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2/2019 | April / Mai 2019 | 4,90 Euro

Gesundheit 4.0

Mit Exklusivbeitrag

von Gesundheitsminister

Jens Spahn

S. 8

Gesunde

Mitarbeiter

starker

Mittelstand

Brexit, und wie weiter?

S. 20

Wie der Fiskus Fitness fördert

S. 32


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3

Trübe Quellen(steuer)

Mario Ohoven

Präsident Bundesverband

mittelständische Wirtschaft

(BVMW) und Europäischer

Mittelstandsdachverband

European Entrepreneurs

(CEA-PME), Herausgeber

„DER Mittelstand.“

Wenn es darum geht, dem Staat neue Einnahmequellen

zu erschließen, entfaltet der Fiskus ungeahnte

Findigkeit. Was jedoch jüngst kreative

Finanzbeamte in Bayern ausheckten, ist an Dreistigkeit

kaum zu überbieten. Sie ersannen ein neues

Steuermodell – zu Lasten des Mittelstands.

Google-Algorithmen, die die Platzierung der Werbung

in Suchmaschinen steuern. Für die zeitliche

Überlassung des Nutzungsrechts werden 15 Prozent

Quellensteuer fällig – und das auch noch für

bis zu sieben Jahre rückwirkend (!). Darauf muss

man erst einmal kommen.

Dass brave Beamte ein derartiges Konstrukt

überhaupt entwickeln, ist schlimm genug. Dass

das bayerische Finanzministerium sie darin nicht

nur unterstützt, sondern sogar noch aufs Tempo

gedrückt hat, dafür fehlt mir jedes Verständnis.

Worum geht es? Die Große Koalition will die milliardenschweren

US-Digitalkonzerne dazu bringen,

auch hierzulande ihre Steuern zu zahlen.

Dazu ist sie laut Koalitionsvertrag sogar verpflichtet.

Dem steht die bittere Erfahrung der Finanzbehörden

entgegen, dass sie an Google, Amazon

und Co. nicht herankommen. Stattdessen könnte

man sich doch am heimischen Mittelstand schadlos

halten, so die Idee aus Bayern.

Eine solche Sondersteuer ist nicht nur in höchstem

Maße mittelstandsfeindlich, weil sie für ein

kleines Unternehmen sehr schnell existenzbedrohend

werden kann. Sie ist auch das politisch

falsche Signal zur falschen Zeit. Denn es trifft ja

gerade die Unternehmer, die aktiv die Chancen

der Digitalisierung nutzen.

Ein weiteres kommt hinzu: Wenn neben Bayern

auch Finanzbehörden in NRW und Rheinland-Pfalz

in dieser Weise vorgehen, ist sehr konkret

zu befürchten, dass dies ein Großversuch zur

bundesweiten Einführung einer Quellensteuer

ist. Im Klartext: Es droht durch die Hintertür eine

Steuererhöhung für große Teile der Wirtschaft.

Foto: © Thomas Imo

Mehr noch, die Mittelständler sollten als Steuereintreiber

bei den US-Giganten missbraucht werden.

Dabei sagt einem schon der gesunde Menschenverstand,

dass ein kleines Unternehmen

nicht den Hauch einer Chance hat, wenn es von

den Googles dieser Welt sozusagen verauslagte

Steuern zurückfordern soll.

Und so sollte das Abkassiermodell funktionieren:

Der Fiskus hält sich stellvertretend an kleine

deutsche Firmen, die auf Suchmaschinen wie

Google Werbung schalten. Bislang galten diese

Aufwendungen steuertechnisch als Betriebsausgaben.

Nunmehr betrachtet das Finanzamt

diese Ausgaben als Entgelt für die Nutzung von

Der BVMW hat sich sofort nach Bekanntwerden

der Pläne im Sinne der Unternehmen gegen diese

moderne Variante mittelalterlichen Raubrittertums

gewehrt, nicht zuletzt über die Medien. Und

dies mit Erfolg. Bund und Länder haben jetzt beschlossen,

das Abkassiermodell ad acta zu legen.

Die Initiative dazu ging übrigens wiederum von

Bayern aus. Merke: München hat verstanden.

Ihr

Mario Ohoven

2|19 DER Mittelstand. | Editorial


4

IN DIESER AUSGABE

POLITIK

Glanzvoller Jahresempfang

des BVMW

Psychisch gesund am

Arbeitsplatz

SCHWERPUNKT

Psychisch gesund

am Arbeitsplatz

Jeder vierte Mensch gerät im Laufe seines Lebens in eine psychische

Belastungssituation. Die meisten von ihnen sind berufstätig.

BWS

„Wir sind gut unterwegs“

Wo Roboter zu Hause sind

Psychisch Erkrankte bleiben statistisch dreimal

so lange zu Hause wie Beschäftigte mit anderen

Krankheiten. Die wirtschaftlichen Folgen sind

immens: Mehr als 44,4 Milliarden Euro direkte

Krankheitskosten entstehen so pro Jahr.

Tabuthema am Arbeitsplatz

Trotzdem sind psychische Belastungen am

Arbeitsplatz immer noch ein Tabuthema.

Erst in den vergangenen Jahren hat sich ein

leichter Wandel gezeigt. Mehr und mehr

Unternehmen investieren in ihr Betriebliches

Gesundheitsmanagement (BGM) und bieten

ihren Mitarbeitern Präventionsprogramme an,

fördern aber neben der körperlichen auch die

psychische Gesundheit.

Jochen Freese, Chief Commercial Officer

Hellmann Worldwide Logistics Prävention SE für & Körper Co. KGund Seele

Sowohl Arbeitgeber als auch Arbeitnehmer

tragen Verantwortung, Gesundheitsrisiken am

Arbeitsplatz zu minimieren. So wie die körperliche

Gesundheit der Mitarbeiter gefördert

wird, sollte in Zukunft auch auf die psychische

Gesundheit geachtet werden. Denn Stress

und Überforderung am Arbeitsplatz können

langfristig zu psychischem Leid führen und Erkrankungen

wie Depression, Angststörungen,

Essstörungen oder auch Suchterkrankungen

begünstigen.

DEUTSCHLAND

6 News

8 Digitaler Wandel im

Gesundheitswesen:

Chancen für Patienten –

Chancen für den Mittelstand

10 Die Zukunft der Pflege –

auch Arbeitgeber sind gefordert

12 3.500 Gäste: Glanzvoller

Jahresempfang des BVMW

16 Mittelstandspräsident im Dialog

EUROPA

18 News

20 Brexit, und wie weiter?

22 Albanien – Juwel mit

Zukunftspotenzial

23 Kroatien – ein Land

auf Expansionskurs

24 Wirtschaft trägt deutschrussische

Beziehungen

25 Werden Sie Partner der

Europawahl: Kampagne

GRENZENLOS

26 Historisch: Europäisch-

Afrikanische Mittelstandsallianz

gegründet

SCHWERPUNKT

30 Bloß nicht krank werden!

32 Wie der Fiskus Fitness fördert

34 Sparen durch Prävention

36 Gesunde Betriebe leisten mehr

37 Gesundheit in Zahlen

38 Einwanderung digital

40 Mental stark

42 Gesundheit zum Downloaden

44 Raus aus der Stress-Spirale

46 Psychisch gesund am

Arbeitsplatz

Manfred Stern, Präsident & CEO

Yaskawa Europe GmbH

48 Gesundheitsversorgung auf

dem Land – Chance

Digitalisierung?

50 Wie freie Heilberufe

werben dürfen

52 Die Gesundheitswirtschaft,

eine starke Säule des

Mittelstands

54 Rechtliche Vorsorge – keiner

will sie, jeder braucht sie!

56 Orthopädie- und Rehatechnik

für ein Leben in Bewegung

58 Gesundheit stärken

im Schlaf

60 Mit Bluttests zur

maßgeschneiderten Ernährung

62 Modernes Apotheken-

Management

64 Zehn Tipps für

ein gesundes Leben

64 Impressum

2|19 DER Mittelstand. | Inhalt


5

UNTERNEHMERSERVICE

Man lernt nie aus

BVMW

Pralinen für die Kanzlerin

KULTUR

„A Star is born“

BUNDESWIRT-

SCHAFTSSENAT

67 „Wir sind gut unterwegs“

71 Wo Roboter zu Hause sind

74 Der Bundeswirtschaftssenat

bei Weltmarktführer Phoenix

Contact ...

75 ... und bei Schwäbisch Media

SERVICE

78 News

80 Keine Chance: der klassische

Verkauf – ein Auslaufmodell

82 Kundenbewertungen

sinnvoll nutzen

84 Man lernt nie aus –

der BVMW hilft

86 Die Unternehmensnachfolge

diskret digital regeln

88 Daten auf dem

Silbertablett

90 Erfolgreiche folgen

nicht jedem Trend

92 So sichern Sie ihre

Wettbewerbsfähigkeit

93 Kleine Helfer

94 Fuhrpark 2019:

im Diesel- und Abgas-Chaos

96 Compliance im Einkauf

97 Anlagephänomene zum

Jahreswechsel

BVMW

98 News

102 Bedarfsgerechte Prävention

103 Werbung zum Anfassen

104 Optimale Räume

105 Pralinen für die Kanzlerin

106 Im Helikopter führen lernen

2|19 DER Mittelstand. | Inhalt

107 Buchhaltung digital einfach

für alle

KULTUR

108 „A Star is born“

110 Gemeinsam für Natur

und Umweltschutz

112 Buchtipps

113 Apptipps

114 Ein Lob auf die Vorschrift

Scannen Sie den

QR-Code mit Ihrem

Smartphone und lesen

Sie diese Ausgabe als

PDF. In der digitalen

Fassung sind sämtliche

Hyperlinks aktiv.

Tagesaktuelle Neuigkeiten aus dem

Mittelstand finden Sie auf unserer

Verbandswebseite

www.bvmw.de


6

Deutschland

Erfolg:

BVMW gegen neue Steuer

BVMW-Politiknetzwerker

in Berlin

Nach den Plänen der Länderfinanzverwaltungen

von Bayern, NRW und

Rheinland-Pfalz sollten für Unternehmen,

die Werbeanzeigen bei

Google oder anderen Suchmaschinen

gebucht haben,

15 Prozent Quellensteuer

fällig werden – und zwar für

bis zu sieben Jahre rückwirkend.

Das Geld sollten sich

die Unternehmen dann wie

Steuereintreiber bei den Portalbetreibern

zurückholen. Einzelne

Finanzbehörden werten die Ausgaben

für Online-Werbung bei Steuerprüfungen

nicht länger als Betriebsausgaben. Der BVMW

mobilisierte erfolgreich gegen diese Quellensteuer. Bayern blies zum Rückzug,

die neue Steuer ist vom Tisch (siehe Editorial).

Die 30 erfolgreichsten Politiknetzwerker des

BVMW wurden im Januar 2019 auf der Bundestagung

in Düsseldorf ausgezeichnet. Mit

der Ehrung dankte der Verband den politisch

besonders engagierten Kollegen und lud sie

in die Bundeshauptstadt ein. Hierbei standen

Treffen mit der Direktorin des Bundesrates,

Staatssekretärin Dr. Ute Rettler, dem Staatsminister

bei der Bundeskanzlerin, Dr. Hendrik

Hoppenstedt, und dem Vizepräsidenten des

Deutschen Bundestages, Dr. Hans-Peter Friedrich,

auf dem Programm. Die Netzwerker konnten

die Sorgen ihrer Mitgliedsunternehmen

über mittelstandsfeindliche politische Rahmenbedingungen

bei Gesprächsrunden in Bundesrat

und Bundeskanzleramt direkt anbringen

und Kontakte zu Entscheidungsträgern

knüpfen.

Kommt das

Recht auf

Homeoffice?

Bundesarbeitsminister Hubertus Heil

(SPD) hat sich für ein Recht auf Arbeit

vom heimischen Schreibtisch ausgesprochen,

das die Balance von Sicherheit

und Flexibilität wahrt. Heil berief

sich auf die Vereinbarungen von Union

und SPD im Koalitionsvertrag, wonach

mehr Spielraum für Familienzeit geschaffen

werden solle. Der Mittelstand

lehne ein Recht auf Homeoffice ab, so

Mario Ohoven. Gerade kleine Unternehmen

seien mit solchen Arbeitszeitmodellen

im betrieblichen Ablauf

schnell überfordert.

DigitalPakt Schule beschlossen

Nach drei Jahren der schleppenden Verhandlungen wurde endlich eine Einigung

beim DigitalPakt Schule zwischen Bund und Ländern erzielt. Nun fließen

fünf Milliarden Euro vom Bund an die Länder für eine moderne technische

Ausstattung an Schulen. Ein Schritt, der längst überfällig ist, denn zukünftig

arbeiten mehr als acht von zehn Arbeitskräften mit digitalen Kompetenzen.

Das Problem: Der DigitalPakt sieht weder Weiterbildungsmaßnahmen für

Lehrer vor, noch ist das Volumen des Paktes für eine umfassende Modernisierung

ausreichend, denn auf den einzelnen Schüler runtergerechnet sind es

gerade einmal 100 Euro pro Jahr.

Foto: © pololia von www.fotolia.com; © ardaguldogan von www.istockphoto.com

2|19 DER Mittelstand. | Deutschland


7

Umstrittene Grundrente

Immobilienverkauf:

Bestellerprinzip

geplant

Im Streit der Koalition um die Einführung einer Grundrente zeigt

sich Bundesarbeitsminister Hubertus Heil (SPD) optimistisch.

So bekräftigte er, dass im Mai ein entsprechender Gesetzentwurf

vorgelegt werde, der drei bis vier Millionen Menschen zielgenau

helfen solle. Die Bürger hätten eine Grundrente verdient,

wenn sie hart gearbeitet, aber aufgrund von zu niedrigen Löhnen

zu niedrige Renten hätten. Entgegen der Position des Koalitionspartners

CDU/CSU beharrt Heil auf der Grundrente ohne

Bedürftigkeitsprüfung.

Katarina Barley (SPD), Bundesministerin für Justiz und

Verbraucherschutz, hat einen Gesetzentwurf auf den

Weg gebracht, wonach beim Immobilienverkauf zukünftig

der Auftraggeber den Makler zahlen soll. Bereits seit

2015 gilt das Bestellerprinzip für Mietwohnungen. Nach

Berechnungen des Bundesjustizministeriums soll dies den

Käufern eine Ersparnis von bis zu drei Milliarden Euro pro

Jahr bringen. Marktexperten kritisieren, dass lediglich der

Immobilienverkäufer in der Lage sei, mit dem Makler über

die Leistung und somit über den Preis zu verhandeln.

Foto: © VadimGuzhva von www.fotolia.com; © Rawpixel.com von www.fotolia.com; © vegefox.com von www.fotolia.com

Immer mehr

unbesetzte Stellen

In Deutschland hatten noch nie zuvor

so viele Menschen einen Job wie derzeit.

Doch zeitgleich steigt die Zahl der Stellen,

die nicht besetzt werden können, stark an. So gab

es im letzten Quartal 2018 rund 1,46 Mio. unbesetzte Stellen. Im

Vergleich zum Vorjahr ist das ein Zuwachs um 275.000 offene

Positionen. Im Bereich Klempnerei, Sanitär und Heizung dauert es

durchschnittlich 183 Tage, bis eine offene Stelle besetzt wird. In

der Altenpflege dauert es 175 Tage und im Bereich der Softwareentwicklung

159 Tage.

Der BVMW.

Die Stimme des Mittelstands.

Erfolgreich vernetzen.

Chancengeber für den Mittelstand.

Der BVMW stärkt

die Wettbewerbsfähigkeit des deutschen Mittelstands!

National und internatio nal vertritt er erfolgreich die Interessen

der kleinen und mittleren Unternehmen gegenüber

der Politik – branchenübergreifend und parteipolitisch

unabhängig.

Kohleausstieg

vorgeschlagen

Die von der Bundesregierung eingesetzte Kommission

„Wachstum, Strukturwandel und Beschäftigung“ hat

Ende Januar ihren Abschlussbericht vorgestellt. Demnach

soll die Kohleverstromung bis 2038 enden. In einem

ersten Schritt sollen zwischen 2018 und 2022 fünf Gigawatt

Braunkohle und 7,7 Gigawatt Steinkohle abgeschaltet

werden. Zudem soll der Anteil Erneuerbarer Energien

im Stromsektor bis 2030 auf 65 Prozent steigen. Der

Strukturwandel in den betroffenen Kohlerevieren soll

jährlich mit zwei Milliarden Euro unterstützt werden.

Der BVMW

• repräsentiert mit seiner

Mittelstandsallianz mehr als 900.000 Stimmen für den

Mittelstand aller Branchen

• ist mit 300 Geschäfts stellen bundesweit vertreten

• hat mit den Repräsentanten vor Ort mehr

als 800.000 Unternehmerkontakte jährlich

• bietet über 2.000 Veranstaltungen im Jahr

• ist führendes Mitglied in der europäischen

Dachvereinigung nationaler Mittelstands verbände

(European Entrepreneurs).

2|19 DER Mittelstand. | Deutschland


8

Exklusiv:

Gesundheitsminister

Jens Spahn

Digitaler Wandel im Gesundheitswesen:

Chancen für Patienten –

Chancen für den Mittelstand

Nur einmal angenommen: Was wäre, wenn Deutschland Digitalweltmeister würde?

Das klingt für manche wahrscheinlich verrückt und nach vollkommener Selbstüberschätzung.

Aber warum eigentlich, warum sollte Deutschland das nicht können?

Geht es um Innovation, sind wir besser als alle anderen:

bei Forschungsausgaben, wissenschaftlichen

Veröffentlichungen, Patenten – im gesamten Prozess,

von der Idee bis zum Produkt. Die deutschen

Unternehmer sind risiko- und innovationsfreudig.

„„

Es ist eigentlich alles da.

Die Digitalisierung des

Gesundheitswesens müssen wir

vom Patienten her denken.

Diese Ausgangslage sollten wir auch für die Digitalisierung

nutzen. Unser Ziel muss es sein, bei Forschung

und Datennutzung China und USA künftig

nicht nur auf Augenhöhe zu begegnen, sondern mit

unseren Qualitätsmaßstäben über andere noch hinauszuwachsen.

Eine Datennutzung wie in China

mit einem alles kontrollierenden Staat wollen wir

nicht. Eine Datennutzung wie in den USA, mit enormer

Macht der Privaten, auch nicht. Wir wollen

Wertschöpfung, aber im Rahmen unserer Wertvorstellungen.

Bei Digitalisierung und eHealth müssen

wir selbst Standards setzen. Hierfür gilt es, unsere

Kräfte stärker zu bündeln, etwa bei Forschungsförderung

und Investitionen. Mit der KI-Strategie der

Bundesregierung sind wir auf dem richtigen Weg,

um Deutschland als Standort für die Entwicklung

und Anwendung von KI-Technologien nach vorn

zu bringen.

Vor allem aber brauchen wir gute Rahmenbedingungen,

für Marktwirtschaft, in der sich Unternehmergeist

entfalten kann. Bei der Digitalisierung

sind das zum Beispiel die Funknetze: Wie schaffen

wir es, in allen Landesteilen stabiles 5G-Netz hinzubekommen?

Ein Netz, mit dem wir dann auch

eHealth störungsfrei nutzen können! Es gibt weg-

2|19 DER Mittelstand. | Deutschland


9

Autor: © BMG; Foto: © kentoh von www.fotolia.com

weisende Projekte wie den Telenotarzt in Aachen,

die wären in manchen Gegenden Deutschlands

noch gar nicht machbar, mangels Mobilfunk!

Vom Patienten her denken

Gesundheit ist die größte Wirtschaftsbranche in

Deutschland, Millionen von Menschen sind jeden Tag

als Patienten damit in Kontakt. Was wir da verändern,

hat Einfluss auf den Alltag von sehr vielen Menschen,

schafft Akzeptanz. Die Digitalisierung des Gesundheitswesens

müssen wir daher vom Patienten her

denken. Was erleichtert den Alltag von Patienten?

Wie lassen sich ärztliche Diagnosen mit Hilfe eines

Gegenchecks durch Datenauswertung absichern?

Wie lässt sich die Versorgung auf dem Land verbessern,

zum Beispiel mittels Fernbehandlung oder Videosprechstunden?

Es mangelt in Deutschland nicht

an tollen Ideen. Modellprojekte, Start-ups, erfolgreiche

Kooperationen im Innovationsfonds – viele Beispiele

beweisen das. Die Erwartungen sind entsprechend

riesig. Eher zwergenhaft hingegen erscheint,

wie eHealth bisher im Patientenalltag nutzbar ist.

Das ändern wir. Die digitale Infrastruktur für das

Gesundheitswesen kommt. Rund 50.000 Arztpraxen

sind inzwischen an die Telematikinfrastruktur

angeschlossen. Auch die Altenpflege bringen wir

ans Netz. Derzeit arbeiten wir die konkreten Regelungen

zu Zugriff und Finanzierung aus.

Mit der elektronischen Gesundheitskarte werden

ab der zweiten Jahreshälfte Notfalldaten und Medikationsplan

zur Verfügung stehen, wenn der Patient

das wünscht. Auch die elektronische Patientenakte

kommt. Spätestens ab Anfang 2021 soll sie für

alle gesetzlich Versicherten zur Verfügung stehen.

Alle, die das wollen, können sie nutzen. Befüllt mit

Daten von allen behandelnden Ärztinnen und Ärzten.

Für den Patienten auf Wunsch auch per Smartphone

zugänglich. Mit integrierten Anwendungen,

die die Krankenkasse anbieten kann. Und alle Daten

können bei einem Kassenwechsel problemlos mitgenommen

werden.

Nutzen im Vordergrund

Das macht den Fortschritt greifbar: Unnötige

Doppeluntersuchungen und Vielfachanamnesen

entfallen. Ärztliche Entscheidungen werden für

Patienten nachvollziehbarer. Evidenzbasierte Medizin

bekommt größere Durchsetzungskraft. Und

wichtig ist: Es entstehen mehr Kommunikationsmöglichkeiten

zwischen Behandlern und Patienten.

Ich bin sicher: wenn Ärzte und Patienten erst einmal

konkret erfahren, welche Vorteile es für sie

hat, dass die Kommunikation in der Versorgung

einfacher wird, dass umständliche Papierprozeduren

entfallen, dass wichtige Gesundheitsinformationen

im richtigen Moment am richtigen Ort zur

Verfügung stehen, dass man Zeit und Wege sparen

kann – dann wird auch die Bereitschaft für weitere

Veränderungen wachsen. Hier kann viel entstehen,

wenn zugleich auch die Unternehmen in diesen Veränderungsprozess

hineingehen – sich vom Denken

in Produkten, Komponenten und Technologien ein

Stück weit lösen und sich dem Nutzen zuwenden,

der daraus geschaffen werden kann: für Patienten,

für Ärzte, für die Gesundheitsversorgung. •

Jens Spahn

Bundesminister für

Gesundheit, MdB

www.bundesgesundheitsministerium.de

2|19 DER Mittelstand. | Deutschland


10

Die Zukunft der Pflege –

auch Arbeitgeber sind gefordert

Mit drei Gesetzen zur Stärkung der Pflege haben wir in der vergangenen Legislaturperiode wichtige

Weichenstellungen vorgenommen und die Pflegeversicherung mit dem neuen Pflegebedürftigkeitsbegriff

auf das richtige Gleis gelenkt. In dieser Legislaturperiode gilt es deshalb, die Spur zu halten und

weitere Herausforderungen anzugehen.

Die zahlreichen Vereinbarungen zur Pflege im Koalitionsvertrag

sind eine gute Basis, um die Arbeitsbedingungen

und die Bezahlung vor allem in der

Altenpflege zügig zu verbessern. Die Zeit ist reif

für höhere Gehälter und verbindliche Tarifverträge

in der Pflege sowie für eine Angleichung der

regionalen Unterschiede. Es kann nicht länger hingenommen

werden, dass eine examinierte Pflegekraft

in der Altenpflege im Schnitt nur 2.600 Euro

verdient, während sie im Krankenhaus 3.200 Euro

bekommt. Noch skandalöser ist es, wenn Pflegekräfte

in Sachsen-Anhalt für die gleiche Arbeit fast

1.000 Euro weniger verdienen als ihre Kolleginnen

in Baden-Württemberg.

Um mehr Menschen für Berufe in der Pflege zu

begeistern, braucht es neben einer fairen Bezahlung

konkrete Maßnahmen zur Verbesserung des

Arbeitsalltags. Hier ist aber nicht nur die Politik

gefragt. Anbieter rund um die Pflege, wie Heimbetreiber

und ambulante Dienste, können einen wichtigen

Beitrag leisten, die Arbeitsbedingungen zu

verbessern und damit auch die Qualität der Pflege

und die Attraktivität des Berufs zu steigern.

Neue Arbeitszeitmodelle gefragt

Angesichts der demografischen Entwicklung können

wir es uns nicht länger leisten, dass so viele gut

ausgebildete Fachkräfte den Beruf aus Überlastung

Foto: © Viacheslav Iakobchuk von www.fotolia.com

2|19 DER Mittelstand. | Deutschland


11

Foto: © Susie Knoll

und Unzufriedenheit verlassen – in der Altenpflege

durchschnittlich nach gut acht, in der Krankenpflege

nach knapp 14 Jahren. Drei von vier Pflegekräften

arbeiten nur in Teilzeit – oft nicht einmal selbst

gewählt. Darum sind Arbeitgeber gefordert, die Arbeitsorganisation

zu modernisieren und familienfreundliche

Arbeitszeitmodelle gemeinsam mit den

Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern zu entwickeln.

Einrichtungsträger und ambulante Dienste sind gefragt,

jenen, die Vollzeit arbeiten wollen, auch entsprechende

Angebote zu machen.

Und wäre nicht gerade vor dem Hintergrund der

hohen physischen und psychischen Belastungen

eine 35-Stunden-Woche in der Pflege angebracht?

Das wäre ein Anreiz für viele Teilzeitkräfte, auf

Vollzeit umzusteigen. Auch eine Abkehr von der

Praxis geteilter Schichten erhöht die Attraktivität

des Pflegeberufs. Dass dies möglich ist, beweisen

gut geführte Einrichtungen seit langem. Als Pflegebeauftragte

der SPD-Bundestagsfraktion sehe ich

immer wieder, wie sehr es an der Unternehmensleitung

und der Führungskultur liegt, ob Pflegebetriebe

gutes Personal gewinnen oder nicht. Denn trotz

eines unbestrittenen Fachkräftemangels hat sich

gezeigt: Wer für gute Bezahlung und verlässliche

Arbeitsbedingungen sorgt, findet auch Mitarbeiterinnen

und Mitarbeiter. Es gibt Pflegeheime und

Dienste, die hier mit gutem Beispiel vorangehen

und beispielsweise auch Angebote zur Gesundheitsförderung

machen.

Nur wenn solche Beispiele Schule machen, können

auch die politischen Maßnahmen fruchten,

mit denen wir für genügend Nachwuchs auf dem

Pflegearbeitsmarkt sorgen wollen: Die anstehende

Umstellung der Pflegeausbildung hin zur Generalistik

wird flankiert durch eine Ausbildungsoffensive

Pflege. Familienministerin Franziska Giffey hat diese

Offensive als erstes Ergebnis der Konzertierten

Aktion Pflege bereits vorgestellt.

Vereinbarkeit von Pflege und Beruf

braucht innovative Ansätze

Ein Großteil der Pflege findet in Deutschland immer

noch zuhause statt. Mehr als drei Viertel aller pflegebedürftigen

Menschen leben zuhause, davon wird ein

Großteil teilweise oder auch ausschließlich von Angehörigen

gepflegt. Pflegende Angehörige sind stark

belastet, vor allem, wenn sie die Pflege mit dem Beruf

vereinbaren müssen. Darauf müssen sich Arbeitgeberinnen

und Arbeitgeber aller Branchen einstellen.

Gerade der Mittelstand ist auf seine erfahrenen Fachkräfte

angewiesen. Darum lohnt es sich, Mitarbeiterinnen

und Mitarbeiter in besonderen Lebenslagen

zu unterstützen, damit sie Berufstätigkeit und Pflege

miteinander vereinbaren können. Das Instrument


der Familienpflegezeit bietet dafür eine gesetzliche

„ Es lohnt sich, Mitarbeiterinnen

und Mitarbeiter in besonderen

Lebenslagen zu unterstützen, damit

sie Berufstätigkeit und Pflege

miteinander vereinbaren können.

Grundlage. Auch über solche Rechtsansprüche hinaus

können Unternehmen in Zusammenarbeit mit

den Arbeitnehmervertretern Konzepte für Beschäftigte

entwickeln, die pflegebedürftige Angehörige

haben. Dabei helfen flexible Arbeitszeitkonten. Auch

können Unternehmen durch Beratung unterstützen.

So werden sie attraktive Arbeitgeber, anstatt Fachkräfte

zu verlieren, die wegen eines akuten Pflegefalls

womöglich ihren Arbeitsplatz aufgeben möchten.

Eine würdevolle Pflege in unserer alternden Gesellschaft

ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe.

In der Politik werden wir konsequent weitere

Schritte gehen, und es ist gut, wenn auch die mittelständische

Wirtschaft ihren Teil zur Lösung der

Probleme beiträgt.


Gut zu wissen:

• Einen Wegweiser für Arbeitgeber zum Thema

„Beruf und Pflegeverantwortung“ gibt es von

der Initiative Gesundheit und Arbeit zum

kostenlosen Download:

https://bvmw.info/iga-info

Heike Baehrens

Pflegebeauftragte der

SPD-Bundestagsfraktion

www.heike-baehrens.de

2|19 DER Mittelstand. | Deutschland


12

Auf einem imposanten Bühnenbild präsentierte sich der Mittelstand BVMW mit den Schlagworten

Leidenschaft, Wirtschaftsmotor, Chancengeber, Netzwerk, Mittelstand u. a.

3.500 Gäste: Glanzvoller Jahresempfang

des BVMW

Der BVMW lud zum größten Empfang des Mittelstands

in der Bundeshauptstadt: Über 3.500 Unternehmer,

Spitzenpolitiker, Parlamentarier, darunter 80 Abgeordnete,

60 Botschafter sowie weitere hochrangige Gäste erlebten

einen glanzvollen Abend – und eine Überraschung des

Bundeswirtschaftsministers.

Der traditionelle Jahresempfang des BVMW ist

längst zu einer festen Institution im politischen

Berlin geworden. So kamen auch in diesem Jahr

neben Mittelständlern aus ganz Deutschland

zahlreiche hochrangige Politiker und Mitglieder

des Diplomatischen Corps auf Einladung des

BVMW ins Hotel Maritim.

Deutliche Worte fand Mario Ohoven in seiner

richtungsweisenden Rede. Der Mittelstandspräsident

forderte angesichts des wirtschaftlichen

Abschwungs von der Bundesregierung eine

Agenda für Modernisierung und Wachstum. Entscheidend

sei jetzt ein Umsteuern in der Haushaltspolitik.

Während das Rentenpaket aus dem

Vorjahr mit über 36 Milliarden Euro bis 2025 zu

Buche schlage, seien zur Förderung der Künstlichen

Intelligenz nur drei Milliarden, verteilt auf

mehrere Jahre, vorgesehen. „Das ist ein Witz, und

zwar einer auf Kosten der Wettbewerbs- und Zukunftsfähigkeit

dieses Landes“, mahnte Ohoven.

Für eine Überraschung sorgte Peter Altmaier.

Der Bundeswirtschaftsminister sagte einen Kabinettsbeschluss

zur Einführung einer steuerlichen

Forschungsförderung für KMU zu. Wörtlich erklärte

er: „Ich habe meinem Kollegen Olaf Scholz

das Versprechen abgerungen, dass die steuerliche

Forschungsförderung bis zur Sommerpause im

Kabinett beschlossen und in den Bundestag eingebracht

wird.“ Mittelstandspräsident Ohoven

dankte Altmaier für die Zusage und wies darauf

2|19 DER Mittelstand. | Deutschland


13

Fotos: © Christian Kruppa, Richard Bejick, Matti Hillig

Bundeswirtschaftsminister

Peter Altmaier.

hin, dass der BVMW seit zehn Jahren für eine

steuerliche Forschungsförderung gekämpft habe.

Er hoffe, dass ab 1. Januar 2020 die mittelständischen

Unternehmen davon profitieren werden.

Der Staatspräsident Albaniens, S.E. Ilir Meta,

dankte Deutschland für finanzielle Zuwendungen

von umgerechnet über einer Milliarde US-Dollar,

die der Balkanstaat in die Stärkung kleiner und

mittlerer Unternehmen, Infrastrukturprojekte,

den Tourismussektor und die Landwirtschaft investieren

konnte.

Mit der Rede der kroatischen Staatspräsidentin,

I.E. Kolinda Grabar-Kitarović, erwartete die Gäste

ein weiteres politisches Highlight. Sie hob die

Bedeutung der Wirtschaftsbeziehungen Kroatiens

zu Deutschland hervor. So sei die Bundesrepublik

der wichtigste Handelspartner des südosteuropäischen

Staates.

„ „Für mich war es ein ganz besonderer

I.E. Kolinda Grabar-Kitarović, Staatspräsidentin

von Kroatien.

Jahresempfang. Mario Ohoven gab eine Vorlage an

die Politik, und Minister Altmaier hat diese klaren

Worte aufgenommen. Man hat es im ganzen Saal

und auch jetzt in den Gesprächen gespürt, dass es

eine Aufbruchsstimmung gibt, und daran müssen

wir jetzt anknüpfen.

Ferdinand Munk, Managing Director Günzburger

Steigtechnik GmbH

M. İlker Ayci, Chairman des Jahresempfang-

Hauptsponsors Turkish Airlines, wies auf die herausragende

Rolle des unternehmerischen Mittelstands

als Rückgrat der deutschen wie europäischen

Wirtschaft hin. Den sich anschließenden

Empfang nutzten die Gäste zum Netzwerken in

festlichem Ambiente.


S.E. Ilir Meta, Staatspräsident von Albanien.

M. İlker Ayci, Chairman of the Board & the

Executive Committee von Turkish Airlines.

Mittelstandspräsident Mario Ohoven.

2|19 DER Mittelstand. | Deutschland


14

„ „Der Mittelstand muss

sich internationaler

ausrichten.

Darum fand ich die

Beiträge auch aus

Kroatien und aus

Albanien sehr wichtig.

Präsident Ilir Meta, Mittelstandspräsident Mario Ohoven, Präsidentin Kolinda Grabar-Kitarović und Bundeswirtschaftsminister P. Altmaier.

Pamela Stenzel, Rechtsanwältin –

Intercultural Trainer

Der Jahresempfang bot die ideale Plattform zum Netzwerken.

Der BVMW begrüßte hochrangige Gäste aus Politik, Wirtschaft und Kultur.

„ „Herr Altmaier hat sehr viele

Versprechen gemacht. Ich bin

gespannt, ob er diese auch

einhalten kann, um uns als

mittelständische Unternehmer

voranzubringen.

Steffen Andreas, Geschäftsführer KDS

Personalberatung GmbH

Roter Teppich für den Mittelstand: Der BVMW hatte zum

politischen Event in die Hauptstadt eingeladen.

Fotos: © Christian Kruppa, Richard Bejick, © Matti Hillig; © Facepfuhl

2|19 DER Mittelstand. | Deutschland


15

„ „Wir kleckern bei der

absoluten Zukunftsressource

Digitalisierung

und klotzen bei

sozialen Wohltaten

wie der Rente. Das

muss sich schnell und

gründlich ändern.

Mario Ohoven

Mehr als 3.500 Gäste kamen

zum Jahresempfang des BVMW.

BVMW Bundesgeschäftsführer Prof. Dr. h.c.

Markus Jerger mit Peter Altmaier.

Gäste präsentieren die BVMW

# Wirtschaftsmotor und Chancengeber.

S.E. Dr. Badr Abdelatty, Botschafter der Arabischen Republik

Ägypten (li.) und S.E. Najeeb Al-Bader, Botschafter Kuwaits.

„ „Ich habe meinem Kollegen Olaf Scholz das

Versprechen abgerungen, dass die steuerliche

Forschungsf örderung bis zur Sommerpause

im Kabinett beschlossen und in den Bundestag

eingebracht wird.

BVMW Vorstände Dr. Helmut Baur, Dr. Jochen Leonhardt und

BVMW Vizepräsident Willi Grothe.

Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier

2|19 DER Mittelstand. | Deutschland


16

Mittelstandspräsident im Dialog

Als gefragter Keynote-Speaker, mit der Teilnahme an zahlreichen Veranstaltungen und in Gesprächen mit

hochkarätigen Persönlichkeiten aus Politik, Wirtschaft und Gesellschaft öffnet Mario Ohoven im In- und

Ausland Türen für den unternehmerischen Mittelstand. Hier eine kleine Auswahl hochrangiger Treffen:

Treffen mit dem

Finanzminister

Bei einem persönlichen Treffen mit

Bundesfinanzminister Olaf Scholz

sprach sich Mario Ohoven deutlich für

die vollständige und sofortige Abschaffung

des Solidaritätszuschlags aus und

lehnte eine Erhöhung der Einkommensteuer

im Gegenzug ab. Die Forderung

Mario Ohoven mit

Bundesfinanzminister

Olaf Scholz …

des BVMW nach einer Unternehmensteuerreform bezeichnete

Scholz als wünschenswert, aber nicht bezahlbar.

Einsatz für bessere

Rahmenbedingungen

Was wird aus der digitalen Zukunft

Deutschlands? Wann werden

kleine Unternehmen endlich

spürbar entlastet? Diese und

weitere Fragen stellten Mario

… im Gespräch mit dem Staatssekretär

im Bundesministerium

Ohoven und die Partnerverbände

der Mittelstandsallianz

für Wirtschaft und Energie,

Christian Hirte …

des BVMW im Gespräch mit

dem Staatssekretär im Bundesministerium für Wirtschaft und

Energie, Christian Hirte.

Kanzlerempfang in Wien

Auf Einladung von

Österreichs Bundeskanzler

Sebastian

Kurz nahm Mario

Ohoven an einem

exklusiven Event

der Leitbetriebe

… bei einem Treffen mit Andreas Gnesda,

Präsident Österreichischer Gewerbeverein

und Beiratsvorsitzender Leitbetriebe Austria;

Antonella Mei-Pochtler, Chefstrategin

Bundeskanzleramt; Monica Rintersbacher,

Geschäftsführerin Leitbetriebe Austria;

Bundeskanzler Sebastian Kurz (v. li.) …

Austria im Bundeskanzleramt

in Wien

teil. Im Mittelpunkt

des Treffens standen

Strategien zur

Zukunftsfähigkeit Österreichs sowie zur Stärkung der Zusammenarbeit

zwischen dem Mittelstand beider Länder.

Handelsblatt-

Gipfel

Beim Handelsblatt diskutierte

Mario Ohoven u. a. mit Altkanzler

… und mit Sigmar Gabriel (li.)

und Gerhard Schröder beim

Handelsblatt.

Gerhard Schröder und

Ex-Vizekanzler Sigmar Gabriel.

Prof. Dr. Bert Rürup, Chef des

Handelsblatt Research Institute, hatte einen Masterplan 2030

für Deutschland vorgelegt.

