BIBER 04_19 Ansicht

dasbibermitscharf

Österreichische Post AG; PZ 18Z041372 P; Biber Verlagsgesellschaft mbH, Museumsplatz 1, E 1.4, 1070 Wien

www.dasbiber.at

MIT SCHARF

FRÜHLING

2019

EUda!

dasbiber.at

WENN GEBURT

TRAUMATISIERT

KINDHEIT OHNE PAPA + SVABA ORTAK + BAD MOMS AUF INSTA


Europawahl

26. Mai

spoe.at

ZUSAMMENHALTEN

ODER SPALTEN?

Europa braucht

eure Antwort.

Das gemeinsame Europa hat uns Frieden, Stabilität und Zusammenhalt gebracht. Obwohl in der EU nicht

alles perfekt ist, ist es viel besser, wenn wir gemeinsam zusammenarbeiten, als wenn wir austreten.

Derzeit haben jedoch die Rechten in Europa viel Zulauf. Sie wollen Europa spalten und gefährden die gute

Zusammenarbeit. Deshalb braucht es ein starkes Gegengewicht zum Rechtsruck in Europa.


3

minuten

mit

Marcos

Nader

Der österreichische Boxer Marcos

Nader hat sich seine Achillessehne

verletzt – und das nicht im Ring,

sondern weil er dem Kinderwagen

nachgerannt ist. Wir haben mit

dem Box-Champion über seine

kleine Tochter, Frauenboxen und

seine Jugend mit Widersacher Gogi

Knezevic gesprochen.

Von Aleksandra Tulej, Foto: Marko Mestrović

BIBER: Du hast eine einjährige Tochter.

Bist du verletzlicher geworden, seitdem

du Vater bist?

MARCOS NADER: Überhaupt nicht. Ich

freue mich einfach immer sehr, meine

Tochter zu sehen, wenn ich abends

nach Hause komme.

Wie macht ihr das mit der Kinderbetreuung?

Wie teilst du dir das mit

deiner Frau auf? (Anm.d.Red.: Sandra

Nader ist Ex-Miss Vienna und Polizistin)

Das macht meine Frau. Sie ist jetzt in

Karenz, das ist jetzt ihre Arbeit.

Was würdest du sagen, wenn deine

Tochter auch Profiboxerin werden will?

(lächelt) Ich schicke sie zum Tennis.

Ist ja auch ein schöner Sport mit viel

Bewegung.

Wieso nicht Boxen?

Im Ernst jetzt: Sie kann auf jeden Fall

Boxen gehen, also trainingsmäßig.

Aber ich würde nicht wollen, dass sie

Wettkämpfe macht. Ich finde Frauenboxen

sehr gut. Das bieten wir bei uns im

Bounce (Anm. d. Red.: Bounce Boxclub

in Ottakring) ja auch an. Aber muss

nicht unbedingt sein, dass meine Tochter

Profiboxerin wird. Aber bis dahin ist

ja noch viel Zeit.

Apropos Profiboxen: Du und Gogi Knezevic

kennt euch ja nicht seit gestern.

Von den Medien werdet ihr als Erzfeinde

präsentiert. Wie habt ihr euch

kennengelernt?

Wir kennen uns seit 2004. Wir haben

uns früher schon gut verstanden. Dazu

gibt es eine lustige Geschichte: Wir

müssen so 14 Jahre alt gewesen sein.

Wir haben im selben Boxclub in Wien

geboxt und so ein riesiger, muskulöser

Typ dort hat mir meine Geldbörse

gestohlen. Ich bin dann diesem 1,95

Typ nachgelaufen und Gogi ist mitgelaufen

- wir beide mit unseren 14

Jahren. Wir haben uns also wie gesagt

ganz gut verstanden.

Und warum versteht ihr euch heute

nicht mehr?

Als wir dann Profis wurden, hat er

auf einmal was gegen mich gehabt.

Der Grund war wahrscheinlich, weil

ich einen Boxvertrag in Deutschland

bekommen habe und ein bisschen öfter

und präsenter in den Medien war als

er. (lacht)

Alter: 29

Geburtsort: Ibiza

Stil: Linksauslage

Besonderes: Marcos gibt uns sein

Interview im Liegen, während sein

Physiotherapeut ihm die Achillessehne

massiert. Der Boxer hat sich die Sehne

nicht bei einem Boxkampf verletzt,

sondern weil er seinem Kinderwagen

nachgerannt ist, der auf der Straße

wegrollte.

/ 3 MINUTEN / 3


3 3 MINUTEN MIT

MARCOS NADER

Der Box-Champion über das Vatersein und

Frauenboxen.

8 IVANAS WELT

Was haben Jugofamilien mit Geheimdiensten

gemeinsam? Ivana liefert Antworten.

POLITIKA

10 „EUDA, WOZU?“

SchülerInnen stellen PolitikerInnen ihre Fragen

zur EU-Wahl. Wir haben die Antworten.

15 EU, WE LOVE YOU

Roaming, Euro und Erasmus – wie wäre

das Leben ohne die EU?

20 „HERR VURAL, WIE OFT

HABEN SIE IN IHREM LEBEN

ALKOHOL GETRUNKEN?“

Biber fragt in Worten, Präsident der IGGÖ Ümit

Vural antwortet in Zahlen.

30

AUFWACHSEN

OHNE VATER

Praktikant Stefan

erzählt über seine

Kindheit ohne Papa

– und warum ihm

eine Vaterfigur sehr

gefehlt hat.

22 DAS INTIME IST POLITISCH

Was bei unserem Geburtssystem falsch läuft.

26 „ICH VERMISSE MEIN KIND.“

Umweltministerin Elisabeth Köstinger im

Interview über den Spagat zwischen Politik und

Muttersein.

IN

RAMBAZAMBA

30 „DER PAPA IST NICHT DA!“

Unser Praktikant Stefan erzählt, wie es für ihn

war, ohne Vater aufzuwachsen.

34 DIE BAD MOMS VON

INSTAGRAM

Die It-Girls Bonnie Strange und Valentina

Belleza wollen keine Dinkel-Muttis sein.

34

BAD MOMS

Genug von

perfekten

Insta-Muttis

37 HEY BABY!

Angehende Supermama Jelena will sich die

Vorfreude aufs Kind nicht verderben lassen.

38 MY BREAST FRIENDS

Biber-Kolumnistin Ivana gibt den ultimativen

Survival-Guide für alle frischgebackenen

Mamas.

43 GUT ZU WISSEN

Vier knackige Tipps für alle Eltern, die das

Leben erleichtern.


44 „MEIN MANN BETRÜGT

MICH UND ICH LIEBE IHN“

Warum bleiben viele Paare nach einer Affäre

zusammen?

KARRIERE

48 EINFACH AUSPROBIEREN

Powerfrau Andrea über die Tücken des

Erwachsenwerdens.

STILLHÜT-

CHEN & CO

Nippelsalbe,

Wöchnerinnen-

Binden und

Milchpumpen:

Biber-Kolumnistin

Ivana hat den Survival

- Guide für

Neo-Eltern zusammengestellt.

HALT FRÜHLING

2019

10

38

GEBT IHNEN DAS MIKROFON!

Wenn SchülerInnen und PolitikerInnen

aufeinandertreffen: Die wichtigsten Fragen

zur EU-Wahl beantwortet.

Marko Mestrović, Elsa Okazaki, privat, my breast friend - Elsa Okazaki, COVER: Marko Mestrović

50 „WIE TANYA MÜSSEN WIR

SEIN.“

Die afghanische Journalistin Tanya Kayhan

im Porträt.

52 BIO-DELIKATESSEN MIT

SOZIALEM PLUS

Die Selbermacher von BioBalkan bringen Gutes

von „unten“ in unsere Mägen – in Bio-Qualität!

52 TYPISCH MÄDCHEN

Warum Jungs es immer besser hatten und

warum wir das ändern müssen.

56 TEENIE-MAMA UND

TECHNIKTALENT

Wie Jungmama Melanie Arbeit und Kind

unter einen Hut gebracht hat.

TECHNIK

58 WORLD WIDE WEG

Kolumnist Adam über die dunklen digitalen

Machenschaften von China und Russland.

LIFESTYLE

60 KEIN BOCK AUF AFFEN-

EMOJIS

Kolumnistin Aleksandra gesteht: „Ich bin

asozial und emotional unfähig.“

62 FRECHES FRÜCHTCHEN

SPAR-Feinkostverkäuferin Vahdeta kam mit 15

aus Bosnien nach Wien und machte Karriere.

KULTUR

64 KULTUR MIT NADA

Kolumnistin Nada stöberte in den Toiletten des

Internets.

68 DAS PROBLEMKIND

Rapper Svaba Ortak über seine Kindheit in

1030 Wien und mehr.


Liebe LeserInnen,


„Intimes zu veröffentlichen ist

nicht leicht. Doch die Geschichte

über meine traumatisierende

Entbindung ist mir ein Anliegen.

Denn ich bin damit nicht die

Einzige, im Gegenteil. Gewalt,

Übergriff, Demütigung und

Vernachlässigung erleben viele

Frauen, während sie das Wunder

des Lebens vollbringen. Würden

Männer Kinder kriegen, sähe es

im System anders aus. Da bin

ich mir sicher, und Experten, ja

Männer stimmen zu.“ S.22

Delna Antia-Tatić “

Ein frühlingshaftes Familienspecial. Wie süß. Wir müssen euch

leider enttäuschen – über Familienidylle und Babyglück werdet ihr

diesmal wenig lesen. Wir präsentieren euch unser wohl ehrlichstes

Familienspecial ever: Wir zeigen euch, offen und ungeschönt, dass

„Familie“ viele Facetten hat, und es dabei nicht immer idyllisch und

rosarot zugehen muss.

Wenn man zum Beispiel ohne Vater aufwächst, wie unser Praktikant

Stefan in einem emotionalen Text auf Seite 30. erzählt.

Oder wenn man als Neo-Mama wunde Nippel vom Stillen hat. Aber

keine Sorge: Auf Seite 38 könnt ihr euch über die Must-Haves für

frischgebackene Eltern informieren. Von Stillhütchen über Nippelsalbe

bis Milchpumpen haben wir die ganze Checkliste abgedeckt.

Und manchmal, nur manchmal, da kann man einfach nicht mehr und hat

genug von Spucktüchern und vor allem von ungefragten Ratschlägen

rund ums Baby. Und dann muss man ein wenig „Bad Mom“ sein – wie die

„Bad Moms von Instagram“ es ab Seite 34 tun.

„Würden Männer Kinder kriegen, wäre alles anders“, ist sich

Chefredakteurin Delna Antia sicher. Die Jungmama schreibt ab Seite

22 einen persönlichen und emotionalen Text darüber, was in unserem

Geburtensystem alles falsch läuft, und warum diese Politik so schnell wie

möglich geändert gehört.

Aber, liebe Leute, lasst uns trotz allem Familien (Un)-Glück nicht

vergessen, dass im Mai die EU-Wahlen stattfinden! Wenn ihr euch jetzt

denkt „EUda, wozu soll ich da wählen?“, dann blättert doch zu unserem

EU-Special.

Wir haben nämlich extra aus diesem Anlass ein einmaliges Event

organisiert. Unter dem Motto „EUda, wozu?“ haben wir Schüler zu einer

Diskussion mit Kandidaten der großen Parteien zur EU-Wahl eingeladen.

„Ich bin mit der Bim in die Schule gefahren, und wie schaut’s mit Ihnen

aus?“ –. so sahen dann ungefähr die Fragen aus, die die SchülerInnen

den PolitikerInnen gestellt haben. Was bei der Diskussion über Islam in

Europa, Uploadfilter und den Klimawandel herauskam, lest ihr auf Seite

10. Und dann soll uns noch einer sagen, Jugendliche würden sich nicht

für Politik interessieren. Zumindest für BIBER tun sie es.

Scharfe Bussis, die Redaktion

6 / MIT SCHARF /


GUCKST DU!

Biber erobert mit der neuen

Videoreihe „Welt in Wien“ jetzt

auch das Fernsehen. Das Ganze

gibt´s ab 23.04. jeden Dienstag

auf w24 in „24 Stunden Wien“

zu sehen.

Wenn ihr wissen wollt, wo´s

den Falafel eures Lebens gibt

oder wo ihr den Barbier eures

Vertrauens findet, dann dürft ihr

diese scharfen Stories auf keinen

Fall verpassen.

IMPRESSUM

MEDIENINHABER:

Biber Verlagsgesellschaft mbH, Quartier 21,

Musuemsplatz 1, E-1.4, 1070 Wien

HERAUSGEBER

Simon Kravagna

CHEFREDAKTEURIN:

Delna Antia-Tatić

STV. CHEFREDAKTEUR:

Amar Rajković

CHEFiN VOM DIENST:

Aleksandra Tulej

LEITUNG NEWCOMER:

Amar Rajković & Aleksandra Tulej

FOTOCHEF:

Marko Mestrović

KOLUMNIST/IN:

Ivana Cucujkić, Todor Ovtcharov

REDAKTION & FOTOGRAFIE:

Soza Almohammad, Adam Bezeczky,

Susanne Einzenberger, Nada

El-Azar, Andrea Grman, Christoph

Liebentritt,Jelena Pantić- Panić, Stefan

Pscheider, Anna Jandrisevits

CORPORATE SOCIAL INNOVATION:

Andrea Grman (karenziert)

BUSINESS DEVELOPMENT:

Andreas Wiesmüller

GESCHÄFTSFÜHRUNG:

Wilfried Wiesinger

REDAKTIONSHUNDE:

Tito, Casper

KONTAKT: biber Verlagsgesellschaft mbH Quartier

21, Museumsplatz 1, E-1.4,

1070 Wien

Tel: +43/1/ 9577528 redaktion@

dasbiber.at marketing@dasbiber.at

abo@dasbiber.at

WEBSITE: www.dasbiber.at

ART DIRECTOR: Dieter Auracher

LEKTORAT: Birgit Hohlbrugger

CONTENT CREATION: Katja Trost

CAMPAIGN MANAGEMENT&SOCIAL MEDIA

Aida Durić

ÖAK GEPRÜFT 1. HJ 2017:

Druckauflage 85.000 Stück

verbreitete Auflage 80.644 Stück

DRUCK: Mediaprint

www.oesterreich.gv.at

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In Ivanas WELT berichtet die biber-Redakteurin

Ivana Cucujkić über ihr daily life.

IVANAS WELT

Ivan Minić

SURVIVING JUGO-FAMILY

In allen modernen Demokratien ist Privatsphäre als

Menschenrecht verankert. In Jugoland we don’t do this.

Ich habe reichlich Familie. Cousins, Tanten, Onkel.

Ersten, zweiten, dritten und noch mehr Grades. In

Wahrheit hab‘ ich also reichlich Verwandtschaft. Der

gemeine Österreicher würde jetzt vielleicht zwischen

Kernfamilie - also Mutter, Vater, Kind - und allen anderen

(Bluts)verwandten unterscheiden. Der gemeine

Jugo sieht das nicht so eng. Familienstrukturen nicht,

die Privatangelegenheiten ihrer Mitglieder auch nicht.

EH NUR DIE ENGSTEN…

Familie heißt bei mir Geschwister meiner Eltern, deren

Ehepartner, Kinder, die Kindeskinder inklusive Schwägerschaft

und nochmal alles im Kreis. Die Wissenschaft

spricht hier von ‚extended family household‘.

Well, Gott sei Dank leben wir nicht alle in einem Haushalt.

So anfühlen tut es sich trotzdem oft. ‚Extended‘

sind auch die Zusammenkünfte bei diversen Anlässen.

Mittlerweile eine logistische Herausforderung.

Denn, selbst wenn ich mich, so wie letztens zu Babys

erstem Geburtstag auf ‚eh nur die Engsten‘ einschränken

möchte, unter 30 Personen steigt einfach

keine Party bei uns. Andernfalls würde ich irgendwen

schwerstens beleidigen.

Familienfestivitätsfreie Wochenenden finden sich eh

kaum bei mir im Kalender. Ein Vorteil, wenn man nicht

gerne kocht. Selten verlasse ich ein Festl ohne Fresspaket

für zuhause. Ein kostenloses Rundum-Sorglos-

Paket, das so ein Familienverband bietet. Man wird

nie hungrig und nie alleine sein. Ein Nachteil, wenn

man mal alleine sein möchte. Mit seiner Privatsphäre

zum Beispiel.

In allen modernen Demokratien ist Privatsphäre als

Menschenrecht verankert. In Jugoland we don’t

do this. Ein Familienclan folgt eigenen Regeln. Dein

Kaffee ist mein Kaffee oder „sve je moje tvoje“, also

„alles Meine ist auch deines“ wie der Titel eines Balkan-Evergreens

es auf den Punkt bringt. Ich bin gossiptechnisch

also immer up to date. Welche Tante

grad Beef mit der Schwiegertochter hat, dass mein

zweitjüngster Cousin seine Freundin heimlich heiraten

will oder der Drittälteste wegen eines Verhütungs-

Hoppalas mit sechzehn fast Vater geworden wäre.

Stets brühwarm serviert mit Liveticker-Charakter. Und

oida, genau das ist das Problem. Ich will sowas gar

nicht über meine Cousins wissen. Too much information!!

MEIN TANZBEREICH, DEIN TANZBEREICH

Ein gesunder, respektvoller Abstand zum Persönlichkeitsbereich

des anderen gehört nicht zum ‚Bon ton‘.

Übergriffigkeit tarnt sich als selbstlose Sorge um die

Gemeinschaft und den Beziehungsstatus der Mitglieder.

Zur Gossip-Zielscheibe kann man immer werden.

Die Unverheirateten, Kinderlosen stehen dabei

vorrangig im Visier. Der Kommunikationsapparat im

Clan funktioniert besser als jeder Geheimdienst. Mit

lückenlosem Datenaustausch und dem besten Frühwarnsystem

für sich anbahnende Lebenskrisen. Kein

Nachteil, wenn man nicht alleine sein möchte. Mit seinen

Problemen zum Beispiel.

cucujkic@dasbiber.at

8 / MIT SCHARF /


EINTRITT FREI!

DIE INFOTAGE FÜR

ARBEITNEHMERiNNEN IN ELTERNKARENZ

8. & 9. Mai 2019 | 9.00 - 15.00 Uhr

Bildungszentrum der AK Wien

Theresianumgasse 16-18, 1040 Wien

Infos zum gesamten Programm und allen Workshops unter:

wien.arbeiterkammer.at/berufundfamilie


v.l.n.r: Jonas, 18 - Alma, 15 - Max, 16

„Gebt ihnen

das Mikrofon“

10 / POLITIKA /


Schüler haben keinen Bock auf die EU-Wahl – Wer

erzählt so einen Blödsinn? Max, Jonas und Alma konfrontieren

die Politiker der Großparteien mit kritischen

Fragen und zeigen, dass die Insta-Generation mehr

kann als Fortnite spielen. Über Uploadfilter, teures Katzenfutter

und die angebliche Lüge vom Klimawandel.

Von Anna Jandrisevits, Amar Rajković, Fotos: Marko Mestrović

EUda!

Ich bin mit der Bim in die Schule

gefahren, und wie schaut’s

mit Ihnen aus?“, ruft Max, 16

Jahre alt, den Politikern entgegen und

der Festsaal bebt. Es wird gekichert

und applaudiert, die Schüler lieben die

Konfrontation, heiße Luft und inhaltsleere

Floskeln haben sie schon oft genug von

Politikern gehört. Hände schießen in die

Höhe, jeder möchte eine Frage stellen.

Und so werden an diesem Dienstagvormittag

in der Vienna Business School

statt Marketing oder Mathe die Spitzenkandidaten

zur EU-Wahl unter die Lupe

genommen.

SCHARFE DISKUSSION

Unter dem Motto „EUda, wozu?“

haben wir Schüler zu einer Diskussion

mit Kandidaten der großen Parteien

zur EU-Wahl eingeladen. Claudia

Gamon (NEOS), Werner Kogler (Grüne),

Johannes Voggenhuber (Initiative 1

Europa), Luca Kaiser (SPÖ), Georg Mayer

(FPÖ) und Christian Zoll (ÖVP) trauten

sich in die Höhle des Löwen. Rund 200

Jugendliche, die das erste Mal das Kreuz

Ende Mai bei der EU-Wahl setzen werden,

sind topvorbereitet.

So wie die 16-jährige Nina. Sie möchte

von ÖVP-Kandidat Zoll wissen, ob er

den Artikel 13 (Stichwort Uploadfilter)

nicht als Zensur empfindet. Schließlich

habe ja seine Partei im EU-Parlament

dem Gesetzesvorschlag zur Urheberrechtsreform

zugestimmt. Nina musste

sich nicht extra dafür vorbereiten, sie hat

mir ihren Freundinnen die Abstimmung

live im Netz verfolgt. Passt so gar nicht

in das Bild der betagten Kritiker, die

der Jugend Desinteresse an der Politik

vorwerfen. Der politische IQ unter den

Jugendlichen in der Schule scheint den

einer Stammtischrunde weit zu überflügeln.

„Das Eigentums- und Urheberrecht

ist sehr wichtig. Ihr wollt ja auch nicht,

dass euer Sitznachbar unerlaubt ein Foto

von euch ins Internet stellt“, lautet die

Antwort von Zoll, die nicht unbedingt

wohlwollend im Publikum goutiert wurde.

dasbiber.at

UNTERSCHIEDLICHE

MEINUNGEN

Als die 15-jährige Schülerin Alma die

Politiker mit dem Klimawandel konfrontiert,

ist sich FPÖ-Kandidat Georg

Mayer sicher, dass dieser nur gering von

Menschen beeinflussbar sein kann. „Den

Klimawandel gab es ja schon immer“,

meint er. Viele Schüler schütteln bei dieser

Aussage nur fassungslos den Kopf.

NEOS-Spitzenkandidatin Claudia Gamon

tut’s den Kids gleich: „Wir müssen

handeln! Junge Menschen haben das

Recht, auf derselben schönen Welt zu

leben wie die Generationen vor ihnen.“

Spitzenkandidat Werner Kogler hat als

Grüner den Klimaschutz in seiner DNA

und fährt angeblich regelmäßig mit dem

Zug nach Brüssel. Der blaue Kontrahent,

Mayer, kann das so recht nicht glauben.

Kogler klopft sich selber auf die Schulter

und erhebt den mahnenden Zeigefinger:

„Es kann nicht sein, dass 1 kg Fleisch

günstiger ist als 1 kg Katzenfutter.“ Das

junge Publikum nickt. Kein Wunder, Klima

ist das Kernthema bei den Jugendlichen.

„Wir können uns nicht

leisten, unsere Zukunft

aufs Spiel zu setzen.“

Luca Kaiser, SPÖ

/ POLITIKA / 11


Die Schüler ließen nicht locker und die Politiker kamen mit dem Antworten auf die

kniffligen Fragen des Publikums gar nicht hinterher.

„Den Klimawandel gab

es schon immer.“

Georg Mayer, FPÖ

Es i st auch ihre Zukunft.

Die „Fridays For Future“-Demonstrationen

locken jeden Freitag tausende

SchülerInnen an den Heldenplatz. Auch

in der Handelsakademie geben mehr als

die Hälfte der anwesenden SchülerInnen

an, für den Kampf um Umweltschutz

ihre Schulstunden sausen zu lassen. Als

der stv. Chefredakteur und Moderator

Amar Rajkovic in die Runde fragt, welche

Politiker ihren Kindern eine Entschuldigung

für die Schule schreiben würden,

wenn diese auf die Demonstration gehen

wollen, heben alle, bis auf FPÖ-Kandidat

Mayer, die Hand. Die Mehrheit der Politiker

unterstützt also das Schwänzen für

die gute Sache.

