemlich verrückter

Schmöker. Eine riesige Sammlung von Geschichten, Gedichten,

Gedanken und Gefühlen. Tausende von Seiten voller wundersamer

Erfahrungen aus einer fernen, antiken Welt im Vorderen

Orient. Erstaunliche Erzählungen, denen kaum etwas Menschliches

fremd und nur sehr wenig peinlich ist. Und doch durchzieht

ein grandioser Gedanke all diese Texte: „Es gibt nichts

Schöneres, als mit Gott, dem Schöpfer des Himmels und der

Erde, in Kontakt zu kommen.“ In allem Elend, aller Hoffnung,

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Vorwort

aller Freude und aller Sehnsucht vertrauen die Protagonisten

darauf, dass Gott sie auf einem guten Weg führt – hin zu einem

großen Ziel. Ja, die Erzähler schwärmen davon, wie sich in ihren

persönlichen Erfahrungen Himmel und Erde verwebt haben.

Doch jetzt kommt das große Aber: Die Schönheit dieser

„göttlichen Geschichten“ erschließt sich einem oftmals erst

dann, wenn man etwas über die Hintergründe und die Zusammenhänge

weiß. Vor allem, weil – so nannte es der Dichter und

Philosoph Gotthold Ephraim Lessing einmal – zwischen der

biblischen Welt und unserer modernen Gesellschaft nun mal

ein „garstiger breiter Graben“ liegt, den man nicht so leicht

überqueren kann. Ist doch wahr: Wer im 21. Jahrhundert mit

seinem Smartphone lässig durch eine belebte Fußgängerzone

latscht, braucht eine Menge Vorstellungskraft, um sich in einen

Zolleintreiber oder eine Witwe im Römischen Reich des Jahres

30 hineindenken zu können. Sprich: Da kann ein bisschen Wissen

über die damaligen Verhältnisse nicht schaden. Und mal

unter uns, die meisten Leute wissen heutzutage meist nicht

mehr, was die zwölf kleinen Propheten wollten, wann Samuel

gelebt hat und worin sich die vier Evangelien unterscheiden. Ja,

mal Hand aufs Herz, welcher Nichttheologe kann denn in wenigen

Sätzen die Grundaussagen des Alten und des Neuen Testaments

zusammenfassen? So viele werden es wohl nicht sein.

Das ist an sich auch gar nicht tragisch. Nur passiert es dann

bisweilen, dass jemand unvorbereitet die Bibel zur Hand nimmt

und – wenn er Pech hat – erst einmal auf endlose Namenslisten,

abschreckende Rituale und einen Wust seltsam klingender

Namen und Orte stößt – was alles nicht gerade einlädt, sich mit

dem christlichen Glauben auseinanderzusetzten. Dazu kommt:

Wer die Bibel kaum kennt, dem kann man viel erzählen. Was

10


Vorwort

ja in der Weltgeschichte der letzten 2000 Jahre leider allzu oft

passiert ist. Ich meine, was hat man nicht alles an Grausamkeiten

und Irrwegen mit der Bibel begründet: Kriege, Rassismus,

Völkerhass, Folter, Frauenfeindlichkeit, Machtmissbrauch

oder Unterdrückung. Eine unfassbare Aufzählung an Leid und

Elend. Immer mit der vollmundigen Erklärung: „Die Bibel

sagt das so!“ Unfassbar. Tragischerweise wurden dabei irgendwelche

Aussagen wild aus dem Zusammenhang gerissen, um

damit eigene Interessen zu kaschieren. Das heißt aber auch:

Wer mehr über die zentralen Ideen der Bibel weiß, der schützt

sich und Gott vor Missbrauch.

