Berliner Zeitung 16.04.2019

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Berliner Zeitung · N ummer 89 · D ienstag, 16. April 2019 – S eite 26 *

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Panorama

LEUTE

Arno Funke,bekannt unter seinem

Pseudonym„Dagobert“ und seines

Zeichens früherer Kaufhaus-Erpresser,kann

mit Social Media nichts anfangen.

Zu Beginn sei er noch begeisterter

Facebook-User gewesen, doch

mittlerweile ginge im das alles gehörigauf

den Nerv:„Ichhabe keine Lust,

mich ständig selbst zu präsentieren.“

Zudem gebe es im Netz viele Kommentare,

bei denen er sich frage:Wo

kommt der ganzeBlödsinn her? Der

Mann spricht uns aus dem Herzen.

Sebastian Vettel überrascht mit dem

Geständnis,dass der Rennfahrer ein

Problem mit der Schnelllebigkeit unserer

Zeit habe.Leute würden zu

schnell berühmt, dann direkt wieder

vergessen. Mitdieser Artdes plötzlichen

Ruhms könne er sich nicht identifizieren,

so der Brause-Boy.Ersei

kein Mensch der Extreme,erklärtder

31-jährige Rennfahrer.Was uns einigermaßen

verblüfft, denn einen gemütlichen

Job, bei dem man entspannt

um den Block fährt, hat der

Mann ja nicht.

Ein 40-jähriger,namentlich nicht

näher bekannter Mann hat im US-

Bundesstaat Michigan die eigenen

Elternauf rund 87 000 Dollar Schadenersatz

verklagt. DieSumme beziffertden

dreifachen Wert seiner

Sammlung an Pornofilmen und

Sexspielzeug, die die Elternineinem

Anflug vonnachträglicher korrigierender

Erziehung des Sprosses

vernichtet hatten. DerMann verwies

auf die Einzigartigkeit seiner

Unterhaltungsmedien für Erwachsene,die

ihm offenbar viele einsame

Stunden versüßten.

Prinz Charles und seine Frau Camilla

kommen nach Deutschland.

Das Paar besuche vom 7.bis 10.

Mai die Städte Berlin, Leipzig und

München. Der Besuch des Prinzen

vonWales und der Herzogin von

Cornwall soll „die

Vielfalt und anhaltende

Bedeutung

der britisch-deutschen

Beziehungen“

zum Ausdruck

bringen.

(mpw./

mit dpa)

Hurra, sie kommen

bald nach

Deutschland.

GETTY IMAGE/C.JACKSON

TIERE

Ganz schön mühsam: Wahlvorbereitungen

im Urwald von Ost-Java. DPA

Im Dienste der Demokratie stapft ein

Pferddurch den Urwald vonTempurejo:

Tempurejo,soheißt ein UnterbezirkimOsten

der Insel Java,ergehörtzuIndonesien,

und in Indonesien,

dem viertbevölkerungsreichsten

Staat und der drittgrößten

Demokratie derWelt, finden am 17.

AprilWahlen statt. Unser Bild zeigt

außer dem Pferdeinen Polizisten und

einen Soldaten sowie rittlings,und

das ist hier entscheidend, eineWahlhelferin.

SiebringtWahlurnen und

andereWahlutensilien in abgelegene

Dörfer.Jede Stimme zählt. (schl.)

Nationalheiligtum in Flammen

Großalarm in Paris: Die Kathedrale Notre-Dame brennt und droht ganz einzustürzen

VonBirgit Holzer,Paris

Eines der bedeutendsten

Wahrzeichen der französischen

Hauptstadt, stolze96

Meter hoch, mehr als 850

Jahrealt und damit vonunschätzbarem

Wert – lichterloh brennend.

Groß war das Entsetzen, als sich am

Montagabend im Internet die schockierenden

Bilder und Videos von

dem Feuer verbreiteten.