Klimawandel, der angeblich nicht von

Menschen verursacht wird. Das Publikum

bricht in schallendes Gelächter aus, Voggenhuber

erntet zustimmenden Applaus,

auch für seinen flammenden Appell nach

40 Jahren endlich was zu tun. Ob er

nicht zu alt sei, die Jugend zu vertreten,

will jemand aus dem Publikum wissen.

Der 68-jährige Voggenhuber kontert mit

einem Seitenhieb auf die ÖVP: „Nur weil

jemand jung ist, heißt das nicht, dass

er für Junge spricht.“ Kurz, Blümel und

auch der anwesende Kandidat Zoll sind

wahrscheinlich damit gemeint.

Hier mischt sich der junge SPÖ-

Kandidat Luca Kaiser ein und meint, dass

man Krisen nur lösen kann, wenn man

sie als solche anerkennt: „Wir können

es uns nicht leisten, unsere Zukunft

aufs Spiel zu setzen.“ Einige aus dem

Publikum nicken zustimmend mit dem

Kopf. Andere, wie der 17-jährige Max,

nehmen diese Worte nicht wirklich ernst:

„Alle reden groß, aber eine Lösung hat

keiner.“

Die Aussagen der Politiker haben

viele Schüler in ihrer Wahl nur bestätigt,

auch den 18-jährigen Philipp: „Mein

Kreuzerl ist am selben Fleck geblieben.“

ÖVP-Kandidat Zoll hat an die jungen

Menschen plädiert, in die Politik einzusteigen,

damit frischer Wind in das Parlament

kommt. NEOS-Spitzenkandidatin

Gamon konnte mit der Idee von den Vereinigten

Staaten von Europa überzeugen.

Als der 16-jährige Schüler Mosche in die

Politiker-Runde fragt, ob auch der Islam

zu Europa gehört, spitzen sich im Publikum

alle Ohren. Nach kurzem Zögern

antwortet FPÖ-Kandidat Mayer zuerst mit

einem „Naja“. Erst, als der Moderator ihn

zu einer klaren Antwort auffordert, ringt

sich Mayer zu einem „Ja“ durch.

WORTGEFECHTE ZUM

KLIMAWANDEL

„Menschen, die meinen, wir haben

keinen Einfluss auf den Klimawandel,

glauben auch, dass die Erde eine Scheibe

ist“, entgegnet der Spitzenkandidat

der Liste Jetzt und Initiative 1 Europa,

Johannes Voggenhuber, dem FPÖ-

Kandidaten auf dessen Aussage zum

Da schauen sie, die Volksvertreter. Luca Kaiser (SPÖ), Christian Zoll (ÖVP), Werner

Kogler (GRÜNE), Claudia Gamon (NEOS) und Georg Mayer (FPÖ)

12 / POLITIKA /


„Es kann nicht sein,

dass Fleisch billiger als

Katzenfutter ist.“

Werner Kogler, Grüne

KONFRONTATION

Neben dem Umweltschutz erregt vor

allem die Urheberrechtsreform die

jungen Gemüter. Der 18-jährige Schüler

Jonas nimmt sich bei FPÖ-Kandidat

Mayer kein Blatt vor den Mund: „Bei

der letzten EU-Abstimmung wegen des

Urheberrechts haben sich alle FPÖ-Vertreter

ihrer Stimme enthalten“, meint er

und langsam machen sich Schweißperlen

auf der Stirn des FPÖ-Politikers sichtbar.

„Warum sollte ich eine Partei wählen, die

bei wichtigen Entscheidungen keine Meinung

vertritt?“, konfrontiert Jonas den

FPÖ-Kandidaten und tosender Applaus

von seinen Mitschülern folgt. Für die

Enthaltung der blauen Partei haben die

SchülerInnen ebenso wenig übrig wie für

die Zustimmung der Türkisen.

NEOS-Spitzenkandidatin Claudia Gamon geht als

Siegerin mit 33% aus der Schul-Wahl heraus. Die

Politikerin konnte die Schüler mit Argumenten zum

Klimaschutz und Netzpolitik überzeugen.

Infos zur

EU-Wahl am

26.5.2019

Wer wird gewählt?

19 Abgeordnete, die Österreich

für die nächsten 5 Jahre im

Europaparlament vertreten.

Wie wird gewählt?

Mit einem Stimmzettel, auf dem

ein Wahlvorschlag oder eine

Parteiliste angekreuzt werden

kann. In Österreich gibt es auch

die Möglichkeit einer Vorzugsstimme

für KandidatInnen. Eine

Vorreihung erfolgt bei mehr als

5 % der auf den Wahlvorschlag

entfallenen Stimmen.

Wer darf wählen?

Alle österreichischen Staatsbürger,

die 16 Jahre alt sind,

sowie Bürger anderer EU Länder

mit Wohnsitz in Österreich und

Auslandsösterreicher, die zum

Stichtag in einer österreichischen

Gemeinde eingetragen sind.

Welche politischen

Fraktionen gibt es?

Die Europäische Volkspartei

(EVP), zu der die ÖVP gehört

und die Progressive Allianz der

Sozialdemokraten (S&D), zu

der die SPÖ gehört. Außerdem

die Allianz der Liberalen und

Demokraten für Europa (ALDE),

der die NEOS angehören, die

Europäische Freie Allianz (EFA)

zu der die Grünen gehören,

sowie die Fraktion Europa der

Nationen und der Freiheit (ENF),

zu welcher die FPÖ gehört.

Wo kann gewählt

werden?

Am Wahltag im zugeteilten

Wahlsprengel oder mit Briefwahlkarte

per Post bzw. durch

Abgabe bei der Vertretungsbehörde

(Botschaft, Konsulat), falls

man im Ausland ist.

HÖCHSTE

ERFOLGSZAHL

ÖSTERREICHS

• AHS-Matura

• Berufsreifeprüfung

• Hauptschulabschluss

• Studienberechtigungsprüfung

• Sprachkurse, Latinum

• Fernunterricht

(Beginn jederzeit)

Beginn:

Frühjahr & Herbst

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VOR DER DISKUSSION

4%

1%

NACH DER DISKUSSION

JETZT

11%

32%

10%

12%

33%

GRÜNE

NEOS

22%

10%

FPÖ

30%

15%

20%

ÖVP

SPÖ

„Nur weil jemand

jung ist, heißt das

nicht, dass er für

Junge spricht.“

Johannes Voggenhuber,

Inititative 1 Europa

DIE ZUKUNFT HAT

GESPROCHEN

Es ist 11:30 Uhr, mittlerweile steht fast

der halbe Festsaal, die Zeit für den

Talk ist aber vorüber. Die Traube geht

langsam wieder in ihre Klassenzimmer

zurück. Die 16-jährige Nina fühlt sich

nach der Diskussion besser aufgeklärt,

ihr Ansporn für die Wahl ist jetzt größer.

Jonas wünscht sich statt Ausweich-Taktiken

klare Statements von den Politikern:

„Sie kennen unsere Meinung zu Klima-

wandel und Uploadfiltern. Jetzt müssen

sie handeln.“ Bei vielen Schülern, auch

dem 18-jährigen Lorenzo, überwiegt

nach dem Talk das Gefühl von Zugehörigkeit

und Mitspracherecht: „Es bedeutet

uns viel, in politische Diskussionen

miteinbezogen zu werden.“ Verständlich,

schließlich sind diese Kids unsere

Zukunft und wer ihre Stimme auf dem

Wahlzettel will, muss ihnen auch mal das

Mikrofon geben. ●

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EU-Wahl am 26. Mai:

Es geht uns alle an!

Wien ist mit 1,9 Mio.

Ein wohnern die

sechst größte Stadt

der EU. Die Stadt

mit der höchsten

Lebensqualität

der Welt verdankt

nicht

zu letzt auch den

kulturellen und

wirtschaftlichen

Verflechtungen

mit der EU

diesen Status.

WER?

In Wien wählen dürfen alle

ÖsterreicherInnen, die bis

zum 26.5.2003 geboren wurden

und am 12.3.2019 einen

Hauptwohnsitz in Wien hatten.

Auch nicht-österreichische

EU-BürgerInnen dürfen wählen,

wenn sie bis zum 26.5.2003

geboren wurden und bis zum

12.3.2019 in der EU-Wählerevidenz

eingetragen waren.

WIE?

Die Teilnahme an der Europa-Wahl

ist im zuständigen

Wahllokal, mit Wahlkarte in

einem beliebigen Wahllokal

in ganz Österreich oder per

Briefwahl möglich.

Die Wahlkarte lässt sich persönlich,

schriftlich und am

bequemsten online beantragen!

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WO?

Am 26. Mai 2019

haben alle Wahllokale

in Wien von 7 – 17 Uhr

geöffnet.

Keine Ausreden!

Alle Infos zur Wahl:

www.wahlen.wien.at

Stadtservice Wien –

Stadtinformation

Tel.: 01/50 255

ACHTUNG, NICHT VERGESSEN:

Bei der persönlichen Stimmabgabe unbedingt einen Lichtbildausweis dabeihaben!


BEZAHLTE ANZEIGE

WAS TUT DIE

EU FÜR WIEN?

Dank Euro, Osterweiterung

und Reisefreiheit: Seit Österreich

1995 der EU beigetreten

ist, verzeichnet das Land

ein anhaltendes Wirtschaftswachstum

von rund 0,5 bis

1 Prozent jährlich. * Über

40 % der TouristInnen in

Wien kommen aus der EU!

Das Umwelt- und Naturschutzprogramm

der EU

unterstützt das Projekt Alte

Donau – damit sie weiterhin

ein beliebtes Naherholungsgebiet

der WienerInnen

bleibt.

Mit Erasmus+ hat die EU ein

Programm geschaffen, das

Bildung, Jugend und Sport

in ganz Europa fördert. Nirgendwo

sonst in Österreich

zieht es so viele Lehrende

und Lernende für Bildungsaufenthalte,

wie nach Wien.

WAS TUT DIE

EU FÜR MICH?

Wenn du dich über deine

Rechte als UnionsbürgerIn,

deine Zukunft oder deine

Ausbildungsmöglichkeiten

innerhalb der EU informieren

möchtest, findest du unter

https://what-europe-doesfor-me.eu/de/

tausende

Projekte, welche die EU für

dich bereithält.

*Quelle: ÖGfE-Studie, Ausnahme: 2009

Wien ist die sechstgrößte Stadt der Europäischen Union

nach London, Berlin, Madrid, Rom und Paris - und

vor Hamburg, Budapest oder Barcelona

Die EU hatte 2017 rund 510 Mio. EinwohnerInnen. In Wien leben 0,4%

der EU-Bervölkerung auf lediglich 0,01% der Unionsfläche.

SCHON GEWUSST?

● Am 12. Juni 1994 stimmten 65,8 Prozent der

ÖsterreicherInnen mit JA zum EU-Beitritt.

● Die erste EU-Wahl für Österreich fand 1996, ein

Jahr nach dem Beitritt, statt.

● Wien ist mit 70% ÖsterreicherInnen, 13%

EU-BürgerInnen und 17% Drittstaatsangehörigen

eine der vielfältigsten Metropolen Europas!

● Das Europäische Parlament wird alle 5 Jahre neu

gewählt.

Quellen: Statistik Austria, Stadt Wien (MA23, Wiener Bevölkerungsregister), Eurostat,

Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen

Grafiken: Bohmann Druck- und Verlag Gesellschaft m.b.H.

Gebt am 26. Mai eure Stimme für unsere Zukunft ab!


Europatag

9. Mai 2019 ab 17 30 Uhr

Start Slam 18 30 Uhr

Reaktor · Geblergasse 36–40 · 1170 Wien

Eintritt frei

SECHS GRÜNDE, WARUM WIR DIE EU LIEBEN

Kein Roaming, kein Pass und kein Geldwechseln: Die meisten von

uns erinnern sich kaum mehr an eine Zeit vor der Europäischen

Union. Die Vorteile, die wir alle genießen, nehmen wir als selbstverständlich

und vergessen sie oft. Hier ein Reminder.

Von Sandro Nicolussi

Layout und Design: Birgit Raitmayr | pixlerei.at

Open call for sign up & info:

euslam@buerowien.com

Slam-MC: Markus Köhle

Mit: Sarah-Anna Fernbach, Mieze Medusa,

Kirmes Hanoi (Jonas Scheiner & Henrik Szanto),

Fabian Navarro und Tereza Hossa

Fragen zu den Europawahlen 2019?

Verschafft Euch Einblick in die EU beim EU-Poetry Slam!

REISEN INS EU-AUSLAND:

Jeder, der früher „runter“ nach Kroatien

gefahren ist, weiß: Es gibt nichts

Schlimmeres als 13 Stunden am Grenzübergang

warten und dann noch den

halbkorrupten Beamten Kohle zustecken

zu müssen. Menschen innerhalb der EU

haben diese Szenen längst aus ihrem

Gedächtnis gelöscht. Alles, was du zum

Reisen in der EU brauchst, ist ein Personalausweis.

Achtung: Führerschein ist

kein gültiges Reisedokument!

WÄHRUNGEN:

Schluss mit Geldwechseln in Touri-Fallen

– auch genannt Geldwechselstuben. In

den meisten Ländern der EU wird mit

dem EURO bezahlt. 19 von 28 Ländern

führen den EURO als Währung und

lassen die Banken durch die Wechselgebühren

nicht noch reicher werden.

Und du kannst geschmeidig vergleichen,

ohne die ganze Zeit deinen Taschenrechner

auszupacken.

TELEFONIEREN:

E.T. nach Hause teuer telefonieren.

Jeder, der die Omi zum 80er im Ausland

angerufen hat, weiß: In Nicht-EU-Länder

telefonieren ist der helle Wahnsinn. Vor

allem, wenn die Omi dann noch eine

Stunde lang über deinen Beziehungsstatus

jammert. Klar, über Whatsapp geht’s

auch, aber die Omi bevorzugt klassische

Kommunikationswege wie das

gute alte Telefon. Seit 15. Juni 2017

sind die Roaminggebühren innerhalb

der EU abgeschafft worden. Jetzt

muss die Omi nur noch von Bosnien

nach Belgien übersiedeln.

ONLINE-SHOPPING:

Seit Ende letzten Jahres gibt es kein

Geoblocking mehr für Onlineshops

innerhalb der EU. Das heißt: Du kannst

aus jedem EU-Land zum selben Preis

bei deinen Lieblings-Onlineshops

einkaufen. Achtung: Das Geoblocking

ist weg, aber die Shops können immer

noch selbst entscheiden, in welche

Länder sie liefern!

INTERNETNUTZUNG:

Derzeit fördert die EU gratis WLAN-

Hotspots in der europäischen Öffentlichkeit.

Damit wird dich nie wieder ein

beschränktes Datenvolumen von deinem

nächsten Instaposting abhalten.

STUDIEREN:

ERASMUS-Förderungen ermöglichen

dir einen Aufenthalt im Ausland.

Außerdem gelten deine akademischen

Grade dank der Vereinheitlichung EUweit.

Na, schon inskribiert?

Julie Brass


26. Mai

SELLNER, KICKL

& VILIMSKY

BRAUCHEN EINE

STARKE EUROPÄISCHE

GEGENSTIMME

ZUM BEISPIEL DEINE!

CLAUDIA GAMON

NEOS.EU

NEOS, Neustiftgasse 73-75, 1070 Wien


Herr Vural, wie

viele Kopftücher

hat Ihre Frau?

Mit wie vielen

Jahren kamen

Sie nach

Österreich?

Wie viele Jahre

haben Sie für

den Favoritner

AC gespielt?

Wie viele

Kinder haben

Sie?

Interview in Zahlen:

In der Politik wird schon genug

geredet. Biber fragt in Worten,

der Präsident der Islamischen

Glaubensgemeinschaft (IGGÖ) Ümit

Vural antwortet mit einer Zahl.

6

6

3

Von Simon Kravagna, Fotos: Marko Mestrović

Sechs Jahre hat Österreichs Chef-Muslim für den

Favoritner AC gespielt.

Niemals hat Ümit Vural in seinem Leben Alkohol getrunken.

Wie viele

islamistische

Kindergärten

gibt es in

Österreich?

Wie viele

Moscheen in

Österreich

sind für Sie

problematisch?

Wie viele Kopftücher

hat Ihre

Frau?

Wie viele Parteien

haben Sie

bisher gewählt?

Auf einer Skala

von 0 bis 100:

Wie viele Meter

rechts der

Mitte steht HC

Strache?

0

5

19

2

75

20 / POLITIKA /


Wie viele Suren

hat der Koran?

Wie oft beten

Sie am Tag?

Wie oft waren

Sie zum Hadsch

in Mekka?

Wie oft haben

Sie in Ihrem

Leben Alkohol

getrunken?

An wie vielen

islamischen

Feiertagen

sollten Muslime

frei haben?

114

5

2

0

3

Fünf Moscheen findet der Jurist in Österreich problematisch.

Sieben Mal im Monat gibt’s Kebap: Döner, Adana, Iskender …

Auf einer Skala

von 0 bis

100: Wie viele

Meter rechts

der Mitte steht

Sebastian

Kurz?

Wie viele

Stunden

arbeiten Sie

pro Tag?

Wie viel Euro

beträgt das

jährliche

Budget der

Islamischen

Glaubensgemeinschaft?

Wie viele

Drohungen

bekommen Sie

pro Tag?

Wie oft im

Monat essen

Sie Kebap?

50

12

400.000

1

7

/ POLITIKA / 21


DAS INTIME

IST POLITISCH

Ausgeliefert, überfordert, gedemütigt – Chefredakteurin

Delna Antia-Tatic spricht über ihr traumatisierendes

Geburtserlebnis und bricht damit ein Tabu. Ein Bericht und

eine Anklage über die geringschätzenden Zustände, unter

denen Frauen in unserer Gesellschaft Leben auf die Welt

bringen.

Von Delna Antia-Tatić, Foto: Marko Mestrović

Seit 16 Monaten bin ich nun

wütend. Die Wut verschwindet

nicht, wie man es mir versprochen

hat. Sie steigt mir

zu Kopf, in Bauch und Beine, jedes Mal,

wenn das Thema angeschnitten wird. Ich

habe nicht vergessen, im Gegenteil, ich

bin empört darüber, was ich erlebt habe.

Zum ersten Mal in meinem Leben hatte

ich das Gefühl „nur“ eine Frau zu sein.

Dieses Empfinden kannte ich so nicht,

ich bin selbstbewusst, führe ein selbstbestimmtes

Leben und umgebe mich –

aus Zufall oder nicht – mit feministischen

Männern. Aber seit November 2017 bin

ich mir sicher: Würden Männer Kinder

kriegen, sähe die Situation anders aus.

Und das Interessante ist: Selbst Männer

stimmen mir zu.

Ich hatte eine harte Entbindung, eine

schwierige und langwierige. Einfach

Pech gehabt? Nein, ich bin kein trauriger

Einzelfall. Wo man mitleidig mit dem Kopf

nickt und Schulter tätschelnd versichert,

dass ich das irgendwann schon vergessen

werde. Und ich mich doch überhaupt

freuen sollte, weil es ja ein „Happy

End“ gegeben hat. Solche Reaktionen

empfinde ich als beschwichtigend und

stummstellend. Nach dem Motto: Frauen

kriegen nun einmal die Kinder, das ist

Naturgesetz, die Schmerzen gehören

nicht nur dazu, sondern sind im Prozedere

wichtig und seit Hunderten von Jahren

müssen wir da durch. Außerdem, viele

Frauen haben auch einfache Geburten.

So weit, so richtig.

Würden Männer

Kinder kriegen,

sähe die Situation

anders aus.

Aber was ist mit den Umständen? Ich

beklage nicht das „Los der Frau“ noch

die Schmerzen. Ich beklage auch nicht

einzelne Personen. Im Gegenteil, die

Arbeit von Hebammen ist bewundernswert.

Sie ist wahrlich lebenswichtig und

wird in unserer Gesellschaft völlig unterbewertet

bzw. unterbezahlt. Ich bin auch

den Ärzten dankbar, ja der modernen

Medizin, ich weiß nicht wie es am Ende

bei mir ohne Kaiserschnitt ausgegangen

wäre. Aber ich beklage die Umstände.

Für jede Frau ist die erste Schwangerschaft

und Geburt unbegreiflich. Besonders

vor der ersten Geburt geht es uns

nicht anders als Männern. Wir wissen so

wenig wie unser Partner, was auf uns zu

kommt, kennen nur die Theorie, hören

Geschichten und sehen Bilder, aber wir

sind so unerfahren wie jeder Mann. Nur

mit dem Unterschied, dass wir betroffen

sind. Daher müssen wir vertrauen. Auf

unseren Körper zunächst, und später auf

all die Experten – dem Geburtensystem

an sich. Denn das Wunder des Lebens

ist ja paradoxerweise das Normalste der

Welt. 86.987 Geburten fanden 2017 in

Österreich statt.

Das Wunder in meinem Bauch ist

also „normal“, so habe ich es gesehen.

Als ich schwanger wurde und die

Geburtsortwahl anstand, entschied ich

22 / FAMILY SPECIAL /


Heute würde ich

alles anders machen

und alles extra zahlen.

Aber ich wusste

es nicht besser.

mich für die normale Spital-Variante: kein

Schnickschnack à la „Hypno-Birthing“,

keine Wahlhebamme extra nur für mich

bei der Geburt, keine Privatklinik. Tausende

Frauen hatten vor mir Kinder auf

die Welt gebracht – oft nicht einmal in

Krankenhäusern. Warum sollte gerade

ich auf eine Sonderbehandlung bestehen?

Obwohl ich in der privilegierten

Situation bin, dass wir uns all die privat

zu zahlenden Extras hätten leisten können

– eine Wahlhebamme kostet 1500€

aufwärts – entschied ich dagegen. Im

Nachhinein war das dumm. Heute würde

ich alles extra zahlen. Aber ich wusste es

nicht besser. Mir blieb keine Alternative

als in guter Hoffnung zu vertrauen.

Außerdem werden Geburten systematisch

vernebelt. Es herrscht das

ungeschriebene Gesetz, dass erfahrene

Frauen den unerfahrenen keine Angst

machen. Daher redet mit einer Erstgebärenden

niemand Tacheles – weder

die Freundin noch die Hebamme in der

Geburtsvorbereitung. Die Logik ist natürlich

nachvollziehbar. Jede Schwangere

kennt das Gefühl der Unausweichlichkeit:

Irgendwann gibt es kein Zurück mehr,

nur noch einen Weg hinaus. Da ist es

natürlich besser, nicht in Panik zu geraten,

weil dir jeder Horrorstorys erzählt.

Andererseits hätte ich mir gewünscht,

vorbereitet gewesen zu sein: auf all die

Mittel, die man mir reichte, damit es

besser voranging, auf die Auswirkung

der „Wehenverstärker“, auf die PDA, auf

den Kaiserschnitt schlussendlich. Ich

hätte mir gern vorher mit einer Expertin

Gedanken gemacht und mir das Für-und-

Wider samt Nebenwirkungen der Periduralanästhesie

(PDA), das ist die lokale

Betäubung im Bereich der Wirbelsäule,

erklären lassen.

