U&ME 1/2019

ZimmermannEditorial

Das Magazin für Beschäftigte der Universitätsmedizin Essen. Ausgabe 1/2019

ME

Universitätsmedizin Essen

U&1/2019

Unser Magazin der

NAZIHA CHEHBAR ist eine

von mehr als 1.000 nichtmedizinischen

Beschäftigten

am Universitätsklinikum.

Ihre Geschichte ab Seite 8.

Forschung

TSCHÜSS, SCHMERZ!

Die Ruhrlandklinik geht

neue Wege in der Nachsorge

Integration

HALLO! ICH BIN NEU

Integrationsprojekt startet in

die zweite Runde

In dieser Ausgabe: Clemens Aigner, Oliver Basu, Feries Bedoui, Rita Beier, Marc Bleck, Frank Borowski, Jennifer Brendt, Naziha Chehbar, Marvin Droste,

Andreas Edelhoff, Monja Gerigk, Matthias Gunzer, Andrea Hoddick, Peter Horn, Marcus Jäger, Sandra Kampe, Olaf Kayser, Christoph Kleinschnitz, Janine Kluwe,

Tim Knüffermann, Emre Kocakavuk, Dorit Kuhn, Pauline Lusoc, Maic Masuch, René-Alexander Möller, Ingo Neupert, Karin Oppermann, Christian Pillich,

Cornelia Reh, Annette Ryta, Andrea Schmidt-Rumposch, Jens Siveke, Alexis Slama, Diana Skarda, Zabiullah Sultani, Sivagurunathan Sutharsan, Christian Temme,

Thayalini Thanabalasingham, Ines Thies, Sven Thomalla, Beate Timmermann, Ursula Urschel, Marc Vennemann, Reza Wakili, Jochen A. Werner, Stefanie Werther


Editorial

Inhalt

Hinter den Kulissen

Liebe Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter,

liebe Kolleginnen und Kollegen,

sagt Ihnen der Name Wilhelm Kuhlmann etwas?

Wahrscheinlich wissen nur wenige unter

Ihnen, dass Kuhlmann von 1907 bis 1934

Verwaltungsdirektor der Städtischen Krankenanstalten

in Essen war. Kuhlmann hat

sich vor allem im Ersten Weltkrieg und den

Jahren danach um die Versorgung der Krankenanstalten

verdient gemacht. Die wirtschaftlich

prekäre Lage damals machte auch

vor den Kliniken nicht halt. Aber Kuhlmann

war ein zupackender Mann, der auch unorthodoxe

Ideen nicht scheute. Noch während

des Krieges baute er eine landwirtschaftliche

Versorgung für die Städtischen Krankenanstalten

auf. Milch- und Schlachtkühe wurden

gehalten und eine eigene Schweinemast

betrieben, ganze Höfe in der Umgebung

wurden durch die Krankenanstalten bewirtschaftet,

um Mitarbeiter und Patienten versorgen

zu können. Hinzu kamen eine Metzgerei,

eine Bäckerei, eine Wurstfabrik, eine

Sauerkrautfabrik und eine Getreidemühle.

Warum ich Ihnen das erzähle? Weil es

in der Universitätsmedizin Essen nicht anders

ist als in der Kunst, im Sport oder in der

Politik. Vorn auf der Bühne der Moderator

oder die Schauspielerin, die den Applaus erntet.

Hinterm Vorhang das vielköpfige Team,

ohne das die beste Show nicht gelänge. Oben

auf dem Podium der Rennfahrer mit Pokal.

Unten in der Box Heerscharen von Mechanikern

und Rennstrategen, die wochenlang

getüftelt haben. Hinter den Kulissen, dort,

wo kaum jemand hinsieht, wird die Basis für

Erfolg gelegt.

An unserer Universitätsmedizin sind

es über 1.000 Kolleginnen und Kollegen, die

in nichtmedizinischen Bereichen wirken und

im Hintergrund dafür sorgen, dass „der Laden

läuft“. Sie reinigen das OP-Besteck, kümmern

sich um Parkplätze, Wasser und Strom, kaufen

Waren ein, erhalten und erneuern unsere

Infrastruktur, sind Kuriere oder Hausmeister,

arbeiten in der Verwaltung oder im Personalwesen.

Es ist ein wahrer Mikrokosmos neben

dem eigentlichen medizinischen Betrieb.

Diese Kolleginnen und Kollegen unterstützen

uns außerdem – zum Beispiel in der IT – dabei,

moderner und digitaler zu werden. Unser

Weg hin zum Smart Hospital ist ohne sie nicht

denkbar. Und gleichzeitig wird die Wandlung

zum Smart Hospital auch viele nichtmedizinische

Arbeitsplätze verändern.

In dieser Ausgabe unseres Mitarbeitermagazins

werden einige von ihnen stellvertretend

porträtiert. Sie sind wie jeder Pfleger

und jede Ärztin das Rückgrat der Universitätsmedizin

Essen und sorgen dafür, dass

sich unsere Patientinnen und Patienten bei

uns wohlfühlen.

Ihr Prof. Dr. Jochen A. Werner

Ärztlicher Direktor und Vorstandsvorsitzender

FOTOS: ANDRÉ ZELCK (L.), JAN LADWIG (R.)

SEITE 4

Mitmacher

Ohne diese Beschäftigten wäre

das Magazin nicht entstanden

wissen

SEITE 6

Elektrofische und

Mukoviszidose

Neues aus Forschung

und Lehre

SEITE 8

Drei von Tausenden

Diese Beschäftigten halten den

Krankenhausalltag am Laufen

SEITE 12

Wie geht's

Ihnen heute?

Neue Hoffnung für Patienten mit

chronischen Schmerzen

SEITE 14

Projekt D

Wie die Herzintensivstationen

Delire vermeiden möchten

SEITE 15

Gegen den Krebs

Mein Thema: Prof. Dr. Jens Siveke

sucht einen Schlüssel gegen

Bauchspeicheldrüsenkrebs

machen

SEITE 16

Erste Wunden und ein

neuer Jahresbericht

Meldungen aus dem Klinikalltag

SEITE 18

Neues Land, alter Job

Wie die Universitätsmedizin

Geflüchtete ausbildet

SEITE 19

Pingunauten-Trainer

Unser smartes Hospital: Folge 1

SEITE 20

Ohne sie fließt kein Blut

Teamporträt: die Transfusionsmedizin

des Universitätsklinikums

SEITE 22

„Ich bleibe Optimist“

Marc Vennemann über seinen Job

als onkologischer Fachpfleger

SEITE 23

10 Fragen

Mein Tag: Sven Thomalla,

Mediengestalter am

Universitätsklinikum

SCHWERPUNKT

Ohne diese Kolleginnen und

Kollegen wäre der Krankenhausbetrieb

undenkbar

SEITE 8

leben

SEITE 24

Gemüseragout und

kranke Pilger

Bunte Meldungen aus

der Universitätsmedizin

SEITE 26

Mordsspaß

Mitarbeiter Andreas Edelhoff

über seinen ersten Krimi

SEITE 28

Endlich wieder laufen

Blick zurück: die Universitäts medizin

im Spiegel ihrer Patienten –

diesmal: Barbara Bienek

SEITE 30

Gewinnspiel und Service

SEITE 32

Im Konzert

Mein Ort: Stefanie Werther

spielt in der Essener Philharmonie

Violine

2 3


Mitmacher

Das Magazin lebt von Menschen, die etwas bewegen und etwas

zu erzählen haben. Wir stellen die Köpfe hinter den Geschichten vor.

Wollen Sie auch mitmachen? Schreiben Sie an maz@uk-essen.de

IMPRESSUM

Herausgeber

Universitätsmedizin Essen,

Konzernmarketing und -kommunikation,

Hufelandstraße 55, 45147 Essen

Verantwortlich

Achim Struchholz,

achim.struchholz@uk-essen.de

Redaktionsbeirat

Kristina Gronwald (Universitätsklinikum),

Christine Harrell (Fakultät), Silke Langer

(Universitätsklinikum), Maren Middeldorf

(Ruhrlandklinik), Janine Pratke (WTZ),

Thorsten Schabelon (Universitätsklinikum),

Kathinka Siebke (St. Josef Krankenhaus

Werden)

Redaktion und Grafik

Zimmermann Editorial GmbH, Köln

Schriften

Franziska Pro, Organika, TheSans

FERIES BEDOUI

Wundexperte auf

Station AC5 am Universitätsklinikum

Essen

KARIN OPPERMANN

Medizinische Fachangestellte

im Institut für Transfusionsmedizin

ANDREAS EDELHOFF

Simulationskoordinator am

Lehr- und Lernzentrum der

Medizinischen Fakultät

JANINE KLUWE

Mitarbeiterin in der Abteilung

Personalwirtschaft am

Universitätsklinikum Essen

STEFANIE WERTHER

Oberärztin an der

Klinik für Pneumologie

der Ruhr landklinik

Bildbearbeitung & Reinzeichnung

purpur GmbH, Köln

Druck

WOESTE DRUCK + VERLAG GmbH & Co. KG,

Essen

„Guten Tag, es wäre mir eine Freude,

etwas über meine Funktion als Gesundheits-

und Krankenpfleger auf der

AC5 zu erzählen“ – als diese E-Mail von

Feries Bedoui im Herbst 2018 bei der

U&ME eintrudelte, war das Heft bereits

komplett voll. Umso glücklicher

war die Redaktion, als das Interview

dann im Januar stattfinden konnte

– und das, obwohl Bedoui noch eine

interne Schulung vorbereiten musste.

Für Bedoui kein Problem, denn er ist

Flexibilität von seiner Zusatztätigkeit

als Wundexperte gewöhnt: „Um bei

den unterschiedlichen Wundarten

und Versorgungsmöglichkeiten auf

dem neusten Stand zu bleiben, muss

ich mich regelmäßig weiterbilden.“

Schöne Belohnung: Einmal im Jahr

schickt ihn das Universitätsklinikum

auf den Deutschen Wundkongress

nach Bremen. Im Mai ist es wieder

soweit. Seite 17

„Eigentlich war ich auch schon einmal

Kinderbetreuerin in einer Kita“, sagt

Karin Oppermann, 57 Jahre, mit einem

Lächeln. Die gelernte Medizinische

Fachangestellte (MFA) entschied sich,

als ihre Kinder ins Kindergartenalter

kamen, als Quereinsteigerin in der

Betreuungseinrichtung ihrer Kinder

zu arbeiten. Allerdings musste sie sich

zehn Jahre später einen neuen Job

suchen, weil alle nicht ausgebildeten

Betreuerinnen gekündigt wurden.

Da sie seit 30 Jahren regelmäßig Blut

spendet, fragte sie im Institut für

Transfusionsmedizin nach, ob nicht

eine MFA benötigt würde. Sie hatte

Glück. „Die Kolleginnen haben mich

super eingearbeitet. Deshalb ist mir

der Einstieg in meinen ursprünglichen

Beruf gut gelungen.“ Seite 20

Krankenpfleger und Rettungsassistent,

Fotograf und seit 2014 Herr über

die Simulationsarena im Lehr- und

Lernzentrum – eine langweilige Vita

kann man Andreas Edelhoff nicht vorwerfen.

Ihm ist das noch nicht genug:

Gerade hat er seinen ersten Kriminalroman

„Halbgötterdämmerung“

veröffentlicht. Darin kommen einige

Ärzte auf fragwürdige Weise ums

Leben. Beim Schreiben erinnerte sich

Edelhoff an einen Todesfall, zu dem er

im Rettungsdienst mal gerufen wurde.

