Berliner Zeitung 18.04.2019

BerlinerVerlagGmbH

6* Berliner Zeitung · N ummer 91 · 1 8./19. April 2019

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Wirtschaft

NACHRICHTEN

MÄRKTE

Fast vier Prozent weniger

Autozulassungen in der EU

Aufdem europäischen Automarkt

ist die Nachfrage im Märzden siebten

Monat in Folge gesunken. Das

Minus fiel dabei stärker aus als einen

Monat zuvor.Die Zahl der Neuzulassungen

in der EU sank im Märzum

3,9 Prozent auf rund 1,72 Millionen

Fahrzeuge,wie der Branchenverband

ACEA mitteilte.ImFebruar

hatte der Rückgang ein Prozent betragen.

Seit Jahresbeginn beträgt das

Minus in der EU nun insgesamt

3,3 Prozent. In den meisten europäischen

Automärkten ging es im März

abwärts: In Deutschland sanken die

Neuzulassungen um 0,5 Prozent, in

Frankreich gingen sie um 2,3 Prozent

zurück und in Großbritannien

um 3,4 Prozent. (dpa)

Die meiste Schokolade

kommt aus Deutschland

Rund ein Drittel der EU-weit hergestellten

Schokolade kommt aus der

Bundesrepublik. 2017 wurden hierzulande

1,3 Millionen Tonnen Schokolade

hergestellt, wie die EU-Statistikagentur

mitteilte.Das entspricht

einemEU-Anteil von32Prozent.

Damit ist Deutschland, das zugleich

auch der einwohnerstärkste Staat

der EU ist, im Ländervergleich mit

großem Abstand Spitzenreiter.Es

folgen Italien mit 0,7 Millionen Tonnen

(18 Prozent) sowie Frankreich

und die Niederlande mit jeweils

0,4 Millionen Tonnen (9 Prozent).

Insgesamt wurden 2017 in der EU

vier Millionen Tonnen Schokolade

im Wert von18,3 Milliarden Euro

hergestellt. (dpa)

Chef des Industriekonzerns

ABB tritt überraschend ab

UlrichSpiesshofergeht „in gegenseitigem

Einvernehmen“. FOTO: ENNIO LEANZA/KEYSTONE

Ulrich Spiesshofer, Chef des

Schweizer Industriekonzerns ABB,

ist überraschend zurückgetreten.

DasinZürich ansässige Unternehmen

gab keine Gründe für den

Schritt „in gegenseitigem Einvernehmen“

an. Investoren hatten seit

Längerem einen Mangel an neuen

Großaufträgen kritisiert. Im ersten

Quartal ging der Gewinn binnen

Jahresfrist um 6Prozent auf 535 Millionen

Dollar zurück. ABB ist ein vor

allem in der Automatisierung und

Digitalisierung der Industrie tätiges

Unternehmen mit weltweit fast

150000 Mitarbeitern. (dpa)

Gute Geschäfte für

Gastwirte und Hoteliers

Hoteliers und Gastwirte in Deutschland

haben auch im Februar gute

Geschäfte gemacht. DerUmsatz in

der Branche stieg, bereinigt um

Preissteigerungen (real) und gemessen

am Vorjahresmonat, um 3,3 Prozent,

wie das Statistische Bundesamt

mitteilte.Nominal lag das Plus

bei 5,6 Prozent. In denersten zwei

Monaten 2019 stiegen die Erlöse

preisbereinigt um 1,9 Prozent und

nominal um 3,8 Prozent. DieBeherbergungsunternehmen

setzten real

1,4 Prozent mehr um, der Umsatz in

der Gastronomie stieg binnen Jahresfrist

um 4,6 Prozent. DasGastgewerbe

profitiertschon seit geraumer

Zeit vonder Konsumfreude der Verbraucher.

(dpa)

„Wir müssen unsständig weiterentwickeln“:N26-GründerValentinStalf.

Wirtschaftskrimi Wirecard

Finanzaufsicht erstattetAnzeige gegen Spekulantennetzwerk wegen desVerdachts illegaler Kursmanipulation

Von Thomas Magenheim

Blackbox N26

Hunderte Kontender Berliner Smartphonebank sollen für Onlinebetrug genutzt worden sein

Von Jochen Knoblach

Valentin Stalf galt lange Zeit

als Wunderknabe in der

neuen digitalen Finanzwelt.