Stattdessen saß ich plötzlich da,

hilflos. Mitten in der Nacht, 10 Stunden

Wehen hatte ich schon hinter mir, ich

zitterte unkontrolliert am ganzen Körper

wie das Gebärende tun, immer wieder

unterbrochen von einer erneuten Wehe,

und musste meine Unterschrift abgeben.

Der Anästhesist klärte mich über

die Nebenwirkungen wie Lähmungen

auf und sagte mir deutlich, dass das

Wichtigste bei dem Nadelstich bei der

Wirbelsäule sei, damit nichts schiefginge,

dass ich absolut stillhielte. Als ich ihm

erklärte, dass ich bereits einmal eine

Rückenmarksuntersuchung hatte, meinte

er nur, dass das Gewebe bei mir verklebt

sein und dadurch die PDA möglicherweise

nicht wirken könnte. Man kann sich

meine Überforderung in dieser Situation

vorstellen. „Eine Zumutung“, beurteilt

meine Nachsorgehebamme, die mich

später – privat – betreuen würde. Warum

wurde kein Gespräch samt Aufklärung

über PDA & Co bei der Anmeldung im

Spital geführt? Das wird es mittlerweile,

sagt sie. Trotzdem, auf den Kaiserschnitt

war ich auch nicht vorbereitet. Als nach

30 Stunden und nach dem gescheiterten

Versuch, das Kind manuell hinauszudrücken

– mein Mann erinnert sich noch

heute an den Fußabdruck der Ärztin, den

sie beim Drücken auf meinen Bauch an

der Wand hinterließ – als nun endlich die

„Erlösung“ entschieden wurde, wusste

ich nicht, was kommt. Ich sorgte mich,

hatte Angst, dass ich den Schnitt spüren

würde. Denn tatsächlich hatte meine

PDA nicht gut gewirkt. Man beruhigte

mich. Doch leider hatte mein Bauchgefühl

recht – ich spürte den Schnitt, schrie

und wurde in Vollnarkose versetzt.

Mit zwei Expertinnen spreche ich

über meine Geburt – stellvertretend für

all jene Fälle, die traumatisieren können.

„Es ist kein trauriger Einzelfall. Die Ursachen

liegen im System“, bestätigt Judith

Raunig. Die Psychologin ist spezialisiert

auf Geburtstraumata und arbeitet mit

Frauen, die sich während der Geburt

nicht nur überfordert, hilflos, ausgeliefert

und gedemütigt fühlten, sondern gerade

nach einem Kaiserschnitt geplagt sind

von Schuld- und Versagensgefühlen.

Die Kaiserschnittrate steigt seit Jahren

und so erlebt auch Raunig derzeit

einen extremen Zuwachs an Anfragen.

Was sind die Fehler im System, will ich

wissen.

MANGELNDE 1:1

BETREUUNG

„Zum einen natürlich der Personalmangel

in den Spitälern – die mangelnde 1:1

Betreuung“. Hebammen müssen sich oft

um drei und mehr Frauen, die gebären,

gleichzeitig kümmern, dazwischen ambulante

Kontrollen durchführen und all das

noch dokumentieren. Die Dokumentation

nimmt gut zwei Drittel ihrer Arbeit ein,

die Betreuung der Frauen lediglich ein

Drittel. Es herrscht Druck und Stress,

kein Umfeld, in dem es leichtfällt, sich

„zu öffnen“. Dass zu wenig Hebammen

da sind, bzw. Plätze vorgesehen, ist eine

Frage der Planbarkeit und natürlich des

Geldes. So erklärt es mir eine Hebamme,

deren Namen ich nicht nennen soll und

die lange im Spital gearbeitet hat, bis

sie sich selbstständig machte, weil sie

die Geburtsumstände nicht mehr ertrug.

„Die Spitäler arbeiten mit den Krankenkassen.

Es gibt ein Punktesystem und für

eine Geburt per Kaiserschnitt gibt es nun

einmal mehr Punkte als für eine Spontangeburt.“

Dass in Spitälern ökonomisch

gebärt werden soll, ist kein Geheimnis.

„Mutter und Kind wird nicht die Zeit

gegeben, die sie brauchen,“ so Raunig.

„Eine 20-Stunden-Geburt ist eine teure

„Es ist kein trauriger

Einzelfall. Die

Ursachen liegen im

System.“

Geburt für das Spital.“ Meine Geburt hat

weit länger gedauert. Trotz aller Mittel

und Maßnahmen, sie voranzutreiben.

Trotz oder gerade deswegen?

„Das größte Problem sind die Interventionen.

Eine Geburt im Krankenhaus

findet kaum mehr interventionsfrei statt

– außer du kommst mit 9,5cm Muttermundöffnung

und Presswehen ins

Spital“, kritisiert die Traumapsychologin.

Geburten würden extrem getaktet. Wenn

24 / FAMILY SPECIAL /


„Eine Geburt im

Krankenhaus

findet kaum mehr

interventionsfrei

statt.“

nicht jede Stunde ein Zentimeter weiter

geht (der Muttermund muss sich laut

Theorie von 1 auf 10 cm öffnen, damit

das Kind hinaus kann), dann würde eben

„interveniert“ – sprich eingeschritten. Es

gibt vielfältige Mittel wie den Wehentropf

oder auch das konkrete Einleiten einer

Geburt, wenn die Frau zu lange über

dem Geburtstermin liegt. Und natürlich

gibt es das CTG – den Herz- und

Wehenschreiber. Daran kann ich mich

erinnern, alle paar Stunden wurde ich

unbequem an das Gerät gehängt, um die

Herztöne des Kindes zu messen. Diese

„CTG-Routine“ im Spital sieht Raunig als

kontraproduktiv. „Es gibt nun einmal all

diese schönen Geräte und Mittel, daher

werden sie auch verwendet!“, kritisiert

sie die Motivation der Spitäler. Selbst

die Weltgesundheitsorganisation (WHO)

bemängelt den Trend zu immer mehr

medizinischen Interventionen während

der Geburt, insbesondere gegen den

immer häufigeren Einsatz von Wehenmitteln

zur Beschleunigung der Geburt.

„Es ist auch eine Folge der mangelnden

1:1 Betreuung“, erklärt mir die Hebamme.

Wenn eine Hebamme nicht bei einer

Gebärenden im Raum bleiben kann, ist

die stetige Kontrolle des Gesundheitszustand

des Kindes mittels CTG ein

wichtiger Ersatz.

Dass es am Ende bei all den Eingriffen

dann zu einem Kaiserschnitt

kommt, verwundert weder sie noch die

Hebamme. Und die steigenden Kaiserschnittraten

sprechen für sich: 29,6 %

waren es im Jahr 2017 – das ist fast jede

dritte Frau. Auch in meinem Freundeskreis

haben vier von sechs Frauen

seit 2017 eine ungeplante Narbe. Und

davor schützt auch keine Privatklinik,

denn nicht selten weisen Privatärzte

eine Kaiserschnittrate von 80% vor, so

Raunig. Auch die Hebamme bestätigt:

Die Spitäler verdienen mehr Geld an

Kaiserschnittgeburten. Raunig geht so

weit, die hohe „Sectio Rate“ als moderne

Frauenbeschneidung zu bezeichnen. Die

Psychologin ist Expertin in diesem Gebiet

und drehte 2014 einen Dokumentarfilm

zum Thema „Meine Narbe“, der u.a. für

den Fernsehpreis nominiert war und im

ORF ausgestrahlt wurde.

Obwohl ich letztlich froh bin, durch

einen Kaiserschnitt „erlöst“ worden zu

sein, waren die Umstände danach umso

schlimmer. Da ich nicht in einem Einzelzimmer

in einer Privatklinik lag, sondern

zunächst in einem Dreibett-, dann in

einem Doppelzimmer, musste mein Mann

zwischen 19 Uhr und 7 Uhr morgens

gehen. Ich war mit einer Bauchoperation,

wie die Ärzte mir stets einbläuten, unter

Schmerzmittel und mit meinem so neuen

Säugling über Nacht allein. Mein Sohn

war gesund, kräftig, hungrig und schrie.

Ich konnte ohne Hilfe nicht aufstehen,

kaum gehen, geschweige denn mein

Baby tragen, wiegen, wickeln. Natürlich

halfen die Hebammen, wenn ich sie rief,

aber dass sie Stress hatten war mehr

als spürbar. Die Muttermilch ließ auf sich

warten, typisch für die Kaiserschnittgeburt.

Ich entließ mich einen Tag früher

aus dem Spital, weil mein Sohn und ich

zuhause nicht nur mehr Betreuung haben

würden, sondern vor allem Ruhe. Und

prompt schoss die Milch ein.

Ruhe, Zeit und die individuelle

Betreuung, das braucht es für Geburten

– vorher wie nachher. „Wie soll eine Frau

sich sonst öffnen können?“, kritisiert die

Hebamme. Ich hatte es nicht gekonnt.

Ich erlebte während meiner Geburt vier

Personalschichten. Zwar allesamt freundlich

– da hatte ich Glück, denn ich kenne

andere Berichte – aber nichtsdestotrotz

bedeutete dies, dass mich vier Schichten

an der bis dato intimsten Stelle untersuchten.

Diese stetige Muttermunduntersuchung

ist für die Frauen nicht nur oft

unangenehm, sie ist so häufig auch nicht

erforderlich, so die Expertinnen. Als bei

mir kurz vor Schluss die Auszubildende

dann auch noch fühlen wollte, was denn

da nicht weiterging, hatte ich wahrlich

das demütigende Gefühl des Tags der

offenen Tür.

Würden Männer die Kinder kriegen,

liefe es hundertprozentig anders. Die

Psychologin und die Hebamme stimmen

mir sofort zu – ohne Zögern. „Wenn Männer

das System gestalten und Hebammen

nicht mitreden dürfen, dann ist das

zu Gunsten des Geldes und zu Lasten

der Frauen und Kinder“, so die Hebamme.

Es fehle an Güte und Mitgefühl. Für

mich fehlte es vor allem an Respekt vor

dem, was wir Frauen hier leisten. Wir

bringen Leben auf die Welt! Das Wichtigste

für unsere Gesellschaft, und geben

dabei viel von uns hin. Denn kaum ein

Mutterkörper ist danach derselbe.

Beide Frauen bestärken mich in dem

Vorhaben, diesen Artikel zu schreiben.

Ich weiß, dass ich nicht die Einzige bin.

Es gibt immer

mehr Berichte von

Gewalt während der

Geburt, von Verletzungen

– verbaler

wie physischer.

Es gibt immer mehr Berichte von Gewalt

während der Geburt, von Verletzungen –

verbaler wie physischer Art. Es gibt zwar

keine Statistiken, aber laut Schätzungen

von Christina Mundlos, der deutschen

Soziologin und Autorin des Buchs

„Gewalt unter der Geburt“, betrifft es

mindestens 40–50% der Geburten. „Das

Risiko für die einzelne Frau bei einer

ihrer Geburten Gewalt zu erleben ist

jedoch noch höher. Wenn etwa 50% der

Geburten betroffen sind, dann liegt das

Risiko für die einzelne Frau bei 80% bei

einer ihrer Geburten Gewalt zu erleben,“

so Mundlos. Das Sprechen darüber ist

gut. Denn wenn wir Frauen uns nicht

wehren, wie soll sich etwas ändern? Das

Intime ist politisch. ●

/ FAMILY SPECIAL / 25


„Natürlich

vermisse ich

mein Kind“

Interview unter Palmen:

Wir trafen die Umweltministerin

im Palmenhaus.

26 / MIT SCHARF /


Umweltministerin Elisabeth Köstinger spricht im biber-Interview

nicht über Klimapolitik, sondern über ihr Leben als Politikerin

und Mutter. Dass sie für ihren Job zurückgesteckt hat,

in der Schwangerschaft vor Sorge nächtelang wach lag und

ihr Mann zum Babyschwimmen geht, erzählt sie biber-Chefredakteurin

und ebenfalls Neo-Mama Delna Antia-Tatic.

Von Delna Antia-Tatić, Fotos: Marko Mestrović

BIBER: Frau Ministerin, wie läuft es mit

dem Masterplan „Ministerin mit Baby“?

ELISABETH KÖSTINGER: Es macht Spaß,

es macht Sinn und es ist unfassbar

anstrengend. Es ist ein extrem fordernder

Beruf, wo man nicht nur massiv

Verantwortung trägt, sondern auch

permanent in der Öffentlichkeit steht.

Jede Geste, jedes Augenrollen, jedes

Müdesein wird registriert. Was dahinter

steht, sieht aber niemand und soll auch

niemand sehen. Die Privatsphäre ist für

mich das Allerheiligste, weil ich nicht

möchte, dass meine Familie sich öffentlich

für irgendetwas rechtfertigen muss

bzw. auch bewertet wird.

Ihr Sohn ist neun Monate alt. Wäre er

schon 16, würden Sie ihm eine Entschuldigung

für die Klimastreiks schreiben?

Nein, die Schulpflicht in Österreich ist ein

Privileg. Aber ich würde ihn darin bestärken,

dass er sich für Themen, die ihm

unter den Nägeln brennen, einsetzt und

dafür auf die Straße geht. Er muss dann

nur auch die Konsequenzen tragen.

Verstehen Sie die Jugendlichen, die auf

die Straße gehen?

Voll. Normal hätte es das schon vor zehn

Jahren geben müssen, weil es diese

alarmierenden Berichte nicht erst seit

gestern gibt. Wenn etwas Technisches

wie das Co2 mit Leidenschaft aufgeladen

wird, dann habe ich große Hoffnung,

dass diese Generation etwas bewegt.

Sie sind Nachhaltigkeitsministerin – wird

Ihr Sohn nachhaltig aufgezogen? Holzspielzeug,

Öko-Windeln, selbstgekochte

Beikost?

Ja klar, das geht bei uns automatisch,

da wir schon vor vielen Jahren darauf

verzichtet haben, unnötiges Plastik zu

produzieren. Ich stamme selber aus einer

Bio-Landwirtschaft und bin mit einem

großen Ernährungsbewusstsein aufgewachsen.

Für mich ist Fleisch etwas ganz

Besonderes, das nicht billig gekauft und

schon gar nicht weggeschmissen wird.

Und das probieren wir auch unserem

Baby weiterzugeben.

Mit Kind und Karriere hat „frau“ schon

genug zu tun – nun muss das Ganze

noch umweltbewusst

passieren. Setzt uns

das grüne Leben unter

Druck? Wie geht es

Ihnen als Ministerin für

Umwelt und als Mutter

damit, diesen Ansprüchen

gerecht zu werden?

Auch ich bin nicht perfekt

und auch ich kann diesen absolut

nachhaltigen Lebensstil nicht vollständig

leben. Aber ich glaube, dass der erste

Schritt zu einer Veränderung die kritische

Auseinandersetzung ist. Kleine Schritte

machen, Stichwort Ernährung: Dass

unser Essen regional und saisonal ist und

nicht von irgendwoher eingeflogen wird.

Was isst Ihr Sohn denn gern?

Er liebt Spinat, da tun wir auch ein

bisschen Knoblauch hinzu. Bei Karfiol

kommen ihm die Tränen, den mag er gar

nicht.

Sie sagen „wir“. Kommen Sie überhaupt

zum Kochen – oder macht das ihr Mann?

In der Nacht und in der Früh gehört er


Es gibt keinen

normalen

Alltag.


mir – da koche ich dann auch, wann

immer es möglich ist. Wir probieren,

es aufzuteilen, so gut es geht. Und ich

sage bewusst: So gut es geht. Denn

es gibt keinen normalen Alltag. Es gibt

Arbeitsblöcke und dazwischen Babyblöcke.

Natürlich braucht jeder eine gewisse

Flexibilität, weil manchmal das Baby

schläft, wenn mein Block dran ist oder

sich umgekehrt etwas bei mir verschiebt.

Stillen Sie noch?

Er hat am Wochenende beschlossen,

nicht mehr zu wollen.

Wow, beneidenswert. Ich

bin „radikal“ auf Abstillwochenende

ins Hotel

gegangen… Bei uns

ging das leider nicht von

allein.

Das ist extrem individuell.

Mein Sohn ist viel

gewohnt, weil er mich

von Anfang an überall hinbegleitet hat.

Es ist aber jede Situation anders, wie

auch jedes Kind, jede Politikerin, jeder

Mann. Daher denke ich, dass es keinen

Masterplan Baby gibt.

Als Politikerin haben Sie keinen Rechtsanspruch

auf Mutterschutz und Elternzeit.

Darüber haben Sie sich letztes Jahr

beklagt. Immerhin mussten Sie selbst

entscheiden, wann Sie zurückkommen.

Fühlen Sie sich benachteiligt?

Zugegebenermaßen ist es hart nach

fünf Wochen wieder arbeiten zu gehen.

Aber in der Politik ist es nun einmal so,

dass es keinen Ersatz für eine gewählte

Abgeordnete oder Funktion gibt. Bei

/ FAMILY SPECIAL / 27


Abstimmungen etwa im Bundesrat macht

es einen Unterschied, ob jemand da ist

oder nicht.

Haben Sie als Mutter für das System

zurückgesteckt?

Sicher. Aber das war mir auch bewusst

und ich habe mich darauf vorbereitet.

Wenn mir allerdings jemand vor zwei

Jahren gesagt hätte, dass es so kommen

würde, hätte ich laut gelacht und gesagt:

„Nie im Leben!“. Weil ein Kind zu haben,

ist das größte Geschenk und wenn ich

dieses Glück einmal haben werde, dann

will ich natürlich viel Zeit mit ihm verbringen.

Dann ist es bei mir anders gekommen

und das geht auch gut. Natürlich


Weniger Perfektionsdrang und mehr

Selbstbewusstsein, rät sie jungen Frauen.

(Männer seien ja per “ se perfekt! Lacht.)

Pressesprecher bitte Ohren zuhalten! Denn manchmal kugelt die Ministerin lieber mit

ihrem Baby am Boden herum, als eine perfekte Pressekonferenz vorzubereiten.

vermisse ich mein Kind unfassbar. Vor

allem, wenn ich nach Hause komme und

er untertags irgendetwas gemacht hat,

was er vorher noch nicht konnte. Aber

auch das geht.

Sind Sie eine andere Mutter geworden,

als Sie gedacht hätten? Ich habe in der

Schwangerschaft stets gedacht, dass ich

fix die „coole Mum“ würde, deren Baby

nicht im Ehebett schlafen wird und die

niemals mit Helikopterrotoren um den

Sprössling herumkreist. Es ist bzw. ich

bin das Gegenteil geworden!

Bei mir war es umgekehrt. Rückblickend

muss ich sagen, ich hätte mir 99% der

Sorgen, die ich mir in der Schwangerschaft

gemacht habe, sparen können. Ich

bin nächtelang wach gelegen und habe

mir gedacht: Wie soll das gehen? Was

ist, wenn das Baby immer schreit und

wir nächtelang nicht mehr schlafen? Wir

haben auch nicht genau gewusst, wie

es meinem Mann in seiner neuen Rolle

gehen wird. Manchmal muss man die

Dinge aber auch einfach laufen lassen –

weil es eh anders kommt.

Apropos Mann. Er ist in Karenz gegangen

und Sie bekommen von ihm viel

Unterstützung…

Genau! Ich bin nicht das Vorbild, sondern

er ist es. Ich könnte das alles ohne meinen

Mann nicht.

Wie lange geht er in Karenz – ein oder

zwei Jahre?

Er könnte zwei und wir sind jetzt dabei zu

schauen, was für das Baby das Beste ist.

Ihr Mann ist Kärntner-Slowene. Wächst

Ihr Sohn zweisprachig auf?

Ja, uns ist wichtig, dass er zweisprachig

aufwächst. Mein Mann spricht nur slowenisch

mit ihm.

Wo sind die Zwei denn gerade – ums

Eck?

Nein, mittwochs ist Babyschwimmen. Da

ist alles im Zeichen der Schwimmwindeln.

Mein Mann ist dabei immer noch

die Ausnahme, wenn er mit den anderen

sechs Müttern im Becken planscht.

Welches Signal setzen Sie als prominente

Frau und Politikerin für junge

Frauen? Auch Neos-Chefin Beate Meinl-

Reisinger hat angekündigt, schon nach

acht Wochen wieder zurückzukehren.

Setzt das junge Frauen in der Arbeitswelt

nicht unter Druck und erzeugt eine

Bumerangwirkung? Nach dem Motto:

Wenn die Politikerinnen das so machen,

muss ich das auch können?

Nein, es sollte das Gegenteil sein. Es soll

zeigen, egal wie junge Frauen ihr Leben

leben wollen, so sollen sie es auch tun.

Viele Frauen in Führungspositionen

haben mir immer dieselbe Frage gestellt:

Wie geht das? Und es geht bei keiner

gleich. Viele werden einfach auch nicht

die Unterstützung des Mannes haben.

Und das macht einen Unterschied. Ich

weiß, dass mein Baby bei meinem Mann

genauso betreut ist wie bei mir. Der

kümmert sich mit derselben Liebe und

derselben Hingabe um unser Kind.

Sehen Sie sich als Vorbild, dass Sie als

Mutter so früh ins Arbeitsleben zurückge-

28 / FAMILY SPECIAL /


kehrt sind?

Nein, ich will keine Vorbildrolle haben.

Das muss jeder für sich selbst entscheiden.

Meist verdient der Mann mehr, das spielt

in der Entscheidung eine Rolle.

Absolut. Keine Lebensgeschichte ist vergleichbar.

Ich finde, dass junge Frauen

oft zu wenig selbstbewusst sind, das

auch einzufordern.

In der Redaktion begegnen mir junge

Frauen, deren Mutter-Vorstellung vor

allem vom lifestyligen Bild der „Insta-

Mums“ geprägt ist. Nun vermitteln auch

Politikerinnen das schöne Bild: Kind und

Karriere – alles easy!

Ich habe mich nie als Vorbild bezeichnet

und werde das auch nie tun. Es ist

mein Mann! Dass unsere Männer mehr

Familienarbeit machen und das auch aus

einem Inneren heraus machen, daran

wird viel liegen. Außerdem habe ich

gemerkt, dass es immer einen Weg gibt

– um auch selber nicht auf der Strecke

zu bleiben. Denn was in dem Ganzen

komplett übrigbleibt, ist meine Person

selber.

Folgen Sie Insta-Mums?

Ja. Zum Beispiel einer Kärntnerin mit vier

Kindern. Das ist sicher noch einmal eine

andere Liga…

Wie finden Sie es, dass Bloggerinnen mit

ihren Kindern Geld verdienen?

Ehrlich, ich bin zum Teil für manche Tipps

so dankbar. Ich bin ziemlich spät Mama

geworden. Ich schupfe zwar ein Ministerium,

aber plötzlich hast du ein vier Kilo

Baby in der Hand und keine Ahnung, was

richtig und was falsch ist. Hat er genug

an? Daher ist es schon super für mich zu

schauen, wie es andere tun. Natürlich ist

das nie die reale Welt, aber es ist sowieso

an unserer Generation gelegen, das

auch so zu filtern.

Haben es Mütter schwerer als Frauen in

unserer Gesellschaft?

Jede Frau hat ihre Herausforderungen,

das ist klar. Mit der Mutterschaft kommen

einige neue dazu. Aber es macht

mich auch in manchen Dingen konsequenter.

Ich nehme jetzt nicht mehr

unbedingt jeden Abendtermin wahr, weil

ich eben auch Zeit mit meinem Kind

verbringen will.