Foto: © Marc-Steffen Unger

Ausriss aus Mario Ohovens Terminkalender

24.01. Gespräch mit dem Botschafter Aserbaidschans, S.E. Ramin Hasanov

24.01. Industrie 4.0-Konferenz des Hasso-Plattner-Institutes

04.02. Keynote auf dem Jahresempfang des BVMW in Köln

18.02. Jahresempfang des BVMW u. a. mit Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier, der kroatischen Staatspräsidentin I.E. Kolinda Grabar-Kitarović

und dem Staatspräsidenten Albaniens, S.E. Ilir Meta

19.02. Deutsch-kroatisches Wirtschaftsforum in Berlin

21.02. Gespräch mit Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier

25.02. Neujahrsempfang des BVMW Thüringen mit Ministerpräsident Bodo Ramelow

28.02. Abendessen mit I.E. Isabelle Berro-Amadeï, Botschafterin Monacos

14.03. Gespräch mit der Botschafterin Montenegros, I.E. Vera Kulis in der Bundeszentrale des BVMW

27.03. Treffen mit der CDU-Bundesvorsitzenden Annegret Kramp-Karrenbauer

… und viele weitere Termine im In- und Ausland

2|19 DER Mittelstand. | Deutschland


18

Europa

Zahlungsabwicklung

ohne Unterschied

Die neue „Geoblocking-Verordnung“ der EU sieht vor, dass Onlinehändler

allen Kunden innerhalb der Europäischen Union gleiche

Konditionen bei der Zahlungsabwicklung einräumen müssen.

Der Händler bleibt aber frei in der Wahl der Zahlungsmittel. Auch

muss jeder EU-Ausländer ohne Einschränkungen per Rechnung

bezahlen können. Deshalb nutzen viele E-Commerce-Firmen Bonitätsprüfungen,

um sich vor Zahlungsausfällen zu

schützen.

www.shopbetreiber-blog.de Geoblocking

Weltweit größte

Freihandelszone

Die EU und Japan bilden jetzt die größte Freihandelszone der

Welt. Seit dem Inkrafttreten des Handelsabkommens JEFTA

(Japan-EU Free Trade Agreement) werden Märkte mit

635 Millionen Menschen verbunden. Als erstes EU-Abkommen

verfügt JEFTA über ein spezielles KMU-Kapitel. Damit

werden geographisch-regionale Herstellerangaben geschützt,

um die Absatzchancen von kleinen und mittleren Unternehmen

aus der EU zu fördern. Gemeinsam sind die EU und Japan

für knapp ein Drittel der weltweiten Wirtschaftsleistung

verantwortlich. Am Export nach Japan hängen in

Europa schon jetzt 600.000 Arbeitsplätze.

https://bvmw.info/eu-japan

Dieselfahrverbot:

Berlin erstaunt Brüssel

In Brüsseler EU-Kreisen schaut man verwundert auf die deutsche

Diskussion über Dieselfahrverbote. Sie ist hierzulande wesentlich

ausgeprägter, was vor allem an den unverhältnismäßigen Konsequenzen

liegt. Tatsächlich ist die Luft auch in anderen EU-Staaten

(Frankreich, Großbritannien, Irland, Ungarn, Rumänien) so

schlecht, dass die Kommission gegen sie eine Klage vor dem Europäischen

Gerichtshof wegen Verletzung der Luftreinhaltungsrichtlinie

eingeleitet hat. Aber dort ist die Zahl der Dieselfahrer

geringer, es gibt keinen Verein, der sein Klagerecht nutzt, und es

besteht nirgendwo ein Verbot für Euro-4-Diesel. Daher

sind die Chancen gering, auf EU-Ebene eine Revision

der Grenzwerte durchzusetzen.

www.adac.de Zufahrtsbeschränkungen in EU

Fachkräfte auch von

außerhalb der EU

Es gibt kaum einen mittelständischen Unternehmer, der

nicht über den Mangel an Fachkräften klagt. Da verwundert

es kaum, dass 56 Prozent der deutschen Unternehmen

bereit wären, Fachkräfte aus dem Nicht-EU-Ausland

einzustellen. Aus den 20.000 Firmenantworten einer repräsentativen

Umfrage ergibt sich, dass die wichtigste Hilfestellung

die Verbesserung der Sprachangebote im In- und

Ausland ist. Als fast ebenso bedeutend werden eine schnellere

Zulassung zum Arbeitsmarkt und die Anerkennung

von Berufsabschlüssen bewertet. Auch die Schaffung einer

zentralen Ausländerbehörde pro Bundesland findet starken

Beifall. Das jetzt geplante Fachkräfte-Einwanderungsgesetz

soll in all diesen Bereichen

Verbesserung bringen.

www.kofa.de

Fotos: © SZ-Designs von www.fotolia.com; © Eisenhans von www.fotolia.com

2|19 DER Mittelstand. | Europa


19

Steuerbeschlüsse mit

qualifizierter Mehrheit?

Die EU-Kommission will das Einstimmigkeitsprinzip in Steuerfragen abschaffen.

Sie schlägt vor, bis Ende 2025 in vier Schritten zur Beschlussfassung

nach qualifizierter Mehrheit überzugehen. Im ersten Schritt sollen

Maßnahmen zur Bekämpfung von Steuerbetrug und Steuerhinterziehung

beschlossen werden. Im zweiten Schritt geht es um Steuervorschriften zu

politischen Zielen wie Klima- und Umweltschutz. Im dritten Schritt will man

Mehrwert- und Verbrauchssteuern angleichen. In der letzten Stufe geht es

um Vorhaben wie eine gemeinsame Bemessungsgrundlage bei der Körperschaftsteuer

sowie ein Steuersystem für die digitale Wirtschaft.

www.euronews.com (deutsch) Steuerpolitik

Brüsseler Geld nur

an Rechtsstaaten

Das EU-Parlament hat sich auf eine Koppelung von

EU-Geldern an die Einhaltung rechtsstaatlicher

Prinzipien in den Mitgliedsstaaten geeinigt. Der Gesetzentwurf

wurde mit großer Mehrheit in Straßburg

angenommen. Die geplanten Regeln richten

sich gegen EU-Regierungen, die die Justiz behindern

oder Korruption nicht ausreichend bekämpfen. Ob

das Gesetz auch in Kraft tritt, ist jedoch fraglich.

Einstimmig zustimmen müssen noch die Mitgliedsstaaten.

Ungarn und Polen haben bereits ihr Veto

angekündigt. EU-Haushaltskommissar Günther

Oettinger mahnte sehr deutlich: Beim Geld könne

es keine Einbahnstraße der Solidarität

geben, gemeinsame Werte müssten im

Gegenzug eingehalten werden.

https://bvmw.info/eu-demokratie

Fotos: © Pogonici von www.istockphoto.com; © BillionPhotos.com von www.fotolia.com

Schuldenbremse für

EU-Banken

Durch Aufkäufe von Staatsanleihen hat die EZB ihre Bilanz auf über

4,5 Billionen Euro aufgebläht. Somit bleibt das Zinsniveau im Keller. Euroländer

wie Italien und Frankreich haben aber schon ohne Zinserhöhungen

massive Haushaltsprobleme. Die Bundestagsfraktion der Grünen

fordert eine stärkere Fusionskontrolle. Sie soll verhindern, dass „Kreditinstitute

zu groß zum Scheitern“ sind. Einlagen- und Handelsgeschäft

müssten gesetzlich getrennt werden. Für Banken soll es eine Schuldenbremse

geben. Bundesbankvorstand Joachim Wuermeling sieht die Verbindung

von Staatsanleihen und nationalen Bankensystemen in EU-Ländern

als problematisch. Diese Risiken müssten reduziert

werden, betonte er in einer Stellungnahme für den Finanzausschuss

des Deutschen Bundestages.

www.bundesbank.de/de/presse/stellungnahmen

BVMW Wahlcheck

Mittelstand zur

Europawahl 2019

Am 26. Mai 2019 findet die neunte Direktwahl des

Europäischen Parlaments statt. Deutschland wird

in der EU durch 96 Europaabgeordnete vertreten

und stellt somit entsprechend seinem Anteil an der

Gesamtbevölkerung der EU die höchste Anzahl an

Abgeordneten aller Mitgliedsländer. Die Wahl findet

im Kontext wachsender europäischer und globaler

Spannungsfelder statt – vom Brexit über Handelsprotektionismus

bis hin zur Zunahme Europa-skeptischer

Positionen, die alle einer klaren Antwort der

Politik bedürfen. Der BVMW prüft die Wahlprogramme

der Parteien auf ihre mittelstandspolitische

Eignung und hat ein eigenes Unternehmerprogramm

vorgelegt:

https://bvmw.info/

europawahl-2019

2|19 DER Mittelstand. | Europa


20

Brexit, und wie weiter? *

Eigentlich sollte das Vereinigte Königreich am 29. März 2019

die EU verlassen. Brüssel bot London jedoch eine Verlängerung

der Frist bis zum 22. Mai 2019 an. Bedingung dafür ist die

Zustimmung des Unterhauses zum Austrittsvertrag. Dieser

hat allerdings keine Aussicht auf die Billigung des britischen

Parlaments. Dann gilt die Verlängerung nur bis zum 12. April,

und ein harter Brexit wird immer wahrscheinlicher.

Die von EU-Ratspräsident Donald Tusk ins Spiel

gebrachte Verschiebung des Brexit um zwei Jahre

stieß bei den Briten anfangs auf Ablehnung.

Inzwischen hat das Parlament seine Meinung

geändert. Somit bleibt nur die Hoffnung, dass

sich EU-Kommission und Vereinigtes Königreich

doch noch in letzter Minute auf einen Austrittsvertrag

einigen und den Schwebezustand beenden.

Die Bundesregierung setzt sich weiter für

einen geregelten Brexit ein. Bis zur Ratifizierung

des Austrittsabkommens wurden auch weiterhin

Vorkehrungen für den Fall getroffen, dass das

Austrittsabkommen zu einem späteren Zeitpunkt

in Kraft tritt und der Austritt ungeregelt erfolgt. In

diesem Fall fände das EU-Regelwerk ab dem Austritt

auf das Vereinigte Königreich keine Anwendung

mehr. Damit wären weitreichende Folgen

für die Bürgerinnen und Bürger sowie für Wirtschaft

und Verwaltung verbunden. Die Regierung

May hat angekündigt, für den Fall eines Brexits

ohne Austrittsabkommen bis zu einem Jahr

keine Zölle auf 87 Prozent aller Produkte bei Importen

ins Vereinigte Königreich zu erheben. An

der Grenze zwischen Nordirland und Irland soll

zudem vollständig auf Zollkontrollen verzichtet,

werden, um die Einführung einer harten Grenze

zu verhindern. Die von Westminster geforderten

Änderungen zum Status Nord-Irlands nach dem

vollzogenen Brexit lehnt die EU ab. Beide Seiten

wollen dennoch einen ungeregelten Brexit ohne

Vertrag verhindern.

Um die Folgen eines ungeregelten Austritts in der

EU abzumildern, wurden bereits mehrere Gesetze

verabschiedet. Dazu gehören Übergangsregelungen

im Bereich Arbeit und Sozialversicherung.

Zudem soll ein Steuerbegleitgesetz verhindern,

dass allein der Brexit nachteilige steuerliche

Rechtsfolgen auslöst, wenn bereits alle steuerlich

relevanten Handlungen vor dem Austritt

vorgenommen wurden. Die im Januar in Kraft

getretene Änderung des Umwandlungsgesetzes

erweitert die Möglichkeiten eines geordneten

Wechsels einer „Limited“ in eine deutsche Gesellschaftsrechtsform.

Die deutsche Zollverwaltung bereitet sich mit

900 zusätzlichen Stellen auf den Brexit vor. Auch

die europäische Komponente kommt nicht zu

kurz. So stimmt sich die Bundesregierung eng mit

den europäischen Partnern und der EU-Kommission

ab. Diese hat im Dezember 2018 eine Mitteilung

vorgelegt, in der die konkrete Notfallplanung

für den Fall eines ungeregelten Austritts auf europäischer

Ebene skizziert wird.

Schließlich sind alle Unternehmen aufgerufen,

sich aktiv auf rechtliche Veränderungen vorzubereiten,

wenn das Vereinigte Königreich zu einem

EU-Drittstaat wird. Es drohen einschneidende

Veränderungen im Handel mit Waren und der Erbringung

von Dienstleistungen.


Dr. Hans-Jürgen Völz

BVMW Chefvolkswirt

Hans-juergen.voelz@bvmw.de

Gut zu wissen:

Europäische Union: Wie läuft das

Austrittsverfahren ab?

• Die Briten stimmten am 23.6.2016 für den

Austritt aus der EU.

• Das Vereinigte Königreich (VK) hat am

29. März 2017 den Europäischen Rat über

den Austrittswunsch nach Art. 50 des

EU-Vertrages informiert.

• Die EU verhandelt mit dem VK ein Austrittsabkommen.

Das VK bleibt während der Verhandlungen

zunächst vollwertiges Mitglied.

• Für die Verhandlungen des Abkommens

sieht Art. 50 EUV einen Zeitraum von bis zu

zwei Jahren vor. Diese Frist kann der EU-Rat

einstimmig im Einvernehmen mit dem VK

verlängern.

• Das Abkommen muss vom EU-Parlament und

mit qualifizierter Mehrheit vom Außenministerrat

– ohne das VK – beschlossen werden.

• Mit Inkrafttreten eines Austrittsabkommens

2|19 DER Mittelstand. | Europa


Die EU in

Zahlen *

21

Die EU in

Zahlen *

Industrie

19,6 %

Industrie

19,6 %

Baugewerbe

5,4 %

Baugewerbe

5,4 %

Landwirtschaft

1,6 %

Landwirtschaft

1,6 %

Dienstleistungen

73,4 %

HANDEL

1.879 Mrd. € Export

1.858 Mrd. € Import

Größter Handelspartner: USA 17 %

64 Dienstleistungen

% Handel in der EU

73,4 %

HANDEL

1.879 Mrd. € Export

1.858 Mrd. € Import

Größter Handelspartner: USA 17 %

64 % Handel in der EU

ARBEIT

245.8 Mio. Erwerbstätige

7,6 % Arbeitslose,

Jugendarbeitslosigkeit: 16,8 %

Von Armut bedrohte Personen:

118 Mio. Personen, 23,5 %

Die EU in

Zahlen *

ARBEIT

245.8 Mio. Erwerbstätige

7,6 % Arbeitslose,

Jugendarbeitslosigkeit: 16,8 %

Von Armut bedrohte Personen:

118 Mio. Personen, 23,5 %

Industrie

19,6 %

Baugewerbe

5,4 %

VERKEHR

973 Mio. Fluggäste

258 Mio. Personenkraftwagen

Landwirtschaf

1,6 %

H

1

1

G

6

Karte: © BVMW 2019. Alle Rechte vorbehalten.

BILDUNG

Quelle: Eurostat 2018.

* Zum Redaktionsschluss war Großbritannien noch Mitglied der EU.

BEVÖLKERUNG

512 Mio. =

6,8 % der Weltbevölkerung

Zuwachs ~ 1,2 Mio.

Lebenserwartung: 80,6 Jahre

80,6 % aller Schüler lernen in der Grundschule EnglischBEVÖLKERUNG

47,9 % aller Schüler erlernen mehr als eine Fremdsprache 512 Mio. =

31,5 % Hochschulabschluss

6,8 % der Weltbevölkerung

10,6 % frühzeitige Schulabbrecher

BILDUNG

80,6 % aller Schüler lernen in der Grundschule Englisch

47,9 % aller Schüler erlernen mehr als eine Fremdsprache

31,5 % Hochschulabschluss

10,6 % frühzeitige Schulabbrecher

oder nach Ablauf der Frist finden die EU-Verträge auf das

VK keine Anwendung mehr.

• Voraussichtlich wird während des Austrittsprozesses auch

über das zukünftige Verhältnis des VK zur EU beraten.

Quelle: Eurostat 2018.

* Zum Redaktionsschluss war Großbritannien noch Mitglied der EU.

Quelle: BMWi

Die EU-Kommission hat mehr als 70 Mitteilungen veröffent-

licht, die die Folgen des Brexit in verschiedenen wirtschaftlich

relevanten Bereichen skizzieren und notwendige Vorbereitungsmaßnahmen

umreißen.

Zuwachs ~ 1,2 Mio.

Lebenserwartung: 80,6 Jahre

Große

Unternehmen

80,6 % aller Schüler lernen in der Grundschule

47,9 % aller Schüler erlernen mehr als eine Fre

WIRTSCHAFT

31,5 % Große Hochschulabschluss

Inflationsrate ø 1,8 Unternehmen

% pro Jahr

Bruttoschuldenstand: 10,6 81,6 % frühzeitige Schulabbrecher

BIP

15.326 Mrd. €

BILDUNG

WIRTSCHAFT

Inflationsrate ø 1,8 % pro Jahr

Bruttoschuldenstand: 81,6 %

BIP

15.326 Mrd. €

VERKEHR

973 Mio. Fluggäste

258 Mio. Personenkraftwagen

43,5 %

BIP 43,5 %

29.200 €

Pro Kopf

BIP

29.200 €

Pro Kopf

KMU

56,5 %

KMU

56,5 %

Quelle: Eurostat 2018.

* Zum Redaktionsschluss war Großbritannien noch Mitglied der EU.

2|19 DER Mittelstand. | Europa


22

Albanien – Juwel mit

Zukunftspotenzial

Von einem Land, das viele Jahre lang mit „Steinzeitkommunismus“ in Verbindung gebracht wurde, hat

sich die Republik Albanien längst gelöst. Aus seinem Dornröschenschlaf erwacht, entwickelte es sich

in den letzten Jahren zu einem aussichtsreichen EU-Beitrittskandidaten. Auf dem Jahresempfang des

BVMW warb Albaniens Staatspräsident S.E. Ilir Meta um ausländische Investoren.

Nationalheld Skanderbeg auf dem nach ihm benannten

Platz in der albanischen Hauptstadt Tirana.

Stefan Wings

Leiter BVMW

Repräsentanz Albanien

www.bbw-unternehmensberatung.de

Flächenmäßig etwas größer

als Rheinland-Pfalz,

schafft es das Land, das

einst von Karl May in

seinem Buch „Durch das

Land der Skipetaren“ beschrieben

wurde, Stück

für Stück in die Kataloge

der großen Reiseanbieter.

Nicht zuletzt wegen seiner

rund 360 Kilometer

langen Adriaküste und

der größtenteils unberührten

Natur, die zum

Wandern einlädt, ist Albanien

auch immer mehr

bei Urlaubern aus Europa

und speziell Deutschland

sehr beliebt.

Auch wirtschaftlich befindet

sich das Land auf

Wachstumskurs. In der

einstmals kommunistischen Diktatur macht sich

der wirtschaftliche Aufschwung jedoch erst allmählich

bemerkbar. Durch mittlerweile stabile

politische Verhältnisse ist man aber in den letzten

Jahren dem angestrebten EU-Beitritt deutlich näher

gekommen.

Gut zu wissen:

• Fläche: 28.750 km²

• Bevölkerung: 2,9 Millionen

• BIP (2017): 13,04 Milliarden USD

• BIP je Einwohner: 4.545 USD

Moderne Werte

Bemerkenswert ist, dass in Albanien, anders als

in vielen anderen Balkanstaaten, keine größeren

Probleme zwischen den Religionsgemeinschaften

(57 Prozent Muslime, 17 Prozent Christen) bestehen,

und die Gleichberechtigung von Mann und

Frau weitgehend erfolgreich umgesetzt ist.

Nachholbedarf gibt es in Albanien jedoch besonders

im Bereich Infrastruktur und im Aufbau

von Produktionsstandorten. Die Regierung

arbeitet daher seit vielen Jahren daran, das Land

für ausländische Investoren attraktiv zu machen.

So wurde beispielsweise ein eigenes Ministerium

zum Schutz ausländischer Investitionen

geschaffen.

Flankierend helfen diverse europäische Förderprogramme

insbesondere in den Bereichen Landwirtschaft,

Produktion und Infrastruktur sowie

im Energiesektor.Neben einer jungen, in den

Städten fremdsprachlich gut ausgebildeten Bevölkerung

sind geringe Lohnkosten und Steuersätze

ein Anreiz für Firmen aus dem Ausland.

In diesem Klima politischer Unterstützung und

mit einer stetig wachsenden Volkswirtschaft bietet

das Land auch für kleine und mittlere Unternehmen

aus Deutschland hervorragende Perspektiven.


• Veränderung zum Vorjahr: 3,8 Prozent

• Sprachen: Albanisch, Englisch, Italienisch

• Währung: ALL (albanische Lek)

• Wechselkurs (Ø 2017): 1 Euro = 134,21 ALL

Fotos: © Stefan Wings; © Ray von www.fotolia.com

2|19 DER Mittelstand. | Europa


23

Kroatien – ein Land auf

Expansionskurs

Mit ihrer Rede, in der sie die Bedeutung der Wirtschaftsbeziehungen zu Deutschland hervorhob,

bereicherte die kroatische Staatspräsidentin Kolinda Grabar-Kitarović den Jahresempfang des BVMW.

Als Urlaubsziel beliebt, ist vielen das jüngste EU-Mitglied als Wirtschaftsstandort weniger bekannt.

Foto: © Matti Hillig; © iascic von www.istockphoto.com

Ist von Kroatien die Rede, denken die meisten

an idyllische Strände und antike römische Architektur.

Doch auch wirtschaftlich hat das Land der

tausend Inseln mit seinen 4,1 Millionen Menschen

einiges zu bieten.

Kroatien erlangte 1991 die Unabhängigkeit von

der Sozialistischen Föderativen Republik Jugoslawien.

Die darauffolgenden Jahre waren geprägt

von Konflikten mit den Nachbarstaaten, innenpolitischen

Instabilitäten und der Transformation

von einem sozialistischen zu einem marktorientierten

Wirtschaftssystem. Nach der Unabhängigkeit

dauerte es zwölf Jahre, bis die Wirtschaft

das Vorkriegsniveau erreichte.

Politisch fand eine zunehmende Annäherung an

den Westen statt. Kroatien wurde 2009 Mitglied

der NATO und 2013 das jüngste Mitglied der EU.

Die EU-Mitgliedschaft wirkte sich positiv auf

die Rechtssicherheit, den Reformwillen und die

Wirtschaft in Kroatien aus. Seitdem sind sowohl

die Exporte und Importe als auch der Anteil der

EU am Gesamthandel stetig angestiegen. Etwa

70 Prozent der Ausfuhren gehen in die anderen

EU-Staaten, und fast 80 Prozent der Waren werden

aus EU-Staaten importiert.

Stetiger Aufschwung

Wirtschaftlich befindet sich das Land auf Expansionskurs:

Der Außenhandel wächst, die Löhne

Gut zu wissen:

• Fläche: 56.594 km²

• Bevölkerung: 4,1 Millionen

• BIP (2017): 54,8 Milliarden USD

• BIP je Einwohner: 13.271 USD

entwickeln sich positiv,

und das BIP steigt jährlich

um etwa 2,8 Prozent.

Der Industriesektor ist

der wichtigste Bestandteil

der kroatischen Wirtschaft,

noch vor dem

Tourismussektor, welcher

2018 ein Rekordjahr mit

15,7 Millionen Besuchern

verzeichnete.

Der kroatische Mittelstand

bietet viel Potenzial.

Die meisten Beschäftigten,

68 Prozent,

sind in kleinen und mittelständischen

Unternehmen

(KMU) tätig. Im

Jahr 2017 waren 99,7 Prozent der kroatischen

Unternehmen KMU und haben 61 Prozent zum

Wirtschaftswachstum beigetragen. Damit liegt

Kroatien etwas über dem EU-Durchschnitt.

Wirtschaftlich eröffnet Kroatien viele Perspektiven.

Die Bevölkerung ist gut ausgebildet, das Land

verfügt über eine gute Infrastruktur und eine

interessante geografische Lage am Mittelmeer

zwischen Mittelosteuropa, Westeuropa und dem

westlichen Balkan, was neue Markteintrittsmöglichkeiten

in die Nachbarländer eröffnet. •

• Veränderung zum Vorjahr: 2,8 Prozent

• Sprachen: Kroatisch, Englisch, Deutsch

• Währung: HRK (Kroatische Kuna)

• Wechselkurs (Feb. 2019): 1 Euro = 7,41 HRK

Die Skyline der kroatischen Hauptstadt Zagreb.

Elena Rasenko

BVMW Referentin

Außenwirtschaft

Elena.rasenko@bvmw.de

2|19 DER Mittelstand. | Europa


24

Business-Center, Moskau-Stadt.

Wirtschaft trägt

deutsch-russische Beziehungen

Während die Politik im Westen wie auch in Russland sich gegenseitig mit Sanktionen überzogen hat,

sorgte die Wirtschaft beider Länder für ein Aufrechterhalten der Beziehungen. Fast 5.000 deutsche

Unternehmen sind in Russland tätig.

Ulf Schneider

Geschäftsführender

Gesellschafter

SCHNEIDER GROUP,

Berlin, Moskau & GUS

www.schneider-group.com

Die deutsch-russischen Wirtschaftsbeziehungen

haben eine lange Geschichte. Firmen wie Siemens

sind seit mehr als 150 Jahren auf dem russischen

Markt tätig. In den 1970er Jahren war es das

spektakuläre Erdgas-Röhrengeschäft, das den

deutsch-sowjetischen Beziehungen neue wirtschaftliche

Dynamik einhauchte.

Heute stehen die deutsch-russischen Wirtschaftsbeziehungen

auf viel breiteren Füßen.

Neben den großen Deals wie zum Beispiel Nord

Stream sind es vor allem viele deutsche Mittelständler,

die gute Geschäfte in Russland machen.

Fast 5.000 deutsche Unternehmen sind in Russland

mit Niederlassungen registriert. Weitere

Tausende kommen hinzu, die ein reines Exportgeschäft

nach Russland betreiben.

Rahmenbedingungen attraktiv

Die Rahmenbedingungen haben sich in Russland

in den letzten zehn Jahren deutlich verbessert.

Gerade für deutsche Mittelständler ist Korruption

heute nicht mehr das zentrale Thema. Es

geht heute eher um Fragen, wie man gute Facharbeiter

und Manager findet – die Probleme sind

ähnlich wie in Deutschland. Russland hat sich im

Rating der Weltbank (Ease of Doing Business Report)

in den vergangenen neun Jahren von Platz

120 auf derzeit Platz 31 verbessert. Deutschland

belegt hier Platz 24. Das russische Steuerrecht

kann sich sehen lassen: Eine Unternehmensbesteuerung

von 20 Prozent und ein fast himmlischer

Einkommensteuersatz von 13 Prozent

ohne Progression gelten für den ausländischen

Unternehmer und Manager genauso wie für Einheimische.

Galt das russische Steuerrecht noch

vor Jahren als eher verstaubt und bürokratisch,

so ist es heute in vielen Bereichen durch einen

tiefen Grad an Digitalisierung in der Steuerverwaltung

gekennzeichnet.

„Made in Germany“ bleibt gefragt

Das Markenzeichen Made in Germany ist in Russland

nach wie vor sehr gefragt, auch wenn die

russische Regierung viele Anreize und Regularien

verordnet hat, die zu mehr lokaler Produktion

durch westliche Unternehmen führen sollten. Der

deutsche ICE ist auf der Strecke Moskau – St. Petersburg

unter dem Namen Sapsan ein Schlager,

und Knauf-Gips ist für die Russen das Synonym

für Trockenbau, so wie in Deutschland Tempo für

Taschentücher steht. 145 Millionen russische Konsumenten

haben eine Vorliebe für Qualität. Deutsche

Erzeugnisse stehen somit hoch im Kurs. •

Foto: © Sachkv von www.istockphoto.com

2|19 DER Mittelstand. | Europa


Plakat_Megalight_Stroeer_Europawahl.indd 2 07.03.2019 15:36:12

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Plakat_Megalight_Stroeer_Europawahl.indd 3 07.03.2019 15:36:14

25

Werden Sie Partner der Europawahl:

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26.5.

Europawahl

Eine Initiative von

Am 26. Mai 2019 finden die Europawahlen statt.

Der BVMW und Ströer, führender Außenwerber

in Deutschland, machen sich deutschlandweit für

eine hohe Wahlbeteiligung stark und haben eine

reichweitenstarke Außenwerbekampagne ins Lebens

gerufen, an der sich Mittelstandsunternehmen

beteiligen können. Gemeinsam wollen sie die

Menschen in einer Bekennerkampagne aufrufen,

an der Wahl für ein gemeinsames Europa teilzunehmen.

Der Startschuss der Kampagne fand

beim Jahresempfang des BVMW in Berlin statt.

Mittelstand für ein starkes Europa

Der Kampagnengedanke „GRENZENLOS“ zahlt

dabei auf die grenzenlosen Möglichkeiten in Europa

ein. Viele vergessen, wie die Chancen, Freiheiten

und offenen Grenzen der EU unser Leben

bereichern. Umso wichtiger ist es, gesellschaftliche

Verantwortung zu übernehmen und dafür

zu sorgen, dass auch die nächsten Generationen

diese Erfahrungen machen dürfen und der Freiraum

für wirtschaftliches Handeln nicht verloren

geht. Um eine größtmögliche Aufmerksamkeit zu

erzeugen, wurde eine breit gefächerte bundesweite

Außenwerbekampagne auf klassischen

und digitalen Plakatflächen sowie auf dem Public

Video-Netzwerk von Ströer entwickelt. •

Hier können sich Unternehmen an der Plakatkampange

beteiligen:

europawahl.plakate-buchen.de

Foto: © Richard Bejick

Startschuss für die Europa-Kampagne (v. li.): Prof. Dr. h.c. Markus Jerger (BVMW Bundesgeschäftsführer), Bernd

Prade (Geschäftsführer Ströer Deutsche Städte Medien GmbH), Nicholas von Brauchitsch (Geschäftsführer

Ströer Sales & Services GmbH). Dr. Jochen Leonhardt (BVMW Vorstand), Alexander Stotz (CEO Ströer Media

Deutschland GmbH) und Mittelstandspräsident Mario Ohoven.

2|19 DER Mittelstand. | Europa


26

Historisch: Europäisch-Afrikanische

Mittelstandsallianz gegründet

Unter der Schirmherrschaft der Europäischen Kommission fand der Mittelstandsgipfel Europa-Afrika

am 21. März 2019 in Brüssel mit hochrangigen Teilnehmern statt. Der Schulterschluss europäischer

und afrikanischer Mittelstandsverbände soll den Mittelstand in Afrika zum Rückgrat der Wirtschaft

und Gesellschaft machen. In der EU-AU Mittelstandsallianz haben sich 150 europäische und afrikanische

Unternehmensverbände zusammengeschlossen.

Investor für Entwicklungsprojekte,

Daniel

David, teil.

Vertreter der europäischen und afrikanischen Mittelstandsverbände präsentieren die unterzeichneten

Dokumente zur Gründung der Europäisch-Afrikanischen Mittelstandsallianz.

Stefan Moritz

Managing Director of

European Entrepreneurs

CEA-PME

stefan.moritz@cea-pme.com

Hauptredner der Konferenz im Europäischen

Ausschuss der Regionen waren neben dem Präsidenten

der European Entrepreneurs CEA-PME

und des Bundesverbandes mittelständische

Wirtschaft (BVMW), Mario Ohoven, der Vizepräsident

der Europäischen Kommission, Jyrki

Katainen, der Exekutivdirektor der Weltbank,

Jean-Claude Tchatchouang, die Vorstandsvorsitzende

der holländischen GIZ (SNV), Meike van

Ginneken, der Präsident des italienischen Mittelstandsverbandes

Confapi, Prof. Dr. Maurizio

Casasco, sowie der stellvertretende Generaldirektor

der Europäischen Generaldirektion Entwicklung

und Zusammenarbeit, Koen Doens.

Chancenkontinent Afrika

Als Ehrengäste aus Afrika nahmen der Präsident

der Pan-Afrikanischen Handelskammer PAC-

CI, Youssouf Moussa Dawaleh, der Exekutivdirektor

der PACCI, Ghenna Kebour Desta, der

Vize-Präsident des ivorischen Mittelstandsverbandes

FIPME, Dr. Diomandé Moussa, mit dem

Exekutivsekretär Allepo Sylvain Kopoin sowie

der mosambikanische Medienunternehmer und

Der deutsche und europäische

Mittelstandspräsident

Mario Ohoven

betonte in seiner Eröffnungsrede,

dass Afrika

die Zukunft sei: „Ein starkes

Afrika braucht einen

starken, gut organisierten

Mittelstand und eine hervorragende Zusammenarbeit

mit der Politik, die die Rahmenbedingungen

schafft.“

Historische Neugründung

Wegen seiner Potenziale und wirtschaftlichen

Entwicklung der letzten Jahre ist Afrika nicht mehr

als Problem- sondern Chancenkontinent zu verstehen.

Vor diesem Hintergrund wurde auf der

Konferenz die Europäisch-Afrikanische Mittelstandsallianz

als interkontinentales Unternehmernetzwerk

ins Leben gerufen, das mittelständische

Unternehmen beider Kontinente bei ihren

geschäftlichen Aktivitäten unterstützen soll. Koen

Doens begrüßte die Gründung dieses Netzwerk

des Vertrauens, das es so bisher nicht gibt. •

Gut zu wissen:

Kontakt Mittelstandsallianz Afrika

des BVMW

• Ansprechpartnerin: Bienvenue Angui

• Tel.: 030 / 53 32 06-551

• E-Mail: bienvenue.angui@bvmw.de

www.maa-bvmw.de

Foto: © European Entrepreneurs CEA-PME/Tomasz Cibulla

2|19 DER Mittelstand. | Europa


27

Projekt Fashy GmbH / Sierra Leone

Projekt PM-International AG / Indien

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Als Mittelstandsunternehmen helfen

Starke Unternehmenspartner mit sozialer

Verantwortung

Naturkatastrophen und politische Konflikte sorgen weltweit

für Hunger und Leid. Besonders Kinder sind diesen politischen

und sozialen Verwerfungen und ihren Konsequenzen

schutzlos ausgeliefert, weshalb die Kinderhilfsorganisation

World Vision seit jeher den Nachwuchs in den Mittelpunkt

ihrer Arbeit stellt. Gemeinsam mit verantwortungsbewussten

Unternehmenspartnern setzt sich World Vision nachhaltig,

wirksam und transparent für bedürftige Kinder ein.

Seit 2010 engagiert sich das mittelständische Unternehmen

Fashy, ein weltweit führender Hersteller von Wärmflaschen,

zusammen mit World Vision für Bildungsprojekte in Sierra

Leone und Kenia. In der Vergangenheit waren dort viele alte

Schulgebäude einsturzgefährdet und mussten geschlossen

werden. Die wenigen vorhandenen Schulen waren unzureichend

mit Möbeln, Brunnen und Latrinen ausgestattet, sodass

viele Eltern ihre Kinder nicht in die Schule geschickt haben.

Kindern eine Zukunft schenken

Mit 2 Cent pro verkaufte Wärmflasche und Wärmekissen

unterstützt Fashy die Kinder in den beiden Ländern umfassend,

denn durch die Unternehmenskooperation wurden

bereits mehrere Schulen gebaut und saniert. Dank dieser

Maßnahmen hat sich die Einschulungsrate in den Projektgebieten

in den vergangenen Jahren stark erhöht. Zuletzt hat

World Vision mit Unterstützung von Fashy eine Schule im

Dorf Levuma in Sierra Leone gebaut und in Koyombe, Kenia,

aus einer Wellblechhütte eine richtige Vorschule errichtet.

dem Kauf der Fashy Wärmflaschen und Wärmekissen unterstützen,

können mehr als 1.200 Kinder in Sierra Leone und

bisher 150 Kinder in Kenia die Schule besuchen. Die Dankbarkeit

in den Gesichtern der Schulkinder beim letzten Besuch

vor Ort zu sehen hat uns bestätigt, dass die Hilfe ankommt“,

freut sich Wolfgang Kraus, Geschäftsf ührer der Fashy GmbH.

Das Mittelstandsunternehmen PM-International, das in den

Bereichen Fitness, Wellness und Beauty Deutschlands Marktführer

im Direktvertrieb von Nahrungsergänzungsmitteln und

Kosmetika ist, fördert World Vision bereits seit 15 Jahren. „Das

Tolle an der Arbeit mit World Vision ist, dass sie auf Nachhaltigkeit

ausgelegt ist“, so Charity-Botschafterin Vicki Sorg.

Mit 1.800 Patenkindern ist PM-International weltweit größter

World Vision-Unternehmenspate. Neben regionalen Entwicklungsprojekten

mit den Kinderpatenschaften unterstützt PM-

International World Vision auch in Katastrophenfällen und bei

gemeinsamen Ernährungsprogrammen. Außerdem besucht

das Unternehmen regelmäßig seine Patenkinder und veranstaltet

Aktionen vor Ort. Es ist eine gelungene Kooperation

auf Augenhöhe, bei der das Unternehmen seinen Erfolg mit

bedürftigen Menschen weltweit teilt.

Kontaktieren Sie uns, um mehr Informationen zu erhalten

und über Ihre Möglichkeiten einer Unternehmenskooperation

zu erfahren.

Web: worldvision.de/unternehmen

Mail: unternehmen@worldvision.de

Telefon: (06172) 763 2819

„Wir sind stolz darauf, was wir mit World Vision seit 2010

erreicht haben. Dank unserer Kunden, die das Projekt mit

2|19 DER Mittelstand. | Europa


28

Schwerpunkt

2|19 DER Mittelstand. | Schwerpunkt


29

Mittelstand und

Gesundheit

Foto: © marchmeena29 von www.istockphoto.com

Gesundheit ist in der Geschäftswelt oftmals ein zu Unrecht

vernachlässigtes Thema. Dabei sind einerseits gesunde

Mitarbeiter die Basis jedes Unternehmens, und andererseits

bietet die Branche infolge der Digitalisierung großes Potenzial für

neue und etablierte Betriebe.

In unserem Themenschwerpunkt finden Sie hilfreiche Beiträge

zur Bedeutung des Wirtschaftssektors Gesundheit für den

Mittelstand, neue Ansätze zur Gewinnung von Pflegefachkräften

und Ärzten und Ratschläge, wie Unternehmer für den Fall einer

Erkrankung mit Verfügungen vorsorgen können. Außerdem

erfahren Sie, wie Sie die Gesundheit Ihrer Mitarbeiter

nachhaltig fördern können, beispielsweise mit staatlich

geförderten Gesundheitsmaßnahmen und einer stressarmen

Arbeitsatmosphäre.

2|19 DER Mittelstand. | Schwerpunkt


30

Bloß nicht krank werden!

Mit Förderprogrammen und Steuervorteilen will der Staat Unternehmen beim Betrieblichen

Gesundheitsmanagement unterstützen. Doch die Praxis zeigt: Der Weg zur staatlichen Förderung

ist steinig.

Gesunde Mitarbeiter fühlen sich wohl am Arbeitsplatz,

arbeiten effektiver und schaffen so ein

gutes Betriebsklima. Investitionen in die Krankheitsprävention

rentieren sich gerade für kleine

und mittlere Unternehmen, denn niemand möchte

betriebswirtschaftlichen Schaden durch Fehlzeiten

in Kauf nehmen. Doch wie sorgt der mittelständische

Unternehmer für die Gesundheit

seiner Belegschaft?

Sozialgesetze und Krankenkassen fassen unternehmerische

Prävention unter dem Begriff „Betriebliches

Gesundheitsmanagement“ (BGM) zusammen.

Das fordert den Unternehmer: Er muss

„strukturelle Rahmenbedingungen“ schaffen –

also betriebliche Strukturen so gestalten, dass

Räumlichkeiten, Lichtverhältnisse, Möbel und Arbeitsgerät

die Gesundheit der Mitarbeiter nicht

nur nicht gefährden, sondern Schäden – etwa

Muskel-Skelett-Erkrankungen – vorbeugen (Verhältnisprävention).