In diesem Buch möchte ich Ihnen gerne einige der geistlichen

Leitgedanken der „Heiligen Schrift“, die historischen

Hintergründe und das soziale Umfeld der biblischen Texte so

nahebringen, dass Sie einen grundlegenden Überblick bekommen

und in Zukunft die vielen bewegenden Geschichten und

Texte in ihrem Kontext verstehen und dadurch auch besser in

unsere Lebensverhältnisse übertragen können. Ich behaupte

mutig: Erst wenn man die Worte der Bibel als Mosaiksteine in

einem großen Bild wahrnimmt, entfalten sie ihre eigentliche

Kraft. Erst dann wird deutlich, dass das, was da vor Jahrtausenden

geschehen ist, eine zeitlose Relevanz hat. Und erst dann

bekommt man Lust zu fragen: „Was haben diese Geschichten

eigentlich mit mir zu tun?“ Ja, ich wünsche mir, dass Sie am

Ende Ihrer Lektüre sagen können: „Hey, jetzt verstehe ich endlich,

wie das alles zusammenhängt.“

Eines möchte ich dabei vorneweg noch erwähnen: Nach

wie vor gibt es Christinnen und Christen, die der Überzeugung

sind, die Worte der Bibel wären so heilig, dass sie überhaupt keiner

Erklärung bedürften. Ja, dass es sogar ein Sakrileg sei, sich

11


Vorwort

ihnen mit Hilfe sogenannter „historisch-kritischer“ Methoden

zu nähern, die die Hintergründe und die Entstehungsgeschichte

der Texte betrachten. Nun, das sehe ich anders. Vor allem erlebe

ich es völlig anders. Mir passiert es andauernd, dass ich durch

neue wissenschaftliche Erkenntnisse auf kostbare Details in

einer „göttlichen Geschichte“ aufmerksam gemacht werde, mit

deren Hilfe ich sie noch viel tiefer und besser verstehe. Mein

Glaube wächst daran. Insofern möchte ich Sie in diesem Buch

gerne an solchen „kleinen Offenbarungen“ aus meiner theologischen

Arbeit teilhaben lassen, die das Heilige hervor holen.

Allerdings gibt es einen Einwand gegen mein Büchlein, den

ich sofort nachvollziehen kann – und wenn Sie kurz mal zum

Inhaltsverzeichnis zurückblättern, wissen Sie auch, was ich

meine: Ja, es ist eine ziemlich dreiste Vorstellung, die Fülle der

biblischen Weisheiten ließe sich in zehn Kerngedanken wiedergeben.

Und trotzdem versuche ich es. Wohl wissend, dass ich

hochkomplexe Themen stark vereinfache, dass es zu einigen

meiner Thesen in der Wissenschaft gut begründbare Gegenthesen

gibt und dass bei meinem Vorgehen viele nicht weniger

bedeutsame Botschaften unter den Tisch fallen. Aber das

macht nichts. Ich habe ja vor allem das Anliegen, Ihnen elementare

Einsichten zu vermitteln, die mir und anderen geholfen

haben, die Schatztruhe der Bibel neu zu öffnen. Außerdem

verrät schon der Titel „Bibel für Neugierige“, dass es sich hierbei

um eine unterhaltsame Einführung handelt, die nicht den

Anspruch hat, es allen Experten recht zu machen. Und wenn

Sie am Ende einen anregenden Überblick über die Bibel haben,

steht es Ihnen ja frei, fröhlich einen der tausendseitigen Bibel-

Kommentare zu ergattern und ihre Kenntnisse begierig zu vertiefen.

12


Vorwort

Bleibt noch zu fragen: Warum hat dieses fröhliche Büchlein

die anmaßende Bezeichnung „Handbuch“? Ganz einfach:

Möchte man im 21. Jahrhundert irgendwoher Antworten

bekommen – etwa weil der Computer kryptische Warnmeldungen

ausspuckt, das Auto fürchterlich quietscht und qualmt, ein

unbekanntes, zwei Meter langes Reptil im Garten herumkriecht

oder die Liebesbeziehung in die Weltfinanzkrise gerät – dann

besorgt man sich … genau: ein Handbuch. Zum Nachschlagen.

Zum Informieren. Und zum Lösungen-Finden. Nun, das,

was Sie gerade in den Händen halten, versteht sich in diesem

Sinn als Handbuch. Eben eines der Bibel. Und es hat den festen

Willen, Ihre Fragen zu beantworten. Fundiert, hilfreich, übersichtlich

und dabei fröhlich bietet es so etwas wie eine kleine

„Gebrauchsanleitung“ für das Alte und das Neue Testament.

Und glauben Sie mir: Ohne solche Anleitungen würde ich vieles

in meinem Alltag nicht verstehen. Das heißt aber auch: Wissbegierige

können dieses Buch gerne in einem Rutsch durchlesen,

andere schauen vielleicht aus einem speziellen Interesse erst

einmal nur eine bestimmte Thematik an. Beides ist erlaubt.

So! Und jetzt lassen Sie uns eintauchen: in eine der turbulentesten,

farbenfrohsten und folgenreichsten Epochen der

Geschichte, in die Gründerzeit des Volkes Israel und in die

Zeitenwende, als Jesus den Menschen von einem Gott vorschwärmte,

der jede und jeden unfassbar liebt. In eine Welt,

in der man es genoss, „göttliche Geschichten zu erzählen“. Es

warten zehn inspirierende Ausflüge auf uns. Los geht’s!