Und auch beim Beschreiben des Polizeijobs

legt der Sohn eines Polizisten

Wert auf Details. Schließlich wollte er

als Jugendlicher selbst Polizist werden,

was leider nicht geklappt hat. Edelhoff

sieht es locker: „Meine Aufklärungsrate

ist auf dem Papier auf jeden Fall

höher, als sie das in der Realität jemals

gewesen wäre.“ Seite 26

FOTOS (V. L. N. R.): PRIVAT, JAN LADWIG, DESIGNSTUDIO PERTOLLI/HERTEN, PRIVAT, JAN LADWIG

Als gebürtige Rheinländerin stand

Janine Kluwe noch nie auf Skiern. Aber

die 27-Jährige probiert gern Neues.

Deshalb nahm sie am Gewinnspiel

der letzten Ausgabe von U&ME teil

– und gewann prompt einen Tag im

Alpincenter Bottrop. Die studierte

Betriebswirtin arbeitet seit 2017 in

der Abteilung Personalwirtschaft.

Mit zwei Kolleginnen betreut sie den

Stellenplan und ist für die Aufstellung

und Darstellung der im Haushaltsplan

vorgegebenen Stellenbesetzung

am gesamten Universitätsklinikum

zuständig. Ein Job, der täglich von

der Kommunikation mit den vielen

Arbeitsbereichen der Universitätsmedizin

lebt. Die Vielfalt fasziniert Kluwe:

„Es ist schön, in einem Unternehmen

zu arbeiten, das eine solche Bandbreite

an Spitzenmedizin möglich macht!“

Gewinnspiel Seite 31

Die Medizin und das Geigespielen

sind zwei große Leidenschaften im

Leben von Stefanie Werther. Allerdings

wäre es fast nichts mit der zweiten

Laufbahn im Universitätsorchester

Duisburg-Essen geworden. Mit sechs

Jahren startete sie nämlich ihren musikalischen

Weg mit der guten alten

Blockflöte – ein nicht gerade orchestertaugliches

Instrument. Insgeheim

wusste sie doch von klein auf, dass sie

mit der Violine liebäugelte, weil diese

schon auf dem Dachboden ihres Elternhauses

auf sie wartete. Heute gibt

ihr die Musik Kraft für die Arbeit im

Klinikalltag. Die Melodien, die sie auch

Tage nach den Orchesterproben oder

Konzerten innerlich begleiten, sorgen

dafür, dass sie manch schwierige

Situation leichter meistert. „Ich freue

mich schon im Voraus auf die nächste

Probe, die Musik und die Gespräche im

Ensemble.“ Seite 32

Papier: Circle Offset Premium White

ID-Nr. 1978641

Umweltschutz

Das Mitarbeitermagazin wird auf

Recyclingpapier gedruckt, das zu

100 Prozent aus Altpapier hergestellt

wird. Das Papier ist FSC®-zertifiziert und

aus gezeichnet mit dem Blauen Engel

und dem EU-Ecolabel.

Titelfoto: Jan Ladwig

Fragen und Anregungen?

@universitaetsmedizinessen

@UniklinikEssen

@ukessen

Universitätsklinikum Essen

www.ume.de

maz@uk-essen.de

4

5


„PRAKTISCHE EINBLICKE“

Marvin Droste, Doktorand in der

Kinderklinik, organisiert den Campustag

für Frühstudierende.

Sie haben den Campustag erfunden, der am 15. Mai

zum zweiten Mal stattfindet. Warum braucht es so

eine Aktion?

Weil er die ideale Ergänzung zum sogenannten Frühstudium

ist, das Schülerinnen und Schüler bei uns an

der Uni machen können. Bislang konnten die nur an

Vorlesungen teilnehmen. Am Campustag öffnen wir

für sie einen Tag lang auch die Krankenversorgung

und die Forschung. Ich selbst war von 2013 bis 2015

Frühstudent. Das war großartig, aber ich habe gemerkt,

dass ich mir damals mehr praktische Einblicke

gewünscht hätte – daher die Idee.

Was können die Schüler am Campustag erleben?

Wir öffnen für sie zum Beispiel das „Skills Lab“, unser

internes Trainingscenter. Dort können sie etwa selbst

eine Blutabnahme ausprobieren. Wir machen auch

eine Campusrallye über das Gelände und gehen in

Labore, um beispielsweise selbst einmal Zellen unter

dem Mikroskop zu betrachten.

Was hat Ihnen damals das Frühstudium gebracht?

Dass ich in die Medizin gehen will, war mir schon

vorher klar. Aber erst durch das Frühstudium habe ich

„meinen“ Bereich kennengelernt: die Kindernephrologie.

Mit der Kinderklinik bin ich seit dem Frühstudium

in Kontakt geblieben. Heute bin ich hier selbst

Doktorand.

Mehr Infos über das Frühstudium unter:

www.uni-due.de/abz/studieninteressierte/fruehstudium

wissen | Meldungen

Wie

forscht

man an

lebenden

Lungen?

Die Forschungsfrage

Spenderorgane können anhand einer sogenannten

Ex-Vivo-Perfusion für eine Transplantation beurteilt

und aufbereitet werden. Prof. Dr. Clemens Aigner,

Direktor der Klinik für Thoraxchirurgie und thorakale

Endoskopie in der Ruhrlandklinik, nutzt dieses Verfahren

nun auch im Rahmen experimenteller Forschung.

Ein Team um Dr. Alexis Slama arbeitet mit an Krebs

erkrankten Lungenlappen, die Patienten chirurgisch

entfernt werden mussten. Diese werden mittels einer

künstlichen Durchblutung sowie unter Beatmung

funktionsfähig erhalten. Anhand dieses innovativen

Modells könnten in Zukunft neue Therapien erprobt

werden, ohne auf Zell- oder Tierversuche zurückgreifen

zu müssen. Langfristig könnte die Forschung auch die

Wiederaufbereitung und Erhaltung von Spenderlungen

verbessern.

Sechs

Stunden

legte sich Prof. Dr. Matthias Gunzer

vom Institut für Experimentelle

Immunologie und Bildgebung

am Universitätsklinikum Essen

im Rahmen einer Studie in einen

7-Tesla-Magnetresonanztomografen.

Ein Aufwand, der sich gelohnt

hat: Mithilfe der Messungen

entdeckte das Forscherteam um

Gunzer ein bisher übersehenes

Netzwerk aus feinsten Blutgefäßen,

das das Knochenmark direkt

mit der Knochenhaut verbindet.

1

6

2

5

3

4

FOTOS: PRIVAT (L.), PROCEEDINGS OF THE ZOOLOGICAL SOCIETY OF LONDON/J. JURY (R.)

WAS IST EIGENTLICH ...

EIN ELEKTROFISCH-KATHETER?

Der Elefantenrüsselfisch wird auch Elektrofisch genannt, weil er sich

mithilfe elektrischer Ströme orientiert. Die Universitätsmedizin setzt

seit Kurzem einen Katheter ein, der ihm nachempfunden ist.

MIT DEM ELEKTROFISCH-KATHETER lassen sich defekte Herzmuskelzellen bei Herzrhythmusstörungen

besser aufspüren und veröden. Das Prinzip funktioniert so: Über die

Leiste wird der etwa kugelschreiberminendünne Katheter bis zum Herzen geführt. Mit

seinen feinen Elektrowellen spürt das Instrument die Stelle auf, die die Probleme bereitet.

Live-Bilder auf dem Monitor zeigen dem Arzt genau an, welchen Weg der Elektrofisch-

Katheter gerade nimmt. Stößt er auf eine Barriere, schlägt er Alarm. Anschließend kann

die Stelle mit Strom sofort verödet werden. „Das ist so ähnlich wie eine Einparkhilfe, die

immer heftiger piept, je näher das Hindernis kommt“, erklärt Prof. Dr. Reza Wakili aus der

Klinik für Kardiologie, der das Instrument als erster Arzt in Deutschland testete. Inzwischen

wird es in der Universitätsmedizin regulär eingesetzt.

»Können wir eine Maschine

bauen, die medizinische

Scans mit übermenschlicher

Performance analysieren

kann?«

Dieser Frage ging Ben Glocker vom Imperial College

London in seinem Vortrag auf dem internationalen

Kongress „Emerging Technologies in Medicine“ am

Universitätsklinikum Essen nach. Die Antwort auf

seine Frage und viele andere Vorträge gibt es unter

https://etim.uk-essen.de

STUDIEN-

TICKER

Neuer Ansatz bei

Multipler Sklerose

Bei der Multiplen Sklerose (MS)

überwinden weiße Blutkörperchen

die Blut-Hirn-Schranke und

lösen im zentralen Nervensystem

Entzündungen aus. Forscher aus

Essen und Münster konnten nun

zeigen, dass unter anderem das

Enzym Kallikrein dazu beiträgt.

Fehlt es im Plasma von Mäusen,

sind diese weniger anfällig

für MS. Ein Medikament, das

Kallikrein blockiert, hat bei den

Tieren den gleichen Effekt. „Wir

können also die Einwanderung

schädlicher Zellen ins zentrale

Nervensystem bei MS verringern,

wenn wir es schaffen, Kallikrein

zu blockieren“, sagt Prof. Dr.

Christoph Kleinschnitz, Direktor

der Klinik für Neurologie. Dies

könnte eine neue Therapie gegen

MS begründen.

Marker für Mukoviszidose

Patienten mit Mukoviszidose

bekommen oft Lungeninfektionen,

die ihr Immunsystem

schwächen. Forscher aus Essen

und Düsseldorf haben jetzt einen

Marker gefunden, der anzeigt, wie

schwer diese Erkrankung ist: den

Botenstoff Interleukin-7 (IL-7).

Bei der Analyse von Blutproben

aus der Westdeutschen Biobank

stellte sich heraus, dass die

IL-7-Konzentration bei Mukoviszidose-Patienten

deutlich erhöht

ist. „Wir wissen nun, dass es einen

statistischen Zusammenhang

gibt zwischen einem erhöhten

IL-7-Spiegel und einer verschlechterten

Lungenfunktion“, so Dr.

Sivagurunathan Sutharsan aus

der Ruhrlandklinik. Womöglich

könnte IL-7 auch als Frühmarker

für die Erkrankung dienen.

6

7


wissen | Schwerpunkt

Drei von

NAZIHA CHEHBAR sorgt

dafür, dass die Patienten

sich am Campus zurechtfinden.

Tausenden

Ohne Menschen wie Naziha Chehbar, Christian Pillich

und Marc Bleck würde der Krankenhausalltag zusammenbrechen.

Denn es braucht mehr als Ärzte und Pflegekräfte,

damit Patienten behandelt werden können.

Die Schiebetüren in der Eingangshalle

öffnen sich im Sekundentakt. Ärzte

mit fliegenden Kitteln eilen durch

die Halle am Haupteingang des Universitätsklinikums

und passieren

Patienten, die gemeinsam mit ihren Angehörigen

auf die nächste Behandlung warten. Naziha Chehbar

beobachtet das Treiben aus dem unscheinbaren

Glaskasten heraus, in dem die Information der

Hauptpforte untergebracht ist. Nichts entgeht ihr.

Weder das ältere Paar, das mit unsicheren Schritten

die Treppe Richtung Ausgang hinaufsteigt, noch das

hitzige Gespräch einer Patientin mit ihrem Freund

in einer der Sitzecken. „Die meisten Leute denken,

dass wir an der Information nur damit beschäftigt

sind, Patienten und Angehörigen Auskunft zu geben,

aber natürlich achten wir auch auf die Sicherheit“,

erklärt Chehbar, die ursprünglich als Mitarbeiterin

eines externen Wachdiensts an den Campus kam.