Eine riesige Rauchsäule schwebte

über der Kathedrale Notre-Dame und

räucherte das ganze Viertel auf der

Pariser Stadtinsel Île de la Cité ein, das

bei Touristen beliebt ist und nicht nur

symbolisch das Herz der französischen

Metropole darstellt: Exakt vom

Platz vorder Kathedrale aus,die vom

zwölften bis zum 14. Jahrhundert errichtet

wurde, wird der Abstand zwischen

Paris und anderen Städten gemessen.

Diese Tatsache allein sagt

viel über die zentrale Bedeutung von

Notre-Dame aus.

Keine terroristische Tat

Der kleineren Turm in der Mitte des Daches stürzt ein.

AFP/GEOFFROY VAN DER HASSELT

Symbol der Einheit Frankreichs

Die Spitzturm war nach weniger als

einer Stunde gänzlich vomFeuer aufgefressen

und stürzte in die Tiefe.

Bald griffen die Flammen auch auf

den Haupt-Glockenturm hinter den

beiden Zwillingstürmen und das

Dach über dem Hauptschiff über.Das

genaue Ausmaß der Schäden an der

äußeren Struktur wie auch an der Inneneinrichtung,

die überwiegend aus

Holz besteht, dürfte erst in den kommenden

Tagen und Wochen bekannt

werden. Aber sie drohen dramatisch

zu sein.„Vom Balkenwerk, das auf der

einen Seite aus dem 19. Jahrhundert

und auf der anderen aus dem 13. Jahrhundert

stammt, wird nichts übrig

bleiben“, sagte der Sprecher der Kathedrale,

André Finot. Gegen 18.30

habe man den Alarm gehört. Er

könne nicht sicher ausschließen, dass

sich zum Zeitpunkt des Brandes, der

wohl vom Dachstuhl ausging, niemand

im Gebäude befand.

Auch die Ursache erschien unklar;

noch am Abend leitete die Pariser

Staatsanwaltschaft Ermittlungen ein.

In den französischen Medien stellten

Experten in erster Linie einen Zusammenhang

mit den aufwendigen Renovierungsarbeiten

her, die derzeit

am Dachstuhl des historischen Gebäudes

durchgeführtwerden und deren

Kosten sich auf insgesamt rund

120 Millionen Euro belaufen sollten –

freilich vor dem Brand. Die Polizei

gehe nicht voneinem terroristischen

Hintergrund aus, erklärte ein Sprecher

am Abend.

Weltweite Bestürzung

Auch außerhalb von Frankreich

sorgte der Brand für Entsetzen und

Bestürzung. „Notre-Dame von Paris

ist Notre-Dame von ganz Europa“,

schrieb EU-Ratspräsident Donald

Tusk auf Twitter.„Wir sind heute alle

bei Paris.“Auch die Bundesregierung

zeigte sich bestürzt. Regierungssprecher

Steffen Seibert twitterte im Namen

von Kanzlerin Angela Merkel:

„Es tut weh, diese schrecklichen Bilder

der brennenden Notre-Dame zu

sehen.“ Er fügte hinzu: „Notre-Dame

ist ein Symbol Frankreichs und unserereuropäischen

Kultur.Mit unseren

Gedanken sind wir bei den französischen

Freunden.“

Der Papst-Sprecher Alessandro

Gisotti teilte am Montagabend mit:

„Der Heilige Stuhl hat die Nachricht

des entsetzlichen Brandes, der die

Kathedrale vonNotre-Dame,Symbol

der Christenheit in Frankreich und

der Welt, verwüstet hat, mit Schock

und Trauer aufgenommen. Wir drücken

die Nähe zu den französischen

Katholiken und den Einwohnernvon

Parisaus und sichernden Feuerwehrleuten

und denjenigen, die alles tun,

um diese dramatische Situation zu

bewältigen, unsereGebete zu.“

Rund 400 Feuerwehrmänner waren

im Einsatz, deren erste Mannschaften

innerhalb von zehn Minuten

nach Entdecken des Brandes angerückt

waren. Sie versuchten nicht

nur zu löschen, sondern imInneren

auch einige der zahlreichen Kunstwerkevor

der Zerstörung zu retten.