Eine anregende Lektüre wünscht

Fabian Vogt

13


Eine kleine

Geschichte Israels


Bevor wir uns mit den großen theologischen Leitbildern der

Bibel befassen, kann es sicher nicht schaden, erst mal einen

kleinen Abriss des Geschehens zu bekommen. Und dazu sollten

wir mit dem Alten Testament beginnen. Tja, und hier fangen

auch schon die Herausforderungen an: Will man die rund

1500 Jahre der „Geschichte Israels“ mit all ihren verrückten

Wendungen zusammenfassen, dann gelingt das nämlich nur,

wenn man sich auf einige wenige Motive beschränkt. Na, versuchen

wir’s mal:

Gott beruft einen Mann namens Abraham und macht ihn zum

Gründer vater eines neuen Volkes. Seine Nachfahren bauen im Land

Kanaan einen Staat auf, dessen Pracht im ganzen Orient gerühmt

wird. Dann zerstreiten sich die Menschen, vernachlässigen ihren Glauben

an Gott, und verlieren dabei so viel Kraft, dass es ihren Feinden

gelingt, das Reich zu zerstören. Einige dieser „Israeliten“ überleben in

Gefangenenlagern in Babylon und kehren gedemütigt, aber glaubensstolz

zurück, um auf eine Neugeburt ihres Volkes zu hoffen.

Kürzer geht es wohl kaum. Und doch zeigt schon dieser kleine

Überblick, dass das Volk Israel tatsächlich alle Höhen und Tiefen

der menschlichen Existenz durchlaufen hat. Neben Anerkennung,

Erfolg und Macht auch Sklaverei, Elend und Ohnmacht.

Ja, man kann sagen: Die Bibel kennt das Leben. Deshalb

weint sie mit den Weinenden, lacht mit den Fröh lichen,

betet mit den Frommen und zweifelt mit den Hadernden. Nun,

ich finde, wir sollten uns gerade deshalb diese erstaun liche Zeit

doch noch ein wenig genauer ansehen:

Als Gott zum Urpatriarchen Abraham, dem späteren Gründer

dreier Weltreligionen (Judentum, Christentum und Islam),

17


Eine kleine Geschichte Israels

kam und ihm Mut machte, sich auf eine ungewisse Wanderung

in das „gelobte Land Kanaan“ aufzumachen, lagen solche

Aufbrüche gerade „voll im Trend“. Es war nämlich die Zeit der

„Aramäischen Wanderung“, in der viele Stämme die Krisen der

umliegenden Großmächte nutzten und ihre Zelte einpackten,

um sich eine neue Heimat zu suchen. Ja, schon Abrahams Vater

Terach hatte für einen derartigen Umzug gesorgt und war aus

der Stadt Ur in Chaldäa ausgezogen, um mit der Familie in den

Ort Haran zu ziehen.

Das Unstete war Abraham also vertraut, als die verheißungsvolle

Anfrage Gottes an ihn gestellt wurde: „Bist du bereit, in

ein fremdes Land zu gehen, das ich dir zeigen werde?“ Irgendwann

im 15. Jahrhundert vor Christus könnte das gewesen

sein. Vielleicht aber auch einige Zeit früher oder später. Klar

ist nur: Ägypter, Babylonier, Assyrer und Hethiter kümmerten

sich damals vor allem um den Erhalt ihrer eigenen Staaten und

hatten wenig Zeit, auf die fruchtbare, kleine Region am Mittelmeer

zu achten. Die Möglichkeit, sich dort eine neue Existenz

aufzubauen, schien Abraham daher wie vielen anderen äußerst

verlockend – und er zog los, um etwas ganz Neues aufzubauen.

Niemand weiß genau, wann Abraham gelebt hat. Daher ist

es auch fast unmöglich, die in der Bibel davor geschilderten

Urgeschichten zu datieren: Weder der Bau des gigantischen

Turmes von Babel, noch die Sintflut oder der Pakt Gottes mit

Noah lassen sich historisch festlegen. Das Gleiche trifft auf die

weiteren Vätergeschichten zu, die uns ja in Gestalt einer Familiensaga

überliefert sind. Einige Bibelstellen weisen zwar darauf

hin, dass die Autoren sehr alte Überlieferungen benutzt haben,

in der heute vorliegenden Form wurden die Texte aber erst zwischen

dem 8. und dem 2. Jahrhundert vor Christus verfasst.