Der gebürtige Wiener

mit Wirtschaftsabschluss der

UniSt. Gallen hatte 2013 nach einer

Zeit bei der Berliner Start-up-Fabrik

die Bank N26 gegründet. Es war bundesweit

das erste Fintech-Unternehmen,

das eine eigene Bankenlizenz

erhielt. Eine Bank ohne Filialen, bei

der sich ein Konto binnen weniger

Minuten allein per Handy eröffnen

lässt. Mittlerweile hat das Unternehmen

2,5 Millionen Kunden. Doch

nunhäufen sich die Probleme.

Konten spät gesperrt

Bereits vor zwei Wochen geriet die

Bank wegen laxen Umgangs mit Anfragen

besorgter Kunden in die Kritik.

NunsollenKonten bei N26 sogar

zur Geldwäsche im Zusammenhang

mit Onlinebetrug benutzt worden

sein.

Nach Recherchen von NDR und

„Süddeutscher Zeitung“ seien

knapp 400 N26-Konten unter anderemfürFakeshopsimInterneteingesetztworden.

BeieinigendieserKontoverbindungen

habe es mehrere Tage,

teils Wochen gedauert, bis die

Bank sie sperrte. Konkret wird über

einen Fall berichtet, in dem ein angebliches

Marktforschungsunternehmen

via Internet „Produkttester“

anwarb, die den Videochat von

Das Unternehmen: N26

wurde 2013 vonden ÖsterreichernValentin

Stalf und

Maximilian Tayenthal als Direktbank

in Berlin gegründet.

Zunächst kooperierte man

mit dem Zahlungsdienstleister

Wirecard. 2016 bekam

N26 dann eine eigene Bankenlizenz.

tung „Financial Times“ (FT)das heutige

Dax-Unternehmen mit einer Serie

von Artikeln unter Druck. In Singapur

soll ein führender Wirecard-

Manager Scheinumsätze erzeugt

und die Bilanzen geschönt haben.

Wirecard dementiert, verklagt die

„FT“ und deren Autor auf Schadensersatz

und präsentiertein Rechtsgutachten,

mit dem sich das Unternehmen

als entlastet ansieht.

Als Befreiungsschlag lässt das der

Marktaber nicht gelten. Gut160 Euro

hat eine Wirecard-Aktie vor den

„FT“-Berichten gekostet. Heute sind

es 122 Euro. Zeitweise waren 8Milliarden

Euro Börsenwert vernichtet

worden. Nun aber hat die deutsche

Finanzaufsicht Bafin ein starkes Indiz

dafür geliefert, dass der Dax-Konzern

ausAschheimbei München das

DIE DIGITALBANK

US-Debüt: Inzwischen ist

N26 in 24 Ländernvertreten.

Die Bank hat 2,5 Millionen

Kunden und beschäftigt

mehr als 1000 Mitarbeiter.

Für die Jahresmitte ist zudem

das Debüt auf dem USamerikanischen

Markt geplant.

Außerdem will man

nach Brasilien expandieren.

Milliardenwert: Bei Investoren

steht N26 hoch im Kurs.

Anfang 2018 hatte die Bank

143 Millionen Euro unter anderem

bei der Allianz und

dem chinesischen InternetkonzernTencent

eingesammelt.

Zuletzt wurde N26 auf

einen Wert von2,3 Milliarden

Euro taxiert.

Opfer von Spekulanten ist. Bei der

Staatsanwaltschaft München hat sie

Anzeige gegen mehrere Personen

wegen Verdachts auf illegale Marktmanipulation

in Form einer sogenannten

Short-Attacke erstattet. Um

das zu verstehen, muss man wissen,

wie ein solcher Angriff funktioniert.

Er bedarf Spekulanten und einer

kursschädigenden Nachricht. Erstere

leihen sich dabei gegen Gebühr

Aktien eines Unternehmens. Das ist

an sich legal und eine gängige Börsenwette,

inder Short-Variante eine

Wette auf fallende Kurse.Illegalwird

es, wenn Spekulanten darauf vertrauen

können, dass die Aktie fällt,

weil sie vom Erscheinen einer kursschädigenden

Nachricht wissen.

