Mumien und Bibliotheken.
Beschäftigt man sich mit dem Thema, verwundert es zunächst, dass eine nicht geringe Zahl von Bibliotheken Mumien besitzen und teils auch in ihren Bibliothekssälen zur Schau stellen. Auch wenn es auf den ersten Blick anders aussieht: Bibliotheksmumien sind mehr als eine bloße Skurrilität oder morbide Zierde altehrwürdiger Büchersammlungen. Eric W. Steinhauer zeigt im zweiten Band der Reihe "Morbides Bücherwissen", dass die in Bibliotheken verwahrten Mumien damals wie heute über ein erstaunliches mediales und medienvisionäres Potential verfügen. Darüber hinaus ist die balsamierte Mumie in der Bibliothek Metapher für Dauerhaftigkeit und Unsterblichkeit, die auch von Bibliotheken erwartet wird. Die reichlich illustrierten Betrachtungen werden ergänzt durch eine ausführliche Bibliographie und ein Inventar gegenwärtiger und historischer Bibliotheksmumien.
Beschäftigt man sich mit dem Thema, verwundert es zunächst, dass eine nicht geringe Zahl von Bibliotheken Mumien besitzen und teils auch in ihren Bibliothekssälen zur Schau stellen. Auch wenn es auf den ersten Blick anders aussieht: Bibliotheksmumien sind mehr als eine bloße Skurrilität oder morbide Zierde altehrwürdiger Büchersammlungen. Eric W. Steinhauer zeigt im zweiten Band der Reihe "Morbides Bücherwissen", dass die in Bibliotheken verwahrten Mumien damals wie heute über ein erstaunliches mediales und medienvisionäres Potential verfügen. Darüber hinaus ist die balsamierte Mumie in der Bibliothek Metapher für Dauerhaftigkeit und Unsterblichkeit, die auch von Bibliotheken erwartet wird. Die reichlich illustrierten Betrachtungen werden ergänzt durch eine ausführliche Bibliographie und ein Inventar gegenwärtiger und historischer Bibliotheksmumien.
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2. PRAXIS UND PHÄNOMEN<br />
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2. Praxis <strong>und</strong> Phänomen<br />
Die europäischen Bibliotheksmumien der Gegenwart sind<br />
in der Schweiz, in Österreich, Italien sowie in Portugal zu<br />
finden. Von den Beispielen aus der Vergangenheit sind drei<br />
Fälle aus Deutschland <strong>und</strong> eine italienische Mumie besonders<br />
interessant. Aber auch in den USA gab <strong>und</strong> gibt es<br />
Bibliotheksmumien. Beginnen wir mit der europäischen<br />
Gegenwart.<br />
2.1 Europäische Bibliotheksmumien der Gegenwart<br />
Sie ist die wohl bekannteste Bibliotheksmumie. Jahr für<br />
Jahr kommen tausende Besucher in den w<strong>und</strong>erbaren<br />
Bibliothekssaal der Stiftsbibliothek von St. Gallen <strong>und</strong><br />
finden dort zu ihrem großen Erstaunen nicht nur wertvolle<br />
<strong>und</strong> schöne alte Bücher, sondern auch ein Ensemble<br />
ägyptischer Särge. Und davor, in einer unscheinbaren<br />
Vitrine, in der man auf den ersten Blick alte Bücher oder<br />
Handschriften vermutet, liegt die teilweise ausgewickelte<br />
Mumie der Schepenese. 14 Seit 1820 ist sie die heimliche<br />
Attraktion der Bibliothek. 15 Die Mumie war ein Geschenk<br />
14 Vgl. Siegmann, Doppelsarg mit Mumie der Schepenese in<br />
der Stiftsbibliothek St. Gallen, S. 110-120.<br />
15 Vgl. Söltl, Der Bodensee mit seinen Umgebungen, S. 68:<br />
»Hier wird auch eine Mumie aufbewahrt, von deren Obertheil man<br />
die Binden genommen, um zu wissen, was denn eigentlich der Inhalt<br />
der Hülle sei. Ein schwarzer Kadaver, dessen Fleisch ganz verhärtet<br />
ist, erscheint bis an die Schultern entblößt <strong>und</strong> zeigt in der<br />
Schädelform ganz die ägyptische Menschen-Rasse.«