Die Mitarbeiter selber sollen

durch Kurse lernen, sich gesundheitsförderlich zu

verhalten (Verhaltensprävention). Schlussendlich

gehört auch die gesetzlich vorgeschriebene betriebliche

Wiedereingliederung von Beschäftigten,

die lange krank waren, zum BGM.

Wer hilft bei der Umsetzung?

Nun könnte man glauben, dass die zuständigen

Ministerien mit Rat, Tat und Geld mittelständischen

Unternehmen nach Kräften helfen, Fehlzeiten

zu reduzieren und die Arbeitseffizienz zu

erhöhen. Schließlich stellen sie entsprechend

hohe Anforderungen an Betriebe, die Auflagen

für Arbeitsschutz, Arbeitsmedizin und schließlich

Prävention zu erfüllen. Doch allzu viele

Möglichkeiten eröffnen sich dem Unternehmer

nicht.

Er kann bei den örtlichen Krankenkassen schlicht

um Geld für seine BGM-Maßnahmen bitten. Die

Kassen haben nach Sozialgesetzbuch V §20 den

gesetzlichen Auftrag, Unternehmen bei der Präventionsarbeit

zu helfen. Welche dieser Maßnahmen

gefördert werden, legt der Leitfaden Prävention

fest (siehe Infokasten).

Foto: © sasun1990 von www.istockphoto.com

2|19 DER Mittelstand. | Schwerpunkt


31

Auch die öffentliche Hand bietet sich an: Die Initiative

unternehmensWert:Mensch des Bundesministeriums

für Arbeit und Soziales fördert

die Beratung von Unternehmen bei der Planung

ihres BGMs. Maximal schießt der Staat stolze

10.000 Euro zu. In einer Erstberatung wird der

Handlungsbedarf analysiert, die Höhe der Förderung

bemessen und ein „Beratungsscheck“

ausgestellt, der zum Beispiel bei einem auf Gesundheitsfragen

spezialisierten Unternehmensberater

eingelöst werden kann. Kleine Unternehmen

mit bis zu zehn Mitarbeitern erhalten

80 Prozent der Beratungskosten zurück, mittelgroße

Betriebe mit bis zu 249 Beschäftigten die

Hälfte. Die konkrete Umsetzung der Maßnahmen,

etwa die Anschaffung ergonomischer Sitzmöbel,

trägt aber der Betrieb.

Selbst das Finanzamt zeigt sich mitunter gnädig:

Unternehmer können mit ihrer Fürsorge für die

Mitarbeiter Steuern sparen. Dem Arbeitgeber

wird ein Freibetrag bis zu 500 Euro im Jahr pro

Mitarbeiter für Leistungen der Betrieblichen Gesundheitsförderung

zusätzlich zum Lohn eingeräumt.

Das Bundesgesundheitsministerium zählt

zu solchen Leistungen Bewegungsprogramme,

Ernährungsangebote, Suchtprävention sowie

Stressbewältigung. Nicht darunter fällt die Übernahme

der Beiträge für einen Sportverein oder ein

Gesundheitszentrum beziehungsweise Fitnessstudio

– Ausnahmen (s. S. 32) bestätigen die Regel.

Ein Schritt vor, zwei Schritte zurück

Aber: Im November 2018 hat die Politik eine

Gesetzesänderung veranlasst, bei der Unter-

nehmen die Steuerbefreiung gemäß Einkommensteuergesetz

nur dann nutzen können,

wenn die in Anspruch genommene Betriebliche

Gesundheitsförderung zertifiziert ist. Wann

aber ist eine Maßnahme „zertifiziert“? Darüber

herrscht beim Gesetzgeber und somit bei Kassen

und Finanzämtern Unklarheit. Der Freibetrag

von 500 Euro steht und fällt indes mit der

Einhaltung dieses Kriteriums. Das bringt nun so

manchen Chef in die Bredouille, denn Mittelständler

aus unterschiedlichen Branchen müssen

unterschiedliche Präventionsmaßnahmen

anbieten. Ein Familienbetrieb der chemieverarbeitenden


Industrie hat andere Anforderungen

„ Verhältnisprävention und

Verhaltensprävention

stellen Unternehmer vor

Herausforderungen.

an Gesundheit und Arbeitsschutz als ein digitales

Start-up, das die Webseiten seiner Kunden

optimiert. BGM muss passgenau sein – und genau

deshalb droht für viele Mittelständler der

Wegfall des finanziellen Vorteils. Für den Mitarbeiter,

der gesünder seinem Job nachgehen

kann, entsteht ein geldwerter Vorteil. Den muss

der Arbeitgeber bewerten und der Lohnsteuer

unterwerfen. Am Ende zahlt der Mitarbeiter

mehr. So verliert eine an sich sinnvolle Fördermaßnahme

an Attraktivität.


Gut zu wissen:

• BGM kann sich für den Mittelstand rentieren

• Die öffentliche Hand unterstützt BGM z. B. durch Steuervorteile

• Mit einer Gesetzesänderung aus 2018 wurde diese Fördermaßnahme jedoch eingeschränkt

• Leitfaden Prävention des Spitzenverbandes

Gesetzliche Krankenkassen GKV:

https://bvmw.info/

leitfaden-praevention

• Beratung unternehmensWert:Mensch:

unternehmenswertmensch@BMAS.bund.de,

www.unternehmens-wert-

mensch.de

Bernd Ratmeyer

Wissenschaftsjournalist

und Lektor

mittelstand@bvmw.de

2|19 DER Mittelstand. | Schwerpunkt


32

Wie der Fiskus Fitness fördert

Die Arbeitsbelastung im Mittelstand geht an die Substanz. Damit der Motor

der deutschen Wirtschaft weiter rund läuft, haben Unternehmer für die

Gesundheit ihrer Mitarbeiter Sorge zu tragen. Gut zu wissen, dass die

betriebliche Gesundheitsförderung steuerlich begünstigt wird.

Durch Maßnahmen der betrieblichen Gesundheitsförderung

lässt sich das Arbeitsumfeld sowie

die Mitarbeiterbindung nachhaltig verbessern. In

Zeiten des Fachkräftemangels ein echter Mehrwert

für mittelständische Unternehmen. Leistungen

des Arbeitgebers zur Verbesserung des allgemeinen

Gesundheitszustands können bis zu einer

Höhe von 500 Euro pro Jahr und Mitarbeiter

steuer- und sozialversicherungsfrei sein. Dies gilt

selbst dann, wenn die Leistungen im überwiegend

„„

Die mit dem Siegel

‚Deutscher Standard

Prävention‘ zertifizierten

Dr. Sebastian Krauß

Steuerberater, Fachberater für

Internationales Steuerrecht,

SteuerbüroKrauß

BVMW-Mitglied

privaten Interesse des Arbeitnehmers liegen.

Gesundheitsleistungen erf üllen

die gesetzlichen Anforderungen.

www.steuerbuerokrauss.de

Die Steuerbegünstigung setzt voraus, dass die

Leistungen speziellen Kriterien genügen, die im

Leitfaden Prävention des GKV-Spitzenverbands

beschrieben werden. Demnach sind nur Leistungen

förderungsfähig, die der Verbesserung der

Bewegungsgewohnheiten, der Ernährung oder

der Stressverarbeitung dienen oder sich auf die

Reduktion des Konsums von Suchtmitteln beziehen.

Die mit dem Siegel „Deutscher Standard

Prävention“ zertifizierten Gesundheitsleistungen

erfüllen die gesetzlichen Anforderungen und sind

somit ohne weiteres steuerbegünstigt. Aber auch

andere Gesundheitsleistungen, die von einem

Physiotherapeuten, Heilpraktiker oder einem

qualifizierten Fitnesstrainer erbracht werden,

können steuerbegünstigt sein. Auf Nachfrage des

Finanzamts ist hier aber nachzuweisen, dass die

gesetzlichen Anforderungen erfüllt werden.

Ferner setzt die Steuerbegünstigung voraus, dass

der Arbeitgeber die Leistungen zusätzlich zum

Arbeitslohn gewährt. Eine Anrechnung auf den

Lohn oder eine Gehaltsumwandlung ist schädlich.

Unproblematisch hingegen ist die Verrechnung

mit einer anderen freiwillig vereinbarten Sonderzahlung,

etwa einem freiwillig geleisteten Weihnachtsgeld.

Übersteigen die Gesundheitsleistungen

den Freibetrag von 500 Euro, ist zu prüfen, ob

sie im überwiegend betrieblichen oder im privaten

Interesse stehen. Nur wenn letzteres der Fall

ist, ist der Betrag, der die 500-Euro-Grenze übersteigt,

der Lohnsteuer und Sozialversicherung zu

unterwerfen.

In der Praxis ist die pauschale Kostenübernahme

des Mitgliedsbeitrags für ein Fitnessstudio durch

den Arbeitgeber sehr beliebt. Die zuvor skizzierte

Steuerbegünstigung ist hierauf nicht anwendbar,

wohl aber die Freigrenze für geringfügige Sachbezüge.

Der dem Arbeitnehmer gewährte Vorteil

aus der Übernahme der Mitgliedsbeiträge ist

lohnsteuer- sowie sozialversicherungsfrei, wenn

der Arbeitgeber Vertragspartner des Fitnessstudios

ist, und die dem Arbeitnehmer gewährten

Vorteile insgesamt 44 Euro pro Monat nicht übersteigen.

Gut zu wissen:

• Betriebliche Maßnahmen zur Gesundheitsförderung

werden steuerlich begünstigt

• Die Leistungen dürfen nicht mit dem Lohn,

können aber mit freiwilligen Sonderzahlungen

verrechnet werden

Foto: © Draft_Lion_Studio – www.istockphoto.com


2|19 DER Mittelstand. | Schwerpunkt


Sonnige Zeiten für den

Mittelstand – mit

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34

Sparen durch

Prävention

Wenn das BVMW-Mitglied sanosense AG Unternehmen bei

der Reduktion von hohen Fehlzeiten unterstützt, kommt alles

auf den Prüfstand: vom Betriebsklima bis zur Führungskultur.

Denn nur 40 Prozent aller Fehltage sind tatsächlich

krankheitsbedingt.

Einmal pro Jahr erstellt das Wissenschaftliche

Institut der AOK den Fehlzeiten-Report. Für den

Report 2018 wurden in einer repräsentativen

Studie 2.030 Beschäftigte zwischen 16 und 65

Jahren befragt. Danach hatten die Befragten im

Jahr zuvor durchschnittlich 12,1 Tage krankheitsbedingt

gefehlt. Arbeitnehmer, die sich wohl im

Betrieb fühlen und Sinn in ihrer Arbeit sehen, kamen

auf nur 9,4 Fehltage, während Beschäftige,

die ihre Tätigkeit als nicht sinnstiftend erleben

und eher ungern zur Arbeit gehen, mit 19,6 mehr

als doppelt so viele Fehltage hatten.

„„

Mitarbeiter, die mit ihren Chefs

zufrieden sind, haben signifikant

weniger Beschwerden.

Thomas Heidenreich

„Fehlzeiten sind nicht immer auf Krankheiten

zurückzuführen“, sagt Thomas Heidenreich,

Vorstandsvorsitzender der sanosense AG, „aktuell

geht man sogar davon aus, dass lediglich

40 Prozent der Fehlzeiten in Deutschland aufgrund

von Krankheiten entstehen, die Arbeitsunfähigkeit

zur Folge haben.“ Die sanosense AG

mit Sitz in Forchheim (Oberfranken) gehört als

BVMW-Mitglied der BVMW-Task Force Betriebliches

Gesundheitsmanagement in der Metropolregion

Nürnberg an, wo die dort vorhandene

Expertise gezielt zur Unterstützung kleiner und

mittlerer Unternehmen zusammengebracht

wird. „Wir entwickeln passgenaue Lösungen für

unsere Kunden“, sagt Heidenreich, „weil Betriebliches

Gesundheitsmanagement längst zu einem

Wettbewerbsfaktor geworden ist.“ Denn erfolgreich

sei man nur mit gesunden und motivierten

Mitarbeitern.

Spitzenreiter Rücken- und

Gelenkbeschwerden

Der gelernte Sozialversicherungsfachangestellte,

der vor der Gründung von sanosense im Jahre

2008 bei einer Krankenkasse gearbeitet und sich

intensiv mit dem Thema Krankenstand in Unternehmen

beschäftigt hatte, weiß aus langjähriger

Erfahrung, dass Fehlzeiten häufig andere Ursachen

haben als gesundheitliche Beeinträchtigungen.

„Das können Probleme in der privaten und

sozialen Lebenswelt eines Mitarbeiters sein –

aber auch ein schlechtes Betriebsklima oder das

Gefühl, nicht wertgeschätzt zu werden und austauschbar

zu sein, kann ,krank‘ machen.“

Wer tatsächlich krank ist, leidet laut Fehlzeiten-Report

2018 am häufigsten unter Rückenund

Gelenkbeschwerden (52 Prozent). Dahinter

rangieren Erschöpfung (45 Prozent), Kopfschmerzen

(35 Prozent), Nervosität und Reizbarkeit

(32 Prozent), Schlafstörungen (31 Prozent) und

Burn-out (30 Prozent). „Muskel- und Skelett-Beschwerden

sind immer noch Spitzenreiter bei

Krankschreibungen“, sagt Thomas Heidenreich,

„aber auch psychische Erkrankungen – die meist

nicht als solche ausgewiesen werden – führen

immer mehr zu Fehlzeiten.“ Deshalb sei Betrieb-

2|19 DER Mittelstand. | Schwerpunkt


35

Foto: © PeopleImages von www.istockphoto.com

liches Gesundheitsmanagement (BGM) vor allem

auch als Unterstützung zu verstehen, um aktuelle

und künftige Herausforderungen in Unternehmen

zu lösen.

Fehlzeiten lösen Domino-Effekt aus

„Zu unseren Leistungen gehören zum Beispiel

die Stärkung der Eigenverantwortung der Beschäftigten,

wenn es um deren Gesundheit geht,

die Implementierung eines Employer Brandings,

damit die Mitarbeiter wissen, was sie an ihrer

Firma haben und umgekehrt, oder aber auch die

Organisations-, Personal- und Führungskräfte-

Entwicklung.“ Das optimale BGM stärke die

Gut zu wissen:

• 60 % der Fehlzeiten in Deutschland werden

nicht durch Krankheiten verursacht, die zu

Arbeitsunfähigkeit führen.

• 40 Millionen Fehltage entfallen pro Jahr in

Deutschland auf Rückenschmerzen.

Leistungsbereitschaft und -fähigkeit sowie die

Eigenverantwortung der Mitarbeiter, schaffe

eine Unternehmenskultur, in der Motivation und

Loyalität hoch sind und zu einem guten Umgang

miteinander führen. „Ein effektives BGM“, sagt

Thomas Heidenreich, „steigert die produktive Anwesenheit

der Mitarbeiter sowie die Bereitschaft

und Lust auf Verbesserung – der wirtschaftliche

Nutzen liegt daher weit über der Reduktion von

Fehlzeitenkosten.“ Diese Kosten, so hat man bei

sansosense errechnet, betragen bei einem Brutto-Monatsgehalt

von 2.500 Euro etwa 300 Euro

pro Fehltag. „Tatsächlich sind die Aufwendungen

jedoch deutlich höher, da die Fehlzeiten einen Domino-Effekt

auslösen – Unzufriedenheit und Konflikte,

weil die Arbeit auf Kollegen verteilt werden

muss, ein höherer Organisations- und Planungsaufwand,

mögliche Termin-Probleme, Unzufriedenheit

bei Kunden.“

Eine zentrale Rolle im sanosense-BGM-Konzept

spielen Führungskräfte, weil sie mit den höchsten

Einfluss auf Fehlzeiten haben. „Durch unsere

Analysen können wir aus rund 400.000 Daten

belegen, dass es einen direkten Zusammenhang

zwischen Führung und Gesundheit gibt“, sagt

Thomas Heidenreich. „Mitarbeiter, die mit ihren

Chefs zufrieden sind, haben signifikant weniger

Beschwerden.“ Heute rät er deshalb oft Unternehmen

an, sich zunächst um das Thema Führung

zu kümmern, bevor gesundheitliche Angebote

ausgebreitet werden.


• 4,28 % betrug der durchschnittliche

Krankenstand 2018 in Deutschland.

Praktische Hilfe für Arbeitgeber der

Initiative Gesundheit und Arbeit

(iga): https://bvmw.info/iga

Almut Friederike Kaspar

Journalistin

mittelstand@bvmw.de

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2|19 DER Mittelstand. | Schwerpunkt


36

Gesunde Betriebe

leisten mehr

Mehr Umsatz, höhere Produktivität und gesündere

Mitarbeiter – Maßnahmen der Gesundheitsvorsorge

in Unternehmen sind eine Win-win-Situation für

Angestellte und Arbeitgeber.

Die klassische Medizin beginnt erst bei Eintritt

der Krankheit und geht bei der Behandlung von

Krankheiten symptomatisch vor. Im Mittelpunkt

steht die Bekämpfung der Beschwerden. Der

Blick für den Erhalt der Gesundheit scheint verloren

gegangen zu sein. Die Weltgesundheitsorganisation

(WHO) hat für die moderne, ganzheitlich

orientierte Medizin den Begriff „Salutogenese“

geprägt. Dabei stehen nicht mehr die Symptome

im Vordergrund der Therapie, sondern die Behandlung

der Krankheitsursache.

Unternehmen sind gefordert

Hier ist ein Umdenken erforderlich: Gesundheit

muss aktiv erhalten und Krankheit aktiv vermieden

werden. Betriebe können dazu beitragen,

indem sie sich aktiv an der Gesundheitsvorsorge

für ihre Mitarbeiter beteiligen. Das Finanzamt

akzeptiert Aufwendungen für Gesundheitsvorsorge,

wenn sie im betrieblichen Sinne für Mitarbeiter

ausgegeben werden. Der überwiegende

Teil der Führungskräfte und Manager hat ein

Bewusstsein für die Zusammenhänge entwickelt.

So sehen drei Viertel der Führungskräfte eine

direkte Beziehung zwischen körperlicher Gesundheit

und beruflicher Leistung.

Das medizinische Wissen verdoppelt sich aktuell

alle drei Jahre. Oft gelangen neue medizinische

Erkenntnisse – aufgrund der Dauer und fehlender

Studien – erst nach zehn Jahren in das aktuelle

medizinische Regime. Die Folge: Die Schere

zwischen aktuellem Wissen und neuester Behandlungsstrategie

wird größer.

Der BVMW engagiert sich mit seiner Gesundheitskommission

für eine bessere Gesundheitsprävention

in Unternehmen. Zu den Maßnahmen

gehören beispielsweise die Entwicklung

von Basis-Check-up-Untersuchungen mit einer

individuellen Auswertung und Beratung der Mitarbeiter.

Dazu wird ein ganzheitlicher Ansatz –

von einer erweiterten Laboruntersuchung bis hin

zur Verbesserung der Ernährung in den Kantinen

und Informationskurse für die Mitarbeiter –

verfolgt. Durch die Erstellung von return-oninvest-Plänen

ist auch eine Finanzierung durch

die Unternehmen machbar.


Gut zu wissen:

Gesundheitsprävention in Unternehmen ist ein Gewinn sowohl für die Mitarbeiter als auch für

den Betrieb selbst:

Dr. med. Hans-Joachim

Petersohn, Senator h.c.

Chefarzt und Gründer

SALUTOMED Center

Düsseldorf

1. Vorsitzender der

BVMW-Gesundheitskommission

www.salutomed.de

Vorteile für Unternehmen

• weniger Ausfalltage

• höhere Produktivität

• deutlich verringerte

Krankheitskosten

• Entlastung der Sozialver-

sicherungssysteme

Vorteile für Mitarbeiter

• Senkung der Krankheits-

tage

• weniger Schmerzen und

damit Reduktion der

Schmerzmedikation

• weniger operative Eingriffe

• schnellere Genesung nach

Eingriffen

• niedrigere Quote an

chronischen Erkrankungen

• höhere Lebensqualität

Foto: © fizkes von www.fotolia.com

2|19 DER Mittelstand. | Schwerpunkt


37

Gesundheit in Zahlen

14,6 %

des Bruttoeinkommens

14,6 Prozent

Fotos: © Iconghor von www.fotolia.com; © Daniel Berkmann von www.fotolia.com; © antto von www.fotolia.com; © FingerMedium von www.istockphoto.com; © Andre von www.fotolia.com

7,3 %

Arbeitgeber

+ Zusatzbeitrag

der Krankenkasse

72.228.741 Einwohner

in Deutschland sind bei den Gesetzlichen Krankenkassen

versichert. Dem stehen 8.753.400 Beitragszahler bei den

Privaten Krankenkassen gegenüber. Lediglich 1.817.859

Einwohner lassen sich nicht in die beiden Kategorien

einordnen, da sie entweder anderweitig versichert oder

ohne Krankenver sicherung sind.

bezogen im Jahr 2017 Erwerbsminderungsrente. Seit 1995

veränderte sich die Zahl der Empfänger von 1.862.947

damit nur geringfügig.

383.000 Ärzte

7,3 %

Arbeitnehmer

Informations-Broschüren mit weiteren Basisdaten sind

abrufbar unter: www.vdek.com/presse/daten.html

Quelle: Verband der Ersatzkassen

1.824.913 Empfänger

Quelle: Deutsche Rentenversicherung

praktizieren in Deutschland. Über 68 Prozent

davon waren Ende 2017 über 50 Jahre alt,

30 Prozent waren sogar 60 Jahre oder älter.

Im selben Jahr waren 93.946 Studenten in

Deutschland im Fach Medizin eingeschrieben.

Quelle: Statistisches Bundesamt

des Bruttoeinkommens beträgt die Höhe des allgemeinen gesetzlich festgeschriebenen

Beitragssatzes bei gesetzlichen Krankenversicherungen. Arbeitgeber

und Arbeitnehmer leisten jeweils 7,3 Prozent der Beiträge. Hinzu kommt

der Zusatzbeitrag, dessen Höhe von Kasse zu Kasse variieren kann. Dieser liegt

durchschnittlich bei 0,9 Prozent und wird auch von Arbeitgeber und -nehmer

paritätisch geleistet.

Quelle: Bundesministerium f ür Gesundheit

30 %

68 %

> 50 Jahre

9,3 Prozent

der Bevölkerung sind laut einer Umfrage

daran interessiert, Leistungen des Arztes

auf digitalem Wege zu nutzen. Unter die

sogenannte Telemedizin fallen Ferndiagnose,

-Untersuchung oder -Überwachung.

Fast jeder Dritte (31,9 Prozent) lehnt

bisher noch die Nutzung digitaler Gesundheitsdienstleistungen

ab.

Quelle: BZ Berlin

9,3 %

sind daran

interessiert

8.753.400

privat versichert

1.817.859

anderweitig oder

gar nicht versichert

72.228.741

gesetzlich versichert

31,9 %

lehnen es

bisher ab

60 Jahre und älter Digitale Gesundheitsleistung

2|19 DER Mittelstand. | Schwerpunkt


38

Einwanderung digital

Der medizinische Fachkräftemangel in Deutschland ist groß. Massenhaft fehlen Ärzte sowie

Pflegekräfte. Sie aus dem Ausland zu rekrutieren, kann ein Lösungsbaustein sein. Dabei helfen

digitale Tools.

Es gibt zu wenige Fachkräfte in den Bereichen

Medizin und Pflege, sodass Ärzte und Pflegekräfte

aus dem Ausland dringend benötigt werden.

Die Politik unterstützt diese Annahme und hat

„„

Das digitale Assessment bietet

den Kandidaten aus dem Ausland

und dem Krankenhaus aus

dem Inland eine digitale Plattform,

auf der sie sich professionell

begegnen können.

zuletzt das Fachkräftezuwanderungsgesetz verabschiedet,

das zum einen die Festanstellung und

Anerkennung im Ausland erworbener Berufsqualifikationen

sicherstellen und zum anderen die

Arbeitsmigration von Fachkräften mit Berufsausbildung

erleichtern soll. Bei der Rekrutierung von

ausländischen Pflegekräften ist jedoch Vorsicht

geboten, denn in 57 Staaten auf einer Liste der

Weltgesundheitsorganisation (WHO), die selbst

unter einem Fachkräftemangel leiden, ist dies

nicht zulässig, es sei denn, das Arbeitsverhältnis

kommt auf Eigeninitiative der Fachkraft zustande.

Vermittlung braucht Integration

Auch wenn der Bedarf und Wunsch nach ausländischem

Fachpersonal wächst, darf der bürokratische

Aufwand bei der Immigration von Fachkräften

nach Deutschland nicht unterschätzt werden.

Insbesondere die Kennenlernphase birgt einen

großen zeitlichen Aufwand, da eine erfolgreiche

Fachkräftevermittlung in der Regel auf einer intensiven

Betreuung sowie persönlicher Wertschätzung

basiert. Auch die daran anschließende

Integrationsphase erfordert von allen Seiten gezielte

Maßnahmen, um die Erwartungen und Hoffnungen

der ausländischen Bewerber zu erfüllen.

Eine Vermittlung sowie Integration von Fachkräften

aus dem Ausland ist nur dann erfolgreich, wenn

die Fachkräfte längerfristig in dem Beruf arbeiten.

Immigration muss gut geplant sein

Das digitale Assessment bietet den Kandidaten

aus dem Ausland und dem Krankenhaus aus dem

2|19 DER Mittelstand. | Schwerpunkt


39

Fotos: © FatCamera von www.istockphoto.com; © Photographee.eu von www.fotolia.com

Inland eine digitale Plattform, auf der sie sich professionell

begegnen können. Diese erleichtert

den ersten Kontakt und ermöglicht ein gezieltes

Matching, da die Kandidaten in ihrem Heimatland

das digitale Assessment durchlaufen und so

über ein Punktesystem dem vorgegebenen Qualitätsniveau

entsprechen. Dies bedeutet, dass

durch die Plattform nur die Talente für den deutschen

Ärzte- und Pflegearbeitsmarkt ausgewählt

werden, die die Berufsanerkennung erhalten

oder den geforderten Anerkennungsprozess hinsichtlich

der beruflichen Qualifikationen erfolgreich

bestehen können.

Der Kandidat erhält durch das Assessment einen

klaren Überblick über die Arbeit in Deutschland

und wird auf seinen Aufenthalt im Detail vorbereitet.

Bei erfolgreich bestandenem Assessment

Gut zu wissen:

werden die Kandidaten in einem Talentepool aufgenommen.

Auf diesen haben interessierte Krankenhäuser

Zugriff und können so gezielt passende

Kandidaten suchen und auswählen.

Mit Nachhaltigkeit zum Erfolg

Für den zukünftigen Erfolg im Rekrutieren von

Pflegekräften ist es wichtig, dass die Arbeitsbedingungen

sowohl für deutsche als auch

ausländische Pflegekräfte verbessert werden.

Ansonsten kehren auch letztere nach einer erfolgreichen

Integration Deutschland wieder

den Rücken, und die Kliniken sowie Pflegeeinrichtungen

verlieren qualifizierte internationale

Pflegekräfte. Deshalb wird es für Kliniken unabdingbar

sein, ihre Organisationsstrukturen

anzupassen – nur so lässt sich ein nachhaltiger

Erfolg sicherstellen.


Allein im Bereich der Pflege blieben 2018 rund 40.000

Stellen unbesetzt. Man setzt daher auch immer stärker

auf Fachkräfte aus dem Ausland. In Albanien beispielsweise

legt man aufgrund der schlechten Arbeitsmarktsituation

großen Wert auf eine gute Ausbildung und

Sprachkenntnisse. Hier stehen in den Bereichen der Pflege

sowie Hotellerie und Gastronomie eine große Anzahl

gut ausgebildeter Fachkräfte zur Verfügung, die in ihrer

Heimat keinen Arbeitsplatz finden. Die Fachkräfteeinwanderung

nach Deutschland bietet für viele dieser Menschen

sowie für hiesige Unternehmen eine echte Chance.

Melanie Philip

Dipl.-Gerontologin,

Schwerpunkt

Sozialplanung und

Management

Geschäftsführerin des

Bildungsunternehmens

VITA Akademie und

Geschäftsführerin der

Start IT Solution/

GermanJobs

BVMW-Mitglied

www.germanjobs.com

2|19 DER Mittelstand. | Schwerpunkt


40

Mental stark

„Selbstständig gesund – Die eigene Gesundheit

im Blick behalten“ lautet der Titel

eines aktuellen Projekts, das die psychische

Gesundheit von Selbstständigen in den

Fokus nimmt und geeignete Angebote zu

deren Unterstützung entwickelt.

Arbeit im Wandel

Die Auseinandersetzung mit dem Wandel der

Arbeitswelt und seinen Auswirkungen auf die

physische, aber vor allem auch auf die psychische

Gesundheit von Beschäftigten gehört zu den großen

gesellschaftlichen Diskussionen der letzten

Jahre. Die zunehmende Dynamik und Komplexität

der Arbeitswelt führt bei vielen Menschen

zu Stress und Überforderung. Dabei richtet sich

die öffentliche Diskussion vor allem auf die Auswirkungen

auf abhängig Beschäftigte. Auf die besonderen

Herausforderungen, die dieser Wandel

für Unternehmensinhaber bedeutet, wird bisher

„„

wenig eingegangen.

Nicht nur gesunde Beschäftigte

sind Voraussetzung f ür den

Erfolg eines Unternehmens.

Ideen willkommen

Viele Denkanstöße und Anregungen bekam das

Projektteam auch bei einem ersten Workshop

in Kooperation mit dem BVMW Kreisverband

Münster. Neue Ideen und Impulse für den weiteren

Projektverlauf wurden generiert. Ziel des

Projekts ist, aus den gesammelten Erkenntnissen

und Ideen passende Unterstützungsmöglichkeiten

für Selbstständige zu entwickeln. Denn nicht

nur gesunde Beschäftigte sind Voraussetzung für

den Erfolg eines Unternehmens. Die Gesundheit

und eine gute Stressbewältigung von Inhabern

sind ebenso existenziell.

Über Ihre Unterstützung würden wir uns freuen.

Ihre Anregungen, Ideen und Informationen aus

Ihrem Alltag als Selbstständige/r sind für das Projekt

„Selbstständig gesund“ sehr hilfreich. Auch

über die Teilnahme an unserer Online-Befragung

(www.ifgp.de) von Selbstständigen im Rahmen

des Projekts wären wir dankbar.


Marc Lenze

Geschäftsführer Institut

für gesundheitliche

Prävention

BVMW-Mitglied

www.ifgp.de

Selbstständige in den Blick nehmen

Das Projekt „Selbstständig gesund!“ schließt

diese Lücke. Im Fokus stehen dabei die Fragen,

welche besonderen Herausforderungen und Belastungen

zu Stress bei Selbstständigen führen,

welche Ressourcen und Kompensationsmöglichkeiten

ihnen zur Verfügung stehen, und wie sie

sinnvoll unterstützt werden können. Für die Beantwortung

dieser Fragen geht das Projektteam

direkt an die Zielgruppe heran, unterstützt durch

den BVMW als Kooperationspartner. Auf der

Bundestagung des BVMW hat sich das Projekt

erstmalig mit seinem Auftrag einem Teil der Zielgruppe

vorgestellt.

Gut zu wissen:

• Das Projekt „Selbstständig gesund!“ wird

vom Bundesministerium für Arbeit und

Soziales (BMAS) über die Initiative Neue

Qualität der Arbeit (INQA) gefördert

und gehört unter das Dachprojekt

psyGA (Psychische Gesundheit in der

Arbeitswelt).

www.ifgp.de/projekte

E-Mail: info@ifgp.de

Foto: © GaudiLab/shutterstock.com

2|19 DER Mittelstand. | Schwerpunkt


IT FÜR UNTERNEHMEN

businessdigitalmesse.de

16.05.2019 I LEIPZIG I KONGRESSHALLE AM ZOO


42

Gesundheit zum Downloaden

Husten, Schnupfen, Heiserkeit – in den bekannten App-Stores findet man Apps zu nahezu

allen Krankheitsbeschwerden. Aber wie nützlich sind die digitalen Helfer wirklich?

Egal, ob man als moderner, digitaler Mensch nach

einer Rücken-App, einer Entspannungs-App,

einer Allergie-App oder einer Verhütungs-App

sucht: Da sich mittlerweile rund 100.000 Gesundheitsanwendungen

für Smartphone & Co. in

den digitalen Welten tummeln, wird man definitiv

fündig. Laut einer Erhebung der Gesellschaft für

Konsumforschung nutzt in Deutschland bereits

jeder vierte Internet-User eine Gesundheits-App

oder einen Fitness-Tracker. Doch was leisten die

smarten Ratgeber tatsächlich?

„„

Jeder vierte Internet-User nutzt

eine Gesundheits-App.

Oliver Hickfang

BVMW

Leiter Webmasterteam,

Social Media

oliver.hickfang@bvmw.de

Grundsätzlich kann eine Ernährungs-App mit

einer schlichten Information, beispielsweise zu

Möglichkeiten der Kalorienreduktion, eine höhere

Zufriedenheit auslösen als eine hochkomplexe

Medikamenten-App, die negative Wechselwirkungen

zwischen mehreren einzunehmenden

Medikamenten ausfindig machen muss. Dabei

wird den Wünschen des Users am ehesten entsprochen,

wenn insbesondere drei Erwartungen

befriedigt werden:

• die wissenschaftlich fundierte Information zu

bestimmten gesundheitsrelevanten Themen,

• die Stärkung der Eigenmotivation, z. B. durch

regelmäßige Erinnerungsfunktionen,

• der Beitrag zur Entlastung von Ärzten, Pflegekräften

oder pflegenden Angehörigen.

Worauf es bei der App-Auswahl

ankommt

Vor der Nutzung einer Gesundheits-App empfiehlt

es sich, diese anhand einiger Faktoren zu

überprüfen:

• Was sind Ziel und Nutzen der Anwendung?

• Hat der Anbieter die nötigen fachlichen

Qualifikationen?

• Sind die Features wissenschaftlich fundiert?

• Ist die App werbefrei?

• Welche Kosten kommen bei der Nutzung auf

den User zu?

• Bringt die Nutzung Risiken mit sich?

• Wie wird mit den Nutzerdaten umgegangen?

• Wie wird die App von anderen Nutzern

bewertet?

• Ist das Impressum des Anbieters sichtbar

platziert und vollständig?

• Verweist die App auf Studien und

verfügt sie über ein vertrauenswürdiges

Qualitätssiegel?

Einen guten Überblick über die Quantität und

vor allem Qualität von Gesundheits-Apps gibt die

Bewertungsplattform HealthOn, die mit unabhängigen

Informationen und Bewertungen informiert

und über Entwicklungen aus der digitalen

Gesundheitswelt berichtet. Denn in dem unübersichtlichen

App-Universum ist es schwierig, zwischen

hübsch formuliertem, manipulativem Marketing-Sprech

und mehr oder weniger seriösen

Studien zu unterscheiden, die behaupten, dass

weniger als 30 Prozent der Apps überhaupt nützlich

sind.

Fotos: © dragana991 von www.istockphoto.com; © relif von www.istockphoto.com


2|19 DER Mittelstand. | Schwerpunkt


43

DIE NEUE GESCHÄFTSWAGENKLASSE.

DER JEEP ®

COMPASS.

BUSINESS LEASING AB MTL. 214,– € NETTO1

Eine schnelle, leistungsstarke Geschäftswelt braucht ein genauso starkes Fahrzeug:

Der Jeep ®

Compass bietet reizvolle Extras für Geschäftskunden zu attraktiven Konditionen.

Genießen Sie die Annehmlichkeiten der ausgewählten Materialien sowie innovativen

Technologien und Konnektivitätslösungen, die jede Geschäftsreise komfortabel und

besonders sicher machen.

Kraftstoffverbrauch (l/100 km) nach RL 80/1268/EWG für den Jeep ®

Compass MY19 Longitude 1.4l MultiAir 103 kW (140 PS) E6D 4x2 MT6:

innerorts 8,7; außerorts 5,7; kombiniert 6,8. CO2-Emission (g/km): kombiniert 155.

¹ Ein unverbindliches Leasingbeispiel der FCA Bank Deutschland GmbH, Salzstraße 138, 74076 Heilbronn, für Gewerbekunden,

für den Jeep ®

Compass MY19 Longitude 1.4l MultiAir 103 kW (140 PS) E6D 4x2 MT6 zzgl. Überführungskosten

und MwSt., inkl. GAP-Versicherung; Monatsrate 214,– € (exkl. MwSt.), Gesamtlaufleistung 40.000 km, Laufzeit 48 Monate,

ohne Leasingsonderzahlung.

² 2 Jahre Fahrzeuggarantie und 2 Jahre gleichwertige Jeep ®

Neuwagenanschlussgarantie inkl. europaweiter Mobilitätsgarantie

der Allianz Versicherungs-AG gemäß ihren Bedingungen.

Angebot für gewerbliche Kunden, gültig für nicht bereits zugelassene Neufahrzeuge Jeep ®

Compass

MY19 Longitude 1.4l MultiAir 103 kW (140 PS) E6D 4x2 MT6 bis 30.06.2019. Nicht kombinierbar mit allen Aktionen. Nur bei

teilnehmenden Jeep ®

Partnern. Abbildung zeigt Sonderausstattung.

2|19 DER Mittelstand. | Schwerpunkt


44

Raus aus der Stress-Spirale

Warum tun wir in stressigen Lebensphasen so oft genau das Gegenteil von dem, was gesund und gut für

uns ist? Warum spielt das Thema Gesundheitsförderung im Alltag oft keine Rolle?

Es braucht den Kopf, um die physischen

Stress-Mechanismen unter Kontrolle zu bringen.

Die Motivations- und Umsetzungsenergie, die

dafür notwendig ist, wird von oft banalen Problemen

torpediert, und dies führt dann zu weiteren

„„

Stressüberlastungen.

Das Immunsystem wiederum

steht in direkter Verbindung

mit der Psyche.

Kleine Umstellung, große Wirkung

Ein Teufelskreis, der in Verbindung mit Bewegungsmangel

und einer immunologisch ungünstigen

Ernährung im Körper zu physischem (oxidativ

und nitrosativ) Stress führt, damit niedriggradige

chronische Entzündungszustände im ganzen Körper

befeuert und dadurch das Immunsystem und

den Hirnstoffwechsel weiter negativ beeinflusst.

Bei konsequentem Verzicht auf Zucker und moderne

Getreidesorten und einer geänderten Frequenz

der Ernährung (Kurzzeitfasten) kann zum

Beispiel ein Rheumaschub nach kurzer Zeit deutlich

zurückgehen, auch chronische Entzündungen

(Gelenk- und Rückenschmerzen, Fersensporn)

bessern sich oft schon innerhalb weniger Tage.

Ebenso kehrt die Motivationsenergie für eine gezielte

gesunde Bewegung und gesünderes Verhalten

zurück. Die Spirale dreht sich um.

Ernährung und Bewegung

Das mächtigste Instrument für unsere Gesundheit

ist die menschgerechte Ernährung. 70 bis

80 Prozent aller immunrelevanten Zellen befinden

sich im und um den Magen-Darm-Trakt. Das

Immunsystem wiederum steht in direkter Verbindung

mit der Psyche. Neben ausgewogenen

Foto: © simarik von www.istockphoto.com

2|19 DER Mittelstand. | Schwerpunkt


45

... Umstellung auf immunologisch entlastende Ernährung.

Mehr Bewegung im Alltag ...