Naziha Chehbar ist eine von mehr als 1.100

Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern am Universitätsklinikum

Essen, die nicht im medizinischen

Bereich arbeiten und für den Alltag in den Kliniken

doch unersetzlich sind. Denn damit die rund

4.700 Ärzte, Ärztinnen und anderen medizinisch Tätigen

am Campus ihren Job machen können, muss

vorher viel passieren. Patienten müssen an die richtigen

Kliniken verwiesen werden, das OP-Besteck

muss gereinigt und die Kittel gewaschen werden,

die Stromversorgung gesichert sein und die Parkhäuser

gemanagt.

Und natürlich muss ein Krankenhaus sicher

sein. Die Maßnahmen zur Deeskalation, die Chehbar

als Fachfrau für Sicherheit und Bewachung

einst gelernt hat, helfen ihr heute als Mitarbeiterin

am Empfang der Hauptpforte immer wieder. Denn

viele Menschen, die mit einer Frage an das kleine

Fenster vor Chehbars Arbeitsplatz treten, befinden

sich im Ausnahmezustand. „Wenn Ihr Ehemann

gerade mit Herzinfarkt eingeliefert wurde und

Sie zu ihm wollen, sind Sie mit dem Kopf natürlich

ganz woanders. Da kann es vorkommen, dass

man sich in der Aufregung im Ton vergreift“, sagt

Chehbar. Diesen Menschen geduldig und ruhig entgegenzutreten,

ist für die gebürtige Marokkanerin

selbstverständlich.

FOTO: JAN LADWIG

8

9


wissen | Schwerpunkt

Knapp sieben Kilometer Luftlinie südlich vom Campus

an der Hufelandstraße ist Christian Pillich im

Einsatz für die Universitätsmedizin. Der Elektroinstallateur

sorgt zusammen mit seinen Kollegen am

Standort St. Josef Krankenhaus Werden dafür, dass

Ärzte auch dann weiter operieren können, wenn

im OP Teile des Stromnetzes ausfallen. „Zum Glück

passiert das eher selten“, sagt Pillich. „Die meiste

Zeit müssen wir eher kleinere Reparaturen vornehmen

und uns um die Störungsbehebung und Instandhaltung

der technischen Anlagen kümmern.“

Pillich ist in Haan geboren, seit 2008 arbeitet er in

Werden. Seine kleine Werkstatt, gleich links neben

dem Haupteingang, steht im starken Kontrast zur

klinischen Umgebung der Krankenhausflure. Allerlei

Werkzeug hängt an den grobverputzten Wänden, auf

einer langen Werkbank steht ein defekter Wasserkocher.

Der muss aber warten: Denn nach einer kurzen

Besprechung mit seinen Teamkollegen startet Pillich

erst mal seine tägliche Inspektion des Technikstützpunkts.

Der unscheinbare Flachbau hinter der Klinik

ist einer der elektrischen Mittelpunkte des St. Josef

Krankenhauses Werden. Hier, gut versteckt hinter

zwei schweren Eisentüren, verbirgt sich die Schaltzentrale,

die die OP-Säle mit Strom, Lüftung und

Heizung versorgt. Pillich wirft einen prüfenden Blick

über die blinkenden Armaturen. Tritt eine Störung

auf, müssen er und seine Kollegen schnell handeln.

„Als Elektroinstallateur im Krankenhaus sollte man

definitiv kein Problem damit haben, unter Druck

zu arbeiten“, sagt der 47-Jährige. Im Zweifel gehe es

auch in seinem Job um Leben und Tod.

„Wir spielen für

die Patientenzufriedenheit

eine

wichtige Rolle.“

CHRISTIAN PILLICH

CHRISTIAN PILLICH sorgt für gute Energie am

St. Josef Krankenhaus Werden.

Eine Erfahrung, die auch Naziha Chehbar bereits

gemacht hat. „Einmal ist mir ein Mann in der Eingangshalle

aufgefallen, aus dessen Tasche ein Messer

hervorschaute.“ Damals habe sie direkt die Polizei

gerufen. Als die Beamten und der Wachdienst eintrafen,

stellte sich heraus, dass der Mann sogar noch

mehr Waffen dabeihatte. Aber das sind Extremfälle.

Die meiste Zeit verbringe sie mit ganz harmlosen

Patienten, meint Chehbar und wendet sich einem

Mann zu, der mit Kind auf dem Arm auf die Information

zueilt. „Hallo, eine Frage. Meine Tochter hat

sich die Fingerkuppe abgeschnitten. Wo müssen wir

hin?“ Schnell und routiniert zeichnet Chehbar ihm

den Weg zur Zentralen Notaufnahme Süd auf. Anschließend

kündigt sie den Mann und seine Tochter

dort telefonisch an. „So etwas kommt sehr häufig

vor. Viele Patienten schildern uns ihre Symptome,

um zu erfragen, in welche Klinik sie am besten gehen

FOTOS: JAN LADWIG

sollen.“ Vor Kurzem habe sie etwa eine Patientin mit

einer hoch ansteckenden Krankheit angesprochen.

„Ich habe die Patientin umgehend mit Mundschutz

ausgestattet und die Ambulanz verständigt“, sagt

Chehbar, die sich in ihrer Zeit am Universitätsklinikum

viel medizinisches Know-how angeeignet hat.

Kein Vergnügungspark

Ein paar Meter entfernt von ihr sitzt Marc Bleck in

seinem Pförtnerhäuschen und ist damit beschäftigt,

den täglichen Wahnsinn auf den Parkflächen des

Universitätsklinikums zu managen. Während der

operative Leiter Parkhausservice einer Mitarbeiterin

ein neues Monatsticket fürs Parkhaus ausstellt,

beobachtet er aus dem Augenwinkel den Stau auf

der Zufahrtsstraße. „Das Parkhaus an der Hufelandstraße

ist noch ganz neu und schon zu 100 Prozent

ausgelastet“, erzählt Bleck, der dafür zuständig ist,

Krankenwagen auf den Campus zu lassen und dafür

zu sorgen, dass alle Schranken im Notfall funktionieren.

Außerdem ist er oft Helfer in der Not: Weil

Patienten und Angehörige im Kopf mit anderen Dingen

als Parken beschäftigt sind, finden viele später

MARC BLECK fährt selber lieber

mit der Bahn zur Arbeit.

ihr Auto nicht mehr. „Da beim Suchen zu unterstützen,

versteht sich für uns von selbst“, meint Bleck,

der auch mal fünfe gerade sein lässt. „Wenn eine

Frau, deren Ehemann gerade im Krankenhaus verstorben

ist, ihr Auto aus dem Parkhaus holen möchte

und nicht genug Geld dabei hat, helfen wir natürlich.“

Manchmal bestellt er für Patienten auch ein

Taxi oder wechselt Geld fürs Parkhaus. „Viele wollen

aber auch einfach nur ein bisschen quatschen.“

Eine Tatsache, die auch Christian Pillich im

St. Josef Krankenhaus Werden nur zu gut kennt.

„Ohne die Patienten würde ich meine Arbeit in den

Krankenzimmern wesentlich schneller erledigt bekommen“,

meint der Elektroinstallateur mit einem

Schmunzeln. Trotzdem: Für den langjährigen Mitarbeiter

der Universitätsmedizin Essen gehört es einfach

dazu, sich nicht nur um funktionierende Raumund

Sicherheitsbeleuchtung zu kümmern – sondern

auch darum, dass die Patienten das Krankenhaus

mit einem guten Gefühl verlassen. „Egal, ob Mediziner,

Pfleger oder eben Haustechniker“, meint Pillich,

„wir alle spielen für die Patientenzufriedenheit eine

wichtige Rolle.“

10

11


wissen | Schmerztherapie

Wie geht's

Ihnen heute?

Viele Patienten entwickeln nach einer

Operation chronische Schmerzen.

Ein Projekt am Standort Ruhrlandklinik

erprobt nun eine Nachsorge, die das

verhindern soll.

ANDREA HODDICK

übernimmt in der Ruhrlandklinik

als Pain Nurse

die tägliche Schmerzvisite.

Manche berichten von Ameisen,

die über ihren Brustkorb

krabbeln. Andere von

Messern, die sich tief in die Haut bohren.

Wieder andere beschreiben ihren

Schmerz als elektrisierend, pochend oder

brennend. „Es gibt viele verschiedene Arten

von Schmerz“, sagt Andrea Hoddick,

Pflegeexpertin für Schmerzmanagement

(Pain Nurse), die am Standort Ruhrlandklinik

für die tägliche Schmerzvisite zuständig

ist. Weil Schmerz aber nicht wie

ein Blutwert gemessen werden kann,

müssen die Patienten ihn selbst benennen

– sonst können Pain Nurse und Arzt

nicht reagieren. Deshalb bestärke sie

FOTOS: JENS PUSSEL (L.), SVEN LORENZ (R.)

Patienten darin, achtsam auf den eigenen

Körper zu hören – und selbstbewusst

Therapien einzufordern. Dieses Ermutigen

– neudeutsch: Empowerment – ist

gerade bei Schmerzpatienten ungemein

wichtig.

Bewertung per App

Diese Erkenntnis steht im Hintergrund

des neuen PEESURST-Forschungsprojekts,

das im April in der Ruhrlandklinik

startet (die ersten drei Buchstaben des

Akronyms stehen für: Patient Empowerment

und Edukation). Dabei werden

die Schmerzerfahrungen von Patienten

über sechs Monate nach einer Lungenkrebsoperation

regelmäßig erfragt – also

auch dann, wenn sie schon längst zu

Hause sind. „Die Patienten werden aufgefordert,

über eine internetbasierte App

regelmäßig die Stärke ihres Schmerzes

zu bewerten“, erklärt Prof. Dr. Sandra

Kampe, Direktorin des Zentrums für

Anästhesiologie, Intensivmedizin und

Schmerztherapie an den Standorten

Ruhrlandklinik und St. Josef Krankenhaus

Werden, die das Projekt leitet. In

der Klinik werden die Werte von einer

Pain Nurse überwacht, die Patienten

auch regelmäßig anruft und ihnen gegebenenfalls

rät, einen Arzt aufzusuchen,

um die Therapie anzupassen.

Das Ziel der Studie, die vom Innovationsfonds

des Gemeinsamen Bundesausschusses

mit 2,4 Millionen Euro

gefördert wird: die Zahl der Patienten,

deren Schmerzen nach einer Lungen-OP

chronisch werden, durch die intensive

Nachbetreuung deutlich zu senken. Zum

PROF. DR. SANDRA KAMPE

leitet das neue Forschungsprojekt

zur Akutschmerztherapie.

Vergleich wird auch eine Gruppe beobachtet,

die nach heutigem Standard behandelt

wird. „Nach Eingriffen im Brustbereich

ist die Zahl der Patienten, die

sechs Monate nach der OP noch Schmerzen

haben, sehr hoch“, sagt Kampe. Eine

Rolle könnte das Schmerzgedächtnis

spielen: Schmerzen, die lange nicht ausreichend

behandelt werden, graben sich

tief ein und entwickeln irgendwann ein

Eigenleben.