Nachdem das Papier danach gefallen

ist, kaufen es die Spekulanten billig

FOTO: WOLFGANG KUMM/DPA

N26 überprüfen und dafür „zum

Test“ ein Konto eröffnen sollten. War

das geschehen, übernahmen die Täter

das Konto und nutzten es fürfingierte

Onlineshops. Als der Kunde

bemerkte, dass etwas faul war, versuchte

er zwei Wochen lang vergeblich,von

der Bank dazu Auskunft zu

bekommen.ObundinwelcherHöhe

dem Kontoinhaber wider Willen ein

Schaden entstanden sein könnte,

weiß er dem Bericht zufolge bis heute

nicht.

Bei N26 könnte eslaut den Recherchen

möglicherweise vor allem

bei der Überwachungvon verdächtigen

Transaktionen haken. Kriminelle

konnten die Konten jeweils einige

Tage bis Wochen für ihre Zwecke

nutzen, um Geld aus ihrenGeschäften

zu waschen.Teils werden solche

Konten im Netz wie eine Ware gehandelt

und wechseln für wenige

Hundert Euro den Besitzer. Den getäuschten

Kontoinhabern selbst

drohen andererseits Zivilklagen von

betrogenenKundender Fakeshops.

BeiN26wirdderFallbestätigt.Zugleich

verweist man auf die hohen

Standards seines Instituts.„Ichglaube

auch, dasswir in vielen Bereichen

deutlich sicherersind als der Marktdurchschnitt“,

so Valentin Stalf. „Es

gibt einfach Bedrohungsszenarien,

da müssen wir uns ständig weiterentwickeln.“

Seine Bank tue alles,

um ihre Verfahren noch sicherer zu

machen. Auf neue Betrugsmaschen

reagiereman sofort.Wie auf Anfrage

zu erfahren war, weise die Bank darauf

hin, dass sie keine Kooperationen

mit Job- und Wohnungsagenturen,

Marktforschungsinstituten und

Kreditvermittlernauf externen Websites

eingehe, indenen dazu aufgefordertwird,

die Identität per Videoanruf

bei N26 zu bestätigen.

Und der Kundenservice? „Leider

haben wir in einigen Fällen festgestellt,

dass Kunden nicht sofort zurückgerufen

wurden, und wollenuns

hierfür entschuldigen“, sagte der

N26-Chef am Mittwoch. Inzwischen

beschäftige man imKundenservice

600 Mitarbeiter.Bei Betrugsverdacht

oder Sicherheitsbedenken könnten

Kunden die Mitarbeiter im Chat um

einenRückruf bitten, und „wir rufen

sie innerhalb einer Stunde zurück,

um das Anliegen zu klären“, heißt es.

Kein Telefonservice geplant

In naher Zukunft will die Bank

24 Stunden am Tag, sieben Tage die

Woche erreichbar sein. Telefonisch

geht das aber nachwie vornicht und

ist auchnichtvorgesehen.

Unter dem Strich spricht einiges

dafür, dass wieder ein Unternehmen

zu schnell gewachsen ist. In den vergangenen

zwölf Monaten wurden

1,6 Millionen Konten eröffnet, die

Mitarbeiterzahl stieg vonknapp 400

auf über 1000. Stalfs Selbstbewusstsein

blieb dabei unversehrt: „Unser

Anspruch ist es, für alle Kunden die

sicherste undverlässlichste Bank zu

sein“, sagte er voreinerWoche.„Vielen

Dank für euer Vertrauen.“

Es gibt nicht viel, was schwerer

nachzuweisen ist, als illegale Spekulationengegen

den Aktienkurs von

Unternehmen. VordreiJahren hates

die Staatsanwaltschaft München

versucht. Betroffen war der Zahlungsdienstleister

Wirecard. Vondamals

39 Beschuldigten sind am Ende

zwei Personen übrig geblieben.

Gegen einen wurde das Verfahren

gegen eine Geldzahlung eingestellt,

gegen den anderen Strafbefehl erlassen,

über den noch nicht endgültig

entschieden ist. 2019 ist Wirecarderneut

Ziel vonSpekulanten geworden

–nicht nur die Mechanismen ähneln

sich.

Im aktuellen Fall setzte seit Ende

Januar die britische Wirtschaftszeizurück,

geben das ausgeliehene

Papier wieder seinem Besitzer und

streichen risikolos den Gewinn ein.