Präsident Emmanuel Macron,

der über Twitter erklärte,ersei „traurig,

diesen Teil von uns brennen zu

sehen“ und „die Emotion einer ganzenNation“

unterstrich, eilte ebenso

wie Premierminister Édouard Philippe

und Erzbischof Michel Aupetit

noch am Abend an den Ort des Geschehens,umsich

selbst ein Bild davonzumachen,

vorallem aber auch

um den Franzosen zu zeigen, dass er

zur Stelle sei.

Das Gotteshaus von Notre-Dame bietet nicht nur atemberaubende Architektur,sondern ist auch ein politisches Zeichen

VonNikolaus Bernau

Politische Geste: Der französische Premier Edouard Philippe (l) und Präsident Emmanuel

Macron besichtigen die Löscharbeiten an Notre-Dame.

AFP/PHILIPPE WOJAZER

strebenden Arkaden, darüber je

zwei Bögen vor einem Emporengang

und direkt darüber den

schlanken Fenstern.

Wiealle anderen Kathedralen seit

dem mittleren 12. Jahrhundertnutzt

auch Notre-Dame, um diese Wirkung

zu erzielen, die Möglichkeiten

des Spitzbogens und des nur von

schlanken Rippen getragenen Ge-

Esgibt nur ein Notre-Dame.Das ist

zwar ungerecht, aber bezeichnet

den historisch und politisch herausragenden

Rang der Pariser Kathedrale

für unser Zeitalter. Ursprünglich war

Notre-Dame symbolisch keineswegs

die wichtigste französische Kirche:

Die Könige haben sich in Reims krönen

lassen. UndihreGrabdenkmäler

findet man zum allergrößten Teil in

der Abteikirche St. Denis in einem

Vorort vonParis.

Es war Napoleon I., der die inszenatorischen

Möglichkeiten dieser

Kirche auch für unser Zeitalter entdeckte,

als er 1804 sein Kaiserreich

hier mit dem Segen des Papstes begründete.

Seitdem gehört Notre-

Dame zum europäischen Bilderund

Bildungskanon, befeuert vom

„Glöckner von Notre-Dame“ Victor

Hugos bis zu praktisch jedem Paris-

Film, von unzählbar vielen Fotografien,

Zeichnungen, Gemälden und

kunsthistorischen Studien.

Ein Teil des Ruhms der Kathedrale

Notre-Dame ist ihre atemberaubende

architektonische Systematik.

Es ist eine Architektenkirche

wie wenige andere. Dasbeginnt mit

der Fassade, die aus riesigen Quadraten

zusammengefügt wurde,endet

nicht am Chor,der umfasst wird

vom zarten Gespinst der die hohen

Fensterwände stützenden Strebebögen.

Die inneren Fassaden der

Kirche sind in nur noch drei Ebenen

aufgelöst, die hoch vom Boden aufwölbes:

Sie erlaubten nämlich, im

Unterschied zu den massigen romanischen

Konstruktionen Gewölbe

auch asymmetrisch zu verziehen, sie

damit Segeln gleich zwischen überschlanke

Pfeiler undWände zu spannen

und so die riesigen Fenster zu

öffnen, die charakteristisch sind für

die französische Gotik. Die Bürger

vonParis,ihr Bischof, vorallem aber

die französischen Könige wollten

mit diesem Bau und seiner angemessen

prachtvollen künstlerischen

Ausstattung mit Glasfenstern, Skulpturen

und Gemälden, Stoffen und

Kirchengerät auch ein Zeichen setzen

gegen den rebellischen Feudaladel:

Kathedralen symbolisierten die

Einheit und Modernität Frankreichs

unter der Herrschaft der realpolitisch

oft sehr schwachen Könige.