Für Kampe ist das Projekt die

logische Fortsetzung ihrer bisherigen

Schmerzforschung. Anfang der

2000er-Jahre war sie eine der Ersten

in Deutschland, die Patienten Opioide

nach der Operation oral verabreichte

und nicht auf die herkömmliche Art per

Infusion. „Der nächste Schritt waren Studien

zu der Frage, welche Patienten für

chronische Schmerzen anfälliger sind“,

erklärt die Anästhesistin. „Aufgrund der

hohen Fallzahlen an Thorax-OPs sind wir

in der Ruhrlandklinik für diese Art von

Forschung prädestiniert.“

Das Herz der aktuellen Studie seien

die Pain Nurses, die Patienten selbstständig

betreuen, sagt Kampe: „Ich bin

als Anästhesistin eine absolute Vertreterin

der Stärkung der Pflege. Ärzte

müssen der Pflege vertrauen und mehr

Tätigkeiten delegieren.“ In der Ruhrlandklinik

sei das Konzept der Pflegerischen

Schmerzexperten gelebte Praxis. Auch

im St. Josef Krankenhaus Werden findet

bereits eine tägliche Schmerzvisite durch

Schmerzexperten statt. Die Klinikdirektorin

will dieses System dort nun auch

stärken.

„VIELE

ERKENNTNISSE“

Fragen an Frank Borowski,

Leiter der Anästhesiepflege

im St. Josef

Krankenhaus Werden.

Sie bieten in der Orthopädie

seit geraumer Zeit einen interprofessionellen

Schmerzkonsildienst

an. Was haben

die Patienten davon?

Dabei werden Patienten mit

regionalen Schmerzkathetern

täglich von Anästhesisten,

aber auch von ausgebildetem

Pflegepersonal, sogenannten

alegesiologischen Fachassistenten,

visitiert. Die Patienten

können hier über ihr

Schmerz empfinden sprechen

und wir die Medikamente

passgenau justieren.

Außerdem fragen Sie die Patienten,

wie zufrieden sie mit

der Betreuung in der Narkose

waren. Was bekommen Sie

da zu hören?

Bei diesen Befragungen haben

wir viele Erkenntnisse gesammelt.

Zum Beispiel, dass wir

unser Wärmemanagement

ausbauen und verbessern

sollten – was wir dann getan

haben. Patienten werden

nun rund um die Operation

gewärmt, was stark zur Zufriedenheit

beiträgt.

Was bringt Ihnen der

Schmerzkonsildienst aus

pflegerischer Sicht?

Durch die tägliche Visite

bekommt man ein Feedback.

Die Zusammenarbeit mit den

Patienten ist viel enger und

auch die mit den Stationen.

12 13


wissen | Delirprävention

Projekt

Pankreaskarzinome sprechen auf

alle derzeitigen Therapien kaum an.

Wie man das ändern könnte,

erforscht Prof. Dr. Jens Siveke.

Mein Thema

Gegen den Krebs

In der Delirprävention und -behandlung gehen

die Teams der Herzintensiv-Stationen I und II am

Universitätsklinikum neue Wege.

Nach dem Aufwachen von einer Herzoperation kann

es zu einem sogenannten Delir kommen: „Eine Bewusstseinsstörung,

die die Patienten sowohl geistig

als auch körperlich beeinträchtigt und entweder unmittelbar

nach einer Operation oder erst Tage danach eintritt“,

erklärt Ines Thies, Praxisanleiterin der Herzintensiv-Station I

(HZI I) im Universitätsklinikum Essen. Sie gehört zu den

Initiatoren des „Projekt D“, das auf den Herzintensiv-Stationen

die Prävention, Diagnose und Behandlung von Deliren

verbessern soll.

Das Projekt bestätigt eine Entwicklung zur umfassenden

Delirbehandlung, die auch an vielen anderen Kliniken

in Deutschland stattfindet. Ärzte und Pflegefachpersonen

haben diese Thematik für das Universitätsklinikum vor

eineinhalb Jahren aufgenommen und seitdem stetig weiterentwickelt.

Inzwischen umfasst das Team, das möglichst

alle Delirfälle frühzeitig erkennt und dokumentiert,

rund 90 Kolleginnen und Kollegen. „Wir können diese Arbeit

auch nur als großes interdisziplinäres Team leisten:

Angefangen mit der Projektkoordination durch unsere

Pflegewissenschaftlerin Jennifer Brendt über die engagierten

Pflegefachpersonen bis hin zur passenden Medikamenteneinstellung

durch unseren Oberarzt Tim Knüffermann“,

sagt Thies.

Um ein Delir diagnostizieren zu können, lassen sich unter

Hinzunahme von drei verschiedenen Bewertungsskalen

der Zustand und die Orientierung des Patienten ermitteln.

Ob oder welches Medikament verabreicht wird, ergibt sich

individuell aus der Diagnose des Delirs, erklärt Thies. So

erhalten Patienten, deren Tag-Nacht-Rhythmus gestört ist,

beispielsweise Melatonin, um diesen wieder einzupendeln.

Gezielte Prävention

Oberstes Ziel der HZI I und II ist es, präventiv zu arbeiten.

Zum Beispiel konzentrieren sich die Pflegefachpersonen

zusammen mit den Physiotherapeuten gleich nach einer

OP darauf, Patienten früh zu mobilisieren. Das bedeutet:

langsames, begleitetes Aufstehen oder das Sitzen auf der

Bettkante. „Uns liegt besonders am Herzen, dass wir schon

vor dem Operationstermin die Patienten über ein mögliches

Delir aufklären können, denn dieses Thema betrifft

alle Altersgruppen. Gezielte Prävention und Information

senken das Risiko und verhindern mögliche Spätfolgen“,

so Thies. Dazu werden Broschüren für Patienten und Angehörige

erstellt, die das Thema Delir verständlich vermitteln.

Dass „Projekt D“ soll herausfinden, wie erfolgreich die

Maßnahmen bei Delirpatienten sind. Die ersten Ergebnisse

werden im Laufe des ersten Halbjahres erwartet.

FOTO: MARTIN KAISER/MEDIENZENTRUM (R.)

Der Gegner, mit dem es Jens Siveke täglich

aufnimmt, ist für viele Menschen zu stark.

Nur zehn Prozent der Patienten, die einen

Bauchspeicheldrüsenkrebs entwickeln, leben fünf

Jahre nach der Diagnose noch. „Ein Markenzeichen

ist, dass dieser Tumor erschreckend flexibel auf alle

unsere verschiedenen Therapiestrategien reagiert“,

sagt der Professor für Translationale Onkologie am

Westdeutschen Tumorzentrum Essen (WTZ) und

am Partnerstandort des Deutschen Konsortiums für

Translationale Krebsforschung.

Was macht diese Krebszellen so therapieresistent?

Und wie könnte man sie überlisten? Zumindest

auf die erste Frage hat der mehrfach preisgekrönte

Krebsforscher, der vor drei Jahren vom Klinikum

rechts der Isar in München ans WTZ gewechselt ist,

eine Antwort: „Schuld daran ist ihre enorme Wandlungsfähigkeit.“

Und diese Plastizität rühre vermutlich

nicht nur – wie bei manch anderen Krebsarten –

von mutierten Genen her, sagt der 45-Jährige. „Wir

glauben, dass die Feinjustierung der Genaktivität

über veränderbare Modifikationen des Erbguts eine

wesentliche Rolle spielt.“

Fehler beim Ablesen

Die Regulation dieser Modifikationen regelt das Ablesen

des Erbguts. „Ablesefehler“ haben damit zu

tun, dass die DNA – wie eine Zipdatei im Computer –

erst „entpackt“ werden muss, bevor eine Erbinformation

abgerufen werden kann. Dieses „Paket“ ist

so eng geschnürt, dass ein Ablesen erst möglich

wird, wenn bestimmte Proteine das DNA-Knäuel

an der richtigen Stelle lockern. Arbeiten die Helfer

fehlerhaft, legen sie die falschen Gene frei oder regulieren

sie in fälschlicher Weise. Und setzen damit

schlimmstenfalls Abläufe in Gang, die zur aggressiven

Erkrankung und Therapieresistenz führen – wie

beim Pankreaskarzinom. An dieser sogenannten

epigenetischen Regulation setzen Siveke und seine

PROF. DR. JENS SIVEKE ist Leiter

der Translationalen Onkologie am

WTZ Essen.

Essener Mitarbeiter an. Ihre Therapieideen untersuchen

sie zunehmend an menschlichen Tumorzellen,

die direkt bei der Resektion oder Biopsie von Tumoren

isoliert und als sogennante Organoide vervielfältigt

werden. Vorstellbar sei, dass zahlreiche

Wirkstoffe in Zukunft „live“ und individuell an patienteneigenen

Zellen getestet werden, sagt Siveke.

Schon heute nutzen die Forscher Bildgebungsdaten

aus CT oder MRT, um möglichst früh Patienten

mit hochresistenten Tumoren zu identifizieren,

die nicht von einer Therapie profitieren. „Hier besteht

ein enormes Entwicklungspotenzial über innovative

Bildgebungsmodalitäten und neue Analysemethoden.“

Auch wenn jeder Tumor anders ist: Die Hoffnung,

einen „Schlüssel“ gegen den Krebs zu finden,

der bei einer möglichst großen Patientengruppe

passt, hat Jens Siveke nicht aufgegeben. „Ich bin davon

überzeugt, dass wir auch für die Bauchspeicheldrüse

effektivere Therapien und auch Immuntherapien

finden werden, die zum Beispiel zusammen

mit einer epigenetischen Therapie wirksam sind.“

Eine klinische Studie, die diese beiden Angriffsarten

erstmals im Pankreaskarzinom kombiniert, soll

noch dieses Jahr starten.

14

15


machen | Meldungen

„UNBEKANNTES SICHTBAR MACHEN“

Monja Gerigk leitet das Institut für PatientenErleben.

Seit 2018 erarbeitet sie gemeinsam

mit einer Lenkungsgruppe, wie sich Patienten

und Mitarbeiter an der Universitätsmedizin

Essen wohler fühlen können.

Frau Gerigk, was macht die Lenkungsgruppe

PatientenErleben?

Die Lenkungsgruppe setzt sich hierarchie- und standortübergreifend

aus rund 50 Mitarbeitenden zusammen

und beschäftigt sich hauptsächlich mit zwei Fragen: Was

macht die Universitätsmedizin Essen zu einem guten

Arbeitgeber? Und wie können Mitarbeiter und Patienten

exzellent empathisch miteinander kommunizieren?

Nehmen wir mal die erste Frage. Was macht die

Universitätsmedizin Essen da konkret?

Sie bietet viele Angebote, die den Beschäftigten zum

Teil gar nicht bekannt sind – von verschiedenen Coaching-

und Supervisionsmöglichkeiten bis zu unseren

Spiele-Containern für Mitarbeiterkinder. Die Lenkungsgruppe

sammelt gerade alle Angebote, die dann auf der

Homepage der Universitätsmedizin Essen aufgeführt

werden. Dies ist auch für potenziell neue Beschäftigte

sehr interessant.

Und bei der empathischen Kommunikation?

Dieses Schwerpunktthema ist den Patienten und den

Selbsthilfegruppen besonders wichtig. Die Lenkungsgruppe

überlegt zum Beispiel, wie man exzellente

empathische Kommunikation auch wissenschaftlich

abbilden kann.

Mehr zur Arbeit des Instituts für PatientenErleben

unter www.patientenerleben.de

Entwurf

Lesestoff

Die Skizze der Klinikkapelle

zeigt das charakteristische

Faltdach.