Fotos: © selimaksan von www.istockphoto.com; © hedgehog94 von www.istockphoto.com

Nährwerten kommt es besonders auf den Zeitpunkt

und die Bestandteile der Ernährung an. Der

Mensch hat sich einige hunderttausend Jahre

gut ernährt und sich erst etwas zu essen besorgt,

wenn er Hunger hatte. Er musste also die wichtigste

Lebens-Leistung im Hungerzustand vollbringen

und sich bewegen, bevor er essen konnte.

In einer entwicklungsgeschichtlich sehr kurzen

Zeit hat der Mensch sein Ernährungsverhalten

signifikant ungünstig verändert. Wir essen nicht

Gut zu wissen:

Literaturtipps zum Thema

mehr, wenn wir Hunger haben, sondern wenn

früh, mittags und abends Essenszeit ist, zudem

müssen wir uns vorher nicht mehr bewegen.

Doch der Teufelskreis lässt sich durchbrechen:

mit immunologisch entlastender Ernährung und

ein klein wenig gezielter Bewegung im Alltag. Ein

schneller Selbstversuch lohnt sich, und Sie werden

sich schon nach wenigen Tagen viel leistungsfähiger

und gesünder fühlen.

• Mit Ernährung heilen, Prof. Dr. Andreas Michalsen, Insel Verlag, 24,95 €

• Der gute Darm, Justin und Erica Sonnenburg, Südwest Verlag, 22,99 €

• Darm mit Charme, Giulia Enders, Ullstein Verlag, 16,99 €

• Wirk-Kochbuch, Pruimboom, Reheis, Rinderer

(www.wirkkochbuch.com, leider zurzeit nicht lieferbar), Bucher Verlag, 39,90 €


Rolf Stockum

Geschäftsführer

schnittstelle³ GmbH –

Prädikat Mensch

BVMW-Mitglied

www.praedikat-mensch.de

2|19 DER Mittelstand. | Schwerpunkt


46

Psychisch gesund am

Arbeitsplatz

Jeder vierte Mensch gerät im Laufe seines Lebens in eine psychische

Belastungssituation. Die meisten von ihnen sind berufstätig.

2|19 DER Mittelstand. | Schwerpunkt


47

Gut zu wissen:

• Krankschreibungen aufgrund psychischer

Erkrankungen steigen immer mehr an

• mehr als 44,4 Milliarden Euro direkte

Krankheitskosten jährlich

• Psychische Gesundheit muss in Betriebliches

Gesundheitsmanagement integriert

werden

Grafik: © Anna-Friederike Charlotte Pöschel

Psychisch Erkrankte bleiben statistisch dreimal

so lange zu Hause wie Beschäftigte mit anderen

Krankheiten. Die wirtschaftlichen Folgen sind

immens: Mehr als 44,4 Milliarden Euro direkte

Krankheitskosten entstehen so pro Jahr.

Tabuthema am Arbeitsplatz

Trotzdem sind psychische Belastungen am

Arbeitsplatz immer noch ein Tabuthema.

Erst in den vergangenen Jahren hat sich ein

leichter Wandel gezeigt. Mehr und mehr

Unternehmen investieren in ihr Betriebliches

Gesundheitsmanagement (BGM) und bieten

ihren Mitarbeitern Präventionsprogramme an,

fördern aber neben der körperlichen auch die

psychische Gesundheit.

Prävention für Körper und Seele

Sowohl Arbeitgeber als auch Arbeitnehmer

tragen Verantwortung, Gesundheitsrisiken am

Arbeitsplatz zu minimieren. So wie die körperliche

Gesundheit der Mitarbeiter gefördert

wird, sollte in Zukunft auch auf die psychische

Gesundheit geachtet werden. Denn Stress

und Überforderung am Arbeitsplatz können

langfristig zu psychischem Leid führen und Erkrankungen

wie Depression, Angststörungen,

Essstörungen oder auch Suchterkrankungen

begünstigen.

Online-Therapie-Programm

Die Selfapy GmbH bietet Unternehmen die

Möglichkeit, psychischen Erkrankungen wie

Burn-out, Depressionen oder Angststörungen

vorzubeugen, und bietet für den Akutfall

professionelle und schnelle Hilfe an. Hierfür

hat Selfapy ein psychologisch begleitetes Online-Therapie-Programm

entwickelt, das von

Betroffenen anonym, ortsunabhängig und

sofort genutzt werden kann. Das Programm ist

wissenschaftlich fundiert und basiert auf dem

Prinzip der kognitiven Verhaltenstherapie.

Das Ziel ist es, Mitarbeiter in Stress- und Krisensituationen

zu begleiten und so die Lebensqualität

und Leistungsfähigkeit nachhaltig zu

erhöhen. Durch weniger Arbeits- und Produktionsausfälle

wird auch die Unternehmensleistung

langfristig gesteigert. Arbeitgeber sowie

Arbeitnehmer können von frühzeitigen Präventionsmaßnahmen,

Aufklärung und einem

offeneren Umgang mit dem Thema profitieren

und eine Chronifizierung der Krankheit, hohe

wirtschaftliche Kosten bis hin zu Arbeitsunfähigkeit

verhindern helfen.

Farina Schurzfeld

Co-Gründerin & CMO Selfapy GmbH

BVMW-Mitglied

Stellv. Vorsitzende der BVMW-

Kommission Start-ups und

Unternehmensgründungen

www.selfapy.com

2|19 DER Mittelstand. | Schwerpunkt


48

Gesundheitsversorgung

auf dem Land –

Chance Digitalisierung?

In Zeiten von Landflucht gehen kommunalen

mittelständischen Unternehmen Kunden und Arbeitnehmer

verloren. Grund ist häufig fehlende Infrastruktur wie

insbesondere die medizinische Versorgung. Die Teilmedizin

eröffnet neue Möglichkeiten.

Der Gesetzgeber hat in den letzten Jahren einiges

unternommen, um die medizinische Versorgung

in ländlichen Regionen zu verbessern. Das

Versorgungsstärkungsgesetz von 2015 etwa

sollte kommunal betriebene Medizinische Versorgungszentren

(MVZ) ermöglichen. Die Idee

war, dass große ambulante Zentren nach dem

Vorbild der DDR-Polykliniken eine für die ländliche

Bevölkerung attraktive Konzentration medizinischer

Angebote schaffen und zugleich junge

Ärzte für eine Anstellung außerhalb der Stadt gewinnen

sollten. Die Gründung kommunaler MVZ

„„

war bislang jedoch zurückhaltend.

Die Digitalisierung im Gesundheitswesen

wird gerade auch

f ür den deutschen Mittelstand

wegweisend sein.

Von anderen Ländern lernen

Eine weitere Strategie ist die Versorgung mit Hilfe

digitaler Technologien. Vorbild sind Länder wie

Schweden, in denen der Bedarf an medizinischer

Betreuung entlegener, bevölkerungsarmer Regionen

dringlicher und plastischer ist. Auch wenn

Deutschland anderen europäischen Ländern wie

Estland, Finnland und den Niederlanden hinterherhinkt,

so haben sich die Tore zur digitalen Medizin

auch hierzulande geöffnet. Im letzten Jahr

hat der Deutsche Ärztetag seine Musterberufsordnung

liberalisiert und das Verbot ausschließlicher

Fernbehandlung stark entschärft. Bereits

seit Frühjahr 2016 gehören einige telekardiologische

Leistungen wie die Funktionsanalyse von bestimmten

kardiologischen Implantaten oder das

teleradiologische Konsil zum GKV-Leistungskatalog;

Ende 2016 führte die Landesärztekammer

Baden-Württemberg die Möglichkeit telemedizinischer

Modellprojekte ein.

Ambitionierte Signale aus dem

Gesundheitsministerium

Allerdings sind die zuständigen Selbstverwaltungsgremien

Gesundheitsminister Spahn zu

Recht noch zu behäbig. Spahn treibt die Digitalisierung

des Gesundheitswesens ambitioniert und

mit großen Schritten voran. Mit dem Gesetz für

Foto: © tong2530 von www.fotolia.com

2|19 DER Mittelstand. | Schwerpunkt


Anzeige

Verwalten

Sie Ihre

Mitarbeiter

nicht als

Einzelteile.

49

Mit Agenda entdecken

Sie ihr volles Potenzial.

mehr Sicherheit in der Arzneimittelversorgung

(GSAV) etwa soll ab 2020/2021 das elektronische

Kassenrezept eingeführt und endlich auch deutschen

Apotheken die Abgabe von rezeptpflichtigen

Medikamenten aus reinen Fernverschreibungen

erlaubt werden.

Die Digitalisierung im Gesundheitswesen wird

gerade auch für den deutschen Mittelstand wegweisend

sein. Gelingt sie, eröffnet sich sowohl

innovativen Technologieunternehmen als auch

klassischen Leistungserbringern im Gesundheitswesen

großes Marktpotenzial und zugleich ein effizientes

Mittel zum Betrieblichen Gesundheitsmanagement.


Personalwesen-Software,

die ganze Arbeit leistet.

Gut zu wissen:

• Medizinische Versorgungszentren können

seit 2015 auch kommunal betrieben werden

• Verbot von Fernbehandlung wurde stark

entschärft

• Einführung des elektronischen

Kassenrezepts ab 2020/2021

Dr. iur. Dr. rer. medic.

Simon Alexander Lück

Rechtsanwalt / Partner

Fachanwalt für Medizinrecht,

Handels- und

Gesellschaftsrecht,

Verwaltungsrecht

www.buse.de

agenda-personal.de

2|19 DER Mittelstand. |


50

Wie freie Heilberufe

werben dürfen

Schöne bunte Werbewelt: Viele Ärzte, Zahnärzte, Psychologen, Therapeuten, Apotheker oder

andere Angehörige der Heilberufe schauen vermutlich neidisch zu ihren Kollegen in den USA.

Denn diese dürfen im Land der unbegrenzten Möglichkeiten alle Register des Marketings ziehen:

Rabatte, abwertende Vergleiche, Heilversprechen und die Nutzung von Superlativen sind dort ebenso

erlaubt wie drastische Bilder mit Vorher- / Nachher-Vergleichen. In Deutschland dagegen galt im

Gesundheitsmarkt viele Jahrzehnte lang ein nahezu komplettes Werbeverbot. Diese Zeiten sind zwar

vorbei, aber es gibt weiterhin strenge Auflagen. Was jetzt erlaubt ist, und wo die Grenzen der Werbung

für medizinische Angebote sind, erfahren Sie in diesem Beitrag.

Für jeden Mittelständler ist Werbung selbstverständlich.

Doch auch wenn zum Beispiel Ärzte mit

eigener Praxis wie ein Unternehmer denken, Ausgaben

für Miete oder Personal haben oder sich im

Wettbewerb um Patienten gegen andere niedergelassene

Mediziner behaupten müssen – die falsche

Werbung kann schnell zu berufsrechtlichen

Konsequenzen führen. Denn zusätzlich zu den

Berufsordnungen der Ärzte- und Zahnärztekammern

gelten das Heilmittelwerbegesetz und das

Gesetz gegen den unlauteren Wettbewerb. Diese

untersagen den Heilberufen jede Werbung, die irreführend,

anpreisend oder vergleichend ist. Und

sie verlangen, dass Patienten nur inhaltlich zutreffende

und allgemein verständliche Informationen

erhalten sollen. Das klingt zwar schwammig, ermöglicht

mittlerweile aber doch deutlich mehr

werbliche Kommunikation als früher.

Das Ende des Kittelverbotes

Das Schalten von Anzeigen war Heilberufen

lange nur zu „besonderen Anlässen“ erlaubt.

Dies führte dazu, dass zum Beispiel Ärzte mit

Anzeigen in der Tageszeitung lediglich auf die

anstehende urlaubsbedingte Praxisschließung

hinweisen durften. Wie streng die Werbebeschränkungen

für Ärzte waren, zeigt auch das

„Kittelverbot“. Es untersagte Medizinern, sich

im Arztkittel zum Beispiel auf ihrem Werbeflyer

oder der Homepage zu zeigen. Nach einem Urteil

des Bundesgerichtshofes im Frühjahr 2007

ist dies jetzt erlaubt. Und auch andere Werbeformen

werden seitdem gestattet.

Erlaubte Werbemaßnahmen:

zum Beispiel

• Logo & Corporate Design

• Visitenkarten, Briefpapier & Terminkarten

Webseite

• Poster, Werbeflyer & Broschüren in der Praxis

• Wartezimmer-TV

• Radio-und Fernsehwerbung

• Anzeigen in Online- und Printmedien

• Tag der offenen Tür

• Kunstausstellungen in den Praxisräumen

• Pressemitteilungen

• Kultur- und Sportsponsoring

• Fahrzeugwerbung

• Praxisschilder

• Hinweise auf Ortstafeln

• Give-aways

• Werbung auf Einkaufswagen im Supermarkt

• Geburtstagsglückwünsche an Patienten

• Terminerinnerungen & Wiedereinbestellung

auf Wunsch der Patienten

• Werbung mit Testimonials

Und: Bilder von Krankheiten oder Vorher-Nachher-Vergleichen

sind auch gestattet. Die bildliche

Darstellung darf aber nicht missbräuchlich, irreführend

oder in abstoßender Weise erfolgen

Verbotene Werbemaßnahmen:

zum Beispiel

• Postwurfsendungen

• Unaufgeforderte Wiedereinbestellung von

Patienten

2|19 DER Mittelstand. | Schwerpunkt


51

Arzt im Hintergrund und davor

eine Patientin als Testimonial:

Nach dem Ende des Kittelverbotes

und der Lockerung der

Werbeschränkungen f ür

Heilberufe ist diese Art der

Darstellung jetzt erlaubt.

Foto: © didesign von www.fotolia.com

• Verteilen von Werbemitteln auf der Straße

• Werbemails

• Telefonakquise

• Angebote von Rabatten oder Aktionspreisen

• Werben mit Geld-zurück-Garantien

• Werbemaßnahmen, die sich an Kinder unter

14 Jahren richten

Abgrenzung Werbung

und Information

Auch bei den erlaubten Werbemaßnahmen gilt,

dass sie weder reißerisch formuliert noch in bunter

Baumarkt-Optik sein dürfen. Im Vordergrund sollte

immer die sachliche Vermittlung von Informationen

stehen. Somit sind Übertreibungen und Superlative

wie „Die beste Zahnärztin der Stadt“ genauso tabu

wie auffällige Preisangaben in der Praxisbroschüre.

Untersagt sind zudem Erfolgszusagen wie zum

Beispiel in der Anzeige einer Klinik, die mit dem

Satz warb „Es gibt keine hoffnungslosen Fälle!“ (LG

Bochum, Urt. v. 21.08.2014 - 312019/14).

Umsicht ist auch gefragt bei der Bezeichnung

der Praxis. Ärzte dürfen nur mit ordnungsgemäß

erworbenen Facharzt-, Schwerpunkt- und

Zusatzbezeichnungen nach den Weiterbildungsordnungen

der Landesärztekammern werben.

Kunstbegriffe wie „Männerarzt“ sind also tabu.

Ebenso wenig darf eine einfache Praxis als Zentrum,

Institut oder Klinik auftreten.

Testimonials ja, Promis nein!

In der freien Wirtschaft werden positive Aussagen

von Testimonials gerne in die Werbemaßnahmen

eingebunden. Auch Heilberufe dürfen

dies mittlerweile in dezenter Form, zum Beispiel

als Patienten-Dankesschreiben auf der Webseite.

Weiterhin unzulässig ist jedoch das Bewerben

von Heilmitteln mit Prominenten.

Auf die Positionierung kommt es an!

Wie bei jedem Unternehmen in der Marktwirtschaft

gilt auch für Freiberufler in Heilberufen:

Die Positionierung entscheidet über den Erfolg.

Denn nur wer genau weiß, welche Leistungen

Claudia Mattheis

Geschäftsführerin

welche Patienten ansprechen, und wie das Marktumfeld

aussieht, wird sich über ein gesundes

mattheis. Werbeagentur GmbH

BVMW-Mitglied

Wachstum freuen können.

• www.mattheis-berlin.de

2|19 DER Mittelstand. | Schwerpunkt


52

Die Gesundheitswirtschaft,

eine starke Säule des Mittelstands

Das Gesundheitssystem braucht neue Strukturen, Chancen und Risiken müssen ermittelt werden, die

Herstellung sinnvoller Rahmenbedingungen überlagert die notwendige Fokussierung auf den Patienten.

50.000 mittelständische Unternehmen sind davon betroffen.

Die seit Jahren wachsende Gesundheitswirtschaft

wird sich in den nächsten Jahren durch

Digitalisierung und technische Innovationen

dramatisch verändern. Das Krankenhaus-Kommunikations-Centrum

(KKC), seit 20 Jahren dem

interdisziplinären Dialog verschrieben und als

Brückenbauer mittels Roundtables, Workshops,

Seminaren etc. auf nationalen und internationalen

Messen dabei, hat vor allem die Auswirkungen

der Digitalisierung auf die sektorenübergreifenden

Bereiche im Gesundheitswesen im Hinblick

auf die Patientenversorgung und die Problematik

der Sektorenbrüche von unterschiedlichen

Seiten beleuchtet.

Die Vernetzungen von Medizintechnik und

IT-Systemen, Telemedizin, Nano-, Gen- und Biotechnologien,

BigData- und KI-Anwendungen

werden die medizinische Versorgung weiter optimieren.

Integrierte Versorgungsmodelle mit individualisierten

Behandlungsprozessen verbinden

Prävention, Diagnostik, Therapie und Nachsorge.

Im privat finanzierten zweiten Gesundheitsmarkt

erleben eHealth-Apps einen stürmischen Aufschwung.

Die großen Player wie Google, Apple, Microsoft

und Amazon steigen verstärkt in den lukrativen

Gesundheitsmarkt ein, um wertvolle medizinischen

Daten abzugreifen. Dringend nötig sind

wirksame Datenschutzkonzepte, die die Privatsphäre

der Bürger schützen, ohne die sinnvolle

Nutzung der Gesundheitsdaten zu behindern.

Die bislang isolierte Betrachtung einzelner Bereiche

und Technologien in Fachkongressen und

Medien wird dem Umfang der Veränderungen –

der notwendigen digitalen Transformation – nicht

mehr gerecht.

Foto: © upixa von www.fotolia.com


2|19 DER Mittelstand. | Schwerpunkt


Partnerverband der

Mittelstandsallianz

53

1.

Gesamtwirtschaft

2017

Gut zu wissen:

Die deutsche Gesundheitswirtschaft in Zahlen

1.

Die Gesundheitswirtschaft (GW)

erwirtschaftete 2017 mit 7,3 Millionen

medizinische

Versorgung

Bruttowertschöpfung

GW

industrielle GW

Beschäftigten (jeder 6. Arbeitsplatz) eine Bruttowertschöpfung

von 350 Milliarden Euro,

rund 12 Prozent der Gesamtwirtschaft .

Mehr als drei Viertel entfiel auf die medizinische

Versorgung , 77 Milliarden Euro (22 Prozent)

auf die industrielle GW .

2.

817 Pharmaunternehmen mit

2.

Pharmaunternehmen

50 Mrd. €

117.013

Umsatz (2016)

Beschäftigte

in KMU

Medizintechnikbranche

30 Mrd. €

200.000

117.013 Beschäftigten erzielten 2016 einen

Umsatz von knapp 50 Milliarden Euro ,

die Medizintechnikbranche erwirtschaftete

etwa 30 Milliarden Euro . Sie stand 2017 mit

13.090 Patenten auf Platz 1 in Europa und

exportierte 64 Prozent ihrer Erzeugnisse.

Der Mittelstand in der GW ist hauptsächlich

in der Medizinproduktebranche mit 200.000

Erwerbstätigen in 11.300 KMU und der

Pharmazeutischen Industrie mit 117.013

Beschäftigten in 817 Unternehmen angesiedelt.

3.

Heidemarie Hille

KKC – Krankenhaus-

Kommunikations-

Centrum e. V.

Die stationären Einrichtungen der medizi-

www.kkc.info

nischen Versorgung mit 2,0 Millionen Beschäft-

3.

... Apotheken

~ 64.000

... nichtstationäre

Bereiche

2,7 Millionen

Beschäftigte

in ...

... medizinische

Versorgung

2,0 Millionen

igten in 1.951 Krankenhäusern (davon

707 Privatkliniken), 14.480 Pflegeeinrichtungen

sowie 1.142 Rehabilitations- und Vorsorgeeinrichtungen

werden im nichtstationären Bereich

mit 2,7 Millionen Arbeitskräften in Arzt-,

Zahnarzt- und sonstigen Praxen übertroffen.

Hinzu kommen 19.748 Apotheken mit

64.379 Angestellten .

Mindestens 50.000 Unternehmen sind der

mittelständischen Wirtschaft zuzurechnen.

Manfred Kindler

KKC – Krankenhaus-

Kommunikations-

Centrum e. V.

www.kkc.info

2|19 DER Mittelstand. | Schwerpunkt


54

Rechtliche Vorsorge –

keiner will sie, jeder braucht sie!

Mit Vorsorge verbinden die meisten Deutschen komplizierte Rechtsfragen, schwierige Entscheidungen

und einen hohen Zeitaufwand. Doch es geht auch ganz unkompliziert. Die rechtliche Vorsorge eignet

sich sogar als Sachwertbezug für Mitarbeiter.

Man fühlt sich gesund, steht voll im Leben. Warum

also an Vorsorge denken? Doch ein Unfall,

eine Krankheit, Komplikationen bei einer Operation

können jeden Menschen plötzlich hilflos

machen. Wer darf dann entscheiden? Natürlich

die Angehörigen. Aber wer sind diese Angehörigen?

Das ist nicht immer eindeutig. Der Partner

oder die Lebensgefährtin? Geschiedene Partner?

Die erwachsenen Kinder? Vielleicht gibt es Streit?

Und: Wer ist überhaupt bereit und in der Lage,

in gesundheitlichen Fragen für einen Anderen

„„

zu entscheiden?

Sobald der Bevollmächtigte

das Dokument in Händen hält,

kann er sein Recht auch ausüben.

Eine Kontrolle gibt es

nicht. Unternehmer sollten hier

besonders vorsichtig sein.

Generalvollmacht? Muss nicht sein

Gerade für Unternehmer ist es wichtig, rechtlich

für den Ernstfall vorzusorgen. Was passiert mit

einer Firma, wenn der Chef plötzlich hilflos ist?

Wer führt die Geschäfte? Wer entscheidet und in

welchem Umfang? Klare Regelungen sind wichtig,

um den Betrieb sicher weiterlaufen zu lassen und

Streit unter den Angehörigen zu vermeiden. Doch

wer an Vorsorge denkt, denkt meist an die Patientenverfügung

oder die Generalvollmacht. Beide

sind tatsächlich aufwändig und rechtlich komplex.

Die Patientenverfügung ist für Menschen gedacht,

die schwer und aussichtslos erkrankt sind.

Mit ihr trifft man Vorkehrungen für den eigenen

Sterbeprozess. Die Generalvollmacht betrifft alle

Belange des täglichen Lebens, von medizinischen

Fragen bis hin zu geschäftlichen Angelegenheiten.

Der Bevollmächtigte bekommt die komplette

Entscheidungsbefugnis. Das Heikle daran: Sobald

der Bevollmächtigte das Dokument in Händen

hält, kann er sein Recht auch ausüben. Eine Kontrolle

gibt es nicht. Unternehmer sollten hier besonders

vorsichtig sein.

Spezialisierte Vorsorgeverfügungen

Sicherer ist es, die Themen Gesundheit und

Pflege von den geschäftlichen Angelegenheiten

zu trennen. Man erlässt für jeden Bereich eine

spezifische Verfügung: die Gesundheits- und

Pflegevollmacht und die Betreuungsverfügung.

Solche Verfügungen sind einfach, aber sehr präzise.

Für beide Bereiche existieren Formulare der

„Stiftung VorsorgeDatenbank“, die rechtlich sicher

sind (siehe Kasten).

Die Gesundheits- und Pflegevollmacht

Diese Verfügung bezieht sich ausschließlich auf

die Bereiche Medizin und Pflege, und das auch

nur im Ernstfall. Man benennt einen Stellvertreter,

der mit den Ärzten spricht. Entscheiden darf

er nur aufgrund des vorab erklärten und mutmaßlichen

Willens und nur bezogen auf die medizinische

Behandlung. Er unterschreibt Verträge mit

Ärzten, Krankenhäusern oder Pflegeeinrichtungen.

Wirtschaftliche Entscheidungen sind von

der Gesundheits- und Pflegevollmacht weitgehend

ausgeschlossen. Deshalb ist ein Missbrauch

fast unmöglich.

Der Wille des Patienten hat immer Vorrang. Auch

wenn eine Gesundheitsvollmacht vorliegt, müssen

die Ärzte zuerst herausfinden, ob der Patient

seinen Willen noch äußern kann. Die Vollmacht

wirkt erst, wenn er wirklich hilflos ist. Das muss

2|19 DER Mittelstand. | Schwerpunkt


55

ein Arzt feststellen. Deshalb braucht man keine

Sorge zu haben, dass man durch eine solche Verfügung

entmündigt wird. Man kann sie auch zeitlich

befristen und jederzeit widerrufen.

Wichtig ist, die Vollmacht durch eine Entbindung

von der ärztlichen Schweigepflicht zu ergänzen.

Ärzte dürfen nur dem Patienten selbst Auskunft

geben, andernfalls riskieren sie hohe Strafen. Erst

wenn eine Befreiung von der ärztlichen Schweigepflicht

vorliegt, dürfen die behandelnden Ärzte

den Bevollmächtigten informieren. Auch für die

Entbindung von der ärztlichen Schweigepflicht

existieren Formulare, die kostenfrei heruntergeladen

werden können (siehe Kasten).

Die Betreuungsverfügung

Wird man geschäftsunfähig, braucht man einen

Betreuer. Das ist gesetzlich so bestimmt. Hat man

niemanden bevollmächtigt, setzt das Betreuungsgericht

einen amtlichen Betreuer ein. Dieser regelt

alles Geschäftliche, spricht mit Banken, Versicherungen

und Behörden. Es ist möglich, selbst

in der Betreuungsverfügung Bevollmächtigte für

verschiedene Aufgabenbereiche einzusetzen.

Das hat den Vorteil, dass nicht eine Person zu

viel Entscheidungsbefugnis bekommt. Man kann

auch bestimmen, von wem man keinesfalls betreut

werden möchte. Eine Betreuungsverfügung

gilt nur, wenn ein Arzt bestätigt hat, dass man

tatsächlich geschäftsunfähig ist. Jeder Betreuer

wird vom Betreuungsgericht kontrolliert. Deshalb

ist ein Missbrauch eigentlich ausgeschlossen.

Eine Betreuungsverfügung kann man jederzeit

ändern oder widerrufen.


Foto: © sudok1 von www.fotolia.com

Gut zu wissen:

• Wenn Unternehmer durch Unfall oder

Krankheit plötzlich hilflos werden, stellt sich

die Frage, wer fortan die Entscheidungen

trifft

• Rechtliche Vorsorgeverfügungen helfen,

Streit zu vermeiden

• Anstelle einer Generalvollmacht können gezielte

Verfügungen für unterschiedliche Fälle

formuliert werden

Alle oben genannten Formulare sind in der

Publikation „Mein VorsorgeBuch“ der Stiftung

VorsorgeDatenbank enthalten. Unternehmer

können es auch als Sachwertbezug für ihre

Mitarbeiter erwerben.

Für BVMW-Mitglieder gibt es einen Rabatt

von 5 %. Das Buch und weitere Informationen

finden sich unter

www.vorsorgebuch.shop

(Rabattcode „Vorsorge19“).

Rechtsanwalt

Prof. Dr. Edgar Weiler

www.edgar.weiler.de

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Kontakt: wirtschaftsfoerderung@gotha.de

www.gotha.de

2|19 DER Mittelstand. | Schwerpunkt


56

Orthopädie- und Rehatechnik

für ein Leben in Bewegung

Menschen mit Handicap mehr Lebensqualität zu geben, das ist die Aufgabe der Orthovital GmbH

im sächsischen Markkleeberg. Das Familienunternehmen konnte in den letzten zehn Jahren

kontinuierlich zulegen. Zu verdanken ist das vor allem einer klugen Marktanpassung und der ständigen

Aus- und Weiterbildung von Mitarbeitern.

„Ich habe den schönsten Beruf der Welt“, sagt

Lars Jäger, Geschäftsführer der Orthovital. „Es

ist eine Berufung, Menschen zu helfen und ihnen

ihre Mobilität zurückzugeben.“ Solche Worte

von einem Firmenchef, dessen Kerngeschäft Orthopädie-

und Rehatechnik sind, überraschen im

ersten Moment. Diese Nähe zu Kunden und Patienten

mag aber eines der wichtigsten Erfolgsrezepte

des Unternehmens sein.

Orthovital bedient sechs Sparten, angefangen bei

der Orthopädietechnik, der Orthopädieschuh-

technik, Kinderrehabilitation über Rehatechnik,

Homecare und Sanitätsfachgeschäfte. Zu den

Produkten gehört das volle Sortiment wie Prothesen

und Orthesen, Krankenfahrzeuge, Bade-,

Geh- und Stehhilfen bis hin zu Sanitätsprodukten

etwa für die Wund- und Stomaversorgung sowie

die künstliche Ernährung. Bei der Herstellung

von hoch individuellen Hilfsmitteln wie zum Beispiel

Prothesen vereinen sich in den Werkstätten

von Orthovital Handwerkskunst mit Hightech-Lösungen

und -verfahren sowie neuestem

medizinischen und therapeutischen Wissen.

Grafik: © Anna-Friederike Charlotte Pöschel

2|19 DER Mittelstand. | Schwerpunkt


57

Fotos: © Orthovital GmbH

„Die Menschen, die in unsere Filialen kommen,

haben meist eine ärztliche Verordnung, und dann

zählen hohes Fachwissen, schnelle Bearbeitungszeiten

und die regionale Anbindung, um zeitnah

liefern zu können“, beschreibt Jäger die Anforderungen.

In diesem Sinne ist die Orthovital ein Mittelständler,

wie er im Buche steht: Regional verwurzelt

bei Kunden und Mitarbeitern, deren Zahl sich in

zehn Jahren von 17 Mitarbeitern auf heute 85

vervielfacht hat. Auch die Filialstruktur mit sechs

Niederlassungen in Sachsen und Sachsen-Anhalt

ist gewachsen. Mit dieser Entwicklung kann Geschäftsführer

Jäger zufrieden sein. Dem allgemeinen

Fachkräftemangel begegnet die Orthovital

mit einer intensiven Aus- und Weiterbildung

der Mitarbeiter. Auch die modernen Arbeitsbedingungen

und Technologien helfen, Fachkräfte

nach Sachsen zu locken. Weit größer sieht Jäger

die Gefahr von Seiten der Gesundheitspolitik

beim Ausschreibungsprozedere, das das Bundesgesundheitsministerium

vorgibt. Die Ausschreibungen

seien so angelegt, dass nicht Vorzüge wie

regionale Nähe oder Leistungsfähigkeit zählten,

sondern allein der Preis. Das sei für alle Beteiligten

eine undankbare Situation. Jäger hofft, dass

das Versprechen von Bundesgesundheitsminister

Spahn, die Ausschreibungen abzuschaffen, für die

Nutzung der nötigen regionalen Strukturen und

damit zum Wohle der Kunden umgesetzt wird.

Die Orthovital GmbH wurde 1991 vom Orthopädietechnikermeister

Richard Schneider gegründet.

Nach dessen Tod im Jahre 2000 kam das

Unternehmen in „Schieflage“. 2008 dann hatte

die Jüttner Orthopädie KG den Mut, das Unternehmen

zu übernehmen und führt es seit dem im

Sinne seines Gründers fort.

Orthovital GmbH

Gründung: 1991

Firmensitz: Markkleeberg (Sachsen)

Geschäftsführer: Lars Jäger

Mitarbeiter: 85

www.ortho-vital.de


Uta Georgi

BVMW Pressesprecherin

Sachsen

uta.georgi@bvmw.de

Mit orthopädischen Hilfsmitteln Mobilität und

Unabhängigkeit zurückgewinnen.

Der Orthovital Firmensitz in Markkleeberg (Sachsen).

2|19 DER Mittelstand. | Schwerpunkt


58

In jeder Ausgabe stellt DER Mittelstand. BVMW-Mitgliedsunternehmen und deren Produkte vor.

Diesmal die BEMER International AG sowie die LykonDX GmbH (Seite 58 bis 60).

Gesundheit stärken im Schlaf

Die BEMER International AG ist Marktführer auf dem Gebiet der Mikrozirkulation. Seit 1998 entwickelt

das Unternehmen patentierte Behandlungsmethoden zur Physikalischen Gefäßtherapie.

Die Mikrozirkulation

Die Mikrozirkulation ist ein funktionell

wichtiger Teil des menschlichen

Blutkreislaufs. Sie versorgt die Zellen

des Körpers mit Sauerstoff und Nährstoffen

und ist wichtiger Transportweg

zur Entsorgung von Stoffwechselendprodukten.

Körperliche und

geistige Leistungsfähigkeit, Wachstums-

und Genesungsprozesse sowie

eine große Anzahl an Erkrankungen

stehen in direkter Verbindung mit der

Mikrozirkulation.

B. Box Pro-Set.

Verschiedene Möglichkeiten

punktueller Behandlung.

Physikalische Gefäßtherapie

Die Vasomotion (Eigenbewegung der Gefäße)

der kleineren Blutgefäße reagiert nur auf

physikalische Reize. Das ist der Ansatzpunkt der

Physikalischen Gefäßtherapie. Mithilfe elektromagnetisch

übertragener Stimulationssignale

kann sie die Vasomotion der Mikrogefäße, die

Durchblutung, den venösen Rückstrom und die

Sauerstoffausschöpfung um bis zu 30 Prozent bei

regelmäßiger Anwendung steigern. Die Therapie

ist zurzeit das modernste Behandlungskonzept

im Bereich zur Unterstützung von Genesungsprozessen

sowie zur Prävention.

2|19 DER Mittelstand. | Schwerpunkt


59

Die BEMER Anwendung

Eine Ganzkörperbehandlung nimmt nur zwei mal acht Minuten pro Tag in Anspruch.

Spezielle Applikationsmodule ermöglichen beispielsweise bei chronischen Beschwerden

oder im Akutfall eine punktuelle Behandlung. Zusätzlich kann das patentierte

Schlafprogramm für eine erholsame Nachtruhe sorgen.

Zusammenarbeit BVMW

Berlin-Brandenburg

BEMER bietet regelmäßige Gesundheitsvorträge

und Aufklärungsveranstaltungen.

Zudem stellt es den

Unternehmen auf Wunsch die Produkte

für einen Einsatz im Rahmen

des Betrieblichen Gesundheitsmanagements

vor.

Ganzkörperbehandlung im Schlaf.

Zwischen dem Berliner Vertriebsbüro

und dem BVMW Region Süd

existiert eine langjährige Zusammenarbeit.

Das BEMER Team präsentierte

sich mittlerweile zum dritten

Mal mit einer Regenerationsstation

als Sponsor beim Golf Business Cup

Berlin-Brandenburg. •

BEMER International AG

Seinen Produktionssitz hat das Unternehmen im liechtensteinischen Triesen. Über einen

eigenen, weitverzweigten Direktfachvertrieb wird das Produkt in über 40 Ländern

vertrieben. 2013 wurde das Unternehmen mit dem Red Dot Design Award ausgezeichnet.

Gründung: 1998

Firmensitz: Triesen (Liechtenstein)

Geschäftsführer: Robert Moll

Mitarbeiter: 80

Ansprechpartnerin Berlin-Brandenburg: Susanne Lacrouts

BVMW-Mitglied

Susanne Lacrouts, Team-Managerin

& Medizinprodukteberaterin für die

Region Berlin-Brandenburg.

www.lacrouts.bemergroup.com

2|19 DER Mittelstand. | Schwerpunkt


60

Mit Bluttests zur

maßgeschneiderten Ernährung

Die LykonDX GmbH bietet Bluttests für Unternehmen und Endkunden,

vereint mit einer persönlichen Ernährungsberatung an. Ziel ist es, Blutwerte

und Gewohnheiten langfristig zu verbessern.

Die LykonDX GmbH ist ein labordiagnostisches Digitalunternehmen, das personalisiertes

Health Coaching auf Basis von Blutanalysen anbietet. Die Ergebnisse werden über eine

gesicherte Online-Plattform bereitgestellt. Hier erfährt der Nutzer, wie er sein Wohlbefinden

verbessern kann, welche Ernährung und Lebensweise optimal ist, um persönliche

Gesundheits- und Fitnessziele zu erreichen.

Mit richtiger Analyse zur

optimalen Lebensweise

Die Kunden nehmen sich zu Hause wenige

Tropfen Blut aus der Fingerkuppe und senden

diese zur Analyse an zertifizierte Partnerlabore.

Lykon erstellt ein Körperprofil,

das über die aktuelle Nährstoffversorgung

und mögliche Potenziale Auskunft gibt. Im

Anschluss berechnet ein Algorithmus auf

den Blutwerten basierende Handlungs-

und Ernährungsempfehlungen.

Zuhause wenige Tropfen

Blut abnehmen.

Lykon Health Companion App.

und Health Coach 360°:

Coaching App mit Bluttest

und persönlicher

Ernährungsberatung.

Blutwerte und Ergebnisbericht erhalten

Eine verständliche und interaktive Darstellung von Blutwerten und

Empfehlungen über das Online-Dashboard, eine persönliche telefonische

Ernährungsberatung sowie motivierende Inhalte über die

Companion App setzen Reize, um die Kunden beim Erreichen der

Ziele zu unterstützen. Das System verbindet medizinische Selbsttests

mit Verhaltensforschung mit einem digitalen Produkt.

Lykon Company Dashboard mit aggregierten Gesundheitsscores.

Die zertifizierten Medizinprodukte und persönlichen Empfehlungen

werden in enger Zusammenarbeit mit Medizinern und Ernährungswissenschaftlern

entwickelt.

2|19 DER Mittelstand. | Schwerpunkt


61

Lykon Ernährungspläne

und Empfehlungen.

Gesundheitsprogramme

für Unternehmen

Die Lykon Personal Challenge ist ein

dreimonatiges digitales Gesundheitsprogramm

für Mitarbeiter aller Unternehmensgrößen

– individuell zugeschnitten

auf die Bedürfnisse der Unternehmen und

deren Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.

Im Rahmen des Programms bekommt

jeder Nutzer personalisierte Ernährungs-

und Verhaltensempfehlungen. Blut-Tests

zu Beginn und am Ende des Programms

machen den Erfolg messbar.

Lykon Geschäftsführer (v. li.):

Milo Nauseef, Tobias Teuber

und Andrew O’Connell.

Gesunde Belegschaft im Blick

Lykon bietet im Rahmen der Personal

Challenge ein visualisiertes Kennzahlensystem

auf Basis von anonymisierten Gesundheitsscores

an, mit dem datenschutzsicher

die Entwicklung der Gesundheit

der Gesamtbelegschaft im Zeitverlauf

beobachtet werden kann.

Auf dieser Grundlage ist es möglich,

Gesundheitsaktionen zu planen, um zu

einem dauerhaften Gesundheitsbewusstsein

der Belegschaft beizutragen. •

Foto: © LykonDX; demaerre/istock

LykonDX GmbH

Unsere Vision: Empower people to live a healthy life. Das

Ziel ist es, jeden einzelnen Kunden dabei zu unterstützen,

seine Gesundheit zu verstehen, ihn zu motivieren, sein

Gesundheitsverhalten zu verbessern.