Aber Stichwort: Teilzeit, Altersarmut.

Mich überrascht es positiv, dass sich

manche meiner befreundeten Mütter

inzwischen ihrer benachteiligten Pensionslage

bewusst sind, wenn sie „nur“

Teilzeit arbeiten.

Voll, absolut. Vielen ist das allerdings

noch gar nicht so bewusst…

Und vom Pensionssplitting weiß kaum

jemand!

Ich glaube, dass sich

Frauen in dieser Phase

vielmehr noch um sich

selbst kümmern und

auch vieles vom Partner

einfordern müssen.

Denn Altersarmut betrifft

fast nur Frauen. Weil ihnen zum Teil die

Zeiten fehlen oder sie aus sehr einkommensschwachen

Berufen kommen.

Liegt es also in den Händen der Frauen

selbst?

Auch. Es braucht natürlich immer, wie in

allen Bereichen, politische Rahmenbedingungen.

Zum Beispiel Ansätze wie das

Pensionssplitting * .

Welchen Rat haben Sie an junge Frauen

und Mütter?

Dass sie nicht soviel Angst haben sollten,

etwas falsch zu machen. Ich glaube,

dass jede Frau versucht, das Beste zu

machen und natürlich ist nicht jede

gleich die perfekte Mama oder perfekte

Ehefrau… Wir versuchen immer so perfekt

zu sein. Davon müssen wir weg!


Nicht ich, mein

Mann ist das

Vorbild!

Wollen das Frauen mehr?

Natürlich. Männer hinterfragen sich ja

weniger und sind ad persona schon

perfekt. (lacht)

Ich habe letztens mit einer Psychologin

telefoniert, die würde das bestätigen.

Frauen suchen stets bei

sich die Schuld, Männer

in der Außenwelt.

Das ist bei mir genauso.

Was ich anderen Leuten

hinterherrenne, damit

es für jeden passt...

Im Endeffekt hat mich

hier bereits mein Baby gelehrt, dass es

andere Prioritäten gibt. Und dass am

Boden liegen und sich den Bauch halten

vor Lachen so viel wichtiger ist als – jetzt

muss mein Pressesprecher weghören

– eine perfekt vorbereitete Pressekonferenz.

Erdet ein Kind also?

Was wir in der Bundesregierung machen,

ist ein Job 24h am Tag, 7 Tage die

Woche. Das macht etwas mit dir. In diesem

permanenten Druck und in der Last

der Verantwortung, da ist ein Kind etwas

Befreiendes. Weil du immer in zwei

Augen schaust, für die du das machst,

auch politisch – in keinem Bereich mehr

als bei mir. ●

Ihr Kind wird zweisprachig großgezogen, erzählt die Ministerin der biber-

Chefredakteurin. Deren Sohn übrigens auch.


* Alles über Pensionssplitting&Co auf s. 43

/ FAMILY SPECIAL / 29


DER PAPA

IST NICHT DA!

30 / FAMILY SPECIAL /


Von Stefan Pscheider, Fotos: Privat

Ich war so stolz, als ich mit

meinem Fahrrad zum ersten

Mal ohne Stützräder um die

Häuser zog, und so traurig,

als ich im Englischunterricht

meinen ersten Fünfer bekam.

Ich erinnere mich gerne an

Mamas leuchtende Augen,

wenn sie Geschichten aus

meiner Kindheit erzählte.

Papa konnte ich leider nicht

fragen. Er war nie dabei.

Der Autor ist mit seinen Schwestern aufgewachsen, die ihn

großgezogen haben.

Sommerferien 2002. Wir sitzen im Auto. Mama, meine

beiden Schwestern und ich. Zu der Zeit bin ich acht

Jahre alt. Wir machen uns auf dem Weg zur Oma.

Sie wohnt eine Autofahrstunde entfernt. Meine Mutter steigt

heute nicht aus. Sie möchte lieber im Auto bleiben, verabschiedet

sich und fährt. Ich habe schon während der Fahrt

bemerkt, dass die Stimmung heute anders ist als sonst.

Die gesamte Autofahrt über fiel kein Wort. Dabei hat Mama

immer viel zu erzählen. Heute blieb sie stumm. Mama hat

angekündigt, dass Oma Besuch hat. Unser Vater ist auf

Besuch in Österreich. Nach fünf Jahren in Brasilien. Ich war

drei Jahre alt, als ich ihn das letzte Mal gesehen hatte. Ich

kann mich nicht an ihn erinnern und plötzlich ist er da. Der

Mann, den Leute in meinem Umfeld meinen Vater nennen.

„DER PAPA IST DA!“

Wenn ich nach der Schule bei

Klassenkameraden zu Hause war,

ertönte gegen späten Nachmittag

immer ein lauter Schrei: „Der Papa

ist da!“. Da wurde dann für zehn

Minuten alles unterbrochen. Egal

welches spannende Spiel gerade

„Meine große Schwester

hat in Mamas altem

Hochzeitsalbum überall sein

Gesicht weggekritzelt.“

gespielt wurde. Erst mal den Papa begrüßen. Das muss sein.

Bei uns war das anders. Meine Mutter hat wieder geheiratet,

doch als Vater habe ich ihren Ehemann nicht gesehen. Das

ging von beiden Seiten aus. Das Verhältnis war distanziert.

Auch Konflikte wurden über Mutter gelöst. Ich konnte spüren,

dass er mit der Vater-Rolle überfordert war. Das merkte

ich spätestens als meine kleine Schwester, seine leibliche

Tochter, auf die Welt kam. Da blühte er auf. Trotz der Mühen

meines Stiefvaters war der Unterschied für mich immer

spürbar.

DER MYSTERIÖSE MANN

Vor dem Besuch bei Oma habe ich des Öfteren von unserem

Vater gehört. Meine große Schwester hat in Mamas altem

Hochzeitsalbum überall sein Gesicht

weggekritzelt. Ich wusste nicht,

wie er aussieht. Da gibt es nur ein

Foto, an das ich mich gut erinnere.

Das hängt in einem selbstgebastelten

Kalender bei Oma neben

dem Kühlschrank. Im Monat Jänner

verewigt. Ein altes Familienfoto,

aufgezeichnet im Schnee, auf dem

/ FAMILY SPECIAL / 31


auch Papa zu sehen ist. Das ist eines der wenigen Fotos, bei

dem es meine Schwester Tina noch nicht geschafft hat, ihren

Frust auszulassen. Ein einziges Foto also, das sich in meinem

Gedächtnis eingebrannt hat. Ein einziges Foto, das mir eine

Art Kommunikation ermöglichte. Keine weitere Verbindung

zu ihm, dem mysteriösen Mann.

DER UNGEBETENE GAST

Zu Hause war es nie leise. Wir hatten eine turbulente, Großteils

unbeschwerte Kindheit, haben immer viel gelacht und

geblödelt. Gebrochen wurde die Stimmung durch Situationen,

die von einer Person ausgelöst wurden, ohne dass

diese anwesend war.

Eines Abends bekam meine Mutter einen Anruf. Papa war

am Telefon und wollte mit meiner

großen Schwester sprechen. Sie

ist fünf Jahre älter als ich und ging

bereits zur Schule als Papa uns

verlassen hat. Nach dem Telefongespräch

rannte sie aufs Klo und

musste sich übergeben. „Das hat

mich komplett überfordert. Generell,

wenn wir wieder in Kontakt

„Ich erinnere mich, dass wir

uns unter Karlis Stockbett,

zwischen den Windeln

versteckt haben.“

getreten sind, war er plötzlich wieder weg und jedes Mal

bin ich diejenige, die verletzt wurde“, erinnert sich Tina nur

ungern. Auch in Streitsituationen mit meiner Mutter war

die Person, die nie da war, trotzdem jedes Mal ein Thema.

Schlechte Eigenschaften haben wir laut Mutter allesamt vom

Vater geerbt. War sie von uns enttäuscht, gab es für sie

immer nur einen Satz: „Du bist schon wie dein Vater!“. Das

war für uns als Kinder immer die schlimmste Beleidigung und

spätestens ab diesen Zeitpunkt wussten wir, es ist Schluss

mit lustig.

ÜBERFORDERT

Da steht er also. Der Mann, von dem ich angeblich alle

schlechten Eigenschaften geerbt habe. Der Mann, der

Mama traurig macht. „Ich habe

Geschenke mitgebracht“, sagt er

mit hoffnungsvollem Blick. Ich höre

ihn reden, ich sage aber nichts.

Ich neige meinen Kopf etwas nach

unten, meine Augen sind trotzdem

auf ihn gerichtet. Seine kantige

Stirn lässt ihn sehr ernst wirken und

seine dunkelbraunen Haare werden

langsam grau. Ich grinse. Ein kurzes

Nicken. Und dann schreie ich ganz laut nach Oma und laufe

davon. Auch meine elf Monate ältere Schwester Lara war

mit der Situation überfordert. Ich erinnere mich, dass wir

uns unter Karlis Stockbett, zwischen dem Vorrat Windeln

versteckt haben. Karli war Omas Pflegesohn. Er konnte nicht

sprechen, gefühlt hat er aber mehr mit mir geredet als Papa.

KONSEQUENZEN

Ich war von meinem Vater eingeschüchtert und das blieb bis

heute so. Nicht nur bei ihm. Generell schrecke ich bei Männern

anfangs zurück. Erzogen wurde ich von meiner Mutter

und später von meinen 2 älteren Schwestern. Ich habe viel

von ihnen gelernt. Barbiepuppen gehörten zum Beispiel

nicht in den Ofen und Kaugummi nicht in deren Haare. Auch

mit der Kleidung meiner Schwestern war nicht zu spaßen,

sonst drohten Konsequenzen. Ich nahm ihre Tipps gerne an

und schätzte die weibliche Umgebung. Sie gab mir Sicherheit.

Trotzdem hätte ich gerne mal einen „männlichen Rat“

erhalten oder eine unsensible Aufmunterung, die mich ein

bisschen lockerer und selbstbewusster gemacht hätte.

Freundschaften zu Männern fallen mir schwer und da gebe

ich ihm die Schuld. Dem mysteriösen Mann, den ich kaum

kannte und der trotzdem so viel auslöste. ●

Sommerferien: Der Autor (vorne), seine Oma und seine

Schwester.

32 / FAMILY SPECIAL /


Elsa Okazaki, bereitgestellt

MEINUNG

Lasst mich von

meinem Baby

schwärmen!

Halbzeit meiner Schwangerschaft. Was das

bedeutet: Vieles, was zu erwarten war, hat

sich schon bewahrheitet. Wochenlang habe

ich alles Mögliche mehrmals am Tag ausgespieben

- Chicken McNuggets blieben

interessanterweise drin, Quinoa nicht, es wird

spannend mit meinem Baby. Innerhalb einiger

Wochen haben meine alten Sachen gespannt,

dafür trage ich jetzt eine süße Kugel vor mir

her. Ich drehe mich im Schlaf wie ein Döner,

vergesse regelmäßig, was man mir sagt und

letztens habe ich geweint, weil mein Mann

zu wenig Risotto gemacht hat. Damit konnte

ich ungefähr rechnen, beziehungsweise es

war keine so große Überraschung. Womit ich

jedoch nicht gerechnet habe: diese unaufhaltbare

Welle an ungefragten Ratschlägen, die

auf mich zugerollt ist.

Beispiele für Ratschläge, die man als

Schwangere sehr gut gebrauchen kann: „Mir

war auch so schlecht, Akupressur hat mir

so geholfen“ oder „Kauf dir unbedingt diese

Strumpfhose, die hat den besten Halt“, „Mit

dieser Creme habe ich mir den Bauch eingecremt“.

Gewinnspiel

HEY BABY

Aus dem Bauch heraus

Jelena Pantić-Panić

Was kein Mensch braucht:

„Mach jetzt was du willst, weil danach ist

alles vorbei“

„Du wirst die nächsten Jahre nicht mehr

fernschauen können“

„Kinder sind soooo anstrengend, aber das

wirst du ja noch sehen hehehe“

DAS LETZTE CHILLEN

Könnt ihr mich bitte in Ruhe meine Schwangerschaft

genießen lassen? Es kommt wie’s

kommt – ich habe keine Ahnung, wie mein

Baby sein wird, wie wir als Eltern sein werden

und ich werde es früh genug erfahren. Was

ich aber fix weiß: Jetzt gibt’s kein Zurück

mehr. Es ist also völlig sinnlos und ehrlich

auch ziemlich unangebracht werdenden Müttern

den Kopf damit zuzumüllen, wie furchtbar

das alles ist. Konkrete Tipps liebend gerne

en masse, Hiobsbotschaften nein danke. Vielleicht

bin ich auch super naiv und werde noch

mein blaues Wunder erleben aber nichtsdestotrotz

will ich jetzt einfach mit Horrorstories

in Ruhe gelassen werden. Wenn mein Leben

angeblich vorbei ist, dann ist doch jetzt meine

letzte Chance zum Chillen, also lasst mich

leben! Und wenn ich unbedingt was wissen

will, frag ich nach.

Die Tipps sind immer gut gemeint aber es

spielen so viele Faktoren mit, wie man diese

Zeit erlebt: Wie ist das Baby drauf? Wie sehr

ist der Partner involviert? Auf was für ein

Familiennetz kann man sich verlassen? Partner

ist gecheckt und in meine Familie habe

ich unendliches Vertrauen, dass sie uns zur

Seite stehen wird. Einziger uneinschätzbarer

Wackelkandidat: das Babylein. Und das soll

bitte mal gesund auf die Welt kommen und

dann schauen wir weiter.

Das Gute am Schwangersein ist, dass ich

irgendwie keinen Filter mehr habe. Es fällt

mir gerade wesentlich einfacher, Leuten zu

sagen, sie sollen mich einfach in Ruhe lassen.

Und wenn wer beleidigt ist: Sorry, es sind

meine Hormone!

DM und biber verlosen 2 x 1 Care-Pakete für alle frischgebackenen

Mamas und Mamas-to-Be unter euch. Einfach

eine Mail an trost@dasbiber.at schicken und teilnehmen!

SCHLAFEN

WIE EIN BABY

In der

Schwangerschaft

sagen dir viele: „Schlaf

noch solange du kannst!“. Das

Problem dabei ist: Man kann

nicht vorschlafen, it’s not a

thing. Und eine Kugel, ein

tretendes Wesen, das sich darin

befindet, sowie multiple nächtliche

Toilettengänge sind nicht

gerade ideale Bedingungen zum

Durchschlafen. Darum Pflichtkauf

für alle Schwangeren: ein

Schwangerschaftskissen! Stützt

den schweren Bauch, entlastet

den Rücken und ist auch noch

kuschelig. Auch später super

zum Stillen. Allround-Talent!

Übrigens auch für Nicht-

Schwangere zu empfehlen, die

gerne auf der Seite schlafen.

FÜR DEN FALL

DER FÄLLE

Je näher der Geburtstermin

rückt, desto intensiver werden

gewisse Ängste: Wie soll

ich das schaffen? Wird alles

gutgehen? Was, wenn ich alles

falsch mache? Und ist das Kind

einmal da, werden die Sorgen

eher mehr als weniger. Es kann

also hilfreich sein, sich so gut

es geht vorzubereiten. Im LYMA

Studio in Mariahilf gibt’s am

Samstag, den 18. Mai 2019

von 10:30-13:00 Uhr einen

Erste-Hilfe-Kurs für Eltern von

Babys und Kleinkindern. Kosten:

ab 39 Euro. Süße Kurse wie

Babyzeichensprache

oder Mama-Baby-

Yoga gibt’s dort

übrigens auch!

Weitere Infos

unter lyma.at

/ BABYSTYLE / 33


DIE BAD MOMS

VON INSTAGRAM

Valentina (links) und Bonnie (rechts) aka die Bad Moms von Instagram.

instagram.com/valentinabelleza [1] / @josselin

34 / FAMILY SPECIAL /


Genug von perfekten Insta-Muttis: Die deutschen It-Girls Bonnie Strange

und Valentina Belleza gründen auf Instagram den „Bad Mom Club“ – und

ermutigen Mütter, sich von ihrer unperfekten Seite zu zeigen.

Von Aleksandra Tulej

Wieso hat dein Baby noch keine Haare?“, „Wieso

stillst du nicht?“, „Sorry, aber musst du

wirklich halbnackte Bilder von dir posten? Du

bist doch jetzt schließlich Mutter!“.

Das ist nur ein Auszug der Kommentare, die die deutsche

Influencerin, Moderatorin und Model Bonnie Strange auf ihrem

Instagram-Account fast tagtäglich bekommt.

Die 32-jährige Berlinerin mit russischen Wurzeln ist sehr

präsent auf Social Media, vor allem auf Instagram. Mit ihren

fast 830.000 Followern teilt sie viel aus ihrem Berufs- und Privatleben.

Und gibt sich dabei einfach so, wie sie ist: Ob Fotos

mit Zigarette, Oben-Ohne-Bilder oder Pics von ihren Tattoos.

Für manch Follower Grund genug, sich Sorgen zu machen. Und

die Bedenken mitzuteilen. Vergangenen Frühling wurde die Ex-

„taff“-Moderatorin nämlich zum ersten mal Mutter.

„DU HÄLTST DEIN BABY FALSCH!“

Kaum war Bonnies Tochter Goldie Venus auf der Welt, ging

der Shitstorm auf Instagram los. Neo-Mama Bonnie wurde

dafür kritisiert, auf welche Weise sie ihr Baby auf dem Arm

hielt oder in welche Richtung sie ihren Kinderwagen drehte.

Immer hieß es: Falsch, falsch, falsch. Follower schüttelten den

Kopf darüber, wo sie denn ihr Kind gelassen hätte, wenn sie

mal einen Abend ohne Baby unterwegs war. Große Empörung

auf Bonnies Profil herrschte auch, wenn das Model mal ein

freizügiges Foto veröffentlicht hat – etwa oben ohne. Natürlich

mit zensierten Nippeln, alles andere würde Instagram ja nicht

zulassen. Es hieß trotz aller Zensur seitens Follower dann,

sie sei doch schließlich Mutter und solle nicht „solche“ Bilder

posten. Die Kommentare wurden im Laufe des letzten Jahres

nicht weniger – also drehte Bonnie den Spieß um. „Mein Kind

hat dieses Foto geschossen, natürlich”, konterte die Influencerin

dann auf empörte Nachrichten über ihre Nacktheit. Und antwortet

bis heute in diesem selbstironischen Ton auf ähnliche

Kommentare.

Denn die lassen sich nicht vermeiden:

Der größte Teil von ihrer Arbeit findet online

statt. Bonnie, die mit bürgerlichem Namen

Jana Weilert heißt, ist, wie sie selbst sagt,

„im Internet zuhause.“ Deshalb ist es auch

nicht verwunderlich, dass Bonnie ihrer


Ich habe Zwillinge

gemacht, damit ich

nicht mitspielen muss…


Tochter Goldie schon ein eigenes Instagram-Profil eingerichtet

hat.

In der Bio von Goldies Instagram stellt Mama Bonnie klar:

„Helicopter not welcome“ – als Warnung an alle „Helikoptermütter“.

Dieser Begriff bezeichnet überfürsorgliche Mamas, die

ihre Kinder auf jedem Schritt kontrollieren und diese regelrecht

„umkreisen“, wie das eben bei Hubschraubern der Fall ist.

Die Influencerin hat bislang noch nicht das Gesicht ihres

Babys auf Instagram gezeigt. Es reicht einigen besorgten Followern

aber schon, wenn sie ein Bild von Goldie im Leoprint-

Strampler postet. Sie fragen, was dieses Muster denn an einem

Baby verloren hätte und welche Rabenmutter ihrem Baby so

etwas anziehe. Bonnies Reaktion?

Sie veröffentlicht ein Foto mit dem Schriftzug „Bad Mom

Club“ und fordert ihre Follower selbstironisch auf, sich für

diesen Club zu bewerben. Unter dem Hashtag #badmomclub

kommentieren Mütter aus aller Welt das Bild und teilen ihre

„Geständnisse“ aus dem Alltag mit Kind und berichten über

Situationen, die sie zu „Bad Moms“ machen - die Definiton

dafür, dass niemand als Mutter perfekt sein muss. Auch nicht

auf Instagram. Die Kommentare sehen dann etwa so aus:

„HAB MEIN BABY IM HAUSFLUR

VERGESSEN“

„Hab mein neues Baby im Kindersitz im Hausflur vergessen“,

gibt „headofalittleunicorn“ zu.

„Kind hat Sand gegessen, musste also kein Abendbrot

mehr machen. Bin ich drin?“, will „twoandahalfunicorn“ wissen.

„Ich habe heute heimlich mit dem Kopf unter dem Tisch in

mein Schokocroissant gebissen. Als ich gemerkt habe, dass

mein Sohn mich beobachtet, hab ich so getan, als wäre nichts

und habe versucht normal mit ihm zu sprechen, sodass er

nichts abhaben will“ , kommentiert die Userin „krassmin“.

„Ich zieh mir manchmal die Decke über den Kopf damit

meine Kleine mich in Ruhe lässt und alleine

spielt“, so der Kommentar von „roth.tanja.“

„Ich habe Zwillinge gemacht, damit ich

nicht mitspielen muss…“, schreibt „caroline.

von.talstein“.

Andere Followerinnen bedanken sich

bei Bonnie dafür, dass sie sich und vor allen

/ FAMILY SPECIAL / 35


anderen eingestehen dürfen, dass nicht immer alles heile Welt

sein muss. Bonnie ging da nämlich schon vor Goldies Geburt

mit einem Beispiel voran: So teilte sie öffentlich ihre Wut über

den Vater ihres Babys, Leebo Freeman, mit. Der Musiker hat

sie betrogen, als sie im neunten Monat schwanger war.

Sie erzählte dann auf Instagram alles über das Ende der

Beziehung, teilte mit, dass sie die Schlösser ausgetauscht hat.

Aber auch, dass sie ihrem Kind den Vater nicht wegnehmen

oder vorenthalten will. Für diese Transparenz wird sie von ihren

Fans gefeiert – und von den - wie sie sie selbst nennt - oben

erwähnten Helikoptermüttern, verurteilt.

Eine, die Helikoptereltern genauso wenig ausstehen kann,

ist Bonnies gute Freundin, das deutsche Tattoo-Model, DJane

und Influencerin Valentina

Belleza. Sie ist ebenfalls

Mitglied in dem „Bad Mom

Club.“

Die 26-jährige

Valentina hat im Februar

ihren Sohn Noe zur Welt

gebracht und kann vom

Thema Mom Shaming auf

Instagram ein Lied singen:

Bei 100.000 Followern

auf Instagram und einem

Tattoo am Hals polarisiert

man eben.

Bei Valentina gingen

die Kommentare los,

schon bevor ihr Sohn

überhaupt auf der Welt

war. Ich habe mit Valentina

gesprochen und sie

gefragt, wie sie mit dieser

ungebetenen Aufmerksamkeit

umgeht.

„ICH GHOSTE

ALLE DINKEL-

MUTTIS“

„Manchmal reicht es

einfach, einen entkoffeinierten

Kaffee in die

Kamera zu halten. Zack,

hat man schon die ersten

zehn Nachrichten von

besorgten Mamas, die dir erklären, wie schädlich Koffein für

das Ungeborene ist“ , erzählt mir das Model. Sie versucht, die

Kommentare mit Humor zu nehmen.

