Berliner Kurier 20.04.2019

BerlinerVerlagGmbH

REISE Thüringen

NACHRICHTEN

Abtauchen im U-Boot

Auf den Spuren der

Für alle, die lieber aus dem

Trockenen die faszinierende

Unterwasserwelt der

Karibik entdecken möchten,

gibt es die „Substation

Curaçao“. Als weltweit einziges

Tiefseetauchboot ermöglicht

das „Curasub“

Touristen, bis zu 320 Meter

tief ins Meer hinabzutauchen.

Viermal täglich werden

Touren angeboten. Insgesamt

dauert eine Fahrt

etwa 1Stunde und 15 Minuten.

Ohne Mühe gelangen

die Besucher tiefer als ein

Taucher je gekommen ist

und erhalten bei ruhiger

See eine klare Sichtweite

von über 30 Metern.

Infos: www.curacao.com/de

Schleuse fast frei

Trotz der Sperrung der

Schleuse Zaaren bei Templin

(Uckermark) ist die Obere

Havel-Wasserstraße für

Ruderer und Kanuten wieder

befahrbar. Dafür ist ein

Weg angelegt worden, auf

dem die Boote an der

Schleuse vorbeigetragen

werden können. Aber die

Schleuse bleibt wegen Bauarbeiten

noch bis zum 1. August

gesperrt. Damit ist der

direkte Weg auf Wasserstraßen

zwischen Berlin

und der Mecklenburgischen

Seenplatte blockiert.

Fit auf hoher See

Kreuzen und fit werden:

Auf der Themenreise „Gesund

&munter“ vom 22. bis

30. Juni 2019 (Route Ostsee

mit St. Petersburg III) erfahren

die Gäste von prominenten

Experten auf der

„Mein Schiff 4“ wie sie fit

und gesund leben. Auch der

Spaß und die Kulinarik

kommen nicht zu kurz.

Infos: www.tuicruises.com

Fragen?

Wünsche?

Tipps?

Foto: zvg Foto: zvg/Curacao

Tel. 030/23 27 56 98

(Mo.–Fr. 10–15 Uhr)

E-Mail: service-redaktion@berliner-kurier.de

Kräuterfrauen und

Buckelapotheker

Händler brachten jahrhundertelang

Heilmittel aus Thüringen zu Fußnach

ganz Europa. Heute erwandern Touristen

die Olitätenwege durchs Schwarzatal –

wir waren mit ihnen unterwegs

Kaum zu glauben, aber es gibt

Gegenden, in denen man über

die Bahn nicht meckern kann.

Es gibt einfach keinen Grund.

Das Schwarzatal in Thüringen

ist so eine Region. Hier

sind die Züge hübsch anzusehen

und pünktlich sind sie

auch. Sogar Cabrios sind im

Einsatz.

Wer etwa ab Obstfelderschmiede

die Standseilbahn benutzt,

kann in diesen offenen Wagen

18 Minuten bergan fahren. Seit

fast hundert Jahren verrichtet

die ungewöhnliche Bergbahn

ihre Dienste, früher vor allem

beim Transport der Materialien

für die Glas- und Porzellanproduktion,

heute im sogenannten

kleinen Personenverkehr.

Im Schritttempo bekommt

man einen Einblick

in die Besonderheiten des

Schwarzatales. Holzskulpturen

neben der Strecke

zeigen eine Kräuterfrau

und einen Buckelapotheker,

eine Fröbelbank und

ein Porzellanregal.

Die 1400 Meter zwischen

Dassind die üblichen medizinischen Utensilien,

die ein Buckelapotheker mit sich führte.

Foto: zvg

Zwei berühmte Originale aus

Thüringen: die Kräuterfrau

und der Buckelapotheker.

Obstfelderschmiede und

Lichtenhain fassen zusammen,

was das Schwarzatal

einmal ausmachte und

noch immer ausmacht. Hier

wachsen die Kräuter, vom

16. bis 20. Jahrhundert die

Grundlage für den Olitätenhandel

oder anders ausgedrückt:

den Export von Naturheilmitteln

in die ganze Welt.