Es dauerte kaum achtzig Jahre,

bis vom Chor bis zur Fassade zwischen

1160 und 1240 diese Kathedrale

neu entstanden war. Angesichts

der technischen Möglichkeiten

ist das immer noch kaum glaubhaft

kurz – zur Erinnerung: Wir

planen und bauen auch bereits 25

JahreamFlughafen BER.

NACHRICHTEN

Autopsiebericht: Julen starb

kurz nach Sturz in Bohrloch

Derkleine Julen ist vordreiMonaten

im südspanischen Totalán unmittelbar

nach seinem Sturzineinen engen

Brunnenschacht an seinen

schweren Kopfverletzungen gestorben.

DerZweijährige habe am 13. Januar

nach dem Unglück nur noch

wenige Minuten gelebt, ergab jetzt

der Abschlussbericht der Pathologen,

die die Autopsie durchgeführt

hatten. DieExperten schlossen aus,

dass der Einsatz der Retter mit einer

Spitzhacke für den Toddes Kindes

mitverantwortlich sein könnte,wie

im Februar in einem Bericht spekuliertworden

war.Der Junge war in

ein über 100 Meter tiefes,illegal gegrabenes

Bohrloch gefallen. Seine

Leiche wurde zwei Wochen später in

70 MeternTiefe gefunden, nachdem

Helfer in mühsamer Arbeit einen Parallelschacht

gebohrthatten. (dpa)

Schuss aus Windeltasche

verletzt Vater und Tochter

Durcheinen unbeabsichtigt ausgelösten

Schuss aus einer Pistole in einer

Windeltasche sind ein Vater und

seine Tochter im US-Staat Alabama

verletzt worden. DerMann wollte

auf einem Parkplatz in der Nähe von

Birmingham seiner Tochter auf dem

Rücksitz seines Wagens die Windel

wechseln und griff in die Windeltasche,als

sich der Schuss aus der

darin versteckten Waffe löste.Nach

den Polizeiermittlungen durchschlug

die Kugel zunächst das Bein

des Mannes,dann verletzte sie das

Bein des Kleinkindes,ehe sie in den

Brustkorb des Vaters eindrang. (dpa)

Seltenste Schildkrötenart

stirbt wahrscheinlich aus

Vonder Jangtse-Riesenweichschildkröte

gibt es keine bekannten Weibchen mehr. AFP

Dasletzte bekannte Weibchen der

Jangtse-Riesenweichschildkröte ist

in einem ZooinChina gestorben –

ausgerechnet bei einem Besamungsversuch,

um die seltene Tierartzuretten.

Diegrößte Süßwasser-

Schildkröte der Welt steht damit

wohl unausweichlich vordem Aussterben.

Es gibt nun weltweit nur

noch drei bekannte Exemplare–ein

Männchen im ZooinChina und zwei

in freier Wildbahn in zwei Seen in Vietnam.

(dpa)

Mordkommission ermittelt

nach Anschlag auf Zug

Unbekannte haben am Sonnabend

einen Anschlag auf einen Regionalzug

in Nordrhein-Westfalen verübt.

Wiedie Polizei mitteilte,seilten sie

nach ersten Ermittlungen gegen 6.25

UhrmehrereGully-Deckel voneiner

Brücke in BadBerleburgbis auf

Höhe der Fahrerkabine ab.Der Lokführer

wurde leicht verletzt, die zuständige

Mordkommission nahm

Ermittlungen wegen versuchten

Mordes auf. DieGully-Deckel durchschlugen

laut der gemeinsamen Mitteilung

vonPolizei und Staatsanwaltschaft

die Frontscheibe des Zuges

der Hessischen Landesbahn, der

sich auf einer Leerfahrtohne Fahrgäste

befand. (dpa)

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