„Wenn es mir aber zu doof wird, ignoriere ich es und

ghoste alle Dinkel-Muttis“, so die 26-Jährige, die derzeit mit

ihrem Verlobten und ihrem kleinen Sohn in Paris lebt. Die

Frage, die Valentinas Follower am meisten zu interessieren

scheint, ist, ob das Model ihr Baby stillt oder nicht.

„Falls nicht, dann soll ich mich doch bitte informieren, weil

Stillen ja das Allerwichtigste auf der Welt ist“, so Valentina.

Dabei geht es ja beim Muttersein um etwas anderes, so die

Influencerin. „Es ist eine riesige Verantwortung und sehr viel

Liebe. Man hat einen menschlichen Tamagotchi und neuen Mitbewohner

in einem, das ändert viel“, sagt Valentina, die trotz

Baby ihren Beruf als Model ausübt.

„ENTFOLGEN UND SICH DAS LEBEN

NICHT SCHWER MACHEN“

Stichwort Model: Ich möchte wissen, was sie von After-Baby-

Bodys auf Instagram hält. So nennt man im Instagram-Jargon

Fotos von Körpern nach der Schwangerschaft. Viele Mütter

zeigen sich mit Narben und Dehnungsstreifen oder posten Vorher-Nachher-Vergleiche,

um ihren Fitness-Progress zu zeigen.

„After-Baby-Bodys sind kein großes Thema für mich, ich

habe auch nach ein paar

Wochen meinen „alten“

Körper wiedergehabt –

Gene sei Dank“, erzählt

Valentina.

„Bei manchen dauert

es länger, bei manchen

geht es ruckzuck - aber

wer seinen Körper gerne

zeigen möchte, der sollte

dies auch tun!“. Sie selbst

hat sich gegen Ende ihrer

Schwangerschaft nicht

mehr sexy gefühlt und

versteht deshalb total,

wenn man sich nach der

Schwangerschaft wieder

wohler fühlt – und dies

auch mit anderen teilen

möchte.

Das tun auch Bonnie

und Valentina, die nach

der Geburt ihrer Babys

recht bald wieder Fotos

von sich auf Instagram

geteilt haben. Auch hier

blieben Bonnie Kommentare

wie „dünner hast

du mir besser gefallen“

seitens Follower nicht

erspart. Aber das lässt die

Model-Mama Valentina, als sie noch schwanger war.

Influencerin kalt – „Celebrating

my new mombod“

schrieb sie als Caption unter ein Foto, das einen Monat nach

der Geburt ihres Babys entstanden ist.

„Jeder sollte begreifen, dass jeder Körper verschieden ist,

wie jede Schwangerschaft, jedes Kind oder auch Erziehungsmethoden.

Wer das nicht sehen mag - einfach entfolgen und

sich nicht das Leben zu schwer machen“ , resümiert Valentina.

Unter dem Hashtag #badmomclub wird man vielleicht

keine bewiesenen Erziehungstipps finden, aber Storys über das

Muttersein, wie es leibt und lebt. Und sind nicht alle Mütter

manchmal ein wenig #badmoms? ●

36 / FAMILY SPECIAL /


Bezahlte Anzeige

Foto: iStockphoto

„Jetzt macht der

Sommer richtig

viel Spaß.“

Jasmin, 8 Jahre

Anmeldung ab sofort möglich!

DEIN PERFEKTER SOMMER

Die „Summer City Camps“ sind das neue Wiener Ferienangebot.

An 25 Standorten wird 6.000 Kindern ein Sommer voll Sport,

Natur und Kultur geboten. Auch Lernunterstützung gibt es.

FÜR KINDER UND ELTERN

Wenn am 29. Juni zum letzten Mal

in diesem Schuljahr die Glocke

läutet, startet für Wiener Kinder

zwischen sechs und 14 Jahren ein

Sommer, den sie nie vergessen

werden. Die „Summer City Camps“

bieten bis Ende August ein umfassendes

Programm und geben nicht

nur den Kids die Chance, den Kopf

frei zu bekommen, sondern helfen

Eltern bei der Organisation.

SPIEL, SPASS UND SPORT

Als Belohnung für ein Jahr des

Lernens tauschen die SchülerInnen

Bleistift gegen Beachvolleyball

und Biologiebuch gegen

Badehose. In von PädagogInnen

betreuten Kursen können die

TeilnehmerInnen die Grundlagen

des Skateboardfahrens erlernen,

Erfahrungen in Tanz und Choreografie

machen sowie in Berufssparten

schnuppern und zum

Beispiel den Kochlöffel schwingen.

LERNUNTERSTÜTZUNG

Ausflüge in die Natur, Kulturerlebnisse

und Technik-Workshops

sind weitere wichtige Bestandteile

der „Summer City Camps“. In

Trommelstunden und Theaterworkshops

haben die Kinder Zeit,

ihre kreative Seite kennenzulernen.

In der „Kinder Uni Wien“ wird

wiederum experimentiert und

ausprobiert. An diversen Standorten

wird es auch Programme

für Kinder mit Behinderung geben.

Eigene „Summer Schools“ bieten

auch Lernunterstützung für

SchülerInnen, bei denen es nicht

nach Wunsch gelaufen ist. So

können alle Kinder gemeinsam

den Sommer genießen und niemand

muss zu Hause bleiben.

ALLE INFOS ZU DEN CAMPS

Service-Telefon 01/524 25 09 46,

www.summercitycamp.at


My Breast Friends

Nippelsalbe unterstützt nicht etwa ein intensives erotisches Erlebnis. Stillhütchen sind

kein Modetrend in der neuen Frühjahrs-Saison. Vienna Donut ist keine Backspezialität

aus Wien. Biber-Kolumnistin und Neo-Mama Ivana Cucujkić-Panić präsentiert das

Survival-Kit für frischgebackene Mütter.

Pump it out!

Es ist, was es ist. Eine

Milchmelkmaschine für

Menschenbrüste. Ja, man fühlt

sich genauso. Wie eine Kuh.

Ja, der Vorgang ist exakt

derselbe wie beim Tier. Ja,

ja, ja, es ist ur eigenartig,

und man ist erleichtert,

das Ding nach 15 Minuten

Pumpzyklus wieder vom

Körper schnallen zu

dürfen. Aber, halleluja,

ist es ein Segen für

den Schlaf, wenn fürs

Kind das Mittagessen

frischgezapft

bereitsteht und

Mutti sich für drei

Stunden ins Bett

verkriechen darf.

Cow-Feeling hin

oder her.

Fotos: Elsa Okazaki

Text & Produktion:

Ivana Cucujkić-Panić

Make-up & Haare:

Ivana Cucujkic-Panic

Danke an: Sara Klarer

„Die Hebamme in Wien“

(www.diehebammeinwien.at),

DAJAnELA

(www.dajanela.at),

RAVENMOTHERS

(www.ravenmothers.at)

Milchpumpe

und Bustier für

freihändiges

Abpumpen:

Medela, „Die

Hebamme in

Wien“-Shop

(www.diehebammeinwien.at)

Blazer: Editor’s

own

38 / FAMILY SPECIAL /


Peace for nipples!

Das haben sie auch echt verdient. Baby und Brust müssen noch ein Team

werden. Bis das mit dem Stillen klappt, und das kann echt dauern und fertige

Neo-Mütter noch fertiger machen, werden die Brustwarzen vom ungeübten

Still-Kind überstrapaziert. Abhilfe schaffen diese Stillhütchen. Aufsetzen,

andocken, ausatmen.

Shirt: Ravenmothers (www.ravenmothers.at)

Jeans & Boxershort: Editor’s own

/ FAMILY SPECIAL / 39


Passt wie der

Donut aufs Aug’.

Beziehungsweise auf die

Brust. Dieser weiche, nicht

zum Verzehr geeignete

Textil-Krapfen mit Loch soll

die Brust vor dem direkten

Kontakt mit Stoff schützen.

Diese ist von den ersten

Stillversuchen ziemlich

lädiert und braucht etwas

Luft zum Atmen. Wer hat

ihn erfunden, den „Wiener

Brust-Donut“? Still- und

Laktationsberaterinnen aus

Österreich. Hat Eine-Million-

Frage-Potenzial!

Turban: DAJAnELA,

www.dajanela.at

Shirt&Jogger: Editor’s

own

Down under

Dieses „sexy“ Netzteil ist

die einzige Unterwäsche,

die eine „Wöchnerin“

nach der Geburt braucht

und lieben wird. Die XXL-

Wochenflussbinden - jap,

da will noch einiges aus

dem Körper nach der

Geburt raus und kann einige

Wochen dauern - bleiben,

wo sie sollen. Tragekomfort

1A. Fashionfaktor, Netz

kommt jede Saison!

40 / FAMILY SPECIAL /


Parenting unfiltered

Vor der Geburt ist nach der Geburt

Fast zehn Monate kämpfst du mit

Wassereinlagerungen, Müdigkeit,

Verstopfung, deinen Gefühlen, deinem

Spiegelbild. Nur noch die Geburt

überstehen, dann fängt der lustige

Teil an. Im gehäkelten Pastellstrampler

durch den Wald spazieren und

auf Instagram erstmals die Hashtags

#newmom #cutebaby setzen. Olé!

Die ungefilterte Realität ist: Jetzt

beginnt’s erst. Ein paar ehrliche Zeilen

über das Wochenbett. Ohne Pastell.

#realpostpartum

1 Wochenbett heißt nicht umsonst so.

Du liegst nach der Geburt wochenlang

im Bett. Für mehr ist keine Kraft da. Dein

Körper ist geschunden, offen, blutig.

Bleib da, wo du hingehörst. Ins Bett.

2 Leute, die „das Baby sehen kommen“

wollen. Stressig. Mit vorgekochtem

Essen und der guten Absicht, die Wohnung

zu putzen und nach einer halben

Stunde wieder zu gehen, herzlich eingeladen.

3 Du bist nicht mehr schwanger. Du

schaust aber noch so aus. Und das wird

auch eine Weile so bleiben. Da, wo dein

Kind 40 Wochen lang zu einer Wassermelone

heranwachsen konnte, ist jetzt

ein Loch. Bis dieses wieder schrumpft,

triffst du bestimmt auf ein paar Witzbolde,

die dich mit ihrem sensationell

deplatzierten Sprüchen wie „nicht, dass

da noch eins drin ist? hohoho“ in Wallung

bringen werden.

4 Apropos Wallungen. Deine Hormone

kommen nach der Geburt immer noch

nicht zur Ruhe und geben dir so richtig

heiss-kalt: Dir ist buchstäblich mal heiß,

mal kalt. Meistens heiß. Du schwitzt

einfach unentwegt.

5 Der wunderbare Preggo-Glow, der

deine Haut zum Strahlen brachte und

dein Haar für jede Shampoo-Werbung

qualifizierte, verglüht langsam. Dein

Hautbild gleicht zunehmend dem einer

Pubertierenden. Dein Haar hängt unmotiviert

im „bad-hair-day“-Mood oder fällt

gleich strähnenweise ab. Am besten du

verbannst, was noch da ist, für die nächsten

Wochen in den „Mom Bun“, zum

schiefen Knödel auf die Kopfmitte.

6 In Schieflage ist auch deine Stimmung.

Deine Laune schwankt zwischen

ganz argem Baby-Blues und Tänzen auf

rosa Wölkchen. Ganz plötzlich. Ganz

stürmisch. Beim Stillen zum Beispiel.

Das Baby dockt an - Tränen. Irgendwie

schön. Irgendwie komisch. Sehr merkwürdig.

Sehr anstrengend.

7 Addiere zu dieser Gefühlsachterbahn

263 Minusstunden Schlaf und du kannst

dir die Länge deines Geduldsfadens ausrechnen.

Der wird ziemlich oft reißen.

8 Damit du diesen Ausnahmezustand

überlebst, hat die Natur Oxytocin erfunden.

Dein Körper wird dich reichlich mit

diesem wunderbaren „Kuschelhormon“

versorgen. Reduziert Stress, entspannt,

macht glücklich und selig. Du wirst quasi

high gemacht. Reine Überlebensstrategie.

Stillen um 3:00h? Wunderschööön!

9 Überhaupt schaltet dein Körper auf

Autopilot. Deine Aufnahmefähigkeit ist

begrenzt. Satzbildungen mit Beistrichen

werden zur mentalen Herausforderung.

Das Hirn ist Matsch. Stilldemenz at its

best!

10 Endlich wieder auf dem Bauch schlafen?

Hach, immer noch nicht. Der Bauch

ist weg. Dafür stehen jetzt die Brüste

zwischen dir und der Matratze. Mit dem

berüchtigten Milcheinschuss nimmt

deine Oberweite Porn-Star-Dimensionen

ein! Mach ein Foto. Nach dem Abstillen

bleibt nur mehr Sternenstaub über.

11 Irgendwann wird’s besser. Irgendwann

heilt dann Körper, deine Seele. Du

schaust wieder nach etwas aus, das früher

du war. Dein Baby wird irgendwann

durchschlafen. Du wirst irgendwann mal

wieder deine Nägel lackieren können.

Irgendwann fängt der lustige Teil an. Mit

Waldspaziergängen und Pastell. #newmom

#cutebaby


Shirt: Sarah, die Hebamme in Wien

(www.diehebammeinwien.at)

Wie geschmiert

Was da so appetitlich anmutet wie scharfer Senf, ist Balsam für die Seele -

ähm - Brustwarzen. Die sind wirklich arm in der ersten Stillzeit. Da zieht, saugt,

beißt, kaut (ja, auch ohne Zähne funktioniert das ganz gut) jemand gefühlt rund

um die Uhr an einem kleinen Stück Haut und Gewebe und du kannst dem nicht

entkommen. Nippelbalsam ist da echt eine Wohltat für die Oberweite.

Gewinnspiel: Survival -Kit fürs Wochenbett

Biber verlost eine

Wöchnerinnen-Tasche von

Sarah Klarer „Die Hebamme

in Wien“ mit der du für

die Zeit nach der Geburt

perfekt ausgestattet bist: Ein

kuschliges Geburtshandtuch,

Netzunterwäsche,

Wöchnerinnenvorlagen (Maxi

+ Mini), Bettunterlagen,

Stilltee (Anti-Kolik),

Stilltee (milchbildend),

Heublumendampfbad.

Um zu gewinnen, schreibe

eine Mail an trost@dasbiber

at mit dem Betreff „Chaos

Mama.“ Das Gewinnspiel läuft

bis 22.4. 2019

42 / FAMILY SPECIAL /


Gut zu

wissen!

Eltern aufgepasst:

Ob leistbares

Sommercamp,

Infos über Karenz

für Selbständige

oder geteilte

Pensionsvorsorge: Für

diese Tipps werden uns

alle Familien danken.

Marko Mestrović

Better safe than sorry –

Zusatzversicherung

Wenn das eigene Kind ins

Krankenhaus muss, ist das

eine Ausnahmesituation.

Stress hat man da schon

genug. Die Wiener Städtische

bietet ein spezielles

Vorsorgeangebot für Kinder

und Jugendliche, das die

Sonderklasse nach einem

Unfall deckt.Das sind dann

Upgrades wie ein Zweibettzimmer

oder Transport mit

dem Hubschrauber ins Krankenhaus

oder die Begleitkosten.

Je nach Bundesland

können sich diese nämlich

auf bis zu 70 Euro pro Tag

belaufen. Durch MEDplus

junior werden bei Krankheit

die vollen Begleitkosten

übernommen. Mit dem 18.

Geburtstag ist ein Umstieg in

die Sonderklasse möglich -

ohne Gesundheitsprüfung.

Selbstständig und in

Karenz - Was muss

ich beachten?

Selbstständige, die

Eltern werden, können

genauso in Karenz gehen

wie Angestellte. Aber

Selbständige müssen in

Punkto Zuverdienstgrenzen

besonders vorsichtig

sein, denn sonst drohen

dicke Nachzahlungen.

Die WKO verschickt

daher für alle selbstständigen

Eltern, deren Kind

das 14. Lebensmonat

erreicht hat, ein Informationsschreiben

zur

Abgrenzung des Kinderbetreuungsgeldes

an alle

Elternteile. Online kann

man dazu das Beratungstool

unter www.

kinderbetreuungsgeld.

wkoratgeber.at aufrufen!

Pensionssplitting –

gemeinsam für die

Zukunft

Alle Eltern können für die

Jahre der Kindererziehung

freiwillig Teilgutschriften

auf ihre Pensionskonten

eintragen. Der erwerbstätige

Elternteil überträgt

dabei Teile an den überwiegend

Erziehenden. Das

hilft vor allem Frauen, die

häufiger in Teilzeit arbeiten

und daher weniger in

die Pensionsversicherung

einzahlen. Statistisch

fallen Frauen dann in

Folge eher in Altersarmut

als Männer, weil sie im

Durchschnitt bis zu 43 %

weniger Pension bekommen.

Deshalb ist das Pensionssplitting

eine super

Investition in die Zukunft.

Mehr Infos unter:

www.sozialministerium.at

Sommercamp für Kids – und

ein Segen für die Eltern

Dein Kind geht nicht mehr in den Kindergarten,

ist aber noch zu jung, um

zwei Monate Sommerferien allein zu

verbringen? Sommercamps sind hier

ein Segen, aber meistens sehr teuer.

Das Western Union Kids Camp bietet

ein cooles Programm. Hier können

Kinder im Alter von sieben bis zwölf

Fußball oder Hockey spielen, turnen,

schwimmen und sich einfach auspowern

– und das für einen Unkostenbeitrag

von leistbaren 40 Euro

pro Kind und Woche. Verpflegung ist

inkludiert und kann auf individuelle

Bedürfnisse zugeschnitten werden.

Wann?

Camp 1: 8.–12. Juli 2019,

09:00–16:30 Uhr

Camp 2: 15.–21. Juli 2019,

09:00–16:30 Uhr

(Betreuung ab 08:30 bis 17:00 Uhr)

Wo?

ASKÖ Sportgelände Brigittenau,

Hopsagasse 5, 1200 Wien

Infos bei der Anmeldung unter:

mywukidscamp@westernunion.com

/ FAMILY SPECIAL / 43


„Mein

Mann

betrügt

mich …“

„… ich

liebe ihn

trotzdem“

44 / FAMILY SPECIAL /


Eine Affäre ist nach wie vor einer

der häufigsten Gründe, weswegen

Ehen und Beziehungen in die

Brüche gehen. Aber nicht immer:

Warum bleibt man beim Partner,

obwohl man betrogen wurde?

Von Aleksandra Tulej, Fotos: Marko Mestrović

Nach außen hin erscheinen sie

wie eine Bilderbuchfamilie.

Marlies * , Ende fünfzig, lebt mit

ihrem Mann in einer großen Altbauwohnung

im siebten Bezirk in Wien, die mittlerweile

erwachsenen Kinder sind schon

ausgezogen und studieren oder arbeiten.

Sie haben einen großen Freundeskreis

und verbringen die Wochenenden in

ihrem Haus am See. Marlies ist Hausfrau,

ihr Mann ist geschäftlich viel unterwegs.

Dass ihre Ehe nicht so perfekt ist,

wie es nach außen scheint, wissen nur

wenige: Marlies’ Mann hatte im Laufe

ihrer mittlerweile 37 Jahre dauernden

Ehe mehrere Affären mit verschiedenen

Frauen – und Marlies wusste davon.

„Ich bin ein Gewohnheitstier.“, sagt die

sorgfältig geschminkte und in Markengewand

gekleidete Frau. „Mein Mann war

immer schon viel auf Geschäftsreisen

unterwegs – Er bemühte sich eigentlich

nicht mal richtig, seine Seitensprünge zu

verstecken. Die Telefonate und Nachrichten,

die ich auf seinem Computer

las, waren dann eindeutig.“, erzählt sie.

„Die Kinder wussten nie davon. Oder sie

wussten es, und haben nichts gesagt.

Ich habe nie nachgefragt, weil ich die

Antwort nicht wissen wollte.“, antwortet

sie auf die Frage, wie das das Familienleben

beeinträchtigt hat.

DAS KLISCHEE MIT

DEM GELD

Warum Marlies noch mit ihrem Mann

verheiratet ist? „Es klingt banal, aber es

ist nun eben so, dass er sehr gut verdient.

Ich habe mich an diesen Lebensstil

gewöhnt und er gibt mir diese finanzielle

Sicherheit. Ich liebe ihn aber natürlich

auch noch.“ Ob es sie nicht stört, dass

ihr Mann Verhältnisse mit anderen

Frauen hat? „Am Anfang natürlich schon,

mittlerweile haben wir uns beide an

diese unausgesprochene ‚Abmachung‘

gewöhnt“ sagt sie. „Jetzt bin ich zu alt,

um mich zu trennen. Ich habe geheiratet,

als ich viel zu jung war, und jetzt bin

ich zu alt.“ Fügt sie mit einem traurigen

Schmunzeln hinzu. Ihr Mann hat aktuell

auch eine Affäre, sie lebt in einer anderen

Stadt in Österreich. Nächste Woche

fährt er wieder „auf Geschäftsreise“.

Bis 1977 war Ehebruch in Österreich

eine Straftat und wurde strafrechtlich

verfolgt. Das Gesetz wurde mittlerweile

abgeändert, trotzdem gilt es immer

noch als schwerwiegender Fehler, wenn

einer der Ehepartner ein außereheliches

Verhältnis hat. Laut der Statistik Austria

wurden letztes Jahr in Österreich 16.180

Ehen aufgelöst – einer der häufigsten

Scheidungsgründe ist immer noch der

Ehebruch. Es gibt aber Paare, die trotz

eines Seitensprungs zusammenbleiben.

Die Gründe dafür sind unterschiedlich.

Bei Marlies ist es das Geld, bei Anna *

etwas anderes.

DAS KLISCHEE MIT DER

SEKRÄTERIN

Anna* ist 54 und seit 27 Jahren mit

ihrem Mann verheiratet. Sie selber

sagt aber, dass sie nach der Affäre

ihres Mannes von neu begonnen hat

zu zählen. „Also sind es eigentlich nur

drei“. Vor drei Jahren hat Anna gemerkt,

dass zwischen ihr und ihrem Ehemann

etwas nicht stimmt. Anna lebte mit ihren

Kindern, die damals im Teenageralter

waren, in Wien. Ihr Mann arbeitete in

Polen und flog fast jedes Wochenende

nach Wien zu seiner Familie. Die Entfernung

tat der Ehe nach ein paar Jahren

nicht gut: Ihr Mann verhielt sich immer

seltsamer ihr gegenüber und ihr schien,

als würde er ihr etwas verschweigen.

Und sie lag damit richtig: „Ich habe

gemerkt, dass irgendwas einfach nicht

stimmt und ihn zur Rede gestellt. Ich

musste ihm die Infos zwar aus der Nase

ziehen, aber irgendwann gestand er es

endlich: Er hatte sich in seine 25 Jahre

jüngere Sekräterin verliebt und hatte

auch eine jahrelange Affäre mit ihr.“

Anna zögerte nicht lange, sondern fand

die Telefonnummer der Geliebten raus

und stellte sie zur Rede. Diese war zuerst

perplex, rückte dann dennoch mit der

Sprache raus „Er hatte mir gesagt, dass

er seine Familie für mich verlassen wird.“

bekam sie zu hören. Anna war jetzt

klar, dass ihr Ehemann über Jahre ein

Doppelleben gelebt hat. Was folgte, war

eine Paartherapie, unzählige Gespräche,

über Scheidung, über’s Zusammenbleiben.