Gründung: 2015

Firmensitz: Berlin

Geschäftsführer: Tobias Teuber,

Andrew O’Connell, Milo Nauseef

Mitarbeiter: 30

BVMW-Mitglied

www.lykon.de

2|19 DER Mittelstand. | Schwerpunkt


62

Modernes Apotheken-

Management

Abrechnungen mit Krankenkassen, Bestellung von Medikamenten und nicht zuletzt die persönliche

Beratung – viele kleinere Apotheken stoßen mittlerweile an ihre Kapazitätsgrenzen. Wie man dem

entgegenwirken kann, zeigt das Digitalisierungsprojekt mit _Gemeinsam digital.

Apotheke am Sanct Georg in Leipzig.

Die Apotheke am Sanct

Georg in Leipzig bietet

verschiedene Services

im Bereich Gesundheit

an. Das Problem: Der

Hoher Dokumentationsaufwand

Dokumentationsaufwand

vor Ort ist sehr

hoch. Besonders bei

der Arbeit mit hochsensiblen

Kundendaten

ist eine lückenlose

Dokumentation

und

Abrechnung notwendig. Diese läuft größtenteils

papierbasiert, was insbesondere in Stoßzeiten zu

einem hohen Personalaufwand und unzufriedenen

Mitarbeitern führt.

Agiles Arbeiten in kleinen Teams

Dabei ist es besonders für kleine und mittlere

Unternehmen essentiell, Ressourcen zu bündeln.

Kann dabei ein Perspektivwechsel Abhilfe schaffen?

Wo arbeiten die Mitarbeiter besonders eng

miteinander zusammen? Wo liegen die Schnittstellen

bei der Dokumentation und Rechnungsstellung?

Workflows entwickeln …

Das Projekt mit _Gemeinsam digital begann

im Sommer 2018. Das Expertenteam von

_Gemeinsam digital führte Interviews mit der Geschäftsführung

und erfasste die Bedürfnisse und

„Die Digitalisierung bietet uns die Chance,

durch intelligente Archivierung, Workflows

und Einbindung von mobilen Geräten effizient,

einfach und zielführend Aufgaben und Projekte

zu bearbeiten. Tools beziehungsweise komplette

Lösungspakete sind dabei für uns die Möglichkeit,

unsere Arbeit intern flexibel und agil zu

strukturieren, um damit unseren Kunden noch

besseren Service anbieten zu können.“

Benjamin Bernert, stellvertretender Leiter der

Apotheke am Sanct Georg

Arbeitsabläufe der Mitarbeiter. Schnell stellte

sich heraus, dass zu viele Prozesse manuell ablaufen

und Dokumente nicht mehr gefunden werden.

In Workshops konnten verschiedene Prozesse

optimiert und Tools getestet werden. Gemeinsam

mit dem Unternehmen wurde ein Lastenheft für

ein Dokumentenmanagementsystem erstellt, mit

dem der gesamte Dokumentationsprozess aus

einer Hand möglich ist.

… und Ressourcen effektiv nutzen

Das Ergebnis: Der manuelle Suchaufwand nach

Dokumenten entfällt, was eine Zeiteinsparung

und Kostenreduktion mit sich bringt. Die Mitarbeiter

können sich nun wieder auf ihre Kernkompetenzen

konzentrieren. Zudem können Mitarbeiter

durch mobile Endgeräte nun jederzeit und

unabhängig vom fest installierten Arbeitsplatz

auf relevante Dokumente zugreifen. Das Unternehmen

denkt jetzt darüber nach, seine Angebote

auf den E-Health Markt auszuweiten. •

Kjell Schneider

BVMW Projektreferent

kjell.schneider@bvmw.de

Gut zu wissen:

Mehr zu diesem und weiteren Projekten finden Sie hier. https://bvmw.info/apotheke

2|19 DER Mittelstand. | Schwerpunkt


„Wettbewerbsfähigkeit

der

Unter nehmen

zu stärken ist

mein tägliches

Geschäft.

Daniela Bessen

Mittelstandsnetzwerkerin des BVMW

ICH BIN DER BVMW.

GEMEINSAM

FÜR EINEN STARKEN

MITTELSTAND.

www.mittelstandsjob.de


64

Zehn Tipps für ein gesundes Leben

Der Vorsitzende der BVMW-Gesundheitskommission und Geschäftsführer der Salutomed Klinik

Dr. med. Hans-Joachim Petersohn, Senator h.c., weiß, was Sie tun müssen, um Gesundheit und

Lebensqualität zu bewahren.

Ausreichend trinken

Trinken Sie täglich mindestens zwei Liter stilles

Wasser.

Ausgewogene Ernährung mit der 2er-Regel

Zwei Portionen Gemüse, zwei Portionen Obst

pro Tag. Zweimal Fleisch (vorzugsweise Geflügel)

und zweimal Fisch pro Woche. Eiweiß am besten

in Form von Hülsenfrüchten zu sich nehmen.

Bewegung an der frischen Luft

Mindestens dreimal in der Woche spazieren gehen.

Bewegung an der frischen Luft stärkt das

Immunsystem und verbessert die psychische Leistungsfähigkeit.

Genügend Schlaf

Der Körper benötigt sechs bis acht Stunden

Schlaf pro Nacht. Vermeiden Sie Alkohol und

koffeinhaltige Getränke sowie emotionalen

Stress vor dem Zubettgehen.

Sport

Treiben Sie dreimal pro Woche eine Stunde

Sport oder mindestens 35 Minuten täglich.

Nehmen Sie öfter mal die Treppe, statt den

Aufzug.

Oase Schlafplatz

Um ein ungestörtes Schlafklima herzustellen, ist es

wichtig, Elektrosmog am Schlafplatz zu vermeiden.

Smartphones, Laptops, Tablets und PC sollten

nachts ausgeschaltet sein.

Den Blick weiten

Genügend Abstand zu Bildschirm und Smartphone

halten. Entspannen Sie Ihre Augen, indem Sie 15

Minuten pro Tag in die Ferne blicken.

Nehmen Sie Auszeiten

Entspannung kommt immer mehr Bedeutung zu.

Deshalb sind regelmäßige Entspannungsübungen

im Alltag wie bewusstes Atmen, autogenes Training,

Thai Chi, Chi Gong oder andere zu empfehlen.

Soziale Beziehungen

Pflegen Sie Freundschaften und soziale Beziehungen.

Prävention

Stärken Sie eigenverantwortlich Ihre Gesundheit.

Regelmäßige Checks beim Hausarzt helfen, Krankheiten

vorzubeugen.


Foto: © Monkey Business von www.fotolia.com

Impressum

DER Mittelstand.

Unternehmermagazin des BVMW

Herausgeber

BVMW – Bundesverband

mittelständische Wirtschaft,

Unternehmerverband

Deutschlands e. V.

Mario Ohoven

Potsdamer Straße 7 / Potsdamer Platz

10785 Berlin

www.bvmw.de

Titelbild (Montage):

© appleuzr, © Sudowoodo

von www.istockphoto.com;

© Лилия Валиева

von www.fotolia.com

Redaktion

Tel.: 030 / 53 32 06-16

Fax: 030 / 53 32 06-50

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Eberhard Vogt (Chefredakteur)

Chiara Ohoven (Art Director)

Friederike Pfann

Tim Schöllmann

Matthias Axtner

Rotger H. Kindermann (Korrespondent)

Verlag

mattheis. werbeagentur gmbh

Kastanienallee 4

10435 Berlin

Tel.: 030 / 34 80 633-0

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www.mattheis-berlin.de

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Vermarktung v. Anzeigen & Beilagen

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Druckerei

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Zeppelinstr. 6, 16356 Ahrensfelde

Das Magazin „DER Mittelstand.“

ist das offizielle Organ des BVMW.

Mitglieder des Verbandes erhalten das

Magazin im Rahmen ihrer Mitgliedschaft.

Die Redaktion übernimmt keine

Haftung für unverlangt eingesandte

Manuskripte, Fotos und Illustrationen.

Namentlich gekennzeichnete Beiträge

sowie Selbstdarstellungen von Unternehmen

müssen nicht der Meinung

der Redaktion entsprechen. Nachdruck

und Verbreitung mit Angabe der

Quelle gestattet.

ISSN: 2510-425X

Druckauflage: 33.000

4/2018

2|19 DER Mittelstand. | Schwerpunkt


65

Bundeswirtschaftssenat

Der Bundeswirtschaftssenat ist das Spitzengremium des BVMW.

Ihm gehören 230 herausragende Unternehmerpersönlichkeiten

an, darunter vier deutsche Nobelpreisträger und zahlreiche

Marktführer. Die inhabergeführten Unternehmen stehen für einen

Jahresumsatz von circa 100 Milliarden Euro und rund 1 Million

Arbeitsplätze.

In dieser Ausgabe von „Der Bundeswirtschaftssenat im Dialog“

berichtet Jochen Freese, Chief Commercial Officer von Hellmann

Worldwide Logistics, über die globale Vernetzung eines der führenden

deutschen Logistikunternehmen.

Manfred Stern, Geschäftsführer der Yaskawa Europe GmbH,

erzählt von seinem Werdegang in dem japanischen Traditionskonzern,

der weltweit zu den größten Herstellern von Industrierobotern

zählt.

2|19 DER Mittelstand. | Bundeswirtschaftssenat


66

JOCHEN FREESE, Hellmann Worldwide Logistics

2|19 DER Mittelstand. | Bundeswirtschaftssenat


67

„Wir sind gut unterwegs“

Ausländische Waren importieren und eigene Güter ins Ausland versenden – heute eine

Selbstverständlichkeit. Dahinter stecken Menschen wie Jochen Freese, Chief Commercial Officer

von Hellmann Worldwide Logistics, die mit ausgefeilten Logistikprozessen den internationalen

Handel ermöglichen – ob zu Land, zu Wasser oder in der Luft.

Foto: © Hellmann World Logistics

Prof. Dr. Jo Groebel: Hellmann Worldwide Logistics geht auf

eine fast 150-jährige unternehmerische Familientradition zurück.

Über viele Jahrzehnte stand ein Hellmann an der Spitze.

Ist die Familie Hellmann immer noch in der Firma aktiv?

Jochen Freese: Zum einen ist natürlich die von der Familie

begründete Kultur absolut präsent, zum anderen waren aber

auch bis vor wenigen Monaten die Entscheidungsträger und

Weichensteller über viele Jahrzehnte Mitglieder der Hellmann

Familie. Nach wie vor sind sie zentral in den Aufsichtsgremien

vertreten. Zu der Familie besteht ein sehr gutes, vertrauensvolles

Verhältnis.

Die Verknüpfung aus Tradition und Fortschritt wird auch in

Ihrer FAMILY DNA und dem Slogan „Thinking ahead, moving

forward“ deutlich. Die Bewegung wird zudem in Ihrem Firmenlogo

mit den Wildgänsen sichtbar. Welche Werteorientierung

steht dahinter?

Wildgänse leben partnerschaftlich zusammen – Partnerschaft

ist also eines unserer Leitprinzipien. Das leben wir sowohl intern

mit Blick auf die Mitarbeiterbindung, aber auch extern bei

unseren Providern, zum Beispiel aus der Seefracht und auch in

Bezug auf unsere Kunden. Wir sind nicht nur Dienstleister, sondern

optimieren gemeinsam. Bei aller Prozessoptimierung steht

aber bei uns der Mensch im Mittelpunkt. First, people first, dafür

steht das F in unserer DNA, Menschen machen Dinge möglich.

Nicht einmal eine noch so ausgefeilte Digitalisierung schafft das

in allen Bereichen. Der Mensch kommt bei uns immer zuerst.

Er schafft neue Perspektiven, er ist kreativ, er bringt uns voran.

Dem entspricht, dass unsere Mitarbeiter auch einmal Fehler machen

dürfen. Sie sollten nur daraus lernen und natürlich kreativ

bleiben. Gerade der Mittelstand ist hier wegweisend. Nachhaltigkeit

und ganzheitliches Denken sind ebenso kennzeichnend

für unsere Werte.

Sie scheinen diese Werte regelrecht zu leben. Ein schlagender

Beweis dafür ist, dass Sie 2014 zum Arbeitgeber des Jahres gewählt

wurden.

Das haben die Eigentümer geprägt und dann über Jahrzehnte

weiterentwickelt. Auch heute – mit einem externen Management

um unseren neuen CEO Reiner Heiken – steht die Corporate

DNA nach wie vor im Fokus unseres Handels. Natürlich

gibt es immer auch schwierige Phasen, in denen man auch harte

Entscheidungen treffen muss. Dennoch darf man seine Leitprinzipien

nie aus den Augen verlieren.

Carl Heinrich Hellmann startet in Osnabrück mit einem Pferdefuhrwerk,

daraus werden in den Folgejahrzehnten immer

mehr logistische Angebote. 1959 kommt es zum Zusammenschluss

mehrerer lokaler Spediteure zu einem breiteren Service-Netzwerk.

Auch hier steht wieder der Partnerschaftsgedanke im Vordergrund.

Es entstand daraus die System Alliance, das immer noch

drittgrößte Stückgutnetzwerk in Deutschland. International gilt

das gleiche Prinzip: Rund 56 Länder werden direkt von Hellmann

bedient, mit unseren Netzwerkpartnern zusammen sind

wir aber in 162 Ländern vertreten. Alle sind echte Partner, nicht

nur Abfertigungsstellen. Man kennt sich, arbeitet an gemeinsamen

Strategien.

Das Globale ist bei Ihnen verknüpft mit dem Lokalen. Wie

wichtig ist der regionale Bezug?

Wir sind ein globales Unternehmen mit zweifelsohne sehr unterschiedlichen

Kulturen, die auch innerhalb des Unternehmens

gelebt werden. Der regionale Bezug und unsere Heimat in

Deutschland ist also auch für einen Global Player wie Hellmann

wichtig. Was das Unternehmen aber zusammenhält und verbindet

ist unsere Corporate DNA, die globale Gültigkeit hat.

Dieser globale Ansatz kam ja auch 1983 zum Tragen, als der

Paketdienst DPD unter anderem auf Initiative von Hellmann

gegründet wurde.

Ja, auch hier war der Netzwerkgedanke in Fortsetzung unserer

früheren Partnerinitiativen erfolgreich umgesetzt worden. Leider

mussten wir später im Rahmen von Veränderungen der Gesellschafter

unsere Anteile verkaufen. Doch aus solchen Phasen

kann man natürlich viel lernen.

Das Hellmannsche Kernunternehmen beschäftigt 13.000 Mitarbeiter

und erzielt einen Umsatz von 3,2 Milliarden Euro bei

rund 20 Millionen Sendungen pro Jahr. Gibt es für Sie außerhalb

Deutschlands weitere herausragende logistische Schwerpunkte?

Recht früh waren wir in Hongkong, von dort aus ging es dann

weiter nach ganz China und in die gesamte Region bis nach Aus-

2|19 DER Mittelstand. | Bundeswirtschaftssenat


68

Ein aktuelles Thema ist die Veränderung des Einzelhandels von

stationär zu digital. Welche Rolle spielen Sie hier?

Wir sind kein Paketdienst für Endkunden, aber in der gesamten

Lieferkette ist natürlich großvolumiger B2B-Transport auch in

seiner Veränderung durch Online-Vertriebsnetzwerke ein ganz

wichtiger Faktor. Eine kleinere Unternehmenstochter ist zudem

mit e-Commerce befasst, andere wieder innovativ mit neuen

Services bis hin zur Geräteinstallation beim Endkunden.

tralien, Neuseeland und den ozeanisch-pazifischen Raum. Dann

erfolgte die Expansion in die USA und nach Lateinamerika. Insgesamt

sind wir natürlich global, aber in einigen der genannten

Regionen gehören wir zu den „logistischen Schwergewichten“

mit erheblicher Marktdurchdringung.

Bei China denke ich natürlich sofort an die Seidenstraße, die ja

zentral mit Handelstransporten und Güterverkehr zu tun hat.

Hellmann hat sich hier schon früh mit großräumigen Bahntransporten

befasst und eigene Services zwischen Asien und Europa

aufgebaut. Hier kann man im wörtlichen wie übertragenen Sinne

sagen: Wir sind gut unterwegs. China plant natürlich entlang

der Seidenstraße den Aufbau von Infrastruktur und wirtschaftlichen

Einflusssphären. Das hat auch mit der Wandlung des Landes

zu tun.

Sind Sie persönlich viel in der Welt unterwegs?

Die Hälfte des Jahres reise ich zwangsläufig global zu unseren

Niederlassungen, Partnern und Kunden. Das ist Teil unserer

Führungsphilosophie: rausgehen zu unseren Mitarbeitern und

zu allen, die Teil unserer Netzwerke sind. Nur vor Ort bekommt

man Stimmungen, Herausforderungen, Möglichkeiten und

notwendige Stellschrauben mit. Das gilt erst recht für die Kundenbeziehungen.

Wir lernen mehr durch Zuhören an der Basis

als durch PowerPoint-Präsentationen und Exceltabellen in

der Zentrale.

Das ist sicher auch wichtig für die Berücksichtigung der weltweiten

Kulturunterschiede.

Völlig richtig. Mexiko beispielsweise funktioniert sehr stark auf

der persönlichen Beziehungsebene. Da hilft es, dass Hellmann

eine stark ausgeprägte familiäre Kultur hat. Man arbeitet gemeinsam

an Zielen und Visionen, geht Projekte in positivem Austausch

zusammen an. Es erfordert langfristigen Vertrauensaufbau,

aber dann laufen die Dinge sehr reibungslos. Auch wenn

sich zunächst die nationalen Mentalitäten sehr unterschiedlich

darstellen. Die kulturellen Unterschiede leben wir aber auch in

Deutschland durch ständigen personellen Austausch mit unseren

Dependancen in anderen Ländern.

Welche ist Ihre größte Kundenbranche?

Größte Einzelbranche ist die Automobilindustrie, gefolgt von

Bekleidung, dem Gesundheits- und Pharmawesen, Lebensmitteln

sowie hochinteressanten Nischen wie der Kreuzfahrt.

Überall dort spielt die Mischung aus Geschwindigkeit und Effizienz

eine entscheidende Rolle. Aus diesem Grund bespielen wir

ganz unterschiedliche Transportwege, von Flug über Schiene

und Straße bis hin zur Seefracht.

Sie haben schon den Bereich Mode angesprochen. Als durchaus

Modeinteressierter fand ich hier Ihre „Hellmann Fashion

Box“ überzeugend.

Diese Transportlösung kombiniert Kleidungsschutz mit einer

intelligenten Hänge- und Legeaufbewahrung. Ein anderes Beispiel

für smarten Transport sind unsere „Visibility Devices“ mit

Trackingeinheiten, die nach Bedarf Temperatur, Luftfeuchtigkeit

und mechanische Stöße erfassen. Immer auch entwickelt zusammen

mit unseren Kunden je nach deren Bedürfnissen.

Das Motto „Making it work better everyday“ kennzeichnet Ihren

kontinuierlichen Verbesserungsprozess. Gilt dies nicht zuletzt

als Motivation Ihrer Mitarbeiter gegenüber den Kunden?

Ja, diese Botschaft adressieren wir in Workshops in der Fläche

am Arbeitsplatz über sehr formalisierte Abläufe. Innerhalb dessen

wird dann aber sehr stark auf die Anregungen und Bedürfnisse

der Mitarbeiter eingegangen.

Vita

Jochen Freese, geboren 1968, studierte Maschinenbau an

der Technischen Universität Braunschweig. Von 1997 bis

2006 war er für die Fraunhofer Gesellschaft in Stuttgart

und Südafrika tätig. Von 2006 bis 2013 bekleidete er verschiedene

Positionen bei UTi Worldwide Inc. Als regionaler

CEO war er unter anderem für die Geschäfte in Europa,

im Nahen Osten und Nordafrika zuständig und verantwortete

insgesamt 132 Büros in 24 Ländern mit 4.300 Mitarbeitern.

Seit 2014 ist er als Chief Commercial Officer für

die globale Wachstumsstrategie, den Verkauf und das

Marketing von Hellmann Worldwide Logistics zuständig.

Jochen Freese ist verheiratet und hat zwei Kinder.

Foto: © Hellmann World Logistics

2|19 DER Mittelstand. | Bundeswirtschaftssenat


69

Ihr Unternehmen steht auch für ein ausgeprägtes soziales

Engagement.

Es passt zu unserem Prinzip der Nachhaltigkeit und bezieht sich

nicht nur auf das interne, sondern auch das externe Umfeld. Das

ist nicht formalisiert, sondern ergibt sich eher aus den lokalen

Gegebenheiten und Interessen der Mitarbeiter und Nachbarn

heraus. Dabei schätzen und unterstützen wir das unternehmerische

Denken unserer Leute sehr stark. Auch wenn wir natürlich

Grundregeln brauchen, hat die Förderung der Eigeninitiative für

uns einen großen Stellenwert.

Innovation findet zudem selbstverständlich auf technologischer

Ebene statt. Gilt das auch für E-Mobilität und autonomes Fahren?

Beispiele für die technologischen Innovationen sind unsere

Elektrofahrzeuge oder die Lang Lkw. Natürlich verfolgen wir

auch E-Mobilität und autonomes Fahren, die Themen stecken

allerdings für Langstreckentransporte eher noch in den Kinderschuhen.

Grundsätzlich ist es unser Anspruch, die Entwicklung

unserer Branche aktiv mit voranzutreiben. Wir arbeiten bei vielen

Innovations-Themen mit Kooperationspartnern zusammen.

So haben wir beispielsweise erst kürzlich mit einem Osnabrücker

Start-up die Logistic Lights entwickelt – eine echte Innovation

im Bereich der Kommissionierung. Auch im Bereich Digitalisierung

arbeiten wir an wegweisenden Projekten.

Können Sie uns eine Ihrer schwierigsten Entscheidungen

nennen?

Menschlich der Weggang von UTI in einer damals nicht leichten

wirtschaftlichen Situation für das Unternehmen. Es war kein gutes

Gefühl, subjektiv einige tausend Mitarbeiter und Kollegen

zurückzulassen. Andererseits hatte mich immer schon ein deutsches

mittelständisches Unternehmen gereizt, insofern passte

Hellmann sehr gut.

Ihre Skrupel sprechen für Ihren menschlichen Anstand.

Was war Ihre beste Entscheidung?

Meine Frau zu treffen und zu heiraten. Mittlerweile sind es über

31 gemeinsame Jahre.

Bleibt Ihnen noch Zeit für Freizeit?

Es könnte mehr davon sein. Aber wenn

es die Zeit zulässt, dann segle ich auf der

Ostsee, und die Zeit im Kreise meiner Familie

nehme mir.

Vielen herzlichen Dank für

das Gespräch.

Das Gespräch führte

der Medienexperte

Prof. Dr. Jo Groebel

Aktuelles Wissen vermitteln Sie in Ihrer hauseigenen

Akademie.

Ja, mit einem großen Themenspektrum für unsere Branche und

als Weiterbildungsangebot auf nahezu allen Stufen der bei uns

tätigen Mitarbeiter.

Foto: © Hellmann World Logistics

Sie selbst stehen für ständige Wissenserweiterung. Vor Hellmann

waren Sie unter anderem bei UTI Worldwide Logistics

und bei der Fraunhofer Gesellschaft, davon einige Zeit auch in

Südafrika, tätig.

Die Basis dafür war mein Maschinenbaustudium in Braunschweig.

Über meinen Professor kam dann Fraunhofer, ein Epizentrum

für innovative angewandte Forschung in Europa. Das

war schon eine sehr spannende und wegweisende Zeit.

Was ist in diesem Rahmen Ihr Wunsch an die Politik?

Sie muss in unserem Land endlich ganz massiv moderne, nicht

zuletzt digitale Infrastruktur fördern und garantieren. Hier rangieren

wir innerhalb Europas leider weit hinten. Und das in einer

der weltweit führenden Industrienationen.

Welche Bedeutung hat für Sie der BVMW?

Er hat unter der aktuellen Ägide seit inzwischen Jahrzehnten

dem Mittelstand eine politische, gesellschaftliche und publizistische

Stimme gegeben.

Das Unternehmen

Hellmann Worldwide Logistics

Rechtsform: SE & Co. KG Produkte: klassische

Gründung: 1871

Speditionsleistungen per

Firmensitz: Osnabrück Lkw, Schiene, Luft- und

Vorstandsvorsitzender: Seefracht, KEP-Dienste,

Reiner Heiken

Kontraktlogistik, Branchen-

und IT-Lösungen

Mitarbeiter: rund 13.000

Umsatz:

rund 3,2 Milliarden Euro www.hellmann.net

Branche: Logistik

2|19 DER Mittelstand. | Bundeswirtschaftssenat


70

MANFRED STERN,

Yaskawa Europe GmbH

2|19 DER Mittelstand. |

Bundeswirtschaftssenat


71

Wo Roboter zu Hause sind

Manfred Stern ermöglicht gemeinsam mit seinem Team der Industrie den Weg in die Zukunft.

Seit 2015 führt er die Geschäfte der Yaskawa Europe GmbH – ein japanischer Konzern,

der weltweit 400.000 Roboter installiert hat und als Geburtsstätte der Mechatronik gilt.

Foto: © Yaskawa Europe GmbH

Prof. Dr. Jo Groebel: Herr Stern, seit wann stehen Sie an der

Spitze von Yaskawa?

Manfred Stern: 2008 war ich zunächst als Geschäftsführer und

COO der Antriebsbranche von Yaskawa, ab 2012 auch für die

Roboter-Branche in Europa tätig. 2015, also genau 100 Jahre

nach der Gründung des Unternehmens, wurde ich zum CEO und

Präsidenten berufen.

... international der höchste denkbare Status im

Unternehmen …

Zuvor hatte man in den Regionen immer Brückenköpfe mit jeweils

einer japanischen Spitze errichtet. Auch ich berichtete zunächst

an einen japanischen Kollegen. Mit dem Schritt vom COO

zum CEO 2015 gab es nur noch eine direkte Berichtslinie zum

Konzernvorstand in Japan, und die Aufnahme in das Board des

japanischen Mutterkonzerns brachte endgültige Augenhöhe mit

den japanischen Kollegen auf der obersten Führungsebene –

nach 100 Jahren der erste Nicht-Japaner überhaupt, der in das

Board des Unternehmens berufen wurde.

Sehen Sie generelle Veränderungen in der japanischen Unternehmenskultur?

Yaskawa war schon frühzeitig sehr fortschrittlich im Umdenken

der starren Hierarchien. Etliche japanische Firmen haben inzwischen

nachgezogen. Aber es gibt auch immer noch sehr viele

sehr traditionell strukturierte Unternehmen in Japan.

Ist es in diesem Rahmen ein Klischee, dass in Japan familiengleich

erst die Firma und dann lange nichts kommt?

Den Nicht-Kenner mag es erstaunen, aber nach wie vor haben

globale Personalmanagement-Konzepte und Umsetzungen in

Japan Seltenheitswert. Die Unterschiede der japanischen Personalführung

zu den USA und Europa sind traditionell und kulturell

bedingt immer noch erheblich. Es geht übrigens in beide

Richtungen: Man erwartet bei uns immer den unbedingten

Einsatz, umgekehrt haben wir aber auch eingeführt, dass Mitarbeiter

in Japan den Feierabend ernst nehmen und nicht immer,

wie es Tradition in Japan ist, länger als der Chef am Arbeitsplatz

bleiben.

Können Sie uns einen kurzen Überblick über das

Kerngeschäft von Yaskawa geben?

Unsere Hauptproduktlinien, die wir der Industrie im Rahmen

von Automation anbieten, sind zunächst Industrieroboter.

Weltweit haben wir mehr als 400.000 davon installiert und

allein letztes Jahr 42.000 neue verkauft. Dann gibt es die Frequenzumrichter

mit mehreren Millionen Stück verkaufter

Einheiten. Schließlich vermarkten wir noch Servoantriebe und

Servomotoren in Millionenhöhe sowie Maschinensteuerungen.

Inzwischen haben wir die Bandbreite unserer Produkte um

den Bereich „Environmental Energy“ oder „Clean Power“ ausgeweitet.

Wir gehen dabei der Frage nach, wo wir durch effizientere

Energiegewinnung die Natur entlasten können. Sprich,

wir widmen uns der regenerativen Energie, vor allem auf zwei

Feldern in Europa, nämlich bei der Windkraft und bei maritimen

Antriebsapplikationen. Zudem befassen wir uns primär in den

USA und anderen Regionen mit Photovoltaik.

Schon in den 1960er Jahren prägte Ihr Unternehmen den

Begriff der Mechatronik. Wie kam es zu dem so frühen

Erkennen und Erschließen dieses zukunftsträchtigen Bereichs?

Motoren und Antriebe hatten bei Yaskawa schon 1915 bei

der Firmengründung die entscheidende Rolle gespielt, auch

damals vor allem industriell im Bergbau und bei der Kohlegewinnung

mit dem immer weiter entwickelten Kernprodukt

Elektromotor. Der Bogen hin zur Mechatronik ergab sich aus

dem Zusammenführen der klassischen Elektromotorentechnik

mit der neueren Leistungselektronik und der Mikroelektronik.

Entsprechend arbeiteten nunmehr in der Firma die

bislang getrennt operierenden Mechanik- und Elektroingenieure

gemeinsam an Projekten und Produkten. Der Industrieroboter

sah eine weitere Geburtsstunde, eben in der Mechatronik,

dies unter Einschluss von Software und Programmierfähigkeit.

Der Begriff Industrie 4.0 hat seine Ursprünge also nicht zuletzt

in den Prinzipien Ihrer Mechatronik?

4.0 ist Mechatronik – ergänzt um immer ausgefeiltere IT und

Hochgeschwindigkeitskommunikation. Meine eigene Ausbildung

als Ingenieur an der Hochschule in Offenburg hatte

mich ebenfalls zur Kombination der entsprechenden Fächer

geführt. Es war damals in den 1980er Jahren immer auch

ein wenig ein Wettbewerb zwischen den besten elektronischen

oder mechanischen Lösungen. Aus dem Wettbewerb

resultierte die Erkenntnis der noch besseren, gemeinsamen

Herangehensweisen.

2|19 DER Mittelstand. | Bundeswirtschaftssenat


72

Sind Patente für Sie international ein Thema?

Innovationen sind in der DNA von Yaskawa. Daher generieren

wir Jahr für Jahr neue Patente. Dabei ist uns klar, dass die

Verteidigung unserer Patente allein uns nicht den technischen

Vorsprung garantiert. Ständige Innovation ist daher der Ansatz,

um den Vorsprung zu verteidigen. Viele europäische Unternehmen

haben zum Beispiel Angst, dass deren geistiges Eigentum in

China gefährdet sei. Wir setzen in China auf Kooperation mit

Partnern und nicht auf defensiven Patentschutz und Abschottung.

Das funktioniert ganz gut, solange die Innovationsgeschwindigkeit

stimmt. In puncto Innovation sind wir stolz, dass

wir im vierten Jahr in Folge als „Top 100 Global Innovators“ ausgezeichnet

wurden.

Ganz begeistert war ich im Zusammenhang mit Ihren patentierten

Produkten über den „Motoman“. Das klingt für mich ein

wenig nach einem japanischen Science-Fiction-Filmhelden der

1970er Jahre …

Nein, das ist keine Science-Fiction. Der Name bezeichnet eines

unserer zentralen Produkte. Genauer gesagt verbirgt sich dahinter

unsere Robotermarke mit, wie schon erwähnt, 400.000

gleichnamigen intelligenten Maschinen.

Weltweit hat Yaskawa rund 400.000 Roboter installiert.

Sie propagieren aktuell die i 3 -Mechatronics – phonetisch „icube

Mechatronics“. Was hat es damit auf sich?

Der Begriff korreliert mit Industrie 4.0, bleibt aber nicht beim

Allgemeinen stehen, sondern bietet unseren Kunden eine konkrete

Umsetzung und Realisierung der entsprechenden Prinzipien.

Diese lassen sich als die drei „i“ charakterisieren: integrierbar

in bestehende Systeme, intelligent in den Algorithmen und

innovativ im Ergebnis, das sich am konkreten Nutzen für den

Kunden messen lassen muss.

Man könnte hinzufügen: individualisiert in den

Kundenlösungen …

Stimmt, ich plädiere dafür, dass wir uns auch als europäischer

Player sehen mit einem starken Akzent auf kundenspezifische

Angebotsstrategien. Im Mix aus standardisierter Herstellung mit

hoher Stückzahl und stärker individualisierbaren Endversionen

entstehen preislich attraktive Angebote beim i 3 -Ansatz. Intelligente

Maschinen können diesen Mix perfekt bewerkstelligen.

Es ließe sich auch um „international“ ergänzen, denn Sie haben

Niederlassungen in Dutzenden von Ländern. Wie kann man

sich die Konzernorganisation vorstellen?

Der Konzern ist nach Regionen organisiert. Natürlich sind wir in

Japan, dann in Nord- und Südamerika, Europa, Russland, Nahost

und Afrika. Doch wir sind auch in China, Korea und in südostasiatischen

Ländern vertreten. In Europa sprechen wir von

23 Niederlassungen der YASKAWA Europe GmbH.

Welchen Stellenwert hat das Thema Künstliche Intelligenz für

Ihre Arbeit, und wann hat sich Ihr Unternehmen zum ersten

Mal damit auseinandergesetzt?

In der Theorie haben wir uns schon in den 1980er damit befasst.

Jetzt, mit entsprechend leistungsfähiger Hardware, sind wir

deutlich weiter und haben auch für die praktische Umsetzung

eine eigene KI-Innovationsabteilung bei Yaskawa.

Vita

Manfred Stern, Jahrgang 1956, diplomierter Elektroingenieur,

ist seit 2015 President & CEO der YASKAWA Europe

GmbH (YEU). Gleichzeitig wurde er als Corporate Executive

Officer in die Konzernspitze der YASKAWA Electric

in Japan berufen. Sein Engagement bei Yaskawa hat im

Jahre 2008 begonnen, zunächst als Geschäftsführer der

europäischen Antriebssparte, nach der Verschmelzung

mit der Yaskawa Roboter-Sparte in 2010 als COO für das

EMEA-Geschäft. Stern hat das europäische Geschäft konsequent

ausgebaut. Mit über 600 Millionen Euro Umsatz

kann YEU seit der Verschmelzung in 2010 auf ein durchschnittliches

Wachstum von über zehn Prozent zurückblicken.

Stern ist Vorstandsmitglied im Deutsch-Japanischen

Wirtschaftskreis (DJW). Er ist verheiratet und hat drei erwachsene

Kinder.

Foto: © Yaskawa Europe GmbH

2|19 DER Mittelstand. | Bundeswirtschaftssenat


73

Intelligenz kommt auch bei Ihrer Wartung ins Spiel. Ich las,

dass bei Ihnen ein Großteil des Aufwands per Telewartung

leistbar ist.

Ganz recht, wir haben hochkomplexe mechanische, elektronische,

visuelle und softwarebasierte Wartungssysteme in unserem

Yaskawa-Cockpit vereinigt. Damit lässt sich ein Großteil des

Wartungsaufwands einer Anlage geplant und vorausschauend

erledigen. Im Zusammenspiel können so in einer Art Frühwarnsystem

drohende Havarien, aber auch Routineservices nahezu

perfekt prognostiziert und gemanagt werden, bis hin zur Kontaktaufnahme

mit einem unserer Techniker.

Gab es besonders schwierige Entscheidungen in

Ihrer Biographie?

Eine Herausforderung war sicherlich die Wirtschaftskrise 2008,

aber wir haben sie gut gemeistert mit seitdem hervorragenden,

zweistelligen Wachstumsraten. Persönlich musste ich schon

einige Zeit nachdenken, ob ich von meinem früheren Arbeitgeber,

einem amerikanischen Unternehmen, zu einem japanischen

Konzern wechseln sollte. Ich habe es nicht eine Sekunde bereut!

Was war Ihre beste berufliche Entscheidung?

Genau dieser Wechsel.

Sprechen wir über Werte: Wie schätzen Sie den Stellenwert

von Weiterbildung ein?

Weiterbildung ist unabdingbar. Deshalb haben wir unter anderem

die „Yaskawa Academy“ ins Leben gerufen. Diese spricht

zunächst unsere Kunden an, doch das Konzept geht inzwischen

weit darüber hinaus. Früher wurden Roboter primär von großen

Unternehmen in der Automobilindustrie und der Automobilzulieferindustrie

eingesetzt. Heute gehört zu unserer

Strategie, Roboter auch für mittlere und kleine Unternehmen,

ja selbst für Handwerksbetriebe zugänglich zu machen. Hier

ist die Academy eine gute, schwellensenkende Einstiegseinrichtung

zur Weiterbildung. Wie leicht heute auch schon ein

Schüler einen Roboter programmieren kann, zeigen wir zusammen

mit Schulklassen auf unserem Stand auf der diesjährigen

Hannover-Messe.

Und bezogen auf Ihre Freizeit?

Mir wieder ein Motorrad angeschafft

zu haben.

Das passt zum Genre, wird aber

bestimmt nicht autonom fahren.

Vielen Dank für das Gespräch.

Das Gespräch führte

der Medienexperte

Prof. Dr. Jo Groebel

Sie bieten neue Perspektiven. Haben Sie eine ganz bestimmte

Führungsphilosophie?

Ja, sie ist sehr deutlich durch die Yaskawa-Kultur geprägt. Danach

ist der wirtschaftliche Erfolg nicht zuletzt auch auf gute

gesellschaftliche und menschliche Umgebungsbedingungen

zurückzuführen. Also gibt man der Gesellschaft auch etwas

zurück, zum Beispiel verantwortliches Handeln im Großen und

einen guten Umgang mit den Mitarbeitern im Kleinen. Hier gibt

es regelmäßige Zielvereinbarungen, die in beide Richtungen gehen,

Führung und Mitarbeiter.

Das Unternehmen (EMEA-REGION)

Yaskawa Europe GmbH

Was sind Ihre Wünsche an die deutsche Politik?

Foto: © Yaskawa Europe GmbH

Eine endlich international vergleichbar exzellente digitale Infrastruktur.

Ebenso brauchen wir eine vernünftige Bildungsbasis

schon in der Schule für künftige Ingenieure und IT-Experten.

Wer Industrie 4.0 möchte, darf nicht bei technischen Lösungen

stehen bleiben, sondern muss das Arbeitsumfeld und die Ausbildung

miteinbeziehen.

Was macht den BVMW für Sie attraktiv?

Als recht Neue im Verband hatten wir schon einen sehr guten

Austausch mit Mittelständlern rund um Robotik, dort eröffnen

sich für alle sehr gute Perspektiven. Diesen Dialog möchte ich

gerne weiter intensivieren.

Gründung: 1915

Firmensitz: Eschborn

Geschäftsführer:

Manfred Stern, Bruno

Schnekenburger, Norbert

Gauss, Marcus Mead

Mitarbeiter: ca. 1.900

Umsatz:

ca. 600 Millionen Euro

Branche: Verpackung,

Schweißen, Handling,

Montage, Aufzüge,

Pumpen, Kompressoren,

Textil, Metall- und

Holzbearbeitung

Produkte: Industrie

Roboter, Robotersysteme,

Steuerungen, Servoantriebe,

Frequenzumrichter,

Generatoren, Konverter

www.yaskawa.eu.com

2|19 DER Mittelstand. | Bundeswirtschaftssenat


74

Der Bundeswirtschaftssenat bei

Weltmarktführer Phoenix Contact ...

„Wenn wir auch noch eine Kupfermine hätten, könnten wir wirklich alles selber machen“,

so Stephan Frigge vom Weltmakrtführer Phoenix Contact. Im niedersächsischen Bad Pyrmont

bekamen die Mitglieder des Bundeswirtschaftssenats eindrucksvoll vorgeführt, was sich mit Strom

alles anfangen lässt.