Seit Gründung der Essener Tumorklinik im Jahr 1967

blickt die Onkologie in der Universitätsmedizin Essen

auf eine bewegte Geschichte zurück. Der seitdem rasante

Fortschritt hat auch das Westdeutsche Tumorzentrum

(WTZ) geprägt, das zehn Jahre später aus der Essener Tumorklinik

entstand und gerade sein 40-jähriges Bestehen

gefeiert hat. Über dieses besondere Ereignis und andere

Meilensteine, wie z. B. die Entstehung des Sarkomzentrums

und die Gründung des neuen Cancer Center

Cologne Essen (CCCE) gemeinsam mit dem Centrum

für Integrierte Onkologie Köln Bonn, berichtet der erste

Jahresbericht des WTZ. Die Publikation wird im April auf

der WTZ-Homepage und als Print-Bericht veröffentlicht

und richtet sich unter anderem an Zuweiser, Förderer,

Kooperationspartner und Forschungseinrichtungen.

FOTOS: MARTIN KAISER/MEDIENZENTRUM (L.), MEDIENZENTRUM (O.), PRIVAT (R.)

50 JAHRE KLINIKKAPELLE „Von der Südseite sieht

sie durch das Faltdach wie eine Fabrikhalle aus.

Von der Nordseite hat man eher den Eindruck eines

Bungalows“, so beschrieb ein Journalist der NRZ

am 1. Februar 1969 die Campus-Kapelle anlässlich

ihrer Eröffnung. Auch bei der Feier zum 50-jährigen

Jubiläum im Februar dieses Jahres gab es wieder viel

Trubel. Schön, dass nun wieder Ruhe eingekehrt ist.

Denn dafür ist die Kapelle schließlich da: als Rückzugsort

für Beschäftige, Patienten und Angehörige in

Grenzsituationen.

8,7 MILLIONEN EURO

– mit dieser Summe fördert das Land NRW

den Bau eines neuen Zentrums für seltene

Lungenerkrankungen an der Ruhrlandklinik.

Nach der feierlichen Übergabe des Förderbescheids

durch NRW-Gesundheitsminister

Karl-Josef Laumann müssen vor Baubeginn

nun erst mal zahlreiche Genehmigungen

eingeholt werden. „So etwas kann schon mal

zehn bis zwölf Monate dauern“, sagt Olaf Kayser,

Technischer Leiter an der Ruhrlandklinik.

Schlüsselmoment

MEINE ERSTE

WUNDE

Es gibt Augenblicke, die alles

verändern. Ein Schlüsselmoment

für Gesundheits- und Krankenpfleger

Feries Bedoui: der erste

Dekubitus.

Eine Wunde am Gesäß, die den Blick

auf das Sitzbein freigab – so erinnert

sich Feries Bedoui an den ersten Dekubitus,

den er während seiner Ausbildung

behandeln durfte. „Ich war gleichzeitig

schockiert und fasziniert – seitdem hat

mich mein Interesse für Wunden und

deren Heilung nicht mehr losgelassen“,

sagt der 26-jährige Gesundheits- und

Krankenpfleger am Universitätsklinikum

Essen. „Die Möglichkeiten, Patienten mit

chronischen Wunden Linderung zu verschaffen,

sind enorm, und es freut mich

sehr, wenn sich eine Wunde im Verlauf

der Behandlung zunehmend verbessert.“

Bedoui ließ sich vor zwei Jahren zum

Wundexperten weiterbilden. Seitdem

ist er auf der Station AC5 als Experte für

chronische Wunden und Wundprophylaxe

im Einsatz.

16 17


machen | Integration

Neues Land, alter Job

Bereits in seiner Heimat Afghanistan arbeitete

Zabiullah Sultani als Gesundheits- und Krankenpfleger –

mittlerweile ist sein Einsatzort die Station für

Endokrinologie an der Universitätsmedizin Essen.

Der Jahreswechsel war für Zabiullah Sultani

gleichzeitig ein Neuanfang. Zwei Jahre

lang hat er die Schulbank gedrückt,

Deutsch gepaukt und in einem Intensivkurs pflegerisches

Fachwissen nachgeholt. Mit dem klaren Ziel,

endlich wieder als Gesundheits- und Krankenpfleger

zu arbeiten. Sultani kam 2012 aus Afghanistan

nach Deutschland und ist einer von fünf Geflüchteten,

die mit Unterstützung durch die Universitätsmedizin

Essen den Pflegeberuf lernen und sich so

eine berufliche Zukunft sichern.

„Zabiullah Sultani ist in der Gruppe allerdings

eine Ausnahme – er brachte bereits Berufserfahrung

mit, musste seine Ausbildung anerkennen lassen

und einen Anpassungslehrgang machen“, erklärt

Dr. Ingo Neupert, der das Integrationsprojekt an der

Universitätsmedizin Essen mit ins Leben gerufen

hat. Gemeinsam mit dem Jobcenter Essen und der

Neuen Arbeit der Diakonie Essen wurde ein Konzept

zur langfristigen Ausbildung und Beschäftigung geflüchteter

Menschen entwickelt. Die Idee: In einem

18-monatigen Qualifizierungsprogramm wurden die

Teilnehmer mit Sprachunterricht, wöchentlichen

Praxishospitationen auf den Stationen sowie pflegetheoretischem

Unterricht für die Aufnahme einer

Ausbildung zum Gesundheits- und Krankenpfleger

vorbereitet. Im April 2018 haben die ersten vier Teilnehmer

ihre dreijährige Ausbildung an der hiesigen

Schule für Pflegeberufe begonnen.

„Auch wenn ich schon in Afghanistan etwas

Deutsch gelernt habe, war die Sprache die größte

Hürde“, sagt Sultani. Fachlich arbeitete er sich

schnell ein und bestand die Abschlussprüfung ohne

Probleme – mit einem Übernahmeangebot der Universitätsmedizin

in Aussicht. Sultani: „Ich habe mich

für eine Stelle in der Endokrinologie entschieden,

ZABIULLAH SULTANI kam 2012 aus Afghanistan

nach Deutschland. Er möchte sich langfristig im

Bereich Diabetes weiterbilden.

weil mich die Innere Medizin sehr interessiert.“ Seit

Jahresbeginn ist er dort im Schichtdienst eingesetzt

und fühlt sich von den Kolleginnen und Kollegen

bestens aufgenommen und unterstützt. „Die

Arbeit ist hier viel computerbasierter als in Afghanistan.

Aber wenn ich Fragen habe, hilft mir sofort

jemand weiter.“ Und auch mit den Patientinnen und

FOTOS: JAN LADWIG (L.), BOZICA BABIC (R. O.), UNIDUE/AG MASUC (R. U.)

DR. INGO NEUPERT leitet den Sozialdienst am Universitätsklinikum

Essen und initiierte das Integrationsprojekt.

Patienten klappt es reibungslos. Ist die geschlechterübergreifende

Belegung der Station für ihn nicht

ungewohnt? „Nein“, versichert Sultani, „wer krank

ist, braucht Hilfe – egal, ob Mann oder Frau.“

Auch Neupert ist mit dem Verlauf des Projekts

zufrieden, das gerade mit 13 neuen Teilnehmern in

die zweite Runde geht: „Wir haben das Programm

konzeptionell angepasst und die Projektdauer auf

sechs Monate angelegt. Ziel bleibt es, Menschen mit

Migrationshintergrund durch gezielte Förderung für

eine Ausbildung in der Pflege an der Universitätsmedizin

Essen zu qualifizieren.“

Sultani will auf jeden Fall auch dranbleiben.

„Langfristig will ich im Bereich Diabetes mein Fachwissen

ausbauen – darauf freue ich mich“, sagt der

32-jährige Familienvater.

„Die Arbeit ist hier

viel computerbasierter

als in

Afghanistan.“

ZABIULLAH SULTANI

UNSER SMARTES HOSPITAL

#1: DER PINGU NAUTEN-TRAIN ER

Schmerzlos, ungefährlich – und doch irgendwie

angsteinflößend: So empfinden viele Patienten

eine Untersuchung im Magnetresonanztomografen

(MRT). Gerade Kindern fällt es in der engen, lauten

Röhre schwer, ruhig zu bleiben. Viele von ihnen müssen

sogar sediert werden. „Aber eine Narkose ist immer

ein Risiko“, sagt Kinderonkologe Dr. Oliver Basu.

Gemeinsam mit Prof. Dr. Maic Masuch vom Fachgebiet

Entertainment Computing, einem interdisziplinären

Expertenteam der Universität Duisburg-Essen

und der Agentur Lavalabs, hat er eine App entwickelt,

die Kindern ihre Angst nehmen soll.

Der sogenannte Pingunauten-Trainer bereitet Patienten

mit einer Virtual-Reality-Brille bereits frühzeitig

auf die Untersuchung vor. Während die Kinder zu

Hause auf dem Sofa liegen, besuchen sie mithilfe der

Brille ein virtuelles Krankenhaus. Dort zeigen ihnen

Lars und Lotta, zwei Pinguine in Raumanzügen, alle

Schritte der Untersuchung. Spielerisch lernen die Kinder,

wie sie sich in der Röhre selbst beruhigen können.

Außerdem üben sie, immer länger still liegen zu bleiben

– und brauchen dann während der echten Untersuchung,

so hoffen die Entwickler, keine Narkose.

Nachdem die Forscher erste positive Erfahrungen mit

Prototypen gemacht haben, läuft aktuell eine umfangreiche

Studie. Ist sie erfolgreich, könnte die App

bald auch an anderen Kliniken eingesetzt werden.

18

19


TeamportrÄt

Ohne sie fließt kein Blut

Im Universitätsklinikum sorgt das Team der

Transfusionsmedizin dafür, dass der menschliche

Lebenssaft immer zur Verfügung steht.

In zehn Minuten ein Leben retten. So lange

dauert eine Vollblutspende. Der Spender heute

Morgen, ein Mann Mitte 20, verlässt nach

etwas über einer Stunde den Raum, er hat Thrombozyten

gespendet. Thrombozytenspende oder

Blutplättchenspenden sind in erster Linie für Leukämieerkrankte

gedacht. Ursula Urschel, Medizinische

Fachangestellte (MFA) in der Transfusionsme-

DR. CHRISTIAN TEMME untersucht Blutspender.

dizin des Universitätsklinikums, schaltet das Gerät

zur Zellseparation aus. Dann hält sie einen kleinen

Beutel mit einer bernsteinfarbenen Flüssigkeit in

den Händen: „Das ist jetzt ein besonders kostbares

Gut. Unsere Blutkrebs patienten benötigen diese

Spender-Thrombozyten, weil ihre eigene Blutgerinnung

nicht mehr funktioniert.“ Ein paar Mal

betrachtet Urschel noch den Beutel, ob sich keine

Aggregate gebildet haben. Anschließend wird nach

der Freigabe die Spende bei 22 Grad Celsius unter

automatischem Schütteln in einem Klimaschrank

für maximal vier Tage verwahrt – das ist der Verfallszeitpunkt

der Thrombozyten.

Jährlich 8.000 Konserven

70 Beschäftigte arbeiten in der Transfusionsmedizin.

Fachärzte für Transfusionsmedizin, sogenannte

Zulassungsärzte – die in der Spenderzulassung arbeiten

–, MFA, Medizinisch-technische Assistenten

im Labor (MTLA) und Bürokräfte gewährleisten,

dass die reibungslose Rund-um-die-Uhr-Versorgung

steht. Immer mit dem Anspruch, dass die hohen

Ein Teil des Teams der Transfusionsmedizin. Von links nach

rechts: Karin Oppermann, Annette Ryta, Cornelia Reh,

Dr. Christian Temme, Pauline Lusoc und Diana Skarda.