„Das war ein Prozess, der sich über

Monate zog. Er war sich auch lange nicht

sicher, ob er lieber mit ihr zusammensein

will oder mit mir.“ Sie entschieden sich

schlussendlich für das Zusammenbleiben.

Sie hätten schon so viel zusammen

überstanden, und auch der Kinder wegen

wollten sie sich nicht trennen. Sie haben

quasi einen Neuanfang gestartet, aber

die Ehe sei nicht mehr wie früher, erzählt

sie. Im Freundeskreis des Ehepaars

wissen die anderen davon, Annas Mann

ist nicht mehr überall gerne gesehen.

„Andererseits ist das schon etwas verlogen,

da ich weiß, dass solche Affären

öfter vorkommen, als man glaubt.

Nachdem es in meiner Ehe herauskam,

hat jede zweite Freundin von mir erzählt,

dass ihr Ehemann sie betrogen hatte.“

Aber eben im Vertrauen. Wenn man

damit an die Öffentlichkeit geht, beginnt

das Stigma.

Ob sie ihm verzeihen kann? „Ich

denke, da geht es nicht darum, irgendwas

zu verzeihen, das ist nicht der

richtige Begriff. Aber uns sind viele

Dinge klar geworden. Und ich habe jetzt

endlich mehr gelernt, auf mich selbst zu

schauen.“, sagt sie. Und was wurde aus

der Affäre? „Sie hat sich einen neuen

/ FAMILY SPECIAL / 45


Statistisch gesehen verlassen die wenigsten Männer ihre Frau für eine Affäre.

Job gesucht, und ist jetzt angeblich

schwanger von ihrem neuen Freund. So

tief kann ihre „Liebe“ zu meinem Mann

also nicht gewesen sein. Sie hätte ihm

übrigens vorgeworfen, dass er ihr ihre

besten Lebensjahre weggenommen hat.

Dabei wusste sie ja genau, auf was sie

sich da einlässt.“ Statistisch gesehen

verlassen nämlich die wenigsten Männer

ihre Frau für die Geliebte. Ob Anna die

Seite der anderen Frau versteht? „Nein.

Mir kann niemand sagen, dass man ein

guter Mensch ist, wenn man sich auf

eine Affäre mit einem verheirateten

Mann einlässt.“

„MEIN LEBEN WAR DURCH

DIE AFFÄRE AUFREGEND

WIE EIN JANE AUSTEN

ROMAN“

Die „andere“ Seite kennt Sofie * gut. Sofie

ist viel jünger als Marlies und Anna, hat

aber für ihr Alter auch schon viel in der

Liebe durchgemacht. Sie lernte ihren

gleichaltrigen Freund Nico* bei der

Freiwilligenarbeit in einem afrikanischen

Wildpark kennen, als sie gerade mal

17 Jahre alt war. „Das war das erste

mal, dass ich mich in jemanden verliebt

hatte.“, erzählt die heute 26 Jährige.

Es machte den Anschein, als würde er

ihre Gefühle erwidern. Zu Beginn ihrer

Bekanntschaft sagte Nico ihr aber, dass

er zuhause in Wien eine Beziehung hatte,

was auch der Grund war, warum Sofie

sich nicht auf ihn einlassen wollte. Aber

er ließ nicht locker. Nach ihrem „Gap

Year“ blieben die beiden in stetigem telefonischen

und SMS-Kontakt, das ganze

zog sich über ein Jahr lang. Irgendwann

erzählte Nico Sofie dann, dass er mit

seiner Freundin schlussgemacht hätte.

Sofie dachte nicht lange nach. Sie hatte

gerade die Schule abgeschlossen und

zog kurz daraufhin von Stockholm nach

Wien – zum Studieren und zu Nico.

Schon nach ein paar Wochen in Wien

merkte sie, dass irgendwas hier nicht

stimmen kann. Durch eine Studienkollegin

Sofies, die über Ecken in Nicos

Freundeskreis war, erfuhr Sofie, dass

ihr Freund die ganze Zeit über parallel

eine andere Beziehung führte: Mit seiner

vermeintlichen Exfreundin, mit der er

seit fünf Jahren zusammen war. Sofie

stellte ihn zur Rede, er gestand ihr die

Wahrheit. Und versprach, dass er mit

der Freundin schlussmachen würde.

„Bald.“ , hieß es. Aber er machte nie

Schluss. Aus „bald“ wurden im Endeffekt

sechs Jahre, in denen Sofie das

Versteckspiel mitmachte. Sie hatte eine

Affäre mit Nico, obwohl sie wusste, dass

er eigentlich eine Freundin hatte. Jene

Freundin vermutete übrigens , dass Nico

sie betrog, blieb aber trotzdem mit ihm

zusammen, da er sie immer wieder so zu

manipulieren schien, dass sie wieder zu

ihm zurückkam.

Er manipulierte auch Sofie: „Wenn ich

ihm nicht geantwortet habe, ist er dann

tagelang vor meinem Haus gestanden

und hat mich so lange überredet, bis ich

dann doch mit zu ihm gefahren bin. Er

hat mir versprochen, dass wir gemeinsam

einen Wochenendtrip machen

würden, oder dies und jenes unternehmen

würden. Dazu kam es natürlich

nie. Wir waren immer nur bei ihm im

Bett“, erzählt sie. Er behandelte sie alles

andere als respektvoll, sie spürte, dass

sie nur die zweite Wahl war. Irgendwo

hatte Sofie dann aber immer noch die

Hoffnung, dass sie doch noch zusammenkommen.

„Ich hatte die ganze Zeit

über einfach Angst, dass ich nie wieder

jemanden finde, der etwas von mir will.

Das war naiv, aber ich war noch so komplett

unerfahren.“, erzählt sie. Sofie lebt

nun in wieder in Stockholm, wo sie ihren

Master macht, und hat seit zwei Jahren

einen Freund. Sie hat keinen Kontakt

mehr zu Nico. „Soviel ich weiß, ist er

immer noch mit seiner Freundin zusammen.

Ich weiß aber auch, dass ich sicher

nicht die Einzige war, mit der er sie

betrogen hat.“ Den „Cut“, wie sie sagt,

hat sie gebraucht, um endgültig von ihm

wegzukommen. Was sie rückblickend

über die Affäre sagt:

„Irgendwie hat dieses Drama mein

Leben dann intensiver gemacht, es war

mehr wie ein Jane-Austin-Roman. Aber

irgendwann habe ich dann gemerkt, dass

ich die ganzen Jahre über einfach nicht

glücklich war.“ Eine Affäre, sagt sie, will

sie nie wieder sein. ●

46 / FAMILY SPECIAL /


WARUM BLEIBT MAN ZUSAMMEN?

Interview mit der dipl.

Lebens – und Sozialberaterin

Susanne Fabiankovits

Was sind die häufigsten Beweggründe, aus

denen sich Paare entscheiden, nach einer

Affäre zusammenzubleiben?

Eine Affäre signalisiert häufig eine Beziehungskrise

und bedeutet gleichzeitig auch

eine wunderbare Chance für eine „neue

Beziehung“ zwischen dem Paar. Wenn sich

Paare nach einer Affäre dazu entschließen

in einem Beratungsprozess einzusteigen,

sind sie meistens schon bereit zu ergründen,

wie es zu dieser Krise kommen konnte.

Im Laufe der Beratung kann das Paar ihre

Gefühle füreinander bzw. die Liebe zueinander

wieder entdecken. Und damit den

Grundstein dafür legen, dass ihre Beziehung

in eine neue Phase eintritt.

Passiert das Ihrer Erfahrung nach oft, dass

die Paare dann wirklich zusammenbleiben?

Ob die Paare wirklich zusammen bleiben,

hängt entscheidend davon ab, ob sich beide

dafür entschieden haben, intensiv an ihrer

Beziehung weiterzuarbeiten. Wenn es ein

klares Bekenntnis zur Beziehungsarbeit

gibt und diese konsequent ist, steht einer

lebenslangen Beziehung nichts im Wege.

Was raten Sie den Paaren, die es noch

einmal versuchen wollen?

Eine Paarberatung kann in diesen Fällen

sicherlich sehr hilfreich sein. Paare lernen

im Beratungsprozess das notwendige Werkzeug

um achtsamer und bewusster ihre

Beziehung zu leben. Wichtig ist sicherlich

die Klarheit darüber, welchen Stellenwert

zukünftig die Beziehung für jeden Einzelnen

haben soll, und dann die Bereitschaft dieses

auch unter all den anderen Herausforderungen

des Alltags zu leben.

DU BIST SÜSS.

GLEICH UND GLEICH

GESELLT SICH GERN.

/ MIT SCHARF / 47


KARRIERE & KOHLE

Studieren statt Saunieren

Von Andrea Grman

MEINUNG

Einfach

ausprobieren

Als Teenager habe ich die Erwachsenen

immer bewundert. Sie schienen

alle zu wissen, was sie tun. Wie sie

ganz selbstverständlich von Haushaltsversicherungen

und Aktienfonds

gesprochen haben. Ich dachte

mir damals nur: „Ich weiß nicht

einmal, wie ich mir einen Zahnarzttermin

ausmache. Wie soll ich das

jemals alles lernen?“ .

Lange habe ich darauf gewartet,

auch so „erwachsen“ zu werden und

einen Plan vom Leben zu haben. Einfach

zu wissen, was man tut. Doch

je mehr ich beobachte, desto mehr

komme ich drauf: Eigentlich weiß

hier niemand so richtig, was er tut.

Stattdessen probiert man einfach

und schaut, was passiert. Im besten

Fall fragt man nach und holt sich

Ratschläge von Menschen, die mehr

Erfahrung haben. Im schlechtesten

Fall tut man so, als könnte man

bereits alles – und scheitert.

Das mit dem Arzttermin bekomme

ich mittlerweile hin. Und für alles

andere weiß ich zumindest, wo ich

nachfragen muss. Wie das Erwachsene

eben machen.

grman@dasbiber.at

TÖCHTERTAG!

Girls, aufgepasst! So eine Chance

bekommt ihr so bald nicht mehr.

Besucht am 25. April den Wiener

Töchtertag und genießt exklusive

Einblicke in die Arbeitswelt von

morgen. Mehr Infos unter

www.toechtertag.at

Du hast in Bulgarien eine

Journalismus-Plattform

aufgebaut. Was ist deine

Aufgabe?

Mit Anfang des Jahres

haben wir ein Outlet

des österreichischen

digitalen Wirtschaftsmagazins

Trending

Topics gegründet. Dabei

berichten wir aus dem

Herzen der lokalen Startup-

und Innovations-

Szene. Ich selbst sehe

mich als Facilitator. Ich

übersetzte ein erfolgreiches

Medienmodell

aus Wien auf „Bulgarisch“

und versuche ein

gutes Redaktionsteam

mit Wissen über die

lokalen Unternehmen

und Prozesse aufzubauen.

Welche Anforderungen hat der

Journalismus der Zukunft?

Die Medienlandschaft ist bereits

seit Jahren im Wandel. Die größten

3

FRAGEN AN:

Gewinnspiel

Ich bin so froh, diesmal eines

meiner absoluten Lieblingsbücher

verlosen zu dürfen: Das Café

am Rande der Welt von John

Strelecky. Wollt ihr herausfinden,

warum ihr hier seid? Schickt mir

ein Mail an grman@dasbiber.

at. Mit etwas Glück findet ihr

bald eines der drei Exemplare in

eurem Briefkasten.

Herausforderungen

sind die etwas veralteten

Business-Modelle.

Gleichzeitig ergibt sich

auch viel Freiraum für

IRINA

Experimente. Medien

müssen viel agiler,

mutiger und technologieaffiner

werden. Im

Kontext von „Fake news“

und „Desinformation“ ist

und bleibt das Wichtigste

jedoch die Qualität

der Inhalte.

Welchen Ratschlag hast

du für junge Menschen,

die gerade ihre Karriere

starten?

Ich empfehle jedem,

weniger auf Geld oder

Status zu schauen, sondern

viel mehr darauf,

wie gerne sie oder er diesen Job

macht. Wenn man Spaß und Leidenschaft

im Job hat, folgt der finanzielle

und soziale Erfolg oft ganz natürlich.

OBUSHTAROVA

Managing Director von

Trending Topics Bulgaria (und

ehemalige biberica)

Marko Mestrović, Astrid Knie, Christian Krzywoblocki

48 / KARRIERE /


Demner, Merlicek & Bergmann

Deine Chance auf alle

Mit der Lehre zur Versicherungskauffrau/

zum Versicherungskaufmann durchstarten

und Karriere machen! Alle Infos auf

wienerstaedtische.at/lehrlinge

wienerstaedtische.at

DEINE FÄHIGKEITEN MÖCHTEN WIR HABEN


„Wie Tanya

müssen wir

sein“

Die afghanische Journalistin Tanya

Kayhan musste nach Todesdrohungen

ihr Heimatland verlassen.

In Österreich arbeitet sie bei einem

großen Nachrichtensender als Videojournalistin

und motiviert in ihrer

Freizeit junge Afghaninnen, aus dem

Schatten der Männer zu treten.

Von Amar Rajkovic, Fotos: Soza Almohammad

Tanya Kayhan ist vielbeschäftigt und schwer für

ein Interview zu bekommen. Entweder musste

sie kurzfristig bei einem Dreh als Videojournalistin

für den Nachrichtensender „OE24.TV“

einspringen oder ihre Tätigkeit als Obfrau des Vereins

„Interkulturelles Entwicklungszentrum“ erforderte ihre

Anwesenheit in den Klubräumen. Beim dritten Anlauf hat

es dann geklappt. Tanya Kayhan ist sichtlich stolz, als sie

uns im Newsroom ihres derzeitigen Arbeitgebers empfängt.

„Wir sind der erste Nachrichtensender Österreichs“, sagt

sie während mehrere Kolleginnen an ihrem Platz vorbeihuschen.

Die 33-Jährige liebt Stress und Hektik, die ganz

gewöhnlichen Wegbegleiter von Journalisten, vor allem,

wenn sie – so wie in diesem Fall – ihr Handwerk im zerrütteten

Afghanistan erlernt haben.

VON TALIBAN VERTRIEBEN

In Kunduz im Nordwesten Afghanistans geboren, wurden

die Weichen für Kayhans Reporter-Karriere schon früh

gestellt. „Ich habe in der Schule Präsentationen anmoderiert

und habe die Bühne nicht gescheut“, erinnert sich

Kayhan. Als sie später die Aufnahmeprüfung an der Uni

für Politikwissenschaften in Kabul nicht schaffte, bekam

sie von ihrem Vater den Tipp, Journalismus zu studieren.

Was sie auch erfolgreich tat. Ihr erster Arbeitgeber war das

afghanische Parlament, für das sie Onlinebeiträge schrieb,

kurz darauf wurde sie im Jahr 2008 als Nachrichtenspre-

Tanya Kahyan absolvierte die biber-Akademie, die ein Sprungbrett

auf ihrem Weg als Journalistin in Österreich war.

50 / KARRIERE /


cherin für politische Sendungen vom

Sender „1TV“ engagiert. Die letzte

Station vor ihrer Flucht nach Österreich

war „Voice of America“, ein

von den Amerikanern unterstützter

TV-Sender.

In der Zwischenzeit hat ein Arbeitskollege

von Kayhan neben uns Platz

genommen. Er hört interessiert zu

und lobt ungefragt die Fähigkeiten

Kayhans. Sie sei professionell,

pünktlich und habe so viel erlebt,

stimmt ihm eine andere Kollegin zu.

Dabei war Kayhans Weg zurück zum

Journalismus lang und beschwerlich.

Nach ihrer Ankunft in Österreich

versuchte sie sich als Hostess am

Flughafen. In der Lounge betreute

sie VIP-Gäste und lachte freundlich.

Glücklich wurde sie dort nicht. Die

Vollblutjournalistin brauchte den

Stress, die Hektik, das Unerwartete.

Durch Zufall landete sie in der Akademie

des biber-Magazins, wo man

schnell verstanden hatte: „Wir haben

einen afghanischen TV-Star gefunden“,

schmunzelt Kayhan. Anschließend

sammelte sie Erfahrungen

beim TV-Sender W24, gründete den

Verein „Interkulturelles Entwicklungszentrum“,

bei dem sie Asylwerbern

journalistische Fähigkeiten vermittelt

und trat als Testimonial für die ORF-

Spendenkampagne „Helfen wie wir“

vor der Kamera auf.

Kayhan hat sich mit ihrem Engagement

zwangsläufig zu einem Vorbild

für viele junge Afghanen und

vor allem Afghaninnen gemausert.

Sie möchte das negative Image

ihrer Landsleute aufpolieren und

kämpft gegen Pauschalisierungen.

Das ist auch ein Problem bei der

Arbeitssuche: „Wir leiden unter dem

schlechten Ruf. Deswegen schämen

wir uns, uns als Afghanen vorzustellen,

und sind total verunsichert

bei Bewerbungsgesprächen“, weiß

Kayhan. Schlechte Aussichten für

Menschen aus Afghanistan auf dem

österreichischen Arbeitsmarkt?

VATER HAT AN SIE

GEGLAUBT

Nicht ganz, wie die Zahlen belegen:

Laut dem AMS waren im Dezember

letzten Jahres 9.192 Afghanen in

einer unselbständigen Beschäftigung.

Im Jahr davor waren es lediglich

6.826. Im Vergleich: 7.659 Syrer

gingen im Dezember des vergangenen

Jahres einer fixen Beschäftigung

nach. Der Anstieg zeigt: Selbst wenn

viele afghanische Arbeitnehmer

billig bezahlte Jobs annehmen,

hat sich die Zahl derer, die in einer

heimischen Firma angestellt sind,

innerhalb eines Jahres um knapp

35% erhöht. Dadurch entlasten sie

den Arbeitsmarkt, zahlen Steuern

und ihre Pensionsbeiträge. Das

schlagkräftigste Argument gegen

mediales Afghanen-Bashing. Kayhan

hat auch gleich Tipps für ihre Landsleute

parat: „Ihr dürft trotz Absagen

nicht aufhören, Beharrlichkeit zahlt

sich aus. Ihr solltet euch auch nicht

schlecht fühlen, weil ihr aus Afghanistan

seid, denkt immer positiv“,

setzt sie fort. „Und seid stolz auf das,

was ihr könnt.“ Sie sei froh, dass ihr

Vater immer an sie geglaubt hat. Sie

kann sich heute keinen anderen Job

vorstellen.„Anfänglich war es schwierig

mit der Sprache. In unserem Job

muss es schnell gehen und daher

wird auch schnell gesprochen“, erinnert

sie sich. „Mit mir sprechen meine

Kollegen aber etwas langsamer

und weniger im Dialekt, damit ich sie

verstehe“, grinst Kayhan während

sie einen Beitrag auf ihrem Computer

schneidet. Ihre Vorgesetzte Sabrina

Blagojevic ist voll des Lobes über ihre

rasende Reporterin vom Hindukusch:

„Es macht viel Freude zu sehen, wie

sich Frau Kayhan im Rahmen ihrer

Tätigkeit entwickelt. Als Kamerafrau

zeigt sie großen Einsatz und liefert als

Frau in einer Männerdomäne tolle Bilder.“

Worte, die Kayhan für kurze Zeit

rot werden lassen. Worte, die sich

das Allroundtalent hart erarbeiten

musste. Von Taliban verfolgt, nach

Europa geflüchtet, hier unglücklich

gearbeitet bis sie in der Medienbranche

endgültig Fuß gefasst hat. Liest

sich doch viel besser als ein Messerangriff

oder eine Vergewaltigungstat,

die im Boulevard auch entsprechend

ausgeschlachtet werden? Das wissen

auch die jungen Afghaninnen, die

Kayhan nacheifern. „Wie Tanya müssen

wir sein“, sagen sie. ●

Aleks Jobicić

Job?

Fix!

BEZAHLTE ANZEIGE

DIE BERUFSLEBENS KOLUMNE DES

AMS WIEN

Mein Lebenslauf in meiner Bewerbungsmappe:

Das bin ich. Also sozusagen. Es ist die

Kurzfassung all dessen, was ich bisher so

gelernt und geleistet habe. Eine Beschreibung

meiner Stärken und Fähigkeiten, und

natürlich meiner Erfahrungen.

Das klingt jetzt ein bissl zu feierlich? Naja,

aber eigentlich merkt man, wenn man zum

ersten Mal das eigene Berufsleben so in

Worte fasst, dass man schon was drauf hat.

Dass das nicht nichts ist, was man bisher

gemacht hat, weswegen ja auch die Personalverantwortlichen

als erstes ihre Nase da

hineinstecken. Und: Der Lebenslauf wächst

mit dir mit, wird dichter und interessanter,

wie das ganze Leben.

Und darauf will ich diesmal hinaus: Halte deinen

Lebenslauf aktuell! Ruh dich nicht darauf

aus, dass du eh vor einem Jahr deinen

Werdegang hübsch gestaltet hast, wenn sich

in der Zwischenzeit allerhand verändert hat!

Gerade, was du zuletzt getan und gelernt

hast, ist wichtig und darf nicht fehlen.

Und schließlich geht’s ja um nichts anderes,

als dass sich die Betriebe darum streiten, dir

einen Job oder eine Lehrstelle anbieten zu

dürfen. Glaubst du nicht? Ist so!

Tipp: Wenn der Lebenslauf, den das AMS

von dir hat, älter ist als ein Jahr, dann

schick unbedingt einen neuen. Die Leute

beim AMS wollen dich so gut wie möglich

unterstützen und können dann einfach

besser das Optimale für dich herausholen.

Mehr Infos gibt’s auch hier: ams.at/wien

/ KARRIERE / 51


Selbermacher

Bio-

Delikatessen

mit sozialem

Plus

BioBalkan ist ein junges

Unternehmen, das

frische Bio-Produkte

vom Balkan direkt in

unsere Mägen bringt

und dabei kleine Bauern

und Frauen aus

benachteiligten Gruppen

vor Ort unterstützt.

Text: Nada El-Azar, Fotos: Soza Almohammad

Der Balkan – eine Region mitten in

Europa, für viele Österreicher ein

Sehnsuchtsort, in dem die Sonne

lange scheint und das Meer in Riechweite

liegt. Und doch eine Region, die es

nicht ganz ins Zentrum geschafft hat. Die

Böden sind nahrhaft und sogar seltenes

Obst gedeiht am Rande der Dörfer. Zwei

Unternehmer wollen nun dieses Potential

ausschöpfen und dabei etwas Gutes für die

Gesellschaft tun.

UNTERSTÜTZUNG FÜR

KLEINE BAUERN

Hans-Jörg Hummer ist einer der Gründer

von BioBalkan: einem Unternehmen, das

eine kleine aber feine Auswahl an Bio-Spezialitäten

vom Balkan auf den heimischen

Markt bringt. Er sorgt mit finanzieller Unterstützung

dafür, dass Bauern in Serbien, die

ihren Betrieb auf Bio umzurüsten, mit den

dazugehörigen Kosten fertig werden. Seit

20 Jahren gibt es schon Bestrebungen,

am Balkan die Bio-Landwirtschaft voranzutreiben

– mit einem Problem: „Einige

Bauern stellen erst ihre Betriebe aufwändig

um und bleiben dann auf ihren Produkten

sitzen“, erklärt Hummer. Der Österreicher

spricht fließend serbisch, nachdem er fast

15 Jahre beruflich am Balkan soziale Projekte

betreute und sich stark mit Themen

wie regionaler und ländlicher Entwicklung

sowie Armut auseinandergesetzt hat. Wie

es der Zufall wollte, fand er zu Slobodanka

Pavlovic von Radanska Ruza (dt. die Rose

vom Radangebirge), einem Social Business

aus Serbien. In enger Zusammenarbeit stellt

52 / KARRIERE /


Radanska Ruza hochwertige Bio-Produkte

her, deren exklusiver Abnehmer BioBalkan

ist. „Für Bio-Produkte mangelt es oftmals

an Kaufkraft“, so Pavlovic im Gespräch.