Stephan Frigge, Geschäftsführer der Phoenix Contact Deutschland GmbH, stellte

den Mitgliedern des Bundeswirtschaftssenats die Unternehmensstrategie vor.

Intelligente Produktion bei Phoenix Contact: Der Mensch kann

die hohe Komplexität der Anlage durch die Kommunikation

zwischen Produkt und Maschinensteuerung beherrschen.

Frank Tetzel

Journalist

mittelstand@bvmw.de

Wie man in 100 Jahren nicht nur Weltmarktführer

wird, sondern auch mit dem Streben nach

Unabhängigkeit ganz automatisch neue Arbeitsfelder

auftut, das erfuhren Mitglieder des Bundeswirtschaftssenats

bei Phoenix Contact.

Begonnen hat dort alles mit einer Klemme, die

auch heute noch produziert wird. Doch diese

Klemmen gehörten zu Schaltern, und diese wiederum

gehören in Schränke – so baut das Unternehmen

also unter anderem auch Schalter und

Schränke und vieles mehr. Dabei werden jährlich

80 Millionen Schrauben aus eigner Produktion

verbraucht.

Stephan Frigge, Geschäftsführer der Phoenix

Contact Deutschland GmbH, beschrieb die internationale

Strategie des Unternehmens, die

sich vor allem dadurch auszeichnet, dass auf den

lokalen Märkten ausschließlich auf die Fachkompetenz

und die Erfahrungen der regionalen Mitarbeiter

gesetzt wird.

Phoenix Contact am Stammsitz Blomberg ist globaler

Marktführer für Komponenten, Systeme und

Lösungen im Bereich der Elektrotechnik, Elektronik

und Automation. 16.500 Mitarbeiter beschäftigt

das Familienunternehmen weltweit und

erwirtschaftet mit ihnen einen Umsatz von 2,2

Milliarden Euro. Zur Unternehmensgruppe gehören

14 Unternehmen in Deutschland sowie mehr

als 50 eigene Vertriebsgesellschaften in aller Welt.

Die Herausforderungen der vierten industriellen

Revolution, der Globalisierung und die rasante

Entwicklung seit Entstehen des Internets haben

Phoenix Contact erfolgreich und lösungsorientiert

zu einem ganzheitlichen Partner für alle Branchen

gemacht. Die Leistungen des Unternehmens

beginnen dabei, Eisen selbst zu galvanisieren,

künstliche Blitze für die Überspannungsschutzforschung

zu erzeugen, und gehen bis dahin, den

Unternehmenskunden Lösungen des Internet of

Things (IoT) und der Gebäudeautomatisierung anzubieten,

sie zu planen und zu implementieren.

Phoenix Contact ist darüber hinaus vorbildlich im

Employer Branding. So landete man jüngst wieder

auf der Bestenliste bei den Top-Arbeitgebern für

Ingenieure. Das Unternehmen weiß: Nur mit motivierten

Mitarbeitern kann man Vorreiter in den

Bereichen Automation und IoT bleiben.

Fotos: © Julia Rathjen; © PHOENIX CONTACT GmbH & Co. KG


2|19 DER Mittelstand. | Bundeswirtschaftssenat


75

... und bei

Schwäbisch Media

Nahezu alle Medienhäuser stehen derzeit vor großen Herausforderungen. So auch die Schwäbisch

Media in Ravensburg: Hier konnten die Mitglieder des Bundeswirtschaftssenats aus erster Hand

erfahren, wie der Printbereich den digitalen Wandel erfolgreich meistert.

Der Verlag, der die Schwäbische Zeitung herausgibt,

hat eine ähnliche Entwicklung genommen

wie viele andere deutsche Tageszeitungen. Die

Auflage ging in den letzten Jahren kontinuierlich

zurück. Aktualisierte Nachrichten sind heute nahezu

in Echtzeit vom Smartphone oder im Computer

abrufbar. Liveticker begleiten politische

Entscheidungen genauso wie Sportberichterstattungen.

Die Zeiten, in denen Menschen auf die

Morgenzeitung warteten, um die aktuellen Nachrichten

am Frühstückstisch zu lesen, gehören

längst der Vergangenheit an.

Um der Entwicklung entgegenzuwirken, hat sich

Schwäbisch Media zum Ziel gesetzt, das „fitteste“

Medienhaus zu werden. Neben der Herausgabe

von Printtiteln wie Zeitungen, Anzeigen- und

Amtsblättern und Magazinen ist das Medienunternehmen

auch im elektronischen Bereich erfolgreich

tätig. Dazu zählen Lokalfernsehen und

Lokalrundfunk, Logistikbereich (Prospektverteilung,

privater Briefdienst), Digitalbereich (digitales

Publishing, digitale Rubrikmärkte) sowie der

Bereich Dienstleistungen (Agenturen, Corporate

Publishing, Call Center, Druckereien). Zudem

wurde eine Bezahlschranke bei den Nachrichtenangeboten

im Digitalen eingeführt, um die Gratiskultur

in den Griff zu bekommen.

Der Geschäftsführer von Schwäbisch Media,

Dr. Kurt Sabathil, erläuterte den Senatoren die

Schwerpunkte der strategischen Ausrichtung, um

in der digitalen Welt gegen Google und Co. zu bestehen.

Zur Gewinnung und Bindung der besten

Mitarbeiter sei der Aufbau einer Arbeitgebermarke

notwendig, die für Modernität, Erfolg, Zukunft

und gute Personalentwicklung stehe. Trotz

der wirtschaftlichen Rahmenbedingungen habe

Schwäbisch Media-Geschäftsführer Dr. Kurt Sabathil (re.) und Moderator Tobias

Baunach zeigen das Innenleben des modernen Fernsehstudios.

Schwäbisch Media in den vergangenen Jahren

deutlich mehr in den Qualitätsjournalismus investiert

und Redakteure zur Stärkung des journalistischen

Contents des Kernprodukts Zeitung und

der multimedialen Digitalausgaben eingestellt.

Unternehmensprozesse wurden teilweise mit

Kaizen, aber auch durch Einsatz Künstlicher Intelligenz

neu ausgerichtet. Zudem erhöhte man die

Innovationsrate, um Wachstumschancen im Digitalbereich

und bei Dienstleistungen besser wahrzunehmen

zu können.

Abgerundet wurde die Veranstaltung mit dem

Hans-Josef Döllgen

Direktor des Bundeswirtschaftssenats

Süd

Besuch des Fernsehstudios von Schwäbisch hans-josef.doellgen@

Media.


bvmw.de

2|19 DER Mittelstand. | Bundeswirtschaftssenat


Ihre Einkaufsvorteile als BVMW-Mitglied im Detail

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78

Service

Unternehmerpreise

Es gibt viele Gründe, sich mit anderen Unternehmen in einem Wettbewerb zu

messen: gute Presse, individuelle Förderung, Kontakte knüpfen und, nicht zu

vergessen, das Preisgeld. Hier stellen wir Ihnen drei der aktuellen Unternehmerpreise

vor.

Zayed Sustainability Prize

Der Zayed Sustainability Prize richtet sich an mittelständische Unternehmen,

gemeinnützige Organisationen und ähnliche Einrichtungen, die mit nachhaltigen

Innovationen die globalen Lebensstandards sichern und verbessern können. Der

Preis wird in fünf Kategorien verliehen, für die jeweils Preisgelder in Höhe von

600.000 Dollar ausgegeben werden.

Die Bewerbungsfrist endet am 30. Mai 2019

www.zayedsustainabilityprize.com/en

Green Alley Award

Der Green Alley Award zeichnet europäische Start-ups aus, die mit innovativen

Ideen die Abfallwirtschaft nachhaltig verändern. Im Fokus des Wettbewerbs

stehen Konzepte, die die Menge an produziertem Abfall verringern oder Recycling

noch effizienter machen. Der Gewinner erhält ein Preisgeld in der Höhe von

25.000 Euro.

Die Bewerbungsfrist endet am 25. Juni 2019

www.green-alley-award.com/#award

Eugen Münch-Preis für innovative Gesundheitsversorgung

Die Stiftung Münch verleiht den Preis für innovative Gesundheitsversorgung

sowohl für herausragende wissenschaftliche Forschungsarbeiten als auch für

praktische Anwendungen, die den Zugang zur Gesundheitsversorgung oder das

Kosten-Nutzen-Verhältnis bestehender Techniken verbessern. Das besondere

Augenmerk des Wettbewerbs liegt auf den Themen Robotik, Vernetzung und

digitale Ansätze im Gesundheitssektor. Die Preise beider Kategorien sind mit jeweils

20.000 Euro dotiert.

Die Bewerbungsfrist endet am 1. Juli 2019

www.stiftung-muench.org/eugen-muench-preis

BVMW bietet

Newsstream

Mittelstand

Aktuell und richtig informiert zu sein,

bedeutet, seinen Wissensvorsprung

auszubauen. Dabei wird es in der Flut

von Informationen immer schwieriger,

die für sich und sein Unternehmen relevanten

News herauszufiltern. Der

BVMW löst jetzt dieses Problem. Im

Zuge der stetigen Verbesserung unseres

Internetauftritts testen wir aktuell

einen Newsstream zu mittelstandsrelevanten

Themen. Wer also zukünftig

immer auf dem Laufenden sein will und

aktuelle Infos aus Politik und Wirtschaft

aus Medien wie Focus, Spiegel, Wirtschaftswoche

und Co. fokussiert und

ohne Aufwand konsumieren möchte,

findet bei uns alles auf einen Blick. Der

Newsstream kann kostenlos unter folgendem

Link eingesehen werden:

www.BVMW.de/newsstream

„Keks-Kreator“ –

zwischen

Tradition und

Moderne

Die Online-Plattform Keks-Kreator

bietet ihren Kunden die Möglichkeit,

Gebäckwünsche ganz individuell zu gestalten.

Entwickelt wurde die Idee von

Gregor Stapper, der im vergangenen

Jahr für besondere Leistungen im Bereich

„Innovationen im Handwerk“ auf

der IHM durch die Bundeskanzlerin gekürt

wurde. Stapper gelingt mit seinem

Unternehmen „German Bakery Stapper“,

einem meistergeführten Betrieb

in Brilon, der Brückenschlag zwischen

traditioneller deutscher Bäckerei-Kunst

und einer modernen Vertriebsstrategie.

www.keks-kreator.de

2|19 DER Mittelstand. | Service


79

Projektabwicklung

weitergedacht

Das Team von Brillen Weltweit: Carlo Wagner, Kai-Uwe Jobst und

Johannes Klein (v. li.).

Rücknahmesystem für

Altbrillen

Immer mehr Menschen sind auf Sehhilfen angewiesen. Das Problem:

In Entwicklungsländern kostet eine einzige Brille schnell

bis zu sieben Monatsgehälter. Daher hat die JO-BA GmbH aus

Bremen, gemeinsam mit der Organisation Brillen Weltweit aus

Koblenz, eine Brillensammelbox entwickelt. Über den Einwurfschlitz

in dem flexibel aufstellbaren Kleincontainer können alte

Brillen einfach gespendet werden. Das hilft Betroffenen, wieder

gut sehen zu können und schont die Umwelt, denn die aussortierten

Sehhilfen werden recycelt. Die Brillensammelboxen

können von Optikern und Augenärzten erworben werden.

www.brillen-sammelbox.de

www.brillenweltweit.de

Kick-off ins Betriebliche

Gesundheitsmanagement

Bei Kumavision in Markdorf am

Bodensee arbeitet ein junges Team an

innovativen Cloudlösungen.

Mit der Cloud-Lösung „project365“

stellt Kumavision

eine der weltweit ersten

Branchenlösungen

für

Microsoft Dynamics 365

Business Central vor. „Project365“

richtet sich an alle

Unternehmen, die projektorientiert

arbeiten und dabei

auf den Schutz ihrer sensiblen

Daten großen Wert legen: Von der Leadgenerierung bis

zur Leistung, von der Angebotskalkulation bis zur Abrechnung –

mit „project365“ erledigen Unternehmen alle Aufgaben über

den gesamten Projektabwicklungsprozess in einem System.

Problemlos wird so der Spagat zwischen Kosten, Ressourcen

und Termintreue gemeistert.

kumavision.com/microsoft-dynamics-365

_Gemeinsam digital wird

bis 2021 verlängert

Fotos: © r. o.: Kumavision; l. u.: © Felix Matthies

Bis zu 300 Pflegekräfte sind täglich für die KCS Medical

GmbH im Einsatz. Die Gesundheit ihrer Mitarbeiter ist für

die Gründer Sven Liedtke und Jerome Abraham zentrales

Thema. In Kooperation mit der VBG und der EBC Hochschule

entwickelte das Berliner Start-up ein kosteneffizientes

Tool für den Schnellstart ins Betriebliche Gesundheitsmanagement

(BGM), das deutschlandweit angeboten wird.

Der erste Schritt ist eine webbasierte Mitarbeiter-Befragung

zur Psychischen Gefährdung. So können auch mehrere

Standorte zeitgleich einsteigen.

Sven Liedtke und Jerome Abraham,

Geschäftsführer der KCS Medical

GmbH (v. li.).

www.kcs-medical.de/BGM

_Gemeinsam digital, das Mittelstand 4.0-Kompetenzzentrum

Berlin, wird um zwei weitere Jahre bis zum April 2021 verlängert.

Durch die Bewilligung weiterer drei Millionen Euro fördert

das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie das

Zentrum nun mit insgesamt rund 7,5 Millionen Euro. Neben

den Schwerpunktthemen Personal 4.0, digitales Marketing,

Wertschöpfungsprozesse 4.0 und Geschäftsmodelle 4.0 wird

das Themenportfolio zukünftig unter anderem um den Bereich

FinTechs erweitert. Bislang konnte _Gemeinsam digital bundesweit

auf über 250 Veranstaltungen mehr als 32.000 Unternehmerinnen

und Unternehmer direkt erreichen.

www.gemeinsam-digital.de

2|19 DER Mittelstand. | Service


80

Keine Chance: der klassische

Verkauf – ein Auslaufmodell

Längst ist die Gehirnforschung für die Heilung von Patienten relevant. Doch auch in der modernen

Vermarktung sind die Erkenntnisse über die Funktions- und Arbeitsweise unseres Gehirns von

enormer Bedeutung und eröffnen neue Wege des Vertriebs.

Neuromarketing beschäftigt sich damit, wie Kauf-

und Wahlentscheidungen im menschlichen Gehirn

ablaufen, und versucht den Kaufprozess von

„„

Menschen positiv zu beeinflussen.

Es ist zwingend erforderlich,

keine Verkäufer mehr

auszubilden, sondern echte

Kaufanreger.

Der Verkaufsprozess muss

auf den Prüfstand

Bei Anbietern wie beispielsweise Amazon oder

Ebay gibt es keine Verkäufer mehr, sondern nur

noch Anbieter. Dort werden mittlerweile Milliarden

von Dollar und Euro umgesetzt. Die Frage ist,

was ist hier in den letzten Jahren passiert? Men-

schen, die kaufen wollen, tummeln sich oft am

Tag (und in der Nacht) im Netz und werden selbst

aktiv. Eine beachtliche Massenbewegung. Die

Welt hat sich unfassbar im Vertrieb von Waren

und Dienstleistungen gewandelt, und im Alltag

treffen wir immer noch auf Verkäufer, die uns etwas

verkaufen wollen. Wie fühlt sich ein Mensch,

wenn er bemerkt, dass ihm etwas verkauft werden

soll? Meist nicht wirklich so gut.

Deshalb ist es umso wichtiger zu erfahren, weshalb

Menschen kaufen und eine Wahlentscheidung

treffen, also selbst aktiv werden oder eben

auch nicht. Durch die rasante Entwicklung der

letzten Jahre in den Neurowissenschaften ist klar

geworden: Menschen müssen menschlich aktiviert

werden. Der klassische Verkauf hat ausgedient.

Es geht um veränderte Kundenansprachen, Aktivierungsfragen

und eine Sichtweise, die nur einen

Weg kennt: Weg vom Verkauf, hin zur Kaufanregung.

Intrinsische Motivation ist das Stichwort.

Foto: © nd3000 von www.istockphoto.com

2|19 DER Mittelstand. | Service


81

Kaufanreger stoßen Kaufprozesse an

Entscheidend sind also die Präferenzen des Hirnbesitzers,

und die werden wiederum – auch das

ist eine Erkenntnis der Hirnforschung – im limbischen

System verhandelt. Dort wird das Gütesiegel

„wertig“ vergeben, dort wird die Wahlentscheidung

eines Menschen zu einer beglückenden

oder weniger beglückenden Erfahrung. Letztlich

kaufen Menschen Werte. Deshalb ist es zwingend

erforderlich, keine Verkäufer mehr auszubilden,

sondern echte Kaufanreger. Erst wenn der

moderne Vermarkter weiß und begreift, wie man

Menschen zu einer Wahlentscheidung führen

kann, dann wird er zu einem Kaufanreger. Durch

die Aktivierung von Menschen mit der Methodik

der Beeinflussung ist es möglich, Kaufprozesse

anzustoßen und dafür zu sorgen, dass ein Mensch

kauft – weil er kaufen will.

ermuntern. Sie dient der zwischenmenschlichen

Kommunikation, die auf die bewusste Aktivierung

des Kommunikationspartners mit Hilfe von

Beeinflussung zielt und damit der Kaufprozess

eines Menschen zu einem positiven und nachhaltigem

Erlebnis wird. Treffen Menschen Entscheidungen,

die sie betreffen? Natürlich, es muss ihnen

nur bewusst werden.

Werden Menschen dazu aktiviert, Entscheidungen

zu treffen, die einen selbst oder das Unternehmen

betreffen, dann werden genau diese

Menschen es auch tun. Mit den entwickelten

Aktivierungsfragen kann genau dies erreicht werden.

Sie werden zu einem Kaufanreger und hören

auf zu verkaufen.


Kaufen zum positiven

Erlebnis machen

Das Besondere daran ist, dass der Mensch es

selbst will und nicht manipuliert, sondern aktiviert

wird. Diesen Moment der Entscheidungsfindung

nennt man Momentum. Das ist der

Moment, in dem ein Mensch seine Wahlentscheidung

trifft. Dazu wurde eine neue Kommunikationsform

entwickelt: die „Excitare Kommunikation

® “. Excitare kommt aus dem Lateinischen und

bedeutet aufwecken, anregen, aufschrecken,

Gut zu wissen:

• Neuromarketing setzt sich mit dem

Zustandekommen von Kauf- und

Wahlentscheidungen auseinander

• Im heutigen Vertrieb gilt: Weg vom Verkauf,

hin zur Kaufanregung

• Nur durch die Aktivierung von Menschen,

können Kaufprozesse angestoßen werden

Karsten Brocke –

Der Kaufanreger ®

Mitglied der Akademie für

neurowissenschaftliches

Bildungsmanagement,

Innovationspreisträger

www.der-kaufanreger.de

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2|19 DER Mittelstand. | Service


82

Kundenbewertungen

sinnvoll nutzen

Wer sich heute informieren möchte, klickt sich durchs Netz. Natürlich spielen persönliche

Empfehlungen immer eine Rolle, allerdings: Neun von zehn Verbrauchern überprüfen diese

Aussagen noch einmal online. Warum ist das so?

Jedermann sucht Entscheidungshilfen, denn wohl

niemand möchte die sprichwörtliche Katze im Sack

kaufen. Hieran anknüpfend ergibt sich für Unternehmen

die Chance, ihre wertvollste Ressource zu

nutzen – ihre Kunden. Diese sind Fürsprecher und

Unterstützer, weil sie an die Dienstleistung oder

das Produkt des jeweiligen Unternehmens glauben.

So lässt sich das eigene Geschäft mit Kundenbewertungen

erfolgreicher machen.

„„

85 Prozent der Verbraucher

Remo Fyda

CEO Proven Expert

BVMW-Mitglied

www.provenexpert.com

vertrauen Online-Bewertungen

genauso wie persönlichen

Empfehlungen.

Alles eine Frage der Sichtbarkeit

Gut 86 Prozent der Verbraucher recherchieren

online, wenn sie ein lokales Unternehmen suchen.

Dabei sind Kundenbewertungen das authentische

und damit glaubwürdige Aushängeschild des

Unternehmens. Mit einem Bewertungs-Siegel,

das alle Bewertungen bündelt, geben Betriebe

potenziellen Kunden genau die Orientierung, die

sie suchen. Übrigens: 85 Prozent der Verbraucher

vertrauen Online-Bewertungen genauso wie persönlichen

Empfehlungen.

Aktivität bringt Attraktivität

Die Online-Reputation des Unternehmens bringt

mehr Kunden oder eben auch nicht. Der größte

Antrieb für eine Bewertung ist leider häufig Unzufriedenheit.

Den Meinungen im Internet ist

man allerdings nicht hilflos ausgeliefert. Unternehmen

sollten aktiv werden, denn sie haben

ganz sicher zahlreiche zufriedene Kunden, die

um eine Bewertung gebeten werden können. Das

BVMW-Mitglied ProvenExpert hat beispielsweise

maßgeschneiderte Umfragevorlagen für

37 Branchen. Zwei Punkte sind essentiell für eine

effektive Bewertungsumfrage: Einfachheit und

Schnelligkeit. Denn tatsächlich hängt der Anteil

der Antworten nachweislich von der Aktivität des

Unternehmens ab.

Besonders nachhaltig ist das erhaltene Feedback

natürlich dann, wenn sich letztlich auch damit

auseinander gesetzt wird. Rückmeldungen

sollten reflektiert und auf das Lob glücklicher

Kunden reagiert werden. Kritisches Feedback

ist tatsächlich ein Schaf im Wolfspelz. Denn unzufriedene

Kunden können Sie begeistern, indem

Sie schnelle und konstruktive Lösungsvorschläge

bieten. So machen Sie kritische Kunden zu Ihren

Fans. Wichtig hierbei ist, immer professionell und

rational zu bleiben. Indem auf kritische Kunden

eingegangen wird, kann der Blick auf das eigene

Angebot geschärft werden – potenzielle Kunden

erfahren so mehr über die Dienstleistung oder

das Produkt. Gelesen werden kritische Beiträge

übrigens meist zuerst und bis zu dreimal mehr

als positive.


Gut zu wissen:

• Gut 86 Prozent der Verbraucher

recherchieren online, wenn sie ein lokales

Unternehmen suchen

• Kundenbewertungen sind dabei das

authentische Aushängeschild des

Unternehmens

• Die Online-Reputation des Unternehmens

kann mehr, aber auch weniger Kunden

bringen

2|19 DER Mittelstand. | Service


13 MIO.

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Heft 08/2018

*Alle Werte: Telekom 2018


84

Man lernt nie aus –

der BVMW hilft

Führungskräfte im Mittelstand haben einen langen Bildungsweg

hinter sich – Schulabschluss, dann ein mehrjähriges

Studium oder eine anspruchsvolle Berufsausbildung. Doch

mit dem formalen Abschluss endet der Bildungsprozess für

Führungskräfte nicht. Denn nur mit stets aktuellem Wissen

gelingt es ihnen, das eigene Unternehmen erfolgreich im

Wettbewerb zu behaupten. Der BVMW bietet eine einzigartige

Plattform für Weiterbildung.

Gut ausgebildete Mitarbeiter sind für mittelständische

Betriebe das kostbarste Gut. Und nicht selten

fördern Unternehmen ihre Angestellten mit

Seminaren, Kursen, Fort- und Weiterbildungen.

Eine wichtige Investition, die in Zeiten zunehmender

Herausforderungen auf den internationalen

Märkten durch Konflikte und sich zuspitzende

Handelskriege unerlässlich geworden ist. Insbesondere

kleine und mittlere Betriebe nehmen mit

durchschnittlich 1.167 Euro pro Mitarbeiter und

Jahr viel Geld für Weiterbildungsmaßnahmen in

„„

die Hand.

Der BVMW f ördert Bildungsmaßnahmen

aktiv durch eine

Reihe von Maßnahmen.

Auch die Führungskräfte selbst sind gefragt, ihr

Wissen up to date zu halten. Doch die Praxis zeigt,

dass Aus- und Weiterbildungsmaßnahmen für

Geschäftsführer, Abteilungsleiter und Co. oft zu

kurz kommen. Oft genug wird die Notwendigkeit

der Bildungsmaßnahmen infrage gestellt – sei es,

weil sich auf vergangene unternehmerische Erfolge

berufen wird oder der Anschein der umfassenden

Kompetenz des Managers in allen Bereichen

gewahrt werden soll. Ein Fehler, denn Weiterbildungen

für leitende Mitarbeiter können die persönlichen

Führungskompetenzen erweitern und

tiefergehendes Wissen zu spezifischen, für das

eigene Geschäft relevanten Themen vermitteln.

Die individuellen Potenziale, die ein Unternehmen

stark machen, bleiben nicht ungenutzt.

Weiterbildung – eine Notwendigkeit

Dass weiterbildende Maßnahmen für Führungskräfte

nicht nur eine nette Option, sondern vielmehr

eine absolute Notwendigkeit sind, zeigt sich

bei der digitalen Transformation, die insbesondere

die kleinen und mittleren Unternehmen zu spüren

bekommen. Viele Arbeitsprozesse, Berufsbilder

und alltägliche Abläufe wandeln sich durch

die Digitalisierung fundamental. Ein Geschäftsführer,

der meint, das Geschäft ließe sich ohne

jegliche Anpassung an die veränderten Arbeitsbedingungen

führen, irrt. Zielgerichtete Seminare

können den Unternehmenslenkern hier entscheidende

Wissensimpulse liefern, mit deren Hilfe es

gelingen kann, auf dem sich rapide verändernden

Markt wettbewerbsfähig zu bleiben.

Wenngleich das durch Fortbildungen angeeignete

zeitgemäße Wissen kein Garantieschein

gegen Fehlentscheidungen ist, so minimiert es

doch die Gefahr, dem Unternehmen Schaden

durch eine nicht geschlossene Wissenslücke zuzufügen.

Insbesondere in Positionen, in denen

man durch seine strategischen Entscheidungen

2|19 DER Mittelstand. | Service


85

Einfluss auf die Gesamtausrichtung und damit

den Erfolg des Unternehmens hat, ist dies von

elementarer Bedeutung.

Zahlreiche Fortbildungsmöglichkeiten

Sind Entscheider bereit, das Engagement für die

eigene Weiterbildung aufzubringen, eröffnen

sich verschiedene Wege. Die Nutzung entsprechender

Fortbildungs-Apps ist dabei nur eine von

vielen zeitgemäßen Möglichkeiten, neues Wissen

zu generieren.

Wirtschaft St. Petersburg (UNECON) ein internationales

Studien- und Austauschprogramm zur

Förderung mittelständischer Führungskräfte ins

Leben gerufen.

Mit über 2.000 Veranstaltungen jährlich bietet

der BVMW seinen Mitgliedern bundesweit eine

einzigartige Plattform, um neue Impulse zu erhalten.

Praxisnah und immer topaktuell erhalten

Mittelständler hier auch maßgeschneiderte

Weiterbildung als einen echten Mehrwert für das

eigene Unternehmen.


Foto: © Robert Kneschke von www.fotolia.com

Der BVMW fördert Bildungsmaßnahmen aktiv

durch eine Reihe von Maßnahmen. So stellt der

Verband seinen Mitgliedern Gutscheine zur Verfügung,

die es Unternehmern ermöglichen, kostenfrei

am Lehrgang zur Ausbildereignung teilzunehmen.

Das Ziel ist, den Anteil der ausbildenden

Betriebe in Deutschland zu erhöhen und so den

Fachkräftenachwuchs zu sichern.

Zudem hat unser Verband im vergangenen Jahr

in Kooperation mit der Staatlichen Universität für

Gut zu wissen:

• Zu den Veranstaltungen

des BVMW

https://bvmw.info/events

• Zum Gutschein

„Ausbildung der Ausbilder“

https://bvmw.info/ada

Prof. Dr. h.c. Markus Jerger

BVMW-Bundesgeschäftsführer

mittelstand@bvmw.de

2|19 DER Mittelstand. | Service


86

Die Unternehmensnachfolge

diskret digital regeln

Viele mittelständische Betriebe tun sich schwer damit, einen passenden Nachfolger für das eigene

Unternehmen zu finden. Das BVMW-Mitglied Companylinks will dieses Problem nun mit Hilfe einer

neuen diskreten Matching-Datenbank ändern.

Die Nachfolge planen und umsetzen ist eine der

größten Herausforderungen für den deutschen

Mittelstand. Neben der Sicherung von Werten

geht es dabei auch um die Würdigung des persönlichen

Lebenswerks. Unzählige Stunden und auch

„„

familiäre Opfer stecken im Unternehmen.

Die Weitergabe des Unternehmens

innerhalb der Familie

gelingt immer seltener.

Der Druck von außen wächst: Die geregelte

Nachfolge ist zum Gütekriterium für eine verantwortungsvolle

Unternehmensführung geworden,

unter anderem bei Kreditverhandlungen. Denn

wenn Kapital in die Zukunft eines Unternehmens

gesteckt werden soll, brauchen auch Geldgeber

eine sichere Perspektive.

Die Weitergabe des Unternehmens innerhalb der

Familie, meist die angestrebte Form der Nachfolge,

gelingt dabei immer seltener. Nur in jeder

neunten Familie ist diese langfristig gesetzt, in

mehr als 50 Prozent aller Fälle kommt es schlussendlich

nicht dazu. Die Gründe sind vielfältig und

reichen von mangelndem unternehmerischen Interesse

der jüngeren Generation bis zu fehlender

Eignung.

Einen externen Nachfolger oder einen Investor

mit entsprechender Kompetenz und wirtschaftlicher

Kraft zu finden ist, ebenfalls nicht einfach.

Zur Suche eignen sich selten Bekanntenkreis und

lokale Netzwerke. Außerdem braucht man bei einem

so sensiblen Thema kein Gerede im privaten

wie unternehmerischen Umfeld.

Die Dimension

In den nächsten zehn Jahren wird sich rund ein

Viertel des heutigen Unternehmensbestandes

mit dem Thema Nachfolge beschäftigen. Was es

für die regionalen Arbeitsmärkte und das Steueraufkommen

bedeuten würde, wenn viele dieser

Nachfolgeregelungen nicht erfolgreich gelingen,

ist offensichtlich. Die KfW geht in ihrem Mittelstandsmonitor

2017 davon aus, dass jedes siebte

Unternehmen keinen Nachfolger findet und dadurch

untergehen könnte. Betroffen wären somit

tausende Unternehmen sowie eine große Anzahl

an Arbeitsplätzen. Gleichzeitig finden viele potenzielle

Investoren kein passendes Unternehmen.

Qualifizierte Berater oder die einschlägigen Informationsstellen

stehen dem Unternehmer mit Rat

und Tat zur Seite. Der BVMW hat einen Expertenkreis

Nachfolge ins Leben gerufen. Dieses Gremium

wird Mittelständler künftig bei Fragen rund

um die Unternehmensnachfolge unterstützen.

Foto: © annebaek von www.istockphoto.com

2|19 DER Mittelstand. | Service


87

Tatsache bleibt aber: Fast die Hälfte der Nachfolge-suchenden

Unternehmen finden zunächst einmal

keinen passenden Investor.

Partnerbörse für Investoren

und Anbieter?

Es gibt schon länger Angebote von Unternehmensbörsen,

die bislang lediglich bei der Vermittlung

kleinerer Unternehmen helfen. Ernsthafte

Käufer von Unternehmen ab einem Wert von drei

Millionen Euro bedienen sich dieser Angebote,

die meist wie eine Pinnwand funktionieren, kaum.

Und so hat sich bis heute keine Vermittlungsplattform

in der Form etabliert, wie es für Autos,

Reisen, Immobilien oder die Partnervermittlung

längst ganz normal geworden ist.

Unternehmensnachfolge ist im Zeitalter der Digitalisierung

auch eine Frage der Datenbanklösung

in Kombination mit fachlicher Expertise. Hier

setzt das BVMW-Mitglied Companylinks an, das

ein Modell entwickelt hat, bei dem individuell geprüfte

Geschäftspartner durch erfahrene Berater

zusammen gebracht werden.

Das junge Unternehmen verfügt schon kurz

nach dem Start über mehr als 6.000 konkrete

Kaufgesuche. Über einen Vermittlungsprozess

erhalten interessierte Unternehmensverkäufer

oder deren Berater sofort qualifizierte Angaben

zu geeigneten Käufern. Der Mittelständler entscheidet

dann selbst, ob und wen er ansprechen

möchte. Mit Hilfe intelligenter Technologien

wird so ein Beitrag zur Erhaltung von Lebenswerken

geleistet.


Gut zu wissen:

• Viele Mittelständler leiden unter dem

Problem, keinen passenden Nachfolger für

den eigenen Betrieb zu finden

• Zeitgleich finden zahlreiche passende Investoren

kein angemessenes Unternehmen

• Die Plattform von Companylinks bringt

Verkäufer und Käufer zusammen

Matthias Wittenburg

Geschäftsführer

Companylinks GmbH

BVMW-Mitglied

www.companylinks.com

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2|19 DER Mittelstand. | Service


88

Daten auf dem Silbertablett

Im klassischen Telefonbuch findet man immer weniger Kontakte, Grund sind die

Datenschutzrichtlinien. Die US-Giganten hingegen kennen alle deutschen Nummern.

Und kaum keiner hat es gemerkt.

Die Welt der Kommunikation hat sich in den

letzten zehn Jahren grundlegend verändert. Wo

früher telefoniert, also verbal kommuniziert wurde,

werden heute nonverbale Textnachrichten

mit und oft ohne Belang geschrieben, Bilder von

sich selbst, von Freunden oder dem Essen auf

dem Tisch verschickt. WhatsApp als der große

„„

Facebook und Co wird der

komplette Inhalt der eigenen

Verzeichnisse auf dem

Silbertablett serviert.

Messenger-Dienst hat den klassischen Telefongesellschaften

in Sachen Kommunikation längst

den Rang abgelaufen. Die sorgen mit ihren Flats

eigentlich nur noch für die technische Infrastruktur,

den zwingend notwendigen Online-Zugang.

So weit, so gut, könnte man meinen. Neue Entwicklungen

verdrängen nun mal Altgewohntes.

Foto: © hocus-focus von www.istockphoto.com

Mobilnummern und Netzwerke

für US-Konzerne

Was hinter den Kulissen mit den Mobilnummern

passiert, interessiert trotz aller Diskussionen um

den Datenschutz allerdings kaum jemanden. Um

den Messenger-Dienst nutzen zu können, gibt

man in der Regel den kompletten Inhalt des Telefonbuchs

seines Smartphones zur Nutzung durch

WhatsApp und deren Mutter Facebook frei. Mit

Folgen: Da besitzen Konzerne, die sich recht wenig

um das doch so hochgelobte Datenschutz-Niveau

in Europa kümmern, auf einmal mit dem

vollen Einverständnis der Nutzer nicht nur alle

2|19 DER Mittelstand. | Service


Partnerverband der

Mittelstandsallianz

89

Kommunikationsadressen, sondern auch gleich

die dazugehörigen Netzwerke.

Enge Rahmenbedingungen

in Deutschland

Zum Vergleich: In Deutschland haben gerade

mal rund fünf (!) Prozent der Handy-Nutzer zugestimmt,

ihre Nummer in den klassischen Kommunikationsverzeichnissen,

wie beispielsweise

Telefonbuch print oder online, eintragen zu lassen.

Hier sind sie also nicht zu finden, sind in die

anscheinend gewünschte Anonymität abgetaucht.

Gleichzeitig wird Facebook und Co. der komplette

Inhalt der eigenen Verzeichnisse auf dem Silbertablett

serviert. Und dort eingetragene Personen,

die das nicht wollen, haben keine Chance,

etwas dagegen zu tun. Sind eben Telekom und all

die anderen doch selbst schuld, hätten sie doch

auch machen können, könnte man dagegen argumentieren.

Und das hätten sie vermutlich gerne,

wenn da nicht die gesetzlichen Rahmenbedingungen

wären, an die sich deutsche und europäische

Unternehmen nun mal halten müssen, die aus dem

Silicon Valley aber eben nicht.

Hier muss die Politik endlich gleiche Rahmenbedingungen

für alle Unternehmen schaffen, Chancengleichheit

Rhett-Christian Grammatik

Geschäftsführer des Verbands

herstellen und das so oft geforderte

Deutscher Auskunftsund

Verzeichnismedien

„level playing field“ auch tatsächlich zur Verfügung

stellen.


www.vdav.de

Gut zu wissen:

• Sie wollen im Netz gefunden werden? Dann sollten Sie prüfen, ob Sie Ihre

Kommunikationsdaten auch bei Ihrem Carrier/Provider zur Veröffentlichung

freigegeben haben. Dabei ist es kein Unterschied, ob Sie über Festnetz

oder einen mobilen Anschluss verfügen. Ein Eintrag im Telefonbuch

oder den Gelben Seiten erfolgt nicht automatisch.

• Ist es für Sie sinnvoll, über geschlossene und unter Umständen kosten-

pflichtige Netzwerke wie Xing, LinkedIn etc. gefunden zu werden? Wenn

ja, stellen Sie sicher, dass auch dort Ihre Daten aktuell sind.

• Ist sichergestellt, dass Ihre geschäftlichen Kommunikations-Adressen in

allen Portalen und Netzwerken richtig eingetragen sind? Dies ist nachprüfbar

über Listing-Services, wie sie von Yext, Uberall und anderen angeboten

werden. Ihre Daten können Sie beispiels-

weise testen unter:

https://bvmw.info/listings

• Im letzten Jahr recherchierten bereits über 50 Prozent der Nutzer lokale

Geschäftsinformationen mittels Sprachsuche wie Alexa oder Siri. Sind

Sie und Ihr Unternehmen darauf vorbereitet? Wenn nicht, optimieren Sie

Ihren Auftritt. Tipps dazu gibt es unter:

https://bvmw.info/sprachsuche

2|19 DER Mittelstand. | Service


90

Erfolgreiche folgen nicht jedem Trend

Im Interview mit DER Mittelstand. spricht Sabine Dietrich, Geschäftsführerin von Sabine Dietrich & Co.,

über Digitalisierungsprobleme im Mittelstand. Dabei macht das BVMW-Mitglied deutlich, warum es

nicht immer richtig ist, die neuesten Methoden nachzuahmen.

Sabine Dietrich

Geschäftsführerin, Sabine Dietrich & Co.

Jedes Jahr eine neue Sau

Wie Manager den

Methodenwahn durch

Souveränität ersetzen,

Sabine Dietrich,

Verlag Wiley, 19,99 €

DER Mittelstand.: Die ganze

Welt redet über Digitalisierung.

Deutschland scheint im

Schlafwagen unterwegs zu

sein. Wo hakt es bei uns?

Marktposition ausgebaut haben.

Sabine Dietrich: Vorab, viele

Unternehmen haben in den

letzten Jahren eine Menge

bewegt. Wir erleben hervorragend

funktionierende Organisationen,

die neue Vertriebskanäle

erschlossen, innovative

Produkte entwickelt und ihre

Nichtsdestotrotz sind Mittelständler häufig verunsichert.

In der Folge wird Digitalisierung zu oft

auf Technik reduziert. Oder Entscheider greifen

zu Lösungen, die gerade im Markt gehypt werden.

Diese werden der Organisation übergestülpt

oder sind für die spezifischen Herausforderungen

unpassend. So werden Unsummen verbrannt und

Mitarbeiter demotiviert.

Was muss sich ändern, damit wir wieder im Rennen

um die Poleposition vorn liegen?

