Bahnsport 05/2019

mce71

Liebe BSA-Leser, der Mai ist gekommen und wir begrüßen Sie ganz herzlich zu dieser Ausgabe. Die letzten Wochen war viel los, langweilig wurde es uns nicht. Mit Freude und Begeisterung haben wir, wie alljährlich, hierzulande die Eisrennen be- sucht bis (natürlich!) zu guter Letzt die Stimme weg war vor lauter Mitfiebern :-) Aber kein Wun- der, der große Showdown am Sonntagmittag in Heerenveen war an Spannung halt auch kaum zu überbieten. Das war ganz großes Eisspeed- way und spannend und knapp wie lange nicht. Herzlichen Glückwunsch an dieser Stelle an Da- niil Iwanow, der sich über seinen dritten Welt- meistertitel freuen darf. Anreihend wie bei ei- ner Perlenkette dicht gefolgt von seinen Lands- leuten Dimitri Koltakow, Dinar Walejew und Di- mitri Komisewitsch. Und dann auf Platz 5 auch schon der „Eishans“, der sich auch über eine sehr erfolgreiche Saison freuen darf. Für die jüngsten nicht so erfreulichen Verletzungen wünschen wir derweil gute Besserung und eine baldige Genesung...

PEOPLE & FACTS

Ein Pokal zum Abschied: Tomi Tani

mit Mechaniker Mikko Jetsonen

Tomi Tani hört auf

Der finnische Eisspeedwayfahrer Tomi Tani, der es dieses Jahr als „Reservist“

erstmals in die Finalläufe geschafft hatte, beendet seine Karriere.

Zum Eisspeedway kam der mittlerweile 46-Jährige, als er im Transporter

eines Arbeitskollegen einen Eisspeedway-Rahmen erblickte und fragte,

was denn das für ein Rahmen sei. Der Freund klärte ihn auf und bot ihm

an, einmal ein Eisspeedwaymotorrad zu testen. Und natürlich wollte er.

Das war der Beginn seiner Eisspeedway-Laufbahn im Jahr 2010, die dann

acht Jahre lang anhielt. Seine schönste Erinnerung und gleichzeitig sein

größter Erfolg war der Gewinn der Bronzemedaille mit Finnland in der Eisspeedway-Team-WM.

Außerdem war er dreimal finnischer Eisspeedway-

Vizemeister und einmal Bronzemedaillengewinner. Und das Beste am Eisspeedway

seien die Reisen gewesen, die ihn nach Schweden, Deutschland,

Holland, Polen und Russland gebracht haben. Dazu Tomi: „Es ist eine

große Familie. Wenn du etwas brauchst, fragst du einfach danach und

es läuft.“ Vor drei Jahren, 2016, kaufte er sich ein neues Motorrad und

nahm sich vor, noch drei Jahre zu fahren. Und nun, 2019, war es soweit.

Außerdem hatte er letztes Jahr einen schweren Unfall, der seinen Beschluss

nochmal festigte. „Es fühlt sich wirklich gut an, in einem Finallauf

aufzuhören. Das war mein Traum. Nach Heerenveen begleiteten mich meine

Freundin, gute Freunde und Fans. Ich hoffe, dass mein Mechaniker

Mikko Jetsonen nächstes Jahr mein Bike fahren wird und ich ihn als Mechaniker

begleiten werde. Ohne Eisspeedway geht es nicht.“ Der Meinung

sind wir natürlich auch.

• Text: bgb; Fotos: Jesper Veldhuizen

Simon Reitsma geht neue Wege

Auch der Niederländer Simon Reitsma sagte in Heerenveen dem aktiven

Eisspeedwaysport adieu. Wir möchten uns mit einem kleinen Interview

von dem 48-Jährigen verabschieden.

BSA: Simon, wann hast du mit dem Eisspeedwaysport angefangen und

wie bist du überhaupt dazu gekommen?

Simon: Da ich mit Tjitte Bootsma befreundet war, besuchte ich die Eisspeedwayrenenn

in Assen, um Tjitte anzufeuern. Ich bin auch mit Tjitte Supermoto

gefahren und nachdem ich aufgehört hatte, hat Tjitte mich 2006

zu einem Trainingslager in Steingaden eingeladen und da habe ich meine

ersten Runden mit einem Eisspeedwaymotorrad gefahren. In den folgenden

Jahren trainierte ich einige

Male auf einem See in den Niederlanden

und im Dezember 2010 bin

ich mit René Stellingwerf und René

Verhoef nach Schweden gefahren,

um da zu trainieren. In der gleichen

Saison habe ich meine ersten

Rennen gefahren, als ich 2011 in

Gniezno und Poznan startete und

dann auch bei der Deutschen

Meisterschaft in Berlin. Einige Wochen

später bin ich zum ersten Mal

beim Roelof Thijs Pokal gefahren.

