Mumien und Bibliotheken.
Beschäftigt man sich mit dem Thema, verwundert es zunächst, dass eine nicht geringe Zahl von Bibliotheken Mumien besitzen und teils auch in ihren Bibliothekssälen zur Schau stellen. Auch wenn es auf den ersten Blick anders aussieht: Bibliotheksmumien sind mehr als eine bloße Skurrilität oder morbide Zierde altehrwürdiger Büchersammlungen. Eric W. Steinhauer zeigt im zweiten Band der Reihe "Morbides Bücherwissen", dass die in Bibliotheken verwahrten Mumien damals wie heute über ein erstaunliches mediales und medienvisionäres Potential verfügen. Darüber hinaus ist die balsamierte Mumie in der Bibliothek Metapher für Dauerhaftigkeit und Unsterblichkeit, die auch von Bibliotheken erwartet wird. Die reichlich illustrierten Betrachtungen werden ergänzt durch eine ausführliche Bibliographie und ein Inventar gegenwärtiger und historischer Bibliotheksmumien.
Beschäftigt man sich mit dem Thema, verwundert es zunächst, dass eine nicht geringe Zahl von Bibliotheken Mumien besitzen und teils auch in ihren Bibliothekssälen zur Schau stellen. Auch wenn es auf den ersten Blick anders aussieht: Bibliotheksmumien sind mehr als eine bloße Skurrilität oder morbide Zierde altehrwürdiger Büchersammlungen. Eric W. Steinhauer zeigt im zweiten Band der Reihe "Morbides Bücherwissen", dass die in Bibliotheken verwahrten Mumien damals wie heute über ein erstaunliches mediales und medienvisionäres Potential verfügen. Darüber hinaus ist die balsamierte Mumie in der Bibliothek Metapher für Dauerhaftigkeit und Unsterblichkeit, die auch von Bibliotheken erwartet wird. Die reichlich illustrierten Betrachtungen werden ergänzt durch eine ausführliche Bibliographie und ein Inventar gegenwärtiger und historischer Bibliotheksmumien.
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2.1 EUROPÄISCHE BIBLIOTHEKSMUMIEN DER GEGENWART<br />
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Die St. Galler Bibliotheksmumie ist besonders prominent. 18<br />
Sie ist aber nicht die einzige. In Wien beherbergen gleich<br />
zwei <strong>Bibliotheken</strong> echte <strong>Mumien</strong>. Eine ist im Mechitaristenkloster<br />
zu finden. Die Mechitaristen sind ein katholischer<br />
Orden, der in besonderer Weise das armenische<br />
Kulturerbe pflegt <strong>und</strong> in Wien eine der größten <strong>Bibliotheken</strong><br />
armenischer Literatur zusammengetragen hat. 19 Die<br />
Mumie wurde den Patres im 19. Jahrh<strong>und</strong>ert geschenkt. 20<br />
Über ihren genauen Standort gibt es in der Literatur unterschiedliche<br />
Angaben. Nach Baumgart <strong>und</strong> Schaub ist<br />
die Mumie der Mechitaristen zweifelsfrei eine echte Bibliotheksmumie.<br />
21 Andere Quellen hingegen verorten die<br />
Mumie in dem ebenfalls zum Kloster gehörenden Museum.<br />
22 Die exakte Lokalisierung mag dahinstehen, da auch<br />
die Bibliothek als Teil des Museums gesehen wird <strong>und</strong> damit<br />
die Bücher <strong>und</strong> die sonstigen Sammlungsgegenstände<br />
des Klosters ein einheitliches Ensemble bilden. 23<br />
18 Literarische Erwähnung findet die Mumie beispielsweise bei<br />
Hürlimann, Fräulein Stark, S. 14, 65, 86, 112.<br />
19 Zu den Mechitaristen vgl. Arat, Art. »Mechitaristen«, in: LThK³<br />
Bd. 7, Sp. 24. Baumgart/Schaub, Der ewige Leib, S. 106 f.<br />
20 Baumgart/Schaub, Der ewige Leib, S. 106 f.<br />
21 Vgl. Baumgart/Schaub, Der ewige Leib, S. 107: »In einer Fensternische<br />
der Bibliothek ruht … ein ganz besonderes ›Juwel‹: eine<br />
altägyptische Mumie.«<br />
22 Vgl. Arat, Die Wiener Mechitaristen, S. 146.<br />
23 So ausdrücklich Arat, Die Wiener Mechitaristen, S. 143.