Gerade Mittelständler müssen ihre Chancen

besser nutzen und selbstbewusster und direkter

agieren. Dabei muss niemand die neuesten Methoden

nachahmen oder angesagte Arbeitsumgebungen

schaffen. Erfolgreiche Veränderung ist

individuell und fokussiert Unternehmen, deren

Herausforderungen und Kultur.

Im Fokus stehen die Menschen und deren Einstellung.

Hier ist Bereitschaft zur Veränderung zu

schaffen, und notwendige Kompetenzen sind auf

allen Ebenen aufzubauen.

Wie sehen Sie die Betriebe aufgestellt? „Made in

Germany“ ist schließlich immer noch ein Gütesiegel.

Die Bedeutung der Digitalen Transformation ist

mittlerweile überall angekommen. Allerdings beobachte

ich eine massive Verunsicherung, die sich

als Aktionismus oder Verzetteln in nicht nachhaltige

Aktivitäten darstellt. Gerade limitierte

Ressourcen erfordern jedoch eine noch stärkere

Fokussierung. Die Flexibilität des Mittelstands,

seine große Stärke, bleibt so vielfach ungenutzt.

Zudem gibt es Nachholbedarf in Sachen Transformationskompetenz.

Wie können unsere Mittelständler zu Gewinnern

der Digitalisierung werden?

Im Kampf um die besten Köpfe am Markt und die

Poleposition rate ich jedem Mittelständler, keine

Zeit zu versäumen, sich aber auch nicht ins Bockshorn

jagen zu lassen und unreflektiert einem gerade

gehypten Trend hinterherzulaufen. Es gilt

vielmehr, einen Fokus zu setzen, Kompetenzen

aufzubauen und die Veränderung konsequent voranzutreiben.

Erfolgsfaktor ist, Neues kritisch zu hinterfragen –

auf Sinnhaftigkeit, Passgenauigkeit zum Unternehmen

und seiner Kultur.

Und: Binden Sie frühzeitig und konsequent alle Mitarbeiter,

beginnend mit den Führungskräften, ein.

Das Interview führte Thomas Kolbe, BVMW Pressesprecher

Nordrhein-Westfalen.


Gut zu wissen:

Sabine Dietrich entwickelt Lösungen rund um

Projekte, Projektlandschaften sowie Führung in

der sich verändernden Arbeitswelt. Als Sparringspartnerin

und Business Coach begleitet sie

Entscheider und berät Unternehmen.

www.sabine-dietrich.com

2|19 DER Mittelstand. | Service


Werkstätten sind zertifziert nach ISO 9001:2015

Foto: Sandra Schuck

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Menschen unterstützen Werkstätten schon

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92

So sichern Sie ihre

Wettbewerbsfähigkeit

Jeder redet über Nachhaltigkeit, aber worum geht es dabei eigentlich? Was können Sie als

Unternehmer tun? Wo sollen Sie anfangen?

Kjell Schneider

BVMW Projektreferent

kjell.schneider@bvmw.de

Mit dem Förderprojekt der Deutschen Bundesstiftung

Umwelt (DBU) „Der Mittelstand.Ressource

– Nachhaltigkeitsbenchmarking für mittelständische

Unternehmen“ unterstützen wir

Sie dabei, ökonomische, ökologische und soziale

Ziele in Einklang zu bringen und so langfristig die

Wettbewerbsfähigkeit Ihres Unternehmens zu

sichern. Das Projekt wurde im Januar 2019 gestartet

und hat eine Laufzeit von zwei Jahren. Die

Teilnahme ist für Unternehmen kostenlos.

Konkrete Handlungsempfehlungen

Ökonomische Ziele mit ökologischen und sozialen

Aspekten in Einklang zu bringen, stellt für Unternehmen

oftmals eine Herausforderung dar. Meistens

auch deshalb, weil es für kleine und mittlere

Unternehmen bislang noch keine Unterstützungsmöglichkeiten

gibt. Mit dem Projekt unterstützen

wir Sie dabei, diese Herausforderung zu meistern

Gut zu wissen:

und so langfristig die Wettbewerbsfähigkeit Ihres

Unternehmens zu sichern. Ziel ist der Aufbau

einer Kennzahlenbasis (Benchmarking) im Mittelstand,

die es Ihnen ermöglicht, genau zu sehen,

wo Ihre Stärken und Schwächen liegen. So können

Sie gezielt Maßnahmen ergreifen und umsetzen.

Ein weiterer Vorteil: Die Analyse Ihrer Stärken

und Schwächen erfolgt branchenspezifisch.

Anwendung innovativer Methoden

Sie möchten mitmachen? Dann füllen Sie einfach das Interessenformular auf

mittelstand-nachhaltig.de aus und senden es an: nachhaltigkeit@bvmw.de

Für weitere Rückfragen stehen wir Ihnen gerne zur Verfügung.

Ansprechpartner: Kjell Schneider • Tel.: 030 / 53 32 06-59

Benchmarking findet bislang überwiegend nur

in speziellen Branchen bei größeren Unternehmen

Anwendung. Gemeinsam mit unserem wissenschaftlichen

Partner bauen wir eine Kennzahlenbasis

speziell für den Mittelstand auf und

werten Ihre Daten aus. Sie erhalten eine individuelle

Leistungsbewertung entlang der Balanced-Scorecard

sowie einen ausführlichen Auswertungsbericht.


Foto: © cyano66 von www.istockphoto.com

2|19 DER Mittelstand. | Service


93

Kleine Helfer

Abgefahren:

Schreibtischstuhl mit

Fahrrad-Ergometer

Agile Boards zum

schnellen Brainstormen

Agile Arbeitsweisen und neue Methoden erfordern innovative

Lösungen. Hierfür bietet SIGEL mit Meet up ein progressives

Konzept: ein Board-Komplettsystem für inspiriertes und kreatives

Arbeiten. Perfekt für spontane Besprechungen, unkomplizierte

Teamarbeit und Freude am Erfolg. Denn diese

Lösung ermöglicht schnelle Meetings auch ohne festen

Besprechungsraum – jederzeit und überall.

www.sigel-office.com

FitSeat spart Zeit und fördert

die Gesundheit. Die komfortable

Mischung aus Fahrrad-Ergometer

und Bürostuhl

macht aus passiver Sitzzeit

aktive Bewegungszeit. Bereits

15 Minuten „pedalieren“ mit

dem FitSeat sollen zu einer

spürbaren Steigerung des

Wohlbefindens von zwei bis

drei Stunden führen. Der höhenverstellbare Fahrradstuhl

aus Holz steht sicher auf einem breiten Fuß

und kann bei Bedarf an jeden gewünschten

Platz gerollt werden.

www.fitseat.de

Soundtracks für mehr

Produktivität

Prima Klima:

Echte Pflanzenbilder

beleben Büros

Foto: © Allexxandar von www.istockphoto.com

Mit Musik geht vieles

besser – sogar das

Denken! Neurowissenschaftler

haben nachgewiesen,

dass der

richtige Sound sowohl

die Konzentration fördert

als auch die Kreativität.

Die passenden

Töne liefert die Musiksoftware

Focus@will mit eigenen Musikstücken, die nach neurowissenschaftlichen

Erkenntnissen erstellt wurden. Abgestimmt

auf Geschmack und Aufgabe, stehen verschiedene Musikstile in

über 25 Kanälen zur Verfügung. Zum Testen sind

die ersten zwei Wochen kostenlos, danach werden

9.95 US-Dollar pro Monat berechnet.

www.focusatwill.com

Grüner wird’s nicht:

Mit den LivePictures

kommen jetzt echte

Pflanzen an die Wand.

Das sieht nicht nur

schön aus, es hat auch

einen positiven Effekt

auf das Raumklima

und die Akustik. Das

patentierte System ist

in fünf verschiedenen

Größen lieferbar, bestückt mit Pflanzen nach Wahl. Durch

das in den Rahmen integrierte Bewässerungssystem

werden die Pflanzen vier bis sechs

Wochen mit Wasser und Dünger versorgt.

www.mobilane.com

2|19 DER Mittelstand. | Service


94

Fuhrpark 2019:

im Diesel- und Abgas-Chaos

Die deutsche Autoindustrie und die Importeure hatten 2018 trotz Diesel- und Abgas-Krise keinen

Grund zur Klage. Von 3,44 Millionen Neuzulassungen landeten knapp zwei Drittel bei Unternehmen.

Der „relevante Flottenmarkt“ erzielte immer noch eines der besten Resultate seit Beginn der Erhebung

im Jahr 2001.

Gut zwei Drittel der 2,2 Millionen Automobile tun

ihren Dienst in Fuhrparks von mittelständischen

Unternehmen, das restliche Drittel nutzen Konzerne

und Freiberufler und Selbstständige.

Bis Ende 2017 waren drei Viertel der Firmenwagen

Diesel, 2018 nur noch 60 Prozent. Hinter dem

aktuell viel beschworenen „sauberen Diesel“ stehen

aber trotz 6d-TEMP viele Fragezeichen. Denn

auch die neueste Abgasnorm schützt nicht vor

neuen Problemen. Darauf müssen sich die Fuhrparkchefs

bei der Ersatz- bzw. Neubeschaffung

einstellen.

Verschärfte der Grenzwerte

Brüssel senkt die Höchstwerte für Feinstaub,

Stickoxide und Kohlendioxid weiter. Stichtag ist

der 1. September 2019. Zwar sind E-Autos in der

Leistungsentfaltung, im Drehmomentverhalten,

in der Emissionsbilanz und von der Einfachheit

des Fahrens jedem Verbrenner weit überlegen.

Die Batterie ist der effizienteste Antrieb, aber die

Angst, nicht anzukommen, fährt auch heute noch

bei Dienstwagennutzern mit. Allerdings hat sich

in Sachen Komfort, Reichweite und Alltagstauglichkeit

viel getan. Nach Expertenmeinung wird

sich die Elektromobilität in den kommenden zehn

Jahren durchsetzen.

Mild-Hybride

Aktuell kommen zahlreiche Mild-Hybride auf den

Markt. Dank der Mild-Hybrid-Technologie sind die

Antriebe besonders effizient. Das 48-Volt-Hauptbordnetz

bindet zwei wichtige Technikbausteine

ein: eine Lithium-Ionen-Batterie und einen Riemen-Starter-Generator.

In fast jedem Modell, das

2019 neu auf den Markt kommt, wird eine kleine

Elektrifizierung verbaut sein. Das kann beispielsweise

eine elektrische Motorunterstützung sein,

ohne dass das Fahrzeug dadurch im Elektromodus

fährt. Diese Teil-Elektrifizierung ist im Hinblick

auf die CO 2

-Ziele relevant. Reine Elektroautos

und Plug-in-Hybride werden den Diesel in

Firmenfuhrparks 2019 noch nicht verdrängen.

Aber: „Für kurze und mittlere Strecken sehen

wir ein großes Potenzial für E-Autos, da sich das

Problem mangelnder Reichweite und Ladeinfrastruktur

für viele Autofahrer nicht stellt. Denn

die E-Autos können zu Hause geladen werden“,

erklärt Dr. Jörg Rheinländer, Vorstandsmitglied

Foto: © nrqemi von www.istockphoto.com

2|19 DER Mittelstand. | Service


95

der HUK-COBURG. Das angekündigte Model 3

von Tesla könnte bei einem Preis von rund 50.000

Euro netto ein Türöffner sein, weil er die benötigte

Reichweite mitbringt.

Anreize zur Anschaffung

von E-Fahrzeugen

Der geldwerte Vorteil der privaten Nutzung eines

Dienstwagens wurde bisher pauschal mit 1 Prozent

des Bruttolistenpreises pro Monat besteuert,

für E-Fahrzeuge und Plug-in-Hybride ist der

Satz jetzt auf 0,5 Prozent gesenkt – das ist ein

Steuersparmodell und ein Anreiz.

Fuhrparkleiter müssen Aufladung und Abrechnung

von E-Fahrzeugen organisieren, zum Beispiel

mit Hilfe von Fuel & Charge Cards. Dazu gehört

die Installation von Ladestationen im Betrieb oder

die Anschaffung von mobilen Schnellladesäulen,

die unabhängig vom Stromnetz überall aufgestellt

werden können, wo Bedarf ist. VW baut ihre flexible

Ladesäule ab 2020 in Serie, sie hat eine Kapazität

von 360 kWh und ermöglicht im autarken

Betrieb das Laden von bis zu 15 E-Fahrzeugen in

durchschnittlich nur noch 17 Minuten.

Derzeit favorisieren Dienstwagenberechtigte

noch PS-starke Fahrzeuge, vor allem SUVs, die

mehr und mehr durch die Car Policies erlaubt

sind. Steigende Kraftstoffkosten und Dienstwagenüberlassungsverträge,

die Sprit für Privat- und

Urlaubsfahrten nicht mehr übernehmen und Boni

für E-Fahrzeuge anbieten, könnten das ändern.

Fuhrparkkosten senken

Laut einer Befragung deutscher Firmen ist Corporate

Carsharing bisher mit einer Nutzung von

unter 4 Prozent nicht weit verbreitet. Immerhin

können sich aber 44 Prozent der Unternehmen

vorstellen, dieses Mobilitätskonzept in Zukunft

zu nutzen. Volvo bietet ein Abo-Modell an, das

auch für KMU interessant sein kann: „Care by

Volvo“. Eines oder mehrere neue Fahrzeuge werden

zum „All-Inclusive“-Festpreis (1,2 Prozent des

Kaufpreises monatlich) ohne Anzahlung abonniert.

Die fixe Monatsrate deckt bis auf den Treibstoff

alle Kosten ab, inklusive Pannenhilfe.

„„

Nach Expertenmeinung wird

sich die Elektromobilität in

den kommenden zehn Jahren

durchsetzen.

Auch Digitalisierung kann Fuhrpark-Kosten senken.

Beispiele sind elektronische Fahrtenbücher

mittels Apps, die rechtssichere und automatische

Dokumentation von Fahrten und GPS-Live-Ortung

mit Routenverfolgung ermöglichen, die automatisierte

Führerscheinkontrolle, die einfache Buchung

von Poolfahrzeugen, die digitale Fahrzeugakte, das

elektronische Kostenmanagement, Reportings

oder auch das Thema Tanken und Laden. •

Gut zu wissen:

Wichtige Regeln für die Car-Policy 2019

• Geltungsbereich: Die Car-Policy steuert

Fahrzeugauswahl und -vergabe. Wichtig ist,

detailliert abzugrenzen, was in der Car-Policy

und was im individuellen Überlassungsvertrag

geregelt sein soll. Vor allem ist auch

festzulegen, ob der Wagen privat genutzt

werden darf, und von wem, ob und in welchem

Umfang die Treibstoffkosten von der Firma

erstattet werden.

• Rückgabe: Ein ganz heißes Eisen. Deswegen

sollten im Dienstwagenüberlassungs- und im

Arbeitsvertrag zusammen mit einem Anwalt

und Steuerberater alle Details festgelegt

werden, vor allem wie in Fällen der Rückgabe

(nach Kündigung oder anderweitigem

Ausscheiden) verfahren wird.

• Haftung: Beschädigt der Mitarbeiter den

Firmenwagen im Dienst, haftet er für die

Folgen, wenn er vorsätzlich oder grob fahrlässig

gehandelt hat – bis zu einer bestimmten

Grenze. Unbedingt eine Selbstbeteiligung des

Dienstwagennutzers vorsehen.

• Steuern: In die Car-Policy gehört ein Hinweis,

dass Dienstwagen als geldwerter Vorteil zu

versteuern sind. Ob pauschal per

1 Prozent-Regel (oder 0,5 Prozent-Regel

bei E-Fahrzeugen) oder per Fahrtenbuch,

regelt der Überlassungsvertrag.

Gernot Zielonka

Herausgeber DMM

Der Mobilitätsmanager

www.dmm.travel

2|19 DER Mittelstand. | Service


96

Compliance im Einkauf

Ein wirksames Compliance-Management-System hat sich

mittlerweile auch für mittelständische Unternehmen als unerlässlich

herausgestellt. Es soll regelkonformes Verhalten sicherstellen.

Anfällig für Verstöße ist besonders der Einkauf.

Anforderungen von Rechtsprechung und Gesetz

steigen stetig. Zudem ist anerkannt, dass funktionierende

Compliance-Systeme die Haftungsrisiken

für Unternehmen und Führungskräfte

deutlich reduzieren können. Grundlage jeder

Einführung eines Compliance-Management-Systems

ist eine umfassende Risikoanalyse, um die

„gefährdeten Punkte“ eines Unternehmens herauszufinden,

bestehende Gegenmaßnahmen

„„

Compliance-Maßnahmen

zu bewerten und den Handlungsbedarf zu definieren.

Hier können, je nach Unternehmen, ganz

unterschiedliche Maßnahmen abzuleiten sein.

müssen in die Einkaufsprozesse

integriert werden.

Ein häufig sensibler Unternehmensbereich ist in

diesem Zusammenhang regelmäßig der Einkauf.

Dieser kommt naturgemäß mit Lieferanten, aber

auch mit internen Fachabteilungen in Berührung

und fungiert dabei gleichsam als eine Art Schnittstelle

innerhalb eines Compliance-Management-Systems.

tungen beauftragt und abgerechnet, die gar nicht

erbracht werden. Dies schädigt nicht nur das

eigene Unternehmen, sondern häufig auch Lieferanten

sowie den freien Wettbewerb. Solche

Handlungen ziehen häufig strafrechtliche Konsequenzen

nach sich.

Den vorgenannten Risiken lässt sich nach vorheriger

Analyse und Beratung durch wirksame

Compliance-Maßnahmen entgegentreten. Diese

müssen Schritt für Schritt in die Einkaufsprozesse

integriert werden. Dazu können Unterschriftenregelungen,

Mehraugenprinzipien sowie die Einrichtung

von Anlaufstellen für die Mitteilung von

Unregelmäßigkeiten zählen.

Essenziell für jede Art der Einführung von Compliance-Management-Systemen

ist die regelmäßige

Kontrolle der Wirksamkeit der eingeführten

Maßnahmen sowie eine entsprechende Schulung

der Angestellten.


Prof. Dr. Benjamin Weiler

Rechtsanwalt

BVMW

Rechtshotline

Von Scheinverträgen bis zu

Kartellrechtsverstößen

Häufige Compliance-Risiken im Bereich Einkauf

liegen in der Produkthaftung, der Bestechung bei

Auftragsvergaben, bei wettbewerbsbeschränkenden

Maßnahmen, bei Ausschreibungen und

im Vergaberecht. Sensibel sind auch der Einsatz

von Fremdressourcen über Dienst- und Werkverträge.

Ebenso müssen Gesetzes- und Regelverstöße

durch Dritte, etwa Lieferanten, berücksichtigt

werden.

Beispielhaft sind Scheinverträge. In diesen Fällen

werden häufig Dienstleistungen wie etwa Bera-

Gut zu wissen:

• Regelwidriges Verhalten im Unternehmen

kann teuer werden

• Ein wirksames Compliance-Management ist

daher unerlässlich

• Die meisten Verstöße geschehen im Einkauf

Die BVMW-Rechtshotline

erreichen Sie:

Mo bis Fr 10.00 – 17.00 Uhr

Tel.: 030 / 53 32 06-963 | Fax: 030 / 53 32 06-50

rechtshotline@bvmw.de

Foto o.: © AllebaziB – www.fotolia.com

2|19 DER Mittelstand. | Service


97

„Über Ihr Geld“

Finanztipp

Anlagephänomene zum

Jahreswechsel

Foto: © photocrew – www.fotolia.com

Niemand kann die Kursentwicklung von Einzelaktien

oder Indizes bestimmen. So habe ich nirgendwo

zwölf Monate zuvor gelesen, dass der DAX

2018 um rund 20 Prozent einbrechen werde.

Und dennoch gibt es Phänomene wie den „Jahresendeffekt“.

In den letzten Wochen des Jahres

steigen meist die Kurse der großen Standardwerte.

Warum? Wenn eine Aktie schon

vorher gut gelaufen ist, werden diese Aktien

vor dem Jahresende noch gekauft oder zugekauft.

Für die bankeigenen Fonds. Genau diese

Dezember-Käufe für das Window Dressing

lassen die Kurse zum Jahresende steigen. Dann

können die „Anlageberater“ dem gläubigen Publikum

zeigen, welche Aktien im letzten Jahr

am besten performed haben. Und, welch Wunder,

alle diese Werte befinden sich im jeweils

empfohlenen Fonds. Alles dient dem Ziel, dem

unaufgeklärten Anleger teure Bankfonds anzudrehen,

die angeblich von Experten verwaltet

werden.

Aber im letzten Jahr ist es anders gekommen. Der

DAX war schon im Verlust, und bis zum Weihnachtsfest

stürzten die Aktienkurse regelrecht

in den Keller. Warum? Die Fonds wollten die Verlierer

nicht in den hauseigenen Fonds halten, zumindest

nicht in großer Stückzahl. Also wurden

die Verlierer-Aktien weitgehend verkauft – und

genau das hat die Kurse weiter fallen lassen. Man

kann also im Jahresbericht zeigen, dass man zum

Jahresende die größten Verlierer gar nicht im Depot

hat.

Erschwerend kommt hinzu, dass bereits Monate

zuvor die großen amerikanischen Fonds ihre

Skepsis gegen europäische und vor allem deutsche

Aktien ausgesprochen haben. Wie sollen

bei uns die Kurse steigen, wenn die Amerikaner

als Käufer ausfallen? Aber die klugen Amerikaner

hatten natürlich schon vorher – bei damals noch

steigenden Kursen – verkauft, also nicht erst

nach Bekanntgabe ihres Misstrauens gegenüber

Europa. Jedenfalls kam auch bei uns keine Kauflust

auf, vor allem, weil alle darauf warteten, dass

die Amerikaner verkaufen werden, was allerdings

schon längst geschehen war.

Als die Kurse im Dezember gefallen sind, verkauften

die privaten Anleger in Panik und drückten

damit die Notierungen. Doch alle Panikverkäufer

waren dann nach Weihnachten nicht investiert

und haben die sich anschließenden Gewinne nicht

mitgemacht. Warum stiegen die Kurse dann? Das

Phänomen ist der „Januar-Effekt“. Institutionelle

und Privatinvestoren suchen sich zu Jahresbeginn

ihre „Lieblingsaktien“ aus und positionieren sich

neu. Das lässt die Kurse im Januar steigen.

Hans-Peter Holbach

Herausgeber des im 47. Jahrgang

erscheinenden Informationsdienstes

Geldbrief

Und dann gibt es noch eine alte Börsenregel: Wie

der Januar, so das ganze Jahr. Wenn das zutrifft,

sollte das Börsenjahr 2019 mit einem schönen

www.geldbrief.com

und Chefredakteur

beim Vertraulichen

Schweizer Brief

Gewinn abschließen.


www.vertraulicher.com

2|19 DER Mittelstand. | Service


98

BVMW

BVMW-Gesundheitspreis

verliehen

Binder Optik Nummer Eins im

bundesweiten Vergleich

V.li.: Sabine Wilhelm und Simone

Conrad (Cargill Malchin), Prof.

Dr. Dirk Engel (Prorektor der

Hochschule Stralsund) und Aimo

Brandt (Vorsitzender der Jury und

Bundeswirtschaftssenator des

BVMW).

Der

BVMW-Preis

zur Würdigung des

Betrieblichen

Ge-

sundheitsmanage-

ments (BGM) in

Unternehmen wurde

in diesem Jahr

bereits zum 9. Mal

verliehen. Eine Jury

hat aus den nominierten

Firmen die

Niederlassung

der

Cargill Deutschland

GmbH in Malchin

als Sieger gekürt. Den Sonderpreis für besonderes Engagement

beim BGM in Kleinunternehmen gewinnt das

Gesundheitshaus Lebensfreude in Burg Stargard. Auf

dem Mittelstandsempfang des BVMW in Neubrandenburg

nahmen die Sieger im feierlichen Rahmen die Ehrung

entgegen.

KAIZEN TM Awards

erstmals wieder in

Deutschland verliehen

Vergeben werden die

Auszeichnungen durch

das Kaizen Institute.

In Bad Homburg wurde der

KAIZEN TM Award 2018 durch

das Kaizen Institute verliehen.

Die Firma Frauenthal Powertrain

GmbH erhielt eine

Auszeichnung für schnelles

Wachstum im Bereich kontinuierlicher

Verbesserung. Über

den KAIZEN TM Award 2018

für die Umsetzung kontinuierlicher

Verbesserung im Unternehmen

freute sich die LEONI

Kerpen GmbH, und die Continental Automotive GmbH

erhielt den Special Award 2018 für Spitzenleistungen

im Bereich Level 2 Workplace Organisation.

In einer vom Nachrichtensender

n-tv beim Deutschen Institut

für Service-Qualität in

Auftrag gegebenen Studie ging

Binder Optik mit dem Qualitätsurteil

„sehr gut“ als Sieger

hervor. In allen untersuchten

Bereichen lag das Unternehmen

aus Böblingen auf Rang

eins. Die Studie umfasste unter

anderem die Bereiche Servicequalität,

Beratungskompetenz

und Zusatzservices. Untersucht

wurden die zehn größten Augenoptiker-Filialisten Deutschlands. „Die

unerwartete Anerkennung unserer Leistungen hat uns sehr gefreut“,

kommentierte Dominic Baur, Geschäftsführer von Binder Optik, das

Ergebnis.

BVMW-Mitglied ist

Europameister

Christian Flössner (IHK), Marie

Princen (Marktleiterin), Roger

Ulke (Vorstandsmitglied Konsum

Dresden), Gunther Seifert

(Vorstandsvorsitzender Konsum

Dresden) (v. li.).

Als europaweit erster

Lebensmittel-Einzelhändler

ist

die KONSUM Dresden eG

mit einem der wichtigsten

EU-Preise für Nachhaltigkeit

ausgezeichnet worden.

Das BVMW-Mitglied erhielt

das EMAS-Zertifikat, das gemeinsam

vom Bundesumweltministerium

sowie dem

Umweltbundesamt verliehen

wird. Damit hat das Unternehmen

mit seinen 35 Standorten

erfolgreich unter Beweis gestellt, dass es mit seinem Handeln

und der Bewirtschaftung seiner Objekte ausgezeichnetem

Umweltengagement folgt. Beim Konsum Dresden arbeiten rund

840 Mitarbeiter. Die Genossenschaft hat circa 22.000 Mitglieder.


Die beiden Macher von Binder Optik:

Dr. Helmut Baur und Dominic Baur

(v. li.).

www.konsum.de

Fotos: o. r.: © Binder Optik GmbH; u. l.: © Konsum Dresden eG; u. r.: © Kaizen

2|19 DER Mittelstand. | BVMW


99

NRW-Wirtschaftssenator

Prof. Gerber wird 80

Fotos: o. l.: © Carmen Groß; o. r. © Gerber Architekten + Udo Hesse; u. l.: Sebastian Gabsch

Landrat Onno Eckert, Otto Eismann (Leiter BVMW-Kreisverband),

Thomas Diwo (Vorstand VR Bank), Ehrenpreisträgerin Andrea

Langenhan, Wirtschaftsminister Wolfgang Tiefensee, Patrick

Meinhardt (BVMW-Bundesgeschäftsleiter Politik), BVMW-

Landesgeschäftsführer Günther Richter (v. li.).

10. Gothaer BVMW-

Mittelstandsball

Mit 300 Ballgästen war der 10. Gothaer Mittelstandsball des

BVMW ein voller Erfolg. Höhepunkt des Abends war die Verleihung

des Ehrenpreises für gelungene Unternehmensnachfolge

an Andrea Langenhan, geschäftsführende Gesellschafterin

der Langenhan GmbH Gotha. Thüringens Wirtschaftsminister

Wolfgang Tiefensee (SPD) würdigte darüber hinaus das Engagement

des BVMW-Kreisgeschäftsführers Otto Eismann und

lobte die langjährige Initiative, dem notwendigen Generationswechsel

im Mittelstand ein Podium zu geben.

BVMW: Wirtschaftspolitischer

Jahresempfang in

Magdeburg

André Schröder, Finanzminister von Sachsen-Anhalt.

In Magdeburg trafen sich 200 Unternehmer zum wirtschaftspolitischen

Jahresempfang des BVMW Sachsen-Anhalt.

Neben Mittelstandspräsident Mario Ohoven sprachen auch

Sachsen-Anhalts Finanzminister André Schröder (CDU) und

Magdeburgs Oberbürgermeister Lutz Trümper (SPD). In einer

regen Diskussionsrunde mit den Referenten wurden Fragen

der Mittelständler beantwortet. Abschließend bedankte sich

Peter Martini vom BVMW Magdeburg bei allen Akteuren und

Unterstützern.

Anlässlich seines 80. Geburtstags

zeigte das Baukunstarchiv

NRW in Dortmund

in der Ausstellung

„Konzept + Atmosphäre“

ausgewählte Projekte des

NRW-Wirtschaftssenators

Prof. Eckhard Gerber. Der

international

renommierte

Architekt machte sich

mit Projekten wie dem Umbau des Dortmunder „U“ zum

„Zentrum für Kunst und Kreativität“ oder der Neuen Messe

Karlsruhe einen Namen. Sein Dortmunder Büro Gerber

Architekten unterhält Standorte in Berlin, Hamburg, Riad

und Shanghai mit 190 Mitarbeitern.

BVMW meets Einstein

Stiftung

Zum Welttag des Hörens haben der BVMW und die Einstein

Stiftung Berlin das neue Veranstaltungsformat „Mittelstand

trifft Wissenschaft“ gestartet. Im Mittelpunkt der Premiere

stand der Fachvortrag des international renommierten Hörforschers

Ulrich Müller, Professor für Neurowissenschaften

an der Johns Hopkins University in Baltimore, USA. Gastgeber

im Sennheiser Store Berlin war der Audiospezialist Sennheiser.

Mit dem neuen Format will der BVMW den Dialog zwischen

Wirtschaft und Forschung fördern. „Wir sind der Einstein Stiftung

Berlin und ihrem Vorstandsvorsitzenden Prof. Dr. Günter

Stock und natürlich unserem Gastgeber Sennheiser sehr dankbar,

dass sie uns dabei unterstützen“, betonte BVMW-Repräsentant

Götz Bittner.

Prof. Eckhard Gerber, Mitglied

des NRW-Wirtschaftssenates.

V. li.: Götz Bittner (BVMW), Hörforscher Prof. Dr. Ulrich Müller

(University Baltimore), Prof. Dr. Günter Stock (Vorstandsvorsitzender

Einstein Stiftung Berlin) und Gastgeber Stefan Krämer (Sennheiser).

2|19 DER Mittelstand. | BVMW


100

Neujahrsempfang mit

dem Liberalen Mittelstand

Sachsen

BVT-Hauptgeschäftsführer Gerard Wolny sprach auf dem

1. Hamburger Technikertag in den Räumlichkeiten des Millerntor-

Stadions.

Mittelstand meets Fachkraft

Der Liberale Mittelstand Sachsen lud gemeinsam mit der BVMW

Wirtschaftsregion Landkreis Leipzig zum Neujahrsempfang.

Ehrengast des Tages war NRW-Wirtschaftsminister Prof. Dr.

Andreas Pinkwart. Bei der Diskussion auf dem Podium ging es

vor allem um die Vernetzung von Wissenschaft und Wirtschaft

und um Sachsens Chancen, die die Digitalisierung bietet.

www.sachsen.liberaler-mittelstand.de

Qualifizierte Fachkräfte sind ein entscheidender Erfolgsfaktor

für Unternehmen. Gemeinsam mit dem Bundesverband

der höheren Berufe der Technik, Wirtschaft und Gestaltung

(BVT) haben es sich der Hamburger und der Hallesche BVMW

zur Aufgabe gemacht, mittelständische Unternehmen mit den

Fachkräften der Zukunft zusammen zu bringen. Während der

„Technikertage“ kamen mehr als 300 Studierende und Unternehmer

ins Gespräch. Neben Impulsvorträgen seitens der

Politik und einer Vorstellung der Fachschulen begeisterten

insbesondere die Unternehmer-Talkrunden das Publikum.

Michael Pfüller (FDP-Direktkandidat Leipzig), Prof. Dr. Andreas

Pinkwart (Wirtschaftsminister NRW), Constanze Weiß (BVMW-

Repräsentantin Landkreis Leipzig) (v. li.).

Nachhaltigkeit und CSR

im Fokus

Erstes Mittelstandsevent 2019

in Neuss.

Im Rhein-Kreis Neuss diskutierten

70 BVMW-Mitglieder

und Interessierte

über die Möglichkeit, die

Themen Nachhaltigkeit und

Corporate Social Responsibility,

also unternehmerische

Sozialverantwortung,

miteinander in Einklang zu

bringen, ohne das eigentliche

Kerngeschäft zu vernachlässigen.

BVMW-Repräsentant

Stephan Moritz eröffnete

mit diesem Themenabend, zu

dem Fachreferenten aus Wirtschaft und Wissenschaft wichtige

Impulse beisteuerten, eine Veranstaltungsreihe, die den

Themenbereich der Nachhaltigkeit aus unterschiedlichsten

Blickwinkeln beleuchten soll.

V. li.: Prof. Dr. Armin Willingmann, Jens Günther (BVMW-

Gebietsleiter Ost), Patrick Meinhardt (Bundesgeschäftsführer Politik

des BVMW), BVMW-Vizepräsident Willi Grothe, Mario Ohoven und

Peter Martini (BVMW-Referent für Landespolitik).

Für mehr Wirtschaft

in der Schule

Sachsen-Anhalts Wirtschaftsminister Prof. Dr. Armin Willingmann

(SPD) und BVMW-Präsident Mario Ohoven haben sich

für eine stärkere Verbindung von Schulen und Unternehmen

ausgesprochen. Diese sei notwendig, um schon früh mehr

Wissen und praktische Erfahrungen zum Funktionieren der

Wirtschaft zu vermitteln, betonten beide in einem Gespräch in

Magdeburg. Mehr als 800 Schulen gibt es in Sachsen-Anhalt,

sagte Willingmann. Er freue sich darauf, wenn Unternehmer

den Mut fänden, sich dort einzubringen und ihre Erfahrungen

weiterzugeben.

Fotos: o. r.: © Ingo Bodtke; u. r.: © Klaus-Peter Voigt

2|19 DER Mittelstand. | BVMW


101

Rheinhessischer

Jahresauftakt

Neujahrskonzert im

Dresdner Zwinger

Ausverkauftes Haus im Landesmuseum Mainz – der erste

gemeinsame Neujahrsempfang des BVMW Rheinhessen-Nahe

und der Stadt Mainz kam bestens an. Nach der

Begrüßung durch Horst Schneider, Landesbeauftragter des

BVMW Rheinland-Pfalz, bot der Mainzer Oberbürgermeister

Michael Ebling den Schulterschluss zu der wichtigen Säule der

Wirtschaft. Anschließend sprach Weinbotschafter und Autor

Harald Martenstein mit „DER Mittelstand.“-Kolumnist Guido

Augustin auf der Bühne. Die Moderation hatte der Eventzauberer

Thorsten Abraxas Ophaus übernommen.

Auf Initiative des BVMW

Wirtschaftsregion Dresden

spielte das Dresdner

Residenz Orchester exklusiv

für Mitglieder des

BVMW und seine Gäste.

Bis auf den letzten Platz

war der Saal des Wallpavillons

im Zwinger gefüllt,

als unter Leitung von Prof.

Igor Malinovsky Werke von Vivaldi, Mozart, Verdi oder Strauß

erklangen. Aufgrund der durchweg positiven Resonanz soll das

Neujahrskonzert zu einer festen Veranstaltungsreihe zum Jahresauftakt

werden.

Das Dresdner Residenz Orchester im

Dresdner Zwinger.

www.concerts-dresden.com

Fotos: o. l.: © Marcus Steinbrücker; o. r.: © Dresdner Residenz Orchester; u. r.: © muckphoto

Der Neujahrsempfang fand im Landesmuseum Mainz statt.

Politik und Wirtschaft

im Einklang

Thüringens Ministerpräsident

Bodo Ramelow.

Im Ambiente des Atriums der

Stadtwerke Erfurt fand zum

elften Mal in Folge der Jahresempfang

des BVMW gemeinsam

mit der Stadt Erfurt statt.

Mario Ohoven machte deutlich,

welche Rahmenbedingungen

für die Wettbewerbsfähigkeit

Deutschlands und

Thüringens erforderlich sind.

Erfurts Oberbürgermeister Andreas Bausewein, CDU-Fraktions-

und Landesvorsitzender Maik Mohring und Ministerpräsident

Bodo Ramelow (Die Linke) blieben sich in ihren Erwiderungen

nichts schuldig.

Der BVMW trauert um

Karl-Heinz „Kalli“ Kohrt

Der Bundesverband mittelständische Wirtschaft trauert um

Karl-Heinz Kohrt, der am 28. Februar im Alter von 73 Jahren

verstarb. Nach einer stationär behandelten Krankheit konnte

er sich leider nicht mehr gesundheitlich erholen.

Als Beauftragter und Leiter des Kreisverbandes Hamburg war

Kalli Kohrt seit siebzehn Jahren für den BVMW aktiv. Durch

seine Fröhlichkeit, seinen Optimismus und seine sehr sympathische

Art war er bei Mitgliedern, Kolleginnen und Kollegen sehr

beliebt und hochgeachtet. Sein Humor und seine Warmherzigkeit

haben unser Leben bereichert, wir werden ihn vermissen.

Mit ihm verliert der BVMW einen kompetenten, klugen und

warmherzigen Mitstreiter. Sein Tod bedeutet einen schmerzlichen

Verlust für seine Familie und den BVMW. Der Verband

wird Kalli Kohrt stets ein ehrendes Angedenken bewahren.

2|19 DER Mittelstand. | BVMW


102

Bedarfsgerechte Prävention

Als 2013 die Helios Klinik Schwedenstein im ostsächsischen Pulsnitz gegründet wurde, kam das

Thema Betriebliches Gesundheitsmanagement in den Unternehmen gerade erst auf. Heute ist die

Fachklinik auf diesem Gebiet ein wichtiger Anlaufpunkt für Unternehmen und ihre Mitarbeiter.

In Zeiten zunehmenden Wettbewerbs um qualifiziertes

Personal ist ein gut strukturiertes Betriebliches

Gesundheitsmanagement (BGM)

ein essenzieller Faktor bei der nachhaltigen Betreuung

des Personals. Das BGM kann den entscheidenden

Unterschied ausmachen, nicht nur

bei der Mitarbeitergewinnung und der Erhaltung

von Arbeitskräften, sondern auch bei der Imagepflege

als Arbeitgeber. Ganz klar ist BGM heute

eine Investition, die sich durch geringere Krankenstände

und motiviertere Mitarbeiter schnell

refinanziert.

In der sächsischen Helios Klinik Schwedenstein,

einer Klinik für psychosomatische Medizin, gibt

es mittlerweile vielfältige BGM-Angebote, und

das Haus hat sich zu einem wichtigen Partner für

die Wirtschaft etabliert. So wird in Seminaren für

Arbeitnehmer und Arbeitgeber gleichermaßen

wichtiges Know-how rund um Burn-out-Prävention,

Selbstorganisation, Zeitmanagement,

Kommunikation und Führungsstil vermittelt. „Die

Psyche spielt eine zentrale Rolle. Insbesondere

Stress und Motivation sind hier wichtige Themen.

Unsere Expertise und die Erfahrungen aus der

täglichen Arbeit in der Klinik ermöglichen es uns,

für Unternehmen bedarfsgerechte Präventionsangebote

zu schnüren“, so der Leiter des Therapiezentrums

Michael Berndt.