In Lichtenhain dann das

nächste Bahn-Highlight: die

Olitätenbahn, die seit 2016 zur

Fahrt nach Oberweißbach und

Cursdorf einlädt. Mit Blumen

bemalt sind die beiden umgebauten

historischen Triebwagen

der Deutschen Bahn. Im Inneren

schwirren Libellen und

Schmetterlinge über getuschte

Wiesen, auf dem Boden krabbeln

gezeichnete Ameisen und

Marienkäfer und dicke Hummeln

sitzen auf blühenden

Kräutern. Wie diese getrocknet

riechen, können Fahrgäste

dank eines Duftkastens mit vielen

kleinen Fächern erschnuppern.

Von Mai bis Oktober fahren

die Olitätenwagen halbstündlich.

Die Kräuterfrau Katharina

Eichhorn geht mit uns den

Oberweißbacher Kräuterlehrpfad,

der Teil des 178 Kilometer

langen Olitätenrundweges ist.

Sie erzählt, wie der Olitätenhandel

in früheren Jahrhunderten

funktionierte. Die Kräuterfrauen

sammelten Blüten,

Blätter und Wurzeln, die Apotheker

und Laboranten verarbeiteten

sie und die Buckelapotheker

trugen die Tinkturen,

Salben oder Auszüge in einem

Gestell auf dem Rücken auf

Märkte und in Haushalte. Jeder

Buckelapotheker ging –ausgestattet

mit einem Pass über seine

Qualifikation - eine bestimmte

Linie, die ihm der

Fürst zuwies.

Dass sich dieser Wirtschaftszweig

vor allem im Schwarzatal

so gut entwickelte, ist ein Geschenk

der Natur. Auf den kalkhaltigen

Böden gediehen die

Heilpflanzen besonders gut, sie

waren der Reichtum der Region.

Heute wachsen 150 verschiedene

Arten allein entlang

des 2,4 Kilometer langen Kräuterlehrpfades

und am

Fuße des Fröbelturms

auf dem Kirchberg sind

es besonders viele, weil

hier auf einer Wiese 90

Arten ausgewildert

wurden.

Zwischen elf und 14

Uhr, wenn Sonne und

Wind den Tau auf den

Pflanzen getrocknet

haben, ist die beste Zeit,

Blüten und Blätter von

Kräutern zu sammeln.

Wurzeln, sagt Katharina

Eichhorn, sammle

man besser am Abend oder idealerweise

im Herbst, wenn sich

die Pflanze zurückzieht und ihre

Kräfte in die Wurzeln wandern.

Entlang der Olitätenwege

sind die Kräuter beschildert

und wer den QR-Code auf den

Täfelchen mit dem Handy

scannt, erfährt, was da wächst

und wogegen oder wofür das

Kraut gut ist.

Ganz nebenbei hat die blonde

Kräuterfrau ihren Korb mit

Heilpflanzen für das anschließende

Kräuterseminar gefüllt.

Es findet im Oberweißbacher

Fröbelhaus statt. Ein Raum im

Geburtshaus des berühmten

Vorschulpädagogen Fröbel ist

der Geschichte des Olitätenhandels

gewidmet, unterm

Dach finden die Seminare statt.

Darin lernen die Gäste, dass die

Schafgarbe entkrampfend

wirkt, dass das süß duftende

Wiesenlabkraut früher bei der

Käseherstellung unerlässlich

war und sie erfahren, dass

Smoothies mit Giersch, Melisse,

Sauerampfer und Vogelmiere

gesund und köstlich sind.

Nicht wegen solcher Erkenntnisse

besuchen immer mehr

Asiaten das Schwarzatal. Für

sie ist das Stückchen Thüringen

wegen Fröbel interessant. In 47

Sprachen wurde das Wort Kindergarten

übernommen. In einer

Zeit, in der der Leistungsdruck

schon im Vorschulalter

sehr groß ist, scheinen Fröbels

Ideen wieder an Bedeutung zu

gewinnen. Dass das Kind im

Spiele lerne, empfahl er und

sich entsprechend seinen Fähigkeiten

entwickeln dürfe und

wie ein Samenkorn gehegt und

gepflegt werden müsse. Noch

so ein Exportschlager aus dem

Schwarzatal. Ina Pachmann

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