Berliner Zeitung 08.04.2019

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2 I LEBEN MIT HANDICAP MONTAG, 8.APRIL 2019 I VERLAGSBEILAGE

Brandenburg und seine traumhafte Natur entdeckt man am besten vom reichlich vorhandenen Wasser aus. Zum Beispiel auf einem barrierefreien Hausboot.

Mal was Neues erleben –ohne böse Überraschung

Barrierefreies Reisen ist längst mehr als rollstuhlgerechte Hotelzimmer. Brandenburg lockt mit Natur und Kultur „für alle“

Der Frühling ist da, und mit

ihm die Lust auf neue Erlebnisse.

Gleich ob Tagesausflug,

Wochenendtrip oder ein

richtiger Jahresurlaub –unternehmungslustige

Leute zieht es jetzt

in die Welt hinaus.

Mit einem Schlittenhundegespann

durch Brandenburgs Natur,

mit dem Paddelboot durch den

Spreewald, per Tandem durch

Potsdam oder Hausboot-Urlaub

im Ruppiner Seenland – all das

geht auch barrierefrei. Gleich vor

den Toren der Hauptstadt lockt

eine einmalige Kombination aus

Kultur, Natur und touristischen

Attraktionen, das Land Brandenburg.

Das alles unter dem Motto:

„Urlaub für alle Menschen“. Die

Mark offeriert für Menschen mit

einer Behinderung eine große

Auswahl an Urlaubsanbietern, zu

denen detaillierte Informationen

zur Barrierefreiheit vorliegen. Dabei

haben nicht nur Hotels, Ferienwohnungen

und Restaurants ihre

Türen ganz weit und barrierefrei

geöffnet, die Palette der Aktivitäten

mit Schwerpunkt Outdoor und

Natur steht ausdrücklich den Besuchern

mit Handicap offen.

Pralles Angebot

Rund 800 Angebote gibt es hier,

ein Teil davon wird auf 100 Seiten

in der nun schon siebten Auflage

des Magazins „Brandenburg für

alle. Barrierefrei reisen“ vorgestellt.

Hier gibt es Ausflugs- und

Urlaubstipps für Menschen mit

und ohne Behinderung. Die Aus-

Kontakt:

WIB –Weißenseer Integrationsbetriebe GmbH

Geschäftsstelle •Tassostr. 17 •13086 Berlin

Tel. 030/4799110 •Fax 030/47991132

info@wib-verbund.de • www.wib-verbund.de

Jeder Mensch ist der Experte für seine Lebensgeschichte.

Der WIB Verbund bietet soziale und berufliche Integration für psychisch

kranke, suchtkranke und behinderte Menschen durch Beratung,

Betreuung, Arbeit, Wohnen und Tagesstruktur. Mit dem Aufzeigen

individueller Lösungswege unterstützen wir die Rehabilitation und eine

selbstbestimmte Lebensführung.

•Kontakt- und Beratungsstelle •Beschäftigungstagesstätten

•Betreutes Wohnen •Integration geflüchteter Menschen

•Inklusionsunternehmen •Ergotherapie

•Anerkannte Werkstatt für Menschen mit Behinderung

wahl umfasst Angebote für Rollstuhlnutzer,

für höreingeschränkte

Menschen und Besucher mit

Lernschwierigkeiten.

Für blinde und sehbehinderte

Urlaubsgäste gibt es erstmalig einen

16-seitigen Spezialteil. Dafür

hat sich zum Beispiel der blinde

Matthias Schenk auf eine Paddeltour

durch den Nationalpark Unteres

Odertal begeben. In seinem

dreiseitigen Bericht schildert er

seine sinnlichen Erlebnisse auf

dem Wasser in Deutschlands einzigem

Flussauen-Nationalpark.

Für die Zielgruppe gibt es auch

eine „Daisy-CD“ vom gesamten

Magazin: Daisy ist die Abkürzung

für „digital accessible information

system“, also quasi ein Hörbuch

von der Broschüre. Mit speziellen

Daisy-Playern sind Funktionen

wie Navigieren zwischen Kapiteln,

automatische Speicherung

der zuletzt gehörten Stelle, Lesezeichen

und Regelbarkeit der

Abspielgeschwindigkeit möglich.

Ein Softwareplayer ist auf der CD

vorhanden. Grundsätzlich können

die Audiodateien auch auf einem

mp3-Player abgespielt werden.

Dann ist allerdings die hierarchische

Struktur nicht nutzbar.

Mit diesem Angebot ist Brandenburg

bedeutend weiter als die

meisten Urlaubsregionen. Denn:

Häufig genug werde Barrierefreiheit

nur von Gehbehinderungen

aus gedacht, klagt Rüdiger Leidner,

Vorstand des Vereins Tourismus

für Alle Deutschland (Natko).

„Für ganz viele ist da noch nichts

dabei, und das liegt nicht an den

Kosten.“ Denn Hotels für Schwerhörige

und Sehbehinderte zu gestalten,

sei bei jeder Renovierung

möglich. Dazu gehörten besonders

kontrastreiche Beschriftungen

oder Induktionsschleifen, mit

deren Hilfe Audiosignale an Hörgeräte

übertragen werden können.

Für Gartenfreunde

Auf der Bundesgartenschau

(Buga) in Heilbronn hat man sich

bemüht, an all das zu denken.

Ein Infostand für Gehörlose, wo

in Gebärdensprache kommuniziert

wird, gehört ebenso dazu wie

Speisekarten in Braille-Schrift und

taktile Markierungen am Boden.

Auch eine Sauerstofftankstelle für

Menschen mit Atemhilfe hat man

in Heilbronn eingerichtet, ebenso

wie Rückzugsräume für Menschen,

die zwischendurch etwas

Ruhe brauchen. Besonderen Wert

habe man auf den Umbau des

Hauptbahnhofs gelegt, sagt Hanspeter

Faas, Geschäftsführer der

Buga Heilbronn –schließlich nützen

alle Angebote vor Ort nichts,

wenn die Anreise an fehlenden

Aufzügen im Bahnhof scheitert.

YORCK MAECKE

Mehr als andere sind Menschen

mit Behinderung im Urlaub

darauf angewiesen, dass

sie exakt das vorfinden, was sie

gebucht haben. Die Furcht, am Urlaubsort

nicht zurechtzukommen,

wirkt sich auf das Reiseverhalten

aus. Einer Erhebung zufolge fahren

80 Prozent der Bevölkerung

einmal im Jahr in den Urlaub, unter

Menschen mit Behinderung

sind es nur 45 Prozent.

„Wir wollen das ändern,wir wollen

die Teilhabe möglich machen“,

sagt Rolf Schrader vom Projekt

„Reisen für Alle“ beim Deutschen

Seminar für Tourismus. Die vom

Bundeswirtschaftsministerium geförderte

Initiative kennzeichnet seit

2014 Reiseangebote in Deutschland

für ihre Barrierefreiheit. Etwa

2200 wurden bislang überprüft. Als

erste Region wurde Ostfriesland

von „Reisen für Alle“ zertifiziert.

Und sogar in der Alpenregion Tegernsee/Schliersee

fanden sich

drei barrierefreie Wanderwege –

selbst auf 1000 Metern Höhe. Angebote

wie Kletter- und Skikurse für

Rollstuhlfahrerrunden das Angebot

ab. Prospekte und Speisekarten in

Blindenschrift honoriert die Initiative

ebenfalls. (fwo)

www.reisen-fuer-alle.de

www.barrierefrei-brandenburg.de

www.reiseland-brandenburg.de

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