Kathai Magazin 04/2019

kathai

Vor Ihnen liegt die Frühjahrs-Ausgabe des Kathai-Magazins. Information und Unterhaltung zu deutsch-chinesischen Themen auf 122 Seiten. Das sind nochmal 24 Seiten mehr als im letzten Magazin. Kathai hat nunmehr registrierte 40,000 Leser und weitere 5,000 Hefte werden auf Messen verteilt. Für chinesische Verhältnisse ist das nicht ungewöhnlich, aber als rein deutschsprachiges Magazin ein Novum. In dieser Ausgabe machen wir einen Schwenk von der Textilindustrie über die Gesundheit hin zur Food&Beverages-Industrie. Allen drei Themen ist gemeinsam, dass sie direkt mit einer intakten Umwelt korrelieren. Die Durchsetzung der Wasserreinhaltungsgesetze, der Abfall- und Kreislaufwirtschaft, aber auch der Renaturierung (Phoslock, Agro-PV) haben in China an Fahrt aufgenommen. Die Zeit wird zeigen, ob die deutsche Klein- und Mittelständische Industrie daran teilhaben wird. Die Voraussetzungen sind ausgezeichnet. Werden die deutschen KMU mit der Start-Up-Kultur und der Verquickung des Lebens mit der IT in China zurechtkommen? Wir bei Kathai-Media sind da sehr zuversichtlich! Sven Tetzlaff (Asia Editor)

Karl-Marx-Skulptur

von Wu Weishan.

Simeonstiftplatz, Trier

MITTELSTÄNDLER DEUTSCHLA

VEREINIGT EUCH!

Chamonix Camera, ein Mittelständler aus

Haining kooperiert mit der Traditionsfirma

Jobo (est.1923) aus Gummersbach in einem

ausserordentlich kompliziertem Geschäft:

der analogen Fotografie.

Der Mittelstand (KMU) ist

das Rückgrat und Motor

der

deutschen

Wirtschaft. Er stellt etwa

95 % der in Deutschland ansässigen

Betriebe und Unternehmen

dar, 41,5 % der Unternehmensumsätze

kommen aus den KMU,

in ihnen arbeiten 57% aller

deutschen Beschäftigten. Für die

Deutschen ist das alles selbstverständlich

– in China dagegen

nicht.

So manchem Mittelständler wird bei

einem Chinabesuch nicht die

Enttäuschung auf dem Gesicht seiner

Gastgeber entgangen sein, wenn er

nach der Anzahl seiner Mitarbeiter

gefragt wurde und dieser stolz mit

z.B. „120“ antwortete.

Das Konzept, dass man mit vielen,

mittleren und kleinen Unternehmen

eine der wettbewerbsfähigsten

Wirtschaften der Welt am Laufen

halten kann, ist noch immer kein Allgemeingut

im Reich der Mitte. Viele

chinesische Unternehmer haben es

gerne groß. Mit klein aber fein zum

Hidden Champion? Fehlanzeige! Aber

auch das ändert sich gerade. Die

Firma Chamonix aus Haining ist so

ein Beispiel. Noch wichtiger: Die

KMU aus Deutschland und China

gehen nun aufeinander zu – Kooperation

auf Augenhöhe.

Ich hatte vor einigen Jahren einen

Artikel für den Fotoespresso (1/2015)

über die Firma CHAMONIX Camera

Co., Ltd. und ihren CEO Yu Xiang

geschrieben. Zu jener Zeit gewann

der Analog-Hype gerade an Fahrt. Die

Firma CHAMONIX war seinerzeit nur

Eingeweihten ein Begriff und

Großformat galt als hoffnungslos exotisch.

Was bisher geschah ...

Mittlerweile sprechen Optimisten von

einer Renaissance der Analogfotografie.

Ob und wie sich dieser Trend

fortsetzen wird, steht in den Sternen.

Doch sicher ist, dass die analoge

Fotografie einen Platz erobert hat,

den sie dauerhaft innehaben kann.

Denn es geht dabei gar nicht um das

„analoge“ Herstellungsverfahren bzw.

das Medium selbst, sondern das „Analog“

steht als eine Metapher für „Contemporary

(and Individual) Photography“

im Gegensatz zum Zeitalter

der „Documentary (and fast) Photography“,

welches wir gerade hinter

uns gelassen haben.

Die Fotoindustrie bildet diesen Wandel

sehr gut ab. Größere Formate

wurden abgelöst durch kleinere – weil

billiger und schneller. Dann wurde

der Messsucher dem Spiegel mit

Autofokus geopfert - weil schneller -

und dann wurde der Spiegel aufgefordert

zu gehen, und mit ihm der

mechanische Verschluss, um elektronisch

irgendwie noch schneller und

billiger zu werden. Die meisten Bilder

werden heute mit dem Telefon

gemacht. Von groß zu klein, von langsam

zu schnell. Was dabei auf der

22 KATHAI MAGAZIN Ausgabe 04/ 2019

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