BALKAN-KLASSIKER IN HANDARBEIT

Hans-Jörg Hummer versichert: „Bei

Biobalkan steht nicht der Gewinn im

Vordergrund, sondern die Hilfe vor Ort.

Beschäftigt werden bei uns 30 bis 50

Frauen in einer der ärmsten Regionen

Europas und die allesamt aus marginalisierten

Gruppen stammen.“ Menschen

mit Behinderung, Langzeitarbeitslose oder

alleinerziehende Frauen aus den Dörfern

stellen nach alten Familienrezepten in

reiner Handarbeit und ohne maschinelle

Hilfe die Klassiker der Balkanküche Ajvar,

Maliđano und Pinđur her. „Wir bezahlen

unsere Mitarbeiterinnen für Tätigkeiten, die

sie seit Jahrzehnten unentgeltlich verrichtet

hatten“, sagt Slobodanka Pavlovic.

Unlängst wurde der Onlineshop eröffnet,

bei dem man die Produkte im schicken

Sechserpack bestellen kann – perfekt als

delikates Geschenk. Wir sagen: „Prijatno!“

Diese Bio-Delikatessen werden nach

traditionellen Familienrezepten ausschließlich

von Hand gefertigt.

Mehr Informationen unter:

www.biobalkan.info

WKO-WIEN HILFT

Im Gründerservice der WKO-

Wien kann man bei einem

Beratungsgespräch alle Fragen

stellen, die die Gründung eines

Unternehmens betreffen. Im

Vorhinein kann man sich auch

schon eigenständig online

informieren. Ob generelle

Tipps zur Selbstständigkeit,

rechtliche Voraussetzungen,

Amtswege oder Finanzierungsund

Förderungsmöglichkeiten:

Auf der Website kommt man

mit wenigen Klicks zu allen

wichtigen Informationen.

wko.at/wien

www.gruenderservice.at

Die Selbermacher-Serie ist eine

redaktionelle Kooperation von das

biber mit der Wirtschaftskammer

Wien.

ZEIGEN SIE

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KÖNNEN

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MEINUNG

TYPISCH MÄDCHEN.

Kommentar von Aleksandra Tulej

Ich wollte als Kind ein Junge sein. Jungs hatten es einfach

besser: Es war egal, wenn sie aufgeschlagene Knie vom

Bäumeklettern hatten. Mir wurde immer wieder eingebläut,

dass es sich für ein Mädchen nicht gehört, überall Pflaster

kleben zu haben – passt nicht zum weißen Erstkommunionskleid.

Jungs hat niemand gesagt, sie dürfen nicht

breitbeinig in der U-Bahn sitzen, da man ihnen dann

zwischen die Beine sehen kann. Keiner hat sie gewarnt,

dass sie sich nicht in der Öffentlichkeit die Lippen abschlecken

sollen, da das zu lasziv aussehen kann. Als wir älter

wurden, hat sie niemand gewarnt, sie sollten Abends ja

aufpassen, wenn sie alleine nachhause gehen. Und heute,

als Erwachsene, fragt sie niemand, wann sie denn Kinder

haben wollen oder warum sie ihr Liebesleben so pragmatisch

angehen.

Augenverdrehen. „Das ist doch alles so ein Mimimi-

Feminismus“ und „wir haben ja andere Sorgen weil in

Saudi-Arabien dies oder jenes.“ Haben wir eh. „Frauen

können doch eh machen was sie wollen, was kümmert

euch, was andere von euch denken?“ Mich kümmert es

herzlich wenig. Mittlerweile. Junge Mädchen kümmert es

viel mehr – Und da geht es nicht um aufgekratzte Knie,

sondern um die Konstrukte, in die wir Frauen von klein

auf hineingepfercht wurden und werden. Es ist dieses

ewige Aufpassen, Zurückhalten, „sich Benehmen“. Dieses

Schuldgefühl, wenn dich jemand Fremder auf der Straße

grindig anmacht – du hättest ja eine längere Hose anziehen

können. Hätte das wirklich was geändert? Hätte ich

anders reagieren sollen, als einfach wegzuschauen? Aber

wie? Das sind Gedanken, die ich als Jugendliche tagtäglich

hatte. Und ehrlich gesagt immer noch habe. Es ist natürlich

nicht deine Schuld, aber warum fühlst du dich dann

so? Weil es dir unbewusst eingeredet wurde. Seit immer

schon. Und bitte kommt mir jetzt nicht damit, dass das

nicht die echten Probleme sind und dass tagtäglich Frauen

vergewaltigt werden und das die richtigen Sorgen sind.

Ich würde mir nie anmaßen, so etwas zu vergleichen oder

gleichzustellen, aber ich denke, dass wir hier alle klug

genug sind, das herauszulesen. Mir geht es darum, dass du

als Frau so oft an deinem Selbstwertgefühl zweifelst. Weil

dir beigebracht wurde, dass zwar du selbst dafür verantwortlich

bist, aber dieses dennoch irgendwie von anderen

abhängt. Ich ertappe mich selbst heute noch dabei, wie ich

manchmal in diese Muster falle und ich hasse es.

Aber das wollte man uns so lange verklickern: Wirst du also

abfällig angemacht, soll dein Selbstwert runtergehen. Und

wie baust du es wieder auf? Uns Frauen wird beigebracht,

sei es durch Disneyfilme oder sei es durch Werbung und

Magazine, dass man sich von Männern „umgarnen“ lassen

muss, sie um sich kämpfen lassen muss. Und wenn dir das

nicht gelingt, bist du weniger wert. Und genau darauf hatte

ich nie Bock. Das erschien mir immer so schwach. Und

kontraproduktiv: Frauen wollen Gleichberechtigung aber

gleichzeitig wie irgendwelche unnahbaren Wesen behandelt

werden? Das ergibt doch keinen Sinn. Bitte brechen wir

endlich diese Konstrukte auf. Und gehen wir weiter in eine

Richtung, in der es sich gut anfühlt, eine Frau zu sein.

Heute bin ich verdammt froh, dass ich eine Frau bin. Ich bin

froh, dass ich mir über die oben genannten Dinge Gedanken

machen darf. Das alles habe ich Frauen zu verdanken,

die dafür gekämpft haben, ohne jemals das Wort Feminismus

gehört zu haben. Die alles riskiert haben, damit wir es

später besser haben. Man denke an Suffragetten, an Aktivistinnen

in stark patriarchalen Gesellschaften. Oder auch

einfach an Frauen, die ihren Töchtern ein starkes Selbstwertgefühl

vermittelt haben – was diese Töchter dann weitergeben.

Denn genau darum geht es – Gehen wir weiter

diesen Weg, der uns schon geebnet wurde. So lange, bis

wir keine Angst mehr haben, für uns selbst aufzustehen. So

lange, bis wir aufhören, die Schuld bei uns zu suchen, wenn

uns jemand grausig anmacht. So lange, bis wir nicht mehr

über depperte Pflaster auf den Knien diskutieren werden.

Marko Mestrović

54 / MIT / MIT SCHARF / /


TECHNISCHE BERUFE SIND NIX FÜR MÄDCHEN?

NA SICHER!

Mädchen von 11 bis 16 Jahren haben

beim Wiener Töchtertag am 25. April

2019 die Gelegenheit, ein Wiener

Unternehmen zu besuchen – und in

Berufe hineinzuschnuppern, die als

typisch „männlich“ abgestempelt

sind. Du glaubst zum Beispiel, IT ist

nur was für Burschen? Nope! Die

ersten Programmierer waren weiblich!

Am Töchtertag können die Mädchen

erfolgreiche weibliche Vorbilder in

den verschiedensten Branchen treffen.

„Ich habe selbst eine Tochter – ich

möchte Frauen die Angst vor der

IT nehmen und zeigen, was IT

bedeutet oder eben nicht bedeutet.

Das ist keine Rocket Science, da

sitzen nicht nur Nerds. Wir haben

mittlerweile einige Damen bei uns

im Unternehmen, die beim Töchtertag

teilgenommen haben und dann

gemerkt haben, IT ist ja gar nicht so

techniklastig, sondern auch kreativ.“

(Oliver Krizek, Eigentümer und

Geschäftsführer NAVAX Unternehmensgruppe)

„In Zukunft wird man digitale Skills

quer durch alle Wirtschaftszweige

benötigen und dabei lässt sich

richtig gut verdienen, denn die

Nachfrage nach Fachkräften ist

enorm! Jungen Mädchen, die sich

für eine IT-Lehre entscheiden,

stehen also viele Möglichkeiten

offen.“

(Mag. Wilhelmine Ebner-Winkler,

Chief Financial Officer bei Atos

Österreich)

Der Wiener Töchtertag findet am 25. April statt. Such dir jetzt ein Unternehmen aus, das du besuchen willst:

www.toechtertag.at

DAS LEVEL-UP FÜR DEINE ZUKUNFT:

DIE NEUE IT-LEHRE!

JETZT INFORMIEREN:

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ENTSCHEIDE DICH JETZT

FÜR DEINEN BERUF MIT ZUKUNFT!

/ MIT SCHARF / 55


Melanie wurde mit 1 6 schwanger – als sie gerade im zweiten

Lehrjahr ihrer Ausbildung im Bereich Elektrotechnik/Energietechnik

bei SIEMENS steckte. Die heute 18-jährige Jungmama

erzählt, wie sie Kind und Lehre unter einen Hut bekommt.

TEENIE-MAMA &

TECHNIKTALENT

Wie haben dein privates Umfeld und deine

Kollegen auf deine Schwangerschaft

reagiert?

Die Reaktionen meiner Freunde und

Familie waren ganz unterschiedlich – von

überglücklich bis „geht’s noch?“. Zu meiner

Mutter habe ich seitdem zum Beispiel

keinen Kontakt mehr. Natürlich war die

Chefin meiner Lehrabteilung überrascht,

aber sie hat großen Wert daraufgelegt,

mir die Zeit bis zur Geburt so angenehm

wie möglich zu gestalten. Während der

Schwangerschaft konnte ich meine Leidenschaft

fürs Programmieren und Auto-

CAD, ein technisches Zeichenprogramm,

voll ausbauen. Das war ausschlaggebend

für die Abteilung, in der ich heute bin:

Engineering.

Siehst du es auch gewissermaßen als

Vorteil an, so jung Mutter geworden zu

sein?

Wenn die Kleine erwachsen ist, steh ich

in der Blüte meines Lebens (lacht). So

kann ich sie auch besser verstehen, weil

ich mich noch gut an meine Jugend erinnere.

In der Arbeit bin ich durch meine

Schwangerschaft viel reifer geworden,

kann mehr Verantwortung tragen. Ich

verurteile nicht mehr so schnell, weil ich

als junge Mami selbst weiß, wie es ist,

verurteilt zu werden – sei es von Ärzten

oder von Behörden.

Wie geht’s dir jetzt mit der Doppelverantwortung

in einem doch recht jungen

Alter?

Am Anfang war es schon sehr schwer

– in den eineinhalb Jahren, die ich zu

Hause war, war ich insgesamt nur drei

Stunden getrennt von meiner Tochter.

Jetzt sind es auf einmal mehrere

Stunden am Tag. Die Kleine geht in den

SIEMENS-Kindergarten und anfangs habe

ich jede Mittagspause dort angerufen

(lacht). Ich habe sie sehr vermisst und

mir Sorgen gemacht. Jetzt komme ich

damit besser klar.

Was wünschst du dir für deine Zukunft

und die Zukunft deiner Tochter?

Wünschen würde ich mich mir auf jeden

Fall, dass ich so viel lernen kann wie

möglich, damit ich meiner Tochter die

bestmögliche Zukunft bieten kann. Für

meine Tochter wünsche ich mir, dass sie

weiterhin glücklich ist und dass sie eine

unbeschwerte Kindheit hat.

Susanne Einzenberger

56 / KARRIERE /


JOBS MIT ZUKUNFT

„Jeder fängt mal klein an.

Aber hier werd’ ich groß!“

LEHRLINGE

GESUCHT!

JOBS MIT

ÖSTERREICH DRIN.

SPAR als 100% österreichisches Unternehmen ist nicht nur einer der größten heimischen Arbeitgeber, sondern

auch größter privater österreichischer Lehrlingsausbildner. Jedes Jahr beginnen rund 900 junge Menschen ihre

Karriere bei SPAR in 21 spannenden Lehrberufen und nützen die vielfältigen Ausbildungsangebote, die ihnen

den Weg zu einer zukünftigen Karriere ebnen. Wer Freude am Kontakt mit Menschen hat und offen für Neues

ist, ist bei SPAR genau richtig. Prämien während und Aufstiegschancen nach der Lehre gibt‘s genug.

Besuche uns auf

www.spar.at/lehre


TECHNIK & MOBIL

Alt+F4 und der Tag gehört dir.

Von Adam Bezeczky

MEINUNG

World wide

weg

China und Russland haben

einen. Einen Schalter, mit dem

das dortige Internet vom Rest

der Welt abgekoppelt werden

kann. Damit soll die „nationale

Infrastruktur“ vor bösen Hackern

geschützt werden. Oder auch

die eigenen Bürger vor fremden

Ideen oder gar anderen Meinungen

abgeschirmt werden. Damit

zeigt sich, dass das Internet

weitaus anfälliger für Eingriffe

ist, als man es anfangs noch

vermutet hatte. Das Start-up

„Swarm Technologies“ möchte

das ändern: Internet soll über

150 Satelliten in der Erdumlaufbahn

erreichbar bleiben. Ein

kleiner, nicht genehmigter Satellitenstart

hat das Unternehmen

zwar 900.000 Dollar gekostet -

aber es war gute Werbung: jetzt

erhielt das Team eine Finanzspritze

in der Höhe von 25. Mio

US-Dollar von Investoren.

bezeczky@dasbiber.at

Roboter-Fedex

Nicht nur Amazon - auch der Zusteller FedEx arbeitet an

selbstfahrenden Lieferdrohnen. Vorerst im Testbetrieb,

könnten diese bald den klassischen FedEx-Truck ersetzten.

Wobei es fraglich bleibt, wie diese mit dem Gelände in

Europa und dem Rest der Welt fertig werden.

THE DIVISION 2

Ubisoft hat mit

The Division 2

die Stärken

des Vorgängers

ausgebaut

und die

Schwächen

ausgemerzt.

Diesmal kämpfen

wir uns

als wackerer

Agent durch

das verfallenverlassene

Washington

D.C um das Rätsel um die Dollar-Seuche

weiter zu ergründen. Mehr Fraktionen,

mehr Loot und mehr Inhalte halten die

Spieler auch im Single-Player länger bei

der Stange. Wer also die US Hauptstadt

inkl. einer spannenden Story erleben

möchte, sollte hier unbedingt zuschlagen.

Sprachen lernen

mit Netflix

Mit einer Chrome-Browser

Erweiterung können

wir jetzt Sprachen lernen.

Einfach nach LLN,

Language Learning with

Netflix runterladen und

mit beliebten Shows in

anderen Sprachen den

eigenen Wortschatz ausbauen.

Mucho gusto!

Ubisoft, Marko Mestrović, FedEx

58 / TECHNIK /


BEZAHLTE ANZEIGE

MIT DER NEUEN

DEBITKARTE ZUM

ONLINE-SHOPPEN

Ab sofort wird bei der Erste Bank die Debitkarte der Zukunft ausgegeben. Die

neue Debit Mastercard löst die bisherige Maestro-Karte ab. Vorteil: Damit kann

man auch online bezahlen und hat

weltweit mehr als doppelt so viele

Akzeptanzstellen.

Die neue Debitkarte

gibt es ab sofort für

alle Kundinnen und

Kunden der Erste

Bank – auch für

spark7 sowie für

Studentinnen und

Studenten.

Die Bankomatkarte hat in Europa ab sofort eine

einheitliche Bezeichnung und heißt jetzt Debitkarte.

Passend dazu bringt die Erste Bank für alle Konten ein

Upgrade für die gute alte Bankomatkarte: Die Bank-

Card Debit Mastercard. Sie wird neben den üblichen

Funktionen wie Bargeldbehebung, Kontoauszüge und

Bezahlung im Shop nun auch internettauglich sein.

Zu diesem Zweck findet sich eine neue 16-stellige

Nummer auf der Vorderseite der Karte, mit der man

im Internet überall, wo jetzt schon Mastercard akzeptiert

wird, einkaufen kann. Das Prinzip ist ähnlich einer

Kreditkarte, aber bei der neuen Debitkarte erfolgt die

Abbuchung des Betrags vom Konto wie bisher sofort.

Im Gegensatz zu einer Kreditkarte, wo die bezahlten

Beträge gesammelt mit einer Monatsrechnung zu

einem späteren Zeitpunkt abgebucht werden. Die Debitkarte

kann auch in mobile Zahlungslösungen (Wallets)

eingebunden werden und ermöglicht damit kontaktloses

Bezahlen mit dem Smartphone.

Kartentausch ab sofort möglich

Seit April wird bei der Erste Bank nur mehr die Bank-

Card Debit Mastercard ausgegeben, Maestro ist

Geschichte. Jeder der eine Maestro-Karte besitzt, kann

diese weiterhin nutzen und bekommt automatisch im

Zuge des regulären Kartentausches bis Ende 2020 die

neue Debitkarte. Wer jetzt schon eine haben will, kann

diese kostenlos im Internet-Banking George, bei der

persönlichen Beraterin oder beim Berater in der Filiale

bestellen.

TIPP: In der Umstellungsphase kann es bei einigen Online-Shops

vorkommen, dass man beim Bezahlvorgang mit der neuen Debitkarte

noch auf den Punkt „Kreditkarte“ klicken muss. Das kommt daher,

dass bisher unter „Mastercard“ nur Kreditkarten verfügbar waren.


LIFE & STYLE

Mache mir die Welt, wie sie

mir gefällt

Aleksandra Tulej

Aleks’ Beauty Fail

Trend des Grauens

RADLERHOSEN

AM LAUFSTEG –

WIESO?

MEINUNG

Emojis und

Emotionen – Ich

hab’ euch eh lieb.

Ich weiß nicht, was schlimmer ist:

Menschen, die „Supi“ oder Menschen,

die „Oki“ schreiben. Bei Affen- und

Einhornemojis überkommt mich immer

ein Schauer. Aber lagern wir Emojis

mal auf das wahre Leben und wahre

Emotionen um: Dass bei mir in Bezug

auf zwischenmenschliche Beziehungen

einiges schiefläuft, wissen wir mittlerweile.

Ich bin nicht so der Super-Profi,

was Emotionen angeht. Aber die Leute,

die ich mag, wissen es eh. Und die

anderen mag ich eh nicht. Manchmal

frage ich mich jedoch, ob ich ein

schlechter Mensch bin, weil ich nicht

euphorisch und überdrüber motiviert

wirke, wenn ich mich für oder auf

jemanden freue.

Egal ob jetzt per Handy oder im Real

Life. Oder vielleicht bin ich einfach nur

asozial, emotional unfähig und sollte

abgeschottet von der Menschheit

leben, weil ich es nicht anders verdient

hab‘. Ohne Handyempfang, versteht

sich. Aber keine Sorge, ich hab’ euch

eh lieb.

Affe mit Pfoten auf den Augen-Emoji.

tulej@dasbiber.at

GESICHTSMASKE

AUS DER HÖLLE

Da ich ein Opfer des Kapitalismus,

des Konsums und der Werbung bin,

falle ich regelmäßig auf Beautytrends

rein. So wie letztens auf

diese Tuch-Gesichtsmasken mit

Tiermotiv. Du kannst dir im Nullkommanichts

einen Tiger, Panda

oder einen Koala auf dein Gesicht

klatschen - pflegt deine Haut und

sieht auch noch süß aus. Dachte

ich zumindest. Auf der Verpackung

strahlte mir ein süßer Panda entgegen.

Kaum hatte ich aber die Maske

auf mein Gesicht geklatscht, fing

meine Haut an zu brennen.

Dazu sah ich aus wie ein mittelalterlicher

Heiler mit Pest im

Endstadium.

Oder ein Clown aus einem Low-

Budget-Horrorfilm. Sucht es euch

aus: Das wunderbare Ergebnis

könnt ihr am Foto betrachten. Was

lernen wir daraus? Kauft keine

Gesichtsmasken an polnischen

Tankstellen. Es wird nicht gut

gehen.

Sie waren bis dato eher für Papas

reserviert, die am Sonntag einen

Radausflug ins Grüne gemacht

haben. Oder für die Tour de

France. Aber dieses Jahr sah man

kein Kleidungsstück öfter auf den

Fashion Weeks rund um den Globus,

als die Radlerhose. Die engen

Hosen, die bis zum Knie gehen,

mögen am Laufsteg gut aussehen

– kombiniert mit Sakko und

High-Heels. Aber wenn ihr euch

im Alltag schon die Mühe macht,

euch so zu stylen, dann zieht euch

doch etwas an, das nicht aussieht

wie eine lange Unterhose. Außer

ihr seid Hailey Baldwin. Oder ein

Familienvater über 50. Dann dürft

ihr nämlich auch diese länglichen

Sonnenbrillen tragen, die sowohl

Hailey als auch jeder Papa besitzt.

Marko Mestrović, instagram.com/kyliejenner, bereitgestellt

60 / LIFESTYLE /


FRECHE FRÜCHTE AUS DER FERNE

Vahdeta und ihre Exoten: Was

wie ein Märchentitel klingt, ist

die Geschichte einer jungen

Bosnierin, die seit kurzem in

Wien lebt und hier Karriere

im Obstbusiness macht - was

hat es mit den Exoten auf sich

und wie passen Mango und

Reis zusammen?

©SPAR/Krug

Hast du schon mal was von Tamarinde, Mangostane

oder Pitahaya gehört? Nein? Zugegeben: Die Tamarinde

sieht aus wie eine seltsam geratene Erdnuss

und die Pitahaya schreckt durch ihre schrille, pinke

Farbe auch erstmal eher ab. Wir haben im Rahmen

der Ausstellung zu exotischen Pflanzen und Früchten

im Palmenhaus Schönbrunn, die gemeinsam

von Lehrlingen von SPAR und den Bundesgärten auf

die Beine gestellt wurde, die kulinarischen „Exoten“

gekostet und uns so von ihrer Genießbarkeit überzeugen lassen.

Dabei haben wir auch Vahdeta kennengelernt. Sie ist 18

Jahre alt und im dritten Lehrjahr zur Einzelhandelskauffrau mit

dem Schwerpunkt Feinkostfachverkauf bei SPAR. Die gebürtige

Bosnierin wohnt erst seit drei Jahren in Österreich - mit biber

hat sie über ihre Anfangszeit in Wien gesprochen und uns ihre

Lieblingsfrucht samt Rezeptidee verraten:

„Mein Gebietsleiter hat mein Leben gerettet“

Du bist in Brčko aufgewachsen und im Alter von 15 Jahren mit

deiner Mutter und deiner Schwester nach Wien gekommen. Wie

kam es dazu und wie bist du bei SPAR gelandet?