FOTOS: JAN LADWIG

Qualitätsstandards eingehalten werden. „Wir organisieren

als interner Full-Service-Dienstleister alles

von der Blutentnahme bei den Spendern über die

Laboranalysen und die Verarbeitung bis hin zur Ausgabe

der Blutkonserven“, erklärt Dr. Christian Temme,

Arzt in der Transfusionsmedizin. Obwohl jährlich

rund 8.000 Spenden durch eigene Spender zur

Verfügung stehen, kann der Bedarf von ca. 32.000

Erythrozytenkonzentraten nur durch den Zukauf

gedeckt werden. Denn nicht nur die Entnahmezahlen,

auch der Bedarf an Spenden schwankt: „Über

die Hälfte der Produkte geht an Patienten mit Leukämien

und Krebs. Auch nach Verkehrsunfällen und

bei großen Operationen wird viel Blut benötigt.“

Das Prozedere bei der Blutentnahme ist immer

gleich: Jeder potenzielle Spender füllt einen Fragebogen

zum eigenen Gesundheitszustand aus. Der

Arzt in der Zulassung untersucht den Spender und

erteilt die entsprechende Spendeerlaubnis. Bei der

Vollblutspende werden 500 Milliliter Blut gespendet

– Männer können alle zehn Wochen, Frauen alle

Im Laborbereich für Patientenversorgung bereitet

DORIT KUHN eine Blutanalyse vor.

machen | Transfusionsmedizin

Die vom Blut getrennten Thrombozyten werden in

einem Beutel gesammelt.

drei Monate spenden. Anschließend bestimmt eine

MTLA im Labor die Blutgruppe. Sie überprüft außerdem,

ob HIV, Hepatitis B, C und E oder Syphilis vorliegen.

Fallen alle Analysen negativ aus, lagern die

Behälter nach Blutgruppen geordnet in den Kühleinrichtungen,

bis sie gebraucht werden.

Das Bestimmen der sogenannten Kreuzproben

gehört ebenfalls zu den Aufgaben der Transfusionsmedizin.

„Damit testen wir, welche Erythrozyten für

einen unserer Leukämiepatienten am besten verträglich

sind“, erklärt Dorit Kuhn, MTLA. Viel Wert

legt der Institutsdirektor Prof. Dr. Peter Horn darauf,

dass die Beschäftigten sich regelmäßig fort- und weiterbilden.

Am Schwarzen Brett hängen die entsprechenden

Termine aus. Insgesamt prägen langjährige

„Das Spannende ist die Mischung –

wir arbeiten jeden Tag woanders.“

Erfahrung und Zugehörigkeit das Bild. „Trotzdem“,

sagt Temme: „freuen wir uns immer über frisches

Blut.“ Auch Neulingen steht der Bereich offen. „Ich

habe früher in einer Kinderwunschpraxis gearbeitet

und mich vor sechs Jahren hier beworben“, berichtet

Cornelia Reh, MFA. „Bis heute bin ich froh, dass

ich in so einem tollen Team arbeiten darf.“ Ihre Kollegin

Karin Oppermann stimmt dem zu. Ihr zehnjähriges

Jubiläum im Institut steht kurz bevor. „Das

Spannende ist die Mischung der Aufgaben“, sagt die

57-Jährige. „Dank eines Rotationsverfahrens arbeiten

wir fast täglich woanders. Von der Entnahme

bis hin zur Blutkonservenausgabe.“ Außerdem wisse

sie, wie sehr die Abteilung Menschen helfe. „Das

motiviert ungemein.“

20

21


machen | Pflege

Mein Tag

„Ich bleibe Optimist“

Der onkologische Fachpfleger Marc Vennemann arbeitet

mit Kindern und Jugendlichen, die an Krebs erkrankt sind.

Wie geht er mit dem täglichen Kampf ums Überleben um?

Herr Vennemann, Sie betreuen in der Klinik

für Knochenmarktransplantation auf der Station

KMT III am Westdeutschen Tumorzentrum

Essen ausschließlich Kinder und Jugendliche.

Wie kommen Sie mit dieser Herausforderung

zurecht?

Die pflegerische Herausforderung unterscheidet sich

schon sehr von der auf anderen Stationen. Fast alle Patienten

haben schon viele Behandlungen hinter sich,

bevor sie zu uns auf die KMT III kommen. Für sie und

ihre Eltern sind wir meistens so etwas wie die letzte

Hoffnung. Dementsprechend hoch sind die Erwartungen.

Viele haben verschiedene Leukämien. Ein Teil

leidet an angeborenen genetischen Defekten. Sie sind

hier meistens sechs bis acht Wochen auf der Station

und dürfen wegen der Ansteckungsgefahr nicht mal

ihre Zimmer verlassen. Schwierig ist es, mit den ganz

kleinen Knirpsen zu arbeiten, denen man noch nicht

viel erklären kann. Und Pubertierende haben natürlich

oft ihren eigenen Dickkopf. Wichtig ist es aber immer,

diesen sterbenskranken jungen Menschen mit Respekt

und Würde zu begegnen. Dazu bedarf es viel Fingerspitzengefühls.

Kann man das lernen?

In erster Linie ist es die Erfahrung. Ich habe schon fast

20 Jahre mit onkologisch erkrankten Patienten zu tun.

Zudem bin ich selbst Vater zweier Kinder. Das hilft

enorm. Aber auch eine große fachliche Expertise ist

sehr wichtig. Als ich 2015 eine zweijährige Weiterbildung

zum onkologischen Fachpfleger gemacht hatte,

war das auch für mich als alter Hase noch sehr interessant

zu erfahren, was sich alles getan hat in Sachen

Krankheitsbildern, neuen Medikamenten etc. Aber

MARC VENNEMANN ist onkologischer

Fachpfleger an der KMT.

grundsätzlich sind Empathie und Fingerspitzengefühl

Eigenschaften, die man weniger lernen kann, sondern

einfach mitbringen muss in dem Beruf.

Wie läuft Ihr Arbeitstag auf der Station ab?

Ich pflege jeden Tag im Frühdienst zwei Patienten im

Alter von ungefähr anderthalb bis 18 Jahren. Mein Credo

lautet: Jedes Kind bringe ich zum Lachen – wenigstens

einmal pro Tag. Wir Gesundheits- und Krankenpfleger

arbeiten eng und gut mit dem Ärzteteam um die

Leitende Oberärztin Dr. Rita Beier zusammen. Aber

auch mit Physiotherapeuten, Kunsttherapeuten, Sozialarbeitern

und Lehrern stehen wir regelmäßig in engem

Kontakt und arbeiten gemeinsam an der Therapie,

zu der ja nicht nur das Medizinische gehört. Die

Zusammenarbeit funktioniert hervorragend.

FOTOS: PRIVAT (L.), DAVE KITTEL/MEDIENZENTRUM (R.)

Onkologische Pflege im Fokus

Zum 1. Essener Onkologischen Pflegesymposium

trafen sich am Freitag, 22. Februar, 130 Pflegefachpersonen

aus ganz Deutschland im Universitätsklinikum

Essen. Im Hörsaal des Operativen Zentrums

II diskutierten sie zur Frage „Wie viel Fachpflege

und Kompetenz braucht der onkologisch erkrankte

Mensch?“ Namhafte Experten der onkologischen

Pflege referierten zu Themen aus der Pflegepraxis

und Pflegewissenschaft. „Das Onkologische Pflegesymposium

hat verdeutlicht, dass insbesondere

in der Onkologie Pflegefachpersonen im interdisziplinären

Team eine wichtige Schlüsselposition

einnehmen und dafür ein hohes fachliches Wissen

Voraussetzung ist“, sagt Pflegedirektorin Andrea

Schmidt-Rumposch.

Wie gehen Sie in schwierigen Situationen

mit den Kindern um?

Manchmal sind auch untypische Zugangswege gefragt.

Mit Spielen kann ich auch zu Patienten, die schon eine

lange Leidensgeschichte hinter sich haben, Zugang finden

und ihnen eine kleine Auszeit vom Therapiealltag

ermöglichen. Ich bin ein echter Spiele-Freak und probiere

alles aus. Neben Brettspielen habe ich alle gängigen

Spielekon solen zu Hause. Wenn die Kinder merken, dass

man auf dem Gebiet mitreden kann und man sich auch

mal die Zeit nimmt, mit ihnen eine Runde auf der Play

Station zu zocken, schafft das unheimlich viel Vertrauen.

Zu Ihrem Arbeitsalltag gehört häufig auch

das Sterben …

Das stimmt. Trotz guter Erfolge schlägt die Therapie

nicht bei jedem Kind an. Bei älteren Erwachsenen fällt

es leichter als bei Kindern, die schwere Krankheit und

das Sterben zu akzeptieren. Es tut weh, sie gehen lassen

zu müssen und zu sehen, wie die Eltern trauern, obwohl

wir alles Menschenmögliche unternommen haben. Damit

muss man in dem Beruf aber generell zurechtkommen.

Wir sprechen im Team offen darüber und pflegen

einen engen Austausch untereinander. Das hilft enorm,

das emotional zu verarbeiten. Und ich bleibe trotzdem

Optimist, denn viele verlassen unsere Klinik auch geheilt

und gehen wieder nach Hause. Eine eiserne Regel habe

ich mir allerdings als Selbstschutz auferlegt: nicht zu viel

Nähe zuzulassen. So gehe ich nie zu Beerdigungen von

Patienten. Diese Distanz muss ich mir wahren.

Womit starten Sie

Ihren Tag?

Mit einer lautstarken Auseinandersetzung

mit meinem

Wecker und einer Dusche.

Bahn, Auto oder Rad:

Wie kommen Sie zur

Arbeit?

Im Optimalfall zu Fuß aus

Essen-Frohnhausen, meistens

mit den Öffentlichen

und im schlimmsten Fall

mit dem Taxi.

Was gehört zu Ihren

Aufgaben?

Ich bin am Campus für

Layout und Gestaltung

zuständig. Zudem kümmere

ich mich in der Druckerei

um die Druckvorstufe, also

um alle dem Druck vorgelagerten

Arbeiten. Seit eineinhalb

Jahren arbeite ich auch

am neuen Corporate Design

der Universitätsmedizin mit,

das 2019 fertig werden soll.

Warum lieben Sie Ihre

Arbeit?

Als Druckerei stehen wir

allen Mitarbeitern offen.

Den Kontakt mit den unterschiedlichen

Berufsgruppen

am Campus finde ich immer

sehr bereichernd.

Mittagspause. Wo essen

Sie – und was am liebsten?

Eigentlich bin ich Kantinengänger,

aber manchmal

darf es auch Gyros beim

Nikolaus Grill oder Sushi bei

der Asia Sushi Bar auf der

Holsterhauser Straße sein.

Was muss ein Arbeitstag

haben, damit es ein guter

Tag wird?

Das richtige Arbeitspensum!

Zu wenig Arbeit ist

langweilig, zu viel ist aber

auch schlecht. Ein richtig

guter Tag ist es, wenn wir

10 Fragen an

SVEN THOMALLA,

MEDIENGESTALTER IN DER

HAUSDRUCKEREI DES

UNIVERSITÄTSKLINIKUMS

ein aufwendiges Projekt

abschließen und positive

Rückmeldung von den Auftraggebern

bekommen.

Kaffee oder Tee?

Erst das eine, dann das andere.

Morgens trinke ich eine

Tasse Kaffee. Danach gibt es

Tee in allen Varianten.

Schalke oder Dortmund?

Ach, diese Grabenkämpfe

zwischen Vereinen gefallen

mir gar nicht. Entweder

man ist Fußballfan oder

eben nicht.