Was war Dein größter Erfolg?

Individuell: ein 2. Platz in Flims

2013, wo ich mit zwei jungen Russen

auf dem Podest stand. Als

Teammitglied: Ligameister in

Schweden (2018 und 2019) mit

ÖMK Rundbana Örnsköldsvik. Weiterhin habe ich die Plätze 5 (2015),

6 (2016) und 7 (2019) beim Roelof Thijs Pokal, der ja immer sehr stark besetzt

war, geholt.

Deine schönste Erinnerung im Eisspeedwaysport?

Der Sanokcup in Polen, tolles Publikum und sehr schöne Rennen. Dort

wurden die Fahrer als Helden empfangen und nach dem Rennen fragten

hunderte Zuschauer nach Autogrammen und wollten mit den Fahrern fotografiert

werden.

Warum hast du jetzt aufgehört?

Trotz der Unterstützung meiner Familie, des Teams (Oepke de Jager und

Fedde de Boer) und natürlich der treuen Sponsoren, einschließlich auch

meiner deutschen Sponsoren GE-Service Dienstleistungen GmbH (Wasserburg)

und Klaus Bisl Versicherungsfachmann (Pfaffing), die auch die

treibenden Kräfte sind hinter dem Inn Isar Iceracing Team, wird es immer

schwieriger, den Sport mit meiner Arbeit als Selbstständiger zu verbinden.

Ich hatte auch ein paar Stürze, die körperliche Auswirkungen hatten.

Außerdem möchte ich meine Zeit damit verbringen, meinen Sohn Sebastian,

der jetzt 13 Jahre alt ist, zu trainieren und zu unterstützen. Er hat die

letzten zwei Jahre schon auf meinem Eisspeedwaymotorrad trainiert. Gemeinsam

mit meinem Team möchte ich auch gerne anderen jungen Fahrern

die Möglichkeit bieten, Eisspeedway zu entdecken und vielleicht

kommt da ein guter Fahrer dabei heraus. Alles in allem bleibe ich dem

Sport erhalten. Ich möchte auch die Gelegenheit nutzen, mich bei allen zu

bedanken, die mich während meiner Eisspeedwaykarriere in irgendeiner

Weise unterstützt haben, und hoffe, sie bald neben oder auf der Strecke

wiederzusehen.

Simon, Bahnsport aktuell und die gesamte Fangemeinde sagen Danke

für deinen Einsatz und wünschen Dir für die Zukunft bei all deinen Projekten

gutes Gelingen.• Text: bgb; Foto: David Reygondeau/good-shoot.com

„Eishans“: Wirbelsäule verletzt

„Ich fühlte mich nicht gut und hatte

ein Taubheitsgefühl im Arm”, so

Hans Weber vom Wasserburger

„Inn-Isar-Iceracing-Team”, der

beim WM-Finale im holländischen

Heerenveen nach dem Rempler eines

Kontrahenten schwer gestürzt

war. Dennoch fuhr der „Eishans”

den gesamten Grand Prix noch zu

Ende.

Ein riskantes Unterfangen, wie

sich jetzt bei einer eingehenden

Untersuchung herausstellte. Weber

hatte sich eine schwere Wirbelsäulen-Verletzung

zugezogen.

Der „Eishans“ wollte beim WM-Finale

unbedingt seinen herausragenden

5. Gesamtrang verteidigen

und holte in seinem ersten Lauf

auch gleich 3 Punkte. Im zweiten

Lauf kam es dann zu einer Berührung

mit einem Kollegen, wodurch beide in die Streckenbegrenzung fuhren.

Weber ging nach dem Sturz trotzdem weiter an den Start, da zu diesem

Zeitpunkt keiner von einer Wirbelsäulenverletzung ausging. Die ernüchternde

Diagnose kam ein paar Tage später. Ein MRT brachte Klarheit:

Der vierte Halswirbel ist angebrochen und hat in der Deckplatte eine Ab-

4 BAHNSPORT AKTUELL Mai '19

Weitere Magazine dieses Users
Ähnliche Magazine