VAHDETA: Meine Mama hatte in Bosnien drei Jobs, was wirklich

hart war. Sie hat früher schon einmal in Graz gelebt, deshalb sind

wir wieder zurückgekommen. Am Anfang – da war ich erst seit

ein paar Monaten in Wien und konnte noch nicht so gut Deutsch –

habe ich erst mal nur samstags bei SPAR gearbeitet. Nach kurzer

Zeit durfte ich dann die Lehre anfangen. SPAR hat mir ziemlich

geholfen, in Wien Fuß zu fassen. Mein Gebietsleiter hat mir mein

Leben gerettet, sag ich mal so. Er hätte auch sagen können „Du

kannst nicht gut genug Deutsch und tschüss.“ Dafür bin ich schon

sehr dankbar.

Gibt es bosnische Früchte, die man hier in Österreich nicht

bekommt?

In Bosnien haben wir mehrere Sorten von Kirschen und Pflaumen.

Die esse ich immer noch sehr gerne. Ich bin zwar nicht mehr so

oft in Bosnien, aber meine Tante schickt uns regelmäßig ein Paket.

Was sind deine Pläne für die Zukunft?

Im September habe ich Lehrabschlussprüfung. Danach würde ich

sehr gerne als Obst- und Gemüseabteilungsleiterin arbeiten und

dann als stellvertretende Markleiterin. Ich habe große Pläne!

Vahdeta (rechts) mit ihren beiden LehrlingskollegInnen auf der Eröffnungsfeier

der Exotenausstellung

Mango Sticky Reis

ZUTATEN:

80g Milchreis /

Rundkornreis

500ml SPAR Vital

Bio-Kokosmilch

2-3 EL SPAR

Natur*pur

Agavendicksaft

1 Prise Salz

1 Mango (sehr reif)

Saft einer halben

Limette

1 TL Sesam

ZUBEREITUNG:

Den Milchreis zusammen mit der Kokosmilch, dem Agavendicksaft

und einer Prise Salz in einen Topf geben und

bei mittlerer Hitze zum Köcheln bringen. Dabei immer

wieder umrühren, um zu verhindern, dass der Reis anklebt.

Sobald dieser kocht, die Temperatur reduzieren und auf

sehr kleiner Flamme für ca. 30 Minuten köcheln lassen.

Dabei umrühren nicht vergessen!

Währenddessen die Mango vom Kern lösen und zusammen

mit dem Saft einer halben Limette in einem Mixer o.Ä.

pürieren und im Kühlschrank kaltstellen. Den fertigen Reis

mit Hilfe eines kleinen Schälchens in Form bringen und auf

einen Teller stürzen. Mit Mango und Sesam garnieren.

© Mara Hohla (@stadtmaerchen)

62 / MIT SCHARF /


DEN TAG BEKOMMST

DU GEBACKEN.

Der Duft von gemahlenem Kaffee liegt in der Luft und – was ist das?

Riechst du hier frisch Aufgebackenes? Deine Nase liegt richtig.

Denn jetzt gibt es bei McCafé Topfengolatschen, Schoko-Croissants, Apfel-Gitter und Croissants!

Mehlzeit! Äh… Mahlzeit!

© 2019 McDonald’s. Verfügbar in allen McCafés, solange der Vorrat reicht.


KULTURA NEWS

Klappe zu und Vorhang auf!

Von Nada El-Azar

Filmtipp

Willem Dafoe ist

Vincent van Gogh

MEINUNG

Ein mörderisches

Angebot

Eine Lehrerin sagte einmal, die wahren

Faulen machen ihre Aufgaben sofort,

damit sie bis zum Schluss faulenzen

können. Leider gehöre ich nicht dazu.

Vom Schönschreiben bis zur Bachelorarbeit

habe ich immer alles in letzter

Sekunde gemacht. Sogar diese Kolumne!

Aber meistens gut. Um mein bewährtes

Prokrastinationssystem zu füttern, habe

ich mir wieder Netflix zugelegt. Und mit

größter Sensationslust „bingewatche“ ich

eine Serienkiller-Doku nach der nächsten.

Klar, da geht’s meistens um abscheuliche

Typen, die massenweise Frauen umgebracht

haben. Aber dieses mörderische

Angebot (haha!) wäre ja nicht so groß,

gäbe es nicht die Nachfrage. Und die

kommt – nicht überraschenderweise – von

jungen Frauen. Lady Gagas berühmte

Aussage, Social Media sei die Toilette des

Internet, hat sich bei meiner Recherche

über Ted Bundy wieder einmal bestätigt.

Da gibt es tatsächlich tausende junge

Frauen, die ihre wildesten Fantasien mit

dem (mindestens!) 30-fachen Mörder

ausleben würden. Und das ist nicht genug.

Sich zu Verbrechern hingezogen zu fühlen,

heißt übrigens „Hybristophilie“. Und unter

dem gleichnamigen Reddit-Thread musste

ich feststellen, dass viele dieser Hybristophilen

genauso begonnen hatten wie ich:

mit Serienkiller-Dokus. Und wo endet das?

Hochzeit mit einem Insassen. Genug! Ich

steig dann mal auf Kochshows um.

Beschwerden an: el-azar@dasbiber.at

Buchtipp

ZIEGELBRENNEN

1944 flieht der mit der Kroatin

Ruzmarinka verheiratete Donauschwabe

Raimund Quendler

mit seiner Familie von Slawonien

nach Österreich. 2015 steht

die polnische Künstlerin Asja

Szczakowska an dem zur Abwehr

von Flüchtlingen errichteten

Grenzzaun zwischen Ungarn und

Kroatien. Ziegelbrennen, der

Roman von Christian Lorenz Müller,

ist ein Roman über Flucht,

Anpassung und das Fremdsein

– vom zweiten Weltkrieg über

die Jugoslawienkriege bis zur

Flüchtlingswelle 2015.

„Ziegelbrennen“ von Christian

Lorenz Müller, Otto Müller Verlag

Julian Schnabls hochkarätig besetzte Filmbiographie

„Van Gogh - An der Schwelle

zur Ewigkeit“ ist eine faszinierende Reise

in den Körper und Geist von Vincent van

Gogh, der trotz Skepsis, Wahnsinn und

Krankheit einige der beeindruckendsten

und gefeiertsten Kunstwerke der Welt

erschuf. Neben Willem Dafoe, der für seine

Rolle als van Gogh für den Oscar in der

Kategorie “Bester Schauspieler” nominiert

wurde, sind Mads Mikkelsen, Oscar Isaac

und Emmanuelle Seigner mit dabei.

Filmstart: 19. 04. 2019

Mark Rothko im KHM

Mark Rothko (1903 – 1970) gehört zu den bedeutendsten

Künstlern des 20. Jahrhunderts. Am

bekanntesten ist der Amerikaner als Wegbereiter

der Farbfeldmalerei. Nun werden über vierzig seiner

Hauptwerke erstmals in Österreich ausgestellt.

Stark beteiligt an der Ausstellungsgestaltung waren

seine Kinder, Christopher und Kate Rothko. Das

sollte man sich nicht entgehen lassen!

Bis 30. Juni 2019, Kunsthistorisches Museum Wien

Christoph Liebentritt, bereitgestellt

64 / KULTURA /


FOMO („Fear of Missing Out“)

war gestern!

Heute reden alle von JOMO („Joy of Missing Out“)

– und wie lässt es sich leichter dem Alltag entfliehen,

als mit einem guten Buch? In der Festwochen

into the city-Produktion „Ich bin ein Buch“ stellen

WienerInnen ihr ganz persönliches Lebensbuch

vor, lesen daraus und erzählen, warum es ihnen so

viel bedeutet. Der Journalist Thomas Wolkinger

pickt eine Auswahl der präsentierten Geschichten

heraus und sammelt sie in einem Magazin.

Untermalt werden die Texte von der Künstlerin

Petja Dimitrova mit liebvollen Bildern, Narrativen

und Comics. Als Highlight erhältst du auf

der Abschlussveranstaltung am 2. Juni mit

Michael Köhlmeier das gestaltete Magazin als

Geschenk.

Du willst dein ganz persönliches Lebensbuch

vorstellen oder einfach nur dem Lesekreis

lauschen?

Die nächsten Termine im April sind:

15. April, 24. April, 26. April

Für weitere Termine und Informationen:

www.vhs.at/ichbineinbuch

Anmeldung per Mail: info@vhs.at

Eintritt frei!

Peter Friedl, Report (still), 2016, © the artist


„Ich war ein Problemkind

mit guten Absichten“

Er war Support für Raf Camora, ist seit November bei Sony Music

unter Vertrag und hat gerade sein erstes Album „Eva&Adam“

veröffentlicht: Svaba Ortak ist gerade groß im Kommen. Der

Wiener Rapper hat mit uns über seine Kindheit in 1030 Wien,

Deutschrap auf Spotify, seine Mutter und Ariana Grande geredet.

Von Anna Jandrisevits, Fotos: Aleksandar Perić

„Bitte Patschen anziehen!“,

sagt jemand, als wir das Studio

betreten. Svaba Ortak zieht

seine Sneakers aus und schlüpft

in viel zu kleine Stoffpatschen.

„Aber he, pass bitte auf, dass

man die nicht auf den Fotos

sieht!“, ruft er dem Fotografen

zu. Ich nehme im Studio von

NVDW Platz, einer Gruppe von

Produzenten, die hier im Keller

einer Wohnungsanlage des 10.

Bezirks die Hits von morgen

basteln. Während die Laxenburgerstraße

über ihnen langsam

zur Ruhe kommt, fangen die

Jungs erst mit der Arbeit an.

Ohne diese Arbeit von PMC

Eastblok, Doni Balkan und Stanic

wäre Svaba Ortaks erstes

Album mit dem Namen „Eva

& Adam“ wohl nie zustande

gekommen, meint er. Als ich den

Wiener Rapper für ein Interview

anfragte, stellte er zwei Dinge

klar: Er kommt nur mit seinen

Produzenten und er redet nicht

über Politik.

BIBER: Warum willst du nicht über Politik

reden?

SVABA ORTAK: Alle Journalisten wollen

immer nur über Politik reden. Das nervt. Ich

bin Rapper und will über meine Musik sprechen,

nicht über Politik. Interviews gebe ich

eigentlich auch nicht, aber mit biber habe

ich in der Vergangenheit gute Erfahrungen

gemacht. Das Magazin lag damals schon in

meiner Schule, also kenne ich es schon seit

meiner Jugend.

Wie hast du deine Kindheit und Jugend in

Erinnerung?

Sehr schön. Ich war ein Problemkind mit

guten Absichten. Ich wollte nie jemandem

etwas Böses, war aber immer ehrlich. So

wie Kinder eben sind. Irgendwann bin ich da

rausgewachsen und meine Eltern haben mir

Manieren beigebracht.

Woher stammen deine Eltern?

Meine Mutter ist aus Bosnien und mein Vater

aus Montenegro. Er kam schon vor dem

Krieg nach Wien und hat hier als Bauarbeiter

gearbeitet. Als es unten zu brodeln begonnen

hat, ist meine Mutter nachgekommen.

Sie haben sich im 3. Bezirk angesiedelt und

zwei Jahre später kam ich auf die Welt. In

der Rudolfsstiftung, wenn du’s genau wissen

willst. Das Stockwerk weiß ich nicht mehr

(lacht).

Bevor ich die nächste Frage stellen kann,

unterbricht mich Svaba Ortak mit einem

kurzen „Wart kurz!“ und dreht sich zum

Computer, der zwischen zwei Musikboxen

auf dem Tisch steht. Er steigt ins Internet,

klickt auf YouTube und gibt „Vlado Georgiev“

(serbischer Sänger; Anm. d. Red.) in

die Such-Zeile ein. „Spielen wir bisschen

Musik im Hintergrund ab. Jugo-Balladen

sind das Geilste!“, sagt er. Das Interview

wird anschließend von stimmungsvollen

Balkan-Klängen begleitet.

Kam für dich je ein „normaler“ Job infrage?

Ja, natürlich. Rapper zu werden war lange

Zeit nur ein zweites Standbein. Ich war auf

der Grafischen und danach habe ich keinen

Job in der Branche gefunden. Also bin ich

direkt andere Berufswege gegangen. Ich

habe in jedem Bereich gearbeitet, den man

sich vorstellen kann. Es fehlt nur noch der

Dönerstand. In Museen war ich zum Beispiel

für die Reinigung zuständig und da haben

mich viele Leute erkannt.

Wirst du oft erkannt?

Jeden Tag. Früher wollte jeder ein Autogramm,

heute geht’s nur noch um ein Foto.

Aber das bestätigt mir, dass ich meine Arbeit

gut mache. Ich kann mich erinnern, als ich

2010 das erste Mal auf dem Westbahnhof

erkannt wurde und mir jemand sagte, dass

er meinen Song feiert. Ich hatte keinen Plan

wer der Typ war, aber das war die Bestätigung,

die ich gebraucht habe, um weiterzumachen.

66 / KULTURA /



Rapper kriegen

kein Echo in

diesem Land


Der Künstlername Svaba Ortak stammt aus dem serbischen Film „Rane“ (1998).

/ KULTURA / 67


„Alle Journalisten wollen immer nur über Politik reden. Das nervt.“

Wie kam es zu dem Künstlernamen

Svaba Ortak?

Der Name stammt aus dem serbischen

Film „Rane“ (1998). Im Film geht es um

zwei Hawaras, die Svaba und Pinki heißen.

Ich habe damals mit einem meiner

besten Freunde angefangen zu rappen,

er hat sich den Namen Pinki gegeben

und ich mir den Namen Svaba. Und jetzt

bin ich Svaba Ortak, niemand sonst.

Warum heißt dein Album „Eva & Adam“

anstatt „Adam & Eva“?

Die Frau hat in meiner Familie einen

hohen Stellenwert. Ich sehe das vor

allem bei meinen Eltern, die Frau ist das

Allerwichtigste. Und da dieses Album ein

Geschenk an meine Eltern ist, habe ich

das Album „Eva & Adam“ genannt. Wenn

man sich das Album anhört, weiß man

definitiv, warum es so heißt.

Hat dein Leben einen starken Einfluss

auf das Album?

Mein Gott, auf jeden Fall. Es geht

hauptsächlich um mich und persönliche

Geschichten, die ich über die Jahre

erlebt habe. Es geht auch um meine

Eltern, meine Freunde und meine Liebe

zur Musik. Auch um Probleme, mit denen

der normale Gastarbeiter zu kämpfen

hat. Das Album ist meine Autobiografie,

aus jedem Song hört man einen Auszug

meines Lebens. Der Song „Südbahnhof“

zum Beispiel, der von PMC Eastblok,

Doni Balkan und Manilo produziert

wurde, beschreibt eine Liebesgeschichte

von zwei Menschen, die nach Österreich

kommen, ohne ein Wort Deutsch

zu sprechen und es trotzdem schaffen,

ein Leben aufzubauen. Es ist die „Eva &

Adam“ Geschichte.

Was bedeuten deine Produzenten für

dich?

Jeder Song ist wie ein Haus. Ich grabe

und lege das Fundament, während die

Produzenten den Beton mischen und ihn

ins Fundament gießen. Dann beginne ich

eine Mauer zu bauen, ich schreibe also

den Text. Das Dach machen wir zusammen,

indem wir den Song mixen und

mastern. PMC, Doni und Stanic haben

den musikalischen Faden der Geschichte

kreiert. Deswegen rede ich die ganze

Zeit von „unserem“ Projekt. Deswegen

schleppe ich sie hier auch mit, weil

wir das Album gemeinsam erschaffen

haben. Das ist mir sehr wichtig. Früher

hat ein Rapper ein Lied veröffentlicht und

niemand wusste, wer es produziert hat.

Mittlerweile genießen manche Produzenten

denselben Status wie Rapper.

Wenn ich ihnen das durch meine Stimme

ermöglichen kann, ist mir das nur recht.

Und wenn man dann auch noch befreundet

ist und über alles reden kann, ist das

ein Jackpot.

Warum ist Deutschrap momentan so

erfolgreich?

Das hat viel mit den Streamingdiensten

zu tun. Jeder hat ein Smartphone und

dadurch rund um die Uhr schnellen

Zugang zu Musik. Anfangs dachte ich,

dass Spotify & Co uns alle in den Ruin

treiben werden. Aber das Gegenteil ist

der Fall, Deutschrap explodiert und ist

so angesagt wie nie zuvor. Die Rapper

gehen mittlerweile so oft Gold, dass sie

keinen Platz mehr an der Wand haben.

Und das ist gut so. Denn Musik wird den

Menschen immer helfen. Musik ist wie

eine Schulter, die Halt gibt.

In deinen Texten geht’s auch um Drogen

und Gewalt. Siehst du das problematisch?

Jeder trägt sein Kreuz selbst. Ob meine

Songs einen Einfluss auf die Hörer

haben, kann ich nicht bestimmen. Mir

war immer wichtig, dass ich jetzt keine

brutal frauenverachtenden Texte rappe.

Ich bin keinesfalls ein weißes Schaf, ich

bin definitiv schwarz. Aber richtig brutale

Texte sind nicht mein Ding. Ich bin ein

einfacher Typ aus einer einfachen Stadt

mit einem einfachen Leben. Und von

68 / KULTURA /


dem erzähle ich.

Viele Rapper stehen Medien kritisch

gegenüber. Du auch?

Ich und viele andere Rapper hatten nie

das Gefühl, von den Medien unterstützt

zu werden. Nie kam ein Echo, wenn man

einen Song rausgebracht hat. Selbst mit

Videos, die teilweise 300.000 Klicks auf

YouTube knacken, kriegen Rapper kein

Echo in diesem Land. Ich verstehe nicht,

warum. Es ist ja nicht so, als würden wir

das nicht wollen.

Du bist jetzt bei Sony Music unter Vertrag.

Hast du dich seit deinen Anfängen

als Rapper verändert?

Nein. Ich fahre immer noch mit der

Straßenbahn. Wieso sollte ich mich

verändern? Ich habe höchstens gelernt,

mehr Verantwortung zu übernehmen und

nicht überheblich zu sein. Ich hatte früher

Momente, wo ich mich gefühlt habe

wie der beste Rapper der Welt. Aber da

hat mein Bruder nur einmal „Halt die

Fresse!“ sagen müssen und ich war ganz

schnell wieder am Boden.

Hast du deinen Eltern das Album vorgespielt?

Das mache ich morgen, wenn ich das

Album das erste Mal in den Händen

halte. Meine Mutter wird es sicher lieben,

sie ist mein größter Fan. Wenn ich ihr

Plakate von mir bringe, macht sie Fotos

davon und schickt es den Verwandten

in Montenegro und Bosnien. Sie

hat sich extra eine Google Play Karte

geholt, damit sie meine Lieder kaufen

kann. Mein Vater ist natürlich auch sehr

stolz, aber er sagt dauernd, ich soll auf

Serbisch rappen, damit die Verwandten

meine Texte auch verstehen (lacht).

Ein Vogel hat mir gezwitschert, dass du

Ariana Grande feierst...

Ich würde diese Frau sofort heiraten

(lacht). Es ist eine komplett andere Musikrichtung,

aber ihre Lieder und Vocals

haben mich bei den Mix- und Master-

Arbeiten zum Album sehr inspiriert. Sie

macht alles sehr gezielt. Das gefällt mir.

Was hast du aus diesem Album gelernt?

Ich glaube, wir haben in diesen drei

Jahren sehr viel gelernt, vor allem in

Bezug auf unsere Arbeitsmoral. Wie wir

mit bestimmten Dingen umgehen, uns

gegenseitig behandeln und miteinander

kommunizieren. Wir sind mit diesem

Album sehr gereift. Vor einem zweiten

Album habe ich deshalb überhaupt keine

Angst mehr. Nur Ehrfurcht. ●

„Mein Vater sagt dauernd, ich soll auf serbisch rappen.“

18. Mai 2019

Campus der Universität

Wien, Hof 1

FREIER EINTRITT

Mit YASMO UND DIE KLANGKANTINE

www.suedwind.at/strassenfest


„Die Leiden des jungen Todor“

Von Todor Ovtcharov

Beschwerdebrief

Wenn man in Österreich einen Deutschkurs

macht und eine der Niveaustufen

bewältigen will, muss man lernen,

einen Beschwerdebrief zu schreiben. Das ist

nicht leicht, da man lernen soll, sich schriftlich zu

beschweren. Im Lehrbuch gibt es einen Musterbrief.

Dort geht es um einen Herrn Schmidt, der

auf Urlaub in Mallorca war. Sein Bad war schimmlig,

im Hotelrestaurant gab es keine frischen Pfirsiche

und statt guter deutscher Musik musste Herr

Schmidt lästigen Flamenco hören. Im Flugzeug saß

Herr Schmidt neben einem weinenden Baby und

konnte nicht schlafen und statt 150 Meter musste

er genau 275 Meter zum Strand gehen, deswegen

ist er nach seinem Urlaub müde und gar nicht

entspannt.

Für einen Menschen, der in Osteuropa geboren

ist, ist so einen Beschwerdebrief zu schreiben eine

Riesenherausforderung. Vielleicht hilft das Schreiben

von Beschwerdebriefen zur Entwicklung der

bürgerlichen Gesellschaft, doch der Ostmensch

betrachtet das ganz skeptisch. Im Unterschied zum

Herrn Schmidt glaubt er, dass sein Beschwerdebrief

gar nichts ändern wird: Der Schimmel im Bad

wird bleiben, im Restaurant wird es weiterhin keine

Pfirsiche geben und das Hotel wird sich nicht dem

Strand nähern. Das mit dem Flamenco ist auch

vollkommen absurd. Wenn Herr Schmidt keinen

Flamenco hören will, dann soll er auch nicht nach

Spanien fahren!

Auf Bulgarisch sagt man: “Beschwer dich

beim armenischen Popen!”. Das bedeutet: Sowohl

mündliche als auch schriftliche Beschwerden sind

sinnlos, denn derjenige, der auf deine Beschwerden

hören muss, den gibt es gar nicht. Höchstens

wirst du ausgelacht. Das habe ich mal persönlich

erlebt: Ich habe vor vielen Jahren auf der bulgarischen

Schwarzmeerküste gearbeitet. Ein deutscher

Tourist beschwerte sich, dass in der Toilette

Klopapier gefehlt hat. Der Geschäftsführerin vom

Hotel war das vollkommen egal: “Deutschland ist

groß”, sagte sie, “Der mag vielleicht nicht wiederkommen,

aber sein Nachbar kommt!”.

Vielleicht schreiben wir deshalb keine

Beschwerdebriefe. Wir glauben, dass sie uns nur

schaden können, ein böser Beamter wird sie sehen

und sagen: „Wenn es dir nicht gefällt, dann bleib

zu Hause!“. Und dann werden wir abgeschoben.

Ein Schuldkomplex verfolgt uns. Dabei könnten wir

eigentlich so schöne Beschwerdebriefe schreiben,

die selbst Herrn Schmidt zum Erröten bringen

würden. Denn wir sehen Ungerechtigkeiten, die

gewöhnliche Österreicher nicht sehen. Die soziale

Ungerechtigkeit und der Alltagsrassismus und

weniger das Fehlen von frischen Pfirsichen im

Hotelrestaurant.

Die Übung mit dem Schreiben eines Beschwerdebriefs

schaffen viele ganz gut. Das heißt, dass

wir unsere Rechte eigentlich ganz gut kennen.

Trotzdem schreiben wir keine Beschwerdebriefe. ●

70 / MIT SCHARF /


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