Zu den größten Herausforderungen seines Hauses

gehört es dabei nicht nur, die Kunden aus der

Wirtschaft zufriedenzustellen. Sondern auch die

Klinik selbst steht vor der täglichen Aufgabe, die

eigenen Mitarbeiter angemessen zu betreuen.

„Als Dienstleister im Gesundheitswesen bleibt

auch die Helios-Klinik vom Fachkräftemangel

nicht verschont“, betont Berndt. Dieser betrifft

längst nicht nur die Pflege, sondern auch Fachtherapeuten,

Service- und Hilfskräfte oder Handwerker.

„Für uns selbst spielt das BGM daher

nicht nur in der Personalakquise, sondern insbesondere

auch in der Erhaltung der vorhandenen

Arbeitskräfte eine wichtige Rolle.“


Uta Georgi

BVMW Pressesprecherin

Sachsen

uta.georgi@bvmw.de

Auf dem Programm stehen unterschiedlichste

Entspannungs- und Aktiveinheiten wie Rückenschule,

Pilates, Nordic Walking oder Aquafit.

Die medizinischen Fachkräfte beraten und begleiten

überdies Unternehmen in den Bereichen

Bewegung, Stressbewältigung, Ernährung und

Suchtbekämpfung. Die Angebote werden individuell

auf die Bedürfnisse des Unternehmens abgestimmt.

Im Optimalfall sollten Unternehmen

ihre Mitarbeiter schon in der frühen Planungsphase

mit einbeziehen.

Konzentration und Ruhe: Auch Bogenschießen

gehört zu den Angeboten für Betriebliches

Gesundheitsmanagement in der Helios-Klinik.

Helios Klinik

Schwedenstein Pulsnitz GmbH

Gründung: 2013

Firmensitz: Pulsnitz (Sachsen)

Geschäftsführer: Carsten Tietze

BVMW-Mitglied

www.helios-gesundheit.de/

reha/schwedenstein/

Foto: © Helios Leistungen: Narciss & Taurus

2|19 DER Mittelstand. | BVMW


103

Werbung zum Anfassen

Werbespots, Plakate und andere Klassiker haben alle ein Manko: Kunden können das Produkt

weder riechen noch schmecken oder fühlen. Dass es auch anders geht, zeigt die Agentur Baudek &

Schierhorn.

Frank Baudek und Jan Schierhorn erfanden 1993

das Marketingtool „Touchpoint Sampling“ und

gründeten ihre Agentur Baudek & Schierhorn in

Hamburg. Das Prinzip des „Touchpoint Samplings“

ist ebenso simpel wie erfolgreich: Produktproben

werden an Orten verschenkt, an denen Kunden

diese Produkte nicht kaufen können, zum Beispiel

beim Bäcker, bei der Arbeit, beim Sport

oder in einer Zoohandlung. Inzwischen hat die

Baudek & Schierhorn GmbH ein Netzwerk von

über 380.000 Touchpoints im deutschsprachigen

Raum aufgebaut. Mehr als eine Milliarde Produktproben

für über 750 Marken wurden mittlerweile

zielgruppengenau verschenkt. Für die heutige

Agentur-Chefin Petra Schierhorn ist diese Form

des analogen Marketings und der persönlichen

Konsumentenansprache noch immer die ehrlichste

Form der Werbung. „Kein Facebook-Like

ersetzt das persönliche Erleben. Die Erfahrung

zeigt, dass Mund-zu-Mund-Propaganda im echten

Leben noch immer besser funktioniert als in

digitalen Netzwerken.“

Die Zeit steht auch bei Baudek & Schierhorn

nicht still, neue Märkte stehen im Visier: nach

Österreich und der Schweiz inzwischen auch die

Benelux-Länder. Trotz der Erfolge im realen Kundenkontakt

hat die Digitalisierung in ihrem Marketingmix

auch bei Baudek & Schierhorn Einzug

gehalten, bei Gewinnspielen und Geld-zurück-Aktionen

zum Beispiel. Diese Cashback-Versprechen

haben eine hohe Relevanz bei der Kaufentscheidung

und erlauben Verbrauchern den Test

eines Produktes, indem diese über eine Website

Foto: © Baudek & Schierhorn GmbH

Auf die Marke des jeweiligen Unternehmens

zugeschnitten: Hier werden Gratis-Proben auf dem

Wochenmarkt an die Zielgruppe verteilt.

Baudek & Schierhorn GmbH

Gründung: 1993

Firmensitz: Hamburg Hafencity

Geschäftsführer: Petra Schierhorn,

Jan Schierhorn

Mitarbeiter: 19

BVMW-Mitglied

www.baudek-schierhorn.de

den Kaufpreis zurückerhalten. Aktuell läuten die

Marketingprofis mit ihrer neuen App für disruptives

Couponing im Vertriebskanal Apotheken

eine neue Unternehmensära ein, die europaweit

angelegt ist.

Unternehmensgründer Jan Schierhorn übernimmt

aber auch gesellschaftliche Verantwortung

mit seinem Herzensprojekt „Das Geld hängt

an den Bäumen“, um Menschen mit Behinderung,

chronischen Krankheiten und anderen Handicaps

beim Start in ein unabhängiges Leben zu helfen.•

Ingrid Hausemann

BVMW Pressesprecherin

Bremen, Hamburg, Niedersachsen,

Schleswig-Holstein

ingrid.hausemann@bvmw.de

2|19 DER Mittelstand. | BVMW


104

Optimale Räume

Je besser die Räume sind, in denen Menschen arbeiten, desto angenehmer und erfolgreicher die Arbeit.

Das mittelständische Unternehmen Nerling schafft mit seiner Systemraumtechnik ein besonderes

Wohlfühlumfeld, je nach Bedarf können Räume temperatur- und feuchtstabil, partikelarm und

schallgedämmt sein.

Ulrich Köppen

BVMW Pressesprecher

Baden-Württemberg

ulrich.koeppen@bvmw.de

Aus einem 1970 gegründeten Ingenieurbüro ist

die Nerling Systemräume GmbH mit über 100

Mitarbeitern an zwei Standorten gewachsen, die

technische Innovation für System-, Mess-, Reinund

Sauberräume liefert. Der geschäftsführende

Gesellschafter Olaf Nerling, Sohn der Gründer

Ralf und Silke Nerling, bringt die Unternehmensphilosophie

auf den Punkt: „Wände sind eigentlich

nur noch die Verpackung für Funktionen. Im

Vordergrund steht für uns die Überlegung, was

tun die Menschen in diesen Räumen, und welche

Bedingungen braucht die Maschine.“ Daraus entstehen

maßgeschneiderte Komplettlösungen für

seine Kunden.

Zu den Meilensteinen der Unternehmensgeschichte

gehören der Aufbau der Systemraumtechnik,

die Eröffnung des Werks in Ostdeutschland und

technische Innovationen wie die patentierte Messraum-Luftführungsdecke

und die Entwicklung einer

eigenen Regelungstechnik für Mess- und Reinräume.

Qualitätsmanagement nimmt einen hohen

Stellenwert ein. Neben der Zertifizierung ISO

9001 für industrielle Raumanlagen dokumentiert

das Unternehmen seine ökologische Verantwortung

mit einem weltweit anerkannten Umweltmanagementsystem.

Anspruchsvolle Kunden aus

Automobilindustrie, Maschinenbau und Medizintechnik

verlassen sich auf die Kompetenz des

Unternehmens, dessen Mitarbeiter ermuntert

werden, eigene Wege bei der Problemlösung zu

gehen. Zu diesem Zweck gibt es eine voll ausgestattete

Experimentier-Werkstatt, in der jeder

Mitarbeiter seine Ideen praktisch ausprobieren

kann.

Für Ralf und Olaf Nerling steht immer der Mensch

im Mittelpunkt: „Wir wünschen uns, dass Geschäftspartner

und Mitarbeiter gleichermaßen

ihre Vorstellungen und Anregungen einbringen.“

Dabei setzt der Geschäftsführer auf EKS (Engpasskonzentrierte

Strategie nach Mewes) und

Transparenz: „Das entscheidende Ziel unternehmerischen

Strebens ist es nicht, den Gewinn

zu maximieren, sondern den Nutzen für die Zielgruppe“,

fasst Nerling den Kern der EKS zusammen.

„In Räumen arbeiten Menschen. Sie können ihre

Aufgaben nur optimal erfüllen, wenn ihnen die

Räume dafür das passende Umfeld bieten“, so

Olaf Nerling. „Zugluft oder zu niedere Temperaturen

machen Menschen krank. Sind die Räume

zu warm oder schlecht belüftet, fühlen sie sich

ebenfalls unwohl. Gleichzeitig müssen die Räume

so beschaffen sein, dass auch für die Maschinen

darin die besten Bedingungen herrschen. Mit

unserer Kompetenz sorgen wir dafür, dass alles

stimmt und zusammenpasst.“

Präzisionsfertigungsraum zur Bearbeitung von

Druckmaschinen-Gußkörpern.

Nerling Systemräume GmbH

Gründung: 1970

Firmensitz: Renningen

(Baden-Württemberg)

Geschäftsführender Gesellschafter:

Olaf Nerling

Mitarbeiter: 100

BVMW-Mitglied

www.nerling.de


Foto: © Nerling Systemräume GmbH

2|19 DER Mittelstand. | BVMW


105

Pralinen für die Kanzlerin

Bestellen Sie eine kleine Menge Schokoladentäfelchen mit Firmenlogo! Mit diesem Auftrag ihres Chefs

begann für Stephanie Ziegler im Frühjahr 2014 ein völlig neuer Lebensabschnitt. Heute beliefert

„Stephanies Schokowelt“ Kunden in Dubai und den USA.

Die damals 24-jährige angestellte Bürokommunikationskauffrau

stellte schnell fest, dass

es zwar reichlich Anbieter für Schokoprodukte

mit Firmenlogo gab, die Mindestabnahme

jedoch bei 1.000 Stück lag. Das war zu viel für

ihren damaligen Chef. Und plötzlich kam ihr

der Gedanke: „Das ist eine Marktlücke! Das ist

meine Chance!“

Schon länger suchte die junge Mutter eine berufliche

Herausforderung, bei der sie kreativ

sein und sich gleichzeitig mit flexiblen Arbeitszeiten

um ihre beiden Töchter kümmern konnte.

Noch am selben Abend entwickelte sie ihr Geschäftskonzept:

Mit hochwertiger Schokolade

und Pralinen aus Belgien wollte sie personalisierte

Werbemittel in geringer Stückzahl gestalten.

Einen passenden Namen hatte sie direkt parat:

„Stephanies Schokowelt“. Am nächsten Tag

meldete sie ihr Gewerbe an und kündigte ihren

Bürojob. „Blauäugig und naiv war das“, urteilt

Stephanie Ziegler heute über ihren Start in die

Selbstständigkeit.

Völlig auf sich gestellt begann sie, ihre Idee in

die Tat umzusetzen. Für Webseite, Visitenkarten

und Flyer mussten ihre Ersparnisse herhalten.

Nach intensiver Suche fand sie einen Hersteller

in Belgien, der zu ihrem Konzept passte. Die ersten

Aufträge akquirierte sie persönlich in Supermärkten,

Hotels, bei Versicherungen und in der

Immobilienbranche. Durch Weiterempfehlungen

wurden es zwar stetig mehr, aber von der

Gewinnzone war sie noch weit entfernt. Um sich

und ihre beiden Töchter über Wasser zu halten,

verdiente die Jungunternehmerin mit Bügeln

und Putzen dazu. 18-Stunden-Tage waren für

sie „normal“.

Effektive Werbung mit süßen Geschenken.

Stephanies Schokowelt

Gründung: 2014

Firmensitz: Lauf an der Pegnitz (Bayern)

Geschäftsführerin: Stephanie Ziegler

BVMW-Mitglied

www.stephaniesschokowelt.de

Ihr Durchhaltevermögen zahlte sich aus: Nach

zwei Jahren stiegen die Umsätze endlich an. Mit

dem Erfolg wuchs ihre Bekanntheit, und sogar

die Bundeskanzlerin lud Stephanie Ziegler persönlich

ein: „Mitten im Wahlkampf durfte ich

Angela Merkel ein personalisiertes Pralinenetui

aus Holz überreichen“, erinnert sie sich. Längst

verschickt sie nicht mehr ausschließlich Schokolade,

sondern diverse weitere Süßigkeiten, wie

beispielsweise Fruchtgummi. „Stephanies Schokowelt“

beliefert mittlerweile Kunden in Dubai

und den USA. „Ich habe meinen Entschluss,

selbstständig zu sein, nicht bereut“, resümiert

Stephanie Ziegler. Allerdings würde sie heute Achim von Michel

vieles anders machen. Deshalb rät sie Gründern:

BVMW Pressesprecher

Bayern

„Suchen Sie sich erfahrene Unterstützer oder

Coaches, die Ihnen Tipps geben.“

• achim.von.michel@bvmw.de

2|19 DER Mittelstand. | BVMW


106

Im Helikopter führen lernen

Wer sich für die Helikopter Strategie, das Führungskräfte-Coaching-Programm von Sandra Happel,

entscheidet, fliegt eigenhändig einen Helikopter. Schließlich geht es darum, wieder die Kontrolle zu

übernehmen.

Wenn der Fluglehrer den Inhaber oder Geschäftsführer

auffordert, mitten im Flug, den

Steuerknüppel in der Hand, den Kopf zwischen

die Knie zu stecken, schlägt die Stimmung

im Cockpit schlagartig um. Entsetzen, kalter

Schweiß, Herzrasen: „Wenn ich das tue, verliere

ich die Kontrolle!“ „Das ist genau das“, erläutert

der Instructor dann stoisch, „was passiert, wenn

Sie nicht führen.“ Momente, die man nie vergisst.

So wie jener Moment für Sandra Happel am Frühstückstisch

mit ihrer Familie. Erfolgreicher Handwerksbetrieb,

zwei Töchter, heile Welt. Der Vater

gedankenversunken, betrübt, als ihn seine Tochter

fragt: „Papa, warum bist du nicht glücklich mit

uns?“ Dieses Erlebnis war die Geburtsstunde der

Helikopter Strategie der erfolgreichen Trainerin.

„Denn“, schildert die Gründerin, „ich habe über

die Jahre so viele Unternehmer getroffen, die

wirtschaftlich erfolgreich, aber total ausgebrannt

sind.“ Menschen, die sich verfangen haben in operativen

Routinen und administrativen Zwängen.

Führung, Strategie, Weitsicht waren ihnen abhandengekommen,

und es ging ihnen nicht gut damit.

Alltag frisst Visionen.

Die Effekte sind verblüffend: Die Unternehmer

gewinnen Sicherheit, weil sie wiederkehrende

Prozesse ohne eigenes Engagement im Griff haben.

Sie gewinnen Zeit, um wieder strategisch

arbeiten zu können, und Lebensqualität, weil das

Unternehmen sie nicht mehr ausbrennt. Was das

für das körperliche und seelische Gleichgewicht

bedeutet, liegt auf der Hand.

Wer im doppelten Sinne den Rundflug der Helikopter

Strategie durch sein Unternehmen hinter

sich hat, erlebt wieder den wertvollen Schatz des

Unternehmerseins.


Im Unternehmen wie im Helikopter kommt es darauf

an, viele kleine Stellschrauben zu beachten

und den Horizont im Blick zu behalten. Das sechsmonatige

Coaching-Programm, das Sandra Happel

und ihre sechs Experten entwickelt haben,

macht genau das: Es liefert den Überblick über

die wichtigsten Unternehmensbereiche, die Module

führen von der Unternehmerpersönlichkeit

Guido Augustin

BVMW Pressesprecher

Rheinland-Pfalz

Kommunikationsberater

ga@guidoaugustin.com

zur Führungsmannschaft und über die Unternehmensstruktur

zur Unternehmensposition.

Am Ende hat jeder Unternehmer ein Cockpit in

Form einer App, auf der er schnell erkennen kann,

wo er gerade gebraucht wird. Dabei ist der Zeitaufwand

für den Unternehmer selbst überschaubar,

da viele der Schritte der Helikopter Strategie

ohne seine aktive Mitarbeit auskommen.

Geschäftsführein Sandra Happel.

Die Helikopter Strategie GmbH

Gründung: 2018

Firmensitz: Mainz (Rheinland-Pfalz)

Geschäftsführerin: Sandra Happel

BVMW-Mitglied

www.die-helikopterstrategie.de

Foto: © Helikopter Strategie GmbH

2|19 DER Mittelstand. | BVMW


107

Buchhaltung digital einfach

für alle

Wenn bürokratische Anforderungen steigen, sollte die Software Arbeit abnehmen – und nicht

zusätzliche bescheren. Dies so einfach wie möglich zu gestalten, das ist seit 35 Jahren die Mission

des Software-Herstellers Agenda GmbH & Co. KG.

Agenda entwickelt Software-Anwendungen, die

das Personal- und Rechnungswesen in kleinen

und mittleren Unternehmen sowie die Arbeit

von Steuerberatern und Buchhaltern so einfach

wie möglich machen. Der Rosenheimer Mittelständler

hat aktuell über 17.000 Kunden und

rund 280 Mitarbeiter. Zusätzlich zum Hauptsitz

am Standort Rosenheim eröffnete Agenda kürzlich

Büros in Hamburg und Budapest.

Als Manfred Kappel und Rainer Jodoin das

Unternehmen 1984 gründeten, hatten sie die

aufwändigen Arbeitsprozesse in Steuerkanzleien

im Fokus. „Ich habe deswegen nicht selten

die Stirn gerunzelt und gedacht, das muss doch

einfacher gehen“, sagt Manfred Kappel, Geschäftsführer

von Agenda, zu seiner Motivation,

sein Unternehmen zu gründen. Das erste

Agenda-Produkt DATASS ermöglichte ab 1986

die Datev-Erfassung auf allen handelsüblichen

PCs. In den folgenden Jahrzehnten erweiterte

Agenda das Angebot unter anderem in den

Bereichen Rechnungswesen sowie Lohn- und

Gehaltsabrechnung. Agenda hat seit jeher den

Anspruch, dass die Software möglichst einfach

und intuitiv einsetzbar sein soll. Dazu zählen

auch Installation und Updates, die der Anwender

ohne IT-Fachkraft durchführen kann – ein

Grundsatz, der bis heute Bestand hat. Der Software-Hersteller

brachte außerdem Lösungen

speziell für kleine und mittlere Unternehmen auf

den Markt. Agenda vereinfacht so die Kommunikation

zwischen Buchhaltern und Steuerberatern.

Wenn alle Parteien die Agenda-Software

einsetzen, läuft der Datenaustausch besonders

schnell, unkompliziert und sicher über ein

integriertes System.

Foto: © Agenda Informationssysteme GmbH & Co. KG

Agenda Firmensitz in Rosenheim.

Agenda Informationssysteme

GmbH & Co. KG

Gründung: 1984

Firmensitz: Rosenheim (Bayern)

Geschäftsführer: Manfred Kappel

Mitarbeiter: 280

BVMW-Mitglied

www.agenda-software.de

Die Entwicklung der Digitalisierung bietet zwar

in den kommenden Jahren ganz neue Möglichkeiten,

ist für den Softwarehersteller jedoch

kein Selbstzweck: „Es ging uns nie darum, Dokumente

einfach nur von der Papierform in Bits

und Bytes umzuwandeln. Das ist nur die Grundlage.

Das Spannende ist das, was danach passiert:

mithilfe von Software Geschäftsprozesse

zu gestalten, die angenehm durchzuführen sind

und den Anwendern möglichst viel Zeit sparen“,

so Kappel. Agenda bleibt daher am Puls der Zeit

und schöpft auch die Möglichkeiten rund um Achim von Michel

Cloud und Smartphone in vollem Umfang aus.

BVMW Pressesprecher

Bayern

„Vielen ist noch nicht bewusst, welche Chancen

die Digitalisierung eröffnet“, betont Kappel. • achim.von.michel@bvmw.de

2|19 DER Mittelstand. | BVMW


108

Ally auf dem Weg zum überlebensgroßen Star.

Kultur

„A Star is born“

Die Geschichte eines jungen Talentes und seines alten Mentors: altbacken, aber emotional und sehr

musikalisch. Bei der Oscarverleihung für acht Kategorien nominiert, erhielt der Film in der Kategorie

Bester Song für den Titel „Shallow“ die begehrte Trophäe.

A Star is born

„A Star is born“ ist bereits die vierte Verfilmung

„zu sagen, was sie zu sagen hat“. Selbstredend – so

eines bekannten Stoffes: Alternder Star trifft ta-

viel Genrekitsch muss sein – wird aus dem Men-

lentiertes Mädchen, fördert sie, heiratet sie und

tor der Liebhaber. Doch zuvor fliegt er sie zu ei-

steht schließlich hilflos ihrem fulminanten Erfolg

nem seiner nächsten Auftritte ein, um spontan ein

und seinem eigenen Scheitern gegenüber. Schau-

Duett mit ihr zu singen. Ally ist ungeschminkt und

spieler Bradley Cooper wählte dieses Narrativ für

verängstigt, Jackson gewohnt verschwitzt-un-

sein Regiedebüt. Zuvor kam er mit den „Hang-

gepflegt mit Cowboyhemd und Cowboyhut, und

over“-Filmen zu Ruhm. Nun also der stilistisch

genau so feiern sie einen überwältigenden Erfolg.

Melodram, USA 2018

FSK 12

gewagte Sprung von spätpubertären Blödeleien

zum Melodram aus der (selbst-)zerstörerischen

YouTube sorgt für die Breitenwirkung, und der

Song „Shallow“ wird zum Hit: Ein neuer Stern geht

Regie:

Bradley Cooper

Drehbuch:

Bradley Cooper,

Will Fetters,

Eric Roth

Mit:

Bradley Cooper, Lady Gaga,

Andrew Dice Clay, Sam

Elliott, Rafi Gavron

Erhältlich als

Blu-ray, DVD und VOD

Welt des Popbiz.

Mythos Altstar

Cooper gibt den Star Jackson Maine, der mit seinem

erdigen Country-Rock zwar noch jede Halle

und jedes Open-Air Festival füllt, aber den Zenit

seiner Karriere schon überschritten hat. Bereits

in der Limousine, die ihn nach dem Auftritt zum

Hotel bringen soll, wird die Ginflasche geleert.

Jackson mag die Bühne rocken, aber backstage

sehen wir seinen Absturz im Vollzug. In einer Musikbar

verfällt er der Stimme Allys (Lady Gaga).

Ally arbeitet als Küchenhilfe, leidet unter ihrer

großen Nase und singt hinreißend. Jackson motiviert

sie in bester Singer-Song-Writer Tradition:

auf. Das ist die Ouvertüre zu einer Liebes- und

Karrieregeschichte zweier ungleicher Künstler,

die die Sehnsucht nach Authentizität (eben jenes

„sagen, was man zu sagen hat“) teilen. Es kann

nicht lange gut gehen.

Ein Stern geht auf, einer sinkt

Allys Karriere nimmt Fahrt auf, während Jackson

sich trinkend und fixend stetig ausbremst. Mit

dem Kontrollverlust über sich selbst verliert er

den Einfluss auf Ally; auch die spontane Hochzeit

bindet sie nicht enger. Denn unbeirrt geht Ally

ihren musikalischen Weg: Unter der fürsorglichen

Diktatur ihres neuen Managers entscheidet sie

sich gegen den ehrlich-rauen Country und für den

Fotos: © Warner Bros. Home Entertainment

2|19 DER Mittelstand. | Kultur


109

grellen Ruhm der Popwelt. Vorbei die Zeit der verschwitzten

Hemden und herzzerreißenden Balladen,

nun geht es um die richtige Schrittfolge mit

ihren Tänzerinnen und um sexy Pailletten-Kostüme.

Doch damit trifft sie auch die Entscheidung

gegen Jackson und beschleunigt das Ende seiner

ohnehin steil nach unten verlaufenden Karriere.

Da muss der alte Mann, das Alphamännchen, der

gefallene Barde, einfach zurückstecken, bis zum

tödlichen Ende. Nicht ohne sich zuvor in einem

demütigenden Höhepunkt bei Allys Grammy-Verleihung

mitten auf der Bühne einzunässen.

Fiktion und Wirklichkeit

Was den Film ausmacht, ist weniger die altbackene

Story, sondern die Faszination eines Paares,

das auch im wirklichen Leben jene riskanten Sphären

des Glamours bewohnt. Offensichtlich ist

„„

Was den Film ausmacht, ist die

Faszination eines Paares, das auch

im wirklichen Leben jene riskanten

Sphären des Glamours bewohnt.

„A Star is born“ für Stefani Joanne Angelina

Germanotta ein willkommenes Vehikel, sich von

ihrer exzentrischen, grellen Existenz als Lady

Gaga zu verabschieden: Ungeschminkt, mädchenhaft,

verletzlich und doch willensstark kann sie

sich auf nichts als ihre Stimme verlassen. Bradley

Cooper indes hat innerhalb von 18 Monaten

Gitarre und Singen gelernt, alle Musikszenen

sind live gefilmt und tatsächlich anrührend. Am

nachhaltigsten wirkt die Intimität zwischen zwei Bernd Ratmeyer

Künstlern, die einen Weg suchen jenseits von

Wissenschaftsjournalist

und Lektor

grellem Glamour und der Angst vor Selbstverlust.

Nur einer von beiden schafft es.


mittelstand@bvmw.de

Zwei verwandte Seelen finden sich:

Jackson (Bradley Cooper) und Ally (Lady Gaga).

2|19 DER Mittelstand. | Kultur


110

Zählt zu den größten Tieren der Erdgeschichte:

der Dinosaurier Giraffatitan brancai.

Phosphor-Gipsabfälle aus der Düngemittelherstellung;

Saint James, Louisiana, USA.

Hambacher Forst.

Gemeinsam für Natur

und Umweltschutz

Wie wollen wir in Zukunft mit unserem Planeten

umgehen? Wie wirkt sich unser Alltag auf das Plastik-

Problem in den Weltmeeren aus? Was bedeutet unsere

Ernährung für das Klima? Diese Fragen stehen im Zentrum

einer außergewöhnlichen Ausstellung im Museum für

Naturkunde Berlin.

Noch bis zum 8. September thematisiert die Ausstellung

ARTEFAKTE in Zeiten von alternativen

Fakten und Fake News wissenschaftlich fundiert

umweltrelevante Fragen im Museum für Naturkunde

Berlin. Eine Brücke zwischen Kunst (ART)

und Wissenschaft (FAKTEN) wird geschlagen: Auf

der einen Seite sind 20 atemberaubende giftgrüne

bis feuerrote Luftaufnahmen des New Yorker

Fotografen J. Henry Fair zu sehen. Sie erinnern

an abstrakte Kunst und lassen den Betrachter

staunen. Doch zu sehen sind massive Einflüsse

des Menschen auf die Umwelt durch Kohleabbau,

Fracking oder Abfallgruben von Schweinefäkalien.

Neben den Fotografien können Besucherinnen

und Besucher in drängende Umweltthemen

eintauchen: ob Ernährung, Energieverbrauch, Klima,

Luft oder Wasser.

ARTEFAKTE ist eine Kooperation mit der Gemeinsamen

Forschungsstelle der Europäischen

Kommission und des amerikanischen Fotografen

J. Henry Fair, finanziert durch den Aktionsplan

Forschungsmuseen des Bundestages,

des Bundesministeriums für Bildung und Forschung,

der Gemeinschaft der Länder und des

Landes Berlin.

Neuer Zugang zu Umweltthemen

In fünf Ausstellungsbereiche untergliedert, finden

die Besucherinnen und Besucher Alltägliches

wieder: Im Supermarktregal stehen etwa

Pommesverpackung, Smartphone oder Jeans.

Doch statt eines Preises stehen die CO 2

-Werte

auf den Artikeln. Eine Fleischtheke der etwas

anderen Art zeigt dem Betrachter, wie viel

Kohlenstoffdioxid die jeweiligen Fleischsorten

verursachen, und wie viel Gülle durch die Tiere

entsteht. Unweigerlich stellt sich die Frage:

Was kann ich tun? Anliegen der Ausstellung ist

es, unter den Besucherinnen und Besuchern

Gespräche und einen Dialog über Natur und

Umwelt anzuregen. Über die ästhetischen Bilder

wird ein neuer Zugang zu Umweltthemen

geschaffen. Gleichzeitig wird über die Kunst

an die Wissenschaft herangeführt. Für das Museum

für Naturkunde Berlin ist es wichtig, dass

sich Gesellschaft, Wissenschaft und Politik im

Haus auf Augenhöhe treffen und in Dialog treten.

Zahlreiche Veranstaltungen und Angebote,

wie zum Beispiel Naturblick – eine App zur

Berliner Stadtnatur – oder das Citizen Science

Projekt „Forschungsfall Nachtigall“, vermitteln

nicht nur neueste Erkenntnisse, sondern inspirieren,

sich selbst für Natur einzusetzen und

gesellschaftliche Veränderungen anzustoßen.

Fotos: © Antje Dittmann, Museum für Naturkunde Berlin; © J Henry Fair

2|19 DER Mittelstand. | Kultur


111

Öltank einer Raffinerie an der Golfküste Pascagoula,

Mississippi, USA.

Ausgelaufenes Öl von Bohrplattform Deepwater Horizon,

Golf von Mexiko.

Ständige Ausstellung und

historische Highlights

Das Museum für Naturkunde Berlin erforscht als

global agierendes, interdisziplinäres Forschungsinstitut

die Entstehung der Erde und des Lebens.

Das Fenster der Forschung ist die Ausstellung,

die jährlich rund 700.000 Besucher in ihren Bann

zieht und damit zu den meistbesuchten Museen

in Berlin und Deutschland gehört. Etwas aus der

Fülle des Erlebbaren herauszuheben, ist schwer.

Besonders eindrucksvoll sind die Biodiversitätswand

mit circa 3.000 Objekten sowie die

150 Millionen Jahre alten Dinosaurier-Skelette.

Spektakulär ist auch der im Original ausgestellte

Urvogel Archaeopteryx lithographica, durch

dessen Fund Charles Darwin seine Evolutionstheorie

bestätigen konnte. Der circa 66 Millionen

Jahre alte Tyrannosaurus rex Tristan Otto,

der eigentlich ein Amerikaner ist, gehört zu den

Hauptattraktionen in Berlin und ist noch bis Ende

2019 zu sehen. Das Skelett mit seinem fast vollständig

erhaltenen Schädel begeisterte bereits

über zwei Millionen Besucherinnen und Besucher

sowie auch die Wissenschaftlerinnen und

Wissenschaftler, die daran forschen.

30 Millionen Objekte

Spannend ist auch die Präparationsausstellung

mit dem berühmten Eisbären Knut, zeigt sie doch

auf anschauliche Weise die vielfältigen Techniken

der Erhaltungsmöglichkeiten von Naturobjekten,

wie sie nicht nur für die Ausstellungen, sondern

auch für die über 30 Millionen Objekte in

den Forschungssammlungen des Museums zum

Einsatz kommen. Natur sammeln, erforschen,

kommunizieren – dies vermitteln die modernen,

wissenschaftsbasierten Ausstellungen und der

öffentlich zugängliche Teil des wieder aufgebauten

Ostflügels als modernstes Sammlungsarchiv.

Dank einer Sonderfinanzierung wird das Museum

für Naturkunde


Berlin in den nächsten Jahren

„ Tyrannosaurus rex

Tristan Otto gehört zu den

Hauptattraktionen in Berlin

und ist noch bis Ende 2019

zu sehen.

einen Wissenschaftscampus zu Natur und Gesellschaft,

Lebenswissenschaft und Innovation in

Zusammenarbeit mit der Humboldt-Universität

zu Berlin, der Leibniz-Gemeinschaft und weiteren

internationalen Partnern entwickeln. •

Gut zu wissen:

Öffnungszeiten und Eintrittspreise

Naturkundemuseum Berlin

Dienstag – Freitag: 09.30 – 18.00 Uhr

Wochenende und Feiertag: 10.00 – 18.00 Uhr

Erwachsene: 8,00 €

Ermäßigt: 5,00 €

www.museumfuernaturkunde.

berlin

Dr. Gesine Steiner

Pressesprecherin

Museum für Naturkunde

Leibniz-Institut für

Evolutions- und Biodiversitätsforschung

2|19 DER Mittelstand. | Kultur


112

Buchtipps

Der Crash ist da

Was Sie jetzt tun müssen!

Der bisherige Abschwung an den Aktienmärkten

war nur ein Vorgeschmack

auf die langjährige Kernschmelze, die

uns bevorsteht. Diesmal wird es keine

schnelle, nachhaltige Erholung geben.

Der Börsenkollaps sowie die bevorstehende

Wirtschaftskrise werden

länger anhalten und mehr Vermögen

vernichten und Schaden anrichten als

andere Zusammenbrüche seit 90 Jahren.

Ihr Vermögen, Ihre Ersparnisse

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Deshalb: Informieren Sie sich jetzt

und handeln Sie, bevor es zu spät ist.

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hat diesen Crash wie kein anderer Investmentprofi

frühzeitig erkannt. Sein

Klientel, das vom Normalverdiener bis

zum Schwerreichen reicht, hat durch

Homms Analysen einen nachweisbaren

Gewinn von 25 Prozent seit Ende

2017 realisiert, während die Weltbörsen

im selben Zeitfenster um fast ein

Fünftel an Wert verloren haben.

Das Autorenteam zeigt Ihnen, weshalb

jeder vierte Job durch technologische

Trends – selbst ohne schwere

Krise – gefährdet ist, und wie Sie sich

am besten positionieren, um nicht betroffen

zu sein. Des Weiteren erfahren

Sie detailliert, wie Sie mit Krisen

ein Vermögen verdienen können.

Die erfolgreichen Kapitalmarkt-Insider

geben Ihnen punktgenaue, ausführliche

und leicht umsetzbare Lösungen

gegen die große Entwertung

und Enteignung Ihres Vermögens. •

Florian Homm,

Moritz Hessel

Der Crash ist da

Was Sie jetzt tun müssen!

Anlagen, Immobilien,

Ersparnisse, Arbeit

FinanzBuch Verlag

336 Seiten

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Persönliche Empfehlung

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deutsche Automobilindustrie?

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2|19 DER Mittelstand. | Kultur


113

Apptipps

App gegen Migräne und Kopfschmerzen

Mobile Entspannung

7Mind Meditations-App

Ruhige Momente in den hektischen Alltag

zu inte grie ren, ist schwierig. Abhilfe

verspricht 7Mind, mit über einer Million

Nutzern eine der beliebtesten Medi tations-Apps

in Deutschland.

Die App ist auf allen Gerä ten ver füg bar

und bietet geleitete Meditationen von

maximal sieben Minuten Dauer.

Im kostenfreien Einsteigerkurs sind sieben

Grundlagenübungen verfügbar. Das

Abonnement bietet zusätzlich Vertiefungskurse

und Einzelmeditationen zu

Themen wie Gesundheit, Schlaf, Gelassenheit

oder Stressmanagement. •

M-sense – die zertifizierte

Medizin-App

Migräne ist eine Volkskrankheit. Mehr

als acht Millionen Menschen in Deutschland

leiden unter teilweise sehr schweren

plötzlich auftretenden Kopfschmerzen.

Aber nicht nur für die Betroffenen ist

Migräne ein Thema, sondern auch für die

Arbeitgeber. Über 1,9 Milliarden Arbeitsstunden

fallen durch die plötzlichen Attacken

jährlich aus, was einen Schaden

von fast 150 Milliarden Euro verursacht.

Gute Gründe also, sich um die Ursachenforschung

und Prävention zu kümmern.

Wer langfristig gegensteuern will, sollte

die von dem Migräneforscher und Physiker

Dr. Markus Dahlem entwickelte

und vielfach prämierte App M-sense

verwenden.

Das zertifizierte Medizinprodukt untersucht

die Auswirkungen von Umweltfaktoren

und individuellem Lebensstil

auf Migräne- und Kopfschmerzattacken.

Kosten:

Jahresabo 4,99 € / Monat,

Wetterdaten werden automatisiert erfasst,

und Betroffene haben zusätzlich „Lifetime“-Abo 149 €

Monatsabo 11,99 € / Monat,

die Möglichkeit, weitere relevante Faktoren,

wie z. B. Schlafmuster, Aktivi-

einmalig.

tätslevel und Stressphasen, in der Software

zu dokumentieren, um deren

www.7mind.de

Einfluss auf Migräne und Kopfschmerz

zu verstehen. Ziel der Anwendung ist

es, über die Analyse des individuellen

Schmerzmusters eine personalisierte

Therapie zur Attackenreduktion anzubieten.

„M-sense hilft Migränikern dabei,

die Häufigkeit und Intensität ihrer

Schmerzen langfristig zu reduzieren“, so

Dr. Markus Dahlem, der das Start-up

Newsenselab im Rahmen seiner jahrzehntelangen

Forschungstätigkeit als

Spin-off der HU Berlin gründete, dessen

erstes Produkt M-sense ist. •

Die kostenlose App ist

für Android und für iOS

erhältlich.

www.m-sense.de

2|19 DER Mittelstand. | Kultur


114

Ein Lob auf

die Vorschrift

Guido Augustin macht sich Gedanken über

unsere Welt und ihre Bewohner.

Guido Augustin

BVMW Pressesprecher

Rheinhessen

Kommunikationsberater

ga@guidoaugustin.com

Unter den Top 10 der Deutschen liebsten Volkssportarten

rangiert neben dem kleinen Steuerbetrug,

der großen Mallorca-Sause und der samstäglichen

Hygiene für Auto und Körper immer

auch die laute und verzweifelte Klage über unsere

Bürokratiewut, unsere Verwaltungsflut, unser

nervenzehrendes Vorschriftsgut. Wie ungerecht.

Dankbar sollten wir sein, dass uns all die Paragraphen,

Vorschriften und Ausführungsbestimmungen

in einer fragilen Zeit ein wenig Halt, Sicherheit

und Orientierung geben.

Eine Vorschrift ist eine Vorschrift ist eine Vorschrift.

Und mag sie auch dornig sein, der Unternehmer

hat sie zu befolgen. „Hat zu …“ ist übrigens

ein zuverlässiges sprachliches Signal für eine

nahende Vorschrift. Das Knacken im Unterholz

der Juristendschungel.

Ich finde das gut, lobenswert und nachahmenswürdig.

Denn es spielt keine Rolle, ob sie vernünftig

ist, Schäden anrichtet oder Sinn stiftet. Die

Vorschrift ist zu befolgen. Wenn der Steuerprüfer

kommt und das Fahrtenbuch sehen will, will er es

sehen. Wenn der Blitzer geblitzt hat, kostet es

Geld und/oder Punkte, manchmal gar den Führerschein.

Ist es halt Vorschrift, weiß ich Bescheid. Wie

schön. Denn außerhalb dieses Chorals toben kalte

Ungewissheit, lähmende Verunsicherung und

die nackte Überlebensangst.

Da draußen, ohne diese göttlichen Zäune des

Staates, seiner Gehilfen und Untereinheiten,

habe ich nichts, woran ich mich klammern kann.

Ein Flussschiffer auf hoher See.

Muss ich bei diesem Internet mitmachen, oder geht

das vorüber wie ein tüllleichter Modetrend? Muss

ich eine dritte Toilette bauen oder hoffe ich darauf,

dass meine Mitarbeiter sich mit ein oder zwei

Geschlechtern begnügen? Kann ich einen Diesel

kaufen, weil sie gerade so schön rabattiert werden,

oder wird diese Technologie tatsächlich verschwinden

und ich die Karre nie mehr loswerden?

Wohl dem, der sich im Sturm an eine Vorschrift

anlehnen kann.


Foto: © Heike Rost

2|19 DER Mittelstand. | Kultur


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