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Eine kleine Geschichte Israels

Tatsächlich klafft zwischen dem historischen Geschehen und

der schriftlichen Fixierung eine Lücke von mehreren hundert

Jahren. Dennoch beschreibe ich hier die Geschichte Israels erst

einmal so, wie sie sich uns beim vordergründigen Lesen der Bibel

erschließt – in der theologischen Vertiefung wird später deutlich,

dass ein zweiter Blick so manche neue Sichtweise bringt.

Also: Wie ging es weiter? Abraham zog tatsächlich nach Kanaan

und trennte sich dort wenig später von seinem Bruder Lot,

weil er mit ihm kräftig Krach um die Weidegründe bekommen

hatte. Als der inzwischen uralte Mann sich im Pistazienhain von

Mamre (später in Hebron) angesiedelt hatte, wurde ihm seine

Kinderlosigkeit umso schmerzhafter bewusst, und Gott erlaubte

ihm, mit seiner Magd Hagar ein Kind zu zeugen, was naturgemäß

nicht gerade den Familienfrieden steigerte. Dann aber

wurde auch die hochbetagte Frau Abrahams, Sara, noch schwanger.

Das erste menschenfreundliche Wunder der Bibel.

Ihr Sohn Isaak – zu deutsch „Es wird gelacht“, weil Sara

über die Ankündigung ihrer Altersschwangerschaft herzhaft

ge kichert hatte – bekam eine Frau aus Mesopotamien, weil

Abraham sich strikt gegen eine Verbindung seines Sprösslings

mit den Töchtern der einheimischen Kanaanäer wehrte. Offensichtlich

pflegte Abraham als Zugezogener in Kanaan bewusst

seine alte Kultur weiter. Nix mit Integration. Und: Nach dem

Tod Saras heiratete Abraham noch einmal und bekam weitere

Kinder. Seine erste Frau aber beerdigte er auf einem eigens

dafür erworbenen Stück Land, dem ersten richtigen Grundbesitz

der Israeliten.

Auch Isaaks Frau Rebekka hat anfänglich Probleme, Kinder

zu bekommen, bringt dann aber die Zwillinge Esau und Jakob

zur Welt, die sich von Geburt an als Rivalen empfinden. Jakob,

19


Eine kleine Geschichte Israels

der nur ein kleines bisschen jüngere, haut seinen älteren Bruder

mehrfach übers Ohr, luchst ihm das Recht des Erstgeborenen

ab und erschleicht sich bei seinem fast blinden Vater Isaak

den Segen (und damit den Auftrag, die Familientradition weiterzuführen).

Allerdings muss er ob dieser Tricksereien erst

einmal fliehen und wendet sich an die Verwandten in Haran.

Der dortige Patriarch Laban macht mit dem Mittellosen einen

Vertrag: „Sieben Jahre arbeitest du für mich, dann bekommst

du meine Tochter Rahel.“ Jakob ist bereit, für Rahel, in die er

sich Hals über Kopf verliebt hat, einen solchen Preis zu zahlen,

wird aber diesmal selbst hereingelegt, weil ihm Laban in

der Hochzeitsnacht Lea, die hässlichere Schwester der Liebsten,

ins Bett schiebt. Um Rahel auch noch zu bekommen, muss

Jakob weitere sieben Jahre als Knecht bleiben. Doch der Segen,

den Jakob sich ergaunert hat, bewährt sich: Im Lauf der Jahre

wird der Arbeiter reich und flieht schließlich mit seiner Familie

zurück nach Kanaan, wo es eine Versöhnung mit Esau und ein

neues Zuhause in Sichem gibt.

Die zwölf Knaben Jakobs – der später den Namen Israel

bekommt und nach dem das Land und das ganze Volk benannt

werden – geraten einige Jahre später gewaltig in Streit, als

das ziemlich von sich überzeugte Nesthäkchen Joseph seine

Träume erzählt, in denen sich die ganze Familie demütig vor

ihm verneigt. Wütend verkaufen die Brüder den Angeber als

Sklaven nach Ägypten. Joseph aber macht in der Fremde Karriere

und arbeitet sich hoch bis zum Stellvertreter des ägyptischen

Pharaos. In dieser Position gelingt es ihm nicht nur, seiner

Familie zu helfen, als die von einer Hungersnot bedroht ist,

er siedelt sie auch im fruchtbaren Nildelta an. Aus den bösen

Plänen der Brüder hat Gott etwas Gutes gemacht.

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