Ihre Strategie gegen

Stress?

Immer der Reihe nach.

Wenn es in der Druckerei

stressig wird, hilft es,

Prioritäten zu setzen und

diese auch klar zu kommunizieren.

Feierabend. Und jetzt?

Montags treffe ich mich

immer mit ein paar

Freunden zum Kochen und

Serien gucken. Gerade steht

„Westworld“ bei uns hoch

im Kurs. Jetzt im Frühling

gehe ich bei gutem Wetter

aber auch gerne raus ins

Grüne in den Grugapark

oder an den Baldeneysee.

Möchten Sie uns auch Ihren

Tag schildern? Schreiben Sie

an maz@uk-essen.de

22

23


leben | Meldungen

Zeitreise

799

Ein Blick in die Geschichte

der Universitätsmedizin Essen.

Diesmal: das Hospitium.

Thayalini Thanabalasingham

arbeitet in der Abteilung

Medizinische Planung und

strategische Unternehmensentwicklung.

Wenn sie nicht

gerade an der Etablierung

eines neuen Service- und

Informationscenters arbeitet,

kocht sie gerne fleischlose

Gerichte.

ZUM NACHKOCHEN:

Gemüseragout mit Reis

Zutaten (für 2 Portionen):

200 g Kartoffeln

150 g Möhren

150 g Rosenkohl

½ rote Paprika

½ gelbe Paprika

200 ml Gemüsefond

Salz und Pfeffer

20 g Butter oder Margarine

½ TL Mehl

1 EL Tomatenmark

¼ Bund Thymian

50 g Crème fraîche

1 EL süßsaure Chilisauce

oder Sambal Oelek

½ Bund Petersilie

Basmatireis

Zubereitung:

Basmatireis nach Packungsangabe kochen. Das Gemüse

schälen, waschen und klein schneiden.

Gemüsefond in einem Topf zum Kochen bringen und mit

Salz und Pfeffer würzen.

Kartoffeln und Rosenkohl dazugeben und zugedeckt

kochen. Nach ca. 5 Minuten Möhren und nach weiteren

10 Minuten Paprika dazugeben. Das gegarte Gemüse

abgießen und den Gemüsefond auffangen.

Butter oder Margarine in einem Topf zerlassen. Mehl und

Tomatenmark darin anschwitzen und nach und nach mit

dem aufgefangenen Gemüsefond ablöschen. Das Ganze

unter Rühren ca. 5 Minuten kochen lassen.

Crème fraîche unterrühren und mit Chilisauce oder

Sambal Oelek, Salz und Pfeffer würzen. Thymianblättchen

dazugeben.

Das Gemüse in die Sauce geben und kurz darin erwärmen.

Das Ganze mit der klein gehackten Petersilie bestreuen

und mit Basmatireis servieren.

FOTOS: FRANK LOTHAR LANGE (L. U.), DR. LUDGER STÜHLMEYER/T. E. RYEN, DAVE KITTEL/MEDIENZENTRUM (R. O.), EMRE KOCAKAVUK (R. U.); ILLUSTRATION: ADOBE STOCK

Der heilige Liudger wurde in Utrecht

geboren und gründete zu Lebzeiten

mehrere Klöster.

Wenn heute vom Smart Hospital die

Rede ist, dann steckt nicht nur Zukunft

in dem Begriff – sondern auch

Geschichte. Denn ein „Hospitium“,

aus dem sich das moderne „Hospital“

ableitet, gab es in Essen-Werden

schon im frühen Mittelalter. Als der

heilige Liudger hier 799 ein Benediktinerkloster

gründete, gehörte auch

ein Hospitium genanntes Gästehaus

dazu. Während im klostereigenen

„Domus infirmorum“ kranke Mitbrüder

betreut wurden, kümmerten sich

die Mönche im Hospitium um Pilger,

Kranke, Alte und Schwache. Rund

1.100 Jahre später gründete sich auf

dem Gelände der ehemaligen Abtei

Werden das heutige St. Josef Krankenhaus

Werden. Als Teil der Universitätsmedizin

Essen ist es heute wieder

ein Hospital – und zwar ein smartes.

Kein Platz für Klischees

Mädchen interessieren sich nicht für Technik und Jungs

können nicht mit Kindern – denkste! Beim 4. gemeinsamen

Girls‘ und Boys‘ Day der Medizinischen Fakultät der Universität

Duisburg-Essen und der Universitätsmedizin Essen schnuppern

Mädchen vor allem in den Bereich Medizintechnik,

während die angemeldeten Jungen unter anderem bei den

Erziehern im Betriebskindergarten vorbeischauen. Nach dem

Mittagessen absolvieren alle Kinder – darunter viele Töchter

und Söhne von Beschäftigten – gemeinsam das „Medizinstudium

kompakt“ im Skills Lab. Kein Wunder, dass die Plätze für

den 28. März bereits seit Wochen ausgebucht sind.

WAS MACHT EIGENTLICH ...

EMRE KOCAKAVUK PRIVAT?

Lernen, Forschen, Fußball spielen: Emre Kocakavuk bringt vieles unter

einen Hut. Der Student der Medizinischen Fakultät der Universität

Duisburg-Essen ist vor Kurzem mit einem Stipendium des Boehringer Ingelheim

Fonds für einen zehnmonatigen Forschungsaufenthalt an das renommierte

„The Jackson Laboratory for Genomic Medicine“ in Farmington,

Connecticut, USA, gegangen. Das Forschungsgebiet des 24-Jährigen

ist das Glioblastom, ein aggressiver Hirntumor, der häufig zu Rückfällen

führt. Auch in seiner Freizeit kann der „Gelsenkirchener Jung“ von der

Medizin nicht lassen. Er engagiert sich ehrenamtlich im Projekt „Aufklärung

Organspende“, das er vor

zwei Jahren am Standort Essen

etabliert hat. „Wir wollen vor

allem informieren und motivieren,

eine klare Entscheidung zu

treffen und einen Organspendeausweis

auszufüllen“, erklärt

Kocakavuk.

24 25


leben | Interview

Mordsspaß

Ein Polizistensohn wird zum

Mörder – zumindest auf dem

Papier: Andreas Edelhoff, Simulationskoordinator

im Lehr- und

Lernzentrum der Medizinischen

Fakultät, schreibt Krimis.

Herr Edelhoff, Ihr Vater war Polizist, Sie haben

Krankenpfleger gelernt und bringen nun – in Krimis

– Menschen um. Wie passt das zusammen?

Andreas Edelhoff: Ursprünglich wollte ich wie mein Vater

Hundeführer bei der Polizei werden. Als ich Abitur gemacht

habe, herrschte allerdings gerade Einstellungsstopp. Auf

der Suche nach einer Alternative bin ich auf den Beruf des

Krankenpflegers gestoßen. Auch wenn die Art der Hilfe

anders aussieht – ähnlich wie ein Polizist war ich bei dem

Job nah dran an den Menschen und habe von Dramen bis

zu schönen Momenten alles erlebt. Und was die Krimis betrifft:

Hier stelle ich nicht das Morden in den Vordergrund,

sondern die Aufklärung. Und da ist meine Quote besser als

jede Polizeirealität.

Gab es einen konkreten Auslöser für Ihren Start

als Krimiautor?

Edelhoff: Den gab es tatsächlich. Vor über zehn Jahren

wurde ich im Rettungsdienst zu einem Selbstmord gerufen.

Das war – bei aller Tragik des Falls – eine so denkwürdige

Geschichte, dass ich mir im Stillen dachte: Das wäre

ein Stoff für ein Buch. Diese Idee habe ich viele Jahre im

Hinterkopf gehabt, bis ich 2012 dann tatsächlich mit dem

Schreiben angefangen habe. Das Ergebnis ist „Halbgötterdämmerung“.

... und der reale Fall findet sich da wieder?

Edelhoff: Ja, die erste Leiche im Buch erinnert an den Selbstmord

von damals. Mehr verrate ich hier aber nicht.

Lesen Sie privat auch gerne Krimis?

Edelhoff: Sogar sehr gerne. Vor allem die Ostfriesenkrimis

von Klaus-Peter Wolf, meinem Mentor. Bei ihm habe ich

regelmäßig Schreibseminare besucht, und seine Figuren

haben in meinem Buch einen Gastauftritt.

Ist man als Mitarbeiter der Universitätsmedizin

Essen eigentlich zu mehr medizinischer Realität

in einem Krimi verpflichtet?

Edelhoff: Nicht nur das. Dass aus medizinischer Sicht alles

schlüssig ist, ist auf jeden Fall mein Anspruch. Außerdem

gibt es in meinem Freundeskreis zahlreiche Polizisten –

da habe ich mir Rat geholt, wie Ermittlungsarbeit in echt

aussieht. Nichtsdestotrotz erlaube ich mir an manchen

Stellen dichterische Freiheit. Schließlich schreibe ich keine

Sachbücher.

Wie viel Zeit verbringen Sie in der Woche mit

Schreiben? Sie haben ja noch einen anderen Job ...

Edelhoff: An zwei Tagen in der Woche ziehe ich mich für

ein paar Stunden ins Unperfekthaus zurück. Das ist eine

Art Kreativtreffpunkt in Essen. Das Schreiben ist eine

schöne Abwechslung zu meinem Vollzeitjob als Simulationskoordinator

im Lehr- und Lernzentrum der Medizinischen

Fakultät, den ich seit 2014 ausübe.

„Ein echter

Todesfall hat mich

zum Schreiben

gebracht.“

ANDREAS EDELHOFF

FOTO: DESIGNSTUDIO PERTOLLI/HERTEN

Wie sieht Ihr Arbeitsalltag dort aus?

Edelhoff: Da geht es um viel Planung, Koordination und

Organisation. Aktuell steht die Vorbereitung der alljährlichen

notfallmedizinischen Sommerakademie für Studierende

an. Welche Ressourcen werden benötigt, welche

Räume und welches Equipment? Dass alles auf den Punkt

zur Verfügung steht und läuft, ist eine meiner Aufgaben.

Außerdem wollen wir unsere Simulationsarena erweitern.

Bislang umfasst die ein 270-Grad-Kino, in dem Extremsituationen

wie der Notfalleinsatz an einer stark befahrenen

Straße simuliert werden können. Wir planen eine

Erweiterung um eine Arena, in der das Innere eines Rettungswagens

nachgebaut wird.

Klingt nach ausgefüllten Tagen – bleibt da noch

Zeit für andere Hobbys?

Edelhoff: Bei der Arbeit und beim Schreiben bin ich viel

drinnen und am Schreibtisch. Mein Ausgleich sind das

Taekwondo und die Spaziergänge mit meinem Hund.

Denn auch wenn es beruflich nicht mit dem Job als Hundeführer

geklappt hat: Privat möchte ich auf einen vierbeinigen

Freund nicht verzichten.

GEWINNSPIEL

U&ME verlost zwei Tickets für die Lesung „Dinner mit ...

Krimi“ mit Andreas Edelhoff am 12. April 2019 im

Lerncafé des Lehr- und Lernzentrums der Medizinischen

Fakultät. Wer gewinnen will, schreibt eine E-Mail an:

katharina.umbach@uk-essen.de. Viel Glück!

Einsendeschluss ist der 5. April 2019.

26

27


leben | Blick zurück

Endlich wieder

laufen

Klein, aber wichtig:

das Kniegelenk als Modell.

Wie denken ehemalige Patienten

über die Universitätsmedizin

Essen? Wir fragen nach. Folge 4:

Barbara Bieneks Knie brauchte

ein Ersatzteil.

