Berliner Kurier 20.04.2019

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SEITE17

BERLINER KURIER, Sonnabend, 20. April 2019

Kostenentwicklung Bau

120

115

110

105

100

95

0

indexiert2015=100

Tariflöhne

Berlin

Baumarerialpreise

Deutschland

Baupreise

Berlin

85

80

Tariflöhne

Ostdeutschland

75

Baupreise

70 Ostdeutschland

2004 2018

Grafik/Galanty; Q.:SOKA-Bau, Stat.Bundesamt,Stat. LandesämterBerlin-Brandenb., M.-Vorpom., Sachsen, S.-Anhalt,Thüringen

Bei der Sozialkasse gemeldete gewerbliche Arbeitnehmer

Baugewerbe Berlin

50 000

40 000

30 000

20 000

10 000

0

Jan. 93 Juli 05 Jan. 19

Grafik/Galanty; Quelle: Sozialkasse

Foto: Imago Images/Kraehn

Die Kräne drehen sich. Überall

in Berlin wird gebaut.Doch

Bauen wird immer teurer –

und das Personal fehlt.

bau um 40 Prozent. Die Gebühren

der Deponien, die Erdaushub

annehmen, seien gestiegen.

Die Gewerbeabfallverordnung

ziehe nach sich, dass bis zu zehn

Container auf einer Baustelle

vorgehalten werden müssen.

Baumaterial, Erdaushub und

Abfälle müssen im Lkw über

Autobahnen transportiert werden,

dort wird Maut fällig.

Muss für die Errichtung eines

Hauses in einer Baulücke Straßenland

genutzt werden, sind

Gebühren fällig. Manja Schreiner,

Hauptgeschäftsführerin

der Fachgemeinschaft: „Da langen

die Bezirke kräftig zu, Charlottenburg-Wilmersdorf

zum

Beispiel mit 7,50 Euro pro Monat

und Quadratmeter.“

Schreiner kritisiert, dass Vorschriften

das Bauen teuer machen:

„Durch die Einführung

der Energieeinsparverordnung

sind die Herstellungskosten um

durchschnittlich sieben Prozent

gestiegen, die

Einsparergebnisse

sind im Verhältnis

dazu verschwindend

gering.“

Schließlich führe

der vermehrte Einsatz von Generalunternehmern

bei Bauprojekten

zu Kostensteigerungen,

Im Bau wird das

Personal knapp,

oft mussüber Tarif

gezahlt werden

weil sie auchihr Stück vom Kuchen

abhaben wollen.

Für die Gewerkschaft IG Bau

sind die Preissteigerungen eine

Folge der Nachfrage. Das Preisniveau

sei allerdings erstmals

seit Jahren auskömmlich. Ruprecht

Hammerschmidt von der

IG Bau: „In der Baukrise zwischen

1995 und 2010

sind mehr als die

Hälfte der Arbeitsplätze

in der Region

weggefallen.“ Das

führe dazu, dass Personal

knapp wurde, in einigen

Bereichen über Tarif gezahlt

wird. Gleichzeitig sinkt die Zahl

der arbeitslosen Bauarbeiter in

Berlin seit Jahren. Waren 2013

im Hochbau noch knapp 1300

als Fachkraft eingestufte Bauleute

arbeitslos, zählte die Arbeitsagentur

2018 nur noch gut

500. Fast deckungsgleich war

die Entwicklung im Aus- und

Trockenbau. Die Sozialkasse

Bau registrierte im vergangenen

Sommer 20000 gewerbliche

Arbeitnehmer.

Hammerschmidt: „Es gibt,

auch wenn das ein schreckliches

Wort ist, sogenannte Fangprämien.

Mitarbeiter in Baufirmen

bekommen Geld, wenn sie

jemanden für das Unternehmen

als Mitarbeiter gewinnen.“ Da

gebe es schon mal tausend Euro.

Aus Gewerkschaftssicht ist

die Preisentwicklung gut für die

Beschäftigten. Hammerschmidt:

„Die Firmen können

jetzt kostendeckende Preise

verlangen, es gibt keine Rechtfertigung

mehr für Lohndumping

oder Schwarzarbeit. Wer

heute noch damit operiert, handelt

ausschließlich aus Profitgier.“

Eine Baufachkraft (Geselle

mit Berufserfahrung) verdient

seit 1. März 2018 in Berlin einen

Ecklohn von 19,24 Euro brutto,

in Brandenburg 18,27 Euro.

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