VordreiJahrenimWirecard-Altfall

war es eine Analyseplattform namens

Zatarra, die kritische Berichte

veröffentlicht hat, 2019 die „FT“. Der

Autor war in beiden Fällen identisch.

2016 wurde er von Staatsanwälten

nicht als Beschuldigter geführt. Heute

zählt er zum mutmaßlichen Spekulantennetzwerk,

das die Bafin angezeigt

hat, bestätigen zwei Quellen

unabhängig voneinander.

DieBafin hat namentlich Journalisten

und Spekulanten angezeigt.

Dazu kommen weitereUnbekannte.

Insider würde es nicht überraschen,

wenn mehrere der heute Angezeigten

mit den vor drei Jahren Beschuldigten

identisch sind.

DAX-30 in Punkten

18.1.19

18.1.19

▲ 12153,07 (+0,43 %)

Rohöl je Barrel Brent in US-Dollar

Euro in US-Dollar

18.1.19

Stand der Daten: 17.04.2019 (21:50 Uhr)

Alle Angaben ohne Gewähr

Gewinner

17.4.19

▼ 71,62 (–0,33 %)

17.4.19

▼ 1,1301 (–0,04 %)

Quelle

aus DAXund MDAX vom17.04.zum Vortag

17.4.19

Siltronic NA 91,08 +5,17 WWWWWWWWWWW

Wirecard 122,50 +3,90 WWWWWWWWW

thyssenkrupp 13,65 +3,61 WWWWWWWW

Rocket Internet 23,16 +3,21 WWWWWWW

Volkswagen Vz. 161,36 +3,03 WWWWWWW

United Internet NA 36,39

Verlierer

+2,80 WWWWWW

ausDAX und MDAXvom 17.04. zumVortag

SartoriusVz. 152,10 WWWWWWWWWW –4,52

Evotec 22,24 WWWWWWWWW –4,06

Gerresheimer 65,90 WWWWWWWW –3,87

Qiagen 34,44 WWWWWWWW –3,85

Fresenius 49,23 WWWWWWWW –3,40

Fresenius M. C. St. 71,38 WWWWWWW –3,31

Leitbörsen im Überblick

52-Wochen Hoch/Tief 17.04. ±% z. 16.04.

Euro Stoxx 50(EU) +0,41

3596/2909 3477,73

CAC 40(FR) +0,62

5657/4556 5563,09

S&P UK(UK) ±0,00

1590/1323 1512,83

RTS (RU) +0,80

1270/1033 1265,51

IBEX (ES) +0,55

10291/8286 9549,80

Dow Jones (US) +0,04

26952/21713 26462,89

Bovespa (BR) – 1,34

100439/69069 93073,56

Nikkei (JP) +0,25

24448/18949 22277,97

Hang Seng (HK) +0,02

31593/24541 30108,62

Stx Singap. 20 (SG) +0,46

1592/1350 1587,69

Sparbriefe und

langfristigeAnlagen 5.000 Euro

Kundenkontakt 3Jahre 5Jahre 8Jahre

Ziraat Bank

ziraatbank.de 1,30 1,45 -

Crédit Agricole **

ca-consumerfinance.de 1,31 1,41 -

OYAK ANKER Bank

oyakankerbank.de 0,90 1,25 1,60

akf bank **

akf.de 1,10 1,25 1,25

Akbank

akbank.de 1,00 1,20 -

Targobank

targobank.de 0,60 1,10 -

Santander

santander.de 0,60 0,90 1,22

Deutsche Bank

deutsche-bank.de 0,05 0,05 0,30

ING

ing-diba.de 0,07 0,12 -

Postbank

postbank.de - - -

Isbank

isbank.de 1,25 1,50 -

PSD Berlin Brandenburg

psd-bb.de - - 0,40

Mittelbrandenburgische Sparkasse

0331/898989 0,01 - 0,01

Berliner Sparkasse

030/86986969 - - -

Sparda-Bank Berlin

030/42080420 - - -

Mittelwert von 80 Banken 0,72 0,90 0,89

*Neukundenangebot

** Einlagensicherung 100.000 Euro

ERLÄUTERUNGEN Wechselnde Darstellung: Tagesgeld (Dienstag), Ratenkredit

(Mittwoch),Sparbriefe (Donnerstag), Festgeld (Freitag), Baudarlehen (Samstag).

Quelle: FMH-Finanzberatung

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