Am Ende wurde es wirklich Zeit. Die Schmerzen

waren einfach zu groß geworden, als es

letztes Jahr auf Weihnachten zuging. „Ich

hatte es nur noch mit Mühe geschafft, in meine Wohnung

in den zweiten Stock zu gelangen. Vollbepackt

mit Einkäufen war es noch viel schlimmer, sich bis

zur Wohnungstür hoch zu kämpfen“, erzählt Barbara

Bienek von ihrer monatelangen Leidenszeit. Das

rechte Knie der 58-jährigen Verwaltungsbeamtin

der Stadt Essen wollte einfach nicht mehr mitspielen.

Es gab bei jeder Bewegung einen beängstigend

knackenden Laut von sich. Da konnte auch die idyllische

Wohnumgebung in Kettwig nicht mehr drüber

hinwegtrösten. „Was nützen mir die Ruhr-Auen

oder der Kettwiger See direkt in der Nähe, wenn ich

da nicht mehr hingehen kann?“, fragte sie sich.

Ein gutes halbes Jahr beißt sie die Zähne zusammen.

Schließlich geht sie zu ihrem Orthopäden.

Der eröffnet ihr, dass er ihr nicht helfen kann. „Ich

könnte jetzt jede Menge Geld mit sinnlosen Behandlungen

an Ihnen verdienen, aber die Röntgenaufnahmen

sprechen eine eindeutige Sprache: Sie

brauchen ein neues Kniegelenk!“

FOTOS: BOZICA BABIC

Tschüss, Gehhilfen!

BARBARA BIENEK

konnte schnell wieder auf

eigenen Beinen stehen.

Auf seine Empfehlung wird Bienek Anfang Januar

im St. Josef Krankenhaus Werden vorstellig. Bei der

Aufnahme durch Klinikdirektor Prof. Dr. Marcus Jäger

kommt ein längst verblasstes Ereignis wieder

zutage: ein Motorradunfall im Sommer 1983, bei

dem sich Bienek Unter- und Oberschenkel brach.

„Ich dachte mir gleich, dass es mit dieser alten

Geschichte etwas zu tun haben könnte“, erklärt der

Direktor der Klinik für Orthopädie und Unfallchirurgie.

In den Jahren nach dem Unfall hatte sich Bienek

eine X-Bein-Fehlstellung angewöhnt, die für ihr

Kniegelenk immer mehr zur Belastung wurde. Das

Bein schlackerte regelrecht beim Gehen, sodass ein

künstliches Kniegelenk notwendig geworden war.

Der Facharzt diagnostiziert eine posttraumatische

Arthrose.

Das Ende der Leidenszeit

90 Minuten dauert ein Fußballspiel oder eine Tatort-Folge.

Ebenso viel Zeit benötigte Jäger, um Barbara

Bienek ein künstliches Kniegelenk einzusetzen.

Der Eingriff verlief ohne Komplikationen. „Bei Frau

Bienek haben wir uns für den Oberflächenersatz

„Ich freue mich so

darauf, bald wieder

Sport zu machen.“

BARBARA BIENEK

entschieden. Das ist die am wenigsten aufwendige

Variante bei der Knie-Endoprothetik“, erläutert der

Orthopäde. Schon am zweiten Tag nach der Operation

wird sie mobilisiert und unternimmt erste

Schritte über den Flur der orthopädischen Station

3B. Nur wenige Tage später wird sie entlassen und

beginnt mit ihren Rehamaßnahmen. Schnell macht

die Beamtin, die beruflich Anträge auf Schwerbehindertenausweise

bearbeitet, große Fortschritte, die

Leidenszeit geht ihrem Ende entgegen. „Ich freue

mich so darauf, bald wieder Sport zu machen, auf

die Bewegung – Joggen im Frühling an der Ruhr,

Nordic Walking, Zumba, Pilates, das alles steht mir

jetzt wieder offen. Und das Wichtigste: einfach wieder

die Treppen zu meiner Wohnungstür hochzukommen.“

28 29


AUS DEN SOZIALEN MEDIEN

KRITIK?

DECKEL GEGEN POLIO

leben | Service

René-Alexander Möller aus dem Finanzdezernat des Universitätsklinikums

hatte eine gute Idee: Er sammelt Kunststoffdeckel für den guten

Zweck. Da mehr Sammler mehr bewirken, möchte er seine Kolleginnen

und Kollegen zum Mitsammeln animieren. Möller unterstützt

mit der Aktion den Verein Deckel drauf e. V., der

Getränkedeckel aus hochwertigen Kunststoffen

sammelt, an Recyclingunternehmen verkauft und

mit den Erlösen gemeinnützige Projekte unterstützt.

Aktuell das Programm „End Polio now“, das

sich dafür einsetzt, die Kinderlähmung weltweit

auszurotten. Mehr Infos unter www.deckel- gegenpolio.de

und bei rene.moeller@uk-essen.de

IDEEN?

ANREGUNGEN?

„Es sind Geschichten wie diese, die uns

täglich in unserer Arbeit bestärken“, sagt

Prof. Dr. Beate Timmermann, Ärztliche

Leiterin des Westdeutschen Protonenzentrums

(WPZ), über die erfolgreiche

Krebsbehandlung des kleinen Charlie.

In einem Filmbeitrag kann man die Geschichte

des Jungen aus Liverpool, der

im Sommer zur Protonentherapie nach

Essen kam, noch einmal nacherleben:

Die BBC hat ihn für die Serie „Hospital“

auf seiner Reise begleitet. Diese und andere

Links findet man auf den sozialen

Medien der Universitätsmedizin.

www.facebook.de/ukessen

Für die

tägliche Versorgung der

Patienten einerseits und die Entwicklung

hin zum Smart Hospital andererseits

braucht es das Engagement und Wissen aller

Beschäftigten. Haben Sie Ideen oder Anregungen,

wie die Universitätsmedizin Essen besser werden

kann? Dann schreiben Sie an:

Fragen@Vorstand-im-Dialog.de

10 % Rabatt

Haarschnitt?

Beschäftigte des Universitätsklinikums

bekommen bei Minopoli Hair & Makeup

Artists 10 Prozent Rabatt.

12 % Rabatt

Neues Auto?

Beim Autohaus Kläsener in Gelsenkirchen

bekommen Mitarbeitende der

Universitätsmedizin 12 Prozent Rabatt

auf Skoda-Neuwagen (zuzüglich der

vom Hersteller gewährten Prämien).

www.autohaus-klaesener.de

Über 10 % Rabatt

Ruhrbahn-Tickets

Beschäftigte der Universitätsmedizin Essen

bekommen bei der Ruhrbahn Firmentickets

mit einer Vergünstigung von über

zehn Prozent. Im Rahmen der Modellstadt

Essen gibt es aktuell zusätzlich noch

Prämientickets mit einer monatlichen

Ermäßigung von 30 Euro – solange der

Vorrat reicht. Das Firmenticket können Sie

über Ihre Personalabteilung beantragen.

www.ruhrbahn.de

FOTOS: JANNA CORNELISSEN

Termin-ticker

Ausgewählte Veranstaltungen

der Bildungsakademie

Bildungsakademie

Fort- und

Weiterbildungsprogramm 2018

Patientensicherheit und klinisches

Risikomanagement

Die Patientensicherheit stets im

Blick zu haben, ist essenziell im

Krankenhaus; dies gilt insbesondere

in einer hochtechnisierten und

komplexen medizinischen und

pflegerischen Versorgung. Kennt

man die Risiken, die Fehler auslösen,

lassen sich Fehler vermeiden.

Termin: 11. April 2019, 9 bis 13 Uhr

Moderation von Workshops

und Meetings

In diesem Training erwerben Sie

Grundlagen zur Ausübung von Moderationsmethoden

und erarbeiten

sich weitere Kompetenzen, um

Workshops erfolgreich zu leiten

und die Ergebnisse festzuhalten.

Termin: 08. Mai 2019, 9 bis 16 Uhr

Gespräche mit Patienten

und Angehörigen in Krisensituationen

Wie keine andere Berufsgruppe haben

Ärztinnen, Ärzte und Pflegende

mit Menschen zu tun, die sich in

existenziellen Lebenssituationen

befinden. Klientenzentrierte Gesprächsführung

ist eine bewährte

Einstellung und Hilfe für schwierige

Lebenssituationen.

Termin: 13. Mai 2019, 9 bis 16 Uhr

Infos zur Anmeldung sowie das

Gesamtprogramm gibt es unter

www.uk-essen.de/bildungsakademie

Gewinnspiel

Die Lösungen finden Sie in den Geschichten

in diesem Heft.

Wie lautet der Fachbegriff für die Wandlungsfähigkeit

eines Tumors?

1 8

Wie hieß in einer mittelalterlichen Abtei das Gästehaus

eines Klosters?

Wissen Sie die Lösung?

Dann schicken Sie eine E-Mail mit dem

Lösungswort an maz@uk-essen.de.

Unter allen richtigen Einsendungen

verlosen wir Karten für das „Best of Poetry

Slam“ im Ruhrfestspielhaus Recklinghausen.

Einsendeschluss ist der 19.

April 2019. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen.

Beim letzten Mal lautete die

Lösung „Rettungsdienst“. Gewinnerin

war Janine Kluwe (siehe Seite 4).

6

Welche Diagnose war die Ursache für die Knie-OP von

Barbara Bienek?

7

2

Wie heißen die Tiere in Raumanzügen, die Kindern eine Untersuchung

im Magnetresonanztomografen erleichtern sollen?

In welchem Teil der Universitätsmedizin Essen gibt es ein

270-Grad-Kino?

LÖSUNG:

3 4

1 2 3 4 5 6 7 8 9

5

9

POETRY SLAM

Die Ruhrfestspiele sind das älteste und eines

der größten Theaterfestivals Europas. Neben

internationalen Theater- und Tanzproduktionen

gibt es auch einen „Best of Poetry Slam“-

Abend. Für die Veranstaltung am 28. Mai um

20 Uhr im Ruhrfestspielhaus Recklinghausen

verlosen wir 2 x 2 Karten.

www.ruhrfestspiele.de

30

31


Mein ort

PHILHARMONIE ESSEN

Beschäftigte der Universitätsmedizin verraten, wo sie sich

wohlfühlen. Diesmal: Dr. Stefanie Werther, 45, Oberärztin an der

Klinik für Pneumologie der Ruhrlandklinik.

FOTO: JAN LADWIG

Im Konzert

„Klassische Musik hilft mir extrem gut, vom Alltag abzuschalten.

Sie gibt mir positive Energie nach einem langen und anstrengenden

Arbeitstag. Ich finde, dass hier in der Philharmonie die Akustik

besonders herausragend ist. Für mich ein außergewöhnlicher Ort

der musischen Inspiration. Ich spiele seit über 20 Jahren im Universitätsorchester

Duisburg-Essen bei den Violinen. Im großen

Konzertsaal treten wir jährlich im Rahmen der Festkonzertreihe der

Universität auf. Für mich jedes Jahr aufs Neue eine großartige Erfahrung

und ein tolles Erlebnis. Beim Gang auf die Bühne bin ich ein

wenig nervös. Während des Konzertes spiele ich hoch konzentriert.

Anschließend bin ich erfüllt von der wunderbaren Musik.“

UK Essen

Stadtkern

PHIL-

HARMONIE

ESSEN

Philharmonie Essen

Huyssenallee 53

45128 Essen

Weitere Magazine dieses Users
Ähnliche Magazine